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20 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

jugendbuch bis erwachsene

JEMAND ist in deinem Haus

Stephanie Perkins , Sonja Häußler
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Arena, 03.04.2018
ISBN 9783401604480
Genre: Jugendbuch

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Schmetterlingswochen

Sarah Combs , Eva Müller-Hierteis
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 12.03.2018
ISBN 9783570310489
Genre: Jugendbuch

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107 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

fantasy, abenteuer, dressler verlag, fanatsie, familie

Nevermoor

Jessica Townsend , Franca Fritz , Heinrich Koop , Eva Schöffmann-Davidov
Fester Einband
Erschienen bei Dressler, 19.02.2018
ISBN 9783791500645
Genre: Kinderbuch

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142 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

götter, fantasy, asgard, bücherfreude, bücherwurm

Die Götter von Asgard

Liza Grimm
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.03.2018
ISBN 9783426522523
Genre: Fantasy

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178 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

rügen, psychiatrie, astronaut, blogger, bipolare störung

Mein Sommer auf dem Mond

Adriana Popescu
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei cbt, 12.03.2018
ISBN 9783570311981
Genre: Jugendbuch

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Die 16-jährige Fritzi hat sich ihren Sommer doch etwas anders vorgestellt. Zusammen mit ihrer besten Freundin wollte sie auf die Ostseeinsel Rügen reisen und dort Urlaub machen. Nun ist Fritzi zwar auf Rügen, jedoch aus ganz anderen Gründen. Aufgrund ihrer Panikattacken haben ihre Eltern sie in ein Therapiezentrum gebracht. Dort wird sie in die Gruppe der Astronauten aufgenommen, denen auch die drei Jugendlichen Bastian, Tim und Sarah angehören. Anfangs kommen die vier Jugendlichen so gar nicht zurecht, scheinen sie doch alle komplett verschieden zu sein. Niemand möchte so wirklich über seine Probleme reden, jeder von ihnen möchte bloß so schnell wie möglich wieder von dort verschwinden. Doch mit der Zeit zeigt sich, dass die vier Astronauten vielleicht doch nicht ganz so verschieden sind und eigentlich sogar gut zusammenpassen.


REZENSION
Mein Sommer auf dem Mond ist ein Jugendbuch der besonderen Art. Es geht nicht um das typische Teenagerdrama, das man von Romanen aus dem Genre erwartet, denn Autorin Adriana Popescu behandelt in ihrem neusten Roman nämlich ein ganz anderes, in diesen Zeiten vielleicht sogar viel wichtigeres Thema - nämlich psychische Erkrankungen bei Jugendlichen.

Geschrieben ist der Roman aus den Perspektiven von Fritzi und Bastian, zwei Mitglieder der vierköpfigen Astronauten-Gruppe aus dem Sonnenhof, einem Therapienzentrum auf der Insel Rügen. Ich bin beim Lesen teilweise wirklich über die Seiten geflogen. Das lag zum einen an der sehr einfachen, jungen Sprache, aber auch daran, dass mich die Geschichte von den Astronauten gefesselt hat. Es gab immer wieder etwas, das einen zum Weiterlesen animiert hat, seien es nun Geheimnisse, die noch gelüftet werden mussten oder eben der eine oder andere Plottwist, der plötzlich alles umgeworfen hat und den ich so gar nicht habe kommen sehen. 

Ein große Freude waren für mich auch die popkulturellen Referenzen in dem Roman. Bereits die Überschrift des ersten Kapitels hat mich zum Schmunzeln gebracht, denn der Sonnenhof wird mit Hogwarts verglichen. Und auch sonst beinhalten die Kapitelüberschriften viele popkulturelle Referenzen. Generell wird immer wieder auf Fandoms, wie Harry Potter, Star Wars und anderen angespielt. 

Mein persönliches Highlight war wohl, dass Fritzi bei der Aufzählung der Gryffindor Schüler Seamus Finnigan erwähnt hat! Das ist nämlich mein Lieblingscharakter und total underrated, wie ich finde. Das hat mir beim Lesen in der Bahn auf jeden Fall ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert. 

Die vier Astronauten habe ich alle ins Herz geschlossen, wenn auch nicht sofort. Gleich zu Beginn war ich ein großer Fan von Fritzi, aber noch mehr von Bastian und wie sie aufeinander gewirkt haben. 
Fritzis direkte, trockene Art fand ich super. Ich mochte sie als Protagonistin sehr gerne. Dass sie an Panikattacken leidet, erfährt man relativ früh und ohne Umschweife. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass Fritzis Panikattacken gar nicht so richtig durchkamen. Man erfährt zwar etwas darüber und sie deuten sich auch ab und zu mal an, aber sie sind eben nicht so präsent und eindringlich thematisiert wie die Probleme der anderen Jugendlichen, sondern wirken dagegen eher passiv. Das finde ich sehr schade, da wir das Geschehene zum Teil eben besonders aus Fritzis Perspektive erfahren. 

Nur zum Vergleich ist Bastians Erkrankung sehr viel präsenter, wenngleich ich auch das Gefühl hatte, dass die diagnostizierte bipolare Störung gleichzeitig auch schizophrenische Züge hatte, die aber so gar nicht thematisiert wurden. Da ich mich auf dem Gebiet aber nicht wirklich auskenne, mag ich darüber eigentlich gar nicht urteilen. Bastians Stimmungsschwankungen, die mit seiner Krankheit einhergehen, sind tatsächlich sehr gut durchgekommen und ich hatte durchaus das Gefühl, ihn und auch die Krankheit dadurch besser verstehen zu können.

Auch Tim gehört zu den Astronauten und eigentlich mochte ich ihn, trotz seiner rauen Art von Anfang an. Als hätte ich schon gewusst, dass er eigentlich kein übler Typ ist. Was Tims Problem war, habe ich irgendwie sehr schnell durchschaut und deshalb war die Überraschung hinterher nicht mehr ganz so groß, als er endlich mit der Wahrheit rausrückte. Mir gefällt es aber sehr, dass nicht so sehr auf seinen Problemen herumgeritten wird, nachdem die Bombe erst mal geplatzt ist. Man merkt, wie gut Tim der Umgang mit den anderen tut und wie sehr er sich zu seinem Vorteil entwickelt. Besonders seine Bindung zu Sarah fand ich sehr schön.

Mit Sarah hatte ich anfangs tatsächlich meine Schwierigkeiten, da ich ihre Rolle in dieser Gruppe erst so gar nicht verstanden habe. Lange Zeit war sie mir ein wahrhaftiges Rätsel und in der Gruppe um Fritzi, Bastian und Tim viel zu passiv. Man wusste nicht, wo ihre Probleme lagen und weshalb sie im Therapiezentrum war. Da allerdings immer auf ihre üppige Oberweite angesprochen wurde, habe ich mir schon gedacht, dass es etwas damit zutun haben musste. Sarahs Geschichte hat mich tatsächlich am meisten berührt und mitgenommen. Gegen Ende hat sie sich auch definitiv zu meinem Liebling gemausert.

Obwohl der Roman sehr ernste Themen, wie Scheidung, Mobbing und psychischen Erkrankungen behandelt, herrscht im wesentlichen keine durchweg bedrückende Stimmung in der Geschichte. Eher wird sie mit einer sensiblen Leichtigkeit erzählt, jedoch ohne das alles zu verharmlosen. Es wirkt realitätsnah und gerade das macht die Geschichte so ergreifend. Dass neben den psychischen Problemen auch Freundschaften und Liebe eine zentrale Rolle spielen, zeigt nur noch mehr, dass auch Jugendliche mit solchen Erkrankungen eben doch immer noch ganz normale Jugendliche sind. Es ist also von allem etwas dabei und nimmt den Leser mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle.


FAZIT
In ihrem Roman Mein Sommer auf dem Mond behandelt Adriana Popescu das sensible Thema psychische Erkrankungen auf eine realitätsnahe, aber auch sehr sensible Art. Durch die vier Astronauten bekommt man einen sehr guten Einblick in das Leben der psychisch erkrankten Jugendlichen, die darauf aufmerksam machen, dass in Menschen weitaus mehr vor sich gehen kann, als es äußerlich vielleicht scheinen mag. Die Autorin hat ein sehr ernstes Thema, in eine authentische Geschichte gepackt, die man jedem wärmstens empfehlen möchte. Auch die kleinen Fangirls und Fanboys werden durch die Einbindung von popkulturellen Referenzen auf ihre Kosten kommen. Mein Sommer auf den Mond konnte mich trotz kleiner Schwächen trotzdem überzeugen und bekommt deshalb nicht weniger als fünf von fünf Sterne.

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

hollywood, missbrauch, frauen, macht, mutig

MUTIG

Rose McGowan , Regina Schneider
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 03.04.2018
ISBN 9783959672535
Genre: Biografien

Rezension:

WORUM GEHT ES?
MUTIG ist das Enthüllungsbuch der amerikanischen Schauspielerin Rose McGowan. Sie erzählt von ihrer Kindheit, die sie in einer Sekte namens „Children of God“ verbracht, sowie ihren Weg in die USA, wo sie schließlich quasi auf der Straße entdeckt und zur Schauspielerin gemacht wurde. „Gemacht“ deshalb, weil es irgendwann nicht mehr ihr freier Wille war, sondern sie bloß funktioniert hat in der Maschinerie Hollywood. Rose McGowan erzählt von ihrem Leben als Schauspielerin, was man von ihr verlangt hat und wie viel sie eigentlich opfern musste, um das nicht mal ansatzweise glamouröse Leben zu führen, dass man ihr nachgesagt hat. Sie räumt mit Hollywood auf und bricht ihr jahrelanges Schweigen. Jetzt hat sie ihre Stimme wieder, denn jetzt ist sie mutig.


REZENSION
MUTIG ist nicht nur der Titel des Buches, sondern auch der Schritt, den Rose McGowan gewagt hat, indem sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen ist. Im vergangenen Jahr hat die #MeToo-Debatte, sowie der Fall Harvey Weinstein große Wellen geschlagen und auch, wenn es bei uns hier in Deutschland nicht so angekommen ist, hat sich die Schauspielerin Rose McGowan ebenso dort eingemischt. Denn auch sie war ein Opfer.

Davon erzählt sie unter anderem in ihrem Roman MUTIG. Ihre Geschichte beginnt in ihrer Kindheit, in der schon nicht alles so lief, wie es sollte. Auch dort musste sie bereits mit Misshandlungen leben, die sie geprägt haben, denn ihre Eltern gehörten der Sekte „Children of God“ an, zu der auch Rose und ihre Geschwister zwangsweise gehörten.

Rose erzählt ganz schonungslos, was ihr in ihrer Kindheit, sowie ihrem späteren Leben widerfahren ist. Hierbei hätte ich mir allerdings ganz deutlich einer Trigger-Warnung gewünscht, denn es geht vermehrt um Vergewaltigungen und Misshandlungen, die teilweise auch detailliert beschrieben werden. Auch wenn man bereits aus den Medien davon erfahren hat, war es für mich dennoch schockierend, so explizit darüber zu lesen. An und für sich finde ich nicht schlimm, dass sie darüber berichtet, ich wäre nur gerne vorab darauf vorbereitet worden.

Man merkt der Schreibart deutlich an, dass Rose McGowan mit ihrem Roman nicht unbedingt provozieren, aber polarisieren will. Sie möchte gehört werden, nachdem sie all die Jahre geschwiegen hatte. Dabei gibt sie auch hin und wieder Namen preis oder winkt ganz deutlich mit dem Zaunpfahl, wenn es um bestimmte Männer in ihrem Leben geht, die ihr entweder etwas angetan oder eben einfach bloß weggesehen haben. Selbst wenn sie keinen Namen ganz eindeutig nennt, weiß man dennoch ganz genau, wer gemeint ist und das finde ich ausgesprochen gut! Denn nur wenn man diejenigen auch an den Pranger stellt und ganz offen darüber spricht, kann es Gerechtigkeit geben.

Ich habe mich beim Lesen oft dabei erwischt, wie ich der Autorin förmlich an den Lippen hing. Sie schreibt so, wie sie spricht, deshalb hat es sich für mich fast so angefühlt, als würde sie mit mir persönlich reden. Das war teilweise beeindruckend, aufgrund der Offenheit, aber eben auch beängstigend, denn teilweise war die Wortwahl sehr direkt und die Situation fühlte sich so real an. Man darf aber auch nicht vergessen, dass dieser Roman ganz und gar subjektiv zu verstehen ist. Es ist einzig und alleine die Perspektive von Rose McGowan, die zwischen den Zeilen steckt, was den Inhalt jedoch nicht im geringsten schmälert.

Mir gefällt es, wie Rose für die Gleichberechtigung von Frauen und Männer im Showbusiness kämpft, dass sie auf Ungerechtigkeiten öffentlich aufmerksam macht. Man merkt, dass es ihr nicht nur darum geht, bloß das Wort zu erheben und andere schlecht zu machen, wie man es mit ihr oft getan hat. Sie hat ein Motiv - nämlich die vorherrschende Männerdomäne in Hollywood zu entkräften.

Gleichzeitig finde ich jedoch auch, dass sie oft alle Männer der Welt über einen Kamm schert. Das mag daran liegen, dass sie persönlich überwiegend schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht hat, dennoch ist es nicht fair, gleichermaßen auf alle Männer abzuzielen und sie anzuklagen, Frauen nicht genug zu achten und zu respektieren. So pauschal kann man das meiner Meinung nach eben nicht sagen. Ebenso wenig wie man alle Frauen in eine Schublade schieben kann. Für mich bewegt sie sich da leider teilweise doch auf sehr dünnem Eis und das ist mir beim Lesen etwas übel aufgestoßen.

Es lässt sich jedoch nicht verleugnen, dass in diesem Roman viele wichtige Dinge angesprochen werden, die in unserer Gesellschaft noch immer falsch laufen. Rose McGowan bringt einem mit ihrem Roman definitiv zum Nachdenken und animiert vielleicht auch andere ihr eigenes Verhalten zu überdenken.



FAZIT
In MUTIG rechnet Rose McGowan mit den hohen Tieren in Hollywood ab und bricht ihr jahrelanges Schweigen. Der Titel des Romans beschreibt auch perfekt, wie man diesen Schritt an die Öffentlichkeit werten soll - nämlich mutig. Rose McGowan nimmt kein Blatt vor den Mund, man merkt, dass wie sehr sie sich all das von der Seele reden möchte. Allerdings wäre meiner Meinung nach eine deutliche Trigger-Warnung zu Beginn sehr notwendig. Auch ihr stetiges Nachtreten auf die Männer dieser Welt war mir an manchen Stellen doch etwas zu stark, weshalb ich MUTIG alles in allem drei von fünf Sterne gebe. 

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

So beschissen schön ist nur das Leben

Shaun David Hutchinson , Ulrike Köbele , Christine Larsen
Fester Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Arena, 02.02.2018
ISBN 9783401604145
Genre: Jugendbuch

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249 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 113 Rezensionen

schönheitswettbewerb, liebe, freundschaft, erste liebe, selbstbewusstsein

Dumplin'

Julie Murphy , Kattrin Stier
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 21.03.2018
ISBN 9783841422422
Genre: Jugendbuch

Rezension:

WORUM GEHT ES?
In Clover City dreht sich einmal jährlich alles um den berühmt berüchtigten Miss Teen Blue Bonnet-Schönheitswettbewerb. Natürlich gibt es zu dieser Zeit kein anderes Thema in der Stadt. Die 16-jährige Willowdean hat damit eigentlich wenig am Hut. Zwar ist ihre Mutter, eine ehemalige Miss Teen Blue Bonnet, Initiatorin und Organisatorin des Schönheitswettbewerbs, Willowdean kann diesem Wahnsinn allerdings nichts abgewinnen. Das liegt vor allem daran, dass sie nicht dem typischen Schönheitsideal entspricht, der bei diesem Wettstreit vorausgesetzt wird.

Eigentlich hat Willowdean kein Problem mit ihrem Körper. Ihr ist bewusst, dass sie keine Modelmaße besitzt, doch als sie zum ersten Mal Gefühle für einen Jungen entwickelt, beginnen die Selbstzweifel an ihr zu nagen. Um dem Ganzen zu trotzen, entscheidet sie sich schließlich dazu, in diesem Jahr am Miss Teen Blue Bonnet-Schönheitswettbewerb teilzunehmen und erntet dafür natürlich enorm schräge Blicke - nicht zuletzt von ihrer eigenen Mutter.


