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134 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

liebe, krieg, tod, bretagne, fantasy

Dark Triumph - Die Tochter des Verräters

Robin LaFevers , Michaela Link
Flexibler Einband: 550 Seiten
Erschienen bei cbj, 10.06.2013
ISBN 9783570401798
Genre: Jugendbuch

Rezension:

3,5
rezensiert von Shiku
_____________

Bretagne, 1489: Sybella ist aus einem ganz bestimmten Grund zu Graf d’Albret geschickt worden: Sie ist seine Tochter und kann ihn als Einzige ausspionieren, ohne sofort aufzufliegen. Einfach ist es deswegen noch lange nicht. Zum einen muss sie mit der Zeit immer neue Risiken eingehen, die sie verraten könnten und Sybella macht sich keine Illusionen darüber, dass ihr Vater sie nicht sofort hinrichten würde, würde er sie erwischen. Zum anderen geht sie selbst an ihrer Vergangenheit, ihrer Kindheit und ihrem Leben mit diesem Mann zugrunde. Zu viele schreckliche Dinge sind geschehen, weitere bahnen sich an. Da erhält sie den Auftrag, einen Gefangenen, einen Anhänger der Herzogin, zu befreien und auf den Weg zu seiner Herrin zu schicken – er könnte nicht nur deren, sondern auch Sybellas Rettung sein.


Ich hatte gehofft, dass „Dark Triumph“ noch ein Stück besser sein würde als „Grave Mercy“, am Ende war es – für mich – aber weder besser noch schlechter; was an sich nicht schlimm ist, immerhin hatte mir Band 1 schon irgendwie gefallen.
Damals hatte ich für einen sehr kurzen Moment gehofft, dass es hier mit de Lornay weitergehen würde, aber wer den ersten Band  nicht komplett vergessen hat, weiß ja, dass das nicht funktionieren würde – deswegen: ja, der geheimnisvolle Ritter hier ist die Bestie. Was von Anfang an klar war, weswegen ich nicht verstehe, warum so ein Geheimnis draus gemacht wird.
Sei’s drum, die Autorin hat damit eine ziemlich gute Entscheidung getroffen. Nicht dass de Lornay (oder sonst wer) eine schlechte gewesen wäre, aber wer würde diesen großherzigen Mörderbrummbär nicht sofort ins Herz schließen? (Egal wie oft erwähnt wird, wie hässlich er sei – und es wird sehr oft erwähnt. Manchmal hab ich mich gefragt, warum sie nicht gleich mit Steinen nach ihm schmeißen, meine Güte.)

Und wie sich herausstellt, ist Benabic (so lautet nämlich sein wunderschöner Vorname) genau der Mensch, den Sybella gerade braucht. Wer so einen Vater hat, hat logischerweise keine schöne Kindheit hinter sich und … wie sag ich das jetzt am besten? INCEST FUCKING EVERYWHERE. Mich hat’s ja regelmäßig geschüttelt, was zugegebenermaßen zum Großteil auch an den Personen an sich liegt. (Dagegen wirken die Lannisters harmlos. Wobei … nein. Ich sag nur „Joffrey“.) Bei der Familie wundert einen irgendwann gar nichts mehr und mal Spaß beiseite: Es ist vollkommen verständlich, dass Sybella in die Verzweiflung getrieben wurde und es dauert wirklich nicht lange, bis man mit ihr mitfiebert und hofft, dass sie bald den Klauen ihres Vaters entfliehen kann.
Mit der Zeit wurde es allerdings ein wenig anstrengend, dass sie wirklich alles auf sich bezogen hat –alles ihre schuld, ihr Fehler, muss von ihr wieder gerichtet werden. Was natürlich völliger Humbug ist, nur sieht sie das vorerst ein bisschen anders. Und genau hier kommt zum Glück Benabic mit ins Spiel. Erwähnte ich, dass er sehr großherzig ist? (Nicht dass es etwas gäbe, das er wirklich verzeihen müsste – er muss nur Sybella klarmachen, dass es da nichts zu verzeihen gibt.)
Dagegen war es wunderbar, wie sie das Kloster und die Äbtissin – noch mehr als Ismae – in Frage stellt und letzten Endes eine junge Frau ist, die ihre eigenen Entscheidungen fällt und so auch ihren eigenen Weg findet – und lasst euch gesagt sein, das ist ein ziemlich cooler Weg.

Im Gegensatz zu Band 1 beschäftigt sich „Dark Triumph“ gar nicht so sehr mit Politik. Ismae musste sich noch verbale Duelle liefern, Sybella dagegen ist viel schneller mit ihren Messern. Das Buch beschreibt vielmehr ihren Weg, bei dem zwar die Ziele meist sichtbar sind, nicht aber wo sie langgehen muss, um diese zu erreichen. Das ist über weite Teile spannend und dürfte für viele auch interessanter sein als Band 1 für mich. Hier wird nun mal nicht mit versteckten Bedeutungen um sich geworfen, dafür werden umso mehr Hälse umgedreht – und wohin das führt? Nun, ich war mit dem Ende nicht sonderlich zufrieden, hauptsächlich aber weil es so pathetisch formuliert war. (Meine Kritik am Schreibstil vom letzten Mal bleibt übrigens: Manche Begriffe wirken viel zu modern für das 15. Jahrhundert.)

Eine kleine Erwähnung für die Nebencharaktere ist auch noch drin. Sie kommen zwar insgesamt eher selten vor, und einige davon sind wahre Biester, aber manch einer ist doch sehr wichtig für die Handlung, und dafür hat man sie doch umso mehr lieb. Ich hoffe, ich bin nicht die Einzige, die möchte, dass Sybella und Tephanie einfach heiraten? (Und ja, mir ist durchaus bewusst, dass das niemals geschehen wird.)


„Dark Triumph“ mag für den einen oder anderen ein bisschen was besser machen als „Grave Mercy“, für mich hält das Buch das Level, auch wenn es sich durchaus vom ersten Band unterscheidet. Wer damals auf ein bisschen mehr Blut gehofft hatte, sollte dringend zur Fortsetzung greifen!

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Santa Olivia

Jacqueline Carey
Flexibler Einband: 341 Seiten
Erschienen bei Little, Brown & Company, 29.05.2009
ISBN 9780446198172
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Saints Astray

Jacqueline Carey
Flexibler Einband: 356 Seiten
Erschienen bei Grand Central Pub, 22.11.2011
ISBN 9780446571425
Genre: Sonstiges

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164 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 25 Rezensionen

litauen, sibirien, deportation, russland, familie

Und in mir der unbesiegbare Sommer

Ruta Sepetys , Henning Ahrens
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 01.09.2011
ISBN 9783551582546
Genre: Jugendbuch

Rezension:

(rezensiert von Shiku)

Litauen, 1941: Es geht alles sehr schnell. In einem Moment schreibt Lina an einem Brief für ihre Cousine, im nächsten Moment stehen sowjetische Soldaten vor der Tür, die der Familie einige Minuten zum Packen geben und sie dann zusammen mit anderen Litauern wegbringen – niemand weiß wohin. Linas Familie geht es wie vielen zu dieser Zeit; jeder, bei dem der Ansatz des Widerstandes erahnt wird, wird deportiert und viele überstehen allein die Zugfahrt, über lange Zeit hinweg eingepfercht in Viehwagons mit nur wenig zu essen und zu trinken, nicht. Weit fernab der Heimat aber klammert sich das junge Mädchen an die vage Hoffnung, eines Tages ihren Vater wiederzufinden, nach Hause zurückkehren zu können, zu überleben – trotz des Hungers, trotz der Kälte, trotz der Unmenschlichkeit.


Wenn wir an die Zeit des Zweiten Weltkrieges denken, geht es immer entweder um Deutschland oder die Alliierten. Auch wenn die Rollenverteilung längst nicht mehr so klar ist wie einst – auf deutscher Seite die bösen Nazis gegen die Guten –, so ändert sich der Fokus selten allzu sehr. Immerhin zieht nicht mehr jeder fragend die Augenbrauen hoch, wenn über Gulags gesprochen wird, die zwar nicht das Gleiche wie deutsche Konzentrationslager, aber doch sehr ähnlich sind. Dies ist auch das Schicksal, das Lina erwartet und damit rückt Ruta Sepetys den Blick auf ein Land, das hierzulande, und sicherlich auch an vielen anderen Orten, gern übersehen wird. Litauen ist klein, was kümmert uns Litauen? Der Geschichtsunterricht ist bereits überfüllt, vor allem mit der deutschen Seite des Zweiten Weltkrieges, so dass man es kaum in die Neuzeit schafft und kurz nach dem Mauerfall enden muss. Doch wird Litauen erwähnt? Wird das Vorgehen Stalins behandelt? Trotz guter Lehrer kann ich das nicht bejahen; und auch wenn ich es gut finde, dass man sich wenigstens in manchen Schulen sehr ausführlich mit dem Thema und seinen Schrecken auseinandersetzt, und ich dem zustimme, dass wir hier besonders über dieses Land Bescheid wissen sollten, so gehen manche Aspekte verloren, obwohl sie angesprochen werden müssten.

Die Autorin greift einen dieser Aspekte auf, und das tut sie aus der Sicht eines 15-jährigen Mädchens, mit dem sicherlich viele Leser zurechtkommen können. Dazu gehört allerdings auch, dass mir Lina auf den 300 Seiten stets ein wenig fern blieb – ganz so, als wäre sie einer der anderen Charaktere, die immer in der dritten Person erwähnt werden. Man lernt sie alle nur ansatzweise kennen; nicht so wenig, dass mir egal wäre, was mit ihnen passiert. Unter den gegeben Umständen ist das eigentlich unmöglich, und sollte es doch der Fall sein, liegt der Fehler beim Leser, nicht der Autorin. Aber es ist doch etwas anderes, wenn man sich um jemanden allgemein als Mensch sorgt, einfach weil man niemandem solche Qualen wünscht, oder ob man tatsächlich um jemanden bangt, mit dem man sich identifizieren kann, dem man nahe gekommen ist.

Auch was die Zustände während der Reise und in den Lagern angeht, hatte ich ab und an das Gefühl, dass das Buch bisweilen gar zurückhaltend ist. Ruta Sepetys vermittelt einen Eindruck, doch manchmal war ich beinahe überrascht, als sie bestimmte Dinge als Konsequenz der Behandlung nannte, obwohl sie logisch sind. Dass die Menschen beispielsweise abmagern, weil sie kaum Nahrung erhalten, sollte nicht überraschend sein und ist es auch nicht im eigentlichen Sinne. Allerdings kam es im Text zuvor nicht so deutlich rüber wie es könnte – auch ich fordere nicht, dass en detail das Leid der Menschen dargelegt wird, und die Schrecken kommen herüber, das ja. Trotzdem gab es wenige Szenen, die mich in dieser Hinsicht ein wenig aus der Bahn warfen.

Das ist aber auch alles, was ich Negatives über das Buch sagen kann, und allzu sehr fällt es nicht ins Gewicht. In einem sehr schlichten, aber auch sehr schönen Schreibstil präsentiert uns Ruta Sepetys eine furchtbare Geschichte, und das Wissen, dass all das echt ist, macht es durch seine Grausamkeit nur irrealer. Schon zu Beginn gibt es Szenen, die mich schlucken ließen und wütend machten ob des Unsinns des Verhaltens, das an den Tag gelegt wurde. Auch später musste ich immer wieder innehalten, weil „Und in mir der unbesiegbare Sommer“ sehr, sehr traurig macht, besonders wenn man versucht zu verstehen, warum so etwas geschehen kann.

Es gab aber auch durchaus Szenen, die mich zum Lächeln brachten – letzten Endes ist es auch ein Buch über Menschen, die tatsächlich, manchmal auf ihre ganz eigene Art und Weise, gut sind oder es zumindest sein wollen, auch wenn sie ab und an stolpern sollten. Es könnte bei der Thematik so schnell gehen, dennoch gibt es hier kein Schwarz und Weiß. Der Originaltitel umschreibt es am besten: „Between Shades of Gray“. Es gab Gefangene, die mit der Sowjetunion zusammenarbeiteten, doch sind sie deswegen böse? Haben sie vielleicht nicht ihre Gründe, die weniger egoistisch sind, als manch einer glaubt? Genauso gibt es hier Russen, die helfen, wenn sie können, die im System gefangen und doch keine Monster sind. Dagegen gibt es Amerikaner, sonst oft die gefeierten Helden, die nicht helfen – weil sie das Leid nicht sehen oder nicht sehen wollen?
Es gibt etliche Grauschattierungen, und jeder, bis auf weniger Ausnahmen, hat hier seine eigene, und manche davon sind sehr nahe am Weiß daran. Linas Mutter zum Beispiel, die mir mit ihrem Mut und ihrer Kraft ein wenig das Herz gebrochen hat.

Das Ende ist interessant. Es ist weder abgeschlossen noch offen, weder hoffnungsvoll noch hoffnungslos – eigentlich ist es alles zusammen. Das Allerwichtigste wird geklärt, doch genauso viel bleibt verborgen, und in mancher Hinsicht mag man seinen Glauben in die Menschheit behalten, in anderer geht er aber verloren. Diese Zweischneidigkeit macht es letzten Endes so übel, denn genau so war es, ist es und wird es immer sein mit uns Menschen. Schlimme Dinge werden geschehen und manch einer wird nie wissen, was mit den Geliebten geschehen ist. Danach wird es weitergehen, sowohl mit den kleinen Wundern als auch den Enttäuschungen. Und genau das weiß „Und in mir der unbesiegbare Sommer“, trotz seiner kleinen Fehler, zu zeigen.


„Und in mir der unbesiegbare Sommer“ von Ruta Sepetys ist ein berührendes Werk, das mir nicht ganz so nahe ging wie es hätte können. Die Autorin widmet sich einem Teil der Geschichte, der oft übersehen wird, aber nicht werden sollte. Für mich war es ein Buch über Gut und Böse, oder vielmehr die Vermischung von beiden, sowohl was Menschen als auch die Menschheit an sich betrifft. Jeder sollte aber selbst mal hineinlesen und sehen, was das Buch einem zeigen kann, denn ohne Erkenntnis – und ohne Tränen – wird man hier nicht zurückgelassen.

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20 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

assasinen, pirate, fantasy

The Assassin's Curse

Cassandra Rose Clarke
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Osprey Pub Co, 02.10.2012
ISBN 9781908844019
Genre: Sonstiges

Rezension:

(rezensiert von Shiku)
_________________

Ananna ist wenig begeistert davon, dass ihre Eltern sie einfach so an jemanden verheiraten möchten. Dieser Jemand ist außerdem ungemein gutaussehend, also jemand, dem Ananna grundsätzlich nicht über den Weg traut. Daher gibt es für sie nur eine Lösung: Sie flieht.
Womit sie nicht gerechnet hatte, war, dass ihr die Familie ihres Bräutigams einen Attentäter auf den Hals hetzt, der sie für diese Beleidigung büßen lassen soll. Die junge Frau versteht zwar einiges vom Kämpfen, aber es gibt Mächte, gegen die das beste Schwert nur wenig ausrichten kann. So kommt es, dass sie die Hilfe einer Fremden annimmt, doch als sie endlich auf ihren Verfolger, Naji, trifft, kommt es anders: Sie bindet ihn an sich, wovon beide wenig begeistert sind. Einen Weg zu finden, der diesen Zustand wieder aufhebt, wird mindestens genauso gefährlich wie die Begegnung selbst, auch wenn es durchaus seine Vorteile hat, Naji an ihrer Seite zu haben: Man trachtet noch immer nach Anannas Leben und wer kann besser gegen einen Attentäter vorgehen als ein anderer dieser Art?


Es gibt drei Dinge, die gleich auf den ersten Seiten glasklar werden. Erstens, das Buch ist sehr umgangssprachlich geschrieben, was ich hier sehr begrüße. In der Welt, in der Ananna aufgewachsen ist, steht Schulbildung nicht unbedingt ganz oben auf der Liste der wichtigen Dinge, auch wenn gewisse Grundkenntnisse durchaus vermittelt werden. Wer weder lesen noch schreiben kann, hat es nun einmal schwer und kommt im Leben auch nicht sehr weit. Trotzdem wäre es fatal, hier, mit Ananna als Erzählerin, Oxford-Englisch zu erwarten, denn die junge Dame spricht, wie ihr nun mal der Schnabel gewachsen ist. Von einigen Weglassungen à la „‘course“ mal abgesehen, ist das Ganze orthografisch korrekt, aber dass es sich hier um Umgangssprache handelt, bemerkt sogar jemand, der von Grammatik nicht ganz so viel Ahnung hat. Und wenn Ananna dann mal wieder doppelt verneint, na und? Das ist sie und der Text passt vollkommen zu der Person, die wir kennenlernen.

Zweitens, Ananna hat’s drauf. Mal abgesehen davon, dass sie Sarkasmus fließend spricht, tut sie auch einfach mal, was sie in einer Situation für nötig erachtet. Wenn sie dazu auf einem gestohlenen Kamel abhauen muss, um einer erzwungenen Ehe zu entkommen, dann sei es so. Und auch wenn sie wütend auf ihre – verräterischen, wie sie sagt – Eltern ist, so ist sie immer noch ihr Kind, das seine Eltern und das Leben mit ihnen vermisst. Wie jeder andere Mensch auch hat sie widerstreitende Gefühle, lässt sich von diesen aber nicht allzu sehr beirren. Sie ist bereit, für ihr Leben und ihre Lieben zu kämpfen, was aber weder heißt, dass sie keine schlimmen Fehler macht, noch dass sie damit einfach so klarkommt. Sie mag ein Pirat sein und seit jeher das Stehlen und Betrügen gelernt haben, trotzdem hat sie ein Gewissen, ihren Stolz und ja, auch Ehre.
Neben ihr verblasst Naji ein wenig, den ich anfangs spontan mochte, mit dem ich zum Schluss aber immer noch nicht ganz warm geworden war. Er übernimmt im Grunde den Part, den oftmals die weiblichen Protagonistinnen in vielen (weniger guten) YA-Büchern übernehmen: Er hat eine traumatische Vergangenheit, mit der er nicht ganz zurechtkommt, legt sehr viel Wert auf sein Äußeres, hat sehr große Macht und stellt damit die dümmsten Fehler an. Das Erfrischende daran ist zumindest, dass es mal den Herrn der Schöpfung trifft. Ganz aufgeben sollte man ihn aber nicht; es sind gute Ansätze vorhanden und Ananna ist Sturkopf genug, dass sie ihn früher oder später zur Vernunft bringen wird. (Zur Not vermutlich mit Gewalt, aber das ist dann ein anderes Thema.)

