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784 Bibliotheken, 6 Leser, 3 Gruppen, 67 Rezensionen

paris, liebe, jojo moyes, flitterwochen, hochzeitsreise

Die Tage in Paris

Jojo Moyes , Karolina Fell , ,
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.01.2015
ISBN 9783499267901
Genre: Liebesromane

Rezension:  
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(32)

51 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

tarantel, italien, apulien, apilien, lokalkollorit

Tanz der Tarantel

Kirsten Wulf
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.06.2014
ISBN 9783462046441
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Geschichte 
=========== 

Elena von Eschenburg lebt nach ihrer Trennung seit kurzem mit Sohn Ben bei ihrem Onkel Gigi in Apulien. In den heißen Sommermonaten lernt sie die Tradition der “Pizzica”-Musik kennen, die ehemals hypothetisch die Wirkung hatte, besessene Frauen (die sog. “tarantate”) zu heilen, die von einer Tarantel gebissen wurden und deshalb unter einer Art Fluch oder Wahn zu leiden schienen. 
Elena lernt Nicola kennen, der sich ganz dieser Musik verschrieben hat. Sie begleitet den Mann und seine bunte Truppe einige Tage lang, um Material und Fotos für eine Berichterstattung zu sammeln. 
Es beginnt ein bedeutendes Fest zu Ehren der alten Bräuche und der Auftritt von Nicola und seinem Team wird einer der Höhepunkte sein. 
Am Morgen des dritten Festtages erhält Elena frühzeitig eine rätselhafte SMS von Nicola, der sie in einer kleinen Kapelle sehen will. Sie nimmt ihre Kamera und fährt trotz einiger Ängste zum Treffpunkt. Doch dort trifft sie nur noch Nicolas Leiche an. 
Kommissar Cozzoli ist indessen noch in Mailand, um seine Aussagen bei einem Mafia-Prozess zu machen. Während seiner Abwesenheit beginnt Elena auf eigene Faust mit den Ermittlungen… 

Meine Meinung 
============ 

Beim Anblick des Buches in meinen Händen habe ich mich erstmal gefreut. Was für ein verlockendes Cover. Hier aus dem Fenster geschaut und nur graue Wolken, Regen und Wind gesehen und dann ein traumhaftes Blau und eine interessante Kulisse auf dem Buch. So kann Sommerlektüre aussehen. Das hat mir dann sehr schnell Lust zum Losblättern gemacht. 

Da ich zwar schon mal in Italien war, wusste ich zwar so ungefähr, wo Apulien zu finden ist. Aber ein wenig genauer musste ich mich dann doch informieren. Apulien ist eine in Südost-Italien gelegene Region mit der Hauptstadt Bari. Die Halbinsel Salento im Süden Apuliens bildet den sogenannten „Absatz“ des italienischen „Stiefels“. Das Klima bietet milde Winter und heiße Sommer. Na gut, dann war ich mir zumindest geografisch schon einmal im Klaren darüber, wohin die Lesereise mich führen würde. 

Dann kam aber gleich die nächste Frage, die sich mir stellte. Was bitte hat eine Tarantel mit dem Tanzen zu tun? Hier wird man von der Autorin zwar zuerst in den heißen Tanz und dann in eine ganz allmähliche Erklärung geworfen, aber so ganz genau wusste ich es dann immer noch nicht. Wie gut, dass man heute alles hinterfragen kann. Die Tarantella ist ein aus Süditalien stammender Volkstanz. 
Wahrscheinlich wurde ihr Name von der Stadt Tarent, die eben in Apulien liegt, abgeleitet. Der Volksmund legt dem Namen jedoch „Tarantula“ zugrunde, einer unter anderem in Italien anzutreffenden Spinne. „Tarantella“ hieße dann im Ursprung „kleine Tarantula“. Der Biss der Tarantel ist schmerzlich, aber nicht hoch schädlich. Der wilde Taranteltanz soll eine Therapie darstellen: Die Musiker kamen ins Haus des Patienten oder auf den Marktplatz und begannen zu spielen; der Gebissene tanzte bis zur völligen Erschöpfung, um das Gift aus dem Körper zu treiben. Nun gut, damit begann dann eben auch das Buch. Und ich befand mich nicht etwa im Mittelalter, sondern wohl in den 1970er Jahren. 

Und damit nicht genug. Kaum hatte ich das nun alles nachgelesen, wurde im Buch von den Pizzica Klängen geschrieben, der furiosen Musik des Salento. Ah ja. Also wieder nachlesen. Die Pizzica ist ein aus dem 14. Jahrhundert stammender ursprünglich therapeutischer Tanz. Der Name kommt vom italienischen Wort „pizzicare“, was „stechen“ oder „beißen“ bedeutet. 

Gut, nun aber mal weiter im Buch. Ich wurde gleich am Anfang eben nicht nur mit all den landestypischen Dingen konfrontiert, sondern auch noch mit vielen, vielen Namen. Es gibt wohl ein Vorgängerbuch, welches Elenas Ankunft in Italien und ihre erste Zeit dort beschreibt. Aber das hatte ich nicht gelesen. So stand ich da und musste Rosaria, Gianni, Elena, Ben, Gigi, Michele und Nicola, deren Namen mir alle bis zur Seite 10 um die Augen gehauen worden waren einordnen. Das wäre ja eine Sache gewesen, die man dann noch gemanagt bekommt, aber dann geht es auch noch mit Gegenwart und Rückblicken munter weiter. Und es kommen noch eine Menge mehr Personen im Lauf des Krimis dazu. 
Leider bleiben diese aber allesamt sehr schwach charakterisiert. Gut, der Kommissar ist launisch und brummig, das sind aber so viele andere Kommissare auch. Elena ist mir zu oberflächlich, als dass man sich mit ihr identifizieren möchte. Gigi, ihr Onkel, ist noch am sympathischsten. 

Leider sind das noch nicht alle Mankos, die mir aufgefallen sind. Was mich wirklich sehr gestört hat, waren die vielen italienischen Vokabeln, die kursiv auf jeder Seite mehrfach eingeschoben worden sind. Frau Wulf, es tut mir sehr leid, aber das nervt. Ich mag die italienische Sprache sehr und kann mir auch durchaus Essen und Trinken bestellen und ein paar Floskeln wechseln. Es ist also nicht so, dass ich nur deutsch lesen und sprechen möchte. Aber in diesem Buch ist der Schmerzfaktor an Sprachengewirr doch überschritten. 
Zumal sich dann auch noch Fehler eingeschlichen haben. Auf Seite 33 wird beispielsweise aus Gianni plötzlich Nicola. Auf Seite 121 lese ich: …“ einige Leute kam mit Tamburinen heraus“, für mich kamen sie heraus. 

Die Geschichte an sich geht relativ unblutig und eigentlich auch recht unspektakulär dem Ende entgegen. Ich wollte schon gern noch das Ende der Ermittlungen erfahren und habe deshalb bis zum Ende durchgehalten. 

Aber trotz allem würde ich das Buch doch empfehlen. Und zwar zwei Gruppen. Zum einen Italienliebhabern, die hier durchaus die Landschaft, die Bewohner, das Essen und das Klima sehr detailliert beschrieben bekommen. Das ist sehr gelungen und stimmt sicher auf eine Italienreise wunderbar ein. Man kann ja nebenbei auch schon eine Menge italienisch lernen. Zum anderen werden Musikbegeisterte ganz auf ihre Kosten kommen, denn es wird reichlich Tamburin gespielt. 

