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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

eifersucht, nahost, zu viele ministerien, amerika, waffen

Schmutzige Kriege: Amerikas geheime Kommandoaktionen

Jeremy Scahill
E-Buch Text: 618 Seiten
Erschienen bei Verlag Antje Kunstmann GmbH, 15.10.2013
ISBN 9783888978883
Genre: Sonstiges

Rezension:

Aufgrund der Krisen in der islamischen Welt möchte ich auf folgendes Buch aufmerksam machen, das rückblickend aus der Sicht des investigativen Journalisten Jeremy Scahill „Schmutzige Kriege – Amerikas geheime Kommandoaktionen“ auch auf die heutige Lage zwischen diesen Regionen erhellend wirkt.

Der Autor beschreibt auf etwa 600 Seiten sehr detailliert und dokumentarisch den Krieg der USA gegen den Terror. Die ausführlichen Recherchen reichen vom 11. September 2001 bis ins Jahr 2011 und zeichnen das Bild eines brutalen Krieges, dessen Schlachtfeld die ganze Welt ist. Wir erfahren viel über die Arbeitsweisen von Geheimdiensten und Spezialeinsatzkommandos, von denen bisher die wenigsten von uns etwas gewusst haben könnten. Diese Spezialtruppen agieren weitgehend unabhängig voneinander und außerhalb des Einflussbereiches der politischen Entscheidungsträger. Die Koordination untereinander ist dürftig. Jeder hält seine Truppe für die beste. Es werden Terrorverdächtige eingesperrt und brutal gefoltert. Es gibt weder Anklagen noch Gerichtsurteile. Keine Möglichkeit, sich zu verteidigen, falls die Vorwürfe unbegründet sind. Viele landen auf einer Todesliste und werden durch Cruisemissiles oder Drohnen exekutiert. Es kann dabei auch schon mal eine Hochzeits- oder Trauergesellschaft als Kollateralschaden liquidiert werden. Aber dieser Krieg gegen den Terror produziert in der Bevölkerung der betroffenen Länder auch Hass gegen die USA und die westliche Welt und an die Stelle eines getöteten Terroristen treten viele neue. Ein Fass ohne Boden.

Der Autor beschreibt über das ganze Buch hinweg die Lebensgeschichte von Anwar Awlaki, einem in den USA geborenen und aufgewachsenen jungen Mann mit jemenitischen Eltern. In seiner Jugend war er ein überzeugter Amerikaner, gebildet und weltoffen. Doch das harte Vorgehen der USA gegen Terroristen in islamischen Ländern enttäuscht ihn zutiefst und er kehrt zurück in den Jemen zu seiner Familie. Er ereifert sich für den Islam und wird zum Prediger. Seine Wortgewandtheit beschert ihm viele Anhänger, die sich durch seine Reden teilweise zu gewalttätigen Aktionen ermutigt fühlen. Sehr zum Missfallen der Geheimdienste. Er wird gejagt und durch eine US-Rakete letztendlich in die Luft gesprengt. Awlaki hat in seinen Predigten gegen den Westen agitiert, aber er hat nie selbst terroristische Aktionen befohlen oder ausgeführt. Für ein Verbrechen wurde er niemals öffentlich angeklagt oder verurteilt.

Kurze Zeit vor Awlakis Tod hat sein Sohn noch versucht, seinen Vater in dessen Versteck zu besuchen. Eine US-Rakete ließ von dem unbescholtenen amerikanischen Teenager nicht viel übrig. Ein Missverständnis, so die Behörden.

Der Autor widmet sich auch dem spektakulären Ende von Osama bin Laden in seiner Villa im pakistanischen Abbottabad. Niedergestreckt durch eine brisante, präzise und professionell ausgeführten Kommandoaktion der Navi-SEAL's. Aber das ist nicht das Ende dieses Krieges.

Einem langen Epilog und Abkürzungsverzeichnis folgt ein umfangreiches Literaturverzeichnis, das dem Leser das Recherchieren leichter macht. Zu allen 50 Kapiteln sind Quellenangaben verzeichnet und auch zum Epilog. In Zeiten von Fake News, bei der man jeder veröffentlichten Nachricht, nicht nur aus Amerika, kritisch gegenüber stehen muss, ist es schon eine Offenbarung und zeigt, wie wichtig unabhängiger Journalismus und kritische Berichterstattung sind.

Eine Dokumentation in der ARD über Inhalte dieses Buches findet man zum Beispiel unter https://www.youtube.com/watch?v=bxVbUXI8x5c
sowie Beispielhaft eine weitere Buchbesprechung unter http://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/jeremy-scahill-schmutzige-kriege-risiken-und-nebenwirkungen-12781536.html
das Autorenporträt unter http://www.kunstmann.de/titel-0-0/schmutzige_kriege-997/

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Tags: amerika, eifersucht, falsche freunde, islam, krieg, nahost, waffen, zu viele ministerien   (8)
 

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

missbrauch, mur, schmerz, ohnmacht, heilung

milk and honey - milch und honig

Rupi Kaur
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Lago, 10.04.2017
ISBN 9783957611734
Genre: Romane

Rezension:

Kaum Satzzeichen, kaum Großbuchstaben, mal nur Zweizeiler, mal eine Seite lang Poesie. So gestalten sich die Texte von Rupi Kaur in ihrem Buch „milk and honey/mich und honig“. Nun werden sich manche Leser fragen, wie sie dann den Sinn ihrer Sätze erfassen sollen, doch das ist kein Problem. Die vier großen Themen, die in ihrem Werk behandelt werden, vom Schmerz, der Liebe, vom Zerbrechen und der Heilung sind zum Teil mit einer Wucht, die einen zusammenzucken lässt.
Vom Schmerz des Missbrauches, sei es körperlich, seelisch, mit Worten, Taten oder Unterlassen, das kann man nachspüren, empfinden, mit ihr weinen. Genauso verhält es sich bei ihren anderen Kapiteln. Umrahmt werden diese mit ihren eigenen Zeichnungen, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Sexuelle Gewalt in jeglicher Form, auch deren Duldung in einer Gesellschaft, das ist einer ihrer Hauptanliegen, das offen zu legen. Das ist natürlich nicht neu, doch von ihr anders aufgegriffen. Ihr Spiel mit den Worten gleicht einem Tanz mit vielen Partnern.
Die Umschlaggestaltung und Zwischenseiten sind hauptsächlich mit schwarzem Papier und weißer Schrift gehalten, was den Leser zwingt, seine Augen, seine Sichtweisen umzustellen. Die Texte und Grafiken sind wie üblich gestaltet, das Buch in handlichem Format. Jede Seite beinhaltet eine Geschichte beziehungsweise wenige Worte, die ausreichen, um die Phantasie des Lesers anzuregen. Manchmal steht der Text mitten in ihrer Grafik, die im Zusammenspiel verstörend wirken. Sie sollen ja auch aufmerksam machen, aufrütteln, die Worte schreien vor allem regelrecht ihre Wut, Aggressionen, Hilflosigkeit heraus. Man bekommt eine Ahnung, welche Gewalt in einer Familie herrschen kann, genauso wie durch Fremde, Freunde, Bekannte. Aber die Autorin zeigt auch Wege auf, damit fertig zu werden.
Ihre Sehnsüchte nach einer heilen Beziehung, die ewig halten soll erscheinen einem fremd, doch ihre Argumente sind einleuchtend. Denn warum erst hat sich der Mann um sie bemüht, wenn er es nicht ernst mit ihr meint? Die Schwierigkeit damit umzugehen, dass es doch nicht passt, zwischen zwei Liebenden, das Zerbrechen einer Liebe, das einhergeht mit dem Zerbrechen von Vertrauen in die Zukunft, in eine neue Liebe, das fragt sie sich, wie soll das gehen?
Für sie liegt die Chance in der Heilung. Zu sich zu kommen, sich selbst zu lieben, zu sich zu stehen. Dass das alles nicht einfach ist, sondern sie sich immer wieder hinterfragt, aber auch immer wieder Mut macht, sich auffordert zu sehen, was für ein toller Mensch sie ist, wir alle sind, damit kommt das Buch fast zum Ende. Ganz zum Schluss kommt ein Liebesbrief, von ihr an ihre Leser, ihr Dank, dass wir uns mit ihr befasst haben, den Mut gefunden haben durchzuhalten. Quasi zu uns selbst zu stehen. Immerzu.

Reime finden wir hier nicht, dafür machtvolle Sätze, die uns einprägsam erläutern, wie furchtbar es ist, wenn Menschen ihre Macht gegenüber anderen ausüben, wie sehr wir uns nach Liebe und Zufriedenheit sehnen, aber auch, wie einfach es ist, diese Träume immer wieder zu zerstören.

Ein Buch, zum immer wieder in die Hand nehmen, aufschlagen und ein paar Seiten lesen und wirken lassen. Weitere Informationen finden sich zum Beispiel unter: https://www.rupikaur.com/ und unter: https://www.facebook.com/rupikaurpoetry/

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Tags: heilung, hingabe, liebe, machtmissbrauch, missbrauch, mur, ohnmacht, schmerz, seelischer missbrauch, sehnsucht, verzweiflung, wut   (12)
 

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

volksstämme, farmer, weites land, farmermorde, botswana

Weinende Wasser

Karin Brynard , Dietmar Schmidt
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 10.06.2016
ISBN 9783404173655
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Von einer Freundin zugesteckt bekommen mit den Worten „lies das mal, Du warst doch auch schon dort“. Ja, in Südafrika und Namibia hielt ich mich nach der Jahrtausendwende mehrere Wochen auf. Und der Kriminalroman von Karin Brynard „Weinende Wasser“ spielt in der Provinz Nordkap von Südafrika, angrenzend an Namibia und Botswana.
Ein Inspector, Beeslaar, auf der Flucht vor seiner Vergangenheit, die manchmal aufblitzt und man annehmen kann, dass sie in Folgebüchern noch näher thematisiert wird, lässt sich aufs Land versetzen. Das es auch hier nicht wirklich ruhig zugeht, wird ihm fast sofort vermittelt. Hier kommen aber auch noch die schier unermesslichen Weiten, schlechte Ausstattung, ungeschultes Personal und ein Chef hinzu, der nicht gerade leicht zu erreichen ist. Farmermorde machen ihm zu schaffen. Dazu kommen noch die immer wieder aufflammenden, eigentlich nie erloschenen Fehden nicht nur zwischen Einheimischen und Eingewanderten, sondern unter den verschiedenen Volksstämmen. Als eine Weiße und ihr adoptiertes Kind auf grausame Art ermordet werden, die Tat auch noch auf ein Ritual hinweist, wird es wirklich eng für Beeslaar. Er muss sich mit seinen zwei Metern in viel zu enge Fahrzeuge quetschen, bei einer für ihn unerträglichen Hitze, vermitteln zwischen aufgebrachten Siedlern, die am liebsten selbst wieder zu den Waffen greifen wollen. Die alte Ordnung wieder herstellen. Was steckt hinter dem Mord an Frederika und ihrer Tochter? Ihre Schwester Sara, die sich vor einiger Zeit mit Frederika verkracht hat, macht sich untröstlich an die Aufgabe, die gemeinsame Farm aufzuräumen, Hinweise auf die Täter zu finden und dem wahren Grund für den Mord herauszubekommen.
Was mir besonders gefällt, ist die Beibehaltung der sprachlichen Besonderheiten, die der Übersetzer Dietmar Schmidt durchgehend verwendet hat. Die Anreden für die verehrten Älteren ebenso wie die ortsbezogenen Bezeichnungen für Herr und Frau XY. Dadurch lebt der Roman tatsächlich in Südafrika und ist nicht einfach nur übersetzt. Die Autorin lässt uns schwitzen, man möchte ständig nach Wasser greifen und schmeckt doch auch das beschriebene fast ungenießbare Nass, das vor Ort bereit steht. Man möchte mit dem Vormann der Farm, einem kleinen drahtigen und klugen Kerl mit Namen Dam, die Weiten der südafrikanischen Wüsten durchstreifen, vielleicht streift ja ein Schakal unseren Weg. Die Liebe zu ihrem Land fängt die Journalistin und jetzt schon einige Jahre auch als Autorin wirkende Brynard in den vielen Kleinigkeiten ein und lässt uns daran teilhaben. Aber auch wie die Menschen mit ihrer nicht einfachen Vergangenheit umgehen, der Jahre der Apartheid und deren Bewältigung, die noch andauern wird. Eifersucht, Neid, uralte Besitzansprüche, die Macht derer, die auf Grundstücken mit Wasser sitzen, das war wohl ausschlaggebend für die Namensfindung des Buches und der darin als Hauptschauplatz spielenden Farm.
Wer mehr haben möchte als einen reinen Kriminalfall ist hier gut aufgehoben, sofern man sich auf die teils eigentümliche Sprache einlassen möchte. Spannend bis zum Schluss, obwohl immer mal wieder eine Lösung hindurch blitzt, die dann doch wieder ganz anders aussieht.
Zum Glück gibt es bereits einen weiteren Band, „Masken der Furcht“ erscheint wohl Ende des Sommers. Und als E-Book ist es auch erhältlich, was sich meiner Meinung auch sehr dafür eignet.

