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11 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

Geheimnis in Rot

Mavis Doriel Hay , Barbara Heller
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 14.10.2017
ISBN 9783608961898
Genre: Krimi und Thriller

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41 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

freundschaft, berge, italien, alpen, männer

Acht Berge

Paolo Cognetti , Christiane Burkhardt
Fester Einband
Erschienen bei DVA, 11.09.2017
ISBN 9783421047786
Genre: Romane

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

märchen, erstleser, prinzessin

Lesetiger - Prinzessinnengeschichten

Michaela Hanauer , Silke Voigt
Fester Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Loewe, 16.01.2013
ISBN 9783785575208
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Vier Lesestufen umfasst die Loewe-Erstlesereihe Leselöwen: Bildermaus ab fünf Jahren mit Bildern zum Lesenlernen, Ich für dich, du für mich zum gemeinsamen Lesen ab sechs, Lesetiger für das erste Selberlesen ebenfalls ab sechs und Lesepiraten für fortgeschrittene Leser ab sieben Jahren.

Prinzessinnengeschichten gehört zur dritten Lesestufe, zum Lesetiger. In großer Fibelschrift gedruckt und im Flattersatz gesetzt, sehr reich bebildert mit vier Illustrationen pro Doppelseite, mit kurzen, einfachen Wörtern und Sätzen und in kurze Leseabschnitte mit maximal vier Zeilen zwischen den Bildern gegliedert, können bereits Erstklässler diese vier Geschichten bewältigen.

Das pinkfarbene Cover macht bereits die Zielgruppe klar: Mädchen, die vom Prinzessinnendasein träumen. Zum Glück entsprechen die vier Prinzessinnen in den Geschichten „Das Rosenschloss“, „Eine Erbse für Fiona“, „Die Froschprinzessin“ und „Kein Aschenputtel“ dann aber gar nicht dem üblichen Klischee. Vielmehr greifen sie beherzt zum Schwert, kochen nachts Erbsensuppe, verschenken ihre Krone oder schleichen sich heimlich auf den verbotenen Ball. Auch die Illustrationen sind eher frech-witzig als rosa-süß, was mir gut gefallen hat.

Für alle, die die Märchen „Dornröschen“, „Die Prinzessin auf der Erbse“, „Der Froschkönig“ und „Aschenputtel“ nicht kennen, sind diese abgewandelten Versionen bestimmt sehr nett und unterhaltsam. Meine Töchter, die an den Originalversionen im Wortlaut hingen, hätten sich mit diesen Geschichten aber schwergetan. 

http://mit-büchern-um-die-welt.de/michaela-hanauer-silke-voigt-prinzessinnengeschichten/

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Tags: erstleser, märchen, prinzessin   (3)
 

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Millie übernachtet in der Schule

Dagmar Chidolue , Gitte Spee
Fester Einband: 64 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 21.07.2014
ISBN 9783789123757
Genre: Kinderbuch

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89 Bibliotheken, 17 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

spanischer bürgerkrieg, spanien, spionage, bürgerkrieg, verrat

Der Preis, den man zahlt

Arturo Pérez-Reverte , Petra Zickmann
Fester Einband: 295 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.09.2017
ISBN 9783458177197
Genre: Historische Romane

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

superhund, katze, erstleser, ab 6 jahre

Superhugo rettet Leben!

Salah Naoura , Sabine Büchner
Fester Einband: 64 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 20.02.2015
ISBN 9783789123788
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Büchersterne heißt die Reihe für Erstleser aus dem Oetinger Verlag, die für Lesespaß in drei Stufen sorgen soll. Der vorliegende Band Superhugo rettet Leben! von Salah Naoura gehört zur mittleren Kategorie für die erste und zweite Klasse, ist in großer Fibelschrift und im Flattersatz mit kurzen Zeilen gedruckt, hat kurze Leseabschnitte und ist in fünf Kapitel unterteilt, textunterstützend illustriert von SaBine Büchner und bietet auf acht Doppelseiten am Ende viele abwechslungsreiche Rätselangebote mit Lösungen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hugo, ein kleiner Hund, der zu Beginn akzeptieren muss, dass das Kätzchen Mimi bei ihm und Oma Frieda einzieht. Was Superhund Hugo mit seinen Superstiefeln und seinem Superauto erlebt und wie er schließlich nicht nur eine Fliege, sondern sogar Mimi rettet, ist fantasievoll-verrückt erzählt und ebenso knallbunt wie humorvoll illustriert.

http://mit-büchern-um-die-welt.de/salah-naoura-sabine-buechner-superhugo-rettet-leben/

 

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Tags: ab 6 jahre, erstleser, katze, superhund   (4)
 

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

Bluma und das Gummischlangengeheimnis

Silke Schlichtmann , Ulrike Möltgen
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.07.2017
ISBN 9783446257016
Genre: Kinderbuch

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231 Bibliotheken, 30 Leser, 1 Gruppe, 83 Rezensionen

sklaverei, amerika, usa, flucht, rassismus

Underground Railroad

Colson Whitehead , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 21.08.2017
ISBN 9783446256552
Genre: Romane

Rezension:

Die Underground Railroad war ein aus Gegnern der Sklaverei, Farbigen wie Weißen, bestehendes informelles Netzwerk, das zwischen 1780 und 1862 etwa 100 000 Sklaven bei der Flucht aus den Südstaaten der USA in den Norden unterstützte. Man bediente sich dabei des Vokabulars der Eisenbahn, aber erst Colson Whitehead machte in seinem 2016 in den USA erschienenen, 2017 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Bestseller Underground Railroad aus der Metapher eine wirkliche Eisenbahn mit unterirdischen Gleisen, Dampflokomotiven, Wagen und Bahnhöfen. Diese Drehung ins Phantastische ist eine geniale Idee und hat mich, obwohl ich gewöhnlich keine Fantasy lese, absolut begeistert.

Erzählt wird die Geschichte von Cora, einer jungen, starken Sklavin, deren Großmutter Ajarry aus Afrika verschleppt, mehrfach verkauft, missbraucht und entwürdigt wurde, bevor sie schließlich auf die Randall-Plantage in Georgia kam: „Es gab eine Ordnung von Elend, ein in anderem Elend steckendes Elend, und man musste den Überblick behalten.“ Coras Mutter Mabel gelang als einziger Sklavin der Farm die Flucht, ein Stachel im Fleisch des sadistischen Plantagenbesitzers und des berüchtigten Sklavenfängers Ridgeway. Cora leidet unter dem Verlassenwerden durch die Mutter, hasst sie, wird zur Einzelgängerin. Als auch sie um 1850 flieht, wird eine beispiellose Belohnung ausgesetzt und jeder verfügbare Mann aus der Umgebung schließt sich der Suche an, allen voran Ridgeway. Doch Cora ist auf ihrer Odyssee durch South und North Carolina, Tennessee, Indiana und Richtung Norden nicht alleine, immer wieder kann sie auf die Unterstützung der Underground Railroad zurückgreifen, ein mehr als gefährliches Unterfangen für alle Beteiligten: „So viele von denen, die ihr geholfen hatten, hatten ein schreckliches Schicksal erfahren.“ Immer wieder begegnet sie Ridgeway, der besessen von ihrer Ergreifung ist und seine Schmach im Falle Mabels tilgen möchte. Sie lernt den ganz unterschiedlichen Umgang der Bundesstaaten mit den Farbigen kennen, erlebt in South Carolina, wo die Farbigen „gehütet und domestiziert“ werden, eine relative Freiheit, die keine ist, muss sich in North Carolina monatelang vor der Lynchjustiz auf einem Spitzboden verstecken und findet in Indiana vorübergehend ein Paradies auf einer Farm für Geflüchtete, bis auch dieses Symbol des Aufstiegs der Farbigen zur Zielscheibe wird. Zwischen den Kapiteln mit den Überschriften der Bundesstaaten gibt es kürzere Abschnitte über einzelne Personen, unter anderem Coras Großmutter Ajarry, ihre Mutter Mabel und den mit ihr geflohenen Caesar.

