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gay romance

Risikokapital

Aleksandr Voinov
E-Buch Text: 418 Seiten
Erschienen bei 44 Raccoons, 04.02.2017
ISBN B01MZ7RKDS
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein faszinierender Mann ist dabei, sich das Leben zu nehmen. Er benutzt seinen edlen Brieföffner, inszeniert seinen Abgang stilvoll und kultiviert. "Risikokapital" beginnt mit einem fesselnden Prolog, der höchst neugierig auf Francis de Bracy macht. Ab Kapitel 1 wechselt die Perspektive zu Martin David, einem unerfahrenen, aber aufstrebenden Investmentbanker, und doch konnte ich diesen Prolog nicht vergessen, fragte mich ständig, ob Francis stirbt oder gerettet wird.

"Risikokapital" spielt in der Hochfinanz, der vorranginge Grund, warum ich das Buch kaufte. Der Autor packte mich jedoch nicht nur mit dem Setting. Beeindruckt hat er mich durch die Art und Weise, wie er meine Sympathien lenkte, wie er mich hineinzog in das Spiel von Manipulation und Verführung. Der Originaltitel "Return on Investment" trifft ins Schwarze. Alles in diesem Geflecht ist Investition. Nicht nur die Kapitalbeteiligung an angeschlagenen Unternehmen muss Rendite abwerfen, sondern auch Beziehungen. Sie sind nicht romantisch, sondern triebgesteuert. Sie dienen der Kontaktpflege und dem Aufbau strategischer Allianzen. Doch letztendlich zeigt sich im Anlagestil auch der Charakter der verschiedenen Spieler.

Stünden am Anfang nicht Francis' Vorbereitungen für den Selbstmord, würde man auch als Leser gnadenlos auf seinen nicht minder faszinierenden Gegenspieler Alec hereinfallen. Charismatisch, charmant, ein Mann, dem sogar ich geneigt war, seinen Übergriff zu Beginn zu verzeihen, nimmt er doch Martin später unter seine Fittiche, wird sein erster Mentor und treibt Martins Karriere voran. Die zahlreichen Sexszenen zwischen den beiden gehören zum Besten, was ich bisher in Sachen schwuler Sex gelesen habe. Nie pornografisch, kaum voyeuristisch, sondern mit jeder Faser fühlbar. Normalerweise habe ich mit Sexszenen aus der Feder männlicher Autoren meine Probleme, weil sie für mich als Frau meist unappetitlich und in ihrer Fixierung auf die Körpersäfte frustrierend sind, ich die emotionale Komponente vermisse. Hier jedoch passt alles: die Körperlichkeit und das Gefühlsleben, diese Szenen sind wahrhaft sinnlich.

Diese Sinnlichkeit fehlt Francis. Er wird zwar als physisch attraktiv und charismatisch beschrieben, doch das ist für mich nicht fühlbar. Er ist unnahbar, gibt nichts preis und es knistert nichts. Und doch schafft es der Autor, meine Sympathien ab der Hälfte des Buches auf ihn zu verlagern, und Francis wird mein Held. Das ist die Meisterleistung in diesem Roman. Die Handlung ist gut und schlüssig erdacht, leider nicht immer plausibel umgesetzt. Ich kaufe dem Autor zwar Alecs Ende ab, jedoch nicht in der dargestellten Geschwindigkeit. So stark die Verführung durch Alec geschrieben ist, so unglaubwürdig sind die anderen sexuellen Begegnungen in meinen Augen. So naiv sind die Mitspieler nicht. Auch manche Handlungsfäden verlieren sich im luftleeren Raum, zum Beispiel, was Alec mit den ihm von Martin übergebenen Daten macht. Mir fehlten die Konsequenzen dieser Betriebsspionage, auch und vor allem für das Vertrauensverhältnis von Martin und Francis.

Ich schwankte, ob diese stellenweise fehlende Plausibilität den fünften Stern kosten muss. Dennoch vergebe ich ihn, weil sie letztendlich nicht wichtig war für meinen Lesegenuss. Weil ich in der ersten Hälfte selbst Alecs Charme erlag und während der letzten 35 % den E-Reader einfach nicht mehr zur Seite legen konnte. Weil leider nur sehr wenige Bücher es schaffen, mich tief in die Story zu ziehen und mit den Figuren mitzufiebern. Ein Buch, bei dem ich voll auf meine Kosten kam. Tolles Setting, niveauvolle und souveräne Sprache, großartige Beziehungsgeflechte, sinnlich und spannend. Unbedingt zu empfehlen!

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Tags: gay romance   (1)
 

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gay romance, christlicher fundamentalismus

Bittersweet Secrets - Dark Gay Romance: Gesamtausgabe (Teil 1-3)

Jona Dreyer
E-Buch Text: 414 Seiten
Erschienen bei null, 21.12.2015
ISBN B019OWBL2U
Genre: Sonstiges

Rezension:

Erst kürzlich hat eine Rezensentin "Bittersweet Secrets" mit zwei Sternen und dem Hinweis, es sei ein Abklatsch von "Fifty Shades of Grey" abgestraft. Der Bezug auf den Erotik-Bestseller ist nicht von der Hand zu weisen, doch er enthält nur die halbe Wahrheit.

Ja, auch ich dachte beim Lesen oft an SoG, wobei ich SoG mitten im zweiten Band entnervt abgebrochen habe, "Bittersweet Secrets" jedoch bis zur letzten Zeile verschlang. Die Story ist im Milliardärs-Milieu angesiedelt und bedient frischfröhlich die gängigen Klischees: Reicher Unternehmer mit traumatischem Erlebnis in der Pubertät, das seine problematische Persönlichkeit geformt hat. Underdog, der sich in den Milliardär verliebt und ihn durch seine Liebe aus der Misere herausholt. Geld bis zum Abwinken, sodass Helikopterflüge, Luxusappartments und zahlreiche weitere Annehmlichkeiten scheinbar unbegrenzt zur Verfügung stehen.

Warum würde ich nun dem Herrn Grau einen Stern geben und Mason Starr fünf? Weil Jona Dreyers Figuren gut motiviert sind und wirklich zu Herzen gehen. "Bittersweet Secrets" wartet nicht mit einem romantisch verbrämten und fälschlicherweise als BDSM getarnten Dauervergewaltigungs- oder Missbrauchsszenario auf, sondern zwei interessante, zumindest auf emotionale Weise ebenbürtige Partner raufen sich zusammen und versuchen, die Vergangenheit zu bewältigen. Natürlich geht das nicht reibungslos ab, natürlich kommt es zu gegenseitigen Verletzungen. Aber die entstehen aus Ungeschicklichkeit, Überforderung und oft aus moralisch guten Absichten.

Um Mason Starrs Hintergrund zu verstehen, muss man entweder der Autorin vertrauen (laut Nachwort hat sie sich die christlichen Umerziehungsmaßnahmen nicht aus den Fingern gesaugt, sondern recherchiert), oder man hat eine Zeitlang selbst im amerikanischen Bible Belt verbracht oder auch mit fundamentalistischen Christen in deutschen Landen korrespondiert. Leider zeichnet Jona Dreyer ein durchaus realistisches Szenario. Dennoch vermeidet sie eine Pauschalanklage oder blindwütige Diffamierung des Christentums, indem sie durch eine Nebenfigur aufzeigt, wie es auch anders geht.

Stellenweise ist die Story vorhersehbar, so ahnte ich sehr früh, was hinter Masons Besessenheit CONA aufzukaufen steckt. Phils Lösung hat etwas von einem Märchen, weil sie die Psychologie von Selfmademillionären und die Gesetze der Hochfinanz außer Acht lässt und viel zu einfach umgesetzt wird. Das tut jedoch der Story und der Spannung keinen Abbruch.

Manchmal schrammt das Buch an der Grenze zum Erotik-Roman, ohne sie jedoch zu überschreiten. Im Mittelpunkt steht nämlich nicht Sex als solcher, sondern es wird stets Gefühl transportiert, aus diesem Grund habe ich diese Stellen gerne gelesen. Zugegeben, oft sind sie vielleicht in ihren Praktiken zu sehr von Pornos inspiriert, aber sie erfüllen immer ihren Zweck: die Beziehung von Phil und Mason darzustellen.

Bemerkenswert ist der Schreibstil der Autorin. Das Buch liest sich flüssig, wartet mit zahlreichen schönen Formulierungen auf und hebt sich schon allein dadurch von der Masse anderer Milliardärsromanzen ab. Den fünften Stern erhält es von mir deshalb, weil mich die Figuren noch nachhaltig beschäftigten und schriftstellerisches Handwerk mit Emotion eine grandiose Verbindung eingehen.

Wer eine Gay-Romance mit Schwerpunkt auf Romantik und Gefühl sucht, aber oberflächlichem Zuckerguss tiefgründige Charaktere vorzieht, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

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Tags: christlicher fundamentalismus, gay romance   (2)
 

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gay, nine-eleven 9/11

Septemberhimmel: Gay Romance Kurzgeschichte

Jona Dreyer
E-Buch Text: 17 Seiten
Erschienen bei null, 05.10.2016
ISBN B01LXGGQFX
Genre: Sonstiges

Rezension:

Diese wunderschöne, traurige Geschichte beweist, dass auch die kurze Form genügen kann, um ein komplexes Thema zu vermitteln. Drei Monate lang trauen sich die Arbeitskollegen Roy und Richard nicht, einander ihr gegenseitiges Interesse zu gestehen und ausgerechnet am 11. September 2001fassen sie den Mut dazu. Sekunden bevor das zweite Flugzeug auch in ihren Turm des World Trade Centers rast.

Die Geschichte behandelt einen sehr intimen Moment zwischen den beiden Männern. Roy und Richard unternehmen keine actiongeladenen Fluchtversuche, sondern sehen dem Schicksal Hand in Hand ins Gesicht. Obwohl das Ende vorhersehbar ist, hoffte ich so sehr, dass ihnen mehr gemeinsame Zeit bliebe.

Die Atmosphäre im Turm kam mir leider zu kurz, ich spürte die Panik nicht. Aber die Geschichte selbst lässt mich nicht los und sie schaffte das, was für mich eine Erzählung adelt: Ich habe Tränen in den Augen.

