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206 Bibliotheken, 17 Leser, 1 Gruppe, 81 Rezensionen

silberschwingen, licht, silberschwinge, schwingen, 4 blumen

Silberschwingen - Erbin des Lichts

Emily Bold , Carolin Liepins
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Planet! ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 13.02.2018
ISBN 9783522505772
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kurz vor ihrem 16. Geburtstag wird Thorn von heftigen Rückenschmerzen heimgesucht und auch ansonsten fühlt sie sich unwohl. Erst ihr Mitschüler Riley, der einer Gruppe von Außenseitern angehört, klärt sie darüber auf das sie ein Halbwesen ist, halb Mensch und halb Silberschwinge. Während sie nicht weiß ob nun sie oder er völlig den Verstand verloren hat, zeigt er ihr diese neue Welt und was sie erwarten wird, doch die Häscher des ortsansässigen Clanoberhauptes der Silberschwingen sind Riley und seinen Freunden auf den Fersen und noch während Thorn langsam versucht mit der neuen Situation zurechtzukommen, trifft sie auf Lucien, dem Sohn des Clanoberhauptes und ab da wird alles noch viel komplizierter, als dieser entdeckt was sie ist und die Folge davon sind, dass sein und ihr Leben miteinander verknüpft werden, ob sie wollen oder nicht.

Alleine die Gestaltung des Buches lässt das Leserherz schon mal höher schlagen und der Inhalt kann damit dann auch locker mithalten. Das Buch ist der 1. Teil einer Dilogie und man sollte sich deshalb schon mal darauf gefasst machen, dass es an einer unglaublich spannenden Stelle aufhört.

Die Geschichte wird aus Thorns und Luciens Sicht erzählt, wobei die Wechsel im späteren Verlauf von einem Moment auf den anderen passieren und damit ein wenig abrupt sind, aber man zugleich auch erfährt was gerade im jeweils anderen vor sich geht und so deren innere Kämpfe und Ängste mitbekommt.

Dieses Buch hat mich wirklich mehr als nur positiv überrascht, anfänglich beim Lesen hatte ich ja schon die Befürchtung, es doch wieder mit einer simplen Teenie-Dreier-Kiste zu tun zu bekommen, aber auch wenn der Anfang recht gewöhnlich ist und wir hier erstmals Thorn und ihren Alltag, sowie auch den augenscheinlichen Bad Boy Riley kennenlernen, kommt alles doch ganz anders als man es erwarten würde und die Geschichte bietet ein tolles Gesamtpaket aus Spannung, Humor, Gefühl, Überraschungen, komplexen Figuren, einer wirklich guten Grundidee, Beschreibungen die wahrlich unter die Haut gehen und ebenso auch viele aufgeladene Momente bei denen man selbst schon Herzklopfen bekommt und regelrecht nachfühlen kann wie verwirrend die Gefühle für die Protagonisten selbst sein müssen.

Auch wenn die Charaktere recht jung sind (was man aber teilweise komplett vergisst), überzeugen sie und reißen einen immer mehr mit, besonders weil man sich so gut in Thorn hineinversetzen kann, deren Leben auf einmal völlig anders ist und die nach und nach erfährt wer und was sie ist und sich genau wie der Leser erst einmal in dieser neuen Welt zurechtfinden muss, die für sie alles andere als ungefährlich ist. Thorn ist dann auch eine so tolle Figur, weil sie ein ganz normales Mädchen ist, sie hat Familie, ist in der Staffellaufgruppe ihrer Schule, hat Freunde, aber noch keinen Freund und zugleich ist sie aber alles andere als ein oberflächliches Girlie, das sich nach Aufmerksamkeit sehnt. Als sie erfährt was es mit ihren Rückenschmerzen auf sich hat, zeigt sie sich durchaus ungläubig und ängstlich und auch ihre Schmerzen und das langsame hervorbrechen ihrer Schwingen wird so detailliert beschrieben, dass man sich ihre Qualen mehr als nur bildlich vorstellen kann und richtig mitleidet. Sie ist sie jemand der Stark und schwach zugleich sein kann. Wenn man bedenkt was sie alles durchmacht in so kurzer Zeit und Angst um ihr Leben haben muss, da sie als Mischling gar nicht existieren dürfte, ist ihr Verhalten sehr verständlich und dennoch zeigt sie auch Kampfgeist, was unter anderem Lucien mehr als nur imponiert.

Trotz des schön klingenden Namens Silberschwingen und ihrem Erbe des Lichts, gibt es aber auch hier dunkle Figuren und einer davon ist definitiv Lucien, der alles andere als eine einfach zu durchschauen ist und trotz der grausamen Dinge die er tut, zugleich auch immer wieder eine verletzliche Seite zeigt und wie sehr er unter Druck steht seinem Vater gerecht zu werden und seinen Platz in naher Zukunft einzunehmen, was einiges an Opfern von ihm fordert, zudem hat er auch seine ganz persönlichen Gründe Halbwesen zu hassen.

Dann gibt es noch Riley, der mit Lucien eine ganz eigenwillige Beziehung verbindet und der anfänglich das Bad Boy Klischee zu präsentieren scheint, bis dann Lucien die Bühne betritt, aber auch der ist alles andere als so einfach in eine Schublade zu stecken. Hier ist oftmals nicht alles so wie man es sich erwarten würde. Zugleich überrascht die Handlung dann auch durch viele humorvolle Momente, was das Ganze dann auch immer wieder auflockern und so auch wieder neue Seiten an den Figuren zum Vorschein bringen.

Während Thorn hier plötzlich in diese neue Welt und deren Regeln hineingestoßen wird, präsentieren Lucien und Riley hier zwei Seiten der Silberschwingen und wie deren Politik und Lebensweise diese Spaltung hervorgebracht hat. Natürlich gibt es hier großes Gefühlschaos, aber im Vergleich zu manch anderen Büchern in der Kategorie Jugendbuch Fantasy, wirkt es hier nicht so strikt nach Schema und man bekommt viele Facetten der Figuren gezeigt, sowie eine Handlung bei der die Autorin das Leserherz bluten und zugleich auch hingerissen seufzen lässt, weil es brutal und romantisch zugleich ist. Wunderbar gelungen ist es hier auch die Stimmungen so schnell umschlagen zu lassen, dass man sich plötzlich in einer ganz neuen Situation befindet und die Atmosphäre sich spürbar verändert.

Fazit: Außen und innen einfach ein Traum! Die Handlung gestaltet sich intensiver, überraschender und spannungsgeladener als erwartet und besticht durch eine tolle neue Idee in diesem Genre, wo man von Vampiren, Dämonen, Hexen, usw. schon längst übersättigt ist. Hier wird eine Welt eröffnet in der Silberschwingen (wohlgemerkt keine Engel) unter uns leben, deren amensgebende Schwingen hier von der Autorin so wundervoll und anschaulich geschildert werden, dass man meint sie vor Augen zu haben und selbst nur zu gerne welche anfassen würde. Hier gibt es so einige Gänsehautmomente und Szenen bei denen man selbst richtiges Herzklopfen bekommt, aber auch der Humor hat hier seinen Platz. Großartig gelungen ist es, dass man sich so gut in Thorn hineinversetzen kann und man genau wie sie nach und nach Antworten auf offene Fragen bekommt und sich langsam in dieser neuen Welt zurechtfindet, die alles andere als harmlos ist. Zugleich ist es spätestens als Lucien, dieser dunkle und gutaussehende Silberschwinge auftaucht vorbei mit der anfänglich noch recht ruhigen und einfachen Teeniegeschichte. Auch wenn es ein Jugendbuch ist und natürlich einige Klischees bedient werden, kann ich es dennoch wärmstens empfehlen, weil sich einfach alles so stimmungsvoll ergänzt und man hier irgendwann gar nicht mehr aufhören kann weiterzulesen um zu erfahren was weiter passiert. Bei diesem Buch wird Schlaf zur Nebensache und die Geschichte endet dann wirklich großartig mit einer sehr stimmungsvollen Szene für Band 1, bei der man als Leser aber gar nicht mehr erwarten kann zu erfahren wie weitergeht und was das Schicksal für Thorn bereithalten mag.

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17 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

geld, ölgeschäft, geiz, entführung, drogen

Alles Geld der Welt

John Pearson , Claudia Heuer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 05.02.2018
ISBN 9783959672191
Genre: Biografien

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100 Bibliotheken, 12 Leser, 2 Gruppen, 59 Rezensionen

irland, familiengeschichte, amerika, adoption, belletristik

All die Jahre

J. Courtney Sullivan , Henriette Heise
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 29.01.2018
ISBN 9783552063662
Genre: Romane

Rezension:

Die 21jährige Nora und ihre 17jährige Schwester Theresa wandern von Irland nach Amerika aus, wo sie von Noras Verlobten erwartet werden. Während die eine ihre neues Leben und die Freiheiten auskostet, fühlt sich die andere unwohl und eingeschüchtert und hat so ihre Zweifel an der bevorstehenden Heirat. Als Theresa schwanger wird, nimmt das Ganze eine entscheidende Wende und führt letztendlich dazu, dass die Schwestern getrennte Wege gehen. Erst als Patrick, der älteste Sohn von Nora, stirbt, nimmt sie nach Jahren des Schweigens Kontakt zu Theresa auf, die seit Jahrzehnten als Nonne in einem Kloster lebt. Nach und nach zeigt sich wie kompliziert und dynamisch nicht nur die Beziehung zwischen den Schwestern ist, sondern auch die von Noras Kindern zueinander und zu ihrer Mutter.

Die Geschichte spielt einerseits im Jahre 2009, als Nora erfährt, dass Patrick tot ist und schildert dann ausgehend vom Jahre 1958 rückblickend was nach ihrem Abschied in Irland alles passiert ist und wieso es zum Bruch zwischen den Schwestern kam. Man bekommt als Leser einen wirklich guten Einblick in ihr nicht gerade einfaches Leben in Irland und wie unterschiedlich sie sind, was vor allem daran liegt, dass Nora mehr Mutter als Schwester für Theresa ist und sie immer im Schatten der bildschönen, charmanten, intelligenten und unerschrockenen Schwester stand, während Theresa sich immer nur gemaßregelt von Nora fühlt und diese immer so pflichtbewusst und scheinbar keinen Spaß versteht. Die Geschichte wird aus der Sicht der Schwestern, aber auch aus Sicht von Noras Kindern erzählt.

Die Autorin schafft es die Dynamik zwischen den Schwestern glaubwürdig einzufangen und dem Leser für jede ein gewisses Maß an Verständnis entgegenzubringen. Ebenso anschaulich wird das Ganze auch anhand der nächsten Generation, also Noras Kindern, dargestellt, die ebenfalls recht unterschiedlich sind, aber zugleich auch wieder viel ähnlicher als sie denken. Bis zu einem gewissen Grad kann man das Verhalten aller Charaktere aus ihrer jeweiligen Perspektive nachvollziehen, dennoch ist es frustrierend wie sie alle eine offene Konfrontation verabscheuen und auch wie widersprüchlich und feige sie teilweise agieren. Letztendlich wird anhand von Nora und ihrer Familie gezeigt wie weitreichend eine Entscheidung, so perfekt sie zu diesem Zeitpunkt erscheinen mag für alle sein kann und wie ein Geheimnis immer mehr Probleme nach sich zieht, je länger es geheim bleibt und sich auch auf die nachfolgende Generation auswirkt, obwohl diese nichts davon wissen und bei den Schwestern dafür sorgt, dass dies zwischen ihnen steht.

Teilweise ist es sehr frustrierend wie hier alle auftreten, sodass man die Protagonisten am liebsten dazu bringen würde endlich mal Tacheles zu reden und alles rauszulassen. Auf diese Explosion wartet man als Leser hier allerdings vergeblich und das hat meiner Meinung nach der Geschichte auch gefehlt, denn die stetig wachsende Anspannung die hier vorherrscht entlädt sich nicht und die Geschichte treibt einen damit schon fast ein wenig in den Wahnsinn. Mir persönlich fehlten hier die großen Emotionen, alles erfolgt sehr ruhig, wird unter dem Teppich gekehrt und letztendlich passiert dann auch nicht wirklich viel bzw. fühlt sich die ganze Geschichte am Ende fast sinnlos an, da bis auf eine Geste zwischen den Schwestern alles andere ungeklärt bleibt und den Leser mit diesem Ende etwas perplex, wenn nicht sogar enttäuscht zurück lässt.

Ich kann jetzt auch nicht sagen, dass mir Nora, Theresa oder auch nur eines von Noras Kindern besonders ans Herz gewachsen ist, einzige Ausnahme ist Charlie, Noras Mann , der hier mit seinen kleinen Gesten wirklich berührt. Dennoch wird gut dargestellt wie unterschiedlich vieles aus einer anderen Perspektive heraus wirkt und zu was für Spannungen es kommen kann, wenn man nicht offen darüber redet und die Beziehung durch Missverständnisse zueinander immer mehr beeinträchtigt werden. Wie sehr das Bild eines Menschen variieren kann wird dann besonders deutlich anhand von Patrick dargestellt. Da er tot ist erlebt man ihn nur aus dem Blickwinkel seiner Geschwister und seiner Mutter, die hier alle ein gänzlich anderes Bild von ihm zeigen, da die Eindrücke natürlich alle subjektiv sind.

Was der Autorin des Weiteren sehr gut gelungen ist, ist nicht nur das Leben irischer Einwanderer in Amerika und die Unterschiede zu ihrer alten Heimat darzustellen, sondern auch wie verschieden Theresa und Nora mit den neuen Verhältnissen zurechtkommen und anhand deren Geschichte man sehr gut miterlebt wie sich die Gesellschaft und die Lebensweise im Laufe der Zeit ändert. Aber eben auch wie ähnlich man sich trotz aller Unterschiede sein kann und jeder aus seiner Sicht gute Gründe für sein Verhalten zu haben scheint, wenn man sich die Mühe macht den anderen zu verstehen. Letztendlich sind sich alle auf ihre Art und Weise ähnlicher als sie denken, was dadurch ersichtlich wird, dass alle unfähig sind ihre wahren Gefühle zu zeigen und es nicht schaffen Klartext zu sprechen, auch wenn es kleine Gesten gibt, die dann doch wieder zeigen, dass sie eine Familie sind und diese zusammenhält. Trotzdem scheint keiner in dieser Familie mit Konflikten umgehen zu können und das zieht immer weitere Kreise.

Meiner Meinung nach gab es letztendlich ein Zuviel an Themen und Problemen, was natürlich unter anderem der Anzahl an Familienmitgliedern geschuldet ist, die hier auch sehr unterschiedlich ihren Platz in der Geschichte bestreiten. Sehr überrascht hat mich inwiefern besonders die Religion bzw. die Kirche hier vertreten ist und wie im Verlauf der Handlung buchstäblich der schrittweise Glaubensverfall dargestellt wird und mit welchen Problemen die Kirche und ihre Vertreter in der heutigen Zeit zu kämpfen haben, was mir teilweise schon deutlich zu viel für diese Geschichte war. Dazu Theresa die aufgrund der einschneidenden Erlebnisse überraschend zu Gott findet und eine Nonne wird, während Nora die ruhige und brave Katholikin, auf die alten Werte pocht und dabei zugleich mehr als nur scheinheilig wirkt.