Kein Elend und keine Grausamkeit der Sklaverei erspart uns Colson Whitehead, der sich zum Teil an den in den 1930er-Jahren von der US-Regierung aufgezeichneten Slave narratives orientiert hat. Weit weg von Vom Winde verweht zeigt er die Entmenschlichung und was es heißt, Ware und Eigentum zu sein, sprachlich brilliant und mit differenzierten Charakteren. Doch bleibt seine Darstellung nicht auf die Sklaverei beschränkt, auch die zweite Urschuld der USA, die Enteignung der Indianer, wird thematisiert, und vieles lässt sich problemlos auf andere Unrechtsregime übertragen.

Ganz ohne Zweifel ist Underground Railroad angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen in den USA und einem in Teilen wieder salonfähig gewordenen Rassismus und Nationalismus eine der wichtigsten Neuerscheinungen 2016 in den USA und 2017 in Deutschland. Das heißt für mich allerdings nicht, dass der Roman über alle Kritik erhoben ist. Mich hat vor allem gestört, dass Colson Whitehead immer wieder Begleitumstände der Sklaverei schildert, die es so nicht gab, was in meinen Augen angesichts der belegbaren Gräuel nicht nur völlig überflüssig ist, sondern sogar das tatsächlich stattgefundene Unrecht schmälert. Natürlich handelt es sich bei Underground Railroad nicht um ein Sachbuch, sondern um einen Roman, doch erwarte ich auch hier eine saubere Darstellung der historischen Tatsachen, selbst wenn sich alles, wie der Autor es ausdrückt, „so hätte abspielen können“. 

Trotz dieser Kritik empfehle ich Underground Railroad unbedingt zur Lektüre, denn es ist das richtige Buch zur richtigen Zeit.

http://mit-büchern-um-die-welt.de/colson-whitehead-underground-railroad/

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Tags: sklaverei, underground railroad, usa   (3)
 

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142 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 75 Rezensionen

paris, roman, nanny, familie, kindermord

Dann schlaf auch du

Leïla Slimani , Amelie Thoma
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 21.08.2017
ISBN 9783630875545
Genre: Romane

Rezension:

Frankreich ist im Oktober 2017 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse und aus diesem Grund liegt derzeit ein besonderer Fokus auf der Literatur unseres Nachbarlands. Vor allem eine Neuerscheinung hat dabei mein Interesse geweckt: Dann schlaf auch du, 2016 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, das zweite Buch der 1981 in Rabat geborenen, mit 17 Jahren zum Studium nach Paris übersiedelten Autorin Leïla Slimani. Der Roman stand monatelang auf der französischen Bestsellerliste, was nicht immer selbstverständlich mit der Auszeichnung einhergeht.

Bereits mit dem ersten Satz schlägt Leïla Slimani zu: „Das Baby ist tot.“ Und zwei Seiten später heißt es am Schluss des ersten Kapitels: „Adam ist tot. Mila wird ihren Verletzungen erliegen.“  Zwei tote Kinder, erstochen von der vermeintlich perfekten Nanny - wie konnte es zu dieser Tragödie kommen?

Etwas mehr als 200 Seiten lang berichtet die Autorin nüchtern und ohne zu (ver-)urteilen über die Vorgeschichte des Doppelmords. Sie erzählt von den Eltern, der arabischstämmigen Myriam, der nach der Geburt ihrer Kinder zuhause die Decke auf den Kopf fällt, und die wieder in ihren geliebten Beruf als Anwältin einsteigt, und Paul, dem Musikproduzenten. Als Louise sich bei Ihnen vorstellt, ist es Liebe auf den ersten Blick von Seiten der Eltern und der Kinder. Louise ist die gute Fee, die nicht nur Adam und Mila betreut und letztere bändigt, sie verwandelt die Wohnung in einen hellen, ruhigen, aufgeräumten Ort, kocht für die Familie und deren Gäste und bleibt abends so lange, bis Myriam spät aus dem Büro kommt: „Louise ist da und hält diese fragile Konstruktion aufrecht. Myriam lässt sich bereitwillig bemuttern. Jeden Tag überlässt sie einer dankbaren Louise weitere Aufgaben.“ Und: „Sie ist die Wölfin mit der Zitze, an der sie alle trinken, die verlässliche Quelle ihres Familienglücks.“ Alle beneiden die Familie Massé um diese „Nounou“, doch schlich sich bei mir relativ früh auch ein latentes Gefühl der Bedrohung ein. Und auch Myriam und Paul spüren sie. Louise kommt immer früher und geht immer später, „baut sich beharrlich ihr Nest inmitten der Wohnung“ und übernimmt immer mehr die Kontrolle. Sie ist unverzichtbar und doch träumt Paul schließlich davon, „sich von Louises Herrschaft zu emanzipieren“ und Myriam „würde sie gerne aus ihrem Leben verschwinden lassen“, aber viel zu tief sind bereits die Abhängigkeiten. Dabei wissen die Massés eigentlich kaum etwas über Louise, über ihre finanziellen und familiären Schwierigkeiten, ihre Vergangenheit, ihr Außenseiterdasein als Weiße unter den meist farbigen Nannys und ihre Angst, nicht mehr gebraucht zu werden, wenn Adam in den Kindergarten kommt.

Herausragend an Leïla Slimanis Roman waren für mich die Milieuschilderungen der bürgerlichen Mittelschicht, der Generation Y  und des Prekariats, die fast protokollmäßig wirkende, knappe Erzählweise, bei der es meist nicht einmal Kapitelüberschriften gibt, und das schrittweise einsetzende Gänsehautgefühl, das sich schnell bei mir einstellte und bis zum Ende nicht mehr verschwand.

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Tags: generation y, kinderbetreuung, kindsmord, mittelschicht, paris   (5)
 

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49 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 40 Rezensionen

kinderbuch, magie, zauberer, die drei magier - das magische labyrinth, lunies

Die drei Magier - Das magische Labyrinth

Matthias von Bornstädt , Rolf Vogt
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 18.09.2017
ISBN 9783845816739
Genre: Kinderbuch

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18 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

erstleser, urlaub, kinderbuch, norderney, campingverbot

Die WILMA hat Ferien

Babett Jacobs
Flexibler Einband: 108 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 16.04.2016
ISBN 9781532768521
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Auch wenn es sich bei „Die Wilma hat Ferien“ von Babett Jacobs bereits um den zweiten Band der Reihe handelt, fällt der Einstieg leicht, denn alles Wissenswerte erfährt man im Vorkapitel „Wer ist eigentlich diese Wilma?“.

Wilma ist knapp sieben Jahre alt, hat das erste Schuljahr gut gemeistert und kann nun zum ersten Mal die Sommerferien genießen. Bevor die Familie zum Zelten nach Norderney aufbricht, muss Wilma erst noch einen Krimi mit Frau Gurkes verrücktem Spitz im Supermarkt überstehen, aber dann geht es auch schon los und zum ersten Mal ans Meer. Zwar wird aus dem Zelturlaub der Laiencamper ein Urlaub in der Pension Strandnixe, aber das ist gar nicht so schlimm. Tränen fließen nur zum Abschied, denn der Urlaub war mit den neuen Freunden einfach zu schön, das Essen zu lecker und Norderney zu spannend!

