Birgit_Jaeckel

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Die Bibliothekare / Die maskierte Stadt

Genevieve Cogman , Dr. Arno Hoven
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 21.12.2017
ISBN 9783404208883
Genre: Fantasy

Rezension:

‚Die maskierte Stadt’ zementiert die Stärken und Schwächen des ersten Bands ‚Die Unsichtbare Bibliothek’ (siehe meine Rezension zu diesem Band). Leider spinnt Die maskierte Stadt dabei nicht die Geschichte des mächtigen Widersachers der Bibliothek, Alberich, fort und greift damit die vielversprechende Komplexität der wahren Interessen der Bibliothek auf, sondern sucht sich eine neue Schnitzeljagd. Damit mutet wie eine Fortsetzung einer Serie des letzten Jahrtausends an. Die Weiterentwicklung der Charaktere und ihrer Beziehungen bleibt aus. Wirkliche Nähe zu den Figuren konnte ich auch in diesem Band nicht aufbauen.


Vertraut für alle Scheibenwelt-Fans ist die Darstellung der Elfen und ihrer verführerischen Magie, ihres Dramas, das ständig nach Story-Archetypen sucht und danach strebt, narrativen Zauber zu weben. Leider fehlt den Werken Cogmans die Weisheit und grenzenlose Menschlichkeit von Terry Pratchett. Das liegt auch an der fehlenden Tiefe der Charaktere und deren Suchen, Entwicklungen und Motivationen. Was schade ist, denn die Konstellation der Figuren an sich, ihrer Hintergründe und persönlichen Geschichten würden viel Raum zu Konflikten, Komplexität und inneren Prozessen ermöglichen. Sie sind faszinierend angelegt, wirken aber oberflächlich umgesetzt.

 

Mehr noch als im ersten Teil gehen die langen Dialogsequenzen zu Lasten des Glaubens an den „Realismus“ der Action. Es wird viel gelabert (was natürlich auch den im wahrsten Sinne des Wortes dramatischen Charakteren der Elfen entspricht) und viel gerannt, im Notfall ploppt die rettende Hand aus dem Nichts auf. Die zweite mächtige Interessengruppe (die Herrscher von Venedig) mischen zwar mit, spielen aber eigentlich keine tiefere Rolle (wie schon die Bruderschaft im ersten Teil).  Ironischerweise erinnerte mich dieser Plot-Strang an eine der Figuren (Lord Guantes), dessen Charaktereigenschaft davon geprägt ist, dass er sich schnell von neuen Ideen ablenken lässt. Was wiederum an sich eine tolle Idee für eine spannende Figur ist, die Cogman jedoch nicht ausschöpft.

Genausowenig wie sie Lady Guantes zur vollen Entfaltung bringt: Vielversprechend, komplex, geheimnisvoll mit eigenem Handicap scheint die Lady die eigentliche Kraft hinter den antagonistischen Geschehnissen zu sein – um zwischendurch und am Ende kaum eine Rolle zu spielen. Ein Auftakt zu einem großen Comeback in einer späteren Fortsetzung? 


Das ist das Problem bei zu vielen mächtigen, parallel angelegten Antagonisten in einer Story: die Wirkung des einzelnen schwächt sich ab. (Hierzu habe ich in meinem Blog mehr geschrieben: https://birgitjaeckel.com/qualitaet-und-quantitaet-von-antagonisten/)

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87 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

bibliothek, fantasy, genevieve cogman, parallelwelten, magie

Die unsichtbare Bibliothek

Genevieve Cogman , Dr. Arno Hoven
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 21.07.2017
ISBN 9783404208708
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Unsichtbare Bibliothek mixt Fantasy und Thrillerelemente zu einem temporeichen, originellen Ritt durch ein alternatives viktorianisches London. Lesenswert, obwohl keine Nähe zu den Figuren entsteht.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der Bibliothekarin Irene, die von der geheimnisvollen Unsichtbaren Bibliothek auf eine Mission in das London einer alternativen Welt geschickt wird, um dort ein wertvolles Buch zu beschaffen. Doch auch andere sind hinter dem Buch her – darunter der Erzfeind der Unsichtbaren Bibliothek.

Die Story Welt der Unsichtbaren Bibliothek ist faszinierend und komplex: Bücher stehlende Agenten, alternative Welten, mit unterschiedlichen Graden an Technologie oder Magie, gleichzeitig bizarr und vertraut, bevölkert mit Kreaturen aus der Sagenwelt, geliebten Werken großer Märchenmeister und science-fiction-haften Techno-Monstern (beim Recherchieren auf Wikipedia habe ich gelernt, dass der Begriff hierzu Steampunk lautet).

 Die große Stärke dieser Fantasy ist die Originalität dieser Welt und das meist hohe Tempo der Handlung. Spannungsbogen, Cliffhanger und Twists haben mich an Dan Brown erinnert. Manchmal scheint sich die Autorin dabei in den eigenen Gedankengängen und der vielleicht sogar unnötig komplizierten Handlung zu verzetteln, manchmal führt sie ihre eigenen Regeln nicht konsequent zu Ende. Zum Beispiel bei der Regel, dass die Anwendung der Sprache (die Magie der Bibliothekare) gegen die Natur eines Objekts extrem viel Energie fordert, die jedoch nicht wirklich von der Hauptfigur „beglichen“ wird.

Am neugierigsten machte mich jedoch die zunehmend nagende Frage der eigentlichen Motivation der Führer der Unsichtbaren Bibliothek, einer Art Geheimgesellschaft, die angeblich aus Liebe zu Büchern agiert. Im ersten Teil der Serie wird diese starke Frage leider erst recht spät eingeführt. Irene weicht ihr aus, was großes Potential für die anderen Bände birgt. Diese fehlenden Zweifel an Irenes eigenem Handeln im Namen ihrer Auftraggeber mag allerdings mit dazu geführt haben, wieso ich kaum ein Gefühl für die Hauptfigur entwickelt habe.

 Es ist nicht so, dass Cogman per se uninteressante Charaktere geschaffen hat. Aber sie schafft es nicht, sie uns nahe zu bringen. Sie gibt ihnen keine Suche außer der äußeren, durch die Bibliothek ihnen erteilte Aufgabe. Cogman legt Irene Ängste und Abscheu in den Mund, aber im Handeln schlagen sich diese nicht nieder. Das ist eine Falle, wenn ein Autor Hauptfiguren als überbordend cool anlegt. Es ist schwer, mit jemanden zusammen Angst zu haben, der in jeder noch so fürchterlichen Lage gestochen cool daherredet (und nicht Bruce Willis heißt). Selbst Irenes Mitgefühl für andere Menschen bleibt auf dem Papier stehen. Cogman begründet zwar zumindest gegen Ende mit Irenes Leben als Agent, weshalb sie so darauf bedacht ist, distanziert und professionell zu wirken, aber falls sich da ein innerer Konflikt andeutet, bleibt er zu flach. Da ist es quasi schon ein Pluspunkt, dass es keine Romanze in dem Buch gibt.

