Bellexrs Bibliothek

2.351 Bücher, 1.240 Rezensionen

Zu Bellexrs Profil
Filtern nach
160 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(79)

133 Bibliotheken, 1 Leser, 6 Gruppen, 57 Rezensionen

"krimi":w=19,"mord":w=16,"liebe":w=10,"regen":w=10,"autobahn":w=10,"deutschland":w=9,"unfall":w=8,"franza oberwieser":w=8,"mädchen":w=7,"franza":w=7,"familie":w=5,"ben":w=5,"gabi kreslehner":w=5,"tod":w=4,"gegenwart":w=4

Das Regenmädchen

Gabi Kreslehner
Fester Einband: 295 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 16.12.2010
ISBN 9783550088605
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Reise ohne Ankommen
.
„… war ein siebenseidnes mädchen
ein siebenseidnes kind
nun verbläst sie der wind
wie winde halt so tun …
marie
in memoriam“
.
Auf der A9 Richtung Berlin verunglückt ein junges Mädchen. Scheinbar vollkommen orientierungslos ist sie einem Fahrer direkt vor das Auto gelaufen. Normalerweise kein Fall für die Mordkommission. Doch am nahegelegenen Rastplatz werden Blutspuren gefunden und so beginnen die Kommissare Franza Oberwieser und Felix Herz mit ihren Ermittlungen. Schon bald ist die Identität des Mädchens festgestellt, ebenso dass sie vor dem Unfall misshandelt wurde und der Täter offensichtlich mit Absicht die junge Marie direkt an der Autobahn ausgesetzt hat, um so ihren Tod herbeizuführen.
.
Gabi Kreslehner wechselt ständig zwischen zwei Handlungssträngen. Auf der einen Seite ist man zum Großteil bei den Ermittlungen dabei, auf der anderen Seite lernt man in kleinen Sequenzen die Vorgeschichte zu dem Todesfall kennen. Schnell ist klar, dass Marie mit Ben befreundet war und Ben ist der Sohn von Franza. Doch wie steht er mit dem Tod von Marie in Verbindung? Ist er möglicherweise sogar der Täter? Diese Fragen lässt die Autorin sehr lange offen. Erst zur Mitte des Krimis erhält man eine Ahnung, um wen es sich bei dem Täter handelt, doch warum er unbedingt ihren Tod herbeiführen wollte, bleibt bis fast zum Schluss im Dunkeln.
.
Die Spannung ist praktisch von der ersten Seite vorhanden. Gabi Kreslehner schreibt sehr nachdenklich, stellenweise regelrecht melancholisch und poetisch und trotzdem, oder gerade deswegen, gelingt es hier hervorragend, eine fast augenblicklich an die Story zu fesseln und die Neugier zu wecken. Der Krimi entwickelt sich äußerst komplex, mysteriös, unvorhersehbar und endet mit einem extrem spannenden Schluss, bei dem das Tempo noch einmal ordentlich angezogen wird.
.
Gut dosiert lernt man auch die private Franza kennen. Diese ist eine Frau Mitte Vierzig, nachdenklich, sehr herzlich und empfindsam und trotz der langen Berufserfahrung noch nicht abgestumpft. Die verheiratete Franza hat eine Affäre mit einem in der Stadt sehr bekannten Theaterschauspieler, ist der festen Überzeugung, dass ihre Affäre geheim wäre und muss doch immer wieder feststellen, dass anscheinend alle in ihrem Bekanntenkreis davon wissen, einschließlich ihrem Mann. Stellenweise ist Frankas Sprache recht vulgär, doch zeigt sie so gut auch ihre innere Zerrissenheit auf. Sie will nicht wahrhaben, dass ihre Ehe mit Max eigentlich am Ende ist und ihre Affäre mit Port möchte sie nur als netten Zeitvertreib sehen, aber da ist mehr und es dauert einige Zeit, bis Franza dies bewusst wird.
.
Ihr Kollege Felix Herz ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Herz: er ist der beste Freund von Franza, ein Familienmensch, ehrlich, offen und genauso wie Franza sehr authentisch beschrieben. Wie auch die weiteren Mitwirkenden sehr facettenreich und glaubwürdig gezeichnet sind. Jedoch gelingt es der Autorin hervorragend mit kleinen Randbemerkungen viele Figuren ziemlich undurchsichtig erscheinen zu lassen, sodass man lange nicht sicher sein kann, wer von ihnen nun der Täter ist.
.
Fazit: Ein von der ersten Seite an äußerst spannend angelegter Krimi, in einer wunderbaren Sprache geschrieben, der auch genug Raum für die privaten Momente der Protagonisten lässt.

  (24)
Tags: abgründe, anblick, auto, autobahn, autos, ballkleid, ben, dunkle seiten, fahrbahn, felix, fragen, franza, franza oberwieser, glitzernd, grauer morgen, junges mädchen, kleid, kommissarin, lüge, lügen, menschen, nässe, regen, regennass, schön, sterben, straßenrand, tatort, tote, verbergen, verrenkt   (31)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(70)

115 Bibliotheken, 1 Leser, 6 Gruppen, 22 Rezensionen

"krimi":w=11,"österreich":w=8,"steiermark":w=8,"graz":w=8,"mord":w=7,"sandra mohr":w=5,"journalistin":w=3,"steirische krakau":w=3,"familie":w=2,"reihe":w=2,"kriminalroman":w=2,"mörder":w=2,"band 1":w=2,"dorfgemeinschaft":w=2,"lka":w=2

Steirerblut

Claudia Rossbacher
Flexibler Einband: 273 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 07.02.2011
ISBN 9783839211366
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Blind Date mit ihrem Mörder?
.
Ausgerechnet ein Mordfall in St. Raphael denkt sich die junge Abteilungsinspektorin Sandra Mohr. Doch ihr bleibt nichts anderes übrig, als mit ihrem neuen Kollegen, Chefinspektor Sascha Bergmann vom LKA Graz, in ihren Heimatort zu reisen. Im nahe gelegenen Waldstück wurde die Leiche der Enthüllungsjournalistin Eva Kovacs gefunden, nackt und grausam zugerichtet. Was wollte die Journalistin in dem kleinen Dorf, war sie einer neuen Enthüllungsgeschichte auf der Spur? Nicht nur mit diesen Fragen muss sich Sandra auseinandersetzen, sondern auch mit ihrer Vergangenheit, die sie immer wieder an ihre Grenzen bringt und mit einer Dorfgemeinschaft, die um jeden Preis zusammenhält.
.
Schon schlimm genug, dass Sandra durch die Ermittlungen zwangsläufig auch wieder auf ihre ständig keifende Mutter trifft und ihren vor Selbstüberschätzung triefenden Halbbruder Mike. Hinzu kommt auch noch, dass sie seit gut einem Monat einen neuen Vorgesetzten hat, der sie mit seinem ständigen Machogehabe und sexistischen Äußerungen ziemlich annervt. Doch der Fall geht vor, private Dinge müssen in den Hintergrund rücken und so stürzt sich Sandra zusammen mit Sascha Bergmann in die Auflösung des Falls. Doch sie kommen nicht weiter. Es gibt zwar einige Verdächtige, Spuren führen in Richtung Wirtschaftskriminalität wie auch auf eine einschlägige Sexseite im Internet, doch eine brauchbare Fährte ist nicht erkennbar.
.
Der Schreibstil von Claudia Rossbacher ist herrlich erfrischend, fesselnd und stellenweise auch wunderbar humoristisch. Besonders dann, wenn sie auf die Kabbeleien zwischen Sandra und Sascha näher eingeht. Sandra hält ihren neuen Kollegen für einen arroganten, ungehobelten und oberflächlichen Menschen. Je besser sie ihn allerdings kennenlernt, ertappt sie sich immer öfter dabei, dass Sascha so unsympathisch nun doch wieder nicht ist, eingestehen möchte sie sich dies jedoch auch nicht unbedingt. Und da die beiden sehr eng zusammenarbeiten, geraten diese beiden so unterschiedlichen Charaktere immer wieder aneinander, was den ganzen Krimi wunderbar auflockert und extrem kurzweilig macht.
.
Hinzu kommt, dass die Autorin ihren Krimi mit viel Lokalkolorit durchsetzt hat, bei den Dorfbewohnern immer wieder in den Dialekt wechselt und so eine dichte Atmosphäre herstellt. Zumal die verschworene Dorfgemeinschaft durchweg auch sehr mysteriös bleibt, man sich nie so sicher sein kann, ob vielleicht der eine oder andere etwas mit der Ermordung von Eva Kovacs zu tun haben kann.
.
Somit kommt auch bei der reinen Krimihandlung die Spannung nie zu kurz. Die Story ist von Anfang an sehr komplex angelegt, ständig ergeben sich neue Spuren, neue Verdächtige tauchen auf, die ein hervorragendes Motiv hätten, jedoch aber auch ein Alibi vorweisen können. Man ist während des Lesens ständig auf dem gleichen Wissenstand wie Sandra und Sascha und so ist die Neugier während des gesamten Krimis vorhanden.
.
Und neugierig macht auch die Figur von Sascha Bergmann. Außer, dass er anscheinend ein ausgiebiges Liebesleben genießt, bleibt seine Person ziemlich im Dunkeln. Und manchmal wirkt auch sein Verhalten den Fall betreffend, etwas merkwürdig. Ansonsten beschreibt die Autorin ihn aber durchaus sympathisch, manchmal etwas überheblich, frech, vorwitzig und vor allem lässt er Sandra gegenüber nie den Vorgesetzten raushängen, sondern behandelt sie als gleichwertige Partnerin.
.
Fazit: Ein perfekter Krimi mit einer komplexen, spannenden Story und einem Ermittlerteam, das einem sofort sympathisch ist.

  (22)
Tags: abteilungsinspektorin, auffinden, dorf, dorfgemeinschaft, ermitteln, ermittlungen, eva, eva kovacs, fund, gemeinschaft, grausam, graz, heimat, journalistin, konfrontation, krakau, leiche, lka, mord, mörder, mordfall, nackt, rätselhaft, sandra, sandra mohr, steirisch, steirische krakau, suche, vergangenheit, verschworen, wald   (31)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

12 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

"historisch":w=2,"roman":w=1,"hörbuch":w=1,"gegenwart":w=1,"john":w=1,"lilian":w=1,"paddy":w=1,"madlen":w=1,"martina andré":w=1,"die teufelshure":w=1,"hörbucher":w=1

Die Teufelshure

Martina André , Anja Bilabel
Audio CD: 20 Seiten
Erschienen bei RADIOROPA Hörbuch, 11.12.2009
ISBN 9783836804745
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 0 Rezensionen

agent, agenten, bedrohlich, brite, briten, demokratie, dima, einwilligen, england, familie, feinde, freunde, gefangener, geldwäsche, gulag

Verräter wie wir

John le Carré , Sabine Roth , Johannes Steck , Steck Johannes
Audio CD
Erschienen bei HörbucHHamburg, 26.10.2010
ISBN 9783899031942
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: agent, agenten, bedrohlich, brite, briten, demokratie, dima, einwilligen, england, familie, feinde, freunde, gefangener, geldwäsche, gulag, hocharbeiten, korrumpierbar, korrumpierbarkeit, leben, leidenschaftlich, mafia, pakt, roman, russische freunde, russische mafia, russland, seele, sicherung, spezialgebiet, spitze, tausch, täuschen, überleben, verräter, weggefährte, westen, widerstand, wissen, zerbrechlich, zerbrechlichkeit   (40)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

daniel glattauer, fest, groteske, hörbuch, humor, intelligent, ironisch, krisen, lichterfest, liebevoll, menschen, rituale, streit, typen, weihnachten

Der Karpfenstreit

Daniel Glattauer , August Zirner
Audio CD
Erschienen bei Hörbuch Hamburg, 08.09.2010
ISBN 9783899031935
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: advent, adventsmitbringsel, daniel glattauer, fest, groteske, hörbuch, intelligent, ironisch, lichterfest, liebevoll, menschen, rituale, typen, unbestechlich, weihnachten, weihnachtsbeigabe, weihnachtsfeiernde, weihnachtshandbuch, weihnachtsskeptiker   (19)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

brillant, bruder, detailgenau, dornenreich, dramatik, ertrunken, erzählung, folgen, gaukler, gauklertruppe, historisch, historischer roman, liebe, pilgerin, ritter

Die Rose von Salerno

Dagmar Trodler
Fester Einband: 413 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 01.08.2007
ISBN 9783764501716
Genre: Historische Romane

Rezension:

Zwei wie Feuer und Wasser
.
Anno 1084: Zusammen mit ihrer Schwester, ihrem Großvater und Aidan, dem jüngeren Bruder ihres verstorbenen Verlobten, begibt sich die Adlige Ima von Lindisfarne auf eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela, um am Grab des Apostels für ihren Verlobten zu beten. Stephens früher Tod kann Ima bis heute nicht verwinden und ständig hängen ihre Gedanken bei Stephen und ihrer gemeinsamen Zeit. Bei einer Rast lernt sie unter ziemlich widrigen Umständen den Ritter Gérard de Hauteville kennen, dessen rüde Art sie anfangs abschreckt. Kurze Zeit später eröffnet ihr Aidan, dass er als Knappe in den Dienst eines Ritters getreten ist und mit ihm nach Salerno reist. Ima ist entsetzt, ist Aidan ihrer Meinung nach doch noch viel zu jung dafür und ihr Entsetzen wird noch größer, als sie erfährt, in wessen Dienst er getreten ist. Es ist kein geringerer als Gérard des Hauteville.
.
So macht sie sich alleine auf den Weg nach Salerno, um Aidan wieder zurückzuholen. Auf ihrem Weg lernt sie den Mönch Thierry kennen, doch ihre Wege trennen sich in Salerno wieder, als gewalttätige Männer versuchen, sie zu überfallen. Eine Gauklertruppe rettet sie und bei ihnen verbringt Ima eine zwanglose Zeit bis sie sich wieder ihres Planes entsinnt und Erkundigungen über Aidans Aufenthaltsort anstellt. Hierbei erfährt sie, dass Aidan und Gérard im Heer von Robert Guiscard auf den Weg nach Rom sind, um Papst Gregor VII. aus der Engelsburg zu befreien. Getarnt als Junge schließt sie sich der gewaltigen Streitmacht an und ist beim Einzug in Rom dabei. Schon bald wird Rom erobert und Aidan stirbt in ihren Armen. Ihr bleibt nur noch der Weg zurück nach Salerno, den sie zusammen mit Gérard antritt.
.
Dagmar Trodler gelingt es bereits nach wenigen Seiten, ihren Lesern das 11. Jahrhundert mit all seinen Widrigkeiten, Schmutz, Gerüchen und Gewalt vor Augen zu führen. Dies ist nicht nur ihrem bildgewaltigen, farbenprächtigen Schreibstil zugute zu halten, sondern man merkt auch recht bald, dass hier eine sehr fundierte Recherche zugrunde liegt. Und somit ist auch die Geschichte sehr abwechslungsreich aufgebaut und bietet so ziemlich alles, was man in einem historischen Roman lesen möchte: Liebe und Intrigen, eine wenig Politik und große Schlachten und das alltägliche Leben der damaligen Zeit. Dies alles ist wohldosiert, wobei mir allerdings zwischendurch das Mystische etwas überhand genommen hat und auch die viele Kräuterkunde an einigen Stellen einfach zu sehr in den Vordergrund rückt.
.
Dadurch, dass die Geschichte mal aus Sicht von Ima, dann wieder aus Sicht von Gérard erzählt wird, kann man sich sehr gut in die beiden Charaktere hineinversetzen. Ihre Figuren, allen voran natürlich Ima, sind sehr detailreich und sauber herausgearbeitet. Ima ist eine junge Adlige, die den Tod ihres Verlobten auch nach gut einem Jahr noch nicht verschmerzen kann. Ihr bisheriges Leben hat sie sehr behütet auf einer kleinen englischen Insel verbracht, auf der Gewalt ein Fremdwort war. Doch mit der Idylle ist es vorbei, als ihr Vater plötzlich verschwindet und ihre Mutter immer mehr dem Wahnsinn verfällt. Zudem wird sie überall auf der Insel an Stephen erinnert. So ist die Pilgerreise für sie eine willkommene Abwechslung.
.
Ima ist für ihre Zeit eine sehr selbstbewusste, tapfere Frau, die sich mutig mit jedweden Schwierigkeiten auseinandersetzt, auch Gefahren nicht aus dem Weg geht und immer versucht, das Beste aus der momentanen Situation zu machen. Trotzdem hat sie natürlich auch Angst, es verlässt sie öfters auch mal der Mut und mehr als einmal hadert sie mit ihrem Schicksal und mit ihren Gefühlen Gérard gegenüber. Aber genau dies lässt sie sehr lebendig herüberkommen.
.
Und auch die Figur von Gèrard überzeugt. Normalerweise ist keine Frau vor dem Schwerenöter sicher, doch bei Ima ist alles anders. Ihr ist er vom ersten Augenblick an hoffnungslos verfallen. Und obgleich es absolut nicht seinem machohaften Verhalten entspricht, nimmt er von der normannischen Schönheit Befehle an und ordnet sich ihrem Willen unter. Doch obwohl er sie bedingungslos liebt, traut er sich nicht, Ima seine Liebe zu gestehen, ist er doch nur ein armer Ritter niederer Herkunft und Ima entspringt einem Königsgeschlecht. Nichts desto trotz wird er aber zu Imas treuesten Begleiter und weicht auf ihrer beschwerlichen Reise nicht von ihrer Seite, oft fluchend und grummelnd, oft auch aus lauter Verzweiflung und unerfüllter Liebe heraus sturzbetrunken, doch immer um ihre Sicherheit besorgt.
.
Und auch alle weiteren Figuren des Romans sind von Anfang an facettenreich beschrieben, sodass sie sehr schnell Konturen annehmen. Besonders hat mir hier der Charakter des jungen Mönchs Thierry gefallen, der im Lauf des Romans noch für manche Überraschung gut ist.
.
Alles in allem ein opulenter, detailreicher, spannender und hervorragend recherchierter Roman, der zwischendurch jedoch einige kleine Längen hat.

  (25)
Tags: aidan, befreien, befreiung, beten, brennen, brillant, bruder, detailgenau, dornenreich, dramatik, ertrunken, erzählung, folgen, gaukler, gauklertruppe, heiliger jakob, historisch, historischer roman, ima, ima von lindisfarne, junge frau, liebevoll, mutig, normannisch, normannische zeit, opulent, papst, papst gregor xiii., pfad, pilgerin, pilgern, raubeinig, recherchieren, reise, ritter, ritter gérard, rom, salerno, santiago, schicksal, spannung, starke frau, sterben, streitmacht, verlobter, verstorbener, weg, wirren, zurückholen   (49)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(32)

65 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 28 Rezensionen

"rabbi":w=10,"judentum":w=5,"jiddisch":w=5,"usa":w=4,"polen":w=4,"memphis":w=4,"familie":w=3,"amerika":w=3,"juden":w=3,"eisblock":w=3,"bernie karp":w=3,"gegenwart":w=2,"familiengeschichte":w=2,"satire":w=2,"skurril":w=2

Der gefrorene Rabbi

Steve Stern , Friedrich Mader
Fester Einband: 495 Seiten
Erschienen bei Blessing, Karl, 10.01.2011
ISBN 9783896674364
Genre: Romane

Rezension:

Rabbi im Eis
.
Um seine erotischen Phantasien auszuleben, ist der junge Bernie in der heimischen Kühltruhe auf der Suche nach einem Stück Leber als er in den Tiefen der Kühltruhe eine etwas merkwürdig anmutende Person entdeckt. Als er sich beim Essen endlich dazu durchringt, seine Eltern darauf anzusprechen, erklären ihm diese ganz selbstverständlich, dass es sich hierbei um den familieneigenen Rabbi handelt. Eine Art Familientradition väterlicherseits. Bernies Großvater hatte alle Einzelheiten zum Rabbi in einer Kladde notiert, das Ganze hat nur ein Problem: Das Buch ist in Jiddisch, welches keiner in der Familie mehr beherrscht. Anschließend macht die Geschichte einen Zeitsprung und erzählt über die Jahre 1889 – 1890. Rabbi Elieser ben Zephir ist ein Heiliger Mann, der oft meditiert, den Talmud wie kein Anderer beherrscht und während einer seiner Meditationen spurlos verschwindet. Seine Jünger suchen vergeblich nach ihm. Bis zum Winter bleibt er verschwunden, dann entdecken Josl und sein Sohn Salo den Rabbi, eingefroren im See.
.
In welches Genre dieses Buch passt, kann ich einfach nicht sagen. Einerseits ist es ein Familiendrama, dann wieder ein historischer Roman, nicht zu vergessen sind hier aber auch die vielfachen esoterischen Ansätze und dann driftet es wieder in ein Jugendbuch ab. Mir ist es auch ein Rätsel, welche Zielgruppe der Autor hier vor Augen hatte. Irgendwie wirkt alles etwas überladen, zu viele verschiedene Ansatzpunkte werden in den Roman gepackt, es ist einfach keine Richtung erkennbar, da auf nichts tiefgründiger eingegangen wird.
.
Hielt man anfangs die Geschichte der Gegenwart noch für eine witzig, skurrile Story, so driftet sie mit der Zeit immer mehr ins Esoterische ab, als Bernie beginnt, seine außerkörperlichen Reisen in den Himmel anzutreten. Während seine Seele auf Wanderschaft ist, merkt er nicht, was mit seinem Körper passiert. So kann es passieren, dass er plötzlich in einem Spind aufwacht und keine Ahnung hat, wie er da hingekommen ist. Und dies alles nur, weil er sich intensiv mit dem jüdischen Glauben beschäftigt.

Dann war ich eigentlich auch der Meinung, dass es hier hauptsächlich um den Rabbi und seine Erfahrungen im 21. Jahrhundert gehen würde, wieder eine falsche Interpretation der Kurzbeschreibung von meiner Seite. Jedoch wird dieser zwischenzeitlich nur am Rande – wenn überhaupt – erwähnt und die Story in der Gegenwart entwickelt sich zu einer pubertierenden Geschichte rund um Bernie.
.
Ja, und dann die vielen jüdischen Begriffe. Ich bin ja eigentlich immer offen für neue Informationen und freu mich auch, wenn ich einem Buch so ganz nebenbei etwas über fremde Kulturen oder andere Religionen kennen lernen kann. Aber hier ist dem Guten einfach zu viel. Im historischen Teil passt es ja noch ganz gut hinein, aber die verdrehten Satzstellungen und die jüdischen Begriffe auch in der Gegenwartsstory lesen zu müssen, war mir dann doch zu viel. Eigentlich kann es nicht die Absicht des Autors gewesen sein, dass Buch einem breiten Publikum zukommen zu lassen, dafür ist es einfach zu speziell. Aber hierüber wird in der Kurzbeschreibung nicht eingegangen und so geht man zwangsläufig unter falschen Voraussetzungen an das Buch. Ich weiß nicht, wie es bei der Gebundenen Ausgabe ist, aber bei meinem Leseexemplar war kein Glossar dabei, will heißen, ich musste jeden Begriff im Internet nachlesen, den ich nicht verstanden habe, und dass waren schon einige und das nervt.
.
Was mich ja dann doch immer wieder zum Weiterlesen ermutigt hat, war der historische Teil des Buches. Dieser ist wirklich interessant und unterhaltsam angelegt, auch wenn die vielen jüdischen Begriffe auch hier oft nerven. Allerdings musste ich auch feststellen, dass mir einige ganz geläufig waren, auch wenn ich sie auf den ersten Blick durch die jiddische Schreibweise nicht sofort erkannt habe.
.
Auch ist auffällig, dass die Figuren seltsam blass und konturenlos bleiben, kann natürlich auch sein, dass es nur mir so ging. Jedenfalls habe ich während des gesamten Buches von keiner Figur eine konkrete Vorstellung bekommen.

  (22)
Tags: 19. jahrhundert, alter mann, ärger, auftauen, bärtig, bernie, bernie karp, bewahren, durchwühlen, eingefroren, einkaufzentrum, eisblock, eltern, energien, entfaltung, entfaltungsmöglichkeiten, erbe, erwachen, familie, familienerbe, familienroman, frustiert, gefrietruhe, gegenwart, geistliche, gelangweilt, generationen, gesellschaftssatire, gestresst, glauben, gründen, gründung, haus der erleuchtung, hausfrauen, heilige mann, jude, juden, kühltruhe, lukrativ, manager, memphis, moderne welt, polen, polnisch, preisgekrönter autor, rabbi, satire, scharfsinning, schtetl, seelenheil, sinn des lebens, skurril, spannend, stromausfall, talisman, teenager, tiefkühlpizzen, ungeahnt, unglaublich, verkaufen, weiterreichen, zeit, zeitreise   (63)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

"ddr":w=3,"vergangenheit":w=2,"mutter":w=2,"krimi":w=1,"mord":w=1,"thriller":w=1,"entführung":w=1,"polizei":w=1,"gefängnis":w=1,"hamburg":w=1,"bedrohung":w=1,"verschwunden":w=1,"versteck":w=1,"2009":w=1,"vermisst":w=1

Im Zeichen der Angst

Mika Bechtheim
Flexibler Einband: 475 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 10.11.2010
ISBN 9783442472680
Genre: Romane

Rezension:

Schatten der Vergangenheit
.
Seit 20 Jahren hat Clara nichts mehr von ihrer Mutter gehört, da erhält sie Besuch von der Polizei. Ihre Mutter ist ermordet worden und Clara gerät schnell in den Kreis der Verdächtigen. Denn sie saß bereits einmal wegen Totschlags im Gefängnis. 13 Jahre zuvor soll sie den Entführer ihrer kleinen Tochter Johanna ermordet haben, die bei der Entführung starb. Nun hat Clara wieder eine kleine Tochter und schon nach kurzer Zeit sieht alles danach aus, dass die Schatten der Vergangenheit Clara und ihre Tochter Josey wieder einholen.
.
Aus Sicht ihrer Protagonistin Clara erzählt Mika Bechtheim die vorliegende Geschichte, welche von Anfang an ein sehr hohes Tempo vorlegt und absolut fesselnd, spannend und auch beklemmend umgesetzt wurde. So hält sich Mika Bechtheim auch nicht viel mit Vorgeplänkel und der Vorstellung aller Beteiligten auf, sondern steigt sofort in die Story ein. Clara, selbst Reporterin, beginnt schnell, eigene Ermittlungen über das mysteriöse Leben ihrer Mutter anzustellen und vertraut dabei weder der Polizei noch ihren Freunden, was sie aus Sicht der Polizei zur Verdächtigen macht. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, sieht sie das Leben von Josey bedroht. Ein wahrer Alptraum beginnt für Clara.
.
Dieses Gefühlschaos, welches Clara während des gesamten Thrillers durchlebt, ist absolut authentisch und nachfühlbar umgesetzt. Die Story entwickelt sich immer mehr zu einer atemlosen Jagd und je mehr Details Clara erfährt, umso verwirrender wird für sie die ganze Situation und somit auch für den Leser. Man weiß absolut nicht, was sich hinter den Ereignissen verbirgt, ist genauso ratlos wie Clara und die ständigen Wendungen in der Story sorgen hier wirklich nicht für Klarheit. Aber genau diese Ungewissheit sorgt durchgängig für eine extreme Spannung. Ganz zum Schluss verbinden sich dann die vielen losen Fäden zur einer absolut schlüssigen Lösung.
.
Mika Bechtheim beschreibt ihre Charaktere detailreich und sehr lebendig, sodass sie fast augenblicklich Konturen annehmen, wobei es ihr aber auch hervorragend gelingt, durch kleine Bemerkungen oder Hinweise immer wieder einen zu verunsichern. So weiß man eigentlich, außer bei Clara, nie ganz genau, ob und was sie zu verbergen haben, inwieweit sie in den Fall involviert sind oder ob Clara ihnen vertrauen kann.
.
Clara selbst ist eine 45-jährige Reporterin und Bestsellerautorin, die nach der Trennung von ihrem Mann Kai ihre kleine Tochter alleine erzieht. Dies ist mit den üblichen Problemen behaftet, aber ihr gelingt der Spagat ziemlich gut. Fremde Hilfe mag sie eher weniger annehmen, ist sehr selbstständig, kann als ziemlich stur bezeichnet werden und sie ist eine Frau, die man sofort sehr sympathisch findet.
.
Ganz am Anfang und noch einmal zum Schluss verweist die Autorin darauf, dass Clara, die neben der Arbeit als Reporterin auch sehr erfolgreich Krimis schreibt, ihre Bücher unter dem Pseudonym Mika Bechtheim veröffentlicht. Auch sind in der Vita der Autorin wie auch bei der Protagonistin einige Übereinstimmungen festzustellen. Inwieweit das Buch somit authentische Züge hat, muss jeder Leser selbst entscheiden.
.
Fazit: Ein extrem spannender Thriller mit einer nicht minder fesselnden und komplexen Story, der einem schier den Atem beim Lesen raubt.

