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25 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

vegetarisch, kochbuch, rezepte, lecker, veggie

Last Minute Vegetarisch – Richtig lecker kochen in nur 10 bis 20 Minuten

Anne-Katrin Weber , Wolfgang Schardt
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783954531295
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich hab vor ein paar Tagen nochmal bei vorablesen.de mitgemacht, weil mich das Kochbuch "Last Minute vegetarisch" so interessiert hat und hab gleich gewonnen.

Das Buch kam ruckzuck bei mir an und ich habe es erstmal auf dem Sofatisch liegen lassen, damit der Mann mir Gerichte markieren kann, die er essen würde. Der Herr jetztkochtsie ist ja ein sehr heikler Esser, Käse darf nicht drin sein, matschig darf es nicht sein, Zucchinis sind gefährlich und am Besten ist es eigentlich ein Schnitzel und Pommes. Wir wollten allerdings zum einen unseren Fleischkonsum ohnehin nocheinmal deutlich herunterschrauben, wir essen so schon höchstens 2-3 Mal die Woche Fleisch, aber der Mann will weiter reduzieren und dem stell ich mich natürlich nicht in den Weg.

Dem entgegen steht das Problem, dass ich meist abends keine große Lust mehr habe zu kochen und mir auch ein Joghurt oder Brot reicht und er dann für sich schnell eine Frostapfanne oder ähnliches zusammenzimmert.

Das Buch kam uns also entgegen, denn es verspricht schnelle vegetarische Gerichte.

Der Mann hat dann tatsächlich einiges gefunden, was ihm schmecken würde und vieles davon ist nicht nur vegetarisch, sondern sogar vegan. Ich habe gestaunt, die Klappe gehalten und war heute dann nach der Arbeit flott einkaufen und habe zwei der Gerichte aus dem Buch ausprobiert.

Zum einen gab es den veganen Couscous-Fenchel-Salat mit Granatapfelkernen und zum anderen die Gnocchi-Pilz-Pfanne mit Trüffelbutter.

Beides hat uns sehr gut geschmeckt und war zusammen tatsächlich in weniger als 20 Minuten zubereitet.

Die Mengenangabe war passend für zwei Personen. Da ich beide Gerichte kombiniert habe, also Salat als Vorspeise und Pilzpfanne als Hauptgericht, ist vom Salat noch so viel übrig, dass ich davon morgen im Büro mittags sicher satt werde. Einzeln hätte das durchaus auch gereicht, aber ich wollte eben zwei Gerichte ausprobieren.

Geschmeckt hat es sehr gut und ich war enorm skeptisch, ob mein heikler Esser den ausgesuchten orientalischen Salat mit Minze und Granatapfel wirklich essen würde, aber er hat ihn nicht nur gegessen, sondern er hat sogar geschmeckt. Ich bin beeindruckt, vielleicht wird aus ihm doch noch ein Gourmet.

Das Kochbuch gefällt mir vom Aufbau her sehr gut, es sind Gerichte für alle Gelegenheiten und Geschmäcker drin, nichts, was mir überhaupt nicht schmecken würde und vieles, was wirklich außergewöhnlich ist, sei es durch Komposition oder Zubereitungsart.

Die Anleitungen sind kurz gehalten, gut verständlich und der Aufwand für alle Gerichte hält sich im Rahmen. Die Zutaten sind ebenfalls gut zu bekommen und nur sehr selten wirklich außergewöhnlich oder selten.

Die Fotos im Buch gefallen mir gut, sie sind hübsch, aber nicht überkandidelt, sondern so, wie es auch bei mir beim Kochen aussehen würde. Das hat mir gut gefallen. Hier werde ich sicher noch mehr nachkochen. Das war genau unser Fall. Dankeschön!

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Der Freund der Toten

Jess Kidd , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 19.05.2017
ISBN 9783832198367
Genre: Romane

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2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das Kleiderschrank-Projekt

Anuschka Rees , Rasha Kayat
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 16.02.2017
ISBN 9783832199265
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Kleiderschrank-Projekt von Anuschka Rees.

Ich kannte Frau Rees bereits als Bloggerin für Modethemen und als Autorin bei Bento. Schreibstil und ihre Themen haben mich da immer ganz gut unterhalten und weiterbringen können, darum habe ich mich sehr gefreut, als es hieß, sie bringt ein Buch zu ihrem Hauptthema der Mode heraus.

Da ich ja auch gerade dabei min meinen Kleiderschrank umzustrukturieren und dabei vorallem auf die Hilfe der Zalon Box zurück greife, weil ich selbst einfach unfaßbar unstrukturiert beim Einkauf von Kleidung bin.

Ich weiß zwar immer recht genau was ich will, neige aber zu Spontankäufen und Dingen, die wirklich überhaupt nicht zu meiner sonstigen Garderobe passen und dann ein trauriges Dasein im Schrank fristen.

Das Kleiderschrank-Projekt hörte sich daher für mich total gut an. Ein Plan, wie ich meinen Kleiderschrank entmiste und gleichzeitig aufwerte. PERFEKT!

Das Buch ist wirklich schön gestaltet mit hübschen Grafiken und Fotos versehen und lädt einen zum Lesen und Verweilen ein.

Dabei ist der Aufbau wirklich simple, erstmal wird erklärt, was das Buch überhaupt will, was Minimalismus im Kleiderschrank bedeutet und wie man seinen eigenen Stil findet, ohne dabei Trends hinterher zu rennen. Ich gehöre zu den Menschen, die recht wandelbar sind, den einen Tag fühle ich mich in Boots und abgetragener Lederjacke sehr wohl, den nächsten schwebe ich mädchenhaft im Blümchen-Hippie-Rock und wallender rosa Bluse durch die Büroflure, in der nächsten Woche hab ich lieber meine selbstgestrickten Pullis an, was meine Kollegen dabei von mir denken ist mir in der Regel recht egal, die besten Voraussetzungen also, mich auf das Experiment einzulassen. Ich würde zwar nicht sagen, dass ich meinen Stil schon gefunden habe, aber irgendwie ist es ja auch Stil, wenn man immer wieder Stilrichtungen mixt und kombiniert, je nach Stimmungslage.

Das Buch gibt sich hier aber nicht mit Platitüden und einer einfachen Analyse zufrieden, es stellt dem Leser auf der Suche nach dem eigenen Stil Aufgaben. Natürlich kann man für sich selbst entscheiden, welche davon man umsetzt und welche man überblättert, ich habe als Experiment aber tatsächlich die meisten umgesetzt und war teilweise von den Dingen, die mich inspiriert haben oder die ich dadurch herausgefunden habe überrascht.

Ein Großteil des Buches geht dafür drauf herauszufinden, was einem überhaupt gefällt, was man mag was zu einem paßt und was man wirklich schätzt. Damit hab ich in der Regel kein Problem, da ich ich sehr genau weiß, was ich möchte und was ich an mir mag, trotzdem boten sich mir auch hier Überraschungen, wer sich hier auf die Gedankenspiele einläßt, der wird sicherlich sein „Mag-ich“-Spektrum erweitern können.

Gut gefallen haben mir hier ihre Listen und Tabellen, die Alternativen und Vergleiche vorschlagen, so dass man, wenn man nicht gleich so mutig ist, seinen kompletten Stil umzukrempeln erstmal probieren kann.

Ebenfalls gut fand ich, das Frau Rees keine Regeln vorgibt, sondern den Leser / die Leserin selbst festlegen läßt, was man als Regel beherzigen möchte und was nicht. Sie gibt Anregungen und Tipps, tritt aber nicht belehrend auf und benennt auch keine Does / Don’ts, denn erlaubt ist, was gefällt.

Weiterhin setzt sie sich auch mit dem Selbstbewußtsein der Leser auseinander, denn ein Stilwechsel benötigt erstmal Mut, fühlt man sich in der Kleidung unwohl, weil sie einem nicht liegt? Oder weil es am Selbstbewußtsein mangelt, das gilt es herauszufinden. Nun mangelndes Selbstbewußtsein kann man mir nicht unterstellen… befürchte ich, mit dem Kapitel war ich also flott durch. 🙂

Am Ende von Teil 2 des Buches hat man seinen eigenen Stil kreiert, mich persönlich hält nichts davon ab auch für mich mehrere Stilrichtungen festzulegen, die mir alle gefallen und mit denen ich spielen und variieren kann.

In Teil 3 gibt es dann eine Detox-Kur für den Kleiderschrank. Obwohl mein Kleiderschrank relativ gut gepflegt ist, habe ich nach diesem Teil 2 volle Wäschekörbe aussortiert. Kleidung, die ich nicht trage, Kleidung die ich nur trage, weil sie anderen gefällt, Kleidung, die mir nicht mehr paßt, Kleidung, die in der ich mich nicht wohlfühle, Kleidung, die schön, aber unbequem ist. Am Ende ist mein Kleiderschrank ordentlich entrümpelt und entschlackt, dafür enthält er nur noch Dinge, die ich mag.

Hierzu nutzt sie ein übersichtliches Flußdiagramm, um Entscheidungshilfe zu leisten, bei den Dingen, bei denen man unentschlossen ist.

Im nächsten Teil geht es darum zu analysieren, welche Kleidung man für SEIN Leben wirklich braucht, welche tragbar ist und welche man zwar gerne hätte, welche man aber nie anziehen wird, weil es an Gelegenheiten fehlt. Auch ich habe 4 Abendkleider im Schrank hänge, jeweils für Hochzeiten oder andere Anläße gekauft und dann nie wieder getragen und auch von diesen konnte ich mich auch diesmal nicht trennen, obwohl klar ist, dass ich sie nie wieder tragen werde… Ein bißchen Nostalgie gibt es auch nach dem Kleiderschrankprojekt noch in meinem Schrank.

Dann geht es darum aufzurüsten, die Garderobe um Key-Pieces zu erweitern, mit denen man viel kombinieren kann, aber auch die Finanzen dabei zu berücksichtigen und zu kalkulieren, was man haben will und was man sich leisten kann. Ich persönlich gebe sehr viel Geld für Kleidung aus und würde das hier und da gerne etwas regulieren, lieber weniger kaufen und dafür glücklicher mit dem Gekauften sein.

Auch das Farbkonzept macht sie zum Thema und hier tue ich mich tatsächlich schwer, ich mag so viele Farben, die teilweise wirklich nicht kompatibel sind, aus diesem Kapitel habe ich für mich daher sehr viel mitgenommen. Danke dafür.

Bei meinem Kleiderschrank-Projekt geht es für mich auch darum meinen Business-Look ein wenig seriöser und vorallem erwachsener zu machen. In meinem Job ist ein sehr legerer Dresscode gefordert, trotzdem merke ich, dass anders auf mich reagiert wird und ich anders wahrgenommen werde, wenn ich mich eben doch in Hosenanzug und Bluse werfe, meist habe ich dazu trotzdem keine Lust, weil ich es anstrengend finde, das würde ich gerne ändern und auch hier hilft mir Frau Rees mit anderen schicken Business-Alternativen, die über den Hosenanzug hinaus gehen. Das Thema der Capsules Warderobe nimmt sie hier ebenfalls auf, erklärt es verständlich und umsetzbar, es ist aber nur eine Alternative und keineswegs das komplette Konzept des Buches.

Dann folgt ein Shopping-Guide, den ich sehr hilfreich fand. Ich hasse es einzukaufen, ich hab es schon immer gehaßt. Menschen überall, noch schlimmer, wenn ich Menschen dabei habe, meinen Mann oder meine Freundin, das kann ich einfach nicht. Ich brauche zum Einkaufen Ruhe, daher tue ich das tatsächlich am Liebsten von zuhause aus und die Zalon-box kommt mir da wirklich sehr entgegen.

Außerdem gibt sie hier Tipps, wie mein das Beste aus seinem Budget herausholen kann und vorallem woran man gute Qualität und Verarbeitung erkennt. Das fand ich sehr interessant und hilfreich.

Am Ende des Buches gibt es dann ein paar Tipps, wie man seine Garderobe genauso funktional und gut erhält, wie man sie regelmäßig pflegt und aufstockt, auch das fand ich gut und praktisch.

Ich hatte viel Spaß dabei meinen eigenen Stil zu ermitteln, meinen Horizont zu erweitern und mir Gedanken dazu zu machen, was ich eigentlich will. Das Ausmisten war nötig und das Buch hat mir viele hilfreiche Denkanstöße gegeben. Wer schon immer mit seiner Garderobe im Reinen war, wird das Buch nicht brauchen, wer aber genauso unstet ist, wie ich in den Dingen, die ihm gefallen, der sollte hier wirklich einen Blick wagen. Mir hat es viel Spaß gemacht.

Dankeschön.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

lonely planet, toiletten, fotoband, wc

Toiletten

Lonely Planet , Susanne Völler , Anne Winterling
Flexibler Einband
Erschienen bei MAIRDUMONT, 12.10.2016
ISBN 9783829726627
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich mag ja die Lonely Planet Reiseführer sehr gerne und habe mich daher sehr gefreut, als ich als kleine Überraschung ein etwas anderes Rezensionsexemplar von Lonely Planet zugeschickt bekommen habe.

Das "Toiletten"-Buch.

Auf einer Seite oder teilweise auch Doppelseite wird eine außergewöhnliche Toillette vorgestellt und in einem kurzen Text finden sich erläuternde Worte zur Örtlichkeit und dem Bild und darüber finden sich die Geo-Koordinaten.

Die Toiletten unterscheiden sich und sind teilweise außergewöhnlich, teilweise sehr stylisch, teilweise irritierend und teilweise einfach nur lustig.

Ich fand das Buch ziemlich interessant und es regt trotz des außergewöhnlichen Themas die Reiselust.

Mein persönliches Highlight war die Tardis-Toilette, aber auch die Toiletten, die einfach eine tolle Aussicht bieten, haben mir gut gefallen.

Das Buch selbst hat ein quadratisches Format und ist schön handlich, macht sich aber auch im Regal gut.

Ich persönlich empfinde es als witziges Mitbringsel oder Toilettenbuch zum kurzen Durchblättern sehr geeignet. Der Preis ist angemessen. Hier und da hätte ich mir noch ein paar mehr Bilder aus anderen Perspektiven gewünscht, oder auch noch weitere Bildere, eben weil es mich gut unterhalten und amüsiert hat.


