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1.212 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 62 Rezensionen

thriller, verschwörung, nasa, dan brown, meteor

Meteor

Dan Brown ,
Flexibler Einband: 635 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 18.11.2003
ISBN 9783404150557
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Präsidentschaftswahlen stehen vor der Tür und der Amtsinhaber scheint so langsam den Boden unter den Füssen zu verlieren. Sein Gegenkandidat, Senator Sexton, hat die Achillesverse erkannt und legt mit aller Macht seine Finger in die Wunde des Präsidenten – die NASA.

Einst vom Erfolg verwöhnt, dümpelt die staatliche Raumfahrtbehörde in einem Sumpf aus Misserfolg und Geldverschwendung. Und genau das weiß Präsident Zach Herney, dennoch unterstützt er die in die Jahre gekommenen Raumfahrer mit all seinen Möglichkeiten. Gerade als klar wird, dass Senator Sexton angesichts der verschleuderten Millionen an NASA-Geldern die Wahl gewinnen wird, platzt die Bombe.

Der Beweis für außerirdisches Leben wird zur Rettung des Präsidenten

Ein NASA-Aufklärungssatellit ortet einen geheimnisvollen Meteor, der tief verborgen im Eis der Arktis schlummert, und dieser Meteor mutiert zur Rettung des Raumfahrtunternehmens und des Präsidenten, enthält er doch die Fossilien mehrerer übergroßen Käfer, die zweifellos aus dem dunklen Weltraum stammen – der Beweis für außerirdisches Leben.

Da sich die Fehlschläge der NASA-Truppe in den letzten Jahren häuften und die Reputation dieser Behörde mehr als fragwürdig erscheint, beschließt der Präsident die Entdeckung durch namhafte und anerkannte amerikanische Forscher (aus Wissenschaft und Filmwelt) verifizieren zu lassen, bevor er mit den Neuigkeiten vor sein Volk tritt.

Um der Glaubwürdigkeit der Meldung noch die Krone aufzusetzen, entsendet er die Geheimdienstmitarbeiterin Rachel Sexton zum Fundort. Rachel Sexton ist niemand geringeres, als die Tochter seines Widersachers. Doch der brillante Schachzug des Präsidenten geht nicht auf. Erste Zweifel an der Echtheit des Fundes kommen auf. Und schon schwimmt die erste Leiche in einem dunklen Eiskanal. Die Widersprüche in Sachen Meteor verdichten sich und bald geraten die ausgesuchten Forscher immer mehr in das Visier unheimlicher Jäger, die offenbar über modernste und unerschöpfliche Mittel (zum töten) verfügen.

Es beginnt ein blutiger Wettlauf gegen die Zeit, denn der Wahltermin rückt immer näher und hochrangige und einflussreiche Kräfte sind offenbar nicht daran interessiert, dass auch nur der Hauch eines Zweifels auf die Echtheit des Fundes aus der Arktis fällt.

Zwischen Science Fiction und Fantasy

Ehrlich gesagt, habe ich so meine Probleme mit »Meteor«. Illuminati war grandios, doch dieser Roman wird die Brown-Fans in zwei Lager spalten – in die Überzeugten und in die Enttäuschten.

Der Roman besteht für mich aus drei Teilen: Eine unglaublich langatmige, ca. 200 Seiten lange und teils langweilende Exposition, in der Dan Brown seine einzelnen Fallschlingen auslegt, in die der ahnungslose Leser tapsen soll. In einen temporeichen. actiongeladenen und fesselnden Mittelteil, in der Brown geschickt (wie bei »Illuminati«) die Detektionslinie ausbreitet und Stück um Stück die anfänglichen aufgestellten Tatsachen mit brillanter Logik hinterfragt und umkehrt. Und schließlich in den haarsträubenden, ca. 120 Seiten langen Auflösungsteil, der oft so abgehoben wirkt, dass man die vorher gelesenen, guten Seiten schnell vergisst und sich eher der Eindruck aufdrängt, dass der Schreiber nun ganz die Bodenhaftung unter seinen Füssen verloren hat. Er schwebt in höheren Sphären.

Insgesamt ist mir METEOR zu wenig authentisch, ja manchmal geradezu illusionär. Sprechen wir im Jahr 2513 noch einmal darüber, dann hat die Realität den Autor vielleicht eingeholt. In »Illuminati« gibt es kurz vor Ende die Hubschrauberszene (»Illuminati«-Leser wissen, worauf ich anspiele), »Meteor« ist voller Hubschrauberszenen. Bohrungen in einen Gletscher in der Arktis, aber nicht von oben, sondern von unten, tief unter dem Meer. Schwebende Miniatursonden von der Größe eines Tischtennisballs, Eisgewehre, Delta-Force-Spezialisten-Teams, denen ich nicht einmal zutrauen würde, auf meinen vierjährigen Sohn aufzupassen, der Ritt mit einem U-Boot auf einer Raketenexplosion und dann noch die Sache mit dem »absolut unverdächtigen Täter«, der am Ende aus dem Hut gezaubert wird, und auf den zuvor nicht die geringste Andeutung hinweist.

»Meteor« ist das typische Nachfolgebuch eines Bestsellers. Ich bin überzeugt, dass es vom Autor weit vor Illuminati geschrieben wurde und zunächst aufgrund seiner »(fehlenden) Klasse« in der Schublade schlummerte. Nach dem vielleicht sogar unerwarteten Erfolg von »Illuminati«, wurde es vom Verlag schnell nachgeschoben, um aus dem Namen des Autors Profit zu schlagen. Es ist offensichtlich, dass es für »Meteor« mehr kaufmännische Gründe für eine Veröffentlichung gab, als literarische. Zwar ist dem Autor zu bescheinigen, dass seine Recherchearbeit wirklich tief geht und Dan Brown unheimlich kompetent Zusammenhänge schildern kann, dennoch ändert dies nichts an meiner Meinung: »Ein Buch, das wir Leser nicht unbedingt gebraucht hätten.« 

