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Mr. Pink Floyd

Michele Mari , Birte Völker
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei btb, 14.04.2014
ISBN 9783442747818
Genre: Romane

Rezension:

Syd Barrett gehörte zu den Gründungsmitgliedern von Pink Floyd, galt als Genie, als Poet und musste die Band krankheitsbedingt verlassen, während sie Weltruhm erreichte. Dennoch ist Syd Barrett eine Legende und jeder, der Pink Floyd kennt, dem ist Syd Barrett nicht unbekannt. Wer aber war dieses Genie, der noch lange Jahre danach großen Einfluss auf die Band ausübte und dem die grandiosen Songs „Wish you were here“ und „Shine on you crazy diamond“ gewidmet sein sollen? Michele Mari gibt einen äußerst interessanten Einblick in das Leben von Syd Barrett und der Band Pink Floyd. Der Roman ist eine Aneinanderreihung von Erinnerungen, ein ergreifender Roman über Kunst, Poesie, Genie und Wahnsinn.

 

Wer nun einen Roman in chronologischer Reihenfolge erwartet, praktisch eine Biografie über das Leben von Syd Barrett, der am 07. Juli 2006 starb, wird sehr überrascht, aber nach dem ersten Erstaunen schon bald ziemlich begeistert sein.  Zumindest war ich das.

 

Michele Mari lässt in seinem fantastischen Roman, der nicht nur für Pink Floyd-Fans, sondern auch für Rockfans im Allgemeinen mit Sicherheit äußerst interessant ist, Personen zu Wort kommen, die alle in irgendeiner Form etwas über Syd Barrett zu erzählen haben. Und diese Erinnerungen purzeln quer durch die Jahrzehnte. Liest man eben noch etwas aus den Anfängen von Pink Floyd, kann das nächste Kapitel von einem Erlebnis 20 Jahre später berichten.

 

Es kommen im Verlauf viele unbekannte wie auch sehr bekannte Musiker wie Alan Parsons oder David Bowie zu Wort, Regisseure wie Stanley Kubrick, aber auch Tourmanager, Schulfreunde wie auch die Geschwister von Syd Barrett. Und natürlich auch die Band selbst, wobei Roger Waters sich allerdings äußerst selten zu Wort meldet, den größten Part übernehmen Nick Mason und David Gilmour.

 

Und hierdurch lernt man auch das Bandgefüge sehr gut kennen, die Freundschaft von David Gilmour und Roger Waters zu Syd Barrett findet immer wieder Erwähnung wie auch den Einfluss von Syd Barrett auf die Band, selbst nachdem er schon längst kein Mitglied von Pink Floyd mehr ist. Gerade Roger Waters und David Gilmour, welche Syd Barrett seit Kindertagen kennen, verlieren ihren Freund auch nach dessen Weggang aus der Band nicht aus den Augen, auch wenn die Familie Barrett den Kontakt der Band zu Syd später untersagte.

 

Für eingefleischte Fans bietet das Buch mit Sicherheit keine großen neuen Erkenntnisse. Für Leser allerdings, welche die Musik der Band mögen, etwas mehr über die Hintergründe gerade von den Alben „The Wall“ oder „Dark Side on the moon“ erfahren möchten, wie auch über den Mythos Syd Barrett werden hier bestens informiert. Kleine Geschichten, Erlebnisse und Anekdoten bringen dem Leser in kurzen Kapiteln, welche Michele Mari u.a. als Zeugenaussagen oder Befragungen betitelt, den Musiker wie auch die Person Syd Barrett näher. Und dabei fängt Michele Mari auch noch sehr gut das Zeitgefühl gerade der 1960er und 1970er Jahre mit ein.

 

Fazit: Ein beeindruckendes Werk über das Leben von Mr. Pink Floyd, erzählt anhand von Erinnerungen der unterschiedlichsten Weggefährten von Syd Barrett.

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217 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

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40 Stunden

Kathrin Lange
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.01.2014
ISBN 9783442381296
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Vor rund zehn Monaten wurde Ermittler Faris Iskander von der SERV (Sondereinheit für religiös motivierte Verbrechen) bei einem Bombenanschlag schwer verletzt, zudem ist der Kommissar seit einigen Wochen vom Dienst suspendiert. Während in Berlin gerade der ökumenische Kirchentag stattfindet, erhält Faris einen Anruf und ein Video auf sein Handy. Auf diesem wird ein Mann ans Kreuz geschlagen und der Anrufer verwendet ein Wort, dass Faris glauben lässt, dass es sich um den damaligen Bombenleger handeln muss. Faris befolgt dessen Anweisungen und geht zur angegebenen U-Bahnstation. Hier kann er nur noch hilflos mit ansehen, wie eine U-Bahn durch eine Bombe explodiert. Von dem unbekannten Anrufer erhält Faris den Auftrag, den Gekreuzigten innerhalb von 40 Stunden zu finden, ansonsten wird es ein Massaker geben. Dem nicht genug, hat der Täter überall in Berlin Bomben deponiert, die jederzeit losgehen können. Für Faris und seine Kollegen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.