  (22)
Tags: 1996, 2009, alptraum, bedroht, bedrohung, clara, entführer, entführt, entlassung, ermordet, erstickt, fragwürdig, gefängnis, hamburg, horststätt, indizien, johanna, josey, mauerfall, mord, mutter, neues leben, polizei, sechs jahre, spurlos, verdächtige, vergangenheit, vergessen, vermeintlich, verschwunden, versteck, wiederholung   (32)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

59 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 3 Rezensionen

"köln":w=4,"rainald von dassel":w=4,"ritter":w=3,"mailand":w=3,"heilige drei könige":w=3,"krieg":w=2,"geheimnis":w=2,"italien":w=2,"kaiser":w=2,"jerusalem":w=2,"kreuzritter":w=2,"heinrich":w=2,"ludwig":w=2,"erzbischof":w=2,"rother":w=2

Könige der ersten Nacht

Bernhard Hennen
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 01.11.2010
ISBN 9783453533615
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Geschichte des schwarzen Mönchs
.
In einer kalten Januarnacht des Jahres 1189 sucht der Ritter und Sänger Hartmann von Ouwe eine Unterkunft für die Nacht. Diese findet er auf Gut Waldeck. Hartmann ist auf dem Weg nach Cölln, um im Dom am Dreikönigenschrein zu beten und sich anschließend einem Kreuzzug ins Heilige Land anzuschließen. Durch widrige Umstände lernt er in dieser Nacht den Gutsbesitzer Ingerimm von Waldeck kennen, dieser bietet ihm an, ihn nach Cölln zu begleiten. Noch in derselben Nacht machen die Beiden sich auf den Weg in die Stadt am Rhein und unterwegs erzählt der seltsame Ingerimm ihm die Geschichte über die Reliquien der Heiligen Drei Könige und wie diese vor rund 25 Jahren ihren Weg nach Cölln gefunden haben.
.
Im Jahr 1162 belagert Friedrich Barbarossa mit seiner Armee Mailand. Grund hierfür sind die Reliquien der Heiligen Drei Könige, die sein Fürsterzbischof Rainald von Dassel um jeden Preis in den Dom von Cölln bringen möchte. Nach einer langen Belagerung fällt Mailand und die Reliquien gehen in den Besitz von Friedrich Barbarossa über. Die Ritter Rother, Anno, Ludwig und Heinrich werden von Rainald von Dassel beauftragt, die Reliquien sicher nach Cölln zu bringen. Doch die Heiligen bergen ein Geheimnis und der Weg der Ritter führt sie in einer abenteuerlichen Reise von Konstantinopel ins Heilige Land bevor sie nach langen Jahren ihr Weg zurück nach Cölln führt. Aber auch hier ist ihr Schicksal noch nicht erfüllt.
.
Geschickt verbindet Bernhard Hennen in der vorliegenden Geschichte Fiktion und Fakten zu einem äußerst opulenten Roman um die Legende der Reliquien der Heiligen Drei Könige. Durch seinen bildgewaltigen Sprachstil gelingt es ihm fast augenblicklich, einen in das 12. Jahrhundert eintauchen zu lassen, bedingt ist dies auch durch die Benutzung vieler altdeutscher Begrifflichkeiten sowie einer sehr detailgenauen Zeichnung des damaligen Lebens.
.
Der historische Roman ist von Anfang an äußerst fesselnd umgesetzt und der Autor vermittelt einem sehr gekonnt die geschichtlichen Hintergründe ohne auch nur einmal langatmig zu werden, ganz im Gegenteil. Die Abenteuer der Ritter sind durchweg spannend beschrieben und immer wieder tauchen während des Lesens viele historische Persönlichkeiten auf, die geschickt in die Geschichte mit eingearbeitet wurden. So hat man schon bald das Gefühl, dass die Auffindung der Reliquien sich genau so abgespielt haben muss.
.
Seine Figuren, seien es die historischen wie auch die erfundenen, sind durchweg sehr detailreich und absolut glaubwürdig umgesetzt. So steht am Anfang der junge Knappe Rother, der seiner Meinung nach zu Unrecht zum Ritter geschlagen wird und sein Leben den Drei Weisen verschrieben hat. Dann gibt es den Ritter Anno, der auch nach vielen Jahren immer noch um seine verstorbene Frau trauert und um jeden Preis seine Tochter Carla an den Hof der Kaiserin bringen möchte. Der Dritte im Bunde ist der Lebemann Ludwig, der weder Frauen noch dem Alkohol aus dem Weg gehen kann. Und zum Schluss Ritter Heinrich, welcher nur in der Hoffnung der Mission zugestimmt hat, dass er nach deren Erfolg aus dem Dienst des Fürsterzbischof entlassen wird und sich dem Templerorden anschließen kann.
.
Ja, und dann gibt es natürlich noch Hartmann von Ouwe und Ingerimm von Waldeck. Hartmann ist ein junger Ritter, der mehr auf sein Herz denn auf seinen Verstand hört und den Erzählungen des seltsamen, sein Gesicht hinter einer Maske versteckenden Ingerimm immer weniger Glauben schenkt, je mehr er von ihm über die Geschichte der Heiligen erfährt. Die sonderbarste und undurchsichtigste Figur des Romans ist Ingerimm selbst. Seine Identität bleibt einem bis zum Schluss ein Rätsel, welche er schlussendlich selbst löst.
.
Fazit: Ein opulenter, fesselnder und überaus spannend erzählter Roman, der geschickt historisch hinterlegte Fakten mit einer fiktiven Geschichte verwebt.

  (21)
Tags: 1162, aussenden, belagern, belagerung, christen, christenheit, dunkle nacht, entdeckung, epos, erbeuten, erobern, eroberung, erzbischof, erzbischof rainald von dassel, friedrich i., gebeine, geheimnis, italien, kaiser, kaiser friedich i., köln, kostbar, kreuzritter, lauf der welt, mächtig, mailand, morgenland, nachspüren, nacht, pilgerort, rainald von dassel, ritter, schatz, schätze, stadt, ungerheuerlich, vier ritter, weisen aus dem morgenland, wünsche, ziel   (40)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

autor, fortsetzungsgeschichte, hazel, hazel micallef, kanada, kleiner ort, "krimi-entdeckung", krimi-entdeckung, leiche, lesen, lokalzeitung, nur zu gut - eine leiche, polizeichefin, spurlos, thriller

Der Herzsammler

Inger Ash Wolfe , Fred Kinzel
Flexibler Einband: 446 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 13.04.2010
ISBN 9783442370696
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mord als Fortsetzungsroman
.
In einem kleinen Ort in Kanada wird im nahegelegenen See eine Schaufensterpuppe ohne Kopf gefunden. Das Merkwürdige an der Sache. Genau diese Szene wurde in der aktuellen Tageszeitung in einem Fortsetzungskrimi beschrieben, nur war es hier eine echte Leiche. Polizeichefin Hazel Micallef und ihr Kollege James Wingate vermuten mehr hinter der Sache und beginnen ihre Ermittlungen. Als Wingate auf der Schaufensterpuppe eine mehrstellige Nummer entdeckt, dauert es nicht mehr lange, bis er sie mit einer Internetseite in Verbindung bringt. Was die Polizisten dort zu sehen bekommen, lässt sie das Schlimmste befürchten.
.
Hazel Micallef ist erst vor kurzem am Rücken operiert worden, verkriecht sich im Haus ihres Exmannes und bedauert sich selbst. Da die Arbeit des Polizeichefs von Port Dundas sich eher ruhig gestaltet, kann sie auch mühelos das bisschen Arbeit von zu Hause bewerkstelligen. Als jedoch die Schaufensterpuppe im See gefunden wird, erwacht ihr kriminalistisches Gespür und die Schmerzen sind vergessen, auch dank starker Schmerzmittel.
.
Die Ermittlungen gestalten sich anfangs extrem schwierig, da Zeugen spurlos verschwinden, tagelang telefonisch nicht erreichbar sind und die Zusammenarbeit mit anderen Dienststellen sich ebenfalls als äußerst schwierig herausstellt. So plätschert der Fall zunächst ohne ersichtliche Ermittlungsansätze dahin, zumal für Hazel auch noch einige innerdienstliche Probleme auftreten und sie mehr und mehr mit einer beginnenden Tablettensucht zu kämpfen hat. Hinzu kommt aber auch noch ihre prekäre private Situation. Da sie wegen der Operation anfangs auf Hilfe angewiesen ist, zieht sie zu ihrem Ex-Mann und dessen Frau Glynnis, welche sie während der Genesungsphase pflegt und bei denen sie auch weiterhin noch wohnt.
.
So passiert anfangs noch nicht so viel in dem Krimi und man lernt erst einmal ein wenig die ganzen Mitwirkenden kennen. Doch fast wie aus dem Nichts kommt Spannung auf, der Fall nimmt eine überraschende, wenn auch nicht ganz neue Wendung und erstaunt einen ab da ständig. Anfangs sind absolut keine Zusammenhänge zwischen den Mitwirkenden zu erkennen und als man dann endlich meint, diese nun herstellen zu können, lässt die Autorin die Story wieder in eine andere Richtung laufen. Somit ist die Spannung bis zum Schluss auf sehr hohem Niveau und die letztendliche Lösung des Falls absolut überraschend und so logisch umgesetzt, dass man sich wundert, nicht selbst früher darauf gekommen zu sein.
.
Auffällig ist, dass es viel Kompetenzgerangel zwischen den einzelnen Zuständigkeitsbereichen gibt. So hat man ständig den Eindruck, dass jede Dienststelle ihr eigenes Süppchen kocht und mit kollegialer Unterstützung ist es auch nicht immer weit her. So werden Hazel und Wingate mehr als einmal ziemlich massiv bei ihren Ermittlungen ausgebremst, doch hiervon lässt sich die versierte Hazel nicht beeindrucken und so geht sie einfach ein paar etwas unkonventionelle und auch makabre Wege, um ihr Ziel zu erreichen.
.
Anfangs tat ich mir ein wenig schwer mit dem Charakter von Hazel, denn ihre schroffe, burschikose Art macht sie nicht gerade sympathisch und lässt sie sehr hartherzig erscheinen. Doch so nach und nach merkt man, dass sie ihr Herz auf dem rechten Fleck hat, sich sehr für ihre Mitarbeiter einsetzt und eigentlich nur das Problem hat, ihre Gefühle Menschen gegenüber zu zeigen, die ihr wirklich etwas bedeuten. Dies merkt man deutlich in mehreren Szenen mit ihrer jüngsten Tochter Martha wie auch bei ihrem jungen Kollegen James Wingate, der erst seit kurzer Zeit von Toronto in das beschauliche Städtchen gezogen ist. Entgegen der 62-jährigen Hazel ist er sehr warmherzig und man merkt auch schnell, dass irgendetwas in Toronto vorgefallen sein muss, was in nach Port Dundas getrieben hat. Zur Mitte des Krimis hin erfährt man auch mehr Einzelheiten hierzu.
.
Die weiteren Charaktere sind sauber herausgearbeitet und detailreich beschrieben, doch irgendwie wird man bei ihnen das Gefühl nicht los, über sie noch nicht alles erfahren zu haben und somit wirken sie lange Zeit sehr undurchsichtig. Dies kommt der Spannung natürlich nur zugute.
.
Der Schreibstil von Inger Ash Wolfe, welches ein Pseudonym für eine kanadische Schriftstellerin ist, überzeugt von Anfang an durch ihre ruhige und flüssige Sprache. Sie verzichtet auch weitgehend auf reißerische Szenen und lässt hier der Phantasie ihrer Leser viel Raum.
.
Fazit: Ein eher ruhiger, aber absolut spannender Krimi mit einer unvorhersehbaren und komplexen Story.

  (24)
Tags: ausgezeichnet, autor, bildfläche, canada, erstes kapitel, fortsetzung, fortsetzungsgeschichte, frühstück, geschichte, hazel, hazel micallef, kanada, kleiner ort, krimi-entdeckung, leiche, lesen, lokalzeitung, nur zu gut - eine leiche, polizeichefin, spurlos, verschwinden, wasser, wissen, zeuge   (24)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

36 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

"thriller":w=3,"spannung":w=1,"usa":w=1,"kirche":w=1,"sekte":w=1,"sturm":w=1,"satan":w=1,"hochspannung":w=1,"blume":w=1,"erica spindler":w=1,"spindler":w=1,"spindler erica":w=1,"key wes":w=1,"blume des satans":w=1

Blume des Satans

Erica Spindler , Rainer Nolden
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 01.11.2010
ISBN 9783899418088
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Satanskult auf Key West?
.
Seit 4 Monaten ist die Pastorin Rachel Howard von der Paradise Christian Church spurlos verschwunden. Da ihre Schwester, die Sozialarbeiterin Liz Ames, sich hiermit nicht abfinden kann, siedelt sie nach Key West über, um sich auf die Suche nach ihrer Schwester zu machen. Kaum angekommen, findet sie im nahegelegenen Park die Leiche eines jungen Mädchens, offensichtlich ein Ritualmord. Schnell stellt sie eine Verbindung zwischen dem Mord und dem Verschwinden ihrer Schwester her, doch die Polizei schenkt ihren Vermutungen keinen Glauben. Einzig der Ex-Cop Rick Wells unterstützt sie bei ihrer verzweifelten Suche und schon bald muss Liz feststellen, dass sie in das Visier des Mörders geraten ist.
.
Im vorliegenden Buch nimmt sich Erica Spindler des Themas Satanskult an und verpackt dies gekonnt in einen spannenden Thriller, in dem geschickt die schwüle Novemberhitze und die träge, lockere Atmosphäre von Key West mit eingebunden ist. Schon der Prolog beginnt fesselnd, beschreibt er doch das Verschwinden der Pastorin. Rachel Howard, die durch ihr Priesteramt auch eng mit Jugendlichen zusammenarbeitet, scheint vor irgendwelchen Personen große Angst zu haben und sich verfolgt zu fühlen. Scheinbar ist sie einer Gruppe von Jugendlichen auf die Schliche gekommen, die ihre eigene Weltordnung haben, wer nicht mehr der „Familie“ angehören möchte, wird gnadenlos bedroht.
.
Schon kurz nach ihrer Ankunft hört auch Liz von dieser Gemeinschaft, die sich „Gehörnte Blume“ nennt und sie vermutet hier den Grund für das Verschwinden von Rachel. Die Indizien, welche sie im Lauf der Zeit sammelt, sind stellenweise so unglaublich, dass der zuständige Detective Val Lopez ihren „Hirngespinsten“ keinen Glauben schenkt. Und selbst Rick Wells, Barbesitzer, Ex-Cop und der beste Freund von Val Lopez bekommt immer mehr Zweifel, ob die Äußerungen der psychisch angeschlagenen Liz nicht ihrer Fantasie entsprungen sind.
.
Geschickt baut Erica Spindler ihren Thriller auf. So ist fast bis zum Schluss absolut nicht ersichtlich, wer sich hinter den Morden verbirgt. Diese weisen Ähnlichkeiten mit der Vorgehensweise eines Serientäters auf, doch dieser sitzt in der Todeszelle und wartet auf seine Hinrichtung. Gibt es hier einen Nachahmungstäter, hatte der Serienmörder gar einen Komplizen, oder aber ist dies alles purer Zufall und jemand ganz Anderes steckt hinter den Morden? Durch geschickt gelegte Wendungen gehen die Vermutungen beim Lesen in Bezug auf den oder die Täter ständig wieder in eine andere Richtung, was natürlich die Spannung erhöht. So hält sich diese auch konstant über den gesamten Thriller hinweg immer auf hohem Niveau. Und das im wahrsten Sinne des Wortes stürmische Ende, welches sich während eines Tropensturms abspielt, ist extrem fesselnd und atmosphärisch dicht umgesetzt.
.
Ihre Protagonistin Liz Ames ist eine Frau voller Probleme, was auch bei der Glaubwürdigkeit der Polizei ihr gegenüber immer wieder zum Hindernis wird. Und obwohl sie häufig von Angstattacken heimgesucht und ihr Geisteszustand ständig von Anderen in Frage gestellt wird, geht sie unbeirrt ihren Weg auf der Suche nach ihrer Schwester, wobei sie mittlerweile davon ausgeht, dass Rachel auch ein Opfer der Gruppierung geworden ist. Rick Wells findet auf Key West langsam wieder ins Leben zurück. Der charismatische Barkeeper hat den Polizeidienst vor einigen Jahren an den Nagel gehängt, als er kurz hintereinander seine Frau und seinen Sohn Sam verloren hat. Obwohl der Tod von Jill bereits 3 Jahre zurückliegt, trauert er immer noch um sie und findet erst durch Liz langsam wieder Interesse an einer Beziehung. So entwickelt sich zwischen den Beiden eine zarte Liebesbeziehung, die ja in keinen Erica-Spindler-Thriller fehlen darf, allerdings findet dies nur am Rande statt, der Fokus liegt eindeutig bei der Aufklärung um das Verschwinden von Rachel.
.
Auch die anderen Charaktere zeichnet die Autorin gewohnt facettenreich. Und immer wieder muss man überrascht feststellen, dass man die eine oder andere Figur doch falsch eingeschätzt hat und hier alles nicht so ist wie es den ersten Anschein hat.

