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312 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

liebe, krebs, bipolare störung, schwangerschaft, tod

Tanz auf Glas

Ka Hancock , Katharina Volk
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 14.01.2015
ISBN 9783426512814
Genre: Romane

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 13 Rezensionen

irland, finanzkrise, roman

Die Gesichter der Wahrheit

Donal Ryan , Anna-Nina Kroll
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.09.2016
ISBN 9783257069631
Genre: Romane

Rezension:

Bis 2007 wuchs der "keltische Tiger" jedes Jahr. Doch die Finanzkrise traf Irland ziemlich hart. In Donal Ryans Debütroman kommen 21 Menschen zu Wort, die mit der großen Politik eigentlich wenig am Hut haben. Sie beschreiben ihre Hoffnungen, Wünsche, Träume in diesen schwierigen Zeiten der Krise - und am Ende geht es um Entführung und Mord.

Pokey Burke ist für alles verantwortlich. Der ehemalige Chef der örtlichen Baufirma hat sich einfach aus dem Staub gemacht und die Bewohner seines Heimatortes mit unfertigen Häusern und unbezahlten Gehältern zurückgelassen. Die Stimmung kocht schnell hoch in dieser kleinen Stadt und jeder der Akteurinnen hat eine etwas andere Sicht der Dinge. Doch dabei bleibt es nicht. Der drohende soziale Abstieg schlägt in Angst um und in Hoffnungslosigkeit.

"Ich habe gestern den ganzen Tag darüber nachgedacht, meinen Vater umzubringen. Es gibt Mittel und Wege, einen Mann umzubringen, ohne dass es nach Mord aussieht, besonders einen alten, gebrechlichen. Es wäre sowieso kein Mord, ich würde der Natur nur ein bisschen auf die Sprünge helfen. Es ist die pure Bosheit, die ihn am Leben hält." (S.14)

Da gibt es Bobby, der jeden Tag seinen alkoholabhängigen Vater besucht, nur um zu sehen, ob dieser noch lebt. Es gibt Bobbys Frau Triona, der alle irgendwann die Schuld geben. Und es gibt Frank, Bobbys Vater, der am Ende wirklich gar nichts für das ganze Schlamassel kann. Und obwohl es Probleme zwischen Vater und Sohn gibt, sind sich beide auch unglaublich ähnlich. Aber das merkt der Leser dann doch relativ spät. Ein Kind verschwindet, ein anderes Kind ist früher schon einmal verschwunden. Es kommen die örtliche Prostituierte zu Wort und Leiharbeiter aus anderen Ländern, die von Pokey Burke über den Tisch gezogen wurden. Das ganze Dorf ist betroffen - und trotzdem werden schnell Gräben gezogen.

"Pokey Burke? Sie seufzte. Ich sah sie an und zuckte mit den Schultern. Sie verdrehte die Augen zur Decke. Dann lächelte sie mich an, aber es war ein Lächeln, das Tut-mir-Leid bedeutet. Ich verstand die Wörter nicht, die sie dann sagte, aber ihre Stimme war freundlich. Während die Frau auf ihren Computerbildschirm schaute, flüsterte Schornie hinter mir ganz laut: "Hey, Chef, sie sagt, dass es dich ... gar .. nicht ... gibt! Und alle Männer und Frauen in der Schlange lachten." (S.34)


Donal Ryan schreibt in einer schlichten, schnörkellosen, manchmal harten Sprache. Seine Protagonisten sind verzweifelt, wütend, hassen ihr Leben. Und sind irgendwo auch in ihren Möglichkeiten gefangen. Besonders die Figur Bobby ist interessant. Er gerät in eine Abwärtsspirale, die er kaum beeinflussen kann und es ist fast rührend, wie sehr in seine Frau in einem späteren Kapitel verteidigt. So entdeckt man als Leser
in nach und nach ganz andere Seiten der Protagonist*en, die sie in ihren eigenen Monologen verschwiegen haben oder nicht offenbaren wollten. Vom Aufbau her, hat mich der Roman an Marktplatz der Heimlichkeiten von Angelika Waldis erinnert. Ryan schafft dadurch eine atmosphärisch dichte Erzählung, die durch die Vielstimmigkeit seiner Protagonisten einen spannenden Blick auf ein Land in der Krise und auf einen schicksalhaften Abend wirft. Es ist der harte, unnachgiebige Sound dieses vielstimmigen Chores, der mich überzeugen konnte. Und es hat mich umso mehr gefreut, dass sich am Ende die anfänglichen losen Fäden zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen lassen. 

