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Unorthodox

Deborah Feldman , Anita Hopt
Audio CD: 8 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 12.09.2016
ISBN 9783958620070
Genre: Biografien

Rezension:

Ich muß zugeben, mich vor dem Hören des Buches nur grob informiert zu haben, worum es geht. Ich habe in meinem Leben wenige Berührungspunkte mit dem Judentum. In meiner Gymnasialklasse war ein Mädchen Jüdin und ich erinnere mich, immer sehr neugierig gewesen zu sein, was bei ihr und in ihrer Familie anders ist, vorallem weil ich auf einem sehr strengen katholischen Gymnasium war. Geburtstagsfeiern bei ihr, hatten für mich immer etwas irgendwie Geheimnisvolles und Spannendes, weil die Familie zwar offenbar nicht streng ihren Glauben praktizierte, aber dennoch vieles für mich anders war. Generell übt der jüdische Glauben auf mich einen gewissen spirituellen Reiz aus, er hat etwas Mystischeres als mein eigener katholischer Glaube, der mich in meiner Jugend ängstigte, einschränkte und trotz einer recht "ungläubigen" Familie auch behinderte.
Ich lese unheimlich gerne Bücher jüdischer Autoren, ich mag den jiddischen Humor und schätze den leichten Sarkasmus, der dieser Religion aus meiner Sicht immer ein wenig zu eigen ist.
Vor einigen Wochen war ich zum ersten Mal in New York und mir wurde dort auch zum ersten Mal bewusst, wie wenig ich über diese Religion weiß, natürlich konnte ich die gläubigen Männer mit ihren Schläfenlocken als jüdisch identifizieren, aber sie gehören hier in Deutschland halt nicht zum Bild der Bevölkerung und daher habe ich mich, die ich mich doch für so schrecklich liberal, offen und tolerant halte, tatsächlich beim Starren erwischt, sicher nicht unangenehm, eher neugierig und interessiert, zumindest hoffe ich das.
Hier in Köln gibt es die Möglichkeit an einem jüdischen Abend in der Synagoge mit koscherem Essen und interessanten Gesprächen teilzunehmen, das habe ich getan und bin auf sehr gebildete, weltoffene, interessierte und emanzipierte Menschen gestoßen, umso mehr hat mir Feldmans Buch die Augen geöffnet, dass die von mir so neugierig und interessiert betrachtete Religion auch ihre Fanatiker birgt und mein Eindruck, dass der Stand der Frau im Judentum eigentlich ein sehr eigenständiger ist, sich nicht auf jeden Zweig dieses Glaubens bezieht.
Ich muß ehrlich zugeben, einen Moment gebraucht zu haben, um festzustellen, dass der Text tatsächlich in der "Gegenwart" bzw. nicht allzu fernen Vergangenheit spielt, wirklich bewußt wurde mir das erst, als ein Handy oder ein Computer erwähnt wird, vorher war ich der Meinung, wir befinden uns irgendwo in den 50er Jahren.
Mein Bild eines freien, nach Bildung strebenden und offenen Judentums erhielt während der Schilderungen einen argen Knick und ich weiß nicht, welche Naivität mich dazu verleitet hat zu glauben, gerade diese Religion sei frei von dem Fanatismus und Extremen, den es in allen anderen Religionen gibt und der mir gerade da auch durchaus bekannt ist, bin ich selbst doch auf eine Schule gegangen, die von katholischen Patern geführt wurde und in der ein zu tiefer Ausschnitt oder ein zu kurzer Rock durchaus dazu führten, dass meine Mutter nach dem Unterricht einen Anruf erhielt, bzw. in der noch wenige Jahre vor mir ausschließlich Jungen unterrichtet wurden.
Natürlich ist mir bewußt, dass Feldman in ihrer chassidischen Gemeinde Extremen ausgesetzt war, dass hier keineswegs der alltäglich jüdische Glaube gelebt wurde. Ich muß zugeben, die Begriffe Satmar, Chassiden und ultraorthodox natürlich zuvor gekannt zu haben und auch mir eingebildet zu haben, zu wissen, was sie bedeuten. Nach der Lektüre des Buches, weiß ich, dass ich nichts wußte... gar nichts.

Feldman berichtet, sachlich und doch emotional über ihr Frauwerden, ihre Sexualität und ihre Probleme, die sie vorallem wegen ihrer Erziehung und ihres Glaubens mit sich herumschleppt, sind schockierend und öffneten mir, die ich mich in meiner Filterbubble, in der Frauen alles werden können, was sie wollen, schließlich bin ich selbst relativ erfolgreich in einem Beruf, der an vielen anderen Orten (auch in Deutschland) noch in den meisten Fällen von Männern dominiert wird, in der Frauen sagen dürfen was sie wollen, lernen dürfen, was sie interessiert und in denen Sex und Verhütung ein Thema ist, das man durchaus offen thematisieren kann und in der man nicht in der Hochzeitsnacht plötzlich mit Problemen zu kämpfen hat, die weder einem selbst noch dem Partner bekannt sind, vorallem aber lebe ich in einer Welt, in der ich mir aussuchen darf, wer mein Partner ist, ob ich heirate und Kinder möchte und in der ich nicht darüber definiert werde, wie ich die Maßstäbe anderer erfülle, sondern ob ich ein netter Mensch bin oder nicht.
All diese meine eigentlich gar nicht so modernen aber für mich selbstverständlichen Denkweisen demontiert Feldman allein durch die Schilderung ihrer Jugend, ihrer lieblosen Verwandten, des Unverständnisses und der vielen Regeln, die ich bisher eher als Kann-Vorschriften aufgefaßt hatte, denn als wirklich strikte Verbote.
Feldman schreibt dabei eindringlich, intensiv und absolut unterhaltsam. Diese Geschichte ist keineswegs lediglich ein Leidensweg, es ist ein Weg der Befreiung und ein äußerst unterhaltsames und dramatisches Stück Zeitgeschichte, das sich als Hörbuch sehr gut hören ließ. Trotz der Länge kommt hier keine Langeweile auf, im Gegenteil Feldman schockiert, beschwichtigt, erklärt und rüttelt wach und Anita Hopt liest das ganze mit einer wunderbar angenehmen Stimme und einer sehr guten und ansprechenden Betonung und Umsetzung.

Mir hat dieses Buch vor allem für meine eigene Ignoranz und Naivität die Augen geöffnet, in der ich annahm, dass nur weil ich lediglich emanzipierte und fortschrittliche jüdische Gläubige kennengelernt habe, die ganze Religion eine sehr fortschrittliche sein müsste.
Ich habe Feldman mittlerweile in einigen Interviews gesehen und nachdem ich ihre Geschichte nun vermeintlich kenne, beeindruckt sie mich noch mehr. Eine sehr angenehme und starke Frau, die ihren Weg gegangen ist, obwohl eigentlich alles versucht hat, sie daran zu hindern und die zum Vorteil von uns allen auch noch in der Lage ist, diesen Weg mit einem gewissen wehmütigen Humor und einer spannenden Erzählweise zu schildern.

Unorthodox war für mich ganz klar das Buch des Jahres 2016. Bewegend, intensiv und erschreckend habe ich den Worten gelauscht und während ich unterhalten wurde, auch einiges über mich gelernt... Frau Feldman gehört für mich zu den wenigen sehr interessanten jungen Frauen, nicht nur durch das, was sie erlebt hat, sondern auch durch ihr Auftreten, ihre Erzählkunst und ihre klugen Anmerkungen, oder aber die Fähigkeit auch sich selbst einzugestehen Fehler zu machen, Wut zu zulassen oder Unbeherrschtheit Raum zu geben, denen ich gerne mal die Hand schütteln und mit denen ich ein paar Worte sprechen würde.

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DuMont BILDATLAS Provence

Rita Henss , Roland Gerth
Flexibler Einband
Erschienen bei DuMont Reiseverlag, 11.03.2016
ISBN 9783770194339
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mir gefällt die Reihe der DuMont Bildatlanten wirklich ausgesprochen gut. Die Hefte haben fast schon die Qualität von Büchern, sind stabil und wirklich schön aufgemacht.
Nachdem sie mir nun einige Wochen den Wohnzimmertisch verschönert haben, hatte ich heute endlich Zeit mich intensiv mit den Heften zu befassen. Ich habe es mir also mit einer schönen Lavendellimonade auf dem Sofa bequem gemacht und in den Atlanten geblättert.

Der Band, der sich mit der Provence befaßt, hat mir besonders gut gefallen, was zu einem großen Teil auch daran liegen könnte, dass mir die Provence halt einfach gut gefällt. Mein Traum ist ein Alterssitz dort ein kleines Cottage mitten in Lavendelfeldern, kann es etwas Schöneres geben? Nein. Kann es nicht. Da ich von meinem Alterssitz aber noch ungefähr 30 Jahre entfernt bin, muß ich mich erstmal mit Bildatlanten trösten.
Dieser hier ist zunächst mit einem sehr übersichtigen Inhaltsverzeichnis ausgestattet und dann mit einer großen Übersichtskarte, auf der vermerkt wurde, wo im Heft welcher Bereich besprochen wird.

Dann geht es mit den Topzielen los.
Mont Ventoux, die Ockerbrüche, Avignon, Marseille und Aix en Provence, sowie noch einige mehr.

Die Dazu gehörigen Bilder sind wunder wunderschön, die kurzen Texte dazu passen sehr gut und wecken die Reiselust. Besonders schön, fand ich hier die Vorstellung verschiedener Aussichtspunkte, die einen guten Blick auf das Land geben. Sowas würde ich mir in jedem Reiseführer wünschen.
Sehr informativ fand ich auch den Bericht über die Trüffelsuche, dieser ist wirklich gut recherchiert und unterhaltsam geschrieben.
Essen und Genuß nehmen bei den Infos & Empfehlungen einen großen Raum ein und die hier genannten Empfehlunen haben mir als Freundin der Provence sehr gut gefallen. Hier hab ich Altbekanntes, aber auch neue Dinge gefunden.
Gefreut habe ich mich auch Herrn Loubet im Heft zu entdecken, einer der wenigen 2-Sterne-Köche, die nicht ständig ihr Gesicht in jede Kamera halten und dabei doch viel zu erzählen haben.

Generell haben die Texte eher keinen Reiseführercharakter, sondern sind sehr unterhaltsam und gefallen mir wirklich gut. Ein wenig Reiseführercharakter hat dann die Empfehlung der 10 schönsten Unterkünfte, die teilweise überraschend erschwinglich sind. Gut gefallen hat mir auch das Kästchen mit „DuMont aktiv“, in dem immer wieder sportliche Aktivitäten empfohlen werden.

Natürlich findet man auch einen Text über meinen geliebten Pastis, der mich sofort dazu veranlaßt hat, die Lavendellimonade gegen ein Gläschen Pastis zu tauschen.

Wer gerne auf Märkte geht, findet hier ebenfalls Empfehlungen.
Am Ende des Atlanten findet man außerdem die typischen Service-informationen, die man für eine Reise benötigt.

Der Bildatlas ersetzt keinen Reiseführer, versetzt einen aber in Reisestimmung und macht beim Lesen einfach nur sehr viel Freude.

(Die Atlanten wurden mir als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.)

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sachbuch reise & abenteuer

DuMont BILDATLAS Rom

Barbara Schaefer , Frank Heuer
Flexibler Einband
Erschienen bei DuMont Reiseverlag, 29.02.2016
ISBN 9783770194346
Genre: Sonstiges

Rezension:

Seit Jahren möchte ich nach Rom, nächstes Jahr, wird es soweit sein.
Zur Einstimmung habe ich mich bereits mit Reiseführern und Bildbänden eingedeckt, wie man das als buchaffiner Mensch nun mal so tut.
Vom Dumont Verlag habe habe ich freundlicherweise verschiedene Bildatlanten als Rezensionsexemplare erhalten, unter anderem Rom.
Zunächst, die Bildatlanten habe den Charakter hochwertiger Zeitschriften. Er eignet sich als Coffeetable Book, aber eher nicht als Reiseführer für unterwegs, da er recht groß und wenig handlich ist.
Zur Einstimmung auf die Reise und zur Information bereits zuhause ist er aber grandios.
Mit starken und ausdrucksintensiven Bildern wird hier auf 120 Seiten ein sehr guter Überblick über Rom geschaffen. Es beginnt mit einer Übersichtskarte nd den Topzielen in Rom. Hier finden sich Pantehon, Colosseo, die Engelsburg und weitere bekannte Touristenattraktionen. Hier fand sich für mich keine große Überraschung, aber es fehlte auch nichts, was ich mir noch gewünscht hätte.
Toll fand ich die Übersicht über grüne Oasen, ich liebe es in fremden Städten, Parks und Gärten zu erkunden, hier bekomme ich 8 tolle Vorschläge geliefert, deren Bilder bereits erahnen lassen, dass sich der Besuch lohnt.
Interessant und durchaus lesenswert fand ich auch die Essays, welche alle schön bebildert sind und sich gut lesen lassen und dabei informativ sind. Das eignet sich dann durchaus auch wieder als Reiselektüre für unterwegs.
Vorschläge für Märkte und Kunst und Kultur, finden sich ebenfalls in ausreichender Menge. Spannend fand ich auch den Text über Fashion in Rom, Boutiquen und die Unterschiede zwischen Rom und Mailand.
In kleinen Kästchen finden sich zusätzlich Hinweise für Aktive, Sportempfehlungen und Ideen. Im zweiten Teil hat er Atlas dann eher Reiseführercharakter, doch auch das gefällt mir gut. Hinweise für Aktivitäten, Kulturereignisse, Restaurants und Hotels.
Natürlich kommt auch die Kulinarik bei den Texten und Empfehlungen nicht zu kurz und hier fand sich dann so manche Perle, die mir noch nicht bekannt war und es sehr rasch auf unsere Liste der zu besuchenden Dinge schaffte. Der Vatikan bekommt einen eigenen Abschnitt, wird vorgestellt, bebildert dargestellt und empfohlen. Das war sehr informativ, allerdings auch sehr reduziert.

Für Eisliebhaber gibt es dann noch eine Rangliste der besten Eisdielen Roms, die wir hoffentlich alle besuchen werden. Ich liebe Eis!!

Der Bildatlas ersetzt sicher keinen Reiseführer, bietet jedoch weitreichende Informationen und Vorschläge, was man tun könnte, was man besuchen sollte und sehr viele Hinweise für Aktivitäten, die man nicht wirklich in jedem Reiseführer findet.
Mir hat die Lektüre viel Spaß gemacht und mich schön in meine Reiselust eingestimmt. Von mir aus könnte es jetzt schon losgehen.

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DuMont Bildatlas Eifel, Aachen

Klaus Simon , Rainer Kiedrowski
Flexibler Einband
Erschienen bei DuMont Reiseverlag, 05.09.2016
ISBN 9783770194544
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich stamme aus der Region (Broichweiden) und wohne mittlerweile nahe des Ahrtals und war sehr interessiert, wie genau die Eifel und Aachen im Bildatlas präsentiert werden.
Die optische Aufmachung mit einer der typischen hohen Hecken, die es in der Eifelregion gibt, vor dem Haus gefällt mir sehr gut und ist aus meiner Sicht passend.
Unterteilt ist der Atlas in die Teile Aachen, Nordeifel, Ahrtal - Osteifel, Vulkaneifel, Südeifel.

Zu Beginn gibt es einen Abschnitt, in dem die Topziele genannt werden, hier finden sich alle von mir erwarteten Dinge, der Aachener Dom natürlich, Monschau, Burg Eltz, das Freilichtmuseum Kommern oder die Dauner Mare. Dann folgen einige Seiten mit schönen Fotos und Impressionen aus der Region Aachen, die zeigen, wie vielfältig die Landschaft und das Stadtbild sind.

Es gibt einen für mich sehr gelungenen Artikel zu den schönsten Badestellen der Eifel, allerdings fehlten mir hier ein paar Insidertipps, bzw. den Blausteinsee oder die Steinbachtalsperre habe ich wirklich vermisst. Allerdings ist das ja auch ein wenig Geschmackssache.

Der Teil, der sich auf Aachen bezieht ist informativ und unterhaltsam gestaltet und läßt sich sehr gut lesen. Natürlich wird hier auch der geschichtliche Hintergrund von Aachen und dem Bezug zu Karl dem Großen intensiv, aber eben nicht langatmig beleuchtet.
In kleinen Informationskästchen werden immer mal wieder nette Wissenshinweise eingestreut, beispielsweise über die Aachener Printen.
Sehr gut fand ich den zweiseitigen Bericht über die 10 Landgasthöfe, von denen mir zwar 5 bekannt waren und auch sehr geschätzt sind, aber der eben auch für mich als alteingesessenes "Öscher Mädschen" noch Neuigkeiten bot.
Besonders empfehlen möchte ich hier das Schnabuleum in der Senfmühle Monschau, am Wochenende zwar sehr voll und etwas überlaufen, aber auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man wirkliche Hausmannskost auf gutem Niveau und schöner Umgebung essen will.