Informationen über die Autorin, die bei Kapstadt lebt, finden sich im Netz. Über das Thema zu den vielen Morden an Farmern findet sich zum Beispiel unter http://www.zeit.de/2012/07/DOS-Farmermorde



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Tags: botswana, buschmänner, eifersucht, farmer, farmermorde, hitze, namibia, neid, rituale, steppe, südafrika, volksstämme, wasserknappheit, weites land   (14)
 

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 3 Rezensionen

polen, beichtstuhl, bodensee, krakau, berlin

Forellenquintett

Ulrich Ritzel
Flexibler Einband: 383 Seiten
Erschienen bei btb, 02.06.2009
ISBN 9783442738373
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Roman und Krimi-Bestseller von Ulrich Ritzel „Forellenquintett“ hat mich nicht restlos überzeugt.
Da versteckt ein Mann einen in einer Tüte versteckten Kopf unter einer Kirchenbank in Polen, wird anschließend bei seiner Flucht in Berlin überfallen, wobei er eine schwere Kopfwunde davonträgt. Fortan verhält er sich so, als ob er sich seiner Stimme und Sprache nicht mehr bewusst ist. Doch wie lange kann ein Mensch seine Umwelt, seine Ärzte und Pfleger, Psychologen darüber täuschen, dass er angeblich nichts versteht?
Das nun kopflose Opfer, eine Frau im Zeugenschutzprogramm, musste ausgerechnet in der Wohnung einer Freundin der nun ermittelnden Kommissarin Wegenast zu Tode kommen. Was es mit dem Verhältnis zu dieser Freundin auf sich hat, dazu muss man wohl die vorhergehenden Bände über die Fälle der Kommissarin lesen, ohne dieses Wissen ist es schwierig dem zu folgen.
Dazu kommen jetzt noch Eltern, die auf der Suche nach ihrem lange verschollenen Sohn sind. Er soll eines Tages nach einem Unwetter ertrunken sein. Ausgerechnet er, ein Genie am Klavier. Als der verstummte Mann aus Berlin sich während einer Therapiestunde an ein solches Instrument setzt, wird darüber in einer Zeitung berichtet. Die Mutter des seit 17 Jahren Vermissten, die am Bodensee lebt, ist überzeugt, das kann nur ihr Junge sein. Nun kommen noch etliche frühere Schulkameraden ins Spiel, holen doch die Eltern den vermeintlichen Sohn nach Hause. Der sagt weiterhin kein Wort! Wer mit wem nun welches böses Spiel in dem Dorf treibt, das ist ein munteres hin und her. Gewürzt wird das alles noch mit anonymen Briefen, die bei vielen Dorfbewohnern im Postkasten liegen.
Die Kommissarin muss nun zwischen der kopflosen Leiche, dem schweigsamen Vielleichtsohn und ihren eigenen anonymen Briefen, die sie wegen eines alten Falles erhält, ermitteln,wie alles zusammenhängt.
Doch das sind noch längst nicht alle Protagonisten, die im Buch auftauchen. Man muss schon am Ball bleiben beziehungsweise das Buch zügig lesen und nicht lange aus der Hand legen, sonst verliert man vollends den Faden. Nicht nur die Freundin, die ich anfangs erwähnt habe, scheint bereits in alten Fällen eine Rolle gespielt zu haben. Es werden zwar keine der zahlreichen Protagonisten „vergessen“, doch für meinen Geschmack sind es zu viele. Dabei sind die Anekdoten einer Wahrsagerin, oder eines Wirtshauses sehr erfrischend. Nicht zu vergessen die Figur des „Musikprofessors“, der dem Dorf einen Chor und viele Musikabende ermöglicht sowie für manch eine Überraschung gut ist. Und: bei dem der seit 17 Jahren verschollene Sohn Klavierunterricht genossen hat. Ob dieser nun wieder auftaucht?
Weitere Informationen über den Autor und seine Werke finden sich zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Ritzel

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

psychologie, kinder, therapie, entführung, missbrauch

Weil ich ein Alien bin

Torey L. Hayden
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei btb Verlag (TB), 03.01.2006
ISBN 9783442733705
Genre: Biografien

Rezension:

Ich habe das Gefühl, Torey L. Hayden begleitet mich schon Jahrzehnte. Die Sonderschullehrerin und nun auch Kindertherapeutin erzählt in ihren Sachbüchern fast schon in Romanform von „ihren“ Kindern und deren Weg durch die Therapie beziehungsweise ihre Bemühungen, ihnen einen guten Weg ins Leben zu ermöglichen. In ihrem Buch „Weil ich ein Alien bin“, deutsche Erstveröffentlichung 2006, stehen wieder zwei Kinder im Mittelpunkt. Ein Mädchen, Cassandra, dass bereits im Vorschulalter vom Vater entführt wurde sowie ein Junge, Drake, der einfach nicht sprechen will, außer bei seiner Mutter.
Hayden erzählt ihren Werdegang von der Sonderschullehrerin geistig behinderter und verhaltensgestörter Kinder zur Therapeutin der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses. Sie stellt uns die Geschichte zweier völlig unterschiedlicher Kinder vor. Cassandra kommt mit ihren Gefühlen überhaupt nicht zurecht, weiß nicht, ob und wie sie mit wem über ihre Erfahrungen während ihrer Entführung sprechen soll oder darf. So lügt und hintergeht sie jeden Menschen, bringt sie mit falschen Anschuldigungen in Bedrängnis, weiß vor lauter Wut, Angst, Verwirrung nicht mehr wohin mit sich selbst. Sie tobt herum und ist ein lebender Gummiball. Bis die Autorin überhaupt zu Cassandra durchdringt, ihr ein wenig vertraut, sodass sie sich eine Winzigkeit öffnet, vergeht kostbare Lebenszeit für das Mädchen. Doch wie sie es schafft und was Hayden dann eröffnet wird, lässt keinen kalt.
Genauso ist es auch bei dem Jungen, Drake, ein wahrer Schatz, ein Sonnenschein, der durch sein positives Wesen alle Herzen erreicht. Doch er spricht nicht. Da Hayden eine Expertin in Sachen Mutismus ist, wird sie vom Großvater des Jungen gebeten, ihre Techniken bei Drake anzuwenden, damit er endlich spricht. Hier schaut sie sich genau die Umgebung des Jungen an, warum er überhaupt verstummt sein könnte, denn auch bei ihr will es einfach nicht klappen. Die Lösung für Drake gestaltet sich viel schwieriger, als sie es je für möglich gehalten hat.
Nebenbei wird sie von einer Kollegin gebeten, bei einer Schlaganfallpatientin vorbeizuschauen, die ebenfalls nicht mehr Sprechen kann oder will. Doch eigentlich ist sie für junge Patienten ausgebildet, deren Zukunft noch bevorsteht. Ob ihre Methoden auch bei der älteren Dame, Gerda, anschlagen werden, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall ist es eine ungewohnte Erfahrung für Hayden.
Die Autorin beschreibt auch die mühevollen Wege durch die Administration, fehlende Gelder, Personalknappheit, viele Kinder, die Hilfe benötigen und sie nicht so schnell bekommen. Es sind zum Teil erschreckende Momente, die einem beim Lesen die Kehle abschnüren, wenn man erfährt, was den Kindern bereits zugemutet wurde. Ein Buch, dass man so schnell nicht aus der Hand legen kann.
Mehr über die Autorin findet sich zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Torey_L._Hayden

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Tags: bürokratie, drogenmissbrauch, entführung, fehlende akzeptanz, fehlende therapieplätze, geldmangel, hilflose eltern, missbrauch, seelischer missbrauch, teufelskreis der bürokratie, zeitmangel   (11)
 

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übungsabläufe, yoga, handstand, üben

Yoga Flightclub

Christian Klix , GreatLife. Books
Flexibler Einband
Erschienen bei alea active, 06.03.2017
ISBN 9783961240005
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: handstand, üben, übungsabläufe, yoga   (4)
 

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frankreich und der islam, bruch in der gesellschaft, dritte generation, bedingungsloser kampf, islamischer staat

Der Bruch

Gilles Kepel , Martin Weyerle
Flexibler Einband
Erschienen bei Kunstmann, A, 08.03.2017
ISBN 9783956141881
Genre: Sachbücher

Rezension:

Auch dieses Buch ist nicht so schnell zu lesen, wie auch das Buch des Autors, das er mit seinem Co-Autor Antoine Jardin geschrieben hat: „Terror in Frankreich, der neue Dschihad in Europa“. Natürlich behandelt dieses Buch wieder das Thema der unsäglichen Terroranschläge in Frankreich, aber eben nicht nur. Kepel versucht mit seinem intensiven für die deutsche Leserschaft geschriebenen Vorwort und dem Prolog zu erläutern, wie diese auch mit den auf deutschem Boden erfolgten Terroranschlägen zusammengehören. Und das tun sie in der Tat. Die wichtigsten Aussagen aus diesem Buch lassen sich in meinen einfachen Worten so zusammenfassen: Es gibt keine Einzelkämpfer, es wird bewusst auf die Zerstörung der Demokratien unserer Länder hingewirkt, wir werden bewusst gegeneinander ausgespielt, wir sollen in einen Bürgerkrieg getrieben werden; die im Hintergrund wirkenden Lenker, die mithilfe der sozialen Medien die Willigen zu terroristischen Angriffen überzeugen wollen, wollen bewusst auch solche Personen dazu bringen, die bereits von Ärzten attestierte psychologische Auffälligkeiten besitzen, um die Politik und die Bürger zu täuschen. Mit jeder Untätigkeit unserer Regierungen in ganz Europa streben diese Leute an, das „weiche Europa“ in einen Islamischen Staat zu verwandeln.

Die tiefgründige Analyse der Überfälle ist für Kepel überaus wichtig. Er zeigt auf, wer die Attentäter sind, wie sie handeln, warum vor allem ausgerechnet bei ihnen, die schon seit mehreren Generationen in Frankreich leben, die Videos, Schriften und Predigten des Islamischen Staates greifen. Wie die dritte Generation von Attentätern agieren. Und natürlich legt er die Finger auf die Wunden der nicht erfüllten Versprechungen der Politiker, ihre Versäumnisse, ihr nicht gewolltes verstehen wollen ob der Gründe der Terroranschläge. Der Keil, der Bruch in der Gesellschaft, hier ist in erster Linie Frankreich gemeint, diesen zu sehen, zu begreifen, die Analysen anzunehmen und mit diesen zu arbeiten, damit der IS nicht noch mehr Boden gut macht, das muss unser aller Wille sein, sonst haben wir schon verloren. Die Erkenntnis darüber, dass das alles Absicht des Islamischen Staates ist, diese sich über die Uneinigkeit in Europa freuen, ist bei uns noch nicht recht angekommen. Das Buch versucht auch angesichts der bevorstehenden Wahlen nochmals eindringlich auf die Notwendigkeit tiefgreifender Analysen aufmerksam zu machen, um die Probleme, die die Menschen zum Islamischen Staat treiben, endlich anzupacken.

Kepels neues Buch ist in mehrere Teile gegliedert. Schon das Vorwort zur deutschen Ausgabe umfasst mehrere Seiten und steht für sich. Es erklärt die Zusammenhänge zwischen den Taten in Deutschland und Frankreich, räumt mit der Erkenntnis des angeblich allein agierenden Täters auf. Entsprechend lang ist auch der Prolog, der nochmal die Erkenntnisse aus dem vorhergehenden Buch erläutert, auch zum Beispiel auf das Problem eingeht, dass bisher nicht im Zusammenhang mit Terrorismus auffällige Personen gerade im Gefängnis die Schule des Dschihad durchlaufen. Die nun folgende Chronik ist eine überarbeitete Zusammenfassung von Interviews einer wöchentlichen Radiokolumne vom Sommer 2015 bis Sommer 2016 des Senders France Culture mit Gilles Kepel. In dieser Zeit geschehen furchtbare Verbrechen, die Kepel anhand der ihm gestellten Fragen so gut es geht analysiert und die Zusammenhänge erklärt. Es endet mit einer Sendung einen Tag nach dem Angriff in Nizza. Im Epilog nun greift Kepel unter anderem den Begriff Islamophobie auf und erklärt, wie der Islamische Staat damit die Menschen täuscht.

Wieder ein eindringliches und nicht leicht zu lesendes Buch. Wer sich tiefer mit der Thematik befassen will, kommt um den Namen Kepel nicht herum.

Weiterführende Informationen zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Gilles_Kepel.