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

dystopie, verrat, mord, wayland inn, flucht

Gesetz der Rache

Kristen Simmons
E-Buch Text: 448 Seiten
Erschienen bei Piper ebooks, 01.10.2013
ISBN 9783492963763
Genre: Fantasy

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(49)

109 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

hooligans, hannover 96, hannover, fußball, hooliganszene

Hool

Philipp Winkler
Fester Einband: 310 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 19.09.2016
ISBN 9783351036454
Genre: Romane

Rezension:

Die neue deutsche Literatur ist hart, Gewaltdarstellungen sind irgendwie ästhetisch schön und dann hauen sich Hooligans auf die Nase oder ihnen wird auf die Nase gehauen. Das ist dann weniger schön. Noch vor der Veröffentlichung landete Hool von Philipp Winkler auf der Longlist und dann auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Ein erfolgreiches Debüt also, das für mich allerdings nicht ganz aufgeht.

Hool ist ein unglaublich harter Roman, der sich um das Leben von Heiko Kolbe und seinen Jungs dreht. Heiko ist Fan von Hannover 96 und wenn er sich mit seinen Jungs trifft, dann gibt es ordentlich was auf die Mütze. Heiko ist ein Hooligan und gehört zu der Gruppe sympathischer Zeitgenossen, die sich in ihrer Freizeit mit verfeindeten Hooligans, also gewalttätiger Fans anderer Vereine, treffen, um sich gegenseitig auf die Nase zu hauen. Es geht um Blut und Schweiß und Kampf und wenn Heiko gerade nicht andere Leute verhaut, jobbt er im Boxclub oder sitzt in der trostlosen Kneipe "Timpen", um sich mit anderen verkrachten Existenzen auszutauschen. Das Gymnasium hat er abgebrochen.

Für Heiko gibt es nur das nächste Match und den Wunsch, endlich mal wieder was richtig großes an den Start zu bekommen. Die Nachwelt muss sich doch erinnern, dass sie mal da waren. Heiko ist ziemlich wütend, aber das kommt ja auch irgendwo her. Seine Mutter ist eines Tages sang- und klanglos aus der Wohnung der Familie verschwunden und hat die Kinder bei ihrem Mann gelassen. Der Alkoholiker hat sich daraufhin eine philippinische Frau aus dem Urlaub mitgebracht, die auch gleich als Ersatzmutter vorgestellt wird. Keine einfache Ausgangslage. Heikos Schwester ist die einzige, die den sozialen Aufstieg geschafft hat. Heikos Exfreundin nimmt zu viel Heroin. Und man ahnt es schon, der Junge hat eigentlich keinen schlechten Kern, aber sucht sich leicht die falschen Freunde aus. Heiko verbringt seine Zeit beim Bodybuilding, bei den Matches und schimpft auf "Homos" und "Flachwichser". Rechts ist er nicht, er will die Politik aus dem Sport raus halten. Aber das sehen nicht alle so.

Natürlich springen die Hools als Ersatzfamilie ein. Ulf, Kai, Axel und Jojo sind Heikos Familie, sie stehen zusammen für Hannover 69. Doch man wird älter. Die Jungs werden ruhiger, wollen sich aus der Szene zurück ziehen. Die eigene Familie, eine schwere Verletzung nach einer Schlägerei - es gibt viele Gründe. Heiko kann damit nicht umgehen. Ohne den Männerbund der Hools und die Fußball- und Matchrituale steht er vor dem Nichts.