Fazit: Die Geschichte beschreibt sehr lebensnah die Dynamik innerhalb einer Familie anhand der unterschiedlichen Perspektiven, der jeweiligen Rolle innerhalb dieser und auch wie jede Generation ein Produkt ihrer Zeit ist. Wir erleben hautnah mit wie ein Geheimnis zwischen zwei Schwestern weitreichende Konsequenzen hat, welche sich in der nächsten Generation stärker niederschlägt als man es erwarten würde und einmal mehr zeigt, wie sehr man das Verhalten annimmt, das einem in der Kindheit vorgelebt wird und wie subjektiv vieles im Leben ist. Leider spielen mir zu viele Dinge daneben noch hinein und besonders der religiöse Aspekt und mit welchen Problemen die Kirche zu kämpfen hat nahm viel Platz ein. Dennoch stellt die Autorin sehr gut dar wie unangenehme Dinge oftmals ignoriert und nicht angesprochen werden, was zu immer größeren Spannungen führt, die sich aber hier nicht wie erwartet explosiv entlädt, nein, es geht einfach immer so weiter und am Ende fragt sich der Leser inwieweit die Handlung überhaupt einen Sinn hatte, da man auf die wichtigsten Fragen keine Antwort mehr bekommt und nur minimale Änderungen stattfinden, ansonsten aber nichts wirklich gelöst wird und alles seinem gewohnten Gang zu gehen scheint. Das Ende hört einfach für mich zu früh auf und lässt viel Spielraum wie es mit der Familie weitergeht. Bei mir ist der Funke leider nicht wirklich übergesprungen, besonders weil es mich Großteils emotional nicht mitgerissen hat und viel weniger hinter der Geschichte steckt als man sich vom tollen Anfang verspricht, im weiteren Verlauf etwas fade dahinplätschert und die Figuren alles andere als einfach sind.

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46 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

wikinger, konstantinopel, kiew, nowgorod, aufruhr ambosporus

Herrscher des Nordens - Odins Blutraben

Ulf Schiewe
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.12.2017
ISBN 9783426520031
Genre: Historische Romane

Rezension:

Achtung, 2. Teil einer Trilogie, kann daher Spoiler enthalten für alle die Band 1 noch nicht gelesen haben!

Es geht weiter mit Harald und seinen tapferen Männern. Am Ende von Band 1 kamen sie beim Großfürsten der Rus an und Harald stellte sich und seine Mannschaft in dessen Dienst, wo er sich in den darauf folgenden Jahren mehr als einmal bewiesen hat. 1035 stehen dann im mittlerweile doch etwas eintönig gewordenen Leben von Harald einschneidende Veränderungen an. Nicht nur soll Haralds 11jähriger Neffe Magnus den Platz des verstorbenen Dänenkönigs einnehmen und damit König von Norwegen werden, sondern er soll dessen Wohlergehen zum Teil in die Hände der ehemaligen Verräter an seinen Bruder Olaf legen, während er selbst durch einen neuen Auftrag vom Großfürsten mit seinen Männern nach Kiew reisen soll um dieses vor den Petschenegen zu verteidigen. In Kiew gilt es einige Herausforderungen zu meistern und schmerzliche Verluste zu erleiden. Noch gefangen im Schmerz, sowie der Notwendigkeit Kiew zu verlassen, geht es weiter nach Midgard (Konstantinopel), doch auch dort gibt es persönliche und politische Machtspiele und Neider auf seinen Erfolg, weshalb er letzten Endes einmal mehr in eine brenzlige Situation gerät.

"Nun gibt es kein Zurück mehr. Die Nornen werden bestimmen, wer leben und wer sterben soll."


Wie schon in Band 1 erlebt der Leser alles direkt durch Harald mit und wird sogleich wieder in die Geschichte hineingehzogen. Anfänglich bekommt man einen kurzen Überblick was im 1. Teil passiert ist und das erste Kapitel holt den Leser auch gleich viele Personen, sowie deren Verbindung zu Harald durch kurze Beschreibungen wieder in Erinnerung und auch die wichtigsten neuen Mitglieder seiner Mannschaft werden vorgestellt. Wem das als Hilfe nicht reicht, findet am Ende des Buches wieder ein Personenverzeichnis.
Harald ist nun ein junger Mann und hat schon so einige Schlachten erfolgreich geschlagen, aber auch einige Verluste erlitten die ihn geprägt haben. Wie schon in Band 1 ist er ungeheuer sympathisch, wenn auch alles andere als fehlerlos, aber gerade deshalb wirkt er einmal mehr so authentisch, da er weit davon entfernt ist ein Held ohne irgendwelche Schwächen zu sein.

"Manchmal denke ist, mein ganzes Leben ist irgendwie nutzlos. Ich versuche, alles zu tun, um Magnus den Thron zu ermöglichen, und mache keine Fortschritte. Oder um selbst den Thron zu erobern, wie ich mir heimlich wünsche. Aber das ist natürlich völlig unmöglich. Und auch nicht denkbar. Es wäre Eidbruch gegenüber Olaf, meinem Bruder."

Hier erlebt man mit wie der ungestüme und mutige Junge, der in Stikla Stad seinen ersten Kampf geschlagen hat, seine Unschuld verlor und miterlebt hat wie tief Verrat gehen kann, erwachsen geworden ist. Er ist nach all den gemeinsamen Jahren aufs engste mit seiner Mannschaft verbunden, deren Anerkennung, Respekt und Loyalität er sich mehr als einmal verdient hat, genießt es nach Hause zu seiner geliebten Aila zu kommen, legt immer noch viel Wert auf die Meinung seiner engsten Vertrauten und zeigt erneut, dass man ihn trotz seines noch recht jungen Alters nicht unterschätzen sollte. Zugleich sieht man aber auch wie er sich nach neuen Herausforderungen sehnt, sich selbst in Frage stellt was seine Motive betrifft, Sehnsucht nach zu Hause hat und sich eine eigene Familie wünscht, aber auch dass er immer noch sehr stur ist, leicht die Geduld verliert und sich gerne mal über Anweisungen hinwegsetzt, weil er meint es besser zu wissen.

Die nachfolgenden Ereignisse treiben Harald dann aber immer weiter weg von seiner vertrauten Heimat und obwohl er sich vielerorts beweisen kann und das Glück ihm durchaus gewogen ist, muss auch er erneut viel Schmerz erleiden, an welchem er dank der Unterstützung seiner Freunde nicht zerbricht und weiter seinen Weg geht, auch wenn es ihn ebenso verändert wie das Töten, das zu seinem Leben gehört.

Auch im 2. Band ist die Ausbreitung des Christentums ein großes Thema, während Harald wie auch viele andere Nordmänner noch dem alten Glauben anhängen, dessen Götter ihn auch diesmal auf seinem Wege leiten. Aber auch die fremden Kulturen und politische sowie persönliche Machtspiele nehmen neben den blutigen und großen Schlachten einen wichtigen Platz in der Handlung ein und als Leser bekommt man wieder sehr spannende Einblicke in diese Zeit und lernt so einiges über die damaligen Gepflogenheiten und Herrscherreiche dazu. Natürlich gibt es hier dann auch wieder so einige neue und mächtige Gegner, aber auch neue Freunde und selbstverständlich ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten Gesichtern, unter denen aber auch die ungemütlicheren Zeitgenossen nicht fehlen dürfen. Haralds engster Kreis bleibt zwar ziemlich konstant, dennoch verändert sich seine Mannschaft stetig, es gibt Verluste durch Kämpfe, manche gehen ihren eigenen Weg und wieder andere tragen Wunden davon, die sie zeichnen, was es aber umso authentischer wirken lässt.
Einmal mehr ist es schwer zu sagen wer auf welcher Seite steht, denn die Dynamik der Geschehnisse beeinflussen hier alle und so manche Person entpuppt sich als positive Überraschung, auch wenn bei einigen kleineren Rollen hier die charakterliche Veränderung doch etwas plötzlich kommt und nicht so ganz stimmig wirkt. Zusätzlich gibt es aber auch Zeit für die Liebe und man erfährt wie es mit Aila und Harald weitergeht, die ihn ebenso wie seine Männer treu zur Seite steht.

Auch dieses Mal sind die vorkommenden Frauen in der Geschichte alles andere als nur schöne Püppchen, sondern eigenwillig und stark, auch wenn sie ebenfalls ihre Schwächen haben. Sie zeigen aber auch die unschöne Seite des Krieges auf und was es heißt als Frau in diesen Zeiten zu leben.

Fazit: Die hohen Erwartungen nach Band 1 werden hier definitiv nicht enttäuscht. Wir verfolgen Harald auf seinem weiteren Lebensweg fernab der Heimat. Harald wirkt reifer, hat aber immer noch seinen Sturschädel und neigt dazu unüberlegt zu handeln, doch zugleich zeigt er einmal mehr sein taktisches und kluges Können, seinen Mut, seinen Mannschaftsgeist und seine tiefe Liebe zu Aila, der einstigen Sklavin. Dieser zweite Teil hält für Harald neben vielen aufregenden Erfahrungen auch erneut tiefsten Schmerz für ihn bereit, der ihn nahe an den Rand des Abgrundes führt und den Leser mitleiden lässt. Einmal mehr ist dem Autor ein unglaublich intensives und bildgewaltiges Leseerlebnis gelungen, das einen von Anfang bis Ende mitreißt. Wieder steht so einiges am Programm wie etwa blutige Kämpfe und kinoreife Schlachten, komplexe und wandlungsfähige Figuren, Spannung und Abenteuer, Politik, das Voranschreiten des Christentums, Eifersucht, Habgier, fremde Länder und deren Kulturen, Intrigen, Liebe, schmerzvolle Verluste, große Herausforderungen uvm. Rundum abgerundet wird das Ganze wieder durch ein Nachwort des Autors, ein Personenverzeichnis, ein Glossar (welches aber durch die tolle Einbindung der Erklärung der Worte im laufenden Text eigentlich gar nicht notwendig ist) und einer Karte im Buchinnendeckel. Wie schon in Band eins wird hier die Geschichte lebendig und die rauen Nordmänner zeigen erneut, dass sie durchaus nicht so hart sind wie man vielleicht glaubt, aber man sie auch nicht unterschätzen sollte. Wer Band 1 schon mochte, kann mit Band 2 nichts falsch machen und wird danach den 3. Band gar nicht mehr erwarten können zu lesen.

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58 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

historischer roman, geschwister, mittelalter, 13. jahrhundert

Die Blütentöchter

Joel Tan
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 23.10.2017
ISBN 9783764506193
Genre: Historische Romane

Rezension:

Heilbronn 1333: Schon immer wurden die Drillinge Eilika, Clementia und Imgaina aus dem Hause Laemmlin von so manchem Bewohner ihrer Stadt argwöhnisch betrachtet. Als ein Bußprediger aufgrund unglücklicher Umstände ihren Namen auf dem Jahrmarkt in Verruf bringt und die Bürger vor Unheil warnt die diese über die Stadt bringen werden, ändert sich das Leben für die drei jungen Mädchen nachhaltig und sie müssen sich mehr und mehr vor Anfeindungen schützen. Bald darauf beginnt es in noch nie dagewesenem Maße zu regnen, es folgt Hochwasser und ein schreckliches Unglück passiert. Die Schwestern werden daraufhin gejagt und voneinander getrennt, wobei jede von ihnen vermutet, dass die anderen tot sind. Erst das Auftauchen von ganz besonderer Blütenkunst lässt ahnen, dass noch Hoffnung besteht, dass auch die anderen überlebt haben, denn diese Blüten sind für die Schwestern von ganz besonderer Bedeutung.

Dieses Buch ist nicht nur optisch ein Hingucker, sondern besticht auch durch eine spannungsgeladene, dramatische und gefühlvolle Handlung rund um die Drillinge und den Menschen die sie auf ihrem Weg begleiten. Neben diesen Dingen punktet das Buch aber auch in Hinblick auf die Darstellung der einzelnen Charaktere und deren jeweiliger Entfaltung im weiteren Verlauf der Handlung, sowie dem tollen historischen Ambiente, welches den Leser vom ersten Augenblick in diese Zeit eintauchen lässt. Was hier aber diese Geschichte letztendlich wirklich so besonders macht, sind die ganz speziellen Blüten, die hier immer wieder in der Handlung auftauchen und denen eine große Bedeutung innewohnt. Der Leser verfolgt gebannt die Geschichte der Drillinge mit und hofft auf ein gutes Ende, während es natürlich auch Menschen gibt die sich wünschen, dass sie niemals wiederkehren, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Obwohl die Drillinge als Personen hier natürlich im Fokus stehen, dreht sich aber auch vieles um andere wichtige Figuren und deren Handeln die indirekt oder direkt das Leben der drei jungen Mädchen nachhaltig beeinflussen, wie etwa die Eltern, die Einwohner der Stadt und Umgebung, der Bußprediger, der sie letztendlich den Wölfen quasi zum Fraß vorwirft, sein Begleiter, das Kaiserpaar, aber auch ganz besondere Menschen, die sich als Retter in größter Not zeigen. Die verteufelten Zwillinge sind daher dank der vielen unterschiedlichen Charaktere Opfer von politschen Entwicklungen, Fehlentscheidugen, Aberglauben, persönlichen Fehden, dem Streben nach Anerkennung, zerstörten Träumen uvm. Neben all diesen Dingen darf dann aber natürlich auch die Liebe nicht fehlen, die hier für ausgleichende wunderschöne Momente sorgt und bei denen einem als Leser das Herz aufgeht.

Alles in allem bietet die Geschichte viele spannende und dramatische Ereignisse, doch immer wieder kehrt auch ein wenig Ruhe ein und der Leser erlebt idyllische und wunderschöne Momente, die allerdings immer wieder überschattet werden von der Vergangenheit der Schwestern.

Zwar gibt es so einige Zufälle (und teilweise schon im großen Stil), aber hier hat es mich überraschenderweise gar nicht wirklich gestört, weil sich die Geschichte dadurch einfach noch schöner fügt und es fast schon ein wenig schicksalshaft wirkt wie letzten Endes alles kommt. Das Buch erzählt nicht nur eine simple Geschichte, sondern schildert eine Reise an deren Ende jeder das bekommt was er verdient.

Das Buch wurde hier auch schön ergänzt um eine einfach gehaltene Karte von Heilbronn, einem Personenverzeichnis samt Markierung der historisch belegten Charaktere und einem abschließenden Nachwort der Autorin zum Wahrheitsgehalt mancher Dinge.

Fazit: Ein Buch, das einen von Anfang bis Ende mitreißt und einmal mehr zeigt wie ein einziger Moment und dessen Folgen eine Familie für immer verändern kann. Diese Geschichte entwickelt einen regelrechten Sog dem man sich nicht entziehen kann und überzeugt durch Spannung und Gefühl gleichermaßen. Man fiebert mit und verfolgt gebannt was mit den Schwestern passiert und wie das Auftauchen der geheimnisvollen Blüten die Hoffnung wieder auferstehen lässt, dass doch nicht alles verloren ist. Trotz sehr vieler gefühlvoller Momente fand ich es jetzt aber nicht zu kitschig, vor allem weil die gefühlvolleren Momente so schön geschildert werden und daneben auch die Spannung nicht zu kurz kommt. Das Ende ist dann ein sehr gelungener Abschluss für die Geschichte und setzt noch einmal voll auf Emotionen. Für mich jetzt schon eines dieser Bücher, an das man mit Freude zurückdenkt und von Herzen gerne weiterempfiehlt.