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Tags: bedingungsloser kampf, bruch in der gesellschaft, dritte generation, dschihad, einzelkämpfer, frankreich und der islam, gespaltene gesellschaft, islamischer staat   (8)
 

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148 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 55 Rezensionen

amnesie, thriller, psychothriller, berlin, koma

Das Gesicht meines Mörders

Sophie Kendrick
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 16.12.2016
ISBN 9783499272738
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sophie Kendrick – Das Gesicht meines Mörders

Das Thema dieses Psychothrillers ist bewährt und bekannt, der Gedächtnisverlust. Eine Frau, Clara Winter, wacht in einem Krankenhaus auf und erkennt nichts und Niemanden. Noch nicht einmal sich selbst. Ein schreckliches Verbrechen hat ihr ihr bisheriges Leben aus dem Gedächtnis gestrichen. Alle Menschen in ihrer Umgebung muss sie nun neu kennenlernen. Doch wer ist der Mann, der sich als ihr Ehemann, Roland, ausgibt? Bei dem sie zwar erspüren kann, dass er ihr nicht unangenehm ist, aber lieben sie sich wirklich?
Die Autorin lässt ihre Protagonistin in einen Spiegel schauen, der ihr bei weitem nicht behagt. Ist sie wirklich so gefühllos und berechnend, wie es ihr gesagt wird? Sie muss sich bei Kleiderwahl, Essen und anderer Vorlieben beobachten, um sich selbst zu erforschen. Und sie will ihre Vergangenheit Schritt für Schritt nachvollziehen. Dabei ist es wenig hilfreich, dass sie angeblich keine Verwandten und keine Freunde hat. Selbst ihr Ehemann ist ihr keine Hilfe dabei. Er will sie abschotten von der Außenwelt, vor allem vor der Polizei. Bei den Ermittlungen kommt erst wenig heraus, doch kleine Flashbacks bereiten Clara Sorgen. Als es ihr zu eng wird mit der Fürsorge ihres Ehemannes, reift in ihr der Entschluss, tätig zu werden. Sie besucht den Ort des Verbrechens und findet einige wenige Spuren. Nach und nach kommen nun Details ans Licht, die zum großen Showdown führen.
Kendrick hält den Spannungsbogen sehr wohl aufrecht, wenn "Achtung Spoiler" nicht schon am Anfang ein winziges Detail auf die Wahrheit hinweist "Spoiler aus". Das mindert nicht den Lesespaß, ist doch das Tempo hoch und die Richtungswechsel stetig. Das Ende könnte man schon unter dem Thema "Die Moral von der Geschicht" zusammenfassen. Die Gefühlslage gegenüber den übrigen Protagonisten wechseln stetig, mal möchte man, dass Clara doch einem von ihnen endlich Vertrauen schenkt, einige Zeilen weiter möchte man sie gerade davor warnen. Sie findet heraus, dass sie mit einer Frau am Tag des Überfalls auf sie verabredet war, doch diese ist einfach nicht mehr zu finden. Wenn sie doch nur wüsste, wer diese überhaupt ist? Mühsam aber sehr mutig wagt sie sich vor, um das Geheimnis zu lüften.
Auf den Titel wird immer wieder zurückgekommen, versucht sich doch das Gesicht des Mörders über ihre Träume zu offenbaren. Die beschriebene retrograde Amnesie, also kompletter Verlust an Erinnerungen vor einem bestimmten Vorfall ist selten, vor allem, dass kaum oder nur bruchstückhafte Erinnerungen wiederkommen. Ein Mensch, der sich komplett darauf verlassen muss, dass all das wahr ist, was einem erzählt wird, das wirkt auf einem sehr beängstigend. Wenn dann auch noch sämtliche Papiere durch einen Brandanschlag verlorengegangen sind, wird es umso schwieriger, sein bisheriges Leben zu rekonstruieren. Mit welchen Schwierigkeiten man dann rechnen muss, besonders, wenn ein Verbrechen dahinter steckt, zeigt Kendrick sehr geschickt. Es lohnt sich also, diesen aus einem bewährten Thema bestehenden Kriminalfall zu lesen. Da das Buch in der Gegenwart geschrieben ist, macht es die Geschichte lebendiger.
Der Umschlag ist geschickt gestaltet, mit haptischen Elementen, glänzenden und stumpfen, glatten und rauen Flächen. Ein Buch zu dem die Hände wollen. Ein rororo-Taschenbuch, in Deutschland für 9,99 Euro zu haben, Österreich verlangt 10,30 Euro.

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Tags: amnesie, angst vor dem wasser, feuer, flucht, freund oder feind, garage, ich kann nicht schwimmen, mörder, nachbarn, schwester, überfall, wasser   (12)
 

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48 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

natur, pflanzen, bäume, umwelt, biologie

Green net

Wilfried von Manstein , Sascha Morawetz
Fester Einband: 412 Seiten
Erschienen bei Moritz Boerner Verlag, 01.12.2016
ISBN 9783942498203
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Das Erste, was mir beim Auspacken des Buches auffiel, war das Gewicht. Ein Blick auf die Waage gibt mir Recht: für die Handtasche ist es eher nicht geeignet. Mit 660 Gramm eindeutig zu schwer. Also zog es direkt auf den Wohnzimmertisch. Der zweite Blick, na klar, fiel auf das Cover. Und das ist unglaublich gut gelungen. Außerdem gibt es keine Klebebindung, sondern hat eine Fadenbindung erhalten und ein Lesezeichenbändchen. Den Verlag über das Internet zu finden, ist eine Sache für sich, da helfen die fünf weiterführenden Internetadressen auf der letzten Seite eher weiter. Der Autor ist Jahrgang 1945 und hat recht spät mit dem Schreiben angefangen, dafür ist seine Vita bunt gemischt, was sich auch in den Themen seines Romanes widerspiegelt.
Von Manstein schreibt, dass sein Werk für Menschen von zwölf bis hundertzwölf ist, und das hat seinen guten Grund. Als Märchen, Abenteuer, Science Fiction, sozialkritisches Werk, mit Anleihen nicht nur aus der deutschen Geschichte, Missachtung von Lebewesen sowie Folterszenen ist es nichts für Kleinkinder. Eher für Junge und jung gebliebene Menschen. Vor allem sollte man offen sein für etwas völlig anderes als das, was einem sonst vor die Augen kommt. Am ehesten erinnert es mich an die Filmreihe Planet der Affen, nur hier handelt es sich hier um Bäume. Der Autor selbst nennt unter anderem das Buch von Peter Wohlleben „Das geheime Leben der Bäume“ als Anregung für seine Geschichte. Der manchmal einfacher daherkommende Schreibstil soll wohl hauptsächlich die Jugend ansprechen.
Und nun zum Inhalt: Der zwölfjährige Mario soll die Welt retten, denn er kann die Sprache der Bäume, und die sind gerade nicht gut auf die Menschen zu sprechen, sie sind auf dem Kriegspfad. Durch ein Missgeschick wurde dem Erfinder und Zeitreisenden Lam-Pi-Jong ein Gerät entwendet, dass Bäume und Menschen in ihren jeweiligen Lebens-Zeitgeschwindigkeiten verändern kann, den von ihm sogenannten Zeiter. Dadurch wird dem bösen Baum Reginald die Möglichkeit eröffnet, sich endlich an den Menschen zu rächen, die Wälder, Pflanzen und Tiere vernichten, ganz wie es ihnen beliebt. Es ist ihm zutiefst verhasst, dass die Menschen sich durch ihre schnellere Lebensgeschwindigkeit nicht die Zeit nehmen, den Bäumen zuzuhören. Durch den Zeiter aber kann Reginald die Bäume der Geschwindigkeit den Menschen näher bringen und die Menschen in Bäume verwandeln. Aber es gibt auch andere Stimmen im Land der Bäume. Und so können sich Mario, seine im Umweltschutz aktive Freundin Rado, der Zeitreisende samt guten Bäumen auf den Weg machen, alles wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, sofern sie den Zeiter finden. Ihnen im Weg steht ein immer wieder wie ein Rohrspatz schimpfender Widerling, Herr Podoll. Bei ihren Abenteuern wird Mario durch sein eigenes Verschulden in Räumlichkeiten eingesperrt, für ihn eine Ewigkeit lang. Und auch als Leser glaubt man, er müsste inzwischen um Jahre gealtert sein, das ist er aber nicht. So ganz klar wird es nicht, was da passiert. Aber noch immer ist er ein Kind. Seine Mutter kann ihm nicht helfen, ist sie doch nach einem Vorfall ins Koma gefallen, zusammen mit dem Vater von Rado. Ob der Zeiter beide retten kann? Aber dafür müssen sie ihn finden. Geheimnisvolle Erfindungen von Lam-Pi-Jong begleiten sie, dabei kommt auch ein Drachen und vieles mehr mit ins Spiel. Es sind noch einige Protagonisten, die das Buch von Anfang bis Ende begleiten dabei, allerdings würde ich hier zu viel verraten.
Meine Meinung: Manchmal ist es gut, sich auf etwas Neues einzulassen. Das Thema Umwelt- und Tierschutz hat in der Politik in den letzten Jahren einen zu geringen Stellenwert, erfahren da kann mehr getan werden. Und ein solches Buch, genauso wie die von Peter Wohlleben, eignen sich gut dafür, mehr und deutlicher mit dieser Thematik im Gespräch zu bleiben, gerade bei der Jugend. Dafür helfen Sätze, die sinngemäß darauf hinweisen, dass alles Leben auf der Erde denselben Ursprung haben. Der Autor hat vieles aus seiner Lebenserfahrung mit hineinfließen lassen, was teilweise überfrachtet wirkt, sich aber immer wieder auch stringent durch den Text führt. Wortkreationen wie Informations-Konfetti, Pixel-Kompositionen, die Schimpfwörter des Herrn Podoll wie zum Beispiel grasköpfige Störerin, lockern die Story herrlich auf.

Der Autor ist auf Facebook vertreten, über den Roman und mehr erfährt man über www.green-net-roman.de

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Tags: abenteuer, bäume, folter, kapitalismus, kastanienkind, koma, krieg zwischen naturgewalten, liebe, pflanzen, zeitreisen   (10)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kapitalismus, kommunismus, lettland, bibliothek, zeitschriftenverkauf

Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war

Pauls Toutonghi , Eva Bonné , any.way , Cathrin Günther
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.10.2010
ISBN 9783499249389
Genre: Romane

Rezension:

Meine Urlaubsleseperle war dieses Jahr „Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war“ von Pauls Toutonghi. Nach wenigen gelesenen Zeilen ist man mittendrin in dieser Geschichte eines Teenagers, der in Milwaukee groß wird. Wir schreiben übrigens das Jahr 1989, ein geschichtsträchtiges Jahr. Das gilt auch für Yuri, denn seine Eltern sind einst aus dem sowjetischen Lettland geflüchtet, preisen Amerika als gelobtes Land, in dem alles möglich und frei ist, im Gegensatz zur Sowjetunion. Und da verliebt sich Yuri ausgerechnet in seine Mitschülerin Hannah, einer Kommunistin, die engagiert ihren Weg geht und nicht zu beeindrucken von den echten Erlebnissen von Yuris Familie ist. Hannahs Vater, Dr. Graham, bezieht sogar Prügel von Herrn Balodis, als dieser seinen Sohn bei einer morgendlichen Demonstration erwischt. Yuri soll eine kommunistische Zeitung beim Schichtwechsel an Arbeiter verkaufen. Dr. Graham hat, nach Meinung von Herrn Balodis, schließlich nie unter dem Kommunismus leiden müssen, hat nie erfahren, dass er zum Beispiel kein Recht gehabt hätte wieder zurück nach Amerika zu gehen, sollte es ihm im sowjetischen Lettland nicht gefallen. Yuri stellt sich ähnliche Fragen, wie es ihm wohl ergangen wäre, wenn er nie die Möglichkeiten gehabt hätte, frei und offen in eine Bibliothek zu gehen und alle Bücher auszuleihen, die er lesen wollte. So sucht er Trost in perfekten, präzisen Sätzen, wenn er mal nicht weiter weiß in seinem Leben.
Die überaus liebenswerte Beziehung zwischen dem Bourbon trinkenden Vater und seinem Sohn, der mehr als vorsichtigen Mutter, die Spracheigenheiten, all das ist vom Autor sehr herzlich beschrieben. Man leidet bei jeder Zeile Schwermut und bei den kleinen und großen Katastrophen, lacht und freut sich bei positiven Ereignissen.
Und da ist natürlich die Country-Musik, die die Familie bereits in Lettland begleitet hat, der Vater singt beharrlich seine Lieder. Als die Ereignisse sich während dem Mauerfall in Deutschland überschlagen, ändert sich auch für die Familie Balodis alles. Sie erwarten Besuch aus der alten Heimat.
Toutonghi ist wichtig immer wieder zu betonen, welche Freiheiten sein junger Protagonist Yuri in Amerika erleben darf, seine Meinung frei zu äußern, Musik laut, sogar bei geöffnetem Fenster zu hören. Dessen Vater lässt er die Frage stellen, warum es Arbeitern in einem sozialistischen Staat besser gehen soll als im kapitalistischen Amerika? Yuri flüchtet in diesen Augenblicken zu seinen Büchern, die ihm seine Mutter, die in einer Bibliothek arbeitet, stapelweise mitbringt. Über allem schweben Liebesgeschichten, nicht nur zwischen Yuri und Hannah.
Witzig sind die zum Teil langen Zwischenüberschriften, die für sich schon eine Geschichte erzählen. Um mit den Worten von Yuris Vater zu enden, eine wunderbare Story, nach meiner Meinung.
Informationen über den Autor finden sich im Netz zum Beispiel unter rowohlt.de/autor/pauls-toutonghi.html


