Bouggo

Bouggos Bibliothek

31 Bücher, 19 Rezensionen

Zu Bouggos Profil Zur Autorenseite
Filtern nach
31 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Kafka - Die Jahre der Entscheidungen. von Stach, Reiner (2003) Gebundene Ausgabe


Fester Einband
Erschienen bei null
ISBN B00HLQ5MJ0
Genre: Sonstiges

Rezension:

Uff geschafft! Ich habe wieder fast ein Jahr für dieses Buch gebraucht, genau wie „Die frühen Jahre“. Dass ich durch war, ist jetzt auch schon wieder zwei Monate her. Doch ich denke, gerade dieser Abstand ist gut für eine Rückbesinnung.

Was also ist geblieben von Stachs Biografie? Das erste Gefühl: Der Kopf schwirrt wie einen Mückenschwarm. Stach übergießt mich als Leser mit Informationen, wie auch im vorhergehenden Band. Einzelheiten lassen sich nicht merken. Es bleibt die Einschätzung: Kafka war schon ein eigenartiger Mensch. Er stellte sich gerne als zerbrechlich dar, war aber ein guter Schwimmer und ein Mensch der äußerst gesundheitsbewusst lebte. Er stellte sein Licht ständig unter den Scheffel, hielt jedoch beharrlich an seinen Vorstellungen vom Schreiben fest und ließ sich auf keine Strömungen ein, auch wenn sie ihm den Erfolg erleichtert hätten. Zum Glück, kann man nur sagen.

Einen großen Teil des Buches nimmt die Beziehung zu Felice Bauer ein, und der wiederum wird gespeist durch Kafkas Briefe an sie. Ihre Antworten allerdings hatte er vernichtet. In dieser Verbindung spiegelt sich die ganze Zwiespältigkeit und Kompliziertheit Kafkas, und gleichzeitig stellt sich mir die Frage, wie konnte eine Frau so mit sich umspringen lassen. Doch das ist aus heutiger Sicht vielleicht leicht gesagt.

Viel mehr will ich gar nicht von mir geben. Mit dieser Rezension werde ich dem Werk Stachs in keiner Weise gerecht. Darin steckt unendlich viel Mühe – und dazu hat er es noch geschafft, die Atmosphäre aufleben zu lassen, in der sich alles zugetragen hat. Oder zugetragen haben könnte. Dafür gebührt Stach große Dankbarkeit.

Weniger Dankbarkeit gibt es für die Langatmigkeit. Über weite Strecken schweift der Autor zu sehr aus, seine Betrachtungen ufern aus ins Spekulative oder auch ins Nebensächliche. Das trug sicherlich deutlich mit zu der langen Lesedauer bei.

Trotzdem hat Stach mir Kafka ein Stück weit erklärt. Als Mensch näher gebracht hat er ihn mir nicht. Doch wurde mir verständlich, wieso Kafka derart unnahbar war. Zumindest für die meisten Menschen in seiner Umgebung.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(49)

52 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

philosophie, erwachsen werden, kinderbuch, bücher, roman

Wunderbare Möglichkeiten

Manfred Mai
Fester Einband: 127 Seiten
Erschienen bei fabulus Verlag, 15.08.2016
ISBN 9783944788401
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Rezension Nummer 47 - muss die wirklich sein? Alles, was gesagt werden kann, ist doch schon gesagt. Ich will wenigstens begründen, warum es bei mir "nur" vier Punkte gibt. 

Max ist ein ungewöhnlicher, hochbegabter Junge, das wird beim Lesen auf den ersten Seiten klar. Mit seiner Art eckt er überall an - bei Eltern (besonders beim Vater), Lehrern und auch Mitschülern. Doch er hat auch Verbündete - seine Schwester, und zwei Freunde, einen Fußballenthusiasten und einen behinderten Jungen. Gerade dieser regt Max zu Betrachtungen über menschliche Beziehungen, Gesellschaft und Empfinden von Freude an. 

Das alles liest sich gut, eine schöne Geschichte. Noch dazu der Beginn einer Romanze - hier ist für mich schön beschrieben, wie bei Elfjährigen sich diese Gefühle zu regen beginnen. Ebenfalls beeindruckend und nachvollziehbar wie Max es schafft, mit klugen Argumenten selbst einem Raubein wie "Ketchup" gegenüber eine Prügelei zu vermeiden. 

Der Haken für mich, ganz subjektiv: Max bleibt blass. Er wird für mich nicht zu einem Jungen aus Fleisch und Blut, er bleibt eine Kunstfigur. Die "wunderbaren Möglichkeiten", die in jedem Menschen stecken - und das ist eine starke Annahme - sind paradoxerweise im Protagonisten nicht lebendig geworden.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Drake Ramsey: Das Gold der Inka

Russell Blake , Kalle Max Hofmann
Flexibler Einband: 364 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 22.04.2016
ISBN 9783958351189
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Warum lese ich einen Abenteuerroman? Ich will unterhalten werden und gespannt sein, wie es weitergeht. Im Hinterkopf immer den Gedanken: Wird schon ein Happy End geben, aber wie wird dieses genau aussehen?

Genau diese Kriterien erfüllt die Story. Nicht mehr und nicht weniger. Ich will ja kein philosophisches Werk. Ein paar gesellschaftskritische Statements sind trotzdem gratis dabei. Und die stimmen natürlich mit den eigenen überein, sonst wäre ich nicht Leser dieses Genres und Ramsey nicht der Schreiber solcher Geschichten. Der Stil ist flüssig, die Dialoge mit ihrem amerikanischen Unterstatement und den obercoolen Wortgeplänkeln sind witzig und originell.

Finde, Hofmann hat es geschafft nicht nur den Text, sondern auch die Stimmungen perfekt zu übersetzen.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

robert havemann, dd, brd, nachkriegszeit, mein jahr als mörder

Mein Jahr als Mörder

Friedrich Christian Delius
Flexibler Einband: 301 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 02.01.2006
ISBN 9783499239328
Genre: Romane

Rezension:

Packt Dich nicht auch manchmal die Wut, wenn Du von Schweinereien erfährst, die Menschen Menschen antun? Hast Du nicht auch schon einmal davon geträumt, einen, wenigstens einen dieser Übeltäter zu beseitigen?
Dann liegst Du mit Delius auf einer Wellenlänge. Dann packt auch Dich die Mordlust am "Richter" des "Volksgerichtshofs" (Anführungsstriche, weil das Verbrecher in einer Verbrecherorganisation waren), der Georg Groscurth zum Tode verurteilte. Du willst auch gleich den Henker und seine Gehilfen mit ins Jenseits befördern und die Sachbearbeiter des Berliner Senats, die seiner Frau ein paar Jahre später die Witwen- und seinen Kindern die Waisenrente streichen, gleich mit.
Die Lektüre des Buches bringt Dich dem Widerstandskämpfer und seinem Kreis, der "Europäischen Union, EU" (welche Weitsicht!) näher und den Verhältnissen der hysterischen Nachkriegszeit mit ihrem vorherrschenden Antikommunismus, oft getragen und geschürt von Leuten, einschließlich Juristen, die mit den Nazis ihr Süppchen gekocht hatten.
Du liest das Buch wie einen spannenden Krimi - gehst immer wieder ins Internet und stellst fest: Alles ist wahr.
Alles vielleicht nicht. So sei dahingestellt, ob der Ich-Erzähler wirklich den Ex-"Richter" Hans-Joachim Rehse observiert hat zum Zwecke des geplanten Attentats und ob seine Freundin auf einer Mexiko-Reise wirklich umkam. Diese Details könnten zusätzliche Pfefferkörner sein in diesem literarischen Gericht (durchaus doppeldeutig gemeint). Sie tragen jedenfalls dazu bei, dass diese Kost während der Einverleibung den Appetit noch steigert. Man kann (ich konnte) das Buch nicht weglegen. Doch es sind schwere Brocken eingearbeitet.

Am Schluss mordet man nicht - aber man könnte sich übergeben.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

schwebewesen, geruch, zickel, jugendroman, professor zickel

Quintus Zickel

Claus Bisle
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei fabulus Verlag, 29.02.2016
ISBN 9783944788166
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Zum Inhalt:


 In diesem Buch treffen sehr sympathische, aber auch geldgierige, gerissene und bedrohliche Charaktere aufeinander. Namensgeber ist dieser Quintus Zickel, ein Professor für Medizin, der sich aber längst eines abwegigen Themas angenommen hat – den Schwebewesen – und nicht mehr als Arzt arbeitet. Alle halten ihn für einen Spinner, dabei erweisen sich seine Theorien zunehmend als wahr.


 Das hat der Unternehmer Hagemann längst erahnt, er wittert ein Riesengeschäft. Es passt überhaupt nicht in sein Konzept, dass seine Haushälterin in eine unklare Ohnmacht fällt, die möglicherweise im Zusammenhang mit diesen Schwebewesen steht. Er versucht, ihre Krankheit mit seinem Mitarbeiterstab selbst zu erforschen, wozu er sie von der Umwelt strikt isoliert.


Im Zentrum des Romans stehen aber die Jugendlichen Julia und Simon, die sich zwar sympathisch sind, die aber selbst erst in den Verstrickungen, in die sie geraten, merken, dass sie ineinander verliebt sind.


 Nun ist blöderweise Simon Hagemanns Sohn, der allerdings keinen guten Draht zu ihm hat und zu seinem Gegenspieler wird. Denn auch Julia fällt in dieses seltsames Koma und der Vater versucht, sie aus der Klinik zu entführen und in seinem eigen Labor Versuche mit ihr anzustellen.


 Zu den Verwicklungen gehört, dass sich die Jugendlichen mit Zickel und dem Chemielehrer Hartmann, der ebenfalls Kenner der Schwebewesen ist, befreunden, sie zusammen herausbekommen wollen, was mit der Haushaltshilfe passiert; ferner, dass später Hagemann seine eigene Frau und sogar Simon entführt. Diese Vorgänge sind derart spannend beschrieben, dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag, bevor man es zu Ende gelesen hat.


Allerdings kommt es nicht zur Auflösung sämtlicher rätselhafter Ereignisse. Es sieht ganz danach aus, als müsse ein zweiter Band folgen – und auf den darf man mächtig gespannt sein.


Meine Meinung:


Ganz zentrales Thema sind diese Schwebewesen. Professor Zickel kann sie derart überzeugend erklären, dass die Theorie, die dahinter steckt, immer plausibler wird. Diese seltsamen Geschöpfe, selbst weder Pflanze noch Tier, umgeben uns ständig, leben mit Pflanzen, Tieren und uns selbst zusammen. Sie sind unter anderem für alle typischen Gerüche verantwortlich, das heißte ohne sie wäre alles geruchslos. Dass sie bisher noch nicht entdeckt wurden, liegt einfach daran, dass sie Licht fressen, im Prinzip deshalb unsichtbar sind. Zickels allerdings ist zu verdanken, dass er es geschafft hat, sie zu erkennen und zu erforschen.


 Diese Art von fantasievollem Spiel mit Naturgesetzten und Wissenschaft ist es, die für mich einen ganz besonderen Reiz hat. Dazu kommen die gut ausgearbeiteten Figuren, mit denen man sich gerne identifiziert bzw. die einen als Widersacher abstoßen.


Fazit:


Ein flüssig geschriebenes Buch, das mich als Leser sehr schnell in seinen Bann zog. Langweilig wird es an keiner Stelle, weil sich die Ereignisse überhäufen und immer wieder in eine andere Richtung abdriften als man erwartet hat.


Die Charaktere sind nachvollziehbar beschrieben, die guten wie die bösen. Besonders schön ist daran, dass sich auch Beziehungen, z. B. zu einer Klassenkameradin oder der Zugehfrau des Professors, anders entwickeln als man es erwartet hätte.


 Ein spannendes Buch, auf dessen Folgeband ich schon sehr neugierig bin.

  (5)
Tags: geruch, professor quintus zickel, professor zickel, schwebewesen, zickel   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(268)

456 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

meer, klassiker, ernest hemingway, fischer, hemingway

Der alte Mann und das Meer

Ernest Hemingway , Werner Schmitz , ,
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.03.2014
ISBN 9783499267673
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Solaris

Stanislaw Lem
Flexibler Einband: 214 Seiten
Erschienen bei Faber And Faber, 03.02.2003
ISBN 9780571219728
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2.604)

3.192 Bibliotheken, 33 Leser, 4 Gruppen, 42 Rezensionen

thriller, meer, umwelt, frank schätzing, spannung

Der Schwarm

Frank Schätzing
Flexibler Einband: 992 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 02.09.2009
ISBN 9783596510856
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4.017)

4.706 Bibliotheken, 21 Leser, 3 Gruppen, 46 Rezensionen

fantasy, michael ende, klassiker, kinderbuch, die unendliche geschichte

Die unendliche Geschichte

Michael Ende
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Thienemann-Esslinger, 17.09.2014
ISBN 9783522202039
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2.394)

2.554 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

jakobsweg, hape kerkeling, humor, pilgern, spanien

Ich bin dann mal weg

Hape Kerkeling
Fester Einband: 405 Seiten
Erschienen bei Piper, 15.09.2010
ISBN 9783492259736
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4.023)

4.633 Bibliotheken, 78 Leser, 6 Gruppen, 49 Rezensionen

fantasy, mittelerde, elben, ring, zwerge

Der Herr der Ringe

J. R. R. Tolkien , Margaret Carroux (Übers.) , E.-M. von Freymann (Übers.)
Fester Einband: 1.293 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 01.12.2014
ISBN 9783608938289
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2.411)

3.299 Bibliotheken, 41 Leser, 7 Gruppen, 173 Rezensionen

schafe, krimi, mord, irland, humor

Glennkill

Leonie Swann
Flexibler Einband: 382 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 02.05.2007
ISBN 9783442464159
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5.561)

6.510 Bibliotheken, 28 Leser, 10 Gruppen, 86 Rezensionen

mord, klassiker, parfum, frankreich, paris

Das Parfum

Patrick Süskind
Flexibler Einband: 319 Seiten
Erschienen bei Diogenes Verlag AG, 01.01.2006
ISBN 9783257016789
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2.051)

2.460 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

klassiker, komödie, physiker, drama, mord

Die Physiker

Friedrich Dürrenmatt
Flexibler Einband: 93 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.10.1998
ISBN 9783257208375
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2.573)

3.359 Bibliotheken, 43 Leser, 9 Gruppen, 66 Rezensionen

dystopie, klassiker, big brother, überwachung, utopie

1984

George Orwell , Michael Walter
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.06.1994
ISBN 9783548234106
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

spannend bis zum ende, familie, levi, verrat, gwyrdd

Cináed

Tanja Höfliger
Buch: 260 Seiten
Erschienen bei fabulus Verlag, 13.07.2015
ISBN 9783944788081
Genre: Fantasy

Rezension:

  Auch dieser Band ist mit seinem Hardcover und Farbschnitt aufwändig und ansprechend gestaltet.

  Durch den Tod des väterlichen Freundes Cassis ist Daniel Frayne zunächst wie gelähmt. Zumal Cassis den Jungen vor einer tödlichen Rakete gerettet und das mit seinem Leben bezahlt hatte.
  Nach einer sechswöchigen Erholungsphase rafft sich Daniel endlich auf, zur Akademie auf Castle Conwy zurückzukehren. Dort haben sich die Verhältnisse massiv geändert, Daniels Erzfeinde, Vater und Sohn Green und die ehemals so unscheinbare Miss Michel haben das Ruder an sich gerissen. Sie lassen die Wettkämpfe der Conwy-Akademie wiederholen, weil angeblich Cassis bei den letzten Spielen manipuliert haben soll. Das ist jedoch nur ein Vorwand, um Daniel und seinen Freunden den Garaus zu machen.
  Die Dramatik steigert sich noch durch ein posthumes Abschiedsgeschenk, das Cassis Daniel vermacht hat. Es ist eine Uhr, die die Zeit rückwärts zählt, bis es zu einer Katastrophe kommen wird, die Hunderte von Menschenleben fordern wird. Von fünf Tagen Zeit zu Beginn vergeht ein großer Teil davon in scheinbar unnützen Vorgängen wie nicht zu vermeidender Schlaf und Flucht vor dem unheilvollen Wettkampfgeschehen. Zu allem Überfluss kommt es zu einer Änderung im Raum-Zeit-Gefüge, so dass die letzten Stunden im Minutentakt verrinnen.
  Trotz mystischer Fähigkeiten wie Menschenblocker, die unsichtbar machen, und Gedankenübertragung bleibt es einerseits fraglich, ob Daniel und seine Freunde das Unglück werden verhindern können, andererseits ob sie es bei Gelingen selbst lebend überstehen werden.

  Die Ereignisse überschlagen sich wieder, wie bei den beiden vorhergehenden Bänden. Der Leser erfährt nicht nur das Geheimnis der denkenden und lebenden Stifte. Vor Überraschungen ist er nie sicher, gehegte Erwartungen lösen sich in vollkommen andere Richtung als erwartet. Dadurch begleitet auch diesen Band Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.

  (5)
Tags: spannend bis zum ende   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(39)

62 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

polen, humor, gegenwart, steffen möller, sprache

Viva Polonia

Steffen Möller
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.04.2009
ISBN 9783596180455
Genre: Biografien

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

das

Das Schloss

Jaromír Jaromír 99
Flexibler Einband: 312 Seiten
Erschienen bei TREDITION CLASSICS, 01.03.2013
ISBN 9783847291718
Genre: Romane

Rezension:

Ich bin sehr beeindruckt von diesem Werk. Kafka schafft es, eine sehr merkwürdige Stimmung zu erzeugen. Erinnerte mich, dass ich gehört oder gelesen hatte, dass die Geschichten sehr traumhaft seien. Das ist tatsächlich so. Man wird erinnert an Stimmungen in Träumen, wo immer wieder Neues passiert, aber es nicht weitergeht, in denen man nicht zum Ziel kommt. Es ist kein Albtraum, nicht Gruseln wird ausgelöst, sondern eine Dauer-Frustration.

Was sind die Mittel, die das bewirken? Ich denke, es fängt schon damit an, dass K. eben K. heißt und nie der volle Name genannt wird. Soll das K. vielleicht für Kafka stehen?

Dann ist die Landschaft so trostlos beschrieben, der ewige Winter kommt hinzu. Vieles spielt sich in der Dunkelheit ab. Die bezwingende Müdigkeit wird beschrieben, gleich am Anfang, als K. erschöpft in dem Dorf ankommt. Und dann auch wieder gegen Schluss hin. Die Szene in der Turnhalle spielt sich auch in einer Atmosphäre von Müdigkeit ab.

Die Textpassagen sind ewig lang. Es finden sich selten Abschnitte. Das Lesen wird dadurch einförmig und anstrengend, genau so, wie es den Akteuren geht. Es finden Dialoge statt, die machen sogar den Hauptteil des Buches aus. Aber die Dialoge sind eigentlich ewig lange Monologe, wobei der Monolog des einen Sprechers den des anderen ablöst. Selten nur wird ein Monolog durch Fragen oder Entgegnungen unterbrochen. Die Entgegnungen geschehen ebenfalls meist in Form eines neuen Monologs.

Auch die Sätze sind oft sehr lang. Auch das ist anstrengend beim Lesen. Und es kommt noch hinzu, dass die vielen Nebensätze oft nicht durch Kommata getrennt sind, so dass man sich den Sinn durch Mehrfachnachlesen erst erschließen muss.

Die Geschichte endet sehr abrupt, das Werk gilt als unvollendet. Doch für mich ist sein Ende genau das richtige. Denn von der Geschichte her kann es meines Erachtens nie zu einem Ende kommen.

Anmerkung: Ich hatte einen wesentlich längeren Text geschrieben. Den scheint LovelyBooks nicht zu übernehmen, obwohl bei FAQ unter Rezensionen nicht von einer Einschränkung gesprochen wird.

  (10)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

biographie, prag, kafka, literatur, kindheit

Kafka

Reiner Stach
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 25.09.2014
ISBN 9783100751300
Genre: Biografien

Rezension:

Ich habe den ersten Band der Kafka-Biografie gelesen und dafür ein gutes Jahr gebraucht. Weil man ein solches Werk nicht einfach so runterlesen kann, ich zumindest nicht. Immer wieder habe ich auf diese kleine Prag-Karte im Buch geschaut, versucht die beschriebenen Straßen und Plätze zu entdecken und habe sie mir zum Teil markiert. Außerdem musste ich immer wieder interessante Details "nachwikipetern".

Seit einem halben Jahr sitze ich nun am 2. Teil, "Jahre der Entscheidung" und habe immerhin 65 Seiten geschafft. Das liegt aber, wie auch im ersten Teil, ein dem Vielen, was täglich dazwischenkommt. Immer wieder frage ich mich, was ist mir eigentlich vom ersten Band (Die frühen Jahre) noch in Erinnerung?
Da sind familiäre Angelegenheiten, der verständnislose Vater, zwei Totgeburten nach Franz, die drei Schwestern, Schul- und Studienszenen, ein paar Reisen, ein paar Freundschaften, besonders zu Max Brodt. Die Sorgen um die eigene Gesundheit und daraus resultierende, häufige Kuren, die übertriebenen Ängste, die oft jeder Grundlage entbehrten. So war er ein guter Schwimmer, also sportlich, was seiner selbst empfundenen Kränkelei widerspricht. Und der war ein guter Schüler, der seine Kenntnisse vor sich selbst als Hochstapelei hinstellte.

Der Vater war sicherlich ein rauher Geselle, aber er hat seinen Sohn nie geschlagen, sicher ungewöhnlich für diese Zeit.

 Das Meiste verschwimmt schon wieder im Dunkeln. Als Eindruck ist haften geblieben: Franz war schon ein eigenwilliges Kind, das in seiner Familie nicht leicht hatte. Beeindruckt hat mich der schon sehr früh aufgetauchte Wille zur Schreiberei - obwohl er auf keine Unterstützung oder Anleitung zurückgreifen konnte.

Die Art, wie Reiner Stach die Biografie erstellt hat, die ist wirklich großartig. Keine nüchterne Abhandlung anhand vorhandener Sekundärliteratur, sondern das Nahebringen der Stimmung, in der Franz aufwuchs. Bis hin zum Wetter, zu den Gerüchen. Man hat manchmal den Eindruck, man spaziert neben Kafka her durch die Gassen des alten Prag.


  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Tod im Taunus

Cornelia C. Anken , Horst Eckert , Karsten Eichner , Christiane Geldmacher
Flexibler Einband: 260 Seiten
Erschienen bei KBV, 01.09.2011
ISBN 9783942446211
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich habe bereits einige Lokal-Kurzgeschichtenkrimis gelesen. Als ehemaliger Oberursel-Oberstedtener war ich natürlich auch am tödlichen Taunus interessiert - und er hat mich nicht enttäuscht.

Die Geschichten sind ideenreich, witzig und oft überraschend. Zudem bekommt man einen unschlagbaren Tipp, wie man sich mittels Supermarkt-Bon ein unwiderlegbares Alibi verschaffen kann, wenn man einmal eine Bank ausräubern will.

Das Buch ist etwas für jeden, der seinen Lese-Appetit gerne in kleinen Häppchen stillt und offen ist für leicht skurrile Begebenheiten.

  (7)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(35)

40 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

gegenwartsliteratur, witzig, krankheit, roman, kindhei

Oskar und die Dame in Rosa: Erzählung

Eric-Emmanuel Schmitt
E-Buch Text
Erschienen bei Fischer E-Books, 22.08.2013
ISBN 9783104013664
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch beschreibt die Beziehung zwischen dem todkranken Oskar, der im Krankenhaus liegt und bei dem die Chemotherapien versagt haben. Er weiß um sein baldiges Ende, wird aber von Ärzten, Schwestern und den eigenen Eltern mehr oder weniger für dumm verkauft, indem sie ihm Optimismus vorgaukeln. Nur mit der Dame in Rosa, eine caritative Krankenhausbesucherin für vereinsamte Patienten, nimmt ihn ernst. Mit ihr kann er über den Tod, das Sterben und und den Glauben reden. Sie ist eine ehemalige Catcherin und lässt den Jungen ein Stück aus der Welt des Damencatchens miterleben.

Oskar akzeptiert die Dame in Rosa und akzeptiert so auch ihren Vorschlag, 12 Tage lang, den letzten des Jahres, mit jedem Tag 10 Jahre älter zu werden. So erlebt Oskar paradoxerweise in dieser kurzen Zeit ein Leben, das viel länger ist, als für die meisten Menschen überhaupt nur denkbar ist. Darin schaffen es die beiden in der Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel hin, auch den Arzt und die Eltern mit seinem Sterbevorgang auszusöhnen. Diese Erlebnisse schildert Oskar in Briefen an den Lieben Gott.

Soweit berührt die Geschichte sehr, sie ist voller guter Ideen und macht nachdenklich. Im letzten Brief, den die Dame in Rosa an Gott schreibt, gibt sie zu, dass sie ihren Beruf einer Catcherin erfunden hat. Und hier, mit diesem einen Satz, kippt der Zauber des ganzen Buches. Es löst Ärger aus, Ärger darüber, dass diese Dame es nötig hat, dem todkranken Kind eine Identität vorzugaukeln, die nicht existiert. Sie gibt sich damit auf das gleiche Niveau wie Arzt und Eltern, die aus nachvollziehbaren Ängsten nicht in der Lage sind, dies Thema anzusprechen, eben erst recht nicht bei einem Kind. Sie lügt und betrügt und hat eine Maskerade nötig. Und das vor den Augen des Gottes, an den die Briefe gerichtet sind. Sie spiegelt Aufrichtigkeit vor und ist es selbst nicht. Ein hinterhältiger Vorgang, bei dem man sich als Leser zusammen mit Oskar betrogen fühlt.

Schade, denn die Geschichte ist gut. Ich kann nicht verstehen, wieso Herr Schmitt diese Wendung in sein Werk brachte. Ohne diesen einen Satz wäre es sehr gelungen. Wieso soll nicht eine ehemalige Catcherin kranke Kinder besuchen.

So aber bleibt für mich nur die harte Kritik: Ein misslungenes Werk!

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Scadenweld: Grössenwahn

Fabienne Gchwind
E-Buch Text: 198 Seiten
Erschienen bei GTC Informatik GmbH, 01.01.2010
ISBN 9783905793994
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nachdem ich jetzt die Trilogie zum zweiten Mal gelesen habe und nicht ausschließe, dass ich es zum dritten Mal tun werde, will ich einen Kommentar dazu schreiben
- mit einem Wort: Wahnsinn!
- mit einem Satz: Das ist Science fiction in reinster Form. Die Zutaten nämlich, Science in Kombination mit Fiction, erreichen hier einen absoluten Höhepunkt.
Und nun ausführlich:
Lange war ich nicht mehr so fasziniert von einem Werk wie dieser Scadenweld. Ich kann mich an meinen allerersten Sience-fiction-Roman noch als Schüler erinnern. Ich war damals beinahe fassungslos, dass es so etwas von Literatur überhaupt geben kann. Und diese Faszination war diesmal wieder da.

Es ist kaum zu fassen, was Fabienne Gschwind für eine Fantasie entwickelt. Die bezieht sich auf derart viele Bereiche, dass es kaum glaubhaft ist, wie ein menschliches Gehirn das alles produzieren kann. Wandern durch Dimensionen, gut, das kennt man. Auch in eine Welt zu geraten, die eine Vielzahl intelligenter Bewohner beherbergt, das ist vielleicht noch nicht umwerfend. Dass aber all diese Wesen sich auf Mittelhochdeutsch als Universalsprache geeinigt haben, das ist schon ein genialer Zug. Und der wird vollkommen plausibel vorgebracht. Dass diese Wesen dort von Angst leben und insbesondere die menschliche Angst gut gebrauchen können, das ist absolut frappierend. Ohne dass das so in der Trilogie steht (man spinnt ja weiter) kommt man auf den Gedanken, dass doch die Angst eine riesige Energiereserve darstellt.

Die Bösartigkeit der Großkönigin ist faszinierend. Ich bin ein sehr friedfertiger Mensch. Aber ich konnte es kaum erwarten, dass sie ihre äußerst aggressiver Spielchen weiter betreibt und endlich menschlichen Armeen das Gruseln lehrt. Dass diese hochentwickelten Intelligenzen aber am liebsten mit Schwert, Morgenstern und Äxten kämpfen, all das wird einem nachvollziehbar beigebracht – weil das Schlachten eben unmittelbarer erlebt wird, auch wenn man dabei draufgeht.

Telepathie und Teleportation sind dem Science-Fiction-Fan keine Neuigkeiten. Wie aber Frau Gschwind diese Fähigkeiten einsetzt, das sind schon richtige Leckerbissen. Und die Erklärungen gehen in die Feinheiten. Immer wieder musste ich nachschauen, ob es bestimmte wissenschaftliche Begriffe nicht vielleicht wirklich gibt, so plausibel sind sie dargestellt. Hier merkt man der Autorin die Chemikerin an. Aber sie scheint sich genauso sicher in Mathematik, Physik und anderen Bereichen zu fühlen. Und genau diese Mischung aus Wissenschaft und Fantasie ist es, die den Reiz ausmacht, und die mir besonders gut gefällt.

Die Erklärungen lassen selbst kleinste Details nicht aus. Beispiel: Die neue Welt wird natürlich englisch "New World" getauft, daraus entsteht die Abk. "NW". Ein nicht ganz sattelfester Nerd macht lautmalerisch daraus „En-wie“ statt „En-Boubble-IU“ und daraus wird nun wiederum Envy gebildet, was passend "Neid" bedeutet. Einfach genial.

Gelegentlich ist man sprachlich etwas verwirrt und muss sich klarmachen, dass der Text Schweizerdeutsch ist, z.B. "Ich hab kalt". Aber das macht die Sache eher noch reizvoller, zumal ja Frau Gschwind argumentiert, das Mittelhochdeutsch sei ja dem Schweizerdeutsch ziemlich ähnlich, so dass die Lucy, die Protagonistin, nicht viel Mühe hatte, die Scadenwelder zu verstehen.

Fazit: Ein ganz großer Science Fiction!

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(114)

176 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

usa, mord, schriftsteller, krimi, freundschaft

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Joël Dicker ,
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Piper, 13.10.2014
ISBN 9783492305501
Genre: Romane

Rezension:

Es dauerte bis mindestens Seite 150, bis ich Feuer fing. Dann konnte ich das Buch allerdings nicht mehr weglegen. Geschickt schleudert der Autor den Leser von einer Wendung in die nächste. Man liest hastig weiter. Letzte Seite - Aufatmen, man hat es geschafft.
Dann kommt die Ernüchterung. Es handelt sich bei der "Wahrheit" über weite Strecken um eine Aneinanderreihung von Plattitüden. Am Schluss hat man den Eindruck, jeder schreibt von jedem ab, eine Endlosschleife von Plagiaten.
Wegen der nicht unerheblichen Spannung trotzdem drei Punkte.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Himmelhund und Entenmaul

Cordula Tollmien , Petra Probst
Fester Einband: 24 Seiten
Erschienen bei Loewe Verlag, 01.01.1998
ISBN 9783785526187
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Was soll man zu einem Kinderbuch schreiben? Am besten: Unserem Enkel mit seinen vier Jahren hat es gefallen.

Schöne Zeichnungen, abstruse Geschichte, in der einem Kind ein Entenschnabel wächst, der nicht so leicht wieder wegzubekommen ist. Kinder lieben ja so etwas.



Schade, dass hier kein Cover abgebildet ist.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Zum Theater!

Lili Grün , Anke Heimberg
Fester Einband: 216 Seiten
Erschienen bei AvivA, 14.03.2011
ISBN 9783932338472
Genre: Klassiker

Rezension:

Was denn nun, fünf Sterne oder doch nicht?

Wie auch „Alles ist Jazz“ von der gleichen Autorin ist dieser Roman nicht so einfach zu bewerten. Denn gleichwertig neben der Erzählung spielt das Schicksal Lili Grüns eine entscheidende Rolle.

Als jüdischer Schauspielerin und Autorin aus Wien gönnten die Nazis der jungen Frau nach dem Anschluss Österreichs nur noch wenige Jahre Lebenszeit. Der Herausgeberin Anke Heimberg und dem AvivA Verlag ist es zu verdanken, dass es zu einer Neu-Herausgabe gekommen ist. Das Gleiche trifft für den ersten Roman „Alles ist Jazz“ und den Lyrik-Band „Mädchenhimmel“ zu. Um mich nicht gänzlich zu wiederholen, verweise ich die auf dortigen Rezensionen. Wieso der ursprüngliche Titel Loni in der Kleinstadt in „Zum Theater!“ abgewandelt werden musste, das erschließt sich mir nicht. Es ist eben ein Roman aus den 30er Jahren, und er wird durch einen neuen Titel nicht moderner.

Die Geschichte an sich bekäme von mir drei Punkte. Sie liest sich leicht und flüssig, bleibt aber ohne große Spannung oder Überraschungen. Ganz nett eben, als Zeitdokument.

Doch kann ich konkret bemängeln, dass der Roman fast ausschließlich im Präsens geschrieben ist. Das gibt ihm vermeintlich Fahrt, die jedoch abstumpft, da es die ausschließliche Erzählform ist. Nervig ist zudem dass Loni bis zum Schluss immer als „die Kleine“, „Kleines“, „kleines Mädchen“ usw. bezeichnet wird. Mag sie auch erst 18 sein, sie hat sich tapfer durch die Umstände zu schlagen, die alles andere als einfach sind. Stichworte: Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit, verfahrene Beziehungen. Sie geben dem ganzen Roman eine bedrückende Schwere.

Weiterhin sind wichtige Ereignisse einfach weggelassen - so als habe Grün sich nicht getraut, sie auszuformulieren.

Beispiele: Loni spielt ihre erste Rolle. Sie hält nicht viel von dem Stück, ein Lustspiel, in dem sie nur „eine dumme Backfischrolle“ hat. Sie beschwert sich in einem Brief bei ihrem ehemaligen Privatlehrer darüber. Ein Brief, den sie noch gar nicht abgeschickt hat und dem sie in Gedanken ironisch hinzufügt: „Ich kann es gar nicht erwarten, übermorgen als Komtesse… neckisch über die Bühne zu tänzeln und sämtlichen Grafen … durch den Charme meiner schlanken Beine und idiotisch-herzigen Aussprüche, die mir der große Dramatiker in den Mund gelegt hat, zu betören…“

Im nächsten Abschnitt liest man: „Ein wenig betäubt und unsicher steht Loni vor dem Vorhang. Während sie sich schwankend aus ihrer Verbeugung aufrichtet, begreift sie staunend, dass der jubelnde Beifall ihr gilt.“ Kein Wort darüber, wie sie ihre Rolle ausgefüllt, wie sie sich auf der Bühne gefühlt hat, was es nun war, das den Beifall ausgelöst hat.

Ähnlich läuft es bei einem Gedichtvortrag auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung ab. Loni ist aufgeregt. „Könnte man nicht rasch totkrank werden, überlegt sie“. Wenig später nur die beiden Sätze: „Welch ein Wunder: Sie spricht, sie bewegt sich, sie lacht. Sie spielt ihre Gedichte ganz allein.“ Das ist mir etwas dürftig für ein Ereignis, das für sie derart wichtig war.

Ein drittes Beispiel: In der Abschlussvorstellung darf Loni in „Der widerspenstigen Zähmung“ die Rolle „ihres Lebens“ spielen, das Käthchen. Da der Regisseur einen Selbstmordversuch unternimmt, ist die Truppe alleine auf sich gestellt, ein spannendes Unterfangen. Doch auch dieses ist Grün nur einen Satz wert: „Wenn Loni später zu erzählen versuchte, wieso es ihr damals gelang, das Käthchen an diesem Abend zu spielen, begnügte sie sich meinst mit dem kurzen Ausspruch: ‚Kinder, es war ein Wunder‘.“

Hier ausnahmsweise einmal Präteritum. Doch gleich geht es weiter im Präsens. Der überwältigende Beifall wird beschrieben, aber kein Wort darüber verloren, wie das Ensemble die Aufgabe meisterte.

Ein wenig tröstlich ist am Schluss, dass sich die große(?) Liebe Lonis wieder einzurenken scheint.

Mit meiner Kritik tue ich Lili Grün wahrscheinlich Unrecht. Unsere Lesegewohnheiten haben sich erheblich gewandelt. Die zeitgenössische Kritik war anscheinend recht wohlwollend. Und die Nazischergen haben sie der Möglichkeit beraubt, erstens ihre Werke zu überarbeiten und zweitens weitere hinzuzufügen. Wer weiß, was die Autorin noch zustande gebracht hätte, wären ihr noch 40 oder 50 Jahr vergönnt geblieben. Schriftstellerisches Potenzial ist auf jeden Fall erkennbar, am deutlichsten für mich in ihren Gedichten.

Deshalb eben doch bewusst fünf Sterne in meiner Bewertung. Ich wünsche mir, dass Lili Grün weiter gelesen wird. Zum Glück wurde bereits ein Platz in Wien nach ihr benannt, wie Anke Heimberg am Schluss ihres Nachwortes mitteilt.

  (3)
Tags:  
 
31 Ergebnisse