Die kleinen Alltagsabenteuer der sympathischen Wilma sind ruhig und einfühlsam erzählt, es kommt aber nicht allzu viel Spannung auf. Das herstellerisch sehr schön gemachte Buch mit der großen, klaren Schrift, dem angenehmen Zeilenabstand und den einfachen Sätzen richtet sich vor allem an Erstleser. Allerdings sind die Kapitel relativ lang und die Schwarz-Weiß-Illustrationen von illuBine eher spärlich, was zu einer für diese Zielgruppe umfangreichen Textmenge pro Seite führt. Zweitklässler sind deshalb recht gefordert, nicht zuletzt auch wegen schwieriger Wörter wie „Parterrefenster“, „Kirschlorbeersträucher“ oder „Tohuwabohu“. 

http://mit-büchern-um-die-welt.de/babett-jacobs-die-wilma-hat-ferien/

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Tags: ab 7 jahre, erstleser, norderney   (3)
 

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61 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

schuld, frankreich, mord, beklemmend, roman

Drei Tage und ein Leben

Pierre Lemaitre , Tobias Scheffel
Fester Einband: 270 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 09.09.2017
ISBN 9783608981063
Genre: Romane

Rezension:

Frankreich als Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist für mich in den vergangenen Monaten ein wirklicher Gewinn, denn Isabelle Autissiers Herz auf Eis (mare), Leïla Slimanis Dann schlaf auch du (Luchterhand) und nun Pierre Lemaitres Drei Tage und ein Leben (Klett-Cotta) sind absolute Höhepunkte des Literaturjahres 2017.

„Ende Dezember 1999 ging eine überraschende Reihe tragischer Ereignisse auf Beauval nieder...“, ein packender Romanbeginn, mit dem ich sofort mitten im Geschehen war. Am 23. Dezember 1999 verschwindet der sechsjährige Rémi Desmedt spurlos. Das Dorf steht Kopf, allen voran natürlich die verzweifelten Eltern. Keiner ahnt, dass der zwölfjährige Antoine Courtin, ein stiller, sympathischer, zu leichter Depression neigender Einzelgänger, der nie durch Gewalt aufgefallen ist, den Nachbarsjungen, den er eigentlich sehr gern hatte, in einem Anfall blinder Raserei wegen eines von Rémis Vater erschossenen Hundes mit einem Stockschlag im Wald getötet und die Leiche dort versteckt hat: „Von einem unüberwindlichen Gefühl der Ungerechtigkeit erfüllt, war Antoine plötzlich nicht mehr er selbst. Der Effekt der Erstarrung, den Odysseus‘ Tod ausgelöst hatte, verwandelte sich in diesem Moment in Raserei. Blind vor Zorn packte er den Stock...“.

Doch nicht genug, bevor die Suchtrupps ihre Arbeit beenden können, gehen der Sturm Lothar, sintflutartiger Regen und der Sturm Martin über die Region hinweg und hinterlassen nicht nur ein Dorf wie nach einem Bombenangriff, sondern machen auch den Wald unpassierbar. Die Betroffenheit über Rémis Verschwinden verliert schlagartig an Bedeutung: „Nicht nur die Unmöglichkeit, Monsieur Desmedt zu helfen, war bedrückend, sondern auch der Eindruck, dass das Verschwinden seines kleinen Jungen, so tragisch es auch sein mochte, von nun an in den Hintergrund gedrängt würde und es angesichts des Übels, von dem jeder betroffen war, nie wieder eine kollektive Angelegenheit werden würde.“

Über 250 Seiten geht Pierre Lemaitre der Frage nach, wie ein Kind, später ein junger Mann, mit der Schuld leben kann, wie die Angst vor der Entdeckung ihn verfolgt, welche Fluchtphantasien er hegt und wie er sich einige Male fast offenbart.

Der Aufbau des Romans ist strikt chronologisch mit den drei Teilen „1999“, „2011“ und „2015“, die Erzählweise personal aus der Sicht Antoines, also nicht in der Ich-Form. Zu gerne wüsste man mehr über die Gedanken seiner Mutter Blanche, die etwas zu ahnen scheint, des Hausarztes oder den Stand der polizeilichen Ermittlungen, bleibt jedoch auf Mutmaßungen aufgrund von Indizien angewiesen.

Drei Tage und ein Leben ist nicht nur unglaublich packend und voller unerwarteter Wendungen, sondern auch ein meisterhaft erzähltes Psychodrama. Die Szene vor und während des Weihnachtsgottesdienstes, als das ganze Dorf sich in der in der Kirche versammelt, was Lemaitre mit den Worten „Der religiöse Eifer war eine recht saisonale Angelegenheit“ einleitet, ist für sich alleine genommen bereits die Lektüre wert, genauso wie die Beschreibung der Mutter-Sohn-Beziehung und das Verhalten von Blanche im Angesicht der Verstörtheit ihres Sohnes: „Madame Courtin jedoch hatte ihre eigene Methode. Zwischen Tatsachen, die sie störten, und ihrer Vorstellungskraft errichtete sie eine hohe und stabile Mauer, durch die nur eine vage Furcht hindurchdrang, welche sie mittels einer unerhörten Menge an Gewohnheitsgesten und unerschütterlichen Ritualen in Schach hielt.“

Ein absolut empfehlenswerter Roman des 1951 geborenen französischen Autors Pierre Lemaitre, der 2013 für Wir sehen uns dort oben mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, hervorragend übersetzt von Tobias Scheffel.

http://mit-büchern-um-die-welt.de/pierre-lemaitre-drei-tage-und-ein-leben/

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Tags: kindsmord, schuld, sturm lothar   (3)
 

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

irland, ab 7 jahre, märchen, erstleser

Die schönsten Elfenmärchen der Brüder Grimm

Ilse Bintig , Wilhelm Grimm , Ilse Bintig , Ilse Bintig
Fester Einband: 72 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.01.2011
ISBN 9783401097695
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Bei Elfen habe ich bisher eher an Island gedacht, aber es gibt sie offensichtlich auch in Irland. Die Gebrüder Grimm haben die irischen Elfenmärchen, die Thomas Corfton Croker niedergeschrieben und 1825 unter dem Titel „Fairy Legends and Traditions of the South of Ireland“ erstmals veröffentlicht hat, ins Deutsche übertragen. In der Erstlesereihe „Der Bücherbär“ aus dem Arena Verlag wurden fünf von ihnen für Zweit- und Drittklässler bearbeitet, altersgerecht nacherzählt und in Fibelschrift gedruckt.

Folgende Märchen umfasst die Sammlung:

„Die geheimnisvolle Flasche“, in dem Elfen einem armen Pächter aus der Not helfen und den gierigen Gutsherrn bestrafen.
„Der Ritt auf dem Kälbchen“ über erzürnte Elfen, die nachts keine Kuhhirten auf ihrer Wiese dulden.
„Die verwandelten Elfen“ mit dem alten Bauern, der fest an ihre Existenz glaubt und darüber mit zwei Schülern in Streit gerät.
„Fingerhütchen“, in dem die Elfen einen freundlichen und hilfsbereiten jungen Mann von seinem Buckel befreien und einen rücksichtslosen, herrischen Buckligen mit einem zweiten Buckel strafen.
„Das Mädchen und die Spinnerin“ über die schöne Finnja, die nicht spinnen kann, und der die Elfen dazu verhelfen, dass sie es nie wieder versuchen muss.

