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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Glister

John Burnside , Bernhard Robben
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin, 13.08.2018
ISBN 9783328102618
Genre: Romane

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(37)

77 Bibliotheken, 5 Leser, 3 Gruppen, 34 Rezensionen

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Der Platz an der Sonne

Christian Torkler
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 02.09.2018
ISBN 9783608962901
Genre: Romane

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(68)

115 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 62 Rezensionen

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Ein Winter in Paris

Jean-Philippe Blondel , Anne Braun
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 24.09.2018
ISBN 9783552063778
Genre: Romane

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(163)

264 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 123 Rezensionen

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Die Geschichte des Wassers

Maja Lunde , Ursel Allenstein
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 19.03.2018
ISBN 9783442757749
Genre: Romane

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(66)

92 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 62 Rezensionen

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Manhattan Beach

Jennifer Egan , Henning Ahrens
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 29.08.2018
ISBN 9783103973587
Genre: Romane

Rezension:

Der Bleigürtel wiegt schlappe 48 Kilo, die Stahlschuhe 18 Kilo und der Messinghelm knappe 30 Kilogramm. Ein Jahr nach Pearl Harbour  ist Tauchen ist nur etwas für harte Jungs, die so stark sind, dass sie den schweren Anzug inklusive Zubehör tragen können, ohne in Ohnmacht zu fallen. Für Anna, die selbstbewusste Hauptfigur in Jennifer Egans neuestem Roman Manhattan Beach, sieht so ihr Berufsziel aus. Sie arbeitet schon in einer Marinewerft und will noch hoch, bzw. eher tief hinaus. Sie möchte Taucher*in werden und bei der Marine Karriere machen. Während sich die meisten Kerle über sie lustig machen, zieht Anna ihren Plan durch. Schon auf der Werft hatte sie bessere Chancen als zuvor: viele Männer sind im Krieg und Arbeiter*innen werden gebraucht. Zuhause ist es nicht einfach. Annas Vater ist spurlos verschwunden und hat  ihre Mutter mit Annas schwerbehinderten Schwester sitzen lassen. Anna muss zum Familieneinkommen beitragen. Als sie in einem Nachtclub den aufsteigenden Star der New Yorker Unterwelt, Dexter Styles, kennen lernt, bahnt sich eine unheilvolle Romanze an. Dexter kann sich nicht an Anna erinnern, aber sie weiß sofort, wer er ist. Als kleines Mädchen nahm ihr Vater sie mit zu einem Treffen mit Dexter. Ging es um illegale Geschäfte, mit denen sich der charismatische Mafiosi sein Einkommen sichert? Anna versucht nicht nur ihren Traum von der Unterwasserwelt zu verfolgen, sondern nimmt sich ebenfalls vor, alles über die Verbindungen von Dexter und ihrem Vater herauszufinden. Fast 500 Seiten lang fragt man sich: ist Dexter etwa der Mörder von Annas Vater oder hat ihr Vater eben doch seine Familie im Stich gelassen?

Jennifer Egan hat mit Manhattan Beach einen vielschichtigen Roman geschrieben, der sich ziemlich leicht lesen lässt und überraschend atmosphärisch daher kommt. 

Zugegeben, der Stoff der ganzen Geschichte hätte wahrscheinlich für mehr als einen Roman gereicht. Auf der einen Seite, nimmt Egan die Leser*innen mit in die Welt der Gangster und halbseidenen Clubbetreiber*innen der 1940er Jahre in New York, erzählt nebenbei noch eine Familiengeschichte über das Leben mit einem Kind/Geschwisterkind mit Handicap in einer dezidiert nichtinklusiven Gesellschaft, hat das große Thema Tiefseetauchen aufgemacht, berichtet Details aus dem Leben von Annas Vater Eddie (inklusive Schiffbruch - ohne Tiger), der unter anderem politisch aktiver Gewerkschaftler war und verhandelt natürlich noch eine Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau in einer von Männern dominierten Arbeitswelt. Ach so - ein bisschen Liebe und viel Erotik zwischen Dexter und Anna darf natürlich auch nicht fehlen. Das sind eigentlich sehr viele Geschichten für gerade einmal 500 Seiten und nicht alle sind gleich stark, obwohl Egan ein in seinen Ambivalenzen und Fehlern durchaus glaubwürdiges und sehr sympathisches Figurenensemble aufs Papier zaubert. 

Bekannt geworden ist Jennifer Egan mit ihrem Roman Der größere Teil der Welt, eine Hommage an die sich wandelnde Musikindustrie, dafür gab es 2011 den Pulitzer-Preis. Auch für Manhattan Beach hat die Autorin eine Menge recherchiert, wie ein Interview, das dem Text vorangestellt ist, zeigt. Fast zehn Jahre lang, sammelte sie Material über New York während des Zweiten Weltkriegs und die Ausbildung der Tiefseetaucher, auch wenn es in den 1940er Jahren noch keine Taucherinnen gab. Das ist eine ziemliche Leistung, hat aber vielleicht auch dafür gesorgt, dass die Geschichte nicht an allen Stellen so rund ist, wie ich es mir gewünscht hätte.

Waren der Schiffbruch von Eddie und Annas erster Tauchgang meine Lieblingsszenen des Romans, wirken viele Passagen, in denen Annas Schwester eine wichtige Rolle spielt, eher wie klischeehaftes "Füllmaterial" für ein ohnehin schon thematisch sehr ambitioniertes Buch.  Überhaupt verstehe ich nicht, warum Annas Schwester eine überirdische, aber eben leider schwerbehinderte Schönheit sein muss. Damit es noch tragischer wird, dass Annas Vater die Familie verlassen hat? Damit ihr Tod eine erwartbare Komponente der Geschichte werden kann? Damit ihre Mutter als Figur innerhalb der Geschichte noch mehr leiden muss und Anna einen weiteren Grund hat, ihren Traum vom Tauchen zu verfolgen, weil ihre Mutter ihr als abschreckendes Beispiel im Nacken sitzt?  Ich weiß es nicht genau. Es hätte der Überzeugungskraft des Romans aber sicherlich keinen Abbruch getan, eine starke Frauenfigur zu entwerfen, die ausnahmsweise mal ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter hat.

Auch sprachlich konnte mich Egan nicht immer überzeugen. Über Dexter heißt es an einer Stelle, es öffne sich „in seinem Inneren langsam ein dunkler Regenschirm der Sorge“.  Da ist, nicht nur beim Tauchen, noch deutlich Luft nach oben... 