Im Bereich Infos und Empfehlungen findet sich eine Umgebungskarte und diverse Informationen, die einem Reiseführer ähnlich aufgearbeitet sind. Hier habe ich nichts vermisst und fühlte mich umfassend informiert.
Schön fand ich hier den Hinweis auf die Route Charlemagne, einen schönen Stadtspaziergang mit historischem Hintergrund.

Im nächsten Abschnitt findet die Nordeifel Erwähnung, das hohe Venn ist mit wirklich tollen Bildern vertreten und obwohl ich wirklich nicht gerne Wandere oder Spazieren gehe, lege ich wirklich jedem einen Vennspaziergang ans Herz. Speziell im Herbst ist das einfach wunderschön.
Monschau nimmt hier natürlich einen zentralen Punkt ein, aber hier gehen die Informationen auch über die normalen touristischen Eckdaten hinaus und sind mit viel Herz erwähnt und bebildert. Das gefällt mir wirklich gut, vorallem, weil ich Monschau trotz der vielen Touristen sehr schätze.
Bei den Topatraktionen hatte ich den Wildpark Hellenthal vermisst, hier wird er dann aber auch erwähnt und ist mit einem wunderschönen Greifvogelbild vertreten. Als Schulkind habe ich schon Ausflüge dorthin gemacht und auch jetzt als Erwachsene ist Hellenthal immer wieder schön. Auch der Bericht zu den Ritterspielen auf Burg Satzvey ist schön bebildert und macht Lust auf einen Besuch, den ich vor allem zu Weihnachten zum Weihnachtsmarkt oder zu Halloween empfehlen kann.

Zusätzlich gibt es einen aus meiner Sicht sehr interessanten Artikel zum Thema des nationalsozialistischen Erbes der Region, der für mich viele Informationen barg, die mir so nicht bekannt waren.
Neben Kultur, Geschichte und Natur werden aber auch Hinweise für Sport und Unterhaltung gegeben.

Der Teil zur Osteifel bezieht sich natürlich auch auf den Weinanbau und das Kloster Maria Laach, ich gebe zu das Kloster tatsächlich immer nur im Vorbeifahren wahrgenommen zu haben und hege nun den festen Vorsatz, es einmal wirklich zu besuchen.
Obwohl ich hier wohne, war mir tatsächlich nicht bewußt, wie viele kleinere Burgen und Wehrtürme es neben der allseits bekannten Burgen Satzvey und Eltz noch gibt, das fand ich gut herausgestellt und schön bebildert.

Ich mag das Wandern auf Traumpfaden und obwohl ich sonst eher nicht fürs Wandern zu haben bin, haben es mir diese Routen meist angetan. Hier gibt es einen langen Artikel dazu mit Tipps, Empfehlungen und Informationen. Sehr lesenswert und gelungen.
Seit das Wandern hip ist, gibt es auch noch weitere Arten des stilvollen durch die Gegendlaufens. 7 spezielle Wanderwege und Steige werden auf einer Doppelseite vorgestellt.
Besonders ans Herz legen möchte ich da jedem den Rotweinwanderweg, am Besten im Spätsommer oder im Frühherbst. Schön ist auch der Eifelkrimiwanderweg...

Neben den von mir genannten Texten gibt es noch weitere, die sich mit Natur und Kultur in der Region auseinander setzen, der Bildatlas ist also durchaus nicht nur bebildert, sondern eben auch mit schönen Essays versehen.
Wenn man bei all der Natur an die Eifel denkt, darf allerdings auch der Nurburgring nicht fehlen, ein kritischer und interessanter Artikel zur Zukunft der "Grünen Hölle" ist im Bildatlas ebenfalls vorhanden und hat mir ausgesprochen gut gefallen.

In der Eifel wird aber ja nicht nur Wein angebaut, sondern eben auch Bier gebraut und so gibt es natürlich auch Informationen zum allseitsbeliebten "Bitburger", allerdings dankenswerter Weise ohne dabei zu sehr Produktplacement zu betreiben und zu werbeartig zu sein.

Ich schätze die Bildatlanten von Dumont ja wirklich sehr und mir gefallen die Hefte vorallem, weil sie zwar einen gewissen Reiseführer Charakter haben, aber dennoch sehr hochwertig wirken und auch als Coffeetablebooks eine gute Figur machen, das ist Unterhaltung und Information auf hohem Niveau. Ich persönlich finde, dass sich die Bildatlanten auch sehr gut als Mitbringsel oder kleines Geschenk eignen und das auch durchaus für Bewohner der jeweiligen Region, denn wie ich bei diesem feststellen durfte, obwohl ich nun Jahrzehnte lang in Aachen, Eifel und Umgebung gewohnt habe, konnte ich durchaus Neues erfahren und entdecken.

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MARCO POLO Mach`s in Köln

Björn Steinmetzler
Flexibler Einband
Erschienen bei MAIRDUMONT, 05.09.2016
ISBN 9783829735537
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich mag ja diese Mitmachbücher sehr, sprich diese meist hübsch illustrierten Bücher, die dich dazu auffordern, irgendwas mit dem Buch zu machen.

Von Marco Polo gibt es nun diese Mitmachbücher als Reiseführer für mehrere deutsche Großstädte.

Ich habe von Mairdumont freundlicherweise „Mach’s in Köln“ als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Diese Ausgabe ist von Björn Steinmetzler illustriert und das sehr gelungen. Jedes Buch hat einen anderen Illustrator, den auch etwas mit der jeweiligen Stadt verbindet. Das Büchlein ist zwar in schwarz weiß gehalten, macht aber rein optisch ordentlich was her. Ich fand schon den hübsch gestalteten Buchschnitt sehr gelungen.
Ziel des Buches ist es, zum einen den Reisenden an neue Orte zu locken, zum anderen ihn zur Aktion aufzufordern. Man nimmt das Buch also auf Reisen mit und arbeitet sich so durch die Seiten. Dazu braucht man nicht viel mehr, als einen Stift, Kreativität, Entdeckergeist, Freude am Ausprobieren und ein bißchen Mut, denn manche Sachen sind ganz schön .. ähm …. anders…

Auf jeder Seite des Buches finden sich dann mal mehr mal weniger auf Köln bezogene Aufgaben für den Leser.

Mein absolutes Highlight:

Bio-Hipster und fast vegan

Denk am Besten im Cafe Rotkehlchen sehnsüchtig an alte Zeiten und male die leckersten Fleischgerichte, so appetitlich wie du nur kannst.

Gut fand ich auch:

The Walking Dead

Geh spazieren. Dokumentiere deinen Ausflug mit was Gefundenem. Kann auch ein Gradhalm sein. Schreib auch Ort, Datum und Uhrzeit dazu.

Ganz großes Kino auch:

Leg dich zum Sonnen an den Aachener Weiher und schreib mit, was die Leute sich so erzählen.

Wie gesagt, ich mag solche Bücher sehr und bin daher vielleicht ein bißchen positiver eingestellt, trotzdem finde ich, dass dieses Buch einfach für jeden mit ein bißchen Humor und Kreativität geeignet ist, der sich in eine der Städte auf den Weg begibt, das ist lustig, das ist witzig, das macht Spaß. Natürlich ist auch ein bißchen Unfug dabei. Für Kinder ist das Buch allerdings eher nicht geeignet, zum einen soll man die ein oder andere Seite anzünden, zum anderen wird man immer mal wieder aufgefordert kölsche Alkoholika zu probieren.

Trotzdem kann man das Buch natürlich auch bei einer Reise mit Kindern nutzen, dann trinkt Mutti halt den Flimm und Zwergnase malt das Bild im Buch dazu aus.

Geht alles.

Ich hab grad die Aufgabe bekommen, es dieser Buchseite jetzt mit heißem Wachs mal so richtig zu geben, daher muß ich das Schreiben hier unterbrechen…. geht eine Kerze suchen

Solltet ihr im Park wen sitzen sehen, der also heftig in ein schwarzweißes Büchlein kritzelt oder kleine Kinder auffordert Bilder in sein Buch zu malen oder aber der eine Flasche Flimm dabei hat, keine Angst, der ist nicht gefährlich, der „Macht’s in Köln“.

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meer, england, liebe, familie, london

180 Grad Meer

Sarah Kuttner
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 31.12.2015
ISBN 9783100024947
Genre: Romane

Rezension:

Jule ist die Protagonistin dieses Buches und sie ist nicht sympathisch. Sie hat Ecken, sie hat Kanten, sie ist bockig, schwierig, anstrengend, verkopft und vorallem wütend. Eigentlich habe ich mit solchen Protagonisten immer meine Probleme, sie nerven mich sehr schnell. Bei Jule war das anders, Jules Wut und Aggression konnte ich verstehen, sie ging mir nahe, sie hatte Gründe, die meiner Wut sehr ähnlich sind. Jule war für mich Identifikationsfigur und Spiegel zugleich.

Nun gut, ich habe noch nie einfach mal so meinen Partner, den ich zu liebe glaube, betrogen und mich dann nach England abgesetzt, um mir die Meeresbrise um die Nase pfeifen zu lassen, aber grundsätzlich fand ich Jules Erklärungsversuche für ihr Verhalten, sehr treffend und gut. Ein bißchen versagt sie mir zu sehr auf ganzer Linie und auf der anderen Seite ist Papas Geld dann doch wieder da, um diese Probleme zu lösen, das fand ich etwas glatt, etwas leicht, aber wenn Jule keine finanzielle Möglichkeit gehabt hätte einfach mal auszusteigen, hätte es keine Geschichte gegeben. Kein Treffen mit dem Hund, kein wütendes das Meer anbrüllen, keine Trennung von Tim, Jules Freund und keinen Besuch bei der eigentlich nicht so gemochten Verwandtschaft.

Mir hat Jules Bockigkeit, die ich eben sonst so furchtbar bei Charakteren finde, sehr gefallen und das eben weil sie an mich erinnert. Ich will manchmal auch nicht reden, einfach nur sitzen. Ich will machmal auch einfach nur wütend sein. Dabei fand ich Jules Art sich mit ihrer depressiven und vereinnahmenden Mutter auseinander zu setzen und mit der Krebserkranung ihres eigentlich immer abwesenden Vaters umzugehen, sehr gelungen. Ihre Formulierungen paßten in mein Denken, in meine Wahrnehmung, nicht weil meine Kindheit jetzt gar so schrecklich gewesen wäre, sondern weil Eltern eben auch Menschen sind, die Fehler machen, Fehler haben und Fehler ertragen müssen und so erinnerte mich dieses Buch daran, dass jeder von uns so sein Päckchen Familienmüll mit sich herumschleppt, die einen mehr, die anderen weniger, aber ein bißchen Dreck gibt es in jeder Hütte. Den kann man akzeptieren, man kann ihn ignorieren, oder man kann sich, wenn es zu spät ist, darüber ärgern, dass man ihn nicht einfach mal weggeräumt hat.

Gut gefallen hat mir auch die Geschichte rund um Jule und den Hund. Das war herrlich schrullig und ein bißchen was fürs Herz, ohne kitschig zu sein.

Kuttner liefert hier ein deutlich reiferes, besseres und interessanteres Werk ab, als in Mängelexemplar, das mich damals nur auf halber Strecke überzeugen konnte.

Für 180 Grad Meer gibt es eine volle und totale Leseempfehlung, für jeden, Eltern, Kinder, Töchter, Brüder, Hundebesitzer und Meeresliebhaber. Das war so richtig schöner Seelenscheiß.

Lesen!

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testament, fresko, monat, landleben, für zwischendurch

Ein Monat auf dem Land

J.L. Carr , Monika Köpfer
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.10.2016
ISBN 9783832198350
Genre: Romane

Rezension:

Ich fühlte mich beim Lesen von J.L.Carrs Buch "Ein Monat auf dem Land" immer wieder an mein absolutes Lieblingsbuch "Der Schlachtenmaler" von Arturo Perez-Reverte erinnert. Dieses Buch hat mich vor Jahren einfach nur gepackt und nie wieder losgelassen. Zwar haben beide Bücher einen gänzlich anderen Schwerpunkt, aber in beiden Büchern gibt es den Maler /Restaurateur, das Gemälde und den Turm/ die Kirche in dem dieses sich befindet. Da "Der Schlachtenmaler" nun mal von mir heiß und innig geliebt wird, war recht schnell klar, dass auch "Ein Monat auf dem Land" genau meinem Geschmack entsprach. Das schmale Büchlein schildert in einer einfachen und klaren Sprache wie Mr. Birkin immer mehr des alten Gemäldes im Kirchenraum frei legt und während er das tut legt auch immer mehr der Dorfbewohner um sich herum frei, macht sie für den Leser sichtbar und tastet sich an sie heran, ebenso vorsichtig, wie er bei dem Gemälde Schicht um Schicht abträgt.
Er erhält Einblick in eine vermeintlich heile Welt, schließt Freundschaften und verliebt sich. Doch nicht nur die Bewohner des Dorfes lernen wir nach und nach kennen, auch Mr. Birkin läßt den Leser Seite um Seite näher an sich heran, gewährt Einblicke in sein Leben, seine Traurigkeit und sein Trauma. Er leidet unter den Folgen des Weltkriegs und dem Verlassen werden von seiner Frau und versucht in diesem kleinen Örtchen Oxgodby Ruhe und Entspannung zu finden und findet dabei sehr viel mehr.

Mich haben Text und Stil absolut gefange genommen, das war eines der berührendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe und das obwohl es nur wenige Seiten umfaßt und der Schreibstil eigentlich ein eher sachlicher und nüchterner ist. Als es schließlich dem Ende zu geht, hatte ich tatsächlich ein paar Tränchen im Auge, gut das heißt nicht viel, ich bin ja eine schreckliche Heulsuse, bei guten Büchern oder Filmen rinnen bei mir rasch die Tränen herab, aber hier war es einfach schön, sich der Traurigkeit und dem Weltschmerz ein wenig hinzugeben.

Carr hat bei mir einen Nerv getroffen, auch ich sehne mich nach meinem Oxgodby, nach meinem Ort der Ruhe und Entspannung, an den man immer wieder gerne in Gedanken zurückkehrt, aber eben nicht real, da es niemals so sein wird, wie beim ersten Besuch.

Besonders erwähnen möchte ich den unheimlich gelungenen Einaband, mit cremefarbener Leinenbindung und einem vogelförmigen Blatt. Hier habe ich während des Lesens immer wieder gerne drüber gestrichen und mich an diesem schönen Stück Buchbindekunst erfreut.
Das Buch ist wirklich ein Traum, für jeden der eine schöne, ruhige und melancholische Geschichte schätzt und der einen hübschen Einband ausreichend zu schätzen weiß.

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Frauen bereisen die Welt

Diverse , Doris Wolters , Martina Treger , Vera Teltz
Audio CD: 6 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 01.03.2016
ISBN 9783899649338
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich habe dieses Hörbuch als Rezensionsexemplar vom Audiobuchverlag erhalten und mich unwahrscheinlich darüber gefreut, da ich wirklich sehr gerne Reiseberichte höre. Die CDs kommen in einem normalen Doppel-Jewel-Case daher und sind praktisch und gut zu handhaben auch während der Autofahrt.

Die Autorinnen dieser Berichte sind Therese von Bayern (forschte im Amazonasgebiet), Isabella Bird (ritt durch die Rocky Mountains), Elisabeth von Heyking (lebte in China), Bertha Pappenheim (besuchte St. Petersburg), Johanna Schoppenhauer (bereiste England), Annemarie Schwarzenbach (lebte in Persien/Shiraz), Mary French Sheldon (reiste zu den Massai), Gertrude Bell (reiste durch die syrische Wüste), Ida Pfeiffer (umrundete die Welt). Jeder einzelne Bericht besitzt dabei seinen eigenen Charme und alle diese Damen haben zu Zeiten gelebt, als reisende und entdeckende Damen noch nicht der Normalität angehörten und haben sich trotzdem allen Widrigkeiten widersetzt. Der ein oder andere Bericht wirkt daher ein wenig angestaubt, was die emanzipatorischen Gedanken oder auch die Überlegungen zu den Menschen verschiedenster Art anbelangt. Als wirklich rassistisch würde ich keinen der Texte einstufen, im Gegenteil, aber der Sprachgebrauch der Damen ist halt manchmal noch ein anderer als wir ihn heute wählen würden. Ich fand allerdings auch gerade das sehr interessant und spannend zu beobachten, wie sich unser Blick auf die Welt und ihre Bewohner in wenigen Jahrzehnten/Jahrhunderten gewandelt hat.

Bei den Texten merkt man relativ rasch, auch wenn einem die berichtende Damen vielleicht unbekannt ist, in welcher Zeit man sich vermutlich bewegt und dennoch sind auch manche Problematiken auch heute noch Gegenstand von Diskussionen, die reisende Frauen führen müssen.