Und ich mag das wunderschöne Cover, dass so ganz im Gegensatz zu dem grauen Ausblick aus meinem Fenster steht. 


Die verwendete Zitate / Leseproben wurden ausgewählt und eingebaut um den Stil, Spannungsanteil, Detailreichtum oder ähnliches aufzuzeigen. Sie gehören nach wie vor dem rechtlichen Eigentümer, also dem Autoren und dienen hier lediglich der Unterstützung meiner Rezension. 


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102 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

liebe, freundinnen, testamen, tot, schweden

Sommerfreundinnen

Åsa Hellberg , Sarah Houtermans
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.05.2014
ISBN 9783548612058
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte 
=========== 

Mehr als dreißig Jahre waren Sonja, Susanne, Maggan und Rebecka beste Freundinnen. Dann stirbt Sonja plötzlich an Herzversagen. Aber auch nach ihrem Tod bleibt sie im Leben der anderen Frauen präsent. Mit dem Wunsch“ Ich will, dass ihr glücklich werdet“ schickt sie jeder der drei zu einem bestimmten Ort, wo sie eine bestimmte Mission erledigen sollen. Dabei hat Sonja nichts dem Zufall überlassen. Die drei müssen sich auf ein neues Leben in Paris, London und auf Mallorca einlassen. 

Meine Meinung 
============ 

Wie gesagt, fand ich es sehr interessant, ein Werk einer mir bis dahin unbekannten Schriftstellerin aus Schweden kennenlernen zu dürfen. Gerne lese ich Bücher von Åsa Larsson, Camilla Läckberg, Stieg Larsson und natürlich Henning Mankell. 

Als ich das Buch in den Händen hielt, war ich zunächst von dem Cover beeindruckt. Ein außerordentlich romantisches, aber nicht kitschiges Bild, das Lust auf einen warmen Sommertag im Garten macht. Der Titel ist leicht erhaben gedruckt. Auch das wirkt sehr angenehm. Das Bild ist auf der Innenseite des Buches noch einmal abgedruckt. Für die äußere Erscheinung bekommt das Buch schon mal die Höchstwertung. 

Die ersten Seiten, die ich noch online gelesen hatte, ließen mich vermuten, dass mich hier ein unterhaltsamer, wenn auch nicht außerordentlich tiefgründiger Roman erwarten würde. Die Idee, nach der das Leben von drei Freundinnen durch die beste vierte Freundin gehörig durcheinander gewirbelt wird und wie diese so unterschiedlichen Frauen mit ihren neuen Lebenssituationen umgehen werden finde ich durchaus ansprechend und ich erwartete eine abwechslungsreiche Umsetzung mit einer großen Portion Emotion. 

Leider wurde ich in dieser Hinsicht aber doch arg enttäuscht. Man befindet sich als Leser in Schweden, in Frankreich, in Spanien und in England. Und man sieht den Julbock unter dem Weihnachtsbaum, schmeckt den französischen Käse, spürt den warmen Wind auf Mallorca und steht im Londoner Regen. Das wird alles sehr leidenschaftlich geschildert. Allerdings war es das dann auch schon mit einer gefühlsmäßigen Schilderung. 

Die Protagonistinnen sind sehr unterschiedlich, was eine erstklassige und vielschichtige Ausgangslage ermöglicht. Maggan, will nach Möglichkeit ihre Lieben immer eng bei sich habe, Rebecka muss sich und anderen ständig beweisen, wie fähig und kompetent sie ist, und Susanne legt es stets darauf an, verlassen zu werden, weil sie nicht glauben kann, dass jemand sie wirklich mag. Leider gerät die Autorin dann in einen leicht chaotischen Strudel und die drei Damen sind für mich vor allem sehr oberflächlich. Die Geschehnisse werden so sprunghaft und durcheinander, dass ich mir einfach nicht merken konnte, wer letztendlich wer war, wer wo war, und wer was mit wem zu tun hatte. Ich kannte zwar die einzelnen Stränge und Handlungen, konnte sie aber kaum einander zuordnen. Nachdem ich einige Kritiken über das Buch gelesen habe, konnte ich mich aber immerhin damit beruhigen, dass es nicht nur mir so ging. Manche Beschreibungen waren auch einfach extrem überflüssig. Wie sich die eine oder andere Dame fühlt, wenn gerade in sie eingedrungen wird, ist einmal ganz nett zu lesen, wird dann aber auf Dauer doch ein wenig nervend. 

Der Sprachstil ist locker und leicht lesbar. Aber im Ganzen ist mir das Buch zu reibungslos. Alles ist schön, jede Frau bekommt einen wunderbar passenden Mann und in jedem Land kann man ohne Schwierigkeiten einen Neuanfang hinbekommen. Dazu ist man dann aber so oberflächlich, dass man sich eigentlich gar nicht so richtig kennt. 

Zum Schluss wird es ein wenig spannend, aber genau dieser Knoten wird nicht aufgelöst und so bleib ich als Leserin dann mit einem unerfüllten Gefühl zurück. 

Mir gefällt der Originaltitel besser, als der deutsche. Bei Sommerfreundinnen habe ich gemeint, es sind Frauen, die sich einen Sommer lang als Freundinnen begegnet sind. Das ist so ja überhaupt nicht richtig. „Sonjas sista vilja“ bedeutet Sonjas letzter Wille, und das trifft den Nagel eher auf den Kopf. 

Ich empfehle das Werk jeden, der ein richtig schönes ansprechendes Cover im Bücherregal haben möchte. 


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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

ideen, teufel, sophia, glück, heiner

Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht

Jakob Hein
Audio CD
Erschienen bei Jumbo Neue Medien, 29.09.2008
ISBN 9783833722448
Genre: Romane

Rezension:

Meine Meinung 
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Erst vor kurzem hatte ich ein dünnes Buch gelesen, das seinem Preis überhaupt nicht gerecht werden konnte. Nun bekam ich dieses Büchlein geschenkt. Es ist nur 175 Seiten stark und kostet 16,90 €. Somit ist es eben auch alles andere als ein Schnäppchen. Auf dem ersten Blick zumindest. Aber ich wollte dem Werk doch zumindest die Chance geben, mich zu überzeugen, dass es einen besonderen Wert hat. 
Was mir auf den ersten Blick gefallen hat, war das in warmen Farben gehaltene Cover und der Umstand, dass es ein Leseband hat. Die dreizehn Kapitel sind übersichtlich gegliedert und auf dickerem Papier gedruckt. Soweit ist es eben wirklich schon mal überzeugend. Und dann der Titel, eigentlich ja nichtssagend oder möglicherweise verwirrend. Aber mir kam in den Sinn, dass ich etwas ähnliches schon mal gelesen hatte. Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht. Und dann fiel es mir ein. Goethe hat es in seinem Werk „Faust“ geschrieben. " Den Himmel über mir und unter mir die Wellen". Ja, und das war dann wieder ein Aspekt, der mir gefallen hat. 
Und sodann war ich nach ein paar Seiten mittendrin in der Gedankenwelt von Jakob Hein. Da sitzt nun Boris Moser in seiner Agentur für verworfene Ideen. Die Räume gehörten vorher zum Computerladen Pixelbrain. Und den wollte ja auch eigentlich die Dame am Telefon sprechen. Aber schon allein die Illusion dieser Agentur habe ich als interessant empfunden. Hat nicht jeder von uns fast tagtäglich Ideen, die er dann doch verwirft, weil sie eben doch nicht ins Leben passen. Aber leider heftet diesen Ideen dann ja doch der Misserfolg an, so ein leichter miesepetriger Essiggeruch und es ist ja kein Wunder, dass niemand davon gern erzählt. Und Boris hat zudem ja noch Romananfänge auf Lager. Wenn diese auch nur von ihm selbst stammen. Und dann liest Boris einen seiner Romananfänge vor und schon ist der Leser im nächsten Geschehen. Tja und dann geht es los mit dieser Geschichte in der Geschichte in der Geschichte. 
Das ist ziemlich schräg, mag jeder jetzt denken, der das Buch nicht kennt. Ja, vielleicht ist es das tatsächlich. Aber ehrlich gesagt, finde ich es einfach nur herrlich. Boris erzählt die Geschichte von Sophia, einer attraktiven Frau, die die Gabe hat, Gedanken lesen zu können. Als sie auf der Straße zusammenbricht und ins Koma fällt, kann sie trotzdem mit dem Arzt Sebastian auf der Intensivstation sprechen. Und auch hier sind es die tiefsinnigen aber niemals erdrückenden Gedanken, die mich begeistert haben. Dem Autor geht es zum einen um die zwischenmenschlichen Beziehungen. Aber es geht noch um mehr. Es geht um die Suche nach dem Sinn des Lebens, um die Leichtfertigkeit mit der wir Menschen mit manchen Dingen umgehen, um Oberflächlichkeiten und Tiefsinn. Jakob Hein erzählt von der Freude am Leben, von Erfolgen und Misserfolgen, von den Wendenpunkten, denen wir im Leben begegnen. 
Nebenbei, so meint man als Leser jedenfalls, erfährt man die Zubereitung von virtuosem Tee und perfekten Kaffee. Aber selbst hier entdeckt man so einiges an Philosophie. 
Ich habe bei dem Buch einige Male schmunzeln müssen. Aber ich habe mir auch Fragen gestellt. Wie nutzt man am besten die Jahre zwischen Wiege und Grab? Blicke ich lieber vorwärts oder eher zurück oder bin ich gar blind, wie ein Maulwurf? Schreibe ich auch nur die Anfänge von Geschichten und überlasse es anderen, sie weiter zu denken? 
Zum Ende des Buches hin bekommt zwar nicht jede der Geschichten ein Ende, aber doch in sich einen Abschluss. In einer Besprechung zu diesem Werk wurde gesagt, dass der Autor die Absurdität des Lebens aufs Korn nehmen will. Ja, und diese Beschreibung trifft sicher auch treffend zu. Ich fand einige Dinge wirklich verrückt, und das im ganz eigentlichen Wortsinn. 
Es ist ein Buch, dass Situationen des Alltäglichen aus einer anderen Perspektive sieht, sie durchleuchtet und darüber philosophiert. Abwegig ist das Leben ja immer mal wieder, und verrückt eben auch. 
Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Es lässt sich flüssig und locker lesen. Leider ist es fast ein wenig zu kurz geraten. Aber es beschäftigt den Leser, wenn der das dann möchte, noch eine ganze Zeit nach dem Schließen des Buchdeckels. 


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Azorenhoch

Bettina Haskamp , Caroline Peters
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 14.04.2014
ISBN 9783837125900
Genre: Romane

Rezension:


Die Autorin 
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Bettina Haskamp wurde im Jahr 1960 geboren. Sie ist gelernte Journalistin, entschied sich aber schließlich für das Leben als Autorin. Seit 2007 widmet sie sich dem Schreiben von Romanen 
Sie lebt mit ihrem Mann, Hunden und Katzen in Portugal und Hamburg. 



Die Geschichte 
============ 

Helena Janssen, von Familie und Freunden Lena genannt, lebt als Rednerin für Lebens- und Trauerfeiern in Hannover. Bei einer Beerdigung lernt sie Marco Müller kennen. Der Mann mit den stiefmütterchenblauen Augen gefällt ihr auf den ersten Blick. 
Marco ist ein Weltenbummler und derzeit mit einem Projekt auf den Azoren beschäftigt. Dort will er auf der Insel Sao Miguel mit seinem Bekannten Paulo Cabral ein verlassenes Dorf restaurieren. 
Nach einiger Überlegung fliegt Lena zu Marco und die Dinge nehmen ihren Lauf. 


Meine Meinung 
============= 

Das Cover des Buches ist im Prinzip sehr schlicht, passt allerdings gut in den Frühling. Denn es ist frisch in Grün gehalten. Die zwei Personen, die man dann auf der Bank sitzen sieht, erinnern an die anderen Buchumschläge, die für die Bücher von Bettina Haskamp genutzt worden sind. Das ist dann wohl so eine Art Wiedererkennungsfaktor. 

Ich hatte ein Buch von der Autorin mal ausgeliehen bekommen. „Alles wegen Werner“ war der Titel. Mir fehlte allerdings die Zeit, es wirklich zu lesen und so war das „Azorenhoch“ mein Debüt mit Bettina Haskamp. 

Die ersten Seiten, die ich noch online gelesen hatte, ließen mich vermuten, dass mich hier ein unterhaltsamer, wenn auch nicht außerordentlich tiefgründiger Roman erwarten würde. Das kam mir gerade recht, denn ich hatte vorher zwei Bücher gelesen, die große Aufmerksamkeit erforderten und ein wenig leichtere Kost käme da zwischendurch gerade recht. 

Weitere Faktoren mir das Buch interessant erscheinen zu lassen, war der Name Lena. So heißt meine Tochter auch. Und diese Lena lebt in Hannover. Meine Tochter Lena ebenfalls. So gab es eben ferner einen persönlichen Grund, mit dem Lesen dieses Buches zu beginnen. Zudem sind die Azoren mit ihrer Flora (es kommen circa 70 Pflanzen nur auf den Azoren vor) und Fauna (sehr viele Fische, sowie Wale und Delphine) auch für mich schon als Reiseziel attraktiv gewesen, allerdings zu den Zeiten, als ich dort hätte Urlaub machen können ein wenig jenseits meines Kontingentes. 
Das Buch spielt auf der Insel Sao Miguel. Sie ist mit einer Breite von 16 Kilometern und einer Länge von 65 Kilometern die größte der Azorengruppe. 

Die ersten Seiten sind flüssig zu lesen. Man ist sehr schnell in der Erzählung drin. Diese Geschichte verflacht dann aber schnell. Hatte ich doch eher eine Erotikerzählung in der Hand? Sehr oft wurde der Sex angesprochen. Ich bin alles andere als prüde, aber wenn dann beim Entstehen von Inseln der Sex der Götter oder bei Betonburgen der Sex der Ingenieure herangezogen wird und ansonsten die Beziehung der beiden Protagonisten vor allem in der Horizontalen spielt, ist mir das für einen Roman ein wenig viel oder auch ein wenig zu wenig von anderen Dingen. 
Immer wieder versucht die Autorin mit ihrem Humor zu punkten. Der kommt bei mir allerdings nicht so ganz an. Ich finde die Reiselustigkeit von Hausstaub ebenso nichtssagend wie zusammengezogene Nasenflügel um der portugiesischen Sprache mächtig zu sein. Das wirkt für mich befremdlich und aufgesetzt. 