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251 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

thriller, amnesie, schlafen, unfall, london

Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

S.J. Watson , Ulrike Wasel ,
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 21.02.2013
ISBN 9783596512881
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wenn häufig kritisiert ,wird, dass sich viele Autoren für ihre Geschichten keine Zeit mehr nehmen und den Leser quasi im Schweinsgalopp durch die Handlung hetzen, so kann sich S.J. Watson diesem Vorwurf sicherlich nicht machen. Der Leser wird detailliert in Christines Tagesablauf eingeführt, der nach einem recht fulminanten Start, in dem ihre Behinderung erstmals erklärt wird, offensichtlich keine besonderen Höhen oder Tiefen aufweist. Dennoch beginnt diese augenscheinlich intakte Welt mit fortschreitender Lektüre zu bröckeln, finden sich doch immer mehr Indizien dafür, dass offensichtlich die Amnesie nicht der einzige weiße Fleck im Leben der Protagonistin darstellt. Hier gelingt Watson aufgrund des Krankheitsbildes seiner Heldin die spannende Konstruktion, dass diese selbst in ihrem Leben ermittelt, ist für sie doch jeder vergangener Tag der Vergangenheit eine unbeschriebene und damit unbekannte Seite. Bewerkstelligt wird die Recherche im eigenen Leben mit Hilfe eines Tagesbuches, das allein die Brücke zu den Erinnerungen des vergangenen Tage bildet. Aber auch diese Brücke kann keine eindeutige und abschließende Hilfestellung bieten, erscheint sie doch der Protagonistin und auch dem Leser als Aufzeichnungen einer Fremden über deren Motive, Einschätzungen und auch nicht zuletzt über deren Geisteszustand zumindest einige Zweifel angebracht sind.

Im Zuge der Nachforschungen zu ihrem eigenen Leben müssen sowohl Christine als auch der Leser, der ihr bei ihrer Suche über die Schulter schaut, feststellen, dass viele Ungereimtheiten verhindern, dass sich das Leben der Heldin zu einem klaren und stringenten Bild zu-sammenfügt. Diese Fragezeichen sorgen auch dafür, dass sich der Leser zwischen ver-schiedenen Personen und Sympathien hin und hergerissen fühlt: Ist es nicht bewundernswert, mit welch aufopfernder Liebe Christines Ehemann sich um seine Frau kümmert und wie er ihr geduldig hilft ihren Alltag zu bewältigen? Hat nicht Christines Ehemann dafür gesorgt, dass sie von ihren Freundinnen und ihrem Arzt quasi isoliert wurde und sie damit in eine erhebliche Abhängigkeitsposition gebracht? Versucht nicht Christines Mann sie vor den schlimmsten Schatten der Vergangenheit zu schützen, auch wenn er ihr damit manchmal etwas verschweigen muss? Modelt Christines Mann nicht die Vergangenheit in seinen Erzählungen so um, wie es ihm gerade passt und verfolgt er damit nicht sein eigenes Ziel? Durch dieses ständige Hin und Her sieht sich der Leser zunehmend in die Rolle der Christine gedrängt. Wem kann man vertrauen? Wer lügt, betrügt, verschweigt und war die eigene Rolle in der Vergangenheit überhaupt positiv besetzt? Durch dieses Wechselspiel gelingt dem Autor ein durchgehender Spannungsbogen, der seinen Höhepunkt in der Auflösung der Geschichte erfährt.

Dennoch muss auch festgehalten werden, dass der große Vorteil der ruhigen Erzählweise ebenso das größte Manko darstellt, wird doch das geduldige Sammeln von Informationen rund um Christines Leben gelegentlich als quälend langsam empfunden. Hier hätte es der Spannung nicht geschadet, wenn das Tempo gelegentlich gestrafft und die Handlung voran-getrieben worden wäre. Dieses Vorantreiben überlässt der Autor dagegen dem Showdown auf den letzten Seiten und vielleicht liegt es an diesem plötzlichen Tempo, dass dem Leser diverse Erklärungen teilweise ungereimt scheinen.

Trotzdem schadet auch diese kleine Beeinträchtigung nicht dem Lesevergnügen, zeigt der Autor doch auch bei seiner Konstruktion des Happy Ends, dass auch hier keine endgültige Klarheit besteht. Am Ende des Buches und damit eines mehr als ereignisreichen Tages steht der Leser neben der erschöpften Heldin, die nunmehr mit einem Hoffnungsschimmer in die Zukunft blicken kann. Ob sich ihre Hoffnungen erfüllen, wird allerdings erst der nächste Morgen belegen und vor dem steht die Nacht mit ihrem Schlaf.

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245 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

thriller, gillian flynn, mord, familie, familientragödie

Dark Places - Gefährliche Erinnerung

Gillian Flynn ,
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 24.09.2015
ISBN 9783596173983
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es gibt diesen „dunklen Ort“ im Leben von Libby Day auch geographisch.

Ihr Elternhaus, in dem sie mit ihren drei Geschwistern und ihrer Mutter (und ihrem hier und da anwesenden „streunenden“ Vater) die ersten Jahre ihres Lebens verbracht hat.

Ein dunkler Ort, denn ihre Familie ist einem Massaker zum Opfer gefallen. Mutter und zwei Schwestern ermordet, sie selbst bei eisiger Kälte aus einem Fenster entkommen (was drei Zehen und Teile von Fingern gekostet hat) und ihr Bruder Ben als Mörder verurteilt.

Vor 25 Jahren.

Seitdem hat Libby weder ihren Bruder im Gefängnis besucht noch ist sie zum Haus je zurückgekehrt.

Doch der eigentlich dunkle Ort sind jene Erinnerungen an das Geschehene, denen sich Libby nicht zu stellen gedenkt. Ebenso wenig, wie sie die Kartons mit den alten Fotografien, Zetteln, Erinnerungsstücken an ihre Familie anrührt.

Libby hat an sich bereits genug damit zu tun, den Kopf über Wasser zu halten. Sie ist keine nette Person. Sie ist eher träge. Sie lässt aus Gewohnheit an fast allen Orten, an denen sie sich befindet, etwas mitgehen. Die hat den Hund ihrer Tante auf dem Gewissen. Und das Verhältnis zu dieser sowieso zerrüttet. Im Kern ist Libby eine fast kleinwüchsige, unsympathische und mit allen zerstrittene Person, die einfach in den Tag hinein existiert. Ohne sich mit ihrem Leben große Mühe zu geben.

„Niemand hat die Days je gemocht“. Der Streuner als Vater, die vierfache Mutter, die nicht wusste, wann es genug ist mit Kindern, die „Pleitebauernkinder“ mit nichts an vorzeigbarem.
„Die dreckigen Days“. Und Libby ist scheinbar genau so eine geblieben.

Doch nun ist das Geld verbraucht. Die Spenden von damals für das überlebende Kind des Massakers. Da ist Libby bereit, sich einem Kreis vorzustellen, der als „Hobby“ heraus sich mit alten Verbrechen beschäftigt, „Devotionalien“ aufkauft und deren Vorsitzender Libby gar Geld dafür anbietet, Licht ins Dunkle des damaligen Geschehens zu bringen.

