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74 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

amie kaufman, jay kristoff, englisch, young adult, invasion

Illuminae Files - Illuminae

Amie Kaufman , Jay Kristoff
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Knopf Books for Young Readers, 20.10.2015
ISBN 9780553499117
Genre: Jugendbuch

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

schwarzer humor, verfolgung, frauen, skurrile szenen, roadtrip der oldies

Old School

John Niven , Stephan Glietsch , Gerd Köster
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 23.11.2015
ISBN 9783837130348
Genre: Romane

Rezension:

Der schottische Autor John Niven ist bekannt für seine zynischen Satiren, die sich in der Regel nicht nur durch einen rabenschwarzen Humor, sondern oft auch durch eine recht derbe Sprache auszeichnen. Da kommt es zunächst ein wenig überraschend, dass die beiden Protagonistinnen in seinem neuen Roman „Old School“ zwei ältere Damen sind, die nicht nur beide gerade ihr 60. Lebensjahr vollendet haben, sondern als brave Hausfrau auf der einen und gescheiterte Existenz auf der anderen Seite auch zunächst eher durch ihre Unauffälligkeit auffallen. Wer also aufgrund der Hauptfiguren Susan und Julie nun ein wenig die Befürchtung hat, der zynische Autoren-Rockstar John Niven könnte mit seinem neuen Buch ungewohnt zahm geworden sein, dürfte sich jedoch spätestens dann beruhigt zurücklehnen, wenn die Leiche von Susans vermeintlich biederem Spießer-Ehegatten in äußerst prekärer Lage vorgefunden wird, bei dem ein knapp 60 Zentimeter langes Sexspielzeug eine nicht unerhebliche Rolle spielt – Niven hat ganz offensichtlich nichts von seinem Biss verloren, und das ist auch gut so.

Ein skurriler Road Trip des Verbrechens

Durch diese peinlichen Enthüllung fällt Susans nicht nur aus allen Wolken, sondern steht plötzlich auch mit einem dicken Schuldenberg da und ist somit noch ärmer dran als ihre von ihr zuvor noch oft bemitleidete und ein wenig gönnerhaft behandelte beste Freundin Julie. Da in ihrem fortgeschrittenen Alter die Aussicht auf späten beruflichen Erfolg äußerst gering erscheint, soll ein Banküberfall nun zur deutlich kurzfristigeren Lösung werden – bewaffnet in eine Bank spazieren und von den Angestellten die Herausgabe des verwahrten Geldes zu erpressen, kann man schließlich auch noch mit 60 Jahren. Weil sich ein derartiges Unterfangen nur zu zweit aber etwas schwierig darstellt, holen Susan und Julie kurzentschlossen noch ihre gemeinsame Freundin Jill (braucht Geld für eine lebensrettende Operation ihres schwerkranken Enkelkindes) und die fast 90-jährige Altenheim-Diva Ethel (braucht kein Geld, ist aber von ihrem tristen Alltag zu Tode gelangweilt und such auf die alten Tage nochmal ein Abenteuer) ins Boot. Wer nun aber von der Geschichte ein minutiös geplantes kriminelles Meisterstück im Stil von „Ocean’s Eleven“ mit charmanter Seniorenbesetzung erwartet liegt jedoch falsch: der eigentliche Bankraub nimmt eher eine nebensächliche Rolle in der Handlung ein, stattdessen entwickelt sich „Old School“ schnell zum aberwitzigen Road Trip mit drei älteren und einer sehr alten Dame auf der Flucht vor dem Gesetz, das in diesem Fall in Form von zwei trotteligen britischen Polizisten daherkommt.

Eine bissige, äußerst unterhaltsame und sehr charmante Gaunerkomödie

Natürlich darf man an diesen Roman nicht den Anspruch einer allzu realistischen Geschichte stellen, dafür ist Nivens Werk schon von der Konzeption her viel zu absurd. Das will „Old School“ aber auch gar nicht sein, denn der Fokus liegt hier eindeutig auf dem Unterhaltungsaspekt – und dieser Plan geht voll auf. Die Handlung ist enorm kurzweilig, abwechslungsreich und mitunter auch voll von der vom Autor gewohnten Bösartigkeit, allerdings kommt dieses Buch auch mit sehr viel Herz daher, was vor allem an der ungemein sympathischen und charmanten Verbrechertruppe liegt. Alleine die 87-jährige Rollstuhlfahrerin Ethel, die ein derart loses Mundwerk hat wie kaum eine von Nivens Figuren zuvor (und das will bei diesem Autor schon eine Menge heißen) und trotz ihres hohen Alters, ihrer unvorteilhaften Statur und ihres gesundheitlich angeschlagenen Zustands immer noch auf der Suche nach Abenteuer und Sex (am besten beides zusammen) ist, macht die Lektüre schon absolut wert. Auch Gerd Köster als Sprecher der Hörbuchversion leistet mit seiner unverwechselbar markanten Stimme und der unaufgeregten, aber den Charm der Geschichte perfekt einfangenden Lesung hervorragende Arbeit. Mir fehlte lediglich manchmal ein wenig die erzählerische Wucht, die Niven zum Beispiel bei seinen Romanen „Gott bewahre“ oder „Das Gebot der Rache“ schon unter Beweis gestellt hat. Dafür ist „Old School“ letztlich einfach zu sehr Gute-Laune-Geschichte – allerdings eine, die man sich als Freund von zynischem Humor nicht entgehen lassen sollte.

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

harry potter, j.k. rowling, stein der weisen, illustrated edition, the philosopher's stone

Harry Potter and the Philosopher's Stone. Illustrated Edition

Joanne K. Rowling
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury UK, 06.10.2015
ISBN 9781408845646
Genre: Kinderbuch

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370 Bibliotheken, 17 Leser, 2 Gruppen, 65 Rezensionen

paris, runa, vera buck, hysterie, historischer roman

Runa

Vera Buck
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Limes, 24.08.2015
ISBN 9783809026525
Genre: Historische Romane

Rezension:

Das Pariser Nervenkrankenhaus Hôpital de la Salpêtrière war im 19. Jahrhundert die angesehenste psychiatrische Heilanstalt in ganz Europa und berufliche Heimat einer ganzen Reihe bekannter Ärzte, zu denen beispielsweise auch Sigmund Freud zählte. Was zunächst wie eine absolute Vorzeige-Institution der medizinischen Forschung wirkt, erscheint in „Runa“, dem Debütroman der jungen Autorin Vera Buck, jedoch wie die Hölle auf Erden – zumindest, wenn man zu den bedauernswerten Patientinnen der Klinik gehört. Aus heutiger Sicht haben die damaligen Praktiken an der Salpêtrière nämlich mehr mit einer Folterkammer gemein, wie man als Leser schon früh im Buch feststellen muss. Einmal in der Woche hält der berühmte Neurologe Jean-Martin Charcot nämlich im Hörsaal der Klinik seine berühmten Vorträge und führt einer begeisterten Menge von Medizinern und Studenten die Patientinnen und ihre Erkrankungen vor – und dabei scheint das Motto zu gelten: je wahnsinniger die Kranke, desto spektakulärer die Show. Als Leser muss man schon schlucken, wenn psychisch kranke und wehrlose Frauen ohne jegliche Menschenwürde vor ein sensationslüsternes Publikum gezerrt werden und ohne Rücksicht auf ihr Wohl schmerzhafte Anfälle provoziert oder demütigende Untersuchungen an ihnen vorgenommen werden, während sich die vermeintliche neurologische Koryphäe Charcot von seinen Jüngern feiern lässt.

Ein mysteriöses Mädchen als unfreiwilliges Forschungsobjekt

Zu dieser begeisterten Anhängerschaft zählt auch der Protagonist dieses Romans, der junge Schweizer Medizinstudent Jori, für den das Studium an der Salpêtrière aus vielerlei Gründen der Himmel auf Erden ist: zum einen darf er mit den besten Ärzten seiner Zeit zusammenarbeiten und von ihnen lernen, er hat die Möglichkeit, mit einem Doktortitel unter Charcot seine persönliche Karriere deutlich voranzutreiben und er hofft, in diesem Umfeld endlich ein Heilmittel für die Hysterie-Erkrankung seiner großen Liebe Pauline zu finden und mit ihr dadurch das Leben führen zu können, dass er sich seit vielen Jahren erträumt. Der Schlüssel zum Erfolg scheint das Mädchen Runa zu sein, dass nicht nur Vera Bucks Buch seinen Titel verleiht, sondern Jori die Möglichkeit gibt, auf eigene Faust nach dem langersehnten medizinischen Durchbruch zu forschen. Und auch hier zeigt sich der zweifelhafte Charakter der Pariser Ärzteschaft, denn an der Klinik werden nach Bekanntwerden von Joris Projekt gleich Wetten darüber abgeschlossen, ob der Student es tatsächlich schafft, dem Mädchen förmlich „den Wahnsinn aus dem Gehirn zu schneiden“, oder ob Runa bei dem heiklen Eingriff ihr Leben lässt.

„Prominente“ Nebendarsteller sorgen für hohe Authentizität

Bis Runa jedoch überhaupt die Bühne betritt, vergehen fast 200 Seiten und so kommt die Geschichte an sich eher schleppend in Gang, da die Autorin das erste Romandrittel vorrangig dazu nutzt, den Schauplatz der Handlung vorzustellen und die Leser mit der medizinischen Thematik vertraut zu machen. Auch wenn die lange Einführungsphase wenig Spannung verspricht, so hat das Buch für mich hier jedoch bereits seine stärkste Phase, da die schockierenden Praktiken an der Salpêtrière eine verstörende Mischung aus Faszination und Abscheu hervorrufen und eine sehr beklemmende Atmosphäre erzeugen. Bucks großer Trumpf ist zudem, dass viele ihrer Nebenfiguren tatsächlich existierende historische Persönlichkeiten sind, wie z.B. der eingangs erwähnte Neurologe Charcot oder auch ein gewisser George Gilles de la Tourette, dem das gleichnamige Tourette-Syndrom seinem Namen zu verdanken hat. Dadurch wirkt „Runa“ sehr authentisch und der Realitätsbezug lässt die medizinischen Eingriffe an der Klinik noch einmal grausamer erscheinen, weil diese sich anscheinend tatsächlich so abgespielt haben.

Faszinierendes Setting, aber behäbige Story und schwache Hauptfigur

Allerdings machen ein interessantes Thema und ein spannendes Setting alleine noch keinen packenden Roman aus, und leider hatte „Runa“ für mich abgesehen davon auch wenig zu bieten. Die Story entwickelt sich sehr behäbig und auch die Krimi-Elemente konnte mich nicht wirklich zum Weiterlesen motivieren, zudem schaden die vielen Erzählperspektiven meiner Meinung nach eher als das sie nützen, da durch den ständigen Wechsel auch kein richtiger Erzählfluss aufkommen will. Ein weiter großer Kritikpunkt ist für mich zudem auch die schwache Hauptfigur, denn ich habe für Jori hauptsächlich Abscheu empfunden, weil dieser nur von egoistischen Motiven angetrieben wird, sich aber überhaupt nicht um das Wohl seiner Patientinnen zu scheren scheint und damit für mich als angehender Arzt und Sympathieträger komplett durchfällt und während der 600 Seiten auch kaum an Profil gewinnt. Auch das eher offene Ende konnte mich nicht zufriedenstellen, sodass „Runa“ für mich insgesamt leider eine Enttäuschung ist, da mich zwar das Setting fasziniert hat, mich die Geschichte selbst jedoch zu keinem Zeitpunkt fesseln konnte.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Aera - Die Rückkehr der Götter

Markus Heitz , Uve Teschner
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe, 12.02.2016
ISBN 9783785752050
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer erinnert sich nicht noch an das Jahr 2012, als Verschwörungsfans auf der ganzen Welt am Jahresende dem vermeintlichen Weltuntergang am 21. Dezember entgegengefiebert haben? Bekanntlich blieb die gefürchtete Apokalypse zwar aus, trotzdem ist das Jahr nicht ohne Spuren an der Menschheit vorbeigegangen – zumindest wenn es nach dem deutschen Fantasy-Bestsellerautor Markus Heitz geht. In seinem neuen Roman „AERA – Die Rückkehr der Götter“ ist nämlich genau das eingetroffen, was der Buchtitel bereits vorwegnimmt: Die alten Götter sind teilweise im wahrsten Sinne des Wortes aus heiterem Himmel auf die Erde zurückgekehrt und haben umgehend die Macht über die Kontinente übernommen. Klingt zunächst ein wenig nach „Percy Jackson“ für Erwachsene, allerdings beschränkt sich Heitz nicht nur auf die Entitäten einer einzigen Mythologie, sondern hat alle nur erdenklichen Gottheiten jeder noch so kleinen Nischen-Religion auferstehen lassen. Nur die Christen, Juden und Muslime blicken mit ihrem Monotheismus in die Röhre, denn ausgerechnet ihr Gott ist nicht mit allen anderen wiederaufgetaucht, was zu einer fast vollständigen Auslöschung dieser ehemaligen Weltreligionen geführt hat, weil diese in den unausweichlichen und erbitterten Religionskriegen ohne göttliche Unterstützung ihren von übermächtigen Entitäten angeführten Feinden nichts entgegenzusetzen hatten.

Spannendes Setting mit vielen guten Ideen

Als ich lange vor Erscheinen des Buches von diesem Szenario gehört habe, war ich sofort Feuer und Flamme für diesen Roman, denn die Vorstellung einer modernen Welt mit leibhaftigen Gottheiten aus allen Mythologien klang für mich auf Anhieb ungemein faszinierend – und das obwohl Markus Heitz nach den vielen ähnlich angelegten Jugendbuchreihen eines Rick Riordan kaum noch einen Innovationspreis für sich beanspruchen kann. Trotzdem ist das Setting toll und bringt ungeheures Potenzial mit sich, das Heitz auch mit vielen guten Ideen zunächst auszuschöpfen scheint. So haben z.B. überall auf der Welt spirituelle Kultstätten eine Wiederauferstehung erfahren und sind mehr denn je zum Anlaufpunkt religiöser Anhänger geworden – in Tunesien erstrahlt Karthago in neuer Blüte und die Sünden-Städte Sodom und Gomorrha sind zu einer Art göttlichem Las Vegas geworden, wo jeder mit dem nötigen Kleingeld ohne schlechtes Gewissen und Angst vor dem Gesetz seinen perversesten Neigungen nachgehen kann. Viele Städte wie Hamburg (nun Treva) oder Paris (jetzt Lutetia) haben ihre historischen Namen wieder angenommen und es sind viele kleine Details wie diese, die das Setting von „AERA“ so aufregend und interessant machen. Auch die Idee, in dieser seltsamen Weltordnung zwischen Frühzeit, Antike und Moderne einen eigenwilligen Ermittler auf Verbrechensbekämpfung zu schicken, der sich zudem allen noch so eindeutigen Anzeichen für die Existenz der Götter zum Trotz als bekennender Atheist gibt und eher noch bereit ist, an eine Alien-Invasion als Erklärung für das Götter-Phänomen zu glauben, ist spannend und macht Hoffnung auf einen packenden Mystery-Thriller mit düsterer Sin-City-Atmosphäre. Leider kann Markus Heitz meiner Meinung nach die hervorragenden Voraussetzungen jedoch nicht nutzen, um „AERA“ zum erhofften epischen Kracher werden zu lassen.

