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516 Bibliotheken, 30 Leser, 0 Gruppen, 80 Rezensionen

mord, liebe, paper palace, erin watt, royals

Paper Palace

Erin Watt , Lene Kubis
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.05.2017
ISBN 9783492060738
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Meinung:

Ella Harper hat einfach kein Glück. Eine Hürde gemeistert, stellen sich ihr gleich zwei neue in den Weg. Die Vorwürfe gegen Reed zermürben sie, denn obwohl sie an seine Unschuld und ihn glauben möchte, so weiß sie auch, dass die Royals dunkle Geheimnisse mit sich tragen. Hinzukommend das auf einmal ihr totgeglaubter Vater vor der Tür steht, ihr gefundenes Glück nicht zu dulden scheint und das Klischee eines übervorsichtigen Vaters einer bildhübschen Tochter erfüllt, werden ihre Nerven ganz schön strapaziert.

>>Der tote Onkel Steve?<< Ich presse die Zähne zusammen. >>Er sah ziemlich lebendig aus. Ein bisschen so wie Tom Hanks in Verschollen, nur ohne den Volleyball.<< >>Heilige Scheiße!<<

Die Situation zwischen Ella und Steve einzuschätzen viel mehr lange sehr schwer. Die Rollen für beide sind neu verteilt und keiner weiß so recht, wie er seine Ausfüllen soll. Steve befindet sich auf einmal in der Vaterrolle gegenüber eines Teenagers, ohne Erfahrungen in diesem Bereich zu haben, demnach stellt er sich stellenweise recht ungeschickt an. Doch kann man es ihm verübeln? Bedeutet ein Elternteil zu sein wirklich, dass man immer perfekte Entscheidungen trifft oder ist es viel mehr der Gedanke, der zählt? Ella hat es ihm nicht gerade einfach gemacht, was ich in Bezug auf manche seiner Anweisungen auch tatsächlich nachvollziehen konnte, andererseits hat mich ihr Dickschädel auch auf eine ganz andere Idee gebracht: Bereits als ihre Mutter noch gelebt hat, war sie auf sich alleine gestellt und hat viel Verantwortung getragen und das bedeutet vor allem eins: Freiheit. Auch nach dem Tod ihrer Mutter, war sie an keinerlei Regeln oder Grenzen gebunden, die Steve ihr hingegen von Anfang an aufzeigt. Für sie ist dies gleichbedeutend mit dem Gefühl, eingeengt zu werden, dem sie allem Anschein nach nicht nachgeben möchte, doch besteht vielleicht auch die Möglichkeit, dass sie unbewusst etwas wahrnimmt, was die Royals an ihm - mit Blick auf einen alten Freund - gar nicht realisieren?

Nach dem Tod ihrer Mutter, war Ella auf sich alleine gestellt, bis sie ein Teil der Royals wurde. Aus einem Anhängsel einer zerrütteten Familie, ist sie zum Bindeglied geworden, die alle einander wieder näher gebracht hat. Mit Steve hat sie nicht nur einen Vater, sondern auch ein Elternteil, welches Regeln aufstellt und nicht bereit ist, die Grenzen in irgendeiner Weise zu dehnen. Eigentlich, sollte er eine Lücke füllen, doch die Tatsache ist, dass Ella sich mit den Royals schon vorher nicht mehr alleine gefühlt hat. Steve hingegen versucht nicht ein Teil ihres Lebens zu werden, sondern drängt die Royals bewusst weg, um sich einen Platz in ihrem Leben zu schaffen. Doch eins hat er dabei unterschätzt, seine Tochter hat schon immer ein Schlupfloch gefunden und genau dieses nutzt sie, um ein Teil der Familie zu bleiben, die sie nicht mehr missen möchte, ungeahnt dessen, in welcher Gefahr sie wirklich schwebt.

Man, ich würde gerade sogar lieber Zeit mit Jordan verbringen, als mit Steve! Meinem Vater. >>Also, was sollen wir heute unternehmen?<<, fragt er mich. Ich spiele an meinem Gurt herum. >>Hast du denn nichts geplant?<< Und warum hast du mich dann aus der Schule entführt?!, ich würde ich am liebsten brüllen. >>Ich wollte die Entscheidung dir überlassen. Ladys first.<< Die Lady möchte zurück in die Schule.


Obwohl sich das Verhältnis der Royal-Söhne zu Callum durch Ella Stück für Stück bessert, so ist die Spannung untereinander doch immer greifbar. Doch was man ebenso in jedem Band spüren konnte, ist, dass Callum immer zu seinen Söhnen steht, egal, welchen Ärger diese wieder verzapft haben. Insbesondere Reed macht es Callum diesbezüglich alles andere als leicht. Auch er ist aufgrund der Beweislage und seiner ständigen Eskalationen nicht von Reeds Unschuld überzeugt und dennoch, steht er hundertprozentig hinter ihm. Callum mag in der Vergangenheit vielleicht einige Fehler begangen habe, doch seine Kinder stehen spürbar an erster Stelle und das macht ihn in meinen Augen zu einem perfekten Vater. Perfekt bedeutet nicht, dass man frei von Fehlern ist oder immer die richtige Entscheidung trifft, es bedeutet, dass man sich füreinander einsetzt und füreinander kämpft.

Reed hat in den Jahren vor Ella, auf niemanden Rücksicht genommen. Er hat Frauenherzen erobert, nur um diese danach zu brechen und er hat Genugtuung darin gefunden, sich mit Männern im Nahkampf zu messen. In der Zeit ohne Ella, hat er sich selber eingeredet, dass er mit den Geschehnissen gut zurechtkommt, doch Ella hat jedem von ihnen die Augen geöffnet. Sie hat der Familie wichtige Werte vermittelt, die nur noch Abneigung und Verzweiflung empfunden hat.

Er presst sich die Hand auf seine Brust, als hätte Val einen Dolch hineingestoßen. >>Wie kannst du des wagen, Carrington? Ich bin ein amerikanischer Romeo!<< >>Tja, und Romeo geht am Ende drauf.<<

Ella und Reed sind ein Team, die füreinander kämpfen. So ist auch Ella bereit, sich einer Gefahr auszusetzen um Reed vor dem Gefängnis zu bewahren. Wie groß diese Gefahr wirklich ist, erkennt sie erst, als es bereit zu spät ist und mit der Enthüllung dieser, tritt ein weiteres Geheimnis zu Tage, welches eine sich annähernde Familie erneut in seinen Grundfesten erschüttert. Werden die Royals nun endgültig zerbrechen, oder ist diese Offenbarung die Möglichkeit für einen Neuanfang?


Charaktere:

Ellas Vergangenheit, hat sie eins gelehrt: Wenn sich eine Situation zuspitzt und die Gefahr besteht, dass dir etwas Wichtiges genommen wird, dann hau ab. Ella ist niemand, der Problemen aus dem Weg geht und ebenfalls niemand, der Menschen, die ihr wichtig sind, hängen lassen würde. Mit der Aussicht, damals bei den Royals einziehen zu müssen, hat sie um ihre Freiheit und Selbstständigkeit gefürchtet, doch jetzt ist der Einsatz ein viel größerer - ihre Liebe zu Reed. Sie ist eine Kämpferin, wenn es darum geht, anderen zu helfen, wenn die Konflikte sie hingegen persönlich betreffen, verlässt sie stellenweise der Mut.

Reeds impulsive Art, hat ihn schon häufig in Schwierigkeiten gebracht, doch diesmal hat er sich in ein Schlamassel manövriert, aus dem auch Callum ihn nicht retten kann. Es liegt an ihm, die Auflagen des Anwalts zu erfüllen und sich nicht provozieren zu lassen, doch Ella ist seine Achillesferse, diejenige Person, die er schützen und verteidigen möchte. Gleichzeitig ist sie auch der Mensch, der ihm am meisten Kraft schenkt und seinen Kampfgeist weckt.


Schreibstil:

Mit dem dritten Band der "Paper"-Reihe, hat uns Erin Watt einen nervenaufreibenden Showdown geliefert. Die Autorin hat über zwei Bände etwas aufgebaut, was mir erst zum Ende diesen Bandes richtig bewusst geworden ist: Wir lernen einen Charakter nur durch die Augen der anderen kennen, sodass beim Leser - so war es zumindest bei mir - das Bild einer lebensfrohen Person mit gutem Charakter entstanden ist. Sich dieses Mittel zu Eigen gemacht, ist es, als würden wir jemanden kennen, den wir noch nie gesehen haben und genau das hat mich blind für das Offensichtliche gemacht. Einerseits liefert uns die Autorin die Antwort auf dem Silbertablett, andererseits kommt man ins Grübeln, weil man denkt, dass kann einfach nicht möglich sein. Der Verlauf mag demnach vielleicht stellenweise voraussehbar sein, in Kombination mit der Unsicherheit hingegen, hat sich der Spannungspegel bei mir, kontinuierlich aufrechterhalten.

Doch noch viel interessanter: Die Bombe die durch die Enthüllung platzt ist weitaus erschreckender gewesen. Die Royals sind speziell und in ihrer Art nicht gerade einfach zu Händeln, doch erst einmal ihr Vertrauen gewonnen, stehen sie wie eine unverrückbare Mauer hinter einem. Umso trauriger fand ich daher, dass eine Heimlichkeit bzw. Lüge bewirkt hat, dass eine ganze Familie unter Selbstvorwürfen leidet, die dazu geführt haben, dass jeder der Royals mit Schuldgefühlen zu kämpfen hat und um diese zu kompensieren eine Dummheit nach der anderen begeht.

Auch Dinah lernen wir zum Schluss von einer anderen Seite kennen, die einmal mehr verdeutlicht, wie sehr wir uns im Leben von Nichtigkeiten beeinflussen lassen und wozu andere Menschen dadurch getrieben werden. Obwohl ich mir hier noch eine Inneneinsicht gewünscht hätte, war die Idee dieser Wandlung dennoch interessant.

Sechs Männer, eine Frau und eine große Anzahl von Hürden, die zeigen, dass auch eine scheinbar zerrüttete Familie neue Kraft schöpfen und an einem Strang ziehen kann. Ich freue mich riesig auf die zwei Folgebände und bin gespannt, wessen Geschichte wir erfahren werden. Ich vermute mal Gideon, aber auch wenn es nicht so ein sollte, diese Bücher sind für mich ein Must-Read.

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104 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 80 Rezensionen

mafia, erotik, liebe, annika martin, kinderfreundschaft

Dark Mafia Prince (Dangerous Royals 1)

Annika Martin
E-Buch Text
Erschienen bei LYX.digital, 06.04.2017
ISBN 9783736305229
Genre: Sonstiges

Rezension:

Meinung:

Wenn man etwas gründlich genug kaputt macht, verliert es seine Fähigkeit zu fühlen und nichts zu fühlen, ist im Leben von Aleksio Dragusha definitiv ein Pluspunkt.

Mbreti gjumi - der schlafende König. Du wirst überleben, um an einem anderen Tag zu kämpfen.

Schießen zu müssen, heißt, dass eine Drohung nicht gewirkt hat. In dem Geschäft der Dragusha-Brüder, muss man seine Drohungen wahrmachen. Es ist eine Frage der Loyalität, der Würde und der Ehre. Diesen Vorsatz zu leben fällt Aleksio mit der Zeit jedoch sichtlich schwerer, seit Mira seinen Blick auf die Dinge verändert. Der Inhalt seiner Drohungen richtet sich gegen Mira, die für ihn von immer größerer Bedeutung wird und ein Gefühl von Geborgenheit schenkt, welches er seit dem Mord seiner Eltern nicht mehr verspürt hat. Immer mehr lässt er erkennen, dass er bereit ist, mit seinen Regeln zu brechen, sein Bruder Viktor hingegen, denkt gar nicht daran Kiros Leben für jemanden wie Mira aufs Spiel zu setzen.

>>Ich bin nicht dein Baby.<< >>Du bist, was immer ich will, und zwar von jetzt an.<<

Aldo Nikolla ist ein Mann mit einem schwachen Herz und dennoch eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Er galt als Freund und hat drei kleinen Jungs die Eltern genommen. Ein Mann, den die Dragusha Brüder um jeden Preis in die Knie zwingen wollen.

Die Prophezeiung der Brüder aus den Schatten hat damals viele in Angst und Schrecken versetzt, weshalb die Dragusha Kinder gejagt und auf der Flucht voneinander getrennt worden. Mit Aleksio und Viktor sind zwei der drei Brüder wieder vereint und suchen ohne Rücksicht auf Verluste nach dem jüngsten Spross. Doch sobald die Leute sehen, dass die Brüder sich wieder vereinigen, wird sich die gesamte Feuerkraft Nikollas gegen sie richten. Um einen Trumpf im Ärmel zu haben, eignet sich Aleksio das einzige an, was Nikollas Achillesferse am nächsten kommt - seine Tochter Mira. Doch ist die Liebe eines Vaters wirklich stark genug, um das Monster in ihm zu bändigen?

>>Kann ich eine einzige Sache behalten?<< Ich vermute Schmuck. Irgendetwas wertvolles. Schuhe vielleicht. Um ihre Schuhsammlung ranken sich Gerüchte. >>Kommt drauf an. Kann es Kugeln abfeuern? Weil, so nachsichtig ich auch bin -<< >>Es ist nur eine Kaffeetasse. Niemand wird sich darum scheren.<<

Bevor Aleksios Leben einen Punkt erreicht hat, der glückliche Momente verdrängt und ihn zu einem anderen Menschen gemacht hat, waren er und Mira unzertrennliche Freunde. Nun hingegen, ist er ihr gefährlichster Feind, denn jedes Mal, wenn sie ihn ansieht, sieht sie jemanden, den es nicht mehr gibt. Jedes Mal, macht sie sich selbst etwas darüber vor, wer er wirklich ist. Zumindest ist es das, was Aleksio ihr einreden möchte, denn so hart seine Schale auch ist, so hartnäckig ist Mira, an dem Jungen festzuhalten, der damals voller Lebensfreude war.

Miras Kindheit hingegen ist vollkommen anders verlaufen - behütet und in Sicherheit, auch wenn sie ihr zu Hause oftmals als goldenen Käfig empfunden und ihre Freiheit vermisst hat. Es war einfach für Aleksio, Mira als Ziel zu wählen, um an Nikolla heranzukommen, denn als Person des öffentlichen Lebens, scheint auch sie nicht mehr das bodenständige Mädchen von damals zu sein, sondern ihren Fokus auf oberflächliche Werte zu legen. Die Entwicklung der beiden ist vollkommen verschieden verlaufen, nachdem Aleksio den Mord an seinen Eltern beobachten musste. Er hat gehungert, während Mira essen konnte. Sie hat gelacht, während er geweint hat. Sie war in Sicherheit, während er sich verstecken musste. All diese Punkte machen Mira zu einem perfekten Köder um die Gefühle außen vor lassen und dem dritten Dragusha Bruder näher kommen zu können. Doch was ist, wenn Mira sich gar nicht verändert hat? Wenn auch sie ihre Wege gefunden hat, Menschen das sehen zu lassen, was sie sie sehen lassen möchte? Was ist, wenn sich freundschaftliche Gefühle weiterentwickeln und man zwischen einem der letzten verbliebenen Familienmitglieder oder einer alten Liebe entscheiden muss?

>>Fühlt sich an wie eine Falle, riecht wie eine Falle. Es ist eine Falle.<<

Mit Aleksio und Viktor sind zwei der Dragusha Brüder wieder vereint. Nun fehlt noch Kiro, dessen Spuren immer wieder in eine Sackgasse führen. Die Zeit wird knapp, denn nicht nur Nikolla sitzt ihnen im Nacken, auch Lazarus.

Nikolla und Lazarus arbeiten Hand in Hand, dabei ist dieses Duo mit Vorsicht zu genießen, denn diese Art von Kooperation der beiden, ist kein freundschaftlicher Zusammenschluss. Lazarus weiß ebenso wie die beiden Dragusha Brüder um Nikollas Schwäche und ist bereit alles zu tun, um die Erfüllung der Prophezeiung der Brüder aus den Schatten abzuwenden. Durch Lazarus erhält die Geschichte eine unberechenbare Variable, denn anders als Nikolla und Aleksio, hat Lazarus nichts zu verlieren. Er ist bereit, alle Register zu ziehen und genau das macht ihn so gefährlich. Er ändert seine Pläne ohne diesen Umschwung erkennen zu lassen, sodass auch Miras Vater nicht mehr die Sicherheit und den Rückhalt hat, die ihm das Machtgefühl verleihen. Mit dieser einen Komponente, verändert sich das gesamte Geschehen zu einem äußerst wackeligen Konstrukt.

Zu Beginn der Geschichte, lernen wir Aldo Nikolla durch Miras Augen kennen. Das Bild einer Tochter, die nur das Beste in ihrem Vater sieht, sodass auch ich davon ausgegangen bin, dass sie oberste Priorität für ihn hat. Erst durch den Einfluss Aleksios, verlagert sich diese Perspektive und enthüllt immer mehr Details, die in Frage stellen, ob und inwieweit Mira wirklich Schutz von ihrem Vater erwarten kann. Wird er es sogar sein, der seiner Tochter ein Messer in den Rücken rammt? Eine Frage, die ich lange Zeit nicht beantworten konnte, denn allem Anschein nach, ist Aldo Nikolla niemand, der sich die Zügel aus der Hand nehmen lässt.

Ein Baby kann diese Art von Gewalt nicht begreifen, aber sie dringt trotzdem in die Psyche.

Was passiert mit einem Menschen, dem man das Gefühl von Sicherheit nimmt? Verliert er seinen Optimismus? Seine Hoffnung und Zuversicht? Mira wird seit ihrer Entführung immer wieder vor neue Hürden gestellt, doch die wahrscheinlich größte, hat niemand kommen sehen, denn ihr Vater scheint nicht nur Informationen zurückzuhalten, die ihr Leben in Gefahr bringen, er hütet auch ein Geheimnis, dessen Enthüllung Mira dazu bringt, dem Kampf um sein Überleben aufzugeben.


Charaktere:

Mira befindet sich in einem Konflikt zwischen der Liebe zu ihrem Vater und der Erinnerungen an den Aleksio aus ihrer Kindheit. Doch wie sie bald feststellen muss, ist nicht nur Aleksio ein vollkommen anderer Mensch, auch ihr Vater scheint nicht derjenige zu sein, den sie zu kennen glaubte. Schon als Kind war die einzige Möglichkeit, sie dazu zu bringen, mit dem Weinen aufzuhören, ihr zu zeigen, dass jemand anders schlimmer verletzt ist. Ihr etwas zu geben, worum sie sich anstelle von sich selbst kümmern kann. Hier ist es an ihr, zu entscheiden, wem sie diese Aufmerksamkeit schenken möchte. Ist sie bereit, der Wahrheit über ihren Vater ins Auge zu blicken, oder ist es leichter, die Erinnerungen an den kleinen Aleksio aufzugeben und nur das zu sehen, was er ihr weismachen möchte?

Aleksio ist gut darin, eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten, wie ein Kämpfer, der dem Schlag ausweicht. Loyalität ist etwas, was einem in der Welt von Aleksio das Genick brechen kann. Er ist hart im Nehmen, doch seine Gefühle trüben seinen Verstand und machen ihn zu einer Marionette. Kiro oder Mira - Wenn sich das Ziel verlagert und sich der Fokus neu justiert.


Schreibstil:

Annika Martin hat mich mit dem Reihenauftakt ihrer Trilogie schnell in ihren Bann gezogen. Mit Mira und Aleksio haben wir zwei Protagonisten, die aufgrund einer Fehde einander entrissen worden und seither vollkommen verschiedene Leben geführt haben. Das erstaunliche daran ist, dass sie charakterlich, gar nicht so weit voneinander entfernt liegen, denn obwohl Aleksio versucht, seine Gefühle zu unterdrücken und bei seinen Handlungen außen vor zu lassen, um die Spur seines jüngsten Bruders Kiro aufnehmen zu können, so schafft es Mira, diese Fassade zu durchbrechen. Etwas, was ein Fremder zugegebenermaßen wohl niemals bewirkt hätte, doch trotz ihrer unterschiedlichen Lebensweise, teilen die beiden eine gemeinsame Vergangenheit, die sie nach wie vor miteinander verbindet.

Auch die Zeichnung Miras hat mir sehr gut gefallen. Wir erleben die junge Frau in zwei ausgeprägten Perspektiven. Einmal durch Mira selbst, die mich mit ihrer Stärke, ihrem Mut und ihrer Loyalität immer wieder beeindruckt hat und einmal durch Aleksios Augen, der einerseits nicht fassen kann, warum das junge Mädchen von damals auf einmal zu einem Modepüppchen mutiert ist und dennoch immer wieder spürt, dass sie sich gar nicht wirklich verändert hat.

Die Protagonisten selbst lassen uns ihre Stärken und Schwächen erkennen, durch den Blick des jeweils anderen, haben wir jedoch die Möglichkeit Dinge an ihnen wahrzunehmen, denen sie sich selber nicht bewusst sind. Sie ermöglichen einander Gegebenheiten mit den Augen des anderen zu sehen. Auch den Schmerz den Aleksio nach all den Jahren immer wieder fühlt, ermöglicht uns die Autorin hier hautnah mitzuerleben. Ein Bild mit Tierbabys, weckt in Mira schöne Erinnerungen, während Aleksio diese mit dem Tod und einem Moment verbindet, bei dem für ihn alles steil bergab ging. Eine Situation die uns so viel über die Protagonisten verrät und gleichzeitig noch zu einem wichtigen Warnsignal wird.

Die stetige Entwicklung der Situation und der Charaktere, hat den Spannungspegel der Geschichte konsequent aufrechterhalten, denn obwohl wir hier zwischen Kiro und Mira als Ziel mit unterschiedlichen Absichten pendeln, so ist es das miteinander zweier, alter bekannter Freunde, die gemeinsam ihren Fokus verlagern und füreinander einstehen. Werden sie Kiro finden und wird es wirklich zu einer Entscheidungsfrage zwischen Familie und Liebe kommen?

Eine Herausforderung jagt die nächste und ich bin unheimlich gespannt auf die Fortsetzung!

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superhelden, hero, dark diamonds, schurke, hidden hero: verborgene liebe

Hidden Hero. Verborgene Liebe

Veronika Rothe
E-Buch Text
Erschienen bei Dark Diamonds, 31.03.2017
ISBN 9783646300291
Genre: Sonstiges

Rezension:

Meinung:

Die Akademie bildet eine Art Netzwerk, mit einer steilen Hierarchie, deren Ausläufer über etliche Bundesstaaten reichen. Die Identität der Helden ist nur Mitgliedern der Akademie und Familienangehörigen bekannt, um diese und ihre Familien zu schützen. Wissen ist Macht und genau dieses hat sich jemand zu Eigen gemacht, denn die gezielten Angriffe auf die Helden häufen sich und nehmen immer größere Ausmaße an. Die Ratsmitglieder ordern die besten Helden zusammen um gemeinsam das Phantom zu jagen und der Mordserie ein Ende zu setzen.

Manchmal muss man Risiken eingehen, um ans Ziel zu kommen. Genau das denkt sich auch Lily, die mit ihrer "Flower Power" weniger dazu geeignet ist, in großen Städten gegen die Bekämpfung des bösen eingesetzt zu werden und deshalb in einem kleinen Kaff stationiert wurde, indem sie ihr Dasein als "Heldin" fristen muss.

Kreischend sprang ich auch und wischte mir hektisch über meine Zunge. Ich hatte die Decke im Hund gehabt! O Gott, ich wollte eine Zungentransplantation, und zwar sofort!


Kaum starten wir in die Geschichte, schlägt uns Lily mit ihrer miesepetrigen Art entgegen. Die junge Frau trieft vor Sarkasmus und Ironie und ist zudem noch felsenfest davon überzeugt, dass sie zu viel größerem bestimmt ist. Mein erster Gedanke war: Och nein, bitte nicht jemand der an Selbstüberschätzung leidet. Mit ihrer Einstellung befindet sie sich anfangs auf einem heiklen Grad der mich hat befürchten lassen, sie würde in die Schublade "nerviger" Charakter abrutschen. Doch zu meiner Überraschung war das ganz und gar nicht der Fall.

Mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Überheblichkeit und Selbstüberschätzung, schien mir ihr Plan sich bei den Superhelden einzuschmuggeln, gleich zum Scheitern verurteilt, denn diese Wesenszüge lassen einen eher unbedacht handeln. Sie schwimmt gegen den Strom und lässt sich nicht von anderen verbiegen und genau das macht sie so einzigartig und vor allem liebenswert. Mit ihrer falschen Identität als Veritas Warrior ist es ihr tatsächlich gelungen, einen Fuß zwischen die Tür zu bekommen.

Arrogantes Affengesicht! Nein, halt, das wäre den Affen gegenüber unfair.

Gerade das ist es auch, was Lily zu etwas besonderem macht. Sie sieht das Helden-Dasein als ein Privileg, dass sie nun erleben darf und sehr zu schätzen weiß, während andere ihre Gaben und Fähigkeiten als selbstverständlich ansehen und dabei das Ziel aus den Augen verlieren. Hier haben wir es mit einer anderen Form von Selbstüberschätzung zu tun, welche im Gegensatz zu Lilys Variante wirklich eine Gefahr darstellt. Anstatt im Team zu agieren und gemeinsam nach Hinweisen zu suchen, kommt es hier viel mehr zu einem Machtkampf, bei dem jeder zu demonstrieren versucht, wie toll er doch ist. Lilys stellenweise "überhebliches" Verhalten hingegen entfaltet eine vollkommen andere Wirkung. Sie gibt ihr Mut, sie hinterfragt die Geschehnisse, hält die Augen offen und weiß, dass man als Einzelgänger bei weitem nicht die Stärken und Möglichkeiten hat, wie einem der Rückhalt eines Teams geben kann.

Doch genau das ist auch der Knackpunkt. Wie kann man einem Team Vertrauen schenken, wenn jemand aus den eigenen Reihen, geschützte Daten nach außen gibt um diejenigen zu töten, die für die Sicherheit auf den Straßen der gefährlichsten Bundesstaaten sorgen? Auch Lily spielt hier mit dem Feuer, denn unter den Helden befinden sich auch Wahrheitsfinder, die in Anbetracht der momentanen Umstände wahrscheinlich weniger einen ehrgeizigen Dickschädel bei einer falschen Identität, sondern vielmehr einen Handlanger vermuten würden.

>> [...] Ich werde niemals - ich buchstabiere es auch gerne, falls ihr das Wort nicht kapiert, schreibe es auf oder tanze es, falls ihr für den Rest zu beschränkt seid - niemals, niemals, niemals für diesen durchgeknallten Kerl arbeiten, der alles auslöschen will, wofür ich kämpfe. Das Phantom wird n i e m a l s meine Unterstützung kriegen. Ist das in euren verdammten Schädeln endlich angekommen?!<<

Lily ist ein ganz schönes Energiebündel, deren Temperament nicht selten mit ihr durchgeht. In Kombination mit ihrer schonungslos offenen und ehrlichen Art, nimmt sie jedes, sich bietende, Fettnäpfchen mit. Chris der allseits bekannte und berühmte "Hero" ist der Schwarm aller Frauen, so auch Lilys. Schon damals hat sie für den jungen Helden geschwärmt, der sie nun, anders als zur Zeit ihrer Ausbildung auf der Akademie, wahrnimmt.

Macht verändert Menschen und verdirbt diese durch schlechte Einflüsse. Die Indizien lassen Schlüsse zu, die nicht nur auf Maulwürfe in den eigenen Reihen schließen lassen. Anfangs erschien es mir durch manche Situationen auch so, als wäre Hero das Hauptziel der Angriffe und das nicht, weil er im Fokus der Übergriffe stand, sondern weil sich bei Gesprächen der Handlanger des Phantoms eine - scheinbar männliche Person - als Ziel herauskristallisiert hat. Ob und inwieweit das wirklich zutrifft, kann ich nach dem ersten Band noch gar nicht sagen, sicher ist, dass Personen involviert sind, deren Kontraste zu surreal erscheinen, als das ich mir vorstellen könnte, dass diese wirklich zusammen arbeiten, weshalb ich ihre Handlungsgründe in Frage stelle.