Die Hauptfiguren, zu denen sich dann noch einige Personen auf den Azoren gesellen, bleiben leider sehr oberflächlich und uninteressant. Selbst mit Lena kann man kaum mitfühlen. Die Geschichte an sich birgt einen Kern, der sicher ausbaufähig ist, aber das findet bei diesem Werk nicht statt. Da tatsächlich auf den Azoren manche verlassenen Dörfer wieder liebevoll urban und als Ferienanlagen umstrukturiert worden sind, biete eine solide Grundlage für einen tiefergehenden Roman. Auch einige der Gedankenspiele von Frau Haskamp könnten dann umgesetzt werden, ohne albern oder oberflächlich zu sein. 

Punkte gewinnt für mich das Buch durch die Beschreibung der Landschaft der Azoren. Ich habe die Farben von Meer und Pflanzen förmlich vor mir gesehen und hatte auch den würzigen Duft in der Nase. Aber das allein reicht nicht für einen durchschnittlichen oder gar guten Roman. Da würde ich dann doch eher zu einem soliden Reiseführer greifen. 

Alles in allem kann ich dem Buch zwei Sterne geben. Empfehlen kann ich ihn leider höchstens, wenn man auf einer einsamen Insel nichts anders zu lesen findet, oder wenn das Wetter monatelang kein Azorenhoch aufweisen kann. 
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jakobsweg, fahrrad, trauer, santiago de compostela, umgang mit dem tod

Trauer ist eine lange Reise

Georg Koeniger
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei MALIK, 14.09.2015
ISBN 9783890294674
Genre: Biografien

Rezension:

Der Inhalt 
Georg Koeniger, geboren 1957 im Münsterland, von Beruf Kabarettist und Autor, verarbeitet in diesem Buch den Verlust seiner Frau Andrea, die plötzlich und für eine aktive Frau unerwartet an Lungenkrebs erkrankte und nach relativ kurzem, heftigen Leidensweg sterben musste. Sie wurde sozusagen mitten aus dem Leben der beiden gerissen. In ihrem Andenken begibt er sich im Mai 2014 auf eine vierwöchige Radtour, dem 2.500 km langen Jakobsweg von Würzburg nach Santiago de Compostela, weil sie den Wunsch hegte, dieses zu tun. 

Meine Meinung 
Eines vorweg. Mir war bis zu diesem Buch Georg Koeniger vollkommen unbekannt. Ich kannte ihn nicht als Kabarettist und auch nicht als Autor. Aber so konnte ich sehr unbefangen an das Buch herangehen. 

Als erstes betrachte ich das Cover. Es ist in warmen Farben gehalten. Das Rad und das Muschelzeichen vom Pilgerweg weisen dem Leser schon buchstäblich die Richtung. Und ein Pfeil ist zu sehen, und der zeigt nach oben. Soll das in mehrfacher Weise ein Richtungszeichen sein? 
Bezeichnend ist das Leseband. Es trägt die Farbe schwarz. 
Sehr angenehm finde ich die Landkarte in dem Umschlag. Da sieht man immer genau, wo der Autor die einzelnen Etappen für eine Übernachtung unterbrochen hat und wie seine Tour verlaufen ist. 

Der Schreibstil ist sehr sympatisch, es kam mir beim Lesen so vor, als erzählte der Autor mir von seinen Erfahrungen und Gefühlen. Das macht einen ehrlichen Eindruck und als Leserin habe ich mich ihm nahe gefühlt. 
Was er schreibt und beschreibt ist emotional und bewegend. Die Liebe zu seiner Frau Andrea ist absolut spürbar. Georg Koeniger beschreibt abwechselnd die letzte Zeit mit seiner Ehefrau und die Erlebnisse im Verlauf seiner Reise. 
Seine Fahrt geht bergauf und bergab. Die Route ist mal kurvig, mal gerade, mal sehr holprig und mal ganz breit. Mal ist er allein, mal begleiten ihn andere Radler ein Stück weit. Und das ist im Grunde die Beschreibung seiner Trauerverarbeitung. 
Es ist ein Buch über den Tod und über das Leben. Über die Liebe, die auch über den Tod hinaus währt. Ein Buch über das Loslassen und das Zulassen der Trauer. Über das Verarbeiten des Verlustes eines geliebten Menschen und die Hoffnung auf den Neubeginn. Über das Scheitern und das Wachsen an scheinbar nicht zu überwindenden Schicksalsschlägen. 

Ist es ein Sachbuch? Ein Ratgeber? Ein Roman? 
Ich kann es nicht genau einordnen, aber es ist ein sehr lesenswertes, bewegendes Buch. Der eigentliche Jakobsweg steht weniger im MIttelpunkt als beispielsweise bei Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg". Vielmehr geht es um das eigene Überwinden und den eigenen Weg. 

Ich vergebe sehr gern alle fünf Sterne und kann dieses Buch absolut empfehlen. 


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drama, henrik ibsen, emanzipation, nora, norwegen

Nora (Ein Puppenheim): Reclams Universal-Bibliothek

Henrik Ibsen
E-Buch Text: 96 Seiten
Erschienen bei Reclam Verlag, 14.03.2013
ISBN 9783159602905
Genre: Romane

Rezension:

Im April dieses Jahres ist etwas für mich Schockierendes passiert.
Es wurde in unser Haus eingebrochen und die Eindringlinge haben nicht nur geraubt, sie haben auch noch stundenlang bei uns gekocht und gegessen. 
Dieser Tag hat mein Leben sehr verändert. 
So kann ich mich beispielsweise überhaupt nicht mehr auf ein Buch konzentrieren, wobei Lesen immer einen großen Stellenwert in meinem Leben hatte. Um langsam wieder ins Lesen gekommen, habe ich mir alte Reclamhefte genommen. Diese sind kurz, meist schon mehrfach von mir durchgearbeitet und somit eine kleine Einstiegshilfe in einen normaleren Alltag.
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Das Buch
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Nora (Ein Puppenheim)
Drama in 3 Akten
erschienen im Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag
Medium Taschenbuch
Seitenzahl 96
Originaltitel Et dukkehjem (1897)
Aus dem Norwegischen übertragen von Richard Linder
Nachbemerkung von Aldo Keel
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Der Autor
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Henrik Johan Ibsen wurde am 20. März 1828 in Skien als ältester Sohn einer traditionsreichen, vornehmen norwegischen Familie geboren. Von 1844 bis 1850 absolvierte er eine Ausbildung als Apotheker. 1850 zog er nach Kristiana (heute: Oslo), schrieb sich für ein Medizinstudium ein und näherte sich der Arbeiterbewegung, aber sein Hauptinteresse galt inzwischen bereits der Literatur.
Am 18. Juni 1858 vermählte Henrik Ibsen sich mit Suzannah Thoresen, einer Pfarrerstochter aus Bergen.
Von 1864 bis 1891 lebte Henrik Ibsen abwechselnd in Deutschland und Italien. Dann kehrte er nach Oslo zurück. Dort starb er am 23. Mai 1906.
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Worum geht es?
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Das Stück Nora spielt in der Wohnung von Torvald und Nora Helmer, seit 8 Jahren verheiratet, 3 Kinder. Es beginnt am Mittag des 24.12. und endet in der Nacht nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag.