Sowohl die Handlungen der Märchen, die alle viel Gesprächsstoff bieten, als auch die kindgerechte Auswahl und Bearbeitung von Ilse Bintig und die reichhaltige, eher traditionelle Illustration von Anke Dammann haben mir sehr gut gefallen. Eine sehr empfehlenswerte Klassiker-Bearbeitung für fortgeschrittene Erstleser oder zum Vorlesen ab fünf Jahren und für mich eine Anregung, die Märchen demnächst einmal in der deutschen Originalausgabe der Gebrüder Grimm zu lesen.

 

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Tags: ab 7 jahre, erstleser, irland, märchen   (4)
 

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antarktis, freundschaft, erinnerung, flashbacks, gegenwartsliteratur

Whiteout

Anne von Canal
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei mareverlag, 29.08.2017
ISBN 9783866482470
Genre: Romane

Rezension:

Drei Freunde, so unzertrennlich, dass sie zusammen nur einen Schatten werfen, zehn gemeinsame Kinder- und Jugendjahre, Zukunftspläne für eine Studenten-WG in Hamburg und ein Leben als Polarforscher, herübergerettet aus alten Kindheitsträumen – und dann urplötzlich ein Bruch: „Nichts, was darauf hinwies, warum du uns nicht mehr kennen wolltest.“ Nach einem gemeinsamen Urlaub an der französischen Atlantikküste verabschiedet Fido sich wie immer von den Geschwistern Hanna und Jan, um dann vollkommen aus deren Leben zu verschwinden. 20 Jahre ist das nun her und Hanna, die trotz allem ihren Traum von der Forscherkarriere verwirklicht hat, ist damals emotional eingefroren, einsam geworden, hat das Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit eingebüßt, hat alles weggeräumt, was mit Fido zu tun hatte und sogar den Kontakt zu Jan und ihrer Familie weitgehend abgebrochen. Wie bei einem „Whiteout“, einem meteorologischen Phänomen, das durch stark diffuse Reflexion des Sonnenlichts ein Verschwinden des Horizonts zur Folge hat, hat das abschiedslose Verschwinden Fidos bei Hanna eine Desorientierung ausgelöst, die sie nur mit Hilfe der zielstrebigen Verwirklichung ihres Lebenstraums verdrängen konnte.

Nun leitet sie eine fünfköpfige Antarktisexpedition, bei der an diesem „Außenposten im Grenzbereich des Möglichen“ ein 300 Meter langer Eiskern herausgebohrt werden soll, um „dem Eis seine Geheimnisse zu entlocken“. Und genau hier, wo sie ihren Erinnerungen nicht entkommen kann, erreicht sie die Mail ihres Bruders vom Tod Fidos.

„Whiteout“ ist nach „Herz auf Eis“ und „Everland“ die dritte Neuerscheinung des Jahres 2017 für mich, die in der Antarktis spielt, einer Region, die durch die Diskussion über den Klimawandel immer mehr in den Fokus des allgemeinen Interesses und damit offensichtlich auch der Literatur gerät. Doch die Antarktis ist in Anne von Canals Roman weit mehr als nur Handlungsort, sie ist Metapher für Hannas Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen, aber auch für ihre Einsamkeit und das Eis, das sich nach dem überraschenden Verlassenwerden durch die Freundin gebildet hat. Was hat sie damals übersehen, welche Fehler hat sie gemacht und warum hat Fido so anhaltend geschwiegen? Welche Folgen hat ihr Tod mit knapp 40 Jahren für Hanna? Welche Erinnerungen halten einer kritischen Überprüfung stand? Und was können wir als Leser überhaupt glauben, wo wir doch nur eine, Hannas Sicht auf die Geschehnisse erfahren?

Während in der Antarktis ein Blizzard tobt und das Forschungsprojekt unter einem immer schlechteren Stern steht, kämpft Hanna mit ihrer unbewältigten Vergangenheit. Dass allmählich ein Genesungsprozess in Gang zu kommen scheint, merkt man daran, dass sie zum ersten Mal eine Bemerkung über Fido machen und das zuvor für sie reservierte „du“ für einen anderen Menschen verwenden kann.

Ein sehr stark erzählter, kleiner Roman vor einer beeindruckenden Kulisse, ausdrucksstark, bildreich, mit einem wunderschönen Cover und einem hoffnungsvollen Schlusssatz: „Dies ist ein Ort, an dem Zweifel enden.“

http://mit-büchern-um-die-welt.de/anne-von-canal-whiteout/

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Tags: antarktis, freundschaft, verlassenwerden   (3)
 

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53 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 41 Rezensionen

münchen, krimi, trauer, ex-kommissar, jakob franck

Ermordung des Glücks

Friedrich Ani
Fester Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.09.2017
ISBN 9783518427552
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

So, wie die Katze das Mausen nicht lassen kann, kann Jakob Franck, ehemaliger Hauptkommissar im Münchner Morddezernat, nach seiner Pensionierung nicht aufhören zu ermitteln. Er nimmt eine „inoffizielle Rolle als polizeilicher Hilfsdienstleister und Zuhörer in Notzeiten“ ein, überbringt wie zu seiner aktiven Zeit zur Erleichterung seiner ehemaligen Kollegen Todesnachrichten an Hinterbliebene und längst hat sein Nachfolger André Block begriffen und akzeptiert, „dass sein ehemaliger Chef noch lange nicht pensioniert genug war“.

Im aktuellen Fall Ermordung des Glücks, dem zweiten der Reihe nach dem 2016 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneten Start Der namenlose Tag, informiert Jakob Franck die Eltern des elfjährigen Lennard Grabbe über den Tod ihres vermissten Sohnes. 34 Tage nach seinem Verschwinden an einem Novemberabend bei strömendem Regen hat man die Leiche in einem Waldstück gefunden. Lennard wurde noch am Abend seines Verschwindens durch einen massiven Schlag auf den Kopf getötet, aber nicht missbraucht. Hoffnung auf Spuren gibt es nach so langer Zeit und angesichts der Witterung kaum, doch nicht nur die Soko, sondern auch Franck verbeißt sich in die Auflösung des Falles: „Vier Todesfälle blieben bei seinem Abschied aus dem Dezernat ungeklärt zurück. Er würde nicht zulassen, dass ein fünftes Verbrechen, in dessen Sog er geraten war – oder in den er sich aus freien Stücken begeben hatte -, in einer Akte bei den kalten Fällen endete.“ Außerdem möchte er den Eltern nach der Todesnachricht auch die Mitteilung von der Lösung des Falles überbringen. Eine Zufallsbegegnung? Ein Bekannter des Jungen, der bereits als Exhibitionist und Spanner aktenkundig wurde? Ein familiärer Hintergrund? Fünf verhaftete Crack-Dealer, zwei illegal in einer Brauerei beschäftigte Somalier und ein weiterer Spanner sind das Nebenprodukt der Ermittlungen, aber weit und breit ist kein Motiv und kein Täter im Falle Lennard Grabbe zu finden...