Fazit: Wieder einmal ein bis zum Schluss spannender Thriller, der es versteht, mit einer komplexen Story immer wieder zu überraschen.

  (20)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

ausweglos, deportation, dienst, dilemma, emigration, frage, gemeinde, gen osten, historisch, hitler, instanzen, juden, rabbiner, wien, zwiespalt

Dunkelstein

Robert Schindel
Fester Einband: 124 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 10.09.2010
ISBN 9783852186450
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Zwischen den Stühlen
.
Kurz vor dem 2. Weltkrieg: In Wien ist Rabbi Saul Dunkelstein Leiter der Auswanderungsabteilung. Hier versucht er mit allen Mitteln, so viel Juden wie nur möglich zur Emigration zu bewegen und somit ihr Leben zu retten. Allerdings sehen zahlreiche Juden zu diesem Zeitpunkt die herannahende Gefahr durch den Nationalsozialismus noch nicht und Dunkelstein gerät somit oft in die Kritik. Ihm wird sogar eine Zusammenarbeit mit den Nazis unterstellt. Diese dagegen sind mit der Arbeit von Dunkelstein zufrieden, gestaltet sich die Deportation der Juden aus Wien doch genau nach ihren Vorstellungen.
.
Der Regisseur und Lyriker Robert Schindel hat seine Realfarce als Theaterstück aufgebaut, dass sich wie ein Drehbuch liest. So wechselt die Geschichte ständig zwischen den Schauspielern, die ihre Meinung zu dem Stück äußern, teilweise sogar noch eigene Erinnerungen an die Nazizeit mit einbringen können und dem eigentlichen Theaterstück rund um Saul Dunkelstein, der immer mehr in den Fokus des Geschehens rückt.
.
Anfangs hatte ich einige Probleme, mich durch die Art der Darstellung in die Geschichte einzufinden und auch die entsprechenden Personen zuzuordnen. Doch je länger man liest umso mehr fesseln die Geschehnisse und die Art des Schreibens von Robert Schindel einen und bald schon ist man so in das Drama eingebunden, dass einen der ungewohnte Drehbuchstil wie selbstverständlich erscheint.
.
Der Autor erzählt die Geschichte von Saul Dunkelstein recht neutral, ja fast schon sachlich und zurückhaltend. Hierdurch ist es dem Leser selbst überlassen, sich eine Meinung zu dem Verhalten des Rabbis zu bilden, was ich als sehr angenehm empfand. So erhält man viel besser die Chance, sich selbst mit dem brisanten Thema auseinanderzusetzen. Und dies macht man zwangsläufig auch, denn die Geschichte beschäftigt einen auch nach Beendigung des Buches.
.
Stellenweise haben die jüdischen Begrifflichkeiten etwas den Lesefluss gestört, da ich doch des Öfteren nachschlagen musste, um mir diese erklären zu lassen, welche übrigens im Anhang aufgeführt sind. Und auch die vielen Mitwirkenden sind auf der ersten Seite aufgelistet, was einem anfangs gut hilft, den Überblick zu behalten. Im Nachwort geht der in Wien lebende Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovici ausführlich auf die Entstehung der Realfarce ein, die auf eine wahre Begebenheit beruht. Hierdurch erhält man zusätzliche Hintergrundinformationen, die einige Szenen in der Geschichte für den Leser verständlicher machen.
.
Fazit: Eine interessante und nahe gehende Umsetzung des Themas der Deportation jüdischer Mitbürger aus Wien während der Nazizeit und in jedem Fall sehr empfehlenswert.

  (21)
Tags: angst, arrangieren, ausgewogen, auswanderungsabteilung, ausweglos, deportation, dienst, dilemma, dunkelstein, emigration, frage, gemeinde, gen osten, historisch, instanzen, israel, israelitischen kultusgemeinde, juden, judenräte, jüdische gemeinde, kultusgemeine, lebensgefahr, lebensrettend, leiter, maßnahmen, misstrauen, nazis, ohnmcht, rabbiner, rasch, reibungslos, robert schindel, saul, saul dunkelstein, tätigkeit, vehemenz, verdienst, wien, wiener juden, zwiespalt, zwiespältig   (41)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 7 Rezensionen

edith kneifl, frau, freund, gas, gasexplosion, gastronomie, geheimnisvoll, getötet, grätzels, grausam, krimi, margareten, roma, transvestit, wien

Schön tot

Edith Kneifl
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 11.11.2009
ISBN 9783852186108
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Krimi in 5 Akten
.
Katharina Kafka ist Kellnerin im Café Cuadro im Margaretenviertel, dem 5. Bezirk von Wien. Frühmorgens ist sie Zeugin einer Gasexplosion, bei der eine junge Serbin ums Leben kommt. Kurz darauf findet sie ihren Freund Orlando blutend auf einer Toilette. Der Transvestit ist scheinbar knapp einem Mordanschlag entkommen. Als Orlando ihr dann noch erzählt, dass er im wahrsten Sinne des Wortes kürzlich über die Leiche einer jungen Frau gestolpert ist, wähnen Orlando und Katharina einen Serienmörder in Magareten. Die Neugier ist geweckt und ab sofort begeben sich die Beiden auf Spurensuche in ihrem Bezirk.
.
Das vorliegende Buch ist definitiv kein Psychothriller, sondern mehr ein Krimi mit sehr viel Lokalkolorit. Das Hauptaugenmerk liegt weniger bei den Ermittlungen, sondern ganz eindeutig beim Magaretenviertel selbst. Dies schildert Edith Kneifl sehr ausführlich, farbenfroh und äußerst unterhaltsam mit seinen Kneipen, Gasthäusern und auch den Menschen, die in dem Viertel leben. Hier kennt man sich, was Katharina bei ihren Nachforschungen sehr zur Hilfe kommt.
.
Katharina ist eine Frau kurz vor den 40, sehr sprunghaft und lebensfroh. Bedingt wahrscheinlich durch ihre Roma-Wurzeln hält es sie nie lange an einem Ort und so kehrte sie nach einigen Jahren in den USA und Frankreich wieder zurück in den 5. Wiener Bezirk, in dem sie aufgewachsen ist. Doch auch jetzt ist sie wieder am überlegen, zumindest ihren Arbeitsplatz zu wechseln. Doch diese Überlegungen geraten ins Hintertreffen als sie von den Morden erfährt. Durch ihre Aufgeschlossenheit knüpft sie schnell Kontakte und viele Menschen kennt sie auch noch aus ihrer Kindheit, sodass sie bald einiges über die Mordopfer erfährt. Tatkräftig zur Seite steht ihr Orlando. Der junge Mann erfüllt voll und ganz das Klischee eines Transvestiten: Orlando zelebriert sein Sissi-Image, welches Katharina ihm unbedingt abgewöhnen will; zickt liebend gern herum; ist in einem Moment himmelhochjauchzend und ganz schrecklich und unsterblich verliebt, nur um sich im nächsten Moment umbringen zu wollen und zudem liebt er theatralische Auftritte.
.
Nach dem Überfall auf ihn nistet sich Orlando bei Katharina in deren Wohnung ein und verursacht das absolute Chaos: Sein Handtuchbedarf ist grenzenlos, seine Besuche auf Pornoseiten setzt Katharinas Laptop außer Betrieb und bringt sie hierdurch - und mit seinem ganzen Verhalten sowieso - an den Rand der Verzweiflung. Aber gerade diese übertriebene Darstellung des Charakters macht ihn für einen sofort liebenswert und auch Katharina gelingt es nicht, Orlando lange böse zu sein. So akzeptiert sie seine Schrulligkeit und macht das Beste daraus.
.
Edith Kneifl lässt Katharina selbst den Krimi erzählen und dies auf sehr warmherzige, humoristische Weise. Hierdurch lernt man sie sehr schnell kennen und ihre offenherzige, freche Art macht sie einen sofort sympathisch. Da die rothaarige Katharina eine Romni und stolz hierauf ist, erfährt man so auch noch ganz nebenbei einiges über das Leben der Roma kennen. Zusätzlich sind die Beschreibungen des 5. Bezirks so liebenswert und unterhaltsam gehalten, dass in einem schon bald der Wunsch erwacht, dass Viertel mit eigenen Augen kennen zu lernen.
.
Somit ist der Krimi an sich eigentlich nur Nebensache, allerdings stört dies auch nicht sonderlich, da Edith Kneifl es trotzdem versteht, durchweg eine gewisse Spannung aufzubauen und somit die Neugier auf die Lösung des Falls aufrecht zu erhalten. Allerdings kam für mich das Ende dann doch etwas plötzlich und ließ auch einige Fragen unbeantwortet.
.
Alles in allem eine unterhaltsame Hommage an das Magaretenviertel in Wien und seine Bewohner, bei dem der Krimi eher nur Nebenschauplatz ist.

  (18)
Tags: besondere art, café, edith kneifl, entgehen, exaltiert, fährte, flair, frau, freund, gas, gasexplosion, geheimnisvoll, getötet, grätzels, grausam, großstadtkrimi, hintergrund, junge frau, kellnerin, kreis, lebendig, margareten, margaretner café, morde, mysteriös, neugier, orlando, psychothriller, romni, romni katharina kafka, rothaarig, schlossquadrat, schrecken, schwarzer humor, serbin, serienkiller, sicherheit, spannend, spuren, stadtviertel, täter, tod, tot, transvestit, verdächtige, verfolgung, visier, wiener, wiener humor, wien-krimi   (50)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(65)

128 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 28 Rezensionen

"frankreich":w=13,"geister":w=11,"trauer":w=8,"tod":w=7,"suche":w=7,"winter":w=7,"krieg":w=6,"liebe":w=5,"vergangenheit":w=5,"kate mosse":w=5,"verlust":w=4,"brief":w=4,"fabrissa":w=4,"frederick watson":w=4,"unfall":w=3

Wintergeister

Kate Mosse , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 221 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 02.11.2010
ISBN 9783426198902
Genre: Romane

Rezension:

„… Die anderen sind in die Dunkelheit entschwunden …“
.
Auf der Suche nach dem Antiquar Saurat reist der junge Frederick Watson im Jahr 1933 nach Toulouse. Frederick besitzt einen Brief, der in Okzitanisch verfasst ist und Saurat beherrscht diese alte Sprache noch. Doch bevor dieser mit der Übersetzung beginnt, erzählt Frederick ihm, wie er zu diesem alten Brief kam.
.
Fünf Jahre zuvor reiste Frederick durch Frankreich. Bei einem Schneesturm in den Pyrenäen verunglückt er mit seinem Austin und macht sich zu Fuß auf die Suche nach einem Unterschlupf. Hierbei trifft er auf das kleine Dorf Nulle. Sofort spürt er eine Traurigkeit, die über dem Dorf zu liegen scheint. Doch dieser Eindruck vergeht schnell wieder durch die herzliche Aufnahme in der Pension von Madame Galy. Diese lädt ihn zum abendlichen Fest ein, an dem das ganze Dorf teilnimmt. Als er dort ankommt, wundert er sich zwar über die mittelalterliche Atmosphäre, ist aber sofort von seiner Tischnachbarin Fabrissa fasziniert, sodass er dies nur nebenbei wahrnimmt. Plötzlich brechen Soldaten durch die Tür und Frederick gelingt zusammen mit Fabrissa die Flucht. In der Sicherheit der Wälder erzählt ihm Fabrissa anschließend eine traurige Geschichte: Die Geschichte ihres Lebens. Frederick ist verzaubert, doch als er am nächsten Morgen aufwacht, ist Fabrissa verschwunden und keiner im Dorf kann sich an sie erinnern.
.
Wie bereits in ihrem Roman „Das verlorene Labyrinth“ hat Kate Mosse auch in ihrem vorliegenden Buch wieder das Leben der Katharer thematisiert und verpackt deren Schicksal in eine wunderschöne Liebesgeschichte, die sie von ihrem Protagonisten selbst erzählen lässt.
.
Frederick ist ein 25-jähriger Engländer, der den Tod seinen älteren Bruders Georges nicht verwinden kann. Georges ist 1916 im 1. Weltkrieg gefallen, seine Leiche war auf dem Schlachtfeld nicht mehr auffindbar und hieran geht Frederick fast zugrunde. War doch George der einzige Bezugspunkt in seiner Familie, von dem er Liebe und Fürsorge erfahren konnte. Und nun hat er noch nicht einmal eine Möglichkeit, an seinem Grab zu trauern. Nach einem Sanatoriums-Aufenthalt begibt er sich 1928 auf eine Reise quer durch Frankreich, um sich über sein weiteres Leben Gedanken zu machen und um mit dem Tod von George endlich abschließen zu können. Auch wenn es für ihn die letzte Konsequenz, den Selbstmord, bedeuten würde.
.
Die Sprache von Kate Mosse verzaubert einen schon nach wenigen Seiten, so bildgewaltig, farbenfroh und poetisch ist sie, ohne jemals auch nur eine Spur kitschig zu werden. In diesem wunderbaren kleinen Buch erzählt die Autorin auf ruhige, leise Weise eine Geschichte über die Liebe, die keine Zeitgrenzen gibt, die einen berührt, traurig stimmt und die bei einem nach Beendigung lange Zeit noch nachhallt. Ebenso gelingt es ihr fast mühelos, einem das kleine Dörfchen Nulle mitten in den Pyrenäer Bergen vor Augen treten zu lassen, dem ein verwunschener Hauch anhaftet, bedingt ist dies nicht nur durch die winterliche Landschaft. Das ganze Dorf wirkt irgendwie vergessen, in der Zeit stehen geblieben, fast trist und doch sind seine Einwohner voller Herzenswärme.
.
Hier findet Frederick langsam wieder zu sich selbst zurück, lernt mit seinem Verlust zu leben und langsam wieder neuen Lebensmut zu schöpfen. Viel dazu bei trägt Madame Galy, denn bis dahin hatte Frederick nie so etwas wie mütterliche Fürsorge spüren dürfen. So ist auch dieses Gefühl der Geborgenheit für ihn etwas Neues und hilft ihm, aus seiner selbst auferlegten Isolation etwas herauszutreten. Aber die größte Veränderung löst Fabrissa in ihm aus. Durch sie erfährt er, wie selbstlos Liebe sein kann, durch sie schöpft er wieder neuen Mut, sie führt ihn quasi wieder zurück ins Leben. Dies führt dazu, dass Frederick sich auf die Suche nach ihr macht, um das Rätsel um Fabrissas Verschwindens zu lösen.
.
Ein einzigen „Fehler“ hat dieses wunderschöne Buch: Es ist eindeutig zu kurz. Kate Mosse hat mit „Wintergeister“ eine absolut faszinierende und anrührende Geschichte geschaffen.