Der Rechtsanwalt Helmer wird den Direktorposten einer Bank übernehmen, und so steigt die Familie gesellschaftlich auf. Nora ist ein hübsches, puppenhaftes und naives Mädchen, ihr Mann Torvald ein karriereorientierter Patriarch. Mittelpunkt der Handlung ist ein Schuldschein den Nora in der Vergangenheit ohne das Wissen des damals schwer kranken Helmers aufnahm, um ihm damit zu einer Reise zu verhelfen, ohne die er vermutlich gestorben wäre. Die Unterschrift, Nora durfte als Frau gar keinen Schuldschein aufnehmen, fälschte die Protagonistin. Krogstadt, der Gläubiger, ebenfalls Anwalt und bei Helmers Bank angestellt, erpresst aufgrund der Unterschriftenfälschung Nora, nachdem er von seiner bevorstehenden Kündigung erfährt. Er verlangt von ihr Torvald von diesem Vorhaben abzubringen.

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Personen
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Torvald Helmer, Rechtsanwalt
Nora, seine Frau
Doktor Rank
Christine Linde
Krogstad, Anwalt
Die drei Kinder Helmers Ivar, Bob und Emmy
Anne-Marie, Kinderfrau
Ein Hausmädchen bei Helmers
Ein Stadtbote
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Leseprobe
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Nora. Tu den Tannenbaum gut weg, Helene. Die Kinder dürfen ihn jedenfalls erst heute Abend sehen, wenn er geschmückt ist(Zum Stadtboten, indem sie ihr Portemonnaie hervorzieht.) Wieviel –?
Stadtbote. Fünfzig Öre.
Nora. Da ist eine Krone. Nein – behalten Sie den Rest. (Der Stadtbote dankt und geht. Nora schließt die Tür. Sie lacht noch immer stillvergnügt vor sich hin, während sie den Hut und Mantel ablegt. Sie zieht eine Tüte mit Makronen aus der Tasche und ißt ein paar; dann geht sie vorsichtig an die Tür ihres Mannes und lauscht.) Ja, er ist zu Hause. (Trällert wieder leise vor sich hin, indem sie rechts an den Tisch tritt.)
Helmer (in seinem Zimmer.) Zwitschert da draußen die Lerche?
Nora,(während sie einige Pakete öffnet.) Ja, das tut sie!
Helmer. Poltert da das Eichhörnchen herum?
Nora. Ja!
Helmer. Wann ist das Eichhörnchen nach Hause gekommen?
Nora. Diesen Augenblick(Steckt die Makronentüte in die Tasche und wischt sich den Mund ab.) Komm, Torvald, und sieh Dir mal meine Einkäufe an.
Helmer. Nicht stören!(Bald darauf öffnet er die Tür und sieht herein, mit der Feder in der Hand.) Einkäufe, sagst Du? Diese vielen Sachen? Ist das lockere Zeisiglein wieder aus gewesen und hat Geld verschwendet?

Wer gerne mehr bzw. alles lesen möchte kann das auch hier: 
http://gutenberg.spiegel.de/buch/ein-puppenheim-1704/2
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Meine Meinung

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Wenn man sieht, dass das Stück 1879 geschrieben worden ist, stellt man sich zwangsläufig die Frage, ob es überhaupt noch zeitgemäß ist. Meiner Meinung nach ist die beschriebene Szenerie absolut zeitlos und noch immer aktuell. Eine Frau verlässt ihren Mann, weil sie in einer dramatischen Szene erkennt, dass dieser sie nie ernst genommen hat. War es zu Ibsens Zeit noch ein Skandal, ist es heute durchaus nicht selten. Das Stück behandelt ja nicht nur die Ungleichbehandlung von Mann und Frau in der Gesellschaft, sondern den Mangel an Vertrauen zwischen den Partnern, die fehlende Aufrichtigkeit und Verzagtheit der Personen, denen Gewinn und persönliches Ansehen über Liebe und Gemeinsamkeit geht. Und das ist leider ständig aktuell zumal heute sehr viele Ehen geschieden werden. Die Toleranz gegenüber dem Partner endet oft dort, wo persönliche Interessen in den Vordergrund treten. In vielen Beziehungen rangiert egoistisches Verhalten vor Verständnis und dem bedingungslosen Einstehen füreinander. Eine dauerhafte harmonische Ehe gelingt nur dann, wenn beiderseitige Achtung und Toleranz gelebte Werte sind.
Immerhin wird "Nora - Ein Puppenheim" auch heutzutage ab und an auch noch auf der Bühne dargeboten.

Henrik Ibsen war ein Schriftsteller, der in meinen Augen durchaus mutig gewesen ist. Seine gesellschaftlich radikalen Theaterstücke machten ihn schon zu seinen Lebzeiten zu einem berühmten Autor. Er konfrontierte sein Publikum mit Figuren, die an ihren Lebenslügen zugrunde gehen - oder fast: wie eben Nora. Ibsen forderte von der dramatischen Kunst, dass sie so realistisch wie möglich sein soll und dass sie, so gut wie möglich, psychologische, ideologische und soziale Elemente vereint. Dieses gelingt ihm in dem Stück ganz besonders.

Interessant finde ich dann, dass beispielsweise der erste deutsche Übersetzer Wilhelm Lange dem Stück den Namen „Nora“ gegeben hat, im Gegensatz zu „Ein Puppenheim“, wie es im Original heißt, die Handlung nach Deutschland versetzte und den Schluss veränderte. Nora durfte ganz einfach ihre Kinder nicht verlassen. Es hätten sich ansonsten auch kaum Schauspielrinnen gefunden, die die Nora hätten darstellen wollen

In dem Drama bedient sich Ibsen als einer der ersten Schriftsteller der Fallanalyse für Bühnenstücke, bei der der Leser beziehungsweise dann der Zuschauer erst im Verlauf der Handlung die weit zurückliegenden Ereignisse erfährt, die dann den gesamten Konflikt herauf beschwören. Das ist ein gelungenes Stilmittel, denn so bleibt der Spannungsbogen auch bei sonst geringer Intensität absolut erhalten. Bis zum ersten Erscheinen der Frau Linde weiß man von Noras Verwicklungen nichts. Erst in einem Gespräch der beiden Frauen kommen diese Informationen zu Tage. Während Nora meint, sie bekäme alles geregelt zerbricht der Schein. Und Ibsen arbeitet vielschichtig in diesem Drama mit Schein und Sein. Zum einen direkt bei der Protagonistin, zum anderen dann aber auch als Kritik an der Gesellschaft. Das macht er gekonnt und ohne erhobenen Zeigefinger.

Die Sprache des Dramas ist als eher einfach zu beschreiben. Eine Alltagssprache, die jeder versteht und selbst auch nutzt. Gefühle werden eher nicht ausgesprochen, sie sind in den Anweisungen versteckt und das passt dann auch wieder in die Zeit der Entstehung des Stückes. Interessant sind dann dabei solche Ausdrücke wie „es herrscht kalt Ruhe“. Das kann man sich dann ausnehmend gut vorstellen. Und jeder der drei Akte endet mit einem Paukenschlag, den man so vielleicht nicht erwartet hat. So ist man gespannt auf das weitere Lesen oder am Schluss auf die eigenen Gedanken, die man sich machen wird.