Chaotische und oft zufällig wirkende Erzählstruktur

Das liegt für mich zu einem Großteil an der Struktur der Geschichte, denn „AERA“ ist eigentlich als Episodenroman angelegt und erschien bereits in Form von zehn eBook-Folgen, bevor diese nun in einem Sammelband zusammengefasst wurden. Diese Stückelung merkt man der Handlung leider auch permanent an, denn im Kern erzählt nahezu jede der Episoden eigenständige Fälle, die eher lose von einem übergeordneten Erzählstrang zusammengehalten werden. Dieser gerät jedoch häufig zu sehr in den Hintergrund, sodass die Geschichte oft sehr zufällig wirkt. So reist die Hauptfigur Malleus Bourreau meist von einem Ort zum anderen, ermittelt in einem mal mehr und mal weniger brutalen Mord, kreuzt den Weg einer oder mehrerer Entitäten und zieht dann weiter zum nächsten Schauplatz, wo das Spiel wieder von vorne losgeht. Die Fälle sind für sich genommen zwar recht unterhaltsam, wiederholen sich vom Stil her aber schnell, zudem gelingt es Heitz nicht so recht, aus den einzelnen Puzzlestücken einen durchgehenden Spannungsbogen zu schaffen. Ich hatte häufig das Gefühl, als wolle der Autor seinen Lesern möglichst viel von seinem Götter-Szenario präsentieren, was aber schon nach wenigen Episoden in leichtem Chaos ausartet, da die Anzahl der Charaktere und Entitäten schnell unübersichtlich wird. Zudem sind die diversen Schauplätze zwar grundsätzlich originell und interessant, durch das Episodenkonzept fehlt Heitz aber oft die Zeit, diese ausführlich auszuschmücken, sodass deren Darstellungen oft etwas oberflächlich ausfallen. Hier wäre weniger meiner Meinung nach mehr gewesen.

Ein durchwachsener Fantasy-Thriller, der das große Potenzial des Settings nicht ausschöpft

Was zudem sehr störend auffällt, sind die sich ständig wiederholenden Beschreibungen der Charaktere und ihrer Tätigkeiten. Unrühmlicher Höhepunkt des Ganzen: Markus Heitz erwähnt gefühlt in jedem zweiten Satz die Raucherleidenschaft seines Protagonisten und wenn man für jede Erwähnung von Bourreaus Culebra-Zigarre nur je einen Cent bekommen würde, hätte man den Anschaffungspreis des Buches wohl nach der Hälfte der Episoden längst wieder raus – hier hätte das Lektorat frühzeitig die Notbremse ziehen müssen. So ist „AERA – Die Rückkehr der Götter“ insgesamt zwar recht unterhaltsam und kurzweilig, die durch das faszinierende Setting hervorgerufenen hohen Erwartungen kann die Geschichte in meinen Augen aus den oben genannten Gründen aber bei weitem nicht erfüllen, zudem ist Markus Heitz’ Götter-Action mindestens um ein bis zwei Episoden zu lang ausgefallen. Die Hörbuchfassung kann zwar durch die erneut sehr gute Lesung von Uve Teschner (wenngleich dieser diesmal des öfteren mit so manchem der vielen ausländischen Akzente merklich zu kämpfen hat) noch ein paar Pluspunkte einheimsen, alles in allem reicht jedoch auch das nicht, um „AERA“ aus dem Mittelmaß herauszuheben. Das ist schade, denn gemessen an der Ausgangsidee wäre hier meiner Meinung nach viel mehr drin gewesen.

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26 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

fantasy, abenteuer, locke lamora, diebe, piraten

Red Seas Under Red Skies

Scott Lynch
Flexibler Einband: 760 Seiten
Erschienen bei Random House, 29.07.2008
ISBN 0553588958
Genre: Sonstiges

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22 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

cormoran strike, spannen, j.k. rowling, thriller, crime

Career of Evil (Cormoran Strike)

Robert Galbraith
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Sphere, 20.10.2015
ISBN 9780751562279
Genre: Sonstiges

Rezension:

Für Cormoran Strike und Robin Ellacott könnte das Leben so rosig sein: Strikes Detektei läuft nach den jüngsten Ermittlungserfolgen bestens, Robin steht nach einigen Beziehungstiefs endlich doch kurz vor der Hochzeit mit ihrem Verlobten und selbst ihr knurriger Boss hat (zumindest vorübergehend) sein Liebesglück gefunden. Irgendjemand scheint den beiden jedoch einen Strich durch die Idylle machen zu wollen und so steht Robin eines Morgens plötzlich fassungslos mit dem abgetrennten Bein einer Frau in den Händen da – angesichts der durch eine Kriegsverletzung bedingten Amputation von Strikes eigenem Bein nicht ohne eine gewisse Ironie, wie auch der Ex-Militärpolizist selbst lapidar mit den Worten „And it’s not even my size“ kommentiert. Trotz des Galgenhumors ist Strike jedoch durch die makabre Lieferung beunruhigter als er zugeben will, da ihn vor allem die Einbeziehung Robins als ausdrückliche Adressatin des Pakets Sorgen macht – offenbar hat es der Täter mit seiner grausamen Botschaft nicht nur auf Strike selbst, sondern auch auf seine treue Assistentin abgesehen. Es deutet also alles darauf hin, dass „Career of Evil“, der dritte Band von J.K. Rowlings unter dem Pseudonym „Robert Galbraith“ verfassten Krimireihe um den privaten Ermittler und Kriegsveteranen Cormoran Strike, zu dessen bisher persönlichsten Fall wird.

Ein Mord – vier Verdächtige

Im Vergleich zu den Ermittlungen in den ersten beiden Romanen „The Cuckoo’s Calling“ und „The Silkworm“ ist Strike zu Beginn der Geschichte aber dadurch immerhin schon mal nicht ohne Ansatzpunkte, denn schnell hat der erfahrene Verbrechensbekämpfer vier Verdächtige ausgemacht: einen stadtbekannten Gangster, der aufgrund von Strikes Aussage verknackt wurde; ein Pädophiler, für dessen Verhaftung er ebenfalls verantwortlich war; ein ehemaliger Kamerad aus seiner Zeit bei der Armee, mit dem Cormoran nicht nur deutlich angeeckt ist, sondern den er auch wegen Fällen von häuslicher Gewalt vor Gericht gebracht hat – und Strikes Stiefvater, den er schon vor vielen Jahren des Mordes an seiner Mutter beschuldigt hatte und der aufgrund eines sehr persönlichen Details der Drohbotschaft der vielversprechendste Kandidat zu sein scheint. Liegt Strike mit seinen Vermutungen richtig, muss also „nur noch“ der Schuldige unter diesen vier Männern ausfindig gemacht werden. Klingt simpel, erweist sich aber dennoch als harte Nuss, denn die meisten der Tatverdächtigen müssen erst einmal ausfindig gemacht werden, bevor überhaupt Hinweise für und gegen ihre Verwicklung in den Fall gesammelt werden können.

Cormoran Strike und Robin Ellacott so persönlich wie noch nie

Wie gewohnt setzt also auch „Career of Evil“ wieder auf die gute alte Detektivarbeit und ein eher verhaltenes Erzähltempo, dennoch wird die Handlung ganz im Gegensatz zum etwas zähen zweiten Band diesmal zu keinem Zeitpunkt langatmig. Das liegt zum einen daran, dass der dritte Cormoran-Strike-Krimi der bisher düsterste Band der Reihe ist und stellenweise tief in menschliche Abgründe blicken lässt, aber auch daran, dass sowohl Strike als auch Robin sehr viel Raum zur Charakterentfaltung bekommen und gerade ihre zwischenmenschliche Beziehung eine enorme Entwicklung durchmacht. Wer in „The Silkworm“ also wie ich ein wenig das goldige und von beiderseitiger Sympathie und Wertschätzung geprägte Zusammenspiel der beiden etwas vermisst hat, kommt in diesem Buch voll auf seine Kosten und bekommt zudem auch sehr interessante und zuweilen auch bedrückende Einblicke in die persönlichen Hintergründe der beiden Hauptfiguren, denn dieser Mordfall konfrontiert Strike und Robin mit einigen sehr schwierigen und dunklen Kapiteln ihrer Vergangenheit.

Ein starker Krimi mit starken Hauptfiguren

„Career of Evil“ bietet also all das, was schon „The Cuckoo’s Calling“ zu einem hervorragenden Old-School-Krimi gemacht hat: ein spannender, komplexer und durchweg schlüssig konstruierter Kriminalfall, bei dem lediglich die finale Auflösung ein klein wenig unspektakulär, aber nichtsdestotrotz konsequent ausfällt, und zwei großartige Ermittlerfiguren, die nicht nur jeder für sich eine Menge Persönlichkeit mitbringen, sondern im Verlauf dieser knapp 500 Seiten auch noch enorm an Profil gewinnen, sodass die Entwicklung der Beziehung zwischen Strike und Robin von der Spannung her fast mit dem Mordfall gleichzusetzen ist. Somit lässt J.K. Rowlings dritter Ausflug ins Krimi-Genre den etwas schwächeren zweiten Band vergessen und findet wieder mit Volldampf zurück in die Erfolgsspur, sodass alle Fans von Cormoran Strike und Robin Ellacott hier voll auf ihre Kosten kommen sollten. Für mich ist „Career of Evil“ insgesamt sogar der stärkste Band der Reihe und sorgt mit einem fiesen Cliffhanger zum Ende zudem dafür, dass die Wartezeit bis zum vierten Buch zu einer echten Tortur werden dürfte…

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Die Unseligen

Aurélien Molas , Thorsten Schmidt
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Piper, 17.09.2013
ISBN 9783492302623
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Afrikanische Rebellen haben es auf ein nigerianisches Waisenkind abgesehen. Mittendrin: Zwei französische Ärzte.

Die französischen Ärzte Benjamin Dufrais und Jacques Rougée fahren im Auftrag der Hilfsorganisation “Ärzte ohne Grenzen” durch Nigeria, um in den Waisenhäusern des Landes die körperlichen Zustände der Kinder in Bezug auf mögliche Unterernährung zu untersuchen – häufig gegen den Widerstand des Aufsichtspersonals, welches die oft erschreckenden Zustände der Häuser vertuschen will. Bei einer der Kontrollen kommt es jedoch zur Katastrophe, denn während der Untersuchung dringen plötzlich afrikanische Rebellen in das Waisenhaus ein und zwingen die Mitarbeiter mit Waffengewalt zur Kooperation. Das Ziel der Angreifer: Sie wollen das nigerianische Mädchen Naïs aus dem Schutz des Heimes entführen, dem aus unerfindlichen Gründen von den Erziehern eine Sonderbehandlung zuteil wurde. Welches Geheimnis steckt hinter dem Kind, dass schwer bewaffnete Rebellen alles dafür einsetzen, es in ihre Gewalt zu bekommen?

Schauplatz Nigeria: brutale Machtkämpfen und erschreckende Armut

“Die Unseligen” ist nach “Die elfte Geißel” der zweite Roman des Franzosen Aurélien Molas und schlägt nach dem erschütternden Thriller rund um das Thema Kindesmissbrauch eine ganz andere Richtung ein. Schauplatz ist nämlich nun der afrikanische Staat Nigeria, der von Molas mit erschreckender Schonungslosigkeit dargestellt wird. Blutige Kämpfe zwischen der Regierung und skrupellosen Rebellen durchziehen das gesamte Land und die Bevölkerung bekommt nicht nur die Ausbeutung durch internationale Ölgesellschaften bitter zu spüren, sondern muss auch durch Naturkatastrophen immer wieder herbe Schicksalsschläge verkraften. Vor allem die jüngsten haben schwer unter der instabilen Situation zu leiden und können sich fast noch glücklich schätzen, wenn sie in einem der unzähligen Waisenhäuser landen, wo immerhin auch durch das Eingreifen internationaler Hilfskräfte eine gewisse Minimalversorgung gewährleistet wird.

Zwei französische Ärzte und ein nigerianisches Mädchen

Zu den Hilfskräften zählen auch die beiden Ärzte Benjamin und Jacques, die sich Tag für Tag aufs neue mit dem Leid der Menschen konfrontiert sehen. Während letzterer zumindest eine Familie in Frankreich als Rückhalt hat, schafft es Benjamin nur durch das Schnupfen von Kokain, die bedrückenden Zustände und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen zu verkraften. Als beide dann während einer Routinekontrolle in einen brutalen Rebellenangriff geraten, nimmt ihre ohnehin schon schwierige Situation eine weitere dramatische Wendung – auch wenn sie selbst nicht im Fokus des Überfalls stehen, sondern das kleine nigerianisches Mädchen Naïs. Warum gerade diesem Kind eine besondere Bedeutung zukommt, kann ich nicht verraten, ohne der Geschichte den vielleicht größten Spannungsfaktor zu nehmen, denn gerade dieses Mysterium macht einen nicht unbedeutenden Teil des Reizes dieses Buches aus. Allerdings basiert dieser Charakter lose auf dem Schicksal der Amerikanerin Brooke Greenberg – wer mehr wissen möchte, kann dies gerne im Internet nachschlagen.

Brisantes Setting und gute Grundidee, aber zu wenig Spannung

Gerade durch diese realen Bezüge bezieht “Die Unseligen” einen Großteil seiner Faszination, denn das unverbrauchte Setting und das wirklich rätselhafte Mysterium um das Kind verleihem den Buch auf jeden Fall eine frische Note. Allerdings schafft es Aurélien Molas nicht, beide guten Ausgangsideen in eine durchweg spannende Geschichte zu verpacken, denn die Handlung läuft meist nach dem immer gleichen Schema ab und besteht vor allem aus Verfolgungsjagden und Schießereien im nigerianischen Dschungel. Leider bietet der Roman auch keine starken Charaktere, von denen man sich als Leser durch die Story ziehen lassen könnte, denn trotz teilweise realer Bezüge fehlt es bei den Figuren einfach an Identifikationsmöglichkeiten – auch wenn sich Molas merklich um glaubwürdige Darstellungen bemüht. Aber solide Charaktere und ein gutes Setting reichen alleine nicht aus, wenn der Plot selbst nur Durchschnittskost bietet. Gerade die Besonderheit des Mädchens hätte meiner Meinung nach noch viel mehr Spielraum für eine packende Geschichte geboten, leider schöpft der Autor das Potenzial aber bei weitem nicht aus. So ist “Die Unseligen” zwar ein durchaus unterhaltsamer Afrika-Thriller, zum Top-Titel fehlt aber noch ein gutes Stück.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

anette strohmeyer, nullpunkt, ondragon

Ondragon: Nullpunkt

Anette Strohmeyer
E-Buch Text: 498 Seiten
Erschienen bei Psychothriller GmbH E-Book, 26.02.2014
ISBN 9783942261678
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sein neuer Auftrag führt “Problemlöser” Paul Ondragon nach Brasilien, wo er einen verschollenen Nazi-Schatz sicherstellen soll.

