Barbara62s Bibliothek

697 Bücher, 662 Rezensionen

Zu Barbara62s Profil
Filtern nach
697 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

15 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

liebe, freude, krankheit, veränderungen, vergangenheit

Die andere Schwester: Roman

Kristin Hannah
E-Buch Text: 515 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 16.02.2018
ISBN 9783841215314
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

Letzte Fahrt nach Königsberg

Ulrich Trebbin
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei btb, 19.03.2018
ISBN 9783442757763
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

39 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

Idaho

Emily Ruskovich , Stefanie Jacobs
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 19.02.2018
ISBN 9783446258532
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

einhorn, bilderbuch, identität, ab 3 jahre

Das kleine Walhorn

Nadine Mannchen , Jessie Sima
Fester Einband
Erschienen bei Loewe, 12.02.2018
ISBN 9783743200173
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Nach „Emmi und Einschwein“ von Anna Böhm aus dem Oetinger Verlag gibt es jetzt im Loewe Verlag „Das kleine Walhorn“ von Jessie Sima. Beide Titel nehmen das gerade so beliebte Einhorn-Thema auf, gehen aber wesentlich kreativer, humorvoller und vor allem kitschfreier damit um als die einschlägigen Mädchenbuch-Serien.

 

Wer wünscht sich nicht eine so entspannte Familie, die angesichts des ganz und gar aus der Art geschlagenen Nachwuchses total cool bleibt? Nori, der kleine Narwal-Sohn, hat einen viel zu kurzen Stoßzahn, das Narwal-Essen schmeckt ihm nicht und er ist ein lausiger Schwimmer. Doch nachdem es seine Familie nicht stört, beschließt Nori, dass auch ihm seine Andersartigkeit nichts ausmacht.

 

Vielleicht wäre es immer so weitergegangen, wenn Nori nicht eines Abends von einer Strömung erfasst worden wäre, die ihn Richtung Land spülte. Und was stand dort auf dem Felsen vor dem Vollmond? Ein geheimnisvolles Glitzerwesen, das genau aussah wie er. Ein Land-Narwal?

 

Das bezaubernd illustrierte Bilderbuch von Jessie Sima, in dem alle Tiere stets ein Lächeln auf den Lippen tragen, bringt bereits Kindern ab drei Jahren die Themen Toleranz, Identität, Zugehörigkeit und Familie auf sehr verständliche, kindgerechte Weise nahe. Die teils großformatigen, teils wie eine Filmsequenz gezeichneten Illustrationen passen wunderbar zu den kurzen, oft witzigen Texten und Sprechblasen. Ein ebenso einfaches wie geniales Happy End sorgt dafür, dass Nori sich nicht zwischen Meer und Land entscheiden muss. Auf einer Doppelseite am Ende des Buches vereinen sich das Beste und Witzigste aus dem Meer und vom Land – allein für diese wimmelige Illustration lohnt sich das Vorlesen und Anschauen schon!


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/jessie-sima-das-kleine-walhorn/

  (37)
Tags: ab 3 jahre, bilderbuch, einhorn, identität   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

14 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

afrika, drache kokosnuss, berichte, kinder, abenteuerlich

Der kleine Drache Kokosnuss bei den wilden Tieren

Ingo Siegner , Ingo Siegner
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei cbj, 24.07.2017
ISBN 9783570174227
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Der kleine Drache Kokosnuss bei den wilden Tieren“ ist bereits der 25. Band der Abenteuerreihe, für mich war es jedoch der erste. Zwei positive Entdeckungen habe ich gleich zu Beginn gemacht: Erstens kann man ohne Probleme auch mit diesem Band einsteigen, weil alle notwendigen Erläuterungen eingeflochten werden, und zweitens hatte ich überhaupt nicht den Eindruck, dass hier einfach noch ein weiterer Band an eine gut laufende Serie angehängt wird. Im Gegenteil strahlt das Buch eine große Schaffensfreude von Ingo Siegner aus, der sowohl für den Text als auch die Illustrationen verantwortlich ist.

 

Die Handlung spielt dieses Mal nicht zuhause auf der Dracheninsel, sondern vielmehr in Afrika. Dorthin begleiten der kleine Feuerdrache Kokosnuss und der Fressdrachenjunge Oskar ihren Austauschschüler, den Affenjungen Jojo mit der roten Brille, der ohne Punkt und Komma redet und immer wieder zum Luftholen ermahnt werden muss. In Jojos Heimat möchten sie nicht nur Abenteuer erleben und die dortigen Tiere kennenlernen, sondern auch ihre Freundin, das Stachelschwein Matilda besuchen, die im Gegenzug bei Jojos Familie wohnt. Die Erlebnisse mit den Löwen, Nashörner und Büffeln in der Savanne sind noch vergleichsweise harmlos, aber als sie den großen Stinkstiefel des Regenwalds, die Übelgurke schwarzer Panther treffen, ist nicht nur Matilda in Lebensgefahr, denn er droht, alle die vier Freunde zum Abendessen zu verspeisen. Ein Glück, dass Kokosnuss nicht nur eine Idee, sondern gleich auch noch einen Plan B hat...

 

Neben der spannenden Abenteuerhandlung hat mir vor allem das Spiel mit den Sprichwörtern, bekannten wie erfundenen, Spaß gemacht. Die Witze sind einerseits kindgerecht, doch kommen durchaus auch die erwachsenen Vorleser auf ihre Kosten. Die Moral der Geschichte, dass mehrere Kleine vereint und mit Einfallsreichtum auch gegen scheinbar übermächtige Gegner ankommen und am Ende sogar alle zufrieden sein können, ist sehr geschickt in die Geschichte verpackt, genauso wie einige interessante Informationen über die Tiere Afrikas. Die unterschiedlich großen, detailreichen, fröhlich-bunten Illustrationen machen Lust auf kleine Entdeckungen über den Text hinaus.

 

Ich kann diesen Band ohne Einschränkungen zum Vorlesen für das Kindergartenalter, zum Selberlesen bei einer beachtlichen Textmenge, jedoch in großer Schrift, für geübte Leser ab der zweiten Klasse empfehlen.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/ingo-siegner-der-kleine-drache-kokosnuss-bei-den-wilden-tieren/

  (10)
Tags: ab 5 jahre, afrika, erstleser   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

29 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

finnland, brüder, familie, mutter-sohn-beziehung, schären

Nachsommer

Johan Bargum , Karl-Ludwig Wetzig
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei mareverlag, 13.02.2018
ISBN 9783866482609
Genre: Romane

Rezension:

Das ungleiche Brüderpaar Olof und Carl Axelsson steht im Mittelpunkt des kleinen Romans von Johan Bargum, geboren 1943 und einer der bekanntesten finnlandschwedischen Autoren. Mit sparsam gesetzten Worten und in kleinen, einfachen Sätzen erzählt der Ich-Erzähler Olof von der Wiederbegegnung mit Carl am Totenbett der Mutter nach langem Schweigen. In den späten Augusttagen, während die Mutter im Ferienhaus auf Vidarnäs, einer Schäre im Gürtel von Sibbo, dahinsiecht, rekapituliert Olof mit wenigen Strichen sein ganzes bisheriges Leben. Nach dem frühen Tod des Vaters stand er immer im Schatten seines jüngeren, aber ab der Pubertät größeren, stärkeren, charmanteren und durchsetzungsfähigeren Bruders, der von der Mutter stets bevorzugt wurde. Carl erinnerte sie an ihren Mann, weswegen sie ihn stets gegen Olof verteidigte, ihn über die Maßen beschützte, ihn aber auch mit ihrer Liebe erdrückte und einengte, eine unheilvolle Beziehung. Olof hatte und hat eine Höllenangst vor dem Bruder, ließ sich von ihm den Schneid abkaufen und fasste auch nach dem frühen Weggang aus dem Elternhaus nie richtig Fuß im Leben. Während Carl erfolgreich die Handelshochschule absolvierte, Karriere in der IT-Branche in den USA machte und heiratete, brach Olof sein Studium ab, hatte halbherzige Affären, litt unter den eigenen Schwächen und seinem Phlegma. Nur einmal hätte er seinem Leben vielleicht eine andere Wendung geben können, doch damals, vor dreizehn Jahren, hat er aus Feigheit und Angst gekniffen und Carls Verlobte Klara, mit der er drei unvergessliche Tage und Nächte verbracht hatte, mit dem Bruder in die USA auswandern lassen.