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22 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

Das Weiße Schloss

Christian Dittloff
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 01.08.2018
ISBN 9783827013859
Genre: Romane

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114 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

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Mit der Faust in die Welt schlagen

Lukas Rietzschel
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 07.09.2018
ISBN 9783550050664
Genre: Romane

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20 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

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Das Leben des Vernon Subutex 1

Virginie Despentes , Claudia Steinitz
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2018
ISBN 9783462052077
Genre: Romane

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(26)

40 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

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Summer

Monica Sabolo , Christian Kolb
Fester Einband: 253 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 13.08.2018
ISBN 9783458177654
Genre: Romane

Rezension:

Ein Mädchen verschwindet. Ihr Bruder sucht noch Jahre später nach Antworten. Nur mit Hilfe eines Therapeuten kann er sich der Frage danach stellen, was damals geschehen ist. Seine Erinnerung ist lückenhaft und das bereitet ihm große Sorgen. Hat er etwa selbst etwas mit dem Verschwinden seiner Schwester zu tun?

Benjamin Wassner ist auf der Sonnenseite des Lebens geboren. Seine Familie ist reich und gehört zur Genfer Upperclass, er geht auf eine Privatschule, sein Vater ist ein bekannter Richter. Seine Schwester Summer ist bei allen beliebt und wunderschön. So erinnert sich ihr Bruder an sie. Als sie verschwindet, zerbricht die Familie. Jahre später versucht Benjamin herauszufinden, was wirklich damals geschehen ist. Die Leser_innen folgen Benjamins unzuverlässigen Gedankengängen und Erinnerungsfetzen, die stets um den Genfer See kreisen. Ist seine Schwester hier ertrunken? Wurde sie entführt?

Benjamin weiß es nicht und die Erinnerungen an seine Schwester quälen ihn noch Jahre später. Sein Vater ist ein herrischer Typ, seine Mutter auch nicht gerade emotional sehr stabil. War Benjamins Familie schon immer so kaputt oder hat Summers Verschwinden erst ihre gesamte Dysfunktionalität hervorgebracht? Benjamin weiß es nicht, als Summer verschwunden ist, war er noch ein Kind.

Sie war mit ihren Freundinnen unterwegs, gemeinsam waren sie im Wald. Nicht nur an dieser Stelle erinnert die Erzählung in ihrer düsteren Verspieltheit an Die Selbstmord-Schwestern von Jeffrey Eugenides. 



„Coco stellte sich an einen Baum und fing an, laut zu zählen. An diesem Tag konnte er Summer nicht mehr wiederfinden: Als mein Vater später mit einer Stimme, in der eine Mischung aus Wut und Leid lag, meinte, ich solle ihm ‚die Stelle‘ zeigen, habe ich sie nicht wiedergefunden, es war, als hätte sich die Natur verwandelt, wie ein Tier, das sich im Schlaf umgedreht hat.“

Seitdem quälen Benjamin Erinnerungen an die Vergangenheit. Benjamin hat viele Therapien hinter sich und bisher konnte ihm niemand helfen, mit dem Verlust seiner Schwester umzugehen. Bilder seiner toten Schwester im See tauchen auf. Aber was hat wirklich gesehen und was hat er sich vielleicht nur dazu fantasiert? Benjamin muss sich einer dunklen Wahrheit stellen, die tief in seiner Psyche verborgen ist. 


 Der Roman ist ein absoluter Pageturner und je mehr man in die Geschichten und Geheimnisse von Benjamins Familie und seiner Vergangenheit vordringt, desto spannender wird das Buch. Faszinierend geschrieben. 

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73 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 18 Rezensionen

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Sechs Koffer

Maxim Biller
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.08.2018
ISBN 9783462050868
Genre: Romane

Rezension:  
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(74)

132 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

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Uns gehört die Nacht

Jardine Libaire , Sophie Zeitz
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 25.07.2018
ISBN 9783257300727
Genre: Liebesromane

Rezension:

Eine junge Frau sitzt in einem Hotelzimmer. In der Hand hält sie ein Gewehr und zielt damit auf ihren Freund. Aber wie konnte es soweit kommen? Diese aufwühlende Szene steht am Anfang einer ganz besonderen Liebesgeschichte.

New Haven 1986. Elise, eine junge Frau aus eher schwierigen Verhältnissen, zieht in ein heruntergekommenes Haus. Im Haus gegenüber ist eine Studenten-WG. Jamey,  einer der Nachbarn, Yale-Student und Sprössling einer Familie von Investmentbankern, und Elise beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die bald zu mehr wird, als beide zu Anfang gedacht hätten. Jamey verliebt sich Hals über Kopf in Elise. 

"Jamey bewunderte die Sternschnuppen ihres Geists, die pudrige Galaxie ihrer Gedanken. Elises Intelligenz ist anders sortiert als seine. Sie liest nie mehr als ein paar Seiten eines Buchs, aber sie liebt es, darüber zu reden, was sie gelesen hat. Sie denkt in wilden Gärten, während er seine Gedanken am Spalier zieht, an einem Gerüst aus Einführung, These, Argumentation und Schluss."(S.205)

Elise und Jamey könnten unterschiedlicher nicht sein. Elise Perez, Halb-Puertoricanerin, kennt ihren Vater nicht und wuchs mit ihrer Mutter und ihren jüngeren Geschwistern zwischen Drogenabhängigen und Kleinkriminellen auf. Der Partner ihrer Mutter war gewalttätig, mit ein Grund, warum Elise von Zuhause abgehauen ist. Sie hat keinen Schulabschluss und jobbt ohne große berufliche Ambitionen zu hegen, in einem Geschäft für Kleintiere. Aber ihr gesellschaftlicher Status, ihre fehlende Bildung und ihre gesamte Lebensart, die sie so von Jamey unterscheidet, sind ihm egal. Er lädt sie nach New York ein, und was als Zeitvertreib beginnt, wird zu einer Liebesbeziehung, die er einerseits genießt, aber andererseits gegenüber seinen Freunden und seiner Familie verleugnet.

Es geht also nicht nur um Liebe und Sex und die Erfüllung, die beide gefunden zu haben scheinen. Es geht auch um Macht, Einfluss und Klassenzugehörigkeit. Denn dieses Versteckspiel kann nicht lange gut gehen und bald  wird Jamey von seiner Familie gezwungen, eine Entscheidung treffen, die sein zukünftiges Leben maßgeblich beeinflussen wird. Entweder, er entscheidet sich für die Annehmlichkeiten, die seine privilegierte Herkunft bietet, für ererbtes Geld, für gute Kontakte, für eine standesgemäße Partnerin und beendet seine Beziehung zu Elise. Oder er entscheidet sich für seine Freundin und damit für den gesellschaftlichen Abstieg. Kann Jamey sich von seiner Familie lösen und mit Elise einen Neuanfang wagen?