Eben noch hat Paul Ondragon in seinem New Yorker Hotelzimmer in den Nachrichten von der Bergung des Flugschreibers einer vor zwei Jahren über dem Meer abgestürzten Air-France-Maschine gehört, da meldet sich wenige Sekunden später auch schon ein neuer Klient mit dem passenden Auftrag: Für den deutschen Bundesnachrichtendienst soll Ondragon mit seiner Assistentin Charlize nach Brasilien fliegen, wo die Trümmerteile des Flugzeugs untersucht werden. Besonders brisant: Ein Teil der Wrackteile stammt nicht von der französischen Maschine, sondern von einem verschollen geglaubten Nazi-Flugzeug, das vor Jahrzehnten mit einer geheimnisvollen Fracht plötzlich spurlos vom Radar verschwunden ist. Für den BND soll Ondragon nun das Logbuch des Flugzeugs sicherstellen, was angesichts Pauls extremer Bücherphobie eher für Schweißausbrüche statt Begeisterung sorgt. Die Deutschen bieten aber nicht nur jede Menge Geld, sondern haben auch ein äußerst wirksames Druckmittel in der Hinterhand…

Ondragons neuer Auftrag schickt den Problemlöser nach Brasilien auf die Spuren eines Nazi-Schatzes

“Ondragon: Nullpunkt” ist der dritte Band der Thriller-Reihe von Anette Stohmeyer um den unkonventionellen Ermittler Paul Eckbert Ondragon, seines Zeichens Problemlöser für äußerst knifflige und vor allem nicht immer legale Fälle. So lange das Geld stimmt und der Auftrag die Neugier des unter der Tarnung eines Unternehmensberaters in aller Welt arbeitenden Alleskönners weckt, ist Ondragon keine Aufgabe zu schwer – im Gegenteil: Je heikler der Auftrag, umso größer sein persönlicher Ehrgeiz. Sein aktueller Job ist für Ondragon aber aus einem weiteren Grund hochinteressant, denn der Bundesnachrichtendienst lockt ihn mit Einblicken in seine geheime Akte, von der er sich so manche neue Erkenntnisse bezüglich seiner Familiengeschichte erhofft. Und so muss er dann auch nicht lange überlegen, ob er die Reise nach Fortaleza, Brasilien, antritt.

Die Arbeit des Physikers Nikola Tesla als Aufhänger für einen Mystery-Thriller

Wie man an der Inhaltsbeschreibung schon erahnen kann, darf man auch vom dritten Teil der Ondragon-Reihe keine besonders realistische Geschichte erwarten. Nach menschenfressenden Indianermythen in “Menschenhunger” und haitianischen Zombies in “Totenernte” muss er nun also einen legendenumrankten Nazi-Schatz bergen, der geheime Technologien aus dem Zweiten Weltkrieg beinhalten soll. Als Hauptmotiv des Buches dient hier die Arbeit des serbischen Wissenschaftlers Nikola Tesla, der auf dem Gebiet der Elektrotechnik einige bahnbrechende Erfindungen vorzuweisen hatte. Wie schon bei den Vorgängern besteht auch der dritte Band wieder aus zwei verschiedenen Erzählsträngen, von denen der zweite im Jahr 1899 im direkten Umfeld Teslas spielt und einen Einblick in dessen ungewöhnliche und von außen betrachtet äußerst beunruhigenden Arbeiten liefert.

Augenzwinkerndes Action-Abenteuer

Erfreulicherweise wissen die Geschichten auf beiden Zeitebenen zu überzeugen. Während der Tesla-Erzählstrang eine unterhaltsame und von ein paar Mystery-Elementen angereichterte Physikstunde bietet, liefert sich Ondragon in der Gegenwart ein aufregendes Katz-und-Maus-Spiel über den halben Erdball, das ihn von den Favelas Brasiliens über das stimmungsvolle Casablanca (Marokko) bis in die glühend heiße Sahara führt. Gerade vor dem Hintergrund des Nazi-Schatzes hat das zuweilen etwas von einem Indiana-Jones-Abenteuer. Dass man dabei die Glaubwürdigkeit mancher Ereignisse nicht immer hinterfragen sollte, versteht sich von selbst, aber die Geschichte nimmt sich ohnehin selbst nicht zu ernst – so hat Ondragon zu Beginn der Geschichte beispielsweise gerade die Karriere eines französischen Spitzenpolitikers zerstört, dessen Zimmermädchen-Affäre in einem New Yorker Hotelzimmer doch ganz stark an einen gewissen Dominique Strauss-Kahn erinnert. Solche kleinen Gags lockern die Geschichte aber angenehm auf und machen immer wieder deutlich, dass der Unterhaltungsaspekt hier ganz klar im Vordergrund steht – auch wenn die Autorin im Nachwort auf ihre Recherchen und die historisch verbürgten Persönlichkeiten hinweist.

Spannende Fortsetzung der Ondragon-Reihe

So ist auch “Nullpunkt” wieder ein sehr kurzweiliges Thriller-Abenteuer mit einer packenden Geschichte, exotischen Schauplätzen und einer interessanten Hintergrundgeschichte um den Physiker Nikola Tesla. Zwar wird die persönliche Geschichte des Paul Ondragon nur minimal weitergeführt und auch dessen kuriose Buch-Phobie wird im dritten Aufguss langsam etwas albern, dafür darf aber dessen reizende Assistentin Charlize in die Bresche springen und bekommt endlich mal die verdiente Aufmerksamkeit (genau das hatte ich mir bei der Rezension zum zweiten Band noch gewünscht…). Für meinen Geschmack hätte der Mystery-Anteil zwar noch etwas höher sein können, dennoch habe ich mich insgesamt wieder sehr gut unterhalten gefühlt und freue mich schon auf den nächsten Band. Ich bin gespannt, wohin sein neuer Auftrag Ondragon dann hinführen wird – nach nordamerikanischer Wildnis, haitianischen Tropen, brasilianischen Favelas und afrikanischer Wüste wäre ein Einsatz in den Bergen oder (Ant-)Arktis vielleicht mal ganz interessant…

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149 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 39 Rezensionen

schweden, obdachlose, mord, stockholm, tom stilton

Die Springflut

Cilla Börjlind , Rolf Börjlind , Paul Berf
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei btb, 26.08.2013
ISBN 9783442753932
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Polizeischülerin recherchiert für eine Hausarbeit in einem über zwanzig Jahre alten ungelösten Mordfall, in den mit Beginn ihrer Nachforschungen plötzlich neuer Schwung kommt…

Spätsommer 1987: In einer Bucht auf der kleinen schwedischen Insel Nordkoster wird mitten in der Nacht eine Frau von drei Gestalten an das Ufer geschleppt und bis auf den Kopf im Schlick vergraben. Anschließend warten die Unbekannten seelenruhig auf die einsetzende Springflut und sehen eiskalt dabei zu, wie die Frau hilflos vom immer höher steigenden Wasserspiegel umschlossen wird und schließlich qualvoll ertrinkt. Nur ein kleiner Junge, der sich in sicherer Entfernung zum Ufer versteckt hat, bekommt von dem grausigen Mord etwas mit, doch seine Zeugenaussage reicht nicht aus, um Hinweise auf die Identität der Täter zu erhalten. Der Fall wird ungelöst zu den Akten gelegt.

Ein über zwei Jahrzehnte alter ungelöster Mordfall wird neu aufgerollt

24 Jahre später stößt die Polizeischülerin Olivia Rönning auf den rätselhaften Mordfall, da sie im Rahmen einer freiwilligen Hausarbeit während der Sommerferien eine Analyse einen “Cold Cases” vornehmen soll. Aus den ihr von ihrem Dozenten vorgeschlagenen Fällen entscheidet sie sich schnell für den Nordkoster-Mord, da ihr inzwischen verstorbener Vater damals als Polizist an den Ermittlungen beteiligt war. Die Nachforschungen gestalten sich wie erwartet schwierig, zumal die Identität des Mordopfers auch zwei Jahrzehnte nach der Tat immer noch nicht bekannt ist. Zudem fällt es Olivia schwer, einen Verantwortlichen für die Ermittlungen ausfinding zu machen und zu befragen, denn der Leiter in dem Mordfall, ein Kommissar namens Tom Stilton, ist vor Jahren aus persönlichen Gründen aus dem Polizeidienst ausgeschieden und anschließend spurlos verschwunden…

Debütroman der schwedischen Drehbuchautoren Cilla und Rolf Börjlind

Das schwedische Ehepaar Cilla und Rolf Börjlind ist in der Krimibranche kein unbeschriebenes Blatt. Bereits seit Jahren sind die beiden als Drehbuchschreiber tätig und haben sich durch zahlreiche Kino- und TV-Produktionen wie die Arne-Dahl- oder Kommissar-Beck-Reihe einen Namen gemacht. “Die Springflut” ist nun der erste gemeinsame Roman der Börjlinds und bietet überraschenderweise kein klassisches Ermittlerteam, sondern gleich eine ganze Reihe unterschiedlicher Charaktere, die an verschiedenen Fronten in Erscheinung treten und mit gemeinsamen Kräften an einer Aufklärung des ungelösten Nordkoster-Mordes arbeiten. Ausgangspunkt ist dabei die erwähnte Polizeischülerin Olivia Rönning, die in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters treten will und sich aus diesem Grund in dem Cold Case festbeißt – auch um sich ihrem Vater ein wenig näher zu fühlen.

Eine Polizeischülerin und ein Obdachloser ermitteln

Weil die Suche der ehrgeizigen angehenden Polizistin aber zunächst wenig von Erfolg gekrönt ist und ihre Recherche in den ersten Kapiteln kaum vorankommt, präsentieren die Börjlinds ihren Lesern zur Abwechslung noch einen zweiten Brennpunkt. In Stockholm hat nämlich die Gewalt gegenüber Obdachlosen in den letzten Wochen dramatisch zugenommen und immer wieder landen Handyvideos der brutalen Überfällen im Internet, wo sich die Täter mit ihren feigen Anschlägen auf die wehrlosen Opfer brüsten. Die Handlung springt fortan regelmäßig zwischen den beiden Erzählsträngen hin und her, wobei bemerkenswert ist, dass keiner der beiden eine typische Polizeiarbeit schildert – auch weil die “richtige” Polizei lange Zeit außen vor gelassen wird. Die Autoren setzen stattdessen neben Olivia Rönning auf weitere ungewöhnliche Gestalten, z.B. auf einen selbst für Schwedenkrimi-Verhältnisse in bemerkenswertem Ausmaß abgestürzten Ex-Polizisten, einen arabischen Casino-Croupier mit Geheimnissen oder die Obdachlosen selbst, welche sich gegen die ihnen geäußerte Gewalt geschlossen zur Wehr stellen.

Routinierter Schwedenkrimi mit spannender Story

Trotz dieser unkonventionellen Konstellation stellt sich jedoch schnell das bekannte Skandinavien-Feeling ein, denn Cilla und Rolf Börjlind lassen von Beginn an keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie ihr Metier sehr gut beherrschen. Problembehaftete Charaktere, bedrückende Atmosphäre, verregnete Szenen an einsamen Inselküsten – wer gerne Schwedenkrimis liest, wird sich auch bei “Die Springflut” schnell zuhause fühlen. Dazu kommt eine kurzweilige Story, die den Leser geschickt auf die ein oder andere falsche Fährte führt (auch wenn die Geschichte lange Zeit sehr geradlinig und durchschaubar scheint) und trotz des großen Umfangs von fast 600 Seiten zu keiner Zeit Langeweile aufkommen lässt – weil an den vielen Baustellen nun einmal immer was passiert und auch die krass unterschiedlichen Persönlichkeiten immer wieder für sich abwechselnde Blickpunkte auf das Geschehen liefern.

Etwas zu viele Nebencharaktere

Allerdings ist es auch diese Vielzahl an Nebenfiguren, die dem Roman auf dem Weg in die ganz hohen Wertungsregionen etwas im Wege steht. Dadurch, dass die Autoren gleich so vielen Charakteren in ihrem Buch eine Bühne bieten, bleibt eigentlich bei keinem richtig Zeit, um die jeweilige Persönlichkeit genauer auszuarbeiten, sodass die Figuren häufig etwas schablonenhaft wirken und man zum Beispiel aus dem Privatleben Olivia Rönnings fast gar nichts erfährt. Außerdem übertreiben es die Börjlinds an manchen Stellen auch ein wenig mit ihrem Ermittler-Netzwerk, denn wenn dann noch Polizisten-Exfrauen, Fernsehjournalistinnen, Prostituierte und Co. immer wieder ihren Auftritt bekommen, kann man bei den vielen Gesichtern schon mal leicht durcheinander kommen – zumal sich diese auch von den Namen her teilweise sehr ähneln.

Stellenweise zu konstruiert wirkende Handlung

Der zweite kleine Schwachpunkt ist die (ohne jede Frage unterhaltsame) Story, die gerade im Schlussakt bei der Zusammenführung der losen Fäden doch sehr auf Zufälle setzt und dadurch stellenweise arg konstruiert wirkt – auch wenn das Miträtseln und das Zusammenfügen der Puzzleteile nichtsdestotrotz Spaß macht. Aber es erscheint nun mal ein wenig befremdlich, wenn 23 Jahre nach einem Mord plötzlich an unterschiedlichen Enden der Welt auf einmal zur gleichen Zeit die gleichen alten Geschichten ausgegraben werden. Zudem haben die Börjlinds ganz zum Schluss noch eine besondere Überraschung auf Lager, die man sich nun wirklich hätte verkneifen können. Dennoch ist “Die Springflut” für Fans von skandinavischen Krimis immer noch eine Empfehlung wert. Das Autorenpaar erfindet das Genre zwar nicht neu, spielt seine Erfahrung aber gut aus und liefert mit seinem Romandebüt ein paar Stunden kurzweilliger und guter Krimi-Unterhaltung. Ich freue mich jedenfalls schon auf die Fortsetzung “Die Dritte Stimme” und ein Wiedersehen mit den ungewöhnlichen Ermittlern.

Fazit:
Routinierter und spannend erzählter Schwedenkrimi, dessen Story manchmal etwas zu arg konstruiert wirkt, dies aber mit ungewöhnlichen und originellen Hauptfiguren ausgleicht

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

atomkraft, krimi, mord, atomkraftgegner, politik

XXX

Martin Sudermann
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Sutton, 10.09.2013
ISBN 9783954002580
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Atomkraftgegner wird nach einer Großdemonstration tot aufgefunden – tragisches Unglück oder eiskalter Mord?