Neben der offiziellen Ermittlungsarbeit von Seiten der Polizei und dem ebenso ungewöhnlichen wie beharrlichen Vorgehen Francks besticht auch in diesem zweiten Fall wieder der Blick in die Abgründe der Gesellschaft und in die bis zu diesem Unglück scheinbar intakte Familienwelt der Grabbes. Die Unvereinbarkeit ihrer Trauer und ihre Sprachlosigkeit sind ständig fühlbar, und die düstere Stimmung wurde nur durch mein unbedingtes Vertrauen in Francks Fähigkeiten nicht übermächtig. Lennard, das einzige, spät geborene Kind, war der Lebensmittelpunkt vor allem der Mutter, die nun in ihren Schmerz versinkt, sich „vor aller Augen in einen Schatten“ verwandelt, jede Hilfe, auch die ihres Mannes und ihres sehr nahestehenden Bruders, ablehnt, und nachdem sie mit ihrem alten Leben abgeschlossen hat nicht weiß, ob sie ein neues beginnen soll.

Ein düsterer Krimi, der sich vom Gros seines Genres abhebt, nicht ganz realistisch, da ein pensionierter Polizist sich mit Sicherheit nicht so in die laufende Ermittlungsarbeit einmischen darf, aber ausgesprochen atmosphärisch, psychologisch interessant und von einer guten sprachlichen wie literarischen Qualität.

http://mit-büchern-um-die-welt.de/friedrich-ani-ermordung-des-gluecks/

 

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Tags: jakob franck, kindsmord   (2)
 

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132 Bibliotheken, 11 Leser, 2 Gruppen, 45 Rezensionen

neapel, freundschaft, italien, freundinnen, klassenkampf

Die Geschichte der getrennten Wege

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 540 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 27.08.2017
ISBN 9783518425756
Genre: Romane

Rezension:

Der Einstieg in Elena Ferrantes dritten Band ihrer neapolitanischen Saga gelang mir wie schon beim letzten Mal trotz einiger Monate Wartezeit problemlos: nach wenigen Seiten war ich wieder eingetaucht in die ungleichen Biografien der Kinderfreundinnen Elena und Lila aus dem neapolitanischen Rione.

Wies das Cover des zweiten Bandes „Die Geschichte eines neuen Namens“ durch den im Sturm wehenden Brautschleier von Lila auf den turbulenten Verlauf ihrer Ehe hin, so wirkt die Mutter mit dem in die Ferne zeigenden Kind auf dem Arm als Titelbild des dritten Bandes „Die Geschichte der getrennten Wege“ ruhig und friedlich. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen, denn weder Elenas noch Lilas Leben verläuft in ruhigen Bahnen. Die soziale Distanz zwischen den beiden Frauen vertieft sich zu Elenas Gunsten nach ihrer Heirat mit dem Universitätsprofessor Pietro Airota aus einer seit Generationen für den Sozialismus kämpfenden Familie der intellektuellen Oberschicht. Kurz vor der Hochzeit und ihrem Wegzug nach Florenz kommen sich Elena und Lila noch einmal näher, als Elena der völlig entkräfteten, in einer Wurstfabrik schuftenden Lila, die dem Wohlstand und Ansehen ihrer unglücklichen Ehe und dem Rione entflohen ist und in einer WG mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Jugendfreund Enzo lebt, zur Hilfe eilt. Dank ihrer neu gewonnenen Beziehungen verschafft Elena Lila Arzttermine, einen Anwalt zur Eintreibung ihres ausstehenden Lohns und Kontakt zu einem Computerspezialisten, der Enzo und Lila den Einstieg in diese neue Branche vermittelt. Doch Lila dankt es ihr am Ende nicht: „Du weißt gar nichts mehr über uns, also halte lieber die Klappe.“ Der Konflikt spiegelt im Kleinen den Konflikt zwischen Studenen und Arbeitern der linken Bewegungen in den 1960er- und 70er-Jahren wider.

Während Lila und Enzo sich in der neuen Digitalbranche hocharbeiten, ist Elena in ihrer Ehe mit einem zwar hochintelligenten, aber „farblosesten aller Akademiker“ gefangen und zum Stillstand verurteilt. Pietro, der größte Probleme an der Florentiner Universität hat, haben ihre Erfolge als Romanautorin nie behagt, er ermutigt sie nicht zu intellektueller Arbeit und zum Schreiben, sieht sie nicht als Partnerin auf Augenhöhe und reduziert sie auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter zweier Töchter.

Band drei der Saga spielt Ende der 1960er- und in den 1970er-Jahren vor der Kulisse der politischen Konflikte und der explosiven  Stimmung in Italien: eskalierende Gewalt zwischen Faschisten und Kommunisten, Spannung unter den Kommunisten, expandierende Mafia-Strukturen, Arbeiterproteste, Studentenunruhen, Terrorismus und Frauenbewegung. Am Ende ist nicht nur die Welt aus den Fugen, sondern auch Elenas Leben. Während sich bei Lila, die in den Rione zurückgekehrt ist und ausgerechnet für den verhassten Mafia-Boss Michele Solare hochbezahlt in dessen neuer Lochkartenfabrik arbeitet, alles zum Besseren zu wenden scheint, stehen bei Elena alle Zeichen auf Sturm.

Obwohl ich auch diesen dritten Teil von Elena Ferrantes erfolgreichem Vierteiler gern gelesen habe, hat er mir doch nicht ganz so gut gefallen wie die beiden Vorgänger. Längen in der ersten Hälfte und die für mich nicht immer nachvollziehbare Schere zwischen Abhängigkeit, Zuneigung, Ablehnung und sogar Hass zwischen den beiden Protagonistinnen haben das Leseerlebnis dieses Mal etwas getrübt. Trotzdem freue ich mich auf das Erscheinen von Band vier und bin selbstverständlich auch dann wieder dabei!

http://mit-büchern-um-die-welt.de/elena-ferrante-die-geschichte-der-getrennten-wege/

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Tags: 1970er-jahre, arbeiterunruhen, frauenbewegung, freundschaft, neapel, studentenbewegung   (6)
 

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

krimi, russland, erast petrowitsch fandorin, moskau, detektiv

Fandorin

Boris Akunin , Andreas Tretner
Fester Einband: 221 Seiten
Erschienen bei Süddeutsche Zeitung, 20.05.2006
ISBN 9783866152434
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Am 13.05.1876 erschießt sich im Moskauer Alexandergarten vor den Augen der entsetzten Spaziergänger der 23-jährige Jurastudent und Alleinerbe eines Millionenvermögens Pjotr Alexandrowitsch Kokorin. Dass dies nicht, wie die Moskauer Neueste Nachrichten berichten, „ein bedauerlicher Vorfall, der vom herrschenden Zynismus unter der heutigen Jugend Zeugnis ablegt“ ist, davon ist der Neuling im Kriminalkommissariat, der 20-jährige Erast Petrowitsch Fandorin, Kollegienregistrator im 14. Beamtenrang, sofort überzeugt. Obwohl sein altgedienter, bequemer Vorgesetzter Xaveri Gruschin diese Meinung keineswegs teilt, erhält der ebenso naive wie eifrige Fandorin die Erlaubnis für weitere Nachforschungen und stürzt sich Hals über Kopf in diese Aufgabe. Sosehr er aber ein Geheimnis hinter dieser vermeintlichen Selbsttötung wittert, sowenig hätte er sich zu Beginn ausmalen können, welchen Umfang seine Ermittlungen schließlich annehmen würden, wie oft er sich gleich einer Katze mit sieben Leben in letzter Sekunde würde retten müssen und welch weltumspannender Verschwörung er mit Hilfe seines innovativen neuen Vorgesetzten schließlich auf die Spur kommt...