>>[...] Wir sind zwei Seiten einer einzigen Medaille. [...]<<

Die Wut, verraten worden zu sein ist groß und blendet unsere Protagonisten stellenweise, was ich durchaus verstehen kann, doch als Leser geht man hier noch einmal differenzierter in die Situation hinein, weshalb ich vermute, dass auch aufgrund der Aussage einer Person, viel mehr dahintersteckt, als die Vorfälle interpretieren lassen. Handelt es sich bei den Anschlägen um einen Racheakt oder wissen sie von einer drohenden Gefahr, die Lily und Hero noch gar nicht erahnen? Ich glaube hier wartet noch eine große Überraschung auf uns, die alles bisher gewesene nochmal in ein anderes Licht rücken wird.


Charaktere:

Lilys (Annabeth) Art die Wahrheit ungefiltert rauszulassen, bringt sie immer wieder in Schwierigkeiten und ihr Traum das Helden-Dasein zu Leben scheint immer wieder in weite Ferne zu rücken. Doch anders als es sowohl Lily als auch ich erwartet hätten, sind ihre eigenen Trainingseinheiten mit Erfolg gekrönt, sodass sie dem großen Hero gleich mehrfach das Leben rettet und manche Situationen vermuten lassen, dass Lily mehr Talent hat, als die Akademie damals aus ihr herauskitzeln konnte. Wird ihr Wunsch, sich dauerhaft dem Kampf gegen das Böse widmen zu können, wahr?

Chris ist ein Traum von Mann, der nicht nur mit einem atemberaubenden Körper beeindruckt, sondern auch gleich mehrere Fähigkeiten auf einem höheren Level besitzt. Da könnte man doch meinen, dass ein derart vom Glück geküsster Mann, ein übergroßes Ego hat und ganz schön großspurig ist, oder? Falsch! Unser Hero ist ein bodenständiger und ehrlicher Mensch, der einzige Nachteil: Er ist eine Berühmtheit unter den Helden und erhält Aufmerksamkeit, die weniger ihm, als seinem Ruf gilt. Lily hingegen ist eine erfrischende Abwechslung, die kein gutes Blatt an dem jungen Helden lässt und damit genau in sein Herz zielt.


Schreibstil:

Veronika Rothe hat mit "Hidden Hero" einen spannenden und zugleich humorvollen Reihenauftakt gestartet, dessen Gehalt von Ironie und Sarkasmus nicht übertrieben, sondern aufgrund der Charakterzeichnung unserer Protagonistin Lily, vollkommen authentisch gewirkt haben.

Lily ist eine verrückte Nudel, die oftmals mehr Glück als Verstand hat, doch mit ihrem Eifer, Engagement und ihrer Liebe zum Helden-Dasein, beschreiten wir mit ihr eine unvergessliche Reise, die mich vollkommen gefesselt hat.

Aus einem kleinen Kaff macht sie sich alleine auf den Weg nach New York. Um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen, fälscht sie ein Dokument und gibt sich eine neue Identität. Sie setzt alles auf eine Karte und ihr Weg lässt nur zwei Möglichkeiten zu: Entweder sie schafft es, ihr Können unter Beweis zu stellen, oder sie verliert alles. Ihr Mut ist konform mit Leichtsinn. Das Risiko inmitten der facettenreichsten Fähigkeiten anderer Helden ist enorm und gerade deshalb auch so bewundernswert. Sie kämpft um zu beweisen, was andere nie in ihr gesehen haben. Sie zeigt, dass es nur einen starken Willen braucht um gegen das Böse bestehen zu können und die Fähigkeiten selber nur ein Pluspunkt dieser Stärke sind.

Die Autorin stellt uns Lily als Außenseiterin vor, die ihren Frust und ihre Enttäuschung auch andere spüren lässt. Lediglich eine Freundin, steht ihr zur Seite und nimmt ihre Wünsche ernst, während ihre Mutter ihr immer nur predigt, sie solle stolz darauf sein, ein Teil der Helden-Gemeinschaft sein zu dürfen, egal wie unwichtig ihre Fähigkeit auch erscheint. Im Kampf gegen das Phantom hingegen, erleben wir eine bemerkenswerte Wandlung an ihr, denn sie findet nicht nur Freunde, sondern sie zeigt uns auf verschiedenste Weise, dass sie eine große Bereicherung für die Akademie ist, die sogar gegen Helden mit stärkeren Fähigkeiten bestand hat.

Immer auf sich alleine gestellt, hat sie mit Hero und Max nicht nur ein Team, sondern Freunde gefunden, denen sie den Rücken freihält und diese ebenso hinter ihr stehen. Es hat mich unheimlich gefreut, zu sehen, dass Lily ein Teil von dem sein kann, was sie immer schon machen wollte und noch dazu Rückhalt und Anerkennung erfährt. Eine wirklich tolle Entwicklung, die sie genießen könnte, wäre da nicht die immer näher rückende Gefahr, deren dunkler Schatten immer größere Ausmaße annimmt.

Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, die nach dem Schluss des ersten Bands einen großen Wendepunkt vermuten lässt.

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liebe, vermont, true north, sarina bowen, farmer

True North - Wo auch immer du bist

Sarina Bowen , Nina Restemeier , Wiebke Pilz
Flexibler Einband: 72 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 24.04.2017
ISBN 9783736305601
Genre: Liebesromane

Rezension:

Meinung:

Griffin hat das Familienerbe angenommen und leitet seither nicht nur die Farm, sondern trägt auch eine große Verantwortung. Welche Aufgaben übernimmt man als Farmer? Dass die Arbeit körperliche Leistung erfordert, war mir durchaus bewusst, jedoch nicht, wie hoch die Relevanz von vorausschauendem Handeln und Aufmerksamkeit ist. Davon hängt nicht nur der Erfolg einer guten Ernte ab, sondern unter Umständen gleich die ganze Existenz.

>>Ich rufe dich an und sage dir Bescheid.<< >>Und ich werde ans Telefon gehen wie ein Großstadtschnösel.<<

Griff war mir von vorneherein sympathisch und das nicht aufgrund seiner Aufgaben, sondern der Hintergründe, die ihn dazu bewegen, genau diese Herausforderung mit ungewisser Zukunft zu stemmen. Er selbst hat sich vom Leben etwas anderes erhofft, doch als Haupteinnahmequelle der Familie, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, seine Träume hinten an zu stellen, um wenigstens seinen Geschwistern ihre Zukunft in Form eines Studiums finanzieren zu können, damit zumindest diese die Chance haben, ihr Leben in Bahnen zu lenken, die sie selbst gewählt haben. Er liebt seine Aufgaben und dennoch stellt er sich immer wieder die Frage, ob er wirklich eine Wahl hatte.

>>Griffin blickte skeptisch zu mir hinab. Meine Güte, war der Kerl riesig. Wie Paul Bunyan, der riesenhafte Holzfäller aus den uralten Sagen. >>Ich schreie Frauen nicht an.<< >>Reine Formsache<<, zische ich. >>Du grummelst und knurrst.<<

Mit Audrey warm zu werden hat etwas länger gedauert, dabei konnte ich die erste Zeit gar nicht genau benennen, warum das so war. Die Anforderungen denen sie ausgesetzt ist, sind so gestellt, dass es ihr immer als eine Art scheitern ausgelegt wird. Als letzte Rettung bietet ihr der BPG Konzern deshalb an, bei Griffin und den dort umliegenden Farmern Produkte einzukaufen, deren Anbau noch auf herkömmliche Art stattfindet, ohne großen Einsatz von Pestiziden. Diese Art des Anbaus erfordert Zeit, Geduld und jede Menge körperlichen Einsatz. Die Einnahmen, welche die Farmer für eben diese Produkte erhalten, halten sich für den Aufwand jedoch sehr gering und auch diesen Preis will die BPG noch ordentlich runterhandeln.

Erst mit dem Verständnis, wie viel Arbeit hinter der Tätigkeit als Farmer steckt, konnte ich benennen, warum Audrey anfangs eher distanziert, stellenweise sogar oberflächlich auf mich gewirkt hat. Ebenso wie die Sterneköche ist sie fokussiert auf den Erfolg. Die Lebensmittel werden als Mittel zum Zweck angesehen, doch wie viel Arbeit hinter dem Anbau steckt weiß dort anscheinend keiner zu schätzen. Auch Audrey fehlt dafür das Gefühl und Verständnis, bis sie selber am Alltagsgeschehen auf Griffins Farm teilnimmt und mit den Aufgaben wächst.

Sie hielt inne, hob den Kopf und forderte mich mit ihrem Blick heraus. Ich lehne nie eine Herausforderung ab.

Darüber hinaus gibt es noch einen wesentlichen Unterschied, dessen Kontrast mich wirklich verwundert hat. Während der Konzern darauf fixiert ist, große Gewinne zu erzielen und die Konkurrenz abzuschütteln, ist das Geschäft der Farmer ein miteinander und nicht, wie man erwarten würde, ebenfalls ein Konkurrenzkampf. Hier hilft jeder jedem.

Bereits die Farmer kalkulieren ihre Preise mit einem niedrigen Gewinn, der nicht wirklich ins Gewicht fällt, dieser reicht um die laufenden Kosten zu decken und über Jahre hinweg eine gewisse Rücklage aufzubauen, lässt jedoch bei Weitem keine großen Sprünge zu. Die Vorschläge die Audrey hingegen nach Maßgabe des Konzerns unterbreitet, liegen bei Weitem unter der Vergütung des Aufwands, denn ein Gewinn ist hier nicht mehr zu verbuchen. Diese Tatsache muss auch ihrem Chef bewusst gewesen sein, sodass Audrey nur als Lockvogel für die männlichen Farmer missbraucht wird.

Zweieinhalb Autostunden waren abschreckend. Mein Zeitplan ließ nicht einmal eine Freundin zu, die zweieinhalb Minuten entfernt wohnte. Außerdem konnte ich nicht noch eine Person in meinem Leben gebrauchen, die auf mich angewiesen war und die ich nicht enttäuschen durfte. Davon gab es schon genug.

Der BPG Konzern hätte ohne weiteres die Mittel, den regulären Preis für die Ware zu bezahlen. Doch hier kommt wieder der berechnende Faktor, denn je geringer der Einkaufspreis und je höher der Verkaufspreis, desto größer ist der Gewinn. Der Konzern fokussiert sich ausschließlich auf seinen Erfolg, ohne deren Abhängigkeit der Farmer überhaupt zu realisieren. Hier spielt das Image eine sehr große Rolle. Ein Farmer dessen Bekanntheitsgrad gen Null geht, muss sich im Rahmen der marktüblichen Preise bewegen, während ein bekannter Konzern horrende Preise für ein Produkt verlangen kann, welches sie zu einem vergleichsweise minimalen Preis erworben haben.

Es fiel mir seit jeher schwer, Komplimente anzunehmen. Wahrscheinlich, weil ich nicht oft welche bekommen hatte.

Audrey selber kann ich nicht einmal einen Strick aus ihrer Unwissenheit drehen. Ebenso wenig wie ihr, war mir zuvor wirklich bewusst, wie viel Arbeit und Fleiß hinter der Tätigkeit eines Farmers steckt. Wir gehen in einen Lebensmittelladen, indem bereits alles fertig auf uns wartet, doch der Weg bis dahin, den hinterfragt wohl kaum einer. Mit der Erkenntnis, die nicht nur wir sondern auch Audrey erlangt, mausert sich die junge Frau zu einer passionierten Köchin, die vollends aufblüht und dadurch in meinen Augen sogar mehr Potenzial besitzt, als einen Sternekoch, den sie bisher immer bewundert hat. Wer seine Leidenschaft leben möchte, muss das Drumherum zu schätzen wissen und dazu gehört in diesem Fall auch die Leistung derjenigen, die die Lebensmittel zur Verfügung stellen, mit denen in einem fünf Sterne Restaurant die Gerichte gezaubert werden, denn letztendlich ist das kochen nur noch die Verfeinerung eines Produktes, dessen Eigengeschmack im Anbau seinen Ursprung findet und deren natürliche Aromen unterstrichen werden.

Er hielt mich wirklich für vollkommen unfähig. Genau wie alle anderen auch.

Mit Audrey und Griff kollidieren zwei Welten, bei denen ich am Anfang das Gefühl hatte, sie würden gar nicht zueinander passen, doch im Gegenteil, Griff steckt Hingabe in seine Arbeit, die jede Menge Aufmerksamkeit und Geschick erfordert, während Audrey diese weiterverarbeitet und dem ganzen noch das Tüpfelchen auf dem "i" verleiht.

Dass Audrey sich das Verhalten der BPG gefallen lässt, liegt nur in der Chance begründet, ihre Restaurant-Idee vorstellen zu dürfen und nach Möglichkeit der Gewinner diesen Wettbewerbs zu sein, der diese Idee umsetzen darf. Allerdings bin ich auch der Ansicht, dass ein Restaurant, welches sich einen eigenständigen Ruf aufbaut und von kleinen Füßen immer größer wird, auf Dauer mehr Erfolg haben wird, als ein durch andere Sterne-Köche gepushtes. Schon hier lässt sich erkennen, dass Audrey bei weitem niemals eine derartige Köchin wie ihre Idole wird. Audrey wird nicht nur die Gaumen der Menschen in Erstaunen versetzen, sondern ebenso mit ihrer Freundlichkeit und Natürlichkeit beeindrucken, die viele haben missen lassen. Insbesondere letzteres ist der Schlüssel zum wirklichen Erfolg.


Charaktere:

Hat Audrey wirklich - wie am Anfang aufgezählt - viele Fehler aus Nachlässigkeit oder fehlender Motivation heraufbeschworen oder sind es die zu hohen Anforderungen des BPG Konzerns und "hochnäsiger" Sterneköche, denen sie einfach nicht gerecht werden kann? Das Audrey einiges auf den Kasten hat, führt sie uns auf der Farm immer wieder vor Augen und was noch viel wichtiger ist, ihr sieht man die Begeisterung für das Kochen an. Sie ist mit Feuereifer dabei und scheut auch Aufgaben nicht, die dem kochen vorangehen. Denn bevor Fleisch verarbeitet werden kann, muss ein Tier erst einmal sein Leben lassen.

Griffin ist recht mürrisch. Beim ersten gegenübertreten hat er mich ein wenig an den Almöhi erinnert - den Großvater von Heidi - mit Bart und kaum zu einem Lächeln zu bewegen. Die Ablehnung die er Audrey gegenüber an den Tag legt, liegt nicht nur in ihrer gemeinsamen Vergangenheit begründet. Er führt das Werk seines Vaters fort und die Anerkennung die er sich dafür wünscht, wird vom BPG Konzern soweit runter zu gehandelt, dass der Abnehmer sich bereichert, während der Lieferer weit unter dem eigentlichen Verkaufspreis liefern soll. Im Beisammen sein mit seinen Brüdern lässt er stellenweise eine lockere und fröhliche Art durchscheinen. Dennoch ist auch immer ersichtlich, dass er sich diese Freiheit nicht oft gewährt. Er trägt eine Last die ihm vererbt wurde, sodass im letztendlich keine Wahl geblieben ist, als den Hof und damit all die Verantwortung auf sich zu nehmen. Eine Einnahmequelle für die Familie, die zumindest seinen Geschwistern ermöglichen soll, ihr Leben selbst zu lenken und auch andere Wege einschlagen zu können.

Schreibstil:

Sarina Bowens Reihenauftakt von „True Norht“ hält einige Überraschungen bereit darunter auch der Informationsgehalt der Cider-Gewinnung. Ein Wissen was viele von uns im Alltag wahrscheinlich weniger benötigen, aber durchaus spannend zu verfolgen ist.

Audreys Ehrgeiz und Enthusiasmus ist greifbar, weshalb ihre Freude nicht nur auf Griff übergreift, sondern auch mich als Leser mit Fröhlichkeit erfüllt hat. Egal worum es geht, solange es sie mit ihrer Leidenschaft verbindet, ist sie voller Tatendrang und akzeptiert auch Umstände, die weniger erfreulich sind, sowie ihre Aufgabe den örtlichen Farmern ihre hochwertigen Produkte unterm Marktwert abzukaufen oder sich von bekannten Köchen von oben herab behandeln zu lassen.

Was mir nicht ganz so gut gefällt, ist der immer selbe Handlungsort, der hier leider nicht viel Spannungspotential zulässt. An sich wäre das kein Problem, doch stellenweise hatte ich das Gefühl, wir drehen uns ein wenig im Kreis. Eine Mischung aus Anziehen und Abstoßen, sowie sexuelle Anziehung und den Gedanken, dass ein "wir" aufgrund der Verantwortung und zu erfüllenden Aufgaben nicht möglich ist. Eine Entwicklung habe ich hier kaum erkennen können. Die Interaktion der Charaktere ist dennoch schön zu verfolgen.

Das Ende hat noch einige Überraschungen bereitgehalten. Dinge die ich eher als unwahrscheinlich vermutet hätte sind eingetreten, andere die ich für wahrscheinlich gehalten habe sind nicht passiert. Etwas was ich immer gerne mag, denn das macht alles überraschender und weniger vorhersehbar.

Der "Informationsgehalt" hat mir sehr gut gefallen. Wir erleben hier das Farmer-Leben und damit einhergehend, welche Verantwortung und Aufgaben zu tragen sind. Wir erfahren etwas über die Produktion von Cider und auch das Miteinander der Farmer, die nicht wie erwartet im Konkurrenzkampf stehen, sondern gemeinschaftlich füreinander einstehen.

Ein Reihenauftakt der schön war, jedoch in meinen Augen nicht sein ganzes Potential ausgeschöpft hat. Die Familie rund um Griff hat mich allerdings in ihrer Herzlichkeit und mit ihren Sticheleien überzeugt, sodass ich diese sehr lieb gewonnen habe und gerne wissen möchte, wie es weiter geht ;)

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Hard & Heart 5: Ein Gorilla für die Nachtigall

Sara-Maria Lukas
Flexibler Einband
Erschienen bei Plaisir d'Amour Verlag, 14.04.2017
ISBN 9783864952609
Genre: Romane

Rezension:

Meinung:

Pia liebt ihre Freiheit und ist eine wahre Kämpfernatur. Sie vertritt ihre Meinung, obwohl sie genau das Gegenteil von dem wiederspiegelt, wofür ihr Vater eintritt. So kämpft sie nicht nur für benachteiligte Frauen, sondern gleichzeitig auch bewusst, gegen ihren Vater an und da dieser Finn zu ihrem Schutz engagiert hat, treffen die Fronten unserer Protagonisten gleich mit voller Härte aufeinander.

>>Sie ziert sich noch etwas, oder anders ausgedrückt, sie ist zu feige, es sich einzugestehen, und greift an, damit ich ihr gebe, wonach sie sich sehnt. Sie kämpft gerne.<<

Ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ist aufwendiger und anstrengender, als mit dem Strom zu schwimmen oder anderen die Schuld an allem zu geben. Das bezieht sich einerseits auf das Engagement Pias, sich für Frauen stark zu machen, als auch auf ihre Sehnsüchte, die Finn immer stärker in ihr hervorruft. Seine Neigungen auszuleben bedeutet, den Mut aufzubringen und nicht nur anderen, sondern vor allem sich selbst, einzugestehen, was man mag. Pia hält sich hier anfangs sehr bedeckt, denn sie befürchtet, dass etwas zu äußern was sie innerlich immer stärker spürt, ein Zeichen von Schwäche wäre, welche anderen eine Angriffsfläche bieten würde.

>>[...] Hast du genug Mut, die fürs Vertrauen zu entscheiden?<<


Männer und BDSM sind für Pia eine Kombination, der sie zu Beginn nur negative Komponente zuordnen kann. Das Vater-Tochter-Verhältnis lernen wir direkt als sehr angespannt kennen, weshalb ich mich gefragt habe, wie es zu einer derart kühlen und distanzierten Verbindung gekommen ist? Als Kind hat sie ihren Vater geliebt, so, wie jedes Kind ihre Eltern liebt. Doch erst als sie realisiert hat, welchen Einfluss bestimmte seiner Wesenszüge auf ihre Mutter hatten und welche Konsequenzen diese gezogen hat, ist sie in einen Zwiespalt gerutscht, der ebenfalls Schuldgefühle in ihr hervorgerufen hat. Diese Ereignisse sind der Grund, warum sie keinem Mann mehr traut, denn jeder könnte unter der netten Maske etwas Derartiges versteckt halten, wie ihr Vater über Jahre hinweg. Deswegen ist sie so misstrauisch und wehrt sich gegen ihre Gefühle für Finn. Ihr Verstand drängt sie Abstand zu wahren und ruft ihr die Geschehnisse von damals immer wieder ins Gedächtnis, während ihr Herz ihm vorbehaltlos vertrauen möchte.

>>Niemand kann die Zukunft voraussagen. Aber ich kann dir schwören, dich weder zu täuschen, noch zu belügen, noch zu hintergehen, egal, wie sich unsere Gefühle füreinander entwickeln.<<

BDSM zu praktizieren ist nicht jedermanns Fall. Was mich an den Büchern der Autorin jedoch so fasziniert, ist ihr Feingefühl, die Besonderheiten einer solchen Beziehung hervorzuheben. Die Konfrontation mit "Schmerz" soll eine Reaktion bewusst hervorrufen, die Finn bei Pia sehen möchte. Denn was hier ganz entscheidend ist: Nur wer zu seinen Wünschen und Sehnsüchten steht, lässt eine Reaktion nach außen hin zu, während Pia zu Beginn vehement versucht, ihre Emotionen zu verbergen. Ein Schachzug der von dem Personenschützer nicht unbemerkt bleibt und ihn die Zügel erst recht anspannen lässt, um einen Verlust ihrer Kontrolle zu provozieren. Natürlich hat Pia mit dem Safeword jederzeit die Möglichkeit sein Handeln zu stoppen, doch ebenso gut wie sie, weiß auch Finn, dass sie dafür zu stolz und ihr Verlangen zu groß ist. Er schlägt sie praktisch mit ihren eigenen Mitteln, indem er den von ihr eingeschlagenen Weg zu seinen Gunsten erweitert.

>>Schäm dich nie dafür, mutig zu sein, kleine Nachtigall.<<

Oft sind Menschen neidisch auf andere, wenn diese etwas schaffen, für das sie selbst zu feige sind. Sie neigen dazu, Fehler zu suchen, um sich nicht fragen zu müssen, warum sie es nicht auch können. Trotz ihrer Unsicherheit lässt sich Pia von dieser nicht beherrschen. Sie weiß was sie will und genau das tut sie auch. Nicht viele Menschen können so etwas. Die meisten machen alles Mögliche, was sie eigentlich nicht wollen. Die Gründe dafür liegen in der Angst, einem gesellschaftlichen Bild nicht zu entsprechen oder die Erwartungen anderer in die eigene Person, nicht erfüllen zu können.

>>Also, ehrlich gesagt, siehst du heute Morgen nicht wie der starke Gorilla aus, sondern eher wie ein schlaftrunkener Schimpanse.<< [...] >>War ich zu anstrengend für dich?<< Er schlägt mit Schwung die Decke zurück. >>Über meine Knie, Nachtigall. Mit deiner unbedachten Wortwahl hast du dir einen heißen Arsch verdient. Der Schimpanse will dich singen hören.<<

Was die anfänglichen Zweifel Finn gegenüber angeht, scheint dieser positive Charakterzug etwas ins Wanken zu geraten. Doch einmal vom Weg abzukommen ist nicht verwerflich, solange man bereit ist, sich wieder auf die richtige Spur bringen zu lassen. Trotz ihrer Befürchtungen, hat Pia ihre Augen nicht vor den Tatsachen verschlossen und genau dieser Punkt macht ihr Handeln so bemerkenswert.



Charaktere:

Pia ist eine Frau, die besiegt werden will, bevor sie sich hingeben kann. Sie ist devot, aber zu ängstlich um die Kontrolle abzugeben. Demjenigen dem man diese Kontrolle überlässt, könnte einem auch Schaden zufügen, weshalb dieser Schritt mit großem Vertrauen einhergeht. Ihr Misstrauen verbietet ihr, die Nähe gegenüber Finn zuzulassen, nach der sie sich sehnt. Deshalb steckt sie in einer Zwickmühle, die sie einsam macht.

Finn überwältigt sie und zeigt ihr gleichzeitig, dass sie in seiner Obhut in Sicherheit ist.


Schreibstil:

Mit "Ein Gorilla für die Nachtigall" von Sara-Maria Lukas, sind die Seiten nur so dahin geflogen. Toll ausgearbeitete Charaktere, ein spannender Handlungsstrang und die Welt des BDSM, die uns hier in ihrer Vielfältigkeit neu offen gelegt wird.

Der Ehrgeiz und der Stolz von Pia haben mir sehr gut gefallen. Sie setzt sich gegen die Ansichten ihres Vaters durch, was trotz der Distanz die zwischen den beiden herrscht, gewiss alles andere als leicht ist, schließlich stellt sich Pia hier bewusst gegen die Ansichten ihres Vaters, dabei streben es "Kinder" an, ihre Eltern mit Stolz zu erfüllen. Den Weg den sie eingeschlagen hat, erfordert deshalb vor allem eins: Mut.

Trotz dieser ausgeprägten Stärke, mangelt es Pia an Selbstvertrauen, was ihre Sehnsüchte anbelangt. Hier fungiert Finn als Katalysator. Er beeinflusst Pia, ohne sie dabei zu verändern. Er fördert das zu Tage, was sie sich selbst verbietet. Er sprengt bewusst ihre Grenzen, damit sie den Weg zu sich selbst finden kann. Ein tolles Duo, deren Kosenamen sprichwörtlich wie die Faust aufs Auge passen. Auch dieses kleine Detail, welches die Autorin in ihren Geschichten immer wieder mit einfließen lässt, trägt zu einer besonderen Atmosphäre bei, die bei mir als Leser, schnell das Gefühl von Vertrautheit hat aufkommen lassen.

Was mir im Verlaufe der Geschichte ein wenig gefehlt hat, war der aktive Part Finns als Personenschützer, denn nur aufgrund der drohenden Gefahr gegenüber Pia, haben sich die Wege der beiden überhaupt gekreuzt. Aufgrund diesen Aufbaus bin ich davon ausgegangen, dass der Plan Pia aus dem Weg zu schaffen zumindest versucht wird umzusetzen und wir einen kleinen Abstecher Richtung "Crime" machen würden. Wie sich herausgestellt hat, wurde das Problem hier zwar weiter verfolgt, jedoch nur passiv, sodass die Gefahr letztendlich nicht das Potenzial ausgeschöpft hat, wie ich zu Beginn der Geschichte vermutet habe.

Trotz diesen kleinen Kritikpunkts, sind die Bücher der Autorin immer wieder eine besondere Reise, die es sich lohnt zu beschreiten, ebenso wie das Wiedersehen bekannter Charaktere, die auch hier wieder aktiv am Geschehen teilnehmen und uns ermöglichen, ihre Entwicklung weiterhin zu verfolgen.

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erotik, preppy, lyx verlag, fliege, sex

Preppy - Er wird dich verraten

T. M. Frazier
E-Buch Text
Erschienen bei LYX.digital, 04.05.2017
ISBN 9783736305281
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Meinung:

Ein Zufluchtsort bietet uns Schutz, wenn ein einschneidendes Erlebnis unser Denken und Sein beherrscht. Dre hat einen solchen Ort gefunden, der ihr gleichzeitig Besinnungslosigkeit schenkt, doch ist dieser weniger Schutz, als ein Teufelskreis.

>>Und zuletzt sei gesagt, dass ich sicherlich eine ganze Menge bin, Doc. Ein Krimineller. Klar. Stilsicher. Absolut. Ein Mann mit einem großen Schwanz. Verdammt, auch das.<< Seine Miene wurde ernst. >>Aber ich bin kein verdammter Lügner.<<

Preppys Art, einem die Wahrheit unverblümt ins Gesicht zu sagen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, ist für Dre oft alles andere als einfach. Während sie Gedankengängen nachhängt und diese stellenweise äußert, ist er es, der ihre Worte in die Tat umsetzt, gegen sie verwendet und ihr genau damit die Augen öffnet. Nicht selten sind seine Anspielungen und Äußerungen verletzend, doch durch den Wahrheitsgehalt auch gerade so wirksam. Er verstellt sich nicht, zeigt kein falsches Einfühlungsvermögen und hält erst recht nichts davon, Dre zu bemitleiden.