 Was Alberich, den großen Antagonisten anbelangt, habe ich immer darauf gewartet, dass seine Figur eine weitere Dimension gewinnt, zwielichter, grauer. Auf jeden Fall ist ein Widersacher, der bei der Endschlacht große Reden schwingt und sich damit Zeit verspielt, enttäuschend unoriginell. Vielleicht bringen die folgenden Bände da mehr. Andeutungen gab es. Umgesetzt wurden sie nicht.

 Fazit: Etwas für Leser, die plot-getriebene Thriller lieben.

(PS: Ich habe diesen sprachlich nicht unambitionierten Roman auf Englisch gelesen.)

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324 Bibliotheken, 14 Leser, 0 Gruppen, 91 Rezensionen

roman, gail honeyman, freundschaft, ich eleanor oliphant, liebe

Ich, Eleanor Oliphant

Gail Honeyman , Alexandra Kranefeld
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 24.04.2017
ISBN 9783431039788
Genre: Romane

Rezension:

Eleanor Oliphant erzählt ihre Geschichte in der Ich-Form und in ihrer eigenen bemerkenswerten Stimme. Gail Honeyman braucht nur wenige Seiten, um ihre Hauptfigur und Erzählerin zu etablieren und uns, den Leser, in die einsame Tragik dieser von ihren Gefühlen und Sehnsüchten abgeschnittenen Protagonistin hineinzuziehen.

 

Ich, Eleanor Oliphant führt seine Figur liebevoll nach Jahren in Dunkelheit und den Mauern eines Gefängnisses, dessen Wände aus Schuld, Trauer, Trauma und Selbstschutz bestehen, zu einer lebensbejahenden Haltung. Der Konflikt entsteht aus den Gewohnheiten und Einstellungen der Hauptfigur, die – allem Selbstschutz als Zweck zum Trotz – selbstzerstörerisch sind. Eleanor hat keine Feinde im Außen, sondern das Monster, gegen das sie kämpfen muss, verbirgt sich in ihr selbst.

 

Jahrzehntelang hat Eleanor sich weggeduckt, sich von der Welt und ihren Gefühlen abgeschnitten. Sie hat die Einsamkeit umarmt. Bis zwei Ereignisse sie aufrütteln, und damit setzt der Roman ein:

1. Eleanor verknallt sich in den Sänger einer Band. Spätestens hier wissen wir: Eleanor Oliphant ist auf einer Suche. Schön klassisch gibt ihr Gail Honeyman dabei eine falsche Suche, einen falschen Wunsch, während wir als Leser die ganze Zeit wissen, dass es mit Johnnie dem Sänger nur schlimm enden kann.

 

2. Eleanor trifft Raymond. Diese Begegnung – der eigentliche anfängliche Wendepunkt – setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, die Eleanor zeigen, was Leben sein könnte und welche Möglichkeiten in ihr schlummern. Eleanor Oliphant ist eine Überlebende. Aber keine Lebende. Und so bekommt sie für ihre Heldenreise einen Mentor und Freund an die Seite gestellt: Raymond.

 

Eleanor muss sich ihrer Vergangenheit stellen. Welches Trauma hat sie durchlebt? Hier bewegen wir uns in einer emotionalen Detektiv-Story, die dem Leser keine Knalleffekte bietet, sondern einen ruhigen Strom aus Hinweisen, der ganz dem Charakter dieser unaufgeregten, logischen Hauptfigur entspricht.

 

Einsamkeit ist das zentrale Motiv dieses Romans. Mit dieser Kernidee hat sich Gail Honeyman ein Thema vorgenommen, das wenige Menschen kalt lässt. Es schreit nach Empathie, es berührt unsere Urängste. Aber Ich, Eleanor Oliphant ist ein lebensbejahender, Hoffnung gebender Roman. Platt gesagt (Eleanor Oliphant würde anders als ich hier ein viel besseres Wort finden): Es ist ein schöne Geschichte.

 

Sprachlich ist der Stil dieser Ich-Erzählerin einzigartig. Eleanor liebt Kreuzworträtsel und sie redet wie eines. Sie benutzt Worte und eine Grammatik, wie wir sie von einer siebzigjährigen Professorin erwarten würden, und zeigt allein durch ihre Ausdrucksweise, wie absurd anders sie ist, wie distanziert und weltfremd.  Doch die Sprache enthüllt ebenfalls, welch Humor, Intelligenz und Ironie in Eleanor schlummern. Die Art, wie sie die Welt kommentiert, lässt uns lachen, selbst wenn die dahinter steckende Einsamkeit unsäglich traurig ist.

 

Ich habe den Roman auf Englisch gelesen und hoffe, dass die deutsche Übersetzung die Sprache Eleanors, mit der sie uns ihre Geschichte erzählt, einfängt in all ihrem Witz, ihrer Wortgewandtheit, Distanz, Sehnsucht und Tragik. Denn ist die Sprache, die diesen Roman zu einem Meisterwerk macht.

 

Eleanor Oliphant ist kein Roman der bombastischen Wendepunkte und knalligen Konflikte. Am deutlichsten wird das gegen Ende, ab dem Wechsel vom zweiten zum dritten Akt.

Der große Knall bleibt aus – entgegen dem, was man als Leser vielleicht an Schlimmem bzw. an sensationellen Peinlichkeiten erwartet. Eleanor hat „bloß“ eine Erkenntnis, woraufhin sie handelt, wie wir es die ganze Zeit befürchtet haben. Der Tiefpunkt ist erreicht – und wird auf wenig überraschende Art überwunden.

 

Der letzte Akt setzt sich erstmals ohne großen End-Konflikt oder Überraschung fort. Wenn sich Eleanor endlich ihrer Vergangenheit stellt, strömen die Erkenntnisse sanft und schrittweise.

Erst auf den letzten Seiten überrascht Honeyman uns dann doch noch einmal, wenn wir es nicht schon geahnt haben. Unaufgeregt, konsequent enthüllt das Monster sein wahres Versteck. Aber da ist es schon besiegt.

 

Absolute Leseempfehlung für Happy-End freudige Leser, die berührt werden wollen und dafür gerne auf knallige Konflikte und Wendepunkte verzichten.