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89 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

paris, terroranschlag, bataclan, frankreich, tod

Meinen Hass bekommt ihr nicht

Antoine Leiris , Doris Heinemann
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 09.05.2016
ISBN 9783764506025
Genre: Biografien

Rezension:

Ich bin nicht ganz sicher, was ich bei diesem Buch eigentlich erwartet habe, vermutlich etwas Betroffenheitsliteratur, was fürs Herz, eben das, was man so erwartet, wenn die junge Frau eines jungen Journalisten gewaltsam zu Tode kommt und dieser dann damit an die Öffentlichkeit geht.

Sein Herz ausschüttet. Rührseligen Kram. Ein paar Platitüden habe ich erwartet, Nähe, ohne wirklich nah zu sein, viel Selbstdarstellung und vorallem viel Verklärung.
Erhalten habe ich letztlich etwas ganz anderes, sehr viele sehr persönliche Überlegungen, Reaktionen, Gefühle und Ideen, die nicht immer in meine Vorstellung paßten, aber genau das fand ich ausgesprochen gut. Dieser Antoine Leiris läßt den Leser teilhaben an seiner Unsicherheit, seiner Angst, seiner Stärke, seiner Trauer und seiner Hilflosigkeit. Dabei zeigt er sich selbst klar nicht immer im bestmöglichen Licht, sondern eben auch mal unsympathisch, ruppig oder rauh. Warum auch nicht, er hat seine Frau verloren, er darf all das sein und wenn es ihm gut tut, noch viel mehr.
An anderer Stelle habe ich Vorwürfe gelesen, dass Herr Leiris mit dem Leid seines Sohnes Geld verdient, dass er sympathische Interviews führt und dann sein Buch in die Kamera hält, tja, meine Meinung ist da sehr deutlich. Warum sollte er das nicht tun? Er wurde in die Situation gestoßen plötzlich gänzlich ungeplant für seinen Sohn sorgen zu müssen, Geld verdienen und das Kind versorgen wird schwierig, Mama ist nicht mehr da, warum also soll er nicht diese plötzliche Publicity nutzen, aus all dem etwas Positives erschaffen nicht nur seinen Sohn versorgt zu wissen, sondern eben auch gegen den überall sprießenden Hass anzuschreiben.

Klar zu machen, "Ihr habt mir meine Frau gestohlen, aber ich verzeihe euch, ich bin stärker als ihr!"
Das gelingt ihm gut.
Das Buch berührt, verstört, beruhigt und macht traurig, all das zugleich und mit geballter Emotion.
Es fällt mir schwer die richtigen Worte zu finden, aber das Buch sollte aus meiner Sicht jeder lesen, der Hetze verbreitet, jeder der selbst religiös fanatisch ist, jeder der jemanden verloren hat, den er liebte.
Leiris macht nicht alles richtig in seiner Trauer, aber wer würde das schon, er setzt sich jedoch sehr detailliert mit seiner Situation auseinander, er ist bedächtig und klug und mir hat das Lesen des Buches unheimlich viel gegeben.

Ich selbst habe keine Stunde für das Büchlein gebraucht, eine Stunde, die mir wichtig war.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

wednesday martin

Die Primaten von der Park Avenue

Wednesday Martin , Hans-Christian Oeser , Nina Frey
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 17.03.2016
ISBN 9783827013101
Genre: Biografien

Rezension:

Ich hatte vor einiger Zeit den „Lila Podcast“ gehört und dort war die Rede von Wednesday Martin und ihrem Buch „Die Primaten von der Parkavenue“ und da ich selbst ja gerade vor wenigen Wochen noch in New York war, hab ich das zum Anlass genommen, mir eben jenes Buch als nächsten Lesestoff vorzunehmen. So recht konnte ich zu Beginn nicht einordnen, was mich erwarten würde. Sachbuch? Erzählungen? Witzige Anekdoten? Mit geringer Erwartungshaltung bin ich also an dieses Buch herangegangen, hatte aber vorher Frau Martin gegoogelt und als sehr sympathisch empfunden, zumindest nach den Dingen zu urteilen, die man über sie im Netz finden konnte. Ihren Blog finde ich intelligent und witzig, ihre Website gefällt mir von Design und Inhalten her und die Wikipediaseite von ihr barg ebenfalls Informationen, die mich ansprachen. Sogar ihr Instagramprofil fand ich einfach nett und persönlich. (Besonders nett ihre Reaktion auf mein Foto von ihrem Buch: Klick!)

Ich stürzte mich also ins Leseabenteuer und bereits auf den ersten Seiten hatte sie mich. Martin schreibt witzig, bissig ohne dabei gemein oder gehässig zu sein. Sie beleuchtet das Leben der Superreichen und zwar nicht aus der Ferne, sondern als eine, die dazugehört, oder zumindest später dazu gehört. Sie schildert begebenheiten, Wichtigkeiten und Nichtigkeiten, erzählt, wie mit ihr umgegangen wurde, wie sie sich selbst langsam auf der Wichtigkeitsskala hocharbeitete und was es dabei zu beachten galt, was den Normalmenchen gar nicht zu bewußt ist. Sie erwähnt, die richtige Sportbekleidung (Lululemon), die richtige Sportart (Physique 57 oder Soulcycling), die richtigen Schulen, Wohnungen und natürlich auch die richtige Handtasche (Birkin-Bag). Über die Handtasche schreibt sie sage und schreibe 12 Seiten lang, natürlich kann das kaum ein Mann verstehen und sicher auch keine Frau, die wenig Wert auf Äußerlichkeiten legt und all dies eher oberflächlich findet. Ich hingegen war hingerissen. Die Birkin-Bag ist ein langgehgter Traum, natürlich ist es utopisch und gänzlich unvernünftig mehrere tausend Euro für eine Handtasche hinzulegen (mein gewünschtes Model läge neu bei 24.000 Euro…seufz), aber Martin beschreibt vorallem dieses „Haben-wollen“ und „Haben-müssen“ sehr detailliert und beleuchtet auch die Birkin-Bag als Statussymbol durchaus kritisch und findet auch hier bissige Worte. Trotzdem waren dies die für mich fantastischsten 12 Seiten eines Buches. Aber ich gerate ins Schwärmen und schweife ab. Martin zeigt in ihrem Buch sehr deutlich, wie sehr sich die Welt der Superreichen von unserem Alltag abhebt, wie man dort miteinander umgeht und hat dies alles zu Beginn einen sehr negativen Beigeschmack, kommt Martin letztlich doch dahin, auch in diesen Gefilden Zusammenhalt, Vertrauen und Geborgenheit zu finden.

Mir hat Martins Beschreibung dieser fernen und unnerreichbaren Welt wirklich Spaß gemacht, hier und da konnte ich lüstern und ein wenig entsetzt als kleiner Spanner die Augen aufreißen und denken: „Das tun sie nicht!“, hier und da war ich fasziniert, an anderer Stelle abgestoßen. Der Schreibstil ist locker leicht, aber eben mit kleinen witzigen und intelligenten Pointen versehen, immer wieder blitzt auch Wednesday Martins Vorbildung als Sozio-Anthropologin durch die munteren Zeilen durch und hier und da wird es sehr bewegend, sehr persönlich und sehr mitreißend.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen, es gewährt einen Einblick in eine Welt, in der ich nicht lebe, in eine Welt, in der ich eigentlich auch nicht leben möchte, die mich aber durchaus fasziniert und interessiert. Dabei wird die Rolle als Frau und Mutter in diesem Bereich sehr exakt analysiert und dabei vorallem viel Wert auf die emanzipatorischen Aspekte gelegt und aufgezeigt, wie sehr wir Frauen uns oft selbst einschränken und abhängig machen.

Ich fühlte mich wirklich gut unterhalten und würde das Buch gerne jedem empfehlen, der 12 Seiten über die beste Handtasche der Welt als nicht vergeudetes Papier ansieht.😉

(Es handelt sich nicht um einen Ratgeber!! Wirklich nicht!!)

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Unorthodox

Deborah Feldman , Anita Hopt
Audio CD: 8 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 12.09.2016
ISBN 9783958620070
Genre: Biografien

Rezension:

Ich muß zugeben, mich vor dem Hören des Buches nur grob informiert zu haben, worum es geht. Ich habe in meinem Leben wenige Berührungspunkte mit dem Judentum. In meiner Gymnasialklasse war ein Mädchen Jüdin und ich erinnere mich, immer sehr neugierig gewesen zu sein, was bei ihr und in ihrer Familie anders ist, vorallem weil ich auf einem sehr strengen katholischen Gymnasium war. Geburtstagsfeiern bei ihr, hatten für mich immer etwas irgendwie Geheimnisvolles und Spannendes, weil die Familie zwar offenbar nicht streng ihren Glauben praktizierte, aber dennoch vieles für mich anders war. Generell übt der jüdische Glauben auf mich einen gewissen spirituellen Reiz aus, er hat etwas Mystischeres als mein eigener katholischer Glaube, der mich in meiner Jugend ängstigte, einschränkte und trotz einer recht "ungläubigen" Familie auch behinderte.
Ich lese unheimlich gerne Bücher jüdischer Autoren, ich mag den jiddischen Humor und schätze den leichten Sarkasmus, der dieser Religion aus meiner Sicht immer ein wenig zu eigen ist.
Vor einigen Wochen war ich zum ersten Mal in New York und mir wurde dort auch zum ersten Mal bewusst, wie wenig ich über diese Religion weiß, natürlich konnte ich die gläubigen Männer mit ihren Schläfenlocken als jüdisch identifizieren, aber sie gehören hier in Deutschland halt nicht zum Bild der Bevölkerung und daher habe ich mich, die ich mich doch für so schrecklich liberal, offen und tolerant halte, tatsächlich beim Starren erwischt, sicher nicht unangenehm, eher neugierig und interessiert, zumindest hoffe ich das.
Hier in Köln gibt es die Möglichkeit an einem jüdischen Abend in der Synagoge mit koscherem Essen und interessanten Gesprächen teilzunehmen, das habe ich getan und bin auf sehr gebildete, weltoffene, interessierte und emanzipierte Menschen gestoßen, umso mehr hat mir Feldmans Buch die Augen geöffnet, dass die von mir so neugierig und interessiert betrachtete Religion auch ihre Fanatiker birgt und mein Eindruck, dass der Stand der Frau im Judentum eigentlich ein sehr eigenständiger ist, sich nicht auf jeden Zweig dieses Glaubens bezieht.
Ich muß ehrlich zugeben, einen Moment gebraucht zu haben, um festzustellen, dass der Text tatsächlich in der "Gegenwart" bzw. nicht allzu fernen Vergangenheit spielt, wirklich bewußt wurde mir das erst, als ein Handy oder ein Computer erwähnt wird, vorher war ich der Meinung, wir befinden uns irgendwo in den 50er Jahren.
Mein Bild eines freien, nach Bildung strebenden und offenen Judentums erhielt während der Schilderungen einen argen Knick und ich weiß nicht, welche Naivität mich dazu verleitet hat zu glauben, gerade diese Religion sei frei von dem Fanatismus und Extremen, den es in allen anderen Religionen gibt und der mir gerade da auch durchaus bekannt ist, bin ich selbst doch auf eine Schule gegangen, die von katholischen Patern geführt wurde und in der ein zu tiefer Ausschnitt oder ein zu kurzer Rock durchaus dazu führten, dass meine Mutter nach dem Unterricht einen Anruf erhielt, bzw. in der noch wenige Jahre vor mir ausschließlich Jungen unterrichtet wurden.
Natürlich ist mir bewußt, dass Feldman in ihrer chassidischen Gemeinde Extremen ausgesetzt war, dass hier keineswegs der alltäglich jüdische Glaube gelebt wurde. Ich muß zugeben, die Begriffe Satmar, Chassiden und ultraorthodox natürlich zuvor gekannt zu haben und auch mir eingebildet zu haben, zu wissen, was sie bedeuten. Nach der Lektüre des Buches, weiß ich, dass ich nichts wußte... gar nichts.

Feldman berichtet, sachlich und doch emotional über ihr Frauwerden, ihre Sexualität und ihre Probleme, die sie vorallem wegen ihrer Erziehung und ihres Glaubens mit sich herumschleppt, sind schockierend und öffneten mir, die ich mich in meiner Filterbubble, in der Frauen alles werden können, was sie wollen, schließlich bin ich selbst relativ erfolgreich in einem Beruf, der an vielen anderen Orten (auch in Deutschland) noch in den meisten Fällen von Männern dominiert wird, in der Frauen sagen dürfen was sie wollen, lernen dürfen, was sie interessiert und in denen Sex und Verhütung ein Thema ist, das man durchaus offen thematisieren kann und in der man nicht in der Hochzeitsnacht plötzlich mit Problemen zu kämpfen hat, die weder einem selbst noch dem Partner bekannt sind, vorallem aber lebe ich in einer Welt, in der ich mir aussuchen darf, wer mein Partner ist, ob ich heirate und Kinder möchte und in der ich nicht darüber definiert werde, wie ich die Maßstäbe anderer erfülle, sondern ob ich ein netter Mensch bin oder nicht.
All diese meine eigentlich gar nicht so modernen aber für mich selbstverständlichen Denkweisen demontiert Feldman allein durch die Schilderung ihrer Jugend, ihrer lieblosen Verwandten, des Unverständnisses und der vielen Regeln, die ich bisher eher als Kann-Vorschriften aufgefaßt hatte, denn als wirklich strikte Verbote.
Feldman schreibt dabei eindringlich, intensiv und absolut unterhaltsam. Diese Geschichte ist keineswegs lediglich ein Leidensweg, es ist ein Weg der Befreiung und ein äußerst unterhaltsames und dramatisches Stück Zeitgeschichte, das sich als Hörbuch sehr gut hören ließ. Trotz der Länge kommt hier keine Langeweile auf, im Gegenteil Feldman schockiert, beschwichtigt, erklärt und rüttelt wach und Anita Hopt liest das ganze mit einer wunderbar angenehmen Stimme und einer sehr guten und ansprechenden Betonung und Umsetzung.

Mir hat dieses Buch vor allem für meine eigene Ignoranz und Naivität die Augen geöffnet, in der ich annahm, dass nur weil ich lediglich emanzipierte und fortschrittliche jüdische Gläubige kennengelernt habe, die ganze Religion eine sehr fortschrittliche sein müsste.
Ich habe Feldman mittlerweile in einigen Interviews gesehen und nachdem ich ihre Geschichte nun vermeintlich kenne, beeindruckt sie mich noch mehr. Eine sehr angenehme und starke Frau, die ihren Weg gegangen ist, obwohl eigentlich alles versucht hat, sie daran zu hindern und die zum Vorteil von uns allen auch noch in der Lage ist, diesen Weg mit einem gewissen wehmütigen Humor und einer spannenden Erzählweise zu schildern.