"Du hast deine Familie, dein Haus, deinen scheißweißen Gartenzaun. Ihr alle habt irgendwas, worauf ihr euch am Ende des Tages freuen könnt." (S.234)

Heiko zieht zu Armin, einem verwahrlosten Zeitgenossen, der in seiner Freizeit Hundekämpfe veranstaltet und dessen Lebenstraum es ist, einen eigenen Tiger zu halten.

Und spätestens hier, muss ich mich fragen, warum in nahezu jeder dritten Rezension zu Hool, hymnisch das "Authentische" und "Echte" dieser Geschichte beschrien wird. Ich weiß ja nicht, wo und wie ihr lebt. Aber Tiger im Garten zu halten, hat für mich nun mal wirklich nichts Echtes. Vielleicht wird das A-Wort so dringlich bemüht, weil Hool eine Geschichte von "ganz unten" ist, über kaputte Familien, Gewalt und Szenezugehörigkeit als einzigen Ausweg aus dem trüben Alltagsgrau. Auch das steckt im Text. Dabei ist Heiko keines Falls der stumpfe Gewaltmensch, der er vorgibt, bei den Matches zu sein.

Wenn es um die Schlägereien der Hooligans geht, überschlägt sich der Text. Der parataktische Stil sorgt für Tempo und Action und eine anfängliche Schnelligkeit, die sich leider nicht durch den ganzen Text zieht. Hat man einmal das erste Match hinter sich gelassen, wird alles sehr viel ruhiger erzählt.

Ein letzter Aufschrei. Der Wald verstummt. Dann prallen Körper aufeinander. Fäuste und Beine werden geschwungen. Ein Kölner vor mir. Ne Faust kommt mir entgegen. Ich nehm den Schwung mit. Tauche unterm Schlag durch. Werf mich gegen ihn. Er fällt nicht, zu stabil der Ficker. Ist am Prusten. Um mich herum fliegen sie vorbei. Verhakt. Verkantet. Im Schwitzkasten. Schlagend. (S.15)

Für mich sind die besten und tollsten Szenen von Hool, neben den Matches, alle, die im Zusammenhang mit Arnims Tigeraktion steht. Niedersachsen ist zwar ein unglaublich deprimierendes Stück Erde - wenn man den Text zugrunde legt- aber zum Glück gibt es noch Träumer wie Arnim. Der hat zwar eine sehr große Schraube locker, aber er glaubt noch an die guten Dinge im Leben. Das sind für ihn wilde Tiere.

Neben dem Tiger, gibt es auch noch einen Geier, der Siegfried heißt. Und Siegfried, dieser riese Vogel, hockt tagein und tagaus auf einem Sessel und wartet. Als Heiko ihm ein Fenster öffnet, schafft er es nicht, wegzufliegen. Die Szene geht ans Herz und steht für so vieles in dieser Geschichte. Für Heikos verkorkste Existenz, für sein Gefangen-Sein in diesem Leben eines wütenden, abgehängten, jungen Mannes. Klasse Thema, und ich bin mir nicht einmal sicher, ob es je irgendwann einen Roman über Hooligans und ihre Motivation sich für die Szene zu engagieren, gegeben hat. Ich glaube nicht.

Hinzu kommt auch, dass die Figur Heiko weitaus komplexer ist, als man anfänglich vermuten mag. Auch wenn er die Tendenz hat, die Schuld für sein verkorkstes Leben anderen in die Schuhe zu schieben, ist er sehr darauf bedacht, sich gegen rechte Strömungen innerhalb der Szene abzugrenzen.

Trotzdem gibt es einfach einige Sätze, bei denen ich unwillkürlich lachen muss und nicht, weil es gerade um Arnims Tigereskapaden geht. Ich muss lachen, weil Hool auch aus Poserprosa besteht, die vielleicht nur jemand schreiben kann, der gerade ganz viel Authentizität eimerweise auf's Papier kippen will. Das hakt an einigen Stellen schon sehr, so dass statt einer authentischen Perspektive auf einmal etwas ganz anderes entsteht. Irgendwie Gewollt-Proll. Und den Pommessalzsatz finde ich eigentlich super - wenn er nicht von dieser verkrachten Existenz Heiko käme und dazu dienen soll, seine Streetcredibility zu unterstreichen. Das geht für mich nicht auf.