 

Ein wenig ausführlicher gehe ich auf manche Story-Prinzipien in dem Roman noch in meinem Blog ein, auf:

https://birgitjaeckel.com/eleanor-oliphant/

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1.007 Bibliotheken, 39 Leser, 1 Gruppe, 107 Rezensionen

stromausfall, thriller, europa, blackout, katastrophe

BLACKOUT - Morgen ist es zu spät

Marc Elsberg
Flexibler Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.06.2013
ISBN 9783442380299
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit dem Thriller #Blackout von Marc Elsberg rückt das Grauen bis in unsere Vorratsschränke. So entsteht Identifikationspotential auch unabhängig von einzelnen Figuren. Ständig ging ich  eine Liste im Kopf durch: mehr Wasser bunkern, Lebensmittel. Wie krieg ich mein eigenes Blockkraftwerk, Dieselgenerator, habe ich noch ein alte Telefon, etc ...?

Kleine Schwächen werden da zur Nebensache. Diese finden sich vor allen in den Dialogen, wenn der Autor zum Leser spricht und seine Worte einer Figur in den Mund legt, oder wenn Figuren uncharakteristisch (z.B. zu cool) und unrealistisch reden. Manche Action wirkt ebenfalls sehr unrealistisch, beispielsweise wenn zum xten Mal der BKAler übertölpelt wird, oder beim Showdown. Aber dieser Roman entfaltet seine Kraft auch nicht im Katz-und-Maus-Spiel Manzanos mit den Behörden, sondern auf der Plot-Ebene darüber: dem Grauen eines kontinentweiten Stromausfalls.

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35 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

fantasy, oliver plaschka, wechselbälger, magie, magi

Das Licht hinter den Wolken

Oliver Plaschka
Flexibler Einband: 687 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 19.03.2016
ISBN 9783608961386
Genre: Fantasy

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65 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

thriller, florida, mark billingham, mord, paare

Die Lügen der Anderen

Mark Billingham ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.02.2016
ISBN 9783453438330
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Fast hätte ich das Buch auf den ersten fünfzig Seiten  aus der Hand gelegt hätte. Zunächst gibt es keinen klassischen Protagonisten oder Helden, dessen Suche wir folgen und mit dem wir uns gerne identifizieren. Außerdem fiel es mir schwer, Mitgefühl mit irgendeiner der sechs zentralen Figuren aufzubringen, obwohl sie definitiv lebensecht geschrieben sind.

Doch Die Lügen der anderen fesselt über das Rätsel: „Wer war’s?“. Mark Billingham beweist: Wenn das Rätsel stark genug ist, die einzelnen Figuren funktionieren und die Geschichte nahe genug an unsere eigene Welt rückt, wird Sympathie zur Nebensache.

Dabei schafft Billingham einen genialen Identifikationspunkt für den Leser über die Ausgangslage und Umstände: Drei Pärchen lernen sich im Urlaub in Florida kennen und treffen sich zuhause wieder. Ein Thriller im alltäglichen Milieu, bei dem sich der Leser bange fragt: Das könnte uns auch passieren. Oder wissen wir denn jemals wirklich, welche dunklen Geheimnisse unsere Bekannten verbergen?

Der Autor macht es uns also leicht, uns selbst in der Geschichte zu sehen. Das Abgründige rückt nahe an uns heran. Wir identifizieren uns über die Situation, in der sich die Figuren befinden.

Billingham zeigt uns die Abgründe aller Gestalten ohne Rücksicht darauf, ob sie uns sympathisch sind oder nicht. Die Lektüre wird zu einem psychologischem Detektivspiel, das schaurigen Spaß macht. Der Autor gibt uns für jeden möglichen Täter oder Täterin eine Spur. Erst denken wir, klar, Barry. Dann, vielleicht doch Dave? Ganz sicher ein Mann. Oder doch nicht? Könnte Eifersucht das Motiv sein?

Auf jeden Fall ist das Motiv abgründig und im Schlimmsten des Menschen zu finden.

Ein bisschen ausführlicher habe ich das Buch in meinem Blog analysiert. https://birgitjaeckel.com/die-luegen-der-anderen/

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

fantasy, liga, haben, hoffentlic, freude

Ligas Welt

Margo Lanagan , Mayela Gerhardt , ,
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 30.01.2015
ISBN 9783499211669
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich habe Ligas Welt aus dem Jugendbuchregal in einer Buchhandlung gezogen. Ab 14 Jahre, so die Empfehlung. Eltern mit Jugendlichen, die nicht besonders reif oder etwas labiler sind, sollten sich das jedoch vorher überlegen. Denn das Buch – obwohl eine Adaption von Schneeweißchen und Rosenrot – ist alles andere als Kinderlektüre und zeigt einmal mehr, wie fordernd die Cross Over/All Age-Literatur sein kann. (Dazu habe ich hier einen Blog über Bücher von Suzanne Collins geschrieben: https://birgitjaeckel.com/suzanne-collins/)

Ligas Welt nimmt sich anspruchsvolle Themen vor: Wie gehen Menschen mit Schicksalsschlägen und Gewalt in ihrem Leben um? Da geht es um Dissoziation, um Missbrauch und Rache, um patriarchalische Strukturen, geprägt von sexueller Gewalt und Brauchtümer, die mit sexueller Lust spielen.

 

Dabei ist Ligas Welt alles andere als ein einheitlicher Roman. Er zeigt Brüche und enorme Kontraste: zum einen in der Sprache, die mal poetisch ist, mal vulgär, doch stets voller Bilder, die oft auch zu viel sind oder nicht dazu beitragen, besser zu verstehen, was passiert – das gilt vor allem für die Schilderungen magischer Begegnungen. Zum anderen ist da die Handlung, die teils von erschreckender Tiefenpsychologie ist, dann wieder märchenhaft flach vor sich hinplätschert oder uns ein wenig verständnislos lässt. Da las ich faszinierende, großartige Kapitel voller Schrecken, und dann kam wieder ein Kapitel, wo ich mich langweilte und nichts lernte und die Figuren seltsam platt blieben.

 

Über allem stehen jedoch die genialen Ideen hinter dieser Märchenadaption und die zahlreichen Momente, wo ich dachte: So etwas habe ich noch nie gelesen. Allein dafür lohnt sich die Lektüre.

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460 Bibliotheken, 12 Leser, 2 Gruppen, 78 Rezensionen

england, jeffrey archer, historischer roman, bristol, familiensaga

Spiel der Zeit

Jeffrey Archer , Martin Ruf
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.07.2015
ISBN 9783453471344
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die erste Hälfte des Romans über habe ich jedem von dem Buch vorgeschwärmt und schon überlegt, ob das vier oder fünf von fünf Sternen gibt. Nur zu gerne habe ich mich auf Archers ungewöhnlichen Erzählstil und Perspektivenansatz eingelassen, bei dem er sich zunächst einer Person widmet, um die Geschichte aus ihrer Perspektive zu erzählen, und dann einer anderen Figur, um uns deren Perspektive zu geben. Archers flotter Erzählstil, der sich weder mit langen Beschreibungen noch Innenschauen aufhält, begünstigt eine solche Erzählform, ohne dass man sich als Leser über Dopplungen oder Langatmigkeit langweilt. Ich fieberte gerne mit dem Jungen Harry mit, aber noch mehr mit seiner Mutter, welche die herausragende Figur in diesem Roman stellt und deren Drama sich auch ohne Gefühlsduseleien entftaltet.