  (24)
Tags: 1933, alt, alte sprache, antik, antiker brief, antiquar, besitz, besonderheit, brief, dorf, erinnern, erinnerung, fabrissa, frankreich, frederick, frederick watson, geheimnisvoll, kennenlernen, okzitanisch, suche, suchen, süden, toulouse, uralt, uralter brief, verschwunden   (26)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(460)

803 Bibliotheken, 11 Leser, 4 Gruppen, 95 Rezensionen

"entführung":w=53,"österreich":w=26,"natascha kampusch":w=26,"biographie":w=20,"misshandlung":w=19,"gefangenschaft":w=17,"keller":w=16,"verlies":w=15,"flucht":w=12,"opfer":w=11,"wien":w=11,"gewalt":w=10,"biografie":w=10,"verbrechen":w=9,"schicksal":w=8

3096 Tage

Natascha Kampusch , Heike Gronemeier , Corinna Milborn
Fester Einband: 283 Seiten
Erschienen bei List, Paul, 07.09.2010
ISBN 9783471350409
Genre: Biografien

Rezension:

Ich bin frei!
.
Dies ist der letzte Satz der Biografie von Natascha Kampusch. Und ich hatte den Eindruck, dass sie dies nun wirklich so empfindet. Frei von ihrem Peiniger und auch frei von dem ganzen Medienrummel. Frei von dem Interesse der Menschen an ihr, aber auch von dem Neid und stellenweise sogar Hass, der ihr nach ihrer Freilassung entgegenschlug. Auch wenn sie offensichtlich einen Ghostwriter hatte, der ihr bei dem Buch geholfen bzw. dies geschrieben hat, wirken ihre Aussagen sehr authentisch.
.
Wie wahrscheinlich fast jeder habe auch ich damals die Befreiung von Natascha Kampusch verfolgt. Auch für mich war das Martyrium, welchem die junge Frau ausgesetzt war, unvorstellbar und ich habe sie damals auch bewundert für ihren Mut, bereits nach so kurzer Zeit sich den Medien zu stellen und ihre Erlebnisse zu erzählen. Was ich dann nicht mehr so nachvollziehen konnte, war der Hype, den ihre Selbstbefreiung ausgelöst hat. Ihre Erlebnisse wurden von der Presse und den Medien dermaßen extrem hochgeschaukelt und immer mehr angebliche Details ans Licht gezerrt, dass ich mich nur noch kopfschüttelnd dem Ganzen abgewandt habe und mir gedacht und gewünscht habe, lasst diese mutige, junge Frau doch bitte endlich mal in Ruhe und sich wieder in ihrem Leben zurecht finden.
.
Denn dass sie mutig und stark ist, hat sie in den 3096 Tagen ihrer Gefangenschaft bewiesen. Ausgerechnet am ersten Tag, den sie alleine zur Schule gehen darf, wird sie von ihrem Peiniger entführt. Anfangs geht er noch teilweise auf ihre Wünsche ein, stellt ihr Bücher und Videos zur Verfügung, renoviert ihr Verlies. Doch er weiß auch ganz genau, wie wichtig Natascha diese Bücher und Filme sind und so entzieht er ihr auch oft genug – aus purer Willkür heraus – diese Dinge. Später, als Natascha bereits eine Jugendliche ist, wird Priklopil ihr gegenüber gewalttätig und dies extrem massiv. Stellenweise sind in der Biografie Tagebucheindrücke wiedergegeben, die nüchtern diese Misshandlungen aufzählen. Gerade diese Nüchternheit zeigt einen die ganze Grausamkeit. Neben den Misshandlungen lässt der Täter seine Gefangene hungern. Auch wieder scheinbar willkürlich entzieht er ihr immer wieder das Essen bis Natascha kurz vor dem Hungertod steht.
.
Wahrscheinlich haben sich auch viele Menschen gefragt, warum Natascha nicht geflohen ist, schließlich hatte sie ja zum Schluss genug Möglichkeiten. Der Täter ist mir ihr sogar in den Baumarkt gefahren und zum Skifahren. Um dies richtig verstehen zu können, muss man die ganze Geschichte ihrer Gefangenschaft lesen, wie es Priklopil nach und nach gelungen ist, für Natascha zur Bezugsperson zu werden, ihr Angst vor der Welt draußen zu machen und auch eine Schlüsselszene während des Skifahrens war für Natascha ganz entscheidend, nicht an den Erfolg ihrer Flucht zu glauben. Das sie es dann doch gewagt hat: Bewundernswert!
.
Was mir an dem Buch ausgesprochen gut gefallen hat, ist, dass Natascha Kampusch zu keiner Zeit auf die Tränendrüse drückt. Sie will mit diesem Buch kein Mitleid, sie will einfach nur ihre Geschichte erzählen, wie sie wirklich war und nicht so, wie stellenweise die Medien sie geschaffen haben und sie zeigt auch die Fehler der Polizei bei den Ermittlungen auf. Wenn man bedenkt, dass die Polizei nach etwa 6 Wochen einen mehr als eindeutigen Hinweis auf Priklopil erhalten hatte und diesem nicht nachgegangen ist. Wäre dem nicht so gewesen, hätte Natascha Kampusch möglicherweise ihr grausames Schicksal erspart bleiben können.

  (27)
Tags: 02.03.1998, 02. märz 1998, 10 jahre, 23.08.2006, 23. august 2006, 3096 tage, aufsehen, beziehung, eigene kraft, entführt, entführung, entkommen, erleiden, erzählen, fernseher, flucht, flüchten, folter, frei, freiheitsentzug, gefangen, gefangenschaft, hochbett, hölle, kampusch, keller, kellerverlies, kind, leben neben, medien, misshandlung, misshandlungen, mut, nachrichtentechniker, natascha, natascha kampusch, öffentliches interesse, öffentlichkeit, österreich, peiniger, presse, priklopil, prügel, psychopath, schicksal, schläge, schrecklich, schulweg, selbstmord, sprechen, täter, überleben, verlies, videos, wolfgang priklopil, zehn jahren, zustoßen   (57)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

22 Bibliotheken, 0 Leser, 5 Gruppen, 13 Rezensionen

chef, china, chinese, ehemalig, erfolgkrimi, fleisch, gastrokritiker-in, gastronomie, gegenwart, genie, koch, krimi, kurt bracharz, österreich, wien

Der zweitbeste Koch

Kurt Bracharz
Fester Einband: 180 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 16.09.2010
ISBN 9783852186344
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Lukullische Spannung
.
Der Wiener Gourmetkritiker Xaver Ypp rätselt. Wo ist der zweitbeste Koch der Welt geblieben? In seinem chinesischen Lieblingsrestaurant „Shanghai 1938“ ist Koch Wang-Li spurlos verschwunden und angeblich weiß niemand etwas über dessen Verbleib. Allerdings essen Chinesen ja bekanntlich so ziemlich alles und so hegt Xaver einen Verdacht, zumal er in seinem Gericht ein Stück Fleisch entdeckt, dessen Geschmack er so gar nicht kennt. Neugierig geworden packt er das verdächtige Stück in einem Zippbeutel. Als er auf dem Heimweg ist, wird er überfallen und seine Tasche gestohlen. Als sie kurz darauf wiedergefunden wird, ist der Tascheninhalt komplett, bis auf den Zippbeutel. Xavers Befürchtung scheint sich zu erhärten.
.
Herrlich erfrischend und mit einem guten Schuss Humor und Selbstironie lässt Kurt Bracharz seinen Protagonisten Xaver Ypp den Krimi selbst erzählen. Und da Xaver Ypp ein Gourmetkritiker ist und sich somit sein Leben zum größten Teil um neue, ausgefallene Gerichte dreht, erhält man auch noch einen hervorragenden Einblick in die asiatische Esskultur. Wobei es einem bei den einen oder anderen Zutaten schon ein wenig der Magen umdreht. Aber selbst Xaver gibt zu, dass bei so einigen Gerichten auch seine Schmerzgrenze erreicht wird.
.
Man kann jetzt nicht behaupten, dass der Krimi äußerst spannend ist, dies scheint aber auch gar nicht unbedingt das Ziel des Autors gewesen zu sein. Vielmehr mutet die Story ein wenig skurril an, ist sehr unterhaltsam und vor allem komplex angelegt. So entwickelt sich der Fall zum Schluss vollkommen anders als anfangs gedacht. Zwar kommt die Auflösung dann doch etwas plötzlich, ist jedoch logisch umgesetzt.
.
Seinen Protagonisten beschreibt der Autor hervorragend: Ein wenig eigenwillig, selbstkritisch und sturköpfig. So wird einem der ältere Herr fast augenblicklich sympathisch. Und auch die weiteren Personen sind recht eigenwillige Persönlichkeiten, die auch bei der Kürze des Krimis ausreichend und facettenreich beschrieben sind.
.
Alles in allem ein anspruchsvoller Krimi der etwas anderen Art, der sehr unterhaltsam umgesetzt und nicht nur etwas für Gourmets ist.

  (21)
Tags: angelegenheit, ärgern, ausbildung, beste koch, chef, china, chinese, ehemalig, erfolgkrimi, fleisch, genie, geschmack, geschmackgenie, glauben, gorumet, gourmetkritiker, hartgesotten, hochglanzmagazin, hunger, junger chinese, koch, konservativ, krimi, kriminelle, kultig, kuriosem, kurt bracharz, li wang, lukull, magazin, nervenkitzel, opfer, pikant, probe, probleme, pubertierend, rasant, restaurant, schlussfahrt, überfall, überfluss, ungewöhnlich, untersuchen, verägert, wien, xaver ypp, ypp, zurückkehren, zweitbeste   (49)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(68)

145 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

"nikolaus":w=14,"thriller":w=11,"horror":w=9,"thomas finn":w=8,"mystery":w=7,"winter":w=7,"knecht ruprecht":w=7,"krampus":w=7,"deutschland":w=6,"freunde":w=6,"perchtal":w=6,"weißer schrecken":w=5,"fantasy":w=4,"kelten":w=4,"tod":w=3

Weißer Schrecken

Thomas Finn
Flexibler Einband: 492 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.11.2011
ISBN 9783492267595
Genre: Fantasy

Rezension:

Perchten, Krampusse und die Kinderbischöfe
.
Auf dem Perchtalsee beim Schlittschuhlaufen macht die 15-jährige Elke eine grausame Entdeckung. Unter dem Eis liegt eine Mädchenleiche, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Hatten ihre Zwillingsschwester Miriam und sie noch eine Schwester? Ihre Eltern wie auch die Dorfbewohner hüllen sich in Schweigen. Und noch mehr merkwürdige Dinge passieren im Vorfeld des 06. Dezembers. Bücher liegen plötzlich auf den Boden, Fußspuren verlieren sich im Nirgendwo und Drohungen erscheinen an Fenstern.Hinzu kommt, dass sich Pfarrer Strobel gegenüber der Clique, der Miriam und Elke angehören sehr merkwürdig verhält und unbedingt in der Nikolausnacht mit den Zwillingen und ihren Freunden Andreas, Robert und Niklas eine Nachtwanderung unternehmen will. Bald schon müssen die fünf Freunde feststellen, dass ein dunkles Geheimnis das Dorf Perchtal umgibt und ein merkwürdiger Schneesturm, der das Dorf von der Außenwelt abschneidet, scheint ihre Vermutung noch zu bestätigen.
.
Die sonderbaren Vorkommnisse lassen den Fünf keine Ruhe und so beginnen sie auf eigene Faust, Nachforschungen anzustellen. Schnell kommen sie dahinter, dass die unerklärlichen Vorkommnisse etwas mit der Legende um die Krampusse und Perchten, in Verbindung mit St. Nikolaus von Myra stehen. Doch inwiefern stehen die Einwohner von Perchtal mit diesen Mythen in Verbindung, die heute doch zum Brauchtum gehören und warum benehmen sich gerade ihre Eltern so merkwürdig?
.
Geschickt verbindet Thomas Finn alte Legenden, deren Ursprung bei den Kelten zu finden ist, mit unserem heutigen Brauchtum. Nach und nach erfährt man so den Ursprung um den Nikolaustag und seinem Namensgeber St. Nikolaus von Myra und dem Brauch der Kinderbischöfe sowie dem Krampus- und Perchtenlauf, die gerade in der Alpenregion noch sehr verbreitet sind. Man merkt hier deutlich, dass sich der Autor ein fundiertes Wissen angeeignet hat und dies unterhaltsam an seine Leser weitergibt.
.
Spannung ist praktisch von der ersten Seite an vorhanden und steigert sich zunehmend im Lauf des Mysterie-Thrillers bis zum Ende hin noch sehr. Atmosphärisch dicht und absolut fesselnd ist der Schreibstil des Autors zu beschreiben und dadurch gelingt es ihm auch fast augenblicklich, eine äußerst beklemmende Stimmung aufzubauen. So bekommt man eine sehr gute Vorstellung von dem kleinen, verschneiten, eigentlich so idyllischen Dorf Perchtal, welches sich für die fünf Freunde bald schon zur tödlichen Falle entwickelt. Die Story ist bis zum Schluss logisch umgesetzt, nicht vorhersehbar und hält sogar noch eine Überraschung parat.
.
Die Geschichte spielt vorwiegend im Jahr 1994, allerdings gibt es immer mal wieder kurze Einschübe in die Gegenwart, sodass man schon sehr bald weiß, wer definitiv von den Fünf den Alptraum überlebt. Allerdings nimmt dies dem Thriller in keiner Weise die Spannung, eher im Gegenteil, man ist neugierig, wie diese in der Gegenwart mit der ganzen Geschichte umgehen.
.
Alle fünf Freunde kommen aus zerrüttenden Familien. Die Zwillinge Miriam und Elke haben unter ihren bigotten Eltern zu leiden, Roberts Vater ist seit Jahren verschwunden und seine Mutter versucht mithilfe von Alkohol ihr Leben zu regeln. Niklas wird von seiner Mutter mit Süßigkeiten gemästet und Andreas‘ Mutter beging Selbstmord. Sein Vater erfüllt ihm zwar jeden Wunsch, ist aber ansonsten nicht zu sehen. Anfangs stellt Thomas Finn einem seine 5 Protagonisten kapitelweise vor und so erhält man schon mal einen sehr guten Einblick in deren Leben und Charakter. Dies ist durchweg gut gelungen, allerdings wirken die Fünf aber auch etwas zu eindimensional gezeichnet und hierdurch leicht durschaubar. Auch bei den Dorfbewohnern ist ziemlich schnell ersichtlich, wer die gute und wer die böse Rolle intus hat. Jedoch stört dies nicht unbedingt, da ansonsten die Handlung absolut überzeugt.
.
Fazit: Ein absolut fesselnder und spannender Mysterie-Thriller, der dafür sorgt, dass man den Nikolaustag in Zukunft mit etwas anderen Augen betrachtet.

  (22)
Tags: 6. dezember, ähnlich, ähnlichkeit, alte leichenhalle, andreas, berchtesgardener land, besinnlich, blutig, bürgermeister, dorf, einsam, einsames dorf, eis, elke, fratzen, freunde, geheimnis, grauenhaft, gruppe, hof, jugendliche, junges mädchen, kalte jahreszeit, knecht ruprecht, krampus, krampuslauf, leichenfund, leichenhalle, masken, miriam, mythen, nachforschungen, niklas, nikolaus, nikolaustag, pass, perchtal, perchten, perchtenlauf, pfarrer, pfarrer strobel, robert, rückkehr welt, sagen, schneesturm, schrecken, schreiner, see, thomas finn, thriller, tierarzt, treiben, uralte macht, verblüffend, vertrauenslehrer, verwandte, vorbereiten, vorbereitung, weißer schrecken, winter, zwillinge   (61)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(123)

252 Bibliotheken, 4 Leser, 9 Gruppen, 50 Rezensionen

"entführung":w=24,"demenz":w=20,"thriller":w=18,"psychothriller":w=12,"internet":w=11,"professor":w=10,"john katzenbach":w=6,"psychologie":w=5,"vergewaltigung":w=5,"missbrauch":w=5,"psychologe":w=5,"katzenbach":w=4,"krimi":w=3,"spannend":w=3,"polizei":w=3

Der Professor

John Katzenbach
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 28.10.2010
ISBN 9783426198247
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Adrian und seine Toten
.
Professor Adrian Thomas traut dem nicht, was er gesehen hat. Vor seinen Augen wird in einer kleinen Universitätsstadt in Neuengland ein junges Mädchen in einen weißen Lieferwagen gezerrt. Doch hat er dies wirklich gesehen oder entspringt dies seiner Fantasie? Denn Adrian leidet unter einer schnell fortschreitenden Form von Demenz, die oft auch Fantasievorstellungen auslöst. Als er jedoch an der vermeintlichen Entführungsstelle ein rosa Basecap mit dem Namen Jennifer findet, ist er von der Entführung überzeugt. Augenblicklich erscheinen ihm in seiner Fantasiewelt seine verstorbenen Toten: seine Frau Cassie, sein Bruder Brian und sein Sohn Tommy. Alle Drei unterstützen ihn abwechselnd bei der Suche, die sich für ihn immer schwieriger gestaltet, da seine Krankheit unweigerlich immer mehr von ihm Besitz ergreift und die mit dem Fall betraute Polizistin Terri diesem etwas verwunderlich auftretenden Mann nicht so recht glauben mag.
.
Zwar überzeugen Terri die Äußerungen des alten Professors schon nach einiger Zeit, denn alle Spuren auf der Suche nach Jennifer verlaufen im Sande und was anfangs wie ein weiterer Ausreißversuch der Jugendlichen aussah, entpuppt sich nach und nach doch zu dem Entführungsfall, den Adrian ihr beschrieben hat. Doch ihr fällt es schwer, das seltsame Verhalten des Professors einzuschätzen und sein psychologisches Wissen richtig für den Fall einzusetzen. So macht sich Adrian allein auf die Suche nach Jennifer, deren Spur er in den Tiefen des Internets vermutet.
.
Und er liegt mit seiner Vermutung richtig, denn Jennifer ist dem Pärchen Linda und Michael in die Hände gefallen, die auf ihrer Internetseite whatcomesnext.com die perfiden Wünsche ihrer Kunden befriedigen. Immer wieder denken sie sich neue seelische und auch körperliche Grausamkeiten für Jennifer aus, um ihre Kundschaft bei Laune zu halten und natürlich auch, um sie zum Zahlen zu animieren.
.
Von Anfang an wechselt John Katzenbach ständig die Erzählstränge und so lernt man nach und nach seine einzelnen Hauptakteure kennen. Im Vordergrund stehen zum einen der pensionierte Professor Adrian Thomas und die Jugendliche Jennifer. Adrian muss sich nach einem Arztbesuch seinen schlimmsten Befürchtungen stellen, dass er an Demenz leidet. Für ihn ist die Vorstellung, schon in kurzer Zeit nur noch dahin zu vegetieren, unvorstellbar und so hat er nur noch ein Ziel: seinem Leben ein Ende zu setzen mit seinem Freund Mr. Ruger. Dann kommt ihm jedoch die Entführung von Jennifer dazwischen. In seiner Fantasiewelt unterstützen ihn Tommy, Cassie und Brian, nicht in die Welt des Vergessens abzutauchen und durch die "Besuche" der Toten erfährt man nach und nach auch ein wenig mehr über das Leben von Adrian kennen. Diese Dialoge mit den Toten sind stellenweise sehr anrührend und gefühlvoll beschrieben und absolut glaubwürdig wiedergegeben. Zwar hat dieses Abdriften in die Geisterwelt zum Teil auch stellenweise nichts mit der Story an sich zu tun, passen meiner Meinung nach aber hervorragend in die Geschichte und zu Adrian und sind nie langatmig.
.
Zum anderen ist man immer eng an dem Geschehen rund um Jennifer in ihrem Verlies dabei. John Katzenbach beschreibt die 16-jährige als eine durch und durch mutige, intelligente Jugendliche, der es gelingt, eine gewisse Distanz zwischen ihrem eigentlichen Ich und den Geschehnissen um sich herum zu schaffen. Einzig durch diese Trennung zwischen Nr. 4, wie die Entführer sie bezeichnen und ihrem eigenen Ich gelingt es ihr, das Martyrium durchzuhalten. Allerdings ist man sich während dieser Szenen nie sicher, wie lange Jennifer dies noch gelingt. Der Autor beschreibt diesen Erzählstrang sehr ergreifend, einfühlsam, beklemmend und absolut nachvollziehbar.
.
Und auch wenn man von Anfang an die Entführer kennt und über das Schicksal von Jennifer ständig informiert ist, gelingt es John Katzenbach eine Spannung aufzubauen, die sich über den gesamten Psychothriller problemlos hält. Möglich ist dies einmal durch die ständig wechselnden Handlungsstränge, so ist man immer über die Ermittlungen der Polizistin Terri informiert, erhält einen kleinen Einblick in die kranke Welt der Kunden von whatcomesnext.com wie auch in die Gedankenwelt des überaus cleveren, gefühlskalten und intelligenten Entführerpaares.
.
Zum Anderen treibt einen die Neugier um Adrian und Jennifer an. Wird Adrian bis zum Schluss durchhalten und Jennifer finden oder besiegt ihn die Krankheit doch vorher noch? Wie kommt er der Entführten auf die Spur und wird Jennifer durchhalten oder wird sie der Folter unterliegen oder aber wird das Entführerpaar und deren Kundschaft ihrer vorher überdrüssig und sie wird ermordet? Geschickt spielt John Katzenbach hier ständig mit der Fantasie seiner Lesern, überrascht immer wieder durch unvorhersehbare Wendungen und wenn man sich auch denken kann, wie der Thriller ausgehen könnte, ist man sich dessen nie ganz sicher.

Somit ist dem Autor wirklich ein Psychothriller der Spitzenklasse gelungen, was dadurch noch verstärkt wird, dass alle Charaktere hervorragend herausgearbeitet sind und die Story bis auf ein paar kleine logische Ungereimtheiten, absolut schlüssig umgesetzt ist.
.
Fazit: Ein Psychothriller der Spitzenklasse, der ohne aufwendige und reißerische Szenen daherkommt und eine eher unterschwellige, dafür aber extreme Spannung aufbaut und diese bis zum Schluss hält.

  (28)
Tags: abgleiten, adrian thomas, alte mann, alte professor, arzt, befürchtung, befürchtungen, beobachten, beobachtung, beschleunigen, bremsen, dämmerung, demenz, denken, diagnose, dunkelheit, eilen, entführung, finden, frage, lieferwagen, mädchen, niederschmetternd, pensioniert, professor, psychologie, psychologieprofessor, schlimm, schrecken, schreckensvision, straße, unaufhaltsam, unheilbar, verbrechen, verschwunden, verstörend, verstört, verwirrt, verwirrung   (39)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(36)

60 Bibliotheken, 0 Leser, 11 Gruppen, 24 Rezensionen

aberglaube, ausgestoßene, bedrohung, bergdorf, deserteur, dorf, düster, emotionen, furcht, schnee, spannung, thriller, tirol, tyrol, winter

Morbus Dei: Die Ankunft

Bastian Zach , Matthias Bauer
Flexibler Einband: 296 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 11.03.2016
ISBN 9783852188461
Genre: Historische Romane

Rezension:

„… Sie leben im Verborgenen …“
.
Kurz vor Weihnachten 1703: Ein Schneesturm tobt in den Bergen von Tyrol, als der schwer verwundete Deserteur Johann List mit letzter Kraft in einem Tal ein kleines Dorf entdeckt. Mehr tot als lebendig schleppt er sich dorthin und wird von Elisabeth und ihrem Großvater aufgenommen und gesund gepflegt. Wieder genesen, zahlt er bei Elisabeths Vater seine Schuld mit Arbeitskraft ab. Schon bald stellt er fest, dass in dem Bergdorf irgendetwas nicht stimmt. Die Dorfbewohner verhalten sich seltsam, blicken immer wieder angsterfüllt Richtung Waldrand und sprechen hinter vorgehaltener Hand ständig von „den Anderen“. Johanns Neugier ist geweckt, doch gegen die Verschlossenheit der Dorfbewohner kommt er anfangs nicht an, bis er eines Tages den Pfarrer des Dorfes folgt und eine mysteriöse Entdeckung macht.
.
Der Debütroman des Autorenduos Bauer/Zach ist schwer in ein Genre einzuordnen. Zum einen ist er natürlich ein historischer Roman, zum anderen beinhaltet er aber auch eindeutig gruselige, mystische Aspekte und der Thrillerfaktor ist auch nicht zu unterschätzen. Gleich schon zu Anfang gelingt es ihnen hervorragend, eine dichte Atmosphäre aufzubauen. Dies geschieht u.a. durch die Erwähnung ortstypischer Begrifflichkeiten, ihre Sprache nicht zu modern klingen zu lassen und durch Einbindung geschichtlicher Geschehnisse. Hinzu kommt natürlich noch, dass die Menschen zur damaligen Zeit sehr gläubig waren und dies lässt das Autorenduo ebenfalls sehr gut in die Story mit einfließen, umso authentischer wirkt sie hierdurch.
.
Anfangs beschreiben Bauer/Zach einem erst einmal ein wenig das Dorfleben und dessen Bewohner. So lernt man den Großbauern Jakob Karrer kennen, dem Vater von Elisabeth. Ihm muss Johann seine Schuld abbezahlen und er leidet nicht als Einziger unter diesem herrischen, tyrannischen und hartherzigen Mann. Selbst der Bürgermeister ordnet sich seiner Meinung unter. Man ist aber auch bei einem Fest dabei, wie auch bei den ganz normalen alltäglichen Beschäftigungen der Menschen zur damaligen Zeit. Gleichzeitig spürt man zu jeder Zeit, dass eine nicht zu greifende Furcht auf dem Dorf liegt, welche die Dorfbewohner regelrecht lähmt.
.
Nach und nach erfährt Johann und somit auch der Leser immer mehr über „die Anderen“ und dies hat schon wirklich einen sehr guten Gruselfaktor. Hier gelingt es dem Autorenduo sogar noch, die bis dahin schon düstere, beängstigende Stimmung weiter auszubauen, während sie auf die Urängste der Bergbewohner eingehen. Denn so ganz unschuldig sind die Dorfbewohner an der Situation nicht, deren Ursprung weit in der Vergangenheit des Dorfes zu finden ist.
.
Anfangs ist die Spannung eher latent vorhanden, man spürt die Ängste der Dorfbewohner, kann sie aber nicht so recht zuordnen, weiß nichts über die Bedrohung, deren sie sich ausgesetzt fühlen. Erst so nach und nach wird die Spannung regelrecht greifbar und steigert sich bis zum Ende dann wirklich massiv. Der Schluss der Geschichte ist nur bedingt vorhersehbar und logisch umgesetzt und ganz zum Ende eröffnet sie noch einen Faktor, der die Story perfekt abrundet.
.
Die Charaktere sind sauber herausgearbeitet, allerdings kann man schon recht früh die Dorfbewohner in Gut und Böse einordnen. So gibt es den Despoten Karrer, dessen Verhalten zu jeder Zeit vorhersehbar ist, die liebenswürdige, schöne Elisabeth, die kesse Sophie und den treuen Albin. Einzig der Charakter des Pfarrers ist undurchsichtig, seine Absichten nicht vorhersehbar und sein Verhalten wirft viele Fragen auf, die aber zum Schluss dann logisch gelöst werden. Und auch Johann ist klar gezeichnet. Der Soldat, der die Gräueltaten des Krieges nicht mehr ertragen kann und desertiert ist, verliebt sich fast augenblicklich in Elisabeth. Da er aber den Zorn vor Karrer gegenüber Elisabeth fürchtet, hält er seine Gefühle anfangs zurück.
.
Fazit: Ein Historienroman der etwas anderen Art: spannend, mystisch, fesselnd und absolut passend für die dunkle Jahreszeit.