"Selbst an trüben Tagen kann man meistens noch bis zum Kaliberg sehen, der je nach Wetter anders aussieht. Mal weiß wie Pommessalz, mal grau wie Beton." (S.29)

"Leipzig ist kälter als der Schritt einer einbeinigen, teuren Nutte." (S.174)

"Die Nässe kriecht mir wie eine sexuelle Belästigung unter die Klamotten." (S.151)

Das sind Kleinigkeiten, aber sie bringen mich ein bisschen aus dem Leseflow. Und dass Heiko dauernd nach "Zichten" fragt und seine Schwester als alte "Schrappnelle" bezeichnet, ist dann auch ziemlich lustig. Soll das Jugendsprache sein? Von welcher Jugend? Es ist komisch, dass ich Heiko gar nicht so richtig zeitlich verorten kann. Wann soll diese ganze Geschichte eigentlich spielen? Heute? Reden die Gangster-Kinder heute so? Ich weiß es nicht, aber ich vermute, dass sie anders reden. Zudem ist Heiko auch eigentlich schon lange aus dem Alter raus, in dem man alles für die Clique tut. Irgendwann werden Menschen eben erwachsen, aber auch da hat es bei Heiko ein bisschen gehakt.

Hool ist ein tolles Debüt, aber nicht so rund, wie ich es anfänglich gedacht habe. Weniger Poserprosa und mehr von Arnim, diesem gruselig-schrägen Tierliebhaber, das hätte mir ein bisschen besser gefallen. Trotzdem lohnt es sich, Hool zu lesen. Besonders wegen Arnim, Siegfried und dem "Tijer".

 

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28 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

levian, annika, schule, unsterbliche lieb, leserunde

Mittelmeersplitter

Theresa Sperling
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Lektora-Verlag, 27.09.2016
ISBN 9783954610792
Genre: Romane

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

frankreich, zivilisation, wolfskind, kind, erziehung

Das wilde Kind

T. C. Boyle , Dirk van Gunsteren
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.02.2012
ISBN 9783423140652
Genre: Romane

Rezension:

Das wilde Kind war von Boyle ursprünglich als Teil des Romans Talk Talk geplant, in dem eine Gehörlose Opfer eines Identitätsdiebstahls wird. Zum Glück hat sich Boyle dafür entschieden, die Erzählung separat zu veröffentlichen.

Im Jahr 1779 entdecken Jäger in Südfrankreich ein nacktes, wildes Wesen im Wald. Ist es ein Dämon? Schon seit geraumer Zeit kursieren Sagen und Erzählungen über das wilde Wesen, von dem niemand genau weiß, ob es sich um ein Tier oder einen Menschen handelt. Das Wesen wird eingefangen, es gebärdet sich fürchterlich, es spricht nicht, es bewegt sich auf allen vieren. Kann es sich tatsächlich um ein menschliches Wesen handeln?

T. C. Boyle gelingt es in dieser Novelle nicht nur einen spannenden Kaspar-Hauser-Fall des 18. Jahrhunderts aufzugreifen, es geht auch um das Verhältnis zwischen Mensch und Natur und die Frage danach, was unsere Zivilisation eigentlich ausmacht. Das wilde Kind wird in die Obhut des jungen Pariser Arztes Itard gegeben, der das Kind in einer Klosterschule für Gehörlose versucht zu zivilisieren. Die Narben am Körper des Kindes weisen darauf hin, dass seine Herkunftsfamilie vermutlich versucht hat, es zu töten. Aber der Junge überlebt, er ist neun Jahre alt, als er gefunden wird. Wahrscheinlich hat er sich mehrere Jahre alleine in den Wäldern durchgeschlagen.