 

Ein packender Plot über ein großes Familiengeheimnis und den Aufstieg eines armen Dockarbeitersohns mit einer Mutter, die alles für ihr Kind tun würde. Ein toller Roman - wäre da nicht das letzte Drittel.

 

Zunächst bricht Archer seine eigenen Erzählregeln. Zwar bleiben die Kapitel auf dem Papier einer Figur zugeordnet, aber der allwissende Erzähler springt nun fröhlich und recht oberflächlich von Kopf zu Kopf und schert sich dabei nicht mehr darum, uns die Figuren nahezubringen. Das geht insbesondere zu Lasten von Giles Barrington, was schade ist, denn hier bleiben viele Fragen unbeantwortet. Giles scheint von Anfang an eine dunklere Seite zu haben und ist damit komplexer als Mutters Lieblingsschwiegersohn und Protagonist Harry Clifton, der einfach nur in allen Belangen ein toller Junge ist. Auch die brave Emma bleibt blutleer, die Liebesgeschichte zwischen ihr und Harry erstaunlich emotionslos, aber mit Gefühlen hält sich Archer sowieso nicht lange auf. Leider auch nicht mit Motivationen, daher wirken die Handlungen der Figuren in der zweiten Hälfte erratisch, zum Teil gar „out of character“. Als Beispiel hierzu sei Old Jack Tar (kleiner Spoiler!) angeführt, der bis zum Altar wartet, bis er der versammelten Mannschaft das große Geheimnis – das aus nicht nachvollziehenden Gründen alle anderen Eingeweihten vor sich hinplätschern lassen –  enthüllt. Dabei hätte Jack jede Gelegenheit gehabt, die Wahrheit vorher anzusprechen. Ein so integrer Mensch wie Jack, der die Betroffenen liebt und problemlos Zugang zu ihnen hat, käme eigentlich nie auf die Idee, eine solche Bombe auf diese Art platzen zu lassen. Leider nicht die einzige Schwäche in Archers Charakter- und Handlungslogik. So sieht plotgetriebene Handlung aus, die sich um Tiefencharaktere, ihre Suchen, Bedürfnisse, Träume, Werte und tiefsten Motvationen nicht schert.

 

Auch später habe ich mich über viele Entscheidungen des Autors gewundert – v.a. welche Informationen er uns vorenthält. Der Beginn der Liebesgeschichte von Harry und Emma? Sie haben sich gesehen und fanden sich toll. Viel mehr erfahren wir nicht. Oder wie entkam Harry aus dem Maschinenraum des sinkenden Schiffs im Atlantik, welche Verletzungen hat er sich zugezogen? Und ist das realistisch?  

Vielversprechende Konflikte werden in ein paar Sätzen abgehandelt: z.B. als Harry endlich herausfindet, wo seine Mutter wirklich arbeitet. Großes Konfliktpotential, doch ein paar Seiten später genügen ein paar weise Worte von Harrys holder Emma, um den Konflikt zu begraben. Harry, Emma, Giles – sie werden zunehmend blasser. Deakins, ein weiterer Freund, spielt überhaupt keine Rolle mehr, ebensowenig wie das große Talent des Anfangs, das Harry überhaupt ermöglicht hat, in eine bessere Schule zu gehen: das Singen. Hauptsache die Handlung schreitet voran. Von Logik lässt sich der Autor da auch nicht stören, ein Schriftsteller der großen Züge. (Ganz interessant fand ich es da, Archers Biographie zu lesen, der übrigens mal Politiker war).

 

Fazit: Ein Familiendrama, das auf wahre und facettenreiche Charaktere, tiefes Gefühl und farbenprächtige Schilderungen verzichtet, aber dafür nie stehen bleibt.

 

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

Der dunkle Fluss

Chigozie Obioma , Nicolai von Schweder-Schreiner
Flexibler Einband: 313 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 05.12.2016
ISBN 9783746632421
Genre: Romane

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387 Bibliotheken, 24 Leser, 0 Gruppen, 117 Rezensionen

experiment, wissenschaft, roman, terranauten, usa

Die Terranauten

T. C. Boyle , Dirk van Gunsteren
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 09.01.2017
ISBN 9783446253865
Genre: Romane

Rezension:

Die Terranauten haben viel zu bieten an Wissenschaft, Fakten, Themen, Psychologie. Doch beim Lesen beschäftigte mich am meisten, wieviel Literatur uns über das Heute zu erzählen vermag. Insbesondere über die Welt des Verfassers.  In diesem Fall die USA, denn Boyles Figuren, die Welt der Terranauten samt allen Regeln, denen sie gehorcht – gesellschaftlichen, ökonomischen wie persönlichen – ist zutiefst amerikanisch.

Diese Fähigkeit, unserer heutigen Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, ist typisch für die Genres Science Fiction und Historisches – beides Genre, deren Elemente in den Terranauten stark vertreten sind (auch wenn die Literaturszene sich lieber auf die Einordnung in „Literary Fiction“beschränkt, was sicherlich mit Zielgruppenbefindlichkeiten bezüglich Genre-Fiction zu tun hat).

Ob Wissenschaft oder Religion, Feminismus oder Utopien, Umweltzerstörung oder menschliche Experimente – „Die Terranauten“ schenken auf jeden Fall viel Diskussionsstoff. Dabei verlangen sie vom Leser aber auch einen langen Atem, denn Boyle nimmt sich vor allem auf den ersten dreihundert Seiten Zeit. Dafür kennen wir die Charaktere - komplexe Archetypen - danach so gut, dass sie uns kaum noch überraschen können.

Fazit: geeignet für Leser, die interpersonelle Konflikte mögen und gerne über den Themenurwald eines Geduld erfordernden, doch meisterhaft konstruierten Romans nachgrübeln.

Wer es ausführlicher mag, kann meine Gedanken zu die Terranauten auf meinem Blog lesen: https://birgitjaeckel.com/die-terranauten/

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382 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 123 Rezensionen

schottland, pfau, banker, humor, teambuilding

Der Pfau

Isabel Bogdan
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783462048001
Genre: Romane

Rezension:

Eine Gruppe britischer Banker auf Teambuilding in einem alten Anwesen in Schottland im November. Ein aggressiver Pfau, eine nicht ganz so aggressive Gans und Hunde, die oftmals klüger sind als ihre Besitzer.