>>Ich habe Nein gesagt<<, stieß ich hervor. >>Wie niedlich, dass du glaubst, dass könnte mich aufhalten.<<

Die Vergangenheit formt einen jeden von uns, sie macht uns zu dem, was wir sind. Wenige Rückblicke von Samuel [Preppy] zeigen, dass er sich nach Liebe gesehnt hat, und von dieser Erwartung nicht nur enttäuscht wurde, sondern ihm stattdessen Aufmerksamkeit zuteilwurde, die er niemals auf sich lenken wollte. Heute hat er Kontakt mit Drogen und scheut nicht davor, seine Waffe einzusetzen, um das Leben eines anderen zu beenden. Skurriler Weise muss ich sagen, dass ich Preppy nicht als schlechten Menschen ansehe, was keines Wegs bedeutet, dass ich einen Mord gut heiße, doch genau dieses Geschehen ist seit er denken kann, seine Welt. Gerade deshalb finde ich es so beeindruckend, dass ein kleiner Junge der sich noch nicht einmal auf seine Mutter verlassen konnte, derart Vertrauen in Bear und King steckt, dass alle drei mit einer unerschütterlichen Loyalität und einem Wir-Gefühl füreinander einstehen. Drei Menschen, die oftmals nur die Schattenseiten vom Leben kennen gelernt haben und dennoch solch ein Vertrauen in andere setzen können.

>>Kein Platz für ihn da drin<<, sagte er und legte das Kinn auf meinen Bauch. >>Weil da drin nämlich du bist, und obwohl du so klein bist, brauchst du verdammt viel Platz.<<

In Bezug auf Dre, trifft Preppy Entscheidungen, die einerseits Egoismus vermuten lassen, andererseits aber auch zeigen, was Nächstenliebe bedeutet. Er rettet sie gleich in mehrfacher Hinsicht vor sich selber und so erscheint mir im Nachhinein eine Lüge, als sicherer Weg für Dre, erst einmal ihr Problem aufzuarbeiten, bevor sie sich ihren Wunsch erfüllen kann, dort anzuknüpfen, bevor damals alles steil bergab ging. Preppys Art dies zu bewerkstelligen ist oft ungewöhnlich, doch dadurch nicht weniger wirksam oder gar beeindruckend.


Charaktere:

Dre findet im Heroin Euphorie und Besinnungslosigkeit. Ein Höhenflug der ihr kurzweilig Frieden schenkt, bis Preppy diesen Rausch allein durch seine Persönlichkeit ersetzt. Er befreit sie aus dem Käfig ihrer Gedanken und ihrer Vergangenheit. Doch entpuppt sich dieses neue Gefühl von Sicherheit ebenfalls zu einer Illusion?

Preppys Angst und die Wut aus seiner Vergangenheit, lauern unter der Oberfläche. Er verkörpert etwas, dass man schnell falsch interpretiert, wenn man ihn noch nicht richtig kennt, denn anders als man es vermuten würde, ist das dunkle Funkeln in seinen Augen kein Zeichen für einen bösen Menschen, sondern viel mehr eine Warnung dafür, dass er verletzt und nie geheilt wurde. Eine Situation, die er sich selbst kaum bewusst ist, bis seine Vergangenheit auf einmal vor seiner Tür steht und Dre die einzige ist, die es vermag, ihn aufzufangen.


Schreibstil:

T.M. Frazier hat uns mit King und Bear schon zwei tolle Geschichten des Männer-Trios näher gebracht. Mit Preppy öffnet sie hingegen nochmal eine ganz andere Tür. Er ist ein Mann, der mich mit seinen Kontrasten gefesselt und mir gleichzeitig immer wieder Rätsel aufgegeben hat. Er ist ein "Bad Boy" der ungewöhnlichen Art, dessen Markenzeichen ein eher sonderbarer Kleidungsstil ist. Eine Fliege ist sein Erkennungszeichen, seine Art, ungefiltert die Wahrheit herauszulassen sein Wesenszug.

Im Verlaufe der Geschichte kristallisiert sich eine Message ganz klar heraus: Hassen ist einfach. Zu lieben ist schwer. Wir erleben hier nicht nur Dres Kampf mit sich ins Reine zu kommen, sondern gleichzeitig auch Preppys, mit seiner Vergangenheit abzuschließen und letzteres ist ein Prozess, den ich lange Zeit gar nicht als solchen wahrgenommen habe. Die Interaktion der Protagonisten ist ein miteinander, von dem beide profitieren ohne sich dessen selbst bewusst zu sein.

Preppys Art verrät einiges über ihn, sodass uns die Autorin auf eine ganz eigene Weise ermöglicht, ihn kennen zu lernen. Stilbewusst, forsch und nicht gerade die Höflichkeit in Person ist er ein echtes Unikat, mit stellenweiser Todes-Sehnsucht, wie es scheint. Preppys Mundwerk ist einfach nicht zu stoppen sodass ich öfter der Meinung war, es wäre gut diesem Mann, zum Selbstschutz, den Mund zuzukleben.

Ein toller erster Band dieser unzähmbaren Persönlichkeit, der mich gespannt auf die beiden Folgebände warten lässt.

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agent, liebesroman, lar, baumwollschlüpfer, mutter alleinerziehend

Der Agent, meine Tochter & Ich

Jana Herbst
Flexibler Einband: 374 Seiten
Erschienen bei Feelings , 02.03.2017
ISBN 9783426216217
Genre: Romane

Rezension:

Meinung:

In Sarah erkennt man sofort eine Löwen-Mutter. Obwohl sie alleinerziehend ist, managt sie den Alltag. Sie hat eine ruhige und zuversichtliche Art, die es ihr ermöglicht Hürden zu überwinden, die anderen Sorgen bereiten würden. Sie hat hohe Ansprüche an sich, die vor allem daher rühren, ihrer pfiffige Tochter, trotz des fehlenden männlichen Parts, eine tolle Kindheit zu schenken und erfüllt diese Rolle zugleich mit einer Vorbildfunktion. Sie war früh auf sich alleine gestellt und musste Kind und ihre Zukunftsvision unter einen Hut bekommen. Was sie in dieser Zeit alles erreicht hat und das vor allem eigenständig, finde ich sehr bewundernswert.

Lilly ist ein kleiner Sonnenschein, die das Bild einer sieben jährigen vollkommen erfüllt, darüber hinaus jedoch ganz schön gewitzt, intelligent und ebenso eifrig wie ihre Mutter ist.

Mit ihrer kleinen Tochter Lilly an der Seite, ist Sarah vor allem eins: strukturiert. Ein tolles Mutter-Tochter-Gespann, in deren Beziehung ein Mann nicht fehlt. Zumindest so lange nicht, bis eine feucht fröhliche Nacht ausartet, der Sarah nur aufgrund der Drängelei ihrer Freundinnen zugestimmt hat, denn Sarah nimmt die Verantwortung für Lilly sehr ernst und jede Situation lässt erkennen, dass die junge Kuratorin des berliner Museums ihre Entscheidungen mit Bedacht fällt, das Wohl ihrer Tochter immer im Hinterkopf.

Auch wenn Sarah Wagner eine härtere Gegenspielerin war, als Tim es jemals sein würde, hätte sie keine Chance zu bestehen, denn ihr fehlten die Grausamkeit und die Entschlossenheit.

Zufall und Schicksal fügen sich hier ineinander, den gedankenbeherrschende Handwerker steht wenige Wochen später wieder vor ihr und darüber hinaus noch jede Menge Chaos in das organisierte Leben der jungen Frau. Eine erfrischende Wendung, die wie man Sarah anmerkt, auch ihr recht gut gefällt. Ein Tatbestand hingegen bereitet ihr Kopfschmerzen, denn der als Handwerker getarnte Geheimagent verfolgt eine Mission in der sie auf einmal auch eine Rolle spielt. Ob das so eine gute Idee ist, wenn zumindest von einer Seite Gefühle mit im Spiel sind? Und wie groß ist die Gefahr, die Lars nicht nur Sarah, sondern unter Umständen auch Lily aussetzt?

Manchmal glaubt man, dass Leben welches man führt sei erfüllend und gut, bis wir etwas erleben, was uns vor Augen führt, dass man doch etwas vermisst. So war es auch bei Sarah, denn die Nacht mit Lars bringt ihr Gedankenkarussell in Fahrt. Doch was hat dieser Mann an sich, dass sie ausgerechnet ihn nicht mehr aus dem Kopf bekommt?

>>Hat deine Mutter dich geliebt?<< [...] >>Nein.<< >>Das ist traurig<<, sagte sie und stieg aus. >>Dafür liebe ich dich.<< Lars blieb stehen. Wie vom Donner gerührt. Lilly sah in mit großen Augen offen und entwaffnend an. Sarah hatte Recht. Lilly verschenkt ihr Herz schnell, und es war nicht fair von ihm, es zu nehmen, denn selbst wenn er aus der Organisation ausstieg, war er niemand, der für Lilly sorgen konnte. Er hatte den anderen Mädchen gerade Cola gegeben, weil sie ihm auf den Sack gingen. Ein halbwegs verantwortungsbewusster Erwachsener tat so etwas nicht.

Seitdem Lars eine Rolle im Leben von Sarah und Lilly spielt, erkennt man, dass ein vorher akzeptables Leben im Nachhinein erkennen lässt, wie belastend die gesetzten Grenzen eigentlich wirklich waren. Die Tage gingen ineinander über, jeder schien, wie der davor zu sein. Strukturiert zu sein ist gut, doch nimmt einem diese Einstellung auch jegliche Möglichkeiten auszubrechen. Man fühlt sich eingeengt und hindert sich selbst daran, seine Träume und Wünsche zu verfolgen. Ich glaube jeder von uns weiß, wie sehr wir an einem geregelten Ablauf hängen. Diese Dinge geben uns das Gefühl von Sicherheit, doch manchmal sind es die spontanen Dinge, die uns überraschen, Abwechslung geben, mit Glück erfüllen und über Jahre in unserem Gedächtnis bleiben.

Auch für Sarah schien es ein Risiko auszubrechen, doch sie hat den Schritt gewagt ohne zu wissen ob die Vorteile, die Nachteile aufwiegen und ohne zu ahnen, wo sie am Ende stehen wird. Ein Mut den ich bewundere, denn wenn man selbst vor einer derartigen Entscheidung steht, ist es alles andere als einfach eine Entscheidung zu treffen, in der Herz und Verstand miteinander konkurrieren.


Charaktere:

Sarah hat einen strukturierten Tagesablauf, der durch Lars nähere Bekanntschaft gewaltig aus den Fugen gerät. Mit einer Mischung aus Ablehnung diesen Durcheinanders und gleichzeitiger Neugier aus dem fast schon tristen Alltag, entdeckt sie ihre Wünsche und Bedürfnisse. Sie sehnt sich nach Abenteuer und Spannung und erhält mit Lars genau das. Allerdings ist da auch noch ihre Tochter Lilly für die Sarah jedes Opfer bringen würde.

Lars ist der genaue Gegensatz von Sarah. Er lebt jede Situation wie sie sich ihm anbietet: spontan. Ein geregeltes Leben und der Alltagstrott schrecken ihn eher ab, bis die kleine Lilly ihm völlig unverfroren den Blick durch ihre Augen präsentiert. Sein Job hat ab einem gewissen Alter kaum noch eine Zukunft, stattdessen lernt er ein Leben kennen, das ihn früher abgeschreckt hat und seither seine Gedanken beherrscht.


Schreibstil:

Jana Herbst hat eine erfrischend spannende Erzählweise, die sie mit Humor und Charme perfekt ausgefüllt hat. Ich habe Muskelkater vom Lachen und hatte oft ein Dauergrinsen, bei dem ich nach einiger Zeit das Gefühl hatte, einen Krampf im Gesicht zu bekommen. Die Ehrlichkeit von Lilly ist so locker flockig und authentisch wie man es aus dem wirklichen Leben kennt. Kinder erklären uns die Welt und schenken uns einen anderen Blickwinkel auf Geschehnisse oder die Ansichten, die Lars und Sarah hier seit Jahren verfolgen. Während es die Protagonisten anfangs nicht schaffen, über den Tellerrand zu gucken, hat die kleine Eisprinzessin einen ungetrübten Blick auf die vor ihr liegende Welt.

Ein wie ich finde sehr interessantes Phänomen, denn Kinder nehmen das Leben mit Leichtigkeit. Sie machen einfach, reden wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und überanalysieren die Situation nicht. Hier stehen sich Erwachsene oft selber im Weg. Eine Leichtigkeit, die sich mit der Zeit verliert und gerade deshalb so kostbar ist, diese hier im Verlaufe der Geschichte miterleben zu können, ebenso wie den sichtbaren Einfluss Lillys auf Sarah und Lars.

Mit Sarah und Lars treffen zwei Menschen aufeinander, deren Alltag nicht gegensätzlicher sein könnte, was von vorneherein eine eher zum Scheitern verurteilte Verbindung anmuten lässt. Lilly hingegen fungiert als Bindeglied, die mit ihrer sorglosen Art viele Situationen "aufklärt" und unseren Protagonisten vor Augen führt, dass ein gesetzter Rahmen in manchen Lebensbereichen sinnvoll sein kann, dieser jedoch keine unverrückbare Barriere darstellen sollte, die einem daran hindert, sein Leben zu leben.

Eine wunderschöne Geschichte, deren Protagonistin im Laufe einer spannenden Mission den Weg zu sich finden und Wege beschreiten, die sie zuvor nie in Erwägung gezogen hätten.

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lara adrian, erotik, for 100 days, liebe, täuschung

For 100 Days - Täuschung

Lara Adrian , Firouzeh Akhavan-Zandjani
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 24.04.2017
ISBN 9783802598210
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Meinung:

Ich glaube, jeder von uns kennt den Ehrgeiz, alles alleine schaffen zu wollen, die Anforderung an sich selbst, jede Hürde meistern zu können. Avery ist dieses Verhalten ganz klar anzumerken, denn sie sträubt sich nicht nur gegen jegliche Hilfe, sondern bei ihr habe ich auch das Gefühl, dass sie eine derartige Bitte ihrerseits als Schwäche ansehen würde.

Nicks erste Erscheinung war - ich will nicht sagen angsteinflößend - aber doch eine Mischung aus kühler Distanziertheit bis hin zu Ablehnung, die mich haben schaudern lassen. Obwohl ich die Zeilen nur gelesen habe, so habe ich mich von seinem Blick eingeschüchtert gefühlt. Doch noch viel interessanter ist die Konversation der beiden auf der Ausstellung von Dominion: Das Bild "Schönheit", welches wirklich eindrucksvoll beschrieben wird, erweckt das Gefühl, dass man als Leser selber die Möglichkeit erhält, einen Blick auf diese gewaltige Ausstrahlung zu werfen. Die Ehrlichkeit von Avery, dass sie nicht nur Neid, sondern sogar Hass vor dieser offenkundigen Darstellung und dem Mut dieser Frau empfindet, hat mich sprachlos gemacht, jedoch bei weitem nicht im negativen Sinne. Diese starken Gefühle waren Besonders und die Ehrlichkeit dieser Worte in meinen Augen auch der erste Meilenstein, der zwischen dem augenscheinlich hart gesottenen Mr. Baine und Avery gelegt wurde.


>>Wie ich dir gestern Abend schon gesagt habe ... wenn ich etwas sehe, das ich haben will, greife ich danach.<<

Dominic Baine ist einer der begehrtesten Junggesellen, dessen Geheimniskrämerei um seine Person, die Presse erst recht neugierig macht. Er ist ein Mann mit Geheimnissen und tiefen Wunden, die ihm in der Vergangenheit zugefügt wurden und nach wie vor verfolgen. Avery möchte ihn verstehen, möchte ihn sehen lassen, dass ihr nichts an ihm missfallen würde. Er ist ein Kämpfer, dessen Vergangenheit ihn nichts von seiner Größe kosten würde. Averys Wunsch ist verständlich, Nicks Zurückhaltung ebenso nachvollziehbar, denn das was sich die Kellnerin wünscht, ist das, was sie selbst nicht zu geben bereit ist. Die Schatten ihrer Vergangenheit wecken in ihr die Angst, dass Nick sich - wie einige andere zuvor - von ihr abwenden könnte.

Nick ist eine Nuss, die nicht ganz so schwer zu knacken ist, dennoch flammt sein Abwehrmechanismus in manchen Situationen immer wieder auf, weshalb er Avery auf Abstand zu sich hält. Er widerspricht Averys selbst auferlegten Regeln, niemanden an sich heranzulassen und fordert stattdessen nicht nur ihre Ehrlichkeit, sondern auch ihr Vertrauen und beides kann man nur in Verbindung zueinander geben. Doch wer macht den ersten Schritt und kommt dieser aus freien Stücken?

>>Sie habe ich sofort einschätzen können.<< >>Ja?<< >>Ja, Miss, habe ich. Sie gehören zu den Guten. Ich habe das Gefühl, dass Sie das nicht oft genug gehört haben, aber - erlauben Sie mir das zu sagen - ich glaube, heute brauchen Sie es, dass jemand es Ihnen sagt.<<


Anders als in ihrer Vergangenheit, ist Nick ein Mann, vor dem sie keine Angst haben muss, jemand, bei dem ihre alten Regeln keine Anwendung finden. Von Anfang an hat er sie in Versuchung geführt, all ihre Regeln zu beugen oder gar zu brechen. Die Kontrolle, die er ausübt, gibt ihr ein Freiheitsgefühl, wie sie es schon lange nicht mehr erlebt hat. Grenzenlos, gespickt mit Gefahr und Risiko deren Zusammenprall etwas weitaus größeres entfacht, als beide es sich zu Beginn hätten vorstellen können.

Schon in jüngeren Jahren, war Nick ein ehrgeiziger Mann, der unaufhaltsam sein Ziel verfolgt hat. Mit dieser Vehemenz bemüht er sich auch um Avery und dass, obwohl er für gewöhnlich immer Distanz wahrt. Es ist spürbar, dass beide aufeinander reagieren und ihre Grenzen - unbewusst - immer weiter ausbreiten. Was Avery dennoch zurückhält, sich vollkommen fallen zu lassen, ist ihr schlechtes Gewissen, denn ihre Verbindung ist von Anfang an auf einem Konstrukt der "geschönten" Wahrheit aufgebaut.

>>Manchmal ist es schwierig, die Dinge zu sehen, die einen an etwas hindern. Manchmal braucht es einen Schubser, damit man endlich die Augen öffnet.<<

Avery hat Nick nicht wirklich angelogen, als sie ihm anfangs über sich berichtet hat, sondern die Dinge lediglich sehr oberflächlich beschrieben, wodurch sie bewusst viel Interpretationsspielraum gelassen hat, allerdings hat sie ihn gerade damit auch manipuliert und eine falsche Fährte gelegt, die man wahrscheinlich doch als Lüge auslegen könnte. Nichts desto trotz kann ich ihre Entscheidung sehr gut nachvollziehen, denn wer bindet einem anfangs fremden Menschen schon alle Details auf die Nase? Hätte sie jedoch im weiteren Verlauf mit der Sprache rausrücken sollen?

Die Antwort scheint mit "Ja" einfach beantwortet, doch was, wenn die Angst trotz des schlechten Gewissens, welches sichtlich an Avery nagt, doch zu groß ist? Weil man sich nicht vorstellen kann, jemanden zu verlieren, der einem das Gefühl innerer Ruhe und Ausgeglichenheit schenkt, die man für immer verloren geglaubt hat? Würden wir uns an ihrer Stelle in der Lage sehen, alles aufzuklären, wenn diese Offenheit ein aus von allem bedeuten könnte und damit eventuell den eigenen Anker kappen, der einem davor bewahrt abzutreiben?

>>Ich dachte, du hättest dich mittlerweile angezogen.<< [...] Ich lächle, denn ich bin nicht in der Lage, meine Freude, ihn zu sehen, zu verbergen. >>Ich kann mich jederzeit anziehen. Aber ich weiß nicht, wann ich je wieder die Gelegenheit bekomme, von so einem herrlichen Aussichtspunkt aus zu beobachten, wie die Sonne aufgeht.<< >>Schön, dass du Prioritäten setzt. Kleidung wird sowieso total überbewertet.<<

Wie kann sie ihre Lügen wieder gut machen? Hier hätte ich mit vielem gerechnet: Wut, Enttäuschung ... eben das altbekannte "Schema F", aber nein, er dreht den Spieß einfach um und gerade das ist, was mir auch sehr gut gefallen hat. Dabei fordert er nicht einmal wirklich etwas von ihr, denn abgesehen von ihrer Heimlichkeit war es immer er, der sie über ihre Grenzen getragen und verdeutlicht hat, dass über dem Rand keine bodenlose Schlucht auf sie wartet.

Was hier sehr schön herausgearbeitet und von Nick verdeutlicht wurde, ist die Macht der Kunst. Avery hat ein Abbild der Dinge gezeichnet, die sie vor Augen hatte, doch Kunst ist eine eigene Interpretation. "Abmalen" kann jeder, doch seine eigenen Gefühle mit etwas zu verschmelzen und diese hervorzuheben ist nochmal was ganz anderes. Für Avery lange Zeit ein Ding der Unmöglichkeit, denn zu fühlen würde bedeuten, sich zu erinnern, den Schmerz zuzulassen und das Geschehene zu verarbeiten und dazu gehört vor allem Ehrlichkeit. Nicht nur zu Nick, sondern auch sich selbst gegenüber.

Ein unbekannter Anrufer stellt Averys Versprechen von Ehrlichkeit an Nick unmittelbar auf eine harte Probe. Wer ist der Unbekannte und wie groß ist die Gefahr, die von ihm ausgeht?


Charaktere:

Averys Miene strahlt Selbstvertrauen aus und liegt wie eine unverrückbare Maske auf ihrem Gesicht. Schon vor langer Zeit hat sie gelernt, dass Hilfe nie umsonst ist und seinen Preis hat, egal, ob man ihn sieht oder nicht. Und gerade die Leute, die behaupten, sich die größten Sorgen um einen zu machen, können sich im Bruchteil einer Sekunde gegen einen wenden. Geprägt von diesen Erfahrungen, wahrt sie Nick gegenüber immer Distanz. Sich ihm gefühlsmäßig zu nähern ist ein Risiko, welches sie nicht bereit ist einzugehen, allerdings macht es ihr Nick nicht gerade einfach, an diesen Vorsätzen festzuhalten, denn in ihm vereint sich all das, was Avery sich immer gewünscht hat.

Nick hütet ebenso wie Avery Geheimnisse, die er unter Verschluss halten möchte. Er lässt nicht zu, dass andere Einblicke in sein Innerstes bekommen und versuchen sie es dennoch, lässt er denjenigen sofort fallen und verbannt diesen aus seinem Leben. Obwohl sich Avery Stück für Stück vorwagt und Fragen stellt, so verfährt er mit ihr ganz anders. Bei gewissen Themen setzt er eine eiserne und kühle Maske auf, die ihn schroff erscheinen lässt, doch auch er ist zu sehr von ihr fasziniert um einen Strich unter ihre Verbindung zu ziehen, die noch so viel mehr bereitzuhalten scheint.


Schreibstil:

Lara Adrian ermöglicht uns mit dem Start in die Geschichte direkt einen ehrlichen Blick auf den Gemütszustand unsere Protagonistin Avery - eine Mischung aus Angst, Hoffnung, Zuversicht und die gleichzeitige Hilflosigkeit - die mich gleich eine Verbindung zu der jungen Frau haben aufbauen lassen. Eine junge Frau, die trotz aller Hürden nicht den Mut verloren hat, für sich zu kämpfen. Sie verfolgt eine Auffassung, die ich bewundernswert finde: Sie möchte ihre Probleme selber bewältigen und nicht auf Hilfe anderer angewiesen sein. Ein hoher Anspruch, dem sie sich selber aussetzt und von Ehrgeiz zeugt, allerdings ist es keine Schande oder ein Zeichen von Schwäche, sich von Freunden oder Familie helfen zu lassen, zumal Avery ebenfalls jemand ist, der sofort alles stehen und liegen lässt um sich um ihre beste Freundin Tasha zu kümmern.

Die Autorin hat mit dem Kunstwerk "Schönheit" hier eine - wie ich finde - ganz besondere Symbolik geschaffen. Das Bild zeigt eine Frau, deren Körper sich in zahlreichen Glassplittern spiegelt. Eine Frau, die von ihrer Krankheit gezeichnet ist und die aufgrund ihrer erkennbaren Willenskraft und Stärke und trotz der durchschimmernden Angst in ihren Augen, eine Schönheit ausstrahlt, die eine Interpretation dieses Wortes zulässt, welche man wohl nie in Betracht gezogen hätte. Die Bruchstücke symbolisieren den inneren Aufruhr dieser Frau, während die Frau selbst nur eine Fassade erkennen lässt. Dieses Kunstwerk erlaubt uns, die Frau nicht nur äußerlich zu betrachten, sondern auch in ihr Innerstes zu blicken. Die bildhafte Beschreibung hat diese Wirkung für mich greifbar gemacht, so, als stünde ich selbst in der Galerie und würde dieses Bild auf mich wirken lassen.

Das Gefühl von Ruhe und Gelassenheit, welche Avery und Nick verspüren, wenn sie Zeit miteinander verbringen, nehmen beide lange Zeit gar nicht bewusst war, bis sie an den Punkt kommen, dass sich der Gedanke an eine Zeit ohne den anderen unvollständig anfühlt. Eine Symbolik, die mir sehr gut gefällt, denn wie oft im Leben habe ich selbst schon festgestellt, dass man erst realisiert, wie wichtig etwas oder jemand einem ist, wenn man ihn bereits verloren hat. Zu oft leben wir nur im Hier und Jetzt und übersehen die scheinbaren Kleinigkeiten, die für unsere Zukunft von großer Bedeutung sind und diese Wahrnehmung und Verlagerung der Umstände bekommen wir eindrucksvoll vor Augen geführt.

Lara Adrian gibt uns hier eine ganz wichtige Botschaft mit auf den Weg: Es wird immer etwas geben, wovor man im Leben Angst hat, außer, man findet den Mut, die Augen zu öffnen.

Ein wundervoller Reihenauftakt, dessen Fortsetzung ich voller Vorfreude entgegenfieber.

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vertraut und verrate, j.l.drake

Vertraut und verraten

J. L. Drake
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Lago, 10.04.2017
ISBN 9783957611772
Genre: Romane

Rezension:

Meinung:

Savi steht in kurzer Zeit vielen Hürden gegenüber, die ihr jegliche Kraft und Zuversicht rauben. Sieben Monate der Gefangenschaft, der Verlust eines Lebens, dass sie nicht einmal hat kennen lernen dürfen und das Video, das ihr den Boden vollkommen zu entreißen droht. Da frage auch ich mich, wie soll ein Mensch das alles verkraften können? Überschwemmt von Trauer sucht man nach einem Weg, der einen vergessen lässt, der einem den Schmerz des Fühlens nimmt und genau diesem verlockenden Gedanken geht auch Savi nach. Zu sehen, was sie im Begriff ist zu tun, war auch für mich ein emotionaler Moment, denn in diesem ballen sich Gefühle, die man nicht zu bewältigen weiß und einen vollkommen zu zerstören drohen.

Die Männer von "The Shadows" kann ich hier nur bewundern. Auch sie haben Tag für Tag mit dem zu kämpfen, was sie erleben und dennoch scheint es, als würde sie keine Situation aus der Fassung bringen. Sie bleiben strukturiert und lassen ihre Gefühle im Einsatz außen vor, denn sie wissen, dass jede Ablenkung fatale Folgen hätte. Genau diese Gelassenheit offenbart ein kleines Detail mit großer Wirkung.

>>Es ist leicht, in die Höhle des Löwen zu gehen, wenn man nicht weiß, dass der Löwe drin ist.<<

Die Männer im Schutzhaus versuchen Savi in allen möglichen Situationen zu schützen, seien es drohende Gefahren oder auch nur psychische Belastung. Stattdessen wecken sie in ihr dadurch das Gefühl der Isolation und der Schuld. Einige Männer gehen ihr aus dem Weg, um sie das erlebte verarbeiten zu lassen und wiederum andere, um sich ihren Fragen nicht stellen zu müssen, da sie sich nicht in der Position sehen, diese zu beantworten. Mit dieser Distanz fühlt sie sich wie eine Fremde in diesem Haus, welches ihr damals Hoffnung und Zuflucht geboten hat. Ein jeder der Männer liebt und schätzt Savi auf seine Weise und dennoch fühlt sie sich verloren.