Aber die Enkulturation fällt schwer. Immer wieder muss Itard sich Kritik anhören. Ist das Wesen nicht einfach nur schwachsinnig und gehört in die Irrenanstalt? Immerhin frisst es alles, was sich bewegt. Mäuse, Frösche und es reißt sich die Kleider vom Leib. Sogar die Klosterbrüder, die sich ansonsten hingebungsvoll um die anderen gehörlosen Kinder kümmern, die zur damaligen Zeit auch einen gesellschaftlich schwierigen Stand haben, sind vom Wilden Kind abgestoßen.

"Gemessen an seiner Reaktion hätten die Menschen in seiner Umgebung ebensogut Bäume sein können - es sei denn natürlich, sie kamen ihm zu nah -, und ihm fehlte auch jeder Begriff von Arbeit und Freizeit. Wenn er nicht aß oder schlief, hockte er da, wiegte sich vor und zurück und stieß eigenartige, unartikulierte Laute aus. Dabei nutzte er jede Gelegenheit zur Flucht und musste zweimal eingefangen und gefesselt werden. Obendrein, und das war in Nougairoles Augen am beunruhigendsten, schien er die Formen und Symbole göttlicher Verehrung nicht zu kennen." (S.34)

Aber Itard glaubt daran, dass Victor, so nennt er das wilde Kind, elementarste menschliche Fähigkeiten hat. Er beginnt ein System zu entwickeln, das auch nicht vor Strafe zurückschreckt - denn Victor hat kein Bewusstsein für sich selbst oder für andere. Und Victor muss lernen, Itards Autorität akzeptieren.

T. C. Boyle schafft es in diesem Roman in einer sehr verdichteten Sprache eine Kasper-Hauser-Geschichte zu erzählen, die fasziniert. Trotzdem wäre er nicht Boyle, wenn am Ende doch eine starke zivilisationskritische Haltung deutlich wird. Itard wird berühmt, er hat den "Wilden" gezähmt, man könnte sagen, er hat ihn dressiert. Zwar ohne ihn zu brechen, aber auch ohne die Fortschritte zu machen, die sich der zielstrebige Arzt anfänglich gewünscht hätte. Ein Happy End gibt es nicht und Victor bleibt auch als Erwachsener nur der mythisierte Wilde, der gerade einmal für eine Schauergeschichte am Feuer taugt.

 

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81 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

zukunft, usa, naturschutz, klimakatastrophe, ende

Ein Freund der Erde

T. C. Boyle ,
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.03.2003
ISBN 9783423130530
Genre: Romane

Rezension:

Im Jahr 2025 sieht es mit der Erde ziemlich düster aus. Die meisten Säugetiere sind ausgestorben und das Klima ist ruiniert. In dieser finsteren Zukunft lässt Boyle seine Hauptfigur Ty Tierwater, seines Zeichens Tierpfleger, die vergangenen Jahre Revue passieren. Ty lebt auf der Farm eines alternden Popstars, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die hässlichen Tierarten zu retten, für die sich sonst niemand interessiert. Erdferkel zum Beispiel. Während eine Klimakatastrophe die nächste ablöst und Ty versucht, die Tiere zu retten, schweift sein Blick auch in seine eigene Vergangenheit. Und dann taucht unerwartet seine Exfrau auf.

Damals, in den 1980er Jahren, war Tierwater milianter Ökoaktivist der Gruppe Earth Forever!, der zusammen mit seiner damaligen Frau Andrea auch mal nackt im Urwald übernachtetet (Stichwort Adam+ Eva) um der Welt zu beweisen, dass sie in die falsche Richtung steuert. Dabei ist im auch das Gesetz relativ egal, er dient größeren Zielen und ist gleichzeitig doch auch nur in die Aktivistenszene hineingestolpert. Doch die Radikalisierung geht schnell. Bald geht es um nichts anderes als die Rettung der Welt und wenn seine Familie von Behördenwillkür bedroht wird, dann sieht Ty Rot. Die gemeinsame Tochter Sierra nimmt sich ihre Eltern zum Vorbild. Mit fatalen Folgen. Sie beschließt einen Mammutbaum zu besetzen, der gefällt werden soll und weigert sich, ihn zu verlassen. Egal, ob Papa oder Bagger kommen - sie bleibt stur.