Kathrin Lange hält sich nicht viel mit Vorgeplänkel auf und steigt nach wenigen Seiten mit dem Attentat in der U-Bahnstation in ihren mitreißenden Thriller ein. Anfangs noch auf sich allein gestellt, wird nach dem Anschlag die SERV eingeschaltet. Doch Faris ist seit einigen Wochen suspendiert, darf somit nicht an dem Fall mitarbeiten. Als der Attentäter den Kommissar bei seinem nächsten Anruf nicht am Apparat hat, hat er überzeugende Argumente, dass Faris‘ Chefin die Suspendierung sofort aufhebt, wenn auch mit knirschenden Zähen, da sie Faris für eine tickende Zeitbombe hält. Womit Frau Dr. Geiger nicht gerade Unrecht hat, denn mit Faris‘ seelischem Gleichgewichts steht es seit dem Bombenanschlag vor 10 Monaten nicht zum Besten. Sobald der Kommissar wieder mit an Bord ist, beginnt eine Irrfahrt quer durch Berlin, der Attentäter spielt mit Faris und seinen Kollegen Katz-und-Maus und scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein.
Neben den Ermittlungen von Faris und seinen Kollegen ist man ab und an auch bei den Erlebnissen von Alexander dabei. Dieser ist ein durch den religiösen Fanatismus seines Vaters seelisch gestörter junger Mann. In welcher Verbindung Alexander jedoch zu dem Fall steht, verrät die Autorin erst im Verlauf des Thrillers, allerdings kann man sich bald schon einiges selbst zusammenreimen. Dies nimmt aber keineswegs die Spannung aus dem Thriller, ganz im Gegenteil, denn dadurch werden nur noch mehr Fragen aufgeworfen.
Im Verlauf des rasanten Thrillers ist schnell klar, wo die finale Bombe gezündet werden soll und auch das wie hält die Autorin nicht lange verborgen. Hierzu gibt die Autorin schon recht früh einige Hinweise. Doch in Bezug auf die Identität des Attentäters hält sich die Autorin äußerst bedeckt. Erst ganz zum Schluss ist Faris und somit auch dem Leser klar, bei wem es sich bei dem perfiden, hochintelligenten und bestens mit IT-Kenntnissen versehenen Bombenleger handelt.
Kathrin Lange treibt ihre Leser regelrecht durch ihren hochspannenden, komplexen Thriller. Immer wieder wechselt die Autorin die Handlungsstränge, den ökumenischen Kirchentag selbst erlebt man zudem mithilfe der jungen Kirchentagbesucherin Jenny und ihrer Freundin Pia. Durch diese regelmäßigen Wechsel hält die Autorin die Spannung auf einem sehr hohen Niveau. Und auch ihre Charaktere sind hervorragend detailreich beschrieben und gerade die innere Zerrissenheit von Faris gibt Kathrin Lange gekonnt wieder, ohne dies aber zu sehr hervorzuheben.

Fazit: Hochspannender, rasant erzählter Thriller, der seine Leser binnen weniger Stunden quer durch Berlin jagt.

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20 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Herrin des Hügels

Oliver Hilmes
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Pantheon, 03.11.2008
ISBN 9783570550618
Genre: Biografien

Rezension:

Als uneheliche Tochter des berühmten Franz Liszt kommt Cosima Francesca Gaetana Wagner im Jahr 1837 in Como/Italien zur Welt. Ihre Kinder- und Jugendjahre verbrachte sie in Paris bis sie im Jahr 1857 den Dirigenten Hans von Bülow heiratete. Der Freiherr war ein großer Anhänger Richard Wagners, welchen Cosima Wagner in jungen Jahren bereits kennenlernte, damals war das Interesse beiderseitig allerdings eher gering gewesen. Erst einige Jahre später, nachdem sie bereits zwei Töchter geboren hatte, verliebte sich Cosima Wagner in den weitaus älteren Richard Wagner. Sie wurde zu seiner heimlichen Geliebten, was sich jedoch bald nicht mehr verbergen ließ. Nachdem zwei weitere Töchter geboren wurden, deren Vater Richard Wagner war, wurde Cosima abermals schwanger. Dieses Mal mit ihrem einzigen Sohn Siegfried. Cosima erzwang daraufhin die Scheidung von Hans von Bülow und heiratete im Jahr 1870 Richard Wagner. Doch bereits während ihrer heimlichen Beziehung zu Wagner lebte Cosima nur noch für den Meister, führte dessen Geschäfte und war modern gesehen, dessen Managerin. Nach Wagners Tod war ihr einziges Bestreben, den Mythos um Richard Wagner voranzutreiben. Cosima lebte nur noch für die eine Sache, sie trieb die Bayreuther Festspiele weiter voran und führte sie schließlich zu einem erfolgreichen Familienunternehmen. Gesundheitlich geschwächt übergab sie die Leitung der Bayreuther Festspiele im Jahr 1908 an ihren Sohn Siegfried und verbrachte ihre letzten Jahre bis zu ihrem Tod am 01. April 1930 zumeist in der Villa Wahnfried in Bayreuth, weiterhin als angesehenes Familienoberhaupt und maßgebliche Herrin in Wahnfried.