November 2010: In der niedersächsischen Gemeinde Göhrden sorgt ein Castor-Transport für große Aufregung. Zahlreiche Anti-Atomkraft-Aktivisten haben es sich zum Ziel gesetzt, den Zug mit den radioaktiven Abfällen aufzuhalten und mit energischen Protesten auf ihre umweltpolitischen Intentionenen aufmerksam zu machen. Zu den Demonstranten zählt auch der 54-jährige Holger Becker, der seit Jahrzehnten in der Szene der Kernkraftgegner aktiv ist und in seiner Vergangenheit schon an einigen Sabotageakten beteiligt war. Während der Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und der Polizei wird Becker von Pfefferspray-Attacken getroffen und muss sich verletzt aus dem Schlachtfeld zurückziehen. Wenig später wird die Leiche des Mannes in einem Bach aufgefunden.

Rätselhafter Tod eines Anti-Atomkraft-Aktivisten

Wie der Autopsiebericht später feststellt, ist Holger Becker ohne Fremdeinwirkung in dem Gewässer ertrunken, doch seine Freunde und Genossen haben starke Zweifel an der offiziellen Version der Polizei. Zum einen war Becker trotz seines fortgeschrittenen Alters noch topfit und außerdem war der Wasserstand des Baches zum Zeitpunkt seines Todes gerade einmal wenige Zentimeter hoch – unmöglich, dass ein Mann von Holgers körperlicher Verfassung in einem solchen Rinnsal ertrunken sein soll. Auch der Journalist Thomas Krüdewagen ist von der Todesnachricht seines früheren Freundes erschüttert und reist zu Holgers Beerdigung an, wo er auf seine alten Gefährten und die Mit-Aktivisten des Verstorbenen trifft. Gemeinsam beschließen sie, der Sache auf den Grund zu gehen und die wahre Ursache für Holgers plötzlichen Tod zu finden…

Ein Krimi mit Sachbuch-Charakter

Was bereits auf den ersten Seiten von Martin Sudermanns Roman “XXX: Ein Atomkraft-Krimi” deutlich wird, ist das enorme Hintergrundwissen des Autors über die Anti-Atomkraft-Bewegung. Schon in den Anfangskapiteln wird der Leser mit zahlreichen Informationen förmlich bombardiert, was zum einen zwar interessant ist, gerade beim Aufeinandertreffen der alten Freunde des Toten jedoch ein wenig befremdlich wirkt. Die sich dort ergebenden Dialoge wirken nämlich sehr künstlich und geschwollen, weil alle Beteiligten sich gegenseitig Vorträge über bestimmte Ereignisse in der Aktivisten-Szene halten und die Gespräche dadurch alles andere als natürlich erscheinen. Dieser etwas belehrend wirkende Stil zieht sich leider durch die komplette erste Hälfte des Buches. So erhält man zwar viele Fakten über die Thematik und einen guten Überblick über wichtige Ereignisse in der Vergangenheit der Bewegung, die zahlreichen Informationshäppchen wollen sich aber nicht zu einer funktionierenden Story zusammenfügen.

Sehr gut recherchiert, aber leider zu voreingenommen

Das ist ein wenig schade, denn man merkt auf nahezu jeder Seite, dass Martin Sudermann die Thematik sehr am Herzen liegt – was nicht verwundert, wenn man in der Autorenbiografie erfährt, dass Sudermann selbst schon in jungen Jahren in der Anti-AKW-Bewegung engagiert war. Der Nachteil dieser Perspektive ist jedoch leider, dass der Roman ein wenig die nötige Objektivität vermissen lässt. Der Autor schlägt sich sehr eindeutig auf die Seite der Aktivisten und stellt deren Aktionen als clever und fast schon heroisch dar, was angesichts der Beschädigungen durch die Gruppe doch etwas bitter aufstößt. Ob es nun derart bewundernswert ist, Sprengsätze an Strommasten oder Gleisen anzubringen und damit die Gesundheit Unbeteiligter zu gefährden, sollte zumindest einmal hinterfragt werden. Leider bleibt eine kritische Auseinandersetzung mit solchen Fragen völlig aus und die Polizei und der Staatsschutz werden zum großen Feindbild hochstilisiert.

Leblose Charaktere und spannungsarme Story

Bedauernswert ist auch, dass die Charaktere allesamt etwas farblos bleiben und somit keinerlei Identifikationsfiguren vorhanden sind. Bis auf den Journalisten Thomas Krüdewagen nehmen alle Beteiligten nur Statistenrollen ein und über den Reporter selbst erfährt man auf privater Ebene so gut wie überhaupt nichts – er dient hier lediglich dazu, die verschiedenen Informationen zusammenzutragen und zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen. So dauert es insgesamt recht lange, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt und richtige Spannung kommt auch im Schlussdrittel kaum auf, da die Auflösung allzu offensichtlich ist und Sudermann eigentlich keine wirkliche Alternative zur Lösung des Falls aufzeigt. Dazu kommt dann auch noch ein ziemlich verkorkstes Ende, das sehr überhastet und lieblos daherkommt. Somit hat Martin Sudermann meiner Meinung nach die Chance klar verpasst, mit einer packenden Story verstärkt auf sein Anliegen aufmerksam zu machen, denn von “XXX: Ein Atomkraft-Krimi” wird bei mir bis auf ein paar Informationsbrocken wohl nicht viel hängenbleiben.

Fazit:
Hervorragend recherchierter, aber leider sehr unspektakulär erzählter Öko-Krimi, dessen schwache Story und lieblose Charaktere nicht überzeugen können

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Sieh dich um: Thriller

Jon Osborne
E-Buch Text: 337 Seiten
Erschienen bei Lübbe Digital, 15.02.2013
ISBN 9783838719931
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mit “Töte mich” legte Jon Osborne im Jahr 2011 einen hochspannenden und schockierenden Debütroman hin. Im Nachfolger “Sieh dich um” schickt er FBI-Ermittlerin Dana Whitestone erneut auf die Jagd nach einem brutalen Serienkiller – oder sorgt diesmal sogar ein mörderisches Duo für Angst und Schrecken in New York?

Special Agent Dana Whitestone hat die dramatischen Erlebnisse ihres letzten Falls gerade erst einigermaßen verarbeitet, da bekommt sie es erneut mit einer beängstigenden Mordserie zu tun. Seit Monaten wird New York von einer Reihe fürchterliche Todesfälle terrorisiert, die sich scheinbar willkürlich über die Stadt verteilt ereignen. Die einzige Gemeinsamkeit der Verbrechen sind die Schachbücher, welche die Polizei an den Tatorten findet und die offenbar vom Täter selbst dort platziert werden. Nachdem die Ermittler monatelang im Dunkeln tappten, ist nun immerhin ein Muster in der Vorgehensweise des Killers erkennbar, denn anscheinend teilt dieser seine Morde in verschiedene Serien ein, die jede für sich einer berühmten Schachpartie gewidmet sind.

Eine mörderische Schachpartie in New York City

Als Dana und ihr Partner Jeremy Brown am Tatort des jüngsten Opfers – einer grausam zugerichteten jungen Frau – das Foto eines Jungen in dem zurückgelassenen Schachbuch finden, versetzt diese Entdeckung die Ermittler in Alarmbereitschaft. Hat der Täter hier möglicherweise einen Hinweis auf sein nächstes Verbrechen hinterlassen und bietet sich so endlich eine Chance, ihm endlich auf die Spur zu kommen? Während die Einsatzkräfte fieberhaft nach der Identität des Kindes suchen, löst ein kleines Detail in den Fallakten eine beunruhigende Theorie in Agent Whitestone aus: Sie hat den Verdacht, dass es die Polizei möglicherweise nicht nur mit einem Täter, sondern mit zwei Wahnsinnigen zu tun hat, die sich in einem perfiden Wettstreit zu duellieren scheinen…

Der 2. Fall für FBI Special Agent Dana Whitestone

Nach “Töte mich”, mit dem mich Jon Osborne vor zwei Jahren sehr begeistern konnte, hat der Amerikaner nun endlich seinen zweiten Thriller veröffentlicht, auf dessen Erscheinen ich schon lange hingefiebert habe. Erneut schickt Osborne FBI-Agentin Dana Whitestone ins Rennen und scheint ambitioniert, den schockierenden Vorgänger in Sachen Brutalität direkt von Beginn an noch einmal übertrumpfen zu wollen. Bereits der erste Mord sorgt für Entsetzen und stellt damit die Weichen für eine weitere schreckliche Verbrechensserie. Was beim ersten Band aber noch von einer spannenden Story verknüpft wurde, scheint im Nachfolger jedoch leider nur noch reiner Selbstzweck zu sein. Der Klappentext des Buches nimmt zudem eine interessante Wendung der Geschichte schon vorweg und nach 75 Seiten wird die Identität des Täters bereits offengelegt.

Gute Idee, schwache Ausführung

Die Idee, welche diesem Roman zugrunde liegt, ist grundsätzlich eigentlich gar nicht schlecht, allerdings ist das Prinzip des mörderischen Spiels für den Leser in keinster Weise erkennbar und selbst mit ausgeprägten Schachkenntnissen wohl nicht zu ergründen. Wahllos lässt Osborne nahezu kapitelweise Menschen über die Klinge springen und verliert sich zudem in überflüssigen Nebenhandlungen. Während einer der beiden ergänzenden Handlungsstränge noch halbwegs stimmig in die Geschichte integriert wird, so ist die zweite Nebenstory völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Zudem sorgt diese Aufteilung der Handlung für eine sehr seltsame Entwicklung, denn der Autor verliert den eigentlichen Fall in der Mitte des Buches komplett aus den Augen und lässt seine Protagonisten völlig sinnbefreit auf ein ganz anderes Verbrechen los.

Keinerlei Weiterentwicklung im Vergleich zum Vorgänger

Enttäuschend ist auch die Tatsache, dass bei der Hauptfigur überhaupt keine Entwicklung gegenüber dem Vorgänger erkennbar ist. Während das private Schicksal Dana Whitestones in “Töte mich” noch auf faszinierende Weise mit der Serienkiller-Story verwoben war, so liefert Osborne in “Sieh dich um” kaum noch Einblicke in das Seelenleben seiner Protagonistin. Neben einer halbgaren und immer nur kurz angerissenen Liebesgeschichte und anstrengendem Kompetenzgerangel mit Danas Vorgesetzten hat die Geschichte in Bezug auf die Charakterzeichnung überhaupt nichts zu bieten. Das wirkt sehr uninspiriert und sorgt dafür, dass man als Leser trotz der vielen Leichen schnell die Lust an der Lektüre verliert.

Enttäuschender Nachfolger für “Töte mich”

Abschließend lässt sich leider konstatieren, dass sich die Wartezeit auf den zweiten Roman von Jon Osborne leider nicht gelohnt hat. Es scheint fast so, als wäre der zweite Dana Whitestone-Fall von einem ganz anderen Autor geschrieben worden, anders sind diese gravierenden Qualitätsunterschiede zwischen “Töte mich” und “Sieh dich um” eigentlich kaum zu erklären. Der zweite Band ist seinem Vorgänger in allen Belangen mehr als deutlich unterlegen, eine hohe Mordrate alleine macht eben noch keinen guten Thriller aus. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal zwei direkt aufeinanderfolgende Teile einer Romanreihe gelesen zu haben, die qualitativ so stark abweichen wie es bei den beiden Osborne-Büchern der Fall ist. Hier bleibt wirklich nur zu hoffen, dass der Autor mit einem möglichen dritten Band wieder in die Erfolgsspur zurückfindet und sich der furiose Auftakt nicht als Eintagsfliege entpuppt.

Fazit: 
Uninspirierter Serienkiller-Thriller, der neben viel Blut wenig zu bieten hat und sich zunehmend in überflüssigen Nebenhandlungen verrennt – im Vergleich zum Vorgänger eine herbe Enttäuschung (5/10).

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mount everest, bergsteigen, hörbuch, expedition, tragödie

In eisige Höhen

Jon Krakauer
Audio CD
Erschienen bei Steinbach sprechende Bücher, 01.08.2004
ISBN 9783886987122
Genre: Romane

Rezension:

Jon Krakauer war einer von 33 Bergsteigern, die im Frühjahr 1996 den Aufstieg auf den Mount Everest wagten. Rückblickend berichtet der Journalist über den dramatischen Verlauf der Expedition, die schließlich 12 Menschen das Leben kosten sollte.

Der amerikanische Journalist Jon Krakauer ist seit Kindertagen fasziniert von der Besteigung hoher Berggipfel, was nicht zuletzt auf die Freundschaft seines Vaters mit dem berühmten Bergsteiger Willi Unsoeld zurückzuführen ist, der in den 1960er Jahren der ersten amerikanischen Everest-Expedition angehörte. Im Erwachsenenalter geht Krakauer seiner Leidenschaft dann auch selbst aktiv nach und kombiniert seine abenteuerlichen Ausflüge mit seiner Tätigkeit als Autor, so schreibt er unter anderem für das Outdoor-Magazin “Outside”. Dieses beauftragt ihn 1996 mit einem Artikel, in dem sich Krakauer kritisch mit der zunehmenden Kommerzialisierung des Bergsteigens am höchsten Gipfel der Welt auseinandersetzen soll. Der Journalist beginnt mit den Recherchen und kommt schließlich zu dem Entschluss, selbst den Everest zu besteigen, um aus erster Hand über die Thematik berichten zu können.

Tatsachenbericht über das Drama am Mount Everest vom 10./11. Mai 1996

Nun ist Jon Krakauer zwar ein relativ geübter Kletterer, verfügt aber über keine größeren Erfahrungen im Extrem-Bergsteigen, wie es bei der Erklimmung eines 8000er-Gipfels eigentlich hilfreich wäre. Sein Auftraggeber finanziert ihm jedoch eine gut organisierte Expedition, die unter der Leitung des erfahrenen Bergführers Rob Hall zum Dach der Welt aufbrechen soll. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen kann: Kurz nach Erreichen des Gipfels wird die Gruppe von einem Wetterumschwung überrascht, der sehr schnell in einem heftigen Schneesturm endet. Beim folgenden hochdramatischen Abstieg kommen insgesamt 12 der 33 aufgebrochenen Kletterer ums Leben. Krakauer schreibt anschließend zwar den Artikel für das Outdoor-Magazin, doch um die Tragödie in seinem vollen Ausmaß schildern und verarbeiten zu können, hat der der Amerikaner seine Erlebnisse zudem im Buch “In eisige Höhen” verarbeitet.