  (21)
Tags: 1703, aberglaube, abgeschieden, autoren, bastian zah, bauer, bergdorf, bewohner, deserteur, dorf, dramatik, düster, einsam, emotionen, eskalieren, eskaliert, furcht, gegend, geschichte, johann, johann list, kampf, leben und tod, matthias bauer, menschen, misstrauen, mobrus dei, schatten, schnee, schneesturm, schweigen, situation, spannung, tiere, tirol, tochter, töten, tyrol, überrascht, verlassen, verlieben, verschwinden, verschwunden, vor 300 jahre, winterlich   (45)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

29 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

eigene welt, einheit, eisdiele, entertainerin, entscheidung, familie, hass, liebe, lydia mischkulnig, missbrauch, österreich, paranoia, psychodrama, schwestern, vergewaltigung

Schwestern der Angst

Lydia Mischkulnig
Fester Einband: 248 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 06.08.2010
ISBN 9783852186429
Genre: Romane

Rezension:

„… Die Farbe der Liebe ist rot …“
.
Die Halbschwestern Renate und Marie sind als Kinder unzertrennlich. Durch den frühen Tod der Mutter übernimmt Renate bei Marie die Mutterrolle, doch je älter Marie wird, umso mehr rebelliert sie gegen das einnehmende Wesen von Renate. Diese kommt mit diesem Kontrollverlust immer weniger zurecht. Als Marie sich auch noch in Paul verliebt und diesen heiraten möchte, eskaliert die Situation, denn auch Renate ist in Paul verliebt.
.
Lydia Mischkulnig zeichnet hier ein Bild einer durch und durch gestörten Seele. Bedingt durch die Misshandlungen in ihrer Kindheit von seiten ihres Großvaters und den frühen Verlust der Mutter, ist die Vorstellung von Liebe und Vertrauen bei Renate verzerrt. Je älter Marie wird und sich immer mehr von Renate loslöst, umso mehr versinkt diese in der Stalker-Rolle. Renate ist nur noch auf Marie fixiert, alles andere – besonders ihr eigenes Leben und ihre Gesundheit – sind absolute Nebensache. So vergisst sie oft zu Essen und Trinken, magert immer mehr ab bis zum Zusammenbruch. Wahrheit und Fiktion vermischen bei Renate immer mehr, sie steigert sich regelrecht in eine für sie akzeptable Scheinwelt hinein. Als sie dann auch noch erfährt, dass ihre Schwester Paul heiraten wird, eskaliert die Situation.
.
Mithilfe der Erinnerungen von Renate erzählt einem die Autorin nach und nach die Geschichte der beiden Schwestern. So erlebt man die ersten Kindheitsjahre von Renate, die so traumatisch für sie waren, dass sie ihr weiteres Leben bestimmen werden. Man erfährt von ihrer bedingungslosen Liebe zu Marie und auch ihren Schmerz, als Marie sich immer mehr zu einem egozentrischen, eifersüchtigen jungen Mädchen entwickelt. Und auch von ihren Gefühlen gegenüber Paul wird man ausführlich und eindringlich ins Bild gesetzt. Und da all dies in der Ich-Form geschrieben ist, wirkt die Geschichte umso ergreifender.
.
In einer sehr bildgewaltigen Sprache, die aus einem schier unerschöpflichen Wortschatz zu schöpfen scheint, vermittelt die Autorin einem gekonnt die Geschichte der beiden Schwestern. So gelingt es ihr hervorragend, einem das gestörte Verhalten von Renate näher zu bringen. Zwar ist dieses Gefühlsleben für einen als Leser absolut nicht nachvollziehbar, dennoch gelingt es der Autorin, das man ein gewisses Maß von Mitgefühl für die Protagonistin entwickelt und von ihrer Geschichte gefesselt ist.
.
Anfangs ist die Story mehr noch ein sehr emotional und bewegend geschriebener Roman, der sich im Laufe immer mehr zu einem Psychothriller ausweitet, bis es schlussendlich zum unvermeidbaren Finale kommt.
.
Mit diesem kleinen Buch hält man einen anspruchsvollen und erschütternden Roman in Händen, der einen auch nach Beendigung der Geschichte beschäftigen wird.

  (22)
Tags: distanz, eigene welt, einheit, entertainerin, entscheidung, familie, frauen, fürsorge, gefährlich, geprägt, glück, grandios, hass, kinder, konsequenz, kunstvolle sprache, mädchen, marie, misstrauen, paranoia, paul, perspektive, prägen, renate, schwester, sehnsucht, subtil, tobend, überwachen, umwerben, unversehrtheit, unzertrennlich, verfolgen, verlust, verzerrt, wirklichkeit, zorn   (37)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(385)

861 Bibliotheken, 13 Leser, 11 Gruppen, 68 Rezensionen

"mord":w=38,"voyeur":w=26,"thriller":w=23,"london":w=23,"kunst":w=20,"sex":w=17,"simon beckett":w=15,"galerie":w=14,"krimi":w=12,"eifersucht":w=11,"obsession":w=10,"erotik":w=9,"anna":w=9,"zeppo":w=9,"liebe":w=7

Voyeur

Simon Beckett , Andree Hesse
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.04.2010
ISBN 9783499249174
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die krankhafte Sicht der Dinge
.
Der Londoner Galerist Donald Ramsey hat eher wenig für Sex übrig, mehr kann er schon mit Erotik anfangen, dies allerdings aber auch nur in der Form von Gemälden und Kunstwerken. Bei seiner privaten kleinen, aber feinen Kunstsammlung kann er Stunden verbringen und sich an erotischer Malerei ergötzen. Frauen im wirklichen Leben interessieren ihn überhaupt nicht. Bis er seiner Assistentin Anna mehr durch Zufall heimlich beim Umziehen zusieht. Ab diesem Zeitpunkt ist Donald fixiert auf Anna und gerät schier in Panik als er erfährt, dass Anna mit ihrem Freund Marty in die USA übersiedeln will. Dies muss um jeden Preis verhindert werden. So engagiert er seinen gewissenlosen Bekannten Zeppo. Das Model soll Anna verführen, um so die Trennung von Marty herbeizuführen. Doch plötzlich scheinen die Ereignisse ein Eigenleben zu entwickeln.
.
Im Vorwort zu seinem Debütroman schreibt Simon Beckett, dass er hofft, trotz des üblen Charakters seines Protagonisten Donald diesen doch ein wenig liebenswürdig hat darstellen können. Dies ist ihm gelungen. Man kann zwar die Besessenheit von Donald in keiner Weise nachvollziehen, bei der er im wahrsten Sinne des Wortes sogar über Leichen geht, aber irgendwie ist er einem doch sympathisch.
.
Die Story entwickelt sind recht rasant und hält dieses Tempo auch fast bis zum Ende, hier allerdings knickt die Spannung ein und stellenweise schleppt sich die Story dann bis zum wenig überraschenden Ende nur dahin. Jedoch macht der damals schon flüssige Schreibstil von Simon Beckett dieses zum Teil wieder wett und ist zumindest bis zum Schluss immer noch recht unterhaltsam, zumal die Story absolut rund und schlüssig umgesetzt ist.
.
Was ihm wirklich gelungen ist, sind die Charaktere. Donald Ramsey zeichnet er als einen sehr introvertierten Mann mittleren Alters, dessen einziges Interesse in der erotischen Kunst liegt, dies ist der absolute Mittelpunkt seines Lebens. Bis, ja bis er Anna einmal beim Umziehen beobachtet. Ab da wendet sich seine Fixierung seiner Assistentin zu und er hat für nichts anderes mehr Interesse. Er neidet Marty seine Freundin und ist voller Missgunst und Eifersucht. Es zählt nur noch seine Besessenheit zu Anna und wie er zum Ziel seiner Wünsche gelangen kann, sonst nichts.
.
Um dieses Ziel zu erreichen, engagiert er den skrupellosen Lebemann Zeppo. Dieser ist ein gut aussehender, sehr von sich eingenommenes Model, der Frauen nur als Belustigung für sich selbst sieht, sehr phlegmatisch und zu echten Gefühlen nicht fähig ist. Zwar stößt seine schnoddrige, rüde Sprache gelegentlich beim Lesen etwas auf, doch stellt es so auch sehr gut den Kontrast zwischen dem kultivierten Donald und ihm dar.
.
Alles in allem ist der Roman etwas besser als "Flammenbrut" oder "Obsession". Für echte David Hunter Fans jedoch nicht zu empfehlen.

  (24)
Tags: anna, assistentin, attraktiv, besessen, besessenheit, bewundern, bewunderung, charmant, donald, donald ramsey, england, englischer thriller, entführt, entführung, frauen, fremdwort, galerist, geld, gemälde, geschichte, großbritannien, interesse, intrige, job, junge frau, kunstwerk, kunstwerke, leidenschaft, london, londoner galerist, menschen, mord, neue assistentin, obsession, perfekt, perfekte intrige, preis, rororo-verlag, schönheit, sexuelle obsession, simon beckett, skrupellos, thriller, ungewohnt, voyeur, zeppo   (46)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(271)

726 Bibliotheken, 13 Leser, 14 Gruppen, 101 Rezensionen

"london":w=50,"jack the ripper":w=41,"zeitreisen":w=37,"zeitreise":w=36,"liebe":w=31,"h.g. wells":w=20,"zeitmaschine":w=18,"vergangenheit":w=16,"zukunft":w=15,"roman":w=11,"england":w=11,"betrug":w=11,"fantasy":w=10,"mord":w=9,"historischer roman":w=9

Die Landkarte der Zeit

Félix J. Palma , Willi Zurbrüggen
Fester Einband: 716 Seiten
Erschienen bei Kindler, 17.09.2010
ISBN 9783463405773
Genre: Historische Romane

Rezension:

Eine wundervolle Reise durch die Zeit
.
London, 1888: Der wohlhabende Andrew Harrington ist verzweifelt. Seine große Liebe Mary Kelley wurde von Jack the Ripper ermordet. Er verliert jeglichen Lebensmut und nach acht Jahren Trauer und Verzweiflung hat er nur noch einen Wunsch: selbst zu sterben, um mit Mary Kelley wieder vereint zu sein. Sein Cousin und bester Freund Charles Winslow kann sich dies nicht mehr länger mit ansehen. Als er von Murrays Zeitreisen erfährt, der gutsituierten Londoner Bürgern eine Reise ins Jahr 2000 anbietet, kommt ihm eine Idee. Wenn man in die Zukunft reisen kann, warum auch nicht in die Vergangenheit.
.
Dies ist nur eine von vielen kleinen und großen Geschichten, welche Felix J. Palma in seinem fantastischen Roman erzählt. Dreh- und Angelpunkt des Buches sind H. G. Wells und das Unternehmen „Murrays Zeitreisen“ in Person von Gilliam Murray, hier laufen alle Fäden zusammen. Man lernt Bram Stoker und Henry James kennen, Jack the Ripper spielt eine entscheidende Rolle, man reist in der Geschichte durch die Jahrhunderte und erfährt viel über das Leben des Schriftstellers H. G. Wells und seinem Buch „Die Zeitmaschine“. Eigentlich kann man das ganze Buch als eine wunderbare Huldigung an den Schriftsteller verstehen.
.
Felix J. Palma schreibt in einem Stil, der absolut verzaubert. Scheinbar mühelos verwebt er eine Geschichte mit der anderen, klingt sich immer mal wieder selbst in die Geschichte ein und verleiht seinen Protagonisten fast augenblicklich Konturen, sodass sie für einen sofort vorstellbar werden. Man ist von seinen Erzählungen von Anfang an absolut gefesselt, immer wieder baut er überraschende Wendungen in die Geschichte ein und wird nie langatmig in seinen Erzählungen, die man als poetisch bezeichnen kann. Und mehr als einmal blitzt auch seine humoristische Ader hervor.
.
Richtig in ein Genre kann man seinen Roman nur schwer einordnen. Zum einen ist er natürlich ein historischer Roman, der zum Ende des 19. Jahrhunderts spielt und wunderbar die Stimmung der damaligen Zeit einfängt. Die Welt steht am Anfang der Industrialisierung, alles scheint möglich zu sein und einige Menschen sind sogar der Meinung, dass bereits alles erfunden und alles entdeckt ist. Zum anderen ist es aber auch ein Science-Fiction-Roman, der mit einem durch die Zeit reist und hier bietet der Autor auch eine plausible Art der Zeitreise an.
.
Ja, und dann ist es auch ein Krimi, denn die Ripper-Morde in Whitechapel spielen während des Romans eine zentrale Rolle und wenn man etwas genauer liest, stellt man auch fest, dass hier etwas nicht so ganz stimmen kann. Um was es sich dabei handelt, wird an dieser Stelle nicht verraten, diese Unstimmigkeit wird aber zum Ende des Buches schlüssig erklärt. Und schließlich ist es auch ein Liebesroman, denn Felix J. Palma zeigt auf, dass die Liebe im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos ist, genauso wie die Fantasie der Menschen keine Grenzen kennt.
.
Fazit: Ein Buch, das von der ersten Seite an verzaubert und seine Leser auf eine wundervolle Reise durch die Zeit mitnimmt.