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arno strobel, rache, ratten, psychothriller, bunker

Das Rachespiel

Arno Strobel
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.01.2014
ISBN 9783596196944
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Für den Urlaub geliehen bekommen: Das Rachespiel, von Arno Strobel. Es soll ein Psychothriller sein.
Achtung Spoiler!
Ein Psychothriller deshalb, weil sich dreißig Jahre, nachdem ein Kinderfreund verschwand, jemand ein böses Spiel mit den verbliebenen Freunden erlaubt. Die Protagonisten scheinen aus dem Baukasten entnommen zu sein, in dem die üblichen Figuren aufbewahrt werden, die für eine Kinderbande nötig sind. Das burschikose Mädchen, Manuela, der zu Hause tyrannisierte Junge, Jens, der Korpulente, Torsten, und einer, der den Anführer spielt, Frank. Aber da will noch einer mitspielen. Einer, der nicht zu den Schlauen aus der Schule gehört, „ein Idiot“, genannt Festus. Während einer Mutprobe, die ihm als Aufnahmeritual verkauft wird, verschwindet er spurlos. Was war passiert?
Hauptsächlich geht es um Ängste, Schuldgefühle, Verantwortungslosigkeit. Dabei darf nicht vergessen werden, es handelt sich um Kinder, etwa 13 bis 14 Jahre alt.
Dreißig Jahre später erhält Frank, einen USB-Stick, der ihn zu einem Spiel auffordert. Spielt er nicht mit, kommt es zu Opfern. Das Erste wird von Tieren bei lebendigem Leib gefressen, denn Frank glaubt nicht an das Spiel. Seine ehemaligen Freunde melden sich nach und nach bei ihm, auch sie erhielten den Stick, glaubten nicht daran, dass es Ernst war. Doch ein Video beweist das Gegenteil. Nun werden sie aufgefordert, sich am Eingang eines ehemaligen Atombunkers zu treffen. Und der ist real (ausweichsitz-nrw.de/). Die ehemaligen Freunde kommen erst gar nicht richtig dazu, sich wieder neu kennenzulernen, da werden ihnen schon die Spielregeln erläutert. Ihnen wird klar, es kommen nicht alle lebend aus dem Bunker, und ihre Familien sollen auch dran glauben. Das Licht wird knapp, es ist kalt, Handys funktionieren nicht, das gegenseitige Misstrauen ist groß. Eines ist jedoch klar: es geht um Festus, der Junge, der damals verschwand. Und von dem sie glauben, er ist tot. Doch wer will sich jetzt rächen? Die Spielregeln ändern sich laufend, es wird ihnen nicht klar, obwohl es im Laufe dieser Nacht immer offensichtlicher wird, keiner soll überleben. Aber um ihre Familien zu retten, tun sie fast alles. Und überall laufen Ratten umher. Warum sie nicht Jens, der schwer verletzt ist und viel Blut verloren hat, genauso überfallen und beißen, wie sie es bei den unverletzten Freunden tun, bleibt ein Rätsel. Genauso wie die Gefühlsschwankungen bei Torsten. Er führt sich äußerst aggressiv auf, weil er nun mal hier ist und das Spiel wegen seiner Tochter gewinnen will, dann wieder zartfühlend gegenüber Manu. Und auch über das erste Opfer darf nach Ende des Thrillers weiter gerätselt werden, wie und warum es zu diesem kommt, wer er ist, es bleibt geheim.

Dass der Täter aus dem engeren Kreis vermutet wird, liegt am Schreibstil, weitere Personen sind nicht beschrieben, auch bei den Rückblenden nicht. Nur Familienmitglieder und die Freunde. Trotzdem taucht fast zum Schluss ein völlig unbekannter Mann auf, ein Helfershelfer, der auch gleich sein Leben lassen muss, denn er hat seine Schuldigkeit getan. Und dann folgen die Erklärungen zur Lösung. Zwar völlig logisch, aber für den Aufbau des Thrillers viel zu spät eingeführt, es wirkt konstruiert. Zum guten Schluss kann sich Jens, obwohl durch eine schwere Verletzung gehandikapt, aus einer vertrackten Situation befreien. Schmächtig wie er ist, einen fast doppelt so schweren, großen, toten Mann seiner Waffe berauben, die unter ihm fest geklemmt schien, nach draußen laufen, den Täter erschießen und Frank aus einer Grube retten. Und das trotz großem Blutverlust und zeitweise kaum noch fühlbarem Puls. Meine Hochachtung. Da kann die Verletzung ja gar nicht so schlimm gewesen sein?

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holocaust, auschwitz, konzentrationslager, polen, 2. weltkrieg

Der letzte Überlebende

Sam Pivnik , Ulrike Strerath-Bolz
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Theiss, Konrad, 01.03.2017
ISBN 9783806234787
Genre: Biografien

Rezension:

Erinnerungen an den Holocaust, eine Biografie von Samuel Pivnik „Der letzte Überlebende“. Aus dem Englischen von Ulrike Strerath-Bolz. Eine, nicht nur für die sensible Leserschaft, zum Teil sehr tiefgehende, ergreifende, die brutale Sprache des Krieges nutzende Studie eines Lebens, das vom Zweiten Weltkrieg über alle Maßen geprägt wurde. Dank des Ghostwriters Mei Trow und der vorgenannten Übersetzerin fließt man regelrecht in diese Zeit hinein, ist man ganz bei dem Jungen, der so gerne mit seinen Kameraden mit einem Lumpen Fußball spielt, integriert in seiner Familie, ihm die Sommerfrische bei den Verwandten unglaublich viel bedeutet.

Trauma ist ein schlimmes Wort. Es bedeutet, dass jemand etwas erlebt haben muss, dass einen so gravierenden Einschnitt in sein Leben hat, das, auch mit Therapie, dieses grundsätzlich beeinflusst. Zum Beispiel nach einem Raubüberfall, Missbrauch, einer Gewalttat. Um wie viel stärker aber ist es, wenn ein Mensch mehrfach traumatisiert wird, er aus der Gewaltspirale gar nicht mehr herauskommt? Noch dazu niemand darüber sprechen will beziehungsweise kann? Weil einem schlicht die Worte dazu fehlen? Kriege bedeuten einen unermesslichen Eingriff in Millionen von Menschen. Ist der Krieg erst vorbei heißt es meist, nun schauen wir vorwärts, rührt nicht in den alten Geschichten. Doch das ist falsch. Die sogenannten Kinder und Enkel traumatisierter Eltern und Großeltern des Zweiten Weltkrieges leiden noch heute unter diesen nicht bewältigten Kriegserlebnissen. Die Vorstellung aber, wie es ist, als Kind in diesen Strudel zu geraten, erst Jahre später mitzubekommen, dass es da tatsächlich einen Menschen gab, der die vollkommene Vernichtung einer Glaubensgemeinschaft anstrebte, es übersteigt jegliche Vorstellungskraft.

Ein weiteres Buch zu diesem Thema hat einer der letzten Zeugen des zweiten Weltkrieges, Samuel Pivnik, mithilfe seines Ghostwriters Mei Trow geschrieben. In „Pivnik – Der letzte Überlebende“ beschreibt der Autor seine vielfachen Traumata, die ein einzelner Mensch selten in dieser Vielzahl überhaupt überleben kann. Begleitet wurde das Buch in seiner Entstehung durch Historiker, Fotos und Skizzen, recherchierten Zeugenaussagen und Interviews mit Pivnik, die im Zeitraum von 2007 bis 2011 durchgeführt wurden. Querverweise zu Büchern anderer Überlebender, Historiker und anderen Autoren sowie aufbewahrten Belegen finden sich am Ende des Buches.

In seiner Biografie beschreibt der Autor vom Leben der Familie, die im oberschlesischen Bedzin ein gutes Zuhause gefunden haben. Aus der Sicht des 13-Jährigen, der von einem Tag zum anderen aus einem gerne Fußball spielenden, mit liebender Mutter, strengem Vater und vielen Geschwistern aufwachsenden Jungen, ein die Welt nicht mehr verstehender wird. Angst, Verzweiflung, Hunger, Hoffnung, Mahnung, Gewalt, Selektion, Trennung, Mord, das sind nun die Worte, die von nun an sein Leben prägen werden.

Mit dem Einmarsch der Deutschen in sein Dorf an seinem 13. Geburtstag endet sein bis dahin geregeltes Leben. Innerhalb von 7 Tagen ist alle Zuversicht dahin. Die Synagoge brennt, Menschen werden erschossen, Nachbarn, Freunde, Bekannte. Und niemand greift ein, niemand beschützt sie, im Gegenteil, es wird immer schlimmer. Zunächst noch in dem Wissen, dass seine Arbeitskraft und die der meisten seiner Familie sie vor dem schlimmsten bewahrt, kommt der Tag, an dem sie ihre Wohnung verlieren, in ein Ghetto ziehen müssen. Die Großmutter verlieren. Sich auf einem Dachboden verstecken. Irgendwann doch in einen Zug steigen. In Auschwitz-Birkenau landen. Er von seiner Mutter auf die andere Seite geschubst wird, damit zumindest er überlebt.

Die Schilderungen von Pivnik rauben einem den Atem. Er hat Mengele überlebt. Arbeitseinsätze, Erkrankungen, Mangelernährung und Selektionen, die nicht enden wollen. Irgendwann wird er in ein anderes Lager verbracht, bekommt dort eine zusätzliche Ausbildung. Nun kann er unter anderem Mauern hochziehen oder auch Stollen ausbessern. Und damit ist er nun hauptsächlich beschäftigt. Das schützt nicht vor den Gewalttaten der Soldaten und Bewacher, im Gegenteil. Er wird als Werkzeug dazu benutzt, selbst Tätig zu werden.

Der sogenannte Todesmarsch bestimmt über Monate seine nächsten Schritte, untergekommen am Ende bei einem seiner Bewacher. Immer noch in der Kleidung seiner Gefangenschaft, die später niemandem aufgefallen sein will. Auf einem der Gefangenenschiffe gelandet, die später von den Engländern beschossen wird, kann er gerade so das Ufer erreichen. Der Krieg ist vorbei, doch was bedeutet es schon für ihn? Es wird geleugnet, verdrängt, er versucht sein Leben zurückzubekommen. Zum Glück findet er seinen älteren Bruder, zu Zweit versuchen sie, sich ein Leben aufzubauen. Israel zu helfen. Ein Atelier in England. Gerechtigkeit zu finden, sich als Zeugen anzubieten, um die Schuldigen verurteilen zu können. Mehrere solcher Versuche schildert der Autor. Doch was für eine Strafe ist hier noch gerecht?

Es gibt sehr viele Bücher, Filme und anderes mehr zum Holocaust. Dieses sind die Erinnerungen eines Menschen, von Samuel Pivnik, einst ein 13-jähriger Junge, der gerne Fußball spielte und das im vertrauten Umfeld, sicher vor den Gefahren der Welt.