Ganz bewusst hat Ibsen als Handlungszeitraum das Weihnachtsfest gewählt. Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Familie. Ein Fest an dem man durch Entgegenkommen, Geschenken und Aufmerksamkeiten die Zusammengehörigkeit und die Harmonie vornan stellt. Hier aber entpuppt sich dieses Weihnachten als ein Zeitpunkt des Auseinanderbrechens, der Lieblosigkeit, der Rechthaberei.

Ibsen hat die Personen wunderbar charakterisiert. Da ist Torvald Helmer, auf dem ersten Blick ein guter Ehemann und Vater. Aber eben doch eher auf das eigene Fortkommen bedacht und ohne Anteilnahme an den Anderen. Er bezeichnet seine Frau als Lerche, Eichhörnchen oder gar lockerer Zeisig und behandelt sie wie ein Spielzeug, ein Püppchen eben. Heutzutage würde man ihn als Macho einstufen. 
Nora entwickelt sich im Verlauf der Geschichte vom willenlosen Spielzeug, geprägt von männlicher Abhängigkeit, zu einer Frau, die scharfsinnig argumentiert und die vor einer ungewissen aber doch lebendigeren Zukunft steht.
Helmers Gegenspieler Krogstad und auch die logisch denkende und handelnde Christine Linde finde ich ausgesprochen gut dargestellt. Schon der Name "Krogstad" ist interessant gewählt. "Krog" bedeutet im norwegischen "Winkel". Ein Winkeladvokat also, den Ibsen als Gegenspieler der Helmers stellt.

Ein altes, dünnes Heft, welches ich aber gern lese und auf jeden Fall empfehlen kann. Wer lieber nur schaut, statt liest, der kann sich eine Aufführung oder eine der mittlerweile mehreren Verfilmungen anschauen.


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21 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

russland, klassiker, sehnsucht, frauenfragen, gedichte & drama

Drei Schwestern

Anton Tschechow ,
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 25.06.2004
ISBN 9783257201031
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Heute Abend wird im Residenztheater zum vorerst letzten Mal das Stück „Drei Schwestern“ von Anton Tschechov aufgeführt. Das ist für mich Grund genug, um mir vorab das Buch noch einmal durchzulesen.
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Das Buch
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Drei Schwestern
Drama in vier Akten
übersetzt von Peter Urban
ich habe die 2. Auflage 1979
2004 wurde die 12. Auflage herausgegeben
Diogenes Verlag
ISBN-10: 3257201036
ISBN-13: 978-3257201031
Erstausgabe in Russisch 1901
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Der Autor
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Geboren wurde Anton P. Tschechov am 29.01.1860 in Tangarog, Südrußland. Sein Großvater war ein Leibeigener, der sich freikaufen konnte. Der Vater besaß einen kleinen Krämerladen. ÄŒechov ging 1879 zum Studium nach Moskau und wurde Arzt. Er erkrankte bereits in jungen Jahren an Tuberkulose und war ab 1898 in verschiedenen Kurorten Südrußlands und Westeuropas. ÄŒechov starb am 15.07.1904 in Badenweiler.
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Worum geht es?
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Olga, Irina und Mascha – drei Töchter der besseren Moskauer Gesellschaft; perfekt ausgebildet, mehrsprachig, weltgewandt und dann doch gestrandet in der russischen Provinz. Mit dem Vater, einem angesehenen General, sind sie einst aus dem geliebten Moskau fort aufs Dorf gezogen. Der Vater ist jedoch längst verstorben und irgendwie sind die Schwestern in der Provinz hängengeblieben. Die Hoffnung, eines Tages nach Moskau zurückzukehren haben sie zwar noch nicht aufgegeben, aber die Sehnsucht nach Moskau wird mehr und mehr zum Traum von einem anderen Leben, einem anderen Lebensglück: Nach Moskau… Die Schwestern richten all ihre Hoffnungen auf den kleinen Bruder Andrej. Er soll sie erlösen und zurück in die Metropole, ins Leben, in den alten Glanz führen. Aber Andrej hat es sich im Dorf gemütlich gemacht: Er hat sich in Natascha verliebt, sie bekommen ihr erstes Kind und langsam drohen die Träume der Schwestern zu zerplatzen.
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Personen
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Andrej Sergejewitsch Prosorow.  
Olga 
Mascha 
Irina seine Schwestern.
Fedor Iljitsch Kulygin, Maschas Gatte.
Natascha, Andrejs Braut, später seine Gattin.
Alexander Ignatjewitsch Werschinin, Oberstleutnant und Batteriechef.
Iwan Romanowitsch Tschebutykin, Militärarzt.
Baron Tusenbach 
Soljony 
Rode 
Fedolik als Offiziere.
Anfissa, eine alte Kinderfrau.
Ferapont, ein Diener.
Offiziere.  
Dienerschaft.
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Leseprobe
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1. Auftritt.
Olga (im blauen Uniformkleid einer Lehrerin am Mädchengymnasium); Mascha (im schwarzen Kleide, den Hut auf den Knieen, sitzt und liest in einem Buche); Irina (im weißen Kleide, steht sinnend da.)

Olga. Heut' vor einem Jahr ist der Vater gestorben – gerade an Deinem Namenstag, Irina, am fünften Mai. Es war sehr kalt an dem Tage – es schneite sogar. Ich glaubte nicht, daß ich's überleben würde, – Du lagst ohnmächtig da, wie tot. Und nun ist kaum ein Jahr vergangen – und wir reden davon so gleichgültig, Du hast schon Dein weißes Kleid an, und Dein Gesicht strahlt. (Die Uhr schlägt zwölf.) Auch damals schlug gerade die Uhr. (Pause.) Ich erinnere mich noch – wie sie den Vater hinaustrugen, spielte die Militärkapelle, und auf dem Friedhof wurde geschossen. Merkwürdig übrigens: Er war doch General und Brigadekommandeur, und doch waren nur wenige Leute am Grabe. Allerdings fiel an dem Tage ein starker Regen – Regen und Schnee …
Irina. Wozu die Erinnerung auffrischen!

Wer gerne mehr bzw. alles lesen möchte kann das auch hier: 
http://gutenberg.spiegel.de/buch/drei-schwestern-3978/2
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Meine Meinung

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Die Geschichte, die in diesem Buch erzählt wird, ist im Prinzip simpel. Vieles erahnt man, vieles wird nur angedeutet, nicht alles wird ausgesprochen. Anton Tschechow schrieb die Geschichte in Jalta auf der Halbinsel Krim, wohin er sich 1898 wegen seiner Tuberkulose-Erkrankung zurückziehen musste. Die Handlung besteht aus vier scheinbar unverbundenen Episoden, die mit Spannung und Emotionen geladen sind. Jeder Akt kreist um eine Begebenheit, der von sich aus tragische Bedeutung zukommt. Den Mittelpunkt des ersten Aktes bildet beispielsweise der Namenstag von Irina. Ebenso geht es aber auch um die Beerdigung des Vaters, die ein Jahr zurück liegt und auch um die Abreise aus Moskau vor elf Jahren. So ist der erste Akt zum einen im Zeichen von Zukunft und Vergangenheit, er ist fröhlich und traurig zugleich. Es werden Geschenke überreicht. Und diese Geschenke haben eine symbolische, ja fast schon psychologische Nuance. Jedes Präsent sagt etwas über den Schenkenden aus und verrät sein Verhältnis zu Irina. So stellt beispielsweise ein Brummkreisel die Unreife der Beschenkten dar. Ich finde dieses sehr gelungen.