So macht sich Libby zunächst aus finanziellen Interessen, dann aus stärker werdender Neugier auf, die Kartons des Lebens zu öffnen, ihren Bruder das erste Mal seit 25 Jahren und seit seiner Verurteilung im Gefängnis zu besuchen, nach ihrem Vater zu forschen und andere Zeugen von damals näher zu befragen.
Und spürt Tag für Tag mehr, dass die vielen Zweifler an der Schuld ihres Bruders vielleicht recht haben könnten. Womit sich Libby selbst in Lebensgefahr bringen wird.

Im Gegensatz zu „Gone Girl“ (dem dritten Roman Flynns) und „Cry Baby“ (dem ersten Roman), die beide auf ihre Weise Neues, überraschendes vor Augen führen, fällt dieser zweite Roman Flynns doch deutlich ab. Zumindest für jene Leser, welche die beiden andern Romane bereits gelesen haben.

Sprache, Stil und Tempo, Verdrehungen und überraschende Wendungen samt der „rotzig“ angelegten Hauptperson wirken nicht mehr so „neu“ wie in „Cry Baby“. Die Recherchen, die langsame Verunsicherung des Lesers über den wahren Ablauf der Ereignisse und die überraschenden Wendungen zum Schluss wirken zu „Gone Girl“ doch teils weit hergeholt. Auch die „Lösung“ des „Falles“ kommt beim Leser genauso zufällig an, wie sie im Buch „vom Himmel“, oder besser, „aus einem Mund“ fällt.

Dennoch, flüssig, gut lesbar, ein Netz aus verschachtelten und verschiedenen Perspektiven spinnend, bietet auch „Dark Places“ solide und gute Unterhaltung. Ohne aber den speziellen „Kick“ der beiden anderen Thriller der Autorin beim Leser auszulösen.

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328 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

spionage, stieg larsson, schweden, thriller, hacker

Vergebung

Stieg Larsson , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 864 Seiten
Erschienen bei Heyne, 20.07.2015
ISBN 9783453438224
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Endlich ist er da – der Abschlußband Vergebung von Stieg Larssons Millennium-Trilogie, dessen ersten beiden Teile das Krimi-Publikum durchweg begeistern konnten. Vergebung beginnt genau dort, woVerdammnis endete, und wer die Vorgängerbände noch nicht kennt und sich den Spaß nicht nehmen lassen will, der sollte hier erst beim nächsten Zwischentitel weiterlesen.

Nachdem Lisbeth Salander die Auseinandersetzung mit ihrem Vater, dem russischen Spion Alexander Zalatschenko alias Karl Axel Bodin sowie ihrem Bruder, dem brutalen Killer Ronald Niedermann mehr tot als lebendig mit einer Kugel im Gehirn überstanden hat, kämpft sie nun im Göteborger Krankenhaus um ihr Leben. Dreier Morde wurde sie beschuldigt und von der schwedischen Polizei gejagt. Doch ihre Unschuld ist noch immer nicht erwiesen. Auch Zalatschenko liegt mit schweren Verletzungen, die ihm Lisbeth in Notwehr mit einer Axt beigebracht hat, im gleichen Krankenhaus. Nachweisen kann man ihm seine schweren Verbrechen jedoch nicht. Im Gegenteil: er beschuldigt seine Tochter Lisbeth des Mordversuchs an ihm.

Niedermann wurde zwar vom Journalisten Mikael Blomkvist unschädlich gemacht, doch der Unfähigkeit eines Polizeibeamten ist es zu verdanken, dass sich der Killer befreien konnte, dabei einen weiteren Polizisten tötete, und nun auf der Flucht ist. Lisbeth Salander wird im Krankenhaus aufgrund ihres bevorstehenden Prozesses abgeschirmt und Blomkvist ist weitgehend auf sich allein gestellt in seinem Bestreben, Lisbeths Unschuld und vor allem ihre psychische Gesundheit zu beweisen und die wahren Schuldigen zu überführen. Natürlich nicht ganz uneigennützig, denn für seine Zeitschrift »Millennium« soll dies eine Riesenstory werden.

Doch auch Mitglieder der SiPo, der Schwedischen Sicherheitspolizei, sind in die Verbrechen verwickelt. Und die kämpfen gegen Blomkvist und dessen Verbündete mit harten Bandagen …

Die Millennium-Trilogie zählt zu den Meilensteinen des Krimi-Genres

Selten bin ich mit einer solch hohen Erwartungshaltung an ein Buch herangegangen wie hier, wusste doch der  Vorgängerband in allen Belangen zu überzeugen. Wurde in den ersten beiden Romanen des öfteren die lange Einleitung als einer der wenigen Kritikpunkte genannt – was ich persönlich nicht nachvollziehen kann -, so dürfte hier diesbezüglich nicht zu meckern sein, denn es geht gleich in medias res.

Die Handlung lebt von Larssons faszinierenden Charakteren. Eine Protagonistin wie Lisbeth Salander sucht aufgrund ihrer Unangepasstheit, ihrer Intelligenz sowie ihrer sozialen Verantwortungslosigkeit ihresgleichen, genießt sie doch trotz ihrer negativen Eigenschaften die volle Sympathie des Lesers. Mikael Blomqvist als Kontrapunkt bildet mit ihr ein »Team« zweier Eigenbrötler, das verschiedener, aber dennoch auch ähnlicher nicht sein könnte. Auch die Nebendarsteller hat der Autor exquisit gezeichnet. Eine Erika Berger brilliert über die gesamte Reihe hinweg. Mikaels Schwester Annika Giannini als Lisbeths Anwältin, Susanne Linder und Monica Figuerola tragen ihren Großteil zum Genuss von Vergebung bei. Doch auch die Charaktere auf der anderen Seite sind nicht einfach nur Bösewichte, sondern Figuren mit Tiefgang.

Mehr noch als in den bisherigen Bänden geht Larsson auf die schwedische Politik der vergangenen fünfzig Jahre ein und kritisiert das Demokratieverständnis der Verantwortlichen.

Des Weiteren kann ich den Grundtenor meiner Rezension zu Verdammnishier wiederholen: Spannung pur, harte Action, schnelle Szenen- und Perspektivwechsel, eine intelligent konstruierte Handlung, die bis in die letzten Einzelheiten durchdacht ist und bei der am Ende jeder Faden aufgedröselt wird, so dass für den Leser auch wirklich keine Fragen offen bleiben.