"Vielleicht sind Jamey und Elise ihr eigenes Volk, vielleicht gehören sie zu niemandem sonst, zu nichts Größerem als zueinander. Können wir so leben? Darüber denkt Elise nach, als sie sich müde die schwarzen Turnschuhe aufschnürt an deren Sohlen Gold klebt." (S.329)

Jamey weiß nie, woran er bei Elise ist und ist häufig verunsichert, durch ihre impulsive Art. Außerdem weiß er, dass niemand aus seiner Familie und erst recht nicht seine Freunde, Verständnis dafür aufbringen, dass er mit Elise zusammen ist. Und manchmal kann er nicht genau sagen, ob sie ihn ausnutzt oder nicht. Elise ist eine sehr starke Persönlichkeit, aber sie war noch nie mit einem Menschen wie Jamey zusammen. Sie weiß nicht, wie sie sich seinen Freunden gegenüber verhalten soll und sie hat große Angst davor, dass Jamey sie irgendwann auf die Straße setzt, weil er genug von ihr hat. Denn sie hat das Gefühl, dass jemand wie er, jede haben könnte. Die alte Geschichte, dass hier zwei Menschen aus sehr verschiedenen Welten aufeinander treffen - man könnte sich an Pretty Woman erinnert fühlen - wird von Jardine Libaire sehr glaubwürdig und mit großem Feingefühl erzählt. 

Uns gehört die Nacht ist der sechste Roman der texanischen Autorin und überzeugt durch eine grandios beobachteten Beschreibung der Gefühlswelt der beiden Hauptfiguren, ihren Zweifeln, ihren Ängsten und gleichzeitig ihrer großen Liebe zueinander. Trotzdem kann man als Leser_in nicht die Anfangsszene vergessen und wartet deshalb auf den Bruch, auf das Chaos, auf den Streit, der diese Katastrophe ausgelöst hat.  Jardine Libaire wartet mit so vielen unerwarteten Wendungen auf, dass ich den Roman kaum aus der Hand legen konnte. Ein absolut fesselnder und intensiver Roman, den ich in wenigen Tagen gelesen habe. Ganz große Leseempfehlung. 

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(55)

71 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

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Die Gesichter

Tom Rachman , Bernhard Robben
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 31.08.2018
ISBN 9783423289696
Genre: Romane

Rezension:

"Er verstummt, sein Blick wandert zwischen ihr und der Leinwand hin und her, er fängt Wesentliches ein und hört doch kein Wort." (S. 23) 

Bear Bavinsky ist ein Ausnahmekünstler. Seine Werke sind expressiv, schillernd, besonders. Wenn er nicht zufrieden ist, verbrennt er seine Kunstwerke und beginnt von vorne. Aber nicht nur in seiner Kunst ist er so radikal. Sein Sohn Pinch lebt im Schatten des Vaters, genau wie seine Mutter Natalie, die mit ihren eigenen Werken nie so erfolgreich sein wird, wie ihr Mann. Pinch versucht in Bears Leben eine Rolle zu spielen, dem Vater nachzueifern. Schon früh beginnt er selbst zu Malen, versteckt aber seine Werke. Als er glaubt, dass die Zeit reif ist, präsentiert er seinem Vater stolz seine ersten Gemälde. Mit einem Satz zerschmettert Bear alle Träume und Hoffnungen des Jungen. Auch Jahre später kann sich Pinch nicht von diesem Schlag erholen. 

Obwohl Bear immer eine Schwäche für schöne Frauen hatte und auch gerne Vater war, war er es immer so lange gerne, bis die Situation kompliziert wurde. Und eine spannendere und interessantere Frau auf ihn wartete. Pinch bleibt, trotz des Malfiaskos, das Lieblingskind des Vaters, in der Gruppe seiner zahlreichen Halbgeschwister ist er immer noch derjenige, der vom Vater auserkoren wurde, später einmal den Nachlass zu verwalten. In Bears Logik ist Pinch der einzige, der das kann. Vielleicht, weil er ihn nie offen kritisiert hat. Vielleicht, weil er nach wie vor, die schwierige Beziehung zu seinem Vater nicht aufgegeben hat. 

Allerdings hat Pinch selbst alle Träume in der Kunstwelt etwas zu werden, aufgegeben. Er ist Dozent für Italienisch an einer mittelklassigen Sprachschule und schlägt sich so durch. Als Bear Bavinsky stirbt, hat Pinch endlich die Möglichkeit aus dem Schatten des Vaters zu treten, wenn auch anders, als erwartet... 

Tom Rachman schreibt eine Geschichte über eine Vater-Sohn-Beziehung, die es in sich hat. Die komplexe Beziehung der beiden wird psychologisch sehr feinsinnig ausgelotet. Man kann förmlich spüren, was für ein unglaublicher Charakter Bear ist.Erst nach langer Zeit kann Pinch sich von seinem Vater emanzipieren, der doch in erster Linie, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen ging, nur Schutt und Asche hinterlassen hat. Es ist spannend, wie Rachman diesen Künstlertypen beschreibt. Bear Bavinsky ist ein Ausnahmetalent, aber menschlich und als Vater ein Totalversager. Der Konflikt mit dem Vater trägt den ganzen Text und bestimmt Pinchs Leben, der immer nach der Anerkennung seines Vaters strebt. Das sind Elemente, mit denen sich wahrscheinlich jede_r Leser_in sehr gut identifizieren kann. Das macht den Roman so fantastisch zu lesen. Die Lösung die Pinch findet, setzt der Geschichte die Krone auf. Grandios!

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197 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 91 Rezensionen

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Olga

Bernhard Schlink
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 12.01.2018
ISBN 9783257070156
Genre: Romane

Rezension:

Olga ist ein Mädchen, das aus armen Verhältnissen stammt, keine Probleme macht und relativ schlau ist. Während die anderen Kinder spielen, steht sie lieber am Rand und schaut zu. Ihre Eltern sterben früh am Fleckfieber, sie wird von der Großmutter in einem pommerschen Dorf aufgezogen, einer strengen Frau. Olga lernt fleißig, damit sie selbst einmal Lehrerin werden kann. Und dann kommt Herbert, der sich in Olga verliebt und gleichzeitig auch Deutschland zu neuem Ruhm verhelfen möchte.