Alle Berichte sind ausnahmslos spannend und interessant geschrieben, hier hat man keine langweiligen Tagebucheinträge vor sich, sondern Erzählungen von Frauen, die wirklich Spannendes erlebt haben und die auch noch gekonnt davon berichten konnten. Es wird jedoch nicht nur über die Erlebnisse der Reisen gesprochen, ein großer Teil der Texte befasst sich auch mit der damaligen Gesellschaft, den Anforderungen und Erwartungen und dem Selbstbild der reisenden Damen, das war hochinteressant und vorallem in der Auswahl der Texte, die sich gegenseitig ergänzten, sehr gelungen.

Die Texte werden von unterschiedlichen Sprecherinnen gesprochen, so dass man bereits an der neuen Stimme merkt, dass es sich um eine neue Erzählerin handelt. Alle Sprecherinnen liefern eine gute und solide Sprechleistung ab, kein Gestotter kein Gestammel, ordentliche und angemessene nicht zu theatralische Betonungen und eine sehr gute Tonqualität machen das Hörbuch zu einem wirklichen Hörgenuss.

Ich habe die Damen bei ihren Reisen sehr gerne begleitet und fühlte mit ihnen, saß mit auf dem Floß im Amazonas, auf den Kamelen der Karawane und habe die Angst vor den kriegerischen Massai fast selbst körperlich gespürt. Selten hat mich ein Hörbuch so beeindruckt und mitgerissen. Das Interesse der Frauen an ihrem Umfeld und die Neugier, die die meisten von ihnen angetrieben hat, ist mit jedem Wort zu spüren und macht das Hören der Geschichten wirklich interessant.

Sei es der Antrieb zu soziologischen oder anthropologischen Forschungen, die Damen hatten alle samt eine sehr gute Beobachtungsgabe und so gelingt es selbst mit wenigen Worten, die Situationen lebensnah und spannend zu schildern. Leider sind die Texte merklich gekürzt. Die kompletten Berichte als Printausgaben findet man hier.

Therese Prinzessin von Bayern: Meine Reise in den brasilianischen Tropen

Isabella Lucy Bird: Leben einer Dame in den Felsengebirgen, aus dem Englischen übertragen. 1 Bd.

Ida Pfeiffer: Eine Frauenfahrt um die Welt: Reise von Wien nach Brasilien, Chili, Otahiti, China, Ost-Indien, Persien und Kleinasien.

Gertrude Bell: Durch die Wüsten und Kulturstätten Syriens. Reiseschilderungen.

Isabella Lucy Bird: Unbetretene Reisepfade in Japan; Band 1 und 2

Elisabeth von Heyking: Tagebücher aus vier Weltteilen

Bertha Pappenheim: Sisyphus: Gegen den Mädchenhandel - Galizien (Vollständige Ausgabe): Eine Studie über Mädchenhandel und Prostitution in Osteuropa und dem Orient

Johanna Schopenhauer: Reise durch England und Schottland

Annemarie Schwarzenbach: Winter in Vorderasien: Tagebuch einer Reise

Mary French Sheldon: Sultan to Sultan. Adventures among the Masai and other tribes of Africa (Hier habe ich leider nur eine englische Ausgabe gefunden)

Für mich auf jeden Fall ein Anlass den ein oder anderen Bericht komplett zu lesen und zu genießen. Besonders gut hat mir tatsächlich der Bericht von Mary French Sheldon gefallen, die als Bibi Bwana die Gebiete der Massai in Afrika durchquert, aber auch die vermeintlich weniger spektakuläre Reise durch England und Schottland von Schopenhauers Mutter Johanna war durchaus hörenswert und bot die ein oder andere spannende Beobachtung.

Grundsätzlich würde ich mich über eine Fortsetzung dieser Reiseberichtreihe sehr freuen.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

migranten, radikalisierung, islamisierung, klara waldéen, joakim zander

Der Bruder

Joakim Zander , Dirk Petrick , Ulrike Hübschmann
Audio CD: 6 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 04.07.2016
ISBN 9783899649321
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich habe vor einiger Zeit bereits Joakim Zanders Buch "Der Schwimmer" als Hörbuch gehört, daher hab ich mich sehr gefreut, dass ich vom Audiobuchverlag auch sein nächstes Buch als Hörbuch erhalten habe.

"Der Bruder" hat zwar hier und dort Berührungspunkte und bedient sich einiger Figuren aus "Der Schwimmer" ich würde es aber eher nicht so richtig als zweiten Teil bezeichnen, sondern behaupten, dass man beide Bücher auch unabhängig von einander lesen kann, ohne Informationsverlust zu haben. Schöner ist es aber natürlich, wenn man altbekannte Figuren wieder erkennt.

Joakim Zander schafft es auch hier wieder sehr lebendige Figuren zu erschaffen und auch wenn ich nicht immer, der Meinung war, dass die Figuren klug handelten, waren ihre Beweggründe doch zu verstehen und nachvollziehbar erklärt.

Interessant fand ich hier vorallem die Entwicklungen der radikalisierten Jugendlichen in den Vororten und auch die Strippenzieher im Hintergrund, bei der Auflösung macht es sich Herr Zander aus meiner Sicht ein wenig zu leicht und schiebt die Schuld in eine Richtung, die zwar in dieser Geschichte durchaus treffend und richtig ist, die aber sicher nicht als Standarderklärung für jegliche Radikalisierung herhalten dürfte. Das fand ich etwas schade und dafür, dass er sonst sehr schattiert und vielschichtig erzählt, wird es hier dann ein wenig eindimensional und simple. Damit kann ich aber durchaus leben und es verdirbt mir nicht das Buch, denn das ist durchaus unterhaltsam, rasant und schnell erzählt und zieht Dank mehrerer Erzählstränge den Zuhörer rasch in einen Sog.

Ein wenig Schade fand ich allerdings auch hier, dass die Übersetzung unwahrscheinlich schlecht war. Immer dann wenn es um Waffen geht, hatte der oder die Übersetzer (leider war es mir trotz intensiver Recherche nicht möglich herauszufinden, wer das verbrochen hat) eine fast schon naive Ahnungslosigkeit. Wenn Yasmin mal eben das Maschinengewehr durch die Stadt schleppt, wenn eigentlich vermutlich von einer Maschinenpistole oder etwas handlicherem die Rede ist, dann zerstört das beim sachkundigen Leser leider komplett das Bild im Kopf. Das hatte mich bereits bei "Der Schwimmer" gestört, hier wurde es leider wirklich sehr störend und lästig. Ich verstehe nicht, was so schwer daran ist, da dann mal kurz wen drüber lesen zu lassen, der immerhin eine vage Ahnung hat, wie man welche Waffen bezeichnet und dem die Absurdität eines mal eben so unterm Mantel mitgeführten Maschinengewehrs auffällt. Ein wenig schade fand ich auch die etwas eindimensionale Darstellung der handelnden Geheimdienstler / Polizisten, das war mir etwas zu verkürzt dargestellt, liegt aber vermutlich hier an der gekürzten Hörbuchfassung.

Wer sich an solchen Feinheiten nicht stört und einen gut gemachten und konstruierten Krimi/Thriller lesen oder hören will, der wird hier gut unterhalten.

Dirk Petrick und Ulirke Hübschmann liefern hier eine sehr gute Leseleistung ab und hauchen den Figuren Leben ein ohne zu theatralisch zu erzählen sondern bestechen durch eine nüchterne Sachlichkeit, das hat mir sehr gut gefallen.


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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

schweden, alter, katze

Ein Mann namens Ove

Fredrik Backman , Stefanie Werner , Heikko Deutschmann
Audio CD
Erschienen bei Argon, 23.07.2015
ISBN 9783839892770
Genre: Romane

Rezension:

Jaja, ich weiß, das Hörbuch/Buch von Frederik Backmann heißt “Ein Mann namens Ove“, allerdings kamen mir schon beim Lesen, Ove und viele seiner kleinen Eigenheiten seeeehr bekannt vor. Da Ove aber nun mal eben nicht zwingend ein sehr sympathischer Mensch ist, habe ich es mir strikt verboten, Ove mit dem Mann an meiner Seite zu vergleichen. Nun rede ich aber ab und an auch mit Mr. Jetztkochtsie über das, was ich gerade so lese oder höre und als ich Ove erwähnte, fragte er mit schlitzohrigem Blick, ob ich denn auch fände, dass Ove ihm irgendwie ähnlich wäre. Ich fühlte mich sofort ertappt und guckte ein wenig betreten zu Boden, fragte dann aber, wie er denn darauf käme und bekam erzählt, dass seine Kollegin ihm das Buch geliehen habe, weil sie fände, dass Ove so manche Verhaltensweise an den Tag lege, die sie an ihn erinnere. Nun gut, da mußte ich dann auch einräumen, dass ich diese Vergleiche durchaus auch gezogen habe, allerdings möchte ich betonen, dass es die liebenswerten Charakterzüge von Ove sind, die mein Mr. in sich trägt.

Er selbst liest das Buch nun seit ein paar Tagen und schweigt sich zu diesem Thema aus, geht aber weniger oft in den Werkstattkeller seine Schraubenschlüssel nach Größe sortieren.😉

Aber worum geht es bei Ove eigentlich, nun recht schnell wird klar, daher ist das wohl auch kein Spoiler, Ove will sterben, Ove ist allein, Ove hat keine Aufgabe mehr und die Zeit hat Ove einfach ein wenig überholt. Er kommt nicht mehr mit, er ist überfordert beim Kauf eines Ipads, von dem Nachbarn im bunten Sportzeug und von der Schnelllebigkeit im Allgemeinen, die Trulla mit dem Hund, der aussieht, wie ein Winterstiefel, nervt ihn schrecklich und das Schlimmste: seine Frau und seine Arebit sind nicht mehr da. Ove ist ein sehr pflichtbewußter und organisierter Mensch (SCHAAAAATZ!!😉 ) und daher geht er an diesen Plan, den Selbstmord, sehr überlegt ran, dummerweise passiert dann nun mal das Leben und vorallem seine neuen Nachbarn, der Trottel und seine schwangere herzallerliebste iranische Ehefrau, und Oves Plan ist nicht so leicht durchführbar, wie er dachte und plötzlich purzeln da neue Gestalten in Oves Leben und auch alte Begleiter erscheinen wieder in einem neuen Licht. All das ist unheimlich unterhaltsam und trotz des wirklich bewegenden und traurigen Themas, eines alternden und einsamen Mannes, kann man an vielen Stellen wirklich herzlich lachen, man fühlt mit, man bekommt nicht nur die Gegenwart um Ove erzählt, sondern auch seine Vergangenheit, die bewegter war, als man glauben könnte. Backmann macht das sehr geschickt, durch Zeitwechsel und führt den Leser so langsam an die eigentliche Geschichte heran.

Klar, wird hier und da etwas überzeichnet und natürlich ist die ein oder andere Anekdote etwas sehr konstruiert, trotzdem fand ich Oves Geschichte einfach sehr hörenswert. Ich habe das Hörbuch gehört, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass das auch als Buch sehr kurzweilig und unterhaltsam ist, vorallem Oves Beziehung zur streunenden Katze (SCHAAAAATZ !!!!) fand ich einfach herzerwärmend und seine ganze etwas brummelige, prinzipientreue und sehr sture Art hat mir einfach gut gefallen. Ich mag Mensche mit Ecken und Kanten, jeder von uns hat sie, jeder von uns ist ein kleiner Ove, die einen tief in sich drin, die anderen auch nach außen.

Ein wenig erinnert das Buch an den 100jährigen, der aus dem Fenster stiegt, allerdings wirklich nur aufgrund des Erzählstils, es ist eine gänzlich andere Geschichte, allerdings ebenso lesens und hörenswert.

Gelesen wird das Hörbuch von Heikko Deutschmann, der wie üblich eine sehr gute und angenehme Leseleistung abliefert und mich mehr als gut unterhalten hat.

Ich war so begeistert, dass ich mir sofort das nächste Buch von Frederik Backmann als Hörbuch runtergeladen habe: “Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid!” Das hab ich mittlerweile auch beendet, die Rezension folgt noch.

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teenager, einsame insel, fiction

Der Krieg im Garten des Königs der Toten

Sascha Macht
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 15.02.2016
ISBN 9783832198275
Genre: Romane

Rezension:

Puhu...einmal tief durchatmen und nachdenken, bevor ich mitteile, was mir zu dem Buch so einfällt. Denn erstmal ist das nicht viel oder doch eine Menge, ehrlich, ich weiß es nicht. Sascha Machts Roman hat mich verwirrt, verstört, brüskiert und läßt mich am Ende ratlos zurück.

Aber beginnen wir vorne. Zunächst bin ich bei dem Klappentext eigentlich von einem irgendwie abgefahrenen Coming of Age Roman ausgegangen, etwas ähnlich abgedrehtes wie Augusten Burroughs "Krass", eher weniger hatte ich dieses hochanspruchsvolle und wirklich komplizierte Stück Text erwartet, das ich letztlich geliefert bekam.

Bereits auf den ersten Seiten wurde klar, Coming of Age spielt hier keine Rolle, hier hat sich jemand sprachlich und gedanklich ausgetobt und testet aus, wie weit er gehen kann. Nun dafür schätze ich den Dumont Buchverlag, dass er eben auch solchen Autoren eine Möglichkeit zur Veröffentlichung bietet, Autoren, die sicher nicht die breite Masse ansprechen, sondern die verstören, irritieren und die nicht in der Lage sind einfach eine Geschichte von Anfang bis Ende zu erzählen, sondern die Kapriolen drehen müssen, rückwärts sprechen und dazu eine brutale harte und sexualisierte Sprache benutzen, die ganz bestimmt nicht bestsellertauglich ist. Sascha Macht ist ein solcher Autor, nicht eine Seite dieses Buches konnte ich lesen, ohne dass sich meine Augenbrauen hoben und ich dachte: "och wirklich?" Zeitweise verlangte es mir nach den Genußmitteln, die der Autor beim Schreiben hoffentlich intus hatte, einfach um den Kopf nach diesen verschwurbelten Textstücken wieder in die Reihe zu bekommen. Interessanterweise hatte ich das Gefühl den Text besser zu verstehen, als ich gestern und vorgestern mit fast 40 Fieber im Bett lag.

Die Ottonormal-Leser steigen hier dann aus und sagen, warum tut man sich das an, eine Geschichte, die nicht richtig erzählt wird, eine Welt, die man nicht erklärt bekommt, Figuren, die man nicht begreifen kann, das wollen wir nicht. Gut, bitte gebt auf, zieht eurer Wege.
Ich schätze sowas ab und an wirklich sehr... es fordert mich heraus, es zieht meinen Geist beim Lesen auf eine andere Ebene, es gibt mir das Gefühl aus mir selbst heraus zu treten und in ein solches Buch zu schlüpfen. Dabei muß ich gar nicht begreifen, wie das alles sein kann, was Bruno erlebt, ob er träumt oder wach ist, ob er, diesen Gedanken konnte ich während des Lesens einfach nicht abschütteln, in Wirklichkeit gar tot ist und seine Erlebnisse einfache erdachte Begebenheiten, es reicht mir, mich an der Sprache und der Verrücktheit und Abgefahrenheit des Textes zu erfreuen. Dabei fällt mir jedoch niemand in meinem Freundes- oder Bekanntenkreis ein, der an diesem Buch die gleiche Freude hätte wie ich.
Diejenigen, die es genießen könnten, verstecken sich leider hinter einem gewissen Dünkel und verbieten jungen aufstrebenden Autoren ein solch experimentelles Stück Text, sie sollen erstmal was ordentliches Schreiben, bevor sie einen auf Kafka oder Joyce machen, musste ich mir schon bei meiner Empfehlung zu Dorothee Elmigers "Schlafgänger" anhören.
Warum sollte das so sein?

Warum sollte nicht auch ein junger Autor einfach mal Sätze bauen, die lang wie Autobahnen sind, Begebenheiten schildern, die surreal und hart sind, sich einer Sexualität bedienen, die abstoßend und keineswegs romantisch ist, eine Geschichte bauen, die gegen jede sinnvolle Regel des Schreibens verstößt?

Mir hat das Buch wirklich einiges abverlangt, zwischenzeitlich wollte ich immer mal kurz aufgeben, zuklappen, weglegen, interessiert mich nicht sagen und trotzdem hab ich weitergelesen. Ich möchte nicht behaupten, verstanden zu haben was Sascha Macht ausdrücken wollte, ich frage mich auch, ob er selbst wirklich einen tieferen Sinn hinter seinen Worten sieht, oder ob er grinsend mit einer Banane in der Hand irgendwo steht und sich über die Leser kaputt lacht, die versuchen, das da zu interpretieren, zu analysieren, zu verstehen.