Abschließend muß man sagen, dass Vergebung die hohe Erwartungshaltung vollauf erfüllen konnte. Stieg Larsson begeistert den Leser auf den 850 Seiten des Romans, wie es selten ein Autor schafft. Die Millennium-Trilogie zählt für mich bereits jetzt zu den Meilensteinen des Krimi-Genres. Mehr noch als beim Vorgänger ist jedoch die Reihenfolge der Serie zu beachten.Verdammnis ohne Verblendung – das war im Prinzip machbar. Vergebung ohne Verdammnis – das ist absolut nicht zu empfehlen. Wer den zweiten Band der Reihe nicht gelesen hat, dem fehlt einfach zu viel, um in den vollen Lesegenuss zu kommen.

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355 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

schweden, krimi, stieg larsson, mord, spionage

Verdammnis

Stieg Larsson , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Heyne, 20.07.2015
ISBN 9783453438217
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kriminalromane im Stockholmer Journalistenmilieu kennen wir bereits durch Liza Marklunds Reporterin Annika Bengtzon. Bei Stieg Larsson ist es Mikael Blomkvist, der sich für das Magazin »Millennium« einsetzt. Als der Journalist Dag Svensson der Zeitschrift eine Story über Mädchenhandel und Prostitution anbietet, herrscht rege Betriebsamkeit in der Redaktion. Die Geschichte soll ganz groß rausgebracht werden. Blomkvist zeichnet verantwortlich für den Artikel, in dem auch hohe Beamte der schwedischen Gesellschaft namentlich angeprangert werden sollen, die in die Verbrechen involviert sind, und da muß alles lückenlos recherchiert sein, wenn man sich keine Verleumdungsklage einhandeln will. Gleichzeitig soll Svenssons Story als Buch erscheinen. Und außerdem verfasst Svenssons Freundin, die Kriminalistin Mia Bergmann, ihre Doktorarbeit zum gleichen Thema.

Die eigentliche Protagonistin neben Blomkvist aber ist Lisbeth Salander, einer der ungewöhnlichsten und widersprüchlichsten Charaktere der schwedischen Krimilandschaft. Lisbeth ist 26 Jahre alt und seit ihrem zwölften Lebensjahr in psychiatrischer Behandlung. Sie wurde für geschäftsunfähig erklärt und dem Anwalt Nils Bjurman zur Betreuung unterstellt, was dieser dazu nutzte, sie mehfrach zu vergewaltigen. Doch mit der Filmaufnahme einer Vergewaltigung hat Lisbeth den Anwalt in der Hand. Lisbeth zählt zu den besten Computer-Hackern des Landes und betreibt die Mathematik als Hobby. Derzeit versucht sie gerade, die Fermatsche Vermutung zu beweisen. Sie hat sich ein Millionenvermögen angeeignet, das sie unabhängig macht. Sie geht keinerlei Bindungen ein und hat ein hohes Gerechtigkeitsempfinden, was gelegentlich auch zu gewalttätigen Aktionen führen kann. Dieser kurze Absatz reicht jedoch bei weitem nicht aus, diese faszinierende Person wirklich treffend zu beschreiben.

Nach einem relativ langen, aber dennoch sehr unterhaltsamen Einleitungsabschnitt von fast hundert Seiten, der hauptsächlich dazu dient, seine facettenreiche Protagonistin Lisbeth Salander dem Leser vertraut zu machen, beschleunigt Stieg Larsson dann das Tempo auf höchste Stufe. Die Verbindung zwischen Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist resultiert aus einem Job als Researcherin, den Lisbeth vor Jahren für Mikael zu erledigen hatte und der zu einem kurzen Verhältnis zwischen den beiden führte. Seitdem aber hat Lisbeth jeglichen Kontakt zu Mikael abgebrochen, was dieser weder verstehen noch akzeptieren kann.

Zum echten Pageturner wird der Roman dann nach einem Drittel seines Umfangs, nachdem sowohl Dag Svensson und Mia Bergmann als auch Rechtsanwalt Bjurman einem Verbrechen zum Opfer fielen. Die Mordwaffe wird am Tatort gefunden. Auf ihr befinden sich die Fingerabdrücke von Lisbeth Salander. Obwohl keine Verbindung von ihr zu Svensson und Bergmann zu finden ist, beginnt nun eine Jagd nach der mit allen Wassern gewaschenen Frau, die sich ihren Häschern gut zu entziehen weiß. Blomkvist ist der einzige, der an Lisbeths Unschuld glaubt. Und die versucht er zu beweisen.

Eine Tragödie: Nur noch ein Krimi mit Salander und Blomkvist

Man muss ganz klar feststellen, dass die Handlung von Verdammniskonstruiert ist, wenngleich aber ganz exzellent konstruiert. Der allzu früh verstorbene Autor Stieg Larsson kannte sich als Journalist und Herausgeber eines Magazin bestens im Milieu der Story aus. Trotz des für einen Kriminalroman hohen Umfangs von 750 Seiten gelingt ihm ein ungewöhnlich dichtes Werk. Die gesamte Handlung ist so komplex, dass die obige Beschreibung nur einen kurzen Anriss geben kann.

Verdammnis ist sowohl in Wort als auch in Tat harter Stoff. Sowohl die zierliche Lisbeth Salander als auch ihre Widersacher fackeln nicht lange und Lisbeth weiß seit langem, daß nur der Stärkste überlebt. Auch in ihrer Wortwahl ist sie nicht zimperlich, Mikael hat von ihr den Spitznamen »Kalle Fucking Blomqvist« verpasst bekommen.

Die Spannung bleibt bis zum Abschluß auf Top-Niveau und der vielzitierte Spruch vom Buch, »das man nicht mehr beiseite legen kann«, hat hier ausnahmsweise seine volle Berechtigung. Zahlreiche Fäden hat der Leser in wechselnden Orten und Perspektiven zu verfolgen, die sich nach immer neuen Wendungen und Überraschungen schließlich alle wieder verknüpfen.

Natürlich hätte ich jetzt die Möglichkeit und auch die Rezensentenpflicht, noch ein paar Kritikpunkte anzubringen, aber ich tue es nicht. Warum? Weil es für einen Kriminalroman die vordringlichste Aufgabe ist, spannend zu unterhalten. Und ich entsinne mich an kein anderes Buch, das es in den letzten Jahren geschafft hätte, mich derart in seinen Bann zu ziehen wieVerdammnis. Dass der Autor im furiosen Finalen recht dick aufgetragen hat, sei ihm aus dramaturgischen Gründen zugebilligt. Als größte Tragödie aber ist zu betrachten, dass der Autor erst posthum zu Ruhm als Krimiautor kam und sich die Leserschaft nur noch auf ein weiteres Werk mit Blomkvist und Salander freuen kann.