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alt gegen jung, söder, csu, machtkampf, wahlkampf , c

Der Machtkampf

Peter Müller
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei DVA, 26.09.2016
ISBN 9783421047434
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der Machtkampf – Seehofer und die Zukunft der CSU

Der Journalist Peter Müller begleitet die Partei CSU nicht nur in Bayern sondern auch in Berlin seit Jahren, auch auf Auslandsreisen. Dadurch hat er einen tiefen Einblick in die Machtkämpfe, Ränkespiele, marketingoptimierte Reden, Sitzungen und Wahlkampfstrategien. Rückblicke an die Anfänge der CSU mit dem sogenannten Übervater Strauss gehören hier selbstverständlich dazu. Nach Themen sortiert schaut Müller immer wieder zu bestimmten Zeitpunkten zurück, lässt Seehofer, Stoiber, Beckstein, Aigner, Söder und viele andere Parteigrößen zu Wort kommen beziehungsweise beschreibt deren Verhalten, Äußerungen und Strategien. Neben Seehofer zu bestehen in einer Partei, dessen Wichtigkeit auf Bundesebene immer nur nach dem höchstmöglichen Wahlergebnis, nämlich der absoluten Mehrheit, abhängt, das ist alles, was zu zählen scheint. Dabei hat jedes Mitglied seine eigene Strategie. Der Autor sieht in den Machtkämpfen zwischen Söder und Seehofer nicht nur den Generationenwechsel sondern auch die Verluste oder auch das Fehlen anderer guter möglicher Parteiführer.
Die ewigen punktgenau gesetzten Querelen zwischen Merkel und Seehofer, die einzig dazu dienen, der CSU Wählerstimmen zu retten, zieht sich durch das gesamte Werk von Müller. Die Hardliner der Wähler zu bedienen, die Stammtischparteigänger mit einfachen logischen Sätzen zur Wahlurne zu bewegen, das klingt so einfach, aber ist es das auch? Bleibt das tatsächlich so? Einfach tief rechts, gerade noch so vor den noch rechter ausgelegten Parteien zu agieren? Glaubt das denn noch jemand in der jungen Generation, die sich ihr Wissen aus dem Netz holt und nicht in den für Wahlkämpfe nach Festen stehen gebliebenen Bierzelten? Dass sich da etwas ändern muss, hat auch schon die CSU bemerkt, nachdem ihnen andere Parteien vorgemacht haben, wie das geht. Nicht umsonst waren, wie Müller beschreibt, die für die Wahlkampfstrategien vorgesehenen Parteimitglieder in Amerika und haben sich bei Demokraten wie Republikanern genau angesehen, wie das funktioniert. Und dass ein hauptsächlich auf Twitter-Nachrichten versessener Mensch sehr wohl Präsident eines der mächtigsten Länder der Welt werden kann.
Dass man aber nicht ohne die CDU seine Machtansprüche in Deutschland durchsetzen kann, wurmt den Ministerpräsidenten. Ohne entsprechendes Personal allerdings auch nicht. Schnell wird man da vom starken Koalitionspartner bei wichtigen Posten ausgebootet. Wie wichtig das bei europäischen und auch weltpolitischen Themen ist, lässt sich bei der gesamten letzten Wahlperiode verfolgen. Müller zeigt genau auf, wo Seehofer mit seiner Partei so gut wie kein Mitspracherecht hat. Auf internationalem Boden sieht sein Personal so schnell kein Land in Sicht, weder bei der Eurorettung, außer natürlich wahlkampfmäßges Gepolter aus Bayern, noch bei Kriegen und Krisen. Gerade nach zu Guttenberg war die Tür ziemlich zu. Da waren selbst die Reise nach Moskau während der Flüchtlingskrise und die Einladung von Viktor Orbán grenzwertig zu sehen. Müller vermutet, dass es nun, kurz vor der nächsten Bundestagswahl, die bis zur Drucklegung des Buches immer noch von einer weiteren Kanzlerkandidatur von Frau Merkel ausgegangen ist (was auch weiterhin bestand hat), keine größere Attacke von Seiten Seehofers mehr kommen wird. Schließlich will man wieder mitregieren.
Teilweise wirkt es Gebetsmühlenartig, wenn Müller immer wieder auf die selben Situationen oder Begebenheiten zurückkommt, zwar jedes Mal auf einen anderen Punkt zu sprechen kommt, aber man hofft, irgendwann ist es doch gut. Trotzdem sind die Machtspielereien zwischen den Parteimitgliedern interessant beschrieben, vor allem für die Wähler, wie er oder sie gesehen wird. Ob auch das zur Entscheidungsfindung beiträgt, wo sie als nächstes ihr Kreuzchen malen werden?

Am besten hat mir noch die Meinung eines CSU-Bundestagsabgeordneten zum Thema Landesgruppenausflüge gefallen, die ja schließlich von den bayerischen Steuerzahlern bezahlt werden: es wären ja keine Lustreisen, das würde man daran erkennen, dass seine Frau jedes Mal dabei wäre. Ein Name wurde nicht genannt, aber dennoch: Lust verspürt man(n) also keine mehr, wenn die eigene Frau (auf eigene Rechnung natürlich) mitfährt. Irgendwie traurig.

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schlechtes essen, visazeit überschreiten, syrien, kinder ohne schule, schlechte unterkunft

Sie nannten mich "Held"

Christian Haller
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei riva, 30.11.2015
ISBN 9783868838183
Genre: Biografien

Rezension:

Über das Buch von Christian Haller „Sie nannten mich »Held« - Wie ich als Deutscher in Syrien gegen den Islamischen Staat kämpfte“ wurde bereits viel geschrieben, Sendungen ausgestrahlt, es wurde debattiert und diskutiert. Nun habe ich es mit etwas Abstand zur Veröffentlichung gelesen. Seitdem ist viel passiert, vor allem aber, der Krieg ist noch immer nicht vorbei. Und wie Haller in seinem Buch mit Recht feststellt, sind die Kurden ein Spielball zwischen allen Fronten, sie werden diesen Krieg nicht gewinnen. Denn Haller ist vor allem für die Kurden in einen Krieg gezogen, der nun mal nicht seiner ist. Obwohl uns Krieg alle angeht. Denn die Folgen spüren wir von Tag zu Tag mehr. Wirtschaftlich, politisch, global, die Auswirkungen kennen keine Grenzen.

Doch wie kommt ein junger Mann, ohne militärische Ausbildung dazu, sich auf den Weg zu machen, um ein Soldat zu werden? Anders als in dem Buch von Stefan Müller „Mythos Fremdenlegion“, der großes Interesse am Militär und auch an der entsprechenden Bezahlung hatte, war Haller vorher nicht bei der Bundeswehr. Auch wurde er nicht von der YPG, der Volksverteidigungseinheiten der Kurden fürstlich bezahlt, im Gegenteil, die Unterkünfte waren spärlich eingerichtet, die Versorgung ließ zu wünschen übrig. Eine Ausbildung? Nun ja. Diese war eher rudimentär. Er konnte mit einer Waffe umgehen, also wurde er entsprechend eingeteilt.

Seine Begründungen, warum er eines Tages ein an sich gutes Leben hinter sich ließ, Freundin, Haus, Job und seinen geliebten Hund, waren die Berichterstattung über die Gräueltaten des Islamischen Staates. So, aus der Sicht von vielen Naiv, wie er sich in den Krieg verabschiedet hat, so beschreibt er auch seinen Weg dorthin. Berichtet über weitere Freiwillige, die alle die Kurden unterstützen wollen in ihrem Bestreben, sie vom IS zu befreien. Der Autor sieht sich zumindest bemüht, wie er es in seinen Zeilen festhält, so gut es geht zu unterstützen und zu helfen. Er tötet den Feind „Daish“, denn dafür ist er da, um seine Kameraden und Kameradinnen zu schützen. Andere Freiwillige haben sich wohl überschätzt, sind in seinen Augen völlig fehl am Platz, nerven, stören, gefährden die Einheit und sich selbst.

Haller beschreibt die Armut, das Chaos, die Hitze, den Hunger. Er sieht es nicht nur, sondern er spürt es am eigenen Leib. Dabei kritisiert er in einem Halbsatz, dass in Deutschland Menschen von Existenzängsten sprechen. Das ist menschlich, aber, er vegisst in diesem Moment, dass es immer noch genug Protagonisten des letzten Weltkrieges gibt, die selbst geflüchtet sind, alles verloren haben, und es sehr wohl nachvollziehen können, was Haller beschreibt.

Das Machtgefühl, das einen überkommt, sobald man eine Waffe in der Hand hält, dieses „Feeling“, wie er es nennt, in ungeübte, nicht ausgebildete „Soldaten“, Haller ist davon am Anfang begeistert. Einige Seiten weiter fliegen ihm die Kugeln um die Ohren und ihm wird bewusst, dass er eigentlich gerne leben will. Muss ihm tatsächlich erst der Tod vor Augen stehen? Anscheinend schon. Nun wird der Autor des Öfteren gefrustet, weil er nicht nur Stunden, sondern Tage warten muss oder mit, laut seinem befinden, unfähigen Menschen seinen Dienst absolviert. Das schmeckt ihm nicht.

Als Mitglied in einer, wie er es nennt, Multitasking-Force, deren primäres Ziel war, die Sicherheit für eine ranghohe Persönlichkeit zu gewährleisten, wurde er nicht direkt an der Front eingesetzt, war aber im Land viel unterwegs. Dadurch lernte er viele Orte kennen, wodurch er über den Krieg und seine Schattenseiten, die tiefen Konflikte dieses Landstriches, den die Kurden im Norden Syriens bewohnen, viel begriff. Vor allem auch, dass und wie gut es ihm zu Hause in Deutschland geht.

Der innere Konflikt um den Krieg an sich, dem kann der Autor irgendwann nicht mehr ausweichen. Er war gekommen um zu helfen, den Krieg zu beenden, doch es reift in ihm die Erkenntnis, dass dieser Krieg wohl niemals endet. Ab da beginnt er innerlich eine Berechnung des Pro und Contra zum Thema bleiben oder gehen aufzustellen, dass am Ende der meisten Tage ein, wie er es nennt, Nullsummenspiel wird. Doch irgendwann kommt es zu einer negativen Bilanz. Ab da möchte er nur noch nach Hause. Dass man ihn, der sich nie beklagt hat, nicht so einfach ziehen lässt, schockiert ihn. Sein sogenannter Vorgesetzter gab ihm erst sein „Go“, als er alles hinschmeißt und in seiner Wut ohne Waffen und Ausrüstung zu seinem Basiscamp aufbricht. Ohne ein großes Wort des Dankes auszusprechen. Zumindest bekommt er Geld, um sicher nach Hause zu kommen. Und, er hat das „Abenteuer“ mit wenigen Kratzern überlebt, mehr, wie er schreibt, als so manch anderer Freiwilliger.

Auch jetzt noch eine interessante Beschreibung dessen, wie es einem als Freiwilligen ergehen kann. Für all jene, die mit dem Gedanken spielen, sich außerhalb der Bundeswehr an einem Krieg zu beteiligen und sich nicht als geeigneter Kandidat für die Fremdenlegion sehen.

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stillstand, fortschritt, blackbox, fehler als chance, fehleranalyse

Das Black-Box-Prinzip

Matthew Syed , Ursula Pesch , Franka Reinhart
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 11.11.2016
ISBN 9783423261302
Genre: Sachbücher

Rezension:

Fehler? Mach ich doch keine! Ich? Ich habe keinen Fehler gemacht. Das waren die Anderen. Wir machen keine Fehler! Das kommt einem sehr bekannt vor. Oder nicht? Matthew Syed aber beschreibt, wie kostbar es sein kann, sich Fehler genau anzuschauen, zu analysieren, um daraus zu lernen. Und nicht nur das. Auch alte Verfahren, Meinungen, Thesen mal auf den Prüfstein zu legen, hat seinen Sinn. Sein Buch „Das Black BOX PRINZIP – Warum Fehler uns weiterbringen“ versucht, mit dem Klischee aufzuräumen, dass Fehler bloß vertuscht werden sollten. Sicher, im Grunde wissen wir das. Aber wir fallen immer wieder auf unser seit Kindheitstagen eingeprägtes Verhalten zurück, dass Fehler etwas sind, was böse ist. Fehler werden bestraft, statt zum Anlass zu nehmen, sie gründlich zu durchleuchten, wie es dazu kam, wie man es besser machen kann, um in Zukunft diese zu vermeiden. Sprich: wie wir daraus lernen können.

Der Autor stellt sehr viele Beispiele vor, wie wir mit Fehlern umgehen, in welchen Branchen mit Fehlern konstruktiv umgegangen wird und wo und wie sie demonstrativ geleugnet werden. Die Energie, Zeit, Geld und Ressourcen aufbrauchen, nur um zu beweisen, dass der Fehler keiner war, das wir weitermachen sollten wie bisher. Dabei schaut Syed auch in die Vergangenheit, in die Entwicklung, wie in welchen Ländern eine Fehlerkultur entwickelt wurde. Wie es dazu kam, dass Jahrhundertelang an alten Tatsachen festgehalten wurde, anstatt sie einmal einem Test zu unterziehen, ob denn alles seine Richtigkeit hat oder die Menschheit einem Trugschluss unterliegt. Kirche, Machtstrukturen, Obrigkeitsdenken, strenge Hierarchien, all diese sozialen Begebenheiten, schreibt Syed, hinderen uns daran, Fehler zu sehen und sie laut und deutlich zu benennen.

Sehr anschaulich und gut verständlich taucht der Autor in einzelne Geschichten ein. Von dem Ehemann und Vater, der seine Frau bei einer Routineoperation verloren hat und sich nicht beirren ließ, bis herausgefunden wurde, warum das passiert ist und wie dieser Fehler nicht mehr passieren kann. Ihm kam es nicht auf eine Bestrafung an, sondern dass daraus gelernt wird und die Konsequenzen für alle Operationssäle bekannt gemacht werden, damit in diesen mehr Menschenleben gerettet werden können. Der Erfolg gibt ihm recht. In der Flugzeugindustrie ist das Blackboxprinzip gang und gebe. Jeder noch so kleinen Unregelmäßigkeit wird nachgegangen.