Der stark ausgeprägte Beschützerinstinkt der Männer hat einige Geheimnisse zu Folge, denen Savi nur zum Teil auf die Schliche kommt. Mit diesem Halbwissen lässt sie sich von ihrer Liebe zu Cole leiten und begeht den Fehler, den Cole und seine Männer unbedingt vermeiden wollten. Als Kopf der Einheit ist es Coles Pflicht, Risiken zu tragen und sich den schwierigsten Aufgaben anzunehmen, doch im Hinblick auf die Auswirkungen und der Tatsache, dass er mit Savi eine Partnerin an der Seite hat, die schon zu viel hat durchmachen müssen, fand ich seinen Plan nicht nur äußerst heikel, sondern ebenso fahrlässig. Nicht nur das er erneute bereit ist sein Leben zu riskieren, er setzt auch Savis Gesundheit damit aufs Spiel. Die Liebe der beiden verleitet sie zu waghalsigen Aktionen. So torpediert Savi Coles Plan und tritt eine Welle los, die ihr den letzten Glauben an ihre Familie und Freunde nimmt und sich dort wiederfindet, wo Monate zuvor, alles begonnen hat.

>>Auf!<< Seine Stimme durchbricht meinen lieblichen Traum. Meine Mutter verblasst, und das Letzte, was ich sie sagen höre, ist: >>Kämpfe, meine süße Savannah, kämpfe um dein Leben.<<

Daniel und Sue lieben und beschützen Savi, wie sie es von ihrem Vater nie erfahren hat. Sie übernehmen die elterliche Rolle, die mich in ihrem Umfang und ihrer Vorbehaltlosigkeit berührt hat und gleichzeitig einen Kontrast der Wehmut hervorruft, bei dem ich mich als Außenstehender gefragt habe, warum Savannahs Vater das wertvollste, was man auf der Welt besitzen kann, derart mit Füßen tritt? Wobei das noch eine harmlose Formulierung für sein Verhalten ist. Geld und Macht öffnen viele Türen und geben das Gefühl einer gewissen Sorglosigkeit. All diese Dinge, geben einem nicht ansatzweise das Gefühl, dass einem die Liebe und Geborgenheit von Menschen geben kann. Nicht das Gefühl der Schwerelosigkeit, wie man es nur erlebt, wenn man mit jemandem lachen kann. Wie kann man bereit sein, all das, gegen etwas derart nichtiges einzutauschen? Ich möchte nicht sagen, dass mir Savis Vater leid tut, in keinster Weise, dennoch ist es traurig zu wissen, dass ein Mensch der derartige Prioritäten setzt, niemals selbst aufrichtige Liebe und deren Kraft und Erfüllung erfahren wird.

Auf der Suche nach Nachwuchs für "The Shadows" erleben wir hier einige Abschnitte außerhalb der Gefahrenzone um Savi. Das Camp hat viele motivierte Anwärter und nur wenige kommen in die engere Auswahl. Die Anzahl der Anwärter haben sich stetig dezimiert, denn hier wird keiner mit Samthandschuhen angepackt, nette Worte während des Trainings sucht man hier vergeblich. Einerseits haben mir die Männer, die unter Coles Drill stehen wirklich leidgetan, doch hat der Kopf von "The Shadows" auch Recht, denn er muss ihre Grenzen sprengen, damit sie in einem richtigen Einsatz nicht zu einer unberechenbaren Komponente werden. Zwei stehen in der engeren Auswahl und Cole hat eindeutig einen Favoriten, dank Savis Einfluss verschließt er allerdings nicht die Augen gegenüber den anderen Teilnehmern. Während einer jede Aufgabe professionell meistert, ist es jemand anders, der seinen Fokus immer auf seinen Kameraden hat. Eine böse Überraschung lauert im Hintergrund, die bei Savi, aufgrund ihrer lebensgefährlichen Situation, in Vergessenheit gerät. Wird Cole die richtige Entscheidung treffen?

Ein Leben, aufgebaut auf Lügen, muss Savannah erst zu sich selbst finden um mit Cole einen gemeinsamen Weg einschlagen zu können. Dieser fühlt sich jedoch vollkommen vor den Kopf gestoßen und erkennt ihre Beweggründe nicht, weshalb er versucht seine Gefühle mit einem verbalen Angriff im Zaun zu halten, ohne zu ahnen, dass er damit eine ihrer größten Ängste wahr werden lässt und damit die Ketten ihres Rettungsankers kappt.


Charaktere:

Cole einmal verloren geglaubt, ist Savi nicht bereit, nochmal die Angst um ihn auszustehen. Durch Zufall von seinem Plan Wind bekommen, nutzt sie die Chance um Antworten zu bekommen. Auch mit Verstärkung an der Seite, ist sie nicht auf das gefasst, was sie erwartet. Mit einem Ass im Ärmel der gegnerischen Seite, wird sie zur perfekten Zielscheibe, die ihren Alptraum erneut zur Realität werden lässt. Werden Cole und seine Männer sie rechtzeitig finden können?

Cole hat durch Savi einen Grund zu kämpfen und ist bereit, alles dafür zu tun um sie in Sicherheit zu wissen. Gerade einer Hölle entkommen, ist er bereit sich absichtlich erneut einer Gefahr auszusetzen, doch was er dabei nicht bedacht hat ist, dass Savannah trotz ihrer Vorgeschichte und Angst, bereit ist ein Risiko einzugehen, dass ein Opfer fordert, um ihn zu schützen.

Schreibstil:

Das Gesamtpaket dieser Trilogie ist bisher ein absolutes Highlight. Die Lügen um Savi, die das gesamte Ausmaß der Geheimnisse um sie zu Tage bringen, dass familiäre Verhältnis von "The Shadows" die füreinander einstehen und bereit sind alles zu riskieren, die Spannungswellen, die nicht abebben und die Kraft der Liebe, die keine Risiken scheut um einander zu schützen, machen auch den zweiten Band zu einem Pagetuner der mich bis zu letzten Seite gepackt und mitgerissen hat.

J.L. Drake wiegt uns als Leser in Sicherheit, nur um im nächsten Moment ein neues Puzzelstück zu offenbaren, welches uns wieder einmal vor Augen führt, dass hier ein Kampf stattfindet, der bei Weitem noch nicht ausgefochten ist.

Savi ist nie wirklich zur Ruhe gekommen, denn mit Cole hat sie eine Liebe gefunden, die - in seiner Stellung - immer Risiken bereithalten wird. Hinzukommend dass der Amerikaner nicht bereit ist, sein Ziel trotz aller Umstände aufzugeben und der noch unbekannten Rollen einiger Personen, kollidieren hier zahlreiche Fronten, die ein erleichtertes Aufatmen unmöglich machen.

Viele Gefühle fließen hier auf uns ein: Die Männer von "The Shadows", die jegliche Belastung von Savi fern zu halten versuchen, da sie nach wie vor erschrocken von einem Versuch von ihr sind, den sie aus Verzweiflung gestartet hat. Dieses Verhalten führt uns einmal mehr vor Augen, wie wichtig Savannah für jeden der Männer dort geworden ist, nichts desto trotz ist es schwer zu beurteilen, ob dies der richtige Weg ist, zumal das fernhalten von Informationen Savi in eine Richtung drängt, die sie trotz des positiven Hintergedanken, in ein anderes Loch fallen lässt.

Savannah hat sich an wenige verbliebene Strohhalme geklammert, die ihr bisheriges Leben nicht als vollkommene Lüge haben erscheinen lassen, doch was, wenn auch diese wegbrechen? Nichts war so, wie es den Anschein hatte, wodurch sie das Gefühl hat, sich selbst nicht zu kennen. Gefühle und Gedanken müssen geordnet werden und das kann sie nur, wenn sie Abstand von allem und jedem gewinnt.

Sich selbst zu finden, bedeutet nicht, alles aufgeben zu müssen. Es bedeutet lediglich, dass man Zeit braucht um sich der Dinge und sich selbst bewusst zu werden.

Ein weiteres, unvergessliches Jahres-Highlight, welches mich sehnsüchtig auf den finalen Band der "Broken"-Trilogie warten lässt <3

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liebe, scorched, jennifer l. armentrout, frigid, piper

Scorched

Jennifer L. Armentrout , Vanessa Lamatsch , Vanessa Lamatsch
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.04.2017
ISBN 9783492310277
Genre: Liebesromane

Rezension:

Meinung:

Als Tochter erfolgreicher und vermögender Eltern, eilt Andrea ein Ruf als verzogenes, reiches Mädchen voraus, welcher dafür sorgt, dass sie von den Menschen in ihrer Umgebung, ebenfalls nur oberflächlich betrachtet wird. Obwohl ich es falsch finde, Menschen nur aufgrund dessen zu be- bzw. verurteilen, so bemüht sich Andy nicht einmal darum, an diesem Blick auf sie etwas zu ändern. Sie ist eine Partymaus erster Güte, die jedes Mal zu tief ins Glas schaut. Andrea schirmt alle um sich herum ab und lässt sie nur das sehen, was eh schon an Gerüchte um sie kursieren. Ebenso wie Tanner wäre auch mir Anfangs nicht der Gedanke gekommen, sie könnte sich sozial engagieren, doch wie sich im Verlaufe der Geschichte herausstellt, hat sie die Art Einfühlungsvermögen, die sie von anderen - für ihre Person - selber vermisst.

Ich hätte mir einen Finger abgeschnitten, um zu erfahren, was sie in diesem Moment dachte. Ich ahnte es ja. Das Verb wollen tauchte immer wieder auf. Ich wollte sie küssen. Ich wollte sehen, ob ihre Augen dunkler wurden, wenn sie Erregung empfand. Ich wollte erfahren, wie sie aussah, wenn sie kam. Und ich wollte wissen, wie mein Name klang, wenn sie ihn schrie.

Tanner habe ich sehr bewundert. Seine Wandlung von großspurigen zum einfühlsamen Mann ist wirklich erstaunlich. Doch noch viel bemerkenswerter ist, dass seine wachsende "Beziehung" zu Andy, schon zu Anfang an auf einem heiklen Fundament gebaut wird. Die Geduld die er aufbringt, ist daher alles andere als verständlich,

Eine eigenständig gewählte Entscheidung, hat durch die mangelnde Unterstützung und vor allem die Enttäuschung ihrer Eltern etwas in Andy bewirkt, dass sie vor Nähe und damit einhergehenden Erwartungen zurückschrecken lässt. Schlafstörungen und Panikattacken sind die Folge, ebenso wie sie Dinge tut, weil sie glaubt, sie tun zu müssen. Oftmals kam es mir so vor, als hätte Andrea schon früher nach den Wünschen anderer gelebt und die erste Entscheidung, die sie bewusst alleine getroffen hat, war aus dem Blickwinkel der ihr nahestehenden Menschen ein "Reinfall", sodass sie nun davor zurückschreckt, weiterhin eigenständig zu Handeln und das ihr auferlegte Image einer hemmungslosen Partymaus erfüllt. Angst und Unsicherheit sind seither ihre ständigen Begleiter, bis Tanner zum Teil ihres Lebens wird, der sie bewusst wahrnimmt und sich bemüht, SIE zu sehen und nicht das, was sie alle anderen glauben lassen möchte.


>>Weißt du, gewöhnlich sind die Leute, die am häufigsten lächeln und am lautesten lachen, diejenigen, die am meisten ... leiden<<, [...]


Andreas Verhalten obliegt ein starker Kontrast, denn einerseits möchte sie Distanz wahren und andererseits versucht sie, Menschen zu finden, die sie mögen und Zeit um ihrer Selbstwillen mit ihr verbringen zu wollen. Die One-Night-Stand haben wir zumindest kurzweilig ein derartiges Gefühl verliehen. Aus Angst, die Erwartungen anderer erneut nicht erfüllen zu können und die Enttäuschung der anderen zu sehen. Sie wünscht sich, einmal mehr zu sein als nur eine Affäre und damit ein kurzzeitiges Vergnügen. Sie möchte mehr Wert sein und nicht auf ihr Äußeres reduziert werden. Doch was sie nicht sieht, ist, dass dieser Wunsch nur erfüllt werden kann, wenn sie bereit ist, ihre Hülle fallen und Tanner in ihre Seele blicken zu lassen. Ein Vorhaben, das von vorne herein zum Scheitern verurteilt ist, denn um in ihr innerstes Blicken zu können, muss auch sie erst einmal den Weg zu sich selbst finden.

Die Frage ist doch, spielt die Vergangenheit im Hier und Jetzt wirklich eine Rolle? Andrea hat nie richtig inne Gehalten um nachzudenken. Jeder hat seine ganz eigene Art mit Problemen umzugehen. Andy hat einen Weg gewählt, der Symptome bekämpft, den Ursprung aber nicht erreicht hat. Mit ihrer Flucht vor einer Bandbreite an Gefühlen und Ängsten, manövriert sie sich in ein noch tieferes Loch, aus dem auch ihre wachsenden Gefühle für Tanner sie nicht zu befreien vermag. Nur langsam beginnt sie zu realisieren, wie tief ihre Probleme doch liegen und dass sie alleine, nicht in der Lage ist, dort wieder rauszufinden. Diese Erkenntnis zu erlangen ist gut, doch der Schock des Ausmaßes verleitet sie zu einer Handlung, die zu einer lebensgefährlichen Situation ausartet.


Charaktere:

Andrea hat eine Entscheidung getroffen, die vier Jahre Ausbildung in den Sand gesetzt hat. Doch das wäre egal, würde sie nicht deshalb die Enttäuschung ihrer Eltern sehen. Anstatt Unterstützung zu erfahren, hat sie eine Mauer um sich errichtet, die nur eine oberflächliche Betrachtung ihrer Person zu lässt und mit dieser einen Abwehrmechanismus entwickelt, der sie die Dinge ungewollt schlimmer machen lässt. Tanner ist derjenige, der ihr ohne Erwartungen gegenübertritt und nicht aufgibt, die Andy zu sehen, die sie tief in sich verborgen hält.


Schreibstil:

Jennifer L. Armentrout führt uns eine Krankheit vor Augen, die nicht selten ist und viele Leute wirklich betrifft. Diese Krankheit belastet jeden, der mit den Betroffenen in Kontakt kommt, manchmal auf eine Weise, die man gar nicht richtig versteht, dass jedoch nicht notwendigerweise auf negative Art. Diejenigen, die einen lieben, wollen helfen und verstehen. Man muss sie nur lassen und sich nicht dagegen auflehnen. Ein Weg, der alles andere als leicht einzuschlagen ist, doch man kämpft nicht alleine, sondern hat eine Mauer aus Liebe hinter sich stehen, die einem den Rücken stärkt und vor Augen führt, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Mit Tanner und Andy hat uns die Autorin genau das vor Augen geführt. Der Weg war lang und steinig und trotz jeglicher Hürden doch mit Rückhalt versehen. Auch Andreas Freundin Sidney hat hier ganze Arbeit geleistet. Sie gibt ihr die Möglichkeit sich abzulenken, gibt ihr den Schubs in die richtige Richtung und scheut sich nicht davor, Andy ihre Ansicht offen zu legen. Doch was macht man, wenn alles auf taube Ohren zu stoßen scheint, oder der Drang nach Flucht und vergessen so übermächtig wird, dass noch nicht einmal ein derartiger Denkanstoß lange genug im Gedächtnis bleibt? Manchmal muss man erst jeglichen Halt verlieren und am Boden der Tatsachen angekommen sein, um wirklich bereitwillig etwas ändern zu wollen.

Eine tolle Geschichte, die einmal mehr zeigt, wie wichtig Liebe, Freundschaft, Zuversicht und Hoffnung sind.

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erin watt, paper prince, intrigen, royals, liebe

Paper Prince

Erin Watt , Ulrike Brauns
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.04.2017
ISBN 9783492060721
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Meinung:

Als Ella damals in die Villa der Royals eingezogen ist, stand ihr Reed von vorneherein mit Ablehnung gegenüber. Wie bereits im Verlaufe des ersten Bandes, kristallisiert sich auch hier weiter heraus, dass diese instinktiv errichtete Mauer einen ganz anderen Ursprung hat. Ella ist eine Bereicherung für die Familie, denn sie weiß besser als jeder andere der reichen und verwöhnten Astor-Kids, was wirklich im Leben von Bedeutung ist, und das hat rein gar nichts mit Vermögen oder einem Status zu tun. Doch genau darauf legen es die Teenager hier an. Sie klammern sich an ihr Vermögen und sind ein Abziehbild ihrer Eltern: Oberflächlich und mit Vorurteilen behaftet. Keiner von ihnen hat jemals dafür arbeiten müssen, sich seinen Luxus leisten zu können, Ella hingegen hat über Jahre schwer gearbeitet um sich Essen und ein Dach über den Kopf erlauben zu können.

Die Royal-Brüder haben sich anfänglich nicht von den restlichen Astor Schülern abgehoben, mit Ella als neues Familienmitglied, merkt man ihnen doch ihre stetige Entwicklung an. Sie beginnen die Dinge zu Hinterfragen und gehen mit offenerem Blick durch den Alltag. Was auch hier schnell auffällt, ist die Eskalation in der elitären Schule, der keinerlei Einhalt mehr geboten wird. Die Schwächeren werden diskriminiert und hier bleibt es nicht nur bei verbalen Attacken. Ella war damals - aufgrund ihrer Herkunft - das augenscheinlich perfekte Opfer dieser gezielten Erniedrigung, doch ebenso wie sie Einstecken kann, kann sie noch viel wirkungsvoller Austeilen. Sie setzt das erste Zeichen einer neuen Ära der Astor Academy bei der auch Reed, Easton und die Zwillinge ein Zeichen setzen, denn sie stehen allesamt geschlossen hinter ihr. Eine wie ich finde, sehr beeindruckende Situation, die einen wichtigen ersten Meilenstein gesetzt hat.

Ich bin so verdammt gut im Lügen. Das wird fast zur Selbstverständlichkeit, wenn man jede Stunde jedes Tages die Wahrheit unterdrückt.


Ella verbreitet Fröhlichkeit, wo vorher Ignoranz und Anfeindung herrschten. Damals hat ihre Anwesenheit dafür gesorgt, dass sich alle fünf Royal-Söhne gegen sie verbündet haben, während sie jetzt an ihrer Seite stehen und ihr den Rücken stärken, ebenso wie sie sie beschützen und auf ihre Art lieben: Manche als Schwester und wieder jemand anderes auf eine viel innigere Weise.

Bei Callum weiß ich nie genau wie ich sein Verhalten finden soll. Einerseits strahlt dieser Mann eine Ruhe aus, die ich bewundernswert finde und eigentlich für seine Liebe gegenüber seinen Kindern spricht und andererseits fehlt mir die Aussprache untereinander, sodass jegliches Fehlverhalten unter den Tisch gekehrt wird und so eher den Eindruck von Reed, Easton und Giddeon vollkommener Gleichgültigkeit unterstreicht. Callum ist bei Weitem nicht so ahnungslos und unwissend, wie seine Söhne, Ella und wir als Leser lange Zeit vermuten. Er ist so ziemlich über alles im Bilde.

Wer auch immer Easton irgendwann mal abbekommt, muss in der einen Hand eine Peitsche, in der anderen eine Knarre halten. Und trotzdem wird er unkontrollierbar bleiben.

Ella ist eine starke Persönlichkeit, die mich immer wieder beeindruckt. Von den Royals aufgenommen und mit der Aussicht auf ihr Erbe, könnte man meinen, dass sich all ihre Probleme in Luft auflösen, doch im Gegenteil, die Hürden verlagern sich und scheinen erst richtig auszuufern. Sie ist es nicht gewohnt, auf andere zählen zu können, weshalb ihr Fluchtinstinkt immer in Alarmbereitschaft ist. Sie kennt eine Großzahl der Verfehlungen ihrer "Brüder" und dennoch legt sie mehr Vertrauen in ihre Worte, als Callum Vertrauen in seine Söhne fassen kann. Auch dies ist ein Kontrast, dem eine gewisse Distanziertheit obliegt und es schwer gestaltet, diesen genauer einzuschätzen. Callum kennt nahezu jedes Geheimnis, doch kennt er deshalb auch seine Söhne?

Die Erfahrungen ihrer Vergangenheit, haben Ella - wenn auch auf traurige Weise - wichtige Dinge gelehrt, die sie an die Royals weitergibt. Doch nicht jede Erfahrung ist hier von Vorteil. Damals musste sie mitansehen, wie ihre Mutter - blind vor Liebe - von Männern angelogen und benutzt wurde. Ein Fehler, den sie niemals begehen möchte. Doch was, wenn Reed wirklich die Wahrheit sagt? Die Zweifel flammen immer wieder auf, denn neue Hinweise oder von Brooke absichtlich missverständlich gesetzte Äußerung gestalten es schwer Vertrauen zu fassen. Wie weit würde Reed gehen, um das falsche Spiel einer Person zu unterbinden, die sich in seine Familie eingeschlichen hat und von Anfang an ein bisher unbekanntes Ziel verfolgt?

Frauen wie Brooke bin ich mein Leben lang begegnet. Sie gehört zu dem Schlag, der superlieb ist zu jedem Menschen mit Geld, frech zu den Mädels, die ihr auf der Leiter nicht nach oben helfen können, und durchweg grausam zu jedem, der eine Bedrohung darstellt.

Neben der Liebe ist die Hoffnung wohl eins der stärksten und mächtigsten Gefühle. Sie ist unser Anker, die uns schwere Zeiten überstehen lässt. Doch ebenso wie die Liebe, vermag es auch unerfüllte Hoffnung, uns den Boden unter den Füßen wegzureißen. Die Heimlichkeiten der Royals werden nicht nur immer prekärer, sie gelangen nur durch Zufälle ans Tageslicht. Dies macht es schwer zu erkennen ob und inwieweit man hier Vertrauen schenken kann. Im Gegensatz zu uns, hat Ella nicht die Möglichkeit, in Reeds Kopf einzutauchen und die Aufrichtigkeit seiner Worte und seiner Gefühle ihr gegenüber zu erkennen. Nachdem was sie gesehen hat, kann ich ihre verbleibende Skepsis sehr gut nachvollziehen, insbesondere deshalb, weil nicht nur Callum seinen Kopf in der Schlinge hat, die sich immer weiter schließt.

Je weiter die Geschehnisse voranschreiten, desto deutlicher wird, dass die Royal-Sprösslinge einen Kampf austragen, bei dem sie selbst nicht recht wissen, wie sie in auszufechten haben. Jeder hat seine ganz eigene Fluchtmöglichkeit gefunden, doch diese dient eher dazu, den angestauten Druck abzubauen, als wirklich die Ursache zu bekämpfen. Keiner zeigt seine Gefühle, sondern versteckt diese hinter ernstem und brutalem Verhalten. Mit Ella hingegen beginnen sie ihre Probleme zu fokussieren und gemeinsame Schritte zu machen. Wirklich erfolgversprechend ist dies jedoch nicht, denn auch Gideon hütet ein Geheimnis, dem Ella nur durch Zufall auf die Schliche gekommen ist. Einen weiteren Royal in den falschen Händen, könnte auch für Ella und ihr Erbe noch böse ausarten.

>>Du weißt nicht, wer ich bin.<< >>Und ob ich das weiß. Du hast es doch selbst gesagt - ich sehe dich. Ich sehe deine Verletzlichkeit und deine Einsamkeit. Ich sehe deinen Stolz und wie er dich daran hindert, dich an andere zu wenden. Ich sehe dein großes Herz und dass du die Welt retten willst, inklusive einem solchen Arsch wie mir.<<

Ella und Reed sind sich ähnlicher, als es anfangs den Anschein hatte. Sie verstehen einander auf einem anderen Level, sein Verlust ähnelt ihrem, ebenso wie ihr sein ringen darum, seine Welt zu verstehen, bekannt ist. Aus einer Angst vor den Royals, wurde für Ella zu einer Angst um sie. Ihr Vertrauen in Reed scheint nach der Aussprache unerschütterlich, bis ein Vorfall und sein vorangegangenes Schweigen ihn in eine heikle, wenn nicht sogar gefährlich Situation bringen, aus der auch Callum ihn nicht zu befreien vermag und eine sich annäherende Familie zu zerreißen droht. Als wäre das nicht schon der Gipfel aller Probleme, steht plötzlich jemand vor der Tür, der dem ganzen Fall nicht nur eine Wendung sondern auch noch eine neue Perspektive verleiht.


Charaktere:

Ella trägt ihre eigenen Kämpfe aus und tritt selbst für ihre Meinung ein und das aus einem ganz simplen Grund: Es hat bisher kein anderer für sie getan. Nachdem Tod ihrer Mutter, war sie jahrelang auf sich alleine gestellt, und diese Haltung eines Einzelkämpfers abzulegen fällt ihr alles andere als leicht und ist gleichsam etwas, was die fünf Brüder an ihr bewundern.

Reed sieht direkt in Ellas Seele, an ihrer toughen Fassade vorbei, hinter der sie sich versteckt. Er sieht ihre Ängste, ihre Verletzlichkeit und das, ohne sie dafür zu verurteilen. Lediglich seinem Vater kann er nicht vorbehaltlos gegenüber treten. Er verspürt den Drang, Callum zu verletzen, mit dem Wissen, dass jede Dummheit, die er begeht, damit endet, dass er sich selbst bestraft.


Schreibstil:

Erin Watt hat uns mit Ella und den Royals zwei zerrüttete "Familien" präsentiert, die sich einander annähern und Stück für Stück zu einer Familie erwachsen. Die Fortschritte sind klein, dennoch aber spürbar. Ein Prozess der trotz der stetig neuen Hürden sichtbar ist und an Intensität gewinnt.

Wie uns die Autorin erkennen lässt, findet nicht jedes Geheimnis der Royals seinen Ursprung in Rache, sondern auch in Liebe, einem Beschützerinstinkt und den Schmerz einer Liebe, der Steine in den Weg gelegt werden und dabei meine ich nicht nur Ella und Reed.

Nachdem Ella zum Ende von "Paper Princess" die Flucht ergriffen hat, erleben wir die ersten Kapitel des zweiten Bandes aus Reeds Perspektive, die ich nicht nur sehr gut gesetzt, sondern ebenfalls auch in der Ausarbeitung sehr gelungen finde, denn so erhalten wir auf das gleiche Geschehen noch einen anderen Blickwinkel, der schnell erkennen lässt, dass Ella durch den Schock der Situation viele Dinge verstärkt bzw. anders wahrgenommen hat, als es wirklich der Fall war. Reed hat mir hier wirklich leidgetan, denn er selbst macht sich schon genug Vorwürfe, als das er auch noch von seinen Brüdern gestraft werden müsste. Hinzukommend mit dem von Easton lebhaft gesetzten Kopfkino über Gefahren denen Ella ausgesetzt sein könnte, kollidieren bei ihm jegliche Fronten die ihm kaum die Luft zum atmen lassen.

Viele spannende Wendungen, verleihen dem zweiten Band der Trilogie Crime-Elemente die Reed in Lebensgefahr bringen. Mit Geld lassen sich viele Dinge bewirken, doch erst einmal in die Falle getappt, vermag es auch oftmals kein Geld, einen dort wieder raus zu holen. Das Ende ist eine Mischung aus Schock, Erleichterung und Ratlosigkeit, die durch das Öffnen einer Tür ordentlich Zündstoff für Spekulationen zulässt.

Eine rundum gelungene Fortsetzung, einer Familie, die füreinander kämpft, jedoch nicht imstande ist, diesen Zusammenhalt aufgrund der damaligen Vorkommnisse zu erkennen. Wird Ella ihnen die Augen öffnen können, oder zerbricht sie an ihren Geheimnissen ehe sie den Nebel um die Royals lichten kann?

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Rhys - Verführt von einem Milliardär

Lina Roberts
E-Buch Text: 121 Seiten
Erschienen bei null, 03.04.2017
ISBN B06Y12FMQY
Genre: Sonstiges

Rezension:

Meinung:

Paige hat sich schon nach wenigen Seiten in mein Herz gekämpft. Die junge Frau hat viele Opfer gebracht, im Versuch Antworten zu erhalten, die nicht nur ihr Seelenfrieden geben würde. Ihren alten Job an den Nagel gehängt, verlangt ihr ihre Undercover-Mission viel ab. Ihre lebensfrohe und beschwingt Art versteckt sie hinter einer Maske, die nur Stärke anmuten lässt und oberflächliche Menschen tatsächlich blenden. Rhys hingegen erkennt ihre Verletzlichkeit, die hinter ihrer Kratzbürstigkeit und ihrem Sturkopf verborgen liegt.