Ich werde die Geschichte ganz sicher noch öfter lesen. Von mir daher eine unbedingte Kaufempfehlung!

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Tags: gay, nine-eleven 9/11   (2)
 

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hier, schottland, will, jemand, gay

Will hier jemand Haggis?: Lauwarme Schottenromanze

Jona Dreyer
E-Buch Text: 148 Seiten
Erschienen bei null, 02.05.2017
ISBN B071181X7L
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eigentlich bin ich vom Schottland-Hype ja bis dato verschont geblieben und dieses Buch habe ich mir nur deshalb gekauft, weil der Klappentext augenzwinkernden Humor versprach. Ein leichtes, vergnügliches Buch für zwischendurch also, und genau das hat Jona Dreyer auch eingelöst.

Mit dem Humor ist das ja immer so eine Sache. Die einen brauchen Klamauk mit dem Holzhammer, ich bevorzuge normalerweise den subtilen, ironischen, mit ganz feiner Klinge. Von feiner Klinge kann man hier zwar nicht reden, aber die Autorin bietet ein köstliches Spiel mit den eigenen Klischees, schreckt vor sprachlichen Verballhornungen nicht zurück und sorgte bei mir für manch lauten Lacher. Auf Formulierungen wie "Manpicture" oder "I think I sp[a]ider!" muss man erst einmal kommen. Manchmal ist es zu viel des Guten, nicht jeder Satz der deutschen Touristin muss zweisprachig wiedergegeben werden und gelegentlich wird sie wohl auch einen richtigen englischen Satz herausbringen. Auch Lachlans Fußfetisch wird etwas überstrapaziert, doch lebt das Genre natürlich von Überzeichnungen.

Die Liebesgeschichte ist einfach und sympathisch, eine nette Urlaubsaffäre eben, wie sie wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt hat. Die Sexszenen finde ich jetzt gar nicht so schmuddelig, wie im Klappentext angegeben, die Warnung über ihre Ausführlichkeit sollte man sich jedoch zu Herzen nehmen. Der Auftakt lässt zwar sehr lange auf sich warten, zieht sich dann allerdings gleich über etliche Seiten, ohne mir jedoch ein wirkliches Gefühl vermitteln zu können. Und damit meine ich jetzt nicht romantische Liebe, die an dieser Stelle ohnehin fehl am Platz gewesen wäre, sondern ein sinnliches Erlebnis.

Ein großes Plus ist die Sprache. Die Bilder sind vielfältig, aber nicht pathetisch überladen, sondern zeugen von liebevoller Sorgfalt und Kreativität beim Formulieren. Auch die Figuren sind zwar genretypisch überzeichnet, lassen aber doch auch einen tiefgründigen Kern erkennen. Jona Dreyer hat weit mehr als leicht dahinplätschernde Unterhaltung auf Lager, sie schreibt nicht nur Komödien, sondern hat auch Drama und Storys mit Tiefgang in ihrem Repertoire. Diese Geschichten werde ich mir definitiv ansehen.

Für den fünften Stern hätte ich mir einen Tick mehr Miterleben und Straffung an manchen Stellen gewünscht. Insgesamt kann ich das Buch jedoch wärmstens empfehlen. Gute Laune, herzhafte Lacher, einfach ein Buch zum Entspannen und Wohlfühlen.

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Tags: gay, humor, schottland   (3)
 

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medici, florenz, medic, geld, italien

Medici - Die Macht des Geldes

Matteo Strukul , Christine Heinzius , Ingrid Exo
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 20.03.2017
ISBN 9783442486625
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich schreibe nicht gerne 1-Stern-Rezensionen, doch wenn man ein Buch in einer Leserunde gewinnt, geht man die Verpflichtung ein, es auch zu rezensieren. Normalerweise hätte ich "Medici – Die Macht des Geldes" nach nicht einmal hundert Seiten abgebrochen, denn was uns Matteo Strukul hier präsentiert, ist dem Titel zum Trotz kein Medici-Roman, sondern eine auf banalste Weise geschriebene Geschichte, die vom großen Namen zu profitieren versucht.

Wer sich erwartet, in den Glanz und in die Intrigen dieser faszinierenden Familie einzutauchen, wird bitter enttäuscht sein. Die historischen Ereignisse verdienen nicht einmal die Bezeichnung Kulisse, sie werden in langweilig zu lesenden Briefen, stumpfsinnigen Dialogen oder seitenlangem Infodumping abgehandelt, sichtlich eine Pflichtübung, um das Etikett "Historischer Roman" aufs Cover klatschen zu können. Wer wirklich an der Epoche und den Ereignissen interessiert ist, ist mit einem Fachbuch besser bedient – das ist vermutlich auch mitreißender geschrieben.

Formal ist Cosimo Medici der Protagonist. Ein Kniff, der den Autor gleich zu Beginn der Trilogie einer schwierigen Aufgabe enthebt: der Motivation. Er steigt zu einem Zeitpunkt in die Handlung ein, zu dem die Familie bereits ihr Bankenimperium aufgebaut hat und ihr Vermögen zum Zwecke ihrer politischen Ziele einsetzen kann. Gerade wie Cosimos Vater diesen Reichtum anhäufen konnte, wäre jedoch interessant gewesen. Doch sei's drum. Akzeptieren wir, dass der erste Band unter Cosimos Stern steht, gäbe es immer noch faszinierende Ereignisse wie Cosimos vorübergehende Entmachtung und Exil, die Kriege gegen Lucca und Mailand, das Konzil von Florenz und mehrere Mordanschläge gegen die Medici-Brüder unter der Ägide ihres Erzwidersachers Rinaldo degli Albizzi zu erzählen.

Doch was macht der Autor daraus? Eine Ansammlung von Einzelereignissen ohne jeden verbindenden Spannungsbogen. Schlimmer noch: Kaum baut er Spannung auf, bricht er das Ereignis auch schon wieder ab und springt auf dem Zeitstrahl um etliche Monate oder gar Jahre weiter. Auf diese Weise kann man als Leser Geschichte nie erleben, geschweige denn in die Figuren eintauchen. Das wäre sowieso ein hoffnungsloses Unterfangen, denn die Figuren sind so seicht angelegt, dass man sich beim Eintauchen sofort sämtliche Körperteile aufschrammen würde.

Lediglich die Giftmischerin und Mätresse Laura Ricci und der Söldner Reinhardt Schwartz sind mit Backstorys ausgestattet. Zwar mit solchen, wie sie hanebüchener nicht mehr sein können, aber immerhin, sie haben wenigstens welche. Und avancieren damit prompt von Nebenrollen zu heimlichen Hauptfiguren und den eigentlichen Gegenspielern der Medici. Etikettenschwindel allererster Güte, der möglicherweise bei Freunden von Historomanzen ankommt.

Wenn das Buch denn wenigstens als Lauras Geschichte funktionierte! Das tut es aber auch nicht, denn eine Inflation schöner Frauen, Sexszenen, die so abtörnend wie dramaturgisch unnötig sind, und eine Überfrachtung mit Klischees macht den Roman nicht emotionaler, sondern nur noch langweiliger.

Die Sprache ist – euphemistisch ausgedrückt – äußerst einfach, was den Vorteil hat, dass man schnell vorankommt. Es entsteht gar nicht der Wunsch, bei einer Szene zu verweilen, so unerträglich pathetisch sind Dialoge, Briefe, ja sogar Schlachtszenen. Für einen Autor, der so ausgiebig in Kampfszenen schwelgt, schreibt Strukul sie bemerkenswert schlecht und unrealistisch. Emotionen werden behauptet oder erklärt, anstatt sie zu zeigen, Kausalität und Motivation tut der Autor als nebensächlich ab. Wenn er an seine Grenzen stößt (und das kommt fast in jedem Abschnitt vor) "wissen es" die Figuren einfach nicht oder können sich ihre Handlungen "selbst nicht erklären". So kann man sich natürlich auch aus der erzählerischen Verantwortung stehlen. Fragt sich, warum er dann einen auktorialen, also allwissenden Erzähler gewählt hat. Vermutlich, um seine unzähligen Perspektivfehler zu verschleiern.

Wie man einen großartigen Stoff aus einer faszinierenden Epoche so dermaßen in den Sand setzen kann, ist verblüffend, und mir ist unbegreiflich, wie der Roman in der vorliegenden Form zwei Lektorate passieren konnte. Über Geschmäcker und Vorlieben für Stoff oder Figuren kann man bekanntlich streiten, über katastrophales Erzählhandwerk jedoch nicht. Das sind 430 Seiten Groschenheft-Niveau. Kitsch, Pathos und Langeweile pur, schade um jede Sekunde Lesezeit.

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Tags: historischer roman, medici, medici florenz   (3)
 

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gay-romance

Fünf Wochen: Der Kampfschwimmer (Band 1)

Sydney Stafford
E-Buch Text: 252 Seiten
Erschienen bei null, 09.02.2017
ISBN B01MUANM5Z
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Früher war er immer der Mädchenschwarm gewesen, und er hätte jedes Wochenende eine andere Frau haben können. Angebote gab es genug." Zu dumm nur, dass Sönke Liebig nicht wirklich an Frauen interessiert ist. Kurz bevor er sich dem Auswahlverfahren zur Kampfschwimmerausbildung stellt, macht seine Freundin mit ihm Schluss – er sei gefühlskalt. Sönke muss ihr recht geben und weiß durchaus, woher der Wind weht. Allerdings ist er von einem Outing noch meilenweit entfernt, noch glaubt er selbst, ein "normales" Leben führen zu können. Bis er im psychologischen Teil der Aufnahmeprüfung Farbe bekennen muss. Die fünf härtesten Wochen seines Lebens beginnen, und Sönke muss sich nicht nur den Schikanen seines Ausbildners stellen, sondern auch seinem eigenen Gefühlschaos. Zumal es rund um das Tauchbecken herum wahrlich nicht an attraktiven, durchtrainierten Männern mangelt.

Es war meine erste Militär-Romanze, und ständig musste ich an "Ein Offizier und Gentleman" denken. Schikanierende Ausbildner, Freundschaften im Team, Kameradschaft und persönliche Probleme – "Der Kampfschwimmer" ist eine Liebesgeschichte, aber keineswegs oberflächlich. Sydney Stafford stattet jede Figur mit einem individuellen Charakter aus, die Rotte und ihre Ausbildner setzen sich aus facettenreichen Persönlichkeiten zusammen, und man findet sehr schnell Zugang zu ihnen.