Syed hat viele Interviewpartner aus der Industrie zu Wort kommen lassen und führt vor, wie aus einer Idee und vielen Versuchen ein neues Produkt auf den Markt kommen kann. Allein daraus, dass sich jemand über eine Sache ärgert, die nicht richtig funktioniert.

Die Schattenseiten der Fehleranalyse zeigt der Autor anhand der Rechtsprechung in Amerika auf. Seit die DNA Verbrecher überführen kann, kann sie aber auch Unschuldige aus dem Gefängnis befreien. Die Uneinsichtigkeit von Richtern und Polizisten, einen Fehler gemacht zu haben scheint Grenzenlos. Und so sitzen Menschen, obwohl bewiesen ist, dass sie unschuldig sind, noch Jahre hinter Gittern. Gerade diese Unfähigkeit, Fehler einzugestehen, ist ein weiterer wichtiger Punkt in Syeds Buch. Ob es nun Richter in Amerika sind, der Autor vergleicht hauptsächlich Großbritannien und die Vereinigten Staaten, oder Politiker auf beiden Seiten des „großen Teiches“, die Angst, einen Fehler einzugestehen und die dadurch entstehenden Konsequenzen anzugehen, sind enorm. Denn je größer der Mensch ein Machtpotenzial zur Verfügung hat, um so schwerer wiegen die Folgen einer Fehlentscheidung. Dabei geht es meist um Menschenleben. Ob es nun im Gesundheitswesen, mit der noch immer klein gehaltenen Fehlerkultur ist, oder als Politiker, der über Krieg und Frieden entscheiden muss.

Syed stellt zu Recht fest, dass Fehler uns weiterbringen, nur dadurch kommt es zu Fortschritt in allen Bereichen unseres Lebens. Aber wenn „Fehler machen“ immer noch zu oft zu Strafen oder Missachtung führen, statt zu einer Änderung im Betriebsablauf und vielem mehr, ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

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gegenpropaganda, sprache des krieges, märtyrer, schwarze kleidung, hinrichtungen

Die Sprache des Terrors

Philippe-Joseph Salazar , Christiane Seiler
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Pantheon, 29.08.2016
ISBN 9783570553435
Genre: Sachbücher

Rezension:

In „Die Sprache des Terrors“ von Philippe-Joseph Salazar setzt sich der Autor intensiv mit den Worten des IS auseinander. Wie werden sie wann in welchem Zusammenhang wie benutzt, aber auch, welche Bekleidung die Mitglieder des IS tragen, welcher Hintergrundsprachgesang wird wann bei den veröffentlichten Videos genutzt, wo und wie sind diese zu sehen und wie hat sich die Szenerie im Zeitverlauf verändert. Erst durch eine intensive Analyse kann festgestellt werden, inwieweit sich die Sprache des Kalifats in die restliche Welt bereits integriert hat, eine vom Autor als parasitär bezeichnet, von uns jetzt schon selbstverständlich benutzt.

Salazar fungiert hier wie ein Übersetzer, der die uns fremde Welt des Kalifat näher bringt, weil es sich schon anhand seiner Sprache bei uns eingeschlichen hat, mithilfe unserer Medien, scheinbar ohne, dass wir es merken. Wir belächeln die blumige Sprache, die zum Beispiel die Selbstmordattentäter benutzen. Warum es uns in die Irre leitet, das erklärt der Autor. So wie die Unterschiede zwischen Westen, Kalifat und auch andere arabische Länder.

Salazar räumt zunächst mit Missverständnissen in der Sprache auf, als einer der ersten Punkte nimmt er sich Territorium/Terrorismus/Terrorist vor. Das Kalifat ist zwar das Territorium des IS, sieht aber den Rest der Welt als „besetzt“ von uns, dem Westen an, das man befreien muss. Wie war das eigentlich früher? Terror fügte ursprünglich der Herrscher über ein Territorium einem Verbrecher zu, indem er ihm „heilsame Furcht“ einflößte. Heute kommt der Terror von außen. Uns wird und soll „heilsame Furcht“ zugefügt werden, auf das wir erkennen, wer oder was das Beste für uns ist. Wir befinden uns im Krieg, benennen es aber nicht deutlich genug. So wie wir von Märtyrer und Selbstmordattentäter, von Terroristen reden und schreiben, obwohl es sich doch um Soldaten und Partisanen handelt. Außerhalb des Territoriums des Kalifat soll der Partisan unerkannt, ohne Uniform oder erkennbarer Waffen den Feind angreifen und zermürben. Solange wir aber nicht unsere Worte dafür benutzen, erkennen wir nicht das Ausmaß der Übergriffe. Der Autor warnt eindringlich davor dies zu unterschätzen.

Es wurde gelacht, als bekannt wurde, dass das Kalifat ausgerufen wurde. Doch benutzte der Anführer weder Pomp noch Trara. Und es ist ihm auch gleichgültig, ob andere Staaten das Kalifat anerkennen oder nicht, für ihn und seine Gemeinde ist es Fakt. Und auch wenn er zurückgedrängt wird, so wird es immer welche geben, die zum Kampf bereit sind. Salazar beschreibt anhand geschichtlicher Entwicklungen, wie zum Beispiel die Proklamation der Vereinigten Staaten 1793 vom Westen, dem alten Europa, verlacht wurde.

Um unsere jungen Frauen und Männer vor dem Weggang aus unseren Ländern hin zum IS zu hindern, wird vieles getan. Aber hat es auch Wirkung? Salazar hat sich die sogenannte Gegenpropaganda genau angeschaut. Wen soll sie ansprechen? Es ist bereits deutlich geworden, dass eben nicht nur die „Abgehängten“ Richtung Syrien aufbrechen oder zu anderen Trainingscamps auf der Welt, sondern viele kluge, studierende, in Ausbildung befindliche Männer und Frauen den „Westen“ und deren Werte verlassen und in den Dschihad gehen. Darauf weisen schon Gilles Kepel und Antoine Jardin in ihrem Buch „Terror in Frankreich - Der neue Dschihad in Europa“ hin. Doch zum Beispiel die Videos sprechen höchstens unbedarfte an, die zufällig darüber stolpern. Salazar versucht Hinweise dafür zu geben, indem er seine Analysen detailliert zur Verfügung stellt, das heißt, er zerlegt diese Videos in kleinste Sequenzen, um auf Fehler hinzuweisen. Es müssen andere Wege gefunden werden

Was mir zu wenig beschrieben wurde ist der Feminismus im Kalifat. Die Prägung auf dem Weg ins Kalifat, was es bedeutet als Frau sich von der Familie zu trennen und alleine, womöglich noch schwanger sich auf den Weg zu machen, darüber erfahren wir viel. Auch, was es mit den unterschiedlichen Ausprägungen in Europa und, vor allem aus den letzten Jahren aus Amerika, der Genderthematik, im Vergleich auf sich hat, lesen wir. Doch wie fühlen und leben, sprechen die Frauen, wenn sie dann in ihren „neuen“ Familien aufgenommen wurden?

Salazar schreibt selbstverständlich zunächst aus Sicht der Franzosen, vergleicht aber immer wieder auch Handlungs- und Denkweisen von Frankreich, Deutschland und anderen Staaten Europas. Ob es nun um die Diskussionsbereitschaft geht oder auch im Bezug zur Gesetzeslage und welche Möglichkeiten seiner Meinung nach absolut nicht genutzt werden.

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drache, fantasy, fluch, magie, besondere wesen

Diamantdrache

Marie-Luis Rönisch
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Eisermann Verlag, 12.12.2016
ISBN 9783946172598
Genre: Fantasy

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recht, rechtsstaat, bildung, salafisten, kriminalität

Deutschland in Gefahr

Rainer Wendt
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei riva, 15.08.2016
ISBN 9783868834765
Genre: Sachbücher

Rezension:

Rainer Wendt hat mit seinem Buch: Deutschland in Gefahr – Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt, eine für Diskussionen sorgende Veröffentlichung auf den Weg gebracht. Dass Polizisten, aber auch Feuerwehr und ärztliches Personal in der Öffentlichkeit immer wieder und auch immer mehr zur Angriffsfläche von Mitbürgern unseres Landes genutzt werden, steht außer Frage. Ebenso wie die mangelnde Ausstattung, zu geringe Ausbildungszahlen, schlechte Bezahlung und andere Sachthemen besprochen werden. Der Autor gibt aber mehrfach seine eigene Auffassung von Demokratie und Rechtsprechung wieder. Soll die Leserschaft das als Wahlbotschaft für 2017 auffassen? Wendt ist nicht seit gestern Mitglied einer der großen Parteien in unserem Land. Die Diskussionen um die Angriffe auf Polizisten, Retter, Feuerwehr, haben ja nun auch Früchte getragen, das Bundeskabinett hat eine Verschärfung des Strafrechtes Anfang Februar 2017 auf den Weg gebracht, dass bereits Attacken mit strengeren Strafen geahndet werden sollen.

Mit schon fast derber Sprache beziehungsweise populistisch-provokant zählt er Kapitel für Kapitel auf, was seiner Meinung nach schief läuft und unbedingt anders gestalten werden sollte. Der Staat hält sich inzwischen aus zu vielen Dingen wieder heraus, die seiner Meinung nach unbedingt wieder originäre Aufgaben werden müssen. Wer das bezahlen soll, darüber steht nichts im Buch. Zum Teil mutet es schon träumerisch an, wenn er den Hausmeister in der Schule vermisst, der doch immer hoch geachtet war. Da reichte nach seinen Aussagen schon ein Stirnrunzeln und dann lief es bei den Schülern wieder rund.

Es klingt schon sehr stark danach, dass der Autor mehr möchte, als gut ausgebildete junge Leute, die ihren Dienst für Deutschland in den einzelnen Bundesländern, bestens ausgestattet, durchführen. Eher nach Zucht und Ordnung, am besten alles stark kontrolliert. Dass Richter unabhängig sind, scheint ihm nicht so ganz zu passen, da sind doch fast überall härtere Strafen möglich? Sicher, er erwähnt auch Urteile, die ganz nach seinem Geschmack zu sein scheinen, doch analysiert er nicht eines dieser Gerichtsverfahren, geht nirgends in die Tiefe, alles wird nur oberflächlich und plakativ angesprochen.

Dass es keine Pflicht für die Kleinsten in unserem Lande gibt, sich in den Kindertagesstätten einzufinden, damit sie ordentlich erzogen werden und so aus ihnen brave Bürger werden, scheint ihm völlig unverständlich. Gott sei Dank leben wir in einer Demokratie. Der hiesige Terrorismus (RAF) stammte zum größten Teil aus so genanntem guten Hause, hatte keine schlechte Bildung, und doch ist etwas schief gelaufen. Gute Informationen zu dem Thema Terror in unserer Zeit bieten da die Autoren Gilles Kepel mit Antoine Jardin mit ihrem Buch „Terror in Frankreich, der neue Dschihad in Europa“, sie erläutern die zeitliche Entwicklung, Hintergründe der Täter, was genau schief gelaufen ist, wie Täter in den Gefängnissen „radikalisiert“ wurden.

Zahlen bietet der Autor viele, allerdings keine Recherchemöglichkeiten, woher die Daten denn genau stammen? Da werden Prozentangaben zu Sachverhalten angeboten, ohne Grundwerte, ohne Zeiträume, ohne Methoden, wer hat sie wann erhoben und auf welcher gesetzlichen Grundlage? Soll seine Leserschaft alles so hinnehmen oder erst anfangen zu googeln? Als Beispiel soll hier Kapitel 7 zur Verkehrsüberwachung dienen. Die Todesfälle im Straßenverkehr würde der Autor noch viel deutlicher verringern, schlägt auch entsprechende Methoden vor. Er bemängelt den nicht vorhandenen Bundesverkehrssicherheitsbeauftragten, einen Bundesdatenschutzbeauftragten haben wir. So ist nun mal die Gesetzesgrundlage. Doch der Staat versagt seiner Meinung nach, weil mit Zahlen falsch operiert wird. Auch hier fehlen die Angaben, woher seine Daten stammen. Damit sich die Leser ein eigenes Bild machen können hier zumindest eine offizielle Internetseite, die auf weitere offizielle Datenanbietern verweisen: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/TransportVerkehr/Verkehrsunfaelle/Verkehrsunfaelle.html

Dass Polizistinnen und Polizisten einen harten Job ausfüllen, darüber lesen wir immer wieder, zum Beispiel erst kürzlich veröffentlicht: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/von-beruf-polizist-wir-bekommen-jede-menge-wut-ab-a-1132836.html

Und das Buch von Tania Kambouri „Deutschland im Blaulicht – Notruf einer Polizistin“ zeigt eindringlich auf, wie schwer es gerade für Frauen im Polizeidienst ist, ihre Pflicht zu erfüllen.