 

Johan Bargums Roman „Nachsommer“ ist eine der kleinen Perlen des Literaturbetriebs, nach denen ich immer suche, die aber so schwer zu entdecken sind. Wieder einmal ist es ein Buch aus Skandinavien, herausgegeben vom mareverlag, nach "Eis" der Finnlandschwedin Ulla-Lena Lundberg die zweite Übersetzung von Karl-Ludwig Wetzig, die mich so stark berührt und eine so große Schönheit ausstrahlt. Die melancholische Atmosphäre der spätsommerlichen Schärenlandschaft, die leise Schilderung großer Gefühle in verdichteter Erzählweise mit Raum für eigene Deutungen, die Aufdeckung von Lügen und das Erkennen eigener Unzulänglichkeiten liefen wie ein Film vor meinen Augen ab.

 

Erzählt wird nicht, wie es nach diesen Spätsommertagen weitergeht, sondern nur, unter welchen veränderten Vorzeichen es weitergeht. Einige Parameter im Leben der Protagonisten sind andere geworden, aber ob sie etwas daraus machen können, bleibt unserer Fantasie überlassen.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/johan-bargum-nachsommer/

 

  (40)
Tags: brüder, familiengeschichte, finnland, liebesgeschichte, mutter-sohn-beziehung, schären   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

59 Bibliotheken, 20 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

schlesien, gerhart hauptmann, 2. weltkrieg, vertreibung, nachkriegszeit

Wiesenstein

Hans Pleschinski
Fester Einband: 552 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 06.02.2018
ISBN 9783406700613
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

butler, england, britischer adel, zweiter weltkrieg

Was vom Tage übrig blieb

Kazuo Ishiguro , Hermann Stiehl , Gert Heidenreich
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, 18.12.2017
ISBN 9783837142426
Genre: Romane

Rezension:

Vieles hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Leben des altgedienten Butlers Stevens auf dem englischen Landsitz Darlington Hall verändert. Auf Lord Darlington, dessen Familie über 200 Jahre im Besitz des Gutes war, ist ein amerikanischer Eigentümer gefolgt. Neuartige Pflichten, ein leichterer Umgangston und ein auf ein Minimum reduzierter Stab von Bediensteten stellen völlig neue Anforderungen an ihn, denen er sich als Mensch mit einer natürlichen Abneigung gegen Veränderungen nur schwer gewachsen fühlt. 

 

Im Juli 1956 schlägt sein neuer Arbeitgeber ihm vor, während seiner Abwesenheit eine kleine Reise zu unternehmen, und gestattet ihm sogar die Nutzung seines Automobils. Nach längerem Zögern nimmt Stevens an und beschließt, die in den 1930er-Jahren als Haushälterin in Darlington Hall beschäftigte Miss Kenton in Cornwall zu besuchen und eventuell zu einer Rückkehr zu bewegen. Die sechstägige Reise ohne dienstliche Verpflichtungen gibt ihm die Zeit, über sein Leben, verpasste Gelegenheiten, seinen Stolz auf die geleistete Arbeit in einem vornehmen Haus, in dem die Großen ein und ausgingen und er der Narbe am Rad der Geschichte oft sehr nahe kam, aber auch über seine bedingungslose Loyalität zu einem Dienstherrn, der auf zweifelhafte Weise in die Politik zwischen den Weltkriegen verstrickt und nach 1945 ein gebrochener Mann war, nachzudenken. Und immer wieder beschäftigen ihn auch seine beiden Lieblingsthemen: die Würde des Butlers und die Frage, wann ein Butler ein Großer seines Fachs ist.

 

Gert Heidenreich ist für mich einer der besten deutschen Hörbuchsprecher, so auch bei dieser glücklicherweise ungekürzten Lesung von Kazuo Ishiguros Roman „Was vom Tage übrig blieb“ mit etwa zehn Stunden auf acht CDs, in denen er dem Butler seine Stimme leiht. Vor allem bei den Dialogen zeigt er sein großes Können, aber auch bei den ungewollt komischen Szenen des Berichts. Obwohl der Funke bei mir noch nicht von Beginn an übergesprungen ist, denn ich musste mich an die äußerst umständliche, verlangsamte Denk- und Erzählweise von Stevens erst gewöhnen, hat mich die Tragik seines verpassten Lebens und der bedingungslosen Unterordnung immer mehr gepackt. Mehrfach musste ich an Mr. Carson, den Butler auf Downton Abbey, denken, der wohl ähnlich empfand und formulierte wie Stevens, aber eine ungleich leichtere Aufgabe hatte. Beide verkörpern für mich den englischen Butler schlechthin, loyal bis zur Selbstaufgabe.

 

Kazuo Ishiguro, geboren 1954 in Nagasaki und britischer Schriftsteller japanischer Herkunft, hat 2017 den Literaturnobelpreis unter anderem für diesen außergewöhnlichen Roman erhalten, der 1989 bereits mit dem Booker Prize ausgezeichnet wurde. Wer Spaß an den feinen Nuancen der Sprache, Sinn für das britische Lebensgefühl und ein bisschen Ausdauer hat, wird dieses Hörbuch garantiert mögen.

  (36)
Tags: britischer adel, butler, england, zweiter weltkrieg   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

ungarn, italienreise, todessehnsucht, pubertät, liebe

Reise im Mondlicht

Antal Szerb
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 15.10.2007
ISBN 9783866047563
Genre: Romane

Rezension:

Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs befindet sich Mihály, ein Mann Mitte 30, mit seiner Frau Erzsi auf Hochzeitsreise durch Italien. Sie hat seinetwegen ihren Mann, der sie glühend liebt, verlassen. Während Mihály, der nach seinem Studium der Religionswissenschaften nicht ganz freiwillig in das Budapester Familienunternehmen eingestiegen ist, mit ihr seine Konformität bestätigen will, sucht Erzsi in Mihály eben das Unangepasste.


Zu Beginn ihrer Reise in Venedig scheint noch alles gut zu laufen, doch dann treffen sie in Ravenna János Szeptneki, einen ehemaligen Klassenkameraden Mihálys, den er nie besonders schätzte. Mit ihm kommt die Erinnerung an die Jugend zurück, vor allem an die Freundschaft mit dem aus so anderen Verhältnissen entstammenden Tamás Ulpius und dessen exaltierter Schwester Éva. Die Erinnerung an die Jugend und an alles, was hätte sein können, kehrt mit solcher Macht zurück, dass Mihály - absichtlich oder unabsichtlich - in Terontola in den falschen Zug steigt und die Reise ohne Erzsi fortsetzt. Die Schatten der Vergangenheit lassen ihn nun nicht mehr los.


An der Stimme von Heikko Deutschmann, der die im Text durchaus vorhandene Ironie bei der gekürzten Lesung auf fünf CDs in 398 Minuten sehr gut zur Geltung bringt, hat es nicht gelegen, dass dieser ungarische Klassiker von Antal Szerb (1901 – 1945) aus dem Jahr 1937 mich nicht mitreißen konnte. Vielmehr waren es die Voraussehbarkeit der Handlung, der sehr konstruierte Romanaufbau mit den sich aneinanderreihenden Zufällen, die wie mit der Schablone gezeichneten Personen und der mir unsympathische Protagonist, die mir das Zuhören etwas verleidet haben. Selbstmitleid, andauernde Nabelschau und Ich-Bezogenheit liegen mir weder bei realen Menschen noch bei Romanfiguren. Auch die morbide Todessehnsucht, die über dem Roman liegt, ist nicht nach meinem Geschmack. Sehr interessant war dagegen die beschriebene Reise durch Italien, die mich für den Rest teilweise entschädigt hat.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/5327-2/

  (66)
Tags: eheroman, italienreise, pubertät, todessehnsucht   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

trennung, schmerz, scheidung, familie, italien

Vier Schwestern

Joanna King , Juliane Zaubitzer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei mareverlag, 13.02.2018
ISBN 9783866482685
Genre: Romane

Rezension:

Eine junge Frau, gemalt vom amerikanischen Pop Art-Künstler Alex Katz, schmückt das Cover des Debütromans „Vier Schwestern“ der in Neuseeland geborenen Autorin Joanna King. Es scheint die jüngste der vier Schwestern sein, die namenlose, in London lebende Ich-Erzählerin. Ihre Augen sind hinter der Sonnenbrille nicht zu erkennen, ihr Gesichtsausdruck ist ein wenig geheimnisvoll. Aus ihrer Sicht erfahren wir, was sich beim Treffen der vier Schwestern in der malerischen Landschaft der Cinque Terre abgespielt hat. Aber nicht nur das, auch Rückblicke in die Jugend gewährt sie uns und berichtet, wie es nach dem Treffen für sie und die zweitjüngste Schwester Rose weitergegangen ist.