Drittens, die Geschichte startet im Grunde sofort. Ohne jede Einleitung verfolgen wir schon die Begegnung zwischen Ananna und ihrem Bräutigam mit, im nächstem Augenblick befindet sie sich bereits auf der Flucht. Auch wenn ich solche Herangehensweise oft begrüße, war es hier ein bisschen schade, dass wir – außer über Erinnerungen – wenig über ihr Leben als Pirat und Tochter des Captains erfahren. Bei Najis Vergangenheit verhält es sich genauso, was beim zweiten Hauptcharakter aber nicht schlimm ist. Das Buch konzentriert sich auf die aktuellen Abenteuer der beiden und es ist ganz gewiss nicht so, als gäbe es da wenig zu erzählen. Trotzdem endet die Geschichte beinahe mittendrin; wer erwartet, dass der Konflikt in diesem Buch noch gelöst wird, irrt gewaltig – gegen Ende verlangsamt sich die Handlung zusehends und ehe man sich versieht, ist die letzte Seite auch schon erreicht – Fortsetzung folgt dann im nächsten Buch.
Dagegen lässt sich in diesem Fall aber nicht viel sagen, denn das Miteinander der Protagonisten war einfach zu herrlich, auch wenn ich Naji ab und an – ganz wie Ananna – gerne eine reingehauen hätte. Wie gesagt: Besserung ist in Sicht, und so macht die Geschichte auch während der ruhigeren Parts, die nicht überwiegen, Spaß. Lediglich ein kleines Detail am Ende erscheint mir ein wenig übertrieben, andererseits kann es dazu wohl schon mal kommen, wenn man über so lange Zeit so viel miteinander erlebt.


Mit „The Assassin’s Curse“ bietet uns Cassandra Rose Clarke eine wunderbare Protagonistin, einen zweiten Hauptcharakter mit Potential und durch diese beiden jede Menge Spaß. Die Handlung ist über weite Strecken spannend und selbst wenn es mal ruhiger zugeht, unterhalten Ananna und Naji bestens. Dass die Geschichte quasi mittendrin endet, stört nur wenig und auch die Sprache lässt sich sehen – da kann es eigentlich nicht schnell genug weitergehen!

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54 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

dystopie, kyla, slated, amy, jugendbuc

Slated

Teri Terry
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Hachette Children's Books, 03.05.2012
ISBN 9781408319468
Genre: Jugendbuch

Rezension:

3,5
(rezensiert von Shiku)
_________________

Im Jahr 2054 hat das Vereinigte Königreich die EU verlassen und die Grenzen geschlossen. Innerhalb versucht die Central Coalition den Terrorismus, der sich ausgebreitet hat, zu bekämpfen. Eine Maßnahme zu diesem Zweck ist das Slating: Verbrecher werden einer Operation unterzogen, die sie ihr altes Leben vergessen lässt. Da dieses Vorgehen nur vor dem 16. Lebensjahr möglich ist, werden sie danach in neuen Familien mit einer neuen Identität untergebracht, vertraglich dazu verpflichtet, sich in die Gesellschaft einzubringen.
Dies ist die Situation, mit der sich die 16-Jährige Kyla konfrontiert sieht. Nach neun Monaten im Krankenhaus wird sie nun entlassen, um mit der Familie Davis zu leben, dessen weitere Tochter Amy ebenfalls ein Slater ist. Es gibt viele alltägliche Dinge, die sie wieder lernen muss und nicht alle Menschen wollen den Slatern die zweite Chance geben. Doch sehr bald muss sich Kyla noch mit ganz anderen Probleme herumschlagen: Sie ist nicht wie andere Slater, sieht Dinge, die sie nicht sehen sollte und kann Dinge, an die sie sich eigentlich nicht erinnern dürfte. Erfahren darf dies niemand, denn instinktiv weiß sie: Eine dritte Chance wird es nicht geben.


„Slated“ war ein Spontankauf, den ich nicht bereue, auch wenn mich das Buch am Ende nicht ganz umhauen konnte. Dabei startet es eigentlich recht gut, wenn auch langsam, was der Situation aber vollkommen gerecht wird. Kyla wird aus dem Krankenhaus entlassen und muss sich in der alltäglichen Welt erst wieder zurechtfinden. Auch wenn sich ihre Sprachfähigkeit sehr schnell erholte, gibt es immer noch Begriffe und Sprichwörter, die ihr nichts sagen, genauso wie sie den Ablauf eines Abwaschs erst noch einmal erläutert kriegen muss, ehe sie es selber machen kann. Sie ist nicht vollkommen hilflos, immerhin verbrachte sie ein Dreivierteljahr im Krankenhaus, um all solche Dinge zu lernen, aber hier und da braucht sie dennoch Hilfe oder ist erstaunt, wie das Ganze in der Realität – statt nur auf einem Bild – wirkt.
In der Zeit wird dem Leser aber nicht nur vorgekaut, wie ein Alltag abzulaufen hat, sondern auch die Welt, in der die Menschen jetzt leben, näher gebracht. Sehr viel anders ist sie zunächst nicht: Die Menschen fahren noch ganz normale Autos, das Leben ist keineswegs nur von Technologie bestimmt, es gibt keine Roboter und Krebs ist wahrscheinlich immer noch ein Problem. Dennoch gab es auch Entwicklungen in allen möglichen Bereichen, was das Slating wohl am allerbesten demonstriert. Es mag zunächst auch gar nicht mal so schlecht klingen, wenn sonst gewalttätigen Menschen eine zweite Chance gegeben und ein neues Leben ermöglicht wird, doch es zeigt sich ziemlich bald, dass längst nicht alles im Reinen ist. Überwachung und Zensur ist schlimmer geworden, Kritik sollte nicht zu offen geäußert werden und wenn jemand dem Slating unterzogen wurde, wird ihm damit auch jede Möglichkeit genommen, sich selbst zu verteidigen – nur eine von vielen „Nebenwirkungen“. In dieser Hinsicht ist Kylas „erste“ Reise in die Welt außerhalb des Krankenhauses sehr richtungsweisend: Das Krankenhaus, das sie verlässt und auch den ersten Eindruck außerhalb darstellt, gleicht eher einem Gefängnis, was sie zunächst gar nicht so sehr stört. Nun, das wird sich ändern.

Das Problem des Buches ist, dass sich dieses Tempo nie erhöht. Kyla lebt sich ein, findet Freunde, sieht sich aber auch immer mehr Geheimnissen und verschwindenden Personen gegenüber. Ab einem gewissen Punkt hätte ich ihr am liebsten einen leichten Stoß gegeben und ihr „Na los, jetzt komm schon!“ hinterhergerufen. Bringt natürlich nichts und das Buch zieht in seinem gemächlichen Tempo weiter.
Es liegt lediglich an den weiterhin bestehenden Rätseln und an denen, die noch dazu kommen, dass es sich nicht ganz zieht oder gar langweilig wird. Während ich die ersten 200 Seiten beinahe süchtig in mich hineingesogen habe, ging’s danach etwas weniger dringlich weiter. Interessant war es immer noch, aber die extreme Neugierde, als alles noch neu war und die ersten Ungereimtheiten auftauchten, hatte nachgelassen.
Tja, und dann kam das Ende. Einen Abschluss kann man es nicht wirklich nennen, ein (großer!) Haufen Fragen bleibt offen und wirklich weitergekommen ist Kyla auch nicht. Aber es gibt da diese kleine, aber sehr entscheidende Wende, die zwar nicht unbedingt überraschend, aber wahnsinnig vielversprechend ist. Kurz gesagt ließ sie mich mit ziemlich tiefen Sorgenfalten, aber auch der Hoffnung zurück, dass im nächsten Band ein paar Hintern gehörig versohlt werden. Und dass es Antworten geben wird, notfalls mit Gewalt erzwungen.

Natürlich ist Kyla nicht die einzige wichtige Person, aber definitiv die wichtigste. Am Anfang ist es ein bisschen schwierig, sie einzuschätzen, was aber wenig verwundert: Sie kennt sich ja selbst nicht einmal. Aber mit der Zeit stellt sich heraus, dass sie hauptsächlich eine ruhige 16-Jährige ist, die gerne und gut zeichnet, aber bei weitem nicht das blind vor sich hin grinsende Mädchen ist, das sie sein sollte. Sie bemerkt Dinge, hinterfragt Handlungen, verlässt sich auf ihren Instinkt und hat immer mal wieder eine sarkastische Bemerkung parat. Die behält sie in der Regel aber lieber für sich, denn ihr Instinkt sag ihr – zu Recht –, dass es keine gute Idee wäre aufzufallen. Mit voranschreitender Handlung ist sie immer entschlossener, mitzumachen und damit in Ruhe gelassen zu werden. Keine Entscheidung, die mich unbedingt gefreut hat, die aber auch sehr verständlich ist.
Ein weiterer, zumindest für mich sehr wichtiger, Charakter wäre ihre „Mutter“, bei der ich mir sicher bin, dass da noch so einiges kommen wird. Sie wirkt zunächst ziemlich ruppig, ist aber eine Frau, die das Herz am rechten Fleck trägt und ihren eigenen Kopf hat, auch wenn auch sie die Konforme spielt, wenn es sein muss. Gerade zwischen ihr und Kyla war es schön zu beobachten, wie aus diesen Fremden mit der Zeit wirklich eine Familie wurde. Sie sind zwar noch nicht so innig, wie Mutter und Tochter es sein können, aber sie sind auf dem Weg dorthin. Selbst kleinste Szenen zwischen ihnen sind wirklich herzlich, auch wenn sie für harmonieliebende Leser viel zu selten vorkommen. Neben ihr gibt es natürlich auch noch die anderen Familienmitglieder, die keineswegs vergessen werden sollten, allerdings (noch) keine ganz so große Rolle einnehmen. Andere Charaktere melden sich genauso für wachsende Wichtigkeit an – was daraus wird, wird sich zeigen.
Definitiv nicht unwichtig ist Ben, ein 17-jähriger Slater, in den sich Kyla – natürlich – verliebt. Keine große Überraschung hier. Auch er scheint nicht ganz dem typischen Slater zu entsprechen, aber das heißt nicht, dass die Operation gar keine Auswirkungen auf ihn hatte. Er ist ein ziemlich netter, sympathischer Kerl, dessen einziger Fehler eigentlich die ziemlich abrupte Wandlung mitten in der Handlung ist. Der Grund dafür ist ziemlich offensichtlich: Es soll wieder Schwung in die Geschichte kommen und ein bisschen ist das auch der Fall. Aber die Überleitung dazu konnte mich nicht ganz überzeugen, auch wenn ich fast behaupten würde, dass das ein bisschen anders aussähe, wäre der Part aus seiner Sicht geschrieben worden. Sei es, wie es sei: Es bringt die Handlung voran, zumindest ein wenig.


„Slated“ ist keineswegs perfekt – das Tempo der Geschichte erhöht sich nie, was die Geschichte zwischendurch ein wenig schleppend wirken lässt. Ein Versuch, das Ganze wieder vorwärts zu bringen, ist auch eher unbeholfen eingebaut, aber abgesehen davon bietet das Buch eine interessante, nur leicht veränderte Zukunft, in der Meinungsfreiheit wieder einmal zum Fremdwort geworden ist. Mit der Zeit sammeln sich etliche Fragen an, die zu einem Großteil mit in den zweiten Band übernommen werden, auch wenn die kleine Wendung am Ende noch vielversprechender ist. Es überzeugt nicht vollkommen, macht aber zweifelsohne Lust auf mehr – ich bin dabei!

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89 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

verborgen, deutsch, australien, rainer m. schröder, verborgen im niemandsland

Abby Lynn - Verborgen im Niemandsland

Rainer M. Schröder
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei cbj, 12.11.2012
ISBN 9783570401712
Genre: Jugendbuch

Rezension:

2,5
(rezensiert von Shiku)

Die Rezension enthält Spoiler zu den vorherigen Bänden.
___________


Es ist mittlerweile der April 1809, und Abby befindet sich mit ihrer Familie auf dem Weg in Richtung Freiheit. Australien können und wollen sie nicht verlassen, doch die Kolonie ist zu weiten Teilen noch unentdeckt. Zusammen mit anderen Familien machen sie sich auf den Weg, um dem Einflussgebiet des Rum-Corps‘ zu entfliehen. Doch so sicher, wie sie dachten, sind sie dabei nicht. Es blieb durchaus nicht unbemerkt, dass Abby nicht auf dem Sträflingsschiff war, auf dem sie sein sollte und ihre Erzfeindin setzt alles daran, um der jungen Frau auf die Spur zu kommen und sie ihrer „gerechten Strafe“ zukommen zu lassen.
Abgesehen davon warten im Busch noch weitere Gefahren: Banditen machen das Leben dort unsicher und auch innerhalb der Gemeinschaft kann man sich nicht immer sicher sein, wem zu trauen ist und wem nicht …


In der eigentlichen Kolonie ist es nicht mehr sicher für die junge Familie und so wird es Zeit, andere Teile Australiens zu erforschen – gut für uns, denn auch wenn wir nichts komplett Neues über das Land lernen, so werden ein paar Aspekte geschildert, die vorher vielleicht nur kurz Erwähnung fanden.
Allerdings hat es auch seine Nachteile, denn anstatt sich wie die beiden vorherigen Teile auf eine relativ kleine Zeitspanne zu konzentrieren, ziehen hier wieder mehrere Monate in Land, auch wenn das Buch damit noch lange nicht so weit greift wie der erste Band. Dadurch wird beispielsweise die Dynamik der Siedler untereinander bisweilen nur angedeutet und nie wirklich ausgearbeitet – dass Rainer M. Schröders Bücher nicht von der Interaktion der Charaktere untereinander leben, haben wir aber schon in den vorherigen Bänden merken können.

Ansonsten gibt es zum vierten Band der Reihe nicht viel zu sagen, was nicht schon in vorherigen Rezensionen erwähnt wurde. Die wörtliche Rede haut nach wie vor nicht richtig hin und die Bücher sind nur mäßig spannend, wenn auch nicht uninteressant, um die zwei wichtigsten Punkte noch einmal zu nennen.

Dennoch wäre da noch eine Sache, die mich hier ein wenig beunruhigt hat. Dass die Wertevorstellungen damals anders waren, ist mir bewusst und auch wenn Begründungen à la „Frauen waren damals halt weniger wert“ nie heißen müssen, dass es keine Frauen gab, die „über ihre Rechte hinaus“ gehandelt haben, ist genauso logisch, dass es Frauen gab, die sich in diese Rollen eingefügt haben und ja, teilweise auch wohlfühlten (oder das zumindest dachten). Was Anwandlungen dieser Art hier zu suchen hatten, ist mir allerdings schleierhaft – war Abby in der Vergangenheit eher ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht. Es gab ein paar Stellen, die so gar nicht zu Abbys bisherigen Taten passen wollten: Sie hat bereits gezeigt, dass sie genauso arbeiten kann wie Andrew und bewies ihre physische wie psychische Kraft. Wenn dann Passagen auftauchen, in denen sie von Handlungen absieht, weil ein starker Mann gebraucht werde, sorgt das erst einmal nur für ein Stirnrunzeln. Wenn sie dann aber Andrew das Überleben ihres Sohnes zuschreibt, während der ganze Plan zu großen Teilen ihr Verdienst war und das Überleben des Kindes ihrer Initiative und Hartnäckigkeit zuzuschreiben ist, muss ich mich ernsthaft fragen, wer von uns die Bücher besser in Erinnerung hat – der Autor oder ich. Es waren nicht viele Stellen, aber doch genügend, um mir das Buch ein wenig zu verderben.


Einige fragwürdige Stellen bezüglich Abbys Position als Frau machen das Buch letztlich zum schlechtesten der Reihe, auch wenn es sich ansonsten nicht allzu sehr von den anderen Bänden unterscheidet. Die Dialoge sind steif wie bisher, während das Geschehen interessant, aber selten mehr ist – schade drum, es hätte ein guter Abschluss werden können.

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95 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

schwange, australien, gefängnis, verraten, deutsch

Abby Lynn - Verraten und verfolgt

Rainer M. Schröder
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei cbj, 12.11.2012
ISBN 9783570401705
Genre: Jugendbuch

Rezension:

(rezensiert von Shiku)

3,5
Die Inhaltsangabe enthält Spoiler zu den vorherigen Bänden.
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November 1808, Australien: Abby und Andrew haben sich wiedergefunden und sind nun auf dem Weg zurück nach Yulara, doch was sie dort erwartet, ist nicht etwa ihre Familie, sondern eine einzige Ruine. Die Farm wurde niedergebrannt und auch andere Opfer wurden gefordert, während Andrews Bruder Melvin mit ihrer Schwester Sarah verschwunden ist. Das junge Ehepaar findet vorerst Unterschlupf bei anderen Farmern, doch nicht jeder begegnet ihnen mit einem guten Willen, und ehe Abby sich versehen kann, trifft sie auf alte, aber ungeliebte Bekannte – und dieses Mal ist es nicht nur ihr Leben, das auf dem Spiel steht.


Der dritte ist der erste Band der Reihe, der sich nicht hauptsächlich mit einem Aspekt des Lebens in Australien beschäftigt, sondern mit den Protagonisten selbst. Die Geschichte dreht sich um Abby und ihre Erlebnisse und da gibt es einiges zu erzählen. Wer glaubt, der armen Frau ist endlich mal ein wenig Ruhe gegönnt, irrt gewaltig, denn nach wie vor gibt es viele, denen Sträflinge und die Chandlers im Besonderen ein Dorn im Auge sind – was man in diesem Buch deutlicher denn je zu spüren bekommt.
Es war das erste Mal, dass tatsächlich auch Spannung aufkam, wenngleich sich diese nicht gleichmäßig über das Buch verteilt, sondern eher am Ende auftritt. Dramatische Momente gab es dafür auch zur Genüge – wie das eben so ist, wenn vollkommen Fremde mit einem Fingerschnippen über das eigene Leben verfügen können.

Manche „Schäden“ lassen sich mittlerweile aber nicht mehr beheben; so beruft sich der Autor in diesem Buch auf Beziehungen zu anderen Personen, die in den vorherigen Bänden nie wirklich ausgeschöpft wurden, da der Fokus weniger auf dem ganz Persönlichen lag. Abby und ihre Freundin Rachel werden beispielsweise als unzertrennlich beschrieben, davon hatte man zuvor aber höchstens ansatzweise etwas bemerkt.
Das war vorher nie anders, nur fiel es dort weniger ins Gewicht, weil die Rolle eine kleinere war – hier aber sticht es sehr heraus; wenn man sich zuvor aber schon damit abfinden konnte, wird das hier nicht anders sein.