>>Pokern will gelernt sein<<

Zwei Charaktereigenschaften die Rhys einerseits zu schätzen weiß, in bestimmten Lebenssituationen jedoch eher fügsame Frauen bevorzugt. Die Verbindung der beiden zueinander hat ein interessantes Fundament, denn auch Rhys hat einen Schutzwall um sich herum errichtet, um andere zu täuschen, was seinen wahren Gemütszustand betrifft. Ihm genügt es nicht mehr zu sehen, was sie ihn sehen lässt. Selbst als er ein Detail über sie erfährt, bei dem andere an seiner Stelle nicht nur nachgefragt, sondern den Spieß wohl eher umgedreht hätten, so hat er eine vertrauensvolle Basis aufgebaut, die ihn alle Vorsicht in den Wind schießen lässt.

>>[...] Es ist nie leicht, Entscheidungen zu fällen. Sie sind die härtesten Prüfungen, die uns das Leben auferlegt.<<

Von Erfahrungen geprägt, spielen beide nicht mit offenen Karten. Ihre Vergangenheit versuchen sie unter Verschluss zu halten und ziehen die Mauer immer dann hoch, wenn man versucht, in ihre Privatsphäre einzudringen. In diesem Moment kollidieren beide, bis der Rückstoß so stark zu werden droht, dass Rhys und Paige in entgegengesetzte Richtungen gestoßen werden. Ein Weg, der sie beide von der Lösung abtreiben würde, doch wer ist bereit, den ersten Schritt zu machen und seine Mauern und Vorsätze niederzureißen?

Wie ihn seine Vergangenheit gelehrt hat, ist es ein Zeichen von Schwäche, zweite Chancen zu vergeben. Doch wie entscheidet sich Rhys, wenn er die Hintergründe für Paiges Handeln erfährt? Sein Ruf ist sein Erfolg, wenn er diesen verliert, wer wird er dann noch sein?


Charaktere:

Um den Mörder ihres Bruders zu finden, hat Paige alles aufgegeben, was ihr wichtig war. Jede Aufgabe scheint ihre Grenzen zu testen bis sich ihr letztendlich die Frage auftut, wie weit ist sie bereit zu gehen, um Jemains Mörder zu fassen?

Rhys hat weniger Freunde als Feinde, ein Preis, den sein Erfolg und sein Job mit sich bringen. Paige beeindruckt ihn wiedererwarten, denn anders als andere Frauen, kehrt sie eine Natürlichkeit nach außen, die vollkommen unverfälscht wirkt und das, obwohl für ihn ersichtlich ist, dass einen entscheidenden Teil ihrer Persönlichkeit zurückhält. Auch er hat eine Mauer um sich gezogen, mit der er versucht jegliche Gefühle abwehren, die ihn beeinflussen könnten. Sein Bruder Reed hat ihn damals gebraucht. Einen starken Bruder, der über Emotionen steht, ebenso wie über Trauer und Schwäche. Ein Verhalten, dass er auch Jahre später nicht so einfach ablegen kann.


Schreibstil:

Lina Roberts hat eine spannende Atmosphäre geschaffen, die nicht nur aufgrund des sich zuspitzenden Falls um Paige entsteht, ebenso die Interaktion unserer Protagonisten spielt hier eine entscheidende Rolle.

Die Autorin hat hier zwei Meilensteine gesetzt, die einerseits ein wichtiges Fundament zwischen Paige und Rhys schafft und gleichzeitig wieder zu zerstören droht. Ihre Begegnung ist auf einer Lüge aufgebaut und dennoch teilen sie eine Vergangenheit, die nicht nur ähnliche Gefühle hervorruft, sondern sie auch dazu gebracht hat, die gleichen Konsequenzen zu ziehen.

Zu Beginn fand ich die Situation und deren Ausmaße um Paiges Mission schwer einzuschätzen, denn eine wirkliche Verbindung zu ihre und einem Nebencharakter konnte ich nicht so schnell einordnen. Doch gerade diese "schwammig" gehaltenen Informationen, tragen letztendlich zum besonderen Rahmen der Geschichte bei.

Die Liebe ist unsere stärkste Antriebskraft und diese offenbart uns die Autorin einmal durch unsere Protagonisten, aber auch durch die innige Beziehung zweier Geschwister, die über den Tod hinausgeht. Hier liegt es nicht nur an Paige und Rhys eine Hürde zu überwinden, auch ein weiterer Charakter muss den Mut fassen, eine Grenze zu überschreiten um endlich nach vorne blicken zu können.

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romantic thrill, liebe, untergrundorganisation, new york, polizei

New York Bastards - In deinem Schatten

K. C. Atkin
E-Buch Text
Erschienen bei Lyx.digital, 02.03.2017
ISBN 9783736304994
Genre: Liebesromane

Rezension:

Meinung:

Seit zehn Monaten treibt ein Mörder in New York sein Unwesen, dass einzig bisher erkennbare Muster, welches Lissiana und ihr Kollege Nathan bisher herausgefunden haben, ist das Offensichtliche: Das Opfer ist eine Frau, welche die perfide Visitenkarte des Mörders - in Form von Aufmachung und Drapierung ihrer sterblichen Überreste - trägt.

>>Du hast was?!<< Die Stimme von Nathan übertönte alles im Großraumbüro. [...] >>Wiederhol das! Damit ich sicher bin, dass du auch wirklich den Verstand verloren hast.<<

Ebenso wie Lissianas Stärke, merkt man der jungen Frau auch ihre Erschöpfung an. Nicht nur, dass sie sich mitverantwortlich dafür macht, das weiterhin Frauen sterben, da sie und Nathan keinerlei brauchbare Spuren oder Hinweise finden, die zum Mörder führen könnten, auch ein Fehler ihrer Vergangenheit erschwert ihr Arbeitsleben sehr. Der Grund warum Lissiana all dies tut, hat mich unglaublich berührt, denn sie kämpft dafür die Straßen New Yorks sicherer zu machen, um ihre jüngere Schwester Vicky vor Gefahren zu beschützen. Eine Motivation, die es ihr ermöglicht hat, auch über die fiesen Anfeindungen derjenigen hinwegzublicken, die eigentlich ein Team miteinander bilden sollten.

Nathan seufzte leise. >>Eure Welt ist kompliziert.<< >>Nein, du machst dir deine einfach nur zu simpel.<<

Der Mörder zieht seine Energie und seinen Antrieb aus der Angst, Panik und der Unsicherheit der Einwohner New Yorks, dies ist für ihn jedoch nur eine positive Begleiterscheinung, denn mit seinem Plan verfolgt er ganz andere Absichten. Mit seinem Countdown markiert er sein Ziel, allerdings so geschickt verpackt, dass dieser nicht mit den Vorfällen in Verbindung gebracht wird.

>>Das ist Erpressung.<< >>Das ist nur ein sehr hässliches Wort für die Optimierung deiner Handlung durch Anreize meinerseits.<<

John Cohen ist ein entscheidender Teil aus Lissianas Vergangenheit. Ein Mann, der erst ihr Ziel, dann ihr Liebhaber war und nun Mittel zum Zweck wird, um den Mörder zu fassen, denn Hell's Kitchen - der Ort an dem bisher sämtliche Opfer aufgefunden wurden - kennt er wie seine Westentasche. Hier folgen gleich zwei Probleme, die unüberwindbar scheinen:

1. Wie bekommt man einen verurteilten Straftäter aus dem Gefängnis, dessen Name auch nach zwei Jahren noch Schauer der Angst bei den Cops hervorruft?
2. Wie kann Lissiana John dazu bringen, für sie zu arbeiten, obwohl sie für seine Verhaftung vor zwei Jahren verantwortlich war und ihm eine Liebe vorgespielte, die er hingegen aufrichtig erwidert hat?

>>Weißt du, Bulle, wenn du nicht so verblendet wärst, dann wärst du in unseren Reihen mehr als gut aufgehoben. Ich glaube, du könntest auch ein paar Freunde brauchen.<<

Wie sich herausstellt, ist Johns Einfluss nicht zu unterschätzen, denn neben seinem Bruder Butch, hat er eine kleine Armee hinter sich versammelt, die neben ihrer Intelligenz und Raffiniertheit vor allem eins sind: Gefährlich und unberechenbar. Lissianas Eingreifen hat diese zehn Menschen damals ihren Anführer gekostet. Dieser Trupp ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen, von denen jeder seine ganz eigenen Fertigkeiten und andere Reichweiten hat. Jeder von ihnen hatte mit der Bitterkeit begrabener Träume zu kämpfen, bis sie von John und Butch aufgenommen worden, deren Vergangenheit die Liebe und Geborgenheit ihrer Eltern haben vermissen lassen.

Sie war die Art Gegner, die deine Schwäche nutzte und dich dafür zur Hölle fahren ließ. Und seine Schwäche war nun mal sie. Ihr konnte er nicht entkommen.

Hell's Kitchen wird von verschiedenen Clans beherrscht, von denen jedoch nur einer die Spitze hält. Ein Gebiet, das seine eigenen Regeln schreibt und facettenreich vor Augen führt, dass Loyalität einen nicht zu blinden Gehorsam zwingt. Ein Kampf mit der Zeit beginnt, in einem Raum von New York, der das Gesetz außer Acht lässt und dennoch von Regeln beherrscht wird.



Charaktere:

Lissiana hat einen Fehler begangen, der sie am Höhepunkt ihrer Karriere angekommen, zu Fall gebracht hat. Ihr Ruf hat gelitten, doch ihre Kreativität und Gerissenheit hat sie nicht eingebüßt. Ihr unterlaufen keine Ausrutscher, dennoch ist die Ablenkung von John nicht ohne. Vor zwei Jahren war er ihr Anker, nun ist er ihr Wirbelsturm, der ihre Sicherung aus dem festen Boden reißt.

Zwei Jahre lang hatte John Zeit, Lissianas Verrat zu verarbeiten. Vor seiner Gefängniszelle hingegen wallen alle überwunden geglaubten Gefühle wieder auf, allem voran Zorn und Sehnsucht.


Schreibstil:

K.C. Atkin hat in diesem Roman eine Spannungswelle der anderen folgen lassen. Gefangen in einem Strudel aus Neugier, Angst, Hoffnung und einer Jagd mit der Zeit im Nacken, habe ich diese Geschichte in mich aufgesogen.

Wir werden hier mit einigen Handlungssträngen konfrontiert, die jedoch allesamt ineinander übergreifen und das Geschehen überschaubar machen. Nicht nur, dass wir auf der Seite von Lissiana und John vielfältige Eindrücke erhalten, auch der Mörder erhält an den passenden Stellen immer wieder ein eigenes Kapitel. Seine Gedanken, haben mir eine Gänsehaut verursacht, denn anders als unsere Protagonisten, können wir seine Pläne erahnen und wissen, dass er den beiden immer einen Schritt voraus ist. Er ist geduldig und achtsam, doch diese Eigenschaften scheinen zu verschwimmen, je weiter er seinem eigentlichen Ziel kommt. Doch auch hier findet auf beiden Seiten ein Ausgleich dieser verloren gegangenen Kontrolle statt, denn während dessen befinden sich Lissiana und John in einem Kampf ihrer Gefühle, ebenso wie sich der Druck der auf Lissiana lastet verstärkt, weil sie sich den Tod weiterer Frauen zuschreibt.

Die Autorin hat hier geschickt Details eingefügt, die eine spannende Geschichte zu einem puren Adrenalinrausch anwachsen lassen. Das Rätselraten um den Mörder hat mich auf Trab gehalten. Einerseits haben wir einige Indizien, doch diese lassen zu viele Interpretationen zu, um ein Profil zu erstellen. Letzten Endes kann ich sagen, ohne ein kleines Detail zum Ende der Geschichte, wäre ich niemals auf die Lösung gekommen und dieses erhalten wir ein gutes Stück eher, als unsere Protagonisten, weshalb sich mit diesem Wissen als "Außenstehender" der Spannungspegel gleich nochmal rasant erhöht hat.

Hell's Kitchen ist ein Ort, der wie bereits geschrieben, seine ganz eigenen Regeln aufstellt. Die Gruppierungen die sich hier zusammenschließen haben in mir den Wunsch geweckt, nicht mal in die Nähe einer solchen Gegend kommen zu wollen. Die Innenperspektiven hingegen haben in mir ein weiteres Gefühl geweckt. Die Gefährlichkeit bleibt nach wie vor bestehen, doch ähneln diese Verbindungen auch der, einer Familie. Zumindest in der Gruppe für sich, steht jeder für den anderen ein. Auch wenn das Gesetzt hier keinerlei Fuß zu fassen schient, so gilt ein gewisser Kodex, der einen Rahmen feststeckt. Überschreitet jedoch jemand über die Maßen den eisern gesetzten Rahmen, so kommt es fast zu einer Art Zusammenarbeit zwischen den konkurrierenden Parteien. Hier hingegen gilt, kein Gefallen ist umsonst, sondern erfordert eine Gegenleistung deren Art erst zu gegebener Zeit offenbart wird.

Lediglich eine Kleinigkeit konnte ich hier nicht ganz so gut nachvollziehen. John Cohens Name versetzt die Beamten in Angst und Schrecken. Sein Bruder Butch ist bekannt für seine "Kampfkünste", ebenso wie die schlauen Köpfe hinter den beiden sie zu einem unschlagbaren Team machen. Dennoch konnte ich hier nicht wirklich ableiten, worauf die Angst der Polizisten basiert. Wir haben hier keine Rückblicke auf vergangene Fälle erhalten, die diese Furch für mich greifbar gemacht hat. Es scheint fast so, als sei John gefürchteter, als der Serienmörder, der zurzeit sein Unwesen treibt und dafür habe ich zumindest hier, keinerlei Begründung gefunden.

Ein grandioser erster Teil, dessen Fortsetzung weiteren Nervenkitzel verspricht. Denn ebenso wie Lissiana für Vicky empfindet, so verhält sich auch Johns Beziehung zu Butch, die hier einen Dämpfer verliehen bekommt.

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bdsm, erotik, harter sex, unterwerfung, tabulos

Love Me - The Hard Way

Margaux Navara
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 03.11.2016
ISBN 9781539887966
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Meinung:

Emmas Job ist das Homestaging. Häuser die zum Verkauf stehen setzt sie gekonnt in Szene um deren Besonderheiten hervor zu heben. Was sie bei der Besichtigung eines Hauses für ihre Vorgesetzte Carina jedoch nicht erwartet hätte, ist ein ans Bett gefesselter Mann, der versucht eine Katze davon abzuhalten sein bestes Stück als Spielzeug zu missbrauchen. Ausgerechnet Emma treibt diese Situation die Schamesröte ins Gesicht, doch Luke weiß die Situation mit seiner Selbstbewussten Art schnell zu entschärfen, weshalb sich die beiden schnell in einem neckischen Schlagabtausch wiederfinden.

>>Ich sagte ja, dass ich die Katze gegen Sie verwenden werde!<< Er seufzte >>Okay, ich habe verstanden. Keine Annäherungsversuche, solange die Katze dabei ist.<<

Harald ist für Emma ein schwarzer Teil ihrer Vergangenheit, der nur auf den richtigen Zeitpunkt wartet, ihr erneut den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Ein Mann der seine Dominanz nicht nur auf das Schlafzimmer bezogen, sondern versucht hat, ihr ganzes Leben zu bestimmen. Gerade deshalb kann ich es auch sehr gut nachvollziehen, dass sie Luke gegenüber versucht Abstand zu wahren. Ähnlich wie Harald scheint auch er dominant veranlagt zu sein, jedoch mit einem wichtigen Unterschied: Luke ist vor allem auf das Wohlergehen der Frau bedacht und nicht daran interessiert, sie zu einer Marionette zu erziehen. Wie es der Zufall so will, harmoniert Lukes Job auch noch mit Emmas, denn er räumt Wohnungen leer und bietet teilweise Schätze, mit denen Emma einzelnen Räumen das besondere Etwas verleihen kann.

Luke mangelt es nicht an Kreativität und erkennt, dass Emma eine Erfahrung gemacht hat, die sie zur Vorsicht ruft. Anders als es in seiner Natur liegt, legt er ihr die Zügel in die Hand und gewinnt damit ihr Vertrauen. Als Emmas Vergangenheit sich allerdings mit aller Macht wieder in ihre Gegenwart drängt, steht auch ihre Verbindung zu Luke auf der Kippe. Ebenso ihre Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten, dass ein Verhältnis mit ihm, für ihr Berufsleben einen drastischen Abstieg ihrer Karriereleiter bedeuten könnte. Doch woher hat Harald seine Informationen?

>>[...] Ich wollte mich in Luft auflösen, paff, wie eine Seifenblase, eben noch da, dann alles weg.<< >>Seifenblasen hinterlassen Spritzer oder sogar Flecken. Sie können sich nicht in Nichts auflösen.<<

Emma schlägt sich mit allerhand Problemen rum, die ihre vollste Aufmerksamkeit fordern, dennoch nimmt sie sich dem Hausverkauf für einen Teenager an, die sich alleine um ihre kleinen Geschwister kümmert und dringend Hilfe benötigt. Andere ihres Faches haben keinen Mitleid mit der jungen Familie, die nun völlig auf sich alleine gestellt sind. Auch Luke setzt sich für die Kids ein und unterstützt diese mit ebenso viel Herzblut wie Emma. Ich glaube, dass gerade diese Zusammenarbeit und ihr gemeinsames Ziel, ein wichtiges Fundament für die beiden geschaffen haben.


Charaktere:

Emma spaltet sich in Lukes Nähe in Gefühl und Verstand. All ihre Vorsätze brechen dank seiner Geduld Stück für Stück ein. Sie weiß, was sie will, kennt aber auch ihre Grenzen.

Für Luke wird Emma zu einer Herausforderung. Er versucht sie soweit zu bringen, dass sie ihren Panzer vergisst und er diesen durchbrechen kann. Er versucht den Grund zu erfahren, warum sie sich dermaßen abschirmt und hat sich als Ziel gesetzt, in dieser besonderen Partnerschaft der Starke zu sein, der sie führt und hält.


Schreibstil:

Margaux Navara setzt in dieser Geschichte viele kleine Highlights, die mich - durch Humor und die Einzigartigkeit der Situation versehen - sofort in die Geschichte haben versinken lassen. Lukes Abneigung gegen die Katzen wirkt eher wie ein Vorsatz, als wirkliche Ablehnung, denn wie sich im weiteren Verlauf auch herauskristallisiert, enttarnen ihn die Katzen selbst, als liebevollen Menschen und Tiere haben bekanntermaßen einen siebten Sinn für sowas ;)

Die Autorin hat mich mit ihrer Kreativität in Form ungewöhnlicher und ausgefallener "Praktiken" sowie ihrem bildhaften Schreibstil beeindruckt. Ebenso die Protagonisten haben mir in ihrer Ausarbeitung gut gefallen. Emma ist eine gradlinige Frau, die sich aufgrund ihrer Vergangenheit nach Kontrolle sehnt und diese in ihrem Beruf findet. Es ist leicht Dinge zu koordinieren, wenn man vollkommen freie Hand hat. Luke hingegen stellt für sie eine Komponente da, die Vertrauen bedarf und der sie - zumindest anfangs - sehr an Harald erinnert. Einerseits lässt sie sich von ihrer Angst leiten, während sie gleichzeitig die Neugier packt, die von Luke gezielt geschürt wird. Lukes Einfühlungsvermögen ist aufrichtiger Natur, weshalb ich als Leser ihm gegenüber gleich eine vertrauensvolle Basis aufgebaut habe.

Die Idee der Geschichte, sowie deren Verlauf fand ich spannend, unterhaltsam und abenteuerlich. Lediglich das letzte Drittel hat sich, für meinen Geschmack, zu sehr in die Länge gezogen. Nichts desto trotz, war es toll in diese Welt einzutauchen, zwei derartig tolle Charaktere kennen zu lernen und Lukes "Kampf" mit den Katzen zu beobachten ^^

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familie, alkoholiker, beautifu, alkohol, jamie mcguire

Beautiful Burn

Jamie McGuire , Henriette Zeltner
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2017
ISBN 9783492310116
Genre: Liebesromane

Rezension:


Meinung:

Ellie Edson führt ein sorgloses Leben, was die materiellen Besitztümer betrifft, doch das was ein Kind wirklich braucht, ist die Liebe ihrer Eltern. Schon früh hat Ellie versucht, die Aufmerksamkeit ihrer Eltern auf sich zu lenken und herausgefunden, dass sie diese - wenn auch nur kurzfristig - erhält, wenn sie über die Stränge schlägt. Am Verhalten des Vaters erkennt man, dass er nur das Beste für seine Kinder möchte, doch dabei wählt er den falschen Weg. Er ist viel zu nachgiebig, was in Ellie ein anderes Gefühl aufkommen lässt: Gleichgültigkeit. Ihre Eltern schaffen es nicht, Grenzen zu setzen und diese einzuhalten, Sally hingegen lässt sich emotional nicht einspannen und liefert den Anstoß, dass Ellie arbeiten muss um sich ein eigenständiges Leben aufbauen zu können.

Alles zu haben und nichts zu fühlen, war die schlimmste Form von Selbstsüchtigkeit.

Ellie begegnen wir als exzessive Partymaus, die im Alkohol Schwerelosigkeit sucht und findet. Schnell erkennt man, dass sie keinerlei Selbstwertgefühl hat, denn hierbei handelt es sich um etwas, dass man durch die Akzeptanz und Anerkennung von Familie und Freunden erhält und sich nicht mit Geld kaufen kann. Ihre Schwester Finley ist ihre einzige Bezugsperson, alle anderen lässt sie nur kurzweilig an ihrem Leben teilnehmen, erachtet sich selbst jedoch als schlechten Einfluss, weshalb sie alle auf Distanz hält. Oftmals habe ich nicht verstanden, warum sie glaubt, ein Alkoholproblem zu haben. Teenager, Partys und Alkohol sind keine Seltenheit. Viel mehr erschien es mir, als hätte sie selbst eine so geringe Meinung von sich, dass sie sich einen derartigen Mangel so lange eingeredet hat, bis es wirklich zu einem erkennbaren Problem wurde. In jeder heiklen oder angespannten Situation bestimmt Alkohol ihr Denken. Doch erst einmal in den Teufelskreis geraten, ist es schwer einen Ausweg zu finden, wenn man niemanden hat, der bereit ist, um einen zu kämpfen. Sie selbst eingeschlossen.

Sterling wartete eine oder zwei Sekunden, bevor er sich zu mir beugte. >>Du musst ihn wirklich mögen. Ich habe dich noch nie so brutal erlebt.<<

Ellie eilt ein Ruf voraus, der nicht gerade positiv anmutet. Sie ist verunsichert und fürchtet ihren Neustart. Doch anders als sie erwartet hat, bekommt sie trotzdem eine Chance und darf sich beweisen. Eine wichtige Erfahrung deren Verantwortung sich Ellie mit Bewusstsein stellt, dies jedoch aufgrund des falschen Beweggrunds. Sie hat einen Fehler begangen, der ihr das Letzte im Leben nehmen könnte, was sie davor bewahrt in die bodenlose Schlucht zu stürzen, an deren Rand sie bereits steht. Ihr schlechtes Gewissen versagt ihr jede Art von eigenem Glück und ihre Schuldgefühle machen den Drang nach Alkohol unwiderstehlich. Vom oberflächlichen Teenager hat sich Ellie schnell in mein Herz gekämpft, weshalb es traurig war zu sehen, dass jeder Erfolg auch gleichzeitig mit einem Dämpfer verbunden ist.

>>Ich bin nicht dein Boss und du bist keine Lügnerin. Es geht nicht allein um das Geld, Ellie, und es ist traurig, weil ich beobachtet habe, wie hart du arbeitest, aber du scheinst immer noch darauf zu warten, doch zu versagen.<<

Dank Finleys Geschenk entdeckt Ellie ihr Interesse und ihre Begeisterung für Fotografie. Sie sieht die Welt durch die Linse mit neuen Augen und erfährt aufgrund ihrer tollen Schnappschüsse Lob und Zuspruch. Sie verbringt die Saison mit den Hotshots, die durch Wälder marschieren um Brände einzudämmen und deren Ausbreitung zu verhindern. Durch ihre Hand entstehen einzigartige Bilder, die ihr körperlich einiges abverlangen. Stundenlange Märsche durch unebenen Wald, sowie Einsätze, die sie über Tage hin mitverfolgt. Die mühsam errichtete Distanz zu Tyler, der nun ihr Aufpasser ist, verringert sich immer weiter, bis er den Entschluss fast für sie zu kämpfen, auch wenn Ellie es ihm in vielerlei Hinsicht alles andere als leicht gestaltet. Doch ebenso wie Ellie Edson, haben auch die Maddox-Brüder einen nicht zu übertrumpfenden Dickkopf.

Finster schaute er mich von unten an. >>Hast du nicht gehört? Ich habe dich belogen.<< >>Nein, du hast deinen Bruder beschützt.<< Nun blickte er mich direkt an. >>Und jetzt beschütze ich dich.<<

Der Nachname Edson ist jedem ein Begriff, weshalb auch einige der Hotshots eine vorgefertigte Meinung von Ellie haben. Nicht nur die muskelbepackten Männer, auch mich hat die junge Frau mit ihrem Willen und ihrer Stärke beeindruckt. Sie nimmt jede Hürde, ohne sich zu beschweren, weshalb sie sich die Anerkennung und Zuspruch von ihren neu gewonnen Freunden verdient. Sie ist für die Jungs zu einer Art Schwester geworden, die geschlossen hinter ihr stehen und sie letztendlich einen wichtigen Entschluss fassen lässt.


Charaktere:

Aus Angst etwas oder jemanden zu ruinieren oder zu verletzen, den sie liebt, verbietet sich Ellison ihr eigenes Glück und sabotiert deshalb von vorne herein alles Gute, aus Angst, es zu verlieren.


Schreibstil:

Mit Tyler führt uns Jamie McGuire einmal mehr vor Augen, dass ein Maddox, wenn er einmal liebt, niemals damit aufhören wird. In "Beautiful Burn" werden einige Kämpfe ausgefochten, sei es die Liebe eines jungen Paares oder gegen Selbsthass und -zweifel anzukämpfen, die sich hier auf vielerlei Ebenen ansiedeln und eindrucksvoll vor Augen führen, dass die Liebe Menschen auf eine Art hassen lässt, wie sie es zuvor nie getan hatten.

Obwohl ich Ellies Schwester Finley nach ihrem Rachefeldzug gerne einmal die Leviten gelesen hätte, so ist die Beziehung der Schwestern doch innig und bemerkenswert. Ellie schöpft ihren Willen, ihre Hoffnung und ihren Mut durch dieses starke Band, welches auf ihrem Weg noch von weiteren Menschen an Stabilität gewinnt. Dies schützt sie zwar leider nicht vor einem Absturz, aber es zeigt, dass sie gerade deshalb die Kraft aufbringt einen schweren, aber entscheidenden Schritt zu gehen.

Die Autorin hat hier kleine versteckte Botschaften eingebaut, die eine Liebe erst zu etwas besonderem machen, genau wie es uns Tyler hier immer wieder vor Augen führt. Egal wie schwer oder heikle die Situation auch ist, er stärkt Ellie den Rücken und lässt sich von ihrer abweisenden Fassade nicht verschrecken und genau darauf hat es die junge Frau angelegt und nimmt bei Weitem kein Blatt vor den Mund.

Ellie versteckt sich hinter ihrer Kamera und ebenso wie sie, erleben wir ihren Blickwinkel durch die Linse. Sie sieht die Einzigartigkeit des Moments und hält ihn fest. Sie fängt Atmosphären ein, die Angst, Hoffnung, Entschlossenheit und Zuversicht gleichermaßen ausstrahlen.

Wieder einmal eine rundum gelungene Geschichte mit vielseitigen emotionalen Spannungswellen.

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114 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

nica stevens, 4 sterne, spannend, carlsen verlag, fantasy

Hüter der fünf Leben

Nica Stevens
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.03.2017
ISBN 9783551316042
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meinung:

Vorfreude ist das erste Gefühl, dass uns hier erwartet und sofort auf mich über gegangen ist. Vivien stehen zwei Wochen im Jasper Nationalpark mit ihrem Vater Brian bevor. Eine Zeit, die ihr Freiraum vom hiesigen Anwesen ihres Großvaters ermöglicht, der dem wohlbehüteten Teenager nur am Wochenende Gesellschaft leistet und darüber hinaus kein fröhlicher Zeitgenosse ist. Schon der Aufbruch ins Abenteuer wird für Vivien ein Kraftakt mit diesem, da er nicht gut auf Brian zu sprechen ist. Warum lebt der Teenager bei ihrem Großvater und woher rührt seine Abneigung gegen ihren Vater? Fragen die sich hier schnell auftun, jedoch in den Hintergrund geraten, da Vivien durch Liam in eine Fehde gerät, die unbewusst schon immer ein Teil ihres Lebens war.