REZENSION
Body Shaming ist heutzutage, dank der Vernetzung durch das Internet, leichter und weitreichender denn je. Egal, ob jemand schlank oder kräftiger gebaut ist - es gibt immer mindestens eine Person, die etwas am Aussehen eines anderen zu meckern hat und dies auch öffentlich tut. Umso wichtiger ist es, dem entgegen zu wirken! Statt Body Shaming sollte sich jeder einzelne viel mehr auf Body Positivity konzentrieren!

Genau damit befasst sich auch Julie Murphys Roman Dumplin'. Mit Willowdean haben wir eine Protagonistin, die nicht dem klassischen Schönheitsideal entspricht, denn sie ist nicht schlank. Das war schon immer so und eigentlich hat sie damit auch kein Problem. Sie hat nun mal eben weibliche Rundungen und das hält sie gewiss auch nicht davon ab, einen Badeanzug anzuziehen, wenn sie ins Schwimmbad geht. Allerdings stößt sie immer wieder auf Ablehnung - durch Mitschüler, die fiese Sprüche über ihre Statur loslassen oder auch durch ihre eigene Mutter, die selbst dem Schönheitswahn erlegen ist und sich deshalb für ihre Tochter ohne Modelmaße regelrecht schämt.

„Wenn jemand einen ansieht, sieht er nur, was an der Oberfläche ist und verpasst oft viele Einzelheiten. Wenn jemand einen sieht, sieht er, wer man ist, was einen tatsächlich ausmacht. Er sieht mehr als das, was vor ihm ist.“
Julie Murphy, Dumplin' (S. 65)

Mir hat es gut gefallen, wie in dem Roman mit Body Shaming umgegangen. Das Problem an Schulen wird realistisch dargestellt - leider muss man fast sagen. Auch ich habe meine Erfahrungen in der Schulzeit damit gemacht und konnte das alles gut nachvollziehen.

Als jemand, der aus Büchern gerne etwas mitnimmt, sei es in Form von Botschaften, die zwischen den Zeilen stehen oder generell Zitaten, bietet Dumplin' gleich eine ganze Bandbreite davon. Ich habe mir alle paar Seiten eine Stelle angestrichen, die mir besonders gefallen hat, weil es nun mal wahr und richtig ist, was dort gesagt wird.

Dumplin' ist ein Roman, der nicht nur Body Positivity versprüht, sondern auch zur Akzeptanz aufruft. Es geht nicht darum, wie jemand anderes aussieht. Man sollte niemanden darauf beschränken, wie er oder sie aussieht, denn unter der Oberfläche kann stets ein ganz toller Mensch stecken. Ich hoffe sehr, dass viele junge Mädchen und auch Jungen, diesen Roman lesen und sich zu Herzen nehmen, was dort geschrieben steht. Es geht nicht darum, wie jemand aussieht, es kommt auf den Menschen an.

„Ich glaube, manchmal besteht die Vollkommenheit, die wir an anderen sehen, in Wahrheit aus vielen kleinen Unvollkommenheiten, weil an manchen Tagen das verdammte Kleid einfach nicht zugehen will. “
Julie Murphy, Dumplin' (S. 392)

Von allen Charakteren, die im Roman mitwirken, hat mir Willowdean tatsächlich am besten gefallen. Da der Roman aus ihrer Perspektive geschrieben ist, bekommt man die Chance, mehr in sie und ihre Gefühlswelt hineinzusehen. Selten habe ich mich von einer Protagonistin so gut verstanden gefühlt. Vieles, worüber sich Willowdean Gedanken gemacht hat, war auch etwas, über das ich selbst schon oft nachgedacht habe. Ich konnte mich wahnsinnig gut in sie hineinfühlen und habe sie verstanden. Witzigerweise habe ich sie mir sogar stets mit dunklen Haaren vorgestellt, weil ich sie so sehr mit mir selbst assoziiert habe.

Wen ich dagegen gar nicht mochte, war ihre beste Freundin. Ellen hat mich teilweise sehr wütend gemacht, weil sie sich so wahnsinnig reif und überlegen fühlte, es aber natürlich gar nicht war. Bis zu ihrem Streit mit Willowdean fand ich sie eigentlich noch einigermaßen in Ordnung, danach hat sie es bei mir aber ordentlich versaut, weil sie schlichtweg egoistisch war.

Auch Willowdeans Mutter war einfach nur furchtbar. Wie sie ihre Tochter immer wieder unterschwellig zu einer Diät überreden wollte, war ganz furchtbar. Ich habe sie jedes Mal an den Schultern packen und wachrütteln wollen. Dieser Wettbewerb und ihr eigener, damit verbundener, Schönheitswahn waren ihr wichtiger, als ihre Tochter so zu akzeptieren, wie sie ist.

Auch Willowdeans Beziehungen zu Bo und Mitch fand ich nicht so prickelnd. Natürlich spielt die Geschichte in der High School, Dramen, ganz besonders Beziehungsdramen sind da also vorprogrammiert. Mir hat aber nicht gefallen, wie das in die Geschichte eingebunden wurde. Das war mir teilweise schon ein bisschen überdramatisiert. Es wurde viel Lärm um nichts gemacht. Mit Bo bin ich allerdings bis zum Schluss nicht richtig warm geworden.

Könnte ich Willowdean einen Rat geben, würde ich ihr sagen, dass sie mit den anderen Außerseiter-Mädchen am besten dran ist, denn sie haben sich allesamt als viel bessere Freundinnen erwiesen, denen Zusammenhalt untereinander auch wichtig ist. Ich fand es schön, dass Willowdean, wenn auch unfreiwillig, als Beispiel für die anderen vorangegangen ist, sie sich am Ende aber eben auf gleicher Höhe befanden. Generell mochte ich das Konzept, dass sich die Außenseiter zusammentun und all ihren Gegner strotzen. Das war eine tolle Lösung.

„[...], aber mich erinnert das Lied auch immer daran, dass es, ganz egal, wer man ist, immer jemanden geben wird, der hübscher oder schlauer oder dünner ist. Perfektion ist nur ein flüchtiges Phantom, dem wir alle hinterher jagen. “
Julie Murphy, Dumplin' (S. 228)

Ein wenig enttäuscht war ich allerdings, wie der Roman geendet hat. Die ganze Zeit wird viel Spannung in Bezug auf den Schönheitswettbewerb aufgebaut, am Ende kam es mir allerdings so vor, als wollte man den auf so wenig Seiten wie möglich quetschen, weil es plötzlich gar nicht mehr so wichtig war. Irgendwie hätte ich mir noch etwas mehr dazu gewünscht, ganz besonders, was für Nachwirkungen es für die Mädchen hatte. Wie hat sich ihr Leben dadurch verändert?

Ich bin durchaus damit zufrieden, wie es für Willowdean geendet hat, hätte mir generell aber eben einen runderen Abschluss gewünscht.


FAZIT
Autorin Julie Murphy hat mit Dumplin' einen guten Roman geschaffen, der das leider doch weit verbreitete Problem des Body Shamings aufgreift und animiert dazu, Menschen nicht bloß auf ihr Äußeres zu reduzieren. Für mich ist Dumplin' ein schönes Beispiel für jemanden, der aufgrund seiner Statur gemobbt wurde, sich davon aber nicht herunterziehen lässt, sondern eher das Beste daraus macht und den ganzen Mobbern strotzt. Trotz einiger Schwächen kann ich Dumplin' wärmsten weiterempfehlen, denn wirklich jeder kann aus diesem Roman etwas für sich mitnehmen. Deshalb vergebe ich vier von fünf Kreuzen für Julie Murphys Dumplin'.

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60 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

liebe, diana-verlag, eine liebe ohne winter, falsche entscheidungen, diana

Eine Liebe ohne Winter

Carrie Hope Fletcher , Ute Brammertz
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Diana, 12.02.2018
ISBN 9783453359604
Genre: Liebesromane

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Evie Snow ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Doch ihre Reise ist auch danach noch nicht vorbei, denn es gibt noch immer Geheimnisse, die sie in ihrem alten Leben festhalten und sie davon abhalten, ihr verdientes Leben nach dem Tod genießen zu können. Sie landet in dem Gebäude, das ihr altes Londoner Apartment beherbergt, denn das, was sich dort in ihren jungen Jahren abgespielt hat, hält sie noch immer in einer Art Zwischenwelt fest - es ist ihre Liebe zu Vincent. Dem Mann, den sie als Einzigen so sehr geliebt hat, den sie jedoch nicht haben durfte.

Evie muss also noch einmal an den Ort, an dem alles begonnen hat, zurückkehren, um von dort aus die Geheimnissen ihrer Vergangenheit lüften.



REZENSION
Eine Liebe ohne Winter ist kein klassischer Liebesroman, wie es der Klappentext vielleicht vermuten lässt. So bunt, voller Farben und lebenfroh, wie das Cover gestaltet wurde, ist auch die Geschichte von Evie Winters. Die Aufmachung des Romans gefällt mir sehr gut, denn die einzelnen Elemente auf dem Cover, wie die Taube, die Geige oder die Bonbons sind nicht zufällig gewählt, sondern finden sich auch in der Geschichte wieder. Hier wird also mit Symbolen, die in der Geschichte wichtig sind, gespielt und je weiter man eintaucht, desto mehr erkennt man schließlich auf dem Cover wieder.

Klappt man den Umschlag des Buchs auf, findet man jeweils links und rechts ein Zitat aus dem Roman, nämlich eines von Vincent und eines von Evie. Meiner Meinung nach sind die Zitate ganz wunderbar gewählt, denn sie drücken aus, was Evie und Vincent füreinander empfinden und zeigen ebenso deutlich ihre Persönlichkeiten.

Das Besondere an dem Roman ist eigentlich, dass er auf zwei Zeitebenen spielt und sogar auf gewisse Weise von Magie beeinflusst wird. Wer hier also realistische Geschichte erwartet, der wird hier nicht glücklich. Es sind tatsächlich ein paar übernatürliche Elemente enthalten, allerdings nicht im Übermaß, was der Geschichte gut tut. Manchmal gibt es eben doch so ein paar Erlebnisse, die sich nicht ohne Weiteres erklären lassen. Ein bisschen Magie, und sei es nur der Glaube daran, dass es sie gibt, kann keinem von uns schaden.

Wieso aber die zwei Zeitebenen, fragt ihr euch? In der Gegenwart hängt Evie nach ihrem Tod in einer Art Zwischenwelt fest. Sie hat noch etwas, das sie in der Welt der Lebenden hält und davon muss sie sich verständlicherweise erst lösen, ehe sie weitergehen kann. Lustigerweise ist ihre Zwischenwelt der Londoner Gebäudekomplex, in dem sie als junge Frau gewohnt hat. In dem sich all das ereignet hat, das sie auch nach ihrem Tod noch dort festhält - nämlich ihre Liebe zu Vincent. Hier kommt also die zweite Zeitebene ins Spiel, denn Evie nimmt uns mit in ihre Erinnerungen an ihre Vergangenheit in diesem Apartment.

Anfangs war ich von diesen zwei Zeitebenen mehr als verwirrt. Ich habe nie so genau gewusst, wann ich mich in der Vergangenheit und wann in der Gegenwart aufhalte. Das lag zum Einen daran, dass sich in den Kapiteln die Ebenen manchmal überschneiden und bloß durch einen simplen Zeilenumbruch abgegrenzt werden. Zum Anderen habe ich erst nach der Hälfte des Romans gemerkt, dass bei den Szenen aus der Vergangenheit zu Beginn des neuen Kapitel immer ein kleines Symbol unter der Überschrift ist, um es klarer abzugrenzen. Das war mir vorher nicht so aufgefallen und da, wie gesagt, die Ebenen sich manchmal auch überschnitten auch gar nicht so ersichtlich. Da hätte ich mir eine eindeutigere Abgrenzung gewünscht, denn wenn man gerade mit dem Kopf noch in Evies Vergangenheit steckt und plötzlich wieder in der Gegenwart ist, ist das doch etwas verwirrend.

Was mir auch nicht so gefallen hat, ist, dass Roman manchmal doch etwas vorweg genommen hat. So wurde etwas in Evies Gegenwart erzählt oder angedeutet, das man erst später in den Episoden ihrer Vergangenheit erfahren hat. Das hat den Überraschungseffekt natürlich enorm geschmälert.

Auch waren manche Ereignisse, meiner Ansicht nach, leider etwas vorhersehbar, was die Geschichte zwar nicht langweilig gemacht hat, aber eben auch nicht allzu spannend. Wenn man weiß, worauf es am Ende hinausläuft, ist es eben doch nicht mehr so spannend, auch wenn man natürlich wissen möchte, wie es denn dazu kommt. Ich empfinde es also nicht als besonders schlimm, es ist nur eben schade.

Eigentlich sind dies aber auch schon die einzigen Kritikpunkte, die ich an den Roman habe. Mich konnte die Geschichte von Evie und Vincent nämlich voll und ganz überzeugen. Auch wenn sie manchmal doch sehr kitschig war, und das sicher nicht für jeden etwas ist, glaube ich, dass genau das den besonderen Charme ausmacht.

Ich mochte vor allem, wie die einzelnen Charaktere konzipiert sind. Evie ist Künstlerin, stammt allerdings aus reichem Hause und ihre Mutter ist wohl die versnobteste Person, die sie kennt. Zu allem Übel will sie ihre Tochter auch noch verheiraten mit ihrem besten Freund, einem Summers aus ebenso reichem Hause, denn natürlich müssen die Kinder der Snows ebenbürtige Ehepartner haben. Die Ehe war schon arrangiert. Dass aus Liebe geheiratet wird, anstatt aus wirtschaftlichen Gründen ist für sie fragwürdig, ebenso dass ihre Tochter einen Beruf wie Künstlerin ausführen möchte.

Dass Evie gegen ihre Mutter rebellieren wollte, fand ich sehr gut. Ich konnte mich generell gut in sie hineinfühlen und auch ihre Beweggründe nachvollziehen. Gerade im Zusammenspiel mit Vincent fand ich sie als Protagonistin toll, denn ich bekam das Gefühl, dass er das Beste in ihr hervorgebracht hat, wovon man später nicht mehr viel sieht.

Genau dasselbe lässt sich auch über Vincent sagen. Mit Evie war er ein anderer als ohne sie. Ein Straßenmusiker, der mit dem, was er liebt, sein Geld verdienen möchte, aber keinen Erfolg hat. Ich fand es ein bisschen schade, dass Vincent erst gegen Ende des Romans wirklich Tiefe bekommen hat, da man dort erst mehr über ihn und sein vergangenes Leben erfahren hat. Es wirkt ein bisschen so, als hätte er ohne Evie keinen anderen Sinn in der Geschichte.

Die Szenen mit den Evie und Vincent habe ich allerdings immer sehr genossen, weil man durch die Seiten hindurch spüren konnte, wie perfekt sie füreinander gemacht sind. Man konnte spüren, wie es zwischen ihnen gefunkt hat. Umso schlimmer war es dann natürlich, als es dann ganz anders kam. Evie konnte sich letztlich ihrer arrangierten Ehe doch nicht entziehen und dass sie da so aufopferungsvoll gehandelt hat, finde ich sehr sinnvoll und nachvollziehbar.

Ein großes Lob zum Schluss möchte ich auch der Autorin Carrie Hope Fletcher aussprechen, die mich mit ihrem Schreibstil sehr überrascht hat. Es ist das erste Buch, das ich von ihr lese, ich kenne sie bereits aus ihren Youtube-Videos, weiß also, wie sie sich ausdrückt. Aber die Art, wie sie schreibt, habe ich so nicht erwartet und das ist durchweg positiv gemeint. Teilweise ist sehr lyrisch und poetisch und genau das hat mir sehr gefallen. Es passt zu dem künstlerischen Wesen von Evie und von Vincent und deshalb auch ganz wunderbar in diesen Roman.



FAZIT
Mit Eine Liebe ohne Winter von Carrie Hope Fletcher konnte mich sehr überzeugen. Es ist eine schöne Liebesgeschichte, die einem durch einen Hauch übernatürlicher Magie das Herz wärmt und einen mit einem schönen Gefühl auf den letzten Seiten entlässt. Zwar hat der Roman auch kleinere Schwächen, das tut der Geschichte an sich aber keinen großen Abbruch. Deswegen bekommt Carrie Hope Fletchers Eine Liebe ohne Winter vier von fünf Sterne von mir.

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323 Bibliotheken, 13 Leser, 2 Gruppen, 133 Rezensionen

wonder woman, amazonen, superhelden, fantasy, leigh bardugo

Wonder Woman - Kriegerin der Amazonen

Leigh Bardugo , Anja Galić
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 06.02.2018
ISBN 9783423761970
Genre: Jugendbuch

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173 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

mobbing, wunder, freundschaft, schule, aussehen

Wunder

R.J. Palacio , André Mumot
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.12.2017
ISBN 9783423086547
Genre: Kinderbuch

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690 Bibliotheken, 25 Leser, 3 Gruppen, 164 Rezensionen

john green, schlaft gut, ihr fiesen gedanken, freundschaft, jugendbuch, johngreen

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

John Green , Sophie Zeitz
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 10.11.2017
ISBN 9783446259034
Genre: Jugendbuch

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Aza Holmes hat es nicht leicht. Jeden Tag hat sie mit ihren Ängsten zu kämpfen, weshalb es ihr auch nicht so wichtig erscheint, dass der millionenschwere Russell Pickett verschwindet. Wäre da nicht ihre beste Freundin Daisy, die unbedingt herausfinden will, welches Geheimnis den Milliardär umgibt und die sagenumwobene Belohnung von 100.000 Dollar, würde es Aza wohl ziemlich kalt lassen, obwohl sie noch vor nicht allzu langer Zeit mit Picketts Sohn Davis befreundet war. Dennoch lässt sie sich von Daisy mitziehen und schafft es sogar, Mut zu beweisen und ihren Ängsten den Kampf anzusagen. Sie lernt dabei sogar sehr viel über sich selbst und darüber, wie andere sie wohl sehen müssen.


REZENSION
Ich war ganz aufgeregt, als bekannt wurde, dass es in diesem Jahr einen neuen Roman von John Green geben würde, da er in den letzten Jahren zu einem meiner liebsten Autoren geworden ist. Es war also klar, dass ich Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken natürlich auch unbedingt lesen wollte.

Rein optisch ist der Roman natürlich schon ein Hingucker. Das Cover konnten die Leser über die Hanser Social Media Accounts aus zwei Varianten wählen. Die Spirale und die Schildkröten haben nicht nur etwas mit dem Originalcover und -titel zu tun, sondern finden auch im Roman ihre Bedeutung. Der orangene Schnitt passt ganz hervorragend zum Cover und gibt dem ganzen Buch an sich nochmal eine besondere Note.

Besonders an diesem Roman ist vor allem die Protagonistin. Aza leidet nämlich an Angststörungen, etwas, womit auch der Autor selbst zu kämpfen hat. Gerade das hat mich auch sehr neugierig auf den Roman gemacht, weil es eben doch nochmal etwas Anderes ist, wenn jemand seine persönlichen Erfahrungen mit in eine Geschichte einfließen lässt.

Prinzipiell hat mir Aza an sich auch gut gefallen. Natürlich findet man keinen leichten Zugang zu ihr, wenn man ihre Ängste nicht versteht. Aber dass sie immer mehr in ihrer Gedankenwelt versinkt, sich Szenarien immer weiter ausmalt und dabei irgendwann von der Realität abweicht, das war etwas, womit ich mich zumindest teilweise gut identifizieren konnte.

Generell kann ich aber so im Nachhinein nicht sehr viel mehr über Aza erzählen, denn abseits dessen erfährt man leider nicht viel von ihr. Sie wird lediglich auf ihre Krankheit reduziert, was ich sehr schade finde.

Ohnehin nimmt Azas Krankheit den ganzen Roman in Anspruch. Es gibt leider keine besonders ausgetüftelte Storyline. Der Klappentext verspricht einem da deutlich mehr, aber leider verabschiedet sich die Geschichte bereits nach einigen Seiten von der Grundidee, die dann mehr zum Nebenschauplatz wird. Das Verschwinden von Russell Pickett wird so unspektakulär aufgelöst, dass ich mich frage, weshalb man überhaupt erst diesen Plot mit in die Geschichte gebracht hat, wenn man ihn dann so völlig nichtig werden lässt.

Auch die Sache mit den Schildkröten kam mir irgendwie total zu kurz. Ich bin davon ausgegangen, dass sie eine weit größere Rolle im Roman spielen, da sie nicht nur im Originaltitel Turtles All The Way Down ja sogar benannt werden, sondern eben auch noch auf dem Cover abgebildet sind. Dem ist aber leider nicht so. Da passt der deutsche Titel doch tatsächlich besser zur Geschichte.

Auch die anderen Charaktere im Roman sind zwar generell ganz nett gestaltet, aber keiner von ihnen erfüllt eine wesentliche Funktion. Der Roman könnte genauso gut ein einzelner Monolog von Aza sein, es würde vermutlich keinen sehr großen Unterschied machen. Die Einzige, die sich noch etwas abhebt und ein bisschen mehr John Green-Flair hereinbringt, ist Azas beste Freundin Daisy.

Daisy mochte ich tatsächlich sehr gerne, denn sie hat für mich etwas mehr Dynamik in die Geschichte gebracht, auch wenn sie mir manchmal auch schon ein klein wenig over the top war.

Davis dagegen ist auch wieder so eine Figur, die keinen wirklichen Zweck erfüllt. Er ist zwar der Love Interest für Aza, aber dann auch wieder nicht und mehr ist er dann sowieso schon mal gar nicht. Darüber hinaus weiß man von ihm eigentlich auch nicht besonders viel, was schade ist, weil der Charakter sicher auch noch etwas mehr Potenzial gehabt hätte.

Generell kann man über die Charaktere leider nur sagen, dass sie allesamt viel zu schwammig gestaltet wurden, indem ganz einfach auf falsche Schwerpunkte bei den Figuren gesetzt wurden. Mir fehlt da generell dieses Zwischenmenschliche, was die Charaktere verbindet.

Stilistisch gesehen merkt man dem Roman allerdings doch an, dass er aus der Feder von John Green stammt. Besonders wenn Aza versucht, ihre Angststörungen zu erklären, wird sehr oft auf Metaphern zurückgegriffen. Ein Stilmittel, das bereits auch in anderen Romanen Greens häufig verwendet wurde. Ganz besonders oft wird da die, auf dem Cover abgebildete, Spirale genutzt, mit der Aza verdeutlicht, wie ihre Gedanken sich immer wieder zuziehen, bis es kein Entkommen aus der Gedankenspirale mehr gibt.

Auch beliebt bei John Green ist die Einbindung von Zitaten. In diesem Roman ist es Davis, der stets aus berühmten Stücken der Weltliteratur zitiert, mit denen er die Posts auf seinem Blog beginnt, ehe er seine eigenen Worte darunter setzt..

Auch sprachlich kann Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken durchaus mit den anderen Romanen mithalten, nur inhaltlich leider nicht.

Von einem typischen Green Roman ist Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken meiner Meinung nach leider doch weit entfernt. Für mich konnte der Roman absolut nicht an Greens letzten Roman Das Schicksal ist ein mieser Verräter anknüpfen. Das macht mich ehrlich gesagt sehr traurig, denn ich wollte diesen Roman wirklich mögen. Aber leider hat er mich doch nur mehr enttäuscht zurückgelassen.


FAZIT
Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken konnte mich leider nicht überzeugen. Obwohl der Schreibstil mir wieder einmal sehr gut gefallen hat, konnte die Story an sich bei mir leider gar nicht punkten, weil es eigentlich gar keine richtige Handlung gab. Aza ist ein interessanter Charakter, der dem Leser einen Einblick verschafft, wie es ist, mit Angststörungen zu leben, aber leider nicht mehr. Gleiches lässt sich auch über die anderen Charaktere sagen. Man erfährt nicht viel von ihnen. Deshalb bekommt Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken leider nur drei von fünf Kreuzen.

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179 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 80 Rezensionen

weihnachten, dinosaurier, tom fletcher, kinderbuch, weihnachtosaurus

Der Weihnachtosaurus

Tom Fletcher , Franziska Gehm , Shane Devries
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei cbj, 02.10.2017
ISBN 9783570164990
Genre: Kinderbuch

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Es gibt genau zwei Dinge, die William Trudel ganz besonders liebt: Weihnachten und Dinosaurier. Zusammen mit seinem Vater wird Weihnachten jedes Jahr ganz groß zelebriert. In letzter Zeit hat William es allerdings sehr schwer, denn ein neues Mädchen macht ihm das Leben in der Schule zur Hölle. William hat keine Freunde mehr und wünscht sich daher vom Weihnachtsmann einen echten Dinosaurier, den er dann zum Freund haben kann.

Gleichzeitig finden die Weihnachtselfen von Santa am Nordpol ein mysteriöses Ei, welches der Weihnachtsmann höchstpersönlich ausbrütet. Am Nordpol staunen alle nicht schlecht, als plötzlich ein kleiner Dinosaurier aus dem Ei schlüpft, denn es hat schon seit Millionen von Jahren keinen echten Dinosaurier mehr gegeben.

Am Weihnachtsabend, als der Weihnachtsmann die Geschenke an die braven Kinder verteilt, treffen der Weihnachtosaurus und William eher unbeabsichtigt aufeinander und erleben eine ganze Menge Abenteuer.


REZENSION
Allein rein optisch konnte Tom Fletchers Der Weihnachtosaurus schon von Anfang an bei mir punkten. Nicht nur das Cover ist sehr süß illustriert, nein, auch im Roman selbst lassen sich viele Illustrationen zu den Szenarien finden, was das Lesen an sich gleich viel anschaulicher und dadurch auch kindgerechter macht.

Auf keinen Fall sollte man sich vom Umfang des Romans beirren lassen. Ja, er wirkt sehr dick, aber durch die Illustrationen und der relativ großen Schrift im Inneren, ist er im Endeffekt gar nicht so lang. Ich finde sogar, dass die Geschichte genau das richtige Maß hat und bin mit dem Lesen sehr zügig voran gekommen. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und auch sprachlich ist der Roman sehr einfach gehalten.

Williams Geschichte ist berührend. Er hat sehr früh seine Mutter durch einen Unfall verloren, durch den er selbst seither im Rollstuhl sitzt. Eigentlich hat er damit kein Problem, denn er kennt gar nichts anderes mehr. Auch seine Freunde und Mitschüler in der Schule kennen und akzeptieren ihn so.

Doch dann kommt ein neues Mädchen an die Schule, Brenda, und macht William das Leben zur Hölle. Der sonst so fröhliche Junge zieht sich immer mehr zurück und wird richtig unglücklich.

Das hat mir beim Lesen teilweise wirklich das Herz gebrochen. Ich mochte William wirklich sehr und konnte mich ganz gut in ihn hineinversetzen. Vor allem, dass er darüber nachdenkt, wie sehr sein Vater sich für ihn aufopfert, ohne an sein eigenes Glück zu denken und möglicherweise einsam wird, fand ich sehr traurig, zumal William doch selbst sehr einsam ist, sich aber mehr Gedanken um andere macht.

Im zweiten Handlungsstrang der Geschichte geht es um den kleinen Weihnachtosaurus, der am Nordpol gefunden wird und seither beim Weihnachtsmann lebt. Dort ist er nämlich vor all den Gefahren in der Welt geschützt, denn nicht jeder kann einfach so zum Nordpol kommen und das Dorf des Weihnachtsmannes besuchen.

Doch auch der Weihnachtosaurus fühlt sich irgendwann sehr einsam, denn er ist der Einzige seiner Art. Es gibt schließlich schon sehr lange keine anderen Dinosaurier mehr. Umso mehr freut er sich, als der Weihnachtsmann das Geschenk für William bastelt, einen Plüsch-Dino, den er nach dem Ebenbild des Weihnachtosaurus geschaffen hatte. Klar, dass der Weihnachtosaurus das Plüschtier zu seinem Freund macht und bitter traurig wird, als sein neuer Freund verpackt und auf den Schlitten des Weihnachtsmannes transportiert wird. Der Weihnachtosaurus möchte sich nur noch kurz von seinem Freund verabschieden und klettert daher auf den Schlitten. Ehe er sich versieht, fliegt er auch schon im Schlitten über die Städte hinweg und landet schließlich selbst bei William.

Der Weihnachtosaurus ist tatsächlich eine sehr süße Geschichte, die sowohl sehr schön, aber auch super traurig sein kann. Mich hat der Roman öfter zu Tränen gerührt, besonders in der Zeit, als William von Brenda fies gemobbt wurde. Das brachte mich auch dazu, Brenda nicht besonders zu mögen, selbst wenn sie im Roman selbst noch eine Entwicklung durchmacht.Aber leider ist es tatsächlich eine Geschichte, die man im wahren Leben immer wieder so vorfindet.

Dagegen mochte ich William und Mr. Trudel wirklich sehr, weil sie beide so durch und durch gute Menschen waren, die mir mit der Zeit sehr ans Herz gewachsen sind. Besonders Mr. Trudels unverbesserlicher Optimismus war wirklich schön zu lesen und hat mir selbst immer ein besseres Gefühl gegeben.

Eine wichtige Botschaft, die in dem Roman mitschwingt, ist, dass es eigentlich nichts gibt, was unmöglich ist, solange man ganz einfach daran glaubt, dass es möglich ist. Wenn man nur daran glaubt, ist alles möglich. Und genau diese Botschaft sollte wohl jeder von uns verinnerlichen, denn ich finde sie ganz wunderbar.

Was mir allerdings nicht ganz so gut gefallen hat, war der ganze Plot mit dem Jäger, der es zuerst auf die Rentiere des Weihnachtsmannes und dann natürlich auf den Weihnachtosaurus abgesehen hat. Natürlich musste es in dieser Geschichte einen Fiesling geben und der Jäger ist ein richtig böser Fiesling, aber mir persönlich war dieser Plot doch etwas zu unausgereift.

Nichtsdestotrotz merkt man dem Roman an, dass Tom Fletcher selbst ein wahnsinnig großer Fan von Weihnachten ist. Wer ihm auf seinen Social Media Kanälen folgt, wird es spätestens dort nochmal deutlich mitbekommen haben. Für mich hat Fletcher den Geist der Weihnacht in seiner Geschichte sehr schön eingefangen. Es ist ein tolles Kinderbuch, in dem auch Erwachsene durchaus auf ihre Kosten kommen können. Es ist witzig, traurig, schön - eine perfekte Mischung für eine schöne Weihnachtsgeschichte.


FAZIT
In Der Weihnachtosaurus zeigt uns Tom Fletcher, dass Weihnachten und Dinosaurier durchaus gut zusammenpassen. Der Roman erzählt die Geschichte von William Trudel, der sich zu Weihnachten einen echten Dinosaurier wünscht, ohne zu wissen, dass sich am Nordpol tatsächlich ein waschechter Dinosaurier befindet, der dann auch noch, wenn auch eher ungewollt, den Weg zu ihm findet. Eine schöne Geschichte, die mit viel Witz erzählt, jedoch die unschönen Momente im Leben nicht außen vor lässt. Alles in allem eine gelungene Weihnachtsgeschichte, die von mir definitiv in mein Repertoire an Weihnachtsbüchern aufgenommen wird. Deshalb erhält Der Weihnachtosaurus von mir vier von fünf Kreuzen bekommt.

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71 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

kindheit, armut, obdachlosigkeit, familie, schloss aus glas

Schloss aus Glas (Filmausgabe)

Jeannette Walls , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diana, 21.08.2017
ISBN 9783453359680
Genre: Romane

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Die Kindheit von Jeannette Walls ist alles, aber auf keinen Fall gewöhnlich. Während andere einem geregelten Tag nachgehen, sieht jeder ihrer Tage anders aus. Manchmal wechselt ihre Familie in einer Nacht- und Nebelaktion den Wohnort. Auch sonst hält besonders ihr Vater nicht viel von Regeln und Gesetzen - zumindest nicht wenn sie von jemand anderem als ihm selbst kommen. Auch ihre Mutter genießt viel lieber die künstlerische Freiheit und betitelt jeden, der sich streng an Normen und Werte einer Gesellschaft hält, als großen Spießer. Jeannette und ihre Geschwister dagegen stehen oft zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite steht die Familie, ihre Eltern, die ganz andere Ansichten vertreten als die Gegenseite, ihre Mitschüler, Lehrer und andere. Erst mit zunehmenden Alter bemerkte Jeannette, dass ihr Leben auch anders verlaufen kann und dass es ganz alleine in ihrer Hand liegt, was aus ihrer Zukunft wird.


REZENSION
In Schloss aus Glas beschreibt die Autorin Jeannette Walls ihr eigenes Leben, insbesondere jedoch ihre sehr außergewöhnliche Kindheit. Das Buch liest sich aber nicht unbedingt als Autobiographie, sondern vielmehr als Roman. Wäre der Name der Autorin auf dem Cover nicht identisch mit dem der Protagonistin der Geschichte, würde man vielleicht gar nicht auf Anhieb darauf kommen, dass der Roman autobiographisch ist.

Nun stellt sich dem einem oder anderen sicherlich die Frage, was an Jeannette Walls' Vergangenheit so interessant sein könnte, dass sie gleich einen ganzen Roman darüber verfasst. Das verrate ich euch gerne!
Schloss aus Glas ist in fünf Teile unterteilt und jeder Teil befasst sich mit einem prägenden Abschnitt aus Jeannettes Leben. Der erste Teil fungiert sozusagen als Prolog zur Geschichte, denn in den darauffolgenden Teilen geht es vor allem um die Kindheit der Autorin. Begonnen wird die Geschichte, als Jeannette drei Jahre alt ist und man wird als Leser gleich mitten ins Geschehen geworfen.

Der Roman ist natürlich aus der Sicht der Autorin geschrieben, die aus der Ich-Perspektive erzählt. Man merkt tatsächlich auch sehr schnell, weshalb dies in dem Roman so wichtig ist, aber dazu komme ich später nochmal genauer.
Jeannettes Familie ist keine herkömmliche Familie. Sie leben nicht unbedingt nach den Regeln der Gesellschaften, ecken gerne mal an, weil ihnen gesellschaftliche Konventionen zu wider sind. Man könnte ihre Eltern durchaus auch als Freigeister bezeichnen. Das wäre auch vollkommen in Ordnung, gäbe es da nicht die drei Kinder, die das alles mitmachen müssen.
Die Familie reist von Ort zu Ort, bleibt dort so lange, bis das Geld aus ist und bevor ihnen ernsthafte Konsequenzen drohen, weil sie sich verschuldet haben, hauen sie ab. Dazu kommt, dass der Vater Alkoholiker ist, das Geld also gerne für seinen täglichen Bedarf an Alkohol oder eben anderen schönen Dingen ausgibt. Die Mutter nimmt das so hin, trauert aber vor allem ihrem Leben als Künstlerin her, dass sie aufgrund der Kinder aufgeben musste. Ja, und die Kinder nehmen das alles ganz einfach so hin, schließlich kennen sie es nicht anders. Für sie ist es völlig normal, von Lebensmittelresten zu leben, sich nicht täglich waschen zu können und von einem Ort zum nächsten zu reisen.

Ich habe beim Lesen oft wirklich schwer schlucken müssen, denn die Kinder haben gewiss kein leichtes Leben. Man merkt da erst mal selbst, wie gut die eigene Kindheit doch war. Das Schlimmste daran finde ich aber eigentlich noch, wie normal das für Jeannette ihre Geschwister doch zu sein scheint, ganz besonders, als sie noch klein waren. Es gab nichts, was sie ihren Eltern vorwarfen, weil sie eben doch nichts anders kannten. Genau deshalb ist es auch so wichtig, dass hier aus der Ich-Perspektive erzählt wird, denn dadurch wird das nochmal ganz deutlich gemacht.
Erst mit zunehmenden Alter, wenn die Kinder allmählich erwachsen werden, merken sie, dass dieses Leben nicht das ist, was sie sich für sich wünschen, auch wenn ihre Eltern offenbar sehr zufrieden damit scheinen. Dies spiegelt sich dann ebenso in der Erzählart wider.

Der Roman hat mich teilweise geschockt, aber auch gerührt. Schockierend fand ich es ganz besonders, wie oft sexuelle Belästigung und Nötigung, besonders bei Kindern, thematisiert wird und wie das von den Eltern klein geredet wird. Das hat mich eigentlich nicht nur schockiert, sondern auch richtig wütend gemacht.
Es gab aber auch einige Passagen, die wirklich schön waren und mich gerührt haben. Ich finde es bemerkenswert, dass die Autorin uns an ihrer Geschichte teilhaben lässt. Aus dem Roman geht hervor, dass sie sich eine Zeit lang doch sehr für ihre Eltern geschämt hat. Aber dass sie dann darüber schreibt, zeigt ganz deutlich, dass sie nun darüber reden und ganz offen damit umgehen kann. Besonders ist hier auch die Schreibart. Man merkt deutlich eine Entwicklung im Ton, der anfangs noch ganz unschuldig ist, aber eben immer reifer und fordernder wird.
Es ist außerdem sehr besonders, dass in keiner Zeile jemals ein Vorwurf der Autorin mitschwingt. Jeannette Walls berichtet aus ihrer Kindheit so, als wäre es die Geschichte einer fiktiven Figur, man liest keine Wertung oder Kritik heraus, was aber nicht heißt, dass es nicht emotional ist.

Sicherlich ist Schloss aus Glas kein Buch, das man mal eben lesen kann. Es lässt sich zwar sehr leicht lesen, aber zumindest ich musste das Gelesene dann erst einmal verarbeiten und reflektieren, weil es eben doch keine leichte Kost ist. Vor allem aber musste ich sehr viel darüber nachdenken und habe mich oft gefragt, wie es mir in dieser Lage ergangen wäre.

Eine Sache gibt es dann aber doch, die mir nicht so gut gefallen hat und das ist die Länge einiger Passagen. Für mich wurde die Kindheit ganz ausschweifend erzählt, aber das Teenageralter und vor allem dann später die Zeit als Erwachsene kamen mir doch zu kurz. Sicherlich waren all die Ereignisse aus der Kindheit prägend für die Autorin, sonst hätte sie sie nicht in dem Roman niedergeschrieben, für mich persönlich hätten es aber doch ein paar weniger Kindheitserinnerungen und dafür mehr aus späteren Zeiten sein können.


FAZIT
Jeannette Walls Schloss aus Glas ist definitiv kein leichter Roman, den man mal eben so nebenher lesen kann. Das Erzählte bringt sehr viel Ballast mit sich, der einen unentwegt zum Nachdenken anregt. Wer jedoch auf der Suche nach einem anspruchsvollen Roman ist, der das Leben einer etwas anderen Familie beschreibt, der wird hier seine Freude haben. Ich habe auf jeden Fall großen Respekt vor Jeannette Walls, dass sie die Menschen an ihrem doch sehr unkonventionellen Leben teilhaben lässt. Deshalb bekommt Schloss aus Glas vier von fünf Kreuzen von mir.

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1.135 Bibliotheken, 62 Leser, 1 Gruppe, 143 Rezensionen

fantasy, leigh bardugo, das lied der krähen, grischa, krähen

Das Lied der Krähen

Leigh Bardugo , Michelle Gyo
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.10.2017
ISBN 9783426654439
Genre: Fantasy

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Sechs Außenseiter, sechs verschiedene Motive, eine Mission. Kaz Brekker, seines Zeichens Meisterdieb, zieht einen großen Auftrag an Land, dessen Belohnung sich durchaus sehen kann kann und stellt daraufhin ein Team zusammen, mit dem er die große Reise ins Unbekannte antreten will. Die Sechs könnten jedoch nicht unterschiedlicher sein. Jeder verfolgt sein ganz eigenes Ziel, angetrieben durch verschiedenste Motive. Eines ist ihnen jedoch von Anfang an bewusst: Diese Reise könnte ihre letzte sein, der Auftrag ihr Freifahrtschein in den Tod. Dennoch stellen sie sich der Herausforderung. Nur um dann festzustellen, dass hinter dem Auftrag sogar weitaus mehr steckt, als man ihnen anfänglich verraten hat.


REZENSION

Wie bereits angemerkt, finde ich die Aufmachung von Das Lied der Krähen wirklich sehr gelungen. Besonders der schwarze Schnitt ist etwas Besonderes und passt auch unheimlich gut zu der düsteren Atmosphäre des Romans. Da hat Knaur Fantasy sich wirklich etwas Tolles überlegt! Auch, dass das Cover des Originals übernommen wurde, kann ich nur loben und es sieht im Zusammenspiel mit dem schwarzen Schnitt toll aus. Ich habe den Roman nun schon einige Male in diversen Buchhandlungen gesehen und für mich war er immer wieder ein Hingucker!
Damit man die Reise der Charaktere auch immer nachvollziehen kann, gibt es in den Klappen übrigens zwei Karten. Die erste Karte zeigt die Länder, die eine Rolle spielen, egal, ob nun dort etwas passiert oder gar nur davon gesprochen wird. Die zweite Karte zeigt den Grundriss des Eistribunals. Ich habe schon öfter erwähnt, dass ich solche Karten immer sehr hilfreich finde, gerade in Romanen, in denen fiktive Welten bereist werden, weshalb mir die Karten hier auch wieder sehr zugesagt haben.

Apropos düstere Atmosphäre - ja, die herrscht die ganze Zeit über und ich finde auch, dass sie den Roman sehr auszeichnet. Nicht nur in der Umgebung spiegelt sich diese Atmosphäre wieder, sondern auch in den Charakteren und vor allem in der Sprache.
Manchmal habe ich mich da schon gefragt, ob Das Lied der Krähen tatsächlich noch als Jugendbuch gewertet werden kann oder nicht doch schon etwas zu grob dafür ist. Das soll kein Kritikpunkt sein, nein, mir hat das durchaus sehr gefallen! Ich mag den rauen Ton der Charaktere, die düstere Stimmung und die heruntergekommenen Gegenden, weil es eben genau das ist, worum es geht und die Außenseiterposition der Charaktere nochmal deutlich hervorbringt.

Besonders ist auch, dass der Roman aus verschiedenen Perspektiven geschrieben wurde. Das ist in der Tat sehr sinnvoll, denn so kann der Leser den Geschehnissen stets folgen, auch wenn die Charaktere nicht immer alle zusammen sind. Darüber hinaus werden auch Erzählungen aus vorherigen Kapitel aufgenommen und nochmal aus anderer Sicht wiedergegeben, was mir auch sehr gefallen hat. Ich mochte diesen Perspektivwechsel deshalb sehr, auch wenn ich mich meist eher schwer tue, wenn es mehr als zwei Perspektiven gibt.

Das Lied der Krähen stammt übrigens aus der selben Welt, wie die Grischa-Trilogie, dem Grishaverse, wie es auch genannt wird. Obwohl es hieß, dass der Titel auch ganz unabhängig von dieser Trilogie gelesen werden kann, habe ich es beim Lesen leider so empfunden. Ich hatte oft das Gefühl, dass mir ein bestimmtes Vorwissen fehlt, beziehungsweise, dass ein Vorwissen vorausgesetzt wird.
So musste ich mir zum Beispiel aus dem Zusammenhang herausziehen, was Grischa überhaupt sind. Ich möchte nicht sagen, dass es unmöglich ist, den Roman zu lesen, ohne die Grischa-Trilogie zu kennen, aber ich persönlich hatte das Gefühl, dass mir ohne die Textkenntnis der Trilogie einiges verloren gegangen ist und es mir dadurch manchmal auch schwerer fiel, mich von dem Geschehen packen zu lassen.

Generell hat mir der Roman anfangs eine Schwierigkeiten bereitet. Die Geschichte nimmt meiner Meinung nach erst sehr spät richtig Fahrt auf. Es wird sehr viel Vorarbeit geleistet, sehr ausgiebig erzählt, allerdings wird der Schwerpunkt für mich da doch auf eher nebensächliche Handlungsstränge gelegt, die mit dem eigentlichen Plot nicht viel zu tun haben.
Ich finde, die Geschichte kommt erst auf den letzten 200 Seiten richtig in Gang, aber spätestens ab da hat sie mich dann auch total mitgerissen und ich konnte das Buch vor Spannung nur schwer aus der Hand legen. Es wurde sehr spannend und auch die Plottwists haben mich teilweise wirklich verzweifeln lassen, weil ich das so gar nicht erwartet habe. Genau das hätte ich mir sehr viel eher gewünscht.

Ganz ausschlaggebend sind hier natürlich die Charaktere, die nicht unterschiedlicher sein könnten, aber eben doch genug gemeinsam haben, um ein Abenteuer zu bestehen. Vermutlich würde man sie eher in die Kategorie Anti-Helden packen, falls man sie überhaupt als Helden kategorisieren kann. Jedenfalls sind sie allesamt Außenseiter, die sich auf eine Mission begeben, die augenscheinlich so gar nicht zu ihnen passt.
Mein absoluter Liebling in der Runde ist Kaz. Für mich hätte es im Roman durchaus noch mehr Szenen nur aus seiner Sicht geben dürfen, denn ich habe seine Kapitel sehr genossen. Vor allem die Geschichten aus seiner Vergangenheit haben mich immer sehr mitgenommen und den Wunsch auskommen lassen, noch mehr über ihn zu erfahren!
Mein zweiter Liebling ist zudem auch Matthias, den ich ebenso in mein Herz geschlossen habe. Ich mochte es zu sehen, wie sehr er immer schwankte zwischen der Loyalität seiner Heimat gegenüber und seiner Verpflichtung gegenüber Kaz und dem Wunsch nach Freiheit, der damit verbunden ist. Außerdem fand ich seine Verbindung zu Nina sehr spannend, auch wenn ich mich mit ihr nicht so anfreunden konnte. Ich kann nicht mal genau sagen, woran es lag. Es gab Momente, da fand ich Nina sehr stark, aber oft hat sie mich irgendwie genervt.
Ganz anders war es bei Inej. Die hat für mich deutlich mehr polarisiert durch ihren starken Charaktere. Auch in ihren schwachen Momenten fand ich sie deutlich stärker und fühlte mich ihr näher.

Generell finde ich es großartig, wie Leigh Bardugo es geschafft hat, die Charaktere zu formen. Es wird sehr viel aus deren Vergangenheit preis gegeben, womit erklärt wird, wieso sie nun mal so sind, wie sie sind. Schließlich wird niemand so, wie er jetzt ist, geboren, sondern meist durch äußere Einflüsse erst so gemacht. Außerdem konnte man vereinzelt sehr gut miterleben, wie sich die Charaktere durch die Reise verändern. Die einzelnen Charakterentwicklungen haben mir gut gefallen.
Es war spannend zu sehen, was die Charaktere bereits alles erlebt haben. Auch wenn es manchmal leider schwer auseinander zu halten war, ob es sich nun um ein aktuelles Geschehen oder um die Vergangenheit handelt, weil sich die Erzählungen stilistisch nicht unterscheiden. Das hätte man besser lösen können, in dem das Vergangene in kursiv dargestellt wird.
Was ich allerdings etwas merkwürdig fand, ist, dass die Charaktere allesamt um 17-19 Jahre alt sind, aber wirken, als wären sie schon jenseits der 30. Jedenfalls haben sie auf mich schon sehr viel reifer und klüger gewirkt, als man es für junge Erwachsene für möglich hält.



FAZIT
Das Lied der Krähen konnte mich leider nicht ganz so überzeugen, wie es mir gewünscht hatte. Vielleicht hatte ich auch zu hohe Erwartungen an den Roman. Obwohl mir die Charaktere allesamt gut gefallen haben und den Roman durchaus tragen, fiel es mir am Anfang doch sehr schwer, am Ball zu bleiben, weil mir doch die Spannung fehlte. Erst gegen Ende nahm die Geschichte richtig Fahrt auf und konnte mich dann auch wirklich mitreißen, was total schade war. Dafür wurde es dann aber tatsächlich sehr spannend. Wer auf dunkle Atmosphären und düstere Charaktere steht, dem wird Das Lied der Krähen sicher gefallen. Von mir bekommt der Titel aber leider nur drei von fünf Kreuzen.

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64 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

leben, oetinger verlag, selbstliebe, selbstverwirklichung, selbstwahrnehmung

Was uns ganz macht

Kendra Fortmeyer , Fabienne Pfeiffer
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 25.09.2017
ISBN 9783789108457
Genre: Jugendbuch

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Auf den ersten Blick sieht Morgan aus wie ein gewöhnliche junge Frau, allerdings verbirgt sie ihr großes Geheimnis auch wahnsinnig gut. Das ewige Verstecken ist sie mittlerweile ziemlich leid, schafft es aber nur in der anonymen Nachtwelt, sich der Welt zu zeigen.
Dadurch wird sie aber über Nacht zum Internetstar, als das Mädchen mit dem Loch. So ganz gefällt ihr dieser neuerliche Ruhm auch nicht, aber irgendwie versucht sie, damit klar zu kommen.
Durch diesen Ruhm wird auch eine Ärztin auf sie aufmerksam, die ihr die Möglichkeit einer Heilung aufweist. Ihr Patient Howie ist das komplette Gegenteil von Morgan. Nicht nur charakterlich, sondern vor allem äußerlich. Sie können sich gegenseitig helfen, aber gibt es überhaupt eine Heilung für sie beide oder ist dies bloß eine reine Wunschvorstellung aller Beteiligten?


REZENSION

Die Geschichte, die Kendra Fortmeyer in ihrem Roman Was uns ganz macht erzählt, ist keine gewöhnliche, denn die Protagonistin Morgan ist eine anatomische Besonderheit. In ihrem Bauch klafft ein faustgroßes Loch. Das ist schon ihrer Geburt so. Morgan muss deshalb natürlich stets routinemäßig zum Arzt. Neben ihrem Arzt wissen lediglich ihre Mutter und ihre beste Freundin etwas über das Loch. Dies ändert sich, als Morgan plötzlich über Nacht zur Internetberühmtheit wird. Plötzlich interessiert sich jeder für ihre Geschichte.

So richtig warm geworden bin ich mit Morgan leider nicht. Die Geschichte wird uns von ihr selbst erzählt, aber das hat mir leider auch nicht geholfen, mich in sie hineinversetzen zu können. Dagegen konnte ich mich mit ihrer besten Freundin Caroline deutlich besser identifizieren.
Im Großen und Ganzen waren mir die Charaktere leider alle zu flach gestaltet. Keiner hat mich so richtig umgehauen. Prinzipiell finde ich sie alle ganz in Ordnung, aber niemand ist so richtig heraus gestochen, was sehr schade war, denn das Potential war in meinen Augen definitiv da. Besonders schwach fand ich allerdings Howie, denn man erfährt eigentlich sehr wenig von ihm und das, obwohl er eine wesentliche Rolle im Roman spielt. Das liegt vielleicht aber auch bloß daran, dass er überhaupt erst sehr spät an Aufmerksamkeit gewinnt und man es deshalb schwerer hat, ihn noch zu fassen zu bekommen.

Dass der Roman schließlich zu einer Liebesgeschichte zwischen Morgan und Howie wird, deutet sich bereits im Klappentext an. Beim Lesen habe ich allerdings immer wieder gedacht, wie offensichtlich und wenig einfallsreich diese Verbindung doch ist. Die Szenen von Morgan und Howie waren mir teilweise wirklich zu langweilig. Dagegen fand ich Morgans Begegnungen mit Chad sehr viel spannender und abwechslungsreicher. Auch wenn Chad natürlich auch kein besserer Partner für sie wäre, aber er war schlichtweg aufregender.

Die Handlung des Romans war mir an manchen Stellen doch etwas zu vorhersehbar und deshalb war es alles in allem sehr schwer für mich, weiter zu lesen. Es hat mich nicht gefesselt und ich habe mir wirklich mehr von der Geschichte erhofft. Mehr Spannung, mehr Emotionen, mehr Abwechslung.

Deutlich punkten konnte Was uns ganz macht jedoch mit all dem, was zwischen den Zeilen steht. Besonders die Bewegungen, die rund um das Mädchen mit dem Loch gestaltet werden, sind wirklich sehr stark! Es schwingt quasi im Sub-Text mit, dass wir alle ein solches Loch haben, denn niemand ist perfekt. Aber genau deshalb sollten wir uns akzeptieren und jeden anderen respektieren. Auch Caroline, die mit Vorurteilen gegenüber ihrer Figur zu kämpfen hat und deshalb sehr viel Body Positivity verbreitet, finde ich wahnsinnig toll.
Es gibt viel, was der Roman einem mit auf den Weg geben kann, wodurch er mir allerdings hauptsächlich im Gedächtnis geblieben ist. Leider nicht wegen der Liebesgeschichte, um die es wohl vordergründig gehen sollte.


FAZIT
Im Großen und Ganzen bin ich von Was uns ganz macht doch ein wenig enttäuscht. Der Roman konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen. Die Charaktere sind mir zu flach gestaltet, die Handlung leider oft viel zu vorhersehbar und deshalb stellenweise etwas langweilig. Was diesen Roman besonders macht, sind vor allem die zwischenmenschlichen Momente, sowie kleine Botschaften, die zwischen den Zeilen versteckt sind. Wir sind alle Menschen mit Löchern, denn jeder von uns hat etwas, das ihn nicht zum perfekten Menschen macht. Dies konnte den Roman für mich doch noch aufwerten, dass ich für Kendra Fortmeyers Was uns ganz macht nur drei von fünf Kreuzen vergebe.

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

entführung, spieltheorie, spannung

Das ist kein Spiel

Barry Jonsberg , Ursula Höfker
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 25.09.2017
ISBN 9783570164549
Genre: Jugendbuch

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Jamie ist Mathematiker und sogar ein verdammt guter. Deshalb bekommt er von seinem Lehrer auch stets Extraaufgaben, die ihn mathematisch mehr herausfordern sollen. Außerdem ist er ein großer Freund der sogenannten Spieltheorie und wendet sie besonders häufig auch im Alltag an. Sogar dann, wenn er seiner kleinen Schwester Phoebe eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Sein Verhältnis zu Phoebe ist sehr innig, während zu seiner größeren Schwester Summerlee niemand aus der Familie mehr durchdringen kann.
Die Ereignisse überschlagen sich, als Summerlee im Lotto gewinnt und plötzlich um sieben Millionen Dollar reicher ist. Entgegen dem Rat ihrer Eltern sucht sie die Öffentlichkeit und liebt ihren Ruhm, den sie durch den Gewinn erlangt hat. Kurz darauf wird allerdings die kleine Phoebe entführt. Der Entführer fordert zwei Millionen Dollar Lösegeld, will aber ausschließlich mit Jamie verhandeln. Der versucht natürlich, die Spieltheorie auch auf dieses Szenario anzuwenden und wird dadurch auf die Probe gestellt.


REZENSION
Das ist kein Spiel von Barry Jonsberg klang für mich direkt nach einem interessanten Jugendthriller, der in seinem Ausgangszenario gar nicht so abwegig ist. Jemand gewinnt im Lotto, die Medien bekommen davon Wind und schon ist man für ein paar Tage das Gesprächsthema Nummer Eins. Natürlich muss da jemand auf böse Gedanken kommen!

Dass gerade seine große Schwester Summerlee im Lotto gewinnt, darauf hätte Jamie als Mathemathiker wohl nicht gewettet und es für wenig wahrscheinlich gehalten. Aber genau das ist passiert! Blöd nur, dass Summerlee ihren Gewinn nur zu gerne in die Öffentlichkeit trägt und damit jemanden ermutigt, ihre kleine Schwester Phoebe zu entführen.
Den Protagonisten Jamie, dem wir durch den Roman folgen, nimmt diese Entführung besonders mit. Schließlich war er es, der Phoebe aus den Augen verloren hatte, war er doch gerade mit ihr einkaufen. Was mir besonders gut gefallen hat, war die wahnsinnig bedrückende Stimmung, die seit der Entführung von Phoebe im Roman erzeugt wurde. Vor allem Jamie war total mitgenommen und auch seine Schuldgefühle waren nicht nur gut zu lesen, sondern auch deutlich zu spüren. Ich habe da wirklich jedes Mal mit ihm mit gelitten und konnte nur allzu gut nachvollziehen, wie er sich fühlte.
Gleiches gilt auch für Jamies Eltern, denen ich ihre Sorgen und Ängste auch jedes Mal abgenommen habe. Für mich hat der Autor dieses gesamte Szenario sehr realitätsnah umgesetzt und inszeniert.

Generell sind alle Charaktere in Das ist kein Spiel sehr gut gestaltet und ausgearbeitet. Es gibt keinen, der in irgendeiner Weise überflüssig ist, jeder spielt auf seine Weise eine wichtige Rolle in der Geschichte. Summerlee ist mit ihrer rebellischen Art wohl die Sorte Teenager, vor denen sich alle Eltern fürchten und ich finde es gut, dass sie ihr Ding ganz einfach durchzieht. Sie hat zwar einen Freund, der bei der Familie zwar nicht gut ankommt, sie aber nicht schlecht behandelt und alleine das hat ihn mir schon sympathisch gemacht.
Phoebe dagegen war mir für eine Achtjährige an manchen Stellen doch bereits eine Spur zu erwachsen und zu perfekt. Da hat mir durchaus die kindliche Naivität und der Leichtsinn gefehlt, die in dem Alter eher zu erwarten wären. Phoebes Perfektionismus war mir oft zu viel des Guten.
Dagegen habe ich Jamies besten Freund Gutless sehr ins Herz geschlossen, weil der auf seine ganz eigene Art und Weise eben herzlich war und sich um Jamie gekümmert hat. Er ist eben ein verdammt guter Freund, der für Jamie da war, als er ihn gebraucht hat und somit ein großartiger Sidekick!
Dass Protagonist Jamie Mathematiker ist, hat mich anfangs offen gestanden etwas stutzig gemacht. Ich hatte doch Angst, dass im Roman jetzt wild mit Matheformeln um sich geschmissen wird, von denen ich absolut nichts verstehe. Doch ich kann hiermit gleich Entwarnung geben, denn dem ist nicht so! Zwar ist Mathematik wirklich ein Teil von Jamie, er beschränkt sich dabei aber überwiegend auf die Spieltheorie und die wird wirklich sehr verständlich erklärt.

Wie bereits erwähnt, schafft der Autor es sehr gut, mit Worten eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen und die Leser mitzunehmen. Mich jedenfalls konnte er damit direkt abholen.
Allerdings war mir die Erzählung an einigen Stellen doch viel zu langatmig. Es hat wahnsinnig gedauert, bis der Plot richtig Fahrt aufgenommen hat und es überhaupt um Summerlees Gewinn und Phoebes Entführung ging. Aber auch danach wurden einige Szenen noch sehr langatmig weitererzählt. Man muss allerdings auch anmerken, dass man in dieser Zeit sehr viel über die Hintergründe der Charaktere erfahren hat, was mir wiederum gut gefiel. Man hätte diese Passagen allerdings auch weniger ausschweifend und mehr auf den Punkt gebracht erzählen können, damit wäre die Geschichte an sich kompakter gewesen.
Gerade zum Ende hin war das ausschweifende Erzählen eher kontraproduktiv, weil ich dabei irgendwie das Gefühl hatte, als wollte der Autor mich um jeden Preis noch weiter hinhalten, bevor dann die große Auflösung kam.

Auch mit dem Ende an sich bin ich nicht ganz so zufrieden. Der Roman endet mir viel zu abrupt. Es gibt in meinen Augen einiges, das da noch geklärt werden müsste. Alleine schon, was für Konsequenzen diese ganze Geschichte mit sich trägt, nicht nur für den Entführer, sondern auch für die Familie an sich, da man in der Geschichte immer wieder erfährt, dass dort auch vorher schon nicht alles so rund lief.
Man hätte sich also durchaus am Anfang und mittendrin kürzer halten können, um dafür das Ende weiter auszuschmücken und so noch ein paar offene Fragen beantworten zu können. Das offene Ende stellt mich so nämlich leider nicht zufrieden.


FAZIT
Barry Jonsbergs Das ist kein Spiel ist ein Jugendthriller, der zwar mit Spannung und einem raffinierten Plot überzeugt, aber an manchen Stellen doch viel zu ausschweifend erzählt wird. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und stützen den Roman weitesgehend. Besonders hervorheben muss man die Stimmung, insbesondere die Bedrücktheit, die der Autor mit seinem Schreibstil erzeugt. Allerdings hat der Roman für mich dennoch einige Schwächen vorzuweisen, weshalb ich nur drei von fünf Kreuzen an Das ist kein Spiel vergeben kann.

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schweden, verlag dressler, 2017, dresser, jugendroman

Weißzeit

Christoffer Carlsson , Susanne Dahmann
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Dressler, 25.09.2017
ISBN 9783791500591
Genre: Jugendbuch

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Als Vega die Tür öffnet, steht die Polizei davor und sucht nach ihrem Bruder. Der ist plötzlich verschwunden, genauso wie ein anderer Bürger in der schwedischen Stadt Varvet. Die Polizei glaubt allerdings nicht an ein einfaches Verschwinden des Mannes, sondern vielmehr, dass Vegas Bruder Jakob etwas damit zu tun hat, ihn vielleicht sogar umgebracht hat. Vega glaubt allerdings nicht, dass Jakob irgendetwas getan hat, denn sie weiß, was geschehen ist. Oder zumindest glaubt sie es zu wissen. Dieser Fall ist allerdings weitaus komplizierter und sogar nicht, wie sie es erwartet. Was hat sich in der Nacht genau abgespielt?


REZENSION
Als ich Weißzeit zum ersten Mal in den Händen gehalten habe, war ich hin und weg von der Aufmachung. Die Waldszenerie passt nämlich ganz wunderbar zum Roman und erzeugt somit gleich eine düstere, aber auch geheimnisvolle Atmosphäre. Erst, wenn man den Roman gelesen hat, wird einem auffallen, wie gut dies die Stimmung des Romanes einfängt. Auch in den Buchdeckeln setzt sich diese Waldszenerie fort, was ich sehr schön finde. Rein optisch konnte Weißzeit bei mir also schon mal punkten.

Mit gerade mal 224 Seiten ist der Roman kurz gefasst. Ich versprach mir also ein kurzweiliges Lesevergnügen und wurde dahingehend auch nicht enttäuscht. Die Handlung ist in sich abgeschlossen, keine Fragen bleiben offen. Allerdings ist die Kürze auch gleich eine Schwäche des Romans, weil so wenig Raum blieb, um die Charaktere weiter aus zu gestalten. Aber komme ich gleich nochmal.

Der Wald, der auf dem Cover wiederzufinden ist und von dem auch schon im Klappentext gesprochen wird, spielt eigentlich keine allzu große Rolle, wie man es anfangs annehmen könnte. Es ist der Schauplatz eines Verbrechen, so viel sei gesagt, allerdings auch nicht mehr und nicht weniger. Da der Roman in Schweden spielt, hätte ich sehr gerne mehr über das Setting und auch die schwedische Lebensweise an sich erfahren. Im Prinzip merkt man gar nicht, dass der Roman tatsächlich in Schweden spielt, er hätte auch an jedem anderen beliebigen Ort spielen können. Das fand ich doch etwas schade, denn ich hätte sehr gerne mehr über die Umgebung erfahren.

Mit der Protagonistin Vega, aus deren Ich-Perspektive der Roman erzählt wird, wurde ich leider nie so richtig warm. Dass sie eigentlich eher unkonventionell ist, einen Hang zu Alkohol und Zigaretten hat, muss im ersten Moment nicht unbedingt ein Manko sein. Für mich war es das im Nachhinein aber leider doch. Es gab keinen Moment, indem mir Vega irgendwie sympathisch war oder ich mich in sie hineinversetzen konnte.
Vor allem hat mich aber gestört, dass Vega sich selbst lediglich auf ihr sexuelles Verlangen beschränkt hat. Man hat nicht viel mehr von ihr erfahren. Wenn es nicht um ihren Bruder oder das Verbrechen ging, dann ging es für sie lediglich um Sex.
Aber nicht nur bei Vega war das so. Fast jeder Charakter, der im Roman vorkommt, wurde auf irgendeine Weise sexualisiert, was mich extrem gestört hat. Angesichts von Vegas 16 Jahren ist dies vielleicht nicht ungewöhnlich, es hat für mich aber nicht wirklich zur gesamten Handlung gepasst. Generell wurde mir das Thema Sex auch schlichtweg zu abgedroschen behandelt, vor allem dann, als es um so ein sensibles Thema wie Vergewaltigung ging. Das wurde mir doch zu klein geredet, obwohl die Reaktionen darauf leider doch realistisch dargestellt wurden. Nichtsdestotrotz hätte ich mir eine andere Herangehensweise an dieses Thema gewünscht..

Neben Vega waren mir aber auch die übrigen Charaktere viel zu oberflächlich gestaltet. Man hätte jedem mehr Tiefe und einen expliziteren Hintergrund geben können. Aufgrund der Kürze des Romans und dadurch, dass es sich hierbei lediglich um eine Episode aus Vegas Leben handelt, hätte es aber vermutlich nicht in den Erzählrhythmus gepasst. So wirklich warm bin ich mit den übrigen Figuren allerdings auch nicht geworden. Ich habe mich sehr schwer getan, mich in sie hineinzuversetzen.

Lässt man diese Schwächen außen vor, kann der Roman aber doch mit seiner Spannung überzeugen. Die Geschichte hat immer mehr Fahrt aufgenommen und immer mehr Abgründe wurden offen gelegt. Jeder Charakter hatte ein Geheimnis und irgendwie Dreck am Stecken.
Es herrscht die ganze Zeit über eine triste Stimmung, bedingt durch das düstere Setting, was mir gut gefallen hat. Ich finde, das Buch eignet sich besonders gut für verregnete Herbsttage.


FAZIT
Alles in allem konnte mich Weißzeit von Christoffer Carlsson nur mäßig begeistern. Obwohl die Geschichte an sich spannend war, so dass ich unbedingt wissen wollte, was denn da passiert ist und leider auch die Abgründe mancher Menschen realistisch getroffen hat, gab es doch einige Schwächen, die mir nicht so gut gefallen und mich teilweise sogar immens gestört haben. Es ist eben schwer, wenn man mit der Protagonistin, die die Geschichte erzählt, nicht warm wird und auch die übrigen Charaktere nicht darauf ausgelegt sind, dass man sie ins Herz schließt. Demnach bekommt Weißzeit von mir drei von fünf Sternen.

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thriller, sebastian fitzek, achtnacht, berlin, fitzek

AchtNacht

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 14.03.2017
ISBN 9783426521083
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Was wäre, wenn ihr die Möglichkeit hättet, den Namen einer Person in eine Todeslotterie zu werfen? Würdet ihr den Versuch wagen oder hättet ihr zu großen Respekt vor den Auswirkungen? Und was würde passieren, wenn euer eigener Name gezogen werden würde?
Genau damit müssen sich die Bewohner Deutschlands auseinander setzen, denn die AchtNacht steht bevor. Am 08.08. um 08:08 Uhr abends wird der AchtNächter gezogen und ist bis 08:08 Uhr am nächsten Morgen vogelfrei. Das bedeutet, dass jeder diese Person töten dürfte, ganz ohne jegliche Konsequenzen. Das Spiel zwischen Jäger und Gejagten beginnt.


REZENSION

AchtNacht ist mein erster Roman von Sebastian Fitzek und hat mich vor allem durch seine Thematik angesprochen. Die AchtNacht ist nämlich inspiriert durch die The Purge-Filme, die mir auch schon sehr gefallen haben. Deshalb war ich natürlich neugierig, inwiefern sich das Prinzip von „eine Nacht lang ist jede Straftat erlaubt“ in AchtNacht wiederfindet.

Aber was ist diese besagte AchtNacht überhaupt? Das ist einfach erklärt: Eine Todeslotterie. Jeder, der sich auf der Internetseite registriert und einen Beitrag zahlt, darf jemanden nominieren, der in die Todeslotterie kommt. Wer wen nominiert weiß niemand, denn es ist anonym. Ob ihr also den nervigen Nachbar oder die streitsüchtige Mutter nominiert, wird niemand erfahren. Niemand außer euch selbst weiß, wen ihr nominiert habt.
Am 08.08. um 20:08 Uhr wird schließlich der AchtNächter gezogen, der für 12 Stunden vogelfrei ist. Er oder Sie darf verletzt und misshandelt werden, es folgen keinerlei rechtliche Konsequenzen durch den Staat. Wer soweit gehen will, den auserwählten AchtNächter zu töten, dem winkt eine Prämie von zehn Millionen Euro. Klingt verlockend, oder? Aber wer ist wirklich bereit, für so viel Geld ein fremdes, oder wohlmöglich sogar bekanntes, Menschenleben zu beenden?
Fragen über Fragen, die auch ich mir während des Lesens gestellt habe. Vor allem aber habe ich mir immer wieder vor Augen gehalten, dass eine solche Todeslotterie tatsächlich Anklang finden würde, sollte es sie in dieser Form geben. Demnach hat Sebastian Fitzek das Ausmaß dessen in meinen Augen auch sehr gut eingefangen.

Die Geschichte beginnt aus der Perspektive von Ben Rühmann, einem Musiker, der allerdings wenig erfolgreich ist, nicht nur in der Musik, sondern auch generell in seinem Leben. Vieles ist nicht so gelaufen, wie Ben es sich gewünscht hat und er gibt sich für vieles davon auch die Schuld. Neben Ben gibt es jedoch immer wieder neue Perspektiven, aus denen die Geschichte weitererzählt wird. Obwohl ich kein so großer Fan von mehreren Perspektiven bin, gefällt mir die Aufteilung in AchtNacht wirklich sehr, weil sich die einzelnen Charaktere sehr voneinander unterscheiden und durch den Perspektivenwechsel oft auch die Spannung gesteigert wurde und neue Überraschungen ans Licht kamen.
Besonders gefallen hat mir auch, dass die Charaktere größtenteils Menschen aus dem echten Leben waren, weshalb es mir leichter fiel, mich in sie hineinversetzen zu können. Das trifft natürlich nicht auf jeden zu, aber auch die „Abgründe“ einiger anderer Charaktere sind sehr gut dargestellt. Man bekommt eine ausgewogene Mischung an Charakteren vorgesetzt, von denen ich wirklich keinen missen möchte, weil jeder seinen Teil zur Geschichte beiträgt.

Der Roman lebt vor allem von der Spannung und der Frage, was es mit der AchtNacht auf sich hat und vor allem, wer dahinter steckt. Ich war von Anfang an wirklich gefesselt von der Geschichte und bin nur über die Seiten hinweg geflogen. Das hat sich auch bis zum Ende so fortgesetzt, denn ich kam immer etwas Neues heraus, das mich dann motiviert hat, das Buch noch nicht aus der Hand zu legen.
Es hat mich sehr überrascht, wie früh bereits aufgedeckt wird, wer hinter der AchtNacht steckt. Ohnehin wurde Einiges viel früher aufgedeckt, als ich erwartet hatte, sodass ich mich dann oft gefragt habe, was denn da jetzt noch kommen sollte. Aber keine Sorge, sobald Fragen geklärt werden, tauchen immer wieder neue auf. Es bleibt also spannend und wird nicht langweilig. Immer wieder werden Theorien umgeworfen und neue Impulse gesetzt.

Allerdings muss ich leider sagen, dass ich von der finalen Auflösung leider enttäuscht wurde. Ich war natürlich überrascht, weil ich das so gar nicht hatte kommen sehen, hätte mir dann aber doch etwas anderes gewünscht. Für jemanden, der hin und wieder gerne mal einen Thriller liest, erschien mir diese Auflösung doch zu einfach. Ich hätte mir da durchaus etwas vorstellen können, was mich noch mehr vom Hocker gerissen hätte.
Auch das Ende fand ich etwas schwach, weil es mir doch zu sehr in Richtung Happy End ging. Auch hier hätte ich mir etwas anderes gewünscht und denke auch gleichzeitig, dass die Geschichte, so wie sie für Ben ausgegangen ist, doch etwas weit hergeholt war. Ein radikaleres Ende und einen eindeutigen Schnitt hätte ich da besser gefunden.

Trotz der Schwächen am Ende hat mir AchtNacht aber insgesamt sehr gut gefallen. Die Thematik ist sehr aktuell und zeigt auch gleich die großen Schwächen in unserer Gesellschaft auf. Das Internet besitzt in der heutigen Zeit viel Macht und kann sehr leicht dazu missbraucht werden, andere aufzustacheln - auch gegeneinander. Ebenso können Smartphones mit ihren Ortungsdiensten zwar hilfreich sein, verraten aber gleichzeitig sehr viel über uns. Etwas, was einen definitiv zum Nachdenken anregt.


FAZIT
AchtNacht war mein erster Roman von Sebastian Fitzek und wird definitiv nicht mein letzter bleiben. Der Autor überzeugt mich nicht nur mit seinem fesselnden Schreibstil, sondern auch mit einer aktuellen Thematik. Die Mischung an realitätsnahen Charakteren, die aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen ist gut gewählt und stützt den Roman durchweg. Wenngleich die Geschichte für mich zum Ende hin leider einige Schwächen aufweist, bei denen ich mir doch etwas mehr erhofft hatte. Dennoch ist AchtNacht eine Leseempfehlung für mich, auch Fans der The Purge-Filme dürften hier auf ihre Kosten kommen, weshalb der Roman von mir vier von fünf Sterne erhält.

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74 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

meredith russo, transgender, als ich amanda wurde, liebe, andrew

Als ich Amanda wurde

Meredith Russo , Barbara Lehnerer
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423717496
Genre: Jugendbuch

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Amanda hieß nicht immer Amanda. Geboren wurde sie als Junge namens Andrew, der sich jedoch schon immer irgendwie als Mädchen gefühlt hat. Nach einer Hormontherapie und einer Geschlechtsumwandlung ist aus Andrew nun endlich Amanda geworden. Um neu anzufangen und ihr letztes Jahr in der High School in Ruhe beenden zu können, zieht Amanda zu ihrem Vater nach Tennessee. Ihr Plan, sich dort rar zu machen und bloß ihren Abschluss zu machen, wird allerdings bereits am ersten Tag zerschlagen, weil sie als die Neue nun mal Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Bald hat Amanda Freundinnen und sogar einen Freund, etwas, das ihr bis dato immer verborgen geblieben war. Sie beginn ihr neues Leben zu genießen, hat allerdings immer mit der Angst zu kämpfen, dass andere etwas über ihre Vergangenheit erfahren. Was passiert, wenn alle, die ihr etwas bedeuten, erfahren, dass sie früher mal ein Junge war?


REZENSION
Als ich Amanda wurde von Meredith Russo ist ein Roman, der das Thema Transgender behandelt. Die Autorin ist nämlich selbst transgender und hat ihre eigenen Erfahrungen in diesen Roman einfließen lassen. Gerade das hat mich sehr angesprochen, weshalb ich sehr neugierig auf Meredith Russos Roman war.

Die Geschichte wird erzählt aus der Sicht der 18-jährigen Amanda. In manchen Kapiteln reisen wir mittels Flashbacks ein paar Jahre zurück in Amandas Vergangenheit. So erleben wir Amanda als Andrew noch im Grundschulalter, aber auch als Teenager. Wir erfahren, wie früh Andrew eigentlich schon den Wunsch hegt hat, ein Mädchen zu sein und als ebendieses akzeptiert zu werden. Für mich waren gerade diese Flashbacks sehr interessant, da ich als Cisgender nicht weiß und nur raten kann, mit was für Problemen und Gefühlen ein Transgender zu kämpfen hat.
Allerdings kommt auch hier gleich schon mein einziger Kritikpunkt, denn obwohl wir einiges über Andrews frühe Identitätsprobleme erfahren, hätte ich mir trotzdem noch mehr dazu gewünscht. Wie aus Andrew schließlich Amanda wurde, wird nur sehr leicht angekratzt. Es wird öfter mal erwähnt, dass Amanda ein komplettes Jahr in der Schule ausgesetzt und die Zeit Zuhause verbracht hat. Ich hätte gerade dazu gerne mehr erfahren. Wie war es, als die ersten körperlichen Veränderungen eintraten? Hatte sie keine Angst vor den Operationen zur Geschlechtsumwandlung? Ich hätte neben Virginia auch gerne andere Mitglieder dieser Selbsthilfegruppe für Transgender kennengelernt oder mitbekommen, womit andere Transgender zu kämpfen haben. Amandas Geschichte unterscheidet sich sicherlich auch von anderen.
Mir ist bewusst, dass dies ein Jugendbuch ist und es vielleicht deshalb nicht so detailliert thematisiert wurde, es hätte mich persönlich aber eben doch sehr interessiert.

Amanda hat sich schon immer als Mädchen gefühlt, was vor allem für ihren Vater schwer zu akzeptieren war. Auch jetzt merkt man noch, dass er immer noch dabei ist, damit klar zu kommen. Er gibt sich allerdings wirklich Mühe, Amanda zu akzeptieren, wie sie ist und gerade dann, als man ihr weh getan hat, handelt er wie ein Vater und will sie schützen.

Was leider sehr realitätsnahe dargestellt wird, ist das Mobbing ihrer Mitschüler. Das beinhaltete nicht nur psychische Gewalt, sondern auch physische. Dadurch, dass sie immer nur auf Ablehnung gestoßen ist, hegt Amanda auch jetzt noch starke Selbstzweifel, die sie wohl nie ganz los wird.
Das wird, wie ich finde, im Roman wirklich sehr gut deutlich gemacht. Es hat mich immer sehr berührt und mitgenommen, was Amanda alles erlebt hat, wie böse ihr Umfeld mit ihr umgegangen ist. Natürlich kann ich nicht nachvollziehen, was ein Transsexueller in diesen Situationen durchmacht, allerdings weiß ich ziemlich gut, wie hart es ist, von anderen nicht akzeptiert zu werden, weil man ihrer Meinung nach anders oder zumindest nicht genauso wie sie ist. Aber dass es auch daraus einen Ausweg gibt, wird hier im Roman nochmal aufgezeigt.
Angesprochen wird auch die Konflikte mit Religion, denn gerade im streng religiösen Süden der USA werden Transgender oder gar Homosexuelle von der Gesellschaft abgelehnt.

Amanda hat nie die Erfahrung gemacht, wahre Freunde zu haben oder gar die große Liebe zu erleben. Doch bei ihrem Vater sollte sie diese Chance bekommen, denn niemand weiß hier von ihrer Vergangenheit. Es ist ein Neustart für sie, sie kann sich aber dennoch nicht richtig frei fühlen, weil sie immer wieder im Hinterkopf hat, dass irgendwer herausfinden könnte, dass sie mal ein Junge war und das allen wohl über aufstoßen würde. Deshalb hält sie es vorerst geheim, erwähnt es weder ihren Freundinnen, noch ihrem Freund Grant gegenüber.
Umso schöner fand ich, was für tolle Freundinnen Amanda in Lambertville gefunden hat. Es hat mich wirklich sehr gerührt, wie selbstverständlich sie auf ihrer Seite standen, nachdem sie den ersten Schock verdaut hatten. Es zeigt nämlich wunderbar, dass es neben so viel Ablehnung auch Bestätigung oder gar Zuneigung geben kann.
Ich fand es schön, wie gut man die Entwicklung von Amanda mitverfolgen konnte. Sobald sie von anderen aufgenommen wurde, ist sie richtig aufgeblüht und war glücklich. Sie ist offener geworden, auch wenn sie sich nie ganz geöffnet hat. Aber man hat gemerkt, wie sehr sie es versucht und allein das ist schon ein Fortschritt.
Ohnehin hat mich die realistische Darstellung in dem Roman sehr oft berührt und mitgenommen. Ich konnte mir oft vorstellen, dass es genauso gut oder genauso schlecht abgelaufen sein könnte. Auch wenn die Welt heute weitaus offener ist, heißt das noch lange nicht, dass jeder akzeptiert wird. Genau das beweist der Roman nochmal aufs Neue. Es ist etwas, woran wir in unserer Gesellschaft auf jeden Fall noch arbeiten müssen.

Am Ende des Romans gibt jeweils ein Nachwort für Cisgender, sowie ein Nachwort für Transgender. Aus Neugier habe ich beide gelesen und finde, dass jeder, der dieses Buch liest, genau das tun sollte, um zu verstehen, weshalb dieser Roman mit seiner Thematik so wichtig ist.

Für mich ist Als ich Amanda wurde keine Liebesgeschichte in dem Sinne. Es geht natürlich um Amanda und Grant, dennoch würde ich sagen, dass es in erster Linie darum geht, wie Amanda mehr und mehr zu sich selbst findet und auch eine Richtung findet, in der ihr Leben in Zukunft verlaufen soll. Es ist essentiell wichtig, dass sie endlich auf Akzeptanz trifft und man merkt ganz deutlich, wie es sich positiv auf sie auswirkt. Es ist ein schönes Beispiel, von dem sich jeder inspirieren lassen sollte.



FAZIT
Als ich Amanda wurde ist ein Roman, der an das Thema Transgender heranführt und schonungslos darüber berichtet. Die Autorin berichtet aus eigenen Erfahrungen, was man dem Roman definitiv anmerkt und gerade die Nähe zur Realität hat mich sehr bewegt. Eine tolle Protagonistin, sowie eine bunte Palette an Nebencharakteren bringen den Roman zum Leben. Abgesehen davon, dass ich mir doch noch etwas mehr über die Veränderungen in Amandas Leben gewünscht hätte, finde ich den Roman mehr als gelungen, weshalb es von mir vier von fünf Sterne gibt.

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Tags: als ich amanda wurde, dtv, meredith russo   (3)
 

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58 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

high school, jugendbuch, breakfast club, freundschaft, mystery

One of Us Is Lying

Karen M. McManus
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Delacorte Press, 30.05.2017
ISBN 9781524764722
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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282 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 106 Rezensionen

apollo, rick riordan, götter, mythologie, halbgötter

Die Abenteuer des Apollo - Das verborgene Orakel

Rick Riordan , Gabriele Haefs
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 31.08.2017
ISBN 9783551556882
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zu Unrecht bestraft
und sich keiner Schuld bewusst.
Von Akne geplagt.

WORUM GEHT ES?
Der Göttervater Zeus ist ziemlich sauer auf seinen Sohn, den Gott Apollo, weshalb er ihn vom Olymp verbannt und ihn zur Erde schickt. Wobei „Schicken“ eher das falsche Wort ist, genauer gesagt schmeißt Zeus ihn vom Olymp und Apollo fällt auf die Erde. Zumindest ist seine Landung weich, denn er landet geradewegs in einem Haufen Müllsäcke.
Als wäre das nicht schlimm genug, muss Apollo feststellen, dass er nun durch und durch sterblich ist. Anfangs beunruhigt ihn das nicht, denn das ist ihm schon zweimal zuvor passiert und am Ende ist er doch wieder ein Gott geworden. Dieses Mal ist es allerdings etwas schwieriger. Nachdem die junge Meg McCaffrey ihn vor zwei Schlägern gerettet hat, ruft sie ihn in ihren Dienst. Das bedeutet, er muss genau das tun, was sie ihm befielt und das ein ganzes Jahr lang.
Da Apollo spürt, dass Meg wohl auch ein Halbgott sein muss, führt sein erster Weg zu Percy Jackson, der Meg und ihn ins Camp Half-Blood bringen soll. Im Camp erfährt Apollo allerdings von den Schwierigkeiten dort. Auch das Problem mit dem Orakel von Delphi hat sich seit dem Kampf gegen Gaia nicht gelöst und sein alter Feind Python wütet noch immer in Delphi. Dahinter steckt allerdings noch eine viel größere, ältere Macht und bald schon erfährt Apollo, welche Aufgaben er erfüllen muss, bevor er überhaupt die Chance hat, von Zeus wieder auf den Olymp geholt zu werden.

Ich kam vom Olymp,
bin nun in Camp Half-Blood.
Vielen Dank dafür, Vater!


REZENSION
Der Gott Apollo ist bereits einige Male im Riordan-Universium vorgekommen und ich war von Anfang an ein großer Fan von ihm. (Aber sagt ihm das bloß nicht, sondern bildet er sich darauf nur etwas ein!) Apollo brachte mich bisher sehr oft zum Lachen und er ist wohl auch der Grund, weshalb ich selbst doch so gerne ein Apollo-Kind wäre.

Wer glaubt, dass die Welt der griechischen Götter nach dem großen Kampf in Helden des Olymp nichts mehr zu bieten hat, der liegt definitiv falsch. In Die Abenteuer des Apollo kommen neue Probleme und neue große Gegner. Der Titel Das verborgene Orakel verrät schon, worum es in dem Roman gehen wird. An der Stelle verrate ich nicht mehr, denn ihr sollt es schließlich selbst herausfinden!
Es ist jedenfalls kein Zufall, dass Rick Riordan ausgerechnet Apollo auf seine ganz eigene Mission schickt, in der es offenbar auch dieses Mal darum gehen wird, die Welt zu retten.
Prinzipiell lässt sich der Roman auch ganz unabhängig von Percy Jackson oder den Helden des Olymp lesen, ich würde aber jedem empfehlen, zuerst diese beiden Reihen zu lesen, weil man sonst die Referenzen zu diesen nicht versteht und einem da doch etwas verloren geht.

Wieder einmal muss man aber den Carlsen Verlag für dieses unheimlich schöne Cover loben! Es gefällt mir besser als das Originalcover, denn es fängt das Anfangsszenario des Romans perfekt ein. Eine weitere Besonderheit sind auch wieder einmal die Kapitelüberschriften im Roman. Man kennt es von Rick Riordan, dass die Kapitel mit diffusen Überschriften beginnen. Apollo bekommt da als, jetzt erst mal ehemaliger, Gott aber etwas Besonderes. In diesem Roman beginnen die Kapitel nämlich mit einem Haiku. Apollos Liebe für Haikus, die aus seinem Mund aber nicht immer so toll klingen, wird immerhin oft angesprochen, weshalb ich es total toll finde, dass es hier auf diese Art aufgegriffen wird. Diese Kontinuität muss man einfach loben!
Ebenso findet man am Ende des Romans wieder ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen zum Nachschlagen.

Dass der Roman aus der Sicht von Apollo erzählt wird, macht für mich den Charme dieses Romans aus. Apollo ist nämlich mal eine andere Art von Erzähler, der weitaus positiver ist, als es zum Beispiel Percy Jackson oder Magnus Chase sind, die doch eher sarkastisch und zynisch daher kommen. Er bezeichnet ist außerdem selbst als guten Geschichtenerzähler und genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen eben auch. Es war interessant, auf diese Weise auch noch einiges mehr über Apollos Vergangenheit zu erfahren.
Natürlich kommt bei dieser Erzählweise auch immer wieder durch, dass sich Apollo für den Besten hält. Er ist selbstverliebt und deshalb manchmal auch etwas rücksichtslos, wenn es eben nicht um ihn geht. Etwas, was nicht von ihm kommt, nimmt er nicht für voll und genau das wird ihm zum Verhängnis.
Zeus ist ziemlich sauer auf ihn und verbannt ihn auf die Erde. Apollo verliert all seine göttlichen Fähigkeiten und ist nun ein Sterblicher namens Lester Papadopoulos. Zu allem Überfluss hat Lester Akne und keinen Waschbrettbauch, was für Apollo schon für eine erste Krise genügt, legt er doch so viel Wert auf sein Äußeres.
Durch dieses sterbliche Leben lernt er allerdings auch, seine göttlichen Gaben mehr zu schätzen und auch seine Ansichten über Menschen und Halbgötter ändern sich sehr. Man bemerkt, dass Apollo im Laufe des Romans durchaus eine Entwicklung durchmacht und hat das Gefühl, dass das Mensch sein ihm gut tut.
Am besten gefallen haben mir natürlich die Passagen, in denen Apollo mit seiner Sterblichkeit konfrontiert wurde. Wenn er etwas eben nicht mit einem Fingerschnipsen lösen konnte, sondern sich richtig damit auseinandersetzen musste oder auch mal ganz menschliche Probleme kennenlernte. Ich war auch sehr gespannt darauf, wie Apollo und seine Kinder im Camp aufeinander trafen, was ihre Reaktionen waren und wie Apollo auf Will und Nico reagieren würde. So viel sei an der Stellte gesagt, er reagiert großartig und genau richtig!

Unterstützung bekommt Apollo übrigens durch Meg McCaffrey, eine Halbgöttin, die ihn gleich zu Beginn vor fiesen Schlägern rettet. Anfangs findet Apollo Meg doch ziemlich nervig, weil sie ihren eigenen Kopf besitzt und ihn nicht wirklich respektiert. Oder ihm zumindest nicht den Respekt entgegenbringt, mit dem man einem Gott begegnen sollte. Aber er war nun mal kein Gott mehr und genau das wird ihm immer wieder schmerzlich bewusst. Auch die Beziehung zwischen Meg und Apollo ändert sich, vor allem, als er herausfindet, dass Meg nicht die ist, die sie zu sein scheint.
Neben Meg gibt es natürlich auch andere tolle Charaktere in dem Roman. Wir begegnen alten Bekannten wieder, es kommen aber auch ein paar neue Gesichter dazu, die ich allerdings als wunderbare Ergänzung sehe.
Hervorheben möchte ich an der Stelle aber die Diversität, die Rick Riordan bei seine Charakteren wie selbstverständlich mit einfließen lässt. Im Camp Half-Blood begegnet man nämlich wieder einmal einem bunten Haufen von Campern. Genau das, was Camp Half-Blood für mich mit ausmacht.

Meine Kinder sind,
so wie ich, ihr Vater
einfach hinreißend.


FAZIT
Mit Die Abenteuer des Apollo - Das verborgene Orakel beginnt eine ganz neue Buchreihe aus der Feder von Rick Riordan, die alleine deshalb schon besonders ist, weil ein Gott der Protagonist ist. Apollo wird als Sterblicher auf die Probe gestellt und muss sich nun selbst einer großen Herausforderung widmen. Empfehlen würde ich dem Roman jedem, der bereits Fan der Percy Jackson- und Helden des Olymp-Reihe ist, weil der Roman an den Geschehnissen, sowie dem von Ende von Das Blut des Olymp anknüpft. Wer also bereits schon Fan von Apollo war, der wird Die Abenteuer des Apollo sicherlich lieben. Bei mir ist es jedenfalls so und deswegen bekommt Das verborgene Orakel nicht weniger als fünf von fünf Sterne von mir.

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jugendbuch, alina bronsky, buch, dtv, berlin

Und du kommst auch drin vor

Alina Bronsky
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423761819
Genre: Jugendbuch

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Als die 15-jährige Kim mit ihrer Klasse eine Lesung besucht, traut sie ihren Ohren nicht. Die junge Autorin, die aus ihrem neuesten Werk vorliest, gibt genau Kims eigenes Leben wieder. Na gut, es ist nicht haargenau dasselbe, aber es gibt viele Überschneidungen. Deshalb beschließt Kim, sich das Buch zu kaufen, um zu erfahren, ob es noch weitere Parallelen gibt. Leider nimmt die Geschichte des Buches kein besonders gutes Ende, was Kim sehr zusetzt. Was ist, wenn dieses Ende auch bei ihr eintritt, wenn schon alles andere in ähnlicher Weise passiert ist? Zusammen mit ihrer besten Freundin Petrowna will Kim ein anderes Ende für diese Geschichte finden, die offenbar ihr eigenes Leben zu sein scheint und nimmt dabei sogar Kontakt zur Autorin auf.


REZENSION

Rein optisch ist das Cover von Alina Bronskys Und du kommst auch drin vor ein toller Hingucker. Die Idee mit der Spiegelfolie ist wirklich raffiniert, denn man nimmt so direkt Bezug auf den Titel. Wenn man nämlich das Buch in die Hand nimmt, sieht man sich selbst in der Folie, womit man eben selbst auch darin vorkommt. Da haben sich Felicitas Horstschäfer und Katharina Netolitzky bei der Umschlaggestaltung wirklich etwas Tolles einfallen lassen.

Der Klappentext des Romans hat mich in der Verlagsvorschau direkt angesprochen. Ich versprach mir von dem Roman eine spannende Geschichte und überlegte, ob es vielleicht sogar in Richtung Jugendthriller gehen könnte.
Dem war allerdings nicht so, was prinzipiell nicht schlimm gewesen wäre, denn ich lasse mich auch gerne mal von Geschichten überraschen. Doch ich habe allgemein ganz andere Erwartungen an den Roman gehabt, die allesamt nicht erfüllt wurden.

Mir hat der Ansatz der Geschichte gut gefallen, da er durchaus sehr viel Potential bot. Dies wurde meiner Meinung nach aber absolut nicht ausgeschöpft. Dafür, dass es anfangs so aufgebauscht wurde, wie sehr Kims Leben dem der Protagonistin aus diesem ominösen Buch glich, rückt dieses Buch immer mehr in den Hintergrund und es geht einzig und alleine nur um Kim und ihr Leben. Das passt zwar generell zu Kims Charakter, sorgt aber keinesfalls für eine spannende Geschichte, denn so aufregend ist Kim nun mal nicht.
Für mich hat die Handlung also weder Hand noch Fuß. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass mal wieder etwas kommt, was in etwa dem Spannungsaufbau des Klappentextes gerecht wird, wartete da aber leider vergebens.

Mit dem Schreibstil von Alina Bronsky hatte ich gar keine großen Probleme, es war eher die Ausdrucksweise, die sie an den Tag legte. Erzählt wird die Geschichte von der Protagonistin Kim, dementsprechend wird hier versucht, dem „Jugendslang“ gerecht zu werden. Damit habe ich mich allerdings oft sehr schwer getan, weil ich die Ausdrucksweise selbst für einen Jugendroman sehr dürftig fand und mich oftmals auch gefragt habe, ob es tatsächlich Jugendliche gab, die sich so ausdrücken. Mir kam die Wortwahl leider oft etwas asozial vor und auch die Respektlosigkeit, die hier wie selbstverständlich an den Tag gelegt wird, gefällt mir so gar nicht.

Ein besonders großer Störfaktor in dem ganzen Roman ist für mich allerdings die Protagonistin selbst. Prinzipiell mag ich Charaktere, die nicht so glatt und perfekt sind, aber bei Kim habe ich mir regelrecht die Zähne ausgebissen. Sie ist egozentrisch, verwöhnt und sofort sauer, wenn sich die Welt mal nicht um sie dreht. Dass sie nicht die hellste Leuchte ist, merkt man ziemlich schnell und auch, wie unselbständig sie ist. Außerdem benimmt sie sich überhaupt nicht so, wie man es von einer 15-jährigen eigentlich erwarten sollte.
Mir ist bewusst, dass in dem Roman genau dieses Verhalten kritisiert wird, weil es nun mal zum Erwachsenwerden dazu gehört, unabhängiger zu werden und selbst etwas in die Hand zu nehmen, statt einfach alles so passieren zu lassen und sich im Nachhinein darüber zu beschweren. Allerdings denke ich, hätte man genau das auch ganz anders verpacken können und sollen.
Eine Protagonistin, die schlichtweg unsympathisch ist, ist nun mal schwierig. Entweder sie kommt gut an oder nicht und bei mir ist leider Letzteres der Fall. Das liegt aber vielleicht nicht nur an ihrem unausstehlichem Verhalten, sondern auch daran, dass man nicht viel über sie erfährt. Für mich ist es immer leichter, das Verhalten anderer nachzuvollziehen, wenn ich deren Geschichte kenne. Von Kim weiß man am Ende des Romans aber genauso viel wie zu Beginn, man erkennt also leider keinerlei Entwicklung, was sehr schade ist, weil damit doch irgendwie die gesamte Handlung hinfällig wird.

Aber nicht nur Kim, auch die anderen Charaktere in dem Roman sind sehr schwach und nur oberflächlich skizziert. Ich finde es gut, dass hier versucht wurde Diversität mit einzubeziehen, damit es nicht nur weiße, deutsche Charaktere gibt. Gleichzeitig empfand ich es aber doch als sehr störend, wie immer wieder überdeutlich betont wurde, dass die neue Freundin von Kims Vater eine schwarze Frau ist oder dass Kims beste Freundin Petrowna einen Migrationshintergrund besitzt. Es kam mir so vor, als wären sie bloß darauf reduziert worden, was als sehr abwertend empfand. Gerade, wenn man Diversität mit einbringen möchte, sollte man nicht ständig darauf herumreiten.
Dennoch konnte ich mit zwei Charakteren in dem Roman anfreunden. Das war zum einen Kims beste Freundin Petrowna, die ich anfangs zwar auch nervig fand, die sich im Laufe der Geschichte aber zu ihrem Besseren entwickelt hat. Zum anderen ist da Jasper, den ich direkt mochte, dessen Rolle in der Geschichte aber eben auch zu oberflächlich angelegt wurde. Aus beiden hätte man deutlich mehr herausholen können.

Alles in allem hat mich Und du kommst auch drin vor leider sehr enttäuscht, weil ich mir mehr erhofft hatte und aus meiner Sicht auch sehr viel mehr daraus hätte werden können. So ist es leider eine Geschichte geworden, bei der zwar eine Botschaft mitschwingt, die aber von diesem verwirrenden Plot mit dem Buch und dieser unheimlich einnehmenden Protagonistin sehr überschattet wird.


FAZIT
Alina Bronskys neuer Roman Und du kommst auch drin vor konnte mich leider so gar nicht abholen. Der Plot und die Charaktere sind leider nur sehr oberflächlich ausgearbeitet. Darüber hinaus störte mich einerseits die Art und Weise, wie die Jugendlichen in dem Roman miteinander umgingen, unheimlich, andererseits mochte ich es auch nicht, wie hier auf die Diversität einiger Charaktere herumgeritten wurde. Leider gibt es sehr viel, was mich an dem Roman stört, weshalb ich Und du kommst auch drin vor nur eines von fünf Kreuzen geben kann.

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comic, marvel, antiheldin, comicfan, gwenpool

Gwenpool - Die einzig wahre Heldin

Christopher Hastings , Hiruguri , Danilo Beyruth , Michael Strittmatter
Flexibler Einband
Erschienen bei Panini, 15.08.2017
ISBN 9783741603792
Genre: Comics

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Gwen Poole ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, ohne besondere Fähigkeiten. Allerdings ist sie ein wahnsinnig großer Fan von Comics und demnach total begeistert, als sie ganz plötzlich in einer Welt aufwacht, in der die ihr bekannten Helden und Schurken real zu sein scheinen. Gwen beschließt, dass auch sie sich ein Kostüm überstreifen kann und als Söldnerin Gwenpool ihr Geld zu verdienen. Dass sie eigentlich nicht so gut mit Waffen umgehen kann oder keinerlei Nahkampferfahrung besitzt, das muss ja niemand merken, solange sie schnell genug mit dem ist, was sie kann - Explosionen.


REZENSION
Seit ich erfahren habe, dass Gwenpool nun auch bei Panini Comics verlegt wurde, war ich ganz gespannt auf die neue Figur im Marvel-Universum. Wer jetzt denkt, dass Gwenpool so gesehen die weibliche Version von Deadpool ist, sowie es das bereits bei Spider-Gwen und Spider-Man gibt, der liegt gar nicht mal so falsch. Allerdings ist Gwenpool nicht 1:1 die weibliche Deadpool.
Wie man der Einleitung des Comics entnehmen kann, tauchte Gwenpool bereits auf dem US-Variant-Cover von Deadpool's Secret Secret Wars auf. Dadurch entstand ein ganz großer Hype um die Figur, die daraufhin eine Nebenrolle in der Howard the Duck-Reihe bekam, bevor Gwen nun endlich auch ihre ganz eigene Comic-Reihe erhielt, in der sie die Hauptrolle spielt. Etwas, wovon sie selbst bestimmt schon länger geträumt hat.

Gwenpool, die in Wahrheit Gwen Poole heißt, verdient sich ihr Geld als Söldnerin und bekämpft die Schurken des Marvel-Universums. Allerdings besitzt sie keinerlei Superkräfte, sondern ist bloß ein Mädchen mit einem Kostüm und ein paar scharfen Waffen. Wie es dazu kam?
Eines Tages erwachte sie in einer Welt, in der die Helden und Bösewichte real waren, die sie bisher nur aus ihren geliebten Comics kannte. Wie Gwen in dieser Welt gelandet ist, darüber ist bisher noch nichts bekannt. Ich hoffe aber sehr, dass wir im weiteren Verlauf der Reihe noch etwas mehr über sie und ihre Vergangenheit bzw. ihr echtes Leben erfahren, das hat mir hier nämlich doch gefehlt.

Ansonsten habe ich Gwens freche Art wirklich sehr genossen. Sie zieht einfach so ihr Ding durch und das ganz ohne irgendwelche Superkräfte, die ihr durch Experimente oder einen Terrigen-Nebel verpasst wurden. Sie ist im Prinzip ein stinknormaler Mensch. Allerdings neigt sie auch mal dazu, ihre Talente etwas zu überschätzen, lässt sich aber nicht unterkriegen, wenn sie mal etwas versaut.
Besonders toll fand ich die Momente, in denen sie auf Helden oder Schurken aus den Marvel-Universum, wie zum Beispiel Thor oder Modok, getroffen ist. Als Comic-Fan kennt sie diese natürlich schon und weiß auch über deren Geheimnisse oder geheime Identitäten Bescheid. Ich bin schon gespannt, wie sich dieser Twist in den nächsten Geschichten weiterentwickelt und hoffe auf mehr solcher Szenen!
An der Stelle verrate ich aber nicht, welche bekannten Figuren noch im Comic vorkommen, denn ich will nichts vorwegnehmen. Nur so viel: Ich bin in diesem ersten Band auf jeden Fall auf meine Kosten gekommen, denn gleich zwei meiner liebsten Marvelfiguren kamen darin vor.
Witzig fand ich auch die Anmerkungen, die Gwen manchmal am Rande einer Szene gemacht hat. Ohnehin hat sie mit ihren Sprüchen immer wieder meinen Humor getroffen. Wer den Humor von Deadpool mag, wird hier sicherlich auch auf seine Kosten kommen. Das könnte vor allem auch daran liegen, dass der Autor Christopher Hastings ebenfalls schon für Deadpool geschrieben hat.

Auch der Zeichenstil gefällt mir in diesem Band sehr gut. An manchen Stellen sah es für mich zwar mehr nach Manga aus, der vielleicht dem Einfluss des Künstlerduos Gurihiru geschuldet ist, es hat mich aber nicht großartig gestört. So wie Gwenpools Kostüm sind auch die einzelnen Panels des Comics von Rosa. Pink und Weiß geprägt. Generell sind die Farben aber sehr kräftig und auch in den Actionszenen alles andere als düster. Auch das hat mir gefallen.
Dass das Cover so bunt und schrill ist, passt super zu Gwenpool. Außerdem erkennt man dort doch ein paar kleine Details, wie das Howard the Duck-Plüschtier, Captain Americas Schild oder auch Thors Hammer, die man alle im Comics in irgendeiner Weise auch wiederfindet.
Auch die Variant-Cover, die es am Ende noch zu sehen gibt, sollte man sich auf jeden Fall ansehen! Zum einen wegen der ganz unterschiedlichen Zeichenstile, zum anderen aber auch, weil sie nochmal Gwens Charakter super aufgreifen und sie auf verschiedene Weisen darstellen.

Alles in allem ist Gwenpool #1 ein guter Auftakt für die neue Heldin. Denn das ist es doch, was Gwen sein will, eine Heldin. Ich bin gespannt, wie es mit ihr weitergeht und welche Helden und Schurken aus dem Marvel-Universum Gwen noch alles über den Weg laufen.


FAZIT
Gwenpool #1 konnte mich nicht nur durch die coole, freche Art der Söldnerin Gwen Poole überzeugen, sondern auch durch die farbenfrohe Gestaltung der Panels. Es ist ein gelungener Auftakt für die neue Comic-Reihe und ich bin sehr gespannt, was uns da noch alles erwartet. Ich hätte mir allerdings doch schon etwas mehr zu Gwens Hintergrundgeschichte gewünscht, von der wir leider noch nicht so viel erfahren. Man wird quasi direkt ins Geschehen geworfen und etwas mehr Hintergrund hätte mir da schon besser gefallen. Deshalb bekommt Gwenpool #1 vier von fünf Sterne von mir.

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mythologie, thor, einherjer, loki, walhalla

Magnus Chase - Der Hammer des Thor

Rick Riordan , Gabriele Haefs
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 26.05.2017
ISBN 9783551556691
Genre: Jugendbuch

Rezension:

WORUM GEHT ES?
Man sollte meinen, dass ein Gott seine mächtigste Waffe nicht aus den Augen lässt - tja, falsch gedacht, denn Thor hat mal wieder seinen Hammer verlegt! Ganz genau, mal wieder, denn es ist nicht das erste Mal. Blöd nur, dass der Hammer sich ausgerechnet in den Fängen seiner Feinde befindet. Die Riesen wollen mithilfe des Hammers über die Erde herfallen und so die Götterdämmerung auslösen. Damit wächst der Druck für Magnus Chase und seine Freunde, den Hammer schnellstmöglich wieder zu Thor zurückzubringen. Kaum verwunderlich ist allerdings, dass auch der Gott Loki dort seine Finger mit ihm Spiel hat. Aber was für ein Spiel Loki wirklich treibt, ahnt bis dato niemand.


REZENSION
Die Abenteuer von Magnus Chase gehen weiter! Nachdem im ersten Teil bereits von Thors verschwundenem Hammer die Rede war, geht es im zweiten Band nun darum, den Hammer zu finden und ihm Thor zurückzugeben. Dass dabei allerdings eine Hochzeit eine Rolle spielt, hatte wohl niemand erwartet. Die Wurzel allen Übels ist natürlich mal wieder Loki, der seine Tochter Samirah mit dem Erdriesen Thrym verheiraten will. Loki verfolgt aber einen noch viel gemeineren Plan, den die Helden erst sehr viel später herausfinden.

Ähnlich wie auch schon im ersten Band von Magnus Chase beginnt die Geschichte wieder einmal mit einem lauten Knall, nämlich einem Tod. Bei Magnus ist eben immer etwas los! Und ebenso, wie man es von Rick Riordan gewohnt ist, nimmt das Chaos immer weiter zu.
Nicht nur, dass Sam Magnus von ihrer bevorstehenden Hochzeit mit einem Riesen erzählt, die sie natürlich nicht selbst geplant hat, nein, sie müssen auch noch Thors Hammer irgendwie zurück bekommen, denn ohne ihn ist der Gott des Donners doch sehr machtlos. Aber weil es zu einfach wäre, sich nur um eine Mission zu kümmern, passieren zwischendrin immer wieder Dinge, die alles komplizierter machen. Nicht nur einmal, muss Magnus das Leben seiner Freunde retten.

Während dieser Mission müssen Magnus und seine Freunde immer wieder in den Neun Welten herum reisen. Es gefiel mir sehr, dass wir hier auch noch kurze Einblicke in andere nordische Welten erhalten, die wir noch nicht kennen, auch wenn mir die Beschreibungen da doch leider etwas zu kurz kamen. Ich hätte zum Beispiel gerne mehr über das Leben in Albenheim erfahren.

Besonders gefreut hat mich dagegen, dass wir neben Magnus und Sam auch den anderen Figuren begegnen, die ich im ersten Band schon ins Herz geschlossen habe. Allen voran natürlich Blitzen und Heathstone, die für mich nun mal einfach mit zu Magnus gehören. Ich fand es sehr schön, dass wir in diesem Band etwas mehr über Hearths leider nicht so schöne Kindheit erfahren. Das hat dem Charakter meiner Meinung nach nochmal mehr Tiefe gegeben und ich habe ihn nur noch mehr lieb gewonnen.
Neben den altbekannten Charaktere gibt es aber auch ein neues Gesicht im Hotel Walhalla: Alex Fierro. Das Besondere als Alex ist, dass sie genderfluid ist. Das bedeutet, dass sie nicht auf ein Geschlecht festgelegt ist, sondern sowohl Mädchen, als auch Junge ist. Sie ist aber nie beides gleichzeitig, sondern immer nur eins, also entweder Mädchen oder Junge. Sie selbst beschreibt ihr Geschlecht als fließend. Passend dazu ist Alex außerdem ein Werwesen und kann sich somit außerdem in eine andere Gestalt, beispielsweise ein Tier, verwandeln.

Ich finde, dass Alex eine wunderbare Ergänzung für Magnus und seine Freunde ist. Erst mal, weil sie mit ihrer lässigen Art und spitzen Bemerkungen neue Frische in die Runde bringt, aber auch weil sie ebenso wie alle anderen, eher eine Außenseiterrolle in der Gesellschaft einnimmt und nicht in das stereotypische Denken passt.
Besonders gefallen hat mir auch, wie im Roman mit Alex Genderfluidität umgegangen wird. Alle, bis auf Magnus gehen gar nicht weiter darauf ein und akzeptieren es schlichtweg vom ersten Moment an. Magnus dagegen ist sichtlich verwirrt darüber und stellt Alex hin und wieder Fragen. Ich finde es sehr gut, dass darauf eingegangen wird, denn es gibt unter den Lesern sicherlich auch viele, mich eingeschlossen, die bisher noch wenig bis gar keine Erfahrungen mit einer Person hatten, die sich als genderfluid bezeichnet und so zumindest einen kleinen Einblick bekamen. Allerdings muss man natürlich anmerken, dass die Figur Alex mit jedem anderen Genderfluid gleichzusetzen ist.
Neben Alex' Genderfluidität spielt aber auch das Thema Religion eine Rolle. Wie wir bereits wissen, ist Sam eine Muslima. Dass sich ihr Glaube mit dem Glauben an nordische Götter beißt, ist wohl offensichtlich. Aber auch dieses Thema greift Rick Riordan auf und erklärt im Roman, wie sich die mythologischen Göttern mit einem religiösen Gott (oder auch mehreren religösen Göttern) vereinbaren lassen. Es ist also ein kleiner „Blick hinter die Kulissen“, den Rick Riordan uns hier gewährt.

Da im Roman, wie bereits im ersten Band, aus Magnus' Perspektive erzählt wird, schwingt natürlich wieder eine große Portion Sarkasmus mit und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Oft musste ich über die Kapitelüberschriften lachen, die mal wieder herrlich sarkastisch sind! Man merkt dem Roman auch deutlich an, dass er, anders als die Percy Jackson-Bücher, mehr für Jugendliche, als für Kinder geeignet ist.
Allerdings muss ich auch erwähnen, dass mir dieses Mal das Erzähltempo doch sehr langwierig vorkam. Einige Szenen haben sich beim Lesen leider sehr gezogen und wurden bis aufs Äußerste ausgereizt. Man hätte da deutlich kürzere Episoden schreiben können und dafür noch ein paar mehr Impulse bringen können. Ich wäre auch nicht traurig gewesen, wenn der Roman hundert Seiten weniger hätte. So hatte ich beim Lesen leider das Gefühl, dass sich manches unnötig in die Länge zog, was die Geschichte prinzipiell aber nicht viel weiterbrachte.

Dagegen finde ich es fast schon ein bisschen schade, dass Magnus Chase nun im dritten Band sein vorerst letztes Abenteuer antritt. Ich freue mich darauf schon sehr, denn am Ende des zweiten Bandes gibt es bereits Anspielungen auf Die Abenteuer des Apollo. Man kann also vermuten, dass es da vielleicht zu ein paar Überschneidungen kommen wird. Ich wäre da auf jeden Fall nicht abgeneigt und bin schon sehr gespannt, wie im letzten Band mit Magnus Chase und seinen Freunden weitergehen wird!


FAZIT
Auch mit Der Hammer des Thor konnte Rick Riordan mich wieder einmal überzeugen. Ich mag Magnus als Charakter sehr gerne. Vor allem in Verbindung mit seinen Freunden, da sie zusammen ein gutes Team bilden, obwohl sie alle wohl unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Roman konnte mich allerdings nicht ganz so begeistern wie der erste Band, dafür waren mir manche Stellen ganz einfach zu zäh und zu detailliert beschrieben. Da hätte ich mir andere Szenen detaillierter erzählt gewünscht. Magnus Chase - Der Hammer des Thor bekommt daher von mir immer noch sehr gute vier von fünf Sterne.

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