Über das Extrembergsteigen und den höchsten Berg der Welt

Der Journalist beginnt seinen Tatsachenbericht direkt auf dem Gipfel des Mount Everest und nimmt den dramatischen Ausgang der Expedition gleich in den ersten Sätzen vorweg. Was nach einem fatalen Spannungkiller klingt, entpuppt sich jedoch schnell als kluger Schachzug, denn so hängt die Katastrophe im Folgenden wie ein Damoklesschwert über der Erzählung Krakauers und lässt mit dem Wissen über den dramatischen Ausgang so manche Schilderung ungleich folgenschwerer erscheinen. Jon Krakauer liefert anschließend eine detaillierte Aufbereitung der Ereignisse, beginnend mit dem Auftrag durch das “Outside”-Magazin und der Zusammenstellung der Expeditionsgruppe. Garniert wird das Ganze mit jeder Menge Hintergrundwissen über die Geschichte des Mount Everest, das der Autor immer wieder in kleinen Dosen an geeigneten Stellen einfließen lässt.

Die zunehmende Kommerzialisierung des Mount Everest

Die erste Hälfte konzentriert sich dabei weniger auf die Besteigung von 1996 selbst, sondern widmet sich zu großen Teilen dem Extrembergsteigen an sich. Krakauer setzt sich kritisch mit der immer stärker zunehmenden Kommerzialisierung der Everest-Expeditionen auseinander: Während in den Anfangsjahren noch ein gewisser Forscherdrang den Antrieb für die Bezwingung des 8848 Meter hohen Berges lieferte, ging es in der jüngeren Vergangenheit primär darum, möglichst viel Kapital aus dem Mythos “Mount Everest” zu schlagen. Der Berg entwickelte sich immer mehr zur Touristenattraktion für abenteuerlustige Wohlhabende, die mithilfe gut ausgebildeter Bergführer nahezu ohne Vorkenntnisse eine Besteigung des Berges in Angriff nehmen können – wie es strenggenommen auch Krakauer selbst getan hat, wenn auch “getarnt” als Recherchearbeit.

Spannend, informativ und selbstkritisch

Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass der Autor seine persönliche Rolle während der Expedition selbst sehr gut einschätzen kann und sich einer gewissen Teilschuld an der Katastrophe nicht entziehen will. Er geht mit sich selbst und seinen Mit-Kletterern durchaus hart ins Gericht und sucht nach Gründen, wie es zur Tragödie vom 10. und 11. Mai 1996 kommen konnte. Diese Nachbetrachtung ist trotz der subjektiven Erzählweise erstaunlich sachlich und sehr interessant, gleiches gilt für die Schilderung des eigentlichen Unglückes, die vorrangig den zweiten Teil des Buches einnimmt. Minutiös schilert Krakauer Auf- und Abstieg am Berg und liefert ein genaues Protokoll des Everest-Dramas. Hier kommt dem Autor seine journalistische Erfahrung merklich zugute, denn Krakauer schreibt spannend, informativ und sehr anschaulich, sodass sich der Leser fast selbst als Mitglied der Expedition fühlen kann.

Gelegentlich etwas zu langatmig und detailbesessen, dafür aber mit tollem Sprecher

Allerdings muss man auch konstatieren, dass sich gewisse Längen in der Erzählung nicht verleugnen lassen, zudem schweift Jon Krakauer gelegentlich ab und kommt wiederholt von Hölzchen aufs Stöckchen, was manchmal zu sehr vom eigentlichen Fokus der Geschichte ablenkt. Außerdem ist er an manchen Stellen vielleicht etwas zu detailverliebt, was für Kenner der Materie sicherlich interessant sein mag, den Kletter-unerfahrenen Durchschnittleser hin und wieder aber etwas überfordern dürfte. Dafür hat die Hörbuchversion des Sachbuches noch einen Trumpf in der Hand, denn diese wurde von Christian Brückner eingelesen, den man als deutsche Synchronstimme von Robert De Niro kennt. Dessen engagierte und mitreißende Lesung macht das Hören noch einmal ein ganzes Stück unterhaltsamer.

Fazit:
Packende Schilderung der dramatischen Everest-Tragödie, die neben einer fesselnder Erzählung jede Menge Hintergrundwissen bietet und dabei noch einen kritischen Blick auf die Entwicklung des Extrembergsteigens wirft.

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football, familie, psychiatrie, liebe, therapie

Silver Linings

Matthew Quick , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann ,
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 21.03.2013
ISBN 9783463400815
Genre: Romane

Rezension:

Nach seinem Zwangsaufenthalt in einer psychiatrischen Klinik setzt ein Mitt-Dreißiger alles daran, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und dadurch seine geliebte Frau zurückzugewinnen – auch wenn niemand außer ihm noch daran glaubt.

Patrick Peoples hat das Schlimmste überstanden: Monatelang musste er sich in der Psychiatrie mit pessimistischen Therapeuten und abstumpfenden Medikamenten herumschlagen, bis ihn seine Mutter endlich aus dem “bad place”, wie er selbst die Klinik nennt, befreit und ihn in das heimische Elternhaus zurückholt. Die schwere Zeit fernab von Familie und Freunden hat ihm viel Zeit zum Nachdenken gegeben und aus ihm einen anderen Menschen gemacht. Er hat gelernt, sein Temperament in den Griff zu bekommen und das Leben mit einer positiven Grundeinstellung anzugehen, denn Pat ist davon überzeugt, dass Gott ihm seine Träume erfüllt, wenn er nur fest daran glaubt und hart genug dafür arbeitet. Wieder zurück in Freiheit kann er es kaum erwarten, seinen Charakterwandel auch seiner Frau Nikki vorzuführen, die sich nach dem Vorfall, der zu Pats Klinikaufenthalt geführt hat, von ihm getrennt hat – nur eine Trennung auf Zeit, dessen ist der “neue” und optimistische Pat sich sicher.

Ein Mann auf der Suche nach seinem persönlichen Happy-End

Allerdings muss er schnell feststellen, dass er offenbar der einzige ist, der noch an ein Happy-End mit Nikki glaubt. Seine Mutter hat während seiner Abwesenheit sämtliche Fotos von ihr aus dem Haus entfernt (auch wenn sie ihrem leichtgläubigen Sohn vorgibt, diese seien einem Einbruch zum Opfer gefallen) und umgeht das heikle Thema auch sonst sehr konsequent, sein Vater spricht gleich überhaupt nicht mit ihm und vertieft sich lieber in seine Football-Obsession und sein bester Freund Ronnie und dessen Frau Veronica wollen den Rückkehrer lieber mit der verwitweten Tiffany verkuppeln, die seit dem Tod ihres Mannes ebenfalls eine schwere Zeit durchgemacht hat. Pat will davon aber nichts wissen und widmet sich besessen seinem stundenlangen Workout, täglichen Laufrunden und den Sitzungen mit seinem Therapeuten Cliff, der als einziger auf seiner Seite zu stehen scheint und ihn nicht von seinem Ziel abbringen will.

Von American Football und Silberstreifen am Horizont

“The Silver Linings Playbook” – schon lange nicht mehr hat ein Buchtitel so gut zu zu seinem Inhalt gepasst, denn der Name bringt die Handlung bestens auf dem Punkt. “Playbook” ist ein Begriff auf dem American Football und beschreibt das Taktikbuch, in dem der Coach seinem Team die gesammelten Spielzüge vorgibt. Das passt alleine schon deshalb, weil der amerikanische Lieblingssport einen nicht unerheblichen Teil der Geschichte einnimmt, schließlich ist nahezu Pats gesamtes Umfeld von dem Sport besessen und besteht überwiegend aus fanatischen Philadelphia Eagles-Fans, was nicht nur Pats Leben stark beeinflusst, sondern auch für einige sehr amüsante Szenen sorgt – etwa wenn Therapeut und Patient in der Sitzung euphorisch den Eagles-Schlachtruf anstimmen, während Pats Mutter verwirrt im Wartezimmer sitzt. Eine weitere wichtige Rolle spielen die immer wieder thematisierten “Silver Linings”, die Silberstreifen am Horizont, an die Pat mit jeder Faser seines Körpers glaubt und welche das Happy-End seines ganz persönlichen Films darstellen sollen – nämlich die Wiedervereinigung mit seiner geliebten Nikki.

Skurrile, liebenswerte Charaktere und Wohlfühl-Atmosphäre

Natürlich läuft in der Geschichte aber nicht wirklich viel wie von der Hauptfigur geplant, doch gerade das ist es, was das Buch so besonders macht. Matthew Quick hat eine Reihe ungewöhnlicher und faszinierender Charaktere erschaffen, die man trotz ihrer Macken schnell ins Herz schließt, ganz egal ob es sich dabei um Pats mürrischen Vater, die auf den ersten Blick etwas seltsame Tiffany oder den sympathischen Therapeuten Cliff handelt. Der Autor schildert das Geschehen dabei aus der Sicht seiner Hauptfigur und lässt seine Leserschaft somit unmittelbar an Pats emotionalen Höhen und Tiefen sowie dessen unverbesserlichem Glauben an seinen “Silver Lining” teilhaben, was oft fast schon schmerzhaft naiv wirkt. Das sorgt für viele nachdenkliche aber auch mindestens genauso viele amüsante Szenen, die beim Leser einfach für ein gutes Gefühl sorgen und an denen man gerne teilhaben möchte.

Romanvorlage und Filmversion im Vergleich

Wie die meisten wissen, wurde Matthew Quicks Romanvorlage kürzlich auch mit Bradley Cooper in der Rolle des Pat Peoples und Jennifer Lawrence als Tiffany verfilmt und konnte bei den Academy Awards 2013 neben zahlreichen weiteren Oscar-Nominierungen sogar eine Auszeichnung für die Beste Hauptdarstellerin einheimsen – meiner Meinung nach übrigens völlig zu Recht, denn Jennifer Lawrence Leistung war ohne jeden Zweifel eines der Highlights des abgelaufenen Kinojahres. Ich habe den Film vor der Lektüre des Buches gesehen und würde daher gerne noch ein paar Worte zum Vergleich zwischen Roman und Leinwandversion verlieren. In meiner persönlichen Gunst liegt dabei der Film klar vorne – und das obwohl mir das Buch wirklich sehr gut gefallen hat. Allerdings hat der Film meiner Meinung nach einige kleine Vorteile, nicht zuletzt die großartige Besetzung mit den oben angesprochenen Bradley Cooper und Jennifer Lawrence, aber auch einem grandiosen Robert De Niro als verschrobener und footballsüchtiger Vater. Diese setzen die Buchcharaktere nahezu perfekt um und sprühen nur so vor Spielfreude. Zudem hat der Drehbuchautor einige kleine Änderungen im Vergleich zum Buch vorgenommen, die der Geschichte in meinen Augen aber ausnahmslos gutgetan haben. So habe ich die Grundstimmung des Films als deutlich positiver und warmherziger empfunden, was auch an vielen großartigen Szenen liegt, die im Roman in dieser Form gar nicht vorhanden sind – hier sei nur auf die viel bessere Integration des Tanzwettbewerbs hingewiesen, welcher im Buch leider nicht viel mehr als eine Randnotiz ist. Zudem wird im Film mehr Beachtung auf die Beziehung zwischen Pat und Tiffany gelegt, was mir ebenfalls besser gefallen hat. “The Silver Linings Playbook” ist für mich also einer der wenigen Fälle, in denen die Filmumsetzung das Buch sogar noch übertrumpfen kann, selbst wenn die Abweichungen manchen Fan der literarischen Vorlage vielleicht zunächst ein wenig verärgern.

Fazit:
Tolles und mitreißendes Buch mit einer positiven Kernaussage, das den Leser mit einem seligen Wohlgefühl zurücklässt. Sowohl in der Buch- als auch in der Filmversion absolut empfehlenswert!

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37 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

magie, zirkus, liebe, spiel, zauber

Der Nachtzirkus

Erin Morgenstern , Brigitte Jakobeit , Matthias Brandt
Audio CD
Erschienen bei HörbucHHamburg, 16.03.2012
ISBN 9783899033557
Genre: Romane

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

beziehung, liebeswahn, verlieben, contemporary, liebesbeziehungen

The Silver Linings Playbook

Matthew Quick
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Farrar Straus & Giroux, 18.09.2012
ISBN 9780374533571
Genre: Sonstiges

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27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

satire, bestatter, tabubruch, makaber, schwarzer humor

Blasses Blut

Boris Maggioni
E-Buch Text: 202 Seiten
Erschienen bei null, 24.02.2012
ISBN B007D8HM76
Genre: Romane

Rezension:

Dass das Leben eines Bestatters durchaus interessant sein kann, hat nicht zuletzt die populäre amerikanische Fernsehserie “Six Feet Under” unter Beweis bestellt. Auch die Hauptfigur der Thrillerkomödie “Blasses Blut” von Boris Maggioni verdient sein Geld mit dem Tod anderer Menschen – und einem makabren, aber äußerst lukrativen Nebengeschäft.

Paul Neumann ist Bestatter und hat sich in jahrelanger Arbeit sein eigenes Beerdigungsinstitut aufgebaut. Eigentlich ein zukunftssicherer Job, denn gestorben wird schließlich immer, doch auch das Bestattungsgeschäft bleibt von der Wirtschaftskrise nicht verschont. Wollten Hinterbliebene für ihre verstorbenen Familienangehörigen vor ein paar Jahren noch den edelsten Sarg und die schönste Trauerfeier, so sitzt das Geld heute bei Pauls Kunden nicht mehr so locker. Zudem gibt es im Internet massenhaft preiswerte All-Inclusive-Angebote, sodass Neumann seit geraumer Zeit angestrengt nach alternativen Einkommensquellen sucht.

Ein skrupelloser Bestatter mit fragwürdigen Nebengeschäften

Eher zufällig läuft ihm dann eines Tages ein verschrobener Kunde über den Weg, der gerade seine nicht einmal halb so alte Geliebte verloren hat und sie vor der Beerdigung unbedingt noch einmal sehen möchte – und noch ein wenig mehr. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Der Mann will noch ein letztes Mal mit ihr Sex haben – dass die tote (!) Frau eiskalt und die Totenstarre voll ausgeprägt ist, scheint ihn dabei nicht zu stören. Da der Kunde für seinen ungewöhnlichen Wunsch eine Menge Geld auf den Tisch legt, erkennt der clevere (und skrupellose) Bestatter schnell das Potenzial dieser Geschäftsidee. Er gründet Deutschlands erstes Toten-Bordell, die Gestörten rennen ihm die Bude ein und Paul ist seine finanziellen Sorgen auf einen Schlag los. Dummerweise muss er mit seinem illegalen und geschmacklosen Nebengeschäft im Verborgenen agieren und die nächtlichen Aktivitäten in seinem Beerdigungsinstitut geheim halten – was sich vor allem gegenüber seiner nervigen Lebensgefährtin Tanja und deren attraktiver Freundin Wiebke als ziemlich schwierig herausstellt.