Unorthodox war für mich ganz klar das Buch des Jahres 2016. Bewegend, intensiv und erschreckend habe ich den Worten gelauscht und während ich unterhalten wurde, auch einiges über mich gelernt... Frau Feldman gehört für mich zu den wenigen sehr interessanten jungen Frauen, nicht nur durch das, was sie erlebt hat, sondern auch durch ihr Auftreten, ihre Erzählkunst und ihre klugen Anmerkungen, oder aber die Fähigkeit auch sich selbst einzugestehen Fehler zu machen, Wut zu zulassen oder Unbeherrschtheit Raum zu geben, denen ich gerne mal die Hand schütteln und mit denen ich ein paar Worte sprechen würde.

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DuMont BILDATLAS Provence

Rita Henss , Roland Gerth
Flexibler Einband
Erschienen bei DuMont Reiseverlag, 11.03.2016
ISBN 9783770194339
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mir gefällt die Reihe der DuMont Bildatlanten wirklich ausgesprochen gut. Die Hefte haben fast schon die Qualität von Büchern, sind stabil und wirklich schön aufgemacht.
Nachdem sie mir nun einige Wochen den Wohnzimmertisch verschönert haben, hatte ich heute endlich Zeit mich intensiv mit den Heften zu befassen. Ich habe es mir also mit einer schönen Lavendellimonade auf dem Sofa bequem gemacht und in den Atlanten geblättert.

Der Band, der sich mit der Provence befaßt, hat mir besonders gut gefallen, was zu einem großen Teil auch daran liegen könnte, dass mir die Provence halt einfach gut gefällt. Mein Traum ist ein Alterssitz dort ein kleines Cottage mitten in Lavendelfeldern, kann es etwas Schöneres geben? Nein. Kann es nicht. Da ich von meinem Alterssitz aber noch ungefähr 30 Jahre entfernt bin, muß ich mich erstmal mit Bildatlanten trösten.
Dieser hier ist zunächst mit einem sehr übersichtigen Inhaltsverzeichnis ausgestattet und dann mit einer großen Übersichtskarte, auf der vermerkt wurde, wo im Heft welcher Bereich besprochen wird.

Dann geht es mit den Topzielen los.
Mont Ventoux, die Ockerbrüche, Avignon, Marseille und Aix en Provence, sowie noch einige mehr.

Die Dazu gehörigen Bilder sind wunder wunderschön, die kurzen Texte dazu passen sehr gut und wecken die Reiselust. Besonders schön, fand ich hier die Vorstellung verschiedener Aussichtspunkte, die einen guten Blick auf das Land geben. Sowas würde ich mir in jedem Reiseführer wünschen.
Sehr informativ fand ich auch den Bericht über die Trüffelsuche, dieser ist wirklich gut recherchiert und unterhaltsam geschrieben.
Essen und Genuß nehmen bei den Infos & Empfehlungen einen großen Raum ein und die hier genannten Empfehlunen haben mir als Freundin der Provence sehr gut gefallen. Hier hab ich Altbekanntes, aber auch neue Dinge gefunden.
Gefreut habe ich mich auch Herrn Loubet im Heft zu entdecken, einer der wenigen 2-Sterne-Köche, die nicht ständig ihr Gesicht in jede Kamera halten und dabei doch viel zu erzählen haben.

Generell haben die Texte eher keinen Reiseführercharakter, sondern sind sehr unterhaltsam und gefallen mir wirklich gut. Ein wenig Reiseführercharakter hat dann die Empfehlung der 10 schönsten Unterkünfte, die teilweise überraschend erschwinglich sind. Gut gefallen hat mir auch das Kästchen mit „DuMont aktiv“, in dem immer wieder sportliche Aktivitäten empfohlen werden.

Natürlich findet man auch einen Text über meinen geliebten Pastis, der mich sofort dazu veranlaßt hat, die Lavendellimonade gegen ein Gläschen Pastis zu tauschen.

Wer gerne auf Märkte geht, findet hier ebenfalls Empfehlungen.
Am Ende des Atlanten findet man außerdem die typischen Service-informationen, die man für eine Reise benötigt.

Der Bildatlas ersetzt keinen Reiseführer, versetzt einen aber in Reisestimmung und macht beim Lesen einfach nur sehr viel Freude.

(Die Atlanten wurden mir als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.)

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

sachbuch reise & abenteuer

DuMont BILDATLAS Rom

Barbara Schaefer , Frank Heuer
Flexibler Einband
Erschienen bei DuMont Reiseverlag, 29.02.2016
ISBN 9783770194346
Genre: Sonstiges

Rezension:

Seit Jahren möchte ich nach Rom, nächstes Jahr, wird es soweit sein.
Zur Einstimmung habe ich mich bereits mit Reiseführern und Bildbänden eingedeckt, wie man das als buchaffiner Mensch nun mal so tut.
Vom Dumont Verlag habe habe ich freundlicherweise verschiedene Bildatlanten als Rezensionsexemplare erhalten, unter anderem Rom.
Zunächst, die Bildatlanten habe den Charakter hochwertiger Zeitschriften. Er eignet sich als Coffeetable Book, aber eher nicht als Reiseführer für unterwegs, da er recht groß und wenig handlich ist.
Zur Einstimmung auf die Reise und zur Information bereits zuhause ist er aber grandios.
Mit starken und ausdrucksintensiven Bildern wird hier auf 120 Seiten ein sehr guter Überblick über Rom geschaffen. Es beginnt mit einer Übersichtskarte nd den Topzielen in Rom. Hier finden sich Pantehon, Colosseo, die Engelsburg und weitere bekannte Touristenattraktionen. Hier fand sich für mich keine große Überraschung, aber es fehlte auch nichts, was ich mir noch gewünscht hätte.
Toll fand ich die Übersicht über grüne Oasen, ich liebe es in fremden Städten, Parks und Gärten zu erkunden, hier bekomme ich 8 tolle Vorschläge geliefert, deren Bilder bereits erahnen lassen, dass sich der Besuch lohnt.
Interessant und durchaus lesenswert fand ich auch die Essays, welche alle schön bebildert sind und sich gut lesen lassen und dabei informativ sind. Das eignet sich dann durchaus auch wieder als Reiselektüre für unterwegs.
Vorschläge für Märkte und Kunst und Kultur, finden sich ebenfalls in ausreichender Menge. Spannend fand ich auch den Text über Fashion in Rom, Boutiquen und die Unterschiede zwischen Rom und Mailand.
In kleinen Kästchen finden sich zusätzlich Hinweise für Aktive, Sportempfehlungen und Ideen. Im zweiten Teil hat er Atlas dann eher Reiseführercharakter, doch auch das gefällt mir gut. Hinweise für Aktivitäten, Kulturereignisse, Restaurants und Hotels.
Natürlich kommt auch die Kulinarik bei den Texten und Empfehlungen nicht zu kurz und hier fand sich dann so manche Perle, die mir noch nicht bekannt war und es sehr rasch auf unsere Liste der zu besuchenden Dinge schaffte. Der Vatikan bekommt einen eigenen Abschnitt, wird vorgestellt, bebildert dargestellt und empfohlen. Das war sehr informativ, allerdings auch sehr reduziert.

Für Eisliebhaber gibt es dann noch eine Rangliste der besten Eisdielen Roms, die wir hoffentlich alle besuchen werden. Ich liebe Eis!!

Der Bildatlas ersetzt sicher keinen Reiseführer, bietet jedoch weitreichende Informationen und Vorschläge, was man tun könnte, was man besuchen sollte und sehr viele Hinweise für Aktivitäten, die man nicht wirklich in jedem Reiseführer findet.
Mir hat die Lektüre viel Spaß gemacht und mich schön in meine Reiselust eingestimmt. Von mir aus könnte es jetzt schon losgehen.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

DuMont Bildatlas Eifel, Aachen

Klaus Simon , Rainer Kiedrowski
Flexibler Einband
Erschienen bei DuMont Reiseverlag, 05.09.2016
ISBN 9783770194544
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich stamme aus der Region (Broichweiden) und wohne mittlerweile nahe des Ahrtals und war sehr interessiert, wie genau die Eifel und Aachen im Bildatlas präsentiert werden.
Die optische Aufmachung mit einer der typischen hohen Hecken, die es in der Eifelregion gibt, vor dem Haus gefällt mir sehr gut und ist aus meiner Sicht passend.
Unterteilt ist der Atlas in die Teile Aachen, Nordeifel, Ahrtal - Osteifel, Vulkaneifel, Südeifel.

Zu Beginn gibt es einen Abschnitt, in dem die Topziele genannt werden, hier finden sich alle von mir erwarteten Dinge, der Aachener Dom natürlich, Monschau, Burg Eltz, das Freilichtmuseum Kommern oder die Dauner Mare. Dann folgen einige Seiten mit schönen Fotos und Impressionen aus der Region Aachen, die zeigen, wie vielfältig die Landschaft und das Stadtbild sind.

Es gibt einen für mich sehr gelungenen Artikel zu den schönsten Badestellen der Eifel, allerdings fehlten mir hier ein paar Insidertipps, bzw. den Blausteinsee oder die Steinbachtalsperre habe ich wirklich vermisst. Allerdings ist das ja auch ein wenig Geschmackssache.

Der Teil, der sich auf Aachen bezieht ist informativ und unterhaltsam gestaltet und läßt sich sehr gut lesen. Natürlich wird hier auch der geschichtliche Hintergrund von Aachen und dem Bezug zu Karl dem Großen intensiv, aber eben nicht langatmig beleuchtet.
In kleinen Informationskästchen werden immer mal wieder nette Wissenshinweise eingestreut, beispielsweise über die Aachener Printen.
Sehr gut fand ich den zweiseitigen Bericht über die 10 Landgasthöfe, von denen mir zwar 5 bekannt waren und auch sehr geschätzt sind, aber der eben auch für mich als alteingesessenes "Öscher Mädschen" noch Neuigkeiten bot.
Besonders empfehlen möchte ich hier das Schnabuleum in der Senfmühle Monschau, am Wochenende zwar sehr voll und etwas überlaufen, aber auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man wirkliche Hausmannskost auf gutem Niveau und schöner Umgebung essen will.

Im Bereich Infos und Empfehlungen findet sich eine Umgebungskarte und diverse Informationen, die einem Reiseführer ähnlich aufgearbeitet sind. Hier habe ich nichts vermisst und fühlte mich umfassend informiert.
Schön fand ich hier den Hinweis auf die Route Charlemagne, einen schönen Stadtspaziergang mit historischem Hintergrund.

Im nächsten Abschnitt findet die Nordeifel Erwähnung, das hohe Venn ist mit wirklich tollen Bildern vertreten und obwohl ich wirklich nicht gerne Wandere oder Spazieren gehe, lege ich wirklich jedem einen Vennspaziergang ans Herz. Speziell im Herbst ist das einfach wunderschön.
Monschau nimmt hier natürlich einen zentralen Punkt ein, aber hier gehen die Informationen auch über die normalen touristischen Eckdaten hinaus und sind mit viel Herz erwähnt und bebildert. Das gefällt mir wirklich gut, vorallem, weil ich Monschau trotz der vielen Touristen sehr schätze.
Bei den Topatraktionen hatte ich den Wildpark Hellenthal vermisst, hier wird er dann aber auch erwähnt und ist mit einem wunderschönen Greifvogelbild vertreten. Als Schulkind habe ich schon Ausflüge dorthin gemacht und auch jetzt als Erwachsene ist Hellenthal immer wieder schön. Auch der Bericht zu den Ritterspielen auf Burg Satzvey ist schön bebildert und macht Lust auf einen Besuch, den ich vor allem zu Weihnachten zum Weihnachtsmarkt oder zu Halloween empfehlen kann.

Zusätzlich gibt es einen aus meiner Sicht sehr interessanten Artikel zum Thema des nationalsozialistischen Erbes der Region, der für mich viele Informationen barg, die mir so nicht bekannt waren.
Neben Kultur, Geschichte und Natur werden aber auch Hinweise für Sport und Unterhaltung gegeben.

Der Teil zur Osteifel bezieht sich natürlich auch auf den Weinanbau und das Kloster Maria Laach, ich gebe zu das Kloster tatsächlich immer nur im Vorbeifahren wahrgenommen zu haben und hege nun den festen Vorsatz, es einmal wirklich zu besuchen.
Obwohl ich hier wohne, war mir tatsächlich nicht bewußt, wie viele kleinere Burgen und Wehrtürme es neben der allseits bekannten Burgen Satzvey und Eltz noch gibt, das fand ich gut herausgestellt und schön bebildert.

Ich mag das Wandern auf Traumpfaden und obwohl ich sonst eher nicht fürs Wandern zu haben bin, haben es mir diese Routen meist angetan. Hier gibt es einen langen Artikel dazu mit Tipps, Empfehlungen und Informationen. Sehr lesenswert und gelungen.
Seit das Wandern hip ist, gibt es auch noch weitere Arten des stilvollen durch die Gegendlaufens. 7 spezielle Wanderwege und Steige werden auf einer Doppelseite vorgestellt.
Besonders ans Herz legen möchte ich da jedem den Rotweinwanderweg, am Besten im Spätsommer oder im Frühherbst. Schön ist auch der Eifelkrimiwanderweg...

Neben den von mir genannten Texten gibt es noch weitere, die sich mit Natur und Kultur in der Region auseinander setzen, der Bildatlas ist also durchaus nicht nur bebildert, sondern eben auch mit schönen Essays versehen.
Wenn man bei all der Natur an die Eifel denkt, darf allerdings auch der Nurburgring nicht fehlen, ein kritischer und interessanter Artikel zur Zukunft der "Grünen Hölle" ist im Bildatlas ebenfalls vorhanden und hat mir ausgesprochen gut gefallen.

In der Eifel wird aber ja nicht nur Wein angebaut, sondern eben auch Bier gebraut und so gibt es natürlich auch Informationen zum allseitsbeliebten "Bitburger", allerdings dankenswerter Weise ohne dabei zu sehr Produktplacement zu betreiben und zu werbeartig zu sein.

Ich schätze die Bildatlanten von Dumont ja wirklich sehr und mir gefallen die Hefte vorallem, weil sie zwar einen gewissen Reiseführer Charakter haben, aber dennoch sehr hochwertig wirken und auch als Coffeetablebooks eine gute Figur machen, das ist Unterhaltung und Information auf hohem Niveau. Ich persönlich finde, dass sich die Bildatlanten auch sehr gut als Mitbringsel oder kleines Geschenk eignen und das auch durchaus für Bewohner der jeweiligen Region, denn wie ich bei diesem feststellen durfte, obwohl ich nun Jahrzehnte lang in Aachen, Eifel und Umgebung gewohnt habe, konnte ich durchaus Neues erfahren und entdecken.