All das ist aber egal, denn dieses Buch hat trotz aller Enttäuschung, eben keinen Coming of Age Roman in den Händen zu halten, irgendwie Spaß gemacht. Noch mehr Freude hätte es mir vermutlich bereitet, wenn meine cineastische Bildung im Bezug auf Horrorfilme etwas tiefergehender wäre, aber so ist mir vermutlich so manche Anspielung einfach durchgegangen.

Fazit: Keine Empfehlung für Leser von schönen Geschichten, aber eine Empfehlung für Wortakrobaten und Leser, die es zu schätzen wissen, wenn sie auch mal etwas nicht begreifen.

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lebenslauf, gesellschaftskritisch, camp, loyalität;, ethan

Die Interessanten

Meg Wolitzer ,
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 26.07.2016
ISBN 9783832163396
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe im Juni am Lesekreis der ARD bei Facebook teilgenommen, eine wirklich nette Zusammenkunft von Lesern und Leserinnen, angefürt von Karla Paul, die jeden Monat ein Buch aus einer kleinen Auswahl herauspickt und dann gemeinsam liest.

Nun im Juni wurde das Buch "Die Interessanten" von Meg Wolitzer ausgesucht und ich wollte Wolitzer ohnehin mal austesten und habe daher mitgelesen. Ein wenig Schade fand ich, dass eine wirklich kritische Diskussion in der Runde nicht so richtig möglich war, weil zumindest bei mir sofort die Fans des Buches recht dominant auftraten und kritische Stimmen (in dem Fall mich) mit dem Argument "Du hast das Buch offenbar nicht verstanden" in ihre Schranken gewiesen haben, für mich gehört zu einem Lesekreis aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Lesestoff und das heißt ja auch nicht, dass das Buch einem nicht gefallen hätte. Hier würde ich mir bei den Teilnehmern ein wenig mehr Bereitschaft zur Diskussion wünschen und vorallem einen Dialog und nicht nur das Posten des eigenen Eindrucks, denn darum liest man doch gemeinsam, oder nicht?

Ich habe letztlich dann nur noch quer gelesen, was die anderen so geschrieben haben, einige waren, wie ich, sehr zwiespältig, das Buch scheint seine Fans zu haben, ich gehöre definitiv nicht dazu, fand es zwar unterhaltend und gut zu lesen, aber begeistert hat es mich nicht. Leider, denn meine Erwartungen waren recht groß, eben weil mir viele meiner Lesekumpels gesagt haben, dass das genau meine Kragenweite wäre.

Mein größtes Problem mit dem Buch war wohl, dass sich Wolitzer nicht kurz fassen kann, sie macht Nebenschauplätze auf, die die Geschichte nicht nach vorne bringen und sowas stört und behindert mich beim Lesen, vorallem dann, wenn mich die Nebenfigur, deren Geschichte hier dann kurz beleuchtet wird, nur mäßig interessiert. In irgendeiner Rezension zum Buch hatte ich den Spaßtitel "Die Uninteressanten" gelesen und das auch für mich so übernommen. Denn die Wenigsten, der Teenager und ihrer Entwicklung konnten mich wirklich packen und interessieren. Ja, Wolitzer kann erzählen und spinnt den Leser in ihre Erzählung ein, aber für mich hätte sie das auch auch 200 Seiten weniger tun können und dann hätte mich das Buch auch sicherlich mehr begeistert, so zog es sich leider streckenweise enorm und ich mußte mich wirklich streng davon abhalten, nicht doch ein paar Seiten zu überblättern, wenn es mal wieder um das Seelenleben und die Gefühlswelt eines für mich nur mäßig spanenden Charakters ging.

Was die Lektüre für mich gerettet hat, waren die Fragen, die die Autorin bei ihren Lesern aufwirft, zum einen wie wird man durch sein Umfeld beeinflußt und was formt einen zu dem Menschen, der man letztlich als Erwachsener ist. Welche Erwartungen werden an einen gestellt und wie erfüllt man diese oder wie wirkt sich dies auf den eigenen Werdegang aus?

Spannend fand ich auch die Überlegung, wie enttäuschend es sowohl für Kinder als auch Eltern sein kann, wenn man die in einen gesetzten Erwartungen nicht oder nur mäßig erfolgreich erfüllt. Aber auch Moral und Loyalität innerhalb von Familie und Freundschaft werden hier sehr kritisch und auf spannende Art beleuchtet, was gehört zu einer lebenslangen Freundschaft dazu? Wie zerstört und wie rettet man sie, darf es in einer solchen Freundschaft auch Gefühle wie Neid, Missgunst und Wut geben? Wie nachtragend ist man auch seinen Freunden gegenüber und welche Taten verzeiht man Ihnen?

Das hat für mich den Roman ausgemacht und jemand, der sich einen Text nicht nur zur Unterhaltung reinzieht, sondern der gerne zum Nachdenken und Reflektieren des eigenen Lebens anhand eines Textes angeregt wird, der wird sicherlich seine Freude an diesem Buch haben. Mir persönlich war es eben leider ein paar Seiten zu lang, um wirklich vom Hocker zu reißen, Langatmigkeit schätze ich in letzter Zeit wenig.


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FAST PEFREKT

Erik Kessels , Sofia Blind
Flexibler Einband: 168 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 20.04.2016
ISBN 9783832199135
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eigentlich hatte mich in den Verlagsvorschauen das Buch “Fast Pefrekt – Die Kunst hemmungslos zu scheitern. Wie aus Fehlern Ideen entstehen.” gar nicht angesprochen, ich hatte es schlicht und einfach überblättert. Dann wurde es mir nochmal von anderer Seite ans Herz gelegt und ich dachte: “Na gut, kann nicht mehr, als Scheitern.”

Dann kam das Büchlein hier bei mir an und ich mußte erstmal herzhaft lachen, denn zum einen findet sich der Tippfehler im Titel und zum anderen ist der Einband verkehrt herum. Das fand ich einfach nur gelungenes Design am Buch bei Dumont begeistern mich solche abgefahrenen Dinge in letzter Zeit immer öfter, seien es die Klarsichtumschläge der Murakami Bücher, oder eben hier jetzt diese kleine Besonderheit. Es löst etwas aus, es interessiert, es bereitet Freude und überzeugte mich, sofort einen Blick hineinzuwerfen, was der sonst eher schlichte Umschlag sonst nicht geschafft hätte.

Erik Kessels ist ein niederländischer Designer, Künstler, Fotograph, den ich tatsächlich nur kannte, weil ich kürzlich einen Artikel gelesen hatte, in dem es um seine Nominierung für den “Deutsche Börse Fotographie Preis” ging und der mich neugierig und in eine Ausstellung im Kunstmuseum Bonn geführt hatte (“Mit anderen Augen“). Seine Darstellung zum Thema “Einwanderer” hatte mich hier im Vergleich zu einigen anderen Objekten tatsächlich nachhaltig beeindruckt und ich fand seine Herangehensweise an diese Thematik einfach bedeutsam und wichtig. Kessels übergreifendes Thema ist immer wieder die Amateurfotographie. Er zieht die Werke der Amateure immer wieder heran, um deutlich zu machen, wie wichtig auch diese für das Erzählen einer Geschichte sind und das ist auch in diesem Buch sein Thema, dass nicht Perfektion das Ziel einer Tätigkeit sein sollte, sondern Gefühl, Mut, Emotion das zentrale Thema ist. Nichts muß vollkommen sein, um einen vollkommenen Moment abzubilden, nichts perfekt, um sich an Schönheit zu erinnern.

Mir gefällt seine Herangehensweise und vorallem seine Art darüber zu schreiben und es mit Bildern darzustellen. Sein Buch hat mich leider viel zu kurz begeistert, sei es das überbelichtete Bild, der Schatten, der Gesichtszüge verzerrt oder der Finger auf der Linse, Kessels bringt zum Schmunzeln und zeigt, nicht was fehlerfrei ist gefällt, sondern was wir mit Liebe und Freude betrachten.

“Wenn alle Ihnen sagen, Sie sollten rechts abbiegen, sind Sie vielleicht besser dran, wenn Sie links abbiegen.”

Kessels würzt seine gesammelten Bilder mit solchen Schlausprüchen. Die einen erst hinterfragen lassen: “Was willst du eigentlich? Was befähigt dich, zu meinem Ratgeber zu werden!” Die einen aber dann innehalten lassen und dafür sorgen, dass man denkt, warum nicht. Ich war schon immer so ein Mensch, der keine Angst davor hatte, Dinge zu tun, die nicht immer jeder gut heißt. Mein Blog ist das beste Beispiel dafür, ich zeige amateurhafte Bilder von meinen Kochversuchen, berichte laienhaft über Bücher, die ich las und zeige meine sicherlich häufig schauderlich fotografierten Strickstücke, die hin und wieder wirklich nicht tragbar sind. Manchmal fragen mich Leute, warum machst du das? Liest das überhaupt wer?

Die richtige Antwort ist, ich weiß es nicht. Ich habe aber Freude daran und wenn ich nur von einem lese, dass ihm mein eingelegter Käse in Olivenöl geschmeckt, meine Hilfestellung und Tipps zu einem Strickmuster geholfen oder der Hinweis auf ein Buch ihm schöne Stunden beschert haben, dann fühle ich mich bestätigt.

Und ich werde besser, meine furchtbaren Fotografien haben sich verbessert, ich überbelichte immer noch gerne und häufig, meine Bildausschnitte sind sicherlich meist fern jeder fotografischen Regel, aber, hey, ich habe SPASS und keine Angst davor, dass jemandem nicht gefallen könnte, was ich tue.

Genauso ist es mit meinen sportlichen Bemühungen, ja ich poste auch meine Läufe auf Facebook, bei denen ich von meinem angestrebten 5min/1km Schnitt so weit entfernt bin, wie Sibirien von den Malediven, es ist mir egal, ob dann jeder sieht, dass ich schon wieder gescheitert bin, wichtig ist mir zu zeigen, dass es oft schon schwer genug ist, seinen Hintern zu erheben und sich überhaupt zu bewegen und das es trotzdem jeder kann und dass man sich für Zeiten jenseits von Gut und Böse nicht zu schämen braucht, weil all die Flüsterer und Murmler im Hintergrund vielleicht schneller sind, aber eben nicht wissen welchen Kampf es bedeuten kann, überhaupt vom Sofa hoch zu kommen.

Erik Kessels spricht in seinem Buch viele Dinge aus, die ich häufig denke. Beruflich in Besprechungen gehöre ich oft zu den Menschen, die ihre Gedanken ungeplant herausblubbern, die nicht großartig darüber nachdenken, welchen Effekt es haben könnte, wenn ich dieses und jenes jetzt sage, mir ist es einfach wichtig meinen Gedankengang mitzuteilen und so vielleicht andere anzuregen nicht stumm da zu sitzen und zu hoffen, dass die Besprechung möglichst schnell vorbei ist und man bloß nichts beitragen muß, weil man könnte sich ja verzetteln, etwas Unpassendes sagen oder gar zu Gelächter animieren, sondern dass sich ein Gespräch ergibt, ein Austausch ein gegenseitiges Befruchten mit Ideen und Überlegungen, bei dem man natürlich auch einmal lachen darf. Warum haben Menschen eigentlich so oft Angst dafür für Erheiterung zu sorgen? Was ist schlimm, wenn Menschen auch mal über einen oder über sich selbst lachen? Ich tue das gerne und häufig, macht es mich kleiner? (Noch kleiner?) Nein, macht es nicht, im Gegenteil, es lockert sehr oft Situationen auf, es führt zu Mut bei anderen und es hilft so viel, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Wenn man nicht versucht perfekt zu sein, dann bringt es einen auch nicht aus dem Konzept, wenn die Kollegin einem nach einem Vortrag mitteilt, dass man Lippenstift am Zahn oder eine Laufmasche in der Strumpfhose hat. Wenn man sich darauf fokussiert, was man möchte und mit Begeisterung dabei ist, dann erreicht man häufig so viel mehr, als wenn man immer nur der Beste, der Schnellste, der Schönste sein will.

Apropos der Schönste, was ist denn schön? Ein perfektes Foto von einer Landschaft oder vielleicht nicht doch lieber ein etwas verwackeltes mit den besten Menschen der Welt darauf? Ich bin sicher nicht schön, ich bin 10 Zentimeter zu kurz geraten, habe zu viel Hals, zu wenig Kinn und seit neustem auch 5 kg zu viel auf den Rippen, dazu Sommersproßen, eine dicke Brille und leider überhaupt keine Augenbrauen, die meisten Fotos von mir sehen furchtbar aus, trotzdem würde ich nie jemanden auffordern: “Lösch das, da gefalle ich mir nicht!” Das auf dem Bild bin ich, egal ob ich gucke, wie Graf Zahl oder getroffen bin, als würde mein Kopf direkt in meinen Hals übergehen. Das bin ich und ich mag mich, ich bin nicht perfekt, aber das will ich auch gar nicht sein. Ich habe schon mal einen Zahnpastafleck auf meiner Bluse oder die Jeans ist nicht gebügelt (ok, die Jeans ist nie gebügelt!), so ist das halt mit Menschen, da bleibt zwischen all den Ideen manchmal keine Zeit morgens die Haare zu kämmen, da muß es auch ein pinkes Zopfband tun, auch wenn ich sonst komplett in Rot gekleidet bin.

Ich, hätte all dies so gar nicht wirklich erkannt, es sind Dinge, die ich nun mal einfach so tue, Kessels hat in seinem Buch Worte dafür gefunden, Worte, die mir gefallen und Erklärungen, die ich positiv finde. Warum nach Perfektion streben, wenn ich auch so geliebt werde? Warum mich kaputt machen und versuchen organisiert, weniger chaotisch, ordentlicher und die Frau mit den schönsten geputzten Fenstern zu sein, wenn ich doch eigentlich die bin, deren Küche furchtbar aussieht, für deren Bolognese Soße aber viele Menschen ihr letztes Hemd geben würde, oder die deren Bett nie gemacht ist, die aber dafür in 5 Minuten noch schnell ein Acrylbild zaubert, wenn es zu einer Hochzeit geht und das Geschenk eher unkreativ eingepackt ist, oder auch die, die zwar morgens im Büro übelst gelaunt ist, dafür aber immer da ist, wenn jemand Hilfe braucht.

Ich glaube, ich kann damit leben, dass ich nicht in allem gut bin und Kessels Buch zeigt genau das. Wir müssen nicht alles können, aber wir können alles versuchen!

Kessels Buch hat mich also wirklich überrascht, seine kurzen Texte mit den Bildern haben mich bewegt, mich berührt und angesprochen und nein, ich bin kein Freund von Ratgebern, aber dieser Mann erteilt so kluge und unkonventionelle Ratschläge, die mich einfach erfreut haben.

Ich lege dieses Buch wirklich jedem ans Herz, der sich verbiegt, um seinem oder dem Ideal anderer zu entsprechen, jedem, der mit sich hadert, jedem der schon einmal versagt hat, jedem der sich für Kunst und Kommunikation interessiert und jedem, der offen für Neues ist und auch denen, die es nicht sind, jedem, der gerne liest und sogar denen, die es nicht tun, denn es ist kurz, du bist schnell durch und hast etwas für deinen Kopf und dein Selbstwertgefühl getan, ehrlich. Trau dich, tu es!

Danke für dieses fantastische Erlebnis!

Erik Kessels:

“Haben Sie das Selbstvertrauen, sich nicht darum zu kümmern, was andere denken.

Das ist immer riskant.

Wir gehören gern zur Herde. Wir mägen es, uns anzupassen. Wir möchten Menschen gefallen, das lässt sich nicht ändern. Und originelle ideen sind nicht immer sofort beliebt.

Sie werden hinterfragt, herausgefordert, geprüft und seziert.

Aber wenn sie gut sind, überleben sie.

Riskieren Sie es, nicht gemocht zu werden. Vielleicht gefällt es ihnen sogar.

Erfolg ist die Fähigkeit, von Misserfolg zu Misserfolg zu schreiten, ohne die Begeisterung zu verlieren.”