"Aber sie gehörte nicht wirklich dazu. Sie sehnte sich nach anderen, die ebenfalls nicht dazugehörten. Bis sie einen fand. Auch er war anders. Von Anfang an." (S.12) 

Der Roman gliedert sich in drei Teile, der letzte Teil besteht aus Briefen, die von Olga verfasst wurden. Ihre Mutter war Polin, ihr Vater Deutscher, sie selbst kommt 1893 in Breslau zur Welt. Nachdem sie bei der Großmutter landet, flieht sie nach Heidelberg, dort stirbt sie Anfang der 1970er Jahre. "Olga" ist nicht nur die fiktive Biografie einer ungewöhnlichen Frau, sondern auch eine Liebesgeschichte und auch ein Stück erzählte Zeitgeschichte. Bismark, Kolonialismus, zwei Weltkriege - Olga erlebt alles mit und hat schon früh eine große Sorge, wenn es um die deutsche Neigung geht, immer alles "zu groß" zu wollen. Und auch Herbert verfällt dieser Idee.

Spannend sind die wechselnden Erzählperspektiven. Das ist vielleicht auch der spannendste Moment dieses Romans. 

Der erste Teil des Romans ist aus auktorialer Sicht geschrieben. Er umfasst die Zeit in Breslau bis nach Heidelberg. Der zweite Teil wird aus Ich-Perspektive erzählt. Erzähler ist ein Pfarrerssohn. Olga arbeitet für seine Familie als Näherin und zu dem jungen Ferdinand entwickelt sich ein besonders Verhältnis. Anders als im Vorleser wird die Beziehung zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann hier aber nicht erotisch aufgeladen. Sie ist trotzdem etwas ganz besonderes:

"Sie war alt. Aber das Verständnis, das ich bei ihr fand, neugierig und nachsichtig, und ihre Liebe, die sich an mir freute, mich aber nicht brauchte und nicht forderte - es hatte das noch bei den Großeltern gegeben, gab es aber sonst bei niemandem, nicht bei den Eltern, nicht beim Freund, nicht bei der Geliebten. Ich verlor etwas, das ich nie mehr finden würde . (S.159)

Der dritte Teil besteht aus Briefen, die lange nach dem Tod der Verfasserin wiederauftauchen und die zurückführen in die gemeinsame Zeit mit Herbert. Herbert ist der Sohn eines wohlhabenden Gutsbesitzers, den die Lust nach Abenteuern in fremde Länder aufbrechen lässt. Die Briefe erreichen Herbert nicht, er wird nie zurückkommen, denn er hat beschlossen, "ein Übermensch zu werden und Deutschland groß zu machen". 


Durch die Briefe klären sich viele Andeutungen aus den ersten beiden Teile auf. Das ist gut, ziemlich auf den Punkt und sehr schnörkellos erzählt.  

Man kann den Roman sehr gut lesen, keine Frage. Die Kapitel sind so kurz, dass man sich nicht verlieren kann, die Briefe ebenfalls. Trotz der gelungenen Konstruktion ist das erzählerisch leider kein all zu großer Wurf. Obwohl ich so viele Seiten über Olga lese, wirkt sie auf mich sehr eindimensional. Bei einer so überragenden Lebensgeschichte ziemlich schade. 

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(92)

137 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 79 Rezensionen

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Das weibliche Prinzip

Meg Wolitzer , Henning Ahrens
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 24.07.2018
ISBN 9783832198985
Genre: Romane

Rezension:

Greer Kadetzky ist eine talentierte junge Frau, die eigentlich auf ein Ivy-League-College gehört hätte. Dass alles anders kommt als geplant, liegt vor allen Dingen an ihren Hippie-Eltern, die neben dem täglichen Graskonsum leider nicht dazu kommen, fristgerecht ein Studiendarlehen für ihre Tochter zu beantragen. Sie begnügt sich mit dem mittelklassigen College vor Ort und wohnt zuhause, mit ihrem Freund Cory führt sie fortan eine Fernbeziehung. Auf einer Party wird Greer von einem Typen bedrängt. Sie ist nicht die einzige. Als sie sich mit den anderen Opfern der Belästigungen zusammenschließt und gegen ihn aussagt, passiert  - nichts.

Die bekannte Femistin, Aktivistin und Herausgeberin einer Zeitschrift, Faith Frank, hält an Greers College einen Vortrag. Faith ist mutig, stellt die richtigen Fragen und kann das Publikum begeistern. Auch wenn sie keinen genauen Plan mehr von den aktuellen Problemen hat, die ihr Publikum der unter 30-jährigen betrifft (Befristungen, unsichere Jobperspektiven, Backlash, you name it), ist die 60-jährige ein gern gesehener Gast.  Greer ist hingerissen. Während der Podiumsdiskussion stellt Greer, Faith eine entscheidende Frage: Was kann konkret gegen Belästigungen unternommen werden und wie können sich Frauen überhaupt in einer männerdominierten Welt durchsetzen. Eigentlich wäre es die Frage von Zee gewesen, Greers besten Freundin, die sich schon seit Jahren in feministischen Kontexten bewegt. Aber Greer ist schneller oder das Schicksal will es eben so.

Es ist ein Zufall, dass sich Faith nach langer Zeit wieder an Greer erinnert und ihr eine Stelle in einer neugegründeten Stiftung für Frauenrechte anbietet. Das ist für Greer, die Faith heiß und innig verehrt, wie ein Ritterschlag. Einen anderen Job hätte sie ohnehin nicht bekommen, zu schreiben wäre die einzige Möglichkeit. 

Greer stellte sich inzwischen vor, Schriftstellerin zu werden. Sie malte sich aus, Essays und Artikel, irgendwann vielleicht sogar Bücher mit feministischem Schwerpunkt zu chreiben, obwohl sie anfangs sicher am späten Abend würde schreiben müssen. Sie bräuchte ein Einkommen, mit dem sie das Schreiben finanzieren konnte. Sie wollte kein Leben wie ihre Eltern führen. Aber wenn sie einen richtigen Job hätte, also nicht in Armut abrutschen würde, könnte sie versuchen, in ihrer freien Zeit zu schreiben, und vielleicht hätte sie ja ein Quäntchen Glück. (S.90)

Greer beginnt in der Stiftung, auch wenn die Bezahlung noch zu wünschen übrig lässt. Während sie sich mit großem Engagement auf ihre erste feste Stelle in New York stürzt, wird Cory als Wirtschaftsberater nach Manila geschickt. Nicht nur die Beziehung von Greer und Cory bröckelt, Greer hat sich auch den Einstieg in die Arbeitswelt etwas anders vorgestellt.