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809 Bibliotheken, 36 Leser, 1 Gruppe, 139 Rezensionen

thriller, mord, zug, paula hawkins, alkoholismus

The Girl on the Train

Paula Hawkins
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Doubleday, 29.01.2015
ISBN 9780857522313
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vermutlich macht es jeder von uns: Gehen wir an hell beleuchteten Fenstern vorbei, gönnen wir uns einen kürzeren – oder längeren – Blick in das dahinter liegende Zimmer. Bei Zugfahrten werfen wir auch gerne ein Auge darauf, was sich in den am Bahndamm liegenden Häusern tut und meistens sehen wir nur Leute beim Frühstücken oder Fensterputzen oder eine Ansammlung von Personen während einer Party.

Im Falle von Rachel ist die Sache etwas komplexer: Rachel fährt jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit. Das sagt sie. Rachel hat ihren Alkoholkomsum im Griff. Das sagt sie auch. Rachel kommt mit ihrem Leben zurecht. Das zumindest sagt sie nicht, denn das wäre so offensichtlich gelogen, dass tatsächlich jeder es durchschauen würde. Tatsächlich fährt Rachel nach London, um eine Freundin, bei der sie nach ihrer Scheidung eingezogen ist, glauben zu machen, dass sie immer noch einen Job hat. Ihr Alkoholkonsum ist schon längst aus den Fugen gerate und ihr Leben liegt in Trümmern. Das sind die hässlichen Tatsachen.

Wen wundert’s, wenn Rachel gerne Bilder aus der »heilen« Welt empfängt, wenn sie durch das Zugfenster glückliche Paare beobachtet, ihnen Namen gibt und sich sogar kleine Geschichten zu ihnen ausdenkt. Die Idylle wird jedoch getrübt, als sie eines Tages sieht, wie eine ihrer Phantasie-Heldinnen jemanden küsst, der offensichtlich nicht den »regulären« zweiten Teil des Paares darstellt. Noch beunruhigender entwickelt sich die Geschichte, als die »Fremdküsserin« am Tag danach verschwunden ist.

Klug wäre jetzt die Frau, die einen kurzen Besuch beim Polizeirevier macht und ihre Beobachtungen kurz und schmerzlos zu Protokoll gibt und es damit auf sich beruhen lässt. Aber tief in Rachels Gedächtnis schlummern noch vage Erinnerungen an eigenartige Erlebnisse aus einer Vollrauschnacht und so steigt sie tiefer in die Geschehnisse ein, als möglicherweise gut für sie ist.

Paula Hawkins macht es ihren Lesern weiß Gott nicht leicht, ihre Heldin Rachel auch nur ansatzweise zu mögen. Diese Frau hat ihr Leben im Großen und Ganzen vor die Wand gefahren: Der Ehemann Tom – weg, der Job – weg, die Wohnung – weg, bis auf eine kleines Zimmer bei Freundin Cathy, der Freundeskreis – weg. Gesteuert wird Rachel in erster Linie von einem eigenartigen Gewirr von Emotionen und alkoholbedingten Spontanentscheidungen, die den Leser regelmäßig wünschen lassen, er könnte sie einmal packen und richtig durchschütteln. Dennoch ist die Protagonistin nicht das einzige eigenartige Frauenbild, das hier vorgestellt wird. Da wäre noch Anna, die kühl berechnende neue Frau an Toms Seite, deren Gewissen offensichtlich gut mit Teflon ausgekleidet wurde, gleitet doch alles von ihr ab. Da wäre noch Megan, die beobachtete »Fremdküsserin«, in deren Leben sich schon so viele Dramen ereignet haben, dass ihre Seele nur noch in Fetzen daliegen kann und nicht zuletzt in einer Nebenrolle Cathy, die duldende Freundin und Vermieterin, die regelmäßig auf eine vollgekotzte Wohnung und hastig abgestreifte, bepisste Unterwäsche im Flur trifft, aber es nicht fertig bekommt, Rachel auf die Straße zu setzen. Insgesamt: Eine düstere Versammlung von gestörten Personen.

Dennoch ist es Paula Hawkins gelungen, diese seelischen Schäden in einen glaubhaften Plot einzufügen. Rachels Handlungen wirken wirr und unlogisch, dennoch ist es durch ihren vorher geschilderten Alkoholkonsum und auch durch die Verletzungen, die sie generell erfahren musste, nachvollziehbar, warum sie so agiert. Der Leser möchte sich manchmal die Haare raufen, dennoch erscheinen die Verwicklungen des Romans nicht an solchen herbeigezogen. Gut konstruiert ist auch die Erzählstruktur dieses Whodunnit: Die drei weiblichen Hauptpersonen Rachel, Anna und Megan wechseln sich als Ich-Erzählerinnen aus unterschiedlichen Perspektiven ab. Die eine berichtet aus der Vergangenheit, die anderen beiden decken dagegen aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Gegenwart ab. Dennoch empfiehlt es sich hier, die über den Kapiteln angegebenen Datumsangaben im Auge zu behalten, um sich hier nicht im Gewirr der Erzählstränge zu verirren.

Auch die Auflösung des Romans ist – wenn auch zumindest für die Verfasserin dieser Zeilen vorhersehbar – gut gelöst und bis auf den letzten Meter spannend. Interessant ist hier auch, dass sich nicht nur eine Person als des Mordens willig und fähig entpuppt, sondern auch noch andere ihre egoistischen Untiefen offenbaren. Als kleines Manko und als Meckern auf hohem Niveau kann allenfalls angeführt werden, dass Rachels Ermittlungen – wenn man das meistens angeschickerte Herumgetappse der Heldin als solche bezeichnen will – wesentlich eher weiter geführt hätten. Hier wurden zugunsten des Spannungsbogens vielleicht ein paar Schleifen zuviel konstruiert. Dennoch können auch diese Bögen noch glaubhaft vermittelt werden, gibt doch sicherlich niemand gerne zu, dass er sich wegen eines alkoholbedingten Blackouts nicht mehr an wichtige Geschehen erinnern kann.

Bei aller Spannung ist Girl on the train aber keine leichte Lektüre, da einfach zu düster und zu trist angelegt. Denen, die im unmittelbaren Familien- oder Freundeskreis erfahren mussten, wie die Alkoholsucht Leben und Beziehungen zerstören kann, sei sogar von der Lektüre abgeraten. Zu gut hat die Autorin das »nasse« Gerede von Alkoholabhängigen getroffen, das von »ich schaffe das nur, wenn ich ein kleines Glas trinke« bis zu »ab sofort trinke ich nichts mehr« in verschiedenen Varianten wiedergegeben wird. Dennoch lässt sich bei aller Düsternis nicht von der Hand weisen, dass Paula Hawkins eine spannende Lektüre gelungen ist, die einen bis zuletzt fesselt.