Boyle beschreibt eine Welt am Abgrund. In urkomischen und gleichzeitig traurigen Szenen wird die Zerstörung der Natur und ein Familiendrama beschrieben, dass wie so oft bei Boyle, in einer sintflutartigen Katastrophe endet. Dabei entsteht die Spannung gerade dadurch, dass lange nicht klar ist, was genau mit Tys Tochter passiert ist. Auch der Wandel von Ty zu immer radikaleren Methoden, die anfänglich doch gar nicht radikal daher kommen, wird eindrücklich geschildert. Man weiß nur, dass Andrea, eine Journalistin im Schlepptau, die Geschichte ihrer Tochter wieder an die Öffentlichkeit bringen will...

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, die Jahressprünge (1989 vs 2025) sorgen für Spannung und das Thema ist brandaktuell. Wie so oft bei Boyle kommt es zu großartigen, witzigen Szenen, wenn es darum geht, die wilden Tiere nach einem Unwetter in der Villa des Popstars wieder einzufangen. Ein rundum gelungenes Ökodrama, das, wie so oft bei Boyle, in gleichen Teilen tragisch und komisch ist.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

amerika, drogen, nirvana

Anderweltsliebe

Tommaso Pincio , Suse Vetterlein
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Ullstein TB
ISBN 9783548256672
Genre: Romane

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89 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

nordkorea, folter, roman, diktatur, straflager

Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

Adam Johnson , Anke Carolin Burger
Flexibler Einband: 685 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 16.06.2014
ISBN 9783518465226
Genre: Romane

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kurzgeschichten, zweite chance, verlust, krankheit, flucht

Nirvana

Adam Johnson ,
Fester Einband: 262 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.09.2015
ISBN 9783518425008
Genre: Romane

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14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

pulitzer-preis

Tinkers

Paul Harding , Silvia Morawetz
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei btb, 09.09.2013
ISBN 9783442745876
Genre: Romane

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34 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

china, smartphone, zukunft, new york, usa

Super Sad True Love Story

Gary Shteyngart , Ingo Herzke , ,
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.02.2013
ISBN 9783499255007
Genre: Romane

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(1.052)

1.836 Bibliotheken, 10 Leser, 13 Gruppen, 69 Rezensionen

fantasy, magie, sonea, liebe, gilde

Die Meisterin

Trudi Canavan ,
Flexibler Einband: 700 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 14.08.2006
ISBN 9783442243969
Genre: Fantasy

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(1.136)

1.965 Bibliotheken, 11 Leser, 14 Gruppen, 63 Rezensionen

fantasy, magie, sonea, magier, gilde

Die Novizin

Trudi Canavan ,
Flexibler Einband: 604 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.06.2006
ISBN 9783442243952
Genre: Fantasy

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1.165 Bibliotheken, 17 Leser, 5 Gruppen, 57 Rezensionen

fantasy, magie, magier, sonea, gilde

Die Rebellin

Trudi Canavan , Michaela Link (Übersetzer)
Flexibler Einband: 543 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.04.2006
ISBN 9783442243945
Genre: Fantasy

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

fantasy, jugendbuch, catherine banner

Das Lied von Malonia

Catherine Banner
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 01.07.2010
ISBN 9783442375431
Genre: Fantasy

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Die Kinder von Malonia

Catherine Banner , Patricia Woitynek
Flexibler Einband: 477 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 11.05.2011
ISBN 9783442377572
Genre: Fantasy

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148 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

krimi, thriller, mississippi, tagebuch, entführung

Gone Girl - Das perfekte Opfer

Gillian Flynn , Christine Strüh
Fester Einband: 832 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.07.2015
ISBN 9783596520725
Genre: Krimi und Thriller

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(391)

850 Bibliotheken, 11 Leser, 2 Gruppen, 131 Rezensionen

rache, furien, jugendbuch, freundschaft, liebe

Im Herzen die Rache

Elizabeth Miles , Birgit Salzmann
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Loewe, 16.01.2013
ISBN 9783785573778
Genre: Jugendbuch