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100 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

familie, therapie, verlust, chaos, schreiben

Eine Therapie für Aristoteles

Melanie Sumner , Eva Kemper
Fester Einband: 356 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 15.02.2016
ISBN 9783832197964
Genre: Romane

Rezension:

Die ersten Seiten, die ich mit Aristoteles und ihrer Familie verbracht habe, haben mich bezaubert, mich mitgerissen und interessiert. Diese etwas schräge Familie, mit den noch schrägeren Freunden, war liebenswert und ich wollte sie gerne für ein paar Lesestunden begleiten.
Leider ist es dann so, dass die Autorin zu viele Dinge aufeinmal will und so der ganze Zauber dieses warmherzigen und witzig-tragischen Anfangs zerstört. Sie macht zu viele Baustellen auf und konzentriert sich auf keine wirklich, was leider dazu führt, dass vieles für mich sich von bemerkenswert zu belanglos wandelte. Sehr schade, denn eigentlich hat Aristoteles eine durchaus wunderschöne Geschichte zu erzählen, leider wird sich so sehr auf die absurden und verrückten Begebenheiten konzentriert, dass eben diese Geschichte immer weiter in die Ferne rutscht und mich leider auch nicht mehr so fesseln konnte, wie zu Beginn des Buches. Ich verliere die kleine Ich-Erzählerin aus den Augen und werde durch kleine stilistische Spielereien immer wieder abgelenkt, natürlich mag man sagen, ganz große literarische Handwerkskunst, aber mich hat es dennoch nicht überzeugt. dafür war letztlich das Ende zu vorhersehbar und wenig aufwirbelnd.
Grundsätzlich hatte ich hier ein Buch in den Händen, das mich zwar streckenweise gut unterhalten hat, das ich aber leider nicht länger in Erinnerung behalten werde, was ich sehr Schade finde, denn es hätte Potential gehabt hätte man nicht beim Lesen bereits gemerkt, dass da ein Lektorat oder ein Abgabetermin im Rücken drängte und es zum Ende hin alles immer oberflächlicher wurde.
Ich würde das Buch dennoch dem ein oder anderen interessierten Leser empfehlen, denn der Anfang, so die ersten 100 Seiten ist wirklich ganz groß, danach wird es leider recht flach und austauschbar und das verdirbt es mir.
Irgendwie habe ich an Bücher von Dumont auch einen etwas größeren Anspruch, als an die anderer Verlage, da darf es nicht nur unterhaltsam sein, da soll auch ein gewisser Anspruch für mich da sein, das ist hier leider nur streckenweise und nicht komplett gelungen.
Schade.

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

abnehmen, innerer schweinehund, erfahrungsbericht, hilfe zur selbsthilfe, diät

Die Fettlöserin

Nicole Jäger , Nicole Jäger , Daniela Kletzke
Audio: 1 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 08.03.2016
ISBN 9783899649451
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich gehöre mit meinen knapp 50 kg ganz sicher nicht zur Zielgruppe der Autorin. Weder hatte ich in meinem Leben jemals ernstzunehmende Figurprobleme, noch werde ich sie in diesem Maße jemals haben.
Dafür bin ich dankbar. Trotzdem war ich an dem Hörbuch sehr interessiert, nachdem ich Frau Jäger kurz in einem Interview im Fernsehen gesehen hatte.
Sie machte einen lebensbejahenden, fröhlichen, frischen und eloquenten Eindruck, sie kann auch vor der Kamera mehr als 3 Sätze geradeaus sprechen und ich fand sie wirklich witzig.
Da ich mir also wirklich nicht vorstellen kann, wie man es schafft, sich ein Gewicht von 7Mal mir (ok nicht ganz) anzufuttern und dann 3Mal mir (ok etwas mehr) abzunehmen, wollte ich dieses Hörbuch hören, obwohl ich weder so viel abnehmen will, noch diese Thematik mich sonst beschäftigt. Ich war einfach neugierig, was da nun schon wieder als die ultimative Lösung präsentiert werden sollte.
Überrascht war ich daher bereits beim Vorwort, dass das hier gar kein Abnehmbuch im eigentlichen Sinne sein sollte, dass hier keine Lösung präsentiert wurde und dass ich mich trotzdem bereits nach wenigen Minuten des Zuhörens, irgendwie bereichert fühlte.
Zwar stellte Frau Jäger mich die ersten 3-5 Minuten auf eine harte Probe, da hätte ich das Buch nämlich am Liebsten kurz aus dem Fenster geschmissen, weil sie so betont und intensiv spricht, als käme sie gerade vom Logopäden und wolle nun zeigen, was sie da so alles über das verständliche Sprechen gelernt habe. Glücklicherweise legt sich das aber sehr rasch, das Verkrampfte verschwindet und übrig bleibt eine lockere und gut gelaunte, durchaus sympathische Stimme, die mir ihre Erfahrungen schildert.
Ehrlich und ungeschönt wird da erzählt, was Dicke so alles auf sich nehmen müssen, wenn sie denn dann tatsächlich endlich soweit sind, zu erkennen, dass sie Hilfe brauchen und sich diese dann auch noch suchen.
Ja, ich gebe zu, so als Dünne hatte ich durchaus ab und zu das Gefühl ein wenig voyeuristisch herumzuspannen, aber ich fand es interessant. Es hat mir geholfen die ganzen wirklichen Figurprobleme, die es ja auch in meinem Umfeld durchaus gibt, wenn auch in deutlich anderem Ausmaß mit anderen Augen zu sehen.
Als jemand, der eben dann halt mal ne Fastenwoche einlegt, wenn die Jeans etwas zwickt oder halt dann doch nochmal den Hintern in den Wald bewegt, wenn das Kleidchen nicht mehr ganz so schön fällt, fehlte mir komplett das Verständnis und der Einblick in das Dilemma, wenn man wirklich fett ist (sorry, aber anders kann man es wohl kaum nennen.) Wenn es schon eine Anstrengung bedeutet, den Po vom Sofa zu erheben oder die Wohnung zu verlassen.
Frau Jäger berichtet hier frisch von der Seele weg, in einem angenehmen ironischen Stil, der wirklich auch auf die ganze Dauer des Hörbuches unterhaltsam ist. Ja, auch Nicole Jäger jammert zwischendurch mal ein wenig und hier und da hätte ich sie schütteln wollen und sagen, mein Gott Kindchen, lass dich doch einfach nicht so gehen, aber das weiß sie selbst, dazu braucht sie mich nicht. Hier und da fühlte auch ich mich ertappt, wenn sie von Begegnungen im Supermarkt erzählt, bei denen Sie schief angesehen wird, denn ich gebe zu, auch ich habe schon mal gedacht, wenn jemand wirklich Dickes auch noch 10 Tüten Chips in den Einkaufswagen lud: "Mein Gott, brauchst du die wirklich auch noch?"
Frau Jäger präsentiert keine optimal Lösung fürs Abnehmen, sie nennt keine Diät, sie sorgt dafür, dass andere das Gefühl kriegen, das auch schaffen zu können, dass andere das Gefühl kriegen nicht alleine zu sein, dass andere merken, es geht, man muß nur wollen, wirklich wollen und das kann sie gut.
Sie wirkt motivierend, intensiv und wirklich sehr sympathisch.
Ich kann mir auch nach dem Hörbuch wirklich nicht vorstellen, wie viel man essen muß um tatsächlich solche Gewichtszahlen zu erreichen, aber ich erkenne, dass sich das niemand bewusst aussucht und dass es leider wirklich keine Hilfe ist, dann auch noch schräg zu gucken oder hilfreich gemeinte und unwahrscheinlich ehrliche aber trotzdem verletzende Bemerkungen zu machen.
Ich erkenne, dass ein positives Herangehen an die Thematik, durchaus möglich ist.

Mich hat das Hörbuch wirklich gut unterhalten und natürlich hört sich das erstmal einfach an: Du mußt nur wollen und deinen Weg finden.
Aber genau das trifft es.
Ich würde das Buch also nicht nur Abnehmwilligen empfehlen, sondern durchaus auch Menschen wie mir, denen so oft das Verständnis für diese Situation gänzlich fehlt.
Für mich war es eine durchaus angenehme Erweiterung meines Horizonts.
Danke dafür!

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Washington Square

Henry James , Ulrich Noethen , Ulrich Pleitgen , Meike Droste
Audio CD: 1 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 01.02.2016
ISBN 9783899649383
Genre: Romane

Rezension:

Die Gesellschaftsromane von James sind vielschichtig, klar und wunderbar formuliert. Ich lese sie immer wieder gerne und mag seine heute etwas antiquiert wirkenden, aber für die damalige Zeit durchaus modernen Ansichten.
Seine leise Kritik an der Gesellschaft, die immer wieder mitschwingt und die vielen Dinge, die man zwischen den Zeilen seiner Romane erahnen kann, machen James Texte aus.
Washington Square kannte ich tatsächlich noch nicht und habe mich gefreut, das Hörspiel zu hören. In vielen kleinen Szenen wird die Bearbeitung des MDR als Hörspiel schön in Szene gesetzt. Hochkarätige Sprecher, wie Ulrich Noethen und Meike Droste, verleihen dem Hörspiel Tiefe und eine besondere Stimmung. Speziell Katharina Pachetka, die ich als Sprecherin noch nicht kannte, hat mich hier sehr überzeugt.
Trotz der massiven Kürzungen, bleibt der Stil von Henry James erhalten, der Zauber der Oberschicht am Washington Square wird vermittelt und die Schwierigkeiten einer jungen Frau ihren Platz im Leben und den Mann an ihrer Seite zu finden sind sehr unterhaltsam, aber auch nachdenklich stimmend in Szene gesetzt. Wenn man überlegt, wie kurz es doch her ist, dass wir Frauen noch nicht frei wählen konnten, wen wir heiraten und dass die Jahre, in denen wir uns auf das Wohlwollen unseres Vaters verlassen mussten, noch nicht so lange her sind, dann regt der Text, bzw. das Hörspiel durchaus zum Glücklichsein und Nachdenken an.
Mir hat Washington Square sehr gut gefallen und ich würde mich freuen auch weitere Werke, wie zum Beispiel das von mir sehr geschätzte " Daisy Miller " auf diese Art vertont zu wissen.

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Was wir nicht wussten

TaraShea Nesbit
E-Buch Text: 256 Seiten
Erschienen bei DUMONT Buchverlag, 15.09.2014
ISBN 9783832188146
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch der Frauen von "Los Alamos" hat mich sehr gereizt, ein wenig historisch interessiert, ein bisschen sensationslüstern und natürlich schlichtweg neugierig war ich, wie diese Geschichte, die bislang in literarischer Form meines Wissens nach noch nicht bearbeitet wurde, wohl erzählt werden würde.
Dass es nicht einfach sein würde, diese Geschichte zu erzählen, ohne zu werten, ohne zu verurteilen, ohne skeptisch zu sein, ohne zu bejubeln, war mir klar.
Dass Frau Nesbit aber diesen eigenwilligen Weg der Erzählung in der Wir-Form gewählt hat, überraschte mich sehr. Die ersten paar Seiten dachte ich noch, "ist das jetzt ihr Ernst?" und dann ließ ich mich darauf ein und dachte einfach nur noch "GRANDIOS!" Durch ihre distanzierte Schilderung weckt sie beim Leser die Möglichkeit, selbst in die Rolle dieser Frauen zu schlüpfen und zwar nicht in irgendeine, sondern in alle jene, deren Schuhe einem passen. Kann man sich mit den aufgeregten etwas neurotischen Hühnern nicht so recht anfreunden, dann ist man halt die zupackende Macherin mit Hochschulabschluss, fühlt man sich dort nicht erkannt, kann man auf die Gedanken der mütterlichen etwas älteren Matrone zurück greifen. Durch ihr Wir gelingt es Tarashea Nesbit, die Geschichte dieser Frauen auf einmal und in einem Stück und aus jedem Blickwinkel zu beleuchten. Es werden Ängste genannt und Gegenmaßnahmen, es werden die Neugierigen erwähnt und die lethargisch schweigenden. Es wird deutlich, wie zerrissen man ist, als den Frauen und ihren Kindern bewußt wird, was sie und ihre Männer dort eigentlich getan haben.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieser Erzählstil der weniger der einer Erzählung ist, nicht jeden überzeugen mag, nicht jedem gefällt, der gerne eine komplette Geschichte lesen möchte. Eine Geschichte, bei der er nicht selbst denken muß und in der alles schön schwarz weiss ist. Hier ist allerdings nichts schwarz weiss, hier ist alles sehr farbig, sehr schattiert, sehr abgründig, sehr intensiv.
Ich habe mich selten von einem Buch, das sich auf ein reales historisches Ereignis bezieht so angesprochen gefühlt. Selten wurden mir die Gedanken und Gefühle der agierenden Personen so nahe gebracht, selten die Unterschiedlichen Menschen so klar dargestellt.
Ich bin von diesem Buch absolut begeistert, es hat mich viele Tage lang begleitet und mich zum Nachdenken angeregt, mir aufgezeigt, wie unterschiedlich wir Menschen in unseren Gedanken, Gefühlen und Zielen sind und gerade in der heutigen Zeit, ist es ein wichtiges Buch, weil es zeigt, dass man die unterschiedlichen Gefühle und Ansichten der Menschen akzeptieren muß, dass man sie nun mal nicht ändern kann, wie es einem paßt und dass man manchmal auch in Dinge einfach so hereinrutscht, sie erst später begreift und mit ihren Folgen dann leben muß. Sie akzeptieren muß und sich vielleicht auch für das was man getan oder ausgelöst hat, entschuldigen muß.
Aus meiner Sicht hat Tarashea Nesbit hier einen ganz großen Roman unserer Zeit abgeliefert und ich würde wirklich wünschen, dass diesen Mut zu einem neuen Stil, einer neuen Art und einem literarischen Experiment sehr viel mehr Schriftsteller unserer Zeit hätten. Dies hier ist aus meiner Sicht, nämlich sehr gelungen und hat mir beim Lesen Freude bereitet und mich mehr als gut unterhalten und angeregt!
Danke dafür!

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nicevill, roman, darsten stroud

Der Aufbruch

Carsten Stroud ,
Fester Einband: 700 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 16.11.2015
ISBN 9783832198053
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sehr schade... würde ich als Fazit zu Band drei der Niceville Trilogie sagen. (Band 1 / Band 2)

Erschienen bei Dumont.
Die ersten beiden Bände waren rasant, stimmungsvoll, gruselig, interessant und einfach anders. Sehr coole Charaktere, ein sehr interessantes Setting, eine Stimmung, die ihres gleichen sucht.
Band drei konnte leider an nichts davon wirklich anknüpfen.
Zum einen hatte ich ganz massive Probleme überhaupt in die Geschichte reinzufinden. Wer war nochmal wer? Was hatte wer jetzt noch gleich wie gemacht und wer war eigentlich tot und nun doch nicht? Hier hilft der Autor dem Leser leider überhaupt nicht auf die Sprünge und bei mir lag die Lektüre der beiden anderen Bände leider schon ein wenig länger zurück, sie zuvor nocheinmal lesen wollte ich aber auch nicht, ich habe mich dann so durch das Buch gehangelt, immer mit komischen Ahnungen, diese oder jene Figur bereits zu kennen, aber nicht mehr ganz sicher zu sein, wer das jetzt war. Schade, hier hätte man allein durch einen Nebensatz oder eine kurze Erwähnung der Vorgeschichte im Rahmen eines Prologs oder einer Figurenliste im Anhang sehr viel vereinfachen und verbessern können. So war es schlicht anstrengend.
Leider gelingt es auch aus diesem Grund nicht, die düstere Grundstimmung beizubehalten, immer wieder grübelt und rätselt man, wie das jetzt zusammen hängt und versucht sich an die Geschehnisse des ersten Bandes zu erinnern. Hier fehlen mir kurze erklärende Rückblenden und das obwohl ich sonst wirklich kein Freund der Rückblenden bin, bei diesem 3, Teil wären sie hilfreich gewesen.
Der Stil ist weiterhin ein schneller, direkter und rasanter, es machte auch hier Spaß den Figuren zu folgen und das Buch las sich wirklich sehr schnell, leider fand ich nicht jede Charakterentwicklung schlüssig und hatte am Ende das Gefühl, dass hier eine Menge weggelassen und nicht erzählt wurde, weil man nun aber mal schnell zum Ende kommen wollte. Das ist einfach enttäuschend, eine so fantastische ausschweifende und intensive Geschichte und dann eine so halbherzige und fade Auflösung. Nein, das war deutlich weniger, als ich erwartet habe.
Ja, Stroud konnte mich auch hier streckenweise fesseln, löste die Dinge für mich aber zu glatt, zu wenig intensiv und zu schnell auf. Er erzählt spannend und brutal und charakterisiert seine Figuren schonungslos und auf eine Art, die eine sehr gute Beobachtungsgabe und ein Erzähltalent beinhaltet, trotzdem überzeugte mich Band drei nicht. Trotz aller Dramatik, Brutalität und Geschwindigkeit bleibt einiges farblos und emotionslos. Ich als Leserin habe wenig Mitgefühl für die Figuren empfunden, sie kamen mir nicht nahe, wie in den ersten Beiden Teilen.
Es mag an meinen Erwartungen gelegen haben, aber das war leider nichts, was in mir die Begeisterung der ersten beiden Teile wecken konnte. Es war unterhaltsam und ja die Geschichte ist beendet, aber mehr als ganz nett, fällt mir am Ende leider nicht ein.
Sehr schade auch, dass hier mal wieder vor Abschluss einer Trilogie das Outfit der Bücher geändert wurde. Nun habe ich also mal wieder die ersten beiden Bände einer Reihe in anderem Look, als der letzte Band. Das ist einfach Schade.