  (29)
Tags: 1896, andrew, anziehungskraft, bibiliothekar, claire, dämonisch, erfinder, erfindung, erfunden, fabrikantensohn, fantasie, garrett, geheimnis, geschichte, große liebe, h.g. wells, inspector, inspektor garrett, jack the ripper, jahr 2000, jahrhunderte, landkarte der zeit, liebe, lieben, london, magisch, mann, mörder, ohne grenzen, opfer, phantasie, reise, reisen, töten, vergangenheit, viktorianische zeit, waffen, wiedergewinnen, wohlhabend, zeitmaschine, zeitreise, zukunft   (42)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(30)

67 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

"england":w=5,"krimi":w=4,"mord":w=4,"london":w=4,"serienmörder":w=4,"irak":w=4,"kriegsverletzter":w=4,"soldat":w=3,"thriller":w=2,"polizei":w=2,"psychologie":w=2,"morde":w=2,"mordserie":w=2,"obdachlose":w=2,"irakkrieg":w=2

Der Schatten des Chamäleons

Minette Walters , Mechtild Sandberg-Ciletti
Fester Einband: 445 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag (HC), 15.02.2008
ISBN 9783442311590
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Welt aus den Fugen
.
Für den 26-jährigen Charles Acland bricht nach dem Aufwachen im Krankenhaus in Birmingham eine Welt zusammen. Der Soldat ist der einzige Überlebende eines Bombenanschlags im Irak. Seine eine Gesichtshälfte ist zerstört, sein linkes Auge hat er verloren und eine Fortsetzung seiner Soldatenlaufbahn im aktiven Dienst nicht möglich. Hinzu kommt, dass er mehr durch Zufall in den Fokus der Ermittlungen um einen Serientäter gerät. Denn Charles kann zu allen Opfern eine Verbindung nachgewiesen werden und so ist er für Inspector Jones bald schon der Hauptverdächtige.
.
Der vorliegende Psychothriller von Minette Walters kann absolut nicht als dieser bezeichnet werden. Vielmehr handelt es sich hier um die Geschichte eines zerstörten Lebens. Charles Acland ist ein extrem introvertierter junger Mann, der auf körperliche Berührungen jedwelcher Art mit einem extrem aggressiven Verhalten reagiert. Ganz besonders extrem ist dies Frauen gegenüber zu beobachten. Durch diese Aggressivität macht er sich natürlich bei Inspector Jones zum Verdächtigen, zumal die Mordopfer alle brutal erschlagen wurden. Hinzu kommt, dass Charles auch sehr aggressiv auf seine Ex-Verlobte Jen reagiert, die während seines Krankenhausaufenthaltes wieder den Kontakt zu ihm gesucht hatte und Charles diesen Besuch recht brutal beendete.
.
Somit baut sich anfangs absolut keine Spannung auf, sondern man lernt erst einmal sehr ausführlich den Protagonisten kennen. Dies ist zwar durchaus interessant, stellenweise unterhaltsam, dann wieder sehr nachdenklich und teilweise auch sehr mysteriös beschrieben, hat jedoch nichts mit einem Thriller zu tun. Dieser zeigt sich erst ab dem Mittelteil, aber selbst hier zieht die Spannung jetzt nicht sehr an und die Geschichte plätschert eigentlich mehr oder weniger dahin, wobei einzig die Neugier einem an das Buch bindet. Denn die Story ist schon sehr komplex angelegt und man möchte in jedem Fall wissen, um wen es sich bei dem Serienmörder handelt. Zumal bis zum Schluss nicht klar ersichtlich ist, um wen es sich hierbei handelt, auch wenn der Kreis der mutmaßlichen Täter recht klein gehalten ist.
.
Ihre Charaktere, allen voran Charles, sind von der Autorin sehr facettenreich beschrieben. So bleibt gerade das Verhalten von Charles lange Zeit für den Leser unerklärlich und man kann auch in Bezug auf seine Unschuld nie ganz sicher sein, auch wenn die Tatzeitpunkte eigentlich dafür sprechen, dass er es nicht gewesen sein kann. Besonders gut finde ich die Figur von Jackson gelungen, eine engagierte Ärztin, die nach außen hin die coole, harte Lesbe spielt und in Wirklichkeit doch ein weiches, sehr mitfühlendes, fürsorgliches Herz hat.
.
Fazit: Ein unterhaltsamer, stellenweise sehr zum Nachdenken anregender Roman, der aber beim besten Willen nicht als Psychothriller bezeichnet werden kann.

  (20)
Tags: 26 jahre, acland, aggression, aggressionsschübe, aggressiv, alpträume, ältere herren, ärztin, ausbrüche, bell, birmingham, böse, charles, charles acland, einsatz, england, entstellt, entwicklung, erlebnis, erleiden, ermitteln, erschlagen, erwachen, erwacht, eskalation, eskalieren, eskaliert, fall, fremde, furchtbar, gequält, gesicht, gesuchter mörder, gezeichnet, glauben, großbritannien, heiter, hoffnung, hospital, irak, jackson, kaltblütig, kopfschmerzen, kopfverletzung, leben, lieutenant, lieutenant charles acland, london, mann, migräne, militär, morde, obdachlos, obdachlose, obdachloser, opfer, perspektive, phantomschmerzen, polizei, pub, qual, riskant, schlaf, schlaflosigkeit, schwule, schwulenszene, seele, serienmörder, suchen, tat, terrorisiert, traumatisch, umwelt, unberechenbar, unglücklich, unkontrollierbar, verbindung, verkettungen, verwunet, visier, wahres ich, zufälle   (82)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(41)

71 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 25 Rezensionen

"krimi":w=8,"mord":w=4,"schriftsteller":w=3,"lektor":w=3,"ann arbor":w=3,"usa":w=2,"amerika":w=2,"serienmörder":w=2,"leiche":w=2,"grab":w=2,"ermittlerin":w=2,"tätowierung":w=2,"ghostwriter":w=2,"krimi-magazin":w=2,"belletristik":w=1

Böse Dinge geschehen

Harry Dolan ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.11.2010
ISBN 9783423248129
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

David Loogan ist im Baumarkt unterwegs, um einen Spaten zu kaufen. Schließlich benötigt man diesen, wenn man eine Leiche vergraben will. Rückblick: Eigentlich ist David ja ein ganz normaler 38-jähriger Mann. Er lebt im Städtchen Ann Arbor in einem kleinen, gemieteten Häuschen, trinkt mittags beim Zeitung lesen seinen Kaffee und sieht sich gerne Filme an. Durch einen Bericht in einer Zeitung kommt ihm die Idee für eine Geschichte und so versucht er sich daran. Als der Plot zu seiner Zufriedenheit ist, gibt er das Manuskript beim Zeitungsverlag "Gray Streets" ab. Doch die Geschichte lässt ihm keine Ruhe und so schreibt er sie immer wieder um. Als er nunmehr seine dritte Version anonym abgeben will, wird er vom Chef der Zeitung, Tom Kristoll, überrascht, der ihn vom Fleck weg als Lektor engagiert. Den Sommer über wird Loogan immer mal wieder von Tom eingeladen und die Beiden freunden sich mit der Zeit an. Der Sommer geht ins Land und im Herbst kommt dann ein Anruf von seinem Chef, der ihn letztendlich veranlasst, einen Spaten zu kaufen. Kristoll hat angeblich in Notwehr einen Einbrecher erschlagen und dieser muss weg. Die Polizei einzuschalten, kommt für ihn nicht in Frage.
.
Mit seinem Debütroman ist Harry Dolan ein sehr komplexer und überaus spannender Krimi gelungen. Nichts ist so, wie es anfangs scheint. Immer mehr Verdächtige tauchen auf, immer mehr Morde geschehen oder waren es doch Selbstmorde? David Loogan beginnt aus persönlichem Interesse, Nachforschungen anzustellen, arbeitet mit Detective Elisabeth Waishkey zwar zusammen, entzieht sich jedoch geschickt ihren Fragen und überzeugt sie trotzdem schon recht bald, dass er mit den Morden nichts zu tun hat, obwohl sein Verhalten äußerst undurchsichtig ist.
.
Harry Dolan hat seinen Krimi im Schriftsteller-Milieu angesiedelt und der Grund der Morde ist nicht unbedingt neu, trotzdem gelingt es dem Autor immer wieder, einen zu überraschen, dem Krimi eine neue Wendung zu geben und eine unterschwellige Spannung aufzubauen, die einfach nur fesselnd ist bis die Story zum Ende hin dann rasant anzieht und die Spannung hier regelrecht greifbar wird.
.
Alle seine Charaktere sind mit viel Liebe zum Detail beschrieben, nehmen fast augenblicklich Konturen an und bleiben dennoch durch ihr unvorhersehbares Verhalten für den Leser absolut nicht durchschaubar. Hierdurch gelingt es Harry Dolan ständig, dass man seine Meinung über eine Figur wieder revidiert oder aber auf eine falsche Fährte gelockt wird. Was natürlich der Spannung mehr als zugute kommt.
.
Sein Schreibstil ist erfrischend, mit viel Wortwitz gespickt, sehr locker und überaus unterhaltsam, wobei es ihm zudem mühelos gelingt, seinen Protagonisten David Loogan äußerst mysteriös und dennoch überaus sympathisch erscheinen zu lassen. So weiß man nichts über sein bisheriges Leben und auch die Nachfragen von Tom Kristoll, dessen Frau oder von Elisabeth Waishkey sind so angelegt, dass man nicht sicher sein kann, ob Loogan ihnen nun die Wahrheit sagt. Das einzige, was man aus seinen Schilderungen schließen kann ist, dass Loogan gut schreiben kann, anscheinend über genug Geld verfügt, um eigentlich nicht arbeiten zu müssen, alleine lebt und David Loogan ganz offensichtlich nicht sein richtiger Name ist.
.
Fazit: Ein absolut gelungenes Krimidebüt, mit einer sehr komplexen und spannenden Story und sauber herausgearbeiteten Charakteren.

  (24)
Tags: amerika, amerikanisches krimi-magazin, ann arbor, autorenstamm, bitte, boss, david, david loogan, einwilligen, ermittlerin, fährte, freund, freunde, freundschaft, gefallen, helfe, hilfe, kleinstadt, krimi-magazin, leiche, loogan, magazin, mord, quere, redakteur, tom, tot, ungewöhnlich, vergraben, warnung, warnungen, zuständigkeit   (32)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(132)

299 Bibliotheken, 3 Leser, 7 Gruppen, 34 Rezensionen

"entführung":w=20,"mord":w=17,"will trent":w=17,"thriller":w=16,"legasthenie":w=10,"karin slaughter":w=8,"atlanta":w=6,"usa":w=3,"amerika":w=3,"schule":w=3,"faith mitchell":w=3,"will trend":w=3,"krimi":w=2,"hilfe":w=2,"missbrauch":w=2

Entsetzen

Karin Slaughter , Klaus Berr
Fester Einband: 509 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 21.08.2010
ISBN 9783764503444
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein vermeintlicher Einbruch mit Folgen
.
Als Abigail Campano mittags vom Tennis nach Hause kommt, findet sie die Eingangstür unverschlossen, Blutspuren auf dem Boden und einen jungen Mann, der sich über die Leiche eines Mädchens beugt. Abby geht natürlich davon aus, dass es sich bei dem toten Mädchen um ihre 17-jährige Tochter Emma handelt und der junge Mann ihr Mörder ist. Abby stürzt sich auf den vermeintlichen Mörder und tötet ihn. Doch bei der Leiche handelt es sich nicht um Emma, sondern um deren Freundin Kayla und der junge Mann war auch nicht der Mörder. Special Agent Will Trent vom GBI übernimmt zusammen mit seiner neuen Partnerin Faith Mitchell den Fall. Die Beiden arbeiten unter Hochdruck, denn alles deutet darauf hin, dass der wahre Mörder Emma in seiner Gewalt hat und die Chancen, dass Emma die Entführung überlebt, scheinen immer geringer zu werden.
.
In seinem zweiten Fall muss Will Trent, der notorische Einzelgänger, dieses Mal mit einer Partnerin arbeiten, was ihm anfangs äußerst schwer fällt. Zumal Will mit Schuld daran trägt, dass Faith Mutter Evelyn Mitchell vorzeitig den Polizeidienst quittieren und in Vorruhestand gehen musste. So ist die Zusammenarbeit zwischen den Beiden erst einmal mit Problemen behaftet. Allerdings zum größten Teil nur von Seiten von Faith. Doch schon nach kurzer Zeit ist sie von Will’s Kompetenz, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit überzeugt und akzeptiert sein Verhalten ihrer Mutter gegenüber. Diese Wandlung kann man gut nachvollziehen, denn die Autorin wechselt mit ihren Erzählsträngen ständig zwischen Will und Faith.
.
Karin Slaughter startet ihren Thriller mit einem gelungen Auftakt, der äußerst spannend umgesetzt ist. Dann beginnen die Ermittlungen, vielen Spuren wird nachgegangen, die im Sande verlaufen, neue Erkenntnisse treten auf, doch ein Verdächtiger ist lange Zeit nicht in Sicht und die Presse sitzt den Ermittlern im Nacken. Während dieser Phase wird die Spannung etwas aus dem Thriller herausgenommen, ist jedoch auch hier immer noch sehr fesselnd geschrieben.
.
So ist die Story auch komplex aufgebaut und überrascht immer wieder mit Wendungen, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hätte und auch ein üblicher Verdächtiger wird präsentiert, bei dem man sich nicht sicher sein kann, ob er nun etwas mit dem Fall zu tun hat. Allerdings war mir bei der Auflösung „Kommissar Zufall“ dann doch etwas zu offensichtlich und der Schluss kam dann auch etwas zu plötzlich.
.
Gewohnt facettenreich sind die Charaktere von Karin Slaughter wieder beschrieben, einige bleiben undurchsichtig, andere sind klar gezeichnet. Allerdings fand ich die Probleme von Will etwas überladen, und auch wenn seine Figur sehr sympathisch dargestellt wird, wirkt sie doch unglaubwürdig und konstruiert. Es ist für mich nur schwer nachvollziehbar, wie man mit einer massiven Leseschwäche den Beruf eines hochrangigen Polizisten nachgehen kann, zumal Will durch diese Störung auch einige schwerwiegende Fehler unterlaufen. Karin Slaughter versucht zwar, dies mit einigen Anmerkungen zu erklären, diese haben mich aber nicht wirklich überzeugen können.
.
Alles in allem ein spannend umgesetzter Thriller, dem es gelingt, auch ohne reißerische Szenen zu überzeugen. Allerdings wäre ein weniger problembehafteter Protagonist glaubwürdiger gewesen.

  (29)
Tags: abdruck, abigail, abigail campano, alptraum, beste freundin, beugen, bisswunden, blutig, chance, dielen, dielenboden, emma, entsetzlich zweite fall, erbittert, erschlagen, erwürgen, faith, faith mitchell, falsche tote, freundin, fuß, fußabdruck, glasscherben, kampf, kayla, körper, lebend, leblos, mädchen, mann, nervenkitzel, partnerin, prellungen, sadistisch, schwelle, special agent, special agent trent, täter, tochter, tod, übersät, ungeschoren, verschwunden, vorstellung, will, will trent, zuhuase   (47)
 
160 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.