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585 Bibliotheken, 3 Leser, 4 Gruppen, 54 Rezensionen

freundschaft, liebe, mord, vergewaltigung, verrat

Die Wahrheit über Alice

Rebecca James , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann ,
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.02.2012
ISBN 9783499255076
Genre: Krimi und Thriller

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

The Wallcreeper

Nell Zink
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Fourth Estate, 10.03.2016
ISBN 9780008130886
Genre: Sonstiges

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43 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

suche, familie, tartt, freundschaft, irrtum

Der kleine Freund

Donna Tartt , Rainer Schmidt
Flexibler Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.12.2013
ISBN 9783442480586
Genre: Romane

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(89)

153 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 73 Rezensionen

frankreich, fiktion, literatur, wahrheit, identität

Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan , Doris Heinemann
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 24.08.2016
ISBN 9783832198305
Genre: Romane

Rezension:

 

Das erste Buch, das ich von der französischen Schriftstellerin gelesen habe, war No & ich. Es geht um das Leben auf der Straße, um Freundschaft. Es ist eine schön erzählte, sehr berührende Geschichte, die letztlich auch de Vigan zum Durchbruch als Schriftstellerin verholfen hat. Ihr Nachfolgewerk war für mich sehr überraschend. Ein Buch zu dem ich keine Rezension geschrieben habe, weil ich es einfach für mich behalten wollte. Kennt ihr diese Romane, die ihr nur für euch lest und die ihr gar nicht besprechen oder beschreiben wollt? Das Lächeln meiner Mutter ist eine autobiographische Auseinandersetzung, die nicht leicht zu lesen ist. Delphine de Vigan spürt dem Leben ihrer Mutter nach, erkundet die Gründe für ihren Suizid und beginnt ihre Verwandten über das Leben ihrer Mutter zu befragen. Dabei macht sie auch vor eigenen schmerzhaften Erinnerungen nicht halt. Das Buch hat mich sehr beeindruckt. Und nicht nur mich. Wochenlang stand es auf Platz 1 der französischen Bestsellerliste.

Nach einer wahren Geschichte knüpft deutlich an diesen Roman an, aber es werden ganz andere Fragen verhandelt. Wie ist es, wenn die eigene Lebensgeschichte als weltweit verkaufter Bestseller in den Regalen steht? Und was passiert mit einer Schriftstellerin, die auf einmal auf diese wahren, authentischen Lebensgeschichten beschränkt wird?

"Glaub mir, die Leser erwarten etwas anderes von der Literatur, und damit haben sie recht: Sie erwarten Wahres, Authentisches, sie wollen, dass man ihnen vom Leben erzählt, verstehst du? Die Literatur darf nicht auf das falsche Territorium geraten."

Ich dachte kurz nach, bevor ich ihr antwortete:

"Ist es denn so wichtig, ob das Leben, von dem man in den Büchern erzählt, wahr ist oder erfunden?"

"Ja, es ist wichtig. Es ist wichtig, dass es wahr ist."

(Nach einer wahren Geschichte, S.74)

Und jetzt das. Ein Roman, der schon im Titel auf eine vermeintliche Wahrheit anspielt und gleichzeitig den eigenen Fiktionalitätscharakter unterstreicht. Was ist das, eine wahre Geschichte? Und was erwarten Leserinnen denn jetzt wirklich? Haben Leserinnen das Recht zu entscheiden, wie eine Geschichte ausgehen soll? Nicht ohne Grund ist das Motto des Romans ein Zitat von Stephen King. Eben jener Großmeister des subtilen Horrors, der mit Misery eine ganz besondere Autoren-Leserinnen-Beziehung auf's Papier gebracht hat. Fans können ziemlich unheimlich sein und mitunter eben auch verrückt, wie der Schriftsteller Paul Sheldon erleben muss.