 

Aus dieser Gemengelage entwickelt Isabel Bogdan einen Roman der leisen Konflikte voller Herz, Liebe zum Menschen und wunderbar skurriler Momente und Einsichten über die Hürden und die Kraft wahrhaftiger Kommunikation.

 

Bogdan schafft  eine wunderbare Balance aus Intimität und Distanz bei einer sympathischen aber doch stets unterhaltsamen, ironischen Erzählerstimme mit eigener Persönlichkeit. 


Die Atmosphäre und der Stil des Romans entsteht aus seiner Liebe zu ausgewählten Details, allen voran das Essen, das ebenfalls eine große Rolle spielt – fast wie eine eigene Persönlichkeit. Überhaupt besitzt alles in diesem Roman Persönlichkeit: das Gebäude, die Tiere, das Land, selbst der Hot Tub.

Die Charaktere bilden das Herzstück des Romans.


Mein einziger Kritikpunkt ist, dass es mir zu Beginn etwas schwer fiel, die verschiedenen männlichen Banker auseinander zu halten, weil zwar jeder mit mindestens einer Eigenheit eingeführt wird, allerdings alle auf einmal. Diese kleine Hürde trübt den Spaß an diesem Buch und seinen vielfältigen Persönlichkeiten – menschlich, tierisch, gegenständlich ... – aber nur sehr kurz.

 

Fazit: Wer auf rasante Action und lauten Konflikt hofft, den mag dieser Roman leicht enttäuschen, der alle anderen jedoch bestens unterhält und dabei menschliche und tierische Wahrheiten enthüllt.


Ein bisschen ausführlicher findet ihr meine Rezension/Analyse hier: https://www.birgitjaeckel.com/der-pfau/

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45 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

liebe, zweite chance, glück, sammlung, doppelgänger

Das Bild aus meinem Traum

Antoine Laurain , Sina de Malafosse
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783455650457
Genre: Romane

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85 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

amsterdam, nella, puppenhaus, geheimnisse, jessie burton

Die Magie der kleinen Dinge

Jessie Burton , Karin Dufner
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.06.2016
ISBN 9783734103070
Genre: Romane

Rezension:

Die Magie der kleinen Dinge erzählt die Geschichte einer jungen Frau, Nella, die voller Hoffnung auf eine gute Ehe und eine romantische Liebe im Jahr 1686 nach Amsterdam kommt und schließlich mit einer ganz anderen Art von Liebe dasteht. Es ist ein Familiendrama mit Figuren, die sich nicht in die Welt des Amsterdamer Bürgertums, die Gesetze von Religion, Gulden und Handel, einfügen. Die Freiheit über das Private – wen man liebt – definieren würden, so sie denn könnten, und an dieser Unmöglichkeit wachsen oder auch nicht, Doppelleben führen und scheitern. Eine Welt, in der Verantwortung und gesellschaftliche Regeln die Begierden nicht unterdrücken können, so es denn versucht wird.

Die Sprache Jessie Burtons ließt sich flüssig und reich an Metaphern, die nur selten übertrieben oder gekünstelt wirken. Der Roman lebt stark von diesen bildhaften Beschreibungen, seiner Hingabe zu kleinen Dingen, die seine Originalität ausmacht. Was die Story selbst angeht, ist diese nicht üppig mit Wendepunkten und unvorhergesehenen Überraschungen ausstaffiert. Die Spannungskurve bleibt anfangs flach, später dann moderat. Johannes Handlungen schienen mir am Ende nicht völlig überzeugend, aber das mag daran liegen, dass der Erzählstil bei sämtlichen Figuren, sogar bei Nella, der Protagonistin, Distanz nährt und den Leser bis zum Ende im Zustand des Beobachters lässt.

Angenehm ist, dass Nella kein blasser „Gutmensch“ ist. Sie hat hässliche, kleinliche Gedanken, spricht diese manchmal auch aus. Doch der Raum für Identifikation, der dadurch geschaffen wird, übersetzt sich nicht in ein Gefühl wirklicher Nähe. Was die Geschichte angeht, treibt Nella  kaum die Handlung voran. Wie viel in diesem Drama wäre ohne sie anders gelaufen? Es scheint, als ob ihre Motivation eher von außen geformt wird als dass sie aus einer inneren Flamme heraus wächst. Wenn sie auf die Bühne tritt, ist alles schon in Bewegung und sie ist mehr Betroffene als Wegweiche.

 So detailliert und bildhaft die Sprache der Gefühle in diesem Roman ist, Mitleid blieb schwächer als die Neugierde, der Leser Beobachter, und das macht das Buch eher zu einer intellektuellen Übung denn zu einer zutiefst emotionalen. Ein Buch zum leisen Mitfiebern aber keines, bei dem ich Tränen vergoss.

(Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich 3,5 Sterne vergeben.)

Zum Genre: Ich habe den Roman in der Fantasyabteilung einer Buchhandlung gekauft. Die Einordnung erscheint mir ein wenig übertrieben, denn das magische Element ist recht dezent und steht deutlich zurück hinter dem historischen Moment eines Sittengemäldes des bigott-frömmelnden Amsterdams im 17. Jahrhundert – kritisch, manchmal gar versteckt boshaft. Soll heißen, dieses Familien- und Gesellschaftsdrama ist auch für Leser geeignet, die mit Fantasy sonst nicht viel am Hut haben, bei einer kleinen Übernatürlichkeit jedoch auch keinen Ausschlag bekommen.

Mehr: https://www.birgitjaeckel.com/category/was-ich-lese/

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2.198 Bibliotheken, 71 Leser, 8 Gruppen, 196 Rezensionen

london, magie, fantasy, krimi, geister

Die Flüsse von London

Ben Aaronovitch , Karlheinz Dürr
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.2012
ISBN 9783423213417
Genre: Fantasy

Rezension:

Eine der goldenen Regeln der Fantasy lautet: Schaffe Regeln für die Welt, die du erbaust, und erwecke diese Welt mit erzählenswerten, eindrucksvollen Details zum Leben.

Ben Aaronovitch erfüllt diese Voraussetzungen meisterhaft. Vor allem auch deshalb, weil er sprachlich wahnsinnig begabt und überragend fantasievoll ist. Gewürzt mit Ironie, britischem Understatement und der Fähigkeit zu emotionaler Distanz (was man zugegeben bei den Briten seit diesem Brexit- und Hasswahl-Jahr vermisst), bewahren sich Die Flüsse von London die Kühle eines Krimis unter dem Feuerwerk einer Fantasy-Welt, die harrypotteresk direkt hinter dem realen London lauert und in den Eigenheiten der bevölkernden Figuren an die Scheibenwelt erinnert.