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MARCO POLO Mach`s in Köln

Björn Steinmetzler
Flexibler Einband
Erschienen bei MAIRDUMONT, 05.09.2016
ISBN 9783829735537
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich mag ja diese Mitmachbücher sehr, sprich diese meist hübsch illustrierten Bücher, die dich dazu auffordern, irgendwas mit dem Buch zu machen.

Von Marco Polo gibt es nun diese Mitmachbücher als Reiseführer für mehrere deutsche Großstädte.

Ich habe von Mairdumont freundlicherweise „Mach’s in Köln“ als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Diese Ausgabe ist von Björn Steinmetzler illustriert und das sehr gelungen. Jedes Buch hat einen anderen Illustrator, den auch etwas mit der jeweiligen Stadt verbindet. Das Büchlein ist zwar in schwarz weiß gehalten, macht aber rein optisch ordentlich was her. Ich fand schon den hübsch gestalteten Buchschnitt sehr gelungen.
Ziel des Buches ist es, zum einen den Reisenden an neue Orte zu locken, zum anderen ihn zur Aktion aufzufordern. Man nimmt das Buch also auf Reisen mit und arbeitet sich so durch die Seiten. Dazu braucht man nicht viel mehr, als einen Stift, Kreativität, Entdeckergeist, Freude am Ausprobieren und ein bißchen Mut, denn manche Sachen sind ganz schön .. ähm …. anders…

Auf jeder Seite des Buches finden sich dann mal mehr mal weniger auf Köln bezogene Aufgaben für den Leser.

Mein absolutes Highlight:

Bio-Hipster und fast vegan

Denk am Besten im Cafe Rotkehlchen sehnsüchtig an alte Zeiten und male die leckersten Fleischgerichte, so appetitlich wie du nur kannst.

Gut fand ich auch:

The Walking Dead

Geh spazieren. Dokumentiere deinen Ausflug mit was Gefundenem. Kann auch ein Gradhalm sein. Schreib auch Ort, Datum und Uhrzeit dazu.

Ganz großes Kino auch:

Leg dich zum Sonnen an den Aachener Weiher und schreib mit, was die Leute sich so erzählen.

Wie gesagt, ich mag solche Bücher sehr und bin daher vielleicht ein bißchen positiver eingestellt, trotzdem finde ich, dass dieses Buch einfach für jeden mit ein bißchen Humor und Kreativität geeignet ist, der sich in eine der Städte auf den Weg begibt, das ist lustig, das ist witzig, das macht Spaß. Natürlich ist auch ein bißchen Unfug dabei. Für Kinder ist das Buch allerdings eher nicht geeignet, zum einen soll man die ein oder andere Seite anzünden, zum anderen wird man immer mal wieder aufgefordert kölsche Alkoholika zu probieren.

Trotzdem kann man das Buch natürlich auch bei einer Reise mit Kindern nutzen, dann trinkt Mutti halt den Flimm und Zwergnase malt das Bild im Buch dazu aus.

Geht alles.

Ich hab grad die Aufgabe bekommen, es dieser Buchseite jetzt mit heißem Wachs mal so richtig zu geben, daher muß ich das Schreiben hier unterbrechen…. *geht eine Kerze suchen*

Solltet ihr im Park wen sitzen sehen, der also heftig in ein schwarzweißes Büchlein kritzelt oder kleine Kinder auffordert Bilder in sein Buch zu malen oder aber der eine Flasche Flimm dabei hat, keine Angst, der ist nicht gefährlich, der „Macht’s in Köln“.

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154 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

meer, england, liebe, familie, london

180 Grad Meer

Sarah Kuttner
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 31.12.2015
ISBN 9783100024947
Genre: Romane

Rezension:

Jule ist die Protagonistin dieses Buches und sie ist nicht sympathisch. Sie hat Ecken, sie hat Kanten, sie ist bockig, schwierig, anstrengend, verkopft und vorallem wütend. Eigentlich habe ich mit solchen Protagonisten immer meine Probleme, sie nerven mich sehr schnell. Bei Jule war das anders, Jules Wut und Aggression konnte ich verstehen, sie ging mir nahe, sie hatte Gründe, die meiner Wut sehr ähnlich sind. Jule war für mich Identifikationsfigur und Spiegel zugleich.

Nun gut, ich habe noch nie einfach mal so meinen Partner, den ich zu liebe glaube, betrogen und mich dann nach England abgesetzt, um mir die Meeresbrise um die Nase pfeifen zu lassen, aber grundsätzlich fand ich Jules Erklärungsversuche für ihr Verhalten, sehr treffend und gut. Ein bißchen versagt sie mir zu sehr auf ganzer Linie und auf der anderen Seite ist Papas Geld dann doch wieder da, um diese Probleme zu lösen, das fand ich etwas glatt, etwas leicht, aber wenn Jule keine finanzielle Möglichkeit gehabt hätte einfach mal auszusteigen, hätte es keine Geschichte gegeben. Kein Treffen mit dem Hund, kein wütendes das Meer anbrüllen, keine Trennung von Tim, Jules Freund und keinen Besuch bei der eigentlich nicht so gemochten Verwandtschaft.

Mir hat Jules Bockigkeit, die ich eben sonst so furchtbar bei Charakteren finde, sehr gefallen und das eben weil sie an mich erinnert. Ich will manchmal auch nicht reden, einfach nur sitzen. Ich will machmal auch einfach nur wütend sein. Dabei fand ich Jules Art sich mit ihrer depressiven und vereinnahmenden Mutter auseinander zu setzen und mit der Krebserkranung ihres eigentlich immer abwesenden Vaters umzugehen, sehr gelungen. Ihre Formulierungen paßten in mein Denken, in meine Wahrnehmung, nicht weil meine Kindheit jetzt gar so schrecklich gewesen wäre, sondern weil Eltern eben auch Menschen sind, die Fehler machen, Fehler haben und Fehler ertragen müssen und so erinnerte mich dieses Buch daran, dass jeder von uns so sein Päckchen Familienmüll mit sich herumschleppt, die einen mehr, die anderen weniger, aber ein bißchen Dreck gibt es in jeder Hütte. Den kann man akzeptieren, man kann ihn ignorieren, oder man kann sich, wenn es zu spät ist, darüber ärgern, dass man ihn nicht einfach mal weggeräumt hat.

Gut gefallen hat mir auch die Geschichte rund um Jule und den Hund. Das war herrlich schrullig und ein bißchen was fürs Herz, ohne kitschig zu sein.

Kuttner liefert hier ein deutlich reiferes, besseres und interessanteres Werk ab, als in Mängelexemplar, das mich damals nur auf halber Strecke überzeugen konnte.

Für 180 Grad Meer gibt es eine volle und totale Leseempfehlung, für jeden, Eltern, Kinder, Töchter, Brüder, Hundebesitzer und Meeresliebhaber. Das war so richtig schöner Seelenscheiß.

Lesen!

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69 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

landleben, liebe, fresko, kriegstrauma, yorkshire

Ein Monat auf dem Land

J.L. Carr , Monika Köpfer
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 01.01.2017
ISBN 9783832198350
Genre: Romane

Rezension:

Ich fühlte mich beim Lesen von J.L.Carrs Buch "Ein Monat auf dem Land" immer wieder an mein absolutes Lieblingsbuch "Der Schlachtenmaler" von Arturo Perez-Reverte erinnert. Dieses Buch hat mich vor Jahren einfach nur gepackt und nie wieder losgelassen. Zwar haben beide Bücher einen gänzlich anderen Schwerpunkt, aber in beiden Büchern gibt es den Maler /Restaurateur, das Gemälde und den Turm/ die Kirche in dem dieses sich befindet. Da "Der Schlachtenmaler" nun mal von mir heiß und innig geliebt wird, war recht schnell klar, dass auch "Ein Monat auf dem Land" genau meinem Geschmack entsprach. Das schmale Büchlein schildert in einer einfachen und klaren Sprache wie Mr. Birkin immer mehr des alten Gemäldes im Kirchenraum frei legt und während er das tut legt auch immer mehr der Dorfbewohner um sich herum frei, macht sie für den Leser sichtbar und tastet sich an sie heran, ebenso vorsichtig, wie er bei dem Gemälde Schicht um Schicht abträgt.
Er erhält Einblick in eine vermeintlich heile Welt, schließt Freundschaften und verliebt sich. Doch nicht nur die Bewohner des Dorfes lernen wir nach und nach kennen, auch Mr. Birkin läßt den Leser Seite um Seite näher an sich heran, gewährt Einblicke in sein Leben, seine Traurigkeit und sein Trauma. Er leidet unter den Folgen des Weltkriegs und dem Verlassen werden von seiner Frau und versucht in diesem kleinen Örtchen Oxgodby Ruhe und Entspannung zu finden und findet dabei sehr viel mehr.

Mich haben Text und Stil absolut gefange genommen, das war eines der berührendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe und das obwohl es nur wenige Seiten umfaßt und der Schreibstil eigentlich ein eher sachlicher und nüchterner ist. Als es schließlich dem Ende zu geht, hatte ich tatsächlich ein paar Tränchen im Auge, gut das heißt nicht viel, ich bin ja eine schreckliche Heulsuse, bei guten Büchern oder Filmen rinnen bei mir rasch die Tränen herab, aber hier war es einfach schön, sich der Traurigkeit und dem Weltschmerz ein wenig hinzugeben.

Carr hat bei mir einen Nerv getroffen, auch ich sehne mich nach meinem Oxgodby, nach meinem Ort der Ruhe und Entspannung, an den man immer wieder gerne in Gedanken zurückkehrt, aber eben nicht real, da es niemals so sein wird, wie beim ersten Besuch.

Besonders erwähnen möchte ich den unheimlich gelungenen Einaband, mit cremefarbener Leinenbindung und einem vogelförmigen Blatt. Hier habe ich während des Lesens immer wieder gerne drüber gestrichen und mich an diesem schönen Stück Buchbindekunst erfreut.
Das Buch ist wirklich ein Traum, für jeden der eine schöne, ruhige und melancholische Geschichte schätzt und der einen hübschen Einband ausreichend zu schätzen weiß.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Frauen bereisen die Welt

Diverse , Doris Wolters , Martina Treger , Vera Teltz
Audio CD: 6 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 01.03.2016
ISBN 9783899649338
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich habe dieses Hörbuch als Rezensionsexemplar vom Audiobuchverlag erhalten und mich unwahrscheinlich darüber gefreut, da ich wirklich sehr gerne Reiseberichte höre. Die CDs kommen in einem normalen Doppel-Jewel-Case daher und sind praktisch und gut zu handhaben auch während der Autofahrt.

Die Autorinnen dieser Berichte sind Therese von Bayern (forschte im Amazonasgebiet), Isabella Bird (ritt durch die Rocky Mountains), Elisabeth von Heyking (lebte in China), Bertha Pappenheim (besuchte St. Petersburg), Johanna Schoppenhauer (bereiste England), Annemarie Schwarzenbach (lebte in Persien/Shiraz), Mary French Sheldon (reiste zu den Massai), Gertrude Bell (reiste durch die syrische Wüste), Ida Pfeiffer (umrundete die Welt). Jeder einzelne Bericht besitzt dabei seinen eigenen Charme und alle diese Damen haben zu Zeiten gelebt, als reisende und entdeckende Damen noch nicht der Normalität angehörten und haben sich trotzdem allen Widrigkeiten widersetzt. Der ein oder andere Bericht wirkt daher ein wenig angestaubt, was die emanzipatorischen Gedanken oder auch die Überlegungen zu den Menschen verschiedenster Art anbelangt. Als wirklich rassistisch würde ich keinen der Texte einstufen, im Gegenteil, aber der Sprachgebrauch der Damen ist halt manchmal noch ein anderer als wir ihn heute wählen würden. Ich fand allerdings auch gerade das sehr interessant und spannend zu beobachten, wie sich unser Blick auf die Welt und ihre Bewohner in wenigen Jahrzehnten/Jahrhunderten gewandelt hat.

Bei den Texten merkt man relativ rasch, auch wenn einem die berichtende Damen vielleicht unbekannt ist, in welcher Zeit man sich vermutlich bewegt und dennoch sind auch manche Problematiken auch heute noch Gegenstand von Diskussionen, die reisende Frauen führen müssen.

Alle Berichte sind ausnahmslos spannend und interessant geschrieben, hier hat man keine langweiligen Tagebucheinträge vor sich, sondern Erzählungen von Frauen, die wirklich Spannendes erlebt haben und die auch noch gekonnt davon berichten konnten. Es wird jedoch nicht nur über die Erlebnisse der Reisen gesprochen, ein großer Teil der Texte befasst sich auch mit der damaligen Gesellschaft, den Anforderungen und Erwartungen und dem Selbstbild der reisenden Damen, das war hochinteressant und vorallem in der Auswahl der Texte, die sich gegenseitig ergänzten, sehr gelungen.

Die Texte werden von unterschiedlichen Sprecherinnen gesprochen, so dass man bereits an der neuen Stimme merkt, dass es sich um eine neue Erzählerin handelt. Alle Sprecherinnen liefern eine gute und solide Sprechleistung ab, kein Gestotter kein Gestammel, ordentliche und angemessene nicht zu theatralische Betonungen und eine sehr gute Tonqualität machen das Hörbuch zu einem wirklichen Hörgenuss.

Ich habe die Damen bei ihren Reisen sehr gerne begleitet und fühlte mit ihnen, saß mit auf dem Floß im Amazonas, auf den Kamelen der Karawane und habe die Angst vor den kriegerischen Massai fast selbst körperlich gespürt. Selten hat mich ein Hörbuch so beeindruckt und mitgerissen. Das Interesse der Frauen an ihrem Umfeld und die Neugier, die die meisten von ihnen angetrieben hat, ist mit jedem Wort zu spüren und macht das Hören der Geschichten wirklich interessant.

Sei es der Antrieb zu soziologischen oder anthropologischen Forschungen, die Damen hatten alle samt eine sehr gute Beobachtungsgabe und so gelingt es selbst mit wenigen Worten, die Situationen lebensnah und spannend zu schildern. Leider sind die Texte merklich gekürzt. Die kompletten Berichte als Printausgaben findet man hier.