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Lonely Planet Reiseführer Israel, Palästina

Daniel Robinson
Flexibler Einband
Erschienen bei MAIRDUMONT, 04.11.2015
ISBN 9783829723848
Genre: Sonstiges

Rezension:

Seit Jahren möchte ich Israel und Palästina besuchen, nicht aus religiösen Gründen, sondern aus Neugier. Leider mangelte es in den letzten Jahren entweder an Geld, Zeit oder Mut.
Trotzdem bin ich sicher, dass ich diese Reise irgendwann wagen werde, entweder mit meinen Mädels, meinem Mann oder wenn keiner mit will zur Not auch alleine, da bin ich ja nicht zimperlich und setze mich durchaus auch alleine ins Flugzeug.
Probleme hatte ich als allein reisende Frau noch nie, warum also nicht.
Ich habe dann die Chance genutzt, um mir zumindest schon mal ein paar Anregungen zu holen und mich auch schlau zu machen, ob diese Reise wirklich das werden wird, was ich erwarte und den Lonely Planet Israel und Palästina bestellt.
Dazu kommt, dass ich ja immer wirklich gerne Reiseführer lese.

In der Regel ist der Lonely Planet der erste Reiseführer zu dem ich greife, irgendwie haftet ihm immer noch der Hauch des Individualreisenden an und ich mag den Aufbau einfach sehr gerne.
Der Lonely Planet Israel und Plästina ist ausgestattet, wie alle Lonely Planets, ein robuster (allerdings diesmal matter und damit weniger abwaschbarer) Einband, ein praktische und handliches Format und im hinteren Teil zusätzlich eine heraustrennbare Faltkarte von Jerusalem, samt Register, Highlights und Gebietskarte.
Im vorderen Einband, das was den Lonely Planet für mich unverzichtbar macht, die immer gleichen Erläuterungen, an denen ich mich orientieren kann und die mir helfen im Reiseführer zu finden, was ich suche.
Wie üblich gibt es die erklärten Symbole und die bekannten 4 Kapitel:
1. Reiseplanung
2. Reiseziele
3. Israel und Palästina verstehen
4. Praktische Informationen.

Die 4 Kapitel finden sich in jedem Lonely Planet, machen ihn übersichtlich und vertraut. Ich mag es wenn so etwas wiederkehrend designed ist und ich mich direkt in einem Sachbuch zu Hause fühlen kann.
Die Seiten sind wie üblich beim Lonely Planet sehr dünn und dadurch etwas empfindlich. Sie machen das Buch aber auch handlich und sorgen dafür, dass es weniger Gewicht hat und somit immer dabei sein kann. Ich finde das praktisch und verzichte hier gerne auf mehr Reißfestigkeit.

Kapitel 1 beginnt wie üblich mit einem Willkommensgruß und kurz angerissen einigen Infos zu Heiligen Stätten, Tel Aviv, Archäologie, Outdoor-Aktivitäten und einer kurzen Info zum Autoren Daniel Robinson. Dann folgt die Karte passend zum Reiseziel und die Top 20 der Sehenswürdigkeiten. Felsendom, Totes Meer, Klagemauer, Golanhöhen, Safed, Petra, Nazareth, Bethlehem um nur ein paar Beispiele zu nennen. Alles mit kurzen Infos und Anreizen in Form von Bildern.

Im Abschnitt "Gut zu Wissen" finden sich wie immer alle wichtigen Informationen vor Reisebeginn, aber auch während der Reise. Telefonnummern der Rettungsdienste, Polizei, Informationsseiten im Internet, Wetterinformationen, gesprochene Sprachen, etc.
Dann kommen in "Wie wärs mit" Kurz und knapp Vorschläge für Aktivitäten. Hier werden sehenswerte Strände erwähnt, Wandertouren vorgeschlagen, Weinproben, Schauplätze des neuen Testaments, aber auch Hinweise für das Nachtleben erwähnt.

Im Bereich Monat für Monat findet sich der Lonely Plante übliche Veranstaltungskalender, Märkte, Feiertage, Feste und Feierlichkeiten, werden hier aufgezählt und können für die genaue Reiseplanung berücksichtigt werden.
Schön finde ich im Lonely Planet auch immer die vorgeschlagenen Reiserouten. Hier sind es 4 Stück, einmal 2 Wochen für Israel, dann 4 Wochen Odyssee durchs Heilige Land, eine 10tägige Feinschmeckerroute und eine Woche für das Westjordanland. Mir gefällt das immer sehr gut, ich orientiere mich für meine eigene Planung hier an den Zeitangaben und Örtlichkeiten.

Ein wichtiger Punkt für die Reise nach Israel und Palästina sind auch die Grenzübergänge und ich bin froh, dass der Autor diesem Aspekt mehrere Seiten widmet. Die Grenzziehungen in Israel und Palästina, bzw. Drumherum ist nicht nicht immer so eindeutig, wie gedacht, hier finden sich viele Erklärungen, Erläuterungen und Wissenswertes, für das eigene Verhalten beim Grenzübertritt und der wichtige Hinweis, dass man auf einen israelischen Einreisestempel im Pass besser verzichtet, wenn man eine weitere Reise in ein arabisches Land plant, da dort die Einreise verweigert werden kann, wenn man im Pass Spuren eines Aufenthaltes in Israel vorweist. Das war mir zwar grundsätzlich bekannt, ich wußte jedoch nicht, dass Isreal Pässe nicht mehr zwingend abstempelt aus genau diesem Grund.

Der Abschnitt "Mit Kindern reisen" wurde bei mir wieder vernachlässigt. Ich reise nicht mit Kindern, finde die Infos beim kurzen Überfliegen aber für Familien durchaus hilfreich. Ob man nun zwingend den Familienurlaub in Israel planen muß, überlasse ich jedem selbst.

In einem weiteren Überblick werden die verschiedenen Gebiete kurz und knapp vorgestellt, die im zweiten Kapitel dann sehr ausführlich erklärt und erschlossen werden.
Tel Aviv Jaffa
Haifa und die Nordküste
Untergaliläa und See Genezareth
Obergaliläa und Golan
Westjordanland
Gazastreifen
Totes Meer
Negev
Petra

Ich war überrascht, hier auch Informationen zum Gazastreifen zu finden. Es wird zwar darauf hingewiesen, dass Gaza unzugänglich und eine Gefahrenzone ist, dennoch finden sich viele Informationen zu dem Gebiet auch im zweiten Kapitel.

Die Reiseziele in Israel und Palästina werden wie in jedem Lonely Planet sehr ausführlich und mit vielen Tipps und Reisevorschlägen erläutert. Dazu gibt es Kartenmaterial, das übersichtlich gestaltet und mit den wichtigsten Markierungen versehen ist.
Hier haben mir vorallem die vielschichtigen Informationen gefallen, die weder alle religiös, noch politisch gefärbt waren, sondern sehr neutral und informativ die vorhandenen Gegebenheiten schilderten und auf spezielle Dinge, Sehenswürdigkeiten, etc. hinwiesen.
Schön fand ich mal wieder den Spaziergang, der sich hier auf die Grabeskirche bezieht. Diese Spaziergangsvorschläge mag ich immer wieder gerne und würde mir tatsächlich noch mehr davon wünschen. Auch den Spaziergang durch Petra fand ich sehr gelungen und die Grafik dazu ausgesprochen gut.
Hier gibt es außerdem Informationen zu Restaurants, Shopping, Reisemöglichkeiten, Ausgehen, Nachtleben, etc. Jeweils ortspezifisch und sehr detailliert.

Im dritten Teil finden sich aktuelle Informationen zu Israel und Palästina, außerdem auch Vorschläge von Sachbüchern zu der Thematik, eine geschichtliche Zeitleiste, ein Text zu den unterschiedlichen Volksgruppen. Hinweise zu regionalen Spezialitäten, Gerichten, Esskultur, Feste und Feiertage, Lebensart. Außerdem je ein Text zur Regierung und Politik, Religion, Kunst, Natur und Umwelt. Diese Texte finde ich im Vorfeld einer Reise hilfreich, aber auch während einer Reise als Lektüre unterwegs durchaus informativ und unterhaltsam.

Im letzten Teil finden sich die Infos für die Praxis, hier gefällt mir der Abschnitt zum Thema Sicher Reisen sehr gut. Natürlich kann man naiv einfach in ein solches Land reisen, ohne sich Gedanken über die Sicherheit zu machen, ich persönlich würde dies nicht tun und bin für die hier genannten Informationen sehr dankbar und finde sie hilfreich.
Im Abschnitt allgemeine Informationen widmet man sich in einem kurzen Abschnitt auch allein reisenden Frauen, das finde ich sehr gut und hat mir gefallen.
Hier gibt es dann auch Informationen zu Geld, Reisen mit Behinderung, Schwule und Lesben unterwegs, Stromversorgung, Touristikinformationen, Verkehrsmittel, Gesundheit und Gesundheitsrisiken, hier wird sehr informativ aufgeklärt und die Möglichkeiten zur Vorsorge genannt.
Dann folgt ein Sprachführer auf Hebräisch mit Lautsprache und ein Register, beides aus meiner Sicht hilfreich, vorallem wegen der fremden Schriftzeichen zur Übersetzung von Warnschildern oder Hinweisschildern.

Ich mochte auch diesen Lonely Planet wieder sehr und fühle mich ausreichend informiert, um meinem Traumreiseziel näher zu kommen.

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Lonely Planet Reiseführer Schweden

Becky Ohlsen
Flexibler Einband
Erschienen bei MAIRDUMONT, 03.09.2015
ISBN 9783829723879
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich bin immer noch mit der Planung unserer Skandinavienreise beschäftigt und versuche Entscheidungen zu fällen, wo es hingehen wird, wann wir wo sein wollen, was wir besuchen, wen wir besuchen, was wir essen, wo wir hin wollen.
Es werden also seit Tagen, was sag ich, seit Wochen Reiseführer gewälzt, Reiseblogs gelesen, etc.
Diesmal war Schweden dran. Schweden ist mir aus vielen Büchern zwar irgendwie vertraut und bekannt, dagewesen bin ich aber noch nicht und so mache ich mich erstmal schlau.
In der Regel ist der Lonely Planet der erste Reiseführer zu dem ich greife, irgendwie haftet ihm immer noch der Hauch des Individualreisenden an und ich mag den Aufbau einfach sehr gerne.
Der Lonely Planet Schweden ist ausgestattet, wie alle Lonely Planets, ein robuster Einband, ein praktische und handliches Format und im hinteren Teil zusätzlich eine heraustrennbare Faltkarte von Stockholm, samt Register, Highlights und Metro-System-Plan.
Im vorderen Einband, das was den Lonely Planet für mich unverzichtbar macht, die immer gleichen Erläuterungen, an denen ich mich orientieren kann und die mir helfen im Reiseführer zu finden, was ich suche.
Wie üblich gibt es die erklärten Symbole und die bekannten 4 Kapitel:
1. Reiseplanung
2. Reiseziele
3. Schweden verstehen
4. Praktische Informationen.

Die 4 Kapitel finden sich in jedem Lonely Planet, machen ihn übersichtlich und vertraut. Ich mag es wenn so etwas wiederkehrend designed ist und ich mich direkt in einem Sachbuch zu Hause fühlen kann.
Die Seiten sind wie üblich beim Lonely Planet sehr dünn und dadurch etwas empfindlich. Sie machen das Buch aber auch handlich und sorgen dafür, dass es weniger Gewicht hat und somit immer dabei sein kann. Ich finde das praktisch und verzichte hier gerne auf mehr Reißfestigkeit.

Kapitel eins beginnt mit "Willkommen in Schweden". Ein paar Worte zum schwedischen Stil, über die Samen, Wikinger und Landschaft, dazu eine Übersichtskarte.
Dann Folgen die schwedischen Top 15.
Hier habe ich nicht wirklich etwas vermisst. Alle großen und bekannten Örtlichkeiten sind aufgezählt und auch einige, von denen zumindest ich noch nicht gehört hatte. (Beispiele: Stockholm, Visby, Schären, Gotland, Foteviken.) Alles kurz erläutert und zusammengefasst. Es soll als Überblick dienen und dafür ist es absolut ausreichend.

Dann folgt "gut zu wissen". Hier findet sich alles an hilfreichen Informationen rund um Schweden. Telefonnummern, Öffnungszeiten, Internetseiten, Währung und Sprache, kurz, alles was man als Schwedenreisender wissen sollte.

Im Abschnitt "Wie wärs mit" finden sich Hinweise zu Wandertouren, Ausflügen, Radfahrtouren, Hinweise zum Essen oder Shoppen. Allerdings ebenfalls wieder nur als ganz kurze Empfehlung ohne viel Hintergrundmaterial.

In der Rubrik "Monat für Monat" finden sich Daten zu Veranstaltungen, Märkten, Feiern, etc. Das fand ich für meine Planung und Zeiteinteilung sehr hilfreich und wichtig.
Weiter gibt es Vorschläge für Reiserouten, mit ungefähren Zeitangaben, auch das finde ich für die Planung unserer Reise sehr angenehm und hilfreich. Ich mag es, wenn ich mich bei der Planung bereits an feststehenden Routen orientieren kann und somit ungefähr weiß, wie lange ich für welchen Ort oder welche Strecke einplanen sollte.

In der Rubrik "Outdorabenteur" wird nochmal intensiver auf die vielen Möglichkeiten der Aktivitäten in Schweden hingewiesen. Bergrouten, Klettern, aber auch Bootfahren und Segeln, Angeln und Skifahren finden hier Erwähnung, außerdem Tipps zur Sicherheit.

Auch in diesem Lonely Planet ist die Rubrik "Reisen mit Kindern" vertreten. Da wir ohne Kinder reisen, kann ich dazu nichts sagen. Finde beim Überfliegen die Tipps aber durchaus hilfreich und durchdacht.

Dann gibt es einen Überblick über die verschiedenen Regionen in Schweden, jeweils zu jeder Region eine kurze Einführung bzw. ein Überblick. Auch das fand ich schön kurz und knapp und hilfreich zur Planung.

Kapitel zwei ist dann In diese Regionen gegliedert.
Stockholm und Umgebung,
Uppsala und Mittelschweden
Göteborg und der Südwesten
Malmö und der Süden
Der Südosten und Gotland
Östersund und der Bottnische Meerbusen
Lappland und der hohe Norden
Highlights, Sehenswertes, Kartenmaterial, Vorschläge für Touren, Bars und Restaurants. Museen und Sehenswürdigkeiten. Hier sind die Informationen sehr viel ausführlicher, gut formuliert und dennoch übersichtlich. Die Karten sind gut lesbar, wenn auch recht klein, aber absolut hilfreich und brauchbar.
Ich mag ja die vorgeschlagenen Spaziergänge immer sehr gerne und auch hier gibt es einige Anregungen mit Karte für Stadtspaziergänge, oder auch kleine Kästen mit wichtigen Tipps für den Aufenthalt.
Das ist für mich der eigentliche Teil des Reiseführers und bietet für mich, alles was ich wissen mußte.

Kapitel 3 "Schweden verstehen" ist gegliedert in
Schweden aktuell
Geschichte
Essen und Trinken
Menschen und Kultur
Natur und Umwelt
Design und Architektur
Die Samen.

Dieses Kapitel bietet unheimlich viele und umfassende Informationen zu Schweden, den Schweden, ihrer Kultur, Vergangenheit und Denkweise. Vorallem die geschichtliche Zeitleiste fand ich spannend und interessant.
Essen und Trinken bietet wieder Tipps aber auch Informationen losgelöst von einer Ausgehempfehlung zum Essen in Schweden. Es werden hier auch berühmte Schweden vorgestellt, Literaturtipps gegeben und schwedische Filme angesprochen.
Bei den Literaturtipps habe ich mich besonders gefreut, die Abenteuer des Röde Orm dort zu finden, ebenso wie Nils Holgerson, Astrid Lindgren, aber auch die üblichen Krimiautoren sind hier vertreten.

Im letzten Kapitel finden sich dann weitere Sachinformationen, Botschaften, Konsulate, Feiertage, Bezahlung, Internet, Trinkgeld, Rechtsfragen, Telefon, Stromversorgung, hier wird eigentlich alles kurz erläutert, was es an Dingen zu wissen gibt, bevor man aufbricht oder auch zu Fragen, die sich während der Reise ergeben.
Ein kurzer Übersetzungsführer liegt ebenfalls bei.

Das Buch endet mit einem umfangreichen Register, das beim Wiederfinden oder Suchen von Dingen hilft.

Ich bin wie üblich mit meinem Lonely Planet sehr zufrieden und konnte in unserer Reiseplanung ein gutes Stück weiter kommen.