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Tags: fantasy, krimi   (2)
 

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(134)

310 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

sonea, gilde der schwarzen magier, fantasy, magie, gilde

Sonea - Die Hüterin

Trudi Canavan , Michaela Link
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei cbt, 14.04.2015
ISBN 9783570309940
Genre: Jugendbuch

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(19)

55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

barcelona, eifersucht, familie, geheimnis, madrid

Die Geister schweigen

Care Santos , Stefanie Karg
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 24.04.2014
ISBN 9783596194544
Genre: Romane

Rezension:


Als Sitten- und Epochengemälde trägt dieser Roman Kraft und nährt sich von einer liebevoll verschachtelten Struktur für geduldige Leser, die keinen chronologischen Erzählstrang brauchen.

Die Geister schweigen ist ein Familienepos über vier Generationen, das in die Sehnsüchte und dunklen Geheimnisse einer Industriellen-Familie des zwanzigsten Jahrhunderts in Barcelona eintaucht. Immer wieder öffnet sich ein Fenster von einer Generation in die andere, wo wir einen kurzen Blick werfen auf eine Episode, eine Krise, einen Wendepunkt im Leben der Hauptfiguren, ohne aber jemals ein vollständiges Bild zu erhalten, das uns die Entscheidungen aller wichtigen handelnden Personen enthüllt. Ein Mosaik, ein Puzzle, und darin ein realistisches Familienportrait, das nichts so tut, als würde sich die Vergangenheit uns jemals vollends enthüllen.

Die Story an sich bietet wenige Überraschungen. Das liegt daran, dass der Leser lange vor den handelnden Personen weiß, was Sache ist - und seine Vermutungen entsprechen am Ende auch der Wahrheit. Damit baut sich die Spannung vor allem über das WIE? auf, weniger über das WAS? Charaktere vor Plot, das ist grundsätzlich zu begrüßen, aber es funktioniert nur solange gut, wie wir Empathie mit den Figuren aufbauen. Wenn diese Empathie fehlt, wird der Wissensvorsprung des Lesers problematisch. Vor allem mit Violeta der Jüngeren, sprich, dem in der Gegenwart angesiedelten Erzählstrang, hatte ich deswegen meine Probleme. Der Autorin gelang es nicht, mir Violeta nahezubringen, sie bleibt distanziert. Meistens erleben wir sie in ihren Emails an die Mutter, die oft gekünstelt wirken, als würde sie direkt zum Leser sprechen und die Autorin nur die Mutter vorschieben, damit der Trick, in dem Handlung erzählt wird anstatt sie zu zeigen, weniger auffällt. Mit Violetas eigenem Drama identifiziert sich der Leser deshalb nur schwer und leider lenkt es ein wenig von der viel spannenderen Frage ab, wie Violeta - immerhin eine moderne Frau - auf die Enthüllungen über das wahre Wesen ihres verehrten Großvaters reagiert. In ihrer Figur - wie auch in einigen anderen Figuren, besonders in Laia - bleibt der Roman eher oberflächlich.

Der Roman erzählt viel Nebensächliches ausführlich, und viel Wesentliches gar nicht. Das ist auch der Perspektive auf die Familien- bzw Haushaltsmitglieder. Wendepunkte werden vorab eingeführt, manche sind gar zufallsbedingt und die Einsicht in das dahinterstehende Handeln der Personen nicht immer für den Leser befriedigend.

Wer ist eigentlich die Hauptperson? Am ehesten meines Erachtens Amadeo, denn es ist vor allem dessen Leben und durchaus komplex angelegter Charakter, der die Schicksale aller anderen Figuren maßgeblich beeinflusst. Für Leser, die klare Helden wollen, welche wiederum nicht jegliche Sympathie verspielen, ist das nicht unbedingt befriedigend.

Fazit: Für ungeduldige Leser, die klare Strukturen, einen starken Plot, Überraschungen mögen, nur bedingt geeignet. Dasselbe gilt für Leser, die sich nur schlecht Figuren merken können. Für Fans von etwas mäandrierendem Erzählen mit üppiger Ausstattung und viel Flair, Leser, die nicht immer klare Antworten wollen, eine schöne, ungewöhnliche Lektüre.

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Tags: familien-saga, sittengemälde   (2)
 

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roadtrip, usa, genie, vater, las vegas

Fast genial

Benedict Wells
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.04.2013
ISBN 9783257241983
Genre: Romane

Rezension:

Ein junger Mann, das Ergebnis eines genetischen Experiments elitärer Wissenschaftler. Francis hat seinen leiblichen Vater nie getroffen. Er war ein Experiment der Samenbank der Genies – wo Frauen sich mit dem Sperma hochintelligenter Spender befruchten ließen. Nur dass Francis in einem Trailerpark lebt – amerikanische Unterschicht. Mit einer depressiven, geschiedenen Mutter und Aussichten, die mit jedem Tag düsterer werden. Die Würfel seines Lebens, längst gefallen. Bis er sich entschließt, seinem sich abzeichnendem Schicksal die Stirn zu bieten.

Das Buch ist ein Roadtrip in die Seele des amerikanischen Traums und amerikanische Realität. Ein in glitzernde Las Vegas Hoffnung gehülltes Gesellschafts- und Jugenddrama mit Kindern, denen das Recht auf Eltern abgesprochen wurde, Freundschaft und erster Liebe, die wie alles andere mit Hoffnung auf Rettung im Außen operiert, materialistisch, ja, aber wie höhnisch wäre es, das vorzuwerfen, denn das Leben ist eh nichts anderes als der Wurf einer Münze.

Das Buch ist nicht reich an kreativer Originalität, es schockt nicht einmal mit Bildern, Momenten, Charakteren, die der deutsche Mittelstandsbürger sich nie hat vorstellen können. Doch es schafft einen entlarvenden Wendepunkt am Ende des zweiten Akts und bleibt in sich konsistent und stets im Thema, welches viel Raum für die Lebenseinstellung des Lesers lässt. Vor allem schafft Wells meisterhaft Empathie und Sympathie für seine Hauptfigur. Diese führt er zwar erst zum Ende hin zu einem Crescendo, wenn die Hoffnung schon längst verraten ist, doch beweist er in dieser entscheidenden Sequenz sein Können als Autor, der die Grenze zwischen Leser und Helden aufzulösen vermag. So liest sich der Schluss mit angehaltenem Atem, Francis will…. der Leser will… dass dieser Junge siegt. Das Ende ist für manche vielleicht unbefriedigend, aber zwingend; die Antwort subtil eingeführt, sie zerschmettert nicht, aber hallt dafür umso länger nach.