Therese Prinzessin von Bayern: Meine Reise in den brasilianischen Tropen

Isabella Lucy Bird: Leben einer Dame in den Felsengebirgen, aus dem Englischen übertragen. 1 Bd.

Ida Pfeiffer: Eine Frauenfahrt um die Welt: Reise von Wien nach Brasilien, Chili, Otahiti, China, Ost-Indien, Persien und Kleinasien.

Gertrude Bell: Durch die Wüsten und Kulturstätten Syriens. Reiseschilderungen.

Isabella Lucy Bird: Unbetretene Reisepfade in Japan; Band 1 und 2

Elisabeth von Heyking: Tagebücher aus vier Weltteilen

Bertha Pappenheim: Sisyphus: Gegen den Mädchenhandel - Galizien (Vollständige Ausgabe): Eine Studie über Mädchenhandel und Prostitution in Osteuropa und dem Orient

Johanna Schopenhauer: Reise durch England und Schottland

Annemarie Schwarzenbach: Winter in Vorderasien: Tagebuch einer Reise

Mary French Sheldon: Sultan to Sultan. Adventures among the Masai and other tribes of Africa (Hier habe ich leider nur eine englische Ausgabe gefunden)

Für mich auf jeden Fall ein Anlass den ein oder anderen Bericht komplett zu lesen und zu genießen. Besonders gut hat mir tatsächlich der Bericht von Mary French Sheldon gefallen, die als Bibi Bwana die Gebiete der Massai in Afrika durchquert, aber auch die vermeintlich weniger spektakuläre Reise durch England und Schottland von Schopenhauers Mutter Johanna war durchaus hörenswert und bot die ein oder andere spannende Beobachtung.

Grundsätzlich würde ich mich über eine Fortsetzung dieser Reiseberichtreihe sehr freuen.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

migranten, radikalisierung, islamisierung, klara waldéen, joakim zander

Der Bruder

Joakim Zander , Dirk Petrick , Ulrike Hübschmann
Audio CD: 6 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 04.07.2016
ISBN 9783899649321
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich habe vor einiger Zeit bereits Joakim Zanders Buch "Der Schwimmer" als Hörbuch gehört, daher hab ich mich sehr gefreut, dass ich vom Audiobuchverlag auch sein nächstes Buch als Hörbuch erhalten habe.

"Der Bruder" hat zwar hier und dort Berührungspunkte und bedient sich einiger Figuren aus "Der Schwimmer" ich würde es aber eher nicht so richtig als zweiten Teil bezeichnen, sondern behaupten, dass man beide Bücher auch unabhängig von einander lesen kann, ohne Informationsverlust zu haben. Schöner ist es aber natürlich, wenn man altbekannte Figuren wieder erkennt.

Joakim Zander schafft es auch hier wieder sehr lebendige Figuren zu erschaffen und auch wenn ich nicht immer, der Meinung war, dass die Figuren klug handelten, waren ihre Beweggründe doch zu verstehen und nachvollziehbar erklärt.

Interessant fand ich hier vorallem die Entwicklungen der radikalisierten Jugendlichen in den Vororten und auch die Strippenzieher im Hintergrund, bei der Auflösung macht es sich Herr Zander aus meiner Sicht ein wenig zu leicht und schiebt die Schuld in eine Richtung, die zwar in dieser Geschichte durchaus treffend und richtig ist, die aber sicher nicht als Standarderklärung für jegliche Radikalisierung herhalten dürfte. Das fand ich etwas schade und dafür, dass er sonst sehr schattiert und vielschichtig erzählt, wird es hier dann ein wenig eindimensional und simple. Damit kann ich aber durchaus leben und es verdirbt mir nicht das Buch, denn das ist durchaus unterhaltsam, rasant und schnell erzählt und zieht Dank mehrerer Erzählstränge den Zuhörer rasch in einen Sog.

Ein wenig Schade fand ich allerdings auch hier, dass die Übersetzung unwahrscheinlich schlecht war. Immer dann wenn es um Waffen geht, hatte der oder die Übersetzer (leider war es mir trotz intensiver Recherche nicht möglich herauszufinden, wer das verbrochen hat) eine fast schon naive Ahnungslosigkeit. Wenn Yasmin mal eben das Maschinengewehr durch die Stadt schleppt, wenn eigentlich vermutlich von einer Maschinenpistole oder etwas handlicherem die Rede ist, dann zerstört das beim sachkundigen Leser leider komplett das Bild im Kopf. Das hatte mich bereits bei "Der Schwimmer" gestört, hier wurde es leider wirklich sehr störend und lästig. Ich verstehe nicht, was so schwer daran ist, da dann mal kurz wen drüber lesen zu lassen, der immerhin eine vage Ahnung hat, wie man welche Waffen bezeichnet und dem die Absurdität eines mal eben so unterm Mantel mitgeführten Maschinengewehrs auffällt. Ein wenig schade fand ich auch die etwas eindimensionale Darstellung der handelnden Geheimdienstler / Polizisten, das war mir etwas zu verkürzt dargestellt, liegt aber vermutlich hier an der gekürzten Hörbuchfassung.

Wer sich an solchen Feinheiten nicht stört und einen gut gemachten und konstruierten Krimi/Thriller lesen oder hören will, der wird hier gut unterhalten.

Dirk Petrick und Ulirke Hübschmann liefern hier eine sehr gute Leseleistung ab und hauchen den Figuren Leben ein ohne zu theatralisch zu erzählen sondern bestechen durch eine nüchterne Sachlichkeit, das hat mir sehr gut gefallen.


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31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

schweden, alter, katze

Ein Mann namens Ove

Fredrik Backman , Stefanie Werner , Heikko Deutschmann
Audio CD
Erschienen bei Argon, 23.07.2015
ISBN 9783839892770
Genre: Romane

Rezension:

Jaja, ich weiß, das Hörbuch/Buch von Frederik Backmann heißt “Ein Mann namens Ove“, allerdings kamen mir schon beim Lesen, Ove und viele seiner kleinen Eigenheiten seeeehr bekannt vor. Da Ove aber nun mal eben nicht zwingend ein sehr sympathischer Mensch ist, habe ich es mir strikt verboten, Ove mit dem Mann an meiner Seite zu vergleichen. Nun rede ich aber ab und an auch mit Mr. Jetztkochtsie über das, was ich gerade so lese oder höre und als ich Ove erwähnte, fragte er mit schlitzohrigem Blick, ob ich denn auch fände, dass Ove ihm irgendwie ähnlich wäre. Ich fühlte mich sofort ertappt und guckte ein wenig betreten zu Boden, fragte dann aber, wie er denn darauf käme und bekam erzählt, dass seine Kollegin ihm das Buch geliehen habe, weil sie fände, dass Ove so manche Verhaltensweise an den Tag lege, die sie an ihn erinnere. Nun gut, da mußte ich dann auch einräumen, dass ich diese Vergleiche durchaus auch gezogen habe, allerdings möchte ich betonen, dass es die liebenswerten Charakterzüge von Ove sind, die mein Mr. in sich trägt.

Er selbst liest das Buch nun seit ein paar Tagen und schweigt sich zu diesem Thema aus, geht aber weniger oft in den Werkstattkeller seine Schraubenschlüssel nach Größe sortieren.😉

Aber worum geht es bei Ove eigentlich, nun recht schnell wird klar, daher ist das wohl auch kein Spoiler, Ove will sterben, Ove ist allein, Ove hat keine Aufgabe mehr und die Zeit hat Ove einfach ein wenig überholt. Er kommt nicht mehr mit, er ist überfordert beim Kauf eines Ipads, von dem Nachbarn im bunten Sportzeug und von der Schnelllebigkeit im Allgemeinen, die Trulla mit dem Hund, der aussieht, wie ein Winterstiefel, nervt ihn schrecklich und das Schlimmste: seine Frau und seine Arebit sind nicht mehr da. Ove ist ein sehr pflichtbewußter und organisierter Mensch (SCHAAAAATZ!!😉 ) und daher geht er an diesen Plan, den Selbstmord, sehr überlegt ran, dummerweise passiert dann nun mal das Leben und vorallem seine neuen Nachbarn, der Trottel und seine schwangere herzallerliebste iranische Ehefrau, und Oves Plan ist nicht so leicht durchführbar, wie er dachte und plötzlich purzeln da neue Gestalten in Oves Leben und auch alte Begleiter erscheinen wieder in einem neuen Licht. All das ist unheimlich unterhaltsam und trotz des wirklich bewegenden und traurigen Themas, eines alternden und einsamen Mannes, kann man an vielen Stellen wirklich herzlich lachen, man fühlt mit, man bekommt nicht nur die Gegenwart um Ove erzählt, sondern auch seine Vergangenheit, die bewegter war, als man glauben könnte. Backmann macht das sehr geschickt, durch Zeitwechsel und führt den Leser so langsam an die eigentliche Geschichte heran.

Klar, wird hier und da etwas überzeichnet und natürlich ist die ein oder andere Anekdote etwas sehr konstruiert, trotzdem fand ich Oves Geschichte einfach sehr hörenswert. Ich habe das Hörbuch gehört, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass das auch als Buch sehr kurzweilig und unterhaltsam ist, vorallem Oves Beziehung zur streunenden Katze (SCHAAAAATZ !!!!) fand ich einfach herzerwärmend und seine ganze etwas brummelige, prinzipientreue und sehr sture Art hat mir einfach gut gefallen. Ich mag Mensche mit Ecken und Kanten, jeder von uns hat sie, jeder von uns ist ein kleiner Ove, die einen tief in sich drin, die anderen auch nach außen.

Ein wenig erinnert das Buch an den 100jährigen, der aus dem Fenster stiegt, allerdings wirklich nur aufgrund des Erzählstils, es ist eine gänzlich andere Geschichte, allerdings ebenso lesens und hörenswert.

Gelesen wird das Hörbuch von Heikko Deutschmann, der wie üblich eine sehr gute und angenehme Leseleistung abliefert und mich mehr als gut unterhalten hat.

Ich war so begeistert, dass ich mir sofort das nächste Buch von Frederik Backmann als Hörbuch runtergeladen habe: “Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid!” Das hab ich mittlerweile auch beendet, die Rezension folgt noch.

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

teenager, einsame insel, fiction

Der Krieg im Garten des Königs der Toten

Sascha Macht
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 15.02.2016
ISBN 9783832198275
Genre: Romane

Rezension:

Puhu...einmal tief durchatmen und nachdenken, bevor ich mitteile, was mir zu dem Buch so einfällt. Denn erstmal ist das nicht viel oder doch eine Menge, ehrlich, ich weiß es nicht. Sascha Machts Roman hat mich verwirrt, verstört, brüskiert und läßt mich am Ende ratlos zurück.

Aber beginnen wir vorne. Zunächst bin ich bei dem Klappentext eigentlich von einem irgendwie abgefahrenen Coming of Age Roman ausgegangen, etwas ähnlich abgedrehtes wie Augusten Burroughs "Krass", eher weniger hatte ich dieses hochanspruchsvolle und wirklich komplizierte Stück Text erwartet, das ich letztlich geliefert bekam.

Bereits auf den ersten Seiten wurde klar, Coming of Age spielt hier keine Rolle, hier hat sich jemand sprachlich und gedanklich ausgetobt und testet aus, wie weit er gehen kann. Nun dafür schätze ich den Dumont Buchverlag, dass er eben auch solchen Autoren eine Möglichkeit zur Veröffentlichung bietet, Autoren, die sicher nicht die breite Masse ansprechen, sondern die verstören, irritieren und die nicht in der Lage sind einfach eine Geschichte von Anfang bis Ende zu erzählen, sondern die Kapriolen drehen müssen, rückwärts sprechen und dazu eine brutale harte und sexualisierte Sprache benutzen, die ganz bestimmt nicht bestsellertauglich ist. Sascha Macht ist ein solcher Autor, nicht eine Seite dieses Buches konnte ich lesen, ohne dass sich meine Augenbrauen hoben und ich dachte: "och wirklich?" Zeitweise verlangte es mir nach den Genußmitteln, die der Autor beim Schreiben hoffentlich intus hatte, einfach um den Kopf nach diesen verschwurbelten Textstücken wieder in die Reihe zu bekommen. Interessanterweise hatte ich das Gefühl den Text besser zu verstehen, als ich gestern und vorgestern mit fast 40 Fieber im Bett lag.

Die Ottonormal-Leser steigen hier dann aus und sagen, warum tut man sich das an, eine Geschichte, die nicht richtig erzählt wird, eine Welt, die man nicht erklärt bekommt, Figuren, die man nicht begreifen kann, das wollen wir nicht. Gut, bitte gebt auf, zieht eurer Wege.
Ich schätze sowas ab und an wirklich sehr... es fordert mich heraus, es zieht meinen Geist beim Lesen auf eine andere Ebene, es gibt mir das Gefühl aus mir selbst heraus zu treten und in ein solches Buch zu schlüpfen. Dabei muß ich gar nicht begreifen, wie das alles sein kann, was Bruno erlebt, ob er träumt oder wach ist, ob er, diesen Gedanken konnte ich während des Lesens einfach nicht abschütteln, in Wirklichkeit gar tot ist und seine Erlebnisse einfache erdachte Begebenheiten, es reicht mir, mich an der Sprache und der Verrücktheit und Abgefahrenheit des Textes zu erfreuen. Dabei fällt mir jedoch niemand in meinem Freundes- oder Bekanntenkreis ein, der an diesem Buch die gleiche Freude hätte wie ich.
Diejenigen, die es genießen könnten, verstecken sich leider hinter einem gewissen Dünkel und verbieten jungen aufstrebenden Autoren ein solch experimentelles Stück Text, sie sollen erstmal was ordentliches Schreiben, bevor sie einen auf Kafka oder Joyce machen, musste ich mir schon bei meiner Empfehlung zu Dorothee Elmigers "Schlafgänger" anhören.
Warum sollte das so sein?

Warum sollte nicht auch ein junger Autor einfach mal Sätze bauen, die lang wie Autobahnen sind, Begebenheiten schildern, die surreal und hart sind, sich einer Sexualität bedienen, die abstoßend und keineswegs romantisch ist, eine Geschichte bauen, die gegen jede sinnvolle Regel des Schreibens verstößt?