Auch ansonsten hat sich wenig geändert. Der Schreibstil des Autors ist während der wörtlichen Rede gewohnt steif, ansonsten aber gut zu lesen – wenn man einmal davon absieht, dass sich an der einen oder anderen Stelle recht kitschige Formulierungen finden lassen. Manches davon lässt sich auch darauf zurückführen, dass die Bücher sehr kinderfreundlich gestaltet wurden. Sex wird maximal angedeutet und das auch nur sehr blumig – es ist recht amüsant, wenn man bedenkt, dass die hygienischen Zustände, die ich mir um einiges traumatischer vorstelle, nicht gerade verschleiert werden und die unfairen Behandlungen, um es nett auszudrücken, sich genauso wenig verstecken müssen.


Auch der dritte Band der Reihe, „Verraten und verfolgt“, gleicht in vieler Hinsicht seinen Vorgängern, auch wenn der Schreibstil manchmal ins Kitschige abrutscht. Dafür ist das Buch auch wesentlich spannender, da nun wirklich Abby im Mittelpunkt steht und nicht die allgemeine Geschichte Australiens beziehungsweise das Leben dort.

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180 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

fantasy, fliegende stadt, magie, rebellen, aschevogel

Flügel aus Asche

Kaja Evert
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2013
ISBN 9783426511961
Genre: Fantasy

Rezension:

rezensiert von Feder

______________________


Adeens Leben ist die die reinste Hölle, denn als Schreiber der Akademie ist er den Launen der höhergestellten Magier schutzlos ausgeliefert. Sie sind es, die die Elite der fliegenden Stadt Rashija bilden, welche der Herrscher mit eiserner Hand regiert.
Und obgleich Adeen der festen Überzeugung ist, sein Leben würde sich niemals zum Besseren wenden, bietet sich ihm eine ungeahnte Gelegenheit. Diese erschien ihm in Gestalt einer Gruppe von Rebellen. Sie haben einen tollkühnen Plan gefasst: sie wollen aus der fliegenden Stadt fliehen.
Doch während Adeens sich voller Eifer an den Vorbereitungen beteiligt, hat er noch keine Vorstellung davon, wie weitreichend die Folgen ihres kleinen Unterfangens sein werden. Denn während seiner Flucht entdeckt Adeen Seiten an sich, die bisher unentdeckt geblieben sind.
Erinnerungsfetzen aus seiner Vergangenheit holen ihn ein. Ein Vogel aus Asche scheint das Unheil heraufzubeschwören.
Aber bedeutet der Vogel wirklich Unglück oder ist er der Schlüssel zu Adeens wahrer Stärke.
Denn in ihm scheint eine Macht zu schlummern, die seine kühnsten Träume übersteigt. Eine Macht., die nicht nur über sein Schicksal entscheiden wird, sondern über das eines ganzen Volkes.


Mit ihrem Debütroman beschert uns Kaja Evert einen Fantasy geladenen Auftakt in die Badesee Saison, der vor allem Fans des Genre interessieren dürfte und nach der Flut vampirischen und dämonischen Romanen endlich mal wieder für etwas Abwechslung an dieser Front sorgt.
Zugegeben das Kernthema ist Magie, aber das ist ja schon fast ein obligatorischer Teil eines klassischen Fantasy-Romans.
In „Flügel aus Asche“ sind es vor allem die abwechslungsreich gestalteten Charaktere, die der Geschichte ihren ganz besonderen Reiz verleihen.
Allen voran ist hier der Protagonist Adeen zu nennen. Denn obgleich er zu Beginn noch etwas blass erscheint, entwickelt sich sein Profil mit Fortschreiten der Geschichte sehr zum Positiven. Ein wichtiger Schritt, da er vor allen in den ersten Kapiteln etwas eindimensional wirkt. Doch wie so oft, täuscht der erste Eindruck. Der Autorin ist es nämlich wunderbar gelungen, sein Wesen im Folgenden tiefgründiger zu gestalten und sein wahres Potential zu entfalten. Adeen stellt sich dem Leser im Großen und Ganzen als eine angenehm facettenreichen Figur dar, deren Stärken und Schwächen sich dem Leser in wohldosierten Portionen präsentieren und hierbei für so einige Überraschungen sorgen.
Aber auch die zahlreichen Nebenfiguren tragen erheblich zur Qualität des Romans bei. Hier seinen beispielhaft nur Talanna einer und Nemiz erwähnt, welche sich nahtlos in die Geschichte einschmiegen und aufgrund ihrer eigenen doch ziemlich krassen Wesenszüge entscheidend an Adeens Entwicklung teilhaben. Ihr Einfluss lässt sein Handeln schlüssig erscheinen und ihr Wesen gibt wichtige Anstöße, welche die Geschichte entscheiden vorantragen.

Doch nicht allein den Figuren ist es geschuldet, dass sich die Lektüre über weite Strecken als überaus angenehm für den Leser gestaltet.
Denn obgleich der Einstieg in die Lektüre doch eher etwas Geduld erfordert, findet die Autorin nach den ersten Kapiteln einen angenehmen und ausgeglichenen Stil. Es gelingt ihr ein sich kontinuierlich steigendes Maß an Spannung zu erzeugen und über die gesamte restliche Lektüre aufrechtzuerhalten. Dieser Umstand lohnt auch die anfänglichen Mühen.

Unterm Strich bietet sich dem Leser ein solider Roman, der zwar sicherlich noch einige Schwächen vorzuweisen hat, aber dennoch alles andere als schlecht ist.
Die Entwicklung des Romans zeigt vielmehr, dass eine Geschichte nicht schon spannungsgeladen beginnen muss, um den Leser zu fesseln.
Eine stetige, wohldurchdachte Steigerung ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Und diese Steigerung ist der Autorin in ihrem Debütroman „Flügel aus Asche“ durchaus überzeugend gelungen.



Trotz einiger kleiner Mängel, vor allem zu Beginn des Buches, sollte man sich nicht entmutigen lassen. Denn man wird schließlich mit einem soliden High-Fantasy-Roman belohnt, der vor allem in der zweiten Hälfte so manchen Glanzmoment präsentiert.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

science fictio, science fiction, nazi, 2 sterne, abklatsch

Die Mission: Demi-Monde: Welt außer Kontrolle 1

Rod Rees
E-Buch Text: 608 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 21.01.2013
ISBN 9783641085131
Genre: Sonstiges

Rezension:

(rezensiert von Feder)

____________

Wie weit würdest du gehen für fünf Millionen?
Nun, als man Ella Thomas diese Frage stellt, da ist sie bereit, in eine der brillantesten und gleichsam gefährlichsten Computersimulationen einzutauchen, die die Welt je gesehen hat: die Demi Monde. Ein Hightech-Spielpatz der U.S.-Armee, um sich in der Kunst der asymmetrischen Kriegsführung zu üben. Doch leider hat ihre neuste Errungenschaft einen kleinen Fehler, sie agiert vollkommen selbstständig. Und leider ist dabei irgendetwas schiefgelaufen. Denn aus bisher ungeklärten Gründen hat sich die Tochter des Präsidenten in die virtuelle Welt verlaufen und wird nun dort von einem der größten Psychopathen gefangen gehalten.
Für die fünf Millionen soll Ella nun ebenfalls die reale Welt hinter sich lassen, um als Jad-Sängerin getarnt eine Rettungsmission zu organisieren. Doch der Auftrag entpuppt sich als schwerer und vor allem weitaus gefährlicher als sie erwartet hätte, denn der Feind lauert bereits auf sie und ehe sie es sich versieht, ist sie mittendrin in einem Krieg, dem sie nicht entkommen kann, umgeben von Menschen, die eigentlich keine Menschen sind. Wird es ihr gelingen, in dieser feindseligen Welt zu bestehen, oder wird ihr Geist für immer in der Demi Monde gefangen sein?

Eine bunte Mischung der verschiedensten Genres, so hab ich mir die Lektüre von „Demi-Monde“ vorgestellt. Und der Klappentext hat durchaus Großes in dieser Hinsicht versprochen, sodass ich mich ehrlich gesagt richtig auf die Lektüre gefreut habe, obwohl Kriegssimulationen nicht zu meinen bevorzugten Buchthemen gehören.
Zu Beginn schien das Konzept auch wirklich aufzugehen. Das Lesen hat richtig Spaß gemacht, die „Wortneuschöpfungen“ mit der etwas eigenwilligen Verteilung von Großbuchstaben an Stellen, wo sie eigentlich nichts zu suchen hatten, wirkten charmant. Auch was die Spannung und Atmosphäre angeht, gab es eigentlich nichts zu bemängeln und ich war mir schon ziemlich sicher, dass dieses Buch auf meiner Bestenliste 2013 ziemlich weit oben rangieren würde. Aber bedauerlicherweise läuft es im Leben nicht immer, wie man sich das vorstellt. Denn circa ab dem ersten Drittel schwang die Euphorie langsam ins Gegenteil um.
Nicht zuletzt war dies den „Wortneuschöpfungen“ geschuldet, die zwar am Anfang in ihrer dezenten Zahl noch charmant gewirkt haben, mit steigender Zahl hat ihr Charme aber ziemlich nachgelassen, bis die Begriffe nur noch störend wirkten. Es war einfach ein bisschen zu viel des Guten, und das leider in jeder Hinsicht. Der Autor hat sich viel vorgenommen, allerdings die dadurch entstandenen Erwartungen nicht wirklich zu erfüllen vermocht. Zu viele Genres wollte er sich vornehmen, sodass keines wirklich gut ausgebaut wurde und alles eher etwas lieblos und oberflächlich nebeneinanderher läuft, was wirklich überaus schade ist, denn Potential steckt in der Idee jede Menge. Aber wirklich zu Geltung konnte es nicht kommen.

Auch die doch wirklich interessanten Charaktere konnten daran leider wenig ändern, obgleich man sie wirklich als die Highlights der Geschichte betrachten muss. Sie sind vielschichtig und einnehmend konzipiert und vermögen es, einen bleibenden Eindruck beim Leser zu hinterlassen. Und das gilt nicht nur für die Protagonistin Ella und ihre Begleiter. Auch die in der Demi Monde angesiedelten, großen und kleinen Psychopathen und deren Gefolgsleute und Opfer haben eine gewisse Tiefe, die einem im Gedächtnis bleibt. Hier muss man dem Autor wirklich ein Lob aussprechen, weil er sehr viel Mühe aufgewendet hat. Am meisten hat mich die Wandlung der pragmatisch eingestellten Trixiebell Dashwood beeindruckt, deren Charakter durch den Gang der Ereignisse eine 180°-Drehung erfahren hat. Ein krasser Umschwung, der aber trotzdem in einem fließenden und vor allem schlüssig nachvollziehbaren Prozess abgelaufen ist, von dem sich manch namhafterer Autor eine Scheibe abschneiden könnte.

Die doch deutlich zu sehende Mühe, die der Autor auf die Charakterkonzepte aufgewendet hat, ist wohl auch der ausschlaggebende Grund dafür gewesen, dass ich das Buch bis zum Ende durchgehalten habe. Denn obgleich die Charaktere ihre Form bis zum bitteren Ende gewahrt haben, mit der restlichen Geschichte ging es doch eher steil bergab. Zweihundert Seiten weniger hätten der Geschichte sicher nicht geschadet. Genauso wie ein etwas weniger ambitioniertes Ziel. Es war einfach ziemlich öde; obwohl man sich mitten im Krieg befand, konnte einen die Geschichte nicht wirklich fesseln, die Schicksale der Figuren haben mich als Leser kaum berührt. Das Lesen hat irgendwie einfach keinen Spaß gemacht, was wirklich überaus schade war.
Aber dennoch will ich das Buch auch nicht wirklich als schlecht bezeichnen. Es hat meines Erachtens erhebliche Schwächen, die man nicht unter den Tisch kehren sollte, aber es gibt auch viel Potential nach oben, von dem ich inständig hoffe, dass es in den Folgebänden auch ausgeschöpft wird. Denn die Kernidee begeistert mich nach wie vor. Und die ausgefeilten Charakterkonzepte lassen mich doch darauf hoffen, dass es dem Autor noch gelingen wird, sie in einem angemessenen Kontext richtig in Szene zu setzen.

„Demi-Monde: Die Mission“ ist sicherlich ein Buch mit einigem Potential, das durchaus einen Blick wert sein kann. Man sollte sich allerdings nicht zu viel versprechen, dazu weist es doch teilweise erhebliche Mängel auf. Wer sich von der teilweise etwas langatmigen Story und den auf Dauer nervenden Großbuchstabenspielen des Autors nicht abschrecken lässt, dem bietet sich aber eine interessante Kernidee, die deutliches Potential nach oben hat.

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2.177 Bibliotheken, 22 Leser, 6 Gruppen, 174 Rezensionen

erotik, liebe, crossfire, sex, sylvia day

Crossfire - Versuchung

Sylvia Day , Eva Malsch , Jens Plassmann
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.01.2013
ISBN 9783453545588
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

(rezensiert von Feder)
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Eva Tramell ist jung, intelligent und weiß genau, was sie will. Ihr oberstes Ziel ist, ihren neuen Job in einer New Yorker Werbeagentur erfolgreich zu meistern, ganz ohne die Hilfe ihres einflussreichen, reichen Stiefvaters. Doch als sie in der Eingangshalle des Crossfire-Buildings mit dem attraktiven Gideon Cross zusammenstößt, scheint ihre Welt ins Wanken zu geraten. Denn er strahlt eine nahezu unwiderstehliche Anziehung auf sie aus. Doch sie weiß genau, dass sie der Entschluss, ihrer körperlichen Neigung für den schwarzhaarigen Magnaten nachzugeben, nur ins Unheil stürzen wird. Denn sein dominantes Wesen und seine unverblümte Art lassen nichts Gutes für die Zukunft ahnen. Und dann war da auch noch ihre eigene, wenig schöne Vergangenheit, die wie ein unheilvoller Gefährte im Dunkeln lauert und nur darauf wartet, sie wieder in die Abgründe zu reißen, denen sie nur mit viel Mühe und der Unterstützung ihres Mitbewohners Cary entkommen konnte.
Und trotz aller guten Vorsätze erliegt sie dem gefährlichen Charme von Gideon Cross und ihrer eigenen Leidenschaft.

Meinen größten Befürchtungen zum Trotz konnte ich bereits nach den ersten paar Seiten feststellen, dass der Auftaktband zur Crossfire-Trilogie erfreulicherweise kein neuaufgelegtes „Shades of Grey“ werden würde. Zu sehr unterschieden sich die Wesenszüge der beiden Protagonistinnen voneinander.
Wo das kleine Mauerblümchen Ana aus der „Shades of Grey“-Reihe vor allem im zweiten Band eine wahrhaft blasse und kaum bemerkenswerte Figur abgegeben hat, da erstrahlt Eva Tamrell in einem lodernden Feuer. Kein Mauerblümchen, keine kleine Jungfrau, die es zu deflorieren gilt. Sie ist schlagfertig, wortgewandt und weiß in so ziemlich jeder Lage, was sie will, auch wenn sie manchmal etwas zu stur ist, um sich das einzugestehen. Sie ist erfrischend unterhaltsam und schlagfertig und braucht sich hinter der dominanten Männerrolle, die Gideon zuteilwird, sicher nicht verstecken. Sie weiß sich gegen seine starke Präsenz zu wehren und sorgt so für wesentlich spannungsgeladenere verbale Schlagabtausche, als man diese in den „Shades of Grey“-Büchern finden würde.
Und obgleich über Gideons Vergangenheit im ersten Band noch nicht so viele Details bekannt geworden sind, wurde auch in seinem Wesen eine Tiefe geschaffen, die sehr gut mit der von Evas Charakter harmoniert.
Sie geben ein kompliziertes, aber meines Erachtens doch ziemlich glaubhaftes Pärchen ab, das sich trotz all der Leidenschaft und knisternden erotischen Momente mit so mancher Hürde auseinandersetzen muss. Und obgleich es einige kleine Parallelen gibt, so wirkt der Roman frisch und neu und überraschenderweise sehr unterhaltsam.
Als Leser kann man sehr schnell in die Tiefen der Handlung eintauchen und durch die abwechslungsreichen, keinesfalls immer stereotyp aufgezogenen Szenen vermag es die Autorin, einen an die Geschichte zu fesseln, sodass man das Buch kaum noch aus der Hand legen mag.

Obgleich der Roman seinem Namen als Erotikbestseller mit vielen prickelnden erotischen Szenen der beiden Protagonisten durchaus alle Ehre macht und derartige Begegnungen auch eindeutig die Handlung der Geschichte bestimmen, ist auch die zugrundeliegende Geschichte durchaus interessant. Nichts besonders Innovatives zugegebenermaßen, aber doch unterhaltsam und ansprechend aufgearbeitet und mit sehr viel Potential nach oben.
Einige sprachliche Formulierungen sind mir während der Lektüre zwar etwas negativ ins Auge gestochen, haben aber den Lesefluss nicht weiter gestört. Im Hinblick auf die einzelnen Szenen und den Charakter unserer beiden Protagonisten haben sie aber ins Gesamtgefüge hineingepasst, sodass dies nicht als wirklicher Mangel gelten kann, sondern lediglich als eine persönliche Geschmackssache.

Die Autorin macht einem aber mit dem Auftakt definitiv Lust auf mehr. Vor allem hat sie nach der wirklich herben Enttäuschung, die ich mit der Lektüre des zweiten Teils der „Shades of Grey“-Trilogie erlebt habe, meine Hoffnung geweckt, dass sich in diesem Genre nicht nur platte, lieblose Geschichten tummeln, deren Autoren darauf zu hoffen scheinen, dass sich ihre Bücher allein deswegen verkaufen werden, weil 90% der Seiten mit plump aufbereitetem erotischen Inhalt bedruckt wurden.