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

belletristik, hörbuch, audiobuch, kindheit, mord

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

Frank Witzel , Frank Witzel
Audio CD: 10 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 01.12.2015
ISBN 9783899649369
Genre: Romane

Rezension:

Ich war wirklich sehr gespannt auf Frank Witzels Roman mit diesem unwahrscheinlich langen und unmerkbaren Namen. Da ich in letzter Zeit bei meiner Strickarbeit aber eher Hörbücher höre, als wirklich Romane lese, habe ich mich dazu entschieden das Buch als Hörbuch zu konsumieren.
Eine gute Entscheidung, denn als gelesener Text hätte ich es vermutlich nach spätestens 50 Seiten an die Wand geschmissen und mich nicht weiter mit diesem Quark befasst.
Als Hörbuch hab ich allerdings durchgehalten. 10 CDs lang hab ich dem Autoren, welcher seinen Text selbst vorträgt gelauscht. Ich war fasziniert, interessiert, gelangweilt, irritiert und schockiert. Letztlich bin ich am Ende des Buches total verunsichert, was mir dieses Hörbuch nun gebracht hat und was mir der Autor damit sagen wollte.
Nun, ich lese gerne experimentelle und außergewöhnliche Literatur, ich mag es, wenn mir Raum für meine eigenen Interpretationen bleibt und ich mich in einem Text verlieren kann und verschiedenste Deutungen entstehen.
Dieser Text hier hat mich diesbezüglich allerdings beansprucht und ein weniger leidensfähiger Hörer, der eine Geschichte nach den üblichen Maßstäben erwartet, der wäre wohl sehr enttäuscht. Dieser Text ist nämlich alles nur nicht linear oder gar gewöhnlich.
Witzel erzählt und schwafelt und stellt gute und präzise Beobachtungen an, weckt Erinnerungen, sogar in mir, die ich doch eher ein Kind der 80er bin, als der 70er.
Grundsätzlich ist es wirklich verwunderlich, dass dieses konfuse und wirre Stück Text tatsächlich einen Verleger gefunden hat. Mir hat es trotzdem Freude bereitet, war ich auch gerade bei den kirchlichen Abschnitten und den sehr christlichen Teilen der Erzählung hätte ich hin und wieder gerne ein wenig vorgespult, diese Teile konnten mein Interesse nicht wecken und haben mich eher gestört, der Rest fügt sich am Ende für mich zu einem schönen Ganzen aus wirrem Text, Erinnerungen, Vermutungen und Verdächtigungen und ich muß gestehen, irgendwie gefällt mir auch das.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sich Witzel einen Gefallen damit getan hat, das Hörbuch selbst einzulesen. Witzel liest sehr nasal, ein wenig nöhlig und gelangweilt. Hat man sich einmal darauf eingestellt ist das ok und paßt auch durchaus zum Text. Ich fand es aber gerade bei den Stellen, die mich etwas weniger interessiert haben auch ein wenig einschläfernd und ermüdend. Dazu nuschelt er häufig ein wenig und ich mußte genau hinhören, vorallem wenn ich im Auto unterwegs war, war er nicht immer gut zu verstehen, obwohl die Aufnahmequalität eine sehr Gute ist.

Ich würde das Hörbuch definitiv nicht jedem empfehlen, aber es ist durchaus interessant und auch handwerklich teilweise einfach nur fantastisch.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

DuMont Reise-Handbuch Reiseführer Finnland

Ulrich Quack
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei DuMont Reiseverlag, 05.04.2012
ISBN 9783770177325
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die DuMont Reise-Handbücher sind mir bereits seit längerem bekannt und ich schätze sie sehr, weil sie meist sehr gute Informationen, aber eben auch guten Lesestoff für die Reisebieten. Sie gehen über die normale Infosammlung eines Reiseführers meist hinaus und bieten mir persönlich ein bisschen mehr.

Das Reise-Handbuch Finnland habe ich in den letzten Tagen gelesen und genutzt, um eine Entscheidung zu treffen, welches der skandinavischen Länder wir in naher Zukunft bereisen wollen, da sind wir nämlich ein wenig unentschlossen. Sicher ist, dass es nach Skandinavien/Baltikum gehen wird, aber wohin genau, das ist noch in der Schwebe. Aus diesem Grund hab ich mir verschiedene Informationsbücher zu Finnland, Schweden, Dänemark, Lettland, Litauen, Estland, Norwegen besorgt und mich inspirieren lassen, was mich am meisten reizt.
Durch das Reise-Handbuch ist Finnland in jedem Fall ein gutes Stück nach vorne auf der Reiserangliste gerutscht, war es doch zuvor das Land, von dem ich zugegeben am wenigsten wusste.

Das Reisehandbuch ist natürlich auch als klassischer Reiseführer zu nutzen. Im vorderen Einband befindet sich eine übersichtliche und gut lesbare Klappkarte, im hinteren Einband klebt eine ablösbare Faltkarte mit Detailkarte, Register und Entfernungstabelle, die einem auf Reisen sicher auch als Reiseplan gute Dienste leisten wird.

Das gesamte Buch ist reich bebildert und mit wirklich schönen Bildern versehen, man kann sich so ein gutes Bild machen, hat aber noch ausreichend Raum, um die Beschreibungen mit eigenen Vorstellungen und später dann Erlebnissen zu füllen. Zu überladene Reiseführer mit zu vielen Bildern und zu wenig Text behagen mir in der Regel nicht. Dieser findet ein gutes Mittelmaß zwischen beidem.

Die Aufteilung des Buches ist sinnvoll gehalten zunächst gibt es einen Abschnitt mit wissenswerten Texten zu Finnland, Geschichte, Wirtschaft, Natur, Gesellschaft, Kultur, Essen und Trinken. Besonders den Abschnitt über die finnische Küche fand ich da ausgesprochen interessant. Schließlich kommt man damit hier eher selten in Berührung, wann geht man schon mal finnisch essen?

Der nächste Abschnitt Wissenswertes für die Reise ist zur Reiseplanung aus meiner Sicht unverzichtbar. Auch hier findet sich die für mich mittlerweile elementar wichtige Seite, auf der ich weiterführende Links und Hinweise auf Blogs oder Infoseiten im Netz finde. Dieser Punkt gehört für mich zu einem guten Reiseführer mittlerweile absolut dazu, hier ist diese Übersicht wirklich sehr informativ und auch die Hinweise auf Reiselektüre fand ich sehr treffend, wenn ich auch Arto Paasilinna bereits kannte und als Autoren sehr schätze, wegen seines wunderschönen humorigen Schreibstils.

Im weiteren Folgen Hinweise für die Reise- und Routenplanung, die ich als sehr hilfreich für jemanden, der Finnland wirklich gar nicht kennt empfunden habe. Auch gibt es wie üblich Tipps zu sportlichen Aktivitäten, Anreise, Unterkunft, Einkaufen, Ausgehen, etc. Aber auch ein kurzes aber sehr gutes Kapitel zur Reisekasse und der Kostenplanung, was ich gerade in Ländern, die mir unbekannter sind immer zur Einschätzung hilfreich finde.

Im Abschnitt "Gut zu wissen" finden sich darüber hinausgehende grundlegende Informationen, die eine Planung und auch die Reise erleichtern.
Ein kurzer Sprachführer, Hinweise zu Kommunikationsmöglichkeiten, Sicherheit und Ausrüstung dürfen hier nicht fehlen und sind sehr übersichtlich strukturiert und klar verständlich formuliert.

Dann folgt der eigentliche Reiseteil.
Dieser ist in 5 übersichtliche Kapitel gegliedert.
Helsinki und Südfinnland
Westfinnland
Finnische Seenplatte
Kainuu und Nordkarelien
Lappland

Diese Kapitel sind zum größten Teil mit sehr guten Karten versehen und bieten sehr gute Hinweise zu den jeweiligen geografischen Ecken Finnlands. Ich fand vorallem Kainuu und Nordkarelien informativ, hatte ich hiervon doch noch nie etwas gehört, bzw. konnte mir wenig darunter vorstellen. Jedes der Kapitel beginnt mit " Auf einen Blick", hier werden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Zwischenziele vorgestellt, was mir immer sehr gut hilft, mich zu orientieren und zu entscheiden, welche Ziele ich in meine Planung einbeziehen möchte.
So ein kurzer Überblick gefällt mir, wenn dann weitergehende Informationen im weiteren Verlauf folgen, was hier eindeutig der Fall ist.
Grundsätzlich sind die Texte sehr informativ, aber trotzdem noch gut lesbar und unterhaltsam. Vorallem die immer mal zwischengeschobenen Themen-Texte eigenen sich auch sehr gut als Lektüre zur Reisevorbereitung oder auch während der Reise.

Grundsätzlich Hat mir das Reisehandbuch sehr gut gefallen. Dazu kommt, dass es wirklich robust und stabil ist und auch unterwegs gut zu transportieren sein wird. Die Größe ist handlich und nicht zu schwer.

Mir hat das Reise-Handbuch wirklich viele Informationen über ein mir bislang noch unbekanntes Reiseziel geboten und mich aus meiner Sicht sehr gut auf unsere Reise vorbereitet.

(Diese Bewertung wird ergänzt und verändert werden, wenn wir dann tatsächlich in Finnland waren und die Informationen mit der Realität abgleichen konnten.)

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DuMont Reise-Taschenbuch Reiseführer Irland

Susanne Tschirner
Flexibler Einband: 292 Seiten
Erschienen bei DuMont Reiseverlag, 04.02.2015
ISBN 9783770174591
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich schätze die Reise-Taschenbücher des Dumont Verlags sehr. Sie bieten immer noch ein wenig mehr Information, als andere Reiseführer, sind zwar häufig nicht so reich bebildert, aber dafür mit tollen gut geschriebenen Texten versehen. Ich muß sagen, dass mir das bei einem Reiseführer meist wichtiger ist, da ich die Bilder ja direkt vor mir habe, wenn ich vor Ort bin und selbst Eindrücke sammeln kann, die Informationen dazu sind für mich daher sehr viel relevanter und Informationen bieten die Reise-Taschenbücher immer sehr gute, schön strukturiert und übersichtlich gegliedert.

Diesmal habe ich mich über Irland informiert, da die grüne Insel auf jeden Fall noch auf meiner Reise Bucket-List steht. Allein schon ein Besuch bei Hedgehog Fibres (Handgefärbte Garne in ganz außergewöhnlichen Farben) würde mich vermutlich unsagbar glücklich machen, das dann verbunden mit viel Natur, alten Burgen und Schlössern, oh ja Irland ist definitiv eines meiner Traumziele.

Dieses Taschenbuch hat mir durchaus Reiselust verschafft.
Auf dem vorderen Inneneinband befindet sich eine große Übersichtskarte der gesamten Insel mit den 10 Highlights. Sowas mag ich immer, da hat man auf einen Blick alles parat, kann bei der Reiseplanung Entfernungen groß abschätzen und sieht wie gut oder schlecht das Reiseziel per Zug, Bahn, Auto zu erreichen ist.

Ein weiteres großes Plus ist für mich der Link zu einer Downloadseite, auf der regelmäßig Updates zum Reiseführer veröffentlicht werden. In der heutigen Zeit ist so ein Buch sehr rasch veraltet, dieser weiterführende Link hilft dabei, das Buch aktuell zu halten und immer auf dem neusten Stand zu sein, das gefällt mir sehr gut.

Das Buch startet mit seiner sehr freundlichen und persönlichen Einleitung der Autorin und ihren persönlichen Tipps. Das finde ich super, ich mag es wenn im Reiseführer persönlich erzählt wird, nichts ist authentischer, als eine Person, die sagt, das gefällt mir, da gehe ich gerne hin, weil…
Genau das passiert hier. Susanne Tschirner erzählt mit viel Herzblut von ihrer Lieblingsinsel und zieht den Leser und Reisenden unvermittelt in ihren Bann, dabei fällt auf, dass Tschirner schreiben und erzählen kann, hier werden nicht nur Informationen aneinander gereiht und möglichst viel auf möglichst wenige Seiten gepackt, nein hier wird wirklich erzählt und berichtet und das sehr informativ, aber auch durchaus unterhaltsam.

Nach den persönlichen Tipps folgt einer sehr guter und kurzer Schnellüberblick, die wichtigsten Orte, die schönsten Sehenswürdigkeiten, ganz kurz erwähnt.
Weiter geht es mit meiner Lieblingsrubrik, Reiseinfos, hier findet sich alles, was man über Irland wissen muß und zu dem tolle Links zu Reiseblogs und Irlandseiten im Internet, die einem weitere Informationen beschaffen. Diese Seite finde ich immer wichtiger und bin immer sehr froh, solche Hinweise in einem Reiseführer zu entdecken, denn natürlich bereitet man eine solche Reise in der heutigen Zeit nicht mehr nur mit einem Buch vor, sondern bezieht weitere Infos aus dem Netz. Schön, wenn man dann nicht lange suchen muß, sondern alles direkt gebündelt im Buch findet.

Besonders hervorheben möchte ich auch ihre Hinweise zur Reiseliteratur, hier werden irische Literaten und ihre Werke ganz kurz vorgestellt und Empfehlungen ausgesprochen, was sich als Reiselektüre für unterwegs eignet, da ich meine Lektüre immer dem Reiseziel anpasse, finde ich das sehr hilfreich und bin überrascht, wie viele Autoren, die ich irgendwo im britischen Raum vermutet habe, tatsächlich Iren sind. Auch Informationen zur Wetterlage, Verkehrsmitteln und Anreise, Übernachtungsmöglichkeiten, Sport, Essen und Trinken, so wie ein Veranstaltungskalender sind vorhanden.

In der Rubrik Panorama findet man alle Daten rund um die Insel und einen geschichtlichen Überblick. Dies ist wirklich sehr gut strukturiert und mir gefällt es immer, wenn der Reiseführer auch einen Blick in die Vergangenheit des Reiseziels wirft.
Außerdem finden sich hier einige kurze Essays, die sich durchaus gut als kurze Lektüre vor Ort eignen und sehr gut zu lesen sind. Das mag ich, so muß man neben dem Reiseführer bei einer Wanderung nicht auch noch ein Buch zur Unterhaltung für Busfahrten oder Wartezeiten mitnehmen, sondern hat direkt einige unterhaltsame und informative Texte dabei.

Dann folgt die Rubrik “Unterwegs in Irland”, die mit einem Überblick über Dublin und die Wicklow Mountains startet. Hier findet sich auch eine sehr kleine Übersichtskarte der Dubliner Innenstadt, wobei ich hier bei einem Besuch der Stadt auf jeden Fall zu einem gesonderten Reiseführer raten würde, der sich auf die Stadt selbst und nicht auf ganz Irland bezieht.
Sehr grandios finde ich hier den “James Joyce”-Spaziergang durch die Stadt. Ich mag Joyce, trotz seiner schwerfälligen und verworrenen Art zu schreiben, haben mich seine Bücher immer begeistert, auf seinen Spuren zu wandeln hat durchaus etwas sehr Reizvolles. Überhaupt ist der Reiseführer sehr literarisch unterwegs, auch ein Hinweis auf die Pubs der Dichter der Insel findet sich in diesem Teil.
Ansonsten finden sich hier natürlich die üblichen Sehenswürdigkeiten, aber auch einige kleine Geheimtipps, die ich zuvor nicht kannte und die mich sehr angesprochen haben, so wie Vorschläge für Ausflüge und Wanderungen. Hier häufig mit einer kleinen Karte versehen.

Im nächsten Abschnitt wird der Südosten der Insel vorgestellt, Kilkenny, Cashel, Kildare und einiges mehr. Hier kenne ich mich noch nicht sonderlich gut aus, finde aber die Anregungen und Ideen durchaus reizvoll und die beigefügten kleineren Karten und Bilder hilfreich zur Planung.
Vom Rock of Cashel hatte ich bislang beispielsweise noch nicht gehört und allein das Foto auf Seite 139 ist so fantastisch, dass ich da unbedingt hin muß.

In einem weiteren kleinen Special werden die Kunsthandwerker von Kilkenny vorgestellt. Das ist ebenfalls genau mein Fall, Glas und Keramik ansprechend präsentiert und wunderschön in Handarbeit gestaltet. Auch dies eine für mich neue und wertvolle Information.

Im nächsten Abschnitt wird der Südwesten beschrieben, es folgen Vorschläge für Reiseziele, Ausflüge, Sehenswürdigkeiten und sehr viel Natur, immer auch versehen mit speziellen Tipps für Restaurants, Hotels und Touren. Hier würde ich auf jeden Fall einen Stopp einlegen, allein schon wegen der oben erwähnten Färbestube der Hedgehog Färbemanufaktur in Cork. Auch für Cork gibt es eine kleine aber informative Übersichtskarte mit den wichtigsten Punkten.
Besonders schön war hier der Bericht über “Ballymaloe”, Kochschule, Hotel, Gärten und Shop, Slowfood vom Allerfeinsten. Für mich ein absoluter Traum und ein Muß-Punkt auf meiner Reiseliste. Außerdem findet sich hier ein Hinweis auf die vielen Farmers Markets, was ich sehr gut finde, da nichts so herrlich viel über einen Ort und seine Esskultur aussagt, wie ein Besuch auf einem seiner Märkte.