Fazit: Im Mittelteil mangelt es Fast genial gelegentlich an Originalität in Handlung und Charakteren, aber auf den letzten Seiten ist das Buch nicht aus der Hand zu legen. Bedeutungsvoll, wahr, menschlich, authentisch. Fast genial.

PS: Wer zusätzlich noch ein paar zusätzliche Gedanken zu Struktur, Charakteren und Thema des Buches lesen will, findet hier am Ende meines Blogbeitrages mehr: http://www.birgitjaeckel.com/fast-genial-von-benedict-wells/

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Tags: american dream, gesellschaftsdram, jugenddrama, roadtrip   (4)
 

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internat, mord, krimi, irland, freundschaft

Geheimer Ort

Tana French , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 704 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 18.12.2014
ISBN 9783651000513
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Mit Geheimer Ort hat Tana French einen Kriminalroman vorgelegt, der seinesgleichen sucht. Voller Liebe zu magischen Momenten und gnadenloser Schärfe.

Ein Mädchen-Internat der Oberklasse. Acht pubertierende Mädchen, zwei Cliquen, ein Mord an einem Sechzehnjährigen vom benachbarten Jungen-Internat.  Das Thema ist Freundschaft.  Falsche Freundschaft, wahre, tiefe Freundschaft. Freundschaft, die verloren geht, im Schweigen.  Die möglichen Mordmotive verheddern sich, und dort, wo es Klarheit gibt, heilt sie, schützt sie ... oder tötet.  Das Buch ist Krimi und Drama in Einem.

Wir sehen der „guten“ Mädchen-Clique  beim sich Entfalten zu.  Wie sie im Vertrauen auf einander wachsen und wie sie auseinanderdriften. Die „böse“ Clique ist stereotypenhafter gezeichnet, aber durch sie erschafft die Autorin das schillernde Bild einer krassen Welt, die gefährlicher ist als Jurassic Park. Ein Paralleluniversum aus Träumen, Lügen, Intrigen, Sehnsüchten, alles verschlingenden Gefühlen und dem ständigen Gedanken daran, was ein anderer – vor allem vom anderen Geschlecht – gerade denken mag. Die Ermittler der Polizei, all dem entwachsen, können sich dieser Welt doch nicht entziehen, und offenbaren, dass auch sie gefangen sind in der Meinung der anderen, der Mensch mehr ein Flechtwerk aus Beziehungen und Rollenverhalten denn in sich ruhende, gesicherte Individualität.

„Geheimer Ort“ erlaubt es dem Lesen, dabei zu sein, mitzumachen. Bei der Lösung des Falles, beim Träumen, beim Entscheiden, ob man an die Magie von Teenie-Freundschaft und –liebe glaubt. Ob man am Ende des Buches etwas gewonnen und wieder verloren hat, sich an die eigene Jugend erinnert oder sich ganz einfach vornimmt, das eigene Kind niemals – aber auch niemals! - auf ein reines Mädchen- oder Jungeninternat zu schicken.

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Tags: internat   (1)
 

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dinosaurier, thriller, insel, gentechnik, wissenschaft

Jurassic Park

Michael Crichton , Klaus Berr
Flexibler Einband: 571 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 11.06.2007
ISBN 9783442464371
Genre: Fantasy

Rezension:

Bei den meisten Büchern, die verfilmt wurden, hört man, dass der Roman besser sei als der Film. Stimmt auch oft - aber meines Erachtens nicht bei Jurassic Park.

Der Roman ist durchaus zu Recht so erfolgreich gewesen: Er kombiniert eine herausragende Idee mit einer temporeichen, spannenden Story, einer klaren "Moral von der Geschichte" und herausragender Recherche.  Einen Stern ziehe ich ab - und hierin ist der Film um Längen besser -, weil die Charakter nicht wirklich realistisch agieren.  Welches siebenjährige Mädchen kommentiert voller Ironie und Sarkasmus T-Rex-Attacken, nachdem es gerade fast selbst gefressen würde? Wer würde, nachdem er haarscharf mit dem Leben davongekommen ist, nur wenige Meter von einem schlafenden T-Rex entfernt ein Boot mit Kindern zu Wasser lassen, wenn es Handlung-Alternativen gäbe? Die Charaktere handeln  durchweg zu "cool" - wie eine ganze Gruppe an Bruce Willis-Die-Hard-Charakteren, die es nach Jurassic Park verschlagen hat.

Der Film ist ein Kunstwerk - dem es gelingt, die wissenschaftlichen Fakten einzuarbeiten, die Botschaft und die Themen des Films aufzugreifen, die Handlung auf das Wesentliche zu reduzieren -- und bei den Charakteren die Vorlage  noch zu verbessern. Fünf Sterne für den Film, knappe vier für den Roman.

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Gray Mountain

John Grisham
Flexibler Einband
Erschienen bei RANDOM HOUSE LARGE PRINT PUBL, 21.10.2014
ISBN 9780385363167
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eigentlich hätte ich dem Roman gerne vier Sterne gegeben – aber der vierte wäre ein „politischer“ gewesen, denn die Story greift mit dem Kohlebergbau und der damit verbundenen Kriminalität und Unmenschlichkeit ein wichtiges Thema im Spannungsfeld von Wirtschaft und Politik auf. Es ist ein Roman, der Bedeutung hat, sehr gut recherchiert ist und fast schon dokumentarische Züge hat, ohne jemals langweilig oder aufdringlich zu werden.

Einen Stern würde ich abziehen, weil die Charaktere manchmal nicht gut ausgearbeitet sind. Nach einem starken Auftakt bleiben die Emotionen oft an der Oberfläche, aber man kann sich damit trösten, dass der Roman damit sehr traditionell daherkommt – wie vor vierzig Jahren geschrieben, was ein wenig Nostalgie hervorruft.
Den zweiten Stern ziehe ich aus einem für mich doch stärker als Manko erscheinenden Grund ab: Die Protagonistin spielt im Hauptplot – dem Fall mit dem gefährlichsten Widersacher – leider nur eine Nebenrolle: das Mädchen an der Seite der Männer. Dementsprechend stellt sich das Gefühl eines Höhepunktes in der Handlung, einem echten Wendepunkt, nicht ein. Wir verfolgen zwar Samantha’s Entwicklung, aber ein echtes „Thrill“-Gefühl mag sich nicht einstellen. Auch wer eine Auflösung für die Krimi-Frage – wer war es? – erwartet, bleibt enttäuscht. Damit ist der Roman auf eine Art echt, eben mehr wie eine Dokumentation eines gewaltigen Verbrechens, plätschert jedoch in der zweiten Hälfte stellenweise vor sich hin.