Der Autor arbeitet in diesem Werk auch mit verschiedenen Klängen. Im Buch sind diese natürlich nur als Regieanweisung zu lesen, aber sie sind so plastisch, dass man sie sich gut vorstellen kann. So fordert eine Bühnenanweisung, dass gedämpfte Akkordeonklänge von der Straße hereindringen. Das ist ein gekonntes Stilmittel um aufzuzeigen, dass die Welt nicht an den Kulissen aufhört, sondern hier nur ein kleiner Ausschnitt gezeigt wird. Die Akkordeontöne haben aber auch eine symbolische Bedeutung als Untermalung der Festivitäten in der Stadt, während drinnen die Kinderfrau ein krankes Kind in den Schlaf singt.

Diese immer wieder gewählte Symbolik, die sich durch das ganze Stück zieht, gefällt mir ausgesprochen gut. Das beginnt schon mit Tschechovs Beschreibung der Kleidung. Irina, als Jüngste und Temperamentvollste, ist in Weiß gekleidet und all ihr Streben und Denken ist auf die Zukunft gerichtet. Sie hat mehr aus Verzweiflung denn aus Liebe den pedantischen Lehrer Kulygin geheiratet, den sie aber verachtet und und betrügt. Die apathisch wirkende Mascha ist in Schwarz gekleidet, sie weist so auf die Beerdigung des Vaters und damit auf die Vergangenheit hin. Die älteste der drei Olga, in ihrer blauen Berufskleidung, verkörpert die Gegenwart und damit auch die Mühen des täglichen Lebens wobei sie zu gerne eine Ehefrau wäre.

Tschechov war einer der ersten, der sich bei den Dialogen neueren Techniken bediente. So gibt es mehrere Monologe, die sich dann überschneiden. Sie reden viel und hören kaum zu. Das kommt bei mir an, wie ein aneinander vorbei reden, dass es ja heutzutage auch des Öfteren gibt. 
Bei der Geschichte gibt es im Prinzip keine richtigen Helden, die Schwestern sind eher Opfer. Eigentlich haben sie alles und träumen doch von noch viel mehr um dann im Selbstmitleid zu versinken. „Die drei Schwestern“ ist ein über 100 Jahre altes Stück, das ein Gesellschaftsbild zeichnet, das einem auch heute noch bemerkenswert vertraut ist.

Da Peter Urban hat das Gesamtwerk von Anton Tschechow übersetzt; seine deutschen Fassungen von Tschechows Dramen erschlossen dem deutschsprachigen Publikum überhaupt erst diese Zentralfigur der russischen Literatur. Die Knappheit, Dichte und Lakonie, die Tschechows Erzählungen zum Vorbild nicht zuletzt der amerikanischen Short Story machte, wurde im Deutschen erst durch Urbans Übersetzungen kenntlich.Somit gehe ich fest davon aus, dass er den Ton, den der Autor herüber bringen wollte, auch im Deutschen getroffen hat.

An manchen Stellen kommt mir die Erzählung, die eine der späteren Werke des Schriftstellers ist, vor wie ein breiter, gemächlich dahin fließender Strom. Denn teilweise ist es schon mühsam, ja fast langweilig zu lesen und ufert in vielen Monologen aus. Und auch das Leben der Schwestern erscheint als eher ereignislos zwischen belanglosen Gesellschaften in Gegenwart dummer und öder bis kindischer Männer. Und doch ist dann wieder ein Aufblitzen von dem Philosophieren über den Sinn des Daseins oder gar die eine oder andere spitzfindige komische Sichtweise. Wie alle Stücke Tschechows berührt einen auch dieser Text ganz unmittelbar und entzieht sich gleichzeitig jeder eindeutigen Interpretation.


„Die drei Schwestern“ ist eines der bekanntesten Werken Tschechovs, dessen Texte menschliches großes Leid mit reichlichster Leichtigkeit verbinden und dessen ironisch-liebevollen Betrachtungen der Gesellschaft bis heute nichts an Gültigkeit verloren haben. Aufgrund der teilweise aber doch überzogenen Monologe ziehe ich einen Stern in der Wertung ab. Diese Einschätzung könnte mir der Autor auch nicht einmal übel nehmen, urteilte er doch selbst über das Stück, es sei „langweilig geworden, zäh, unangenehm…“

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87 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 60 Rezensionen

fliegen, frauenbewegung, pilotinnen, nationalsozialismus, frauen

Unsere Hälfte des Himmels

Clarissa Linden
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 10.01.2017
ISBN 9783426519011
Genre: Romane

Rezension:

Frankfurt 1935 
Amelie und ihre Freundin Johanna sind leidenschaftliche Segelfliegerinnen. Jedoch ziehen Wolken an ihrem Himmel unter anderem aufgrund der politischen Situation auf. 

Kassel 1971 
Amelies Tochter Lieselotte erfährt, dass ihre Mutter nach einem Unfall im Krankenhaus in Koma liegt. Nur zu gern lässt sie ihren Ehemann Eduard allein und reist nach Frankfurt. Dort lernt sie Marga und den Kater Cat Ballou kennen... 

Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut und begann somit auch gleich nach Erhalt mit dem Lesen. 
Und meine Erwartungen wurden absolut erfüllt. 

Clarissa Linden erzählt den Roman in zwei Zeitebenen. Das ist kein neues Stilmittel, macht das Lesen hier aber sehr interessant. Bei manchen Büchern ist es dann so, dass man sich für eine der beiden Ebenen besonders interessiert und die andere eher nebenbei liest. Hier ist es anders. Ich fand die Geschichte von Amelie ebenso packend wie die von Liselotte. Damit der Leser immer informiert ist, wird jedem Kapitel der Ort und die Zeit der Handlung angefügt. 

Geschildert wird nicht nur, was die beiden in ihrem privaten Leben erfahren und ertragen müssen. Die Autorin blickt auch auf die Fliegerei im Allgemeinen und den jeweiligen geschichtlichen Hintergrund. Das ist ausgesprochen gut gelungen, was auf eine intensive Recherche schliessen lässt. 

Manche Kapitel werden mit einem Zitat, meist von einer Fliegerin, angefangen. Und da sind einige, die mir wirklich gefallen. So beispielsweise von Amelia Earhart: " Mut ist der Preis, den das Leben verlangt, wenn es Frieden mit dir schließen soll." 
Aber auch mitten im Text stehen für mich immer mal sehr nachdenkenswerte Sätze. "Das ist das Schwierige mit Entscheidungen....Man weiß nie, ob man mit der Alternative nicht glücklicher geworden wäre" ist so einer, der mich arg anspricht. 

Das Buch ist in einem gekonnten, ansprechenden Schreibstil verfasst und somit flüssig zu lesen. Ein Spannungsbogen entwickelt sich auf beiden Zeitebenen. Mit Amelie aber auch mit Liselotte kann man sich als Leserin absolut anfreunden. 
Was allerdings schade ist und eine Korrektur erfordert sind ein paar Fehler, die sich eingeschlichen haben. So wird auf Seite 287 Liselotte mit Amelie verwechselt, was mich dann ein paar mal zum Lesen desselben Satzes brachte. Oder auch auf Seite 312 wurde aus einem "was" ein "war". Somit entfremdete sich der Sinn des Satzes. Da müsste noch einmal expliziet nachgelesen und verbessert werden. 