Das schüchterne, tollpatschige und ehrgeizige Stehaufmännchen Fandorin ist mir aufgrund dieser Eigenschaften und der ironisch-distanzierten Perspektive des Autors Boris Akunin schnell ans Herz gewachsen. Der erste Band der Reihe ist eine temporeiche Geschichte voller unerwarteter Wendungen, bei der man nie weiß, wer auf welcher Seite steht. Dass die Logik dabei das ein oder andere Mal auf der Strecke bleibt, ist schade, hat mich aber nicht übermäßig gestört. Dafür hat mir die Sprache, die der Handlungszeit angepasst ist, Spaß gemacht, ebenso wie die ironischen Anspielungen auf den Beamtenapparat des Zarenreichs. Mit Grigori Tschchartischwili, Moskauer Philologe, Kritiker, Essayist und Übersetzer aus dem Japanischen, schreibt ein Autor unter dem Pseudonym Boris Akunin diese historischen Krimis, dem man nicht nur seine Belesenheit, sondern auch seine Freude am Schreiben deutlich anmerkt. Das vorliegende Buch erschien im Original 1998, auf Deutsch erstmals 2001, und machte Akunin nicht nur in Russland äußerst populär.

Mir ist Fandorin durch einen glücklichen Zufall im Urlaub in die Hände gefallen. Mehr noch denn als Krimi hat es mir als Porträt der russischen Gesellschaft in der Endphase des Zarenreichs gefallen, und wenn der Aufbau Verlag es als Roman bezeichnet, soll wahrscheinlich genau dieser Aspekt hervorgehoben werden.

http://mit-büchern-um-die-welt.de/boris-akunin-fadorin/

 

 

 

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Tags: erast petrowitsch fandorin, historischer krimi, moskau   (3)
 

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73 Bibliotheken, 7 Leser, 3 Gruppen, 42 Rezensionen

norwegen, krimi, munch, frankreich, mord

Kreuzschnitt

Øistein Borge , Andreas Brunstermann
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.09.2017
ISBN 9783426306048
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Du hast mein Leben zerstört. Jetzt habe ich deins zerstört.“ -  Vor einigen Jahren hat Bogart Bull, Kommissar bei der Osloer Kriminalpolizei, den damals 19-jährigen Richard Torp wegen diverser Sexualdelikte hinter Gitter gebracht, nun, nach seiner Entlassung, hat Torp Bulls Frau und 12-jährige Tochter bei einem provozierten Autounfall getötet. Für Bull stellt sich die Frage, ob er aufgeben oder weitermachen will, und er beantwortet sie zunächst mit einem Absturz in die Alkoholsucht. Zur Retterin wird seine Chefin Eva Heiberg, die nicht nur für einen Therapieplatz sorgt, sondern ihm darüber hinaus ein halbes Jahr nach der Tragödie die Chance auf einen Neubeginn ermöglicht: Er soll als norwegischer Ermittler bei Europol für norwegische Verbrechensopfer im EU-Ausland zuständig sein.

Nachdem Bull die Stelle trotz vielfältiger Bedenken akzeptiert, hat er sofort den ersten Fall auf dem Tisch: An der Côte d’Azur wurde der norwegische Immobilieninvestor und Multimillionär in seinem Haus ermordet und der Leiche posthum ein Kreuzzeichen in den Rücken geschnitten. Gestohlen wurde lediglich ein scheinbar unbedeutendes kleines Ölgemälde, die wertvolle Kunstsammlung dagegen nicht angetastet.

Zusammen mit Kommissar Jean Moulin von der Kriminalpolizei Marseille beginnt Bogart Bull mit den Ermittlungen, die ihn erstmals seit den tragischen Ereignissen wieder aus seiner „heiligen Dreieinigkeit Haus, Grab, Büro“ hinausführen. Um den Fall zu lösen, werden die beiden Ermittler tief in die Vergangenheit blicken müssen, zu einem Künstlertreffen in Cotignac an der Côte d‘Azur im Jahr 1906 mit Henri Matisse, Edvard Munk und fünf anderen Malern des Fauvismus, darunter der junge Santiago Gaillard, zu Gaillards Neubeginn nach dem Tod seiner Frau in der Nähe von Limoges 1918 und zu einem Massaker an einer Gruppe von „Maquisards“, Kämpfern der Résistance, auf dem Gaillard-Hof 1943. Und es wird weitere Tote geben, wieder mit einem Kreuz auf dem Rücken...

Mit Bogart Bull hat der 1958 geborene norwegische Krimiautor Øistein Borge einen sehr sympathischen, vielschichtigen Protagonisten geschaffen. Auch seine verständnisvolle, kluge Chefin hebt sich wohltuend von den sonst oft dümmlichen Vorgesetzten der Ermittler ab. Außerdem hat mir die Idee, den Hauptakteur zukünftig an verschiedenen europäischen Orten einzusetzen, sehr gut gefallen, ebenso wie die nicht selbstverständliche vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Europol-Abgesandten und der französischen Polizei. Allerdings waren mir die Teile in der Vergangenheit etwas zu ausufernd geschildert, obwohl ich mich eigentlich sowohl für die Résistance, als auch für Malerei interessiere.

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Tags: côte d'azur, edvard munch, fauvismus, henri matisse, résistance, skandinavischer krimi   (6)
 

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afrika, der sandmaler, kapitalismus, kolonialismus, fee empfiehlt

Der Sandmaler

Henning Mankell , Verena Reichel
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 21.08.2017
ISBN 9783552058545
Genre: Romane

Rezension:

Das Thema dieses kleinen Romans ist auch über 40 Jahre nach dem ersten Erscheinen noch topaktuell. Die Flüchtlinge aus Afrika führen uns Tag für Tag die anhaltenden Folgen von Kolonialismus und Ausbeutung vor Augen. Dass Henning Mankell dies bereits bei seiner ersten Afrikareise im Jahr 1972 im Alter von 24 Jahren erkannte und auf diese Weise thematisierte, ist sicherlich ein Verdienst. Es war sein zweiter Roman, lange vor den Wallander-Krimis und den großen Afrika-Büchern wie Der Chronist der Winde und Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt geschrieben, und zu Mankells Lebzeiten (1948 – 2015) wurde er nicht ins Deutsche übersetzt. Ich bin mir nicht sicher, ob er diese nachträgliche Veröffentlichung gewollt hätte, zu groß ist der Unterschied zu seinen späteren Romanen.

Zwei junge Schweden stehen im Mittelpunkt der Geschichte: Stefan und Elisabeth. Beide haben gerade Abitur gemacht, hatten während der Schulzeit eine kurze Beziehung, aber während Stefans Zukunft als Sohn reicher Eltern vorgezeichnet ist und sein Weltbild bereits zementiert scheint, ist Elisabeth auf der Suche nach ihrer Bestimmung und offen für neue Eindrücke. So ist auch ihre Motivation für eine 14-tägige Afrikareise, bei der sie sich im Herbst 1972 im Flugzeug zufällig wiederbegegnen, eine ganz unterschiedliche: Stefan möchte Meer, Wärme, schnellen Sex mit Afrikanerinnen und reichlich Alkohol, Elisabeth dagegen will durch diese mutige Reise zu sich selber finden, Neues kennenlernen und Sicherheit gewinnen. Für beide werden sich die Erwartungen schließlich erfüllen: Stefan sieht seine Vorurteile über die Einheimischen auf ganzer Linie bestätigt und lebt seinen blasierten, besserwisserischen Rassismus voll aus, Elisabeth öffnet sich für die Probleme des Landes, kann dank dieser Offenheit auch hinter die Kulissen blicken und kehrt erwachsener zurück.