Genau wie in ihrem Roman Die Interessanten, schafft es Wolitzer ohne Abstriche, sehr komplexe Figuren zu entwerfen, deren Lebenswege sich zwar rund lesen, aber doch eher gemütlich durch das Buch plätschern. Während Faith und Greer, zwei ambitionierte Frauen aus verschiedenen Generationen, versuchen, dem großen Ziel der Gleichberechtigung ein Stückchen näher zu kommen, sorgt bald individuelles Machtstreben danach, dass von Solidarität und einer großen gemeinsamen Sache, wenig übrig bleibt. Auf dem Weg zu mehr Einfluss und mehr Macht gehen Faith und Greer Kompromisse ein und entfernen sich massiv von ihren Idealen. Die Start-Up-Mentalität der Stiftung, hat einen Konformitätszwang zur Folge, in dem sogar das Privatleben auf die Bedürfnisse von der großen Faith abgestimmt werden. Greer gibt alles und noch mehr für einen Job, in dem sie letztlich ausgebeutet wird. Das geht sogar soweit, dass die Vegetarierin Greer vorgibt, Fleisch zu mögen - nur um der Chefin zu gefallen, die die Kolleginnen der Stiftung zu einem Grillabend eingeladen hat.  Aber auch Faith kann nicht so selbstbestimmt handeln, wie sie es sich vielleicht gewünscht hat, damals, als es noch Ideale gab. Ihre Stiftung wird am Ende eine Mogelpackung, die das Charitybedürfnis der reichen, weißen Oberschicht bedient. Und auch Cory hat es nicht leicht. Dem strahlenden Absolventen fällt die Realität auf die Füße, als er sich mit einer sehr schwierigen Entscheidung konfrontiert sieht.

Meg Wolitzer hat schon in ihrem Essay "The second shelf" feministische Themen aufgegriffen, hier war es die Diskriminerung schreibender Frauen auf dem Literaturmarkt. Trotzdem bleibt Das weibliche Prinzip an vielen Stellen sehr vage. An keiner Stelle war ich davon ausgegangen, einen Kommentar zu #metoo zu erwarten. Der Text entzieht sich solchen Kategorisierungen, weil er selbst das Ausnahmetalent Cory mit einem schwierigen Schicksalsschlag versieht, der ihn automatisch in die Rolle des Kümmerers drängt - und damit nicht mehr attraktiv für die Damenwelt macht. Jede noch so kleine Figur wird ausführlich mit ihren Fehlern und Schwächen dargestellt. Das war bei den Interessanten ein großer Pluspunkt, hier wird es mir manchmal ein wenig zu viel. Trotzdem habe ich den Roman sehr gerne gelesen, denn durch jede Zeile schimmert das Talent der Autorin, gesellschaftliche Strömungen der Zeit  in eine Geschichte zu gießen, die sich leicht lesen lässt. Ein #aufschrei ist dieser Text allerdings nicht.

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(2)

12 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

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Magnet

Lars Saabye Christensen , Christel Hildebrandt
Fester Einband: 780 Seiten
Erschienen bei btb, 12.03.2018
ISBN 9783442756995
Genre: Romane

Rezension:

"Jokum spürte, wie etwas an ihm zerrte, an dem Magneten, die Kindheit war im Norden, die Zukunft im Süden, und er stand direkt dazwischen, wie er es immer getan hatte, zwischen dem, was gewesen war, und dem, was noch sein würde." 

Manche Fotografen werden durch Porträtaufnahmen berühmt. Jokum Jokumsen hingegen, war schon immer von den Dingen fasziniert. Als Archivar des Alltäglichen fotografiert er vergessene Alltagsgegenstände, die sonst niemanden interessieren. Sie sind der Schlüssel zu seinem Erfolg und führen ihn bis in die USA.  

Lars Saabye Christensen erzählt auf knapp 950 Seiten die Geschichte von Jokum Jokumsen, der schon immer einen etwas anderen Blick auf die Welt hatte. Mit seinen knapp 2 Metern ist er eine Ausnahmeerscheinung, schon im Studentenwohnheim in Oslo in den 1970er Jahren wunderte man sich über den großen Literaturwissenschaftsstudenten und Jazzliebhaber. Jokum ist heimlich in seine Mitbewohnerin Synne Sager verliebt, die Kunstgeschichte studiert und sich für Stillleben interessiert. Als Synnes Hamster Hubert stirbt, ist Jokum zur rechten Zeit am rechten Ort. Auf einem Leonard Cohen Konzert kommen sich die beiden näher. Synne schenkt Jokum eine Leica und bald darauf, sieht man den großen Mann nur noch mit einer Kamera in der Hand, den Blick auf den Boden gesenkt.

Die Beziehung der beiden ist nicht einfach. Jokum ist eher Jazz, Synne eher Stilleben. Vielleicht auch andersherum. Und das fängt schon bei den Elternhäusern an. Kommt Jokum aus einer intakten Familie, die sich sehr für sein Leben interessiert, ist Synne in einem reichen, aber ziemlich kaputten Elternhaus aufgewachsen. Vielleicht ist sie deswegen so kompliziert. Als Jokum erste Erfolge hat, entscheidet Synne ihre Doktorarbeit in Kunstgeschichte in San Francisco fortzuführen - sie kann promovieren und Jokum kann sich seiner Kunst widmen. Doch bald dreht sich das Blatt: Synne gibt ihre Doktorarbeit auf und wird Jokums Kuratorin. So entscheidet sie maßgeblich mit, wenn es um die Ausrichtung seiner Werke geht. Jokum ist diese Aufteilung nur recht, häufig wirkt er nur mäßig alltagskompetent, sodass Synnne wahrscheinlich den Eindruck gewinnt, sie müsste sich um vieles kümmern. Und der Plan geht auf: bald schon kann Jokum seine Werke im Museum of Modern Art New York präsentieren. Jokums persönliches Erfolgsgeheimnis ist ein Magnet, den ihm sein Vater geschenkt hat und der immer wieder eine Rolle spielt. Gleichzeitig ist es vor allen Dingen Synne, die den Kurs bei den Fotografien vorgibt, während Jokum seine Rolle als Künstler etwas anders sieht. Wie damals in Oslo ist er der Ansicht, dass die Bilder zu ihm kommen und dass er Dinge findet, nicht für einen Aha-Effekt arrangiert. Synne sieht das etwas anders. Alle Stilleben, die sie untersucht hat, sind letztlich perfekt arrangiert.   