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79 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

tijan, zwischen uns die sehnsucht, young adult, liebesroman, roman

Zwischen uns die Sehnsucht

Tijan , , Nikolas Schmidt
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 02.01.2018
ISBN 9783956497681
Genre: Romane

Rezension:

Summer, die schon lange in ihren gutaussehenden Stiefbruder Kevin verliebt ist, hofft endlich mit ihm zusammen zu kommen als sie aufs selbe College kommt. Dabei trifft sie auf Caden, dem sie anfänglich nicht gerade positiv eingestellt ist und der sie nur allzu bald durchschaut was ihre Gefühle für Kevin angeht. Sie werden Freunde und immer mehr erkennt Summer was für ein Arschloch Kevin ist und geigt ihm auch mal ihre Meinung zu seinem Verhalten, bleibt aber dennoch anfällich für ihn. Während Caden immer für sie da ist und sie sich auch stark zu ihm hingezogen fühlt, bleibt dieser allerdings schwer durchschaubar und scheint nicht mehr als nur Freundschaft zu empfinden, was für Summer allerdings immer mehr zu einem Problem wird.

Der eigentliche Klappentext auf der Rückseite des Buches weckt meines Erachtens nach ein wenig falsche Erwartung, wer also auf heiße Wortgefechte und große Unterhaltung hofft, der wird leider beim Lesen feststellen, dass dem nicht so wirklich der Fall ist und wirklich prickelnd Szenen gibt es recht wenige, auch wenn es natürlich so einige berührende und intensive Augenblicke zwischen Caden und Summer gibt, wo man spürt da ist etwas zwischen ihnen.

Generell sind die Figuren nicht gerade sehr einnehmend oder leicht zu verstehen. Kevin ist ein Arschloch allererster Güte, Summer mit ihren widerstreitenden Gefühlen ihm gegenüber und dem nur langsamen Aufwachen aus ihren Träumen von einer gemeinsamen Zukunft ist teilweise total unverständlich und es dauert bis sie endlich Rückrat zeigt. Bei Caden wiederum bleibt man lange Zeit sehr im Dunkeln was seine Gefühle und seine Geschichte angeht, auch wenn er wohl derjenige ist der anfänglich die meisten Sympathien bekommt. Er wirkt sehr erwachsen und ist immer für Summer da wenn sie ihn braucht und auch Summer scheint ihm immer wichtiger zu werden. Es entwickelt sich eine ganz besondere Freundschaft, bei der sich der Leser allerdings genau wie Summer fragt, ob Caden mehr für sie empfindet oder ob es nur ein gewisse körperliche Anziehung ist. Während Summer immer mehr Angst davor hat ihre Gefühle für ihn rauszulassen. Einerseits weil sie dank Kevin Angst hat erneut verletzt zu werden und zugleich genau weiß, dass dies bei Caden viel mehr Schaden anrichten könnte.

Trotz so einiger Klischees (Cliquen, Verbindungen, Alkohol, Partys verliebt in den Stiefbrüder, Bad Boys, Dreierkonstellation,...), ist es dennoch eine nette Geschichte und bietet in Hinblick auf die Entwicklung der Beziehung von Caden und Summer doch etwas besonderes. Es ist zwar im Vergleich zu anderen Büchern dieses Genres weniger unterhaltsam als anfänglich gedacht, aber, und das war sehr positiv, es gibt auch keine ausschweifigen und en masse vorhandenen Sexszenen. Zwar wird über Sex geredet, aber wirkliche Sexszenen gibt es so gut wie keine und wenn dann sehr harmlos. Vielleicht hat aber das dem Buch auch wieder ein wenig gefehlt, um das Ganze viel mehr aufzuheizen?

Gegen Ende wird dann im Vergleich zum Anfang, wo die Handlung nicht so recht in Schwung kommen will und es ein ständiges Auf und Ab in Hinblick auf Summers Gefühle zu ihrem Stiefbruder ist, fast schon wieder zu viel an Input und Drama geboten und wirkt deshalb auch nicht gänzlich überzeugend.

Was hier ebenfalls sehr schade ist, ist dass man gegen Ende dann zwar ein paar Seiten aus Cadens Sicht lesen darf und man endlich auch weiß was in ihm vorgeht, dies allerdings für meinen Geschmack viel zu dürftig war und dann auch nicht wirklich passend wirkte, da ansonsten alles aus Summers Sicht geschildert wird und es einem gerade als ihre Freundschaft sich entwickelt und er noch so undurchsichtig ist, viel interessanter gewesen wäre sein Sichtweise zu erfahren um ihn besser zu verstehen.

Es gibt dann auch noch so einige Nebencharaktere mit einem oftmals mehr als komplizierten Liebesleben und anderen Problemen, die hier ebenfalls noch mitmischen. Diese bringen noch zusätzliche Dramen, aber bis auf ein paar Ausnahmen, die ein wenig frischen Wind in die Handlung bringen, sind sie dann auch nicht wirklich notwendig und sehr simpel angelegt.

Fazit: Ein sehr flüssiger und einfacher Schreibstil, weshalb das Buch schnell ausgelesen ist. Mich persönlich hat es jetzt leider nicht so überzeugen und mitreißen können wie es andere Bücher dieses Genres getan haben, dafür wurde mir doch zu wenig geboten und bis zuletzt bin konnte ich Summer mit ihrer Art nicht gänzlich ins Herz schließen. Zu unverständlich agiert sie hier großteils und auch ihre Art fand ich jetzt nicht unbedingt so witzig wie sie wohl sein sollte. Dazu nervte Kevins Verhalten und Caden blieb zu lange viel zu undurchsichtig. Als man endlich echte Einblicke in ihn als Leser erhält, ist es etwas dürftig und leider auch etwas zu spät dafür. Das Ganze ist dann auch wieder mit einigen Klischees gespickt, während die Handlung lange Zeit auf der Stelle tritt und es gegen Ende scheinbar nur noch dramatische Augenblicke gibt. Dafür sind die hier fast gänzlich fehlenden Sexszenen positiv hervorzuheben. Trotz der recht wenig wirklich unterhaltsamen Szenen und dem ständigen Gefühlswirrwarr, sowie einer mehr als eigenartigen Dreierkonstellation zwischen Summer, Kevin und Caden, kann das Buch durchaus mit berührenden Momenten und der wunderschönen Entwicklung zwischen Summer und Caden, auf die hier ein großer Fokus gelegt wird, punkten. Gegen Ende wird versucht alles schön abzuschließen, wirkt aber auch etwas übertrieben. Eine nette Geschichte für Zwischendurch, aber man sollte sich nicht zu viel erwarten.

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24 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

verschwörung, geheimnisse, fbi

Secret - Niemand schweigt für immer

Brad Meltzer , Tod Goldberg , Wolfgang Thon
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 19.01.2018
ISBN 9783746633602
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach einem schweren Autounfall mit ihrem Vater und Bruder erwacht Hazel Nash  schwer verletzt im Krankenhaus und kann sich an bestimmte Dinge nicht mehr erinnern. Ihr Vater Jack, der mit seiner TV-Sendung "Haus der Geheimnisse" zu großer Berühmtheit gelangt ist und darin vor allem Verschwörungstheorien auf den Grund ging, ist tot, während ihr Bruder Skip, der ebenfalls in der Sendung einen Platz hatte, genau wie sie überlebt hat. Hazel kann sich allerdings nicht erinnern wie sie zu ihm steht und ob sie ihm vertrauen kann. Während sie versucht sich zu erinnern, taucht ein Agent vom FBI im Krankenhaus auf, der sie zu einem Mann befragt, den ihr Vater für eine seiner Sendungen kürzlich getroffen hat und der kurz darauf ermordet aufgefunden wurde. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit und weiß bald weder wer sie selbst ist noch wer ihr Vater wirklich war, je mehr sie herausfindet. Alles scheint in Verbindung zu Benedict Arnold zu stehen, dem geschichtsträchtigen Verräter, der George Washington und sein Land hintergangen hat und nach dessen Bibel, die so einige Geheimnisse verbergen soll, scheinbar jeder auf der Suche ist und welche für ihren Vater wohl zum Verhängnis wurde.

Dieser Thriller verläuft eigentlich recht ruhig und dennoch liegt eine unglaubliche Spannung darin, denn genau wie Hazel weiß man selbst nicht wem man hier trauen kann und wem nicht. Zudem ist auch Hazel selbst scheinbar alles andere als eine harmlose Professorin für Antropologie und man ist sehr gespannt was man in weiterer Folge über sie erfährt, besonders weil sie selbst vergessen hat was für ein Mensch sie vor dem Unfall war.

Keine der Personen ist jetzt unbedingt ein Sympathieträger, was aber auch nicht notwendig ist, da man dafür recht objektiv die einzelnen Handlungen mitverfolgt und auf die weitere Entwicklung gespannt ist. Was hier wunderbar gelingt ist es so gut wie alle Personen undurchsichtig wirken zu lassen, obwohl man nach und nach mehr Einblicke in ihre Leben bekommt, und einen immer tiefer in diese Geschichte hineinzuziehen, weil man einfach wissen will was es mit Benedict Arnolds Bibel auf sich hat, was die Regierung mit Hazels Vater zu tun hatte, was für Dinge Hazel getan hat, inwieweit ihr Bruder darin verwickelt ist, ob der Tot an ihrem Vater kein Unfall war und ob es sich hier einfach um eine einzige große Verschwörung handelt. Als Leser bleibt man ebenso wie Hazel im Unklaren wo das Ganze hinführen wird und man kann definitiv sagen diese Geschichte ist ein wahrer Genuss für Fans von Büchern, die sich gerne völlig vom Verlauf einer Handlung überraschen lassen wollen und so keine Ahnung haben wo diese einen letztendlich hinführen wird.

Immer wieder gibt es Rückblenden zu einer der Folgen von Haus der Geheimnisse und der Leser begleitet dabei Hazels Vater Jack der dafür in allerlei Länder reist, welche nicht gerade ungefährlich sind. Man erfährt Einzelheiten dazu was er dort gemacht hat und bekommt mehr und mehr Einblicke in sein Leben, dabei werden aber auch immer mehr Fragen aufgeworfen.

Die Auflösung ist dann auch ein echter Kracher, den man so nicht erwarten würde und der einen gar nicht mehr aufhören lässt das Buch weiter zu lesen, da man unbedingt erfahren will wie es ausgeht. Leider ist das dann auch ein wenig der Schwachpunkt des Buches, da hier so vieles mithineinspielt, dass manches einfach nur noch oberflächlich aufgelöst wird und etliches einen doch etwas überfordert zurücklässt, da man nicht weiß was man davon halten soll.

Generell muss man zu dieser Geschichte sagen, dass das Buch doch auch einiges an Konzentration fordert, besonders je weiter die Handlung voranschreitet, da man durch die ganzen Verbindungen, offenen Fragen und Geschehnissen schon gar nicht mehr weiß wo einem der Kopf steht und einen somit durchaus auch fordert, da man doch so einiges immer wieder für sich selbst überdenkt wie sich alles zusammen fügt.

Fazit: Ein Verschwörungsthriller vom Feinsten mit allem was dazugehört. Die Macht der Regierungsbehörden, Todesopfer, Lügen, Vertuschungen, streng gehütete Geheimnisse, Erpressung, Verschwörungstheorien, usw. Es ist ein Roman voller undurchsichtiger Figuren und scheinbar alles dreht sich um die geheimnisvolle Bibel von Benedict Arnold. Als Leser baut man zwar keine emotionale Bindung zu den Figuren auf, aber dennoch verfolgt man atemlos mit was Hazel über sich selbst, die Bibel, ihren Vater und alle anderen zu Tage fördert. Eine sehr dichtgesponnene Handlung, bei der es schwer fällt zu wissen wo sie einen hinführen wird und man gegenüber wirklich allen mehr als misstrauisch ist. Ruhig, aber dennoch spannend und atmosphärisch, auch wenn es immer herausfordernder wird der Handlung zu folgen und alles vollständig zu begreifen. Was dann am Ende leider wie befürchtet dazu führt, dass man trotz der guten Auflösung dennoch bei so einigen Dingen ein wenig ratlos zurückbleibt und nicht unbedingt auf alles eine klare Antwort erhält. Ein Thriller auf hohem Niveau der mal etwas anderes bietet und für Fans von Agenten- und Verschwörungsgeschichten, aber auch für alle die mal wieder etwas anderes lesen wollen als die übliche 08/15 Geschichte, sehr zu empfehlen ist.

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74 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 57 Rezensionen

portugal, liebe, nelkenrevolution, lissabon, suche

Nelkenliebe

Anja Saskia Beyer
Flexibler Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 27.12.2017
ISBN 9781503949348
Genre: Romane

Rezension:

Als Katharina von ihrem geliebten Paps erfährt, dass er nicht mehr lange zu Leben hat ist sie mehr als nur erschüttert. Darum will sie ihm auch helfen seine letzten Wünsche zu erfüllen. Zum einen ihren Langzeitfreund Arne zu heiraten und sich auf die Suche nach einer Frau namens Marisa zu machen, die Gerd damals in den 70iger Jahren in Lissabon kennen und lieben gelernt hat und die ihn ohne genaue Angabe von Gründen verlassen hat. Auch wenn er glücklich verheiratet ist, hat er seine erste große Liebe nie vergessen und bis heute nagt es an ihm nicht zu wissen was genau damals passiert ist. Bei dieser Reise entdeckt Katharina nicht nur die Schönheit Portugals mit seinen süßen Verlockungen, sondern erfährt auch viel über die Geschichte des Landes zur Zeit der Diktatur des Estado Novo. Bei ihrer Suche nach Marisa erhält sie Unterstützung vom attraktiven Portugiesen Nuno, der ihre Gefühlswelt bald auf den Kopf stellt.

Die Geschichte spielt sich auf zwei Zeitebenen ab. Zum einen in der Gegenwart, wo wir Katharina bei ihrer Suche nach Marisa begleiten und zum anderen in der Vergangenheit, beginnend mit Gerds Ankunft in Portugal im Jahre 1972.

Die historischen Einblicke vermischt mit der berührenden Lovestory von Gerd und Marisa haben mich begeistert und mitgerissen. Auch wenn das Ganze gegen Ende dann doch ein wenig zu telenovelamäßig angelegt wurde und mich der Grund warum Marisa Gerd verließ nicht wirklich überzeugt hat, war dieser Teil der Geschichte um einiges bewegender und spannender als der in der Gegenwart. Das lag Großteils wohl vor allen daran, dass Marisa einfach ein sehr starker Charakter ist, neben dem die 35jährige Katharina die hier für ihr Alter extrem unreif wirkt, ständig auf ihren Paps und seine Meinung fokussiert ist, sich sehr viel gefallen lässt und oftmals voller Widersprüche steckt, einfach nicht neben ihr bestehen kann. Wäre sie jünger würde man für ihre Art vielleicht mehr Verständnis aufbringen. Zum anderen war es aber auch einfach interessanter und emotionaler mehr über die damaligen Zustände im Portugal zu erfahren, von denen ich genau wie Katharina bis dato nichts wusste.

Einerseits kann man vieles was Katharina betrifft durchaus nachvollziehen und auch wie sehr sie damit kämpft, dass ihr geliebter Paps wohl bald nicht mehr da ist und sie alles versucht um ihn glücklich zu machen, aber dann wiederum macht sie es einem mehr als schwer sie als erwachsene und ernst zu nehmende Frau wahrzunehmen so wie sie sich teilweise anstellt. Auch wenn sie eine Entwicklung durchmacht und ihr viele Dinge durch die plötzliche Krankheit ihres Vaters und ihrer spontanen Reise erst jetzt wirklich bewusst werden und sie zum nachdenken bringt, wirkt einiges daran schon sehr sprunghaft. Dazu kommt auch noch das für mich unverständliche Verhalten gegenüber Gisela, Katharinas Mutter, die hier nicht nur außen vor gelassen wird, sondern oftmals schon regelrecht vergessen wird, bis man sich ihrer wieder mal geruht zu erinnern. Das hat mir dann leider gar nicht zugesagt und kostete auch Gerd einiges an Sympathie von mir.