Der Westen ist der nächste Punkt auf meiner kleinen Kopfkino-Reise. Limmerick Cleggan, Aran Islands, Clare Island… und vieles mehr.
Ebenso der Nordwesten, Donegal, Drumcliff, Sligo, Culdaff, auch hier wird umfassend vorgestellt, mit Ausflugstipps, Hinweisen, Erklärungen kleinen Karten und einfach guten Fotos, hier auch mit einem Wellnesshinweis auf das Algenbad.

Der letzte Punkt ist County Meath und die zentrale Seenplatte. Clonmacnoise, Athlone, Kells, Tara, etc.
Ein besonderes Special ist hier die Entdeckungstour für die Hochkreuz-Trophy in Kells. Keltische Kreuze, mit ihrem ganz eigenen Charme und Reiz und ihre Geschichte, ich mag hier vor allem das Mythische an der Tour. Die nächste Tour beinhaltet einen Buch im Lough Boora und den dortigen Torfstechern, was ich ebenfalls sehr reizvoll fand.

Dann folgen noch Sprachführer und Register, sowie eine herausnehmbare Faltkarte.

Wirklich sehr selten hat ein Reiseführer für mich so viele Themen, die mich interessieren, die mich reizen, häufig finden sich nur die wichtigen Sehenswürdigkeiten, die man dann abklappert, hier war ich wirklich hingerissen von den Beschreibungen, Ideen und eigentlich jede der Entdeckungstouren beinhaltete ein Thema, das mich ebenfalls interessiert. Sehr gelungen.
Dazu ist der Reiseführer sehr stabil, abwaschbar, bietet Platz für eigene Notizen und besitzt eine kleine Falttasche im hinteren Einband, in der man die Faltkarte und kleinere andere Dinge gut verstauen kann.

Für mich einer der besten Reiseführer, die ich in der letzten Zeit lesen durfte, auch und gerade weil Frau Tschirner einfach sehr fesselnd und gut erzählt.

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hörbuch, krimi, audiobuch, vanja linthner, reihe

Die Menschen, die es nicht verdienen

Michael Hjorth , Hans Rosenfeldt , Julian Wollny , Douglas Welbat
Audio CD: 6 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 17.11.2015
ISBN 9783899649284
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mich als jemand, der sich beruflich genau mit der Materie beschäftigt, die sich in Krimis wiederfindet, schrecken die meisten Krimis eher ab. Nichts schlimmer, als wenn man über etwas liest, womit man sich auskennt und immer wieder den Kopf schütteln muß, weil es so ganz bestimmt nicht ablaufen würde.
Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt treffen da aber immer sehr gut den richtigen Ton und auch die Übersetzung ist hier stimmig. Da werden die richtigen und passenden Begriffe an den richtigen und passenden Stellen gebraucht. Der Ablauf einer Mordermittlung ist stimmig und gut erzählt, natürlich werden hier die langweiligen Details zu Gunsten der Geschichte ein wenig gekürzt, aber doch, so wie die beiden Schriftstelle es erzählen, so könnte es durchaus ablaufen, mit kleineren Einschränkungen hier oder da, aber nichts was mich massiv die Stirn runzeln ließe oder mir total widerstreben würde.
Die Krimis der beiden werden von mir daher immer wieder mit Genuss konsumiert, eine absolute Ausnahme, die meisten anderen Autoren habe es in diesem Genre mittlerweile geschafft mich zu vergraulen, sei es wegen grottenschlechter Recherche, immer wiederkehrender gleicher Story oder furchtbar unpassendem Sprachgebrauch.
Die Hjroth &Rosenfeldt Krimis hingegen höre ich immer wieder gerne. Auch gerade deshalb, weil die Ermittler nicht farblos und profillos bleiben, sondern weil es auch einen privaten Teil in jeder Geschichte gibt, jeder der Leute aus dem Team eine wichtige Rolle spielt und dabei Probleme behandelt werden, die ich durchaus angemessen und wichtig finde. Den zerknitterten drogensüchtigen Ermittler, der sich dann auch noch ins Grab säuft, kennt man zu genüge aus allen anderen Kriminalromanen, hier wird es differenzierter, es ist nicht das platte Alkoholproblem, die Liebelei mit der Kollegin, nein das geht mehr in die Tiefe ist spannender und psychologisch durchdachter und auch das gefällt mir. Jedes Mitglied in diesem Team aus ganz unterschiedlichen Ermittlern hat so sein Päckchen zu tragen, mal spielt der eine eine größere Rolle, mal der andere.
In diesem Teil hatte ich wegen des Schlußmoments des letzten Teils eigentlich damit gerechnet, dass es mehr um Billi gehen würde und war überrascht, dass er sich während der Geschichte eher nicht im Mittelpunkt befindet. Zwischen durch machte sich auch immer mal ein wenig Enttäuschung breit, weil ich endlich wissen wollte, wie er denn nun mit seinem Problem (ich verrate hier mal absichtlich nicht zu viel, vielleicht hat jemand ja den vorgehenden Teil noch nicht ganz gelesen/gehört) umgeht, was er tut, das wird aber immer nur in Nebensätzen oder ganz kurz behandelt. Fast schon war ich ein bisschen böse, dass erst dieser Plot aufgemacht und dann so schmählich vernachlässigt wird und dann, ja dann kommt das Ende und ich war wieder versöhnt. Wenn man den beiden Autoren eins lassen muss, dann dass sie ihre Leser binden können. Mit diesem Ende hatte ich zwar durchaus in einer etwas anderen Variante nach dem letzten Teil gerechnet, aber während des Hörens dieses Teils rückte diese Überlegung immer mehr in die Ferne meiner eigenen Denkweise und als es dann am Ende knallt, knallt es richtig und ich habe mich selbst gescholten, dass ich das so einfach wieder ausgeblendet hatte.
Ich war also durchaus begeistert, warum dieser Teil dennoch ein wenig schlechter abschneidet, als die anderen, ist der Mörder um den es diesmal geht. Der Dokusoap-Killer, der tötet, um die Menschheit auf ihre eigene Dummheit aufmerksam zu machen, der frustriert ist, vom täglich dümmeren Fernsehprogramm und der mangelnden Anerkennung für wirkliche Intelligenz. Grundsätzlich eine gute Idee, trotzdem blieb für mich da die Motivation zu all diesen wirklich schlimmen und drastischen Taten ein wenig zu blass. Ja, ich kann durchaus verstehen, dass man frustriert ist, mich selbst stören die täglich dümmeren Dokusendungen im TV auch, deshalb habe ich den Fernseher abgeschafft, eine für mich logische Vorgehensweise. Wieso ein intelligenter Mensch soweit geht und aufgrund dieser Motivation Menschen tötet wurde mich nicht klar genug herausgearbeitet und natürlich haben wir es hier mit einem schwer gestörten Menschen zu tun, aber trotzdem fand ich das im Vergleich zu den vorherigen Fällen etwas weit hergeholt. Es war unterhaltsam, es war durchaus intelligent konstruiert und spannend, aber es war für mich ein wenig fern meiner eigenen Lebenswelt.
Auch die Geschichte um Sebastian und Wanja fand ich diesmal ein wenig anstrengend und bemüht. Ja, die Problematik ist durchaus schwierig und bietet gute Ansätze für viele Nebenerzählungen, das was diesmal passiert fand ich jedoch irgendwie platt und hätte auch von Wanja eine etwas vernünftigere Einstellung erwartet. Auf der einen Seite ist sie immer sehr überlegt und bedächtig, auf der anderen agiert sie leider häufig wie ein kleines Kind und eine beleidigte Leberwurst, das passte für mich diesmal nicht 100%.
Hingegen gefällt mir Ursula diesmal sehr gut, ihren Charakter mag ich ohnehin sehr und diesmal wird sie ein wenig verletzlicher dargestellt und nicht so taff, wie in den Vorgängerbüchern, das hat mir gefallen.

Das Hörbuch ist wie immer sehr gut gelesen. Gut betont und ich lausche dieser rauchigen Stimme einfach sehr gerne. Sie passt perfekt zu den Geschichten und sobald ich den Sprecher Douglas Welbat höre, bin ich sofort in der Geschichte um Sebastian Bergman drin.
Das gefällt mir sehr gut.

Außerdem war das Jewelcase diesmal etwas stabiler, als sonst und die einzelnen Klappmechanismen sehr robust und nicht so hakelig. Sollte da etwas verändert worden sein, war es sehr positiv...

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MARCO POLO Reiseführer Island

Sabine Barth
Flexibler Einband: 132 Seiten
Erschienen bei MAIRDUMONT, 08.01.2015
ISBN 9783829724807
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich schätze die Marco Polo Reiseführer wegen ihrer Konzentration auf das Wesentliche in der Regel sehe. Sie sind schön schmal, passen gut in die Tasche und sind stabil ausgestattet.
Weitschweifige Lobeshymnen sucht man vergeblich, statt dessen gibt es viele Infos auf den Punkt gebracht und in aller Kürze zusammen gefasst. Im Grunde also alles, was man als Reisender benötigt und zur Information haben möchte.
Diesen Marco Polo für Island eines meiner Traumreiseziele fand ich dann aber doch etwas sehr oberflächlich und deutlich zu kurz. Für einen ersten Überblick reicht das sicher, für eine ganze Reise würde ich hier eher noch ergänzende Reiseliteratur haben wollen.

Gliederung:
15 wichtigsten Highlights mit Seitenzahlen, wo sie abgehandelt werden auf dem vorderen Inneneinband.
Inhaltsverzeichnis
16 Marco Polo Insidertipps mit Seitenzahlen und kurzer Info
6 Tolle Orte zum Nulltarif mit Seitenzahlen und kurzer Info
7 Typisch isländische Orte mit Seitenzahlen und kurzer Info
6 Aktivitäten bei schlechtem Wetter mit Seitenzahlen und kurzer Info
6 Orte zur Entspannung mit Seitenzahlen und kurzer Info
Auftakt: kurzer Überblick über Island und seine Geschichte, leider wirklich sehr stark gekürzt und oberflächlich.
5 Trends in Island (Brauerei, Fischmarkt, Cafe, etc.)
Stichworte und kurze Texte zu Island, Amerika, Baden, Industrie, Flora, Fauna, Geysire, etc. Auch hier wirklich nur ein sehr grober Überblick für denjenigen, der sich mit Island noch nicht auseinander gesetzt hat, sicher interessant, für mich leider ein wenig zu banal.
Essen und Trinken und Einkaufen bieten gute Tipps zu diesen Themen, leider auch hier sehr übersichtlich und für mich etwas zu wenig Auswahl.
Die perfekte Route bietet Vorschläge für eine komplette Islandrundreise auf 1900 km an der Küste entlang. Eine nette Idee und ein guter Anhaltspunkt.
Als nächstes werden die verschiedenen Gebiete Islands abgehandelt. Mit jeweils vielen Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Shopping, Veranstaltungen, Übernachten, Essen und Trinken. Das hat mir gut gefallen, war auch für einen groben Überblick absolut ausreichend.
Allerdings finde ich die Gliederung ein wenig seltsam. Klar, irgendwie muß ein logischer Aufbau da rein, aber Islands Städte bieten so viel mehr, als nur Reykjavik und der Rest wird wirklich enorm knapp abgehandelt. Da hätte ich mir auch für andere schöne Orte etwas mehr Raum gewünscht. Das erschien mir hier deutlich reduziert.
Aufgeteilt ist dieser Teil in:
Reykjavik
Der Süden
Der Osten
Der Norden
Der Westen
Das Hochland

4 Wanderungen und Touren Vorschläge sind der nächste Punkt. Das hat mir wieder recht gut gefallen. Die Abschnitte bieten einen guten Überblick über Anforderungen, Schwierigkeitsgrad, Preise und Beachtenswertes. Schön wäre hier jeweils eine kurze Übersichtskarte für jede Tour gewesen.

Im nächsten Abschnitte geht es um sportliche Aktivitäten in Island und dazugehörigen Tipps (Angeln, Marathon, Gletschertouren, Bergsteigen, Reiten, Rafting, etc.). Eine an sich gute Idee, leider auch hier wirklich enorm knapp. Häufig beschränkt man sich nur auf die Nennung der Adresse. Das ist mir ein wenig zu wenig, hier hätte ich mir deutlich mehr Wertung und Information zu den einzelnen Dingen gewünscht.

Der Abschnitt mit Kindern unterwegs bietet Hinweise, welche Dinge mit Zwergen besonders lohnenswert ist. Wie üblich hab ich diesen Teil nur überflogen, ich muß gestehen, immer froh zu sein, wenn ich im Urlaub so wenig wie möglich Berührungspunkte mit Kinderlärm habe. Interessant fand ich hier aber zum Beispiel den Spaziergang zu den Elfen, das würde ich auch als Erwachsene sehr schätzen. Islands Mythologie ist ohnehin etwas, was mich unheimlich interessiert und was leider im Reiseführer ein wenig zu kurz kommt.

Events und Feste, hier werden die wichtigsten Veranstaltungen festgehalten und mit Terminen und Örtlichkeit angegeben.
Auch die Feiertage finden hier Erwähnung. Sowas mag ich immer sehr, da mir dies bereits bei der Reiseplanung hilft, wann ich wo sein möchte, wann ich besser keinen Shoppingausflug plane und welche Feiern ich unbedingt miterleben möchte.

Toll fand ich den Abschnitt mit Links und Blogs und mehr. Hier kann man wirklich tolle Informationsquellen im Internet finden. Reiseblogs, Streams, Informationsseiten und auch wichtige Apps, die einem in der Einsamkeit Islands sehr gute Dienste leisten können.
Allein diese zwei Seiten haben diesen Reiseführer für mich deutlich aufgewertet. War ich zunächst wirklich ein wenig aufgrund der kürze der Texte enttäuscht, haben diese Hinweise, wo ich mehr Informationen finden könnte, es für mich wieder rausgerissen. Da waren wirkliche Entdeckungen dabei, die ich sofort auf meine regelmäßige Blog-Besuchs-liste gesetzt habe. [...] ist absolut einen Besuch wert. (auf Englisch!)

Wirklich gut ist der Reiseführer bei den praktischen Tipps. Hier fasst er sich zwar ebenfalls kurz, aber da brauche ich auch keine ausschweifenden Schwärmereien, hier will ich konzentrierte Infos und die erhalte ich. Anreise, Auskunft, Autos, Währung, Camping, Botschaften, Einreise, hier findet sich alles, was man als Islandreisender an Informationen fern von Reisetipps und Sehenswürdigkeiten braucht. Harte Fakten gut zusammengefasst und auf das Wesentliche reduziert.

Sprachführer Englisch, ich muß gestehen, ich brauche diese Sprachführer in Reiseführern nicht. Entweder ich kann mich mit meinen Fremdsprachenkenntnissen (Englisch, Französisch, ein bißchen Spanisch, ein bißchen Türkisch) verständlich machen oder ich habe ohnehin auf Reisen ein Wörterbuch dabei. Ja diese kurzen Tabellen bieten eine ganz nette und oft auch witzige Hilfe, aber brauchen tu ich das meist nicht. Schön fand ich hier allerdings das Kästchen, in dem die Besonderheiten der isländischen Schrift und Sprache erklärt werden.

Im Anhang befinden sich dann ein Reiseatlas mit Detailkarten, ein Register und eine kleine Seite mit Platz für eigene Notizen.
In einer stabilen und strapazierfähigen Plastiktasche befindet sich ein herausnehmbarer Faltplan, den ich sehr praktisch fand. Ich mag ja laminierte Karten sehr gerne, aber dieser hier ist wirklich stabil und gut verarbeitet, das ist ebenfalls sehr gut ausreichend.

Auf der letzten Seite finden sich einige Warnungen, was man bloß nicht tun sollte. Diese Warnungen fand ich aber so selbstverständlich und elementar, wie "Brütende Vögel nicht stören", "Isländer nicht duzen", "Im Wanderoutfit nicht ausgehen", das hätte es meiner Meinung nach eher nicht gebraucht.

Fazit: Ein wirklich guter, aber eben sehr kurz gefasster Reiseführer, für all jene, die sich einen kurzen Überblick über Island verschaffen wollen, absolut ausreichend, wer eine wirkliche Reise plant und vorher bereits in Informationen zu seinem Reiseziel schwelgen will, sollte sich hier weitere Informationen holen zur Vorbereitung. Für unterwegs allerdings ist dieser Reiseführer absolut ausreichend.

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