Der Schriftstellerin Delphine geht es im Roman Nach einer wahren Geschichte nicht anders. Auf einer Party lernt Delphine L. kennen. L. arbeitet als Ghostwriterin und ist sehr erfolgreich damit. Delphine bewundert die elegante L. Ihre Abkürzung wird im gesamten Roman nicht aufgelöst, vielleicht, weil "L." sich im Französischen so passend als "elle" lesen lässt. Eine namenlose "sie", die zur Schlüsselfigur für Delphines Schreiben wird.

L. sucht Delphines Nähe und bald unterhalten sich beide über die Familie, über Lieblingsbücher, über Lieblingsfilme - und entdecken erstaunlich viele Gemeinsamkeiten. Ein gemeinsamer Lieblingsfilm. Eine Erinnerung von L. an eine gemeinsame Schulzeit, die Delphine allerdings vergessen hat. Die Treffen der beiden häufen sich, sie werden Freundinnen, auch wenn Delphine nie so richtig versteht, was L. eigentlich an ihr findet.

Durch Zufall erwähnt Delphine bei einem gemütlichen Abend ihre neue Romanidee. L. ist entsetzt, Delphine könne doch viel mehr. Sie müsse die Wahrheit schreiben, das würden die Leser erwarten, gerade nach ihrem letzten Buch über ihre Mutter. Nur so könne große Literatur entstehen, das Sujet müsse authentisch sein. L.s Worte stürzen Delphine in eine Schreibkrise. Sie erträgt es nicht mehr am Schreibtisch zu sitzen, der Anblick eines leeren Blatt Papiers ist zu viel für sie, sie schreibt keine E-Mails mehr. Da bietet sich die Ghostwriterin L. an. Sie beginnt in Delphines Namen E-Mails zu schreiben, erst nur ein paar, dann werden es immer mehr. Nach und nach gibt Delphine ihr Leben aus der Hand, L. kümmert sich um alles. Aber niemand weiß, wer L. eigentlich ist.

Aber jedes Schreiben über sich selbst ist ein Roman. Der Bericht ist Illusion. Kein Buch dürfte diese Bezeichnung tragen. (S.76)

Der Roman macht unglaublich viel Spaß, gerade weil de Vigan immer wieder mit den Erwartungshaltungen der Leserinnen spielt. Ich wusste nie genau, was als nächstes passieren wird und welche unvorhergesehene Wendung wohl hinter der nächsten Ecke lauert. Gleichzeitig spielt die Frage nach Illusion und Realität eine große Rolle. Die Schriftstellerin Delphine befindet sich in einer Schreibkrise nach einem großen Roman, der den Suizid ihrer Mutter behandelt. Zumindest das Thema des Romans stimmt mit dem Leben der Autorin überein. Aber sobald L. auftaucht, kippt die Handlung. Faktisches wird zur Fiktion. Ein bisschen Fight Club, ein bisschen A beautiful Mind, die Leserinnen werden ganz schön verunsichert. Ist L. wirklich eine aufdringliche Fremde, eine unheimliche Freundin - oder gibt es sie vielleicht gar nicht?

Das Spiel mit vermeintlicher Realität und Fiktion hat Delphine de Vigan in diesem Roman perfektioniert. Doppelgänger, Kopie, Original - was zählt eigentlich? Und warum sind Leser*innen so besessen davon, zu wissen, wie Delphine de Vigan den Suizid ihrer Mutter verarbeitet hat? Ein bisschen scheint Nach einer wahren Geschichte auch ein Befreiungsschlag zu sein, der eine Lanze für die Fiktionalität bricht. Nicht zuletzt als Delphine im Roman einen Blick in ihr eigenes Bücherregal wirft und entdeckt, dass viele Erzählungen von L. aus ihren Lieblingsbüchern stammen...

Mit sehr viel hintergründigem Humor wird auch schon mal Barthes zitiert, natürlich nichts anderes als Ausschnitte aus seinem Essay "Der Tod des Autors". Und alles, was man anfänglich noch für den soliden Bausatz einer Geschichte hielt, beginnt nach und nach zu bröckeln. Ziemlich meta also und gleichzeitig unglaublich spannend!

 

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mount everest, sinnsuche, liebe, österreichische autoren, everest-besteigung

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Flexibler Einband: 528 Seiten
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