Wegen meiner Antipathie Katharina gegenüber, war es für die Handlung in der Gegenwart wohl auch viel schwerer in meinen Augen zu bestehen. Nuno und Gerd tragen allerdings mit ihrer Art auch einiges dazu bei. Es gab einfach zu viele Punkte die nicht stimmig wirkten und zudem wurden auch noch so einige Klischees bedient. Dennoch ist die Darstellung Portugals, mit Einbindung portugiesischer Begriffe, die gleich im Text erklärt werden, der melancholischen Melodie des Fado sowie den vielen süßen Köstlichkeiten, die einem hier das Wasser im Mund zusammen laufen lassen, wunderbar gelungen und machen Lust auf mehr davon. Ebenso sind die geschichtlichen Hintergründe fesselnd, welche die teils recht anstrengende Handlung in der Gegenwart wieder ausgleichen und auch die Rezepte am Ende des Buches sind eine nette Abrundung zur Geschichte. Das Ende selbst war nett, wirkte aber auch übertrieben, da hier noch schnell alles in Richtung Happy End gedreht wird.

Fazit: Eine Geschichte, die vor der tollen Kulisse Portugals spielt und sehr bewegende Einblicke in die damalige Diktatur des Estado Novo und die Nelkenrevolution gibt. Im historischen Teil dieser Geschichte wird man gefangengenommen von der wunderschönen Liebesgeschichte von Gerd und Marisa, verfolgt gebannt mit wie sich diese entwickelt und fragt sich lange Zeit was da wohl passiert sein mag. Wenig begeistern kann hingegen die Handlung rund um Katharina in der Gegenwart, da es schwerfällt sich in sie hineinzufühlen, sie mit ihrem ständigen Paps hier und Paps da den Leser an die Grenze des Erträglichen bringt und auch in Hinblick auf ihre Art Dinge anzugehen wenig überzeugen kann. Die Geschichte ist teilweise sehr vorhersehbar, aber andererseits auch wieder in manchen Entwicklungen ziemlich überraschend, selbst wenn diese Wendungen jetzt nicht so mein Fall waren. Das Ende ist sehr temporeich und wirkt aufgesetzt, aber wer gerne Happy Ends mag der wird zufrieden sein. Wer wenig nachhakt und mit den Figuren keine größeren Probleme hat wird das Buch sicher genießen können, bei mir allerdings waren die vorherrschenden Charaktere in der Gegenwart einfach absolut nicht meins und selbst Gerd, der in der Vergangenheit überzeugen kann, verliert in der Gegenwart einige Sympathiepunkte so wie er sich gegenüber seiner Frau verhält. Definitiv eines dieser Bücher deren Gefallen stark davon abhängt, ob man einen Draht zu den Figuren hat oder nicht.

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155 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 108 Rezensionen

roman, kent haruf, colorado, amerikanische kleinstadt, kleinstadt

Lied der Weite

Kent Haruf , Rudolf Hermstein
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 12.01.2018
ISBN 9783257070170
Genre: Romane

Rezension:

In seinem bereits 1999 erschienen Werk "Lied der Weite" schildert Kent Haruf das Leben in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado anhand verschiedenster Protagonisten. Wir begleiten die junge Victoria, die von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt wird als sie schwanger wird, die Lehrerin Maggie die sie unterstützt und das junge Mädchen schließlich an das alte Brüderpaar McPheron verweist, die hier ein sehr abgeschiedenes und ruhiges Leben auf ihrer Farm führen und gar nicht wissen was von ihnen erwartet wird, aber es geht auch um den Lehrer Tom Guthrie mit seinen Söhnen Ike und Bobby, sowie etliche andere Personen, die alle hier ihren Teil dazu beitragen, das Leben in einer Kleinstadt lebensnah zu vermitteln und deren Schicksale einen als Leser bewegen.

Kent Haruf schafft es hier die Menschen in dieser Kleinstadt lebendig werden zu lassen. Auch wenn man längst nicht alle gleichermaßen in sein Herz schließt, kann man sich dem Sog der Geschichte nicht entziehen, bei der jeder sein Päckchen zu tragen hat. Große Themen sind die Familie, das Leben in einer Kleinstadt und was das so alles mit sich bringt, aber auch die Einsamkeit. Man bekommt zudem Einblicke in das Landleben, mit teilweise grausig detaillierten Beschreibungen, erlebt wie pragmatisch und leichtfertig hier mit Sex umgegangen wird und auch wie die verschiedensten Generationen aufeinandertreffen und wie sie miteinander umgehen.

Trotz der ruhigen und teilweise sehr distanzierten Erzählweise ist die Geschichte sehr emotional und der Leser durchlebt eine Bandbreite von Gefühlen beim Lesen. Besonders das alte Brüderpaar McPheron sorgt für ein wenig Leichtigkeit in der Geschichte und beschert dem Leser viele warmherzige Momente mit ihrer unbeholfenen, kindlichen Art, auch wenn sie fast schon zu gut für diese Welt zu sein scheinen. Man muss diese verschrobenen Alten einfach mit jeder Faser ins Herz schließen, so wie sie versuchen sich auf ihre eigene Art um die schwangere Victoria zu kümmern, die ihren Jungesellenhaushalt ordentlich auf den Kopf stellt. Aber auch das jüngere Brüderpaar Ike und Bobby mit ihren 9 und 10 Jahren, rühren einen als Leser und man sieht einige Parallelen zwischen ihnen und den McPherons. Diese zwei Brüderpaare sind eindeutig das Herzstück in dieser Geschichte.

Bei anderen Figuren ist es oftmals nicht so einfach sie zu verstehen bzw. schaffen sie es einen richtiggehend in Rage zu versetzen. Gerade durch ihre Fehler und Mängel wirken die Figuren dann aber auch wieder sehr lebensecht, da niemand perfekt ist und es überall schwarze Schafe gibt. Es ist eine sehr gelungene Mischung von Menschen jeglichen Alters und Charakters die diese Geschichte, neben den bildgewaltigen Beschreibungen der Kleinstadt und dem Landleben, so besonders machen.

In dieser Geschichte werden überraschend wenige Worte gemacht bzw. gibt es teilweise recht unbeholfene Gespräche, die aber dennoch viel vermitteln und dann auch wieder den Charme des Buches ausmachen. So manche Episode hier wirkt auf den ersten Blick ein wenig unpassend und etliches bleibt vage oder spielt sich eher zwischen den Zeilen ab, aber dann wiederum wird vieles auch sehr einfühlsam geschildert und man verfolgt gebannt die weitere Entwicklung und die zarten Bande die entstehen. Oftmals sind es die scheinbaren Kleinigkeiten und Gesten, die einem hier am meisten zusetzen und eine große Wirkung entfalten.

Das Ende ist sehr schön gewählt und im Nachhinein ist man selbst verwundert was alles tatsächlich passiert ist und wie sich die zwischenmenschlichen Beziehungen und Charaktere entwickelt haben, aber es ist dann auch sehr stimmig und man freut sich über dieses harmonievolle Ende, dass den Kreis der Figuren so schön schließt.

Fazit: Ein ganz besonderes Buch, das einen mitnimmt in die Kleinstadt Holt mit seinen verschiedensten Bewohnern. Teilweise schonungslos und distanziert, dann aber auch wieder sehr einfühlsam und warmherzig, kann man sich dem Sog der Geschichte nur schwer entziehen. Trotz einigen Interpretationsspielräumen, da nicht alles bis ins Detail oder mit großen Worten erklärt wird und durchaus Fragen aufwirft, bekommt man dennoch einen sehr intensiven Einblick in die Charaktere und ihr Leben. Im weiteren Verlauf kommen dann auch so einige (teils durchaus bizarre) Parallelen innerhalb der Geschichte auf und trotz weniger Worte wird unglaublich viel vermittelt und gerade das auf den ersten Blick vielleicht nicht so offensichtliche, das einem erst nach und nach so richtig ins Bewusstsein dringt, ist gerade das Außergewöhnliche an diesem Buch, das viel mehr in sich birgt als man es erwartet, wenn man sich ganz darauf einlässt. Teilweise überraschend unterhaltsam und bewegender als gedacht, geht es einem aber auch manchmal sehr an die Nieren was hier passiert. Ein Buch, das mich mehr als positiv überrascht hat und durch den eigenwilligen Erzählstil des Autors punkten kann, der hier auf unterschiedliche Art und Weise sehr viele Emotionen zu wecken versteht und es schafft seinen Figuren in dieser Kleinstadt echtes Leben einzuhauchen, wo manches gegensätzlicher nicht sein könnte. 

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123 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

engelsherz, engel, nalini singh, familie, singh

Engelsherz

Nalini Singh , Dorothee Danzmann
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei LYX, 26.05.2017
ISBN 9783736303935
Genre: Fantasy

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43 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

mittelalter, venedig, murano, historischer roman, konstantinopel

Das Geheimnis des Glasbläsers

Ralf H. Dorweiler
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.01.2018
ISBN 9783404176274
Genre: Historische Romane

Rezension:

1452: Als Hochzeitsgeschenk erhalten der zukünftige Kaiser des Hl. Römischen Reiches, Friedrich III und seine Gemahlin Eleonore, von einem Abgesandten der Venezianer kunstvolle Gläser geschenkt die so rein und klar wie Wasser sind und das altbekannte grünliche Waldglas weit in den Schatten stellen. Der Glasbläser Simon bekommt aufgrund unglücklicher Umstände den gefährlichen Auftrag die geheime Rezeptur dieses Cristallo (Kristallglas), welches von seinem Erschaffer streng gehütet wird, für den Kaiser zu beschaffen oder im Falle des Versagens zu sterben. Notgedrungen macht er sich auf den Weg in die Lagungenstadt Venedig zusammen mit dem Ulf, einem Scherbensammler mit recht kindlichen Gemüt, sowie dessen Esel Lili. Während ihrer Reise müssen die beiden mehr als nur ein Abenteuer bestehen und freunden sich immer mehr an. In der Lagunenstadt angekommen finden sie Hilfe bei der Kurtisane Serena und kommen auf die Insel Murano, wo Simon nicht nur vom gefährlichen Kreuzmörder erfährt, der immer mehr Opfer fordert, sondern auch versucht dem Geheimnis um das Cristallo näher zu kommen. Dabei trifft er auf eine Frau, die ihn vom ersten Anblick an verzaubert und für die er seine Mission zu vergessen droht, denn wegen ihr führt ihn sein Weg schon bald mitten hinein in die Schlacht von Konstantinopel.

Dieses Buch stellt nicht nur das zerbrechliche und einzigartige Cristallo in den Mittelpunkt, sondern nimmt einen mit auf eine Reise die abenteuerlicher nicht sein könnte und in der, wie könnte es anders sein, natürlich auch Platz für die Liebe hat.

Zu Beginn besteht die Geschichte aus 2 Handlungssträngen. Eine davon dreht sich um die Reise von Simon und Ulf, während die andere sich in Venedig abspielt und die Kurtisane Serena samt ihrem Freudenhaus in den Mittelpunkt stellt, wobei diese zwei Stränge natürlich im Lauf der Handlung miteinander verwoben werden. Dennoch gibt es auch weiterhin vereinzelte Kapitel aus Serenas Sicht, während der Rest aus Simons erzählt wird.

Zwei große Komponenten machen diese Geschichte so unglaublich gelungen. Zum einen wären da die tollen und vielschichtigen Figuren, wobei besonders Ulf mit seinem Esel Lili das Leserherz im Sturm erobert und der trotz seines recht einfachen Geistes immer wieder überraschen kann. Dieser sanfte Riese zeigt, dass er mit seinem einfachen Wesen oftmals mehr versteht und sieht als andere. Auch die geschäftstüchtige Kurtisane Serena beeindruckt mit ihrer Persönlichkeit, während Simon anfänglich durchaus seine Schwächen hat und mit seinem Verhalten auch für so einige Kopfschüttler beim Leser sorgt. Der Rest der Charaktere hat ebenfalls seinen festen Platz in dieser Geschichte und trägt zu der gelungenen Handlung bei, da alle mit der Zeit immer mehr Facetten von sich zeigen.

Zum anderen gibt es eine sehr vielfältige Handlung, bei der zu keiner Zeit Langeweile aufkommt, da hier alles aufgefahren wird was geht um den Leser wirklich mitzureißen und zu fesseln. Seien es brutale Morde, überraschende Wendungen, Piraten, Machtspiele, große Gefühle, zwielichtige Gestalten, das Schlachtgetümmel vor den Mauern Konstantinopels, das entstehen großer Freundschaften, Einblicke in fremde Kulturen und Länder uvm. Der Spannungsbogen reißt so gut wie nie ab. Dazu bekommt man ebenfalls einen sehr authentischen Einblick in die damalige Zeit und kann sich dank der detaillierten Beschreibungen des Autors, wie etwa bei der Überquerung der Alpen, mitten hineinfühlen. Des Weiteren lernt man so einiges über die große Kunst der Glasherstellung. Klingt langweilig? Ist es aber absolut nicht, denn dem Autor gelingt es einen damit regelrecht zu faszinieren. So hat man großen Respekt vor der Arbeit die dahinter steckt und kann die Ehrfurcht von Simon im Angesicht des reinen Cristallos, sowie den Möglichkeiten zur Erschaffung von wahrhaft außergewöhnlichen Stücken, nur zu gut verstehen. Eine zerbrechliche Welt voller Schönheit wird hier wunderschön thematisiert und zeigt einmal mehr, wie spannend so ein simples Thema sein kann.

Zwar ist besonders Simon mit seiner Tendenz sich in brenzlige Situationen zu manövrieren und dem Tod ein Schnippchen zu schlagen schon ein wenig arg an der Grenze des Glaubhaften angesiedelt, aber zugleich ist seine Figur eine der komplexesten überhaupt und wohl mit Abstand diejenige mit der größtmöglichen Entwicklung auf dieser Reise. Anfänglich noch recht oberflächlich, ignorant, träumerisch und naiv, lernt er so manche Lektion auf die harte Tour und wächst nach und nach immer mehr über sich hinaus für die Menschen die ihm am Herzen liegen. Zudem ist es sehr schön zu sehen wie er seinen Beruf liebt und aufgrund seines Auftrages mehr als einmal mit seinem Gewissen hadert. Was aber den Leser wohl während der ganzen Geschichte am Meisten zu berühren vermag ist die innige Freundschaft die sich zwischen Simon und Ulf langsam, aber stetig entwickelt. Während Simon anfänglich gemein und herablassend diesem gegenüber ist, erfährt er schon bald wieviel Glück er mit dessen Begleitung hat. Ulf, der starke Mann, der aber mit seinem kindlichen Geist keiner Fliege etwas zu leide tun möchte, beweist eine ungewöhnliche Menschenkenntnis und rührt mit seiner unschuldigen und treuen Art nicht nur Simons Herz.