Viele der politischen und gesellschaftskritischen Themen späterer Romane sind in diesem frühen Werk Henning Mankells bereits erkennbar, allerdings plumper, mit leider wenig differenzierten Charakteren und sprachlich sehr einfach. Schade auch, dass so wenig vom Flair Afrikas zu spüren ist, und dass immer nur ganz pauschal von Afrika die Rede ist, nicht von einem bestimmten Land. Zu deutlich merkt man dem Autor sein Engagement in der schwedischen 68er-Bewegung und seine gute Absicht, Missstände aufzugreifen, an, alles Dinge, die er in späteren Romanen so unvergleichlich besser, obwohl nicht weniger kritisch, beherrschte.

Als ausgesprochener Mankell-Fan bereue ich die Lektüre dieses Frühwerks definitiv nicht und werde ganz bestimmt auch weitere Neuerscheinungen lesen, egal aus welcher Schaffensperiode. Es ist durchaus interessant zu sehen, wie ein Autor zu dem wurde, was er schließlich war, auch wenn, wie in diesem Fall, der Weg dorthin ein wenig steinig war. Wer allerdings noch kein Buch von Henning Mankell gelesen hat, dem würde ich dieses nicht als Einstieg empfehlen.

http://mit-büchern-um-die-welt.de/henning-mankell-der-sandmaler/

 

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Tags: afrika, kolonialismus, rassismus   (3)
 

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antarktis, expedition, everland, überlebenskampf, forschung

Everland

Rebecca Hunt , pociao
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 13.06.2017
ISBN 9783630874630
Genre: Romane

Rezension:

Zwei Feldforschungsexpeditionen in die Antarktis stehen im Mittelpunkt des zweiten Romans der 1979 geborenen Britin Rebecca Hunt. Ging es in ihrem Debüt „Mr. Chartwell“ um Winston Churchill und dessen Depressionen in Gestalt eines schwarzen Hundes, so sind in ihrem 2017 auf Deutsch im Verlag Luchterhand mit einem bestechend schönen Cover erschienen Roman "Everland" menschliche Beziehungen im Angesicht existenzieller Bedrohungen und der Umgang mit der Wahrheit ihr Thema. Abwechselnd und in kurzen Kapiteln erzählt Rebecca Hunt von den einzigen beiden Expeditionen zur fünf Quadratmeilen großen, fiktiven Antarktisinsel Everland, durchgeführt 1913 und zum hundertjährigen Jubiläum 2012.

Im März 1913 bricht vom britischen Dreimaster Kismet aus ein dreiköpfiges Team zur Erforschung der Insel auf: Napps, der erste Offizier und Leiter der Expedition, der erfahrene Matrose Millet-Bass und der vom Kapitän zur allgemeinen Überraschung und Missbilligung ausgewählte Dinners, ein völlig unerfahrener und schwächlicher Wissenschaftler. Nach zwei Wochen soll die Kismet sie wieder abholen, doch steht die Unternehmung von Beginn an unter keinem guten Stern, denn Stürme, Eis und die erforderliche Reparatur der Kismet werfen alle Pläne über den Haufen. Was sich auf der Insel tatsächlich abspielte, meint die Nachwelt aus dem Tagebuch des Kismet-Kapitäns zu wissen und das Drama wurde sogar aufwühlend verfilmt mit einer klaren Einteilung des Teams in Gut und Böse, die sich hauptsächlich auf Napps Aussage in einem Brief an seine Frau stützt: „Es gibt nichts, was ich nicht tun würde, um zurückzukehren, nichts, womit ich nicht leben könnte, wenn es mich nur nach Hause bringt.“

100 Jahre später, im November/Dezember 2012, ist wieder ein Dreierteam unterwegs mit der Aufgabe, die Pinguin- und Robbenpopulation sowie den Gletscher zu untersuchen. Decker, erfahrener Biologe und Leiter der Expedition, die tüchtige Feldassistentin Jess und die vollkommen unerfahrene Wissenschaftlerin Brix. Eine ähnliche Konstellation? Immerhin ist die technische Ausrüstung ungleich besser, es steht nicht der arktische Winter, sondern der Sommer vor der Tür und es besteht ein ständiger Funkkontakt zum Basislager Aegeus. Und doch bleiben die Naturgewalten unberechenbar.

Die wahren Hintergründe der Katastrophe von 1913, die Rebecca Hunt nach und nach enthüllt, waren für mich spannender als die neue Geschichte, auch wenn die zwischenmenschlichen Reibereien aufgrund der Tatsache, dass alles sich nach dem schwächsten Glied der Kette zu richten hat, in beiden Teams interessant waren. Die Frage, ob es sich lohnt, sein Leben aufs Spiel zu setzen, um das eines anderen Menschen zu retten, ist 1913 genauso aktuell wie 2012 und wirkt vor der imponierenden Kulisse des ewigen Eises umso eindringlicher. Bedauert habe ich lediglich die Tatsache, dass es mir kaum gelang, eine empathische Beziehung zu den Protagonisten aufzubauen.

http://mit-büchern-um-die-welt.de/rebecca-hunt-everland/

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Tags: antarktis, expedition   (2)
 

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40 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

spannend bis zum ende, urlaubsliteratur, www.die-rezensentin.de, westfalen, krimi

Mordkapelle

Carla Berling
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.04.2017
ISBN 9783453419964
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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2. weltkrieg, literatursalo, 2017, japa, japaner

Der japanische Liebhaber

Isabel Allende , Svenja Becker
Flexibler Einband: 335 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.09.2016
ISBN 9783518467305
Genre: Romane

Rezension:

Natürlich habe ich sie gelesen, die vernichtenden Kritiken über Isabel Allendes 2015 erschienenen Roman Der japanische Liebhaber. So schrieb Oliver Jungen am 17.09.2015 in der FAZ von „Groschenromanödnis und völkerpsychologischer Nonchalence“, warf Allende „Verpilcherung“ vor, ein „Vorabend-Soap“-Niveau und eine „lustlos ausgedachte Romanhandlung“, die zudem „zu wenig überraschend“ sei. Ralph Hammerthaler bezeichnete das jüngste Werk Allendes am 27.10.2015 in der Süddeutschen Zeitung als „gnadenlos heruntererzählte Trivialliteratur“ und ernannte die Autorin zur „Königin des Kitsches“.

Keines dieser Urteile kann ich nach der Lektüre nachvollziehen, obwohl ich weder Trivialliteratur noch Vorabend-Soaps schätze oder gar einen Hang zum Kitsch habe. Im Gegenteil ist dieser Roman der von mir seit ihrem Debüt Das Geisterhaus von 1982 sehr geschätzten Autorin nach einigen zwar sehr gut gemachten, aber inhaltlich weniger fesselnden Titeln wieder ein Highlight für mich, flüssig und mit großer Stilsicherheit erzählt, anrührend und mit mehrdimensionalen Charakteren, persönliches Schicksal und historische Hintergründe verbindend und voller überraschender Wendungen. Die meisten Autoren wären wahrscheinlich angesichts der Anzahl der aufgegriffenen Themen überfordert gewesen, nicht so jedoch Isabel Allende, die alles mit meisterhafter Leichtigkeit verbindet, so dass es nie zu einer erzählerischen „Abarbeitung“ wird.