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ddr, familie, mexiko, wende, familiengeschichte

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Eugen Ruge ,
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 01.09.2011
ISBN 9783498057862
Genre: Romane

Rezension:

Eugen Ruge zeigt mit diesem Roman, wie ein Autor großartige Figuren schafft. Seine genaue Beobachtungsgabe für die Eigenheiten von Menschen, ihre Widersprüchlichkeiten, wie sie sich selber sehen und wie sie im Außen von anderen wahrgenommen werden, wie verschiedene Personen Ereignisse unterschiedlich wahrnehmen und interpretieren -- all das findet sich in diesem Buch, das keine "große" Geschichte erzählt oder in klassischer Struktur auf einen Höhepunkt hinsteuert, sondern seine Magie aus den kleinen Momenten, Familientreffen etc. erschafft. Auf jeder Seite wird deutlich, wie gut der Autor seine Figuren kennt und dass das, was wir auf den Seiten lesen, nur Ausschnitte, Momentaufnahmen sind von Leben, über die der Autor tausendfach mehr erzählen könnte.
Wer Action und hohes Tempo mag, wird mit diesem Roman nicht glücklich werden. Wer ein Faible für  authentische Figuren, Geschichte und eine klare, schöne Sprache hat, wird dieses Buch genießen.

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Tags: drama, familie, geschichte   (3)
 

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pilgerreise, england, rachel joyce, krebs, familie

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Rachel Joyce , Maria Andreas
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 25.07.2013
ISBN 9783596195367
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch stellt die Entwicklung der Hauptpersonen in den Vordergrund und zeigt dabei eindrücklich, dass charakterliche Entwicklung nicht nur das Feld der Jungen ist. Wer ein langsames Tempo in einer klar strukturierten Geschichte genießen kann und Menschen mag, der wird an diesem Buch seine Freude haben, denn die Autorin hat ein unglaublich gutes Auge für die Eigenheiten von Männern wie Frauen. Ihre Charakterschilderungen sind sehr realistisch und immer nachvollziehbar, die Sprache liest sich flüssig und nie überladen.
Die Vergangenheit der Figuren baut die Autorin sehr geschickt ein und erlaubt dem Leser, Geheimnisse zu erraten oder zu erahnen. Es ist kein Buch großer überraschender Wendungen, sondern der kleinen Dinge. Ein Schritt-für-Schritt-Meisterwerk.

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thriller, kongo, evolution, japan, kazuaki takano

Extinction

Kazuaki Takano , Rainer Schmidt
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 02.01.2015
ISBN 9783570101858
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kurz vorneweg: Ich habe nach der Hälfte aufgegeben, insofern ist nicht auszuschließen, dass mit größerem Durchhaltevermögen nicht noch das ein oder andere Positive zu sagen wäre. Aber mittlerweile lege ich Bücher, die mir nicht gefallen, beiseite. In der Zeit, in der man sich durch ein weniger gutes Buch quält, kann man ein gutes Buch mehr lesen …
Die Ausgangs-Idee dieses Wissenschaftsthrillers ist interessant - genau auch wie die Aktualität des Romans, dessen Autor scharf mit der amerikanischen Politik unter Bush ins Gericht geht. Grundsätzlich habe ich auch nichts gegen längere wissenschaftliche Abhandlungen, wenn sie zur Story passen. Allerdings kam die Geschichte dann auf ein Thema, mit dem ich mich zufällig vom Studium auskannte, und plötzlich merkte ich, das passt nicht. Damit konnte ich diese Abhandlungen auch nicht mehr unbedarft genießen.
Mein Hauptkritikpunkt bezieht sich aber auf die Charaktere: Die Figuren lesen sich, als wären sie aus einer technischen Anleitung zum Aufbau von Menschen zusammengesetzt. Maschinenhaft. Dazu kommt eine Erzählweise, die den Leser immer wieder mit der Keule auf Dinge hinweist, die er schon weiß. Sprachlich ist der Roman nicht besonders, doch womöglich ist durch die Übersetzung viel verloren gegangen (der Roman scheint aus der englischen Übersetzung ins Deutsche übersetzt worden sein, aber ich bin dem nicht nachgegangen, kann mich also auch irren). 

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paris, frankreich, liebe, freundschaft, melancholie

Im Café der verlorenen Jugend

Patrick Modiano , Elisabeth Edl
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.12.2013
ISBN 9783423142748
Genre: Romane

Rezension:

Am Anfang fand ich es etwas zäh, in die Geschichte hineinzukommen. Aber spätestens beim zweiten Kapitel gelingt es dem Autor, auch dank seiner Erzähler-Wechsel, bei denen er jedoch niemals die Protagonistin aus den Augen verliert, Neugierde zu wecken. Neugierde auf dieses Mädchen, das so unterschiedliche Menschen fasziniert und eine Seite in ihnen zum Klingen bringt. Es ist ein stiller, flüssig geschriebener Roman ohne große Höhepunkte. Für Paris-Fans und -Kenner sicherlich ein größerer Genuss als für mich. Das Ende nimmt meines Erachtens der Hauptfigur etwas von ihrer Faszination, aber das ist eine sehr persönliche Meinung. 

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1.451 Bibliotheken, 42 Leser, 5 Gruppen, 79 Rezensionen

fantasy, magie, kvothe, patrick rothfuss, der name des windes

Der Name des Windes

Patrick Rothfuss , Jochen Schwarzer
Flexibler Einband: 876 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 18.08.2010
ISBN 9783608938784
Genre: Fantasy

Rezension:

Mit enormer Freude am Erzählen schafft Patrick Rothfuss in diesem Roman eine konsistente Welt, in der es ihm gelingt, seine Fantasy-Wesen und die Magie seiner Welt auf fast wissenschaftliche Art zu beleuchten. Eine enorme Schöpfungsleistung, bei der eine Universität als gewählter Hauptschauplatz absolut zum gesamten Werk passt. Die Freude des Autors an Detailreichtum, Sprache und spritzigen Dialogen hauchen der "Autobiographie" des Protagonisten Kvothe Leben ein. Der "Autobiographie"-Charakter des Romans, in dem Kvothe seine eigene Geschichte erzählt, führt meines Erachtens jedoch auch zu seiner großen Schwäche: Es gibt niemanden, der den Erzähler bremst, oder andere Perspektiven einbringt. So flüssig ich den Roman am Anfang gelesen habe, am Ende wurde es mir zu zäh - es war zu viel und zu lang und es begann sich zu wiederholen. Rothfuss hat sich m.E. ein wenig zu sehr in sein Schreiben verliebt, was anfangs wunderschön ist, aber irgendwann war es genug -- was wiederum schade war.

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