Dad seufzte. >>Wenn ich es dir verbiete, jammerst du mir die restlichen Tage die Ohren voll, oder?<< >>So ist es.<< Ich zeigte ihm mein strahlendstes Lächeln. >>Und ich werde nicht müde werden, dir noch dazu ein schlechtes Gewissen einzureden.<< Er hob beschwichtigend die Hände. >>Also gut, ich kapituliere.<<

Brian und Dave sind gute Freunde, weshalb sich auch ihre Kinder, Vivien und Liam, schon seit Kindheitstagen kennen. Liam hat sich immer mehr zum Eigenbrötler entwickelt und das erste Aufeinandertreffen der Teenager nach Jahren fällt seinerseits sehr kühl und distanziert aus. Liams Verhalten ist mysteriös und einige Dinge, die Vivien während ihrer Forschungsreise durch die Natur bei ihm beobachtet, scheinen unerklärbar. Was dem Ganzen die Krone aufsetzt, seine Eltern Dave und Katie scheinen von seiner Entwicklung überhaupt nicht überrascht. Was verbirgt die Familie? Was hat es mit den Glühwürmchen auf sich, die Liam ihr Licht spenden und warum werden Viviens Träume kurze Zeit später ein Teil der Realität?

Dave und Katie habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Sie haben eine Verantwortung übernommen, die sie eindrucksvoll erfüllen. Sie lieben und akzeptieren ihren Sohn, wie er ist und unterstützen ihn in jederlei Hinsicht. Ebenso wie Liam selber, wissen Sie nicht, was noch alles auf sie zukommen wird und dennoch stehen sie geschlossen hinter ihm und geben ihm seinen nötigen Freiraum. Das Vertrauen was sie in ihn legen, hat mich oft berührt.

Liam ist ein toller junger Mann, der eine Reife ausstrahlt, die für einen Teenager seines Alters eher untypisch ist. Nicht nur seine Fähigkeiten, auch seine Wesenszüge, machen ihm zu etwas besonderem. Andersartigkeit ist nichts schlechtes, doch was ist, wenn man sich diese selber nicht erklären kann und keinerlei Rat oder Antworten in Büchern findet? Er distanziert sich von seinen Mitschülern und Freunde werden zu Fremden. Er fühlt sich unvollständig, weil so viele Fragen in seinem Kopf schwirren, auf die er einfach keine Antwort findet. Schon fast hat er sich damit abgefunden, nie Gewissheit zu bekommen, bis seine Selbstlosigkeit einen über Jahre währenden und gut funktionierenden Plan zunichtemacht. Vorher unsichtbar ist er jetzt ein leuchtender Punkt auf dem Radar.

Ich fühlte mich plötzlich stark und doch verletzlich - allwissend, aber auch ahnungslos. Misstrauen - Vertrauen. Hoffnung - Verzweiflung. Angst - Mut. Ich begann zu zittern, als mir bewusst wurde, dass er seine Gefühle mit mir teilte. Ich spürte seine innere Zerrissenheit, als würde sie mich selbst beherrschen.

Ebenso Vivien hat mich fasziniert. Trotz der herrischen Art ihres Großvaters, die augenscheinlich vom Erfolg seiner bekannten und erfolgreichen Kanzlei rührt, haben diese negativen Charaktereigenschaften nicht auf Vivien abgefärbt. Sie ist eine aufgeweckte junge Frau, die ihren Großvater mit Stolz erfüllen möchte, sich aber dennoch nicht seinen Willen aufzwingen lässt. Sie ist die einzige, zu der der kaltherzige Großvater eine Verbindung aufgebaut hat, doch reicht diese wirklich aus, wenn heißt: Auge um Auge?

Viele Fragen, kaum Antworten. Eine neue Komponente bringt nicht nur einen Stein ins Rollen, nein, sie löst eine ganze Lawine aus, die alles bekannte fortreißt und Tatsachen offen legt, die ein vertrautes Leben als Lüge kennzeichnen. Ein Kampf der seit Jahrhunderten währt gewinnt an neuer Intensität. Im Mittelpunkt stehen Liam und Vivien, doch haben sie eine Chance gegen eine Macht, die ihre Kräfte über einen solch langen Zeitraum messen und perfektionieren konnten?


Charaktere:

Viviens Ausflug in den Jasper Nationalpark hält nicht nur eine atemberaubende Natur bereit, sie setzt auch einen Meilenstein, der ihr bisheriges Leben als Lüge enttarnt. Sie hat einem Menschen Vertrauen geschenkt, dessen Egozentrik eine gefährliche und unberechenbare Komponente darstellt. Nach diesem Vertrauensbruch, fällt es ihr schwer zuerkennen, wer Freund und wer Feind ist. Sie nimmt die Dinge selbst in die Hand, bis sie demjenigen gegenüber steht, indem alles seinen Ursprung findet.

Liam trägt eine Bürde, von dessen Ausmaß er nur Stück für Stück eine Ahnung erhält. Seit seinem 18. Geburtstag häufen sich die Ereignisse und gewinnen an Intensität. Das Muster auf seiner Brust, welches ihn seit seiner Geburt kennzeichnet entpuppt sich als eine Art kostbare Währung, die er selbstlos verschenkt hat.


Schreibstil:

Nica Stevens entführt uns hier in eine besondere Welt, in die ich, einmal abgetaucht, gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Wir erleben hier authentische Charaktere, die mit Tiefe versehen sind, das eindrucksvolle Setting der Natur, die das Gefühl endloser Weiten aufkommen lässt und gleichzeitig mit seiner Einzigartigkeit beeindruckt. Wir dringen immer weiter in eine spannende Welt vor, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet und dabei gleichzeitig meine vollste Aufmerksamkeit auf sich gezogen und den Inhalt hat verschlingen lassen.

Neben unseren Protagonisten, sind es auch die Nebencharaktere, die hier einem fantastischen Rahmen den letzten Schliff geben. Leslie wird unfreiwillig in die ganze Situation hineingezogen und findet immer etwas, dass sie kritisieren kann. Dabei ist sie aber keine Nervensäge, viel mehr lockert sie die ganze Situation auf. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge und verteidigt ihre Freundin wo sie nur kann. Nachdem ersichtlich wurde, in welcher Verbindung Ray zu Liam steht, war ich erstmal befangen und stand diesem eher ablehnend gegenüber, seine Geschichte und Beweggründe jedoch offen gelegt, hat er sich direkt in mein Herz gekämpft und mich mit seinem Willen sehr beeindruckt. Dave und Katie haben hier zwar recht wenig Handlungsspielraum, doch diese sind gefüllt mit Wärme, Liebe und Geborgenheit.

Die Geschichte lässt uns Gefühle und Emotionen nicht nur miterleben, sie lässt sie uns hautnah fühlen. Ein tolles Buch, was hoffentlich nicht schon seinen Abschluss gefunden hat, denn wir haben gerade erst einen kleinen Einblick auf das Leben der Hüter und ihre Fähigkeiten erhalten, die weitaus mehr Faszination und Abenteuer versprechen lassen. Eine Welt, in die ich nur zu gerne weiter eintauchen und den Zusammenhalt von Vivien und Liam erfahren möchte.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Entfessle mich!

Carmen Liebing
E-Buch Text: 364 Seiten
Erschienen bei Plaisir d'Amour Verlag, 01.03.2017
ISBN 9783864952821
Genre: Sonstiges

Rezension:

Meinung:

Derek Thornton ist ein Mann, dessen Dominanz ein Teil seiner Persönlichkeit ist, ein Wesenszug den er gerade deshalb nicht nach Bedarf abstellen kann. Renée verspürt ihm gegenüber eine Anziehung, die sie gleichzeitig mit Unsicherheit und Angst erfüllt. Aufgrund ihrer Vorgeschichte ist sie der Meinung, dass ein dominanter Mann seinen Willen durchsetzt, egal ob sein Vorhaben auf Neugier oder Gegenwehr trifft.

>>Warum überrascht mich Ihre Wahl nicht?<< [...] >>Weil Sie es wussten! Weil nichts so sicher ist wie der Instinkt, die Intuition einer Frau.<<

Der Zweispalt indem sich Renée befindet, ist genauso greifbar und präsent, wie ihre Neugier auf den Mann, der ihre Pläne vollkommen durcheinander bringt. Ihre Furcht wird von schlimmen Erinnerungen genährt, die ihre positiven Gefühle Derek gegenüber überlagern. Nicht nur, dass sich die junge Mutter deshalb selber im Weg steht, sie verlernt darüber hinaus, sich selbst zu erkennen und zu verstehen. Es sind die Erinnerungen, die sie daran hindern ihre Wünsche und Sehnsüchte auszuleben. Sie fesseln sie viel unnachgiebiger, als Derek es je könnte.

Derek zu vertrauen würde der leichtere Teil werden, mir selbst zu vertrauen war wesentlich schwieriger.

Sowohl Derek als auch Renée werden von dem gewaltgeprägten Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt. Während Renée damals diejenige war, die diese am eigenen Leib zu spüren bekommen hat, so war es Derek, der seinen Zorn an anderen ausgelebt hat. Bei einem, Leben die schlechten Erinnerungen wieder auf, beim anderen gewinnt ein abklingender Sturm an Intensität.

>>[...] Das sichere Wissen um starke Arme, die dich halten, egal was kommt, schenkt dir die Freiheit zu fliegen. Ja, Derek ist ein starker Mann, der dich in deinen schwachen Momenten beschützt und gut aufpasst, dass dir nichts geschieht.<<
Im Konflikt mit ihren eigenen Gefühlen, weiß Renée weder ein noch aus, was ich hier sehr gut nachvollziehen kann. Vor ihrer Vergangenheit geflüchtet, hat es für sie den Anschein, jetzt gefallen in etwas zu finden, was sie nie wieder fühlen wollte. Dabei sind es verschiedene Welten, ob man bewusst in eine neue Welt geführt wird oder ob man einen anderen Willen aufgezwungen bekommt und zu etwas gedrängt wird, was man nicht abwehren kann. Derek handelt ihr gegenüber sehr einfühlsam und mit bedacht, was auch dazu führt, dass sie ihm immer größeren Spielraum gibt. Allerdings ist es ihr nach wie vor nicht möglich, sich vollkommen Fallen zu lassen, dabei hält sie in jeder Sekunde die Zügel in der Hand. Es bedarf nur ein Wort um alles abzubrechen, jedoch Vertrauen und Zeit, um die Vergangenheit aufzuarbeiten.


Charaktere:

Eingeschüchtert aber auch fasziniert, begibt sich Renée in Dereks Metier. Mit der Zeit verschwimmen ihre Grenzen, jedoch nicht ihre Ängste. Sie fürchtet, dass sie sich für Dereks Vorhaben als zu kompliziert erweist, da ihre Eingeständnisse mit Regeln und Tabus behaftet sind.

Ebenso Dereks Vergangenheit entpuppt sich als Fass ohne Boden, welches schon Jahre zuvor seine Schwachstelle ausgelotet hat. Feeza ist ein entscheidender Teil seiner Vergangenheit. An ihr knüpfen Erinnerungen an einen Derek, der von seinem Vater geprägt, einen falschen Weg eingeschlagen hat. Ein Vorwurf, den nur er sich nicht verzeihen kann, denn Feezas Loyalität für ihren Freund ist grenzenlos, weshalb sie bereit ist, für seine Zukunft zu kämpfen.


Schreibstil:

Carmen Liebing hat mit "Entfessle mich" einen spannenden Roman geschrieben, der viel mehr bereithält, als eine Beziehung die aus Dominanz und Unterwerfung besteht. Mit den Protagonisten Derek und Renée bekommen wir eindrucksvoll vor Augen geführt, was es bedeutet, das Vertrauen seines Gegenüber zu gewinnen. Hier gehen beide aufeinander zu. Derek, indem er seine Bedürfnisse zurückstellt um Renée sanft in eine Welt zu führen, die vollkommen anders funktioniert, als sie es sich vorstellt und Renée, indem sie Derek einen Vertrauensvorschuss gibt und bereit ist, ihre Grenzen Stück für Stück auszuweiten.

Was die Autorin hier sehr schön herausgearbeitet hat, ist die emotionale Seite einer Beziehung im Bereich Dominanz und Unterwerfung. Das Wort "Zärtlichkeit" scheint hier fast fehl am Platz und weicht einem kalten Eindruck von Geräten und Schlägen. Mit Derek und Renée wird uns als Leser jedoch deutlich vor Augen geführt, dass diese nur in anderer Form in Erscheinung treten. Derek liest Renées Körpersprache, hält seine Bedürfnisse zurück um sie nicht zu verschrecken, ebenso wie jede prüfende Handbewegung vor Augen führt, dass dieses miteinander noch viel inniger und vertrauensvoller ist, als viele Paare es vermuten würden oder in einer "normalen" Beziehung vielleicht sogar selbst erleben.

Ein fesselnder Pageturner, der mich auf weitere Bücher der Autorin hoffen lässt. 

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

Ein Schotte zum Frühstück: Roman

Vivien Johnson
E-Buch Text: 278 Seiten
Erschienen bei Forever, 06.03.2017
ISBN 9783958181052
Genre: Sonstiges

Rezension:

Meinung:

Conners Hauptaugenmerk liegt auf der Firma seines Vaters und nicht auf seinem Leben, was sich jedoch schlagartig ändert, als Sarah und ihre Mutter ein Bed & Breakfast in Schottland eröffnen wollen und die beiden Männer für Renovierungsarbeiten engagieren.

Sarah und ihre Mutter Denise zu beobachten, war oftmals wirklich amüsant, denn manchmal übernimmt Denise auch gerne den übereifrigen Part, die ihren Traum Wirklichkeit werden lassen möchte und dabei bereit ist, jegliche Brücken in Deutschland einzubrechen. Zielstrebigkeit und das Vertrauen in sich selbst, sind tolle Eigenschaften, allerdings wie auch Sarah erkennt, riskant. Einen Plan in die Tat umzusetzen, muss nicht bedeuten, dass dieser auch von Erfolg gekrönt ist. Ist es da wirklich so sinnvoll, all sein Hab und Gut in einen Traum zu investieren, der möglicherweise schon in seinen Grundfesten scheitert? Hier ist es Sarah, die ihrer Mutter unter die Arme greift und ein gutes Fundament für das Bed & Breakfast in Schottland legt.

>>Das ist egal, mein Sohn. Denn wenn diese Frau die Richtige für dich ist, würdest du das sogar über Jahre hinweg durchziehen. Du musst dir nur klar sein, ob sie die große Liebe für dich ist.<<

Wenn Verstand und Herz miteinander konkurrieren, steht man vor einer scheinbar unüberwindbaren Hürde. In genau dieser Situation befinden sich Connor und Sarah seit ihrem ersten Zusammentreffen. Zwei Menschen die sich kaum kennen und dennoch eine Verbindung zwischen ihn besteht, die sie nicht leugnen können. In der weiteren Entwicklung, hatte ich schon die Befürchtung, wir würden hier wieder mit Gefühlen kämpfen, die unsere Protagonisten verleugnen oder das jede Zweideutigkeit direkt als Aufhänger für Dramen herhält. Hier hat mich die Autorin wirklich überrascht, denn hier handeln die Charaktere, anders als man es erwarten würde, weshalb der Großteil der Geschichte wirklich harmonisch verläuft.

Ebenso wie die Mutter-Tochter-Beziehung, so hat mich auch die etwas andere Art zwischen Connor und seinem Vater Will fasziniert. Die beiden sind stets füreinander da, doch präsentiert sich dieses Phänomen ganz anders als bei Denise und Sarah. Will lernen wir dank Denise direkt als Gentleman kennen, doch wie die Erzählungen von Connor zeigen, war er lange Zeit in einem Tief gefangen.

Oft standen unsere Protagonisten vor der Frage, ist das was ich fühle wirklich die wahre Liebe? Was sich im Verlauf hier sehr gut herauskristallisiert ist, dass die Liebe bei niemandem gleich verläuft. Die Liebe ist nichts, was sich planen lässt, weder die Intensität noch die Entwicklung, sie ist ebenso individuell, wie das Paar was sie empfindet.

>>Ich möchte, dass du niemals an deiner Liebe zu Sarah zweifelst. Egal, welche Steine euch in den Weg gelegt werden. Und glaube mir, auf irgendeine Art und Weise wird das passieren. Zweifle nie an deiner Liebe zu ihr und an ihrer zu dir. Denn das ist das einzig Wahre, was zwischen euch besteht. Die Liebe.<<

Kann man jemanden zu sehr lieben, um eine rationale Entscheidung treffen zu können? Eine traurige Nachricht zieht hier einen folgeschweren Rattenschwanz mit sich, durch den Sarah beginnt, sich eben diese Frage zu stellen. Im weiteren Verlauf hätte ich Sarah dafür gerne ein paar Schläge auf den Hinterkopf verpasst, denn die ansonsten so vernünftige junge Frau reagiert hier mit abweisendem Verhalten, welches sie letztendlich zur Flucht treibt. Einerseits verstehe ich ihren Gedankengang. Man möchte niemandem Sorge bereiten, den man liebt, doch ein Risiko bedeutet nicht, dass auch das Worst-Case-Szenario eintritt. Liebe bedeutet füreinander da zu sein, in guten wie in schlechten Zeiten, denn gerade das macht eine Beziehung wirklich aus: Füreinander da sein. Dennoch würde ich die obere Frage mit "Ja" beantworten, denn von der Liebe geleitet, würden wir alles tun um unseren Partner zu helfen. Wenn es hart auf hart kommt, spielt die Vernunft keine Rolle und manchmal muss man das Falsche tun, um am Ende auf den richtigen Weg zu finden.

Zieht Sarah einen Schlussstrich unter die beginnende Beziehung zu Connor? Oder findet sie einen Weg ihre Ängste unter Kontrolle zu bringen?


Schreibstil:

Vivien Johnsons Geschichte hält viel mehr bereit, als die Erfüllung eines Traumes in Form eines Bed & Breakfast, dessen Entwicklung wir miterleben können, auch erhalten wir atemberaubende Eindrücke über Schottland, die in mir den Wunsch geweckt haben, dieses Stück Natur einmal selbst zu erleben und die Idylle zu spüren.

Seit über drei Jahren verschlinge ich ein Buch nach dem anderen und in all der Zeit und in den verschiedenen Genren gab es nicht eine Geschichte, indem der Mutter als Nebencharakter so viel Handlungsraum zuteilwurde. Denise ist eine flippige Mom, mit der Sarah über wirklich alles reden kann. Obwohl ihre Tochter Sarah bereits eine junge Frau ist, so merkt man Denise an, dass sie im Herzen jung geblieben ist. Sie greift gerne beherzt ein und scheut auch nicht davor, ihrer Tochter auf neckische Art die Schamesröte ins Gesicht zu treiben. All diese Komponente unterstreichen hier eine liebevolle und vor allem innige Mutter-Tochter-Beziehung, welche dem Buch bereits zu Beginn ein wohliges Gefühl von Wärme und Geborgenheit vermittelt.

Sarah hat mir von ihrer Zeichnung sehr gut gefallen. Sie ist sehr gradlinig und hebt sich von Protagonistinnen anderer Geschichten ab. Sie sucht nicht nach dem sprichwörtlichen Haar in der Suppe, welches einen Streit oder eine Auseinandersetzung vorprogrammiert, selbst bei mehrdeutigen Situationen, sieht sie nur das, was wirklich geschieht und interpretiert nicht irgendetwas negatives hinein. Diese Charaktereigenschaft von ihr, hat mich anfangs wirklich erstaunt, da sie oft anders reagiert, als man es erwarten würde.

Diese Geschichte ist gespickt mit zahlreichen Höhen und einigen Tiefen. Eine wunderschöne Reise in deren Welt es sich einzutauchen lohnt.

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

freunde, liebesroman, stalker, neuanfang, lucia vaugha

Beautiful Lies: Trügerische Wahrheit

Lucia Vaughan
E-Buch Text: 274 Seiten
Erschienen bei null, 18.02.2017
ISBN B06X6L5BDL
Genre: Sonstiges

Rezension:

Meinung:

Paige muss lernen Kompromisse einzugehen und darauf vertrauen, dass auch Cade Entscheidungen treffen kann. Vor Jahren hat sie sich von ihrer Familie losgesagt und fortan nur noch Entscheidungen für sich selbst getroffen. Erneut muss sie lernen, ihr Glück auch wieder in andere Hände zu legen und riskieren, dass ihr Herz erneut gebrochen wird. Doch dieses Risiko einzugehen, muss nicht bedeuten, dass auch das Schlimmste eintritt.

>>Oha!<< Keanu macht große Augen. >>Weiß Paige das schon?<< Er legt den Kopf schräg und wölbt eine Braue. >>Ich sehe noch kein Veilchen.<< Scherzkeks.

Vertrauen ist das wichtigste in einer Beziehung, wie die vergangenen Ereignisse jedoch zeigen, ist dies sowohl für Paige, als auch für Cade ein schwieriges Unterfangen. Einseitiges Vertrauen führt zu Misstrauen und Ungleichgewicht. Dabei waren es damals und heute selbstlose Gründe die beide zu ihrem Handeln getrieben haben. Paige wollte Cade schützen, ebenso wie sich Cade wünscht, Paige in körperlich besserer Verfassung zu sehen und dafür jegliche Belastung von ihr fern zu halten versucht. Beide Seiten lassen dadurch viel Raum für Spekulationen, und wie das ebenso ist, fallen einem in solchen Momenten nur die negativen Aspekte bei solchen Heimlichkeiten ein.

>>Die Grenzen sind klar definiert, Luana. Dafür habe ich gesorgt.<< Luana zieht ihre Hand unter meiner weg. >>Bleibt nur zu hoffen, dass sich alle Parteien daran halten.<<

Reeve und Paige hegen eine Beziehung zueinander, die für Außenstehende einerseits schwer zu deuten ist und dennoch nur eine Interpretation zulassen. Die Familie der jungen Pianistin wurde schon früh zerrüttet und zu hohe Erwartungen an sie, haben letztendlich sogar zum Bruch dieser geführt. Falsche Erwartungshaltungen haben dazu beigetragen, dass Paige ihr Licht unter den Scheffel stellt und versucht, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu ziehen. Eine schwieriges Unterfangen, denn gleich zwei Komponente machen diesen Plan von jetzt auf gleich zunichte. Cade, der sich wieder in ihr Leben drängt und um sie kämpft und die Bedrohung Reeves durch die auch sie in den Fokus einer noch unbekannten Gefahr gerät.


Schreibstil:

Lucia Vaughan hat einen Schachzug gewählt, den sie sehr pfiffig ausgewählt und vor allem umgesetzt hat, denn anhand einer sozusagen "falschen Wahrnehmung" ist es uns als Leser gar nicht möglich aus dem Verlauf der Geschichte zu erschließen, von welcher Person genau eine Gefahr ausgeht.

Die Verbindung der Geschwister Reeve und Paige sorgen hier auf vielen Ebenen für ordentlichen Zündstoff. Sie verheimlichen etwas, um andere zu schützen und tragen dazu gleichzeitig zu einer Eskalation bei, deren Ausmaße nicht vorhersehbar waren und gerade deshalb zu einer plötzlichen Spannungswelle beigetragen haben. Wirklich geschickt eingefädelt und dabei auch sehr glaubhaft.

Handlungsorte, Protagonisten und auch die sprachliche Ausarbeitung des Buches, haben mir sehr gut gefallen. Die Freundschaft zwischen Paige und Luana, denen Keanu und Cade gegenüberstehen. Freunde, die füreinander da sind und den Schubs in die richtige Richtung geben. Was mir an manchen Stellen gefehlt hat, war die Inneneinsicht mancher Nebencharaktere. Zwar erfahren wir die Gründe familiärer Probleme, dennoch habe ich letzten Endes das Gefühl nicht alles wirklich mitbekommen zu haben. Ebenso hätte ich eine Szene zum Schluss, bei der verschiedene Fronten zusammentreffen, gerne in ausgearbeiteter Form gewünscht, da wie ich finde, solche Szenarien meist Handlungen oder Wortgefechte enthalten, die andere Einblicke und Eindrücke ermöglichen, welche hier jedoch übersprungen wurde.

Paige und Cade zeigen, was es bedeutet, alles für die Liebe zu geben und füreinander zu kämpfen. Eine emotionale Reise mit vielen Höhen und Tiefen.

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142 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

trinity, sex, liebe, audrey carlan, tödliche liebe

Trinity - Tödliche Liebe

Audrey Carlan , Christiane Bowien-Böll
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 24.02.2017
ISBN 9783548289366
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Meinung:

Wenn es um Gillians Sicherheit geht, verwandelt sich der Self-Made Milliardär vom fürsorglichen Partner zum gewieften, anspruchsvollen und dominanten Geschäftsmann, der keine Bedenken hat, mit Geld um sich zu werfen, damit er bekommt, was er will. Ein - wie ich finde - sehr heikler Wesenszug, der Chase hier jedoch noch viel mehr Sympathie einhaucht. Hier steht sein Reichtum weniger im Vordergrund dafür, Gigi mit überteuerten Geschenken zu überschütten, sondern ihr und ihren Freunden, die für Gigi zu einer Familie geworden sind, den größtmöglichen Schutz zukommen zu lassen.

Der Unbekannte hat Gillian in seiner Gewalt und wie man schon an den Vorgängern der Reihe erkannt hat, ist dieser wirklich gefährlich. Er hat ein Ziel auf das er sich vollkommen fixiert und die Geduld, seine Pläne umzusetzen. Diese Geduld schützt ihn vor Kurzschlussreaktionen und lässt ihn achtsam Handeln. Der Mann, aus Gillians Vergangenheit, ist davon überzeugt, die junge Frau wieder für sich gewinnen zu können, diese Abhängigkeit von ihr führt dazu, dass sie vorerst in Sicherheit ist. Dieses Bild weicht allerdings schnell, denn die Hoffnung auf eine Zukunft mit seiner Angebeteten wird immer wieder ein Dämpfer verliehen, da Gigi seine Gefühle nicht erwidert und die Sehnsucht nach Chase zu offensichtlich zeigt. Gigis Verhalten kann ich sehr gut nachvollziehen, sie klammert sich an jeden Strohhalm um die Hoffnung nicht zu verlieren, dabei ist es auch sie, die dadurch neue Pläne in einem Mann weckt, dessen Weg von Vergangenheit bis Gegenwart mit Blut und Leichen versehen ist, ebenso wie er auch Kollateralschäden gerne hinnimmt um an sein Ziel zu gelangen.

>>Jack...<< Ich blicke den Mann an, dem ich mehr als irgendjemandem sonst vertraue, >>...glaubst du, dass er untergetaucht ist oder die Stadt verlassen hat?<< [...] Mit einer knappen Kopfbewegung verneint er die Frage. >>Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube eher, dass er uns näher ist als je zuvor.<<

Liebe ist das wertvollste, was ein Mensch geben und besitzen kann und ihn dazu bringt, ungeachtet der Folgen, alles zu riskieren. Chase hat die besten Männer an seiner Seite um Gillian zu finden, allerdings steht das Glück nicht vollkommen auf seiner Seite und weckt zugleich ein Monster, das sich in Sicherheit gewogen und nun wieder alles verloren hat. Er wird versuchen, Gigis Verbindungen zu Familie und Freunden abzubrechen, so dass Gillian alle Wege ausschließlich zu IHM zurückführen.

Gillian und ihre Seelenschwestern sind eine Komponente, die der Geschichte dieses besondere etwas verleihen. Der Zusammenhalt vierer Frauen, die schlimmes durchgemacht haben, ihre Vergangenheit miteinander teilen und sich gegenseitig auffangen. Eine, in meinen Augen, einmalige Verbindung, die mit vorbehaltloser Zuneigung einhergeht. Nachdem Gillian und Chase für IHN spurlos verschwunden sind, sieht er nur einen Weg, sie zur sofortigen Rückkehr zu zwingen und hat dabei ein Auge auf gleich zwei der Seelenschwestern geworfen.