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516 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

schweden, krimi, vergewaltigung, hacker, spannend

Verblendung

Stieg Larsson , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 704 Seiten
Erschienen bei Heyne, 20.07.2015
ISBN 9783453438200
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Verblendung gehört scheinbar zu den Büchern, die man nur deswegen lesen muss, um mitreden zu können. Freilich: Man kann auch ohne Lektüre mancher Romane eine Meinung dazu haben (hat wirklich jeder Charlotte Roches Feuchtgebiete gelesen?), aber bei einem Hype wie um den 2004 verstorbenen Stieg Larsson kann ein Blick ins Werk vielleicht wirklich nicht schaden. Hat er auch nicht sonderlich. Ich kann jetzt mitreden. Und ganz klar den Standpunkt vertreten: Durchschnitt. Mehr nicht.

Und das ist noch recht positiv bewertet. Hätte ich nicht viel zu viel Zeit gehabt (Urlaub), wäre Verblendung nach etwa hundert Seiten in der Ecke gelandet. Allein schon innerhalb der ersten Seiten ein dicker Schnitzer: Da soll sich ein Mann Wochen lang nicht rasiert haben – und gerade einmal ein paar Bartstoppeln sprießen ihm im Gesicht. Tja, wenn es so wäre, könnten Gilette, Wilkinson und Co. Sicherlich einpacken.

Einverstanden, eine derartige Betrachtung des Textes ist vielleicht etwas kleinlich und eher dem Lektorat denn dem Autor anzukreiden. Vielmehr ärgert die Struktur Larssons, dem Erzählökonomie ein Fremdwort wie Humor zu sein scheint. Er beginnt gemächlich (ein ebenso starker Euphemismus wie die Bewertung des Romans als Durchschnitt) und führt den männlichen Part seiner Protagonisten, Mikael Blomkvist, ein, den nahezu jeder auf herrgott-wie-originelle Weise in Anlehnung an Astrid Lindgrens Detektiv nur »Kalle« nennt. Blomkvist ist Star-Journalist für ein Magazin, dem man am ehesten den Stempel »independent« aufdrücken würde. Erstaunlich naiv hat der sich mit einem Finanzhai namens Wennerström angelegt und in Folge dessen eine schmerzliche Niederlage vor dem Kadi erlitten. Die Karriere steht vor dem Aus, als ihn glücklicherweise der Alt-Industrielle Vanger Blomkvist bittet, ein wenig die Familiengeschichte – eigentlich eine Familientragödie – zu beleuchten.

An dieser Stelle fängt der eigentliche Fall an und gähnend blickt man auf über hundert Seiten davor: Bereits 1966 ist Vangers Nichte wie vom Erdboden verschluckt. Sie verschwand spurlos von der Insel der Großfamilie, obwohl ein LKW-Unfall dies unmöglich gemacht hätte. Blomkvists Auftrag: herauszufinden, was mit der jungen Harriet passiert ist. Unterstützung bekommt er ausgerechnet von einem Twen namens Lisbeth Salander – tätowiert, emotionsunfähig, Computergenie. Es überrascht dann nicht wirklich, dass die beiden einem Serienkiller mit ausgeprägtem Frauenhass auf die Spur kommen.

Zugegeben: Dieser Plot ist gar nicht mal verkehrt, wenngleich auch nicht sonderlich originell. Aber er hält den Leser ein paar hundert Seiten am Ball, Larssons Schilderung der ach-so-klassischen Mord-auf-einer-Insel-Spannung wirkt streckenweise gar atmosphärisch. Dabei hätte er es belassen sollen. Und nicht den Roman nach Enttarnung des Mörders um weitere hundertfünfzig Seiten aufzublähen, um die Geschichte um Blomkvists Widersacher Wennerström auf mäßige Temperatur aufzuwärmen.

Können weder Struktur noch Plot begeistern, müssen die Charaktere herhalten. Aber auch hier: Unser Kalle ist ein lauwarmes Abziehbild. Political correct, Womanizer – aber Elizabeth-George-Leser. Ah ja. Mehr gibt es zu ihm kaum zu sagen.

Bliebe Lisbeth Salander, die tatsächlich das Originellste in Verblendung ist. Sie hätte den Roman herumreißen können. Hätte. Denn leider bleibt unser glatter Journalist, für den sie dann auch Gefühle entwickeln soll – ausgerechnet! – im Vordergrund. Vieles bleibt bei Lisbeth Salander offen, manches wirkt arg überzeichnet – der Ausdruck »Heldin« passt schließlich viel zu gut -, und da Larsson sie »normalisiert« statt zum spannenden Gegenpol aufzubauen, geht der Reiz dieser Figur auch von Seite zu Seite mehr flöten. Wie es mit ihr weitergeht? Who cares?

Unterm Strich bleibt so wenig mehr als ein mäßig lesbarer Kriminalroman mit ein paar fesselnden Sequenzen, der die Eingangsfrage jedoch relativiert. Manche Bücher muss man nicht unbedingt gelesen haben. Nichtmals, um mitreden zu können. Larssons posthumer Ruhm ist angesichts vonVerblendung schleierhaft.


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(1.209)

2.217 Bibliotheken, 17 Leser, 7 Gruppen, 112 Rezensionen

thriller, vatikan, verschwörung, rom, kirche

Illuminati

Dan Brown , Axel Merz (Übers.)
Flexibler Einband: 716 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 25.02.2003
ISBN 9783404148660
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der uralte und immer noch schwelende Zwist der Wissenschaft und der Kirche ist Hintergrund dieses spannenden und packenden Thrillers. Der Mord an einem Forscher des Forschungszentrums CERN in der Schweiz und der Diebstahl von hochgefährlicher Antimaterie bilden die Eröffnung dieses hochklassigen Buches. Robert Langdon, Harvardprofessor und Symbologe, wird von dem Direktor des Forschungsinstituts, Maxmilian Kohler, nach Genf gerufen, da der Leichnam des Getöteten mit einem uralten Symbol gebrandmarkt worden war. Das Wort »Illuminati« in einer Schrift, die es von jeder Seite aus lesbar machte, prangte auf der Brust des Ermordeten.