 

Rose war die Initiatorin des Wiedersehens nach langer Zeit. Sie, die mit ihrem amerikanischen Ehemann in Florenz lebt, hatte die beiden älteren Schwestern Jess und Ngaio aus Neuseeland und – mit einigen Schwierigkeiten – auch die Ich-Erzählerin für zwei Wochen in den Küstenort Corniglia gelockt. Ungeachtet alter Spannungen, die sich aus ihrer Verschiedenheit, aber vor allem auch der Trennung der Eltern und der unterschiedlichen Parteinahme der Schwestern ergab, sollte ein entspanntes Wiedersehen gefeiert werden. Anders als die drei älteren Schwestern bezieht die Ich-Erzählerin aus Vorsicht eine separate Unterkunft und vermeidet von Beginn an, mit Jess und Ngaio alleine Zeit zu verbringen. Rose und sie blieben damals im Alter von 17 bzw. 14 Jahren bei der traumatisierten Mutter zurück, als der Vater nach jahrelangen Auseinandersetzungen die Familie verließ, und sie teilen ihre Geheimnisse. Jess und Ngaio wohnten bei der Trennung der Eltern vor 20 Jahren bereits nicht mehr zuhause und hatten einen anderen Blick auf die Ereignisse. Jess, als erklärter Liebling des Vaters, schlug sich eindeutig auf dessen Seite und gibt der Mutter bis heute die Schuld an der „Vertreibung“ des Vaters.   

 

Eine Woche lang geht alles gut, nach der Wiedersehenseuphorie bleiben Streitereien zunächst aus. Doch dann verschwindet plötzlich Rose. Alles scheint möglich: ein absichtliches Verschwinden, ein Missverständnis, ein Unfall oder sogar Selbstmord. Nicht nur über die Bedeutung und die Gründe für ihr Verschwinden herrscht Uneinigkeit unter den drei Zurückgebliebenen, plötzlich sind alle alten Konfliktpunkte wieder da.

 

Sosehr es sich anhört, als ob das zentrale Thema dieses teilweise sehr fesselnden Romans die Spannungen unter den Schwestern wäre, für mich standen vielmehr die Themen „Verlassen“ und „Verlassenwerden“ im Mittelpunkt. Jede der vier Protagonistinnen und der Personen in ihrem Umfeld hat solches erlebt, alle haben unterschiedlich darauf reagiert und Verletzungen davongetragen, die nicht verheilt sind.

 

Gehadert habe ich manchmal mit der strikten Ich-Perspektive, zu gerne hätte ich auch die Sicht von Jess und Ngaio oder die eines neutralen Beobachters erfahren.

 

Ich kann diesen stilistisch guten Roman, den ich gerne gelesen habe, allen empfehlen, die die pittoreske Landschaft der Cinque Terre erleben, in die Dynamik menschlicher Beziehungen eintauchen und über viele interessante Sätze nachdenken möchten, und die nicht erwarten, dass am Ende jeder Schicksalsfaden abschließend verknüpft ist.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/joanna-king-vier-schwestern/

  (63)
Tags: cinque terre, familiengeschichte, trennung   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(13)

27 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

einsamkeit, kindheit, erinnerung, familie, wortlosigkeit

Ein schönes Paar

Gert Loschütz
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 06.02.2018
ISBN 9783895611568
Genre: Romane

Rezension:

Normalerweise schätzen Autoren die Frage nach der autobiografischen Grundlage ihrer Romane nicht, im Falle von „Ein schönes Paar“ von Gert Loschütz ist dagegen bekannt, dass die Geschichte auf dem elterlichen Schicksal basiert. Der Schöffling Verlag hat den Roman, in dem es aufgrund der „Wortlosigkeit“ der Protagonisten viele Lücken und Vermutungen gibt, mit einem sehr stimmigen Cover versehen, das genau diese Sprachlosigkeit ausstrahlt.

 

Als die Eltern des Ich-Erzählers Philipp Karst kurz hintereinander versterben, der Vater Georg in seinem Haus, die Mutter Herta in einem Altersheim, löst das bei ihm den Wunsch aus, ihrem Leben noch einmal nachzuspüren. Einst galten sie als „schönes Paar“, die letzten über 40 Jahre jedoch lebten sie getrennt. Der Sohn, Fotograf, meint, „dass das ganze Erzählen nur einen einzigen Sinn hat: die auf keinem Film überlieferten Bilder aufzubewahren.“ Ich hatte darüber hinaus den Eindruck, dass er auf der beharrlichen Suche nach einem Hinweis für eine Annährung zwischen ihnen war, entgegen aller sichtbarer Zeichen, und es scheint am Ende nicht ganz ausgeschlossen, dass er ihn gefunden hat.

 

Gert Loschütz siedelt den Beginn der Geschichte in der fiktiven Kleinstadt Plothow in Brandenburg an, wo sich die Eltern 1939 kennenlernten. Herta, die hübsche, modeaffine junge Schneiderin, träumte von einer Karriere als Mannequin, Georg war Berufssoldat und sofort verliebt. 1942 wurde geheiratet, 1945 kam Georg aus dem Krieg zurück nach Plothow, etablierte sich auf einer leitenden Stelle im örtlichen Stahlwerk und wurde Parteimitglied. Während Herta aus Angst vor der DDR-Politik ihre Zukunft im Westen sah, wäre Georg geblieben, wenn ihn im Frühjahr 1957 nicht ein brandgefährlicher Brief zur überstürzten Flucht gezwungen hätte. Herta kam mit dem Sohn Philipp nach, das ersparte Geld in Form einer hastig erstandenen Exakta-Kamera im Gepäck, ein Kauf, der eine Kette von Ereignissen auslöste und kurz darauf in der neuen Heimat Tautenburg zum endgültigen Bruch führte. 29 Jahre blieb die Mutter fern und schickte nur Karten ohne Absender an den Sohn, bevor sie überraschend in den Ort zurückkehrte und schließlich nach einem psychischen Zusammenbruch im Heim landete.

 

Der Ich-Erzähler steht beiden Eltern distanziert gegenübersteht, nennt sie beim Vornamen, führte nie mehr als oberflächliche Gespräche mit ihnen und geht selbst keine feste Beziehung ein. Dass er mehr für sie empfand, konnte ich lediglich aus der Tatsache erahnen, dass er sich ihre Wiederannäherung so sehr wünschte.

 

Dass Gert Loschütz nicht nur Romane, sondern auch Gedichte verfasst, wird an vielen Stellen im Text sichtbar, seine Tätigkeit als Drehbuchautor spürt man besonders während der dramatischen Szenen kurz vor und während Georgs Flucht in den Westen, die besonders gelungen sind. Schade nur, dass Philipp die Geschichte gar so sachlich erzählt, ein bisschen mehr Empathie hätte ich mir gewünscht.

 

Viele offene Fragen haben die Eltern mit ins Grab genommen, trotzdem ist der Roman sehr interessant zu lesen und daher empfehlenswert.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/gert-loschuetz-ein-schoenes-paar/

  (54)
Tags: ddr, eltern-kind-beziehung, familiengeschichte, flucht, liebesgeschichte   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(50)

117 Bibliotheken, 11 Leser, 3 Gruppen, 36 Rezensionen

neapel, italien, neapolitanische saga, band 4, elena

Die Geschichte des verlorenen Kindes

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 614 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 02.02.2018
ISBN 9783518425763
Genre: Romane

Rezension:

Mit Bedauern und ein bisschen Wehmut habe ich nach gut 2200 Seiten den vierten und letzten Band von Elena Ferrantes Neapolitanischer Saga zugeklappt. Von der Kindheit in den 1950er-Jahren an habe ich die beiden ungleichen Freundinnen Elena und Lila bis etwa 2010 begleitet, als Lila ihr lange angekündigtes Verschwinden in die Tat umsetzte. Den ersten Band, „Meine geniale Freundin“, über die Kindheit der beiden habe ich verschlungen und auch Band zwei, „Die Geschichte eines neuen Namens“, hat mir ausgezeichnet gefallen. Bei Band drei, „Die Geschichte der getrennten Wege“, der größtenteils nicht in Neapel spielt, habe ich mich aufgrund einiger Längen etwas schwerer getan, aber mit Band vier, „Die Geschichte des verlorenen Kindes“, ist Elena Ferrante in meinen Augen ein ausgezeichneter Abschluss gelungen. Das liegt vor allem daran, dass mit der Rückkehr Elenas zunächst nach Neapel, dann sogar in den Rione, alle früheren Fäden wiederaufgenommen werden und man erfährt, wie es den Kameraden aus der Kindheit weiter erging. Außerdem bewegt in diesem Teil Lilas Schicksal tief, ihr nach einem großen Unglück unstillbarer Schmerz, der letztlich in ihr (fast) vollkommenes Verschwinden mündet.