>>Das ist ein Claddagh-Symbol..<< [...] >>Was hat das zu bedeuten?<< Ich ziehe seine Arme noch fester um meine Taille und schmiege mich an ihn. >>Es ist ein altes irisches Symbol. Es bedeutet Liebe, Treue und Freundschaft. Die Hände stehen für unsere Freundschaft, das Herz für unsere Liebe und die Krone für unsere niemals endende Treue zueinander.<<

Wie die Vergangenheit gezeigt hat, sind Chase immer wieder Sicherheitslücken durchlaufen. Diese Fehler kann er sich nunmehr nicht erlauben, denn es gilt auf beiden Seiten: Alles oder nichts. Diesen Verlauf zu verfolgen war in mehrfacher Hinsicht spannend, denn keiner wusste so recht, inwieweit sie überwacht werden und welche Maßnahmen dafür alles ergriffen wurden. Den Täter zu überführen war daher auch eine heikle Herausforderung, bei der man uns ebenso lange im Dunkeln gelassen hat, wie Chase auf einen Erfolg gehofft hat.

Jack ist ein Mann, dem man blind vertrauen kann und der ebenso wie Austin bereit ist, sein Leben für seine Schützlinge zu riskieren. Allerdings nehmen nicht alle Sicherheitsleute diese Aufgabe so ernst und ich habe mich wirklich gefragt, ob Chase sich die Referenzen mancher wirklich so gut angeguckt hat. Einige Männer halten sich für die ultimative Sicherheitsbarriere, dabei übersehen sie die offensichtlichen Details, die dem Täter wieder jede Menge Raum und Möglichkeiten erlauben.

Der alles entscheidende Kampf steht bevor, bei dem Chase mehr zu verlieren hat, als seine große Liebe. Wer gewinnt? Wer verliert und wer wird in diesem lang anhaltenden Machtspiel sein Leben lassen?


Charaktere:

Gillian [Gigi] hat in ihrem Leben mehr durchgestanden, als manche es sich vorstellen können, doch anstatt die Angst über ihr Leben bestimmen zu lassen, findet sie dank Chase immer wieder den Funken Hoffnung, der ihr hilft, nach vorne zu blicken und jede Hürde zu meistern. Sie ist eine Kämpfernatur, die jedermann vor Augen führt, was Nächstenliebe bedeutet. Bald wird klar, mit ihrem Leben sind noch zwei weitere verbunden. Ist sie wirklich vor dem Unbekannten sicher, oder wird ihr das starke Band zu Chase zum Verhängnis?

Chase wird durch Gillians Einfluss bewusst, wie leer und oberflächlich sein Leben ohne sie war, hegt den Wunsch, der Mann für sie zu sein, der Gigi mit Stolz erfüllt. Sie füllt sein Leben mit Licht und Liebe und macht ihn gleichzeitig angreifbar. Um Gillians Sicherheit zu gewährleisten, ist er bereit alles zu riskieren, doch die Unwissenheit einer Person führt dazu, dass Gillian in die Falle tappt und mitten ins Kreuzfeuer gerät.


Schreibstil:

Audrey Carlan hat ein Händchen dafür, alle Komponente zusammen zu fügen, die ein Buch zu einer abenteuerlichen und fesselnden Reise erwachsen lassen. Dieser finale Band, mit Chase und Gillian als Hauptcharaktere, hat mir mehrfach Tränen in die Augen getrieben, insbesondere deshalb, weil diese beiden für mich zu einem besonderen Duo geworden sind, das ich lieb gewonnen habe und deren miteinander ich nur zu gerne viele weitere Seiten miterleben würde.

Oftmals sind es Kleinigkeiten, die ein Buch zu etwas unvergesslichen werden lassen. Die Autorin beweist ihr Können hier immer wieder. Eindrucksvolle Handlungsorte haben mir das Gefühl gegeben, selber den irischen Wind zu fühlen, ebenso wie die Sonnenstrahlen auf meiner Haut, doch auch Handlungen und Worte, sind hier immer wieder als besondere Gesten in Erscheinung getreten.

Oberflächlich betrachtet, erfüllt Chase das klischeehafte Bild des Milliardär, der durch negative Erfahrungen geprägt, glaubt nicht mehr lieben zu können, allerdings hat uns Audrey Carlan hier vor Augen geführt, das ein vermeintlich voraussehbarer Entwicklungsstrang eines Charakters noch einige Überraschungen bereithält, sodass Chase letztendlich doch zu einem Individuum erwächst, welches sich nicht mit anderen Protagonisten des gleichen Genres vergleichen lässt. Dieser Mann ist ein wahr gewordener Traum, der unglaublich echt und authentisch erscheint.

Ebenso verfährt die Autorin mit den Seelenschwestern Maria, Bree und Kat. Drei Frauen, die ich aufgrund ihrer Stärke, Mut und Tapferkeit bewundere. Egal welche Hürde sich ihnen in den Weg stellt, sie bilden eine geschlossene Front die Hoffnung spendet. Diese drei Sympathieträger tragen zu vielen emotionalen Höhepunkten bei, ebenso wie einem Nervenkitzel, der aus hoffen und bangen besteht, da die Frauen ebenfalls ins Visier des Unbekannten geraten, nur verfolgt dieser ganz andere Absichten mit ihnen als mit Gillian.

Die Spannungswellen überschlagen sich, die Fronten kollidieren und ehe wir uns versehen, befinden wir uns in einem Sturm, aus dem es kein Entkommen mehr gibt. Die Umsetzung eines Plans, der für uns als solcher noch gar nicht erkennbar ist, hat mir die Nerven geraubt, denn die Liebe der beiden zueinander lässt sie jeder Gefahr entgegen treten, um den anderen zu retten. Die Geschichte verdeutlicht einmal mehr, dass man die wirklich kostbaren Dinge im Leben, in Freundschaft, Familie und der Liebe findet. Geld ermöglicht vieles, doch verleiht sie einem nicht die Wärme der Geborgenheit und des Vertrauens.

Auf die beiden letzten Bücher der "Trinity"-Reihe - mit Ria und Kat in den Hauptrollen - bin ich ebenfalls sehr gespannt und hoffe auf ein Wiedersehen mit Gigi und Chase.

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herren der unterwelt, hade, bade, fantasy, krieg

Die Herren der Unterwelt: Schwarze Pein

Gena Showalter , Freya Gehrke
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 06.02.2017
ISBN 9783956496493
Genre: Fantasy

Rezension:

Meinung:

Baden ist nicht die Bestie, die ihn jeden Tag um seine Selbstbeherrschung ringen lässt, sondern ein eigenständiges Wesen. Baden ist ein seiner Freiheit sehr eingeschränkt, denn aufgrund Hades Armreife, ist Baden an diesen gebunden, Hades Wunsch ist sein Wille und dieser wird notfalls unter Zwang des eigenen Körpers ausgeführt.

Katarinas Mutter hat ihr immer wieder zu verstehen gegeben, dass ein Mensch ohne Kraft ein Niemand sei. Ein Umstand der sie besonders hart trifft, als Baden ihr einen Mangel dieser zum Vorwurf macht. Sie ist eine augenscheinlich gewöhnliche Menschenfrau, die in seiner übernatürlichen Welt keine Überlebenschance hätte, wäre sie auf sich alleine gestellt. Dabei stellt sich schnell heraus, dass Kraft nicht ausschließlich Muskelmasse bedarf, sondern das ein starker Charakter ebenso kraftvoll sein kann.

>>Nie hatte ich mehr Grund aufzugeben, und noch nie wollte ich so sehr leben.<< Ihr zog sich die Brust zusammen. Wegen ihres Schmerzes, ja, aber es schmerzte sie auch für ihn. >>Dieses Von-der-Seele-Reden ist leichter, als ich erwartet habe<<, bemerkte er.

Hades Handlungsgründe habe ich immer wieder hinterfragt. Die Aufgaben, die er Baden und Pandora stellt, grenzen an Irrsinn. Unschuldige sollen ihr Leben lassen, ein Krieg verhindert werden und dennoch scheinen die Aufgaben andere Fronten zu verhärten. Welchen Plan verfolgt Hades mit seinen Schützlingen, die durch seine Armreife unweigerlich an ihn gebunden sind und sich seinem Willen fügen müssen? Ist er Freund oder Feind? Der Mann ist wahnsinnig, aber zugegebenermaßen, dieser Wahnsinn hat Methode.

>>Du kannst nicht einfach deine körperliche Überlegenheit benutzen, um deinen Willen durchzusetzen<<, protestiere sie seufzend. >>Ich denke, soeben habe ich das Gegenteil bewiesen.<<

Baden ist einer von vielen Kriegern, die eine Bürde tragen, welche sie als Privileg betrachten. Es wiederstrebt ihnen, diese Last zu teilen, sei es auch nur emotional. Dabei ist diese Art von Alleingang ein großes Risiko, da es nur eine Frage der Zeit ist, ehe die Last einen erdrückt und man nicht mehr dazu in der Lage ist, einen Kampf alleine zu bestehen.

Schlimme Dinge geschehen, weil schlechte Entscheidungen getroffen werden. Wer mit dem Schlimmsten rechnet, wird auch nur diese wahrnehmen. Entscheidungen werden auf dieser Grundlage getroffen, sodass sich ein angeblicher Fluch, zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung entwickelt. Der Krieg zwischen Hades und Luzifer steht unmittelbar bevor und beide Seiten sind bereit, jegliche Geschütze aufzufahren, um diesen Kampf für sich zu gewinnen, dabei lässt nicht jeder Schachzug erkennen, wie viel Macht einer Seite dadurch zu Gute kommt.

>>Hab ich schon mal erwähnt, dass du echt lahm bist? Frauen lieben Romantik, und du, mein Freund, bist offensichtlich romantorektisch.<<

Baden betrachtet seine unfreiwillige zweite Persönlichkeit als Parasit, der Einfluss auf seine Gefühle und Emotionen nehmen kann. Er hat zugelassen, dass seine Hoffnungen, sein Herz und seine fürsorgliche Seite, durch dieses Wesen erstickt werden. Rina hingegen erkennt nach einiger Zeit, dass die beiden als Einheit fungieren, die - mit dem richtigen Ziel vor Augen - zu unglaublichem fähig sind.

Angst beraubt uns so vieler Dinge, verhindert schöne Erfahrungen und lässt die Vergangenheit in den Vordergrund treten, sodass eine längst vergangene Zeit Einfluss auf unsere gegenwärtigen Handlungen nimmt. Gillian weiß nicht wohin mit ihren Gefühlen. Sie möchte leben und sich dennoch nicht binden, denn eine Bindung der Art die sie retten könnte, bringt Verpflichtungen mit sich, die sie aufgrund gegenwärtiger Erinnerungen nicht erfüllen kann. Mit der Zeit im Nacken, muss Gillian eine Entscheidung treffen, der sie kaum Bedenkzeit geben konnte. Eine Entscheidung, die durch Angst geleitet war und sie nun mit Reue erfüllt.

>>Wenn eine Frau sagt: ,Geh ruhig, viel Spaß', geh nicht und hab keinen Spaß. Sofort Mission abbrechen!<<

Katarina ist hier wirklich nicht zu beneiden. Stück für Stück hat man ihr den Boden unter den Füßen weggezogen bis sie vollends den Halt verloren hat. Der letzte verbliebene Teil Familie fällt ihr in den Rücken oder wird von Aleksander ausgelöscht. Den Schmerz den sie empfunden hat möchte ich gar nicht nachempfinden können. Umgeben von Baden und seinen Freunden wird Rina ihre Machtlosigkeit immer wieder vor Augen geführt, dabei liegt ihre Stärke in Mut und Durchhaltevermögen, sowie Nächstenliebe. Erst sie ermöglicht es Baden, beide Teile in ihm zu vereinen. Sie begegnet ihm auf einer Ebene, die oberflächlich betrachtet, Lichtjahre voneinander entfernt sind, doch ebenso wie Baden hat auch Rina mit Selbsthass und Zweifeln zu kämpfen. Sie hingegen rafft sich von alleine wieder auf, ebenso wie sie den Mut aufbringt auch für "Zerbaden" stark zu sein.

Als "gewöhnliche" Menschenfrau ist es letztendlich Rina, die uns vor Augen führt, was es bedeutet sich für andere einzusetzen und Entschlüsse mit Feuereifer durchzuziehen. In ihrer natürlichen Form ist sie körperlich unterlegen, mit ihrem Mut, ihren Willen durchzusetzen und ihre Freiheit zu verteidigen, ist sie letzten Endes der Schlüssel zur Lösung.


Charaktere:

Baden trägt einen Dämon in sich, der ihn zu einer tickenden Zeitbombe macht. Hinzukommend mit einem Jahrhunderte zurückliegenden Kampf, welcher in ihm seinen größten Verlust und seine tiefste Reue gleichzeitig verwurzeln, scheint ein fürsorglicher Mann, der alles für Freunde und Familie geben würde, von seinen aufgezwungenen Instinkten überlagert zu werden. Sein eigener Verstand, ist oft sein härtester Gegner. Er ist ein Teil von ihm, den er bändigen und mit sich vereinen muss um seinen neuen Lebensinhalt zu schützen.


Schreibstil:

In dieser übernatürlichen und fantasievollen Geschichte, gibt uns Gena Showalter eine wichtige Erkenntnis mit auf den Weg: Gnade zu zeigen erfordert mehr Kraft als Rache zu üben. Das eine bekämpft einen Drang, bei Letzterem gibt man diesem nach.

Was mich an Rina so begeistert hat, ist ihre Zuversicht in ihr Können und ihre Stärke. Die Verluste, die sie erlitten hat, haben zwar Zweifel hervorgerufen, allerdings überdauern diese nur ihre Trauerphase, was in meinen Augen eine natürliche und auch verständliche Reaktion ist. Sie selbst ist sich dieser Tribute gar nicht bewusst, zeigt sie uns jedoch in jeder ihrer Handlungen.

Interessant fand ich zu beobachten, wie Rina mit Baden verfährt und ihre Versuche, diesen zu "erziehen". Bei ihren Hunden hat die junge Frau da ein leichteres Spiel, doch auch der Erfolg bei "Zerbadung" lässt nicht lange auf sich warten. Ein Wesenszug, hat unsere Protagonistin für mich sofort herzlich erscheinen lassen, sie liebt ihre Hunde als Familienmitglieder und ist bereit alles zu geben um diese zu schützen. Mit diesem Verantwortungsbewusstsein, hat sie auch von anderen Charakteren Anerkennung erfahren, denn sie weiß darüber hinaus, diese selbst erworbenen Fähigkeiten auch in anderen Situationen anzuwenden. Mit ihrer Liebe und Hingabe hat sie neben Baden und Zerstörung noch zwei weitere Herzen erobert - und nein, wir haben hier nicht den Fall einer Dreiecksbeziehung - vielmehr ist es das gute Herz eines Menschen, die eine Gruppe hinter sich versammelt, die selbst Hades ins Staunen versetzt.

Die Perspektiv-Wechsel haben mir sehr gut gefallen. Während wir Badens Dämon anfangs nur als Auswirkung auf ihn erkennen konnten, so wird er im Verlaufe der Geschichte immer eigenständiger. Je mehr Zerstörung anhand Flashbacks über sich Preis gibt, desto mehr trennen sich Baden und Zerstörung als Einheit voneinander, die letzten Endes zusammen finden, da sie das gleiche Ziel verfolgen.

Auch die Einleitungen in die einzelnen Kapitel waren sehr gut gewählt. Wir lernen hier einige "Dämonen" kennen, die mit ihrem Zitat Dinge ansprechen, die einen guten Funken Wahrheit enthalten.

Eine spannende Geschichte und eine Reihe die ich definitiv weiter verfolgen werde. Der Kampf zwischen Luzifer und Hades steht unmittelbar bevor. Wer wird gewinnen und wer hat vielleicht ein Ass im Ärmel, mit dem niemand rechnet? 

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1.300 Bibliotheken, 33 Leser, 1 Gruppe, 356 Rezensionen

erin watt, paper princess, liebe, new adult, erotik

Paper Princess

Erin Watt , Lene Kubis
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2017
ISBN 9783492060714
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Meinung:

Die Royals beherrschen nicht nur die Astor Park Prep Academy, sondern auch das perfekte Pokerface um ihre Geheimnisse zu hüten. Als Vater von fünf Söhnen, hat es Callum nicht gerade leicht, denn ebenso wie er selbst, machen ihn auch Easton, Reed, Gideon, Sawyer und Sebastian für den Tod ihrer Mutter verantwortlich. Mit anderen Worten, wird genau das Gegenteil von dem gemacht, was "Daddy" möchte. So wird Ella Harper nicht wie gewünscht mit offenen Armen in der Royal-Family aufgenommen, ihr schlagen direkt Hass und Ablehnung entgegen.

Non sibi sed patriae.

Ella ist wirklich eine bewundernswerte und ehrgeizige junge Frau, die mich in vielerlei Hinsicht vom Hocker gehauen hat. Durch den Lebensstil ihrer Mutter hat sie nie Beständigkeit erfahren, musste schon sehr früh lernen Verantwortung zu übernehmen und auf eigenen Beinen zu stehen. Callum hat sie, als sein Mündel, in seiner Familie aufgenommen und ihr damit einen rasanten Aufstieg ihres Lebensstandards ermöglicht. Von der Tochter einer Stripperin, die für jeden Dollar kämpfen musste, erhält sie nun jeden Monat 10.000 Dollar allein dafür, ihre Zeit in einer Villa zu fristen und das ohne einen Hacken an der Geschichte. Okay, nein Spaß bei Seite, hier sind es gleich fünf Haken in Form testosterongeladener Männer und Teenager die es sich zur Aufgabe machen Ella zu schikanieren. Zugegebenermaßen hätte Callum seine Unterlagen besser verstecken können, doch darüber hinaus ziehen die Jungs ihre ganz eigenen Schlüsse und nehmen Ellas Hintergrund als Munition deren Ausmaße über das familieneigene Anwesen hinausgehen.

>>Du wirst die Maria lieben!<<, verrät Callum mir und klingt furchtbar aufgeregt. >>Heute ist nicht viel Wind, also werden wir die Segel wohl nicht brauchen. Aber es wird sicher trotzdem ein Mordsspaß!.<< Ich und die Royals auf einem Bott? Auf offenem Wasser? Da bekommt der Begriff Mordsspaß doch gleich eine ganz neue Bedeutung!

Anders als man es erwarten könnte, verändert Ella der neu gewonnene Luxus nicht. Sie hat jede Menge Geld zur Verfügung das sie sorgfältig spart und sich sogar noch einen Job sucht, um sich kleinere Ausgaben finanzieren zu können. An der Astor Academy gelten die "royalschen"-Regeln, was für Ella bedeutet, in der Schule hat sie zwar Ruhe vor ihren vermeintlichen Brüdern, allerdings übernehmen dafür andere sehr gerne die Rolle der 17-jährigen ihre billige Abstammung vor Augen zu führen.

Callum gegenüber bin ich zwiegespalten, denn obwohl ich auch ihn schnell lieb gewonnen habe, so finde ich die Erziehungsmaßnahmen die auf seinen Schuldgefühle basieren, genau den Schritt in die falsche Richtung. Sein schlechtes Gewissen spiegelt sich in dem Verhalten seiner Söhne wieder, ihnen hier keine Einheit zu gebieten erweckt daher eher den Anschein, dass er sich gar nicht um sie bemüht. Darüber hinaus hat er die Bemühung einer Aussprache schon längst aufgegeben. Manchmal habe ich mich gefragt, ob Callum die Worte, die er an Ella gerichtet hat, auch schon mal seinen Kindern vorgebracht hat, denn falls nicht ist es für mich verständlich, dass sie seinen "Neuanfang" nicht verstehen und demnach auch nicht tolerieren können. Um Ella bemüht er sich, sie hingegen tritt ihm auch vorbehaltlos gegenüber.

>>Eigentlich wollen wir alle gerettet werden.<<

Brooke ist in meine Augen ein lästiges Anhängsel, das hier jede Menge Frage aufwirft. Ihren Schilderungen nach zu urteilen muss auch sie keine rosige Vergangenheit gehabt haben, allerdings passt ihr Verhalten nicht zu ihrem Hintergrund. Obwohl Geld und Macht Menschen verändern können, so glaube ich auch, dass man wie Ella ab einer bestimmten "Armutsgrenze" diesen neu gewonnenen Luxus nie als selbstverständlich hinnehmen könnte und anfängt mit Geld um sich zu schmeißen. Hinzukommend mit ihren merkwürdigen Anwandlungen gegenüber der Royal-Söhne steht man hier vor einem großen Rätsel, welches noch zu einem riesen großen Eklat führt. Was ich bisher ebenso wenig deuten kann, ist die Einstellung der Jungs gegenüber Brooke, denn einerseits machen sie keinen Hehl daraus, was sie von Freundinnen ihres Vaters halten, die ihre Schwestern sein könnten, andererseits tolerieren sie ihr zweideutiges Verhalten. Hier verbirgt sich allem Anschein nach kein unwichtiges Geheimnis.

>>[...] Ich bin dafür verantwortlich. Reed, der Zerstörer.<< Er klingt traurig. >>Wusstest du das schon?<< >>Mir gefällt der Name überhaupt nicht.<< [...] >>Und wie würdest du mich stattdessen nennen?<< >>Mein.<<

Dinah und Callum sind die einzig wirkliche Verbindung zu Ellas Vater. Zwei Menschen die mit Ella allerdings vollkommen verschiedene Absichten verfolgen. Dinah hat einen Trumpf im Ärmel, der Ella und uns als Leser gleichermaßen vor Augen führt, dass dieser Zündstoff für einige Intrigen bieten wird. Allein dieser Aspekt lässt einem vorangegangene Geschehnisse nochmals Revue passieren. War dies ein Plan, der gekonnt inszeniert wurde und letztendlich sogar Ella mit hineinzieht? Ella spielt in dieser Situation eine unbekannte Komponente, die im ungünstigsten Zeitpunkt auf der Bildfläche erschienen ist und ich bin mir sicher, das Dinah keinerlei Mittel ungenutzt lassen wird um ihre Rechte geltend zu machen. Rechte, die durch Ella einen neuen Ursprung finden.

Ella nähert sich unbewusst einem Geheimnis, das jede positive Erfahrungen die sie seit dem beilegen des Kriegsbeil mit den Royal-Sprösslingen, in ihren Grundfesten erschüttert. Ist sie stark genug, auch diese Hürde zu nehmen oder klammert sie an ihrem Entschluss zum Zeitpunkt des Einzugs in die Royal-Villa?


Charaktere:

Ella ist eine beeindruckende Protagonistin, viele Erfahrungen haben sie in ihrem Verhalten geprägt, doch trotz all der Unbeständigkeit in ihrem Leben, kann sie ihr Handeln abschätzen. Mit dem neu, wenn auch unfreiwillig, gewonnen Luxus, beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt, der sogleich zahlreiche Hürden bereithält. Schon wieder liegt es an ihr, sich zu beweisen und obwohl sie nun eine "Familie" hat, ist sie erneut auf sich alleine gestellt. Aufgrund der Perspektive, merken wir, dass die Anfeindungen ihrer Mitschüler und auch der Royal-Söhne ihr sehr nahe gehen, doch nach Außen hält sie ihre tapfere Fassade aufrecht und weiß sich verbal zu verteidigen. Mit ihrem Mut hat sie mein Herz erobert, denn Stärke bedeutet nicht, seine Gefühle zu unterdrücken, sondern weiter zu kämpfen, obwohl sich augenscheinlich alles gegen einen richtet. Sie ist bodenständig und weiß im Gegensatz zu den verwöhnten Teenies der Astor Academy zu schätzen, was wirklich im Leben zählt.

Reed hat zwei Bewältigungsstrategien, um den Verlustschmerz seiner Mutter kurzfristig erträglicher zu machen. Aber nur eine ist ihm seit Ellas auftauchen auf dem Anwesen geblieben, um seiner aufgestauten Wut freien Lauf zu lassen. Trotz seiner Rachefeldzüge gegen sie, ist es Ella, die ihm lehrt, was es bedeutet zu Verzeihen und das man niemanden verurteilt, nur weil man die Hintergründe seines Handelns nicht direkt nachvollziehen kann. Beidseitig scheinen sich Gefühle zwischen ihnen zu entwickeln, doch sind diese wirklich aufrichtig? Kann Ella Gideons Warnung bezüglich Reed wirklich trauen?


Schreibstil:

Erin Watt hat mit diesem Roman eine Trilogie begonnen, die schon nach wenigen Seiten ihr Potenzial erkennen lässt. Wie die Vorgeschichte der Royals zeigt, haben die Männer einen Hang dazu, falsche Entscheidungen zu treffen und das Offensichtlich zu übersehen. Ella achtet auf ihre Umgebung und ist in der Lage, dass Verhalten anderer zu analysieren, weshalb sie für beide Seiten - Callum & seine Söhne - Partei ergreift. Durch sie und mit ihr, scheint es fast, als könnte eine zerrüttete Familie den ersten Schritt wagen, wieder aufeinander zuzugehen.

Ella ist eine Persönlichkeit mit Helden-Charakter. Trotz allem was ihr widerfahren ist, hält sie nicht an ihrer Wut fest, sondern lässt sich auf neue Perspektiven ein. Mit der Erkenntnis, aufgrund welcher Hintergründe die Royal-Brüder so resistent gegenüber jeglicher Aussprache sind, um das Kriegsbeil zu begraben, legt sie eine Vehemenz und Interesse jedem einzelnen gegenüber an den Tag, dass wir hier etwas wunderschönes erleben dürfen und zwar die Wandlung einer 5-Mann-Front, die letzten Endes geschlossen hinter Ella steht.

Ein Wendepunkt, der mir auch in seinem Aufbau sehr gut gefallen hat. Hier ist Ella diejenige, die Werte vermittelt, die man mit keinem Geld der Welt kaufen kann. Von allen wird sie zur Tochter einer Stripperin degradiert, wodurch keiner mitbekommt, dass sie sich ihre Stärken erarbeitet und verdient hat. Die privilegierten Kids hingegen tragen einen Status, der sie Aufgrund ihrer erfolgreichen Eltern etabliert.

Die verbalen Konfrontationen zwischen Ella und den Royals, insbesondere Reed und Easton, ist ein Schlagabtausch, denn Ella meiner Meinung nach immer für sich gewinnt. Sie entkräftet die Sticheleien, indem sie sich die Argumente ihrer Gegner zu Eigen macht. Diese Momente sind sowohl mit Spannung auf die folgenden Reaktionen, als auch mit Humor und Charme gespickt. Auch die gefühlvolle Ebene hat die Autorin hier facettenreich herausgearbeitet. Während Ellas Handlungen immer nachvollziehbar sind, so braucht man als Leser etwas länger, um Verständnis für das Verhalten von Reed und seinen Brüdern aufzubringen. Sie bleiben Distanziert, was sie nicht daran hindert, Ella das Leben jeden Tag zu erschweren, sie hingegen ist aufmerksamer als sie es vermuten würden, weshalb sie mit ihren eigenen Strategien und Maßnahmen letztendlich doch auf fruchtbaren Boden trifft.

Von Reed lernen wir eine Seite kennen, die einem Spiel mit dem Feuer gleicht und seine Anfeindungen auf ein neues Level haben. Ebenso wie er, hat auch Easton eine Bewältigungsstrategie gefunden, die riskant ist und der Folgen einen wie Schatten begleiten. Hier hat Erin Watt ein unverkennbares Highlight gesetzt, den der Wesenszug von Ella, der auf Flucht getrimmt ist, führt so auf bedeutsame Art vor Augen, wie wertvoll es ist, für andere einzustehen. Genau das ist der Moment, indem auch die Jungs zu realisieren scheinen, was Nächstenliebe bedeutet. Reed vollzieht eine Wandlung, die ich nicht für möglich gehalten hätte nur um letzten Endes eine Bombe zu zünden, die dadurch umso heftiger einschlägt.

Ein fesselndes Leseabenteuer, dass das Warten auf die Fortsetzung zu einer nervenaufreibenden Geduldsprobe macht.

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157 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

liebe, musik, griffin hancock, liebesroman, young adult

Untamed - Anna und Griffin

S.C. Stephens , Babette Schröder
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.08.2016
ISBN 9783442483808
Genre: Liebesromane

Rezension:

Meinung:

Selbstvertrauen und Zuversicht in die eigenen Stärken, sind wertvolle Eigenschaften. Griffin hingegen sprengt diesen gesunden Rahmen, indem er eine Teamleistung mit Füßen tritt und durch seine selbstverliebte Art nicht in der Lage ist, die Dinge zu hinterfragen und rational zu betrachten. Er klammert so sehr an seinen Entscheidungen, dass er aufkommende Zweifel im Keim erstickt.