Die Geschichte wird durchgängig aus Sönkes Perspektive erzählt, wir tauchen daher vor allem in seine Gedanken ein. Die anderen Figuren lernt man durch ihre Handlungen und Dialoge kennen, und überrascht hat mich der unterschwellige Humor, der dabei immer wieder durchblitzt. Kein Schenkelklopfer-Humor oder Brachialkomik, sondern flapsige Sprüche, wie sie in einer reinen Männerwelt durchaus glaubwürdig sind. Sydney Stafford scheut nicht vor derben Aussagen zurück, hält aber gekonnt die Balance zwischen ordinär und authentisch. Die Figuren wissen selbst, wann sie "Flachwitze" machen, die wirklich guten Pointen rutschen ihnen eher en passant raus und bestechen gerade durch ihre Beiläufigkeit. Ich musste jedenfalls ein paarmal herzlich lachen.

Ein paar sprachliche Unsauberkeiten gibt es, die lassen beim Lesen stutzen, hemmen aber den Lesefluss nicht so, dass man aus der Story rausfällt. Gewöhnungsbedürftig waren für mich die Kosenamen, doch das mag dem Unterschied zwischen nord- und süddeutschem Sprachgebrauch geschuldet sein. Mir persönlich wimmelt es zu viel von "Süßen". Ein "süßer Rotschopf" nervt irgendwann einmal, einen "süßen Seebär" stelle ich mir so um die sechzig vor und dass ein ehemaliger Kampfschwimmer seinen achtundzwanzigjährigen Sohn, der in seine Fußstapfen tritt, ausgerechnet "mein großer Kleiner" nennt, kaufe ich ihm nicht ab. Durch die Kosenamen wirkt Sönke weit jünger als er ist, doch das ist vielleicht sogar bezweckt, weil er sich trotz großer sexueller Neugier eine liebenswürdige Unschuld bewahrt hat.

Neben dieser Unschuld zeichnet sich Sönke vor allem durch seine Unsicherheit aus. Er nimmt stets das Worst-Case-Szenario an, und angesichts seines Kopfkinos geht mir das meiste dann doch ein bisschen zu einfach. Sein Outing, seine ersten Erfahrungen mit Männern, sein erstes Mal schwuler Sex usw. Gerade bei den drastischen Wendepunkten in Sönkes Leben hätte ich mir eine Spur mehr Drama gewünscht. Dennoch ist die Geschichte vom ersten Augenblick an spannend erzählt, bis sie im letzten Drittel ordentlich an die Nieren geht. Denn kaum hat Sönke seine große Liebe gefunden, wird er auch schon in tiefe Zweifel gestürzt. Sein Date platzt, und sein Lover hält unerklärlichen Abstand. Sönke kämpft nicht nur gegen die Wellen der Ostsee, sondern ist auch gezwungen, sich im Strudel von Ohnmacht und Panik irgendwie über Wasser zu halten.

Alles in allem bereitete mir die Geschichte sehr großes Vergnügen und zählt zu den wenigen Büchern, die ich gleich ein zweites Mal (zumindest auszugsweise) gelesen habe. Schuld daran ist ein gewisser Herr, der es mir vom ersten Augenblick an angetan hat. Aus Spoilergründen kann ich auf seine Stärken hier leider nicht eingehen und ich werde ihn auch nicht namentlich nennen, er wurde jedoch schnell zu meiner heimlichen Hauptfigur.

Gerade für Neulinge auf dem Gebiet der Military-Gay-Romance bietet "Der Kampfschwimmer" einen anregenden Einstieg ins Genre, und ich bin schon sehr auf die Fortsetzungen gespannt. Von mir eine unbedingte Kaufempfehlung!

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gay-romance

Infidel

Sydney Stafford
Flexibler Einband: 328 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 08.09.2016
ISBN 9783741261589
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der in Afghanistan stationierte KSK-Soldat Marc Lehmann wacht verletzt in einer fremden Hütte auf und weiß nicht einmal mehr seinen Namen. Erst allmählich kommt die Erinnerung zurück – und mit ihr die Erkenntnis über eine Tat, die sein Leben für immer verändern muss. Der afghanische Medizin-Student Irfan Rahimi pflegt ihn gesund, und gemeinsam machen sie sich zu Marcs Stützpunkt auf. Dort jedoch stellen sie fest, dass Marc als fahnenflüchtig gilt, und versuchen zunächst nach Kabul und dann über die Grenze zu fliehen. Doch Marcs unbedachte Tat holt sie viel zu schnell ein und bringt beide jenseits der Grenze des Erträglichen.

Bei diesem Roman kommen nicht nur Freunde des Gay-Military-Genre auf ihre Kosten, sondern das Herz jedes Lesers von Abenteuer-Literatur muss höher schlagen. Die Story ist spannend erdacht und meist flott erzählt, die Liebesgeschichte fügt sich harmonisch in den Plot ein. Allerdings nicht unbedingt glaubwürdig, denn mit der Liebe geht es mir ein wenig zu schnell. Vor allem, dass ein Mann mit islamischem Hintergrund sich nach ein paar Tagen gemeinsamer Flucht das erste Mal in seinem Leben auf gleichgeschlechtliche körperliche Liebe einlässt, halte ich nicht für realistisch und ich hätte mir mehr inneren Kampf gewünscht. So waren mir die Figuren zwar sympathisch, gingen mir aber nicht wirklich unter die Haut.

Unter die Haut gehen jedoch ganz andere Szenen. Ob es die Brutalität der Taliban, die frauenverachtenden Anordnungen eines Warlords oder die Folter in einem Gefangenenlager sind, hier schreckt Sydney Stafford vor schonungslosem Realismus nicht zurück. Es ist etwas ganz anderes, rein theoretisch von solchen Gräueln zu wissen, oder sie durch einen gut erzählten Roman mitzuerleben. So beklemmend solche Stellen sind, so sind sie doch weitab von jeglichem Voyeurismus geschrieben und machen durch ihre emotionale Intensität eine große Stärke des Romans aus.

Manchmal wäre weniger mehr gewesen, beziehungsweise hätte man aus für die Story unnötigen Effekten mehr herausholen können. Oberst Grimmers Neigungen etwa sind nicht nur rasch durchschaubar, sondern in seinem (nicht einmal heroischen) Verzicht wurde ein potenzieller Konflikt geradezu verschenkt. Ebenso wenig wie den Figuren gönnt Sydney Stafford nämlich der deutschen Bundeswehr innere Konflikte. Die Bösen sind immer die anderen.

Auch dem Ende hätten straffe Kürzungen besser getan. Insgesamt ist die Geschichte jedoch packend erzählt, wartet mit interessanten Wendungen auf und hält den Leser in Atem. Als Militär-Thriller geht sie absolut auf, und mein Leseerlebnis wurde nur durch ein leider zu schlampiges Lektorat, dem mehr als nur ein paar Fehler durchgerutscht sind, getrübt. Der Story selbst tut das jedoch keinen Abbruch, und ich kann sie guten Gewissens empfehlen.

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gay-romance

Greyscale - unverhofft (Greyscale Serie 2)

Aleksa Riley
E-Buch Text: 156 Seiten
Erschienen bei null, 11.05.2016
ISBN B01FKNNLLG
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der Klappentext verrät es ja bereits, und wer so wie ich in die Reihe erst einsteigt, nachdem mittlerweile fünf Bände samt zugehöriger Klappentexte, Rezensionen und Facebook-Posts erschienen sind, ist auf die Finalspannung nicht angewiesen. Zumindest nicht auf die Spannung, ob Gerrit seinen Olaf nun bekommt oder nicht. Dennoch liest sich die Liebesgeschichte warmherzig und kurzweilig. Sicher, manchmal könnte man die beiden Herren kräftig schütteln, weil sie sich das Leben schon arg schwer machen, aber genau das hält die Spannung auch aufrecht.

Manches bewegt sich allerdings an der Grenze der Glaubwürdigkeit. Zwei Männer arbeiten jahrelang in derselben Einheit, schätzen einander, nehmen sich aber nicht einmal ansatzweise als Objekte ihrer Begierden wahr, und dann funkt es plötzlich wie in einer amour fou? Haben sich die Herrschaften zuvor nie angesehen, oder braucht es erst Gerrits Delirium, um sich in eisblaue Augen zu verlieben und Olafs Geruch zu bemerken? Kann man wie Olaf tatsächlich von einer abgrundtiefen Enttäuschung, an der Gerrit nicht ganz unschuldig ist, binnen eines Tages in ungestüme Liebe verfallen? Und wie realistisch ist es, dass ein Kommandosoldat, der im Suff gemeinsam mit einem Heterokollegen vor der ganzen Einheit strippt, nicht den Respekt der Kameraden und Vorgesetzten (!) verliert?

Ich war besonders darauf gespannt, wie die Autorin ein Paar zusammenbringt, zwischen dem es im ersten Band kaum knistert und das eigentlich nie zusammenkommen dürfte. Gerade die Bedenken der beiden Männer sind toll dargestellt. Gerrits Angst, ein Lückenbüßer zu sein. Olafs Zögern, einen ihm Unterstellten zu verführen. Diese inneren Konflikte sind ihr ausgesprochen gut gelungen, auch wenn sie für meinen Geschmack zu oft mit immer denselben Worten durchgekaut werden. Auf 150 Seiten kann man dem Leser schon zutrauen, sich solche grundlegenden Informationen zu merken.

Die Story geht äußerlich ruhig an, sie spielt im Krankenhaus und auf Gerrits Comeback-Feier und es hätte mich nicht gestört, wenn sie sich in diesem Band auf die Liebesgeschichte beschränkt hätte. Wenn Gerrit jedoch bei einem Empfang in Berlin die Umgebung scannt und überlegt, wo er Scharfschützen postieren würde, weiß man sofort, dass da noch etwas kommt. Und so beginnt im letzten Drittel eine zweite Geschichte. Sie sauber zu Ende zu führen reicht der Platz nicht mehr und genau dieses nicht ganz geglückte Ende kostet auch den fünften Stern. Nichts gegen offene Schlüsse und übergeordnete Spannungsbögen in Reihen, ganz im Gegenteil. Dieses Ende wirft aber keine Spannung auf, sondern lässt den Leser nur mit einer unbeantworteten Frage stehen. Es wirkt, als hätte die Autorin den Antagonisten einfach vergessen.