Langdon, Spezialist auf diesem Gebiet, soll herausfinden, ob tatsächlich der uralte Geheimbund von Wissenschaftlern und Freidenkern hinter diesem Verbrechen stehen kann. Ist die Gemeinschaft aus den frühen Tagen der Wissenschaft plötzlich wieder zum Leben erwacht?

Doch noch etwas steckt hinter dem Verbrechen. Aus einem der geheimen Labors von CERN, tief unter der Erde und unerreichbar für Außenstehende, ist ein Behälter entwendet worden, in dem sich Antimaterie befand. Ein kleiner Tropfen nur, doch gefährlicher als eine Atombombe. Was beabsichtigen die Illuminati? Was steckt hinter diesem grausamen Verbrechen?

Langdon lernt die Ziehtochter des Ermordeten, Vittoria Vetra kennen und bald stellt es sich heraus, dass der Tote nicht nur Forscher, sondern auch Priester war, der die These vertrat, dass Wissenschaft und Kirche sich nicht im Wege steht, sondern hinter allen Errungenschaften und Entdeckungen der Forscher, Gott als die wahre Kraft existiert. War vielleicht genau diese Einstellung des Toten das Motiv für die Tat?

Doch es kommt anders. Die Spur der gestohlenen Antimaterie führt in den kleinen Vatikanstaat. Dort holen die Wahnsinnigen des alten Geheimbundes der Illuminati zum ultimativen Schlag gegen die verhasste Kirche aus, um sie endgültig zu vernichten. Der Augenblick scheint wohl überlegt, denn gerade zu diesem Zeitpunkt findet in Rom das Konklave der Kardinäle statt, um nach dem Tod des Papstes die Neuwahl zu vollziehen. Doch damit der Demütigung der Kirche nicht genug. Die vier aussichtsreichsten Kandidaten der Neuwahl, die vier Il preferiti werden entführt. Der Assassine der Illuminati kündigt an, stündlich einen jeden von ihnen auf dem »Pfade der Erleuchtung« öffentlich zu ermorden, bis sich schließlich um Mitternacht der ganze Vatikanstaat samt den Kardinälen in einer riesigen Antimaterieexplosion im Nichts auflösen soll. Nur Langdon, der viel über diesen alten Geheimbund weiß, kann es gelingen, den Wahnsinn zu stoppen. Gemeinsam mit Vittoria, die den Mörder ihres Vaters zur Strecke bringen will, reist er nach Rom.

Dort stoßen sie zunächst auf den griesgrämigen und dienstbeflissenen Oberst der Schweizer Garde, der ihnen nur wenig Glauben schenkt. Doch der Camerlengo (Kammerdiener und Privatsekretär) des verstorbenen Papstes, der während des Konklaves die Amtsgeschäfte des Papstes bis zur Neuwahl weiterführt, schenkt Langdons These Glauben, zumal mittlerweile die Drohung des Assassinen auch bis in die geheimsten Winkeln des Vatikanstaates vorgedrungen ist.

Es beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit. Und nur dem festen Glauben und der Tatkraft des Camerlengo ist es zu verdanken, dass entgegen aller gültigen Kirchengesetze Langdon Zutritt in die geheime Bibliothek des Vatikans erhält, in der uralte Schriften früherer Wissenschaftler wie Da Vinci und Galilei lagern, die zur damaligen Zeit als ketzerische Schriften von der Kirche konfisziert worden waren. Aus den Schriften Galileis und mit dem Wissen Langdons lässt sich der uralte »Pfad der Erleuchtung« entwirren, auf dem die Il preferiti hingerichtet werden sollen. Doch werden sie noch rechtzeitig am ersten Ort eintreffen? Werden sie die Morde verhindern können? Gelingt es ihnen, den Behälter mit der Antimaterie rechtzeitig zu finden und zu entschärfen?
Am Ende ist wieder einmal alles anders, als es zuerst erscheint.

Eine Aura der Authentizität

Der Autor schreibt in auktorialer Erzählweise, er benutzt eine angenehme und verständliche Sprache, die mit vielen Fachbegriffen gespickt, eine Aura der Authentizität erzeugt. Überhaupt lässt sich der Geschichte entnehmen, dass eine hervorragende Recherchearbeit des Autors vorausging. Kirchengesetze, die klerischen Verhaltensmuster, Orte und Bezeichnungen, alles wirkt schlüssig und real und lässt im Leser nie einen Eindruck der Unschlüssigkeit aufkommen. Der vom Autor erschaffene Mikrokosmos ist logisch und sauber erarbeitet. Nur einmal, kurz vor dem Ende des Romans verlässt Brown den Boden seiner selbst erschaffenen Welt und setzt die Gesetze der Schwerkraft für einen kurzen Moment außer Kraft. Doch dieser Lapsus sei ihm verziehen, wirken doch die anderen 699 Seiten glaubhaft und schlüssig.

Die handelnden Personen sind sympathisch (Protagonisten) und dreidimensional beschrieben. Sie leben in diesem Roman, Sprechen, handeln und geben sich der Situation und ihren geschaffenen Charakteren angemessen natürlich. Die Dialoge treiben die Handlung voran und zeigen ebenfalls, dass der Autor genau weiß, wovon er schreibt, denn er legt ihnen immer die passenden Worte in den Mund.

Hinter dem Handlungsstrang verbirgt sich ein typisch amerikanisches up-tempo-Katastrophenplot. Die Handlungen sind motiviert und mir wäre auch nicht einmal aufgefallen, dass eine Szene ohne tieferen Sinn und ohne die vorantreibende Motivation erfolgt wäre. Jede Handlung der Romanfiguren ist überlegt und ausgearbeitet. Besonders schön ist die im Katastrophenplot eingearbeitete Detektionslinie. Langdon folgt dem »Pfade der Erleuchtung« aufgrund ermittelter Indizien, die ein schlüssiges Bild entstehen lassen und den Leser mitreißen.

Die Nebenhandlungen sind geschickt mit dem Hauptstrang verwoben, so dass am Ende die überraschende Wendung nicht aus heiterem Himmel erfolgt, sondern bei genauer Überlegung nachvollziehbar ist. Kurzum, alles in allem eine runde Sache.

»Illuminati« fesselt

Es bewahrheitet sich wieder einmal der alte Spruch der Literaten: Es gibt keine dicken oder dünnen Bücher, es gibt nur gute oder schlechte Bücher. Illuminati ist eines der guten, ja sogar eines der wenigen empfehlenswerten, die bei knapp 80.000 Veröffentlichungen im Jahr erscheinen. Die 700 Seiten las ich schneller, als bei so manch einem 250 Seiten starken, aber stinklangweiligen Werk.

Illuminati fesselt. Es ist mit Sicherheit kein neuer Stil, der hier von einem Autor geprägt wurde. Es ist ein typisches Buch für einen US-Autor, bei dem die temporeiche Handlung im Vordergrund steht, aber es ist ein absolut lesenswertes Buch, das seinem Zweck – die Unterhaltung des Lesers – in vollem Umfang gerecht wird. 

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thriller, verschwörung, kirche, paris, louvre

Sakrileg - The Da Vinci Code

Dan Brown ,
Flexibler Einband: 618 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 08.04.2006
ISBN 9783404154852
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der amerikanische Symbologe Robert Langdon wollte sich nach seinem Vortragsabend in Paris eigentlich mit Jaques Saunière, dem Museumsdirektor des Louvre treffen, doch dieser war nicht zum Treffen erschienen. Als Langdon dann nachts von der Polizei in seinem Hotelzimmer aufgesucht wird, erfährt er, warum aus dem Treffen nichts geworden ist. Saunière war zu diesem Zeitpunkt bereits tot, in seinem Museum erschossen.

Captaine Fache von der Pariser Polizei bittet Langdon um Mithilfe, denn der Ermordete hat, bevor er starb, Hinweise hinterlassen, die man nicht zu deuten weiß. Was der Leser bereits im Prolog erfährt, nicht aber die Polizei, ist die Tatsache, dass Saunière einer Bruderschaft angehört, die seit vielen Jahrhunderten ein streng gehütetes Geheimnis wahrt. Nur vier Personen wissen, wo sich der Gegenstand befindet, den die Gegner der Bruderschaft mit allen Mitteln in ihren Besitz bringen möchten. Als Saunière seinem Mörder gegenübersteht, wird ihm klar, dass die anderen Geheimnisträger bereits getötet wurden und daß sein Wissen mit seinem Tod unwiderbringlich verloren ist. Er weiß, dass er mit seinem Bauchschuß nur noch kurze Zeit leben wird. So nutzt er seine letzten Minuten dazu, Spuren zu legen, die den richtigen Leuten die passenden Hinweise geben können.

Als Langdon den Tatort und die Hinweise besichtigt, kommt Sophie Neveu von der Dechiffrierabteilung hinzu, um die von Saunière aufgeschriebene Zahlenfolge zu deuten. Geschickt warnt sie Langdon und lotst ihn auf die Toilette, wo sie ihm eröffnet, dass Fache davon überzeugt ist, dass Langdon selber der Mörder ist und ihn verhaften wird. Denn außer dem, was Fache Langdon eröffnet hat, hat der Ermordete noch aufgeschrieben: »Robert Langdon suchen!«

Sophie sieht jedoch in dem Satz keinen Hinweis auf den Mörder, sondern eine an sie selbst gerichtete Nachricht, dass sie Langdon zur Unterstützung aufsuchen soll. Langdon kann ihren Erklärungen nicht folgen, bis sie ihm eröffnet, dass Saunière ihr Großvater war und die Hinweise für sie ausgelegt hat.

Langdon täuscht seine Flucht aus dem Museum vor und findet zusammen mit Sophie, nachdem die Polizei weggelockt ist, weitere Spuren.

Schnitzeljagd im Stil von Indiana Jones

Dan Brown legt in seinem Thriller ein atemberaubendes Tempo vor, und nachdem man die gut 600 Seiten hinter sich hat, ist man verblüfft, wenn man feststellt, dass sich die gesamte Handlung gerade mal über eine Nacht und einen Tag hingezogen hat. Das Gefährliche dabei ist, dass man durchaus das gesamte Buch auch in dieser Zeitspanne verschlingen kann, denn mit zunehmender Seitenzahl wird das Beiseitelegen des Buches immer schwieriger.

»Sakrileg« ist im Prinzip nichts anderes als eine Schnitzeljagd. Zwei Gruppen versuchen anhand von Hinweisen aus unterschiedlichen Intentionen das gleiche Ziel zu erreichen, nichts anderes als Indiana Jones oder James Bond, wenngleich Robert Langdon noch etwas unbedarft auftritt und er noch ein paar Stufen vom Übermenschen entfernt ist.

Dan Brown ist ein Autor, der sein Handwerk meisterhaft beherrscht. Mittels der Rätsel, die den Leser zum Mitraten anregen, hat er sein Publikum bereits soweit gefesselt, dass es nicht mehr abspringen kann. Dann setzt er gezielt Spannungselemente ein und hält das Niveau gleichmäßig hoch, indem nach kleinen Erfolgen für das Protagonistenteam postwendend der Rückschlag kommt. Durch kurze Kapitel aus ständig wechselnden Perspektiven, die fast durchweg in einem Cliffhanger enden, hält er dieses Hin und Her im Wettrennen zwischen Gut und Böse bis zum Ende hin hoffen und verblüfft dabei immer wieder mit ungeahnten Wendungen und Überraschungen.

Mit seiner Schreibweise tut sich Dan Brown aus dem Gros der amerikanischen Thrillerautoren nicht hervor. Flüssig geschrieben mit viel dierekter Rede ohne großen sprachlichen Anspruch ist der Roman zum flotten Runterlesen bestens geeignet.

Der Hype ist nicht nachvollziehbar

Thematisch hat sich Brown zu einem Gebiet hinbegeben, dass die Menschheit seit hunderten von Jahren immer wieder begeistert und fesselt und immer noch eine Faszination ausübt, obgleich man meinen sollte, dass dazu bereits alles geschrieben sein muß. Seine Recherchen für diesen Roman müssen sehr umfassend und genau gewesen sein. Da er aber neben geschichtlichen Tatsachen auch jede Menge Fiktion und Spekulation eingebracht hat, hat er sich einerseits davor geschützt, sich Fehler vorwerfen zu lassen und es dem Leser andererseits schwer gemacht, Fakten und Fiktion zu unterscheiden. Die Glaubwürdigkeit des Geschehens musste leider aufgrund der Dramaturgie erheblich leiden

Nicht nachvollziehen kann ich jedoch den Hype um die Bücher von Dan Brown. Zweifellos hat er mit »Sakrileg« ein hervorragendes und fesselndes Werk verfasst, doch dabei weitgehend nichts anderes getan als solides schriftstellerisches Handwerk geboten. Grundlegend Neues macht Dan Brown auch nicht. Seine Romane halte ich für absolut überbewertet. Von der Art her erinnert mich »Sakrileg« an die Lincoln-Rhyme-Serie von Jeffery Deaver.

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