Provokant und geschmacklos

Eines muss man dem Autor lassen: Boris Maggioni kennt offenbar keine Hemmungen und liefert mit seinem Roman “Blasses Blut” eine 200 Seiten lange Provokation der heftigsten Sorte. Nekrophilie wird als salonfähig dargestellt, Rücksicht auf moralische Grenzen oder die Gefühle Hinterbliebener spielen in der absurden Geschichte nahezu keine Rolle. Wen sollte es auch stören? Die Toten sind schließlich tot und die Angehörigen bekommen von der unfreiwilligen Prostitution ihrer geliebten Verstorbenen eh nichts mit – so ist zumindest die Denkweise der Hauptfigur. Der Roman ist dabei klar als Satire ausgelegt, doch ob man so eine geschmacklose Thematik lustig findet oder sich entsetzt abwendet, muss jeder für sich selbst entscheiden (dazu nur so viel: hätte ich vorher den Klappentext des ehemaligen Gratis-eBooks etwas aufmerksamer gelesen, hätte ich mir die Lektüre vermutlich geschenkt…).

Weder lustig noch spannend

Der Tabubruch an sich ist auch nicht das große Problem des Buches, viel schlimmer ist die wirklich haarsträubende Geschichte, die unglaubwürdiger kaum sein könnte. Maggioni vermischt von Anfang an das Nebengeschäft seiner Hauptfigur mit deren Privatleben und stößt Neumann so in ein kompliziertes Beziehungschaos. Hier ist dem Autor keine Idee zu dämlich und so gibt es einen wilden Mix aus Dreiecksbeziehung, Mordkomplott, schmerzhaften Selbstversuchen und vielen weiteren Hirnrissigkeiten. Der Humor Maggionis ist dabei komplett an mir vorbeigegangen und hat bei mir nicht mal zu einem müden Lächeln gereicht, doch auch das kann man mit viel gutem Willen noch als Geschmackssache durchgehen lassen. Der Thrilleranteil des Buches versagt aber unabhängig von persönlichen Präferenzen des Lesers, denn jeder Ansatz von Spannung wird durch eine Reihe völlig unsinniger Wendungen immer wieder im Keim erstickt. Da steckt der Protagonist zum Beispiel wiederholt in einer scheinbar ausweglosen Situation und dem Autor fällt nichts besseres ein, als sich die Geschehnisse im Nachhinein mehrfach so zu drehen, dass alles in einem ganz anderen Licht erscheint. Dass die Logik dabei komplett auf der Strecke bleibt, scheint bei der Entstehung des Buches niemanden gestört zu haben…

Auch sprachlich ist “Blasses Blut” alles andere als ein literarischer Leckerbissen. Satzgebilde der simpelsten Sorte reihen sich lieblos aneinander, zudem hat sich der Autor für seine Leser noch ein ganz besonderes “Bonbon” ausgedacht: Maggioni ist offenbar ein ausgesprochener Anapher-Fetischist und “beeindruckt” ständig mit Passagen, bei denen vier, fünf oder sechs Sätze hintereinander mit den gleichen Wörtern anfangen. Das kann man als originellen Erzählstil auslegen, ich fand es jedoch einfach nur nervig. Genauso wie die unübersichtliche Darstellung von Dialogen: An- und Abführungen mag der Autor offenbar nicht sonderlich und verzichtet durchgehend auf deren Verwendung, sodass man bei Gesprächen mit mehreren Beteiligten kaum die einzelnen Personen unterscheiden kann. Gleiches gilt übrigens auch für Gedanken der Hauptfigur, die in dem Roman als Ich-Erzähler auftritt. Man kann es dem Leser auch unnötig schwer machen…

Fazit:
Haarsträubende Bestatterstory, die mit viel Sex und makrabrer Thematik punkten will, dabei aber dank unglaubwürdiger und selten dämlicher Wendungen auf ganzer Linie versagt. Sprachlich passt sich das Buch leider dem Inhalt an, sodass außer der versuchten Provokation nicht viel hängen bleibt (2/10).

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rache, stefanie maucher, dotbooks, ebook, mutter

Kalte Berechnung

Stefanie Maucher
E-Buch Text: 46 Seiten
Erschienen bei dotbooks Verlag, 04.07.2012
ISBN B009AEQ07E
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine junge Frau macht sich auf dem Weg zu einem Rockkonzert. Sie ist aufgeregt, denn sie wird dort zum ersten Mal ihrer Internetbekanntschaft begegnen, mit der sie seit Monaten in regem Kontakt steht. Es fing alles ganz harmlos an, mit einer Freundschaftsanfrage bei Facebook. Ohne groß darüber nachzudenken, ging das Mädchen auf die Kontaktversuche des Mannes ein und aus dem belanglosen Small Talk zu Beginn wurde schnell deutlich mehr. Über den verschüchterten Austausch von Komplimenten sind die beiden mittlerweile längst hinweg, und auch die Videochats mit Stripeinlagen reichen dem Fremden längst nicht mehr. Deshalb soll es bei dem Konzert nicht nur die erste Begegnung im realen Leben geben, sondern es soll auch gleich zum äußersten kommen…

Wie schützt man seine Kinder vor Missbrauch?

Als Leser begleitet man die Ich-Erzählerin auf der Fahrt zum Veranstaltungsort sowie im weiteren Verlauf des Abends und erfährt aus erster Reihe von ihren Gedanken und Gefühlen. Natürlich ist sie vor allem aufgeregt, doch sie sehnt sich auch nach der Begegnung mit dem Fremden und ihrem ersten Mal. Dabei berichtet sie rückblickend auch über die Entwicklung ihrer Beziehung. Ihre Schilderungen sorgen dafür, dass einen als Leser praktisch umgehend ein ungutes Gefühl überkommt, denn alles deutet darauf hin, dass hier ein naives und unerfahrenes Mädchen blind in ihr Verderben läuft. Man bekommt mit, wie sie sich für ihr Date aufgebrezelt und dabei alle Wünsche und Forderungen des Mannes fast willenlos befolgt hat, bis hin zu einer radikalen Änderung ihres Aussehens. Dabei fühlt man sich fast ein wenig hilflos, denn wer hat nicht schon von Geschichten gehört, in denen derartige Treffen ein böses Ende genommen haben? Man möchte die Protagonistin am liebsten packen, wachrütteln und ihr sagen, in welche Gefahr sie sich durch ihr unbekümmertes Verhalten bringen kann.

Doch gerade in dem Moment, in dem man vor Verzweiflung kaum noch stillsitzen kann, verleiht die Autorin Stefanie Maucher ihrer Kurzgeschichte eine unerwartete Wendung. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, da dies dem Buch sonst einen großen Überraschungsmoment nehmen würde – nur so viel sei gesagt: Hinter der Protagonistin verbirgt sich mehr, als es in den ersten Momenten den Anschein hat…

Dramatische Kurzgeschichte über ein heikles Thema

Maucher greift mit ihrem Buch ein brisantes Thema auf, das gerade in der heutigen Zeit eine immer größere Rolle spielt. An jeder Ecke wird man darauf hingewiesen, welche Probleme ein zu sorgloser Umgang mit privaten Daten im Netz mit sich bringen kann und dass gerade junge Menschen davon betroffen sind. “Kalte Berechnung” zeigt auf, welche Folgen ein solches Verhalten haben kann und welche Gefahren im Internet lauern, wenngleich die Story schon einen sehr extremen Fall darstellt. Die nur sieben kurze Kapitel umfassende Geschichte ist packend geschrieben und nimmt den Leser von der ersten Seite an gefangen, dabei sorgt vor allem der unausweichliche und über allem schwebende Showdown für große Spannung.

Beeindruckende und stimmungsvolle Kulisse in der “Stadt aus Eisen”

Ein großes Plus der Kurzgeschichte ist auch das ungewöhnliche Setting. “Kalte Berechnung” spielt nämlich in Ferropolis, der Stadt aus Eisen, einem Veranstaltungsort auf einer Halbinsel in Sachsen-Anhalt. Auf dem ehemaligen Industriegelände stehen heute immer noch fünf ausgediente und riesige Bagger, die aufgrund ihrer Größe wirken, als wären sie die ausgedienten Requisiten eines “Transformers”-Films. Vor dieser ungewöhnlichen Kulisse finden immer wieder Konzerte und Festivals statt, so wie es eben auch in der Geschichte der Fall ist. Der Schauplatz wird von Stefanie Maucher sehr bildlich beschrieben und verleiht dem Buch eine stimmige und ungewöhnliche Atmosphäre.

Schlussfazit:
“Kalte Berechnung” ist eine ab dem ersten Absatz mitreißende und dramatische Kurzgeschichte mit einer interessanten und kompromisslosen Hauptfigur, die im Laufe der 56 eBook-Seiten für so manche Überraschung sorgt. Die Story ist wendungsreich und schnörkellos geschrieben und bietet dadurch ein hohes Spannungsniveau, welches in einem nervenaufreibenden Finale gipfelt.

*Kompromisslose, überraschende und spannende Kurzgeschichte *

Allerdings ist mir persönlich die Geschichte am Schluss nicht konsequent genug und nimmt dem vorangegangen Teil ein wenig die Schärfe. Auch der bereits angesprochene Perspektivwechsel ist für mich nicht immer ganz glaubwürdig, denn (ACHTUNG SPOILER) welche Mutter sieht (selbst im Dämmerlicht und mit kosmetischer Unterstützung) schon aus wie ihre minderjährige Tochter? (SPOILER ENDE). Nichtsdestotrotz ist Stefanie Maucher eine sehr gute Kurzgeschichte um das heikle Thema Kindesmissbrauch gelungen, die darüber hinaus förmlich nach einem zweiten Lese-Durchgang schreit, da die ersten zwei Kapitel dann plötzlich ganz anders wahrgenommen werden als beim ersten Lesen.

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Tags: deutschland, dotbooks, ebook, ferropolis, ferropolis, internet, kindesmissbrauch, konzert, rache, sachsen-anhalt, sex, stefanie maucher, vergewaltigung   (13)
 

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135 Bibliotheken, 4 Leser, 5 Gruppen, 16 Rezensionen

thriller, gewalt, killer, horror, angst

Angst

Jack Kilborn , Wally Anker
Flexibler Einband: 396 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.12.2010
ISBN 9783453527973
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zum Roman:
Das kleine amerikanische Städtchen Safe Haven im US-Bundesstaat Wisconsin befindet sich überwiegend im Tiefschlaf, als der Rentner Sal Morton beim nächtlichen Angeln einen Helikopter beobachtet, der nur Sekunden später explodiert. Da die Absturzstelle unweit seines Hauses liegt, macht sich Sal sofort auf den Heimweg, um bei seiner Frau nach dem Rechten zu sehen. Doch kaum ist er in Hörweite des einsam gelegenen Häuschens, hört er bereits die grauenvolle Schreie seiner geliebten Maggie. Als er das Gebäude betritt, findet er dort ein Bild des Schreckens vor. Sals Frau liegt ausgeweidet aber noch lebend in ihrem gemeinsamen Bett und Maggies Peiniger wartet dort schon auf ihn…
Sheriff Arnold Streng wird wenig später von Feuerwehrmann Josh VanCamp angerufen und über den Absturz in Kenntnis gesetzt. Unvermittelt macht er sich auf den Weg nach Safe Haven und landet mitten in einem Albtraum. Die beiden Hubschrauberpiloten wurden enthauptet im Wrack aufgefunden und eine kleine Gruppe von Männern macht nun offenbar Jagd auf die Dorfbewohner. Diese entpuppen sich als eiskalte Tötungsmaschinen, die allem Anschein nach von der US-Regierung selbst ausgesendet wurde. Die sogenannten Red-Ops, eine streng geheime Militäreinheit bestehend aus verurteilten Mördern, werden normalerweise im Krieg eingesetzt um im Gebiet des Feindes unschuldige Einheimische zu ermorden und damit die Moral des Gegners zu schwächen. Doch handelt es sich bei diesem Absturz wirklich um einen Zufall oder wurden die Killer bewusst auf Safe Haven losgelassen? Das würde zumindest erklären, warum die Red-Ops wie besessen den Bruder von Sheriff Streng suchen…
„Safe Haven“ – alleine der Name des Schauplatzes von Jack Kilborns Horror-Thriller „Angst“ ist schon reine Ironie, denn mit Sicherheit hat das kleine Städtchen nach dem Hubschrauberabsturz überhaupt nichts mehr zu tun. Das macht der Autor bereits auf den ersten Seiten deutlich, als das Rentner-Ehepaar Morton auf bestialische Weise ermordet wird. Diese bleiben jedoch bei weitem nicht die einzigen Opfer der Mörder, fast im Minutentakt müssen zu Beginn der Handlung die Dorfbewohner ihr Leben lassen. Über die wahre Identität der Mörder lässt Kilborn die Leser zunächst noch im Ungewissen, sodass man sich wie Sheriff Streng & Co. erschüttert fragt, welches Unheil hier über Safe Haven hereinbricht.
Doch nicht alle Einheimischen ergeben sich wehrlos ihrem Schicksal. Neben Sheriff Streng und Feuerwehrmann Josh leistet auch die Kellnerin Fran heftigen Widerstand, zumal die Red-Ops den Sohn der alleinerziehenden Mutter in ihre Gewalt gebracht haben. Fortan entwickelt sich ein rassiges Katz-und-Maus-Spiel durch die dunklen Wälder Wisconsins, welches sich neben einem sehr hohen Erzähltempo vor allem durch die extreme Gewalt auszeichnet. Schließlich zählen die entlaufenen Killer zu den schlimmsten Massenmördern der USA, und diesem Ruf werden diese auch mehr als gerecht. Menschenfresser, Psychopathen, Vergewaltiger, Serienkiller – bei den Red-Ops ist jede Form menschlichen Abschaums vertreten. So wird dann auch munter gemetzelt, gefoltert und verstümmelt – wer schon mal ein Buch von Jack Ketchum oder Richard Laymon gelesen hat wird sich hier schnell „heimisch“ fühlen.
Auf eine logische Geschichte legt Kilborn nicht wirklich viel Wert. Eine Gruppe Psychopathen im Einsatz der US-Regierung, noch dazu genetisch manipuliert und mit einem Computerchip im Kopf ausgestattet, auf dem die Mission der Einheit vorprogrammiert wurde – wer einen realistischen Thriller erwartet ist hier definitiv falsch. Zudem sind die Red-Ops natürlich unverwundbar und überstehen selbst Kopfschüsse wie durch ein Wunder unverletzt, weil sie ja selbstverständlich mit der neuesten Technologie ausgestattet wurden wie z.B. einer ultraleichten und flexiblen aber gleichzeitig extrem robusten Schutzhülle. Fraglich ist überdies, warum auf der einen Seite die US-Army dem Killerkommando völlig hilflos gegenübersteht, gleichzeitig aber ein Beinahe-Rentner, ein Feuerwehrmann, eine Hausfrau und ein Zehnjähriger mehrfach die Auseinandersetzung mit den Red-Ops für sich entscheiden. Ebenso absurd ist auch, wie das gesamte Dorf mitten in der Nacht (!!!) zusammengetrommelt wird, weil es angeblich bei einer Städtelotterie gewonnen hat und sich nun jeder Einwohner in der örtlichen Schule seinen Gewinn abholen darf. Das stellt offenbar überhaupt niemand in Frage, sodass sich fast alle knapp tausend Bewohner an diesem Ort versammeln, nur um dort einer nach dem anderen auf der Suche nach dem Bruder des Sheriffs verhört und anschließend „entsorgt“ zu werden.
Überraschenderweise hat mich diese überwiegend hanebüchene Story jedoch so gut wie gar nicht gestört, denn Jack Kilborns „Angst“ ist vor allem eines: verflucht spannend. Allen Ungereimtheiten zum Trotz funktioniert der Spannungsaufbau hervorragend und sorgt wie der Buchtitel schon verspricht für blankes Entsetzen. Die Geschichte ist temporeich, mit überraschenden Wendungen und über allem schwebt immer die Frage, was der zurückgezogen lebende Bruder von Sheriff Streng mit dem Massaker zu tun hat. Dies wird dann auch in einem furiosen Finale standesgemäß beantwortet. Gerade auf den letzten Seiten überschlagen sich förmlich die Ereignisse, sodass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Mein Fazit:
Eine Warnung gleich vorweg: Jack Kilborns „Angst“ ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven oder zartbesaitete Gemüter. Hier geht es wirklich von Beginn an kompromisslos und brutal zur Sache und die Anzahl der Toten nimmt am Ende des Romans unfassbare Ausmaße an. Die Story ist zudem sowas von hirnrissig und fast schon bescheuert, dass Logikfetischisten vermutlich das Buch am liebsten zerreißen würden. Trotzdem hat „Angst“ auf gewisse Weise den Charme eines B-Movies. Wer die Handlung nicht allzu ernst nimmt und sich mit computerprogrammierten Killern abfinden kann, kommt hier spannungstechnisch voll auf seine Kosten. So schwachsinnig die Geschichte auch sein mag, so ist sie doch fesselnd, abwechslungsreich und mitreißend. Die Widerständler unter den Dorfbewohnern funktionieren auch ausreichend als Identifikationsfiguren, sodass man gut mit ihnen mitfiebern kann. Wer den Werken von Richard Laymon und Jack Ketchum etwas abgewinnen kann, dürfte auch hier voll auf seine Kosten kommen, denn „Angst“ ist wirklich ein packender Horror-Thriller.
Meine Wertung: 8/10