Obwohl es neben Simons unglaublichem Glück, dann auch noch ein paar kleinere Mängel in der Handlung gibt, wie zB das bei genauerem Nachdenken nicht alles unbedingt stimmig erscheint und es einem auch mal so vorkommt als hätte man etwas von der Handlung verpasst, wobei dies wird dann im weiteren Verlauf noch schön aufgeklärt wird, dennoch muss ich sagen man vergisst diese Kleinigkeiten, weil man einfach so gefesselt von der Handlung ist.

Das Ende schließt den Kreis der Geschichte perfekt, indem es so endet wie es anfängt, nämlich mit Friedrich und so auch das Ende der Reise zum Thema Cristallo präsentiert, wenn auch vielleicht nicht ganz so klar wie dieses. Auch die Geschichte, der mittlerweile so ans Herz gewachsenen Figuren wird stimmig abgeschlossen und sorgt auch noch für die eine oder andere Gefühlsaufwallung beim Leser. Trotz der vielen Geschehnisse und Gefahren auf ihrer Reise, wo man schon denken könnte es ist doch ein wenig viel für eine einzelne Geschichte, war das hier nicht der Fall, weil es einen einfach packt und man neben der ganzen Action auch unglaublich berührende und wunderschöne Momente miterlebt, wo das Ganze dann wieder ein wenig sacken kann.

Fazit: Wer auf der Suche nach einem gut recherchiertem historischen Roman mit Abenteuerfeeling, Unterhaltung, Romantik, Spannung, sowie echten Emotionen ist und dabei quasi nebenei auch noch das eine oder andere Wissenswerte aufschnappen will, ohne belehrt zu werden, der ist hier mit diesem Buch definitiv an der richtigen Adresse! Dem Autor gelingt es unglaublich viel in diese Geschichte hineinzupacken, ohne dass die Handlung darunter leidet. Zwar ist Simons Glück bei seinem Abenteuern schon ein wenig sehr ausgereizt, aber dafür wird einem auch nicht langweilig, denn es folgen immer wieder neue Situationen, die die vorherigen noch in den Schatten stellen und gekonnt umrahmt werden mit einem Serienmörder, blutigen Schlachten, etwas Romantik und bewegenden Momenten. Trotz ein paar kleinerer Schwächen in der Handlung, gibt es hier nur Kritik auf hohem Niveau, denn da die Handlung so mitreißend ist, lässt man einiges eher durchgehen bzw. akzeptiert der Leser ein paar Unglaubwürdigkeiten leichter als man es sonst vielleicht tun würde. Generell ist die Geschichte schön abgeschlossen und auch wenn der Fokus teilweise ein wenig vom Cristallo abweicht, wurde diese Grundhandlung neben all den anderen Dingen recht gelungen beendet. Zugleich ist die Gestaltung des Buches mit Karten im Inneren sowie einem Figurenverzeichnis (inklusive einer Markierung der historisch belegten Personen) wunderbar abgerundet. Leserherz was willst du mehr?

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Perfect - Für immer verführt

Jessica Clare , Kerstin Fricke
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.01.2018
ISBN 9783404176182
Genre: Erotische Literatur

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64 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

liebe, april dawson, prinz, blind wedding, blind date

Royal Wedding

April Dawson
E-Buch Text: 252 Seiten
Erschienen bei LYX.digital, 07.09.2017
ISBN 9783736305946
Genre: Liebesromane

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

angie, will, sara

Blutige Fesseln

Karin Slaughter
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 01.12.2017
ISBN 9783959671583
Genre: Krimi und Thriller

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

einbruch, thriller, krimi, geheimtür, villa

Verborgen

Dieter Aurass
Flexibler Einband: 305 Seiten
Erschienen bei Hein-Verlag, 26.09.2017
ISBN 9783944828251
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine leerstehende Villa und drei Einbrecher, die allerdings nicht gemeinsam dort einbrechen, sondern jeder für sich und auf einen anderen Weg, bis sie im Dunkeln plötzlich unerwartet aufeinandertreffen. Ein jeder von ihnen hat seine ganz persönlichen Gründe für diesen Einbruch und dabei geht es nicht um irgendwelche Wertgegenstände. Trotz anfänglichen Misstrauens wird schließlich eine Gemeinschaft, da sie wohl nur zusammen eine Chance haben das zu finden was ein jeder von ihnen erhofft. Nebenbei erzählen sie sich ihre Geschichte und dabei kommt so einiges ans Licht über den Besitzer der Villa, nicht ahnend, dass dieser ihnen selbst aus der Ferne einige Probleme bereiten könnte und sie alsbald nicht nur geschockt sind über ihre Funde in der Villa, sondern auch in echter Gefahr schweben.

Die Geschichte beginnt sehr unterhaltsam als unsere 3 Einbrecher aufeinander treffen und sich dabei gleich mal herausstellt, dass es sich hier wohl nicht unbedingt um knallharte Profis handelt. Die Handlung ist kurzweilig und es liest sich recht flott, allerdings passiert anfänglich ansonsten recht wenig, da erst mal versucht wird mit der neuen Situation klarzukommen, bei der hier drei scheinbar völlig verschiedene Persönlichkeiten aufeinander treffen.

Da wäre einmal Benjamin, ein Psychologe, der mit seiner intellektuellen Art oft mal den Klugscheißer raushängen lässt, aber auch eine große Ruhe ausstrahlt, dann Katrin, eine hübsche Blondine, die früher in der Villa angestellt war und ein wenig naiv und leicht zu beeindrucken wirkt, aber auch nicht auf den Mund gefallen ist und last but not least der ungehobelte Kalle, der nichts von sich preisgeben will und leicht gereizt ist, was er unter anderem seiner inneren Stimme zu verdanken hat die ihn ständig nervt. Im weiteren Verlauf glänzt dann vor allem Kalle und zeigt, dass er so einiges auf dem Kasten hat und der erste Eindruck oftmals täuschen kann. Je mehr man als Leser von ihnen erfährt, desto schneller wird klar wird, wer hier wirklich Dreck am Stecken hat. Teilweise wirkt es allerdings so, als hätten sie selbst den Ernst der Lage etwas vergessen wenn sie so zusammensitzen und sich ihr Herz ausschütten, bis sie endlich wieder aktiv werden.

Es ist eine durchaus gute Geschichte, aber das Meiste wird sehr schnell aufgelöst und bietet, bis auf ein paar kleinere Überraschungen leider nicht viel außergewöhnliches, auch wenn die Handlung durchaus mit sehr emotionalen Themen und Grausamkeiten aufwartet, die dem Leser an die Nieren gehen und berühren.

Das Ende hat mich dann leider etwas enttäuscht, da es nicht gerade sehr realistisch auf mich gewirkt hat in Bezug auf die polizeiliche Ermittlung am Ende und wie einfach sich alles so gefügt hat, das lief mir alles viel zu reibungslos ab bzw. wurde für meinen Geschmack etwas zu dick aufgetragen. Dafür gab es aber für den Bösen in der Geschichte noch eine wahrhaft passende Überraschung und alles andere wurde schön aufgelöst und beendet.

Fazit: Ein gelungener Roman, der mit einer skurilen Idee aufwartet, aber für mich leider kein echter Thriller ist. Dafür war mir die Handlung teilweise zu einfach gestrickt und etwas extrem spannendes passiert jetzt auch nicht wirklich. Zwar ist es interessant zu erfahren was hinter dem jeweiligen Einbrüchen steckt und man ist erschüttert darüber wo das alles hinführt, aber ansonsten passiert weniger aufregendes als gedacht, auch wenn es zumindest die eine oder andere gelungene Überraschung gibt. Am Ende wird alles sehr gut abgeschlossen, wenn auch in mancherlei Hinsicht nicht gerade sehr glaubhaft für meinen Geschmack. Letztendlich eine unblutige Geschichte mit einer durchaus guten, unterhaltsamen Handlung sowie einigen schockierenden Enthüllungen, aber eben auch nichts mit wirklichem Knalleffekt und so einigen Schwächen am Ende, daher gibt es leider auch nur 3,5 Sterne von mir dafür.

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166 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 62 Rezensionen

musik, vinyl, liebe, freundschaft, plattenladen

Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie

Rachel Joyce , Maria Andreas
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 29.12.2017
ISBN 9783810510822
Genre: Romane

Rezension:

"Für Frank glich die Musik einem Garten, denn sie streute ihre Samen über weite Entfernungen."

Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht eine kleine Gemeinschaft von Bewohnern und Ladenbesitzern in der Unity Street im Jahre 1988. Hier findet sich ein kleiner Plattenladen der von einem Mann namens Frank geführt wird, welcher das Talent hat bei jedem Kunden zu wissen welche Musik dieser gerade braucht. Sein ruhiges Leben wird eines Tages völlig auf den Kopf gestellt als eine Frau in einem erbsengrünen Mantel in seinen Laden schaut und ohnmächtig wird, denn diese bekommt er einfach nicht aus dem Kopf, besonders als ihm klar wird, dass er bei ihr nicht hören kann welche Musik sie braucht. Doch dies ist erst der Anfang ihrer Geschichte, die den Leser in eine märchenhafte Handlung entführt voller Musik und berührenden Momenten, aber auch bösen Überraschungen in Form von Fort Development, einem Unternehmen, dass langsam aber sicher die kleine Welt von Frank auseinanderzureißen droht.


Eine Geschichte die viel märchenhaftes an sich hat und dennoch in der wirklichen Welt verankert ist. Wie es in einem Märchen gang und gäbe ist, gibt es eine wunderschöne Liebesgeschichte, treue, wenn auch etwas eigenwillige Freunde, das Böse in Gestalt von Fort Development und ein Hauch von Magie in Form von Musik. Hier gibt es viel Gefühl und auch wenn anfänglich alles sehr schnell sehr intensiv wird und nicht gerade viele Worte fallen, passiert hier dennoch etwas ganz besonderes dem man sich einfach nicht lange entziehen kann. Frank, der gutmütige Riese mit seinem Faible für Schallplatten, der für alle da ist, ihnen zuhört und die passende Musik für sie findet, ist völlig überfordert als er die Frau in Grün, die Ilse heißt, trifft und erkennt, dass er keine Musik in ihr hört.

"Die große Stille in ihr zog ihn unwiderstehlich an, sie war so tief, eine Stille mit unendlichen Möglichkeiten."


Mit seiner ruhigen und schüchternen Art, seinem offenen Ohr für alle kann man gar nicht anders als ihn zu mögen, besonders als man merkt wie wenig er für sich selbst erwartet und scheinbar schon ewig alleine durchs Leben geht.

"Frank war so damit beschäftigt, anderen Menschen Liebe zu geben, dass für die Möglichkeit, eines Tages könnte sich jemand umdrehen und ihn zurücklieben, gar kein Raum blieb."

Durch Ausschnitte aus seiner Vergangenheit erfährt der Leser wo er sowohl seine Liebe zu Vinyl als auch sein Verständnis zur Musik her hat, aber auch warum er so unbeholfen in der Liebe ist und diese sogar scheut. Nur wenn es um Musik geht er völlig aus sich heraus. Er reißt einen durch seinen Enthusiasmus dafür mit und beschert dem Leser bei seinen Ausführungen wie er Musikstücke sieht einen völlig neuen Einblick in diese Welt des Hörens. Da er seinen Idealen und damit seiner Liebe zu Schallplatten treu bleibt, obwohl der ganze Markt Ende der 80iger Jahre immer mehr auf CDs setzt, ist er aber alles andere als ein guter Geschäftsmann. Er lebt in seiner eigenen kleinen Welt in der er es sich gemütlich eingerichtet hat, aber diese Seifenblase löst sich langsam aber sicher auf, einerseits durch Ilse als auch durch die dunkle Wolke in Gestalt von Fort Development.

Ilse selbst ist eine Person die dem Leser anfänglich sehr suspekt vorkommt, da man einfach nicht weiß wie man ihr Verhalten deuten soll und dennoch gewinnt sie immer mehr an Sympathie, da sie scheinbar genauso nervös wie Frank ist bei ihren Treffen. Als man dann nach einer gefühlten Ewigkeit endlich alle Fragen von ihr beantwortet kommt, ergibt alles auf einmal Sinn und im Nachhinein erscheint ihr teilweise seltsames Verhalten auch gleich in einem anderen Licht.

Beide sind hier so unheimlich süß und unbeholfen, wie sie umeinander herumtanzen, dass man einfach nur hofft, dass einer endlich den nächsten Schritt tut.

"Bei ihr zu sein war, wie in die Sonne zu schauen; er sah nichts, aber wenn er den Blick abwandte, dann war sie da, ein flimmerndes weißes Licht, eingeschrieben ins Herz aller Dinge."


Die Handlung hält dann auch die eine oder andere Überraschung bereit und sorgt für eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Natürlich ist nicht alles immer ins kleinste Detail stimmig und manches wirkt dann schon ein wenig zu konstruiert, aber das tut dieser Geschichte keinen Abbruch, da sie dann auch wieder so viele wunderschöne und emotionale Momente bietet, dass man diese Kleinigkeiten in Kauf nimmt. Zusätzlich bringt der kuriose Haufen von Menschen rund um Frank auch noch viel liebenswertes hinein, da man sie einfach alle ins Herz schließen muss. Sei es der Ex-Priester, der Frank immer zur Seite steht, der tollpatschige Kit, der ein Händchen dafür hat alles kaputt zu machen oder auch die ruppige Maud, aus dem Tättooladen. Diese Figuren und noch einige mehr runden diese Geschichte schön ab und haben das Herz am rechten Fleck.

Fazit: Eine Geschichte wie ein modernes Märchen, das durch viel Gefühl und die Magie der Musik besticht. Daneben tragen die eigenwilligen, aber liebenswerten Charaktere und deren kleine Gemeinschaft in der Unity Street sowie ihr Kampf gegen Fort Development vieles zur Atmosphäre des Buches bei. Obwohl es anfänglich schon in einiger Hinsicht etwas surreal anmutet, manches sehr schnell passiert und ich persönlich doch meine Zeit brauchte um mich ganz darin fallen zu lassen, ist man dennoch alsbald gefangen in dem einfühlsamen Stil der Autorin hier die verschiedensten Menschen und ihr Leben in dieser kleinen Straße zu beschreiben. Generell ist jetzt nicht alles unbedingt realistisch oder stimmig, aber das muss es dann auch nicht sein, da es dennoch eine wunderschöne Geschichte ist, die den Leser mitten ins Herz trifft. Das Ende dieser außergewöhnlichen und zu Herzen gehenden Geschichte ist dann einmal mehr sehr berührend und man kann nach einem kitschigen, aber schönen Happy End, wie es sich für ein Märchen gehört, dann das Buch zufrieden weglegen und hat vielleicht auch noch das eine oder andere vorgestellte Lied dabei für sich entdeckt. Ein modernes Märchen voller Liebe, Freundschaft und Musik, das einen regelrecht zu verzaubern vermag, trotz kleinerer Schwächen.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Midnight Liaisons - Zum Biss verführt

Jessica Clare , Jessica Sims
E-Buch Text: 354 Seiten
Erschienen bei beHEARTBEAT by Bastei Entertainment, 09.01.2018
ISBN 9783732545681
Genre: Sonstiges

Rezension:

Achtung kann Spoiler enthalten!