Mir hat das Buch wirklich einiges abverlangt, zwischenzeitlich wollte ich immer mal kurz aufgeben, zuklappen, weglegen, interessiert mich nicht sagen und trotzdem hab ich weitergelesen. Ich möchte nicht behaupten, verstanden zu haben was Sascha Macht ausdrücken wollte, ich frage mich auch, ob er selbst wirklich einen tieferen Sinn hinter seinen Worten sieht, oder ob er grinsend mit einer Banane in der Hand irgendwo steht und sich über die Leser kaputt lacht, die versuchen, das da zu interpretieren, zu analysieren, zu verstehen.

All das ist aber egal, denn dieses Buch hat trotz aller Enttäuschung, eben keinen Coming of Age Roman in den Händen zu halten, irgendwie Spaß gemacht. Noch mehr Freude hätte es mir vermutlich bereitet, wenn meine cineastische Bildung im Bezug auf Horrorfilme etwas tiefergehender wäre, aber so ist mir vermutlich so manche Anspielung einfach durchgegangen.

Fazit: Keine Empfehlung für Leser von schönen Geschichten, aber eine Empfehlung für Wortakrobaten und Leser, die es zu schätzen wissen, wenn sie auch mal etwas nicht begreifen.

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70 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

freundschaft, gesellschaftskritisch, camp, lebenslauf, loyalität;

Die Interessanten

Meg Wolitzer ,
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 26.07.2016
ISBN 9783832163396
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe im Juni am Lesekreis der ARD bei Facebook teilgenommen, eine wirklich nette Zusammenkunft von Lesern und Leserinnen, angefürt von Karla Paul, die jeden Monat ein Buch aus einer kleinen Auswahl herauspickt und dann gemeinsam liest.

Nun im Juni wurde das Buch "Die Interessanten" von Meg Wolitzer ausgesucht und ich wollte Wolitzer ohnehin mal austesten und habe daher mitgelesen. Ein wenig Schade fand ich, dass eine wirklich kritische Diskussion in der Runde nicht so richtig möglich war, weil zumindest bei mir sofort die Fans des Buches recht dominant auftraten und kritische Stimmen (in dem Fall mich) mit dem Argument "Du hast das Buch offenbar nicht verstanden" in ihre Schranken gewiesen haben, für mich gehört zu einem Lesekreis aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Lesestoff und das heißt ja auch nicht, dass das Buch einem nicht gefallen hätte. Hier würde ich mir bei den Teilnehmern ein wenig mehr Bereitschaft zur Diskussion wünschen und vorallem einen Dialog und nicht nur das Posten des eigenen Eindrucks, denn darum liest man doch gemeinsam, oder nicht?

Ich habe letztlich dann nur noch quer gelesen, was die anderen so geschrieben haben, einige waren, wie ich, sehr zwiespältig, das Buch scheint seine Fans zu haben, ich gehöre definitiv nicht dazu, fand es zwar unterhaltend und gut zu lesen, aber begeistert hat es mich nicht. Leider, denn meine Erwartungen waren recht groß, eben weil mir viele meiner Lesekumpels gesagt haben, dass das genau meine Kragenweite wäre.

Mein größtes Problem mit dem Buch war wohl, dass sich Wolitzer nicht kurz fassen kann, sie macht Nebenschauplätze auf, die die Geschichte nicht nach vorne bringen und sowas stört und behindert mich beim Lesen, vorallem dann, wenn mich die Nebenfigur, deren Geschichte hier dann kurz beleuchtet wird, nur mäßig interessiert. In irgendeiner Rezension zum Buch hatte ich den Spaßtitel "Die Uninteressanten" gelesen und das auch für mich so übernommen. Denn die Wenigsten, der Teenager und ihrer Entwicklung konnten mich wirklich packen und interessieren. Ja, Wolitzer kann erzählen und spinnt den Leser in ihre Erzählung ein, aber für mich hätte sie das auch auch 200 Seiten weniger tun können und dann hätte mich das Buch auch sicherlich mehr begeistert, so zog es sich leider streckenweise enorm und ich mußte mich wirklich streng davon abhalten, nicht doch ein paar Seiten zu überblättern, wenn es mal wieder um das Seelenleben und die Gefühlswelt eines für mich nur mäßig spanenden Charakters ging.

Was die Lektüre für mich gerettet hat, waren die Fragen, die die Autorin bei ihren Lesern aufwirft, zum einen wie wird man durch sein Umfeld beeinflußt und was formt einen zu dem Menschen, der man letztlich als Erwachsener ist. Welche Erwartungen werden an einen gestellt und wie erfüllt man diese oder wie wirkt sich dies auf den eigenen Werdegang aus?

Spannend fand ich auch die Überlegung, wie enttäuschend es sowohl für Kinder als auch Eltern sein kann, wenn man die in einen gesetzten Erwartungen nicht oder nur mäßig erfolgreich erfüllt. Aber auch Moral und Loyalität innerhalb von Familie und Freundschaft werden hier sehr kritisch und auf spannende Art beleuchtet, was gehört zu einer lebenslangen Freundschaft dazu? Wie zerstört und wie rettet man sie, darf es in einer solchen Freundschaft auch Gefühle wie Neid, Missgunst und Wut geben? Wie nachtragend ist man auch seinen Freunden gegenüber und welche Taten verzeiht man Ihnen?

Das hat für mich den Roman ausgemacht und jemand, der sich einen Text nicht nur zur Unterhaltung reinzieht, sondern der gerne zum Nachdenken und Reflektieren des eigenen Lebens anhand eines Textes angeregt wird, der wird sicherlich seine Freude an diesem Buch haben. Mir persönlich war es eben leider ein paar Seiten zu lang, um wirklich vom Hocker zu reißen, Langatmigkeit schätze ich in letzter Zeit wenig.


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FAST PEFREKT

Erik Kessels , Sofia Blind
Flexibler Einband: 168 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 20.04.2016
ISBN 9783832199135
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eigentlich hatte mich in den Verlagsvorschauen das Buch “Fast Pefrekt – Die Kunst hemmungslos zu scheitern. Wie aus Fehlern Ideen entstehen.” gar nicht angesprochen, ich hatte es schlicht und einfach überblättert. Dann wurde es mir nochmal von anderer Seite ans Herz gelegt und ich dachte: “Na gut, kann nicht mehr, als Scheitern.”

Dann kam das Büchlein hier bei mir an und ich mußte erstmal herzhaft lachen, denn zum einen findet sich der Tippfehler im Titel und zum anderen ist der Einband verkehrt herum. Das fand ich einfach nur gelungenes Design am Buch bei Dumont begeistern mich solche abgefahrenen Dinge in letzter Zeit immer öfter, seien es die Klarsichtumschläge der Murakami Bücher, oder eben hier jetzt diese kleine Besonderheit. Es löst etwas aus, es interessiert, es bereitet Freude und überzeugte mich, sofort einen Blick hineinzuwerfen, was der sonst eher schlichte Umschlag sonst nicht geschafft hätte.

Erik Kessels ist ein niederländischer Designer, Künstler, Fotograph, den ich tatsächlich nur kannte, weil ich kürzlich einen Artikel gelesen hatte, in dem es um seine Nominierung für den “Deutsche Börse Fotographie Preis” ging und der mich neugierig und in eine Ausstellung im Kunstmuseum Bonn geführt hatte (“Mit anderen Augen“). Seine Darstellung zum Thema “Einwanderer” hatte mich hier im Vergleich zu einigen anderen Objekten tatsächlich nachhaltig beeindruckt und ich fand seine Herangehensweise an diese Thematik einfach bedeutsam und wichtig. Kessels übergreifendes Thema ist immer wieder die Amateurfotographie. Er zieht die Werke der Amateure immer wieder heran, um deutlich zu machen, wie wichtig auch diese für das Erzählen einer Geschichte sind und das ist auch in diesem Buch sein Thema, dass nicht Perfektion das Ziel einer Tätigkeit sein sollte, sondern Gefühl, Mut, Emotion das zentrale Thema ist. Nichts muß vollkommen sein, um einen vollkommenen Moment abzubilden, nichts perfekt, um sich an Schönheit zu erinnern.

Mir gefällt seine Herangehensweise und vorallem seine Art darüber zu schreiben und es mit Bildern darzustellen. Sein Buch hat mich leider viel zu kurz begeistert, sei es das überbelichtete Bild, der Schatten, der Gesichtszüge verzerrt oder der Finger auf der Linse, Kessels bringt zum Schmunzeln und zeigt, nicht was fehlerfrei ist gefällt, sondern was wir mit Liebe und Freude betrachten.

“Wenn alle Ihnen sagen, Sie sollten rechts abbiegen, sind Sie vielleicht besser dran, wenn Sie links abbiegen.”

Kessels würzt seine gesammelten Bilder mit solchen Schlausprüchen. Die einen erst hinterfragen lassen: “Was willst du eigentlich? Was befähigt dich, zu meinem Ratgeber zu werden!” Die einen aber dann innehalten lassen und dafür sorgen, dass man denkt, warum nicht. Ich war schon immer so ein Mensch, der keine Angst davor hatte, Dinge zu tun, die nicht immer jeder gut heißt. Mein Blog ist das beste Beispiel dafür, ich zeige amateurhafte Bilder von meinen Kochversuchen, berichte laienhaft über Bücher, die ich las und zeige meine sicherlich häufig schauderlich fotografierten Strickstücke, die hin und wieder wirklich nicht tragbar sind. Manchmal fragen mich Leute, warum machst du das? Liest das überhaupt wer?

Die richtige Antwort ist, ich weiß es nicht. Ich habe aber Freude daran und wenn ich nur von einem lese, dass ihm mein eingelegter Käse in Olivenöl geschmeckt, meine Hilfestellung und Tipps zu einem Strickmuster geholfen oder der Hinweis auf ein Buch ihm schöne Stunden beschert haben, dann fühle ich mich bestätigt.

Und ich werde besser, meine furchtbaren Fotografien haben sich verbessert, ich überbelichte immer noch gerne und häufig, meine Bildausschnitte sind sicherlich meist fern jeder fotografischen Regel, aber, hey, ich habe SPASS und keine Angst davor, dass jemandem nicht gefallen könnte, was ich tue.

Genauso ist es mit meinen sportlichen Bemühungen, ja ich poste auch meine Läufe auf Facebook, bei denen ich von meinem angestrebten 5min/1km Schnitt so weit entfernt bin, wie Sibirien von den Malediven, es ist mir egal, ob dann jeder sieht, dass ich schon wieder gescheitert bin, wichtig ist mir zu zeigen, dass es oft schon schwer genug ist, seinen Hintern zu erheben und sich überhaupt zu bewegen und das es trotzdem jeder kann und dass man sich für Zeiten jenseits von Gut und Böse nicht zu schämen braucht, weil all die Flüsterer und Murmler im Hintergrund vielleicht schneller sind, aber eben nicht wissen welchen Kampf es bedeuten kann, überhaupt vom Sofa hoch zu kommen.

Erik Kessels spricht in seinem Buch viele Dinge aus, die ich häufig denke. Beruflich in Besprechungen gehöre ich oft zu den Menschen, die ihre Gedanken ungeplant herausblubbern, die nicht großartig darüber nachdenken, welchen Effekt es haben könnte, wenn ich dieses und jenes jetzt sage, mir ist es einfach wichtig meinen Gedankengang mitzuteilen und so vielleicht andere anzuregen nicht stumm da zu sitzen und zu hoffen, dass die Besprechung möglichst schnell vorbei ist und man bloß nichts beitragen muß, weil man könnte sich ja verzetteln, etwas Unpassendes sagen oder gar zu Gelächter animieren, sondern dass sich ein Gespräch ergibt, ein Austausch ein gegenseitiges Befruchten mit Ideen und Überlegungen, bei dem man natürlich auch einmal lachen darf. Warum haben Menschen eigentlich so oft Angst dafür für Erheiterung zu sorgen? Was ist schlimm, wenn Menschen auch mal über einen oder über sich selbst lachen? Ich tue das gerne und häufig, macht es mich kleiner? (Noch kleiner?) Nein, macht es nicht, im Gegenteil, es lockert sehr oft Situationen auf, es führt zu Mut bei anderen und es hilft so viel, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Wenn man nicht versucht perfekt zu sein, dann bringt es einen auch nicht aus dem Konzept, wenn die Kollegin einem nach einem Vortrag mitteilt, dass man Lippenstift am Zahn oder eine Laufmasche in der Strumpfhose hat. Wenn man sich darauf fokussiert, was man möchte und mit Begeisterung dabei ist, dann erreicht man häufig so viel mehr, als wenn man immer nur der Beste, der Schnellste, der Schönste sein will.

Apropos der Schönste, was ist denn schön? Ein perfektes Foto von einer Landschaft oder vielleicht nicht doch lieber ein etwas verwackeltes mit den besten Menschen der Welt darauf? Ich bin sicher nicht schön, ich bin 10 Zentimeter zu kurz geraten, habe zu viel Hals, zu wenig Kinn und seit neustem auch 5 kg zu viel auf den Rippen, dazu Sommersproßen, eine dicke Brille und leider überhaupt keine Augenbrauen, die meisten Fotos von mir sehen furchtbar aus, trotzdem würde ich nie jemanden auffordern: “Lösch das, da gefalle ich mir nicht!” Das auf dem Bild bin ich, egal ob ich gucke, wie Graf Zahl oder getroffen bin, als würde mein Kopf direkt in meinen Hals übergehen. Das bin ich und ich mag mich, ich bin nicht perfekt, aber das will ich auch gar nicht sein. Ich habe schon mal einen Zahnpastafleck auf meiner Bluse oder die Jeans ist nicht gebügelt (ok, die Jeans ist nie gebügelt!), so ist das halt mit Menschen, da bleibt zwischen all den Ideen manchmal keine Zeit morgens die Haare zu kämmen, da muß es auch ein pinkes Zopfband tun, auch wenn ich sonst komplett in Rot gekleidet bin.

Ich, hätte all dies so gar nicht wirklich erkannt, es sind Dinge, die ich nun mal einfach so tue, Kessels hat in seinem Buch Worte dafür gefunden, Worte, die mir gefallen und Erklärungen, die ich positiv finde. Warum nach Perfektion streben, wenn ich auch so geliebt werde? Warum mich kaputt machen und versuchen organisiert, weniger chaotisch, ordentlicher und die Frau mit den schönsten geputzten Fenstern zu sein, wenn ich doch eigentlich die bin, deren Küche furchtbar aussieht, für deren Bolognese Soße aber viele Menschen ihr letztes Hemd geben würde, oder die deren Bett nie gemacht ist, die aber dafür in 5 Minuten noch schnell ein Acrylbild zaubert, wenn es zu einer Hochzeit geht und das Geschenk eher unkreativ eingepackt ist, oder auch die, die zwar morgens im Büro übelst gelaunt ist, dafür aber immer da ist, wenn jemand Hilfe braucht.