 

Doch wer war die Frau und später so mächtige Witwe von Richard Wagner, die um sein Leben und Wirken einen wahren Kult erschuf, sich als Gralshüterin sah, das Vermächtnis Richard Wagners pflegte und verbissen verteidigte? Oliver Hilmes zeichnet mithilfe neuer Quellenfunde ein sehr umfassendes, vielschichtiges Bild der „Herrin des Hügels“, welche von vielen verehrt, von nicht wenigen aber auch gefürchtet wurde.

 

Als uneheliche Tochter von Franz Liszt und Marie d’Agoults wuchs Cosima zusammen mit ihrer älteren Schwester Blandine und dem jüngeren Bruder Daniel anfangs bei der Großmutter Anna Liszt in Paris auf. Den Vater sahen die Kinder so gut wie nie und nachdem die Beziehung zu Marie d’Agoult scheiterte, entzog der Künstler seinen Kindern auch die Mutter und fortan oblag die Erziehung der Liszt-Töchter zwei betagten, extrem autoritären Gouvernanten, welche die Mädchen fast komplett der Öffentlichkeit entzogen. Erst im Jahr 1855 holte Liszt seine Töchter zunächst nach Weimar, um sie dann wenige Monate später in die Obhut von Freifrau Franziska von Bülow nach Berlin zu geben. Hier lernte Cosima auch ihren späteren Ehemann, den Dirigenten Hans von Bülow kennen und heiratete diesen am 18. August 1857. Doch die Ehe sollte keine glückliche sein, auch wenn aus ihr die Töchter Daniela und Blandine hervorgingen.

 

Bereits im Jahr 1853 traf Cosima bei einem Besuch ihres Vaters in Paris auf Richard Wagner, doch der Komponist schenkte dem Backfisch Cosima kaum Beachtung. Erst im Jahr 1863 gestanden sich Richard Wagner und Cosima von Bülow ihre Liebe und fortan kreuzten sich ihre Wege gewollt immer wieder. Bald schon wurde Cosima mit Wagners ersten Tochter Isolde schwanger, im Jahr 1867 folgte Tochter Eva. Offiziell galt Cosima als Wagners Sekretärin, so ließ sich ihr Doppelleben lange verheimlichen. In dieser Zeit lernte Cosima auch König Ludwig II. von Bayern kennen, der Richard Wagner finanziell unterstützte und ihm so seinen ausschweifenden Lebensstil ermöglichte. Als dann im Jahr 1869 der Meistersohn Siegfried geboren wurde, forcierte Cosima die Scheidung von Hans von Bülow, zumal ihre Liaison mit Richard Wagner, dem Meister, sich kaum noch verheimlichen ließ. Am 25. August 1870 heirateten Cosima und Richard Wagner.

 

Fortan trat Cosima bewusst noch mehr in den Schatten des Meisters, hob ihn regelrecht auf das Podest eines Halbgottes, lebte nur noch für sein Schaffen. Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten gelang es dem Ehepaar, auch wieder mit Unterstützung durch Ludwig II. von Bayern, den Traum der Bayreuther Festspiele wahr werden zu lassen und so kam es im Jahr 1876 zu den ersten Bayreuther Festspielen, welche bis heute Prominenz aus allen Teilen der Welt anzieht.

 

Mit der Geburt von Siegfried war auch die Dynastie Wagner gesichert, Cosima zog ihren Sohn zum Meistersohn heran, seine Schwestern hatten ihr Leben nach ihm auszurichten, er war der Spross, der die Wagner-Dynastie weiterzuführen hatte. Ein schweres Erbe, welches auf den schmalen Schultern lastete. Und es wurde nicht besser als Richard Wagner im Jahr 1883 in Venedig starb. Cosima zog sich fast gänzlich aus der Öffentlichkeit zurück, zog aber im Hintergrund ihre Fäden und behielt die Leitung der Bayreuther Festspiele bis zum Jahr 1908. Villa Wahnfried in Bayreuth wurde die Machtzentrale der Wagners, in deren Gartenanlage Richard Wagner wie auch Cosima Wagner bestattet wurden. Von hier aus trieb die hohe Frau, die Grande Dame von Bayreuth den Erfolg der Festspiele weiter voran und perfektionierte den Mythos um Richard Wagner.

 

Oliver Hilmes erzählt seine Biografie über Cosima Wagner beinahe so spannend wie ein Krimi. Seine Schilderungen sind ständig durchsetzt von Briefauszügen und Kommentaren von Zeitzeugen. Hierdurch erhält man ein sehr vielschichtiges Bild über die Herrin des Hügels, deren Einfluss bis in höchste politische wie aristokratische Kreise wirkte. Cosima Wagner lebte ausschließlich für Richard Wagner und dessen Erbe. Jeder aber auch wirklich jeder, der sich der Sache nicht annahm, ihren Ansprüchen nicht genügte, den Meister nicht genug verehrte und ihm die gebührende Achtung entgegenbrachte, fiel in Ungnade, wurde zur persona non grata erklärt. Cosima Wagner strahlte durch ihre schlanke, gerade und hochgewachsene Gestalt eine machtvolle Autorität aus, ihr scharfer Verstand wurde bewundert wie gefürchtet.