Ein ganz großes Plus gibt es für die Figurenzeichnung. Mein persönlicher Liebling ist Olaf, erzählerisch beeindruckend finde ich jedoch Gerrit. Die Balance zwischen toughem, im Job souveränem Elitesoldat und hingebungsvollem Mann gelingt ausgesprochen gut. Die Faszination, die er auf seinen älteren Lover ausübt, die Mischung aus engelhaft und frech, aus jung, aufmüpfig und romantisch, die ihn aber nie "klein" erscheinen lässt. Man schließt das Buch mit dem Eindruck, dass diese Beziehung wirklich eine reelle Chance hat. Dass sich hier trotz Rang- und Altersunterschiedes zwei gefunden haben, die eine ebenbürtige Partnerschaft führen können. Diese Partnerschaft werde ich gespannt weiterverfolgen, ich freue mich bereits auf Band 3.

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Greyscale: unerkannt

Aleksa Riley
E-Buch Text: 96 Seiten
Erschienen bei null, 29.01.2016
ISBN B01AZOX1VU
Genre: Sonstiges

Rezension:

Gerrit de Boer ist Truppführer eines fünfköpfigen KSK-Teams. Vom Cover her hätte ich ihn mir extrem jung vorgestellt, doch er dürfte schon einiges in seinem Leben durchgemacht haben. Gleich zu Beginn scheitert wieder einmal eine Beziehung, weil auch der aktuelle Lover nicht mit Gerrits Beruf als Kommandosoldat klarkommt.

Gerade Gerrits Verletzlichkeit macht die Erzählung für mich so interessant. Einerseits ist er der verantwortungsbewusste Anführer, der mit seinem Team auf Augenhöhe operiert, andererseits der von Sehnsüchten geplagte junge Mann, der von eben diesem Team aufgefangen wird und Rückhalt erfährt. Er ist keine abgeklärte, souveräne Kampfmaschine in den oberen Offiziersrängen, sondern ein liebenswürdiger Mann, der aufpassen muss, dass ihm in emotionalen Situationen nicht die Sicherungen durchbrennen.

Der Einsatz selbst spielt eher eine untergeordnete Rolle, er dient als Kulisse für Gerrits emotionale Achterbahnfahrt. Auf knapp 100 Seiten kann man sich keine allzu gefinkelten Plottwists erwarten und natürlich hat man Verdachtsmomente hinsichtlich der Charaktere und Wendungen (die sich alle bestätigt haben, ohne die Erzählung deshalb vorhersehbar zu machen). Dennoch ist die Geschichte schlüssig und ohne Längen erzählt.
Vom ersten Absatz an war ich ganz nah bei Gerrit. Ich kann ihn in seiner ganzen Komplexität spüren und hierin liegt auch die besondere Stärke der Autorin. Sie macht Figuren plastisch und nachvollziehbar und lässt den Leser die Schwierigkeiten des Soldatenberufs nicht nur auf einer intellektuellen Ebene erfassen, sondern macht sie erlebbar. Die Verständnislosigkeit noch so gut meinender Zivilisten, die Kameraderie in der Einheit. Die strenge Fürsorglichkeit von Vorgesetzten. Man fühlt, dass Gerrit die nächste Enttäuschung bevorsteht, will ihn unbedingt davor beschützen und muss doch ohnmächtig zusehen, wie er den nächsten Schlag hinnehmen muss.

Emotionale und dennoch kitschfreie Erzählweise, Erotik, die sinnlich wahrnehmbar ist und nie ins Schmuddelige abdriftet, und ein zuverlässiges Korrektorat, das man so manchem Verlagsbuch wünschen würde, runden das Lektüreerlebnis ab. Die Fortsetzungen werde ich definitiv lesen.

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404 Bibliotheken, 5 Leser, 3 Gruppen, 125 Rezensionen

schottland, pfau, banker, teambuilding, humor

Der Pfau

Isabel Bogdan
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783462048001
Genre: Romane

Rezension:

Das wirklich Bemerkenswerte an diesem Buch ist seine liebevolle Aufmachung – Hut ab vor der Coverdesignerin. Die Geschichte selbst finde ich allerdings reichlich überbewertet. Die vom Verlag angepriesene "subtile Komödie in bester britischer Manier" kann ich beim besten Willen nicht erkennen, die Erzählung sprüht weder vor Raffinesse noch vor Pointen oder griffigen Charakteren. Die Teambuilding-Prozesse haben mich weit mehr angesprochen als das Trara mit dem Pfau, das wiederholt sich nämlich auf enervierende Art und bringt vielleicht einen ungewöhnlichen Aufhänger, für die Story selbst aber keinen Gewinn. Leider bleibt alles sehr oberflächlich. Die gruppendynamischen Prozesse werden bestenfalls angerissen, und obwohl mir manche Figuren sympathisch sind, hat keine wirklich Tiefgang. Das Buch war ganz nett zu lesen, wird aber keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Schade, es hätte gewiss Potenzial gehabt.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

mythen, märchen

Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam?

Michael Köhlmeier , Konrad Paul Liessmann
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 26.09.2016
ISBN 9783446252882
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Buch wäre schon durch Köhlmeiers Erzählweise der pure Genuss, ich musste immer wieder schmunzeln, manchmal sogar laut lachen. Augenzwinkernd und süffisant lässt er immer wieder die Erzählermeinung durchblicken und bricht schon dadurch den hohen Mythos auf eine durchaus menschliche Ebene herunter. Die Geschichten entnimmt er der Bibel, mittelalterlichen Legenden, den Sagen der griechischen Antike, den germanischen Heldensagen und Märchen aus verschiedenen Kulturkreisen. Die Auswahl deckt somit ein weites Spektrum der europäischen Kultur ab.

Ebenso genussvoll wie die Präsentation der Geschichten ist der philosophische Kommentar zu lesen. Liessmann stellt Bezüge zur Literatur, zu Philosophen verschiedenster Epochen sowie zu den brisanten Themen der Gegenwart her, und dass er sich bevorzugt mit Nietzsche auseinandersetzt, ist dabei unschwer zu erkennen. Grundkenntnisse der abendländischen Philosophie erleichtern die Lektüre, sind aber nicht unbedingt Voraussetzung.

Die Autoren geben keine eindeutige Interpretation. Zwar rückt Köhlmeier mit seiner launigen Erzählweise die Geschichten ab und zu in ein neues Licht und erzählt auch die eine oder andere mir bislang unbekannte Vorgeschichte, doch Liessmann wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Jeden seiner Kommentare leitet er mit "Nichts ist so verführerisch wie" ein. Das mag effekthaschend sein, streng logisch genommen, würde die eine Verführung ja alle anderen in dieser Formulierung degradieren. Oder betrachtet er doch alle Verführungen gleichrangig? Wie viele Mythen und Verführungen ließen sich noch hinzufügen? Stürmen die Verführungen auf den Menschen wahllos und ungeordnet ein? Hierin liegt für mich das einzige Manko des Buches. Ich hätte mir ein Nachwort gewünscht, nach welchen Kriterien und von wem die Mythen ausgewählt wurden.

Doch Erklärungen sucht man in den mythologisch-philosophischen Verführungen überhaupt vergebens. Sie regen vielmehr zum Selbst- und Weiterdenken an. Über jede einzelne Frage könnte man tage-, ja wochenlang grübeln, und so wird das Buch selbst zur Verführung. Nichts ist so verführerisch, wie unbeantwortete Fragen.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

gay-romance, vermittlung, date, liebe, hoffnung

Der Date-Manager

Bianca Nias
Flexibler Einband: 348 Seiten
Erschienen bei Dead Soft Verlag, 31.10.2016
ISBN 9783960890416
Genre: Romane

Rezension:

Eventmanager und Wirtschaftsprüfer – ich mag in der Wirtschaft angesiedelte Romane und die Autorin (eine Finanzbeamtin) hat auch eine Ahnung, worüber sie hier schreibt. Das ist kein weiterer Abklatsch von unrealistischen Millionärsromanzen, sondern stimmig im Setting. Ebenso erfreut war ich über die Anlage der Figuren: Hier treffen zwei starke Männer aufeinander, die aus unterschiedlichen Gründen Bedenken haben, sich ineinander zu verlieben. Einer davon besteht darin, dass sie beide dominant sind (nicht im Sinne von BDSM) und sich von ihren bisherigen Überzeugungen lösen müssten, damit eine Beziehung funktionieren kann. Eine Gay-Romance mit interessantem innerem Konflikt und potenziellem Tiefgang also.

Die Story hätte also so einiges hergegeben, nur leider finden Joss Baker und Dion Collister zu einfach zueinander, ich hätte gerne die prickelnde Ungewissheit länger gespürt. Man darf sich von dem Buch auch keinen literarischen Höhenflug erwarten. Die Sprache ist ziemlich schlicht, hier fehlt eindeutig noch Übung, stilistisch zu variieren, Facetten herauszuarbeiten und Tiefen auszuloten. In enervierender Regelmäßigkeit erfährt man, dass "er heiß aussieht", die Gedanken der Hauptfiguren werden solange wiederholt, bis auch der dümmste Leser sie begreift ("oh Mann, er sah wirklich heiß aus") und jedes stimmig aufgebaute Bild oder Gefühl wird sicherheitshalber dem Leser noch mal erklärt und interpretiert.

Doch schriftstellerisches Handwerk kann man lernen, am Erzählstil arbeiten. Mir bescherte der Roman trotz allem großes Vergnügen. Ich mochte beide Figuren, Collisters sarkastischen Humor (die Konversation mit dem Veganer ist köstlich!) und Joss' romantische Ader, ohne deswegen sofort von Schmalz zu triefen. Beide sind erwachsene Männer (um die dreißig) und stehen fest im Leben. Ein paar tolle Events wären schön gewesen, wenn eine Figur schon Event-Manager ist, dafür gibt uns die Autorin in der Nebenhandlung Einblick in die Arbeit eines Wirtschaftsprüfers. Auch wenn vieles an der Oberfläche bleibt, wirkt es auf mich nicht wie ein Klischee.