„Es müsste eine Probezeit geben für alle, die sich verändern wollten. Man sollte eine Frist bekommen, den Entschluss wieder rückgängig machen zu dürfen, wenn es einem nicht gefiel, wie man geworden war.“

Während sich Synne und Jokum beruflich immer klarer als Künstlerpaar etablieren, bleiben Schattenseiten in der Beziehung nicht aus. Das ist zum einen, die Beziehung zu den Eltern, die sich bei Synne als sehr schwierig gestaltet, zum anderen auch der Versuch des Paares, selbst Eltern zu werden. Immer wieder wechseln sich lustige Szenen und tolle Dialoge mit vielen melancholischen Passagen ab, in denen Jokum für sich ausloten muss, was ein gelungenes Leben eigentlich bedeutet.

Erzählt wird die Geschichte von einem ehemaligen Mitbewohner von Jokum und Synne aus der Osloer WG. Auch die anderen ehemaligen Mitbewohner tauchen immer wieder auf. Der überzeugte Kommunist Bengt wird später zum Unternehmensberater und der Liedermacher Arve, auf den Jokum eine ganze Zeit sehr eifersüchtig ist, schreibt ein One-Hit-Wonder und wird danach vergessen. Die Erzählung springt durch verschiedene Zeiten und von Oslo nach San Francisco und zum Aufenthaltsort des Erzählers, der sich in einer Art Wohngruppe für psychisch Kranke befindet. Das kann anfänglich etwas verwirrend sein, sorgt aber dafür, dass die Geschichte einen unglaublichen Sog entwickelt. Denn der ehemalige Mitbewohner schreibt selbst an einem Buch. Es heißt "Magnet" und es geht um die Beziehung von Jokum Jokumsen und Synne Sager. 

Magnet ist ein Roman, den ich kaum aus den Händen legen konnte. Der Roman ist witzig, melancholisch und genial konstruiert (allein die Szene mit Hubert, dem Hamster und dem sich daran anschließende Kapitel sind schon eine Sache für sich). Außerdem gelingen Christensen immer wieder wunderschöne Metaphern, die Jokums und Synnes Entwicklung als Künstler*innen und als Paar einfangen. Neben sehr realistischen und immer wieder auf die zeitliche Verortung der Handlung verweisenden Passagen (das Leonard Cohen-Konzert, Jokum darf ein Foto für das neue Album von Tom Waits beisteuern usw.), gibt es gerade am Anfang auch Szenen, die in einer Art Zwischenwelt spielen, die ich gar nicht genau festlegen kann. Jokum schreibt seine letzte Klausur über Kafkas Prozess. Und auf einmal begegnen ihm auch in seinem alltäglichen Leben die Menschen aus der Erzählung. Genialer kann man kaum schreiben. 

Magnet ist ein Buch, das mich absolut begeistert hat und dem ich sehr viele Leser*innen wünsche.

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Bleib bei mir

Ayobami Adebayo , Maria Hummitzsch
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2018
ISBN 9783492058902
Genre: Romane

Rezension:

Wenn die Last zu groß ist, zu groß über eine zu lange Zeit, knickt selbst die Liebe ein, bekommt Risse, droht zu zerbrechen und zerbricht manchmal. Aber auch wenn sie in tausend Scherben verstreut um unsere Füße liegt, ist es noch immer Liebe. (S.23)

Yejide verkündet ihrem Mann Akin, dass sie beide Eltern werden. Sie ist sich sicher, dass sie dieses Mal eine Tochter bekommen. Auf dem „Berg der Wunder“ hat Yejide an einer rituellen Zeremonie teilgenommen und lässt sich fast ein ganzes Jahr nicht von ihrer Vorstellung einer Schwangerschaft abbringen, auch als Akin sie zu mehreren Ärzten bringt. Die Episode hat tragischkomische Elemente, aber der Auslöser für Yejides psychischen Zusammenbruch liegt in ihrem Umfeld.

Der Druck ein Kind zu bekommen, lastet schwer auf dem Paar. Im Nigeria der 1980er Jahre, sind es nicht nur zwei Menschen, die mit der Kinderlosigkeit klar kommen müssen. Die gesamte Familie mischt sich ein. So entscheidet Akins Mutter nach mehreren kinderlosen Jahren des Paares, dass endlich etwas passieren muss. Sie organisiert eine Zweitfrau für ihren Sohn. Obwohl Akin und Yejide sich gegen das traditionelle Modell der Polygamie aussprechen, können sie sich nicht gegen die Entscheidung des Familienrats durchsetzen. Yejide und Akin haben studiert, Yejide steht sogar durch einen Friseursalon finanziell auf eigenen Beinen und trotzdem müssen sie sich den Vorstellungen der anderen fügen. Yejide hofft, dass sie vielleicht doch noch schwanger wird und so die Zweitfrau Funmi wieder loswird.

Der Roman beginnt damit, dass Yejide die Zweitfrau auf einer Familienzusammenkunft präsentiert wird. Große Zeitsprünge bis ins Jahr 2008 und die wechselnde Erzählperspektive zwischen Akin und Yejide sorgen dafür, dass die Handlung an keiner Stelle langweilig wird. Mit einem guten Gefühl für Spannung und Timing beschreibt die Debütautorin Ayòbámi Adébáyo ein komplexes Ehedrama, in dem es um Verrat, Lügen und Hoffnung geht. Zudem wird die Ehe von Akin und Yejide durch ein weiteres Problem belastet: die erblich bedingte Sichelkrankheit, die häufig tödlich endet.

Besonders gut gefällt mir, wie geschickt der unterschiedliche Umgang der Protagonist*innen mit den zahlreichen Schicksalsschlägen (und das muss man als Leser*in aushalten) ausgelotet wird. Nebenbei erfährt man einiges über die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen Nigerias, die gekonnt in den Text eingestreut werden. Ambivalente Charaktere sorgen für eine unvorhersehbare Entwicklung der Geschichte, die ich innerhalb weniger Tage gelesen habe. Angenehm kitschfrei und gleichzeitig sehr berührend, erzählt Adébáyo eine tragische Geschichte über Liebe, Verrat und Schicksal.