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Tags: absturz, angst, dorf, gewalt, jack kilborn, killer, massenmörder, militär, red-ops, safe haven, sheriff, wälder, wisconsin   (13)
 

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thriller, mord, sqweegel, csi, level 26

Level 26

Anthony E. Zuiker , Duane Swierczynski , Axel Merz
Flexibler Einband: 428 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 25.11.2009
ISBN 9783785760277
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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1.027 Bibliotheken, 19 Leser, 10 Gruppen, 95 Rezensionen

dänemark, thriller, mord, gewalt, rache

Schändung

Jussi Adler-Olsen , Hannes Thiess
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.09.2010
ISBN 9783423247870
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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mord, berlin, rache, justiz, gericht

Der Fall Collini

Ferdinand von Schirach
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.09.2011
ISBN 9783492054751
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zum Roman:
Ein älterer Mann klopft an die Zimmertür eines 85-jährigen Großindustriellen im Berliner Hotel Adlon und gibt sich als Journalist aus, der mit dem Bewohner der luxuriösen Suite ein Interview für den „Corriere della Sera“ führen möchte. Hans Meyer ist über den Termin informiert und bittet seinen Gast herein. Zwanzig Minuten später ist Meyer tot, getötet durch vier Schüsse in den Hinterkopf. Sein Mörder tritt anschließend solange auf das Gesicht des Toten ein, bis der Absatz seines Schuhs abbricht. Anschließend stellt sich der Täter, der Italiener Fabrizio Collini, widerstandslos der Polizei und gesteht das grausame Verbrechen.
Der junge Rechtsanwalt Caspar Leinen übernimmt die Verteidigung Collinis und macht sich mit dem Fall vertraut. Als er seinen Klienten jedoch nach dem Motiv für den Mord fragt, schweigt dieser vehement. So scheint Leinens Auftrag ein aussichtsloses Unterfangen, denn an der Schuld des Italieners gibt es nicht den geringsten Zweifel. Doch was treibt einen Rentner, der in seinem Leben über 30 Jahre lang als Werkzeugmacher bei Daimler gearbeitet, zu solch einer kaltblütigen Tat?
Für Leinen ist der Fall Collini der erste große Fall nach seinem Abschluss und dieser bekommt für ihn zudem eine ganz persönliche Note. Hans Meyer stellt sich nämlich schnell als Großvater von Caspars Jugendfreund heraus, der vor vielen Jahren tragisch ums Leben gekommen ist. Leinen hat den Mann als sehr gutmütigen und sympathischen Menschen in Erinnerung, der in seinen Kindertagen viel Zeit mit ihm verbracht hat und für ihn fast eine Art Vaterersatz war. So fällt es dem Greenhorn zunächst schwer dessen Mörder zu verteidigen, er entschließt sich aber aus professioneller Überzeugung trotzdem dazu, das Mandat zu behalten. Nun beginnt für Caspar eine mühsame Spurensuche nach der alles entscheidenden Frage, nämlich der nach dem Motiv für Collinis Wahnsinnstat…
„Der Fall Collini“ ist der erste Roman des bekannten deutschen Strafverteidigers Ferdinand von Schirach, der zuvor schon die beiden Kurzgeschichten-Sammlungen „Verbrechen“ und „Schuld“ veröffentlicht hatte. Somit schreibt hier ein Mann vom Fach, was man dem Buch über die gesamte Länge auch anmerkt. Schirachs Schreibstil ist sehr sachlich und präzise, beinahe schon emotionslos. Jeder Satz sitzt punktgenau und der Autor benutzt kein Wort zuviel. Er verzichtet auf unnötige Gefühlsduselei und legt den Fokus viel mehr auf Fakten. Folglich legt der Roman auch ein recht hohes Tempo vor, was aufgrund des verhältnismäßig geringen Umfangs mit nur knapp 200 Seiten durchaus begrüßenswert ist.
Auch über seine Protagonisten verliert Schirach nur wenige Sätze, der Hintergrund der handelnden Figuren und damit alles Wissenswerte wird zu Beginn kurz abgehandelt. Zudem bleibt der Personenkreis der Handlung auch recht übersichtlich. Neben der Hauptfigur des jungen Anwalts spielen eigentlich nur sein „Gegenspieler“ Dr. Richard Mattinger, der Vertreter der Nebenkläger – die Firma des Opfers – und der Täter, Fabrizio Collini eine bedeutende Rolle. Mattinger wird dabei als Staranwalt dargestellt, der noch nie einen Mordprozess verloren hat. Trotz der beruflichen Rivalität fungiert dieser jedoch als eine Art Mentor für den Berufsanfänger Caspar Leinen und steht diesem oft mit Ratschlägen zur Seite. Über den Mörder Collini weiß man bis kurz vor Schluss nicht viel, lediglich seine berufliche Laufbahn ist dem Leser bekannt. In einer Nebenrolle taucht zudem noch Johanna Meyer auf, die Enkelin des Ermordeten und Jugendliebe Leinens.
Über die Hintergründe der Tat lässt Schirach seine Leser lange im Ungewissen, schlägt dann aber umso eindringlicher zu. Diese sind nämlich dermaßen schockierend und unfassbar, dass es einem schlicht den Atem raubt. Ich möchte an dieser Stelle nicht zuviel verraten, da die Frage nach dem Motiv der zentrale Punkt dieses Romans ist. Daher sei nur gesagt, dass Schirach ein sehr dunkles Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte und einen aus heutiger Sicht unglaublichen Justiz-Skandal aufgreift. So wird man als Leser am Ende sprachlos und ungläubig zurückgelassen und hängt dem Buch vermutlich noch eine Weile gedanklich nach.
Mein Fazit:
Aufgrund der vielen guten Kritiken hatte ich sehr hohe Erwartungen an Ferdinand von Schirachs Romandebüt und wurde nicht enttäuscht. Bereits nach den ersten Seiten ist man in die Geschichte eingetaucht und wird so schnell auch nicht wieder losgelassen. Ich habe das Buch innerhalb von drei Stunden durchgelesen und konnte den Roman zum Ende hin einfach nicht mehr aus der Hand legen. „Der Fall Collini“ ist gut recherchiert, glaubwürdig, faszinierend, fesselnd, dramatisch und schockierend und überzeugt von Anfang bis zum sehr konsequenten Ende. Einziger Kritikpunkt ist der aus meiner Sicht nicht ganz nachvollziehbare Moment, der die Geschichte plötzlich wendet und den jungen Anwalt auf die Spur der Hintergründe der grausamen Tat führt. Hier hätte man für Unwissende etwas mehr Hilfestellung geben können, da es wirklich nur ein winziges Detail ist, das zur Aufdeckung des Tatmotivs verhilft. Ansonsten ist „Der Fall Collini“ aber uneingeschränkt empfehlenswert. Man sollte sich hier auch vom recht hohen Preis (fast 17 Euro für nur 208 Seiten) nicht abschrecken lassen, denn Ferdinand von Schirachs Buch ist zwar kurz, aber dafür umso intensiver.
Meine Wertung: 9/10

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Tags: fabrizio collini, ferdinand von schirach, gericht, justiz, mord, nationalsozialismus, prozess, rechtsanwalt   (8)
 

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krimi, mord, henning bröhmann, vogelsberg, bröhmann

Toter geht's nicht

Dietrich Faber
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Polaris Verlag, 01.11.2011
ISBN 9783862520244
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zum Roman:
„Natürlich wäre es viel cooler, wenn ich nicht ich wäre.“ Mit diesem Satz beginnt Dietrich Fabers Debütroman „Toter geht’s nicht“ – und dieser Satz trifft die Situation seiner Hauptfigur Henning Bröhmann auf den Kopf. Bröhmann ist Kriminalhauptkommissar im hessischen Vogelsberg. Die Kriminalitätsrate in der wenig besiedelten Region tendiert gegen Null und so bastelt der Polizist vielmehr an Broschüren zum Thema Verkehrssicherheit als gefährliche Verbrecher zu jagen. Nach Hennings eigener Auffassung ist das jedoch gar nicht so schlimm, denn eigentlich ist er mit seinen Fähigkeiten für die Stelle des Kriminalhauptkommissars eher ungeeignet. Diese Position sollte viel lieber sein engagierter und kompetenter Kollege Markus Meirich innehaben, doch da der Polizeipräsident ein guter Freund von Hennings Vater – einem Kommissar im Ruhestand – ist, hat nun einmal Bröhmann das große Los gezogen.
Familiär könnte die Lage ebenfalls rosiger aussehen. Henning ist verheiratet mit seiner Jugendliebe Franziska, einer mittlerweile frustrierten und desillusionierten Lehrerin, mit der er zwei Kinder hat: einen fünfjährigen Sohn namens Laurin und eine 14-jährige Tochter. Melina steckt mitten in der Pubertät, macht ihren Eltern das Leben zur Hölle und geht zum örtlichen Faschingsumzug als Nutte. Und dann wäre da noch der furzende Familienhund Berlusconi, der jeder Hündin hinterhersteigt.
Völlig unverhofft fällt Henning Bröhmann dann auch noch der Himmel auf den Kopf. Seine Frau eröffnet ihm plötzlich, dass sie eine Auszeit braucht und erstmal eine Weile für sich sein muss – der klassische Fall von Burnout. Da kann auch Hennings Einwand „das ist ja jetzt so ‘ne Art Mode“ nichts mehr retten – Franziska flüchtet zur Erholung nach Borkum und lässt den Kommissar mit Kindern und Hund zurück. Als würde diese neue Situation Bröhmann noch nicht genug überfordern, passiert ausgerechnet jetzt auch noch ein Mord. Auf einem Karnevalsumzug, einem der wenigen gesellschaftlichen Highlights der Region, wurde der Tod persönlich erschlagen – naja, zumindest ein Mann im Sensenmannkostüm. Toter geht’s also sozusagen nicht. Henning hofft, dass sein Kollege Meirich den schweren Fall schon richtig handhaben wird, und ist dann umso geschockter, als dieser sich plötzlich auf unbestimmte Zeit krankmeldet…
Mir hatte ja bereits die Leseprobe, welche ich bei vorablesen.de und hier im Blog schon kommentiert hatte, wirklich außergewöhnlich gut gefallen. Schon die ersten Seiten begeisterten durch tollen Humor und eine interessante Hauptfigur. Umso erfreuter war ich dann, als ich tatsächlich ein Vorabexemplar zum Rezensieren gewonnen hatte. Überraschenderweise gelingt es dem Autor Dietrich Faber, das hohe Einstiegsniveau fast über die gesamte Distanz zu halten, so viel sei bereits vorab verraten.
Dazu trägt vor allem die Hauptfigur des Henning Bröhmann bei. Dieser ist in allen Belangen sowas von durchschnittlich, dass er sich hervorragend als Identifikationsfigur eignet. Mäßig erfolgreich in seinem Job, gesegnet mit den typischen Familienproblemen und ausgestattet mit einem wunderbar zynischen und sarkastischem Humor. So ist es herrlich zu erleben, wie dieser sich als nun alleinerziehender Vater mit seiner Rest-Familie herumschlagen muss. Ob Diskussionen mit Kindergarten-Diktator Wolle über die Essensplanung in der „reformpädagogischen elternselbstorganisiertundverwalteten Kindertagesstätte Schlumpfloch e.V.“ oder Aufgabenverteilung an die „käufliche“ Tochter Franziska mittels Belohnungskatalog – Henning Bröhmann versucht mit allen Mitteln, Ordnung in das häusliche Chaos zu bekommen.
Obendrein hat er natürlich noch den Mordfall am Hals. Wer hier jedoch jetzt einen anspruchsvollen Krimi mit zahlreichen Verdächtigen, Motiven und falschen Spuren erwartet, wird vermutlich von „Toter geht’s nicht“ etwas enttäuscht werden. Wenn man mal ehrlich ist, ist der Kriminalfall eigentlich nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk und dient allenfalls als Rahmen für die überschaubare Handlung. Die Anzahl der als Mörder infrage kommenden Personen kann man an drei Fingern abzählen und herausragende Ermittlungsarbeit ist für die Lösung des Falls auch nicht erforderlich. Trotzdem weiß die Story zu gefallen und wird mit fortschreitender Handlung immer besser. Zum Finale hin ist der Fall sogar richtig spannend und endet mit einer gelungenen Auflösung, die bei aufmerksamen Lesen aber nicht ganz so überraschend ist wie es der Klappentext darstellen will.
Mein Fazit:
Trotz der Schwächen in der Story hat Dietrich Fabers „Toter geht’s nicht“ meine Erwartungen absolut erfüllt. Der Roman ist über die gesamte Distanz lustig und unterhaltsam, der Humor schwankt angenehm zwischem platten Flachwitzen und hintergründigen Schmunzlern und bietet somit eine gesunde Mischung. Die Charaktere können allesamt überzeugen, ob es die Mitglieder der Familie Bröhmann sind oder Hennings Kollegen bei der Polizei – jede Figur hat ein interessantes Profil und weiß zu gefallen, sei es die ambitionierte und direkte Miriam Meisler oder der etwas „arschige“ Schleimer Teichner. Der Kriminalfall ist nett, zwar nichts für anspruchsvolle Krimifans, bietet aber dafür einen überzeugenden Schluss. Somit bleibt an Dietrich Fabers Debüt eigentlich nicht viel auszusetzen. Ich habe mich jederzeit gut unterhalten gefühlt und freue mich schon auf den nächsten Roman mit Hauptkommissar Henning Bröhmann (welcher bereits angekündigt ist). Wer auf amüsante Provinzkrimis wie zum Beispiel die Rita Falk-Bücher steht, macht mit einem Kauf nicht viel falsch.
Meine Wertung: 8/10