"Der Date-Manager" ist kein Gesellschaftsroman, auch keine psychologische Studie, und wer anspruchsvolle Literatur sucht, wird enttäuscht sein. Er ist ein Wohlfühlbuch und als solches sollte es auch gelesen werden. Ideal zum Entspannen, wunderbar für den Strand geeignet oder für dunkle Winternächte.

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Tags: gay-romance   (1)
 

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82 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

walachei, historischer roman, liliana le hingrat, ungarn, freundschaft

Das dunkle Herz der Welt

Liliana Le Hingrat
Flexibler Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2015
ISBN 9783426517598
Genre: Historische Romane

Rezension:

"Das dunkle Herz der Welt" ist ein ehrgeiziges Projekt. Liliana Le Hingrat greift sich sechzehn Jahre aus dem balkanischen Rosenkrieg heraus und verarbeitet den Machtkampf zwischen den Draculern und den Danern um den walachischen Thron zu einem über 750seitigen historischen Roman.

Keine Frage, die Autorin kann recherchieren. Schon während des Lesens beeindruckte mich die Detailkenntnis der historischen Ereignisse, Schauplätze, Kostüme und klimatische Bedingungen schienen mir sehr authentisch wiedergegeben. Die Lektüre des Nachworts verrät, wie viel Arbeit dahinter stecken muss, erschwert durch die Quellenlage. Den Balkan ins Zentrum des Leserinteresses zu rücken, war überfällig, und wird die osmanische Bedrohung in anderen Romanen über diese Zeit eher beiläufig erwähnt, tritt sie hier in den Mittelpunkt. Im Mittelpunkt steht ebenso ein von internen Machtkämpfen geschwächtes Europa, und mir wurde durch den Roman erstmalig die Bedeutung Polens oder Ungarns so richtig bewusst.

Die Autorin kann auch schreiben und souverän mit Sprache umgehen. Der Roman liest sich flüssig und elegant und hebt sich wohltuend von sehr einfach gestrickten Mittelalterromanzen ab. Erzählt werden die Lebensgeschichte von Vladislav Draco, beginnend mit seiner Ernennung zum Drachenritter, und der Aufstieg seines ehemaligen Waffenbruders Janos Hunyadi. Die beiden Männer trennt eine Fehde, ausgelöst durch die Liebe zu Clara. Genau hier fangen jedoch auch die Probleme des Romans an. Diese Liebschaft ist für mich alles andere als schlüssig, weder die behauptete (!) Intensität der Gefühle, noch die Art und Weise, wie sie Zeit und Trennung überdauern. Sie ist die romantisierende Zutat der heutigen Zeit, die vor allem deshalb nicht aufgeht, weil die Autorin eben das nicht vermitteln kann, was dafür unbedingt notwendig wäre: Emotionen.

Das betrifft nicht nur die Liebschaft. Sie hält die Figuren auf merkwürdige Distanz. Grausamkeiten wie Vergewaltigungen, Schlachten und Folter werden im selben Ton erzählt wie Liebesnächte und Ratssitzungen, die Ereignisse dienen als Kulisse, aber sie berühren weder den Leser noch die Figuren. So konnte ich das Buch wochenlang zur Seite legen, ohne von Neugier über den weiteren Verlauf geplagt zu werden. Fertiggelesen habe ich es rein aus historischer Neugier über einen mir unbekannten Ausschnitt aus der europäischen Geschichte, die Figuren und ihr Schicksal blieben mir komplett gleichgültig.

Die Autorin gibt als Ziel an, Geschichte mit Menschen aus Fleisch und Blut zu füllen – genau das ist ihr leider nicht gelungen. Die einzige komplexe Figur ist Janos Hunyadi, vermutlich übertrug ich meine Sympathien gerade aus diesem Grund ausgerechnet auf den Gegenspieler. Meine Beteiligung konnte außerdem Roxolan auslösen, in seinem Fall bedeutete das Hinzufügen einer fiktiven Figur einen Gewinn. Vlas hingegen bleibt leer, nicht einmal seine Folter oder der Verlust seiner Söhne ging mir nahe.

Erschwert wird das Eintauchen auch durch die Erzählweise. Die einzelnen Kapitel liegen Wochen, manchmal sogar Monate auseinander, die Überleitung erfolgt ausschließlich über das Wetter und Datums- und Ortsangabe als Kapitelüberschrift. So ist zwar durch die historische Entwicklung ein roter Faden gegeben, aber beim Lesen entsteht mehr der Eindruck, einzelne Einträge einer Chronik zu studieren als einen Roman zu verschlingen. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass gerade das Wie eines Ereignisses oft im Dunkeln bleibt, sondern nur das Was im Nachhinein festgestellt wird.

Das Projekt als solches wäre interessant, die Fähigkeiten der Autorin zu recherchieren und zu schreiben stehen außerfrage. Wenn sie jetzt noch lernt, zu erzählen, dann wäre das sicher eine spannende Sache. Ob ich jedoch den angekündigten Folgeband über Vlad Dracul lesen werde, ist sehr zweifelhalft. Schade.

PS: Mit der Qualität einer Geschichte hat es zwar nichts zu tun, dennoch möchte ich in diesem Fall das äußerst gelungene Cover nicht unerwähnt lassen, das Knaur dem Roman spendiert hat. Edel, reduziert und wunderbar haptisch bereitete es mir während der Lektüre immer wieder Vergnügen und entschädigte mich sogar für das stellenweise schlampige Korrektorat.

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Tags: historischer roman, janos hunyadi, polen, türkenkriege, ungarn, walachei   (6)
 

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

gay-romance

Seans Seele

S.B. Sasori
Flexibler Einband: 276 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 10.12.2015
ISBN 9783739220406
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Es gibt sie noch! Bücher, in die ich tief eintauche und die ich am liebsten in einem Rutsch durchlese. Die spannende Geschichten mit wunderschöner Sprache verknüpfen.

"Seans Seele" ist Teil drei der Schlangenfluch-Trilogie und um die Zusammenhänge zu verstehen, sollte man unbedingt die ersten beiden Bände gelesen haben. Dann ist auch das Setting bekannt: Gay-Romance mit einem starken Fokus auf erotische Szenen und einem Hauch Fantasy in Gestalt der sexy Halb-Wasserschlange-halb-Mensch-Zwillingsbrüder.

Diesmal sind die Fieslinge hinter Raven her, konkret hinter seinem Gift, aus dem sie eine hochwirksame Droge brauen wollen. Für Zartbesaitete ist der Roman nichts, die Autorin schreckt vor Folter ebenso wenig zurück wie vor Demütigung, bleibt allerdings immer geschmackvoll. Es geht hart zu, aber nicht voyeuristisch und man kann mit Raven an jedem Punkt mitleiden. Ließ er mich in den ersten beiden Bänden eher kalt, hatte er in diesem meine volle Sympathie und zeigt sich hier von seiner höchst verführerischen und liebesbedürftigen Seite. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass mir einmal Samuel, mein deklarierter Sympathieträger aus den ersten beiden Bänden, auf die Nerven gehen könnte, nur weil ich darauf fiebere, wie es Sean und Raven miteinander ergeht. Sean ist ein starker und würdiger Partner, man könnte sich keinen besseren für Raven wünschen.

Samuel spielt wenigstens noch eine minimale Rolle für die Story, den Nebenhandlungsstrang um die Wissenschaftler Guido und Vivienne finde ich höchst überflüssig. Vielleicht sollten sie sämtliche Fäden der Trilogie zu einem Abschluss bringen, für den dritten Band stellen sie jedoch keinen Gewinn dar. Für meinen Geschmack müsste es auch nicht ganz so viel Sex sein, mich beeindruckte weit mehr das Gefühlschaos der beiden Protagonisten. Die Sehnsucht nach Liebe und die Angst vor Verrat, jeder der beiden ist Opfer seiner Vergangenheit und seiner früheren Fehler. Mit der Liebe geht es sehr schnell, sie erinnert eher an eine Amour fou als an tiefe, innige Gefühle. Zur Anlage des Romans passt es.

Das wirklich Großartige ist die Sprache der Autorin. Ich schwelge auf jeder dritten Seite in Sprachbildern und Vergleichen, um die man sie nur beneiden kann, ich bewundere sie für ihre gelungene Mischung aus Spannung, Tempo und Poesie. Das ist Erzählkunst auf sehr hohem Niveau.

Absolute Empfehlung für Leser, die Spannung, Gay-Romance und eine malerische Sprache genießen.

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Tags: gay-romance   (1)
 

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114 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

hongkong, ehe, liebe, england, treue

Eine treue Frau

Jane Gardam , Isabel Bogdan
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 14.03.2016
ISBN 9783446250741
Genre: Romane

Rezension:

"Eine treue Frau" ist der mittlere Teil einer Trilogie, den man auch solo lesen kann, ich selbst kannte den ersten Band nicht, dem Verständnis tat das keinen Abbruch. Allerdings stellt sich mir die Frage, wozu man eine Geschichte ein weiteres Mal – diesmal aus der Sicht der Frau – erzählt, wenn man in die Gefühlswelt dieser Frau so gut wie gar nicht eintaucht.

Als Liebes-, Ehe- oder Treuegeschichte funktioniert der Roman für mich nicht. Ich wurde zu keinem Zeitpunkt warm mit den Figuren, mehr als unterkühlte Distanz lässt die Autorin nicht zu. Sie schreibt zweifellos gut, hält aber vom Zeigen sehr wenig, so sind beispielsweise die Hongkong-Episoden alles andere als exotisch. Auf Identifikation scheint es Jane Gardam nicht anzulegen, eher auf eine kühle Analyse des Way of Life britischer Ex-Pats.

Die Geschichte beginnt in den 1950ern und wird unter zahlreichen Auslassungen und Zeitsprüngen bis ins 21. Jahrhundert erzählt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der zweiten Lebenshälfte der Figuren. Lebenskrisen werden erwähnt, in der Erzählung aber ebenso übergangen, wie sie zwischen den Eheleuten totgeschwiegen werden, Ignorieren ist Programm. Das gilt für private Probleme ebenso wie für gesellschaftliche und politische.