Alma Belasco und Irina Bazili lernen sich 2010 in Lark House kennen, einer gehobenen Seniorenresidenz in Kalifornien. Beiden ist gemeinsam, dass sie mit sieben Jahren ihre Heimat verlassen mussten. Alma schickten die Eltern Mendel 1939 aus Polen zu Onkel und Tante nach San Franzisco, Irina kam vor einigen Jahren aus Moldawien zu ihrer Mutter in die USA. Doch während Alma zwar den Verlust ihrer Familie ertragen musste, aber bei Onkel und Tante nicht nur in materiell gesicherte Verhältnisse, sondern auch in eine Familie voller Herzenswärme kam, erlebte Irina bei Mutter und Stiefvater eine Hölle, der sie seither durch ständige Ortswechsel zu entkommen sucht. Bei Alma, die Irina für einige Stunden pro Wochen als Hilfe beschäftigt, findet die junge Frau zum ersten Mal eine Art Ruhe, kann aber der beharrlichen Werbung von Almas Lieblingsenkel Seth nicht nachgeben. Gemeinsam versuchen die Irina und Seth jedoch, Almas Geheimnis auf die Spur zu kommen. Warum ist sie 2010 mit 78 Jahren so überstürzt nach Lark House gezogen, welche Rolle spielten ihre Freunde aus Kindertagen, der Cousin Nathaniel Belasco und Ichimei Fukada, der Sohn des japanischen Gärtners, in ihrem Leben, wer schickt ihr regelmäßig Briefe und Blumen und wohin verschwindet sie immer wieder für einige Tage?

Isabel Allende erzählt die dramatischen Lebensgeschichten von Alma, aber auch von Irina, den Mendels, den Belascos und den Fukudas so flüssig und spannend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und immer wieder überrascht wurde. Alle Facetten von Liebe und Freundschaft werden ausgeleuchtet, emotional, aber nicht melodramatisch und hin und wieder mit der für Isabel Allende so typischen Ironie. Besonders gut gefallen hat mir außerdem der Teil über die Geschichte der japanischen Einwanderer in die USA in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, um die es auch in den tollen Büchern Wovon wir träumten von Julie Otsaka, Keiko von Jamie Ford und Schnee, der auf Zedern fällt von David Guterson geht.

http://mit-büchern-um-die-welt.de/isabel-allende-der-japanische-liebhaber/

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Tags: familienroman, holocaust, homosexualität, japaner, kindesmissbrauch, liebesgeschichte, zweiter weltkrieg   (7)
 

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 3 Rezensionen

bari, italien, krimi, anwalt, stalker

In freiem Fall

Gianrico Carofiglio , Claudia Schmitt (Übers.)
Fester Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.02.2007
ISBN 9783442311330
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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bari, italien, immigranten, anwalt, krimi

Reise in die Nacht

Gianrico Carofiglio , Claudia Schmitt
Fester Einband: 285 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag (HC), 15.02.2006
ISBN 9783442310999
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Normalerweise lese ich Krimis eher selten zweimal. Bei Gianrico Carofiglios Reise in die Nacht habe ich eine Ausnahme gemacht, weil ich mein begeistertes Urteil aus dem Jahr 2007 überprüfen wollte, und kann es nun voll bestätigen. Dabei überzeugt mich neben der  Krimihandlung, bei der es nicht um polizeiliche Ermittlungsarbeit, sondern um einen Strafprozess geht, vor allem auch das Privatleben des knapp 40-jährigen Ich-Erzählers und Anwalts Guido Guerrieri, der sich nach der plötzlichen Trennung seiner Frau und einem depressiven Absturz zurück ins Leben kämpft. 

Dass ihm dieser Schritt gelingt, ist nicht nur seiner neuen Nachbarin Margherita, sondern vor allem dem Fall des senegalesischen Strandverkäufers Abdou Thiam zu verdanken, der beschuldigt wird, einen neunjährigen Jungen ermordet zu haben. Da Thiam die Tat vehement bestreitet, stützt sich die Anklage ausschließlich auf angeblich sichere Indizien und Zeugenaussagen, keine guten Vorzeichen für die Verteidigung, die Guerrieri trotzdem übernimmt.

Gianrico Carofiglio ist wie sein Hauptdarsteller Jurist, allerdings nicht Anwalt, sondern Anti-Mafia-Staatsanwalt in Bari, der Stadt, in der auch seine Guerrieri-Krimis spielen. Für alle, die vor langen  Gerichtsszenen mit Zeugenvernehmungen und ausgeklügelten Plädoyers nicht zurückschrecken, die wert auf eine gute Sprache legen und die einen differenzierten, ehrlichen, sympathischen, emotionalen Helden kennenlernen möchten, der sich, seinen Beruf und seine Mitmenschen schon mal mit viel Ironie und Sarkasmus betrachtet, der ist mit diesem ersten Band der Bari-Krimis bestens bedient.

http://mit-büchern-um-die-welt.de/gianrico-carofiglio-reise-in-die-nacht/

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Tags: bari, gerichtskrimi, guido guerrieri   (3)
 

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Ein Diamant, so groß wie das Ritz

F. Scott Fitzgerald , Jürgen Hentsch , Boris Aljinovic , Kathrin Angerer
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, DAV
ISBN 9783898131759
Genre: Romane

Rezension:

Nachdem ich es immer noch nicht geschafft habe, Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald (1896 – 1940) zu lesen, wollte ich mir mit diesem Hörspiel zu seiner Kurzgeschichte Ein Diamant - so groß wie das Ritz von 1922 wenigstens einen Höreindruck des Autors verschaffen. Leider konnte ich weder der Handlung noch der Hörspielbearbeitung viel abgewinnen.

John T. Unger aus Hades, einer Kleinstadt am Mississippi, besucht ein Eliteinternat in der Nähe von Boston. In den Ferien wird er von Klassenkameraden nach Hause eingeladen, so auch dieses Mal zu den Washingtons nach Montana. Auf dem Weg dorthin eröffnet ihm Percy Washington, dass sein Vater der reichste Mann der Welt ist und ihr Chateau auf einem Berg steht, der aus einem Diamanten von der Größe des Ritz-Carleton besteht. John ist fasziniert und geblendet vom Reichtum seiner Gastgeber und verliebt sich in Percys naive Schwester Kismine. Bald jedoch merkt er, welch schreckliche Dinge sich hinter der prächtigen Fassade abspielen und welch furchtbares Schicksal ihm zugedacht ist. Doch er hat keineswegs die Absicht, sich zu kampflos fügen...

Leider konnten mich die makaberen Vorgänge hinter dem schönen Schein überhaupt nicht packen und die Bedeutung der Geschichte hat sich mir nicht erschlossen. Gut gefallen haben mir die Stimmen von Jürgen Hentsch als Erzähler und Boris Aljinovic als John, nervig fand ich dagegen Kathrin Angerer als Kismine. Die Klänge der E-Gitarre passen für mich nicht zu einer Handlung in den 1920er-Jahren, sind mir teilweise im Vergleich zu den Stimmen zu laut, so dass ich mehrmals regelrecht hochgeschreckt bin, und haben mich – soweit sie parallel zu den Sprechern zu hören waren – sogar ausgesprochen beim Zuhören gestört. Sehr gut gelungen, da informativ und schön gestaltet, ist dagegen das Booklet.

Alles in allem hat mich das 49-minütige Hörspiel in zwei Absichten bestärkt: Erstens werde ich irgendwann doch noch Der große Gatsby lesen, um mir ein Urteil über F. Scott Fitzgerald zu bilden, und zweitens in Zukunft wieder bei den von mir sowieso deutlich bevorzugten Lesungen bleiben.

http://mit-büchern-um-die-welt.de/f-scott-fitzgerald-ein-diamant-so-gross-wie-das-ritz/

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