Dies ist der 2. Band der Reihe Midnight Liaisons und schließt an den ersten Band an. Dieses Mal konzentriert sich die Handlung auf Sara, die mit ihrer Schwester Bathsheba in der Dating Agentur Midnight Liaisons arbeitet, einer Dating Agentur für übersinnliche Wesen. Während Bathsheba glücklich mit ihrem Werpuma Beau ist, muss sich Sara ihrer Vergangenheit stellen, in der sie von ihrem brutalen Exfreund Roy in einen Werwolf verwandelt wurde und sich mit Hilfe ihrer Schwester 6 Jahre lang versteckt vor anderen Gestaltwandlern hielt. Nun ist allerdings das Anderson-Rudel auf sie aufmerksam geworden, welches dringend ein neues Weibchen braucht. Sara hat allerdings keinerlei Interesse daran eine von ihnen zu werden, ist sie doch immer noch stark traumatisiert was Wölfe und Männer im Allgemeinen angeht. Daher geht sie zur Tarnung eine Partnerschaft mit dem großen und wortkargen Werbären Ramsey ein, doch die weitreichenden Folgen hat sie dabei nicht bedacht und auch nicht, dass dieser so furchteinflößende Mann auch durchaus sehr sanfte und sinnliche Seiten hat.

Der Beginn dieser Geschichte ist sehr gut gewählt worden, da er quasi ein wenig früher dort ansetzt wo der erste Band aufgehört hat, der ja damit endete, dass Ramsey vor dem Anderson-Rudel Anspruch auf Sara als seine Partnerin macht. Nun erfahren wir durch den etwas früheren Ansatz wie es dazu kam und dass es keinesfalls echte Liebesbande sind die Ramsey dazu veranlasst haben dies zu tun.

Die Handlung wird aus Saras Sicht erzählt und man erfährt hier nun in allen Einzelheiten das ganze Ausmaß was ihr Exfreund Roy ihr angetan hat und wie sie dies heute noch verfolgt und sie sogar in Lebensgefahr bringt, weil sie ihre Wolfsseite einfach nicht annehmen kann. Sie versucht sich stark zu zeigen und ihre Angst zu verstecken, wobei der große, brummige Ramsey alles andere als beruhigend für ihre Nerven ist, auch wenn er ihr bald schon zeigt, dass er sehr einfühlsam ist und sich bemüht ihr zu helfen. Obwohl Sara anfänglich auch vor ihm Angst hat, einfach weil er ein Riese ist und nicht gerade harmlos aussieht, fühlt sie sich sehr beschützt in seiner Nähe und bietet ihm durchaus Paroli.

Ramsey ist anfänglich wirklich schwer einzuschätzen, da er ein Mann weniger Worte ist und scheinbar keinen Spaß versteht, der Ausdruck Brummbär beschreibt ihn daher schon sehr gut. Natürlich ist recht schnell klar, dass die körperliche Anziehung durchaus vorhanden ist, selbst wenn Sara dennoch ihre Zeit braucht um über die gewaltigen Ausmaße ihres Beschützers hinwegzusehen und sich davon nicht einschüchtern zu lassen, sondern sie sogar zu genießen. Ramsey ist dann auch sehr umsorgend und trotz seines Äußeren und seiner Kraft sehr liebevoll und sanft und zeigt Sara mehr und mehr, dass sie ihm vertrauen kann und er sie gegen alles und jeden beschützen würde. Seine Figur zeigt sehr überraschende Seiten und er macht genau wie Sara eine große Entwicklung durch.

Man bekommt dann auch hier nebenbei wieder neue Einblicke in diese von übernatürlichen Wesen bewohnte Welt und auch wenn sich (noch) alles rein auf Menschen und Gestaltwandler bezieht, kommen auch andere Wesen wieder am Rande vor und man darf hoffen auch von diesen noch mehr zu erfahren. Diesmal gibt es dann sehr interessante Einblicke in die Welt der Werwölfe, aber einiger anderer Arten und nebenbei entwickelt sich auch die Dating Agentur Midnight Liaisons und die Allianz für übersinnliche Wesen langsam weiter. Es bleibt damit noch viel Spielraum und Potential für etliche nachfolgende Romane und ich persönlich hoffe es werden noch etliche dieser Art von der Autorin folgen denn mich hat sie mit ihrer Fantasyreihe bislang mehr als begeistert.

Die Geschichte lässt sich flüssig lesen und ich habe auch diesen Band wieder geradezu verschlungen, weil die Handlung neben der unterhaltsamen Note auch sehr zu Herzen geht und es überdies natürlich auch so einige spannungsgeladene und heiße Momente zwischen den beiden Protagonisten gibt, wo Sara zeigt, dass sie durchaus nicht schüchtern oder verklemmt ist. Es gibt ein Wiedersehen mit bereits bekannten Figuren, aber auch vielen neuen Gesichtern, die Stoff für eine eigene Geschichte bieten. Das Ende schließt dann alles sehr harmonisch ab und zeigt noch einmal schön auf wie sehr sich die Figuren entwickelt haben.

Fazit: Eine wirklich tolle Fortsetzung, die genauso begeistern kann wie Band 1 und darüber hinaus neben der Unterhaltung und den sinnlichen Seiten eine sehr berührende Geschichte präsentiert. Sara und Ramsey sind hier ein sehr süßes, wenn auch auf den ersten Blick recht ungleiches Pärchen, das einige Hürden zu stemmen hat. Obwohl alles nur Show ist, wird  schon beim ersten Kuss klar ist, dass da eine gewisse Spannung zwischen ihnen besteht. Die Geschichte bietet einen schönen Mix aus Fantasy, Unterhaltung, Erotik und gefühlvoller Liebesgeschichte. Ich kann die Fortsetzung dieser Reihe kaum erwarten!

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Perfect Touch - Vereinigt

Jessica Clare , Kerstin Fricke
Flexibler Einband: 364 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 21.12.2017
ISBN 9783404176175
Genre: Erotische Literatur

Rezension:  
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10 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

bella moy, red westwood, cleo morey, brighton, hobbyzauberer

Dich will ich töten

Peter James , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 26.10.2017
ISBN 9783596036530
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Achtung, kann Spoiler enthalten!

Red Westwood, die über eine Kontaktanzeige im Internet den charismatischen Bryce Laurent kennenlernt, scheint mit ihm das große Los gezogen zu haben. Allerdings lernt sie, je intensiver ihre Beziehung wird, auch seine dunkle Seite kennen und erfährt, dass er sie von Anfang an belogen hat. Rund ein Jahr nach der Trennung versucht sie ihr Leben wieder aufzunehmen und hat sogar das Glück einen netten und fürsorglichen Mann kennenzulernen, doch Bryce ist noch lange nicht fertig mit ihr und will seine rote Königin um jeden Preis dafür bestrafen, dass sie ihn verlassen hat. Ob Detective Superintent Roy Grace dies verhindern kann?

Dieser Roman ist bereits der 10 Band rund um Roy Grace und sein Team und einmal mehr punktet er durch eine tolle Mischung aus Emotion, Spannung und der privaten Note rund um Roy und sein Team.

Die Handlung beginnt eher ruhig, aber dennoch bekommt man schnell eine Ahnung davon wie gefährlich Bryce ist und wie schwer es für Red ist von diesem loszukommen. Die Angst vor ihm ist immer präsent und sie ahnt noch nicht einmal wie nahe er ihr wirklich ist. Zu Beginn dominiert hier rein die Geschichte von Red und Bryce und man bekommt einen genauen Einblick in beide Charaktere. Roy Grace und sein Team kommen erst nach und nach dazu, aber ab einem gewissen Punkt gibt es dann auch kein Halten mehr und man wird man regelrecht überfahren mit den Dingen die hier noch auf einen zukommen.

Was für den treuen Leser dieser Reihe natürlich einmal mehr spannend ist, ist die Nebenhandlung rund um Roys verschwundene und mittlerweile für tot erklärte Frau Sandy. Einmal mehr ist sie ihm näher als gedacht, während Roy sein neues Glück kaum fassen kann und kurz davor ist zu erneut zu heiraten. Als Leser hält man den Atem an, da man gespannt ist was passiert und wann die Wahrheit über Sandy endlich ans Licht kommt. Es sind zwar immer nur kleine Häppchen, doch die Kreise ziehen sich immer enger und es ist nur noch eine Frage der Zeit wann der Autor uns endlich in dieser Hinsicht erlösen wird.

Es wird dann gerade im letzten Drittel sehr emotional in Bezug auf Ereignisse, die Roys Team betreffen und den Leser vollends überraschen. Dazu nimmt die Geschichte rund um Red und Bryce immer mehr Fahrt auf und zeigt sehr eindrucksvoll wie sich Liebe in einen wahren Alptraum verwandeln kann.

Gegen Ende kann man das Buch dann auch gar nicht mehr aus der Hand legen und man verfolgt gebannt die Geschehnisse, besonders als Opfer und Stalker erneut aufeinander treffen. Der Schluss ist dann einmal mehr sehr intensiv und zugleich auch wieder richtig gemein, da man am liebsten gleich weiterlesen würde um zu erfahren wie es in der Geschichte rund um Sandy weitergeht, die hier wirklich mit einem wahren Cliffhanger aufhört.

Ein spannender Fall von Stalking, aber ebenso bekommt die persönliche Ebene in Bezug auf die Ermittler einiges an Raum in dieser Geschichte, was vielleicht für Quereinsteiger dieser Reihe nicht so interessant ist wie für langjährige Leser und man es eher störend bzw. als zu viel des Guten empfindet, da man keinen Bezug zu den Figuren hat.

Fazit: Wie immer absolut lesenswert, selbst wenn ich wieder einmal die Bezeichnung Thriller nicht unbedingt teile, sondern es weiterhin als tolle und solide Krimireihe sehe. Eine spannende Geschichte rund um einen Stalker und sein Opfer, aber auch große Emotionen in Hinsicht auf unser Ermittlerteam. Zusätzlich sorgt einmal mehr der Handlungsstrang rund um Roys verschwundene Frau Sandy, sowie sein privates Glück für weitere spannende Momente und lässt den Leser einmal mehr ungeduldig auf den weiteren Verlauf in dieser Geschichte warten. Die Handlung verläuft zu Beginn recht ruhig und konzentriert sich fast ausschließlich auf Red und Bryce. Dies ändert sich dann aber im weiteren Verlauf und die Handlung glänzt einmal mehr durch Spannung und überraschende Ereignisse, die den Leser mitreißen und gebannt weiterlesen lassen, bis zum furiosen Finale, auch wenn das Ende einen in Hinblick auf Sandy erneut ungeduldig zurücklässt. Diese Reihe punktet einmal mehr durch einen spannenden Fall und grandiose Akteure, aber auch durch die persönlichen Aspekte rund um die Ermittler, da man besonders als langjähriger Leser dieser Reihe großen Anteil am Leben der Figuren nimmt.

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

paris, intrigen, unschuld, briefe, rache

Schlimme Liebschaften: Roman (Fischer Klassik Plus)

Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos
E-Buch Text: 464 Seiten
Erschienen bei null, 25.11.2011
ISBN 9783104019789
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dieser nur aus Briefen bestehende Roman präsentiert dem Leser ein eindringliches Sittengemälde des 18. Jhd. und stellt die Marquise von Merteuil und dem Vicomte von Valmont sowie ihr schändliches und zugleich hochintelligentes Treiben in den Mittelpunkt. Während die Marquise Rache an einem ehemaligen Liebhaber nehmen will und sich deshalb daran macht seine zukünftige Frau, die unschuldige 15jährige Cécile Volanges, die gerade erst frisch aus der Klosterschule kommt, zu verderben, nimmt der Vicomte gerade sehr viele Mühen auf sich, um die tugendhafte und verheiratete Präsidentin von Tourvel zu verführen und sie in Liebe zu ihm brennen zu sehen. Ein Spiel voller Manipulation, Täuschung und Verführung, bei dem es zu einem Wettkampf zwischen dem Vicomte und der Marquise kommt, wer denn nun der geschicktere Taktierer ist und die ausgefeiltere Technik hat hier andere blind vor Liebe und Begehren ins Unglück zu stürzen, ohne selbst Schaden dadurch zu nehmen.

Dieser Briefroman ist aufgrund der Art und Weise wie er diese Geschichte erzählt und dabei zugleich einen sehr pikanten Einblick in die damalige Gesellschaft wirft, definitiv etwas das seinesgleichen sucht. Es verwundert deshalb nicht, dass dieses Buch damals für einen regelrechten Skandal gesorgt hat, denn niemand bekommt gerne einen Spiegel vorgehalten. Zusätzlich zeigt er gekonnt auf wie gefährlich ein allzu offenherziger Brief in den falschen Händen sein kann und wie angreifbar man sich damit macht.

Bei den Briefen ist man anfänglich sehr amüsiert, wie gestelzt hier miteinander geredet wird, was damals aber gang und gebe war und auch welche Spitzen hier gekonnt zwischen den Zeilen ausgeteilt werden. Gerade aber diese oftmals so ausführliche Art sich auszudrücken macht es einem im weiteren Verlauf dann aber auch immer schwerer davon nicht genervt zu sein. Die Briefe sind großteils so voller Süßholzgerapsel, bis es einem schon aus den Ohren herauskommt, teilweise dann je nach Figur auch sehr weinerlich und schmachtend. Durch die oftmals recht langen Sätze, den ausschweifigen Umschreibungen und darin enthaltenen Doppeldeutigkeiten, braucht man daher einiges an Konzentration, denn was nach einer Zeit für den Leser nur noch nach belanglosem Blabla klingt, ist dennoch wichtig um die feinen Nuancen der Geschichte und auch so manche Schamlosigkeit die in den Briefen darauf folgt richtig zu verstehen. Dennoch ist es gut gelungen aufzuzeigen was und wie ein Brief etwas ausdrücken kann und auch wie die Person dadruch auf den Leser wirkt. Hier wird umgarnt und getäuscht und da es darum geht echte Gefühle  zu erzeugen bzw. jemanden zu verderben, dauert das auch alles seine Zeit.

Im weiteren Verlauf ist man dann auch immer angewiderter vom Verhalten der Marquise und des Vicomtes und will ihre so naiven Opfer, die teilweise sehr einfältig und wider besseren Wissens handeln, am liebsten schütteln, wobei diese ja keine Ahnung davon haben in was für einem ausgelegten Netz sie sich befinden und sich zwei Personen gegenübersehen die das Spiel der Verführung meisterhaft beherrschen und es verstehen sich in ein rechtes Licht zu rücken. Für beide ist die Liebe ein Spiel und sie sind sehr geschickt und gerissen darin andere dahin zu treiben wo sie sie hin wollen, wie zwei Jäger auf der Jagd.

Die Freundschaft zwischen der Maruqise und dem Vicomte ist wohl eine der eigenwilligsten und komplexesten Beziehungen überhaupt. Jeder fühlt sich dem anderen überlegen und prahlt mit seinen Siegen, sie kokettieren und intrigieren miteinander und tauschen Boshaftigkeiten aus. Während der Vicomte auch ihre intime Beziehung wieder aufleben lassen will und beide durchaus Zeichen von Eifersucht zeigen, scheinen sie sich hier aber immer weiter voneinander zu entfernen.

Das Ganze erinnert hier an ein hochkomplexes Schachspiel. Die Frage ist nur wer dieses Spiel der Begierden letztendlich gewinnen wird. Wer taktiert am geschicktesten und wer tappt eventuell sogar in seine eigene Falle? Einerseits muss man dem Vicomte und der Marquise in ihrer Anpassungsfähigkeit sowie ihren klugen Schachzügen durchaus Respekt einräumen, besonders der Marquise als Frau, die dieses Spiel perfekt zu beherrschen scheint, zu einer Zeit wo es nicht viel braucht um den Ruf einer Frau unwiederbringlich zu zerstören. Dennoch ist es mehr als verwerflich wie sich beide Vertrauen und Gefühle erschleichen und andere schamlos ausnutzen. Als Leser hofft man daher, dass sie am Ende die Rechnung dafür präsentiert bekommen.