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Waking Gods

Sylvain Neuvel
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Michael Joseph, 06.04.2017
ISBN 9780718181703
Genre: Science-Fiction

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Untenrum frei

Margarete Stokowski
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.04.2018
ISBN 9783499631863
Genre: Sachbücher

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Educated: A Memoir

Tara Westover
Fester Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Random House, 20.02.2018
ISBN 9780399590504
Genre: Sonstiges

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I Saw a Man

Owen Sheers , Thomas Mohr
Fester Einband: 299 Seiten
Erschienen bei DVA, 22.02.2016
ISBN 9783421046697
Genre: Romane

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lustig

Der Zwerg reinigt den Kittel

Anita Augustin
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 02.12.2013
ISBN 9783548285788
Genre: Romane

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Justizpalast

Petra Morsbach
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin, 08.10.2018
ISBN 9783328103790
Genre: Romane

Rezension:

Das ist also unsere Gerechtigkeitsfabrik. Am Ende hoher, höhlenartiger Zimmer sitzen Richter wie Grottenolme auf Papierbergen, jeder für sich. Nach drei Wochen Aktenwühlerei fragte Thirza Frau Meindl nach den offenen Verfahren der beiden Kollegen und erhielt die Antwort: hundertdreißig und hundertfünfundvierzig.

(S. 101)

 Thirza Zorniger hat es nicht leicht und hatte es nie leicht. Ihr Vater, ein erfolgreicher Schauspieler, hat die Familie verlassen. Die kleine Thirza kommt zu ihrem Großvater und zwei Tanten nach München Passig. Hauptsache, sie funktioniert und macht keine großen Schwierigkeiten. Bei ihrem Großvater findet sie zwar stabile Verhältnisse, aber auch eine klare Vorstellung davon, wie das Leben zu sein hat. Als Thirza, genau wie der Großvater, Juristin werden möchte, bricht dieser in Gelächter aus. Ihr Großvater kann sich nicht vorstellen, dass Thirza in dieser Männerwelt bestehen kann. Die unaufgearbeitete Rolle des Großvaters während des Nationalsozialismus, schwebt wie ein dunkler Schatten über der Geschichte.

Thirza kämpft und will allen das Gegenteil beweisen. Sie beißt sich durch ihr Studium und gibt nicht auf, bis sie selbst eine Robe tragen darf. Sie wird Staatsanwältin, Richterin am Amtsgericht, dann am Landgericht, zum Schluss Vorsitzende einer Zivilkammer. Der Erfolg fällt Thirza nicht in den Schoss, sie gibt alles dafür. Allein, ihr Privatleben bleibt dabei auf der Strecke. Thirza ist auch in ihrer Freizeit eher Grottenolm. Sie fährt alleine in den Urlaub und manchmal geht sie sogar während ihres Urlaubs ins Gericht, so sieht Arbeitshaltung aus. Freunde hat sie kaum, diejenigen, die sie hat, sind ebenfalls Juristen. Thirza glaubt lange Zeit, dass diese Einsamkeit zu ihrem Leben dazu gehört. Der Justizpalast in München ist ihre Wirkungsstätte, die Fälle, mit denen sie zu tun hat, wirken mitunter erschreckend dröge und sehr echt.

Kein Wunder, denn Petra Morsbach hat mit über 50 Jurist*innen gesprochen und so Einblicke in den Arbeitsalltag am Gericht erhalten. Der Aktenstau, die offenen Verfahren, das Gefühl, den Geschädigten häufig nicht einmal Recht zuteil werden zu lassen - diese Aspekte des Richterberufs erfasst Morsbach klar und unglaublich präzise. Die kauzigen, arroganten, weisen und zum Teil überraschend leidenschaftlichen Jurist*innen, denen Thirza begegnet, haben eins gemeinsam: ihr Zuhause ist der Justizpalast. Thirza, ein funktionierendes Rädchen im Getriebe, gibt ihr Bestes und doch ist das häufig nicht genug. Mindestens 100 Fälle aus Thirzas Alltag werden den Leser*innen auf den knapp 500 Seiten präsentiert. Die steinreiche Millionenerbin, die um ein paar tausend Euro vor Gericht kämpft, ist genau so teil dieser illustren Sammlung von Fällen wie die Nachbarn, die sich darüber in die Haare kriegen, dass die Bäume ein paar Zentimeter gekürzt werden sollen. Das ist mal traurig, mal skurril (eine Frau verliert ihren Mann durch einen Wal, nun ja, solche Dinge passieren), manchmal eben auch etwas trocken zu lesen.

Startet Thirza noch voller Elan und Idealismus in ihre Karriere, wird ihr spätestens als Richterin klar, dass erfolgreiche Strafprozesse nach vier goldenen Regeln ablaufen. Erstens, Vergleiche sind das A und O, zweitens, am besten niemand klagt, drittens, wird ein Urteil aufgehoben, hat irgendeine richterliche Instanz versagt, weil das Urteil nicht hieb-und stichfest begründet wurde und viertens, Recht und Gerechtigkeit sind zwei Paar Schuhe. Das Privatleben steht in starkem Kontrast zu dieser Welt der Akten und nicht immer gerechten Urteile. Nach einigen gescheiterten Versuchen findet Thirza mit Max dann doch das große Glück - wenn auch nicht für die Ewigkeit.

Morsbach hat einen herrlichen selbstironischen Stil, den man leicht überlesen kann. Thirza sagt zum Beispiel, sie als Hauptfigur, dürfe jetzt ohne Weiteres das Thema wechseln. Und als Thirza einmal ein Buch in die Hand nimmt, legt sie es mit den Worten: "Morsbach, keine Ahnung, was daran komisch sein soll" wieder weg.

Hat man den Roman gelesen, hat man auch als juristischer Laie das Gefühl, irgendwie ein bisschen mehr verstanden zu haben. Davon wie Gesetze und das Justizsystem funktionieren und leider auch davon, wie Richter*innen, Sachbearbeiter*innen und alle Beamt*innen des Justizapparates leicht von dieser großen Aufgabe zerrieben werden können. Denn da Recht und Gerechtigkeit nicht immer zusammen fallen, kann es häufig nur eine Annäherung an ein vermeintlich gerechtes Urteil geben. Gerade deshalb ließ mich der Roman zum Ende hin, sehr melancholisch werden.  Misst sich das Können eines Richters an seinen gnadenlosen Urteilen, seinem Einfühlungsvermögen oder seinem Bearbeitungseifer, wenn es um offene Verfahren geht? Was bleibt von einem immer korrekt geführten Leben im Dienst einer großen Sache?

Für Justizpalast hat Morsbach den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2017 erhalten.