Mit mitfühlender Miene nahm Kiera Chelseys Hand. >>Ach, du bist die Schwester? Mein Beileid!<< Kellan lachte erneut, und ich schwöre, dass meine Schwester murmelte: >>Verdammt richtig.<<

Griffins Verhältnis zu den D-Bags wird immer angespannter. Er möchte im Rampenlicht stehen, doch seine Bandkollegen halten ihn klein. Griffin ist nicht gerade bekannt dafür, geniale Ideen zu haben, viel mehr haben mich manche seiner "fantastischen und brillanten" Ideen an seinem Geisteszustand zweifeln lassen. Ehrlich gesagt kann ich dennoch beide Perspektiven verstehen. Kellan, Evan und Matt arbeiten auf Hochtouren für das neue Album und kümmern sich nebenbei noch um ihre Frauen. Hinzukommend mit den Plänen für PR und Marketing, sowie eine besondere Überraschung die Matt vorbereitet, kann man es gar nicht gebrauchen, dass der vierte D-Bag einfach nur den Erfolg einheimst und noch mehr Probleme verursacht. Ebenso wie er kein Fettnäpfchen auslässt, die Gefühle anderer bewusst tritt und einen besonderen Liebesbeweis und die damit einhergehende Aufregung in den Schmutz zieht. Einfühlungsvermögen und das Talent sich zurückzunehmen, sind gewiss nicht seine Stärken.

Ich hasste Fabeln. Sie waren alle unverständlicher, kindischer Mist. >>Nein, aber ich bin mir sicher, dass sie nichts mit meinem Leben zu tun hat.<< >>Da wäre ich mir nicht so sicher. Der Hund in der Fabel hat alles, was er braucht, doch er verliert alles, weil er mehr will. [...]<<

Doch ebenso kann ich auch Griffins Verhalten ein Stück weit nachvollziehen. Er fühlt sich nicht ernst genommen, die drei Männer vertrösten ihn immer wieder, und anstelle einen Vorschlag zu machen, wie aus einem jetzigen 'Nein' vielleicht ein 'Ja' werden könnte, geben sie ihm unmissverständlich zu verstehen, dass er nie eine Chance bekommen wird auch nur für einen Song die Leadgitarre zu übernehmen, geschweige denn Kellan am Mikrofon zu ersetzen. Wieso also soll er nicht genau die Erwartungen erfüllen, die ihm alle zuschreiben? Griffin ist ohne Frage ein schwieriger Mensch mit falschen Erwartungshaltungen, dem die Achtung vor der Kunst der Musik fehlt, doch hätte man hier nicht einen Versuch unternehmen können, dass er die Chance hat, sich zu beweisen und zu zeigen, dass er sich ändern kann? Eine Frage die ich im Nachhinein mit 'Nein' beantworten würde, denn auch hier hätte er die Augen vor der Realität verschlossen und durch falsche Erwartungen geblendet, nicht die Erkenntnis gewonnen, die ihm so dringend fehlt.

>>Können wir das später besprechen? Ich bin völlig fertig.<< Ich ließ die Tür offen, damit er gehen konnte, aber er ging nicht. Stattdessen verschränkte er die Arme und bildete ein Spiegelbild meiner wütenden Frau. Sturer Bock.

Bereits vier Bände haben mir immer wieder vor Augen geführt, wie oberflächlich Griffin doch ist und das er ein Mann ist, der noch nicht gelernt hat, was Verantwortungsbewusstsein bedeutet. Hier haben wir jedoch erstmals die Möglichkeit in seinen Kopf zu schauen und bald bekommen wir auf vielfältige Seite vor Augen geführt, warum er ist, wie er ist. In zahlreichen Situationen überschätzt sich der Gute über alle Maßen, an anderen Stellen hingegen nagen Selbstzweifel, die er mit seinem Verhalten zu kompensieren versucht. Zu seiner Familie wahrt er Distanz und ein Lob von ihnen, ersetzt diese durch Gefühle, mit denen er so nichts anzufangen weiß. Sein Stolz verbietet es ihm, zurück zu blicken, ebenso wie er von jetzt auf gleich alle Brücken einreißt. Lediglich bei seinen Kindern zeigt er eine Seite an sich, die voller Fürsorge und Mitgefühl ist. Bis auf Anna bleibt diese Seite jedoch allen anderen verborgen und dementsprechend verbinden die D-Bags, als auch ihre Freundinnen, eher ausschließlich Negatives mit ihm.

Sie würden mir die Flügel stutzen, dabei wollte ich unbedingt fliegen.

Wie groß die Folgen unseres Handelns sind, hätte Griffin wohl nicht vermutet. Egozentrik, Dickköpfigkeit und Gleichgültigkeit machen ihn zu keinem einfachen Artgenossen, dessen Verhalten auch auf seine Kinder abfärbt, praktisch eine Miniaturausgabe von ihm, die ungewollt in seine Fußstapfen treten, wie Gibby beweist. Anna hingegen habe ich sehr bewundert. Sie ist eine Frau, wie Mann sie sich nur wünschen kann. Aufgeschlossen, experimentierfreudig und nachgiebig. Sie glaubt an Griffins Talent und ist bereit ihn in jeglicher Hinsicht zu unterstützen. Sie sind ein Team, welches Absprachen trifft und nachgeben, wenn der andere gewonnen hat. Eine Regel, die sie zu einem unschlagbaren Team macht, bis Grif eben dieses Vertrauen missbraucht. So unvernünftig ich sein Verhalten auch finde, wirklich böse sein konnte ich ihm nicht. Er handelt durch falsche Maßstäbe geleitet, aus Angst andere zu enttäuschen, weil er glaubt, dass nur Erfolg und Geld ihn für Anna zu einem interessanten Mann machen. Er versucht alles wieder gerade zu biegen, doch im Gegenteil, er macht alles nur sehr viel schlimmer.

>>Du nimmst deinen Stolz, an dem du mit aller Macht festhältst und schiebst ihn in ein dunkles Loch. Du zeigst ihnen etwas Echtes. Sei menschlich. Sei fehlbar. Sei anpassungsfähig. Sei demütig.<<

Manchmal muss man erst etwas verlieren, um zu begreifen, wie wichtig es einem war. Griffin erkennt erst, dass er all das, was er haben wollte mit Kellan, Evan, Matt und Anna schon längst erreicht und durch seine Waghalsigkeit alles verloren hat. Schafft er es, das Vertrauen aller zurück zu gewinnen, auch das seiner Fans? Am Ende wird klar: Die D-Bags sind - wie sie einst waren - Geschichte.


Charaktere:

Annas Zuversicht und Vertrauen in Griffin scheint unerschöpflich. Sie kämpft immer an seiner Seite und folgt ihm sogar nach L.A., obwohl sie in Seattle ihre Heimat gefunden hat. Ihr Vertrauen wird missbraucht, ihre Hoffnungen und ihr Glaube hingegen leben weiter. Ist sie stark genug zu warten, bis auch Griffin den Mut aufbringt, einen neuen Weg einzuschlagen?

Griffin scheut Verantwortung und lacht Vorschriften ins Gesicht. Er sieht ausschließlich die positiven Seiten des Rockstar-Dasein ohne zu realisieren, dass viel mehr dahinter steckt als Noten auf einem Instrument zu spielen. Arbeit und Fleiß sind Fremdwörter für ihn, ebenso wie der Respekt gegenüber dem gemeinsam erzielten Erfolg. Er reißt alle Brücken ein, steigt bei den D-Bags aus und erkennt erst viel zu spät seine Niederlage. Doch auch hier steht ihm sein Stolz im Weg. Seine Ehe hängt am seidenen Faden, ebenso wie der Fortbestand der D-Bags selbst.


Schreibstil:

Mit dem fünften Band der D-Bags liefert uns S.C. Stephens eine geballte Portion Testosteron, die gar nicht so leicht zu verdauen ist.

Mit der Familie Hancock erleben wir einen bunten Haufen, der keinen Zweifel an der Blutsverwandtschaft lässt. Sie sind allesamt stolze und egoistische Geschöpfe, die hinter ihrer Fassade einen liebenswerten Kern verstecken. Das Wir-Gefühl scheint hier anfänglich gar nicht so raus, viel mehr wirkt es, als würde jeder hier sein eigenes Ding machen, die ebenso wie Griffin eine beträchtliche Wandlung vollzieht, so erkennt man schließlich auch im Zusammenhalt der Familie eine rührende Wendung.

Bei dem Spruch "Leichte Schläge auf den Hinterkopf, erhöhen das Denkvermögen" habe ich mir für Griffin schon eher einen Presslufthammer gewünscht. So viel geballte Selbstverliebtheit ist ganz schön anstrengend. Oftmals habe ich aufgestöhnt und die Augen verdreht und dennoch hat es die Autorin geschafft, diesen Charakter mit Wärme und ja, sogar Sympathie zu füllen. Griffin ist sich seiner Fehler durchaus bewusst. Er liebt Anna aufrichtig und hasst es sie anzulügen, doch macht er das nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Angst sie zu enttäuschen. Ein Blick den er schon von zu vielen Menschen ertragen musste, die ihm etwas bedeuten und diesen Ausdruck möchte er nicht bei der Mutter seiner Kinder sehen. Das macht seine Fehler bestimmt nicht wieder gut, aber zu wissen, welche Motive hinter seinen stecken, die auf seine Weise eine tiefe Liebe verspüren lassen, erfüllen diese Situationen gleichzeitig mit Gefühl und Wehmut.

Ebenso Griffins Konflikt wurde hier sehr schön herausgearbeitet, er wünscht sich nichts sehnlicher als Annas Unterstützung, weiß aber auch, dass er diese nicht hundertprozentig haben kann, da sie oftmals nur die halbe Wahrheit kennt. Er hat sich von Anna als Team losgesagt und ihr nicht mehr das Gefühl gegeben, dass er sie braucht und dennoch hat sie ihm immer zur Seite gestanden und ihn aufgemuntert, als sie selbst jemanden an ihrer Seite gebraucht hätte. Die Nächstenliebe und das Vertrauen, die sie ausstrahlt, sind von so viel Wärme umgeben, dass man als Leser ebenso wie Griffin, mit seinem schlechten Gewissen leidet.

Griffins Tochter Gibby ist ein trotziger Sonnenschein, der uns nicht nur den ersten Blick hinter Griffins coole Fassade geboten hat, sondern ihm zum Schluss nochmal einen wichtigen Denkanstoß liefert.

Ebenso wie Grif lernen auch wir als Leser mit der Geschichte, dass Erfolg nicht nur von einem selbst, sondern auch von anderen abhängt. Es ist eine Teamleistung, in der jeder seine Funktion hat. Niemand erwartet Perfektion, Menschen machen Fehler, doch diese zu erkennen und trotzdem weiter zu machen, dass beweist Mut und Engagement. 

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abbi glines, under the lights, piper, liebe, familie

Under the Lights – Gunner und Willa

Abbi Glines , Heidi Lichtblau
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.02.2017
ISBN 9783492309684
Genre: Liebesromane

Rezension:

Meinung:

Gunner und Willa verbindet eine tiefe Freundschaft, die seit Kindertagen besteht und nie an Intensität verloren hat. Schon damals wurde ihnen schmerzvoll bewusst, wie es sich anfühlt, abgelehnt zu werden. Sie haben einander den Halt gegeben, um den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren, bis Willa die Stadt verließ und beide falsche Wege eingeschlagen haben. Dieser folgeschwere Fehler führt Willa Jahre später zurück in die Kleinstadt, in der ihr einmal mehr vor Augen geführt wird, dass sich äußere Einflüsse und unsere Entscheidungen auf die Menschen auswirken. So ist auch Gunner nicht mehr der Junge, den sie damals zurückgelassen hat.

Seit jenem folgeschweren Abend war die Flucht in die Bücherwelt die einzige Erleichterung in meinem Leben.

Gunner liebt nur sich, eine Liebe, auf die er sich verlassen kann, ohne das Risiko einzugehen, verletzt zu werden. Seine Überlebensstrategie ist es, alles für sich zu behalten, zumal sich keiner in seine Lage hineinversetzen kann. Als Willa wieder zu einem Teil seines Lebens wird, erhält er auch ein Stück Unbeschwertheit zurück, ebenso wie sich Gefühle einschleichen, die er sich niemals zugestehen wollte. Seine Entwicklung zu beobachten hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, auch wenn diese Wandlung größtenteils durch seine Gedanken verdeutlicht wird. Allerdings merkt man auch, dass ihm hier die Erfahrung im Umgang mit diesen fehlt, denn ebenso wie er verletzt wurde, nutzt er unbedacht und von Hass geblendet, Willas Gefühle gegen sie, sodass auch sie erneut vor den Kopf gestoßen wird.

Meine Mutter wäre nach so einer Bemerkung ausgerastet und hätte herumgebrüllt. Nonna aber seufzte nur ergeben und schüttelte den Kopf. >>Immer so unverblümt und auf den Punkt<<, murmelte sie.

Willa hat einen Schutzwall um sich errichtet, den keiner so richtig zu deuten weiß. Im Gegensatz zu den anderen Mädchen in der Highschool, macht sie einen vollkommen unverfälschten Eindruck und strahlt damit eine Natürlichkeit nach außen, die sämtliche Aufmerksamkeit auf sie zieht. Aufmerksamkeit, die sie gar nicht haben möchte, da sie selber erst einmal die vergangenen Monate verarbeiten muss. Was mich bei ihr wirklich beeindruckt hat, ist, dass sie trotz des Wissens um die Folgen ihrer Handlungen, immer zu ihren Freunden steht und diese niemals im Stich lässt.

>>[...] Du willst dich an sie erinnern, also tu's. Sprich über sie, erzähl mir alles. Ich bin da. Aber leb dein Leben nicht ohne Hoffnung auf Glück. Das wäre ihrer Erinnerung gegenüber nicht fair.<< Ich drehte mich zu ihm um. Waren diese Worte wirklich gerade aus Gunner Lawtons Mund gekommen? Wohin war der lebenslustige Playboy verschwunden? Ich wusste, er hatte mehr Tiefgang, als er der Welt zeigte, aber darauf war ich nicht vorbereitet.

Gunner und Willa sind in gewisser Weise Menschen, die den Glauben an sich und ihre Stärken verloren haben, weil diejenigen, die für sie Dasein und ihnen Halt schenken sollten, auf schlimmste Weise versagt haben. Dies ist jedoch auch der Grund, warum beide so wichtig füreinander sind, da sie sich gegenseitig auffangen und sich in ihren Gegenüber hineinversetzen können.


Manchmal wird die Rache, die wir suchen, unseren Erwartungen nicht gerecht. Sondern tut uns nur weh.

Gunner hat mir furchtbar leidgetan, denn nicht nur, dass seine Eltern ihn mit Gleichgültigkeit strafen und sie seinen Bruder Rhett, ihm offenkundig vorziehen, sein ganzes Leben entpuppt sich darüber hinaus als Lüge und selbst bei den "Begünstigungen" die Gunner durch seinen Großvater erfährt, habe ich mich gefragt, ob diese wirklich aus Liebe oder aus reiner Berechnung auf ihn übertragen wurden. Der Hass einer ganzen Familie richtet sich gegen denjenigen, den überhaupt keine Schuld an den Vorkommnissen trifft, weshalb ich unter anderem ebenfalls nicht verstehe, wieso man aus reiner Macht- und Geldgier ein derart falsches Spiel spielen kann, sodass einem jungen Menschen die wertvollsten Gefühle im Leben - Liebe, Zuversicht, Hoffnung und Geborgenheit - verborgen bleiben? Als ihm durch Willa eben diese zu teil werden, tritt er sie mit Füßen und das nicht einmal böswillig, denn er weiß gar nicht damit umzugehen. Für beide eine schwierige Situation, die eine lange Freundschaft zu brechen droht.

Im Leben trifft man auf Hindernisse, die man überwinden muss. Wenn man genügend Glück hat, findet man jemanden, der auch für dich kämpft.

Bestätigung zu erfahren, ist das, was jeden von uns stärkt. Zu wissen, dass wir Menschen an unserer Seite haben, die an uns glauben und uns vertrauen. Doch was passiert, wenn man vollkommen auf sich alleine gestellt ist? Der Weg von Gunner und Willa ist steinig und hält einige Hürden bereit, an denen sie scheitern werden, doch wer aus seinen Fehlern lernt, hat die Chance einen Weg aus den Schatten ins Licht zu finden.



Charaktere:

Willa versucht ihren Fehler wieder gut zu machen, auch wenn sie weiß, dass die Vergangenheit unumkehrbar ist. Um wenigstens ihre Nonna mit Stolz zu erfüllen, versucht sie allen Erwartungen gerecht zu werden. Sie ist in sich gekehrt, wirkt verunsichert und schüchtern. Gunner gegenüber zeigt sie eine ganz andere Seite von sich, losgelöst und fröhlich. Er ist in der Lage, ihre Gefühle nachzuvollziehen, weshalb auch sie bereit ist, ihre eigens gesteckten Grenzen zu überschreiten. Doch auch Nonnas Grenzen verschwimmen hier und ehe sie sich versieht, scheint der Neuanfang, auf den sie so viel Hoffnung gesetzt hat, ein jähes Ende zu finden.

Gunners Familie fehlt jegliches Feingefühl. Schon als kleiner Junge hat er erfahren müssen, dass er auf dem Anwesen nur geduldet und nicht erwünscht ist. Diese Abneigung liegt in einem Familiengeheimnis begründet, welches spektakuläre Ausmaße annimmt.


Schreibstil:

Abbi Glines präsentiert uns mit Gunner und Willa zwei Charaktere, die augenscheinlich dasselbe durchmachen, dabei liegt der Unterschied im Detail. Wir erleben hier unterschiedliche Methoden mit etwas fertig zu werden, sei es indem man einen Schutzwall errichtet, der das Herz vor weiteren Schmerz schützen soll oder indem man sich das eigen Glück verwehrt, weil andere keine Chance mehr dazu haben werden, ihr eigenes zu leben. Die Entwicklung dieser Prozesse geht mit jeder Menge Gefühl einher, dabei beschränkt sich die Autorin in diesem Band auf den Austausch kleinerer Zärtlichkeiten und fällt nicht in das Muster, dass die Liebe hier exzessiv ausgelebt wird. Gerade der Verzicht auf sexuelle Handlungen in dem Sinne, hat die gefühlvolle Seite, sowie deren Bedeutsamkeit, hier nochmal um einiges hervorgehoben.

Ohne die Möglichkeit von Bradys Perspektive, hätte dieser wahrscheinlich eher oberflächlich gewirkt, dabei ist er ein wirklich sehr guter Freund. Brady ist ein junger Mann, der von seinen Eltern geliebt und behütet wird, im Gegensatz zu Gunner. Doch andersherum besitzt er Schwächen, die Gunner als Stärke hat. Aus Angst jemanden zu verletzen, spielt Brady ein Spiel, dass umso schmerzlicher wird, je länger er das unausweichliche hinauszögert, während Gunner keinerlei Versprechungen macht und von vorneherein klar stellt, wie viel eine Frau von ihm zu erwarten hat.

Die Familie Lawton hat mich wirklich sprachlos zurück gelassen. Hass und Intrigen haben diese Familie schon vor Jahren zerrüttet und mit Gunner hat man hier anscheinend einen Mittelpunkt gefunden, auf den diese angestaute Wut und Enttäuschung übertragen wird. Lediglich einem Menschen hat Gunner in seiner Familie vertraut und auch dieser hat durch falsche Erwartungen verursacht, letztendlich ein falsches Spiel gespielt.

Eine fesselnde Geschichte, die mich mit ihren Wendungen oft überrascht hat. Sprachlich und mit der bekannten Liebe zum Detail, hat mich Abbi Glines wieder in eine neue Welt entführt. Lediglich der Abschluss des Bandes, hat dem Buch einen leichten Dämpfer verliehen, denn obwohl die Reihe noch nicht beendet ist, fehlt dem zweiten Band in meinen Augen in mehrfacher Hinsicht ein richtiger Abschluss, sowohl für unsere Protagonisten, als auch für Brady, Riley deren damalige Geschichte in Verbindung mit den nun gelüfteten Geheimnissen jede Menge Fragen aufwirft, sowie Rhett und Ivy. Etwas, was man meiner Meinung nach hier noch ein Stück weiter hätte führen müssen oder zumindest eine Andeutung hinterlassen, dass wir auf die offenen Fragen noch Antworten erhalten werden.

Nichts desto trotz bin ich gespannt wie es weiter geht, ebenso wie ich neugierig bin, ob meine Vermutungen der Wahrheit entsprechen. 

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liebe, gewalt, biker, mord, motorrad

Lawless

T. M. Frazier
E-Buch Text
Erschienen bei Lyx.digital, 02.02.2017
ISBN 9783736304390
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Meinung:

Verantwortung bedeutet, nicht wegzurennen. Thia wurde schon früh mit einer Aufgabe betraut, die für einen Teenager eine viel zu große Last war, insbesondere deshalb, weil sie vollkommen alleine damit fertig werden musste. Um die Plantage der Familie über Wasser zu halten, opfert sie ihr Leben den Verpflichtungen, doch letzten Endes war dies von Anfang an ein verlorenes Spiel. Für Thia war diese Entwicklung ein Armutszeugnis, mit den Konsequenzen, dass sie die Flucht ergreift und zu Kurzschlussreaktionen neigt.

Zugegebenermaßen, hätte ich zumindest in der ersten Szene die ihr gesamtes Weltbild nochmal auf den Kopf stellt, mir ebenfalls nicht anders zu helfen gewusst. Zu ihren Eltern selber, kann ich leider gar nicht viel sagen. Einerseits kann ich verstehen, dass bestimmte Verluste einen für immer verändern können, weshalb ich auch Verständnis für den "Geisteszustand" ihrer Mutter habe, doch hätte man den Verlauf über die Jahre nicht doch irgendwie beeinflussen können? Andererseits hingegen frage ich mich jedoch auch, wie jemand so zur Selbstaufgabe neigt, dass er in all seinem Kummer vergisst, dass da zumindest noch eine Person ist, die sie nun, mehr denn je, braucht?

>>[...] Ich bin ein Problem für ihn, keine Lösung.<<

Bear und King sind Freunde, die bedingungslos füreinander kämpfen und ihr Leben ohne zu zögern für den anderen geben würden. Nach Ellis Angriff vor einiger Zeit, ist von dem alten Bear hingegen nicht mehr viel zu erkennen. Alkohol und Frauen sind sein neuer Lebensinhalt, bis er unfreiwillig aus seiner Lethargie gerissen und mit all dem konfrontiert wird, was ihn damals zur Flucht angetrieben hat. Thia ist eine Last für ihn, die seine Erinnerungen wieder aufleben lassen. Darüber hinaus vergisst er jedoch, dass auch sie einer Folter ausgesetzt wurde, die sie gebrochen hat. Fürsorge und der Wunsch alles zu vergessen, konkurrieren in ihm und die leidtragende ist die damals 10-jährige, die sich wie eine Ertrinkende an sein Geschenk geklammert hat. Sie verletzen einander, ebenso wie sie gleichzeitig die Wunden des anderen heilen lassen.

>>Wenn du mit dem Teufel im Clinch liegst, musst du schon mal einen Dämon anrufen<<

Die Beach Bastards sinnen nach Rache und nehmen Bear in den Fokus, Thia hingegen kämpft mit dem Gesetz. Beide haben eindeutig einen Hang dazu, sich immer weiter in eine unausweichliche Lage zu manövrieren, bei dem man sich letzten Endes fragt: Wer ist Freund und wer ist Feind?

>>Haben Sie einen Berechtigungsschein für das Tragen versteckter Waffen?<< >>Sehe ich so aus, als würde ich irgendwas verstecken, Arschloch?<<<, zischte Bear.

Als Kopf des MCs ist Chops Wort Gesetz. Ein Vater, der seinen eigenen Sohn bluten sehen will und der kein Mittel scheut, diesen Plan umzusetzen. Dabei ist es ihm auch völlig egal, das Thia für Bear damals nur ein Mittel zum Zweck war. Wenige, aber dennoch relevante Rückblicke, haben uns einen Einblick in die Kindheit von Bear ermöglicht, die schon damals von Gewalt geprägt war, ebenso wie der vergebliche Kampf seiner Mutter, ihn von diesem Kreis fernzuhalten und einen hohen Preis dafür zahlen musste.

Im Glauben, alles verloren zu haben, was Bear wichtig war hat er sich selbst aufgegeben. Mit Thia flammen seine Lebensgeister mit neuer Kraft auf, doch sie reichen bei Weitem noch nicht aus, um jede Hürde meistern zu können. Bear nimmt Thia ein Versprechen ab, ein kleiner Satz, der so viel Schmerz offenbart, doch schon der äußere Anschein einer Situation verleitet Ti dazu, mit diesem Versprechen zu brechen, während sich Bear nur aufgrund diesem über Wasser halten kann.


Charaktere:

Thia ist eine der wenigen Menschen, die Bear wahres Ich kennt. Sie möchte ihn, weil er ist, wie er ist und nicht obwohl er so ist. Sie ähneln einander in vielerlei Hinsicht. Während er als Club-Mitglied der Beach Bastards keine Ahnung hatte, was er tat, war sie nur ein Mädchen, das nicht wusste, was sie mit ihren Gefühlen anfangen sollte.

Bear ist ungehobelt, grob und wütend. Doch so war er nicht immer. Nachdem Elli ihn gefoltert hat, ist er zum Schatten seiner selbst geworden. Das Feuer in seinen Augen ist erloschen und Alkohol sein neuer bester Freund, welcher ihm Flucht durch vergessen ermöglicht. Dass ihm die damalige Leichtgläubigkeit eines Kindes wieder zu neuem Lebensmut verhelfen würde, hätte er niemals vermutet.


Schreibstil:

T. M. Frazier hat mich bereits in den ersten beiden Bänden der "KING"-Reihe mit zahlreichen und spannenden Wendepunkten in Atem gehalten. Menschen, die als Familie füreinander einstehen und andere, die Fehler und jahrelange Ignoranz erkennen und diese Erkenntnis mit dem größtmöglichen Beweis verdeutlichen.

Ich fand es traurig zu sehen, wie sich ein Mann, der immer eine dicke Lippe riskiert und King bewusst provoziert hat, durch Ellis Übergriff aufgegeben hat. Die Verknüpfung der Autorin zu Thia - damals wie heute - war sein Rettungsanker, wie man rückblickend erkennt. Es ist einfach Versprechungen zu machen, doch diese zu halten ist nochmal ein ganz anderes Thema. Der Übermut eines 21-jährigen hat Ti in eine Falle gelockt und das Versprechen, was vor Jahren nur Schein war, macht er nun wahr.

Thia und Bear wecken Erinnerungen ineinander, die schmerzlich sind, doch gerade dieser Tatbestand gibt ihnen auch das Gefühl, verstanden zu werden, da sie einen Schmerz empfinden, denn man nur lindern kann, wenn der gegenüber eben solche Erfahrungen durchlebt hat. T. M. Frazier baut hier einerseits einen starken Kontrast zwischen den Protagonisten auf und lässt diese Mauer auf der anderen Seite gleich wieder in sich zusammenstürzen.

Mit ihren "versteckten Botschaften" haucht die Autorin dieser gewaltgeprägten Welt jede Menge Feingefühl ein. Sei es durch Preppy, der sein Herz auf der Zunge trägt, seine Freunde auch über den Tod hinaus noch begleitet und nicht davor scheut seinen Freunden ihr Verhalten unverblümt vor Augen zu führen, auch King und Ray spielen hier wieder eine präsente Rolle. Die ersten beiden Bände haben bereits gezeigt, dass aus einem launischen King ein Familienvater geworden ist, dessen Priorität vollkommen auf seiner Familie liegt. Eine Veränderung die keine Schwäche ist, sondern von Stärke überzeugt. Ebenso wie die Message die man hier zwischen den Zeilen herausliest, dass Familie nicht Blutsverwandtschaft meint. Familie ist ein miteinander, sich für jemanden einzusetzen, den man liebt, egal, wie schlecht die Karten stehen und wie viel man selber dabei riskiert.

Was hier auch sehr schön zur Geltung kommt, ist, dass Ray King akzeptiert, wie er ist. Sie liebt ihn, hat Angst ihre große Liebe verlieren zu können und dennoch weiß sie, dass sie ihn niemals aufhalten könnte, an der Seite seiner Freunde und damit gleichsam seiner Familie zu kämpfen. Wer glaubt, dass eine derbe Ausdrucksweise und emotionale Höhepunkte nicht miteinander vereinbar sind, kann sich hier eines Besseren belehren lassen ;)

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