 

Wie zuletzt in Band eins sind auch im Abschlussband wieder beide Freundinnen auf dem Cover zusammen abgebildet. Nachdem Elena, inzwischen erfolgreiche Schriftstellerin, Vorreiterin der Frauenbewegung und berufstätige Mutter zweier Töchter, ihren Mann und Florenz 1979 für ihre Jugendliebe Nino Sarratore verlassen hat und in ihren Geburtsort zurückgekehrt ist, sind die beiden Freundinnen und Rivalinnen wieder vereint. Beide erwarten zur selben Zeit ein Kind, stehen gemeinsam das große Erdbeben von 1980 durch und nach den Geburten von Imma und Tina ziehen sie ihre fünf Kinder gemeinsam auf. Wie von ihrer Ex-Schwiegermutter und Lila prophezeit, erweist Nino sich als Frauenheld, der seine Ehe nicht aufgibt, seine Frau erneut schwängert und seine Geliebten vor allem nach der Nützlichkeit ihrer Kontakte wählt. Als Elena ihm unter großer Trauer endgültig den Laufpass gibt, geht sie in den Rione zurück und bezieht die Wohnung direkt über Lila. Eine Zeit relativer Ruhe kehrt ein bis zu jenem denkwürdigen Tag im September 1984, der alles verändert.

 

Elena Ferrante hat in die Geschichte um Elena und Lila wieder die politische und gesellschaftliche Entwicklung Italiens eingewoben, den Terrorismus, die mafiösen Strukturen, die Verbreitung von Drogen, die abgehobenen diskutierenden linken Bildungseliten, die Frauenbewegung und den Kampf der Parteien um die Macht. Doch in erster Linie habe ich diesen Band als Biografie zweier gegensätzlicher Frauen und einer ebenso strahlenden wie finsteren Freundschaft regelrecht verschlungen. Dass ich nie am Wahrheitsgehalt von Elenas Worten gezweifelt habe, liegt an der bewusst nüchternen Sprache, die Elena Ferrante gewählt hat. Dies sowie die gelungene Gesamtkomposition, die durch den vierten Teil perfekt abgerundet wird, sind die herausragenden Kennzeichen dieses Werkes. Dank und Anerkennung gebührt darüber hinaus Karin Krieger, die zwei Jahre an der Übersetzung der Tetralogie gearbeitet hat.

 

„Wozu sind nun alle diese Seiten gut gewesen?“ fragt Elena im Epilog. Zum ersten hat sie das zu Beginn des ersten Bandes gesetzte Ziel erreicht, Lila nach ihrem plötzlichen Verschwinden dem Vergessen zu entreißen – trotz ihres Versprechens, nie über sie zu schreiben. Und zweitens hat sie mich und viele Millionen Leser auf der ganzen Welt damit aufs Beste unterhalten.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/elena-ferrante-die-geschichte-des-verlorenen-kindes/

  (36)
Tags: emanzipation, freundschaft, neapel   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

sachgeschichten, ab 5 jahre

Warum brauchen Haie keinen Zahnarzt?

Christian Dreller , Petra Maria Schmitt , Heike Vogel
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Ellermann, 23.01.2013
ISBN 9783770740178
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Kinderfragen sind berüchtigt und nicht selten blamieren wir Erwachsenen uns beim spontanen Antwortversuch. Auch bei den 22 Kinderfragen in diesem Sachbuch hätte ich teilweise keine allzu gute Figur abgegeben, und selbst wenn ich sie hätte beantworten können, dann bestimmt nicht so unterhaltsam und kindgerecht wie Petra Maria Schmitt und Christian Dreller. Die beiden Autoren kombinieren die Sachinformationen mit Rahmengeschichten, die die Fragen logisch entwickeln und in eine Alltagssituation aus der Erlebniswelt der Kinder einbetten.


Anworten gibt es in diesem Band auf folgende Fragen:


Warum brauchen Haie keinen Zahnarzt? Kann man im Hanstand essen und trinken? Können sich Pflanzen unterhalten? Warum bekommen Pinguine keine kalten Füße? Warum haben Indianer keinen Bart? Warum fallen Vögel beim Schlafen nicht vom Baum? Wieso sehen Fledermäuse mit den Ohren? Warum knurrt manchmal unser Magen? Warum gibt es so viele Sprachen? Warum heben Hunde beim Pipimachen ihr Bein? Brauchen Eskimos Kühlschränke? Warum haben Giraffen so einen langen Hals? Warum können Schiffe schwimmen? Wie kommen die Streifen in die Zahnpasta? Warum bekommen wir einen Schluckauf? Ist das Faultier wirklich faul? Wie entstehen Blitz und Donner? Warum spucken Vulkane Feuer? Warum haben Kamele einen Höcker? Warum haben Omas und Opas weiße Haare? Warum ist das Meer blau? Warum muss man weinen, wenn man traurig ist?


Jede Geschichte umfasst vier bis sieben Seiten und vermittelt spielerisch Wissen, ohne dabei belehrend zu wirken. Die bunten Bilder von Heike Vogel illustrieren altersgerecht sowohl die Rahmenhandlungen als auch die Sachinformationen.


Warum brauchen Haie keinen Zahnarzt
ist ganau das richtige Vorlesebuch für neugierige Vorschulkinder und vor allem für Grundschülerinnen und Grundschüler, die das Buch ab der vierten Klasse auch selbst lesen können. Nicht nur sie alle werden Überraschendes erfahren, auch die Erwachsenen können in diesem hochwertig hergestellten, preisgünstigen Kindersachbuch unterhaltsam dazulernen

  (64)
Tags: ab 5 jahre, sachgeschichten   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

sachgeschichten, ab 5 jahre

Wo geht der Astronaut aufs Klo?

Christian Dreller , Petra Maria Schmitt , Heike Vogel
Fester Einband
Erschienen bei Ellermann, 17.07.2015
ISBN 9783770740215
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Kinderfragen sind berüchtigt und nicht selten blamieren wir Erwachsenen uns beim spontanen Antwortversuch. Auch bei den 22 Kinderfragen in diesem Sachbuch hätte ich teilweise keine allzu gute Figur abgegeben, und selbst wenn ich sie hätte beantworten können, dann bestimmt nicht so unterhaltsam und kindgerecht wie Petra Maria Schmitt und Christian Dreller. Die beiden Autoren kombinieren die Sachinformationen mit Rahmengeschichten, die die Fragen logisch entwickeln und in eine Alltagssituation aus der Erlebniswelt der Kinder einbetten.

Anworten gibt es in diesem Band auf folgende Fragen:


Warum kann man sich nicht selbst kitzeln? Warum hat ein Igel Stacheln? Warum fallen wir nicht von der Erde? Warum essen wir mit Messer und Gabel? Hat ein Tausendfüßler wirklich 1000 Füße? Warum tut Haareschneiden nicht weh? Wer knipst das Licht im Kühlschrank an und aus? Was hört man in einer Meeresschnecke rauschen? Wie kommt das Küken in das Ei? Warum geben wir uns die rechte Hand? Warum jucken Mückenstiche? Warum haben Zebras Streifen? Wo geht der Astronaut aufs Klo? Wie kommt der Regen in die Wolken? Warum müssen wir schlafen? Kann man mit den Fingern lesen? Warum gibt es Berge? Warum schnurren Katzen? Warum ist Feuer heiß?


Jede Geschichte umfasst fünf bis acht Seiten und vermittelt spielerisch Wissen, ohne dabei belehrend zu wirken. Die bunten Bilder von Heike Vogel illustrieren altersgerecht sowohl die Rahmenhandlungen als auch die Sachinformationen.


"Wo geht der Astronaut aufs Klo" ist ganau das richtige Vorlesebuch für neugierige Vorschulkinder und vor allem für Grundschülerinnen und Grundschüler, die das Buch ab der vierten Klasse auch selbst lesen können. Nicht nur sie alle werden Überraschendes erfahren, auch die Erwachsenen können in diesem hochwertig hergestellten, preisgünstigen Kindersachbuch unterhaltsam dazulernen.