„Crossfire: Versuchung“ ist ein gut geschriebener Erotikroman, der vor allem in dem Punkt sicher nicht enttäuscht. Aber auch die sonstige Geschichte vermag grundsätzlich zu überzeugen. Die beiden Protagonisten in Kombination mit ihren vielen großen und kleinen Schwächen machen aus dem Auftaktroman aus der Feder von Sylvia Day einen überdurchschnittlich guten Vertreter des Genres, den man sich ruhig einmal genauer ansehen sollte.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

feststellen, großbritannien, london, polnisch, zeugen

Sündenfall

Anya Lipska , Karin Dufner
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 17.12.2012
ISBN 9783442477654
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

(rezensiert von Feder)
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Janusz Kiszka verdient seinen Lebensunterhalt mit vielen mehr oder weniger legalen Geschäften. Unter anderem erfreut er sich unter den polnischen Einwanderern als Privatdetektiv einiger Beliebtheit. Doch als sein Priester ihn bittet, eine spurlos verschwundene, junge Frau aufzuspüren, stolpert er bei seinen Ermittlungen in einen dunklen Sumpf aus Intrigen und Mord. Die Ermittlungen bringen Janusz schließlich selbst in Lebensgefahr. Aber nicht nur das, auch die Polizei beginnt unangenehme Fragen zu stellen, seit die ehrgeizige Polizistin Natalie Kershaw eine seiner Visitenkarten aus dem Mund eines der Mordopfer gezogen hat. Janusz aber lässt sich davon nicht abschrecken und folgt den Spuren bis in eine kleine Stadt in Polen, wo er im Keller eines ehemaligen Mitglieds der kommunistischen Staatssicherheit auf Dokumente stößt, die nicht nur einen angesehenen polnischen Politiker in eine sehr unangenehme Lage bringen würden. Darum wird auch alles daran gesetzt, jeden zu vernichten, der um diese dunklen Geheimnisse weiß …

Leichtes Bedauern ist wohl das vorwiegende Gefühl, das mich nach der Lektüre ergriffen hat. Denn obwohl es sich beim Debütroman „Sündenfall“ von Anya Lipska um einen wirklich gut durchdachten und grundsoliden Kriminalroman handelt, der eine erfrischende Abwechslung zu den Krimis, die ich sonst für gewöhnlich lese, darstellt. Darum möchte ich mit den doch zahlreichen positiven Aspekten anfangen:
Die Figuren, allen voran Janusz und Natalie, sind wirklich eine Klasse für sich. Voll innerer Dämonen versuchen beide auf ihre Weise den Fall zu lösen. Sie sind vielschichtig gestaltet und man merkt ihnen an, dass die Autorin sich einige Mühe damit gegeben hat, sie authentisch zu machen, was ihr auch hervorragend gelungen ist. Janusz ist nicht der typische Held, den man sonst so aus Krimis kennt. Er macht eher sein eigenes Ding und hält sich dabei nicht immer ganz genau an die geltenden Gesetze. In dieser Beziehung ist Natalie ihm gar nicht so unähnlich. Auch sie dehnt und biegt die Vorschriften, wenn sie es für nötig hält. Und dass sich beide dadurch gelegentlich in eine unschöne Situation manövrieren, gibt dem ganzen Roman einen erfrischenden Anstrich, der die Jagd nach den bösen Buben auf unterhaltsame Weise vorantreibt.
Aber auch bei den Nebenfiguren gibt es keinen Grund zur Klage. Sie sind sorgsam konzipiert und die Autorin hat einiges an Mühen daran gesetzt, dass die wahren Bösewichte sich durch ihren Charakter nicht zu schnell zu erkennen geben. Dies hat zumindest bei mir im hinteren Drittel für das eine oder andere Aha-Erlebnis gesorgt.

Generell war die der gesamte Fortgang der Geschichte präzise durchdacht und an genau den richtigen Stellen akzentuiert, wobei die Autorin den Spannungsbogen der Geschichte auf einem permanent hohen Niveau gehalten hat. Auch hat sie im Bezug auf das Legen falscher Fährten einiges an Raffinesse bewiesen und so die wahren Beweggründe und Drahtzieher lange im Verborgenen halten können. Es war wirklich erfrischend, einen Kriminalroman zu lesen, bei dem der Ausgang beziehungsweise die Täter nicht schon gegen Mitte des Buches ganz offenkundig waren.
Am besten hat mir allerdings das Ende gefallen. Es war angenehm anders und hat der Geschichte zu einem würdigen Abschluss verholfen.

Leider, leider, leider hat der Roman für meine Begriffe aber ein Manko, das sich fast durch den ganzen Roman zieht, was umso bitterer ist, weil man es leicht hätte beseitigen können. Denn da der Protagonist und auch die Mehrheit der zentralen Figuren polnische Wurzeln haben, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass gelegentlich polnische Begriffe oder Wendungen in den Text eingebaut sind. Dagegen ist auch an sich überhaupt nichts einzuwenden, sorgt es doch dafür, die Stimmung des Romans noch zu verstärken und dem Leser ein Gefühl für die Personen zu geben, die sich da in ihrer Muttersprache unterhalten.
Es war allerdings wirklich schade, dass es keinerlei Glossar oder ähnliches gab, in dem die ganzen Anreden, Begriffe und Wendungen dann auch für den nicht-polnisch-sprechenden Leser übersetzt gewesen wären. Also musste ich jedes Mal mein Handy zu Rate ziehen, um mir das Wort übersetzen zu lassen. Und das hat dann auf die Dauer nicht nur den Lesefluss extrem gestört und somit dafür gesorgt, dass ich vor allem zu Anfang keinen rechten Zugang zur Geschichte gefunden habe, sondern es hat auch ein wenig genervt. Mit Fortschreiten der Geschichte hatte ich dann zwar die meisten Worte intus, mein Ärger vom Anfang hat mich allerdings noch ziemlich lange beim Lesen begleitet und so den Genuss der ansonsten wirklich gut durchdachten und ausgeklügelten Geschichte etwas gestört.

Gelesen hab ich es aber bis zum Schluss und war auch froh darüber, dass ich mich von diesem Manko nicht habe abschrecken lassen, denn hat man diese Widrigkeit erst einmal einigermaßen umschifft, wartet ein temporeicher Roman auf einen, der für den Leser die eine oder andere unvorhergesehene Wendung auf Lager hat und ihn somit für die kleinen Mängel mehr als entschädigt.

Mit „Sündenfall“ hat man sicher keine leichte Lektüre für zwischendurch in der Hand, man erfährt dafür aber einiges über die polnische Geschichte und Kultur. Zusammen mit einer ausgeklügelten Geschichte hat man hier einen Roman vor sich, den man, wenn man die Zeit investieren möchte, durchaus genießen kann. Krimifans, die sich von dem fehlenden Glossar nicht abschrecken lassen, dürften den Erstling der Autorin daher durchaus zu schätzen wissen

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

maggie stiefvater, the raven boys, adam, gansey, ronan

The Raven Boys

Maggie Stiefvater
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Scholastic, 18.09.2012
ISBN 9780545424929
Genre: Sonstiges

Rezension:

rezensiert von Shiku
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Schon früh hat Blue immer und immer wieder eine Sache vorhergesagt bekommen: Wenn sie ihre wahre Liebe küsst, wird diese sterben. Das sagten ihr nicht nur ihre Mutter und deren Freundinnen, sondern alle Medien, die sie finden konnten – immer wieder das Gleiche. Mittlerweile hat sich das junge Mädchen daran gewöhnt und will sich vor Küssen hüten.
Da hat sie allerdings nicht mit den Raven Boys gerechnet, namentlich Gansey, Adam, Ronan und Noah. Diese Vier verbindet mehr als nur der Schulalltag, denn gemeinsam suchen sie, was Gansey schon allein vergeblich zu finden versuchte: einen alten walisischen König. Der Fund seines Körpers soll dem Finder einen freien Wunsch bereiten und sie alle hätten Grund genug, diesen zu wollen. Viel Erfolg hatten sie bis jetzt jedoch noch und da ist Blue mit ihren ganz eigenen Talenten die perfekte Ergänzung für das Team.
Einfach wird diese Suche trotzdem nicht, denn, auch wenn sie es noch nicht wissen, sie haben Gegenspieler, die teilweise schon damals vor nichts zurückschreckten, um ans Ziel zu kommen, was sich jetzt nicht anders verhält.

Maggie Stiefvater mal wieder, was soll ich sagen? Langsame Handlung, wunderbare Charaktere und eine wunderschöne Sprache. Aber ich will mal nicht so sein und auch ins Detail gehen – ein bisschen was gibt’s da schon zu erzählen.

„It’s starting“, ist ein Satz, der recht häufig in diesem Buch vorkommt und es auch passend beschreibt. „The Raven Boys“ hat seine eigene Handlung, trotzdem ist es nur der Auftakt zu etwas, wie es mir scheint, viel Größerem, das bereits jetzt Spannung und Drama verspricht. Ob die Autorin das Versprechen halten kann, wird sich erst noch zeigen, aber mein Interesse kann ich nicht bestreiten.
Thematisch geht es – ganz kurz gesagt – um Geister. Nicht um Poltergeister oder Dämonen, die die Welt zum Einsturz bringen wollen, sondern um den zurückgebliebenen Schatten der einst Lebenden, um Medien und Séancen, um Vorhersagungen und Prophezeiungen, kurz um das Übernatürliche und Mystische, das ohne jeden Pomp präsentiert wird. Es hätte schnell passieren können, dass das Thema in Lächerliche gezogen wird, doch darum muss man sich hier keine Sorgen machen. Maggie Stiefvater präsentiert es, und den Glauben daran, mit einer Selbstverständlichkeit, dass selbst ein notorischer Zweifler wie ich es hinnehmen konnte und nicht ein einziges Mal die Augen verdrehen musste.
Man könnte es als leichte Fantasy bezeichnen, oder auch als realitätsnah, wenn man denn an sowas glaubt. Wie auch immer man es sieht, die Autorin nutzt ihr Setting voll aus, um uns mit dem Geheimnisvollen zu konfrontieren und ihre Charaktere auf ein leises, aber nicht minder gefährliches Abenteuer zu schicken.

Was die Figuren angeht, hat sie es sich nicht nehmen lassen, uns die ganze Bandbreite zu präsentieren. Es geht mit Blue los, die ihren eigenen Willen hat und keineswegs auf den Mund gefallen ist. (Ich weine immer noch vor Lachen, wenn ich an ihre erste Begegnung mit Gansey denke!) Sie hat sich mehr oder minder damit abgefunden, dass sie die Einzige in ihrer Familie ist, die keine übernatürlichen Fähigkeiten besitzt, sondern diese nur verstärkt. Das Gleiche gilt für die Tatsache, dass ihre wahre Liebe sterben wird, sobald sie sie küsst. Sie nimmt es sich nicht allzu sehr zu Herzen und bis jetzt gab es ohnehin keinen Anlass zur Sorge.
Was aber, wenn man letztlich doch auf die charmanten Raven Boys trifft? Noah ist zu Beginn reichlich unscheinbar, das aber auch einem guten Grund. Außerdem machen die anderen drei das mehr als wieder wett. Mein persönlicher Favorit ist Ronan, der nur aus Ecken und Kanten zu bestehen scheint, und für andere, hauptsächlich aber sich selbst, eine Gefahr ist. Ein Lächeln wird man bei ihm selten finden, und wenn, dass gilt es vermutlich Gansey – vielleicht auch Chainsaw, seinem Raben, den er aufzieht. Wer weiß?
Da scheinen Adam und Gansey beinahe das Gegenteil von ihm zu sein, auch wenn selbst diese beiden nicht allzu viel gemein haben und dennoch gute Freunde sind. Adam kommt aus schwierigen und wenig wohlhabenden Verhältnissen, muss für jeden Cent schuften und ja, ab und an sorgt das für ein gespanntes Verhältnis zwischen den beiden.
Gansey dagegen stammt aus einer reichen Familie, kann beinahe machen, was er will und auch wenn er es nie beabsichtigt, so tritt er in das eine oder andere Geldfettnäpfchen, wenn es darum geht, dass andere wenig haben und er viel zu viel hat.
Zusammen bilden sie ein interessantes Trüppchen voller Spannungen und Gegensätze, das aber gerade deswegen so klasse ist. Man denke sich dazu vielfältige Nebencharaktere, die ebenso für den einen oder anderen Lacher sorgen, und kann sich sicherlich gut vorstellen, dass das jede Menge Spaß und durchaus auch Spannung bedeutet.

Erzählt wird die Geschichte aus vielen Perspektiven, die immer wieder neue Blickwinkel ermöglichen und Informationen liefern, die wir bei nur einem Erzähler so schnell nicht erhalten hätte.
Ohnehin lässt sich Maggie Stiefvater noch auf keine Klischees ein und geht ihren eigenen Weg, der dem einen gefallen mag, dem anderen vielleicht nicht. Ich für meinen Teil habe die Abwechslung genossen, auch wenn es zwischendurch zugegebenermaßen ein wenig verwirrend wurde, sobald Magie ins Spiel kam. Dafür bekommen wir eine vorerst leise und realistische Romanze, denn auch wenn dafür Zeit ist, Wichtigeres ist trotzdem zu erledigen. Daher sei es ihr verziehen, ebenso der zunächst unzufriedenstellend wirkende Epilog. Sie hat gezeigt, dass sie es am Ende richtig macht, von daher: Habt Vertrauen in Mrs. Stiefvater, sie packt das schon!

In vieler Hinsicht ist „The Raven Boys“ ein klassischer Roman von Maggie Stiefvater: eine interessante Perspektive auf ein bekanntes Thema, eine Geschichte, die es ruhig angehen lässt und wundervolle Charaktere. In diesem Fall sorgen die weniger für Romantik und mehr für Spaß, was ich absolut gutheiße, zumal die Romantik dem Ganzen nicht lange fernbleiben wird – Drama inklusive? Bleibt abzuwarten, dieses Buch jedenfalls überzeugt mit einer eigenen Geschichte und guter Unterhaltung.

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76 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

steampunk, fantasie, braun, reihe, im regal

Books & Braun

Pip Ballantine , Tee Morris , Michaela Link
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 13.12.2012
ISBN 9783802586446
Genre: Fantasy

Rezension:

rezensiert von Feder

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Fulminant, spannungsgeladen und unterhaltsam von der ersten bis zur letzen Seite, genauso habe ich den ersten Band „Das Zeichen des Phönix“ in Erinnerung behalten und dementsprechend gespannt war ich natürlich, ob Pip Ballentine und Tee Morris die hohen Erwartungen, die dieser überaus gelungene Auftakt geweckt hat, auch gerecht werden können. Und es ist den beiden wirklich gelungen, denn die „Janus-Affäre“ steht ihrem Vorgänger in nichts nach, im Gegenteil: Die Geschichte der beiden Agenten wird fast nahtlos aufgegriffen und an bereits bestehende Handlungsstränge angeknüpft, auf deren Fortschreiten ich nach Lektüre des ersten Teils sehnlichst gewartet habe. Aber diese Stränge drängen sich dabei keineswegs in den Vordergrund. Sie sind verflochten mit einem ganz neuen Hauptstrang, der den knochenleeren Leichen aus dem ersten Band in nichts nachsteht. Wieder verschwinden Leute, wieder scheint die Ursache übernatürlich zu sein, und trotzdem kommt während der Lektüre keinen Moment lang das Gefühl auf, bereits bekannte Muster vorgesetzt zu bekommen. Die Geschichte hält ihr angenehm hohes Spannungslevel bis zur allerletzten Seite, ohne dass die Handlung eintönig erscheint.

Geschuldet ist dies zu einem nicht geringen Teil den beiden wirklich herausragend konzipierten Protagonisten, Wellington Books und Eliza Braun. Den Autoren ist es gelungen, ihre schon in Band eins wirklich wunderbar herausgearbeitete charakterliche Tiefe mit noch mehr Leben zu füllen. Beide haben noch einige Facetten – sowohl positive als auch negative – dazu gewonnen. Es wurden bereits angedeutete Geheimnisse ihrer Vergangenheit gelüftet und dafür viele neue Fragen aufgeworfen.
Ihre Zankereien und Interaktionen sind wie immer detailreich ausgestaltet, schlagfertig und es bereitet einfach nur eine wahre Freude sie mitzuerleben. Auch ihre nicht unbedingt einfache zwischenmenschliche Beziehung hat nach vielen spannungsgeladenen Höhen und Tiefen eine neue Ebene erreicht, die im Folgeband noch für einiges an Zündstoff sorgen wird. Aber auch die Nebencharaktere sind wunderbar vielschichtig ausgestaltet und fügen sich nahtlos ins Geschehen. Sie ergänzen die beiden doch überaus starken Protagonisten ganz ausgezeichnet und verhelfen der Geschichte zu einer harmonischen Mischung aus Spannung und gelegentlichem Herzklopfen.

Dadurch entsteht eine ausgewogene Mischung aus spannungsgeladener Verbrecherjagd, herzerwärmenden zwischenmenschlichen Konflikten und politischen Intrigen, in deren Mitte wie immer unser ungleiches Agentenduo für einigen Wirbel sorgt.

Aber nicht nur die Figuren, auch die Geschichte ist wirklich gut durchdacht. Alles Wichtige wird erwähnt, ohne dass man sich als Leser von Informationen erschlagen fühlt. Die Welt, welche die beiden Autoren erschaffen haben, ist tiefgründig und detailreich dargestellt, so dass es einem als Leser ganz leicht fällt, in die Tiefen der Geschichte einzutauchen und sich vom Geschehen voll und ganz mitreißen zu lassen. Ein durch und durch herausragendes Buch, dem hoffentlich schon sehr bald ein würdiger dritter Band folgen wird.


Mit „Die Janus-Affäre“ ist den Autoren ein wirklich würdiger Nachfolger der „Books & Braun“-Reihe gelungen, der meine hohen Erwartungen sogar noch übertroffen hat. Mit viel Witz, Charme und einer gehörigen Portion Spannung entführen die Autoren den Leser in die Welt des Steampunks, aus der man gar nicht mehr zurückkommen will. Nicht nur für Fans des Genres ein durchaus lesenswertes Buch!

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111 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

australien, familie, verschollen, historischer roman, fremde länder

Abby Lynn - Verschollen in der Wildnis

Rainer M. Schröder
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei cbj, 12.11.2012
ISBN 9783570401699
Genre: Jugendbuch

Rezension:

3.5
rezensiert von Shiku

Die Rezension enthält Spoiler zum ersten Band!
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Oktober 1808: Jahre sind vergangen, seit Abby Lynn nach Australien deportiert wurde, um dort ihre zu Unrecht auferlegte Strafe abzuarbeiten. Doch sie hatte Glück und wurde bei Neusiedlern aufgenommen, deren jüngsten Sohn, Andrew, sie vor vier Monaten sogar heiratete. Und auch wenn dem Begnadigungsgesuch der Chandlers für Abby noch nicht stattgegeben wurde – und so schnell vermutlich auch nicht wird –, ist es doch ein gutes Leben geworden, das sie führt; zumindest dachte sie das.
Eines Tages bricht ein Waldbrand aus, was in dieser Gegend nicht ungewöhnlich ist. Bei der Bekämpfung der Flammen fällt Abby eine Gestalt auf, die sie rettet und danach auch gesund pflegt – es ist eine der Eingeborenen und außer Abby scheint niemand recht Mitleid mit ihr zu haben. Die Eingeborenen sind unter den Farmern als Wilde und Kriminelle verschrien, die die Mühe nicht wert sind. Es beunruhigt Abby zu wissen, dass von ihr geliebte Menschen so denken können, doch viel Zeit, daran etwas zu ändern, bleibt ihr nicht. Auf einer Reise werden sie überfallen – und hinterher weiß niemand, wo Abby steckt und ob sie überlebt hat.