Fazit: Eine Geschichte voller Heuchelei und dem falschen Spiel zweier Personen, sowie vielen emotionalen Verwicklungen. Hier trifft Tugend und kindliche Unschuld auf Begierde und kaltes Kalkül. Ein Drama in Briefform, voller Manipulation, falschen Schmeicheleien und Liebesschwüren, sowie Figuren, die es einem immer weniger leicht machen sie zu verstehen und Mitleid oder Nachsehen mit ihnen zu haben. Dazu kommt noch die Rache einer in ihrer Eitelkeit verletzten Frau, der Kampf gegen die eigenen Emotionen, die Kunst der Verführung, wie hier bei Frauen und Männern mit zweierlei Maß gemessen wird und der Geschlechterkampf zwischen der Marquise und dem Vicomte. Obwohl es immer mühsamer wird der anfänglich recht amüsanten Handlung zu folgen, da es nur langsam vorangeht und immer schamloser und widerwärtiger wird, sowie anstrengend aufgrund der schwülstigen Sprache und dem zwischen den Zeilen lesen, ist man dennoch gespannt wie es endet. Der Abschluss ist teilweise auch recht dramatisch, aber durchaus passend, wenngleich es Ansichtssache ist wer hier der wahre Gewinner ist. Leider passiert aber alles gegen Ende recht schnell und es gibt ein paar Lücken, weshalb es ein wenig so wirkt, als wollte der Autor jetzt nur noch schnell alles beenden. Ein außergewöhnlicher Roman, mit einer Handlung die dem Leser einiges abverlangt, aber ein sehr anschauliches Sittengemälde des 18. Jahrhunderts darstellt, wo es für alles eine Verhaltensregel gab und die strengen Sittenwächter über deren Einhaltung wachten, während sich dennoch viele in fremden Betten wälzten.

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591 Bibliotheken, 35 Leser, 1 Gruppe, 77 Rezensionen

pferde, liebe, familie, frankreich, jojo moyes

Im Schatten das Licht

Jojo Moyes , Silke Jellinghaus
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 27.01.2017
ISBN 9783499267352
Genre: Romane

Rezension:

Für die 14jährige Sarah gibt es in ihrem bescheidenen Leben nicht viel, nur ihren geliebten Großvater Henri und ihr Pferd Boo. Einst angesehenes Mitglied des Cadre Noir in Frankreich trainiert Henri seine Enkelin in dieser speziellen Kunst des Dressurreitens um ihr eine besser Zukunft zu ermöglichen. Als dieser jedoch plötzlich einen Schlaganfall erleidet ist Sara völlig auf sich allein gestellt, bis sie auf die Anwältin Natasha trifft, die sie notgedrungen unter ihre Fittiche nimmt. Natasha steckt gerade mitten in der Scheidung von ihrem Mann Mac und muss sich bis zum Verkauf des gemeinsamen Hauses mit ihm arrangieren und nun kommt neben anderen Krisen auch noch ein Teenager dazu, der alles noch etwas komplizierter macht. Die ganze Situation ist mehr als angespannt, auch weil Sara es ihnen nicht gerade leicht macht sie zu verstehen. Erst als Sara keinen Ausweg mehr sieht und spurlos verschwindet raufen sich auch Mac und Natascha endlich zusammen.

Die Geschichte ist eine Mischung aus Familiendrama und der ganz besonderen Beziehung zwischen einem Mädchen und seinem Pferd, wobei man als Leser unglaublich gebannt ist, wenn hier die Eleganz und die Kraft dieses Tieres und das Glücksgefühl des Reiters auf seinem Rücken, sowie die Anspannung und Konzentration bei den Übungen geschildert wird. Dazu gibt es am Anfang jedes Kapitels Zitate aus dem Buch „Über die Reitkunst“ von Xenophon, das für Sarah und ihren Großvater quasi die Bibel ist.

Einmal mehr sind die Charaktere sehr einfühlsam dargestellt, die hier nach und nach immer mehr von sich offenbaren und trotz ihrer nicht gerade einfachen Art für Mitgefühl beim Leser in ihrer jeweilige Situation sorgen, denn gerade diese Ecken und Kanten lassen sie authentisch wirken. Jeder von ihnen hat sein Päckchen an Angst, Wut, Trauer und verletzten Gefühlen zu tragen, wie es eben auch im wahren Leben nun mal so ist. Großteils wirken die Charaktere unnahbar und sogar unverständlich in ihrem Verhalten, aber dies auch nur weil sie sich schützen wollen und überfordert von der ganzen Situation sind, weshalb gerade die Szenen wo sie ihre Gefühle rauslassen wohl die emotionalsten sind. Generell hat es mich anfänglich weniger emotional berührt als erwartet, aber je mehr man Einblick in die Gedankengänge der Personen bekommt umso näher kommt man ihnen und es ergibt alles ein sehr komplexes Gesamtbild der gegenwärtigen Situation und der jeweiligen Lage jedes einzelnen von ihnen.

Was allerdings gleich zu Beginn sehr berührt ist Sarahs besondere Beziehung zu ihrem Großvater Henri, den sie einfach nur Papa nennt und auch seine eigene Geschichte, die hier zu Beginn einen Einblick in die Welt des Cadre Noir gibt. Trotz der heruntergekommenen Gegend und ärmlichen Verhältnisse in der Sarah und ihr Großvater leben, haben sie einander und sind besonders durch ihre Liebe zu Pferden miteinander verbunden. Man kann daher als Leser nur zu gut Sarahs Verzweiflung nachempfinden als sie nun ganz allein mit allem zurechtkommen muss. 

Mac und Natasha, sind hier ein kurz vor der Scheidung stehendes Pärchen, das sich längst ein Leben ohne den jeweils anderen eingerichtet hat, aber dennoch immer noch wehmütig an die früheren Zeiten denken und daran wie sie sich voneinander entfernt haben und es zum endgültigen Bruch kam. Es scheint sie viel zu trennen und vieles steht noch offen im Raum zwischen ihnen, dabei ist es sehr interessant zu sehen wie es in beiden tief im Inneren aussieht und auch wie sie sich gegenseitig wahrnehmen, besonders Natashas Sichtweise auf sich selbst, sagt viel über sie aus. Nun müssen sie quasi für einen gewissen Zeitraum eine Familie sein für ein Mädchen, das es ihnen alles andere als leicht macht und zusätzlich für Reibereien zwischen ihnen sorgt. 

Fazit: Eine schöne und feinfühlige Geschichte, die zwar mit etlichen Dramen angehaucht ist und sehr ruhig dahintreibt, aber dennoch den Leser in seinen Bann zu ziehen vermag. Obwohl das Ende dann doch sehr rosa und kitschig ausfällt, will man als Leser aber auch eigentlich nichts anderes als ein Happy End nach all dem auf und ab der Gefühle. Generell kam bei mir anfänglich doch wenig Emotion beim lesen des Buches auf, was zum Teil auch an den nicht gerade immer einfachen Figuren lag, von daher war ich umso überraschter wie gerührt ich am Ende war und die Geschichte einfach abschließend einfach nur wunderschön fand. Natürlich wirkt vielleicht manches etwas übertrieben, aber dennoch ist es eine sehr liebevolle Geschichte, die ohne viel Aufwand für sich spricht und aufzeigt was es heißt eine Familie zu sein. Eine Geschichte über die Liebe und Verbundenheit zu Pferden, Schicksalsschlägen, Familie und zweiten Chancen. Nichts spektakuläres, aber dafür sehr einfühlsam und zu Herzen gehend.

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78 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

For 100 Nights - Obsession

Lara Adrian , Firouzeh Akhavan-Zandjani
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei LYX, 25.08.2017
ISBN 9783736303362
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Achtung kann Spoiler enthalten, da der 2. Band einer Trilogie!


Nachdem Band 1 damit geendet hat, dass Averys Lüge über ihr Leben aufgeflogen ist und der Milliardär Nick dafür 100 Nächte voller Hingabe zu seinen Bedingungen verlangte, erlebt Avery ein leidenschaftliches Märchen voller lustvoller Höhepunkte. Nick weiß jedoch längst noch nicht all ihre Geheimnisse und ihre Vergangenheit droht erneut alles zu zerstören. Während Avery hin- und hergerissen ist wegen ihrer Gefühle für Nick und der Angst ihn zu verlieren, scheint auch Nick etliches zu verbergen und wenig Lust zu haben Avery seinerseits völlig offen und ehrlich zu sein.


Wie bereits nach den vielen aneinandergereihten Sexszenen in Band 1, verläuft Band 2 genauso bzw. bietet sogar noch weniger echte Handlung. Diese Handlung ist dann weder wirklich unterhaltsam noch gänzlich neu und kann erst am Ende mit einem wahren Karacho in der Handlung etwas punkten.

Zwar liest sich das Ganze recht schnell, unter anderem aber auch weil man immer mehr in Versuchung gerät bei den erotischen Szenen einfach vieles nur noch überfliegen und man ein wenig gelangweilt ist, weil ansonsten wenig passiert.

Avery, die in Nick verliebt und seinen Schlafzimmerkünsten völlig verfallen ist, zeigt wenig echte Entwicklung und vieles scheint einfach eine Wiederholung aus Band 1 zu sein. Hingegen ist Nick immer noch sehr undurchsichtig und spricht nicht von einer gemeinsamen Zukunft oder Liebe, also auch nichts wirklich Neues. Es ist dann auch so, dass Avery zwar versucht sich durch ihre Kunst ein wenig Freiraum und eigenes Leben zu schaffen, aber dies dann auch sehr halbherzig wirkt, da sie das Prinzessinnenleben an Nicks Seite auch sehr genießt und nicht wirklich nach einem neuen Job oder einer eigenen Wohnung sucht. Was Nick von ihr fordert, bekommt er also auch so gut wie immer, weshalb auch ein wenig der Pfeffer in dieser Geschichte fehlt, genauso wie leichter Humor oder wirkliche Empathie für die Charaktere, die einen zwar teilweise natürlich mit ihrer Geschichte berühren, aber man bekommt einfach keinen richtigen Draht zu ihnen. Zwar erfährt man hier endlich ein wenig mehr über Nicks Hintergrund, aber vieles liegt dennoch noch im Dunkeln und obwohl man eine etwas andere Seite an ihm kennenlernt, fällt es einem dennoch schwer ihn in vielerlei Hinsicht zu verstehen.

Das Problem bei Avery und Nick ist hier für mich, dass sie für mich einfach kein Paar sind bei dem ich jetzt wirklich mitfiebere, weil ich sie einfach nicht richtig ins Herz geschlossen habe. Was ich aber wieder sehr gelungen fand, ist wie die Kunst hier hineinspielt und wie beide dadurch verbunden sind, aber auch wie Avery sich als Künstlerin entwickelt. Definitiv ein Teil der Handlung den ich wirklich sehr schön finde.

Fazit: Bereits Band 1 konnte mich leider nicht so wirklich für sich einnehmen, aber dieser 2. Teil ist dann sogar noch um einiges ermüdender. Viel Sex, wenig echte Handlung und was hier als echte Handlung zählt, ist zu großen Teilen quasi ein alter Hut, wie man es schon aus vielen anderen Büchern kennt. Es schwächelt aber auch an den Figuren. Avery ist hier teilweise schon nervig und recht inkonsequent, während Nick weiterhin den sexy und fordernden Milliardär gibt, der wenig von sich preisgibt. Es gibt wenig wirklich Überraschendes und auch in Hinblick auf echte Emotionen kann das Buch nur teilweise überzeugen. Großteils geht es einfach um zwei scheinbar allzeit geile Hauptfiguren die übereinander herfallen, gespickt mit dramatischen Erlebnissen in der Vergangenheit und Geheimniskrämerei. Letztendlich ist dieses Buch nichts besonderes, sondern sogar recht fade, da es keine großartigen Highlights bietet. Einzig das Ende ist nicht schlecht und macht Hoffnung, dass der letzte Band vielleicht wieder etwas besser ist. Obwohl ich Lara Adrians Midnight Breed Reihe wirklich liebe, kann sie mich mit dieser Reihe leider so gar nicht überzeugen.

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

erotik, gestaltswandler, gestaltenwandler, liebesroman, single

Midnight Liaisons - Zur Gefährtin erwählt

Jessica Clare , Jessica Sims
E-Buch Text: 303 Seiten
Erschienen bei beHEARTBEAT by Bastei Entertainment, 01.10.2017
ISBN 9783732545674
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Bathsheba Ward arbeitet gemeinsam mit ihrer Schwester Sara in der Datingagentur Midnight Liaisons für Kundschaft der übernatürlichen Art. Als bei einem VIP-Kunden ein geplantes Date platzt, bleibt Bathsheba nichts anderes übrig als selbst einzuspringen, da sie keinen passenden Ersatz finden kann. Sie trifft auf den sexy Werpuma Beau Russell, der es ihr sehr schwer macht sich rein professionell zu verhalten und noch dazu ein sehr einflussreicher Mann ist, der es gewohnt ist zu bekommen was er will. Bathsheba hat allerdings ihre Gründe gegenüber Gesaltwandlern vorsichtig zu sein und ist mehr als überfordert, da sie sonst keine Dates hat. Als ihr Leben und das ihrer Schwester allerdings in Gefahr scheint, ist Beau scheinbar der einzige der ihr helfen kann und es scheint immer schwieriger zu werden Distanz zu wahren, wo Beau doch nichts unversucht lässt um sie zu verführen.

Die Autorin, welche bislang für ihre erotischen Buchreihen wie Perfect Passion oder Perfect Touch bekannt ist, versucht sich erstmals im Fantasy Genre und hat mich damit wirklich positiv überrascht. Trotz einiger Elemente, die man bereits von anderen Büchern kennt und der Vorhersehbarkeit einiger Dinge, kann die Handlung dennoch punkten und unterhält einen als Leser gekonnt von Anfang bis Ende, da alles sehr schön dargestellt wird und die Chemie zwischen den Hauptfiguren einfach stimmt.

Die ganze Geschichte wird aus Sicht von Bathsheba erzählt und man erhält deshalb auch einen sehr guten Einblick in ihre Figur und erlebt mit wie scheinbar ihre ganze Welt aus den Fugen gerät als Beau in ihr Leben tritt und auch andere Ereignisse wie ein Wirbelsturm einzug in ihr Leben halten, worüber sie zusehends die Kontrolle zu verlieren scheint. Teilweise wäre auch die Sichtweise von Beau sehr interessant gewesen, aber man bekommt dennoch ein gutes Bild von ihm vermittelt. Er verköpert sehr schön die wilde Katze und zugleich den unwiderstehlichen Mann, der hier charmant, spielerisch, aber auch dominant und stark sein kann, besonders wenn man ihm sein Eigentum wegnehmen will.