Ich glaube, ich kann damit leben, dass ich nicht in allem gut bin und Kessels Buch zeigt genau das. Wir müssen nicht alles können, aber wir können alles versuchen!

Kessels Buch hat mich also wirklich überrascht, seine kurzen Texte mit den Bildern haben mich bewegt, mich berührt und angesprochen und nein, ich bin kein Freund von Ratgebern, aber dieser Mann erteilt so kluge und unkonventionelle Ratschläge, die mich einfach erfreut haben.

Ich lege dieses Buch wirklich jedem ans Herz, der sich verbiegt, um seinem oder dem Ideal anderer zu entsprechen, jedem, der mit sich hadert, jedem der schon einmal versagt hat, jedem der sich für Kunst und Kommunikation interessiert und jedem, der offen für Neues ist und auch denen, die es nicht sind, jedem, der gerne liest und sogar denen, die es nicht tun, denn es ist kurz, du bist schnell durch und hast etwas für deinen Kopf und dein Selbstwertgefühl getan, ehrlich. Trau dich, tu es!

Danke für dieses fantastische Erlebnis!

Erik Kessels:

“Haben Sie das Selbstvertrauen, sich nicht darum zu kümmern, was andere denken.

Das ist immer riskant.

Wir gehören gern zur Herde. Wir mägen es, uns anzupassen. Wir möchten Menschen gefallen, das lässt sich nicht ändern. Und originelle ideen sind nicht immer sofort beliebt.

Sie werden hinterfragt, herausgefordert, geprüft und seziert.

Aber wenn sie gut sind, überleben sie.

Riskieren Sie es, nicht gemocht zu werden. Vielleicht gefällt es ihnen sogar.

Erfolg ist die Fähigkeit, von Misserfolg zu Misserfolg zu schreiten, ohne die Begeisterung zu verlieren.”

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familie, therapie, verlust, chaos, schreiben

Eine Therapie für Aristoteles

Melanie Sumner , Eva Kemper
Fester Einband: 356 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 15.02.2016
ISBN 9783832197964
Genre: Romane

Rezension:

Die ersten Seiten, die ich mit Aristoteles und ihrer Familie verbracht habe, haben mich bezaubert, mich mitgerissen und interessiert. Diese etwas schräge Familie, mit den noch schrägeren Freunden, war liebenswert und ich wollte sie gerne für ein paar Lesestunden begleiten.
Leider ist es dann so, dass die Autorin zu viele Dinge aufeinmal will und so der ganze Zauber dieses warmherzigen und witzig-tragischen Anfangs zerstört. Sie macht zu viele Baustellen auf und konzentriert sich auf keine wirklich, was leider dazu führt, dass vieles für mich sich von bemerkenswert zu belanglos wandelte. Sehr schade, denn eigentlich hat Aristoteles eine durchaus wunderschöne Geschichte zu erzählen, leider wird sich so sehr auf die absurden und verrückten Begebenheiten konzentriert, dass eben diese Geschichte immer weiter in die Ferne rutscht und mich leider auch nicht mehr so fesseln konnte, wie zu Beginn des Buches. Ich verliere die kleine Ich-Erzählerin aus den Augen und werde durch kleine stilistische Spielereien immer wieder abgelenkt, natürlich mag man sagen, ganz große literarische Handwerkskunst, aber mich hat es dennoch nicht überzeugt. dafür war letztlich das Ende zu vorhersehbar und wenig aufwirbelnd.
Grundsätzlich hatte ich hier ein Buch in den Händen, das mich zwar streckenweise gut unterhalten hat, das ich aber leider nicht länger in Erinnerung behalten werde, was ich sehr Schade finde, denn es hätte Potential gehabt hätte man nicht beim Lesen bereits gemerkt, dass da ein Lektorat oder ein Abgabetermin im Rücken drängte und es zum Ende hin alles immer oberflächlicher wurde.
Ich würde das Buch dennoch dem ein oder anderen interessierten Leser empfehlen, denn der Anfang, so die ersten 100 Seiten ist wirklich ganz groß, danach wird es leider recht flach und austauschbar und das verdirbt es mir.
Irgendwie habe ich an Bücher von Dumont auch einen etwas größeren Anspruch, als an die anderer Verlage, da darf es nicht nur unterhaltsam sein, da soll auch ein gewisser Anspruch für mich da sein, das ist hier leider nur streckenweise und nicht komplett gelungen.
Schade.

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

abnehmen, ernährung, coach, innerer schweinehund, erfahrungsbericht

Die Fettlöserin

Nicole Jäger , Nicole Jäger , Daniela Kletzke
Audio: 1 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 08.03.2016
ISBN 9783899649451
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich gehöre mit meinen knapp 50 kg ganz sicher nicht zur Zielgruppe der Autorin. Weder hatte ich in meinem Leben jemals ernstzunehmende Figurprobleme, noch werde ich sie in diesem Maße jemals haben.
Dafür bin ich dankbar. Trotzdem war ich an dem Hörbuch sehr interessiert, nachdem ich Frau Jäger kurz in einem Interview im Fernsehen gesehen hatte.
Sie machte einen lebensbejahenden, fröhlichen, frischen und eloquenten Eindruck, sie kann auch vor der Kamera mehr als 3 Sätze geradeaus sprechen und ich fand sie wirklich witzig.
Da ich mir also wirklich nicht vorstellen kann, wie man es schafft, sich ein Gewicht von 7Mal mir (ok nicht ganz) anzufuttern und dann 3Mal mir (ok etwas mehr) abzunehmen, wollte ich dieses Hörbuch hören, obwohl ich weder so viel abnehmen will, noch diese Thematik mich sonst beschäftigt. Ich war einfach neugierig, was da nun schon wieder als die ultimative Lösung präsentiert werden sollte.
Überrascht war ich daher bereits beim Vorwort, dass das hier gar kein Abnehmbuch im eigentlichen Sinne sein sollte, dass hier keine Lösung präsentiert wurde und dass ich mich trotzdem bereits nach wenigen Minuten des Zuhörens, irgendwie bereichert fühlte.
Zwar stellte Frau Jäger mich die ersten 3-5 Minuten auf eine harte Probe, da hätte ich das Buch nämlich am Liebsten kurz aus dem Fenster geschmissen, weil sie so betont und intensiv spricht, als käme sie gerade vom Logopäden und wolle nun zeigen, was sie da so alles über das verständliche Sprechen gelernt habe. Glücklicherweise legt sich das aber sehr rasch, das Verkrampfte verschwindet und übrig bleibt eine lockere und gut gelaunte, durchaus sympathische Stimme, die mir ihre Erfahrungen schildert.
Ehrlich und ungeschönt wird da erzählt, was Dicke so alles auf sich nehmen müssen, wenn sie denn dann tatsächlich endlich soweit sind, zu erkennen, dass sie Hilfe brauchen und sich diese dann auch noch suchen.
Ja, ich gebe zu, so als Dünne hatte ich durchaus ab und zu das Gefühl ein wenig voyeuristisch herumzuspannen, aber ich fand es interessant. Es hat mir geholfen die ganzen wirklichen Figurprobleme, die es ja auch in meinem Umfeld durchaus gibt, wenn auch in deutlich anderem Ausmaß mit anderen Augen zu sehen.
Als jemand, der eben dann halt mal ne Fastenwoche einlegt, wenn die Jeans etwas zwickt oder halt dann doch nochmal den Hintern in den Wald bewegt, wenn das Kleidchen nicht mehr ganz so schön fällt, fehlte mir komplett das Verständnis und der Einblick in das Dilemma, wenn man wirklich fett ist (sorry, aber anders kann man es wohl kaum nennen.) Wenn es schon eine Anstrengung bedeutet, den Po vom Sofa zu erheben oder die Wohnung zu verlassen.
Frau Jäger berichtet hier frisch von der Seele weg, in einem angenehmen ironischen Stil, der wirklich auch auf die ganze Dauer des Hörbuches unterhaltsam ist. Ja, auch Nicole Jäger jammert zwischendurch mal ein wenig und hier und da hätte ich sie schütteln wollen und sagen, mein Gott Kindchen, lass dich doch einfach nicht so gehen, aber das weiß sie selbst, dazu braucht sie mich nicht. Hier und da fühlte auch ich mich ertappt, wenn sie von Begegnungen im Supermarkt erzählt, bei denen Sie schief angesehen wird, denn ich gebe zu, auch ich habe schon mal gedacht, wenn jemand wirklich Dickes auch noch 10 Tüten Chips in den Einkaufswagen lud: "Mein Gott, brauchst du die wirklich auch noch?"
Frau Jäger präsentiert keine optimal Lösung fürs Abnehmen, sie nennt keine Diät, sie sorgt dafür, dass andere das Gefühl kriegen, das auch schaffen zu können, dass andere das Gefühl kriegen nicht alleine zu sein, dass andere merken, es geht, man muß nur wollen, wirklich wollen und das kann sie gut.
Sie wirkt motivierend, intensiv und wirklich sehr sympathisch.
Ich kann mir auch nach dem Hörbuch wirklich nicht vorstellen, wie viel man essen muß um tatsächlich solche Gewichtszahlen zu erreichen, aber ich erkenne, dass sich das niemand bewusst aussucht und dass es leider wirklich keine Hilfe ist, dann auch noch schräg zu gucken oder hilfreich gemeinte und unwahrscheinlich ehrliche aber trotzdem verletzende Bemerkungen zu machen.
Ich erkenne, dass ein positives Herangehen an die Thematik, durchaus möglich ist.

Mich hat das Hörbuch wirklich gut unterhalten und natürlich hört sich das erstmal einfach an: Du mußt nur wollen und deinen Weg finden.
Aber genau das trifft es.
Ich würde das Buch also nicht nur Abnehmwilligen empfehlen, sondern durchaus auch Menschen wie mir, denen so oft das Verständnis für diese Situation gänzlich fehlt.
Für mich war es eine durchaus angenehme Erweiterung meines Horizonts.
Danke dafür!

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Washington Square

Henry James , Ulrich Noethen , Ulrich Pleitgen , Meike Droste
Audio CD: 1 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 01.02.2016
ISBN 9783899649383
Genre: Romane

Rezension:

Die Gesellschaftsromane von James sind vielschichtig, klar und wunderbar formuliert. Ich lese sie immer wieder gerne und mag seine heute etwas antiquiert wirkenden, aber für die damalige Zeit durchaus modernen Ansichten.
Seine leise Kritik an der Gesellschaft, die immer wieder mitschwingt und die vielen Dinge, die man zwischen den Zeilen seiner Romane erahnen kann, machen James Texte aus.
Washington Square kannte ich tatsächlich noch nicht und habe mich gefreut, das Hörspiel zu hören. In vielen kleinen Szenen wird die Bearbeitung des MDR als Hörspiel schön in Szene gesetzt. Hochkarätige Sprecher, wie Ulrich Noethen und Meike Droste, verleihen dem Hörspiel Tiefe und eine besondere Stimmung. Speziell Katharina Pachetka, die ich als Sprecherin noch nicht kannte, hat mich hier sehr überzeugt.
Trotz der massiven Kürzungen, bleibt der Stil von Henry James erhalten, der Zauber der Oberschicht am Washington Square wird vermittelt und die Schwierigkeiten einer jungen Frau ihren Platz im Leben und den Mann an ihrer Seite zu finden sind sehr unterhaltsam, aber auch nachdenklich stimmend in Szene gesetzt. Wenn man überlegt, wie kurz es doch her ist, dass wir Frauen noch nicht frei wählen konnten, wen wir heiraten und dass die Jahre, in denen wir uns auf das Wohlwollen unseres Vaters verlassen mussten, noch nicht so lange her sind, dann regt der Text, bzw. das Hörspiel durchaus zum Glücklichsein und Nachdenken an.
Mir hat Washington Square sehr gut gefallen und ich würde mich freuen auch weitere Werke, wie zum Beispiel das von mir sehr geschätzte " Daisy Miller " auf diese Art vertont zu wissen.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Was wir nicht wussten

TaraShea Nesbit
E-Buch Text: 256 Seiten
Erschienen bei DUMONT Buchverlag, 15.09.2014
ISBN 9783832188146
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch der Frauen von "Los Alamos" hat mich sehr gereizt, ein wenig historisch interessiert, ein bisschen sensationslüstern und natürlich schlichtweg neugierig war ich, wie diese Geschichte, die bislang in literarischer Form meines Wissens nach noch nicht bearbeitet wurde, wohl erzählt werden würde.
Dass es nicht einfach sein würde, diese Geschichte zu erzählen, ohne zu werten, ohne zu verurteilen, ohne skeptisch zu sein, ohne zu bejubeln, war mir klar.
Dass Frau Nesbit aber diesen eigenwilligen Weg der Erzählung in der Wir-Form gewählt hat, überraschte mich sehr. Die ersten paar Seiten dachte ich noch, "ist das jetzt ihr Ernst?" und dann ließ ich mich darauf ein und dachte einfach nur noch "GRANDIOS!" Durch ihre distanzierte Schilderung weckt sie beim Leser die Möglichkeit, selbst in die Rolle dieser Frauen zu schlüpfen und zwar nicht in irgendeine, sondern in alle jene, deren Schuhe einem passen. Kann man sich mit den aufgeregten etwas neurotischen Hühnern nicht so recht anfreunden, dann ist man halt die zupackende Macherin mit Hochschulabschluss, fühlt man sich dort nicht erkannt, kann man auf die Gedanken der mütterlichen etwas älteren Matrone zurück greifen. Durch ihr Wir gelingt es Tarashea Nesbit, die Geschichte dieser Frauen auf einmal und in einem Stück und aus jedem Blickwinkel zu beleuchten. Es werden Ängste genannt und Gegenmaßnahmen, es werden die Neugierigen erwähnt und die lethargisch schweigenden. Es wird deutlich, wie zerrissen man ist, als den Frauen und ihren Kindern bewußt wird, was sie und ihre Männer dort eigentlich getan haben.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieser Erzählstil der weniger der einer Erzählung ist, nicht jeden überzeugen mag, nicht jedem gefällt, der gerne eine komplette Geschichte lesen möchte. Eine Geschichte, bei der er nicht selbst denken muß und in der alles schön schwarz weiss ist. Hier ist allerdings nichts schwarz weiss, hier ist alles sehr farbig, sehr schattiert, sehr abgründig, sehr intensiv.
Ich habe mich selten von einem Buch, das sich auf ein reales historisches Ereignis bezieht so angesprochen gefühlt. Selten wurden mir die Gedanken und Gefühle der agierenden Personen so nahe gebracht, selten die Unterschiedlichen Menschen so klar dargestellt.
Ich bin von diesem Buch absolut begeistert, es hat mich viele Tage lang begleitet und mich zum Nachdenken angeregt, mir aufgezeigt, wie unterschiedlich wir Menschen in unseren Gedanken, Gefühlen und Zielen sind und gerade in der heutigen Zeit, ist es ein wichtiges Buch, weil es zeigt, dass man die unterschiedlichen Gefühle und Ansichten der Menschen akzeptieren muß, dass man sie nun mal nicht ändern kann, wie es einem paßt und dass man manchmal auch in Dinge einfach so hereinrutscht, sie erst später begreift und mit ihren Folgen dann leben muß. Sie akzeptieren muß und sich vielleicht auch für das was man getan oder ausgelöst hat, entschuldigen muß.
Aus meiner Sicht hat Tarashea Nesbit hier einen ganz großen Roman unserer Zeit abgeliefert und ich würde wirklich wünschen, dass diesen Mut zu einem neuen Stil, einer neuen Art und einem literarischen Experiment sehr viel mehr Schriftsteller unserer Zeit hätten. Dies hier ist aus meiner Sicht, nämlich sehr gelungen und hat mir beim Lesen Freude bereitet und mich mehr als gut unterhalten und angeregt!
Danke dafür!