Konnte man beim ersten Band noch sagen, dass es – neben Abby – auch um Australien und das Leben dort ging, so gilt das Gleiche für Band 2 für die Eingeborenen, allgemein als Aborigines bekannt, die sich selbst aber Yapa nennen. Unter den Kolonialisten – und auch heute noch, möchte ich meinen – herrschen viele Vorurteile über diese Menschen. So sollen sie beständig Vieh und Alkohol stehlen und diejenigen, die ihre Stämme verlassen haben und in der „zivilisierten“ Welt leben, gehen selten als ehrenwert erachteten Berufen nach. Bezahlt werden sie in Alkohol und Tabak und wenn sie nicht doch für jemanden Fährten lesen, fristen sie im Gefängnis oder in Armut ihr Dasein. Für die Siedler sind sie weniger wert als die Sträflinge, und warum? Weil sie anders sind, ihr Leben nicht den westlichen Standards entspricht und die meisten schlichtweg nicht genug Verstand haben, um sie überhaupt zu verstehen, oder sich die Mühe zu machen.
Das Buch zeigt, dass diese Vorurteile nichts weiter sind als gemeine Verleumdungen, dass die Siedler trotz ihrer Techniken in vieler Hinsicht die „Primitiven“ sind. Aber nicht nur das: Dank der Zeit, die einige Charaktere mit Ureinwohnern verbringen (müssen), überdenken nicht nur sie ihre Ansichten, auch wir können etwas über ihre – damaligen – Sitten und Bräuche lernen. Wie das heute aussieht, ist selbstverständlich ein anderes Thema.

Inhaltlich passiert daher in diesem Buch nicht allzu viel, vieles ist theoretisch und mehr über die Religion der Ureinwohner zu erfahren, mag interessant sein, von Spannung zeugt es aber nicht gerade. Andererseits ist es auch nicht langweilig, denn mit der Frage, wie Abbys Verbleib aussieht, sorgt der Autor durchaus dafür, dass ungeduldig weitergelesen wird. Es vermutet natürlich niemand, dass die titelgebende Figur im zweiten Band einer Tetralogie sterben wird, aber es gibt immer noch viele Dinge, die mit ihr in der Zwischenzeit geschehen können und das muss geklärt werden.
Abgesehen davon liegt der Fokus hier auch nicht auf der Weiterentwicklung der Charaktere. Was durch den unpersönlichen Erzählstil ohnehin schon schwierig ist, geht durch die vielen Informationen noch ein bisschen mehr verloren; außerdem lässt sich bei vielen Charakteren nicht mehr erfahren, weil sie zum Großteil gar nicht oder nur sehr selten auftauchen. Die meiste Zeit über begleiten wir dieses Mal sogar Andrew, aber wie ich bereits sagte: Es geht um die Ureinwohner.

Was den Schreibstil angeht, bleibt meine Kritik vom letzten Mal: Eigentlich schreibt Herr Schröder sehr angenehm und lesenswert, das Ganze funktioniert aber nicht in der wörtlichen Rede, für die er seinen Stil kein bisschen abändert. Damals mag man anders gesprochen, aber so? Da müsste man schon drei Besen verschluckt haben, damit das zutrifft.
Bisweilen wirkte der Text auch ein wenig belehrend und oft wurde direkt erklärt, wie ein Verhalten zu interpretieren sei. Allerdings ist das, was mich ein wenig störte, für jüngere Leser vielleicht gar nicht so verkehrt. Zwar muss man auch Kindern nicht vorbeten, was sie zu denken haben, aber ein kleiner Hinweis hier und da kann eigentlich nicht schaden. Sie mögen vielleicht viel und oftmals andere Dinge sehen als Erwachsene – manches bleibt dann aber trotzdem auf der Strecke. Als etwas älterer Leser muss man sich einfach darauf einstellen, dann kann man es auch gut verschmerzen.

Auch der zweite Band der Abby-Lynn-Reihe, „Verschollen in der Wildnis“, von Rainer M. Schröder legt keinen allzu großen Wert auf eine spannende Handlung – auch wenn es durchaus spannende Momente gibt! –, sondern erzählt wieder von Australien, dieses Mal von den Ureinwohnern, die sich mit Vorurteilen, Diskriminierung und Verfolgungen konfrontiert sehen. Sprachlich bleibt das Ganze holprig, wenn es um die wörtliche Rede geht, aber es ist nichts, was man nicht – um der Geschichte willen – verkraften könnte.

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586 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 66 Rezensionen

liebe, handy, hochzeit, sms, poppy

Kein Kuss unter dieser Nummer

Sophie Kinsella , Jörn Ingwersen
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 12.11.2012
ISBN 9783442467716
Genre: Liebesromane

Rezension:

rezensiert von Feder

___________

Die neuste Schöpfung der Bestsellerautorin Sophie Kinsella wartet schon mit einem aufregenden Auftakt auf. Kein langes Herumreden um den heißen Brei, keine seitenlange Vorstellung der wichtigsten Charaktere. Nein, man wird als Leser gleich mitten in die Handlung geworfen und auch wenn ich mich zunächst über die etwas übertriebene Panik der Protagonistin Poppy Wyatt gewundert habe, so sind doch die ersten Szenen ganz typisch für ihren Charakter. Ohne dass es vieler Worte zu ihrem Wesen bedarf, beschreibt ihr Handeln sie doch so genau, dass man sich schon nach dem ersten Kapitel ein relativ klares Bild von ihr machen kann. Sie ist liebenswert, aber irgendwie etwas zerstreut und bemüht, es allen recht zu machen. Und viel wichtiger: Ihre charakterliche Skizzierung auf den ersten Seiten verspricht einen humorvollen und abwechslungsreichen Roman, der es einem schwer machen wird, das Buch aus der Hand zu legen. Und im Großen und Ganzen ist die Autorin diesem Versprechen auch sehr gut nachgekommen. Denn was sich auf dem Leser auf den 460 Seiten da bietet, ist zwar keine hohe literarische Kunst, aber ein buntes, unterhaltsames Treiben voll zwischenmenschlichen Problemen und Missverständnissen rund um der Deutschen liebstes elektronisches Helferlein: das Handy.
Es ist aus dem Leben der meisten schon nicht mehr wegzudenken, aber was passiert, wenn eben dieses gestohlen wird? Gerade dann, wenn man verzweifelt auf einen Anruf wartet?
Poppy Wyatt ist genau in dieser Situation und ihre Lösung des Problems ist zugegebenermaßen etwas unorthodox, aber für den Leser ein wahrer Segen, denn was sich aus ihrem „Glücksgriff“ entwickelt, ist nicht nur eine ganz neue zwischenmenschliche Beziehung, in der zwei scheinbar komplett gegensätzliche Charaktere aufeinander treffen, sondern auch eine humorvoll gestaltete Reflexion der modernen Gesellschaft, in der die meiste Kommunikation über das Handy läuft.

Hervorragend zu diesem Thema hat die Autorin ihre Figuren konzipiert und in Szene gesetzt.
Da hätten wir zum einen Poppy, die Protagonistin, die wie schon erwähnt einen einnehmenden und sympathischen Charakter aufweist, mit dem man sich als Leser vielleicht nicht unbedingt identifizieren kann, der einem aber doch ans Herz wächst. Man hofft einfach, dass für sie alles gut
ausgehen wird und man kann auch wunderschön mit ihr mitleiden, wenn sie ihre Besuche bei den Schwiegereltern überstehen muss. Aber auch ein bisschen Fremdschämen kann man sich für sie – mir jedenfalls ist es so ergangen –, muss man doch bei einigen ihrer Aktionen einfach nur den Kopf schütteln. Aber auch diese kleinen Fehler machen ihren Charakter aus, runden ihr Wesen ab und lassen sie so nur noch liebenswerter erscheinen, da sie anders als so manch andere Protagonistin nachvollziehbare und vor allem glaubwürdige Schwächen aufweist.
Auch die beiden Männer in ihrem Leben sind gut durchdacht und bieten nicht nur einen Gegensatz zueinander sondern auch zu Poppys Charakter. Der eine ist ein renommierter, von sich überzeugter Professor, der andere ein etwas kühl wirkender, von seiner Arbeit ziemlich eingenommener Mann, den die Meinung anderer nicht im Mindesten interessiert.
Spannung und viele Lacher sind also in der Geschichte vorprogrammiert und es fällt einem wirklich schwer, das Buch dann wieder aus der Hand zu legen. Zu viele Fragen sind schon von der ersten Seite an offen und die Autorin hält einen wirklich bis zum bitteren Ende hin, ehe sie alle geklärt werden.

Daher fallen auch die wenigen kleinen inhaltlichen Mängel, die man bei genauem Lesen finden kann, nicht wirklich schwer ins Gewicht, da sie sich ausschließlich auf Nebeninformationen beschränken, die zwar in den Hauptstrang eingebunden, aber nicht glatt mit ihm verbunden sind. Warum sowohl Sam als auch Poppy Todesfälle in der der Familie haben mussten, hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Es ist nebenbei ein wenig mit eingeflossen, hat sich aber nicht ins Gesamtgeschehen integriert.
Aber das konnte im Lesen mitgenommen werden, man hat sich vielleicht darüber gewundert, ist dann aber zügig zur Geschichte zurückgekehrt.

Wer eine kurzweilige, aber dennoch höchst unterhaltsame Abendlektüre sucht, der wird an Sophie Kinsellas neustem Werk „Kein Kuss unter dieser Nummer“ sicher seine Freude haben. Denn trotz einiger kleiner Unstimmigkeiten ist das Buch ein wahrer Lesegenuss, den man einer Freundin guten Gewissens unter den Christbaum legen kann. Für Fans der Autorin ein absolutes Muss!

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86 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

dystopie, veronica roth, divergent, insurgent, chicago

Insurgent

Veronica Roth
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Childrens Books, 01.05.2012
ISBN 9780062024046
Genre: Jugendbuch

Rezension:

4,5
rezensiert von Shiku
_____

4.5
______

Der Angriff der Erudite wurde vorerst gestoppt, doch das heißt nicht, dass die Gefahr vorüber ist. Ein Großteil der Abnegation wurde getötet und nicht alle Dauntless wenden sich von den Erudite ab, sobald die Simulation gestoppt ist und sie wieder selbstständig denken können.
Tris findet zusammen mit Four, Caleb, Marcus und Peter vorerst Schutz bei den Amity, doch der Schock über den Tod ihrer Eltern und die Schuld, Will erschossen zu haben, lassen sie deswegen noch lange nicht los.
Dennoch bleibt keine Zeit, um auszuruhen, denn der Konflikt wird weitere Dimensionen annehmen und Tris als Divergent ist besonders gefährdet. Sie wird nicht das letzte Mal um ihr Leben gekämpft haben und es wird auch nicht der letzte Schock gewesen sein, den sie erleben muss.

Nach dem Beenden des Buches hatte ich das dringende Bedürfnis laut zu fluchen (dem ich auch nachgegangen bin), allerdings nicht, weil das Buch so schlecht war – eher im Gegenteil. Ich hatte mir wirklich gewünscht, dass „Insurgent“ mindestens halb so toll wird wie „Divergent“, damit ich es mindestens genießen kann und das hat Veronica Roth glücklicherweise zustande gebracht; das und noch mehr.

Es fängt schon damit an, dass die Ereignisse aus Band 1 nicht einfach an Tris vorbei gehen, sondern tatsächlich Einfluss auf sie haben. Das betrifft nun den Tod ihrer Eltern, vor allem aber die Tatsache, dass sie in ihrer Panik einen ihrer besten Freunde erschoss. Das ist nichts, das man einfach so wegstecken kann und sollte, und das geschieht auch nicht. Gleichzeitig ist es aber auch nichts, mit dem man einfach so hausieren geht, was wiederum Probleme mit sich bringt – derartige Geheimnisse vor den Personen zu haben, die einem nahe stehen, bringen selten etwas Gutes, was auch Tris am eigenen Leib erfahren muss.
Trotzdem dreht sich die Geschichte nicht im Kreis, indem sie immer wieder beleuchtet, wie es Tris nun in dieser Hinsicht geht, sondern konfrontiert sie mit weiteren Problemen, die sie langsam, aber sicher fertigmachen. Wie auch nicht? Sie ist letztlich noch immer eine 16-Jährige, mittlerweile eine Waise, die ihren Platz in der Gesellschaft erst finden muss – vor allem in einer, in der Menschen wie sie gar nicht vorgesehen sind. Da ist es nur logisch, dass sie einige Probleme hat und nicht immer einer Situation angemessen reagiert, zumal es ihr auch nicht gerade leicht gemacht wird.

„Insurgent“ konzentriert sich hauptsächlich auf die Charaktere, die wir im ersten Band schon kennenlernen konnten, auch wenn einige wichtige Figuren hier erst eingeführt werden. Eine der wichtigsten Personen für Tris ist Four, mit dem nicht alles wirklich rund läuft. Zwar kribbelt es zwischen den beiden nach wie vor mächtig, aber das verflüchtigt sich langsam, sobald sich die Geheimnisse zwischen den beiden anhäufen. (Mal abgesehen davon, dass ich die berühmten vier Buchstaben hier trotzdem noch zu verfrüht fand – das kann aber auch nur an mir liegen, ich bin kein Freund dieser Worte, scheint mir.) Four muss selber mit dem einen oder anderen Problem zurechtkommen, auch wenn manche Reaktionen von ihm recht hochgezogene Augenbrauen meinerseits hervorriefen. Wir wissen also, dass die Freundin anders denkt, reden aber nicht weiter drüber und verlangen, dass sie tut, was wir verlangen und sich damit unterordnet, ja? Nun, junger Mann, das müssen wir wirklich noch üben! Zum Glück scheint er sich irgendwann doch wieder ein wenig zu fangen und ich will ihm eine zweite Chance gewähren; die Situation, in der sie sich momentan befinden, ist letztlich extrem, da ist es irgendwo auch verständlich, wenn Leute die Nerven verlieren oder eben nicht mehr ganz klar denken.
Neben ihm gibt es da natürlich noch Caleb, mit dem Tris erst lernen muss umzugehen, Christina, die die Freundin von Will war, und eine Gruppe anderer Dauntless. Besonders die Szenen mit letzteren sorgen zu einem Großteil für eine Auflockerung der Geschichte und für reichlich Lacher. Diese scheinen ohnehin immer wieder ihren Weg in die Geschichte zu finden, was durchaus angenehm ist bei dem, was sonst so vor sich geht und der Tatsache, dass nicht jeder Charakter ein Freund von Tris ist und sie trotzdem mit ihnen zusammenarbeiten muss.

Die Handlung folgt zunächst keinem sichtbaren „Plan“ – die Lage der Dinge ist unübersichtlich, Bündnisse unsicher und genauso die Ziele für die Zukunft. Sollen die Erudite besiegt und zerstört werden? Soll eine fraktionslose Gesellschaft angestrebt werden?
Langweilig wird es trotzdem nicht, denn Unsicherheit heißt nicht, dass alle nun die Hände in den Schoss legen. Spätestens auf Angriffe der Erudite, die ziemlich genau zu wissen scheinen, was sie wollen, muss immer wieder reagiert werden und der Ausgang des Ganzen ist keineswegs sicher.
Derweil hält die Autorin die eine oder andere (unangenehme) Überraschung bereit und – was noch viel wichtiger ist – die Antwort auf eine Frage, die sich bereits während des ersten Bandes stellte: Was liegt außerhalb der Stadt? Schließlich gibt’s da draußen eine komplette Welt, über die wir nichts wissen und bei der sich scheinbar kaum jemand fragt, was dort vor sich geht. Alle Fragen, auch in diese Richtung, werden zwar nicht beantwortet, aber wir sind zumindest schon mal einen Schritt weiter.

Dennoch gibt es den einen oder anderen negativen Punkt, die allesamt keineswegs überwältigend, aber trotzdem vorhanden sind. Da wären einige, zum Glück seltene, Stellen, an denen Tris und die anderen herumrätseln, obwohl die Antwort eigentlich klar auf der Hand liegt.
Ein wenig schwerwiegender sind da die Sinnfehler, die sich hier und da eingeschlichen haben. Ich bin in dieser Hinsicht nicht einmal streng, Verwechslungen zwischen „him“ und „her“, die es auch geben soll, sind mir gar nicht aufgefallen, dafür aber andere kleine Verwechslungen und vor allem das ziemlich große Hin und Her gegen Ende, in der Tris mal eine Waffe hat und dann mal wieder nicht.
Die Autorin hat sich zwar schon dafür entschuldigt und begründet, warum solche Fehler entstehen, aber das war eigentlich noch nie ein großes Geheimnis. Jeder, der auch nur Essays schreiben muss, weiß, dass man Dinge übersieht, wenn man einen Text zu oft und in zeitlicher Nähe liest. Abgesehen davon ändert das nichts an dem Effekt, den diese Stellen haben: Ich war irritiert, der Lesefluss wurde unterbrochen, vor allem wenn die Dinge richtig durcheinander geraten. Sie hat keine Waffe, sie hat eine, sie hat keine, sie hat eine … das verwirrt nun mal und stört; Fakt ist Fakt. Und dafür gibt’s auch einen halben Punkt Abzug.

„Insurgent“ hält, was „Divergent“ versprochen hat und ist mindestens genauso spannend und sogar ein bisschen lustiger – zumindest was meinen Humor betrifft. Was vor sich geht, ist sicherlich nichts für leichte Gemüter, allein schon durch die schwierigen Gefühle, mit denen sich Tris herumschlagen muss. Das alles ist aber nur der Situation entsprechend, auch wenn manch Charakter zwischendurch durchaus mal einen Tritt in den Hintern verdient hätte. Letztlich gibt es neue Antworten auf einige Fragen und einen ziemlich schwierigen neuen Konflikt. Störend ist da eigentlich nur, dass sich einige wenige Sinnfehler eingeschlichen haben, die einen trotzdem ziemlich aus der Geschichte herauswerfen können.