  (60)
Tags: ab 5 jahre, sachgeschichten   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(46)

106 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

zweiter weltkrieg, krieg, liebe, juden, schwestern

Die Nachtigall

Kristin Hannah , Karolina Fell
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 09.10.2017
ISBN 9783746633671
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

28 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

mobbing, kinderbuch, fabelwesen, fantasie, einschwein

Emmi und Einschwein. Einhorn kann jeder!

Anna Böhm , Susanne Göhlich
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 22.01.2018
ISBN 9783789108891
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Um es gleich vornweg zu sagen: „Emmi & Einschwein – Einhorn kann jeder!“ von Anna Böhm mit den umwerfend humorvollen Illustrationen von Susanne Göhlich hat mich vollauf begeistert. Es ist ein Kinderbuch, das die Realität mit Fantasy-Anteilen anreichert, das Thema Mobbing in der Schule ernst und kindgerecht aufnimmt, dabei aber witzig und optimistisch ist, und so viele liebenswerte, großartig ausgearbeitete Charaktere hat, dass das Lesen ein Mordsvergnügen ist. Drittklässler können das Buch allein bewältigen, ab sechs Jahren eignet es sich bereits zum Vorlesen. Trotz des rosa-lastigen Covers und der Einhorn-Thematik bin ich überzeugt, dass auch Jungs mit diesem Buch einen Riesenspaß haben können – also bitte nicht abschrecken lassen!  

 

Emmi Brix, die mit ihrer sympathischen Familie in der Elfe-Sabine-Straße 7 in Wichtelstadt wohnt, fiebert ihrem zehnten Geburtstag entgegen, an dem sie wie alle ihr Fabeltier bekommen soll. Bei ihrem Vater war es der Blaue Drachlinger Henk, der so wunderbar Feuer spucken kann, ihre Mutter hat den Zweifühligen Blütenspatz Peregrin de Pellegrin, genannt Pieps, der immer Blüten ausstreut, ihre große Schwester Meike die Klinge Wildkatze Mexi und Emmi wünscht sich nichts sehnlicher als ein Einhorn. Eigentlich darf man sich nichts wünschen, denn „es kommt, wie es kommt“ (Papa) und man muss „das Beste draus machen“ (Opa), aber Emmi hat einen besonderen Grund: Mit diesem sehr seltenen, niedlichen Fabeltier möchte sie in der Schule endlich richtig dazugehören, beliebt sein und von der dominanten Antonia in die geheime Drachenhalle eingeladen werden. Und hat sie nicht von einem Einhorn geträumt und solche Träume sollen in Erfüllung gehen? Doch natürlich kommt es anders. Am Fabeltag erscheint zwar ein Tier mit einem Horn, aber es ist ein Fettmoppel mit einem runden Rüssel, einem Ringelschwanz und kleinen Schlappohren, kurz: ein EINSCHWEIN! Mit diesem unmagischsten, peinlichsten aller Fabeltiere kann Emmi sich niemals in die Schule trauen, deshalb sinnt sie auf eine List...

 

Es herrlich mitzuverfolgen, wie Emmi das kleine Einschwein nach dem ersten großen Entsetzen liebgewinnt, wie es das Leben der Familie aufmischt, wie es sich Emmis Sorgen anhört, wie es versucht, ihr aus der Patsche zu helfen, wie sie einen Plan aushecken und wie es ihr beisteht, als sie durch den gefährlichen Herrn Bockel mit seinem Spuckewurm und die intrigante Antonia in allergrößte Gefahr gerät.

 

Anna Böhm erzählt die Geschichte ausgesprochen gekonnt und mit großer Empathie. Nach wenigen Sätzen und ohne dass ausschweifende Erklärung notwendig wären, tauchen Leser und Zuhörer in die Welt von Wichtelstadt ein. Dort geht es mal traurig, mal schreiend komisch zu und am Ende wird es so spannend und dramatisch, dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen kann!

 

Und die beste Nachricht zum Schluss: „Einhorn kann jeder!“ ist kein einmaliges Vergnügen, sondern bildet den Auftakt zu einer Reihe um „Emmi & Einschwein“ aus dem Oetinger Verlag.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/anna-boehm-susanne-goehlich-emmi-einschwein-einhorn-kann-jeder/

  (69)
Tags: ab 6 jahre, fabeltier, mobbing   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

freundschaft, schnee, bilderbuch, vorlesebuch, hase

Rotzhase & Schnarchnase - Möhrenklau im Bärenbau

Julian Gough , Gesine Schröder , Jim Field
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Magellan, 18.01.2018
ISBN 9783734828201
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Bär und Hase sind Nachbarn, und so nutzt Rotzhase den Winterschlaf von Schnarchnase aus, um deren Vorräte zu klauen. Als Bär davon mitten im Winter erwacht, beginnt sie trotzdem, gut gelaunt einen Schneemann zu bauen. Hase dagegen ist ein Griesgram, weiß alles besser, speist Bär mit seiner schrumpeligsten, schlabberigsten, gammeligsten Möhre ab und ist sich zu fein, um bei Bärs Schneemann mitzubauen. Doch Bär lässt sich den Spaß nicht verderben und als sie Rotzhase vor dem Wolf rettet, werden beide doch noch dicke Freunde.

 

Bestechend an diesem Vorlese- und Erstlesebuch sind die schwarz-grau-weiß-blauen Illustrationen von Jim Field, die sich so wohltuend vom grellbunten Bilderbuch-Allerlei abheben. Wirklich jede Szene des kleinformatigen Buches ist großzügig bebildert und die Gesichtsausdrücke der Tiere spiegeln sehr deutlich ihre jeweilige Gemütslage wider.

 

Die kurzen Textsequenzen von Julian Gough in großer Schrift mit zumeist einfachem Vokabular können bereits ab dem Ende der ersten Klasse bewältigt werden, zum Vorlesen eignet sich das Buch bereits ab etwa vier Jahren.

 

Neben den Themen Freundschaft und Eigentum geht es auch um die unterschiedlichen Ernährungsweisen der Tiere und deren Folgen: Welche Nahrung hat wieviel Energie? Warum wäre der Wolf manchmal lieber Vegetarier? Und warum müssen Hasen ihre eigenen Köttel fressen?

 

Gestolpert bin ich darüber, dass „Bär“ eine Bärendame ist und folgerichtig das Personalpronomen „sie“ verwendet wird. Eleganter und besser verständlich wäre für mich die Übersetzung „Bärin“.

 

„Möhrenklau im Bärenbau“ – wobei Hase eigentlich keine Möhren, sondern Honig, Lachs und Käfereier mopst - ist der erste Band einer humorvollen Reihe um das ungleiche Duo „Rotzhase & Schnachnase“ aus dem Magellan Verlag. Auf weitere Abenteuer kann man sich freuen!


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/julian-gough-jim-field-rotzhase-schnachnase-moehrenklau-im-baerenbau/

  (59)
Tags: ab 4 jahre, ernährung, erstleser, freundschaft, vorlesebuch   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kinderkrimi, ab 7 jahre, erstleser

Lesepiraten - Detektivgeschichten

Antonia Michaelis , Cornelia Haas
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Loewe, 13.01.2011
ISBN 9783785571347
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Die „Detektivgeschichten“ von Antonia Michaelis stammen aus der Zeit, als die Erstlesereihe des Loewe Verlags noch vier Stufen umfasste. Die „Lesepiraten“, zu denen dieser Band gehört, waren die dritte Lesestufe und richtete sich an fortgeschrittene Leserinnen und Leser ab ca. sieben Jahren.


Die sieben unabhängig zu lesenden Geschichten sind spannend und manchmal ein bisschen gruselig und passen für Jungs und Mädchen gleichermaßen. Sie umfassen jeweils sechs bis sieben Seiten, die jeweils etwa zur Hälfte aus Text und Bild bestehen, wobei die Illustrationen von Cornelia Haas das Textverständnis gut unterstützen. Nur in der letzten Geschichte gibt es eine ganze Seite Text als Vorübung zur nächsten Lesestufe, als Lohn winkt eine ganzseitige Illustration. Die große Fibelschrift, die kurzen Zeilen im Flattersatz, die einfache Wortwahl und die sehr knappen Sätze sind gut auf das Lesevermögen von Zweitklässlern und Zweitklässlerinnen abgestimmt. Die Lösungen der kleinen Rätsel am Ende jeder Geschichte können in ein Kreuzworträtsel hinten im Buch eingetragen werden, das wiederum zum Lösungswort der „Leserallye“ führt.