Als nüchterne Schau auf den Identitätsverlust einer ehemaligen Kolonialmacht ist der Roman nicht uninteressant. In ihrer Entwurzelung wirken die Ex-Pats beklemmend, Identitäten werden nicht einmal gesucht, geschweige denn gefunden. Was den Charakteren bleibt, ist das Festhalten an Klischees, an einer Britishness, die selbst der Autorin als Stereotyp bewusst ist und das sie auch als solches entlarvt. Wer einen Roman in erster Linie mit Kopf und Intellekt liest, findet viel Stoff zum Weiterdenken. Wer sich Gefühle und Beziehungsthematik erhofft, sollte lieber zu einem anderen Buch greifen.

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Tags: british, ex-pats   (2)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

ehe, ausbruch, literatur, kennenlernen, beziehung

Immer denk ich deinen Namen

Evelyn Grill
Fester Einband: 136 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 10.08.2016
ISBN 9783709972663
Genre: Romane

Rezension:

Wie viel muss man wirklich ertragen? "Immer denk ich deinen Namen" ist ein Beziehungs-Roman von Evelyn Grill. Leise, aber auf keinen Fall langweilig, denn wiederum legt sie zielsicher den Finger auf die Wunden in den Beziehungen.

Da ist zunächst der Germanistikprofessor Adrian Roth, der vor der häuslichen Misere in seine Arbeit flüchtet. Er ist auch so ziemlich mit allem gestraft, was in einem Durchschnittsleben noch irgendwie plausibel erscheint: Eine unheilbar krebskranke Frau, ein autistischer Sohn, der andere Sohn steht der Mutter nahe, liegt aber im Dauerclinch mit dem Vater. Die Tochter überlegt, sich trotz ihres Kindes scheiden zu lassen, doch finanzielle Überlegungen und der Zuspruch von Adrian halten sie davon ab. Im Pflegeheim wohnt seine demente Mutter, die einzige Person, mit der er offen reden kann. Zu allem Überfluss ist Adrian auch körperlich nicht unversehrt, er muss eine Beinprothese tragen. Für meinen Geschmack ist das zu viel auf einmal. Das Bemerkenswerte daran: Er jammert nicht, sondern richtet sein Leben nach den Umständen ein.

Dieses mangelnde Aufbäumen kann den Leser wahnsinnig machen. Die Ehe ist schon längst lieblos, sie ging bereits vor der Krebserkrankung den Bach runter. Die Frau reklamiert Adrians Anwesenheit ein und giftet ihn dennoch die meiste Zeit an. Es wäre verständlich, wenn er den nahen Tod als Erlösung auffasste, und doch macht ihm die Aussicht auf den Tod seiner Frau zu schaffen.

Bald entdeckt er eine zweite Fluchtwelt, den Briefkontakt mit der wesentlich jüngeren Vera, die offen Lyrik schreibt und heimlich Jus studiert. Auch sie steckt in einer unerquicklichen Ehe. Sie und die beiden Kinder atmen auf, sobald der Mann auf Dienstreise geht, und erstarren, sobald der selbstsüchtige Patriarch das Haus betritt.

Man versteht, dass sowohl Adrian als auch Vera sich in ihre briefliche Liebesbeziehung stürzen, man gönnt ihnen dieses Refugium und wünscht es ihnen. Und doch bleibt da dieses ständige Bangen, weil die brieflichen Beteuerungen unwirklich erscheinen, ein literarisch überhöhtes Konstrukt sind. Vor dem ersten Wiedersehen zittert man, zumindest ich hatte starke Zweifel, ob die Idee von Liebe der Realität gewachsen sei.

Der Autorin ist ein beklemmendes Bild eines selbstgeschaffenen Gefängnisses gelungen, ein ausgezeichnetes Psychogramm, dessen Sprengkraft sich nach innen wendet. Dass sie es nicht nur trist malt, sondern in eine helle Atmosphäre taucht und die Figuren und den Leser hoffen lässt, macht es umso böser und erst richtig gut.

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Tags: ausbruch, beziehung, ehe   (3)
 

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

berlin, drogen, melancholie, party, unveränderlichkeit

Stadt der Platanen

Andreas van Hooven
Flexibler Einband: 156 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 20.03.2016
ISBN 9783739245911
Genre: Romane

Rezension:

Gleich vorweg: Bei dieser Rezension muss ich zwischen meinem persönlichen Geschmack und dem Können des Autors trennen. Von anderen Rezensionen verführt, wagte ich mich an diesen Roman, ohne das Wichtigste am Klappentext wahrzunehmen: Die Sinnsuche ist unheilbar.

Der Protagonist ist ein Werbegrafiker, der seinen Agenturjob verloren hat und versucht, im Berlin kurz vor der Jahrtausendwende irgendwie zu überleben. Dieses Irgendwie ist Programm, denn er driftet eher nach dem Zufallsprinzip durchs Leben. Von seiner Ex-Freundin kommt er nicht so wirklich los, in seiner Clique findet er zwar Gesellschaft, aber nur zweifelhaften Halt, und Tage wie Nächte ziehen an ihm vorbei, ohne ihn zu berühren. Das meiste in seinem Leben ist Fake. Freundschaften, sein Porsche mit VW-Motor, seine silbernen Haare, selbst sein Brotberuf in einem Callcenter.

Der Roman thematisiert die oberflächliche Euphorie in Berlin nach der Wende, die jedoch ohne ein solides Wertesystem hohl bleiben muss. Der Protagonist raucht, trinkt und konsumiert fast ununterbrochen Drogen, man kann aber nicht einmal sagen, dass er sich durch seinen Drogenkonsum vor der Realität rettet. Man erfährt nicht, warum er sich ruiniert, es ist kein Roman über Drogenabhängigkeit, sondern vielmehr einer über Agonie. Genau diese Agonie hat der Autor gekonnt eingefangen. Akribisch genau beobachtet er und schildert winzigste Details in einer wundervollen, schon ans Poetische grenzenden Sprache. Er schafft es, den Leser die Agonie spüren, ja erleben zu lassen, ihn in diese Leere hinter Bars und Clubs zu ziehen und sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes zu verlieren. Die Story selbst ist dürftig, weil es unter solchen Bedingungen gar keine Geschichte geben kann, weil sich das Ende vom Anfang bei solch einem Antihelden nicht wirklich unterscheiden kann. Die auf dem Klappentext angekündigte Sinnsuche konnte ich nicht erkennen, zu mehr als kurzen Moralfetzen ist das dauerdrogenvernebelte Hirn nicht mehr fähig. Man ahnt, dass da einmal mehr war, dass dieser Mann das Herz durchaus auf dem rechten Fleck hat, doch man hofft vergeblich auf einen Ausweg für ihn. Wir werden zwar nicht Zeuge seines Niedergangs, aber wir können uns lebhaft vorstellen, wo das enden muss.

Wer eine Geschichte, Handlung und komplexe Figuren sucht, wird von diesem Buch daher enttäuscht sein. Wer jedoch auf melancholische Antihelden und virtuosen Sprachgebrauch steht, wird es mögen.

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Tags: agonie, berlin, drogen, melancholie   (4)
 

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53 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

ritter, ethan hawke, regeln für einen ritter, ethan, selfoptimierung

Regeln für einen Ritter

Ethan Hawke , Kristian Lutze
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 11.08.2016
ISBN 9783462049336
Genre: Romane

Rezension:

Hätte ich "Regeln für einen Ritter" nicht bei einer Leserunde gewonnen (also online entdeckt), sondern in einer Buchhandlung, hätte ich mich sofort ausgekannt, denn das Format zeigt, mit welchem Inhalt man es hier zu tun hat. In etwa DIN A6, mit dunkelgrünem Leineneinband und schlichter Goldprägung kommt es daher – wie ein Gebetbuch oder ein Büchlein mit Lebensweisheiten. Und genau das ist es auch.

 

Neugierig wurde ich durch den Titel, durch die Herausgeberfiktion und die gekonnt auf alt getrimmte Sprache, zumindest in der Leseprobe. Regeln, die ein Ritter seinen Kindern brieflich hinterlässt, bevor er in einer Schlacht fallen wird, ließen mich auf Ritterethos und alte Werte hoffen, die angekündigten Fabeln auf atmosphärische Geschichten. Ich erwartete mir so etwas Ähnliches wie einen Hofspiegel, wie Gracians Handorakel. Tatsächlich taucht man hier aber nicht ins Mittelalter ab, sondern liest überzeitliche Weisheiten, wie sie einem heutzutage in jedem buddhistisch oder esoterisch angehauchten Weisheitsbuch entgegenspringen.

 

Die Regeln selbst sind einfach und poetisch formuliert, es lohnt sich, dieses Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen, sondern eine Weile darüber nachzudenken. Die Idee, die Regel durch Fabeln zu erklären, wäre grundsätzlich schön, nur passen die Fabeln oft inhaltlich nicht und verzerren die Regel. Was in der Einleitung so perfekt gelingt, hält der Autor langfristig leider nicht durch: Der Eindruck, in eine alte Zeit einzutauchen und aus ihr überzeitliche Weisheiten mitzunehmen, geht verloren und der Spieß dreht sich um. Hier denkt kein Ritter, sondern ein moderner Mensch, hier werden heutige Anliegen in alte Kleider gehüllt. Insofern ist das Buch für mich eine Mogelpackung.

 

Die Aufmachung ist liebevoll, die Zwischenblätter zwischen den einzelnen Regeln/Kapiteln mit Mustern und Illustrationen versehen. Angeblich restaurierte Bilder des Urahnen, doch hier stand definitiv kein mittelalterlicher Künstler Pate. 20 Seiten werden der "Ballade vom Hirschen mit dem Vierzig-Ender-Geweih" eingeräumt. Leider. Stümperhafte Reime, vergewaltigte Metrik und inhaltlich ein Plädoyer für einen vegetarischen Lebensstil, das mag sich zwar in die Lebensweisheiten des Autors fügen, ist jedoch ein unnötiger Bruch mit der Ritterfiktion.