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(3.174)

4.639 Bibliotheken, 68 Leser, 7 Gruppen, 264 Rezensionen

liebe, erotik, sex, ana, christian

Shades of Grey - Gefährliche Liebe

E. L. James , ,
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 05.09.2012
ISBN 9783442478965
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

rezensiert von Feder

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Nun, mir bleibt eigentlich wenig zu sagen über den zweiten Teil der „Shades of Grey“-Reihe von E.L. James. Obwohl es nun schon einige Zeit her ist, dass ich ihn gelesen habe, ist mir immer noch nicht wirklich etwas Positives eingefallen, das man darüber schreiben könnte.
Wie schon bei der Lektüre des ersten Bandes war ich auch beim Lesen von Band zwei überrascht. Aber im Gegensatz zum ersten Teil war die Überraschung keine gute. Die beiden bitterbös zerstrittenen Protagonisten hatten sich schon nach 15 Seiten wieder lieb, obwohl doch das Ende von Band eins einen nervenaufreibenden und eher langwierigen Versöhnungsprozess versprochen hat. Aber das lief alles sehr seicht ab.
Seicht ist ohnehin das Adjektiv, das die gesamte Geschichte wohl am treffendsten beschreibt. Denn obwohl ein eifersüchtiger Nebenbuhler, eine psychopatische Ex-Sub und als Garnierung Mrs. Robinson das Liebesglück von Ana und Christian zu stören versuchen, kommt dabei kaum Spannung auf. Alles verläuft in linearen Bahnen und man bekommt als Leser immer wieder das gleiche Schema vorgesetzt, das schon beim ersten Mal so durchschaubar und langweilig war, dass man sich wirklich fragen muss, ob die Autorin beim Schreiben einfach keine Lust mehr hatte, oder ob sie ihre Leser schlicht und ergreifend für zu dumm hält, einer komplexeren Handlung zu folgen.
Selbst die zahlreich vorhandenen „hoch erotischen“ Liebesszenen wirken etwas platt und vor allem immer wieder gleich. Von BDSM kaum noch eine Spur.
Auch die von mir beim ersten Band positiv zur Kenntnis genommenen seelischen Probleme wurden komplett verharmlost und man kann fast sagen, lieblos aufbereitet und dem Leser in dem Brei aus Nichtigkeiten so als Zwischengang serviert, damit das halt auch mal aufgelöst wurde.
Ein- oder zweimal ist es der Autorin dann doch gelungen, wenigstens annähernd etwas Spannung aufzubauen, die aber dann kurz darauf durch einen platten Streit oder eine noch plattere Erotikszene wieder negiert wurde.

Was die Gestaltung der beiden Protagonisten betrifft, die ja in Band eins durchaus nicht schlecht gemacht war, so hat sich die Autorin auch hier alle Mühe gegeben, die komplexen Beziehungen und Wesenszüge komplett zu zerschreddern, so dass am Ende ein klischeehaftes Pärchen übrig geblieben ist, das zumindest ich nicht mehr so richtig leiden konnte.

Will man etwas Positives sagen, so habe ich immerhin bis zum Ende durchgehalten, in der Hoffnung, dass sich die Lektüre am Ende doch nicht als vollkommene Zeitverschwendung herausstellen würde. Leider kann ich das nicht unbedingt bestätigen, da das Buch dafür über weite Strecken einfach zu vorhersehbar, zu platt und viel zu eintönig war. Weder die Story noch die Charaktere und schon gar nicht die Umsetzung waren wirklich überzeugend.
Aber der dritte Band steht schon in meinem Regal, da ich die Hoffnung noch nicht so ganz aufgeben mochte, dass die Geschichte zu einem wenigstens annehmbaren Ende kommt, denn wie auch im Vorgängerband sind die Grundpfeiler dafür gesetzt.

Nach einem doch überraschend positiven ersten Band fiel Band zwei unterm Strich doch wirklich mehr als enttäuschend aus. Aber immerhin kann man sagen, die Autorin blieb ihrer Linie treu und hat beim zweiten Band in jedem Bereich einen gewaltigen Bock geschossen. Ein schwacher Lichtblick bleibt, in der Hoffnung, dass es im letzten Band nur noch besser werden kann …

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(8)

17 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

biographie

Das Leben der Brontës

Elsemarie Maletzke
Flexibler Einband: 508 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 17.11.2008
ISBN 9783458351016
Genre: Biografien

Rezension:

rezensiert von GoldenEye
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Das Leben der Brontë-Schwestern und ihrer Familie ist mysteriös. Es ist nur wenig über ihr Leben bekannt, ihre ersten Schreibversuche, ihre erste Liebe.
Der Leser reist ins England des 19. Jahrhunderts und erlebt die Brontë-Familie von der Heirat der Eltern an über die Geburt der Kinder Emily, Charlotte, Anne und Branwell und deren gesamter Kindheit bis zum Tod aller beteiligten Personen und noch ein Stück weiter, bis alle selbstgeschriebenen Bücher der Geschwister veröffentlicht sind.

Tatsächlich kennt man die „sisters three“ hierzulande eher weniger, falls man sich nicht gerade mit klassischer Literatur beschäftigt. Den bis(s)festen unter uns dürfte aber Emily Brontë ein Begriff sein, die Bellas Lieblingsbuch „Sturmhöhe“ schrieb. Ihr düsterer Roman aus dem England des 19. Jahrhunderts enthält viel mehr aus ihrem eigenen Leben, als man vermuten würde – genauso wie jeder Roman ihrer Schwestern. In jedem Buch finden sich Anspielungen auf Menschen, Orte und Ereignisse aus ihrem Leben, die auch nicht lange unbemerkt blieben.
In dieser fast 500 Seiten starken Biografie wird von Anfang an die Geschichte der gesamten Familie Brontë beleuchtet. Gestartet wird es vom Vater der Schwestern, dem Pfarrer, und geht über in das kleine Heimatdörfchen Haworth und erzählt dem Leser etwas über die Geschichte Englands, wie das 19. Jahrhundert für die Menschen aussah, wie es gestaltet war. So bekommt man einen guten Einblick und fühlt sich in die Geschichte ein.
Eine Geschichte ist es tatsächlich. Man hat den Eindruck, man lese einen düsteren Roman und keine Biografie. Alles ist sehr detailliert beschrieben, soweit es die Quellen zulassen, denn nicht alles ist genau überliefert und Maletzke hält nichts von Spekulationen, was sie mehrmals deutlich macht.
Das Leben jedes einzelnen Brontës wird erzählt mit allen Höhen und Tiefen, den literarischen Anfängen der Geschwister Anne, Emily, Charlotte und ihrem Bruder Branwell, sowie ihre Liebeleien mit verschiedenen Wesen des anderen Geschlechts. Auch diese Personen werden genauestens unter die Lupe genommen, so dass niemand als schwarzer Schatten durch das Buch huschen kann.
Gespickt ist das Buch mit vielen Zeichnungen der Geschwister und Fotos aus der Umgebung. Unheimlich wird es gegen Ende, als Fotos von Charlotte gezeigt werden. Plötzlich wird einem klar, dass es diese großartigen Frauen wirklich gegeben hat und wie sie das Jahrhundert auf den Kopf gestellt haben, denn ihre Ansichten bezüglich der Ehe und den Rechten einer Frau waren nicht der Zeit entsprechend. Sie rebellierten über ihre Bücher und veröffentlichten diese zuerst über Künstlernamen. Charlotte (Künstlername Currer Bell) war die erfolgreichste der vier, sie brachte zwei Bestseller zustande, während die Bücher ihrer Schwestern fortwährend abgelehnt oder, falls sich ein Verlag erbarmte und ein Buch doch in die Regale stellte, einfach nicht beachtet wurden. Auch Branwell hatte unglaubliches Talent zum Schreiben und vor allem zum Zeichnen, doch er ertränkte sein Talent im Alkohol, bis es schließlich zu spät für ihn war.
Nach und nach erkranken auch die Schwestern alle drei an Tuberkulose. Sie versuchen alles, um gesund zu werden oder das unvermeidliche Ende hinauszuzögern, doch auch Charlottes Ausflüge ans Meer helfen nichts mehr und so stirbt zuerst Emily, dann Anne und zuletzt auch Charlotte.
Das ist das tragische Ende einer Familie. Die Geschwister lebten ihre Fantasie aus und brachten damit die halbe Welt gegen sich auf, da ihre Romane nicht das waren, was man sich zu dieser Zeit vorgestellt hatte. Doch sie ließen sich nicht beirren und schrieben das, was sie dachten.

Dieses Buch holt den Leser aus seiner Dunkelheit. Man erfährt nicht nur etwas über die Schwestern, sondern zugleich etwas über die ganze Familie und England im viktorianischen Zeitalter. Der Schreibstil der Autorin ist sachlich, aber zwischendurch lässt sie ihre eigene Meinung durchblicken, was dem Buch neben den düsteren Geschichten auch einen guten Teil Witz verleiht.
Alles wird so genau wie nur irgend möglich erzählt und beschrieben; es steht all das drin, was zu 100% sicher ist.
Dieses Buch ist ein Muss für alle, die „Sturmhöhe“, „Jane Eyre“, „Agnes Grey“ und alle anderen Romane lieben und sich für das Leben dieser Menschen interessieren.

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(108)

187 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

australien, historischer roman, historisch, jugendbuch, sydney

Abby Lynn - Verbannt ans Ende der Welt

Rainer M. Schröder
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 12.11.2012
ISBN 9783570401682
Genre: Jugendbuch

Rezension:

3,5
rezensiert von Shiku
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Es ist Februar 1804 und die damals vierzehnjährige Abby weiß nicht mehr weiter. Schon seit Wochen plagt ihre Mutter eine Krankheit, die sie einfach nicht abschütteln kann und die sie am Arbeiten hindert. Geld haben sie keines mehr und in den meisten Geschäften bekommen sie auch nichts mehr angeschrieben. Selbst Betteln würde nichts helfen, denn London ist von den Armen und Bedürftigen bevölkert. Als Abby einmal mehr ihre Sachen verkaufen möchte, geschieht jedoch etwas Unerwartetes. Dass junge Taschendiebe die Runde machen und reiche Menschen bestehlen, ist nichts Ungewöhnliches – wohl aber, dass sie auf ihrer Flucht ihre Beute in Abbys Korb fallen lassen, mit dem Versprechen später zu teilen. In Panik versucht auch Abby zu fliehen, wird jedoch geschnappt und für alle Umstehen steht bereits fest, dass sie die Komplizin des Diebes ist. Ohne viel Federlesen wird das junge Mädchen in Newgate untergebracht, einem der schlimmsten Gefängnisse der Stadt. Lange Zeit vergeht, ehe ihr überhaupt der Prozess gemacht wird – und auch dann deutet nichts auf ein gutes Ende für die unschuldig Eingekerkerte hin. Zum Strang wird sie nicht verurteilt, dafür aber zu sieben Jahre Straflager am anderen Ende der Welt, Australien; die meisten überstehen nicht einmal den Weg dorthin.

Es gibt gewisse Details, die beim Lesen sofort auffallen, und dazu gehört der Schreibstil eines Autors selbstverständlich dazu. Im Falle von Rainer M. Schröder ergibt das einen gewissen Zwist, denn einerseits ist sein Buch sehr schnell und leicht zu lesen, so dass es kaum mehr als einen Tag dauerte, ehe ich das Buch ausgelesen hatte. Andererseits wirkt sein Schreibstil sehr steif, wenn es die wörtliche Rede betrifft. Was beim allgemeinen Erzählen der Geschichte gut funktioniert, kann aus dem Munde einer der Charaktere vollkommen unnatürlich klingen und genau das war das Problem, das ich oftmals hatte. Es war nicht so prominent, dass mir das Lesen keinen Spaß mehr gemacht hätte, trotzdem fiel es negativ auf, genauso wie der sehr ausschweifende Gebrauch von Ausrufezeichen und das ständig wiederkehrende „so, …“.
Es ist ein wenig schade drum, denn ansonsten lässt sich das Buch wirklich sehr gut lesen. Ich habe mich über die Zeit auch nicht daran gewöhnen können, aber immerhin konnte ich es akzeptieren – allzu sehr hat er mir den Spaß am Buch schließlich nicht verdorben.

Wer erst einmal bereit ist, diese kleine Hürde zu nehmen, den erwartet in „Abby Lynn: Verbannt ans Ende der Welt“ eine ganze Menge. Denn anstatt sich auf eine kurze Zeitspanne zu beschränken, vergehen im Buch ganze vier Jahre, was für wenig mehr als 300 Seiten eine beachtliche Zahl ist.
Wenn man sich die Widmung des zweiten Bandes ansieht, so scheint es, als sollte es zunächst keine Fortsetzung geben, worauf auch das Nachwort des erstem Buches schließen lässt, in dem der geschichtliche Abriss zu einem Ende gebracht und kleine, offen gebliebene Fragen geklärt werden.
Das Buch beschäftigt sich nämlich nur zum Teil mit dem Mädchen – und später der junge Frau – Abby Lynn. Sie ist der Hauptcharakter des Buches, muss sich diesen Platz aber auch mit Australien und dem Leben in der damaligen Kolonie teilen.
Die Darstellung der Ereignisse ist oftmals sehr gerafft. Immer wieder gehen wir die anfänglichen Schritte mit, alles andere wird nach einem Sprung im Nachhinein erklärt. So erleben wir Abbys Festnahme und ihre anfängliche Einkerkerung, bis plötzlich Monate vergangen sind und ihr der Prozess gemacht wird. Gleiches gilt für den anfänglichen Weg nach Australien, dann aber sind wir angekommen. Nach diesem Schema funktioniert das ganze Buch. Es gibt keinen wirklichen Höhepunkt oder ein Ziel, auf das hingearbeitet wird, stattdessen erhalten wir einen umfassenden Eindruck, der sowohl das Leben eines Sträflings im 19. Jahrhundert betrifft als auch das der Farmer und Australien an sich.

Wie man sich vorstellen kann, ist das Buch nicht unbedingt durch rasante Action und Spannung im Übermaß gekennzeichnet, langweilig ist es deswegen aber noch lange nicht. Wer sich schon länger mit dem Land oder den Menschen dieser Zeitperiode beschäftigt, erfährt hier freilich nichts Neues. Für alle anderen, vor allem junge Leser, dürfte es eine interessante Lektüre sein, die all das ein wenig näher bringt.
Außerdem lernen wir Abby gut genug kennen, um zu merken, dass sie ein sympathisches Mädchen ist, das stets Gutes im Sinn hat und bereit ist, das Beste aus der Situation zu machen. Jammern liegt ihr nicht, stattdessen tut sie, was nötig ist und früher oder später wünscht sich wohl jeder, dass sie endlich ihr Glück findet.
Andere Charaktere lernen wir nicht so gut kennen, aber Ansätze sind da und da es sich letztlich doch um eine Reihe handelt, kann man sich damit vorerst auch zufrieden geben. Denn auch diese Charaktere zeigen zum Teil, dass sie sich ändern und eine Entwicklung durchmachen können. Das Potential ist da und reicht vollkommen aus, um trotz der an sich abgeschlossenen Handlung Interesse am nächsten Buch zu wecken.

„Abby Lynn: Verbannt ans Ende der Welt“ ist das erste Buch einer vierbändigen Reihe, das besonders auf diesem Gebiet unerfahrenen Lesern einen umfassenden Eindruck über Australien und das Leben dort verschafft. Wer daran Interesse hat und nicht allzu sehr auf Spannung aus ist, soll getrost zu diesem Buch greifen und muss nur über die bisweilen steif wirkende wörtliche Rede hinweg sehen. Einen Blick ist das Buch trotzdem definitiv wert.

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

zukunft, liebe, verantwortung, science-fiction, dystopie

For Darkness Shows the Stars

Diana Peterfreund
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Childrens Books, 12.06.2012
ISBN 9780062006141
Genre: Sonstiges

Rezension:

rezensiert von Shiku
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Irgendwann in der Zukunft: Elliot gehört zur Bevölkerungsschicht der Ludites, jenen Menschen, die einst Gottes Willen ehrten und so von der „Reduction“ verschont wurden. Das Ergebnis dieser war eine ganze Generation geistig behinderter Menschen und erst nach langer Zeit wurden ihnen wieder vollkommen gesunde Kinder geboren – die Posts, wie sie sich nennen. Zu ihnen gehört auch Kai; schon sein Vater war ein Post und gemeinsam arbeiteten sie für die Norths: Elliots Familie.
Zwischen den Kindern entwickelte sich eine unerwartete Freundschaft, die aber die Unterschiede ihrer sozialen Klassen nicht überwinden konnte. Heute ist Elliot für das Anwesen der Norths zuständig, wenn auch nicht offiziell. Kai ist schon vor vielen Jahren gegangen, doch die Trennung der beiden verlief nicht im Guten. Elliot hatte ihre ganz eigenen Gründe, Kai nicht zu begleiten, die diesen verletzt und zurückgewiesen gehen ließen. Doch nun kehrt er zurück und beide erhalten eine neue Chance, die Uneinigkeiten von damals zu klären – doch wie, wenn Wut und Bitterkeit die Wahrnehmung beeinflussen?

„For Darkness Shows the Stars“ ist eine postapokalyptische Neuerzählung von Jane Austens „Persuasion“, hierzulande unter den Titeln „Überredung“ und „Anne Elliot“ bekannt. Ich selbst habe den Roman vor einigen Jahren und bisher nur ein einziges Mal gelesen (auch wenn er mir sehr gut gefiel und mein liebstes Buch der Autorin war), daher bin ich wohl kaum eine Expertin, was die Parallelen der beiden Bücher angeht. Soviel kann ich aber sagen: Auch wenn meine Erinnerung an das Original recht lückenhaft ist, so kamen mir einige Szenen in Diana Peterfreunds Interpretation sehr bekannt vor; auch der Ausgang ist wohl für niemanden eine Überraschung, der das ältere Werk kennt. Das macht aber nichts, denn zum einen waren Parallelen zu erwarten und es macht Spaß zu sehen, wie die Autorin das eine oder andere Element in ihre Geschichte eingebaut hat. Zum anderen ist der Ausgang der Romanze nicht der Teil der Geschichte, der die Spannung erzeugt, denn „For Darkness Shows the Stars“ hat noch viel mehr zu bieten.

Die Geschichte spielt in der Zukunft, was denkbar ungewöhnlich sein könnte, wenn man die zeitspezifischen Probleme bedenkt, die in Jane Austens Roman angesprochen werden. Hier aber mag uns die Gesellschaft viele Jahre voraus sein, sozial ist sie viele Jahrzehnte zurückgegangen. Der Grund dafür lässt sich schnell nennen: Mit wachsendem technologischen und medizinischen Fortschritt wagten die Menschen immer mehr, bis die Gene so sehr verändert wurden, dass sämtliche Kinder mit einer geistigen Behinderung auf die Welt kamen. Verschont bleiben nur jene, die sich an ihren Glauben klammerten und jegliche Veränderungen verschmähten – die Ludites. Nach der „Reduction“ waren sie diejenigen, die noch herrschen konnten – und das taten sie. Man besann sich auf vergangene Zeiten, in denen die Klasse, der man angehörte, die wichtigste Rolle spielte, und „Niedere“ lediglich Arbeiter oder gar Sklaven waren. Und schon ist das Setting dem Jane Austens gar nicht mehr so unähnlich.
Ich gebe zu, an dieser Stelle habe ich mir manchmal mehr Erklärungen gewünscht: Was genau löste die „Reduction“ aus, waren wirklich die Wissenschaftler dafür verantwortlich? Unwahrscheinlich ist es nicht, doch genauso kann ich mir vorstellen, dass religiöse Fanatiker mit Absicht etwas manipulierten, nur um sich selbst Recht geben zu können. Die Begründung, es wäre Gottes Strafe für ihren Hochmut gewesen, ist in meinem Augen vollkommener Humbug. Andererseits stellt Diana Peterfreund es auch nicht so dar, als wären übernatürliche Kräfte hier am Werk gewesen, vielmehr macht sie klar, dass wir nicht wissen können, was Gott will oder ob es überhaupt einen gibt. Damit kann ich mich sehr zufrieden geben, sodass diese kleine Erklärungslücke ein beinahe unwichtiges Detail ist – schließlich kann man die Ursachen auch gar nicht so genau kennen. Immerhin haben die Ludites beinahe jede fortschrittliche Technologie verboten und Forschung kann nur im Geheimen betrieben werden.