In den kniffligen Fällen der Kinderdetektive geht es um Max, der beunruhigende Telefonanrufe erhält, Lena und Lina, die an einem Detektiv-Wettbewerb teilnehmen, Paul bei der Enttarnung eines geheimnisvollen Schokoladendiebs, Britta und Karl auf der Suche nach einem Ziegenentführer, die Spurenleserin Anni bei der Ermittlung eines tierischen Keksdiebs, Steffen, Jochen und die falsche Leiche und Toni, der das Geheimnis seines Vaters lüftet.


Besonders gut gefallen dürfte buchstabenbegeisterten Kindern Lenas Geheimschrift, die zur Nachahmung anregt.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/antonia-michaelis-cornelia-haas-detektivgeschichten/



  (68)
Tags: ab 7 jahre, erstleser, kinderkrimi   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

13 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

habsburger, erster weltkrieg, donaumonarchie, erster weltkrieg 1914-1918, österreichische geschichte

Der Untergang der Habsburgermonarchie

Hannes Leidinger
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 15.12.2017
ISBN 9783709970669
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(70)

105 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 66 Rezensionen

irland, amerika, familiengeschichte, boston, familie

All die Jahre

J. Courtney Sullivan , Henriette Heise
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 29.01.2018
ISBN 9783552063662
Genre: Romane

Rezension:

J. Courtney Sullivan, US-amerikanische Autorin und Journalistin, hat in ihren Romanen eine Vorliebe für Familientreffen. In "Sommer in Maine" treffen verschiedene Familienmitglieder überraschend im gemeinsamen Ferienhaus zusammen, in "All die Jahre" ist es ein Todesfall, der alle zusammenführt. In beiden Romanen zeigt sich, dass zulange geschwiegen wurde und das Bewahren von Geheimnissen nur Unheil gebracht hat.


1957 kommen die Schwestern Nora und Theresia Flynn aus Westirland, County Clare, nach Boston, wo Noras ehemaliger Nachbar und Verlobter Charlie Rafferty sie erwartet. Nicht aus Liebe ist die 21-jährige Nora gekommen, sondern um ihrer jüngeren, begabten Schwester ein Schicksal in der Strickfabrik zu ersparen. Während Nora, die Theresa schon immer die Mutter ersetzt hat, schüchtern, still und ängstlich ist und die Eheschließung mit Charlie hinauszögert, genießt Theresa die neuen Freiheiten und hat den Kopf voller Träume. Als sie ungewollt schwanger wird, gibt es für Nora nur eine Alternative: Theresa wird das Kind heimlich bekommen und Charlie und sie werden es als ihr eigenes ausgeben.


Patrick, Theresas Sohn, wächst zusammen mit Noras und Charlies Kindern John, Bridget und Brian auf. Nie werden sie ihnen das Geheimnis enthüllen, doch spürt Patrick schon als Jugendlicher, dass etwas nicht stimmt. Obwohl er im Mittelpunkt steht, worunter vor allem John leidet, ist er doch einsam und das schwarze Schaf der Familie, wild und unbeherrscht. Nora kämpft für ihn, aus der schüchternen Frau ist eine Löwin geworden, aber sie kann nicht verhindern, dass Patrick zu viel trinkt und schließlich 2009, zu Beginn des Romans, bei einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss ums Leben kommt. Zur Beerdigung sagt sich überraschend auch Theresa an, die seit 1960 als Schwester Cecilia in der Abtei der Unbefleckten Empfängnis in Vermont lebt, und von deren Existenz keines der Geschwister weiß.


Sehr gut gefallen haben mir die Rückblenden in die Zeit von 1957/58, als die Schwestern Irland verlassen, und in das Leben der irisch-katholischen Einwanderer in die USA. Interessant beschrieben ist auch der Weg Theresas ins Kloster, ihre anfänglichen Zweifel, ihre Wut darüber, dass man ihr - wie allen zu dieser Zeit ungewollt Schwangeren - keine Wahl gelassen hat, und ihre trotz dieses anhaltenden Schmerzes gefundene Lebenszufriedenheit. Schwieriger fand ich dagegen Nora, die so viele Opfer gebracht, und trotzdem durch ihre Strenge, ihren Ernst, ihre Sprachlosigkeit und die verzweifelte Wahrung ihres Geheimnisses bis hin zum Bruch mit ihrer Schwester, sich und ihre Kinder nicht glücklich gemacht hat.


J. Courtney Sullivan hat wieder einen interessanten, gut zu lesenden, sehr unterhaltsamen Familienroman geschrieben über eine Familie, in der „die Wahrheit... verspätet, zufällig, unter Alkoholeinfluss oder überhaupt nicht ans Tageslicht“ kommt. Am Ende bleibt manches offen, doch keimt an vielen Stellen Hoffnung auf.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/j-courtney-sullivan-all-die-jahre/

  (41)
Tags: adoption, auswanderung, einwanderung, familiengeschichte, irland, kloster, schwestern, usa   (8)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(59)

76 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 60 Rezensionen

biografie, biographie, prinzessin, niederländisches königshaus, upper-class

Die amerikanische Prinzessin

Annejet van der Zijl , Marianne Holberg
Fester Einband
Erschienen bei Theiss, Konrad, 01.01.2018
ISBN 9783806234824
Genre: Biografien

Rezension:

Während der Recherchen zu ihrer Dissertation über Prinz Bernhard der Niederlande stieß die Historikerin und Autorin Annejet van der Zijl 2009 auf den Namen der Amerikanerin Allene Tew, der „ein wenig mysteriösen amerikanischen Tante“ des Prinzgemahls der holländischen Königin Juliane. Spontan beschloss sie, über diese Frau, deren Leben wie ein „phantastischer, dramatischer, farbenprächtiger Film“ war, ein Buch zu schreiben. Am Ende sind es, wie sie selbst im Nachwort schreibt, drei Bücher in einem geworden: „Es ist eine wundersame Lebensgeschichte, die so voller Wendungen steckt, dass sie sich für mich fast wie ein Abenteuerroman anfühlt. Es kann auch als kleine Geschichte Amerikas gelesen werden. Und schließlich ist es meine sehr persönliche kleine Studie über die Frage: Wie geht man mit Verlusten um.“ Und genau diese rundum geglückte Kombination hat mich an dieser Biografie, die eben sehr viel mehr als ein nacherzähltes Leben ist, so begeistert.

 

Allene Tew wurde 1872 als Nachfahrin der zweiten Generation einer erfolgreichen Pionierfamilie am Chautauqua-See im Bundesstaat New York geboren, doch war ihr Vater der einzige in der Familie, der nicht mühelos in die großen Fußstapfen der ersten Generation trat. Ausgestattet mit auffallender Schönheit, einem beachtlichen Durchsetzungswillen und voller Interesse für die Welt und die Menschen, schaffte sie einen kometenhaften Aufstieg und hinterließ bei ihrem Tod 1955 ein Vermögen von 24 Mio. Dollar. Fünf Ehen führte sie, wovon sie die ersten beiden hauptsächlich ihrer Schönheit verdankte, die dritte, einzig wirklich glückliche, der Liebe, und für die vierte und fünfte war vor allem ihr inzwischen erworbenes Vermögen ausschlaggebend. Die Verluste, die sie erlitt und überlebte, hätten anderen den Lebensmut geraubt, nicht so jedoch Allene. Wie ein Stehaufmännchen erzwang sie stets einen positiven Fortgang, verlor nie die Freude am Leben und fand gemäß ihrem Motto: „Courage all the time – nie den Mut verlieren“ immer wieder eine Form des Glücks, sei es in einer neuen Ehe, in Reisen, in ihren zahlreichen Immobilien in den USA oder Frankreich oder in den „Ersatzkindern“, deren sie sich nach dem Tod der eigenen Kinder annahm, darunter der jungen Bernhard zur Lippe-Biesterfeld.

 

Doch wie bereits gesagt, ist „Die amerikanische Prinzessin“ viel mehr als nur die Lebensgeschichte einer beeindruckenden Frau. Da sie ein Luxusnomadenleben führte, ist es auch mehr als nur eine amerikanische Geschichte. Durch ihre Aufenthalte in England und Frankreich, ihre Ehen mit einem deutschen Prinzen und einem russischen Grafen und ihre enge Verbindung zum niederländischen Königshaus als Patin der Ex-Königin Beatrix, ist es auch eine europäische Geschichte.