 

Man lernt in Oliver Hilmes‘ Biografie eine beeindruckende, aber auch nicht gerade sympathische Frau kennen. Cosima Wagners Welt war voll von Heuchelei, Manipulationen und Intrigen, ihre feindliche Einstellung gegenüber Juden allgemein bekannt, welche gerade der Dirigent Hermann Levi zu spüren bekam, welcher u.a. die Uraufführung von Parsifal 1882 in Bayreuth dirigierte. Cosima Wagners Sticheleien und Äußerungen veranlassten den Dirigenten mehr als einmal, den Festspielen den Rücken zu kehren, doch mit schmeichelhaften Briefen gelang es der Wagner Witwe immer wieder, ihn auf den Grünen Hügel zurückzuholen. Denn Cosima Wagner benötigte Levi als Dirigenten bei den Festspielen, lange Zeit gab es keine Alternative zu ihm, da wurde dann auch in Kauf genommen, dass Levi Jude war. So verwundert es auch nicht, dass nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II., was in der Villa Wahnfried mit Schrecken zur Kenntnis genommen wurde, herrschten die Wagners in Bayreuth doch auch wie Monarchen, Adolf Hitler ab 1923 ein gern gesehener Gast in der Villa Wahnfried war.

 

Fazit: Eine beeindruckende, hervorragend recherchierte wie interessante Biografie über das Leben und Wirken von Cosima Wagner.

 

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Das vergessene Dorf

Theodor Kröger
Fester Einband: 589 Seiten
Erschienen bei Silberburg
ISBN 9783872300263
Genre: Klassiker

Rezension:

Als im Jahr 1914 der erste Weltkrieg ausbricht, versucht der Unternehmersohn Theodor Kröger über die russisch-finnische Grenze nach Schweden zu fliehen und wird dabei gefangen genommen. Der Spionage und des Mordes angeklagt, entgeht er erst einmal der Hinrichtung und wird stattdessen nach Sibirien verbannt. Die Reise ins Gefangenlager in den Ural ist eine Tortur, die nur wenige Sträflinge überleben. Aber auch aus das Leben im Gefangenenlager selbst ist nicht einfach. Dank einflussreicher Freunde wird Theodor Kröger begnadigt, darf aber Sibirien nicht verlassen. In der Verbannung versucht er fortan, sich ein neues Leben aufzubauen, immer von der Angst besessen, wieder ins Straflager zurückzumüssen.

 

Intensiv und eindringlich beschreibt Theodor Kröger seine dramatischen Erfahrungen in Sibirien während des ersten Weltkrieges. Schier endlos sind die Fahrten mit dem Gefangenentransport. Oftmals steht überhaupt kein Zug zur Verfügung und die Kriegsgefangenen müssen tagelang bei eisiger Kälte marschieren, die Essensrationen sind kaum ausreichend, nagender Hunger und unerträglicher Durst sind ständige Wegbegleiter. Aber selbst in einem nordsibirischen Urwalddorf, dem vergessenen Dorf, ist für ihn anfangs das Leben kaum besser. Erst seine Begnadigung ändert scheinbar alles.

 

Theodor Kröger lernt eine junges Tatarenmädchen kennen und lieben, dank guten Freunden verfügt er über genug Geld und mit den Mächtigen des Dorfes verbindet ihn bald eine vertrauensvolle Freundschaft. Dank Theodor Krögers Initiative entwickelt sich das Dorf weiter, eine Schule wird gebaut, die Menschen haben Arbeit und können auf eine bessere Zukunft hoffen. Der Krieg ist weit weg. Doch nicht für den jungen Deutschen. Theodor Kröger sehnt sich nach Freiheit, denn auch jetzt ist er nicht frei. Ständig bewacht kann er sich zwar im Dorf frei bewegen, doch verlassen darf er dieses nicht. Und an eine Flucht mitten in der Taiga ist unmöglich.

 

Sehr bildhaft und interessant erzählt Theodor Kröger seine Zeit in Sibirien: Die grenzenlose Weite des Landes, die katastrophalen Lebensbedingungen, die extremen Wetterverhältnisse, die armseligen Behausungen des Dorfes. Dies alles wie auch die Bewohner des vergessenen Dorfes hat man bald schon vor Augen und auch von dem jungen Deutschen selbst erhält man schnell eine Vorstellung. Auch wenn Theodor Kröger eher zurückhaltend auf seine Gefühlslage in dem Roman eingeht, spürt man dennoch immer wieder seine Verzweiflung über die unabänderliche Situation, in der er sich befindet. Und auch seine Todesangst, die immer wieder aufblitzt und praktisch ständig im Hintergrund vorhanden ist, kann man nachempfinden. Anders sind da jedoch wieder seine Gefühle zu Faymé, der jungen Tatarin, welche sein Rettungsanker darstellt, ihn alles durchstehen lässt und die er sehr liebt.