Ansonsten ist „For Darkness Shows the Stars“ gar nicht so wirklich eine Liebesgeschichte; zumindest nicht in dem Ausmaß, das ich erwartet hätte.
Elliot und Kai sind zwei wunderbare Charaktere, wobei ich Letzterem gerne ein wenig mehr Einsicht und Vernunft eingeprügelt hätte. Dabei war es zunächst er, der Wahrheiten erkannte, vor denen Elliot als Kind die Augen verschloss. Ihre Beziehung lernen wir in Form von Briefen kennen, die sich beide mehr oder minder heimlich schrieben. Dabei geht die Geschichte nicht chronologisch vor: Mal sind sie acht Jahre alt, dann wieder vierzehn, mal ist Kai schon weg, dann ist er noch da … Stück für Stück offenbart sich dabei dem Leser die gemeinsame Vergangenheit und auch die Gefühle, die sie füreinander hegten. Was zunächst eine tiefe Freundschaft war, wurde mit den fortschreitenden Jahren mehr, auch wenn beide ganz gewiss nicht immer einer Meinung waren. Nicht selten liegt es an Elliot, die ein wenig im Denken der Ludites gefangen ist, was man ihr nicht allzu übel nehmen kann, genauso wenig wie ihre teilweise unglückliche Wortwahl. Aber sie lernt, so wie sie auch in der Gegenwart der Geschichte fähig ist zu lernen und ihre Fehler einzusehen.
Später ist es immerhin sie, die den Blick für das große Ganze und das, was notwendig ist, hat. Ja, sie hat sich dagegen entschieden, Kai zu begleiten und zog es vor, sich um das North Estate zu kümmern. Dies tut sie nicht etwa aus Machtgier, sondern aus Verantwortungsbewusstsein. Denn so sehr man das eigentliche System kritisieren möchte, unter der richtigen Führung kann es dennoch fair und ein guter Arbeitsplatz sein, an dem man vorrangig Mensch, und dann Arbeitskraft ist. Genau das möchte Elliot erreichen, und das ist eine Erkenntnis, die Kai fehlt, der seine Urteilskraft viel zu sehr von seiner Wut beeinflussen lässt. Es ist bisweilen ein wenig frustrierend, von seinem Verhalten zu lesen, doch letztlich spricht es nur für das Buch: Diana Peterfreund hat hier Charaktere geschaffen, die keineswegs in ein Schwarz-Weiß-Schema passen und oftmals trotz ihrer (vielen) Fehler noch immer sehr sympathisch sind. Ersteres gilt für alle Charaktere, letzteres nicht, aber man kann schließlich nicht jeden mögen.
Aber zwischen all diesen emotionalen Irrungen und Wirrungen hat eine Liebesgeschichte gar nicht so viel Platz. Um ehrlich zu sein, und ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen werde, hätte ich mir mehr Romantik gewünscht. Daher gibt es auch ein bisschen Punkteabzug, denn am Ende fehlte mir die fließende Entwicklung der Beziehung zwischen Elliot und Kai – ich wollte mehr Szenen mit den beiden, mehr unangenehme Momente, mehr Einsicht, mehr Romantik eben. Allerdings fehlte da viel von Kais Seite, was nicht weiter verwunderlich ist, da die Geschichte aus Elliots Sicht erzählt wird.

Langweilig war es deswegen aber noch lange nicht. Wie bereits gesagt: Die Liebesgeschichte ist gar nicht so sehr der ausschlaggebende Grund, das Buch zu lesen – zumindest nicht, wenn man „Persuasion“ oder Jane Austen im Allgemeinen kennt.
Was mich hauptsächlich zum Weiterlesen gedrängt hat, war die Frage, was aus dem North Estate wird. Nicht weil ich mir so sehr wünsche, dass die Norths ihren Besitz behalten und reich und glücklich werden – ich habe mich gefragt, was aus den Menschen wird. Die Situation ist denkbar schlecht seit dem Tod von Elliots Mutter. Ihr Vater scheint vollkommen unfähig zu sein, den Familienbesitz zu leiten. Stattdessen gibt er lieber Geld aus, das die Familie nicht hat, unterstützt von seiner ältesten Tochter. Elliot dagegen hat alle Hände voll zu tun, die Arbeiter vor ihrem Vater zu beschützen und die Familie vor dem Ruin zu bewahren, doch oftmals trifft sie auf taube Ohren, wenn sie ihrem Vater Vernunft lehren möchte.
Es ist eine Situation, die die interessantesten und wichtigsten Fragen des Buches aufwirft. Elliot wurde in dem Glauben erzogen, dass Gott die Menschen einst für ihre Gottlosigkeit bestrafte und dass vor allem Genmanipulation eine Sünde ist, die erneut seinen Zorn hervorrufen könnte. Und doch scheint es, als wäre dies die letzte Chance, die Elliot hat, um den Menschen, die ihr so am Herzen liegen und für die sie sich verantwortlich fühlt, zu helfen. Es muss ja nicht am Menschen experimentiert werden, aber an Getreide? Kann das schon böse sein?
Immer wieder muss sie sich fragen, was richtig und was falsch ist. Sie muss all die Werte in Frage stellen, die ihr von klein auf eingetrichtert wurden. Sie muss ihr eigenes Verhalten, aus Vergangenheit und Gegenwart, reflektieren, ihre Fehler einsehen und vor allem lernen, damit umzugehen. Sie muss herausfinden, wie sie mit der Verantwortung umgehen kann und sollte, und wie weit sie bereit ist zu gehen, um anderen ein gutes Leben zu ermöglichen. Sie muss Opfer bringen und sich fragen, wie viele sie noch ertragen kann.
Es sind Fragen, die sich viele Menschen, in anderen Kontexten und mit anderer Dringlichkeit, stellen müssen. „For Darkness Shows the Stars“ zeigt uns, dass es manchmal keine klaren Antworten gibt und dass wir letztlich so handeln müssen, wie wir es mit unserem Gewissen vereinbaren können. Es zeigt, dass Opfer nicht umsonst sein müssen, auch wenn die Belohnung nicht dem perfekten Leben entspricht, das wir uns erhofft hatten – zumindest nicht immer. Dass es sich lohnt weiterzumachen.

„For Darkness Shows the Stars“ mag nicht all das Potential ausschöpfen, das es birgt, trotzdem ist es eine schöne und eigenständige Neuerzählung von Jane Austens „Persuasion“. Diana Peterfreund überzeugt mit ihren gut ausgearbeiteten und oftmals sympathischen Charakteren und Fragen, mit denen sich früher oder später jeder mal konfrontiert sehen wird, wenn vielleicht auch in anderer Art und Weise. Trotzdem wird hier niemandem eine Antwort aufgedrängt, stattdessen gezeigt, wie es sein kann. Wenn auf ein Buch „lesenswert“ zutrifft, dann auf dieses.

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Pandemonium

Lauren Oliver
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Childrens Books, 28.02.2012
ISBN 9780061978067
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Rezension enthält Spoiler zum verherigen Band.
rezensiert von Shiku
________

Lena hat es geschafft und konnte entfliehen, jedoch hatte Alex nicht so viel Glück: Er musste zurückbleiben.
Verängstigt hetzt Lena durch die Wälder und landet am Ende wirklich bei einer Gruppe „Invalider“, wie sie innerhalb der Mauern genannt werden. Hoffnungen, dass Alex überlebt hat, macht sie sich keine und nach einiger Zeit beginnt sie, sich an das Leben in Freiheit zu gewöhnen und selbst wirklich Teil davon zu werden. Dass sie alle nicht ewig so weitermachen können, ist nicht nur Lena klar. Der Widerstand wird immer deutlicher, mittlerweile musste selbst die Regierung die Existenz der „Invaliden“ anerkennen, obwohl jahrelang behauptet wurde, es gäbe sie nicht mehr. Auch Lena wird ihren Teil für eine bessere Welt leisten, doch irgendwann wird es immer schwieriger, zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden. Wer will sie sein?

Wie fange ich nur bei „Pandemonium“ an? Würde ich „Delirium“ jetzt noch einmal lesen, fände ich den zweiten Teil sicherlich besser als den ersten, so viel sollte einleitend wohl erwähnt werden. Andererseits konnte mich „Pandemonium“ letzten Endes auch nicht wirklich von sich überzeugen und wäre sicherlich Grund genug gewesen, die Reihe nicht weiterzuverfolgen, wäre das Ende nicht. Aber mal der Reihe nach.

Lena findet sich in einer vollkommen neuen Umgebung wieder und obwohl sie sich bereits vom System wegbewegt hat, gibt es einige Verhaltensweisen, die sie noch nicht so richtig abstellen kann. Das ist nur gut und richtig, doch anstatt sich in seitenlangen Beschreibungen über Lenas Wandlung zu verlieren, hat Lauren Oliver einen geschickteren Weg gewählt, um mit der Geschichte vorwärts zu kommen, aber auch Lenas Werdegang nicht vollkommen aus den Augen zu verlieren: Die Kapitel sind in solche im „now“ und jene im „then“ unterteilt. Es ist nicht schwer zu erkennen, welche Kapitel wovon handeln. Im „now“ lernen wir die neue Lena kennen, die sich von Alex verabschiedet hat und entschlossen ist, für eine bessere Welt zu kämpfen. Im „then“ wird uns gezeigt, wie sie zu dieser neuen Lena wurde, mit welchen Schwierigkeiten sie in der neuen Umgebung zu kämpfen hatte.
Das ist vor allem am Anfang sehr spannend, allerdings lässt das mit der Zeit ein bisschen nach. Nichtsdestotrotz ist es eine interessante Konstellation, die ihre Wirkung definitiv nicht verfehlt.

Dummerweise ist die Handlung bisweilen recht zäh. Gerade zwischendurch passiert nicht wirklich viel, außer dass eine weitere Liebesgeschichte eingeführt wird. An sich spricht da nichts dagegen, allerdings finde ich die Basis dafür ziemlich dünn. Damit meine ich nicht die Chemie zwischen den beiden – auch wenn das klassische Gerede von Liebe nach ein paar Tagen für extrem hochgezogene Augenbrauen meinerseits gesorgt hat –, sondern vielmehr die Grundlage, dass Lena annimmt, Alex sei tot. Ich persönlich wurde davon zu Beginn des Buches ziemlich überrumpelt, denn am Ende des ersten Bandes hatte ich eigentlich angenommen, dass er vorerst nur inhaftiert wird. Wenn selbst eine Frau jahrelang inhaftiert, bei der die Prozedur dreimal fehlschlug und die offiziell als tot galt, warum sollte man da einen jungen Mann töten, bei dem man a) noch einmal versuchen könnte, ihn zu heilen und der b) nützliche Informationen liefern könnte?
Ich war wirklich überrascht und deswegen hatten auch spätere Entwicklungen einen sauren Beigeschmack. Aber wer bin ich schon, dass ich den Charakteren widerspreche, die die Welt besser kennen?

Was die Charaktere angeht, fehlt vor allem Hanna, die kaum wirklich Ersatz findet, so wie es auch bei Alex der Fall ist. Herr Nummer zwei ist reichlich uninteressant und andere neue Charaktere kommen nicht so oft vor, dass sie wirklich kennengelernt werden können. Es ist eigentlich schade, denn einige von ihnen haben absolutes Potential. Die neue Lena ist auch nicht ganz ohne, aber ein Charakter reicht da nun wirklich nicht aus.

Letztlich kann man wohl nichts dagegen sagen, dass Lauren Oliver einen klasse Schreibstil hat und sich das Buch so recht leicht und schnell lesen lässt, auch wenn es nicht unbedingt zu fesseln vermag. Am besten ist letztlich das Ende, das zwei interessante Faktoren einführt, die im kommenden Buch hoffentlich mehr Platz kriegen und weswegen ich wohl auch den dritten Teil lesen werde – neugierig machen sie mich genug!

Schön geschrieben, wie es auch nicht anders zu erwarten war, ansonsten aber eher durchschnittlich und bis auf das Ende auch nicht wirklich überzeugend – es passiert für meinen Geschmack einfach nicht genug und manch neue Entwicklung baut doch auf sehr dünnem Boden auf. Neugierig hat es mich dann aber doch gemacht, weswegen ich wohl nicht um den dritten Band drumherum kommen werde.

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Lady of the Shades

Darren Shan
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Orion Publishing Co, 30.08.2012
ISBN 9781409143604
Genre: Sonstiges

Rezension:

rezensiert von Shiku
_______

Ed ist wegen Recherchen für sein neues Buch in London, doch mit dem, was ihn dort erwartet, hätte selbst er nicht gerechnet. Dabei ist er mit fast allen Wassern gewaschen: Der Autor schreibt Bücher über Geister, und das aus einem ganz besonderen, persönlichen Grund, bei dem er sich selber nicht einmal sicher ist, ob es nur ein Zeichen ist, dass er den Verstand verloren hat oder nicht.
Bei einer Party trifft er dabei auf die geheimnisvolle Deleena, an der er sofort interessiert ist. Doch je mehr Zeit sie verbringen, desto deutlicher wird ihm, dass da vieles ist, von dem er keine Ahnung hat, geschweige denn, in welche Gefahr diese Frau ihn bringt. Für ihn startet eine Suche nach Antworten, mit denen er nie im Leben gerechnet hätte – und die er lieber gar nicht erst erfahren hätte.

Gott, was mach ich nur mit dem Buch? Nachdem ich endlich die City-Trilogie gelesen hatte und sie mir auch gefiel, bestand kein Zweifel für mich, dass ich auch Darren Shans neues Buch für Erwachsene lesen würde. Ich hatte keineswegs das Ganze noch mal in Grün erwartet, sondern einfach nur ein Buch mit den versprochenen überraschenden Wendungen, das für einige Stunden für Spannung und Spaß sorgt. Im Grunde habe ich das auch bekommen, nur … nicht so wie erwartet, mit vielen Abstrichen. Und überhaupt erst recht spät.

Vielleicht mal die Gemeinsamkeit vorweg: Bereits die City-Trilogie war recht noirisch, was auch für „Lady of the Shades“ gilt und schon fast zu viel verrät. Lasst mich nur so viel sagen: Die Charaktere bewegen sich ganz in diesem Gebiet, was seine Vor- und Nachteile hat, je nachdem wie man dem Genre (wenn man es denn als solches sieht) gegenübersteht.
Rein grundsätzlich finde ich schön, wenn Charaktere weder „gut“ noch „böse“ sind. Wie auch in der City-Trilogie haben wir hier keine Charaktere, die nur einer Seite angehören, stattdessen haben sie ihre (vielen) Fehler, aber auch ihre positiven Seiten. Wäre da der kleine, aber feine Unterschied nicht, dass sie in diesem Fall trotzdem nie sympathisch werden; das hat verschiedene Gründe und ist außerdem Ermessenssache. Manch einer wird mit ihnen sicherlich mehr anfangen können als ich.
Trotzdem bleibt ein Fakt bestehen, der mich bereits in der City-Trilogie störte, der dort dann aber zufriedenstellend aufgelöst wurde. Davon kann man hier nicht unbedingt reden. Was ich meine? Nun, so ziemlich 90% der Charaktere sind sexistisch und haben mich mit ihren dummen Kommentaren immer und immer wieder auf die Palme gebracht. Selbst Charaktere, bei denen man glauben könnte, dass sie es besser wissen müssten, geben solch vollkommenen Unsinn von sich, dass es ja nicht so schlimm ist, dass ein Mann seine Frau schlägt, solange er es aus Liebe (und damit Eifersucht) tut; da ist es ja schon fast nebensächlich, dass ein Charakter ausgerechnet herabsetzende Begriffe für sich selbst verwendet. Bisweilen hätte ich am liebsten geheult aus Frust.
Nun kann man sagen, dass das Charakterzüge sind und dass sowas durchaus realistisch ist. Es gibt leider noch immer viele Menschen, die so denken, warum also sollte nicht auch so jemand in einem Buch vorkommen? Dagegen ist auch nichts einzuwenden, allerdings kommt es dann darauf an, wie mit den Charakteren umgegangen wird.
Ich weiß, dass der Autor nicht zwangsläufig den Meinungen seiner Charaktere zustimmt und das Letzte, was ich möchte, ist, Darren Shan Sexismus vorzuwerfen. Dennoch gab mir dieses Buch zu denken, einfach da ich nicht das Gefühl hatte, dass dieses Thema wirklich angesprochen wurde. Es war Teil der Charakterisierung, Punkt. Zwar ist das hier kein Jugendbuch, das immer noch einen gewissen Lehrcharakter hat, doch auch so manch Erwachsener hat heutzutage noch viel in dieser Hinsicht zu lernen. Mir fehlte bei allen Beteiligten die Erkenntnis, dass eben das nicht der richtige Weg ist, sodass das Buch einen fahlen Beigeschmack hatte und mir damit gehörig den Spaß verdarb.

Mein zweiter Kritikpunkt betrifft im Grunde die erste Hälfte des Romans, die … nun, nicht langweilig ist, aber viel fehlt dazu nicht. Einerseits braucht der Rest der Geschichte diesen Part und so machte die plötzliche Wendung nur noch mehr Spaß. Andererseits hat nicht alles dort so funktioniert, wie es hätte funktionieren müssen: Ich habe den Charakteren die Liebesgeschichte kein bisschen abgekauft. Das kommt alles viel zu plötzlich und dann vor allem zu heftig – hätte der Autor erst mal ruhigere Töne angeschlagen, hätte ich ja gar nichts zu bemängeln. So aber musste ich die meiste Zeit über stirnrunzelnd den Text anstarren. Dass man sofort voneinander fasziniert und aneinander interessiert ist? Kein Problem. Aber das? Es war überhaupt nicht überzeugend, wodurch mich auch später einige damit zusammenhängende Ereignisse vollkommen kalt ließen. Dass ich trotzdem überrascht war, will ich nicht bestreiten, aber dass es mich emotional auch nur irgendwie mitgenommen hätte, kann ich leider nicht behaupten.
Das gilt nicht für alles, was geschieht, aber leider für vieles. Letztlich wäre es nicht das erste Buch, bei dem ich nicht unbedingt mitfühlen kann, mich aber trotzdem ansatzweise gut unterhalten fühle – kombiniert mit den Problemen, die ich mit den meisten Charakteren hatte, ist das aber erst mal keine gute Ausgangsposition.