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Tags: dietrich faber, henning bröhmann, hessen, humor, kommissar, mord, provinz, sensenmann, vater, vogelsberg   (10)
 

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

thriller, new york, lincoln child, special agent, zombies

Cult - Spiel der Toten

Douglas Preston , Lincoln Child , Detlef Bierstedt
Audio CD
Erschienen bei Lübbe
ISBN 9783785742532
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zum Hörbuch:
„Cult – Spiel der Toten“ ist mittlerweile der neunte Teil der erfolgreichen „Agent Pendergast“-Reihe des Autoren-Duos Douglas Preston und Lincoln Child. Im Mittelpunkt der Serie steht FBI Special Agent Aloysius Pendergast, ein etwas sonderbarer, aber stets eleganter und eloquenter Ermittler, der immer genau dann auftaucht, wenn mysteriöse Verbrechen verübt werden, für die es scheinbar keine natürliche Erklärung gibt. So auch in „Cult“, das für eingefleischte Pendergast-Fans mit einem echten Schock beginnt (WER NOCH NICHT ALLE VORHERIGEN TEILE GELESEN/GEHÖRT HAT UND AUF SPOILER VERZICHTEN MÖCHTE – BITTE NICHT WEITERLESEN!)…
Als nämlich der berühmte „New York Times“-Journalist William „Bill“ Smithback jr. mit seiner Ehefrau, der Museumskuratorin Nora Kelly, den ersten Hochzeitstag feiern möchte, wird er Opfer eines brutalen Überfalls. Ein Mann dringt in die gemeinsame Wohnung ein und metzelt den Reporter mit mehreren Messerstichen nieder. Smithback hat keine Chance und stirbt an seinen schlimmen Verletzungen. Der Täter kann zwar entkommen, doch mehrere Nachbarn können den Mörder mit absoluter Sicherheit identifizieren. Es handelt sich um Colin Fearing, einen weiteren Bewohner des Hauses. Der Fall scheint glaskar, doch der ermittelnde Lieutenant Vincent D’Agosta erlebt zu Beginn seiner Ermittlungen eine herbe Überraschung: Fearing – der von mehreren Zeugen und einer Überwachungskamera zweifelsfrei erkannte Mörder Smithbacks – ist bereits seit zwei Wochen tot, nachdem er sich selbst von einer Brücke gestürzt hat. Wie kann also eine Leiche einen Menschen ermorden? Wird New York womöglich von einem Zombie heimgesucht?
Ein Verbrechen ohne rationale Erklärung – genau der richtige Fall für Agent Pendergast und Lieutenant D’Agosta, die zudem beide mit dem Opfer eng befreundet waren. Bei der Suche nach Täter und Tatmotiv beschäftigen sie sich mit den letzten Arbeiten Smithbacks, der vor seinem Tod in zwei größeren Fällen recherchiert hat. Einerseits ermittelte er gegen einen erfolgreichen Unternehmer, dem sexuelle Nötigung am Arbeitsplatz vorgeworfen wurde, die zweite Spur führt zu einer geheimnisvollen Voodoo-Sekte, die angeblich immer wieder Tieropfer-Rituale abgehalten hat. Dies hat eine Reihe von hartnäckigen Tierschützern auf den Plan gerufen, welche militant gegen die Gruppierung vorgingen. Die Fährte klingt vielversprechend, da am Tatort des Smithback-Mordes zudem merkwürdige Gegenstände hinterlassen wurden, die ebenfalls auf einen Voodoo-Hintergrund hindeuten. Da trifft es sich natürlich gut, dass mit dem aus Louisiana stammenden Pendergast ein echter Voodoo-Spezialist die Ermittlungen führt…
Nach dem schwachen letzten Teil der Reihe, dem eher misslungenen „Darkness – Wettlauf mit der Zeit“, hat man gleich zu Beginn endlich wieder das gute Gefühl, einen echten Pendergast im Ohr zu haben. Die Autoren schrecken gleich mal vor nichts zurück und lassen eine beliebte Nebenfigur der Serie über die Klippe springen – gerade für Smithback-Fans ein echter Schock. Somit sind schon mal alle Kenner der Reihe gleich in der Handlung gefangen, alle anderen werden spätestens mit dem Geheimnis um den untoten Mörder gefesselt sein. Ein unmögliches Verbrechen, durchgeführt offenbar von einem leibhaftigen Zombie – viel besser kann die Geschichte eigentlich nicht anfangen. Und dieses Mal schaffen es die Autoren auch wieder, das Niveau der Story über fast die gesamte Distanz recht hoch zu halten. Gerade der mysteriöse Voodoo-Hintergrund mit der obskuren Tieropfer-Sekte vor den Toren New Yorks bietet doch reichlich Stoff für gute und teilweise auch unheimliche Unterhaltung.
Ein weiterer großer Pluspunkt ist auch die Tatsache, dass Preston und Child die meisten der bekannten und lieb gewonnenen Serienfiguren versammelt haben, um den Mord am Enthüllungsreporter Smithback aufzuklären. Nachdem der Vorgänger „Darkness“ eigentlich nur ein Aloysius Pendergast/Constance Greene-Roman war, darf nun auch wieder Lieutenant Vincent D’Agosta ran und steht diesmal sogar im Mittelpunkt der Geschichte. Im Vergleich zum New Yorker Polizisten bleibt sogar der Special Agent persönlich etwas blass, was angesichts der Voodoo-Thematik schon verwundert, da dies ja eigentlich das Spezialgebiet des aus New Orleans – einer der „Hauptstädte“ des Voodoos – stammenden Pendergast ist. Einerseits ist es recht angenehm, dass dadurch auch mal die anderen Charaktere mehr zum Zuge kommen, aber irgendwie fehlt an manchen Stellen schon etwas die charmante Arroganz des nahezu allwissenden FBI-Mannes. Neben den beiden Hauptfiguren gibt es auch u.a. auch ein Wiedersehen mit Captain Laura Hayward, Dr. Nora Kelly oder dem Bibliothekar Wren.
Zum Sprecher:
Gelesen wird auch dieses Pendergast-Buch natürlich wieder von Detlef Bierstedt, der deutschen Synchronstimme von George Clooney. Dieser spricht das Hörbuch mit all seiner Routine und trifft meist den richtigen Ton. Besonders unterhaltsam sind die mysteriösen Zombie-Laute einer vermeintlichen Kreatur der Voodoo-Sekte. Hier schwankt Bierstedt oftmals zwischen unheimlich und unfreiwillig komisch. Insgesamt eine gute Sprecherleistung, obwohl ich bei der Pendergast-Reihe immer noch ein wenig Thomas Piper hinterher trauere, der die ersten Teile gelesen hat und dann von Detlef Bierstedt abgelöst wurde.
Mein Fazit:
Nach dem enttäuschenden Vorgänger geht das Niveau mit „Cult – Spiel der Toten“ glücklicherweise wieder deutlich aufwärts, auch wenn das Hörbuch noch längst nicht an die genialen Anfänge der Serie heranreicht – hier sei zum Vergleich beispielsweise an den überragenden Auftakt „Relic“ erinnert. Trotzdem weiß die Story über weite Strecken zu fesseln und lässt auch das gewohnte mysteriöse und unheimliche Pendergast-Feeling aufkommen. Allerdings ist mir die Rolle des Special Agent diesmal etwas zu nebensächlich ausgefallen, eigentlich ist „Cult“ eher ein Vincent D’Agosta-Roman. Gelungen ist auch die finale Auflösung, die trotz Zombie-Thematik überraschend bodenständig und glaubwürdig ausfällt. Somit ist „Cult“ zwar nicht der beste Teil der Serie, das Hörbuch bietet aber dennoch gute Unterhaltung und dürfte Pendergast-Fans nicht enttäuschen. Ich habe lange zwischen sieben und acht Punkten geschwankt, da ich aber anhand der oft genialen Vorgänger bei Preston/Child-Romanen den Maßstab eher hoch ansätze, lasse ich für den nachfolgenden Teil „Fever – Schatten der Vergangenheit“ noch genug Spielraum nach oben. Daher „nur“…
Meine Wertung: 7/10

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Der Retuscheur

Dimitri Stachow
E-Buch Text: 256 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 26.01.2009
ISBN B004NBZ642
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zum Roman:
„Der Retuscheur“ von Dimitri Stachow ist wieder mal eines der Bücher, die ich in der Buchhandlung in der Kiste der Mängelexemplare gefunden habe und das ich sonst wahrscheinlich niemals gekauft hätte. Für zwei Euro kann man aber eigentlich nicht viel falsch machen, die Idee hinter dem Roman klang interessant und mit der Auszeichnung „Ein Mystery-Thriller der Extraklasse“ kann man mich eigentlich immer ködern…
Genrich Genrichowitsch Miller (die Hauptfigur wird im gesamten Buch nicht ein einziges Mal „Heinrich Müller“ genannt…) ist Fotograf in Moskau. Mühsam hat er sich seinen eigenen Fotoladen aufgebaut und beschäftigt einen eigenen Agenten, der ihn regelmäßig mit neuen Models versorgt. Diese dienen Genrich nicht nur als Fotomotive, sondern gerne auch mal zum amüsanten Zeitvertreib, und nicht wenige junge Frauen finden sich nach dem Shooting in seinem Schlafzimmer wieder. In seinem Leben hatte der junge Russe eigentlich erst eine ernsthafte Beziehung, welche jedoch ein tragisches Ende nahm. So wurde seine Jugendliebe Lisa bei einem nächtlichen Handgemenge getötet, nachdem sie Genrich versehentlich ins offene Messer gefallen ist, welches dieser kurz zuvor einem Angreifer entwendet hatte. Das Trauma um Lisas Tod verfolgt den Fotografen auch heute noch regelmäßig.
Mehr oder weniger zufällig findet Genrich eines Tages heraus, dass er über eine unheimliche Gabe verfügt. Als eine seiner Nachbarinnen stirbt, fällt ihm auf, dass er diese kurz zuvor aus einem seiner Fotos herausretuschiert hat. Genrich ist zunächst nur etwas beunruhigt, als jedoch weitere Menschen sterben, die vorher seinen Retuschearbeiten zum Opfer gefallen sind, wird ihm immer klarer, dass er für die Tode verantwortlich ist. Wenig später stellt sich sogar heraus, dass bereits sein Vater über diese „Fähigkeit“ verfügte. Während Genrich versucht, mit seiner mysteriösen Entdeckung umzugehen, bleibt seine „Gabe“ auch anderen Menschen nicht verborgen: Mächtigen Menschen, die Genrichs Retuschen für ihre eigenen Zwecke einsetzen wollen…
Für einen Mystery-Thriller ist Dimitri Stachows Roman eigentlich erstaunlich bodenständig. Um Genrichs Fähigkeit wird kein großes Brimborium veranstaltet, sondern diese wird einfach als gegeben hingenommen und bleibt (mit Ausnahme der Vererbung vom Vater auf den Sohn) konsequent ohne Erklärung. Überhaupt ist die Geschichte wenig mysteriös oder gar unheimlich, vielmehr wirkt das Buch fast schon wie eine eher altmodische Erzählung. Statt übersinnliche Elemente stehen hier andere Themen im Mittelpunkt: russische (Geheimdienst-)Geschichte, Politik, Liebe, Verschwörung und eine ungewöhnliche Vater-Sohn-Beziehung.
Vom Grundgedanken her ist das eigentlich kein schlechter Ansatz, doch Stachow schöpft das Potenzial seiner Idee nicht vollständig aus und macht die Handlung zudem unnötig kompliziert. So springt er munter in der Zeit vor und zurück, oft nur um wenige Stunden, doch diese Zeitspanne reicht bereits aus, um den Leser zu verwirren. Oft fühlt man sich, als würde irgendwas fehlen, und manche Szenen passen einfach logisch betrachtet nicht zueinander. Hier wird einem meist erst hinterher klar, dass die Passagen chronologisch nicht in der richtigen Reihenfolge stehen. Zudem gräbt der Autor oft in der Vergangenheit der Hauptfigur und blickt häufig auf Momente mit seinem Vater sowie seiner Freundin Lisa zurück.
Positiv fallen jedoch die interessanten Charaktere ins Gewicht, denn nahezu jeder einzelne ist in gewisser Weise zwielichtig. Die Motive der Figuren sind oft schwer zu durchschauen, was der Geschichte zusätzlichen Reiz verschafft und für manch überraschende Wendung sorgt. Auch der historische und gesellschaftliche Hintergrund der Story weiß zu überzeugen. So erfährt man einiges über die früheren Organe des sowjetischen Staatsapparates wie den KGB, zudem erzeugt Stachow gekonnt eine Atmosphäre des Misstrauens. Die Hauptfigur gerät im Laufe der Handlung immer tiefer in politische und äußerst dubiose Machtspiele, voll von Verrat und Gewalt.
Mein Fazit:
Ich hatte zugegebenermaßen keine großen Erwartungen an „Der Retuscheur“, und wurde daher auch nicht wirklich enttäuscht. Trotzdem hätte man aus der durchaus faszinierenden Grundidee deutlich mehr herausholen können. Für ein Buch, das als „Mystery-Thriller“ beworben wird, gibt es hier eindeutig zu wenig Mystery, aber vor allem nicht genug Thrill. Es handelt sich vielmehr um eine solide Erzählung, die trotz der Gabe des Fotografen überraschend realistisch daherkommt. Denn diese steht eigentlich gar nicht im Mittelpunkt der Geschichte, vielmehr zeichnet Stachow ein interessantes Bild der russischen Gesellschaft nach der Auflösung der Sowjetunion. Allerdings macht sich der Autor durch seine verworrene Erzählstruktur selbst viel Spannung zunichte und nimmt zu viel Geschwindkeit aus der Story. Wem das Szenario gefällt, der darf trotzdem einen Blick riskieren, zumal der Roman mit knapp sieben Euro recht günstig ist. Wer jedoch einen rasanten und geheimnisvollen Mystery-Thriller erwartet, wird von „Der Retuscheur“ aber eher enttäuscht sein.
Meine Wertung: 6/10

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Tags: dimitri stachow, fotograf, geheimdienst, mord, moskau, moskau, retusche, russland, verrat   (9)
 
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