 

Die Idee, Lebensweisheiten als Ritterregeln zu kaschieren, ist gewiss originell und hebt das Buch von anderen Lebensweisheitsbüchern der Gegenwart ab. Schade nur, dass der Autor nicht den Geist der Ritterzeit erfasst hat. Für historisch Interessierte eignet sich das Buch nicht, für Fans von Mittelalterromanen noch weniger. Es bleibt ein liebenswürdiger, sympathischer Versuch, ein Spiel, das wohl aufgrund des Autorennamens einen Verleger gefunden hat.

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

sachbuch, bestseller, marketing fürs buch, 2016, buch vermarkten

Bestseller

Elmar Weixlbaumer , Monika B. Paitl
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Goldegg Verlag, 07.09.2015
ISBN 9783903090002
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich hatte das Glück, "Bestseller!" im Rahmen einer Leserunde kennenlernen zu dürfen. Der Untertitel machte mich neugierig und ließ wertvolle Tipps erhoffen: Wie Sie Ihr Buch zum Erfolg pushen – PR und Buchmarketing für Autoren.

 

Das Autorenduo scheint auf den ersten Blick kompetent: Ein Verlagsleiter und eine PR-Agentin geben dem Leser Einblick in die Mechanismen des Buchmarktes. Dass sich beide auf Sachbücher spezialisiert haben, merkt man – die Beispiele für Keynote-Speaker oder Experten sind stets griffiger, wo es um Belletristik geht, wird es schwammig und driftet in allgemeine und nicht gerade neue Weisheiten ab.

 

Gleich zu Beginn desillusionieren die Autoren den Leser, wenn sie die Parameter des Buchmarktes vorstellen. Schonungslos erklären sie, warum nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz der eingereichten Manuskripte veröffentlicht werden kann, erinnern den ambitionierten Jungautor daran, dass Verlage verkaufen müssen und wirtschaftliche Unternehmungen sind. Ein Buch hat keine Chance, wenn es gut ist, sondern wenn es die Erwartungen des Marktes erfüllt. Diese Botschaft ist ernüchternd, aber ungemein wichtig.

 

Gefordert wird die Professionalisierung des Autors. Gutes Schreiben ist die Basis und soll wie ein Handwerk erlernt werden. Der Autor soll selbst Marketing-Know-how und den eisernen Willen zum Erfolg mitbringen. Beides benötigt er auch, denn schon bald wird klar, dass er die Hauptlast zu tragen hat, der Verlag stellt lediglich seinen guten Namen (sprich Reputation), das Kapital für die Vorfinanzierung der Druckkosten und seine Kontakte zum stationären Buchhandel und zu Journalisten zur Verfügung. Werbung kann er kaum machen – eine klare Ansage, die diejenigen Autoren auf den Boden der Realität zurückholt, die sich einen Verlagsvertrag gerade wegen des Marketings wünschen.

 

Nach 90 Seiten geht es im vierten Kapitel endlich zur Sache. Der Leser lernt, dass Marketing mit der Produktentwicklung beginnt, dass man ein Buch im Hinblick auf das Zielpublikum und den Markt schreiben muss, wenn es zum Bestseller werden soll. Dieses Kapitel ist lehrreich und essentiell für den naiven Jungautor. Wer jedoch dem Untertitel glaubt und sich fundierte Tipps für PR wünscht, wird bitter enttäuscht.

 

"Bestseller!" liest sich für ein Sachbuch angenehm flüssig, was aber nicht über ein zunehmendes Ärgernis hinwegtäuschen kann: Mit enervierender Penetranz wird nämlich darauf hingewiesen, dass man ohne Verlag ein Autor zweiter Klasse ist und niemals die Chance zum Beststeller hat, ja dass ein im Selfpublishing publiziertes Sachbuch sogar der Reputation des Autors schade. Die Autoren oder ihr Verlag (in diesem Fall identisch) haben nämlich genau die Hausaufgabe nicht gemacht, die sie für die Buchentwicklung selbst propagieren: Sie kennen ihr Publikum nicht. Das Nutzenversprechen wird vor allem Selfpublisher zum Kauf animieren, gerade die brüskieren sie aber am laufenden Band.

 

Es wäre ehrlicher gewesen, die Zielgruppe enger zu fassen und auf Sachbuchautoren mit Verlagsvertrag einzugrenzen. Dann hätte man sich auch das Kapitel Titelfindung sparen können, das nämlich nur für Selfpublisher wichtig ist (oder versuchen hier Verleger eine weitere Aufgabe auf den Autor abzuwälzen?) Unterm Strich bleibt für mich der Eindruck, dass hier zwei Verlagsmenschen eine Apologie des Verlagswesens schreiben. Dass sie Verlagsautoren den Kopf zurechtrücken und sie so erziehen wollen, dass der Verlag noch weniger Arbeit hat.

 

Die Autoren liefern realistische und ehrliche Einblicke in den Buchmarkt, das muss man ihnen zugutehalten, hierin besteht auch der wahre Nutzen des Buches. Praktische Tipps finden sich jedoch kaum. Allenfalls ansatzweise in den Interviews der Bestsellerautoren, von denen zumindest zwei ihre Brötchen nicht mit Büchern, sondern mit Keynote-Speaking verdienen. Vieles wird angerissen, noch mehr gefordert, man bekommt einen groben Fahrplan und ein paar vage Ideen, Details und konkrete Anregungen erhält der vermarktungswillige Autor aber nicht. Mich animiert das Buch dazu, meinen Marketingfahrplan und meine To-Do-Liste zu überprüfen, mir aber relevante Informationen aus einschlägigen Publikationen zu holen.

 

Wem nützt nun dieses Buch wirklich? Der Belletristikautor spürt zwar, dass die Autoren ihn regelmäßig ins Boot holen wollen, jedoch genauso ratlos sind wie er selbst. Der Selfpublisher wird vom Kapitel zur Buchentwicklung profitieren und sich erste Anregungen zur Titelfindung holen können, sollte aber in puncto Titel und Vermarktung besser auf Spezialwerke zurückgreifen. Am ehesten hilft "Bestseller!" Sachbuchautoren mit Verlagsambitionen, diese finden neben den Überlegungen zur Produktentwicklung gute Hinweise, wie man einen Verlag schon anhand seiner Website einschätzen kann.

 

Insgesamt ein ambitioniertes Buch, das leider an der Oberfläche hängen bleibt und seine Zielgruppe verfehlt.

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104 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

krimi, mord, missbrauch, england, lynley

Bedenke, was du tust

Elizabeth George , ,
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.10.2015
ISBN 9783442313723
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dass Elizabeth George schon lange keine echten Whodunnit-Krimis mehr schreibt, stört mich nicht, ich war nie Krimileserin sondern stets Fan ihrer komplex ausgearbeiteten und mit Liebe zum Detail gezeichneten Figuren. Was sich hier jedoch abzeichnet, ist der bedauernswerte Niedergang einer früher einmal großartigen Reihe.

Mit dem Klappentext versucht der Verlag offenbar zu retten, was zu retten ist. Faktum ist, dass er uns das als Köder verkauft, was erst ab Seite 107 beginnt, der Mord selbst passiert auf Seite 198. Das ist kein Setup mehr, das ist gähnende Langeweile und das hätte eine Autorin, die selbst einmal Creative Writing unterrichtete, einfach besser wissen müssen.

Als Krimi funktioniert das Buch nicht, dazu ist die Handlung viel zu gewollt konstruiert. Was sich Ermittlung nennt, verdient den Namen nicht, obwohl hier drei Vollprofis am Werk sind (Lynley, Havers und Nkata). Keinem dieser Vollprofis wäre in einem früheren Band der Fehler unterlaufen, der hier am Ende der sehr sogenannten Ermittlungen steht … aber ich will nicht spoilern. Gut möglich, dass einem solch ein Irrtum unterlaufen kann, aber gleich allen dreien?! Genauso unschlüssig wie die Ermittler verhalten sich die Hauptverdächtigen: Verzeihung, Reue und so manch andere noble Eigenschaft passen nicht zum Charakter der Figuren, wie er vorher aufgebaut wurde. Also leider auch in psychologischer Sicht ein Fehlschlag.

Dabei scheint Psychologie das Hauptanliegen der Autorin gewesen zu sein. Hier begegnet uns ein Sammelsurium kaputter Menschen, wer keinen heftigen psychischen Schaden hat, wird zur Nebenfigur degradiert. Die Sympathieträger finden sich alsbald in der Leichenhalle oder im Krankenhaus wieder.

Wenn also weder der Krimi noch die Geschichte einer gestörten Familie funktionieren, könnte man sich vielleicht an den liebgewordenen Figuren anklammern? Mitnichten. Elizabeth George hat sich bis heute nicht von ihrem kapitalen Fehler, Lynleys Frau Helen ermorden zu lassen, erholt. Seitdem versucht sie mit Gewalt, ihn als gebrochenen Mann darzustellen, seine Beziehungen sind nervig und er bleibt ein Schatten seiner selbst. Wenigstens hat sie Haddiyah nun abserviert und die letzten zehn Seiten – wohl als Cliffhanger für den nächsten Roman gedacht – stellen zumindest eine neue Freundschaft für Havers in Aussicht. Und wer weiß, vielleicht endlich sogar die Liebe, die ich nach dem Toskana-Buch für sie erhoffte, die aber hier 700 Seiten lang mit keinem Wort erwähnt wurde. Sowohl Lynley als auch Havers haben ihren einstigen Glanz jedoch längst eingebüßt.

Von den Romanen nach Helens Tod konnte mich nur mehr "Glaube der Lüge" überzeugen. Das hier ist nun leider der zweite Fehlgriff und wenn es so weiter geht, ruiniert die Autorin eine meiner Lieblingsreihen. Ich hoffe dennoch auf einen weiteren Lynley-Roman, vorzugsweise mit ihm in der tragenden Rolle. Bis dahin möchte man der Autorin den deutschen Titel in die Ohren schreien: "Bedenke, was du tust!"

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43 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

kalter krieg, john le carré, ddr, spionage, täuschung

Der Spion, der aus der Kälte kam

John le Carré , Manfred von Conta , John LeCarré
Flexibler Einband: 255 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.09.2009
ISBN 9783548281513
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Fernab jeglicher James-Bond-Romantik erzählt Le Carré eine Spionage-Aktion aus der Zeit des kalten Krieges. Alec Leamas, britischer Geheimdienstler und operativer Leiter für Ostdeutschland, wird als Überläufer aufgebaut, um der DDR Informationen zuzuspielen und seinen hochrangigen Gegenspieler auszuschalten.