Über den Autor gibt es im Internet unter anderem unter folgendem Link Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Wendt


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Tags: bildung, geldstrafe, gewalt, gewaltbekämpfung, kriminalität, polizei, rechtsstaat, salafisten, terror   (9)
 

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212 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 27 Rezensionen

sinn des lebens, selbstfindung, philosophie, roman, reise

Das Café am Rande der Welt

John Strelecky , Bettina Lemke , Root Leeb , Root Leeb
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.02.2007
ISBN 9783423209694
Genre: Sachbücher

Rezension:

Bereits von 2003, erst jetzt in meinem Bücherstapel entdeckt und sofort angefangen zu lesen. Hier ist mein Eindruck:

Stell Dir vor, Du willst ein paar Tage ausspannen, weißt eigentlich nicht so genau wohin Du willst, fährst mal drauf los und dann stehst Du im Stau. So fängt das kleine Buch von John Strelecky „Das Café am Rande der Welt“ an. Die Erzählung über den Sinn des Lebens ist kurz, mit vielen schönen Skizzen gespickt in 17 Abschnitten unterteilt. John, unser Protagonist, will einfach nur den Stau umfahren als er merkt, dass er sich völlig verfahren hat. Er weiß nicht mehr wo er ist, nur dass seine Benzinanzeige ihn langsam und allmählich gerne in die Nähe einer Tankstelle fahren sehen möchte.
Der Autor lässt uns mit John umherirren bis er, als er sich schon im Dunkeln zu Fuß nach einer Tankstelle gehen wähnt, noch einmal links abbiegt und endlich ein Licht erblickt. Wie das Licht am Ende eines Tunnels, ein Ausweg, ein Ziel. Oder der Anfang einer magischen Geschichte. John findet sich in einem Café wieder, das aussieht, als hätte es die besten Tage hinter sich aber unglaublich gemütlich. Hier lernt John im Laufe der nächsten Stunden drei Menschen kennen, die sein weiteres Leben auf den Kopf stellen werden. Da ist zunächst Casey, Bedienung und Seele des Cafés, die mit John viele tiefschürfende Gespräche führen wird, während er ein riesiges Frühstück zu sich nimmt. Und dann Mike, der Koch, der ihn mit allem, was John schmecken könnte verwöhnt. Als Dritte ist da Anne, die bereits öfters im Café war und ihr Leben ziemlich umgekrempelt hat.
Doch was ist nun so besonderes an dieser Erzählung? John findet nicht nur viele tolle Speisenangebote auf der Karte, sondern auch drei Fragen, die ihn regelrecht anspringen. Besonders die Erste: Warum bist Du hier? Das Spiel mit den Worten beginnt. Und es scheint, als wenn diese Frage ab und an ihre Worte tauschen würde: Warum bin ich hier. Casey und John beginnen eine philosophisch angehauchte Unterhaltung, bei der John viele Fragen stellt, die Casey ihm aber mitnichten beantwortet. Im Gegenteil, er bekommt Gegenfragen zu hören, die ihn immer tiefer in sich hinein lauschen lassen, sein Leben gründlich überdenkt. Und als Leser kommst Du auch ins Grübeln, überlegst, was ist der Sinn Deines Lebens, was erfüllt Dich so, welche Tätigkeiten machen Dir Freude und vieles mehr.
Dadurch, dass John seine Fragen nicht einfach beantwortet bekommt, sondern nur Hinweise, auch durch Mike, erfährt er viele Aha-Momente, bei denen er langsam zu begreifen scheint, was es mit den Fragen und vor allem den selbst gegebenen Antworten auf sich hat. Casey bringt irgendwann Anne zu ihm, damit sie sich ebenfalls unterhalten können. Sie berichtet von ihrer eigenen Wandlung. John ist schwer beeindruckt. Die Ruhe, die alle Personen ausstrahlen, trotz des nicht ganz einfachen Themas, lassen einen auch selbst ruhig bleiben. Was nutzt auch zu schnelles agieren, lieber einen Schritt nach dem anderen, so, wie es auch Anne und Mike erzählen.
Schritt für Schritt herausfinden, wer man ist, was einen ausmacht, sich nicht von Rückschlägen aus der Bahn werfen lassen, seinen Platz in der Menge finden ohne sich zu sehr von Anderen in deren Richtung schubsen zu lassen. Das und vieles mehr erfährt John in dieser Nacht, obwohl er eigentlich ein paar Tage ausspannen will, seine Batterien wieder aufladen und seinen Job als Manager weitermachen. John stellt viele wichtige Fragen, die auch wir uns stellen würden. Ob er von den Dreien die für ihn passenden Antworten bekommt beziehungsweise Hinweise darauf?
Man muss es wollen, sich einlassen auf vielleicht unbequeme Fragen und Antworten. Der Autor lässt John auch Fragen nach dem Geld, dem Lohn für ein anderes Leben stellen und bekommt Beispiele genannt, die im ersten Moment einfach erscheinen. Aber es lohnt sich, darüber einmal nachzudenken. Für alle, die auf der Suche sind, oder auf die Suche gehen wollen, nach etwas Neuem.

Weitere Informationen über den Autor findet sich zum Beispiel unter: https://www.dtv.de/autor/john-strelecky-3471/ und in der englischsprachigen Ausgabe von Wikipedia.


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Tags: aha-erlebnisse bei der suche auf erkenntniss, der sinn meines lebens, tiefgehende fragen, was ist klarheit, was ist wahrheit   (5)
 

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1.412 Bibliotheken, 27 Leser, 11 Gruppen, 146 Rezensionen

liebe, zeitreise, zeitreisen, schicksal, romantik

Die Frau des Zeitreisenden

Audrey Niffenegger ,
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.11.2005
ISBN 9783596163908
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags: zeitreisen, zeitsprünge   (2)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

inseln, krebse, hummer, ostküste, liebe

Der Hummerkrieg

Elizabeth Gilbert , Elke Link
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 18.03.2009
ISBN 9783833305870
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: großfamilien, hummer, inseln, krebse, liebe, main, romantik   (7)
 

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verkaufsfördernde sprache, verschwörungstheorien, was 2016 nicht in der zeitung stand, 2016 im mittelpunkt, auf der vergeblichen suche nach wahrheit

verheimlicht - vertuscht - vergessen 2017

Gerhard Wisnewski
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Kopp Verlag, 21.12.2016
ISBN 9783864453809
Genre: Sachbücher

Rezension:

Unter folgenden Gesichtspunkten und Fragen sollte die Leserschaft von „verheimlicht, vertuscht, vergessen“ von Gerhard Wisnewski, das neue Jahrbuch „Was 2016 nicht in der Zeitung stand“ sich genauer ansehen: Die Vermischung von Tatsachen, Wünschen, Träumen, Vermutungen und Spekulationen gepaart mit einer Sprache, die als Instrument dazu dienen soll, eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen. Das ist auch Marketing, Verkaufsstrategie, wie immer man es benennen mag. Wähle ich eine sachlich-analytische Sprache, wird der Autor nicht das Publikum erreichen, das er mit einer schnodderigen, auch stark provozierenden Art erreichen möchte. Zu Recht verweist der Autor auf „Zitat: Propaganda-Papst Edward L. Bernays“ darauf hin, wie wir auf bestimmte Meinungen und Gewohnheiten hingeführt werden. Dabei benutzt der Autor einen für unser Zeitalter schon nicht mehr passenden Untertitel. Es kann gar nicht mehr alles in der Zeitung stehen, hat es auch noch nie. Es wurde schon immer eine Auswahl dessen getroffen, was die jeweilige Redaktion zur Veröffentlichung für Notwendig erachtet hat. Dass durch Lobbyisten Politik gemacht wird, wir von Werbung verführt werden und Redekünstlern umgarnt, das alles ist bekannt. Der Autor möchte mit seinem Buch die Finger auf Wunden legen, uns auffordern zwischen den Zeilen zu lesen, um zu erkennen, was nicht stimmig ist oder sein kann; kritisch zu werden. Vor allem die provozierende Art seiner Ausdrucksweise bezogen auf Opfer und Angehörige von Straftaten, Vermutungen und Spekulationen gerade im Bezug auf Terror und Gewalt ist fragwürdig.

Dann muss sich Wisnewski auch gefallen lassen, dass wir ebenfalls kritisch mit seinem Buch verfahren. Auch der Autor trifft eine Auswahl an Themen, die er näher beleuchten will. Dabei stellt sich natürlich auch die Frage, ob er tatsächlich die Themen selbst aussucht, oder er nicht vom Verlag auf bestimmte Themenbereiche festgelegt wird. Die Kapitel sind Monatsweise angelegt, einige Themen herausgestellt und die von ihm behandelten fett gedruckt. Also wird auch hier eine Auswahl getroffen. Bloß von wem?

Nicht nur die Leserschaft seiner Schriftenreihe ist älter geworden, auch die Technik hat Quantensprünge vollzogen. Und auch wenn Wisnewski, Jahrgang 1959, sein Buch nun als Hardcover herausbringt, als lesefreundlicher Service für die jetzt älteren Käufer, so ist es auch nicht von der Hand zu weisen, dass das Internet als Informationsquelle die Zeitung längst abgelöst hat. Wer genaueres wissen will geht ins Netz. Wie auch der Autor. Dabei verwundert es erheblich, wie einseitig er auf die ausgewählten Themen eingeht, anderweitige Meinungen höchstens abweisend bis verneinend anspricht und damit dem Leser suggeriert, dass es nur eine Richtung geben kann, die Richtig sein soll. Sollte nicht der Leser selbst sich eine Meinung bilden können?

Die Quellenangaben sind unzureichend, umständliches nachrecherchieren ist gesetzt. Das war in seinen vorherigen Ausgaben besser gelöst. Die Recherchen bei manchen Themen sind lückenhaft, vor allem wenn auf Studien hingewiesen werden, die in entsprechenden Medien zu finden sind. Diese werden als gegeben hingenommen, ohne dass der Autor auf diese näher eingeht. Dabei weisen inzwischen viele von ihnen erhebliche Mängel auf. Wenn der Leser nicht weiß, nach welchen Methoden die Daten berechnet wurden, mit welchen Zeiträumen, welche Punkte zu Ausschlusskriterien führten, wer die Studie bezahlt hat und so weiter und so weiter, dann ist das mehr als unzureichend.

Durch die absolut fehlende sachlich, analytische Schreibweise wage ich zu bezweifeln, dass der Autor Entscheidungsträger in unserem Land erreichen wird, auch wenn er mit seinen Recherchen viele wichtige Themenbereiche aufgreift. Seine früheren Bücher weisen eine sehr viel tiefer gehende Analyse eines Sachverhaltes auf, zum Beispiel „verheimlicht vertuscht vergessen: Was 2014 nicht in der Zeitung stand“der bei Knaur erschienen ist.

Weitere Informationen unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Wisnewski

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Tags: 2016 im mittelpunkt, auf der suche nach wahrheit, auf der vergeblichen suche nach wahrheit, frauen und arbeit, schlechte sprache, verkaufsfördernde sprache, verschwörungstheorien   (7)
 

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flüchtlinkspoliti, verfassungsschutz, seilschaften, dunkelmacht, altnazi

Dunkelmacht

Harald Lüders
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Westend, 04.10.2016
ISBN 9783864891557
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Aktuell und realitätsnah wirkt der Thriller von Harald Lüders „Dunkelmacht“. Es geht um alte Machtstrukturen, Seilschaften und ein nicht einsehen wollen, dass bestimmte Ereignisse nicht ohne Gewalt zu ändern wären. Die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin sind gewissen Personen beim Verfassungsschutz, hier zum Beispiel Werner Dickmann, und anderer wichtiger Behörden ein Dorn im Auge. In konspirativer Runde beschließen sie, einen Fachmann zu rekrutieren, der für sie eine Flüchtlingsunterkunft in die Luft jagen soll.
Doch sie haben die Rechnung ohne den an sich selbst zweifelnden Journalisten Mitch gemacht. Der, angestellt bei einer Firma, die Dokumentationsfilme nach Auftrag herstellen, endlich wieder einmal seinem ureigensten Job des investigativen Journalismus nachgehen will. Lüders stellt ihn als langsam Fett ansetzenden, zu Selbstzweifeln neigenden Journalisten dar, der so gerne endlich mal wieder etwas richtig machen will. Da kommt ihm die anonym zugestellte DVD wie gerufen, auf der man sieht, wie die NSU-Mörder vor ihrem angeblichen Selbstmord gefilmt werden. Woher kommt die DVD? Und, noch wichtiger, gibt es noch mehr Material von demjenigen, der es ihm zugespielt hat?
Der Autor beschreibt auch eine typische Flüchtlingsfamilie, Vater, Mutter, zwei Kinder, deren Flucht bis nach Deutschland, Aufnahmelager inklusive. Diese Familie soll nun Mitch für einen Fernsehsender begleiten, und es verschlägt ihn ausgerechnet in den Osten. Dorthin, wo ein bekannter Rechtsradikaler seine Fäden zieht, mit dem er noch eine Rechnung offen hat.
Lüders führt viele verschiedene Erzählstränge langsam aufeinander zu, nach dem Motto, jeder kennt jeden über fünf Ecken. Aber es passt. Keine Figur wird vergessen, selbst der Abspann wirkt wie ein versöhnlicher Ausgleich zu der Gewalt, die sich über alle Protagonisten ausschüttet, als wären sie ein Muss in unserer Zeit.
Ob es sich nun um das Erstarken neuer Parteien in Deutschland handelt und, in den Westen geschaut, um einen an sich unpolitischen Menschen, der einen der wichtigsten Machtposition der Welt anstrebt, der Autor lässt den Journalisten Mitch über vieles nachdenken. Die beschriebenen Seilschaften, kaum zu durchdringen, immer wieder erneuert durch nachkommendes Personal, das zusammenhält, komme was wolle, mit den üblichen Tricks aus der Schublade - so weit hergeholt ist das alles nicht. Die Schlagzeilen der vergangenen Tage und Wochen zwischen Amerika und Russland zeigen, es funktioniert noch immer, mit den neuen Techniken nun ein wenig anders, aber der Wille, überall seine Finger im Spiel zu haben und Menschenmassen zu leiten, es hört nicht auf. Aber es sind nicht zu viele Anleihen an die Realität, sondern punktuell eingestreute Tatsachen, mit dem der Autor seine Protagonisten arbeiten lässt.
Von daher wirkt der Thriller, als könnte sich die Geschichte tatsächlich so und nicht anders abgelaufen haben. Der Schreibstil tut sein Übriges dazu, fein gesetzte Übergänge lassen den Spannungsbogen nicht zusammenfallen.