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Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

Carol Rifka Brunt , Frauke Brodd
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 23.02.2018
ISBN 9783961610075
Genre: Romane

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Eine Liebe, in Gedanken

Kristine Bilkau
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 12.03.2018
ISBN 9783630875187
Genre: Romane

Rezension:

 Selten hat mich ein Buch so bewegt, wie der neue Roman von Kristine Bilkau. Das Thema ist alles andere als leicht: nach dem Tod der eigenen Mutter räumt die Erzählerin die Wohnung aus und findet alte Liebesbriefe. Sie entdeckt, dass ihre Mutter einen Liebhaber gehabt hat und beginnt alte Tagebücher zu lesen, in denen ihre Mutter Antonia sich in Edgar verliebt. Die größte Liebe ihres Lebens. "Toni" ist verträumt, erwartet viel vom Leben, wünscht sich, nach Paris zu gehen und lernt Edgar kennen, der ihr diese Wünsche erfüllen kann. In einer Zeit, als junge Singlefrauen noch argwöhnisch von Vermieterinnen beäugt wurden und Antonia beim Frauenarzt vergeblich darum bittet, die Pille verschrieben zu bekommen (erst ab 30 und für verheiratete Frauen), findet die Liebe der beiden in Gedanken und Briefen statt und wird irgendwann doch sehr körperlich. Toni entscheidet sich gegen das Kind und Edgar bekommt ein Jobangebot in Hongkong. Toni träumt vom Auswandern, aber Edgar wird sie nie ins Ausland nachholen. Und dann ist diese große Liebe auch schon wieder vorbei.Die Ich-Erzählerin begibt sich auf die Suche nach Edgar. Sie hat so viele Fragen.

Kristine Bilkau gelingt es meisterhaft ein Porträt einer Zeit zu zeichnen, in der zwar die moralische Strenge der 1950er gelockert wird, aber die sexuelle Befreiung der Frau noch lange nicht erreicht ist. Toni scheitert nicht nur an ihren großen Wünschen, sondern letztlich auch an gesellschaftlichen Erwartungen und man wird das Gefühl nicht los, dass sie ihrer Zeit weit voraus war. Umso erschreckender, welche Vorstellungen eines gelungenen Lebens noch bis vor einigen Jahren herrschten und wie vielen Erwartungen man, gerade als Frau, zu entsprechen hatte.

Die Ich-Erzählerin arrangiert ein Treffen mit Edgar und kann dabei den Gedanken nicht abschütteln, dass dieser Mensch unter anderen Umständen ihr Vater geworden wäre. Wie anders hätte ihre Familie sein können? Mich haben viele Überlegungen unglaublich getroffen, als ich dieses schmale Buch innerhalb weniger Tage gelesen habe. Und während die junge Toni so voller Träume und Hoffnungen ist, ist es umso tragischer zu lesen, dass sich die wenigsten Dinge erfüllen werden, die sie sich im Leben wünscht. 

Bilkau erzählt nicht nur eine Geschichte über eine unglückliche Liebe, sondern auch über eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, deren Intensität und Tiefe sich erst nach und nach entfaltet und die mich tief berührt hat. Erst nach dem Tod ihrer Mutter, gelingt es ihrer Tochter sie außerhalb ihres Familiengefüges als eigenen, ganz besonderen Menschen zu sehen, der sich sein Leben ganz anders vorgestellt hat. Auch viele Jahre nach dem Ende der Beziehung fährt Toni heimlich zum Haus von Edgars Eltern um zu sehen, ob er zu Besuch ist. Sie kann ihn nicht vergessen, wird nie sesshaft, führt ein chaotisches Leben. Ihre Tochter hat ihr dieses Chaos nie verzeihen können, aber versteht auch erst mit dem Tod der Mutter, dass sie die Chance vertan hat, nachzufragen, wie es wirklich damals gewesen ist. Und das hat mich sehr nachdenklich werden lassen. 

 
       

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familie, flucht, freundschaft, fukushima, hoffnung, japan, katastrophe, leben nach der kathastrophe, liebe, manga, radioaktivität, reaktorunfall, reiko momochi, schule, strahlung

Daisy aus Fukushima

Reiko Momochi , Teruhiro Kobayashi , Darai Kusanagi , Tomoji Nobuta
Flexibler Einband: 340 Seiten
Erschienen bei Egmont Manga, 04.02.2016
ISBN 9783770491629
Genre: Comics

Rezension:

Wahrscheinlich erinnert sich jede_r an das Reaktorunglück in Japan 2011. In der Folge nahm Deutschland den Ausstieg aus dem Ausstieg wieder zurück und für eine kurze Zeit waren die Gefahren von atomarer Stromgewinnung wieder in aller Munde. Nach der ersten Sensationslust und der Erleichterung darüber, dass Japan doch sehr weit weg ist, verschwand das Thema wieder von der Bildfläche. Aber die Menschen in Fukushima leben mit den Folgen des Unglücks - jeden Tag.

In dem Manga von Reiko Momochi werden die Folgen des Unglücks sehr authentisch und schockierend realitätsnah erzählt. Fumi und ihre Freundinnen sind normale Teenager. Sie denken an den Schulabschluss, machen Pläne für die Zukunft und machen Musik in einer Band. Bis die Katastrophe passiert und sich ihr Leben von einem auf den anderen Tag ändert. Die Mädchenclique erlebt die Zeit als chaotisch und unbeständig: soll man die Heimat verlassen, weil es nicht mehr sicher ist? Nicht alle haben die finanziellen Möglichkeiten dazu und Strahlung ist unsichtbar. Kinder dürfen nicht mehr draußen spielen, Bauern verlieren ihre Ernte. Suizide, weil die Menschen ihr seit Jahren beackertes Land nicht verlassen wollen, gehören auch zum Alltag. Und dabei sprechen wir von den Menschen, die nicht unmittelbar durch die Folgen des Tsunamis gestorben sind und zu den Überlebenden gehören, die scheinbar noch Glück gehabt haben.

Gleichzeitig gibt es zwar Aufbauhilfen, aber die Menschen aus Fukushima werden kritisch beäugt. Ein junger Mann löst eine Verlobung mit einer Freundin von Fumi, weil seine Familie nicht will, dass er mit einer verstrahlten Frau zusammen ist.

Mich hat der Manga, der sehr schön gezeichnet ist, gefallen. Auch wenn viele stark patriotische Untertöne immer wieder auftauchen, die aber auch nur dazu dienen, das Erlebte zu kompensieren. Ich finde es gut, dass so ein wichtiges Thema als Manga aufgegriffen wird, ein Teil des Erlöses wird einer Hilfsinitiative gespendet. Toll. 

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