 

Da das Buch bereits 1934 das erste Mal erschien, ist der Sprachstil entsprechend der damaligen Zeit. Stellenweise ist dies auch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Weniger den Formulierungen oder Ausdrücken, welche Theodor Kröger verwendet, sondern mehr die stellenweise schwülstige, ja manchmal etwas von oben herab gewählte Ausdrucksweise in Bezug auf seiner Liebe zu Faymé, aber auch im Umgang mit den Dorfbewohnern.  Aber die Weltanschauung war während des ersten Weltkrieges natürlich eine völlig andere und dies muss man einfach beim Lesen dieses Romans berücksichtigen.

 

Fazit: Eine dramatische wie eindringliche Biografie über einen Mann, der seine Verbannung während des 1. Weltkriegs in Sibirien überlebte.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

beschluss, brüssel, depression, ehe, einlassen, elisabeth, erfahrungen, erfahrungsbericht, erwachsene kinder, frau, fremde, karibik, kinder, leben, st. kitts

Honigmann

Elisabeth Karamat
Flexibler Einband: 241 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.01.2013
ISBN 9783404607136
Genre: Biografien

Rezension:

Lisuscha und Kwando
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Elisabeth Karamat ist Mitte Vierzig und mit ihrem bisherigen Leben nicht mehr zufrieden. Als Diplomatin arbeitet sie in Brüssel, ihre jüngste Tochter wohnt noch bei ihr und wird in einem Jahr die Schule abschließen. Elisabeth fühlt sich leer, ausgebrannt, alles ist trist und düster. Da lädt ihre Freundin Helen sie auf ihre Insel St. Kitts in der Karibik ein. Elisabeth ist von der Insel begeistert, lernt dort Pfarrer Hugh Fowler kennen und auch als sie wieder zurück im tristen Brüssel ist, bleibt sie mit dem Pfarrer in Kontakt. Immer mehr reift in ihr der Gedanke, alle Brücken hinter sich abzubrechen und nach St. Kitts zu ziehen. Als ihre Tochter die Schule beendet und ihr Studium in Wien beginnt, übersiedelt Elisabeth nach St. Kitts. Dort engagiert sie sich in einem Landwirtschaftsprojekt für gefährdete Jugendliche und Elisabeth lernt auch Kwando kennen. Einen spirituellen Heiler und Rasta, der bald ihr Lebensgefährte wird.
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Sonne, Strand, Meer und immer schönes Wetter. Ein idyllisches Leben im Paradies. Diese Gedanken hat man, wenn man an die Karibik denkt, doch so ist es bei weitem nicht. Die Jugendlichen haben kaum eine Perspektive, die jahrelange Monokultur durch Zuckerrohr zerstört immer mehr den Boden, die Menschen sind arm, aber zumeist auch glücklich. Elisabeth, im Buch von jedem Lisuscha genannt, reist in dieses scheinbare Paradies. Hier versucht sie mithilfe der Kirche und anderen engagierten Menschen, ein Landschaftsprojekt für gefährdete Jugendliche auf die Beine zu stellen. Doch alles ist hier nicht so einfach, das Projekt ist für 3 Jahre angesetzt, die Gelder können jederzeit gekürzt werden und die Affenplage auf der Insel bedroht immer wieder die Ernte. Doch Elisabeth lässt sich hiervon nicht zurückschrecken. Sie ist eine starke, unabhängige Frau, die sich aktiv für die Jugendlichen und das Projekt einsetzt.
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Und da ist noch Kwando, der Honigmann. Kwando ist hochintelligent, verdient seinen Lebensunterhalt mit der Entfernung von Bienennestern und durch das Heilen von Menschen. Ein sehr spiritueller, neugieriger, für neues aufgeschlossener Mann, der Elisabeth bei ihrem Projekt unterstützt. Die Beiden verlieben sich ineinander und man merkt sofort, sobald Elisabeth von Kwando erzählt, dass es sich hier um eine beiderseitige sehr tiefe Liebe handelt. Man braucht sich nur das Foto auf dem Buchcover anzuschauen, um diese Liebe und Vertrautheit der Beiden zu sehen. Aber auch hier ist nicht alles Gold was glänzt. Doch Lisuscha und Kwando arbeiten an sich und kämpfen für ihre Liebe.
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Elisabeth Karamat erzählt in einem wunderbar flüssigen, bildhaften, manchmal sachlichen, dann wieder sehr emotionalen Art und Weise die Geschichte ihres Lebens. Offen erzählt die Autorin, welche Gründe sie bewogen haben, nach St. Kitts zu ziehen, wie sich ihr Leben dort gestaltet, wie der Umgang mit den Inselbewohner ist, wie sie erste Freunde findet, über das einfache, oft auch nicht immer leichte Leben in St. Kitts und auch bei ihrer Liebe zu Kwando nimmt Elisabeth Karamat kein Blatt vor den Mund.
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Fazit: „Honigmann“ ist die faszinierende und bewundernswerte Lebensgeschichte einer Frau, die aus ihrem bisherigen Leben ausbricht und auf der Suche nach einem Sinn in ihrem Leben ein Neues in der Karibik beginnt und dort die wahre Liebe findet. Chapeau!