In nüchternem Erzählstil zeichnet Le Carré eine äußerst dichte und beklemmende Atmosphäre und ein perfides zwischenmenschliches Spiel. Geheimdienstarbeit wird dadurch nicht glorifiziert, sondern in ihrer Kälte und Menschenverachtung entlarvt, Menschen bedenkenlos benutzt. Noblesse ist fehl am Platz, Spionage ist ein dreckiges Geschäft.

Die Auflösung war für mich überraschend, schlüssig und vor allem ernüchternd. Selten ließ mich ein Buch dermaßen verstört zurück. Hut ab vor dieser erzählerischen Leistung!

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29 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

liebe, carine bernard, krimi, pater noster, werbeagentur

Pater Noster

Carine Bernard
E-Buch Text: 235 Seiten
Erschienen bei null, 10.07.2016
ISBN 9783739332536
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein Mord in der Werbebranche, verwoben mit einem klassischen Dreiecksverhältnis, das verspricht durchaus ein interessantes Setting. Carine Bernard spinnt einen leicht zu lesenden, schmalen Roman um die naive Werbegrafikerin Deborah, ihren Ex-Freund und Einzelunternehmer Stefan und den Womanizer und Agentur-Chef Carl. Man merkt, dass sie Erfahrung mit Krimis hat, denn der Mord ist raffiniert ersonnen und passt in seiner ausgefallenen Durchführung absolut zur Kreativbranche. Er ist zweifellos das Highlight dieses Romans und über kleine Ungereimtheiten innerhalb der Werbewelt kann man großzügig hinwegsehen, weil sie weder der Story schaden noch das Lesevergnügen schmälern.

Deborah fungiert als Protagonistin und Ermittlerin, die Handlung schrammt zwar manchmal sehr gefährlich am Zufall entlang, ist jedoch schlüssig konstruiert. Schade, dass die Autorin nicht das komplette Personal nützt, um zusätzliche Verdächtige aufzubauen, sie spitzt den Verdacht viel zu früh auf zwei Verdächtige zu und beraubt sich und ihre Leser somit mancher überraschenden Wendung und falscher Fährte. Zumindest drei zusätzliche Täter wären für mich plausibel gewesen, aber leider deckt sie ihre Karten reichlich früh auf.

Bei rund 200 Seiten das auslösende Ereignis (und damit meine ich nicht den Mord, der lässt noch länger auf sich warten!) erst auf Seite 50 zu erzählen, birgt ein nicht unerhebliches Risiko. Oder anders gesagt: Auf weiten Strecken tut sich nichts, die Handlung kommt nicht in die Gänge. Wir richten mit Deborah die neue Wohnung ein, wandern durch die leere Agentur und inspizieren die Büroräumlichkeiten oder sehen ihr beim Schminken vor dem mütterlichen Spiegel zu. Zwar zeigt die Autorin uns plastische Kulissen (die Sommerhitze wirkt etwa wie eine Wand), nur scheint sie in Setting und Kostüme so verliebt, dass sie die Charaktere ihrer Figuren darüber vergisst.

Die sind ein weiterer Schwachpunkt an "Pater Noster", für meinen Geschmack bleiben sämtliche Figuren zu sehr im Klischee verhaftet. Die naive Liebende, der eifersüchtige Chaot mit Herz, der schürzenjagende Yuppie nebst passendem Aussehen und entsprechenden Statussymbolen. Keine Dilemmata oder inneren Konflikte, kein Tiefgang, keine faszinierende Persönlichkeit, die es kennenzulernen lohnt. Vielleicht ist die mangelnde Seele der Figuren auch der Grund dafür, dass die Dialoge stellenweise unglaubwürdig und künstlich wirken. Apropos Klischee: Das Mordmotiv könnte platter nicht sein, auch hier wurden Möglichkeiten verschenkt.

Der Todeskampf des Mordopfers zieht sich zwar über mehrere Seiten hin, berührt jedoch nicht. Eine Beschreibung mehr, in Emotionen einzutauchen war mir nicht möglich, das gilt übrigens für den ganzen Roman. Die Sprache könnte stellenweise geschmeidiger und rhythmischer sein, den Satzbau dürfte man durchaus auch mal variieren, um die Lektüre flüssiger zu gestalten. Neben für die Handlung unwichtigen Beschreibungen ist auch so manche Wiederholung überflüssig, sodass sich das Buch eher wie ein Rohtext mit Potenzial als wie ein fertiger Roman liest.

"Zu wenig Blut für einen Thriller, zu viel Romantik für einen Krimi und zu viel Mord für eine Liebesgeschichte", so wirbt Carine Bernard für ihr Buch. Nun, Blut braucht ein Thriller nicht unbedingt, für einen Thriller vermisste ich jedoch die atemlose Spannung, die mich von Seite zu Seite trägt. "Pater Noster" ist nette Unterhaltung für zwischendurch und wird wahrscheinlich Lesern leicht dahinplätschernder Liebesromane gefallen. Für mich liegt das Potenzial der Autorin eher im Cozy Mystery. Wenn sie hierfür noch an ihren Figuren feilt und zusätzliche Verwicklungen einbaut, könnten ihre zukünftigen Romane durchaus interessant werden.

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Tags: cozy mystery, düsseldorf   (2)
 

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schriftstellerbiografie, literaturwissenschaft

Schiller. Bd.2


Fester Einband: 686 Seiten
Erschienen bei Beck
ISBN 9783406462252
Genre: Sachbücher

Rezension:

Peter André Alt schreibt eine vorbildliche Schiller-Monographie: fachlich fundiert unter kritischer Berücksichtigung seines Werkes und der geistigen Strömungen im 18. Jahrhundert. Nicht purer Voyeurismus (obwohl auch das Interesse am Menschen Schiller durchaus befriedigt wird), sondern Einordnung dieses Ausnahme-Dichters in seine Epoche steht im Vordergrund. Dabei wird auch seltener zitierte Forschungsliteratur berücksichtigt und insgesamt ergeben sich neue, spannende Perspektiven, Schiller zu lesen.
Diese Monographie richtet sich primär an ein Fachpublikum und stellt meines Erachtens die noch immer aktuelle Grundlage für eine Beschäftigung mit Schiller dar.

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Tags: literaturwissenschaft, schriftstellerbiografie   (2)
 

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literaturwissenschaft, schiller, biographie, friedrich schiller, band 1

Schiller. Bd.1

Peter-André Alt
Fester Einband: 737 Seiten
Erschienen bei C. H. Beck, 01.01.2000
ISBN 9783406459054
Genre: Biografien

Rezension:

Peter André Alt schreibt eine vorbildliche Schiller-Monographie: fachlich fundiert unter kritischer Berücksichtigung seines Werkes und der geistigen Strömungen im 18. Jahrhundert. Nicht purer Voyeurismus (obwohl auch das Interesse am Menschen Schiller durchaus befriedigt wird), sondern Einordnung dieses Ausnahme-Dichters in seine Epoche steht im Vordergrund. Dabei wird auch seltener zitierte Forschungsliteratur berücksichtigt und insgesamt ergeben sich neue, spannende Perspektiven, Schiller zu lesen.
Diese Monographie richtet sich primär an ein Fachpublikum und stellt meines Erachtens die noch immer aktuelle Grundlage für eine Beschäftigung mit Schiller dar.

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london, afrika, ärztin, liebe, england

Die Winterrose

Jennifer Donnelly , Angela Felenda
Flexibler Einband: 784 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.11.2008
ISBN 9783492252812
Genre: Historische Romane

Rezension:

Obwohl es sich bei "Die Winterrose" um die Fortsetzung von "Die Teerose" handelt, lässt sich dieses Buch auch problemlos als Einstieg lesen. Im Mittelpunkt steht die Liebesbeziehung des ungleichen Paares Sid Malone (Gangsterboss) und India Selwyn-Jones (idealistische, adelige Armenärztin), wobei es Donnelly gelingt, diese Beziehung nicht nur zu romantisieren. Ausgezeichnet dargestellt ist das Milieu in Whitechapel, dem Londoner Elendsviertel und der korrupten Politik, die mit Phrasendrescherei und Scheinlösungen unter den Arbeitern auf Stimmenfang geht. Überhaupt sehe ich in der Darstellung des Elendsviertels (realistisch aber nicht eklig) und in den politischen Anspielungen die Stärken des Buches. Die üblichen Topoi (starke Frauen, Liebeshandlung, Happy End nach zig Verwicklungen und Hindernissen) entsprechen dem Genre.

Erfreulich ist der Versuch, die Figuren einigermaßen differenziert zu gestalten, die Guten haben ihre Probleme mit der persönlichen Schuld und die Bösen sind durch ihre schreckliche Kindheit zumindest ansatzweise ambivalent dargestellt. Leider bleibt Donnelly dabei in den Ansätzen stecken, die Aufteilung gut-böse wird sehr schnell klar und auch nicht mehr in Frage gestellt. Wenn auch sympathisch aber nicht sehr überzeugend ist die Figur der kleinen Charlotte, die als Sechsjährige eine Einsicht und Abgeklärtheit beweist, die nicht einmal Erwachsene besitzen. Die gekonnte Erzähltechnik mit ihren geschickten Rückblenden und oftmaligen Perspektivwechseln geht dafür eindeutig über den Durchschnittshistorienroman hinaus.

Überflüssig ist die Afrika-Episode, die sich auch nicht so recht in den Gesamtzusammenhang fügen will. Sie bläst das Buch nicht nur unnötig auf, sondern stellt einen regelrechten Bruch dar. Auch den im zweiten Teil eingeführten Handlungsstrang mit Seamie und Willa finde ich äußerst entbehrlich.

Unnötig sind kleine Anachronismen, die bei einem Historienroman nicht vorkommen sollten. So wurde etwa der Pagenkopf von Coco Chanel erst 1916/17 kreiert und die Damen schnitten bekanntlich ihr Haar erst in den 20er-Jahren ab. Ebenso scheint die Autorin auch beim Alter des Bergsteigers George Mallory zumindest implizit etwas geschummelt zu haben.
Solche Mängel sind zwar ärgerlich, tun jedoch dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

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