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nicevill, roman, darsten stroud

Der Aufbruch

Carsten Stroud ,
Fester Einband: 700 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 16.11.2015
ISBN 9783832198053
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sehr schade... würde ich als Fazit zu Band drei der Niceville Trilogie sagen. (Band 1 / Band 2)

Erschienen bei Dumont.
Die ersten beiden Bände waren rasant, stimmungsvoll, gruselig, interessant und einfach anders. Sehr coole Charaktere, ein sehr interessantes Setting, eine Stimmung, die ihres gleichen sucht.
Band drei konnte leider an nichts davon wirklich anknüpfen.
Zum einen hatte ich ganz massive Probleme überhaupt in die Geschichte reinzufinden. Wer war nochmal wer? Was hatte wer jetzt noch gleich wie gemacht und wer war eigentlich tot und nun doch nicht? Hier hilft der Autor dem Leser leider überhaupt nicht auf die Sprünge und bei mir lag die Lektüre der beiden anderen Bände leider schon ein wenig länger zurück, sie zuvor nocheinmal lesen wollte ich aber auch nicht, ich habe mich dann so durch das Buch gehangelt, immer mit komischen Ahnungen, diese oder jene Figur bereits zu kennen, aber nicht mehr ganz sicher zu sein, wer das jetzt war. Schade, hier hätte man allein durch einen Nebensatz oder eine kurze Erwähnung der Vorgeschichte im Rahmen eines Prologs oder einer Figurenliste im Anhang sehr viel vereinfachen und verbessern können. So war es schlicht anstrengend.
Leider gelingt es auch aus diesem Grund nicht, die düstere Grundstimmung beizubehalten, immer wieder grübelt und rätselt man, wie das jetzt zusammen hängt und versucht sich an die Geschehnisse des ersten Bandes zu erinnern. Hier fehlen mir kurze erklärende Rückblenden und das obwohl ich sonst wirklich kein Freund der Rückblenden bin, bei diesem 3, Teil wären sie hilfreich gewesen.
Der Stil ist weiterhin ein schneller, direkter und rasanter, es machte auch hier Spaß den Figuren zu folgen und das Buch las sich wirklich sehr schnell, leider fand ich nicht jede Charakterentwicklung schlüssig und hatte am Ende das Gefühl, dass hier eine Menge weggelassen und nicht erzählt wurde, weil man nun aber mal schnell zum Ende kommen wollte. Das ist einfach enttäuschend, eine so fantastische ausschweifende und intensive Geschichte und dann eine so halbherzige und fade Auflösung. Nein, das war deutlich weniger, als ich erwartet habe.
Ja, Stroud konnte mich auch hier streckenweise fesseln, löste die Dinge für mich aber zu glatt, zu wenig intensiv und zu schnell auf. Er erzählt spannend und brutal und charakterisiert seine Figuren schonungslos und auf eine Art, die eine sehr gute Beobachtungsgabe und ein Erzähltalent beinhaltet, trotzdem überzeugte mich Band drei nicht. Trotz aller Dramatik, Brutalität und Geschwindigkeit bleibt einiges farblos und emotionslos. Ich als Leserin habe wenig Mitgefühl für die Figuren empfunden, sie kamen mir nicht nahe, wie in den ersten Beiden Teilen.
Es mag an meinen Erwartungen gelegen haben, aber das war leider nichts, was in mir die Begeisterung der ersten beiden Teile wecken konnte. Es war unterhaltsam und ja die Geschichte ist beendet, aber mehr als ganz nett, fällt mir am Ende leider nicht ein.
Sehr schade auch, dass hier mal wieder vor Abschluss einer Trilogie das Outfit der Bücher geändert wurde. Nun habe ich also mal wieder die ersten beiden Bände einer Reihe in anderem Look, als der letzte Band. Das ist einfach Schade.

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Lonely Planet Reiseführer Israel, Palästina

Daniel Robinson
Flexibler Einband
Erschienen bei MAIRDUMONT, 04.11.2015
ISBN 9783829723848
Genre: Sonstiges

Rezension:

Seit Jahren möchte ich Israel und Palästina besuchen, nicht aus religiösen Gründen, sondern aus Neugier. Leider mangelte es in den letzten Jahren entweder an Geld, Zeit oder Mut.
Trotzdem bin ich sicher, dass ich diese Reise irgendwann wagen werde, entweder mit meinen Mädels, meinem Mann oder wenn keiner mit will zur Not auch alleine, da bin ich ja nicht zimperlich und setze mich durchaus auch alleine ins Flugzeug.
Probleme hatte ich als allein reisende Frau noch nie, warum also nicht.
Ich habe dann die Chance genutzt, um mir zumindest schon mal ein paar Anregungen zu holen und mich auch schlau zu machen, ob diese Reise wirklich das werden wird, was ich erwarte und den Lonely Planet Israel und Palästina bestellt.
Dazu kommt, dass ich ja immer wirklich gerne Reiseführer lese.

In der Regel ist der Lonely Planet der erste Reiseführer zu dem ich greife, irgendwie haftet ihm immer noch der Hauch des Individualreisenden an und ich mag den Aufbau einfach sehr gerne.
Der Lonely Planet Israel und Plästina ist ausgestattet, wie alle Lonely Planets, ein robuster (allerdings diesmal matter und damit weniger abwaschbarer) Einband, ein praktische und handliches Format und im hinteren Teil zusätzlich eine heraustrennbare Faltkarte von Jerusalem, samt Register, Highlights und Gebietskarte.
Im vorderen Einband, das was den Lonely Planet für mich unverzichtbar macht, die immer gleichen Erläuterungen, an denen ich mich orientieren kann und die mir helfen im Reiseführer zu finden, was ich suche.
Wie üblich gibt es die erklärten Symbole und die bekannten 4 Kapitel:
1. Reiseplanung
2. Reiseziele
3. Israel und Palästina verstehen
4. Praktische Informationen.

Die 4 Kapitel finden sich in jedem Lonely Planet, machen ihn übersichtlich und vertraut. Ich mag es wenn so etwas wiederkehrend designed ist und ich mich direkt in einem Sachbuch zu Hause fühlen kann.
Die Seiten sind wie üblich beim Lonely Planet sehr dünn und dadurch etwas empfindlich. Sie machen das Buch aber auch handlich und sorgen dafür, dass es weniger Gewicht hat und somit immer dabei sein kann. Ich finde das praktisch und verzichte hier gerne auf mehr Reißfestigkeit.

Kapitel 1 beginnt wie üblich mit einem Willkommensgruß und kurz angerissen einigen Infos zu Heiligen Stätten, Tel Aviv, Archäologie, Outdoor-Aktivitäten und einer kurzen Info zum Autoren Daniel Robinson. Dann folgt die Karte passend zum Reiseziel und die Top 20 der Sehenswürdigkeiten. Felsendom, Totes Meer, Klagemauer, Golanhöhen, Safed, Petra, Nazareth, Bethlehem um nur ein paar Beispiele zu nennen. Alles mit kurzen Infos und Anreizen in Form von Bildern.

Im Abschnitt "Gut zu Wissen" finden sich wie immer alle wichtigen Informationen vor Reisebeginn, aber auch während der Reise. Telefonnummern der Rettungsdienste, Polizei, Informationsseiten im Internet, Wetterinformationen, gesprochene Sprachen, etc.
Dann kommen in "Wie wärs mit" Kurz und knapp Vorschläge für Aktivitäten. Hier werden sehenswerte Strände erwähnt, Wandertouren vorgeschlagen, Weinproben, Schauplätze des neuen Testaments, aber auch Hinweise für das Nachtleben erwähnt.

Im Bereich Monat für Monat findet sich der Lonely Plante übliche Veranstaltungskalender, Märkte, Feiertage, Feste und Feierlichkeiten, werden hier aufgezählt und können für die genaue Reiseplanung berücksichtigt werden.
Schön finde ich im Lonely Planet auch immer die vorgeschlagenen Reiserouten. Hier sind es 4 Stück, einmal 2 Wochen für Israel, dann 4 Wochen Odyssee durchs Heilige Land, eine 10tägige Feinschmeckerroute und eine Woche für das Westjordanland. Mir gefällt das immer sehr gut, ich orientiere mich für meine eigene Planung hier an den Zeitangaben und Örtlichkeiten.

Ein wichtiger Punkt für die Reise nach Israel und Palästina sind auch die Grenzübergänge und ich bin froh, dass der Autor diesem Aspekt mehrere Seiten widmet. Die Grenzziehungen in Israel und Palästina, bzw. Drumherum ist nicht nicht immer so eindeutig, wie gedacht, hier finden sich viele Erklärungen, Erläuterungen und Wissenswertes, für das eigene Verhalten beim Grenzübertritt und der wichtige Hinweis, dass man auf einen israelischen Einreisestempel im Pass besser verzichtet, wenn man eine weitere Reise in ein arabisches Land plant, da dort die Einreise verweigert werden kann, wenn man im Pass Spuren eines Aufenthaltes in Israel vorweist. Das war mir zwar grundsätzlich bekannt, ich wußte jedoch nicht, dass Isreal Pässe nicht mehr zwingend abstempelt aus genau diesem Grund.

Der Abschnitt "Mit Kindern reisen" wurde bei mir wieder vernachlässigt. Ich reise nicht mit Kindern, finde die Infos beim kurzen Überfliegen aber für Familien durchaus hilfreich. Ob man nun zwingend den Familienurlaub in Israel planen muß, überlasse ich jedem selbst.

In einem weiteren Überblick werden die verschiedenen Gebiete kurz und knapp vorgestellt, die im zweiten Kapitel dann sehr ausführlich erklärt und erschlossen werden.
Tel Aviv Jaffa
Haifa und die Nordküste
Untergaliläa und See Genezareth
Obergaliläa und Golan
Westjordanland
Gazastreifen
Totes Meer
Negev
Petra

Ich war überrascht, hier auch Informationen zum Gazastreifen zu finden. Es wird zwar darauf hingewiesen, dass Gaza unzugänglich und eine Gefahrenzone ist, dennoch finden sich viele Informationen zu dem Gebiet auch im zweiten Kapitel.

Die Reiseziele in Israel und Palästina werden wie in jedem Lonely Planet sehr ausführlich und mit vielen Tipps und Reisevorschlägen erläutert. Dazu gibt es Kartenmaterial, das übersichtlich gestaltet und mit den wichtigsten Markierungen versehen ist.
Hier haben mir vorallem die vielschichtigen Informationen gefallen, die weder alle religiös, noch politisch gefärbt waren, sondern sehr neutral und informativ die vorhandenen Gegebenheiten schilderten und auf spezielle Dinge, Sehenswürdigkeiten, etc. hinwiesen.
Schön fand ich mal wieder den Spaziergang, der sich hier auf die Grabeskirche bezieht. Diese Spaziergangsvorschläge mag ich immer wieder gerne und würde mir tatsächlich noch mehr davon wünschen. Auch den Spaziergang durch Petra fand ich sehr gelungen und die Grafik dazu ausgesprochen gut.
Hier gibt es außerdem Informationen zu Restaurants, Shopping, Reisemöglichkeiten, Ausgehen, Nachtleben, etc. Jeweils ortspezifisch und sehr detailliert.

Im dritten Teil finden sich aktuelle Informationen zu Israel und Palästina, außerdem auch Vorschläge von Sachbüchern zu der Thematik, eine geschichtliche Zeitleiste, ein Text zu den unterschiedlichen Volksgruppen. Hinweise zu regionalen Spezialitäten, Gerichten, Esskultur, Feste und Feiertage, Lebensart. Außerdem je ein Text zur Regierung und Politik, Religion, Kunst, Natur und Umwelt. Diese Texte finde ich im Vorfeld einer Reise hilfreich, aber auch während einer Reise als Lektüre unterwegs durchaus informativ und unterhaltsam.

Im letzten Teil finden sich die Infos für die Praxis, hier gefällt mir der Abschnitt zum Thema Sicher Reisen sehr gut. Natürlich kann man naiv einfach in ein solches Land reisen, ohne sich Gedanken über die Sicherheit zu machen, ich persönlich würde dies nicht tun und bin für die hier genannten Informationen sehr dankbar und finde sie hilfreich.
Im Abschnitt allgemeine Informationen widmet man sich in einem kurzen Abschnitt auch allein reisenden Frauen, das finde ich sehr gut und hat mir gefallen.
Hier gibt es dann auch Informationen zu Geld, Reisen mit Behinderung, Schwule und Lesben unterwegs, Stromversorgung, Touristikinformationen, Verkehrsmittel, Gesundheit und Gesundheitsrisiken, hier wird sehr informativ aufgeklärt und die Möglichkeiten zur Vorsorge genannt.
Dann folgt ein Sprachführer auf Hebräisch mit Lautsprache und ein Register, beides aus meiner Sicht hilfreich, vorallem wegen der fremden Schriftzeichen zur Übersetzung von Warnschildern oder Hinweisschildern.

Ich mochte auch diesen Lonely Planet wieder sehr und fühle mich ausreichend informiert, um meinem Traumreiseziel näher zu kommen.

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