Die Umschlaggestaltung wirkt düster mit dem an ausgehendes Feuer wirkender Schrift und durchzogener grauschwarzer Rauchschwaden. Doch dunkelgraue Schrift auf schwarzem Hintergrund, wie auf der Rückseite genutzt, lässt sich schwer lesen, da macht es fast nichts aus, dass ein kurzes Wort fehlt.

Mehr über den Autor findet man unter www.westendverlag.de/buch/dunkelmacht/#book-author

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Tags: altnazi, apo, bomben, flucht, flüchtlinge, flüchtlingsströme, geheimdienst, journalist, nazigefolgschaft, nsu, seilschaften, semtex, verrat verfassungsschutz, wiederstand   (14)
 

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drogen, drogenfunde, management, gefängnisse, rogenhunde

Narconomics

Tom Wainwright , Henning Dedekind
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Blessing, 19.09.2016
ISBN 9783896675538
Genre: Sachbücher

Rezension:

Warum nicht mal den illegalen Drogenkartellen näher auf die Finger schauen mit einer ganz neuen Sichtweise? Drogenhandel als ein weltweit agierendes Unternehmen, wie jedes andere auch. Allerdings, da gibt es doch so manche Unterschiede. Diesem Thema nachgegangen ist Tom Wainwright in seinem Buch Narconomics mit dem entsprechenden Untertitel „Ein Drogenkartell erfolgreich führen“.

Niemals zuvor habe ich in einem Buch so viele Merkzettelchen verklebt wie in diesem. Ich werde nun also versuchen, die, wie ich finde, wichtigsten Punkte kurz und knapp aufzuführen. Einer der Sätze, den ich sinngemäß wiedergeben möchte ist die Erkenntnis des Autors, dass den Konsumenten nicht deutlich genug gemacht wird, welche Gewaltakte sie mit dem kurzen Rausch finanzieren. Dass sie für ein paar Dollar kriminelle Machenschaften unterstützen, die den Gräueltaten der sogenannten IS in nichts nachstehen. Sei es mit Enthauptungen, die noch dazu, auch wie bei der IS, gefilmt werden, Folterungen, Drohungen, Entführungen und so weiter und so weiter. Und die Konsumenten wissen niemals wirklich genau, was sie da eigentlich zu sich nehmen, was die Stärke, Konsistenz, Inhaltsstoffe und deren zusätzlicher Wirkungen angeht. Sie sind nie klinisch getestet oder begutachtet worden. All das, was wir bei Medikamenten, Lebensmitteln, Kinderspielzeug und vielem mehr erwarten und auch wollen wird bei illegalen Drogen über den Haufen geworfen. Wainwright geht darauf immer wieder ein.

In diesem Buch geht es hauptsächlich darum, Drogenkartelle mit weltweit agierenden Unternehmen zu vergleichen. Was lernen Drogenbosse von anderen Unternehmen? Eines der wichtigsten Erkenntnisse, die sicher nicht neu, aber nie wirklich klar und oft genug genannt wurde, ist, hat ein Land in Südamerika sein Drogenproblem in den Griff bekommen, weichen die Drogenbarone in das nächste aus. Das nun sauberere Land bekommt ein dickes Lob von den Regierungen, die die meisten Konsumenten haben, von Weltbank, UN und wem auch immer, aber das eigentliche Problem ist geblieben. Es wurden und werden Unsummen dafür ausgegeben, die Drogenherstellung zu kappen, aber was passiert? Es gibt immer mehr. Ein anderer Weg muss gefunden werden. Der Autor erklärt das an mehreren gescheiterten Beispielen und regt auch neue Wege an, um den Drogenhandel zu stoppen.

Was für legale Unternehmen eine gute Grundlage ist in andere Länder zu investieren, nämlich internationale Ranglisten, das gilt natürlich auch für die illegalen. Hier wird beispielsweise aufgeführt, wo am wenigsten Bürokratie für Firmengründungen bestehen, Korruption eingedämmt wurde, eine hohe Anzahl an Polizei beziehungsweise viel Geld in Sicherheit angelegt wird. Dort gehen Drogenkartelle natürlich nicht hin. Sie sehen sich die Länder am Ende der Ranglisten an, dort, wo Korruption am höchsten angeprangert wird, die Bestechlichkeit von vor allem Regierungsbeamten beziehungsweise Polizei beklagt wird, dort sehen sie ihr Entwicklungspotenzial.

Bei der Wahl ihrer Mitarbeiter greifen die Kartelle gerne auf Gefängnisse zurück. Meist werden sowieso Bandenmitglieder in ein und das selbe Gefängnis gesteckt. Und falls noch jemand einfährt der nicht dazu gehört - bis er aus dem Knast entlassen wird, gehört er dazu. Hier berichtet Wainwright von Bemühungen einiger weniger, die in ihren Gefängnissen Geld investieren, um den Gefangenen lesen und schreiben beizubringen, einfach Bildung zukommen lassen, damit sie nach ihrer Entlassung zumindest eine Chance sehen, aus dem Teufelskreislauf auszubrechen, ihrem Leben eine neue Richtung geben können. Leider, so beschreibt es der Autor, werden hier eher die Gelder gekürzt, um sehr viel mehr der Polizei und deren Ausstattung zukommen zu lassen, obwohl die Statistiken zeigen, dass Bildung den Drogenkartellen ihre Mitarbeiter entreißen.

Aber Wainwright geht auf sehr viel mehr Themen ein. Franchising ist ebenfalls nicht unbekannt in der Drogenszene, auch das neue Geschäftsfeld Internet wird vertieft. Hier geht es wie beim legalen Markt darum, gute Bewertungen als Verkäufer wie als Käufer zu bekommen. Dafür gibt es spezielle Browser wie zum Beispiel Tor, als Währung gilt Bitcoin. Hier wird viel legales mit illegalem vermischt.

Die Erschließung neuer Märkte, neuer Kunden, auch hier orientieren sich Drogenbarone an dem, was andere weltweit agierende Unternehmen mit ihrer Warenstruktur auf die Beine stellen. Wenn die Ware Cannabis nicht mehr das Geld abwirft, was es soll, da es legalisiert wird, wie in einigen Staaten Amerikas, so wird die Infrastruktur für eine andere Ware, zum Beispiel Menschenschmuggel, genutzt.

Je höher die Mauern und Zäune, je höher die Strafen, desto höher der Gewinn bei den Kartellen. Egal ob Drogen, Menschen oder sonstiges Verbotenes. Und bei den Legal Highs war man am Anfang nobel, Verbot dann dennoch die sogenannten Kräutermixturen und kam dann nicht mehr hinterher, denn die Labore entwickeln immer schneller aber leider auch immer gefährlichere Legal Highs, die letztendlich auch wieder verboten werden. Ein Kreislauf, der immer schwieriger, wenn nicht bereits gar nicht mehr zu durchbrechen ist.

Und da sind wir wieder beim Konsumenten, den Personen, die am Ende dieser Kette stehen und gerne für einen Rausch Geld hinlegen ohne zu ahnen, was ihm, was ihr, statt Rausch drohen kann.

Wainwright will vor allem aufklären, aufrütteln, offen legen. Sicher, ich habe viel wiedergegeben aus dem Inhalt, der mir allerdings auch wichtig erschien. Der Schreibstil ist angenehm und überrascht mit immer neuen Herangehensweisen an dieses Thema. Der Autor hat viel auf sich genommen, um für das Buch zu recherchieren. Ob es bei wichtigen Entscheidern allerdings entsprechend Wirkung entfacht, wird man sehen.

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Tags: cannabis, drogen, drogenbanden, drogenfunde, drogenkartelle, franchising, freigabe, gefängnisse, heroin, infrastruktur, koks, legal highs, menschenhandel, mitarbeitersuche, nicht getestete drogen, rogenhunde   (16)
 

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humor, berlin, eheseminar, skandal, gel

Die Kanzlerin

Linda Behringer
Flexibler Einband: 172 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 22.11.2016
ISBN 9783741253751
Genre: Comics

Rezension:

Die Vorstellung, dass eine Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland einfach mal untertauchen muss, ist grotesk, aber alternativlos. Ohne einen Kompromiss einzugehen, stellt sich die Autorin Linda Behringer in ihrem Buch „Die Kanzlerin“ diese als überaus gefühlvolle Person vor, die leider von ihrem Pressesprecher versteckt wird. Versteckt werden muss! Denn die Staatsanwaltschaft ist hinter ihr her, haben doch gewissenlose Journalisten, ohne auf ihren Status der ewig Lügenden zu achten, gar fürchterliches über die Kanzlerin herausbekommen und veröffentlicht.

So umgeht ihr Pressesprecher, dass ihr, der Chefin, mal wieder die Hand ausrutscht und sie aus diesem Grund die nächste Wahl verlieren könnte. Ja, Behringer fällt sehr viel ein, was die deutsche Kanzlerin sein könnte, auch bei ihrem Ehemann und Bekanntenkreis. Das ist lustig, schräg, verdächtig skurril und wirkt sehr charmant. Dabei wirken manche Absätze leicht holprig, der zweite Satz vor dem ersten geschrieben, was für Erklärungen sorgt, die zwar auch kommen, aber in dem Moment den Lesefluss erst mal hemmen und für Fragezeichen in den Gesichtern der Leser sorgt.

Eine Kanzlerin, sie heißt übrigens Mörkel, die Ohrfeigen verteilt, wenn ihr der Kragen platzt, wie herrlich ist das denn? Da entstehen in Tagträumen noch so manche Phantasien, bei welchen Personen ihr das passieren könnte. Und dann wird sie auch noch des Steuerbetruges verdächtigt, ausgerechnet sie! Dafür erleben wir sie dann ein paar Tage in einer nicht gerade reinlichen Berliner WG, in der sie sich auch noch wohlfühlt. Kann sie doch dem politischen Getriebe endlich einmal ausweichen, völlig ungezwungen Gespräche führen und ihren mütterlichen Trieben freien Lauf lassen.

Die Autorin versieht die Protagonisten mit Namen, bei denen man am Anfang aufpassen muss, sich nicht zu verlesen, die eigene Phantasie und die Realität nicht zu verwechseln. Dabei beweist sie ebenfalls Humor, wie auch beim Ablauf der Geschehnisse.

Was für schlechte Lesequalität sorgt, sind die Satzarbeiten. Manche Zeilen wirken gezerrt, manche gequetscht, da merkt man, dass das Buch im Print on Demand Verfahren erstellt ist, wohl eine sehr grobe Gestaltung, die wenig professionell wirkt, was sich auch bei den Absätzen widerspiegelt. Überflüssig ist das Inhaltsverzeichnis für die 172 Seiten, das eng gesetzt und in zu dicken Buchstaben auf eine Seite, wie es scheint, passen musste. Dafür ist das Cover-Bild meines erachtens großartig gelungen und springt einem gleich ins Auge. Für 9,99 Euro ein kurzweiliger Spaß, bei dem man gerne wissen würde, was die echte Kanzlerin dazu sagt.

Mehr über das Buch und die Autorin findet man zum Beispiel über www.diekanzlerin.cool sowie über www.facebook.com/BuchdieKanzlerin


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Tags: berlin, bundeskanzlerin, eheseminar, hereingelegt, kanzlerinnen ehemann, skandal, steuern hinterziehen, studenten wg   (8)
 
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