Trotz allem war es dann die zweite Hälfte, die das Buch für mich – zumindest ein bisschen – gerettet hat. Neben den Charakteren gibt es schließlich noch eine Geschichte, die zwar in Kombination mit nachvollziehbaren Gefühlen wesentlich besser gewesen wäre, mich aber auch so nicht enttäuscht hat.
Aufgrund bisheriger Rezensionen hatte ich mir gar nicht erst die Mühe gemacht, zu versuchen herauszukriegen, worauf alles am Ende hinausläuft. Hätte ich auch gar nicht geschafft, wie ich im Nachhinein behaupten kann. Darren Shan hat es ein paar Mal mit diesem Buch geschafft, dass meine Kinnladeirgendwo im Keller auf Wanderschaft ging und ich erst mal kurz stupide auf die Zeilen starren musste, um zu verarbeiten, was passiert ist. Wer ein Buch mit vielen überraschenden Momenten sucht, ist hier genau richtig.

Daher auch meine Unsicherheit. Die zweite Hälfte des Buches fand ich richtig klasse und zusammen mit der ersten könnte es noch immer ein gutes Buch sein. Aber was stelle ich mit dem Sexismus an? Habe ich da etwas Entscheidendes übersehen oder bin ich zu empfindlich? Eigentlich hatte ich bisher immer das Gefühl, dass das Gegenteil der Fall ist: Oftmals bin ich nicht sensibel genug.
Letztlich spiegelt die Bewertung wieder, wie ich das Buch empfand und so muss es dort auch noch mal einen Stern Abzug geben. So leid es mir tut, aber die Charaktere haben mir den Lesespaß sichtlich verdorben.

Wer mit Noir etwas anfangen kann, dem wird dieses Buch sicherlich in vielerlei Hinsicht zusagen. Leider werden dabei die Fehler der Charaktere viel zu wenig aufgegriffen, und die immer wieder auftauchenden sexistischen Kommentare vieler Charaktere lösten in mir irgendwann regelrechte Aggressionen aus. Auch gefühlsmäßig konnte mich „Lady of the Shades“ alles andere als überzeugen, dafür tröstete mich aber die Handlung, die mit so einigen Überraschungen aufwartet. Abschließend muss ich aber sagen: Das geht auch besser.

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fantasy, bedrückt, jugendliche, irland, ash

The Lost Prince

Julie Kagawa
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Harlequin Books, 23.10.2012
ISBN 9780373210572
Genre: Jugendbuch

Rezension:

rezensiert von Shiku
______

Dreizehn Jahre sind vergangen, seit Ethan Chase von Feen ins Nevernever entführt und von seiner Halbschwester wieder zurückgeholt wurde. Seitdem ist viel geschehen: Meghan ist nun endgültig Teil der Feenwelt und kehrt nicht wieder zurück, doch andere Feen lassen den jungen Mann nicht in Ruhe. Er kann sie sehen und das wissen sie. Immer wieder machen sie ihm das Leben zur Hölle, und bringen ihn in Situationen, denen er anderen Menschen nicht erklären kann. Mittlerweile vollkommen pessimistisch hält er sich von Feen und Menschen zugleich fern, um seine Ruhe zu haben und niemanden zu gefährden. Doch dann trifft er auf Todd und Kenzie – ersterer ist ein Halbblut, das eigentlich gar nicht so übel ist, wie Ethan feststellen muss. Zweitere ist ein junges Mädchen, das für seinen Geschmack viel zu hartnäckig ist und das er viel zu sehr mag. Beide kann er nicht davor bewahren, mit den Feen in Kontakt zu kommen, und ausgerechnet jetzt ist es gefährlicher denn je: Geisterhafte Wesen tauchen auf, die von Menschen und Feen zugleich vergessen wurden. Nun werden sie dafür kämpfen zurückzukommen – um jeden Preis.

„The Lost Prince“ liest man am besten, wenn man schon die vorangegangene Reihe, „The Iron Fey“, kennt. Zwar versteht man das Buch auch so recht gut, doch Meghans Geschichte fügt zu diesem Buch ein paar Ebenen hinzu, auf denen es gleich noch mehr Spaß macht, und sei es nur, dass man sich so über das Wiedersehen mit einigen Charakteren freuen kann.
So weiß man auch schon in etwa, womit man rechnen kann. Julie Kagawas Schreibstil ist nach wie vor ein einfacher, der durchaus ins Detail geht, nie aber zu ausladend wird und sich letztlich schnell weglesen lässt.
Auch was die Geschichte angeht, wird wieder eine Reise geboten, die quer durch das Nevernever, aber hier auch vor allem durch die Menschenwelt führt. Stillstand ist etwas, das vielleicht den Feen nützen könnte, in den Büchern aber nicht vorkommt. Nicht immer ist das Ziel dieser Reise ganz klar, doch früher oder später taucht der rote Faden wieder auf und weiter geht’s.

Was dem Buch fehlt, ist unnötiges romantisches Drama und ich kann nicht behaupten, dass es mir fehlen würde. Ethan ist nun einmal nicht wie seine Schwester und es bleibt zu hoffen, dass er auch in Zukunft keine „Ich probier es mal mit meinem besten Freund“-Aktionen bringt, bei denen von vornherein klar ist, dass aus dieser Beziehung absolut nichts wird. Er ist auch ganz gewiss kein kleiner Junge, der als stark beschrieben wird, sich letztlich aber überhaupt nicht selbst verteidigen kann; im Gegenteil. Seit jeher kämpft er gegen die Feen und versucht, die Menschen um ihn herum so gut es geht herauszuhalten. Er versucht vor allem, seine Familie zu verteidigen und auch wenn ihm keine Feenmagie zur Verfügung steht, so hat er gelernt, mit Waffen umzugehen. Er braucht also nicht zwangsläufig ständig einen Retter – was nicht heißt, dass Hilfe nicht gern gesehen ist – und damit ist er ein wesentlich angenehmerer Protagonist als Meghan.
Natürlich kann das alles nicht ganz ohne Drama vonstattengehen, doch es ist einmal erfrischend anders, dass nicht ausgerechnet die klassische Romeo-und-Julia-Konstellation im Vordergrund steht. Auch wenn sie vorhanden ist, so betrifft das keineswegs Ethan und Kenzie – Probleme gibt es auch bei diesen beiden, nicht aber weil ihre „Familien“ miteinander verfeindet sind. Alles ist das auch nicht; verständlicherweise ist Ethan sehr wütend auf seine Schwester, auch wenn er ihr in vielen Dingen unrecht tut. Gerade während dieser Parts musste ich besonders mitleiden und habe mir gewünscht, dass sie doch endlich vernünftig miteinander reden!
Ethans Gegenpart, Kenzie, ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Sie ist ein junges, forsches Mädchen, das entschlossen ist, zu tun, was getan werden muss, um ihre Ziele zu erreichen, ohne dabei jedoch auf anderen herumzutrampeln. Sie hat ihre ganz eigene Bürde zu schleppen und ist, ganz kurz gesagt, einfach liebenswert.

Gleiches gilt nicht unbedingt für Keirran, der aber ein bisschen Kontroverse mit in das Buch hineinbringt. Denn wie zu erwarten, sind die meisten nicht sonderlich erfreut über das Auftauchen der vergessenen Feen, die ihre Existenz bedrohen. Einiges erinnert an das Auftauchen der Iron Fey damals, bei denen erst nach und nach gezeigt wurde, dass sie eigentlich gar nicht so übel sind. Hier nun ist die erste Reaktion Abweisung. Was diese Neuankömmlinge tun, kann nicht gutgeheißen werden und doch … und doch. Müssen sie wirklich alle so sein? Gibt es vielleicht andere Lösungen – für sie und ohne dass sie erneut ausgelöscht werden? Es ist ein bisschen schwierig, Gut und Böse herauszupicken, da jede Seite ihre starken und schwachen Argumente hat. Daher braut sich nicht nur zwischen den Feen ein Konflikt auf, auch im Leser selbst: Welche Seite vertritt man, auf welches Ende wird gehofft? Ich kann nicht behaupten, dass ich diese Frage jetzt schon für mich beantworten kann und bin gespannt, was noch auf uns zukommt.

Daneben gibt es noch so einige Punkte, bei denen ich gespannt bin, worauf sie am Ende hinauslaufen. Da wäre Kenzie zum einen, dann aber auch die Beziehung zwischen Meghan und Ethan, genauso die Verbindungen zwischen anderen Charakteren, die bisher nur angedeutet wurden oder aber weder richtig vorhanden sind noch vorhanden sein sollen – und bei denen der Grund dafür noch im Dunkeln liegt. Es gibt genügend Details und Fragen, die alles andere als geklärt sind, ohne das Buch unabgeschlossen wirken zu lassen. Ich für meinen Teil freue mich auf das Kommende.

Julie Kagawa bietet in „The Lost Prince“ vieles, was wir schon aus bisherigen Büchern kennen, aber letzten Endes macht es doch wesentlich mehr Spaß. Das hat den einfachen Grund, dass Ethan ein wesentlich angenehmerer Protagonist als seine Schwester ist. Kombiniert mit keiner schlichten Schwarz-Weiß-Charakterisierung, einer Menge Drama, das nicht nur mit Liebe zu tun hat, und dem typischen, leicht zu lesenden Schreibstil, ergibt das kurzweilige Leseunterhaltung.

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422 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 106 Rezensionen

grischa, magie, fantasy, liebe, russland

Grischa - Goldene Flammen

Leigh Bardugo , Henning Ahrens
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.08.2012
ISBN 9783551582850
Genre: Jugendbuch

Rezension:

rezensiert von Shiku
______

Alina und Maljen wuchsen zusammen in einem Waisenhaus auf, nun sind sie gemeinsam in der Ersten Armee des Zaren: sie als Kartografin, er als Fährtenleser. Bei der Überquerung der Ödsee, einem Meer aus Schatten, das das Land teilt und in dem grausige Wesen leben, die Jagd auf Menschen machen, passiert aber etwas Unerwartetes. Bei einem Angriff der Volkra gelingt es Alina, sie alle zu vertreiben – mit Licht, das aus ihrem Körper strömt. Diese Fähigkeit besitzt normalerweise nur eine Sonnenkriegerin, eine der Grischa, die sich auf Magie verstehen. Doch Alina wurde schon vor Jahren getestet, und sie wurde nicht als Grischa identifiziert. Sie kann das gar nicht getan haben!
Trotzdem ist der Dunkle, der Führer der Grischa, davon überzeugt, dass sie die Hoffnung ist, die er sich seit Jahren herbeisehnt. Ohne viel Federlesens wird sie fortgebracht, um in einem der Paläste des Zaren ausgebildet zu werden. Doch von selbst kann sie nicht auf ihre Kräfte zugreifen und auch in allen anderen Übungen versagt sie. Kann sie wirklich die Hoffnung des Volkes sein?

Das Cover des Buches ist wunderschön, aber das war’s dann auch schon fast wieder. Von allen Seiten hörte ich eigentlich immer nur Positives über das Buch beziehungsweise wesentlich mehr als Negatives. So kam es, wie es kommen musste: Zum ersten Mal seit langem gab ich wieder Geld für ein deutsches Hardcover aus, was bei mir mittlerweile selten genug passiert. Dass es dann gleich so ein Fehlgriff wird, ist dabei besonders ärgerlich.

Eigentlich fängt das Buch sehr interessant an. Der Prolog ist wahnsinnig gut, einer der schönsten, die ich lange gelesen habe und wäre das ganze Buch in diesem Stil gehalten, hätte ich es allein dafür gepriesen. Danach wechselt die Autorin aber vom Erzähler in der dritten Person zur Ich-Perspektive und der kleine Zauber ist schon mal verflogen.
Trotzdem geht es nicht schlecht weiter. Ich mochte Alina im ersten Augenblick gut leiden. Sie hat eine große Klappe, die sie manchmal geschlossen halten sollte, aber dass sie es nicht tut, macht sie nur umso liebenswerter. Sie ist ein junges Mädchen mit seinen Sorgen und Ängsten: Sie ist in ihren besten Freund verliebt, der aber nur Augen für andere, hübschere Mädchen hat und auch als Kartografin ist sie zwar gut, aber mehr auch nicht. Vor der Ödsee hat sie berechtigterweise große Angst, auch wenn sie selbst wahrscheinlich noch nicht einmal ahnt, wie sehr sie sich darum sorgen sollte. Leider war mir als Leser auch nicht bewusst, wie viel Angst ich davor gehabt haben sollte.

Denn danach verpufft all das Potential geradezu. Es fing schon damit an, dass die zuvor sympathische Alina mit jeder Seite mehr wie ein extrem junges, unbeholfenes Mädchen klingt, das in seinem Leben noch nichts durchstehen musste – was nicht der Wahrheit entspricht. Ich habe auch nicht die leiseste Ahnung, wie alt sie eigentlich ist. Erst 16? Vielleicht schon 18? In beiden Fällen klingt sie wesentlich jünger, was es schwer für mich gemacht hat, mich bei ihr einzufühlen. Wenn eine 12-Jährige wie eine solche klingt, ist das eine Sache. Wenn aber jemand, den ich als älter erwartet habe, wesentlich jünger wirkt, dann irritiert das.
Es resultierte darin, dass ich mich immer weniger um sie sorgte, genauso wie mir die anderen Charaktere herzlich egal waren. In manchen Fällen ist da ein Ansatz von Tiefe, aber mehr nie und meist kommen sie gar nicht oft oder lange genug vor, um zu ihnen eine wirkliche Bindung aufzubauen und sich um sie zu sorgen – oder über ihre Handlungen schockiert zu sein, das kommt ganz darauf an.

Handlungstechnisch hat das Buch fast gar nichts zu bieten. Den Großteil des Buches über verbringt Alina in der Ausbildung, die zwar zunächst recht interessant ist, was sich später aber auch ändert. Es besteht kein Ultimatum, nichts das irgendwie zur Eile drängen oder Spannung erzeugen würde. Die Ödsee existiert seit Generationen, was machen da ein paar Monate mehr? Soll die Spannung dadurch erreicht werden, dass unklar ist, ob Alina an ihre Kräfte gelangt? So unklar ist das nicht, genauso wie der restliche Verlauf der Handlung.
Nach der absolut unvorhersehbaren Wendung in der Geschichte (Achtung, Ironie) ändert sich das ein bisschen, viel nützt es aber nicht. Die Hoffnungslosigkeit, die sich zwischendurch breit gemacht hat, hat mir sehr gut gefallen, aber letztlich verläuft alles genau so, wie es das Klischee verlangt.

Bis dahin war es eine beinahe akzeptable Geschichte, aber da gibt es noch ein kleines Detail, das mehr als ärgerlich ist. Der Fokus der Autorin auf Schönheit hing mir irgendwann zum Hals raus. Alle sind schön, schöner, am schönsten, Alinas ständige Tiraden über ihr ach so hässliches Aussehen waren irgendwann nur noch ermüdend. Wer nicht schön ist, ist nicht besonders und wer nicht besonders ist, ist auch nicht schön – statt zu zeigen, dass auch „hässliche“ Mädchen Großes vollbringen zu können und dass das Aussehen eigentlich kein wichtiger Faktor ist, muss Alina auch schön werden, und damit meine ich nicht die Make-Up-Sessions zu Beginn.
Zwar gibt es Momente, in denen diese Schönheit keine allzu wichtige Rolle spielt und die Erklärung für Alinas Aussehen ist, in dieser Welt, schlüssig, aber am Ende überrascht es trotzdem, dass man sich ausgerechnet nach dem hässlichen Mädchen sehnt und auch sonst nimmt dieses Thema eine viel zu große Rolle ein, die es so darstellt, als wäre ein bedeutungsvolles Leben ohne sie nicht möglich. Vielleicht kommt die Kritik in den späteren Büchern, wer weiß. Für den Moment aber war ich einfach nur genervt.

Da gibt es noch einen letzten Punkt, den ich zugegebenermaßen selbst gar nicht so wahrgenommen habe. Dieser betrifft die russischen Einflüsse in der Geschichte, bei der die Autorin offenbar reichlich geschlampt hat. Es ging schon los mit den Nachnamen. Wie eigentlich weithin bekannt ist, haben die Nachnamen von Männern und Frauen unterschiedliche Endungen – das weiß sogar jemand wie ich, der sich in seinem ganzen Leben noch nie wirklich mit Russland beschäftigt hat und nur ein paar Mal kurz die fixe Idee hatte, die Sprache zu lernen. Da kann man doch auch von der Autorin verlangen, dass sie davon weiß? Nun, wenn sie es tat, hat sie das zumindest ignoriert – leider hat das aber nichts mit künstlerischer Freiheit zu tun, sondern ist beleidigende Ignoranz.
Dieses Detail wurde zumindest in der deutschen Übersetzung ausgebessert, so dass Frauen nun weibliche Nachnamen haben und Männer männliche. Das ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass manche Namen übersetzt ziemlichen Blödsinn ergeben, und nicht zuletzt die Bezeichnung für die magisch talentierten Menschen, Grischa, einfach nur die Verkleinerungsform von dem Namen Grigori ist. Dieser Einfallsreichtum erschlägt mich geradezu. Es gibt noch ein paar Dinge mehr, die da nicht ganz im Argen liegen, aber andere wissen besser Bescheid als ich und haben längst darüber berichtet. All jenen, die nicht viel über Russland wissen, wird es wie mir zunächst gar nicht auffallen und dadurch wird es auch nicht stören. Von der Autorin kann man aber sicherlich mehr erwarten, wenn sie schon solche Einflüsse verwendet. Wenn sie etwas vollkommen Neues hinzugedichtet hätte – okay. Das wäre sogar schön gewesen. Aber bestehende Tatsachen vollkommen anders einzuflechten, ist nicht wünschenswert.

„Grischa: Goldene Flammen“ war für mich eine herbe Enttäuschung. Weder die Spannung noch die Romanze oder gar die Welt, die ich mir erhofft habe, hatte das Buch zu bieten. Stattdessen gibt es eine vor sich hin plätschernde Handlung, die nur ab und an das Interesse weckt, eine nur auf den ersten Blick sympathische Protagonistin, schlechte Recherche über Russland (oder Faulheit?) und eine fragwürdige Rolle von Schönheit. Alles in allem nicht sehr zufriedenstellend.

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