 

Annejet van der Zijls Biografie einer Frau, deren Leben man nicht abenteuerlicher hätte erfinden können, liest sich spannend, leicht und sehr unterhaltsam, und hat mich angesichts der unglaublichen Fakten immer wieder aufs Neue überrascht. Dabei vermeidet die Autorin jede Sensationshascherei und bleibt streng bei dem, was sie in den zahlreichen, im Quellenverzeichnis aufgeführten Büchern und der amerikanischen Presse über Allene Tew finden konnte. Zwei Bilderbogen, ein Personenregister, ein Stammbaum und eine Landkarte runden das absolut gelungene Buch aus dem Theiss Verlag ab, das ich mit großem Gewinn und Vergnügen gelesen habe.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/annejet-van-der-zijl-die-amerikanische-prinzessin/

  (57)
Tags: amerikanische geschichte, biografie, high society, niederländisches königshaus   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

leben mit altersdemenz, alzheimer, autobiographisch, vater-sohn-geschichte, familiengeschichte

Der alte König in seinem Exil

Arno Geiger
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.05.2014
ISBN 9783423253505
Genre: Romane

Rezension:

„Man muss auch das Allgemeinste persönlich darstellen“, ein Zitat des japanischen Malers Katsushika Hokusai (1760–1849), stellt Arno Geiger seinem Buch über das Leben und die Demenzerkrankung seines Vaters voran. Die Umsetzung dieses Mottos ist dem österreichischen Autor gelungen, die Krankheit erhält durch August Geiger ein Gesicht. Aber nicht nur das: Arno Geiger dokumentiert ein über 80 Jahre währendes Leben, würdigt, was er seit der Entfremdung vom Vater während der Pubertät nicht mehr wertschätzte, und beschreibt den Strukturwandel in der Vorarlberger Heimat von der bäuerlichen Dorfwelt zur Wohn- und Industriegemeinde. Nicht zuletzt ist „Der alte König in seinem Exil“ ein sehr interessanter Familienroman.


August Geiger, geboren 1926, war ein Kleinbauernsohn aus Wolfurt bei Bregenz. Nach der Kriegsmatura im Februar 1944 wurde er eingezogen und im Februar 1945 an die Ostfront versetzt. Seiner Weigerung nach dem Krieg, die Heimat zu verlassen, noch nicht einmal für Urlaubsreisen, fußt auf dem Trauma von Krieg, Gefangenschaft und Lazarett. Eine glückliche Ehe mit seiner so ganz anders gearteten Frau war nicht möglich, sie verließ ihn nach 30 Ehejahren.


Auslöser für das Schreiben war für seinen Sohn Arno die Demenzerkrankung des Vaters, die sehr schleichend begann und deren erste Anfänge wohl bereits spätestens in der Mitte der 1990er-Jahren liegen. Hier spricht der Sohn von einem gemeinschaftlichen Versagen, denn viel zu viel Zeit und Kraft wurde vergeudet: „Wir schimpften mit der Person und meinten die Krankheit“. Vergesslichkeit, Motivationsprobleme, ein Verlust von alltagspraktischen Fähigkeiten und vor allem der quälende Eindruck des Vaters, nicht zu Hause zu sein, wurden von der Familie zunächst fehlinterpretiert, was bei Arno Geiger rückblickend Zorn hervorruft.


Erst mit der Diagnosestellung trat eine gewisse Erleichterung ein, wie übrigens der ganze Krankheitsverlauf immer wieder durch Phasen des Durchatmens und Tiefs geprägt war. Die sich bei der Pflege abwechselnden Kinder, Geschwister, die getrenntlebende Ehefrau und später slowakische Pflegerinnen sahen sich ständig neuen Überraschungen und Herausforderungen gegenüber, bis im März 2009 als letzte Möglichkeit nur noch das Heim blieb, wieder ein Eingeständnis einer Niederlage und doch eine überraschend positive Wende für alle Beteiligten.


Der alte König in seinem Exil“ könnte wegen der dargestellten Problematik ein sehr dunkles Buch sein, ist es aber nicht, weil Arno Geiger der Krankheit bei aller Verzweiflung und Ausweglosigkeit auch helle Seiten abgewinnen kann. Die Annäherung an den Vater, der nach der Diagnosestellung wieder engere Zusammenhalt der Familie, die lichten Momente und vor allem das neue, unerwartet kreative Sprachvermögen des Vaters, das Arno Geiger viel Respekt abnötigt und das er in Dialogen festgehalten hat, sind solche positiven Aspekte.


Kritiker haben Arno Geiger vorgeworfen, die Krankheit und Defizite des Vaters auszuschlachten. Ich kann dem nicht zustimmen, weil der Autor das Thema mit größter Demut, liebevoller Dankbarkeit und höchster Achtung vor dem Vater angeht. Außerdem hat es mir imponiert, wie bescheiden Arno Geiger, dessen Durchbruch als Schriftsteller in die beschriebene Zeit fiel, im Hintergrund bleibt. Lediglich bei der Interpretation der Krankheit als Sinnbild für den Zustand der Gesellschaft konnte ich ihm nicht ganz folgen.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/arno-geiger-der-alte-koenig-in-seinem-exil/

 

  (79)
Tags: alzheimer, demenz, familiengeschichte, vater-sohn-geschichte   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

libyen, muammar al-gaddafi, vater-sohn-geschichten, hisham matar, mussolini

Die Rückkehr

Hisham Matar , Werner Löcher-Lawrence
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 27.02.2017
ISBN 9783630874227
Genre: Romane

Rezension:

Von Hisham Matar, dem in New York und London lebenden Autor libyscher Herkunft, sind mit  „Im Land der Männer“ (2007) und  „Geschichte eines Verschwindens“ (2011) bereits zwei Romane erschienen, doch ist „Die Rückkehr“ das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe. Immer geht es um seinen Vater, Jaballa Matar, der in den Fängen der libyschen Diktatur von Muammar al-Gaddafi verschollen ist, dieses Mal ganz direkt und in Form einer Biografie, die zugleich Autobiografie des Verfassers ist.

 

Ausgangspunkt für „Die Rückkehr“ ist die erste Reise Hisham Matars in die Heimat nach 33 Jahren Exil im März 2012, nicht lange nach Gaddafis Tod im Herbst 2011, als Demokratie und Gesetzlichkeit vorübergehend in greifbarer Nähe schienen. Der Aufenthalt diente vor allem dazu, das ungewisse Schicksal seines Vaters zu klären, was letztlich nicht gelang: „Seit einem Vierteljahrhundert schwindet meine Hoffnung kontinuierlich, und so kann ich heute sagen, dass ich so gut wie frei davon bin. Es bleiben nur noch ein paar vereinzelte Fünkchen.“

 

Jabbala Matar wurde 1939 geboren, als Libyen während der kolonialen Unterdrückung durch Mussolini einen Genozid erlebte. Sein Vater Hamed, Hishams Großvater, kämpfte gegen die seit 1911 bestehende italienische Besatzung, bis er 1919 mit seiner Familie für 20 Jahre nach Alexandria floh. Jabbala Matar liebte Gedichte, wurde mit dem Import von japanischen und westlichen Waren in den Nahen Osten sehr reich und diente nach der Unabhängigkeit Libyens 1951 unter König Idris als Offizier. Mit dem Putsch Gaddafis verband er zunächst Hoffnungen auf eine neue, republikanische Zeit, erkannt jedoch bald die wahre Natur des neuen Machthabers, der die Schulen militarisierte, Bücher, Musik und Filme verbot, Theater und Kinos schließen ließ, Fußball zur ungesetzlichen Tätigkeit erklärte und Gegner massenhaft hinrichten ließ. 1979 floh Jaballa Matar mit seiner Frau und den beiden Söhnen und organisierte von Kairo aus den militärischen Widerstand. 1990 wurde er mit Wissen des ägyptischen Geheimdienstes und Hosni Mubaraks entführt und nach Tripolis ins berüchtigte Gefängnis Abu Salim gebracht. Drei Briefe konnte er heimlich an seine Familie schicken, nach den Massenhinrichtungen 1996 verliert sich seine Spur.

 

Hisham Matar, besessen von dem Wunsch, das Schicksal seines Vaters aufzuklären, mobilisierte führende Mitglieder des britischen Oberhauses und den Außenminister David Miliband, den Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, Menschenrechtsgruppen und NGOs und erstaunte mit diesem „Lärm“ selbst den Gaddafi-Sohn Said al-Islam, doch kamen lediglich vier andere Familienmitglieder nach 21 Jahren Haft frei.  