Bathsheba ist jemand der alles für diejenigen tut, die ihr am Herzen liegen und da sie nur noch ihre jüngere Schwester hat, für die sie sich verantwortlich fühlt, hat sie vieles aufgegeben um für sie da zu sein und sie zu beschützen, als ein Zwischenfall vor 6 Jahren ihrer beider Leben von Grund auf verändert hat. Ihr Leben ist von Angst geprägt und besonders Bathsheba scheint von dieser Last aufgrund der Ereignisse immer gestresster zu werden und droht unter der Verantwortung zusammen zu brechen, besonders als der Werpuma Beau einfach nicht locker lassen will und sich in ihr Leben drängt. Sie ist sexuell unerfahren und unsicher, zugleich aber auch stark und durchaus in der Lage zu sagen was sie will.
Beau wiederum ist jemand der vor Selbstbewusstsein nur so strotzt, besonders da er Anführer des Russells-Clans und der übernatürlichen Allianz ist, genau weiß welche Wirkung er auf Frauen hat. Da er es nicht gewohnt ist, dass man ihm widerspricht und widersetzt strahlt Bathsheba von Anfang an eine Faszination für ihn aus, auch wenn es eigentlich nicht gerne gesehen wird, dass übernatürliche Wesen mit Menschen anbandeln. Er ist die starke Schulter zum anlehnen, zeigt auch seine gefühlvolle Seite und weiß sehr genau was er will und reagiert auch sehr dominant in Bezug auf Bathsheba, die er um jeden Preis beschützen will als sie in Gefahr gerät.

Zwischen beiden fliegen die Funken und es gibt sehr unterhaltsame Wortgefechte, welche den Leser wundervoll unterhalten. Beau ist eine Naturgewalt, aber Bathsheba kann ebenso ziemlich stur sein und ist daher nicht zu unterschätzen.

Die Geschichte ist kurzweilig und neben Romanze zwischen Bathsheba und Beau mit einer wirklich spannenden Rahmenhandlung versehen, sowie interessanten Figuren. Man ist neugierig auf diese Welt voller Gestaltwandler, Vampire, Feen usw. welche hier noch recht simpel dargestellt wird, aber sehr viel Potential bietet. Die Geschichte von Beau und Bathsheba findet hier ein schönes und zu ihnen passendes Ende, während die Nebenhandlung rund um ihre Schwester Sara hier schon neugierig auf Band zwei macht, wo sie in den Fokus rückt und der Schluss quasi schon auf ihre Geschichte überleitet.

Fazit: Ein sehr gelungener Auftakt zu dieser Reihe, die ein gekonnter Mix aus Fantasy, Romance, Spannung und prickelnder Unterhaltung ist. Eine kurzweilige Handlung, die einen in seinen Bann zieht und neugierig auf Band 2 macht, da das Ende schon gekonnt auf die Geschichte von Bathshebas Schwester überleitet und mit einem fiesen kleinen Cliffhanger endet. Ein Buch, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen konnte bis ich es fertig hatte und viel Potential für weitere Fortsetzungen bietet, wo man noch so einiges ausbauen und vertiefen könnte, da man bislang nur einen kleinen Einblick in diese Welt mit seinen übernatürlichen Bewohnern gewonnen hat. Definitiv zu empfehlen, da die Geschichte durch zwei sehr sympathische Hauptfiguren, die hier für prickelnde, gefühlvolle und unterhaltsame Momente sorgen, aber auch durch eine durchaus ansprechende und spannungsgeladene Handlung punkten kann.

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255 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 165 Rezensionen

thriller, familie, jenny milchman, night falls, mord

Night Falls. Du kannst dich nicht verstecken

Jenny Milchman , Marie Rahn
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.07.2016
ISBN 9783548287553
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sandra Tremont lebt mit ihrem Mann, ihrer 15jährigen Tochter Ivy und dem altersschwachen Hund Mac ein recht ruhiges und beschauliches Leben in ihrem abgelegenen Haus in den Bergen. Dies ändert sich grundlegend als eines Nachts die entflohenen Häftlinge Nick und Harlan in ihr Haus eindringen und sich Sandra mit ihrer Vergangenheit auseinander setzten muss die sie jahrelang erfolgreich verdrängt hat, denn Nick ist kein Unbekannter für sie.

Anders als erwartet ließ mich der Thriller leider recht kalt, auch wenn er flüssig zu lesen war und man durchaus interessiert das Geschehen verfolgt, weil man hofft, dass im weiteren Verlauf noch etwas wirklich aufregendes und unerwartetes passiert. Daher war es leider etwas enttäsuchend wie simpel der Verlauf der Handlung ist, die weder großartige Wendungen noch wirklich spannungesgeladene Szenen besitzt, sondern ruhig vor sich hinfließt und nach und nach eher eine verstörende Familiengeschichte offenbart.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven geschildert, wobei unter anderem auch der Hund zu Wort kommt, was dann doch etwas seltsam anmutet und jetzt auch nicht großartig etwas zur Geschichte beisteuert, außer den Lebensweg des Hundes. Die Handlung selbst spielt auf zwei Zeitebenen, nämlich in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Der Handlungsstrang in der Vergangenheit wird aus der Sicht von Nicks Mutter Barbara erzählt, bei der es einem teilweise dann wirklich eiskalt den Rücken hinunterläuft, wenn man hier ihre Gedanken und Handlungen mitverfolgt.

Die Figuren selbst sind jetzt allesamt nicht unbedingt sympathisch zu nennen, bzw. ließen sie mich leider recht kalt und zehrten sogar stellenweise etwas an den Nerven des Lesers. Generell haben wir hier eine typische Teenagertochter, die gerade voll in der Pubertät steckt, Sandy, die nicht ganz ehrlich mit sich selbst ist und viel auf ihre kleine heile Welt gibt, ihr Mann, der Adrenalinjunkie, der seine Familie nicht beschützen kann, Harlan, der einfältige Riese, der aufs Wort Befehle von Nick ausführt, Nick, der über Leichen geht und Barbara, für die Nick der Mittelpunkt ihres Lebens ist.

Es ist dann auch so, dass man recht früh erkennt was es mit der Verbindung zwischen Sandra und Nick auf sich hat und somit wenig echte Überraschung bietet. Hier überwiegt das Drama an Stelle der Spannung, auch wenn es durchaus nicht unblutig verläuft.

Das Ende bzw. der erwartete Showdown ist dann auch viel zu ruhig und unspektakulär und enttäuscht dann leider erneut, auch wenn der Abschluss an und für sich in Ordnung war, nur vielleicht etwas zu rosarot eingefärbt, auch wenn das Glück nicht gänzlich ungetrübt ist.

Fazit: Ein Thriller der sehr ruhig, um nicht zu sagen Großteils recht langweilig dahinfließt und für jemanden der gerne Thriller liest, leider so gut wie keine überraschenden Wendungen bietet und auch ansonsten wenig Spannung oder emotionale Highlights liefert. Die Figuren machen es einem zusätzlich schwer sich in die Geschichte fallen zu lassen, da hier wenig Sympathie für diese aufkommt und man sich etwas schwer tut sich in sie hineinzufühlen, weshalb man oftmals nur ein unbeteiligter Beobachter ist, auch wenn es durchaus Momente gibt die einen mitreißen, was dann aber leider nie allzu lange anhält. Alles in allem eine Geschichte die zwar durchaus gut, aber zu unspektakulär und fade für einen richtigen Thriller ist. Selbst der finale Showdown bietet leider wenig spektakuläres. Wirklich fesselnd und verstörend ist der Handlungsstrang mit der Sichtweise von Nicks Mutter, die einem hier wohl am meisten zusetzt und vieles in einem anderen Blickwinkel erscheinen lässt.

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malerei, gabriele münter, murnau, entartete kunst, expressionismus

Die Malerin

Mary Basson , Gabriele Weber-Jarić
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 04.12.2017
ISBN 9783746633381
Genre: Historische Romane

Rezension:

"Für sie war die Malerei ein Weg, Wörter hinter sich zu lassen und eine Welt zu betreten, in der es nur visuelle Eindrücke gab. Sie konnte ihre Werke weder erklären noch verteidigen; sie entstanden einfach aus ihr heraus."

Dies ist die Geschichte der Künstlerin Gabriele Münter, die einst die Schülerin von Wassily Kandinsky war und sich in diesen nicht gerade einfachen Mann verliebte. Diese Liebe hat ihr Leben geprägt und auch ihre Kunst. Wie so viele andere ist sie gefesselt von Kandinskys künsterlischen Visionen und der Art wie er sie wie kein anderer zu verstehen vermag, doch schon bald ziehen dunkle Wolken über ihrem vermeintlichen Liebesglück auf und es folgt ein auf und ab in ihrer Beziehung, bei der Ella oftmals das Nachsehen hat und auch von Wassily zu spüren bekommt, dass sie weit unter ihm mit ihrer Kunst steht. Wir erleben den Anfang und das Ende dieser Beziehung und auch ihr Leben danach, das lange Zeit von Depressionen geprägt ist, bis sie sich wieder fängt und das Kapitel Kandinsky so weit es ihr möglich ist loslässt, bis es darum geht die von ihr noch aufbewahrten Gemälde von ihm und anderen Künstlern vor den Händen der Nazis zu bewahren.


Anders als vermutet handelt es sich hier zwar um ein interessantes Proträt der Künstlerin Gabriele Münter, ist aber bei weitem nicht so spannend und außergewöhnlich wie vielleicht erwartet, sondern fließt großteils recht ruhig vor sich hin und wirkt oftmals auch leider etwas fade, da eigentlich recht wenig passiert.

Der Anfang, der den Beginn ihrer Liebe mit Professor K schildert und schildert wie sehr sie für die Kunst brennt ist sehr gelungen und zeigt auch im weiteren Verlauf der Handlung ein schönes Bild der Zeit, wo einem als Frau noch recht wenig Respekt als aufstrebender Künstlerin entgegengebracht wird und viele auf einen herabsahen, da das Ziel noch immer ist zu heiraten und Kinder zu kriegen. Ella selbst ist anders als andere Frauen und galt auch in ihrer Familie immer als Sonderling, da sie lieber für sich blieb und scheinbar nur die Welt der Malerei sie wirklich begeistern kann. Kandinsky scheint hier von diesen Vorurteilen frei zu sein und versteht Ella wie kein anderer.

"Wenn sie mit ihm zusammen war, überwand sie alle Grenzen. Von ihm fühlte sie sich verstanden. Er dachte wie sie, empfand wie sie."

Er inspiriert sie mit seinem Denken und seinen Ideen neue Wege in der Kunst zu gehen, die hier wie wahre Poesie erklingen. Im weiteren Verlauf wird klar, dass aber auch Kandinsky kein einfacher Mensch ist und ihre Beziehung in mehr als einer Hinsicht sehr kompliziert ist da Ella erst später erfährt, dass er bereits verheiratet ist. 

Besonders im weiteren Verlauf wird es für Ella immer schwieriger, nur seine Geliebte zu sein, denn der Platz als Ehefrau ist bereits vergeben und auch nach seiner Scheidung scheint er wenig Interesse daran zu haben sie endlich zu heiraten, während Ella sich danach sehnt Fr. Kandinsky zu sein und auch Kinder zu haben. Sie bleibt dennoch seine Gefährtin und Geliebte, auch wenn sie für einige damit nichts anderes als eine Hure ist. Dies überschattet im weiteren Verlauf die Beziehung und auch der Respekt gegenüber Ellas Kunst wird weniger, da Kandinsky als ihr ehemaliger Lehrer und auch als Mann, mit dem sie zusammen lebt, sich nicht in seinem Metier übertrumpfen lassen will und natürlich lieber für sich selbst Lob und Anerkennung einheimst, weshalb er ihre Malerei sogar vor anderen herabwürdigt. Trotzdem steht sie immer hinter ihm und verolgt seine künstlerische Entwicklung so fasziniert wie viele andere und versteht seine Bild wie niemand sonst.

Die Passagen über die Malerei ziehen den Leser hier wirklich in seinen Bann, wobei auch hier besonders Kandinskys Entwicklung wieder um einiges intensiver wirkt, da ja auch Ella immer wieder von seiner Kunst gebannt ist. Ella macht einiges durch, ist aber auch eine Person die trotz all des Leidens auch Dinge tut, die man als Leser nicht immer gutheißt. Es ist dann auch so, dass sie ihr künstlerisches Selbstbewusstsein und damit den Zugang zu ihrer eigenen Kunst aufgrund der veränderten Umstände immer mehr verliert. Es ist ein auf und ab für sie und wahrlich kein leichtes Leben, dennoch erscheint sie im Vergleich zu Kandinsky und anderen Figuren teilweise etwas blass und sie verkommt sogar in ihrer eigenen Geschichte oftmals ein wenig zur Randfigur, die nicht ohne starke Personen an ihrer Seite klarzukommen scheint.

Da im weiteren Verlauf der Geschichte etliche Zeitsprünge gemacht werden (die Geschichte spielt von 1902-1957) passiert vieles recht schnell und so einige Dinge werden leider nur recht oberflächlich gestreift, da sie nicht direkt zu Ellas Geschichte gehören, sondern zu Kandinskys. Es ist dann auch etwas schade, da einem gerade Kandinskys Sicht und weiterer Lebensweg sehr interessiert hätte und man hier nur noch in wenigen Sätzen etwas über ihn erfährt. Obwohl er eigentlich die Nebenrolle spielt und sehr unsympathisch rüberkommt, konnte mich gerade seine widersprüchliche Figur sehr fesseln.

Die vermeintlich so große Rolle von Ella, die hier die Gemälde vor den Nazis rettet ist bei weitem nicht so eindrucksvoll wie erwartet, da jemand anderer hier eigentlich den Stein ins Rollen bringt und man sich schon fragt ob es ohne diesen Mann an ihrer Seite wirklich so weit gekommen wäre, da sie lange Zeit doch recht blind gegenüber den Taten der Nazis ist und erst bei einer Ausstellung für "Entartete Kunst" sieht, was den ihr bekannten und geschätzen Künstlern und ihren jeweiligen Werken angetan wird.

Sehr schön sind hier die kurzen Zwischenkapitel genannt "Galerie" die Gemälde von Ella beschreiben und dessen Verfasser hier noch eine ganz besondere Rolle bekommt.

Generell war der Abschluss dann in Ordnung, aber irgendwie fehlte mir hier ein wenig das Nachwort oder zumindest ein paar kurze Eckdaten zu den wichtigsten Dingen, in Hinblick auf die Künstler und die Kunst wie zB der "Blaue Reiter", der weitere Lebensweg von Münter, die Gründung ihrer Stiftung usw.

Fazit: Eine recht unspektakuläre Geschichte, über das Leben der Gabriele Münter, die den Leser einerseits aufgrund ihrer vielen Enttäuschungen berührt, aber sie oftmals nicht so interessant wirken lässt wie andere Figuren in diesem Buch. Die damaligen Verhältnisse für eine Frau, die sich als Künstlerin einen Namen machen will, wird hier aber ebenso gut beschrieben wie ihre komplizierte Beziehung zu Kandinsky und was es heißt im Schatten eines berühmten Mannes zu stehen. Auch wie die Nazis im weiteren Verlauf gegen Künstler vorgehen und wie diese sich an die Zeit anpassen um nicht selbst ins Visier zu geraten wird sehr gut vermittelt. Die Geschichte gibt einen guten Einblick in die Welt der Kunst samt ihren Künstlern und wie sich diese immer wieder verändert. Trotz einiger Schwächen, die teils den Zeitsprüngen geschuldet sind, teils der recht einfachen Erzählung die auf vieles nicht näher eingeht, was nicht direkt mit Ella zu tun hat und einem Ende, das man gerne noch etwas mehr hätte abrunden können, wie etwa mit einem Nachwort, ist es eine durchaus interessante Geschichte über die Frau, die mit einiger Unterstützung viele wertvolle Gemälde von Kandinsky gerettet hat, auch wenn der Mann, dessen Werke sie für die Nachwelt bewahrte, einst zutiefst verletzt hat.

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