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Tags: anziehung, auswandern, auswanderung, beschließen, beschluss, einlassen, elisabeth, erwachsene kinder, frau, fremde, fremde kultur, grund, heiler, idylle, idyllisch, job, karibik, karibik-insel, kinder, kultur, kwando, leben, magie, magisch, mitte vierzig, neues leben, rastafari, rätselhaft, spirituell, st. kitts, urlaub   (31)
 

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3. juli 1971, augenzwinkern, elemente, jim morrison, leben, legendär, leib, lizard-king, mythos, paris, peter heinich, ranken, real, rockband, rockbiographie

Morrisons Versteck

Peter Henisch
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Residenz, 01.01.1990
ISBN 9783701706525
Genre: Romane

Rezension:

Auf den Spuren Morrisons
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Auf der Rückseite des Taschenbuches steht: „… - ein Muss für alle Doors-Fans und jene, die es werden wollen.“ Bei dem zweiten Teil des Satzes habe ich mich angesprochen gefühlt. Zumal ich zwar selten aber doch ab und an gerne Biografien lese. Außerdem hat mich die Person Jim Morrison interessiert und besonders der Mythos, der um sein kurzes Leben entstanden ist. Was war so besonders an dem Lizard-King, der in kurzer Zeit mit seiner Rockband The Doors regelrecht zu einer Legende wurde und mit nur 27 Jahren in Paris starb? Und die Biografie mit einem Augenzwinkern zu erzählen und Morrison irgendwo in der Nähe eines abgelegenen Dorfes ein Eremitenleben führen zu lassen, fand ich eine gelungene Idee. Und so bin ich voller Vorfreude ans Lesen gegangen und wurde ziemlich enttäuscht.
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Peter Henisch erzählt das Leben von Jim Morrison mithilfe der Fotografin Petra und dem Journalisten Paul. Dieser kennt die Fotografin schon viele Jahre und hat fast genauso lange nichts mehr von ihr gehört. Bis Petra ihm einen seltsamen Brief schreibt, indem sie ihm mitteilt, dass sie an einem Ort, den sie geheim halten möchte, Jim Morrison begegnet sei und dies rund 20 Jahre nach dessen Tod. Auf diesen einen folgen weitere Briefe, indem Petra dem Journalisten von Gesprächen mit M (so nennt Petra den Rocksänger) schildert. Ungefähr zur selben Zeit erhält Paul ein Angebot für eine Lesereise nach Amerika und dies verbindet er damit, den Spuren des Rockstars zu folgen. Diese schildert er gleichfalls einem Freund mithilfe von Briefen.
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Dies alles hört sich jetzt erst einmal sehr originell an, doch es ist einfach nur verwirrend. Mir ist es unheimlich schwer gefallen, dem eigenwilligen Schreibstil von Peter Henisch zu folgen. Zu oft wechselt er die Perspektiven, sodass ich oft gar nicht wusste, ob jetzt gerade die Geschichte von Paul oder von Jim Morrison erzählt wird. Immer wieder wechselt er ins Englische, lässt Liedtexte einfließen, dann wieder verwendet er anscheinend Auszüge aus Dokumenten oder Interviews, mal in Deutsch mal in Englisch. Aber das Ganze wirkte auf mich stellenweise total zusammenhangslos und die Gedankengänge des Autors konnte ich oft nicht nachvollziehen. Hinzu kam, dass Peter Henisch seinen Schwerpunkt nicht auf Morrison legt, sondern ziemlich ausgewogen über Paul wie auch Morrison berichtet. Hier hätte ich mir etwas mehr Morrison und etwas weniger Paul gewünscht.
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Wie gesagt steht auf der Rückseite des Buches: Für alle Doors-Fans oder jene, die es werden wollen. Meiner Meinung nach ist dies ein Buch ausschließlich nur für Doors-Fans. Man merkt, dass Peter Henisch sich ausgiebig mit der Person Morrison und dessen Leben beschäftigt hat und so fehlte mir einfach viel zu viel Hintergrundwissen, um viele Passagen verstehen zu können. Ab der Mitte des Buches habe ich mir im Internet eine Kurzbiografie von Jim Morrison und The Doors durchgelesen und konnte dann wenigstens einigermaßen den Gedankengängen des Autors folgen.
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Fazit: Für Jim Morrison Fans ist dieses Buch mit Sicherheit ein Muss und auch eine Bereicherung, für Leser, die den Rocksänger und sein Leben ein weniger kennenlernen möchten, kann ich das Buch jedoch nicht empfehlen.

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Als der Tag begann

Liz Murray , Frauke Brodd
Fester Einband: 479 Seiten
Erschienen bei Diana HC, 23.03.2011
ISBN 9783453291089
Genre: Biografien

Rezension:

Der Weg aus dem Sumpf
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Liz Murrays Eltern sind beide Kinder der Straße, drogenabhängig und obdachlos. Beide kommen aus zerrüttenden Familienverhältnissen, haben dort nur Gewalt und Trunkenheit nahe stehender Verwandter kennengelernt. Aus diesem Sumpf fliehen Beide auf die Straße, lernen sich dort kennen, bleiben zusammen und bekommen zwei Töchter, eine davon ist Liz. Man erfährt so anfangs einiges über das Leben von Liz Eltern, wie z. Bsp. ihr Dad mit dem Dealen von Drogen den stetig luxuriöser werdenden Lebenswandel finanziert. Bis es dann zur Verhaftung ihrer Eltern kommt, wobei ihre Mutter zu diesem Zeitpunkt bereits mit Liz schwanger ist. Liz Mutter wird freigesprochen, ihr Vater muss für 3 Jahre ins Gefängnis.
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Liz erzählt sehr anschaulich aus dem Alltagsleben ihrer Kindheit. Wie es ihrer Mutter gelingt, das Sorgerecht für sie und ihre Schwester zu behalten, sie sich aufopferungsvoll um ihre beiden Kinder kümmert. Doch als Liz Vater aus dem Gefängnis entlassen wird, fällt auch ihre Mutter wieder in den alten Trott zurück und die Drogen bestimmen das Leben. Lisa und Liz sind noch zu klein, um das ganze Ausmaß zu verstehen, lernen jedoch sehr schnell, sich bei gewissen Situationen diskret im Hintergrund zu halten, um so Ärger aus dem Weg zu gehen.
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Ihr Schreibstil ist von Anfang an sehr direkt und kraftvoll und spricht einen sofort an. Man hat das Gefühl einer Freundin gegenüberzusitzen, die einem ihr Leben erzählt, einfach nur gefühlvoll und absolut fesselnd, dabei aber verschönt sie nie. Es ist mir schon lange nicht mehr passiert, dass ich bereits auf der ersten Seite in die Geschichte regelrecht eintauche, die Zeit um mich herum vergesse und nur noch gebannt weiter lese.
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Liz‘ Leben berührt einen zwangsläufig, stimmt einen nachdenklich, bringt einen zum Weinen und vor allem, sie lässt einen so schnell nicht mehr los, auch weil man weiß, dass sie authentisch ist. Mit ein Grund dafür ist die Sprache von Liz Murray. Ihr gelingt hervorragend die Gratwanderung, weder zu viel Mitleid zu erzeugen noch zu sehr in die Sachlichkeit abzudriften. Sondern sie trifft genau die richtige Dosierung, um ihre Leser anzusprechen.
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„Als der Tag begann“ ist die Biographie einer jungen Frau, deren Kindheit geprägt ist von der Drogensucht der Eltern, sie ist traurig, manchmal durchsetzt mit schönen Erinnerungen, oft fast hoffnungslos, von quälendem Hunger, Armut und Drogen geprägt. Und doch zeigt sie einem auch, dass man sich mit Hilfe des eigenen, eisernen Willens und mit Hilfe von treuen Freunden und engagierten Lehrern aus einem Sumpf von Drogen, Kleinkriminalität und Obdachlosigkeit heraus kämpfen kann.

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803 Bibliotheken, 11 Leser, 4 Gruppen, 95 Rezensionen

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3096 Tage

Natascha Kampusch , Heike Gronemeier , Corinna Milborn
Fester Einband: 283 Seiten
Erschienen bei List, Paul, 07.09.2010
ISBN 9783471350409
Genre: Biografien

Rezension:

Ich bin frei!
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Dies ist der letzte Satz der Biografie von Natascha Kampusch. Und ich hatte den Eindruck, dass sie dies nun wirklich so empfindet. Frei von ihrem Peiniger und auch frei von dem ganzen Medienrummel. Frei von dem Interesse der Menschen an ihr, aber auch von dem Neid und stellenweise sogar Hass, der ihr nach ihrer Freilassung entgegenschlug. Auch wenn sie offensichtlich einen Ghostwriter hatte, der ihr bei dem Buch geholfen bzw. dies geschrieben hat, wirken ihre Aussagen sehr authentisch.
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Wie wahrscheinlich fast jeder habe auch ich damals die Befreiung von Natascha Kampusch verfolgt. Auch für mich war das Martyrium, welchem die junge Frau ausgesetzt war, unvorstellbar und ich habe sie damals auch bewundert für ihren Mut, bereits nach so kurzer Zeit sich den Medien zu stellen und ihre Erlebnisse zu erzählen. Was ich dann nicht mehr so nachvollziehen konnte, war der Hype, den ihre Selbstbefreiung ausgelöst hat. Ihre Erlebnisse wurden von der Presse und den Medien dermaßen extrem hochgeschaukelt und immer mehr angebliche Details ans Licht gezerrt, dass ich mich nur noch kopfschüttelnd dem Ganzen abgewandt habe und mir gedacht und gewünscht habe, lasst diese mutige, junge Frau doch bitte endlich mal in Ruhe und sich wieder in ihrem Leben zurecht finden.
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Denn dass sie mutig und stark ist, hat sie in den 3096 Tagen ihrer Gefangenschaft bewiesen. Ausgerechnet am ersten Tag, den sie alleine zur Schule gehen darf, wird sie von ihrem Peiniger entführt. Anfangs geht er noch teilweise auf ihre Wünsche ein, stellt ihr Bücher und Videos zur Verfügung, renoviert ihr Verlies. Doch er weiß auch ganz genau, wie wichtig Natascha diese Bücher und Filme sind und so entzieht er ihr auch oft genug – aus purer Willkür heraus – diese Dinge. Später, als Natascha bereits eine Jugendliche ist, wird Priklopil ihr gegenüber gewalttätig und dies extrem massiv. Stellenweise sind in der Biografie Tagebucheindrücke wiedergegeben, die nüchtern diese Misshandlungen aufzählen. Gerade diese Nüchternheit zeigt einen die ganze Grausamkeit. Neben den Misshandlungen lässt der Täter seine Gefangene hungern. Auch wieder scheinbar willkürlich entzieht er ihr immer wieder das Essen bis Natascha kurz vor dem Hungertod steht.
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Wahrscheinlich haben sich auch viele Menschen gefragt, warum Natascha nicht geflohen ist, schließlich hatte sie ja zum Schluss genug Möglichkeiten. Der Täter ist mir ihr sogar in den Baumarkt gefahren und zum Skifahren. Um dies richtig verstehen zu können, muss man die ganze Geschichte ihrer Gefangenschaft lesen, wie es Priklopil nach und nach gelungen ist, für Natascha zur Bezugsperson zu werden, ihr Angst vor der Welt draußen zu machen und auch eine Schlüsselszene während des Skifahrens war für Natascha ganz entscheidend, nicht an den Erfolg ihrer Flucht zu glauben. Das sie es dann doch gewagt hat: Bewundernswert!
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Was mir an dem Buch ausgesprochen gut gefallen hat, ist, dass Natascha Kampusch zu keiner Zeit auf die Tränendrüse drückt. Sie will mit diesem Buch kein Mitleid, sie will einfach nur ihre Geschichte erzählen, wie sie wirklich war und nicht so, wie stellenweise die Medien sie geschaffen haben und sie zeigt auch die Fehler der Polizei bei den Ermittlungen auf. Wenn man bedenkt, dass die Polizei nach etwa 6 Wochen einen mehr als eindeutigen Hinweis auf Priklopil erhalten hatte und diesem nicht nachgegangen ist. Wäre dem nicht so gewesen, hätte Natascha Kampusch möglicherweise ihr grausames Schicksal erspart bleiben können.

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Tags: 02.03.1998, 02. märz 1998, 10 jahre, 23.08.2006, 23. august 2006, 3096 tage, aufsehen, beziehung, eigene kraft, entführt, entführung, entkommen, erleiden, erzählen, fernseher, flucht, flüchten, folter, frei, freiheitsentzug, gefangen, gefangenschaft, hochbett, hölle, kampusch, keller, kellerverlies, kind, leben neben, medien, misshandlung, misshandlungen, mut, nachrichtentechniker, natascha, natascha kampusch, öffentliches interesse, öffentlichkeit, österreich, peiniger, presse, priklopil, prügel, psychopath, schicksal, schläge, schrecklich, schulweg, selbstmord, sprechen, täter, überleben, verlies, videos, wolfgang priklopil, zehn jahren, zustoßen   (57)
 

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affären, bardot, b.b., brigitte bardot, charmant, ehen, erfolgreich, film, filmgeschichte, filmschauspielerin, frankreich, französin, frau, gunther sachs, nachdenklich

B. B. Memoiren

Brigitte Bardot , Eliane Hagedorn
Flexibler Einband: 843 Seiten
Erschienen bei Lübbe, 01.01.1998
ISBN 9783404128501
Genre: Biografien

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anatom, biographie, borgias, erfinder, florenz, frankreich, franz i., gefeiert, geheimnisvoll, genial, kindheit, künstler, lebensabend, lehrjahre, leonardo da vinci

Leonardo da Vinci

Charles Nicholl , Michael Bischoff
Fester Einband: 751 Seiten
Erschienen bei Fischer (S.), Frankfurt, 01.11.2006
ISBN 9783100524058
Genre: Biografien

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Bon Jovi

Alex Gernandt
Flexibler Einband: 283 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 01.01.2001
ISBN 9783442428519
Genre: Sachbücher

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Elisabeth I.

Cornelia Wusowski
Flexibler Einband
Erschienen bei Bastei Lübbe
ISBN 9783404127450
Genre: Historische Romane

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Ein rundherum tolles Land

Frank McCourt , Rudolf Hermstein
Fester Einband: 487 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 07.10.1999
ISBN 9783630870342
Genre: Biografien

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Mein Leben

Marcel Reich-Ranicki
Fester Einband: 568 Seiten
Erschienen bei DVA, 01.08.1999
ISBN 9783421051493
Genre: Biografien

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Billy Wilder

Hellmuth Karasek
Fester Einband: 556 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 01.06.2006
ISBN 9783455095531
Genre: Sachbücher

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Che

Paco Ignacio Taibo II , Horst Rosenberger , Andreas Löhrer
Flexibler Einband: 740 Seiten
Erschienen bei Edition Nautilus GmbH, 01.02.2002
ISBN 9783894013929
Genre: Biografien

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