 

Die Rückkehr“ wurde 2017 mit dem Pulitzer-Preis für Biographie oder Autobiographie und im gleichen Jahr mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. Mir haben Hisham Matars bewegendes Zeugnis der Liebe zu seinem Vater und seiner Heimat gut gefallen, genauso wie das gezeigte Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Wahrheit und der Angst davor, alles in klarem Stil verfasst und ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Allerdings hätte ich mir neben den sehr persönlichen Aspekten mehr Information zur Geschichte des Landes gewünscht. Aber vielleicht schreibt Hisham Matar darüber ja noch ein weiteres Sachbuch, ich würde es auf jeden Fall gerne lesen.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/hisham-matar-die-rueckkehr/

  (70)
Tags: libyen, muammar al-gaddafi, vater-sohn-geschichten   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

42 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

england, roman, emanzipation, literatur, graham swift

Ein Festtag

Graham Swift , Susanne Höbel
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 15.05.2017
ISBN 9783423281102
Genre: Romane

Rezension:

Das hätte es unter den strengen Augen von Mr Carson, Butler auf Downton Abbey, nicht gegeben: ein sieben Jahre währendes Verhältnis zwischen einem jungen Dienstmädchen und dem Erben des Nachbarguts. Doch erstens sind wir bei Ein Festtag, dem Roman oder besser der Novelle von Graham Swift, in der Grafschaft Berkshire und nicht in Yorkshire, und zweitens sind nach dem Ende des Ersten Weltkrieges die Regeln der englischen Klassengesellschaft tief erschüttert. Auf drei benachbarten Gütern sind die meisten Söhne im Krieg geblieben und das Personal in Upleigh bzw. Beechwood House ist auf je eine Köchin und ein Dienstmädchen zusammengeschrumpft. So kann das Dienstmädchen Jane Fairchild von Beechwood, wo Mr und Mrs Niven seit dem Tod ihrer Söhne alleine leben, sich jahrelang heimlich mit dem einzig verbliebenen Erben von Upleigh, Paul Sheringham, an verschwiegenen Orten treffen, zunächst für Geld, doch als es „ernst“ wird nur noch als Freundin und Geliebte.


Der 30. März 1924 soll der krönende Höhe- und Schlusspunkt werden. Traditionell haben an diesem Muttertag alle Dienstboten einige Stunden frei, um sie mit ihren Müttern zu verbringen. Ihre Herrschaft trifft sich derweil in der Stadt, um die bevorstehende arrangierte Ehe Pauls zu bereden. Upleigh steht daher leer und Paul kann Jane, die als Findelkind keine familiären Verpflichtungen hat, zu sich einladen, um sich anschließend mit seiner Verlobten zu treffen. Zum ersten Mal kann Jane ihr Rad vor dem Haus abstellen und durch das Hauptportal eintreten, das Paul ihr wie ein Butler öffnet. Und nicht nur das: Als Paul schließlich das Haus nach dem erotischen Spiel verlässt, kann sie nackt durch die Räume streifen und eine Freiheit genießen, die sie nie hatte, nun aber auch nicht so leicht wieder aufgeben wird.


Jane Fairchild, geboren 1901, wird am Ende fast 100 Jahre alt werden, wird 19 Bücher schreiben, darunter unverblümt sexuelle, eine gefeierte Schriftstellerin werden, aber sie wird sich von den fragenden Reportern nie entlocken lassen, was wir Leser erfahren: wann genau sie zur Schriftstellerin wurde. Als Findelkind im Waisenhaus aufgewachsen, hat sie nur eine elementare Schulbildung genossen und mit 14 ihre erste Stelle als Dienstmädchen angetreten. Doch ihr Interesse für Bücher, vor allem Abenteuerromane für Jungen, darf sie dank der Großzügigkeit ihres Dienstherrn in der Bibliothek des Herrenhauses stillen und Bücher werden ihr zur „Grundfeste ihres Lebens“. Der ebenso furiose wie tragische Tag im März 1924 wird zum Wendepunkt ihres Lebens.


Das Aschenputtel-Motiv „Und du sollst doch zum Ball gehen“ hat Graham Swift, einer der großen zeitgenössischen englischen Autoren, seinem kleinen Roman, den ich weniger als Liebes-, denn als Emanzipations- und Bildungsgeschichte gelesen habe, als Motto vorangestellt. Die Episode am Muttertag 1924 ist der Dreh- und Angelpunkt, in Wiederholungen erzählt, darum herum wird in kurzen Sequenzen das komplette Leben Janes und der Wandel der englischen Gesellschaft in den 1920er-Jahren zusammengefasst. Obwohl ich mir letzteres noch etwas ausführlicher gewünscht hätte, kann ich das elegant geschriebene Buch mit der wunderschönen Ausstattung und dem passenden Cover sehr empfehlen.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/graham-swift-ein-festtag/

 

  (88)
Tags: 1920er jahre, emanzipation, england   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

hörbuch, zukunft, leere herzen, juli zeh, dystopie

Leere Herzen

Juli Zeh , Ulrike C. Tscharre
Audio CD
Erschienen bei Der Hörverlag, 13.11.2017
ISBN 9783844527155
Genre: Romane

Rezension:

Da ich normalerweise kaum Dystopien und selten Politthriller lese oder höre, war Juli Zehs neuer Roman „Leere Herzen“ eine Herausforderung für mich. Aufgrund der Denkanstöße hat sich das Hörbuch definitiv für mich gelohnt, auch wenn mich die Umsetzung des Themas nicht ganz überzeugen konnte und der erhobene Zeigefinger zu deutlich spürbar war.

 

Die Handlung versetzt Leser und Hörer ins Deutschland des Jahres 2025. Angela Merkel hat ihr Amt verloren, neue Regierungsmacht ist durch demokratische Wahl die BBB, die „Bewegung der Besorgten Bürger“. Das bedingungslose Grundeinkommen hält die Bürger ruhig, die Effizienzpläne der Regierung schaffen die Demokratie in kleinen Schritten ab, Grundrechte werden eingeschränkt, das Ende von EU und UNO scheint absehbar. Die Deutschen haben sich ins Private zurückgezogen, kritische Stimmen hört man kaum noch.   

 

Britta, Mitte 30, hat sich in dieser Welt gnadenlos perfekt eingerichtet. Zusammen mit Babak, einem Iraner, hat sie im unauffälligen Braunschweig die „Heilpraxis für Self-Managing und Ego-Polishing“ mit dem Namen „Die Brücke“ gegründet, die offiziell potentielle Selbstmordkandidaten therapiert. In Wirklichkeit filtert das boomende Unternehmen jedoch mittels eines brutalen Auswahlmodus die untherapierbaren Hardcore-Kandidaten heraus, die dann an Terrorgruppen jedweder Couleur als Selbstmordattentäter vermittelt werden. Doch nun hat es einen Anschlag gegeben, den keiner von Brittas und Babaks Kandidaten verübt hat. Gibt es eine neue Konkurrenz auf diesem Markt, den die beiden bisher allein beherrscht haben? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Britta, Babak und ihr Geschäftsmodell?

 

Die Idee hinter diesem Roman ist ebenso schräg wie bedrückend, weil das geschilderte Szenario beim genaueren Nachdenken gar nicht so völlig ausgeschlossen ist, wie es zu Beginn scheint. Allerdings fiel es mir schwer, einen Bezug zu den Personen aufzubauen, dazu schildert Juli Zeh sie zu schablonenhaft. Bei Britta, der perfekten Geschäftsfrau, Ehefrau und Mutter, nüchtern, berechnend, mit Hygienefimmel und einem völlig übersteigerten Bedürfnis nach Kontrolle und Selbstoptimierung, deutet allenfalls die beständige Übelkeit auf einen Rest von Gewissen hin. Sie hat sich bequem in ihrem Doppelleben eingerichtet, kann aber mit der unerwarteten Bedrohung nicht umgehen. Babak dagegen, der schwule, eher gutmütige Iraner, der den Algorithmus für die Auswahl der Kandidaten der „Brücke“ entwickelt hat, ist der ruhende Pol des Unternehmens, überlegter, entspannter, aber ohne Durchsetzungskraft. Julietta, eine neue Kandidatin der „Brücke“, ist in ihrer absoluten Klischeehaftigkeit die schwächste Figur des Romans.

 

Ulrike C. Tscharre liest das leider gekürzte Hörbuch auf sechs CDs in knapp sieben Stunden mit genau der passenden kühlen und lakonischen Artikulation. Das Zuhören hätte mir allerdings mit mehr erzählenden Passagen und weniger Dialogen besser gefallen.

 

Wer Lust hat, sich über die möglichen Folgen von Politikverdrossenheit und Rückzug in Form eines teils sehr spannenden Romans mit Zügen eines Politikthriller Gedanken zu machen, sollte Juli Zehs „Leere Herzen“ lesen oder hören.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/juli-zeh-leere-herzen/

  (57)
Tags: dystopie, politthriller   (2)
 
697 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks