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Im aussichtslosen Kampf zwischen dir und der Welt

Fouad Laroui
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Merlin, 01.08.2017
ISBN 9783875363258
Genre: Romane

Rezension:


Die weltweiten Notsituationen nehmen vielen Menschen die Heimat – sie fliehen vor Krieg, Gewalt, Verfolgung oder Armut. Manche fühlen sich schon früh an einem neuen Ort heimisch, manche können verschiedene Orte ihre Heimat nennen. Doch „Heimat“ ist ein von Diversität geprägter Begriff: an einem Ort zu Hause zu sein; sich einer Gemeinschaft zugehörig fühlen; sich in einer Kultur aufgenommen fühlen. Der Begriff fußt auf verschiedenen Dimension: räumlich, zeitlich, kulturell, religiös, sozial oder familiär. Wer sich in keiner Dimension heimisch fühlt, kann durchaus schneller den Halt verlieren. Heimat gibt immer ein Stück weit Rückhalt. Dies prägt die eigene Identität und auch die charakterliche Stärke, bei Widerstand kraftvoll und standhaft zu bleiben.


[Die vollständige Rezension unter https://buecherherbst.wordpress.com/2017/10/06/spannungsfeld-heimat-ausgrenzung-laroui-buecherherbst-buecherblog-merlin/]


Durch die Migration in einer globalisierten Welt rückt der Heimat-Begriff nochmals stärker in den Vordergrund. Viele Menschen leben in einem Land, das sie aufgrund der Immigration ursprünglich nicht als Heimat kennengelernt hatten, das jetzt ihre „neue Heimat“ ist oder werden soll, oder welches zumindest ihre Eltern nicht als ihre ursprüngliche Heimat definiert hätten. Die Zerrissenheit zwischen Angekommensein und kultureller Ausgrenzung thematisiert Fouad Laroui in seinem Roman Im aussichtslosen Kampf zwischen Dir und der Welt.


In diesem Spannungsfeld lebt Ali. Seit zehn Jahren ist Paris seine Heimat, seine familiären Wurzeln liegen in Marokko. Er ist als Informatikingenieur sehr angesehen, ist stets gut gekleidet, macht Eindruck auf Frauen („ein Eroberer“) und er fühlt sich durch und durch als Pariser. Hier wohnt er zusammen mit seiner Freundin Malika, einer in Frankreich geborenen Lehrerin, deren Eltern ebenfalls aus Marokko kommen. Sie gehen gerne gemeinsam aus. Sie schmieden Zukunftspläne, wollen zusammenziehen. Eigentlich führen sie ein glückliches Leben. Sie haben eine gemeinsame Heimat (gefunden), in der sie unbekümmert leben könnten. Es ist auch diese heile Welt, die zu Beginn des Romans durch ein fast endloses Liebesgesäusel der Beiden bebildert wird. Diese Schnulze muss der Leser einfach überstehen, denn es lohnt sich, danach entwickelt sich ein rasanter Roman mit überraschenden Wendungen. [...]

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rezension, victor hugo, die elenden, israel, zusammenleben

Du hast das Leben vor dir

Romain Gary , Émile Ajar , Christoph Roeber
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Rotpunktverlag , 11.07.2017
ISBN 9783858697615
Genre: Romane

Rezension:


Wenn man den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern beobachtet, die (milde ausgedrückt) gegenseitige Skepsis zwischen Juden und Muslimen – man könnte vermuten, dass ein „normales“ Zusammenleben nur schwer möglich ist. Vorurteile scheinen teilweise tief verwurzelt. Wirft man einen Blick auf die historische Entwicklung der Beziehungen, ist diese mit zahlreichen Konflikten gepflastert. So tobte Ende der 1960er Jahre der Sechstagekrieg zwischen Israel sowie den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien; immer wieder nahmen palästinensische Terroristen Juden zu Geiseln; 1973 flammte der israelisch-arabische Krieg wieder auf. In dieser Zeit, 1975, schrieb der französische Autor Romain Gary Du hast das Leben vor dir und betrachtete damit das Zusammenleben von Juden und Arabern aus der Innenperspektive. Denn auf kleiner Bühne, im Alltäglichen des Paris‘ der 1970er Jahre, können beide Parteien ohne Konflikte nebeneinander und miteinander leben. Das Buch ist nun in Deutschland bei Edition Blau in überarbeiteter Übersetzung neu erschienen.


[Die vollständige Rezension unter www.buecherherbst.blog/gary-du-hast-das-leben-vor-dir]


Es ist die ungewöhnliche Geschichte einer abstrusen Lebensgemeinschaft: Der Araberjunge Mohamed, kurz Momo genannt, wächst Mitte der 70er Jahre bei der ehemaligen Prostituierten Madame Rosa in dem Pariser Viertel Belleville auf. Die ältere Frau ist Jüdin. Und Auschwitz-Überlebende, womit sie jedoch ihr Leben lang nicht zurecht kommt. Momo ist ein ungefähr zehnjähriges Kind einer Prostituierten und wohnt mit anderen „Hurenkindern“ zusammen bei Madame Rosa, die von den Eltern Geld erhält für die Betreuung. Momo lebt in den Tag hinein und macht viel Blödsinn. Eine Schulbildung erhält er nicht, sondern lernt von den älteren Menschen um ihn herum. Das Stadtviertel ist ein Getto mit widrigsten Lebensbedingungen. [...]


Mit klarer, derber Sprache, teils schonungslos schildert Autor Romain Gary das Geschehen aus der Sicht eines Jugendlichen ohne Perspektive. Auch jetzt, vierzig Jahre später, kann man sich noch vorstellen, wie Kinder und Jugendliche, die in einem solch hoffnungslosen Umfeld in Paris oder anderswo auf der Welt aufwachsen, auf die schiefe Bahn geraten und sich wirklich einer extremistischen Organisation anschließen. Es geht auch anders. Das Zusammenleben der Kulturen kann gelingen und kann mehr werden als eine reine Zweckgemeinschaft, wie Romain Gary in seinem abgedrehten, verrückten und doch liebenswerten und zugleich immer noch aktuell wirkenden Roman Du hast das Leben vor dir beweist.

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Tags: araber, die elenden, frankreich, getto, israel, jude, muslime, neuübersetzung, prix goncourt, prostituierte, religion, rezension, victor hugo, zusammenleben   (14)
 

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

leichtsinn, kommunismus, verräter, deutsche teilung, der diversant

Der Diversant

Andree Hesse
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 20.03.2017
ISBN 9783827013194
Genre: Romane

Rezension:


Als Mensch, der in ein vereintes Deutschland hineingeboren wurde oder zumindest die Zweistaatigkeit als Kind nur am Rande miterlebt hat und in einem Bewusstsein des Europas ohne Grenzen aufgewachsen ist, dieses im Alltag oder auch nur im Urlaub lebt, ist die Welt der deutschen Teilung kaum vorstellbar. Entgegengesetzte Ideologien, diametrale Ausrichtungen mit verfeindeten Verbündeten, eine Grenze, die zunächst nur patrouilliert, dann mit einer Mauer oder gar Panzern geschützt wurde – all das erscheint selbst beim Spaziergang entlang der (heute künstlerisch gestalteten) Berliner Mauer vollkommen irreal.


Die vollständige Rezension unter https://buecherherbst.wordpress.com/2017/04/17/rezension-andree-hesse-der-diversant/?frame-nonce=f71359c39a

Andree Hesse versucht in Der Diversant, diesen Teil der deutschen Geschichte ein Stück greifbarer zu machen. Er erzählt die wahre Geschichte seines Onkels – so wird es zumindest in dem an die Geschichte anschließenden Epilog dargelegt -, der in den 1950er Jahren in der DDR aufwuchs. Es ist eine Zeit, in der der Zweite Weltkrieg erst wenige Jahre vorüber war, die meisten Menschen die Erinnerung daran verdrängen wollten und die beiden frisch gegründeten deutschen Staaten stellvertretend für die ideologischen Systeme um die Vormacht in der Mitte Europas rangen; die einen dem Kommunismus zugeneigt, die anderen der westlichen, marktwirtschaftlich geprägten Demokratie. Beide Gesellschaften waren noch jung und auf der Suche nach der eigenen Identität.

In der gleichen Phase befindet sich Meiner, der Ich-Erzähler. Während die Gesellschaft ihm keinen Halt geben, versucht er seine Position im Leben zu finden. Die meisten Menschen in seiner Umgebung haben tiefe Wunden von den beiden Weltkriegen davongetragen, physisch oder mindestens psychisch. Da ist beispielsweise Bauer Grothe – bei ihm hütet Meiner als Zehnjähriger in den Ferien die Schafe -, der nur noch ein gesundes Bein hat, da ihm das andere zerschossen wurde; Meiners Opa wurde bereits im Ersten Weltkrieg durch ein Bajonett am Kinn verletzt; sein Vater erlitt im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront einen Kopfschuss, woraufhin ihm die Schädeldecke ersetzt werden musste und er dauerhaft halbseitig gelähmt ist.

[...]

Wirkungsvoll und zugleich beängstigend gibt Andree Hesse mit Der Diversant einen spannenden, düsteren Einblick in ein Kapitel deutscher Geschichte, das viel zu selten literarisch beleuchtet wird. Die unmittelbare Nachkriegszeit aus ostdeutscher Perspektive ist im Vergleich zur überdrüssig abgehandelten Nazizeit oder auch den späteren Jahren der DDR, insbesondere jenen rund um die Wende, ein unbedrucktes Blatt Papier. Hesse verzichtet – glücklicherweise – darauf, den Westen rein als Sehnsuchtsort und einzigen Ausweg aus der sich immer stärker abschottenden DDR darzustellen. [...]

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Tags: andree hesse, ddr, der diversant, deutsche teilung, deutschland, diversant, grenzpolizei, grenzschutz, kommunismus, leichtsinn, sozialismus, überläufer, verräter, zweistaatigkeit   (14)
 

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türkei, deutschland, roman, berlin, gewalt

Ellbogen

Fatma Aydemir
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 30.01.2017
ISBN 9783446254411
Genre: Romane

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

afrika, afrika, afrikanische literatur, überlebenskampf, bücherblog, bücherherbst, bordell, buchtipp, diamanten, failed city, fiktiver ort, fiston mwanza mujila, kriminalität, lucien, paul zsolnay verlag, prostitution, rausch, requiem, rezension, stadtlan

Tram 83

Fiston Mwanza Mujila , Katharina Meyer , Lena Müller
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 25.07.2016
ISBN 9783552057975
Genre: Romane

Rezension:

Wonach strebt ein Mensch, wenn die Umgebung das Leben unermüdlich erschwert? In einer Großstadt namens Stadtland, ein fiktiver Ort irgendwo in Afrika, lernt man das Leben von seiner ungemütlichen Seite kennen. Das Einzige, das hier zählt, ist die kurzfristige Befriedigung des Glücks. Es herrschen Kriminalität, Drogen und der Rausch nach Diamanten und dem schnellen Geld: „Im Anfang war der Stein, und der Stein schuf den Besitz und der Besitz den Rausch, und im Rausch kamen Menschen jedweder Gestalt, die schlugen Bahntrassen in den Fels, fertigten ein Leben aus Palmwein und erdachten zwischen Markt und Minen ein System.“ Stadtland hat sich militärisch vom Hinterland losgesagt. Es wird von einem abtrünnigen General regiert, der auch die Macht über die Diamantenminen hat.

Die vollständige Rezension unter https://buecherherbst.wordpress.com/2017/02/16/alle-wege-fuehren-ins-tram-rezension-fiston-mwanza-mujila-tram-83-buecherherbst-buecherblog-buchtipp-paul-zsolnay-verlag/

Fiston Mwanza Mujila beschreibt in seinem Roman Tram 83 das Leben in einer „failed City“, in der Moral keine Rolle mehr spielt. Eine Stadt, in der der Strom rationiert ist, und die auf „den Grundsätzen Überlebenskampf, Edelsteine und Kalaschnikows beruhte“ – eine Stadt, welche die Globalisierung vielleicht schon weit hinter sich gelassen hat; oder noch weit davon entfernt ist. Der Mittelpunkt der Stadt ist das Tram 83, eine Mischung aus Bar und Bordell. Wenn die Nacht anbricht, kommen hier alle gesellschaftlichen Schichten zusammen, um die Härte des Alltags zu vergessen: Minenarbeiter, Studenten, Prostituierte und auch die ausländischen Geschäftsleute. Hier verdichtet sich die Atmosphäre: es ist laut, schwitzig, düster, exzessiv, ungezähmt und gesetzlos. Hier geht es einzig um Geld, Drogen und Sex. In Teilen ist es nichts anderes als eine Art Studio 54 Afrikas.

Mit Tram 83 hat Fiston Mwanza Mujila einen Roman vorgelegt, der mit einem atmosphärisch dichten, stets dem Gefühl des Getriebenen nahen Erzählgeschwindigkeit daherkommt. Man muss sich womöglich erst an diesen Sprachstil voller Einschübe, Aufzählungen, Unterbrechungen („Was sagt die Uhr?“) und bewusster Wiederholungen („Was sagt die Uhr?“) gewöhnen. Wie wirre Stimmen in einer lauten Disko mutet es an. Doch nach der Eingewöhnung folgt der Rausch. Wild, rasant, wirr, unzähmbar, gewagt – einfach herausragend ungewöhnlich und ungewöhnlich herausragend, aber stets einer mitreißenden Melodie folgend.

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Tags: afrika, afrikanische literatur, überlebenskampf, bücherblog, bücherherbst, bordell, buchtipp, diamanten, failed city, fiktiver ort, fiston mwanza mujila, kriminalität, lucien, paul zsolnay verlag, prostitution, rausch, requiem, rezension, stadtland, tram 83   (1)
 

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italien, flüchtlinge, liebe, widerfahrnis, novelle

Widerfahrnis

Bodo Kirchhoff
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Frankfurter Verlagsanstalt, 01.09.2016
ISBN 9783627002282
Genre: Romane

Rezension:


Preisgekrönt. Dieses Attribut weckt Erwartungen. Immerhin sagt es aus, dass eine zumeist fachkundige Jury es für besonders ausgezeichnet und deshalb auszeichnungswert hält. Nicht anders ist es auch beim Deutschen Buchpreis. Die Jury stellt aus zahlreichen eingereichten Werken eine Longlist auf, extrahiert eine sechsbüchige Shortlist und kürt hieraus einen Preisträger. Es spricht also eine Menge dafür, sich diesem Buch hinreichend hinzugeben. Doch manchmal endet es auch in einem Missverständnis: Der Autor erreicht den Leser nicht, der Leser versteht den Autor nicht.

[Die vollständige Rezension unter www.buecherherbst.de/Rezension_Kirchhoff_Widerfahrnis]

In diesem Jahr wurde die Ehre des Buchpreises Bodo Kirchhoff mit seiner Novelle Widerfahrnis zuteil. Grund genug, sich dem Werk zu nähern – immerhin wurde es schon vorab im Feuilleton gefeiert: „mitreißend“, „virtuos“, „Wahnsinnsbuch“. Bis zum Schluss bleibt es jedoch ein Rätsel, wieso die Geschichte nicht richtig zu verfangen weiß. Kirchhoff gibt neben seiner Autorentätigkeit selbst Schreibkurse. Er sollte also wissen, wie man den Leser in eine Erzählung hineinzieht. Manchmal scheint er allerdings das Schreiben und die Lehre darüber zu vermengen. Heraus kommt ein Brei aus Eitelkeit, einem gekonnten Spiel mit Sprache und Erzählkunst, aber auch Arroganz; beispielsweise wenn er den Erzähler erklären lässt: „Wussten Sie, dass der immer verbreitetere Wunsch, den eigenen Namen nicht bloß am Türschild, sondern auch auf einem Buchumschlag zu sehen, der Tod des guten Buches ist?“
[...]
Vielleicht ist es letztlich ein verquerer persönlicher Geschmack, der die Abneigung zu Bodo Kirchhoffs Widerfahrnis rechtfertigt, rezensionsirrelevant, vielleicht ist es einfach die große Kunst, die man nicht zu erkennen vermag: Der Zugang zu Büchern, die klaren syntaktischen Regeln folgen – und nicht ein Meer aus heran schwappenden Wörtern, die den im Sand des Buchverständnisses sitzenden Leser einfach nur wie eine Welle überschwemmen – erleichtert und vergrößert das Lesevergnügen. Am Ende bleibt also die Frage: Liest man einen Buchpreisgewinner schlichtweg mit anderen Erwartungen? Die Antwort ist wahrlich viel einfacher: Ein preisgekröntes Buch ist nunmal nicht für jeden Leser gleichbedeutend mit einem ausgezeichneten Buch.

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Tags: dbp16, fbm16, kirchhoff, widerfahrnis   (4)
 

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

buecherblog, fil tägert, rezension, teenager, buecherherbst

Mitarbeiter des Monats

Fil Tägert
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 26.08.2016
ISBN 9783498058098
Genre: Humor

Rezension:

Die vollständige Rezension unter https://buecherherbst.wordpress.com/2016/09/21/rezension-fil-taegert-mitarbeiter-des-monats/

Schon früh in der Geschichte wird deutlich, wohin die Reise gehen soll: Hauptprotagonist Nick ist zum Zeitpunkt der Erzählung (1970er und 1980er Jahre) ein gerade der Pubertät entsprungener 19-jähriger Punk, der nach seinem Schulabschluss nicht viel auf die Kette bekommt und bei McDonalds jobbt. Er hat wenig Lust auf seine Arbeit, bei den Frauen kommt er eher mittelmäßig an und selbst nach fünf Jahren kann er noch nicht Skateboard fahren. Am liebsten hängt er mit seinen Freunden herum, Burner, Milbe, Rocky und La Boum – letzterer Name übrigens eine Reminiszenz an die französische Teenager-Komödie La Boum (1980), die von Freundschaft und den Gefühlswelten von Jugendlichen handelt.

[...]
Es ist ein durchaus amüsanter, teils absurder Ritt durch den Alltag eines jungen Erwachsenen, der die Welt aus seinem Blickwinkel schildert – und das auch in einer entsprechenden Jugendsprache, die zwischen unterhaltsam und vulgär pendelt. Auch wenn der Autor an mancher Stelle sprachlich überdreht, verleiht die rüde Jugendspreche sowie die teils direkte Ansprache des Lesers dem Roman Authentizität. Wenn Dialoge allerdings aus einem abwechselnden „Hehe“ – „Hehehe“ – „Hehe“ – „Hehehehehe“ bestehen, geht es schon an die Grenze des ertragbaren Sinnfreien. Genauso wie Fil Tägert als Entertainer auf der Bühne sicher regelmäßig mit Sprache spielt, versucht er es im Geschriebenen gleichfalls – das kann gefallen, aber auch abstoßen. "Mitarbeiter des Monats" ist ein völlig durchgeknallter Roman zwischen Punk und Proll, der launig ist und den Leser zu unterhalten weiß.

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Tags: 1980er, buecherblog, buecherherbst, fil tägert, jugend, rezension, teenager   (7)
 

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74 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

liebe, roman, freundschaft, familie, alltag

Das Leben ist gut

Alex Capus
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 22.08.2016
ISBN 9783446252677
Genre: Romane

Rezension:

Alex Capus stand wahrscheinlich eines Abends in seiner Kneipe, schenkte das eine oder andere Getränk aus, lauschte den Geschichten der Stammgäste und fühlte tiefstes Wohlbehagen. Dies könnte ihn dazu gebracht haben, ein Buch über dieses Empfinden zu schreiben. Über die Begegnung zwischen Menschen, über Freundschaft, Zuneigung und die innere Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Das Leben ist gut ist ein langer Liebesbrief an das Zwischenmenschliche und die Geselligkeit.

Die vollständige Rezension: https://buecherherbst.wordpress.com/2016/09/01/es-braucht-nicht-viel-um-gluecklich-zu-sein/

Hauptprotagonist Max ist genauso wie Capus Kneipier und darüber hinaus ebenfalls Schriftsteller. Wie Capus hat auch Max mehrere Kinder (wobei die Anzahl an Kindern zwischen Autor und seinem Protagonisten variiert). Während Capus in seinen anderen Romanen eher auf Fiktion oder Historie – und die Korrektheit der integrierten historischen Begebenheiten – zurückgegeriffen hat, liegt bei Das Leben ist gut die Vermutung nahe, dass der Roman starke autobiografische Züge in sich trägt. Die Sevilla Bar in Max‘ Heimatstadt, in der er sich „wohl wie ein Eber im Schweinekoben“ fühlt, ist Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Hier trifft man Menschen aller Couleur, ein Querschnitt der Gesellschaft.

[...]

Capus betreibt mit seinen Akteuren zugleich Charakterstudie als auch Anthropologie im Mikrokosmos. Vielleicht ist er als Wirt hierzu gar besser geeignet als jeder Psychologe. Schließlich öffnen sich viele Menschen bei einem Bier am Tresen wahrscheinlich eher, als in einer Stresssituation mit gewissen Erwartungshaltungen beim Therapeuten. Doch wann ist das Leben wirklich gut? Hierauf hätten wohl nicht nur Capus und Therapeut verschiedene Antworten, nicht nur Max und Tina, sondern jeder Einzelne beantwortet die Frage für sich völlig unterschiedlich. Mit viel Charme und Witz zeigt Capus, wie wenig man braucht, um glücklich zu sein, und zugleich, wie absurd vergleichsweise die Entwicklung der Gesellschaft ist – es muss immer mehr sein. Auch ohne große effekthascherische Handlungsstränge erzählt Capus eine kurzweilige Geschichte, die Spaß bereitet in der Schlichtheit.

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Tags: buecherblog, buecherherbst, capus, charakterstudie, freundschaft, gesellschaft, kneipe, liebe, zuneigung   (9)
 

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41 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

dystopie, thomas von steinaecker, weltuntergang, philosophie, endzeit

Die Verteidigung des Paradieses

Thomas von Steinaecker
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 10.03.2016
ISBN 9783100014603
Genre: Romane

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Tags: bücherblog, bücherherbst, das wesen des menschseins, die verteidigung des paradieses, philosophie, science fiction, spannen, thomas von steinaecker   (8)
 

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45 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

thriller, los angeles, schnell, rassismus, gattis

In den Straßen die Wut

Ryan Gattis , ,
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 22.01.2016
ISBN 9783499270406
Genre: Krimi und Thriller

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Tags: bücherblog, bücherherbst, gattis, in den straßen die wut, thriller, verlust der zivilisation, zerstörerische brutalität   (7)
 

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33 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

freundschaft, krieg, ungarn, 2. weltkrieg, liebe

Im Frühling sterben

Ralf Rothmann
Flexibler Einband: 233 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 08.08.2016
ISBN 9783518466803
Genre: Romane

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34 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

krimi, berlin, spannung pur, krimi-reihe, empfhlenswert

Märzgefallene

Volker Kutscher
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 10.03.2016
ISBN 9783462049039
Genre: Krimi und Thriller

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

broken hill, australien, weltkrieg, shakespeare, flüchtlinge

Broken Hill

Nicholas Shakespeare , Georg Deggerich
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 16.04.2016
ISBN 9783455405446
Genre: Romane

Rezension:

Die Ausgrenzung von Menschen kann unterschiedlichste Ursachen haben. Innerhalb einer gesellschaftlichen Struktur mit verschiedenen „Schichten“ trifft es allerdings zumeist die Schwächsten, insbesondere Minderheiten sind zuvorderst davon betroffen, ausgegrenzt zu werden. Führt man sich die aktuelle Flüchtlingsdebatte vor Augen, sieht man zahlreiche Versuche, eine Trennung zwischen den bereits hier lebenden sowie den geflüchteten Menschen zu vollziehen – sei es bei der finanziellen Versorgung, der Unterbringung oder der Integration in den Arbeitsmarkt. Doch ist die Diskriminierung von Minderheiten oder neu zu integrierenden Menschengruppen kein Phänomen der heutigen Gesellschaft, sondern zieht sich durch die gesamte Bevölkerungsgeschichte. In seinem Roman Broken Hill zeigt Nicholas Shakespeare dies anhand der Geschichte der Einwanderer der australischen Bergbaustadt Broken Hill, die rund um den Jahreswechsel 1914/1915 im Camel Camp leben, dem von den Ausländern bewohnten Siedlungsgebiet, das unter den Einwohnern nur abfällig Ghantown genannt wird. Der Hass und die Restriktionen zermürben die Ghantown-Bewohner, so dass einige von ihnen irgendwann nur noch einen radikalen Ausweg sehen.

Die vollständige Rezension unter https://buecherherbst.wordpress.com/2016/05/03/rezension-nicholas-shakespeare-broken-hill

Während in Europa der Erste Weltkrieg tobt, sind die Bewohner von Broken Hill am Bahnhof zusammengekommen, um zu Jahresbeginn zum Neujahrspiknik, dem alljährlichen Höhepunkt der Region, aufzubrechen. Shakespeare beginnt dabei in rasanter Erzählweise: Wie in einer filmischen Eröffnung werden die Protagonisten im Sekundentakt eingeführt – man kann sich die Regieanweisung zum Voice-over vorstellen, wie mit schneller Kameraführung nur kurz bei den einzelnen Personen verweilt wird. Gemein ist den meisten die ablehnende Haltung gegenüber den Kriegsgegnern Australiens (unter anderem Deutschland und das Osmanische Reich) – viele ihrer Angehörigen wurden erst kurz zuvor an gleicher Stelle in den Kriegseinsatz verabschiedet -, weshalb sie auch gegenüber den Siedlern aus dem Camel Camp eine Abneigung hegen. Einzig Rosalind Filwell versucht, den Fremden mit Offenheit zu begegnen. Das fällt ihr gar nicht so leicht, immerhin stellt sie sich damit gegen ihre Familie sowie ihren künftigen Verlobten. Selbst Sozialisten wie Ralph Axtell betätigen sich als harsche Gegner der Ansiedlung der Ausländer. Auch er hetzt unerbitterlich sobald sich ihm ein Publikum bietet: „Mit ruhiger, plötzlich einschmeichelnder Stimme versichert Axtell seiner kleinen Zuhörerschaft: »Selbsterhaltung ist das oberste Gesetz der Natur.« Welche Gründe man auch immer gegen den Konflikt in Europa habe […], das ganze Mitgefühl der Nation müsse der Politik des Weißen Australien liegen.“ Solche Aussagen lassen den Leser erschaudern, denn ein Unterschied zu den heutigen rechtspopulistischen Demagogen ist kaum auszumachen. Man könnte sich dieselbe Szenerie auch in vielen Teilen Europas im heutigen 21. Jahrhundert vorstellen.

Nicholas Shakespeares Roman ist trotz der einhundert Jahre zurückliegenden Begebenheit brandaktuell. Es ist eine Parabel über den Umgang mit geflüchteten oder zu integrierenden Menschen, die erschreckende Parallelen zur derzeitigen Flüchtlingssituation aufzeigt und deshalb ein beachtlicher Beitrag zur Debatte ist. Shakespeare schlägt die Brücke zwischen damaliger und heutiger Zeit und beschreibt wirkungsvoll die Normalität der Ausgrenzung. Er zeigt ganz ohne moralisierenden Ton auf, wie durch Ignoranz und Engstirnigkeit lediglich Klischees entstehen. Dabei hält Shakespeare mit Broken Hill auch der heutigen westlichen Gesellschaft gnadenlos den Spiegel vor – und man sieht die Fratze der Intoleranz voll faltiger Vorurteile und abstoßendem Hass.

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Tags: ausgrenzung, australien, broken hill, flüchtlinge, shakespeare, weltkrieg   (6)
 

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52 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

roman, fremdbild, ch: niveau 2016, selbstbild, arbeit

Das Zimmer

Jonas Karlsson , Paul Berf
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 11.04.2016
ISBN 9783630874609
Genre: Romane

Rezension:

Die moderne Arbeitswelt pendelt zwischen Hektik und Entspannung, sie ist vielfach vollkommen amorph, verliert feste Strukturen und Arbeitsabläufe. Als Arbeitnehmer muss man flexibel sein, sowohl beim Arbeitsplatzstandort, als auch im Arbeitsprozess. Eine stete Unruhe, die nicht alle Beteiligten bewältigen können. Björn hat arge Probleme, sich in dieser ungeordneten Welt zurecht zu finden. Er hält sich strikt an seinen eigenen 55-Minuten-Rhythmus und bemüht sich erst gar nicht um zwischenmenschlichen Kontakt. Zugleich erkennt er für sich die Aufstiegschancen innerhalb der Strukturen. Björn ist der Hauptprotagonist und Icherzähler in Jonas Karlssons Roman Das Zimmer.

Die vollständige Rezension unter https://buecherherbst.wordpress.com/2...

Er wurde erst kürzlich von seinem alten Chef in die neue Regierungsbehörde weggelobt – er fühlte sich ohnehin unterfordert -, in der er sich zunächst unauffällig verhält, keine Fragen stellt, schließlich zeuge dies nur vom eigenen Unwissen, wenig Kontakt zu den Kollegen sucht, sie sich jedoch genau anschaut und sie analysiert. Aufgrund seiner eigenwilligen, belehrenden Art eckt er bei den Kollegen an. Er ist besserwisserisch, provokativ und zugleich faszinierend. Er verachtet die aus seiner Sicht chaotische Arbeit der Kollegen und all das zwischenmenschliche Geplänkel. Das trennwandlose Großraumbüro mit den 23 Angestellten ist ein Biotop der Arbeitswelt, mit vielfältigen Charakteren, von denen sich die meisten mit den Begebenheiten arrangiert haben. Und genau das stößt Björn sauer auf. Er despektiert die anderen Mitarbeiter. Doch irgendwann spürt er ein Zimmer auf, deren Entdeckung alles verändert.

Jonas Karlsson hat mit Das Zimmer eine faszinierende Geschichte über die Groteske der Arbeitswelt geliefert, wie ein einziger Rausch – mit den gleichen Entzugserscheinungen, wenn er wieder vorbei es. Es ist einer dieser verrückten Träume, an den man sich am nächsten Morgen noch erinnert und der den Geist auch nach dem Erwachen noch gefangen hält. Wie ein Ort, zu dem man immer wieder zurückkehren muss.

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

freunde, männer, midlife-crisis, ruhrgebiet, genazino

Förster, mein Förster

Frank Goosen
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783462048926
Genre: Romane

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

blind, nudeln, rezension, verlust, italien

Das wundersame Leben des Isidoro Raggiola

Enrico Ianniello , Christiane von Bechtolsheim
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2016
ISBN 9783492056908
Genre: Romane

Rezension:

Sprache soll ein verbindendes Element sein. “Chij-jjjj-tikeee, Zeejeeee, Chi-tjong-chii-tjoooong”. Sie kann wunderschön klingen – und doch zugleich trennend sein. Benötigen Menschen überhaupt eine gemeinsame Sprache, um sich zu verstehen? Vielleicht reicht es gar, den Lauten der anderen zu lauschen und die Kraft der Aussage zu spüren, statt sich in einem komplexen Kommunikationsregelsystem zu verlieren. Enrico Ianniello entführt in Das wundersame Leben des Isidoro Raggiola in eine herrlich-skurrile Geschichte über die Entstehung der Laute, Verständigung und Verstehen, aber auch über ungewöhnliche Freundschaften und herben Verlust.

Die vollständige Rezension: https://buecherherbst.wordpress.com/2016/03/27/enrico-ianniello-das-wundersame-leben-des-isidoro-raggiola/

Am Anfang der Schöpfung war der Laut, er war die Schöpfung selbst. Erst dann kam Gottes Wort, das bereits eine Erklärung der Schöpfung war. Als Ianniellos Ich-Erzähler Isidoro Raggiola auf die Welt kam, stieß er keinen Schrei aus, er weinte und brüllte nicht – er pfiff. Seinen Eltern, Vater Quirino und Mutter Stella, war bewusst, dass sie ein besonderes Kind hatten, doch es machte ihnen nichts aus, schließlich war in ihrem kleinen italienischen Bauerndorf Mattinella kaum etwas gewöhnlich. Trotzdem war es Isidoros kleines Paradies.

Enrico Ianniellos Erzählung "Das wundersame Leben des Isidoro Raggiola" ist erfrischend, skurril und poetisch, sie ist musikalisch wie der frühlingshafte Gesang eines Vogels. Er vollführt ein Spiel der schönen Worte und zeigt, dass Sprache mehr ist als bloßer Erzählrhythmus, sondern wahrhaftig Menschen begeistern kann.

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liebe, einsamkeit, verlust, familie, tod

Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells
Fester Einband: 355 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257069587
Genre: Romane

Rezension:

Wie tief ist das Loch, das der Schmerz nach einem leidvollen Verlust in die Seele bohrt?

Ein Leben kann viele Wege nehmen. Geprägt durch die Familie, die Umwelt, die Erlebnisse, entscheidet sich, welcher Mensch man wird. Welche charakterlichen Eigenschaften in den Vordergrund treten. Wie man sich in die Gesellschaft fügt und welchen Umgang man mit seinen Mitmenschen pflegt. Jules und seine beiden älteren Geschwister Liz und Marty hätten eine durchaus normale Kindheit führen können, doch das Leben meint es nicht gut mit ihnen: Früh verlieren sie ihre Eltern aufgrund eines Autounfalls. Benedict Wells erzählt in seinem neuen, bewegenden Roman "Vom Ende der Einsamkeit", wie Menschen ihren individuellen Weg finden müssen, um mit einem schmerzlichen Verlust umzugehen.

(Die vollständige Rezension unter https://buecherherbst.wordpress.com/2016/03/02/rezension-benedict-wells-das-ende-der-einsamkeit)

Ich-Erzähler Jules blickt nach einem schweren Motorradunfall und zwei Tagen im Koma auf sein Leben zurück, es hatte doch so behütet begonnen: Er wuchs auf in einer engen Familienbande – insbesondere seine Schwester Liz liebte er innig – und sie reisten regelmäßig gemeinsam zur Großmutter nach Frankreich. Der Vater vertraute Jules nicht nur seine alte Kamera an, sondern auch wichtige Ratschläge für’s Leben: Er solle einen wahren Freund finden. Die drei Geschwister hatten eine unbeschwerte Kindheit. Doch als ihre Eltern ein Wochenende verreisten, während ihre Tante zu Hause auf sie aufpasste, geschah das Unglück: Bei einem tragischen Unfall kamen Vater und Mutter ums Leben. Urplötzlich rückten alle anderen Dinge in den Hintergrund. Die Kindheit war mit einem Schlag vorbei. Sie wurden herausgerissen aus der Sicherheit, die eine Familie bietet.

"Vom Ende der Einsamkeit" ist herzzerreißend und tieftraurig. Benedict Wells ist einfach ein außergewöhnlicher Atmosphärenschöpfer, er kreiert mit dem düsteren Grundton eine melancholische Stimmung, die den Leser von Beginn an mitfühlen lässt. Zugleich beweist er mit dem Roman, dass er bereit ist für die großen Themen. Dabei lässt Wells die Frage offen, wohin der Weg einen Mensch führt – und wer oder was dafür verantwortlich ist, für welche Richtung man sich an der Kreuzung entscheidet? Vielmehr zeigt er, dass das Leben nunmal nicht immer fair ist und erst recht kein Nullsummenspiel, in dem jedes Übel irgendwann ausgeglichen wird. Wer dieses qualvolle Leid nie spürte, kann es sich nicht im Entferntesten vorstellen. Doch egal, wie tief sich der Schmerz in die Seele gebohrt hat, man darf nicht daran verzweifeln. Das Leben hält immer noch eine nächste Abzweigung bereit.

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ölpest, louisiana, katrina, fischer, südstaaten

Das zerstörte Leben des Wes Trench

Tom Cooper , Peter Torberg
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 12.02.2016
ISBN 9783550080968
Genre: Romane

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flucht, überleben, kindheit, einsamkeit, fremd

Das Mädchen mit dem Fingerhut

Michael Köhlmeier
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 01.02.2016
ISBN 9783446250550
Genre: Romane

Rezension:

Angekommen in einer fremden Welt. Vollkommen allein. Alles verloren, auf der Suche nach Halt und einem neuen Zuhause. Aktuell befinden sich immer mehr Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Unterdrückung sind, in dieser Lage. Insbesondere die Zahl der alleinreisenden Minderjährigen ist immens. Michael Köhlmeier erzählt in Das Mädchen mit dem Fingerhut von einer vielen nicht vertrauten Situation: Wie ist es, wenn man heimatlos und ganz auf sich gestellt ist?

Das sechsjährige Mädchen Yiza muss sich in einer rauen und winterlichen Umgebung zurechtfinden, in der ihr alle Menschen fremd sind und sie nichtmals die Sprache versteht. Sie ist ein Flüchtlingskind, lebt größtenteils auf der Straße und ist angewiesen auf die Hilfe ihrer Mitmenschen. Köhlmeier zeichnet ihren Weg nach, der von vielen zufälligen und auch nur zeitweiligen, aber oftmals positiven Begegnungen geprägt ist. So trifft Yiza auf einen “Onkel”, der sie mit auf den Markt nimmt, um ihr zu zeigen, wo sie sich den Tag über aufhalten kann; auf einen Fischhändler und seine Kunden, die sich großzügig zeigen und ihr Essen und Kleidung geben und sie nicht der Polizei melden, um ihr keine Angst zu machen, sondern ihr zu zeigen, dass sie willkommen und frei ist; auf Frauen, mit denen sie gemeinsam in Müllcontainern wühlen muss, um den Hunger zumindest ansatzweise stillen zu können; auf einen anscheinend ebenfalls Mittellosen, der ihr Limo und Brot kauft; auf viele Menschen, die sie zwar sehen, aber nicht wahrnehmen. Auf ihrer Suche nach Geborgenheit und einem Refugium macht Yiza allerdings auch bittere Erfahrungen mit einer nur oberflächlich mütterlichen, stattdessen vielmehr besitzergreifenden Person.

Die vollständige Rezension unter https://buecherherbst.wordpress.com/2016/02/17/rezension-michael-koehlmeier-das-maedchen-mit-dem-fingerhut/

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Tags: flüchtlinge, fremd, gesellschaft, köhlmeier, parabel, rezension, traurig   (7)
 

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erzählung, liebe, angeln

Das Wettangeln - Illustriert von Nikolaus Heidelbach

Siegfried Lenz ,
Fester Einband: 44 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 25.09.2015
ISBN 9783455405484
Genre: Romane

Rezension:

Der Leser wird nach Thorshafen, einen Ort an der Ostsee, entführt, an dem das alljährliche Wettangeln stattfindet. Für den Ich-Erzähler gerät der Wettstreit allerdings schnell zur Nebensache, trifft er doch auf die schöne Anja. Statt dem größten Fisch hinterher zu jagen, vergnügen sich die beiden Protagonisten im Schilf und nähern sich zärtlich einander an – es gilt, den Moment miteinander zu genießen. Die Erzählung zeige “den ‘ganzen’ Lenz auf wenigen Seiten: seine tiefe Menschlichkeit und Nahbarkeit” (Abendblatt).

Neben der sprachlich klaren, liebevollen Kurzgeschichte stehen schöne Illustrationen von Nikolaus Heidelbach. Gewidmet ist Lenz’ letztes Werk seiner Frau Ulla, die ihm in den letzten Monaten, in denen die Schmerzen dem Autor zunehmend die Energie zum Schreiben nahmen, wie Verleger Günter Berg im Nachwort berichtet, ermöglichte, seiner Leidenschaft, dem Schreiben, weiter nachzugehen.

https://buecherherbst.wordpress.com/2015/10/24/den-moment-miteinander-geniessen/

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flüchtlinge, berlin, asyl, afrika, roman

Gehen, ging, gegangen

Jenny Erpenbeck
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaus, 31.08.2015
ISBN 9783813503708
Genre: Romane

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Schweigeminute

Siegfried Lenz
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 10.03.2016
ISBN 9783455405699
Genre: Romane

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thriller, smoky barrett, cody mcfadyen, krimi, dunkelheit

Ausgelöscht

Cody McFadyen , Angela Koonen , Dietmar Schmidt
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 19.04.2013
ISBN 9783404169399
Genre: Krimi und Thriller

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thriller, smoky barrett, cody mcfadyen, spannung, pflegeeltern

Der Todeskünstler

Cody McFadyen , Axel Merz
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 19.04.2013
ISBN 9783404169375
Genre: Krimi und Thriller

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622 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

thriller, cody mcfadyen, fbi, mord, smoky barrett

Die Blutlinie

Cody McFadyen , Axel Merz
Flexibler Einband: 475 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 19.04.2013
ISBN 9783404169368
Genre: Krimi und Thriller

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