Sehr gelungen finde ich auch den Anhang mit Nachwort und Hintergrund, das erklärt noch einige Aspekte des Buches, den geschichtlichen Rahmen und einige interessante Einblicke in die Geschichte des Frauenfliegens. 

Ich empfehle dieses Buch, welches für mich das Lesevergnügen in diesem Jahr eröffnet hat, auf jeden Fall mit fünf Sternen nicht nur Flug- oder Geschichtsinteressierten sondern auch jedem, der sich von einem Buch gern unterhalten und sich ganz in die Handlung hineinziehen lässt.


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50 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

wien, humor, polen, integration, auswandern

Der Mann, der Luft zum Frühstück aß

Radek Knapp
E-Buch Text: 128 Seiten
Erschienen bei Deuticke Verlag, 20.02.2017
ISBN 9783552063440
Genre: Romane

Rezension:

Walerian, der nach einem Beruhigungsmittel benannt wurde und somit nicht Jan heißt, hat sein erstes Lebensjahrzehnt bei seinen Großeltern im ländlichen Polen verbracht, da seine Mutter gern selbst noch etwas von ihrer Jugend haben wollte. 
Dann nimmt sie den Jungen aber mit nach Wien, wo er auf sich selbst gestellt ist. Allein in einem fremden Land, mit einer für ihn unverständlichen Sprache und einer fremden Mentalität. 

Das Cover des Buches ist auf eine Art schlicht, auf der anderen aber durch diese Schlichtheit auch wieder interessant und auffällig. 

Den Schreibstil des mir bis dahin unbekannten Autors empfinde ich als gelungen. Das Buch kann man flüssig lesen und ist von der Ironie gepaart mit einer Tiefgründigkeit doch beeindruckt. 
Allein schon der Name des Protagonisten und der Grund warum er in trägt, ist durchaus humorvoll. 
Aber hinter den Kulissen ist da eben auch der Blick auf die Heimatsuche, auf die Suche nach sich selbst in der Gesellschaft und auf die Suche nach einer emotionalen Bindung. 
Das erscheint zunächst manchmal erst oberflächlich. Man muss das Geschriebene immer mal wieder auf sich wirken lassen, dann verschwindet das Lustige und kommt das Nachdenkliche mehr zum Vorschein. 

Der Autor scheint ein Kapitel seines Lebens mit diesem Buch zu beschreiben und nach zu erleben. Für mich ist dabei die große Portion Optimismus doch erstaunlich. 

Der Schluss hat mir nicht ganz so gefallen. Zumal das Buch mit seinen gut 120 Seiten doch recht kurz ist und man ein etwas ausgefeilteres Ende dann erwartet hätte. 

Alles in allem aber ein empfehlenswertes Werk, für das aber 16,00 € schon ein stolzer Preis ist.


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58 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

japan, tokio, liebe, krieg, spionage

Demnächst in Tokio

Katharina Seewald
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag , 27.03.2017
ISBN 9783958901063
Genre: Romane

Rezension:

Die 18-jährige Elisabeth, behütet und aus gutem Hause, macht sich 1934 ins fremde Japan auf, um ihren Ehemann zu treffen: Ernst Wilhelm, 39, Diplomat in Tokio, der mit der Heirat seinen Posten im diplomatischen Dienst des Deutschen Reichs sichern will. Kaum reicht Elisabeths Fantasie, sich die Hochzeitsnacht mit einem gestandenen Mann vorzustellen. Umso erleichterter ist sie, dass Ernst freundlich auf Distanz geht. Doch findet sie sich unter Menschen wieder, deren Handeln und Gefühle sie nicht durchschaut. Während die Nazifizierung des Personals voranschreitet, gibt es Heimlichkeiten, Getuschel in der Botschaft. Warum wird Ernst vom japanischen Geheimdienst beobachtet? Ist sein Freund Alexander ein Spion? 

Diesen Hinweis auf den Inhalt des Buches fand ich ausgesprochen interessant. Dazu hat auch auf den ersten Blick das Cover hervorragend gepasst. Nach einigen gelesenen Seiten aber dann nicht mehr so ganz. Die abgebildete Dame ist mir dann für Elisabeth doch ein wenig groß geraten, immerhin ist ihr Spitzname "Zwerg". Und mindestens einer der beiden Männer hätte etwas dynamischer, weniger ältlich gezeichnet sein müssen. Doch egal, wichtig ist ja dann doch die Geschichte. 

Nicht neu, aber hier sehr gut eingesetzt ist die Idee, dass die nun 95jährige Elisabeth ihr Leben in der Retrospektive in einem Brief an ihre Tochter verfasst. Sie beginnt mit ihrer arrangierten Hochzeit mit dem Diplomaten Ernst Wilhelm von Traunstein in München. Hier ist sie noch eine naive, schüchterne junge Frau. Innerhalb der Erzählung reift sie aber zu einer selbstbewussten starken Frau heran. Die Beschreibung und Entwicklung der Protagonistin empfinde ich als gut gelungen. Ich konnte mit ihr fühlen, hoffen und bangen. 

Besonders gut gelungen ist für mich die Verknüpfung von Realität und Fiktion. So gab der im Jahr 1964 postum zum Helden der Sowjetunion ernannte Richard Sorge die Vorlage für den hier auftretenden Alexander Arendt. Außer von einer Briefmarke her war mir Sorge allerdings bis dato unbekannt. Jener Sorge war ein sowjetischer Kommunist russisch-deutscher Abstammung. Er war während des Zweiten Weltkriegs als Journalist und Spion für die Sowjetunion in Japan tätig. Sein Pseudonym lautete R. Sonter, sein GRU-Deckname „Ramsay“. Einige seiner Lebensumstände werden in diesem Buch dargestellt. 

Ein wenig erfährt man auch über die Rolle von Japan und China im 2. Weltkrieg. Das war mir in diesem Ausmaß vorher so nicht bekannt. Das Buch wird allerdings durch all diese Details stellenweise ein wenig schwierig zu lesen, weil es dann doch überfrachtet ist. Zudem fehlen dann an manchen Stellen Absätze zur Strukturierung. Aber das ist auch schon alles, was mir nicht so gefallen hat. 

Insgesamt ist der Autorin ein spannendes Buch gelungen, das ich auf jeden Fall weiter empfehle, wenn auch mit Einbehaltung eines Sterns.


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25 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

hamburg, hebamme, berlin, judenverfolgung, historischer roman

Töchter einer neuen Zeit

Carmen Korn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 21.09.2016
ISBN 9783463406824
Genre: Romane

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59 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

diktatur, komponist, musik, stalin, russland

Der Lärm der Zeit

Julian Barnes , Gertraude Krueger
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2017
ISBN 9783462048889
Genre: Romane

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155 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

familie, restaurant, brüder, gewalt, moral

Angerichtet

Herman Koch , Heike Baryga
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.11.2011
ISBN 9783462043471
Genre: Romane

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91 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

zukunft, gewalt, hamburg, macht, dystopie

Macht

Karen Duve
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783869710082
Genre: Romane

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