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lehrerin, hunger, entführer, schnee, suche

Good Girl. Entf??hrt: Roman by Mary Kubica (2015-04-14)

Mary Kubica
Flexibler Einband
Erschienen bei Diana Verlag, 01.01.1711
ISBN B01K93SVSK
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das als Roman klassifizierte Buch von Mary Kubica „Good Girl – Entführt“, kann sehr wohl als Thriller durchgehen. Es ist ihr Erster, der in den USA von Lesern und Presse begeistert aufgenommen wurde, was auch kein Wunder ist.

Zunächst einmal ist da der Schreibstil von Kubica, die ihre Geschichte von drei Protagonisten erzählen lässt sowie aus zwei Zeitlinien, beschrieben als VORHER und NACHHER. VORHER, das ist die Zeit, bevor eine Familie eine verloren gegangene Tochter wiederfindet, NACHHER, da beginnt die Aufarbeitung der Entführung. Beide Zeitlinien und die Erzähler werden ständig abgelöst, sodass man genau aufpassen muss, wer wann gerade zu welcher Zeit die Geschichte weiterspinnt. Das große Finale am Ende überrascht bestimmt so manchen Leser, macht man sich doch immer wieder Gedanken darum, wie was zusammenpasst.

Wie schon der Klappentext und der Titel verraten, wird eine Lehrerin, Mia Dennett, entführt. Doch von wem und warum? Als sie dann nach einer spektakulären Befreiung die ersten Worte von sich gibt, behauptet sie steif und fest, sie ist Chloe.

Doch bis wir zu dieser Befreiung kommen, dauert es. Die Autorin verwebt von Anfang an die Sichtweisen von der Mutter des Opfers, Eve, dem ermittelnden Detective, Gabe Hoffmann und dem Entführer, Colin.

Nach und nach bekommen wir Einsichten in das Eheleben von Mias Eltern, durch Eve, ihrer Mutter. Der Vater, ein sehr reicher Richter, völlig gefangen in seiner Korrektheit und blind gegenüber den Begabungen seiner jüngeren Tochter, die eine herausragende Zeichnerin ist. Da er sich von allem abwendet, was Kunst betrifft und sozial schlechter gestellten Menschen, so sehr will die sich von ihren Eltern vernachlässigt gefühlten Tochter genau das aus ihrem Leben machen. Sich der Kunst hingeben und gleichzeitig als Lehrerin an einer Schule für benachteiligte Kinder Gutes bewirken. Ihre Mutter grämt sich, ihren beiden Töchtern, auch der älteren, Grace, nicht die Mutter gewesen zu sein, die sie sein wollte.

Detective Gabe Hoffmann soll nun in der VORHER-Situation herausbekommen, wo zum Teufel Mia steckt, wer sie entführt hat und warum. Dabei gerät er immer wieder auch mit dem Richter aneinander, weil Gabe es einfach nicht verstehen kann, wie ein Vater nicht wissen will, wie sein Kind lebt, arbeitet, was es fühlt und denkt. Für ihn zählt nur die erste Tochter, die ganz nach ihm kommt. In der NACHHER-Situation will er unbedingt herausfinden, warum das Ganze überhaupt passiert ist. Dabei ist er sich der Bauernopferrolle bewusst, die er eingenommen hat. VORHER: wenn er Mia nicht findet, ist er seine Karriere los und NACHHER ebenso, wenn er die Gründe für die Entführung und auch die dahinter stehenden Mittäter nicht findet.

Colin nun, der Entführer, erklärt uns nach und nach die Beweggründe für sein Handeln und seine Empfindungen für Mia beziehungsweise Chloe. Und warum sie sich über Monate in einer Blockhütte versteckt halten. Wovor hat Colin solche Angst? Durch seine Augen sehen wir die Ängste von Chloe, ihre Fluchtversuche und Verzweiflung, diese Kälte, die sie durchdringt, nie ist es ihr warm genug, dieser jungen Lehrerin.

Der Autorin gelingt in ihrem Debut die komplizierte Vermischung von Raum und Zeit. Die Drei Augenpaare, durch die wir die Story sehen ist manchmal gespenstisch, oft traurig, zum richtigen Zeitpunkt spannend. Nur an einer Stelle hakt die Logik, was aber den Lesespaß absolut nicht bremst, das Ende ist ein Knaller!

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Tags: entführer, hunger, kälte, künstlerin, lehrerin, mutter aus england, opfer, richter, schnee, suche, täter   (11)
 

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krieg, afghanistan, künstliche gelenke, amputation, lagerkoller

Anatomie eines Soldaten

Harry Parker , Johannes Sabinski
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Benevento, 09.11.2016
ISBN 9783710900020
Genre: Romane

Rezension:

Ein im Schreibstil außergewöhnlicher Roman ist das Buch von Harry Parker „Anatomie eines Soldaten“, übersetzt von Johannes Sabinski. Wenn Rezensionen über dieses Buch geschrieben werden, werden wir häufig die Worte „verstörend“, „intensiv“, „aufrüttelnd“ lesen. Ich selbst kann dies nur bestätigen.

45 Gegenstände erzählen aus ihrer Sicht die Geschichte des Soldaten Tom Barnes sowie der beiden jungen Freunde Faridun und Latif. 45 Gegenstände sind 45 Kapitel, bei der nicht klar wird, wo genau der Krieg stattfindet, bei dem Tom Barnes mitwirkt, das Camp des Captains steht, die beiden Freunde sich plötzlich auf verschiedenen Seiten stehend wiederfinden. Es kann in Afghanistan sein oder im Irak stattfinden, im Grunde ist das gleichgültig.

Da gibt es zum Beispiel ein Munitionsgeschoss, das davon berichtet, wie es von Tom zusammen mit anderen sortiert, geprüft und schließlich alle ins Magazin eingelegt werden, nur um dann zu warten, dass es irgendwann abgeschossen wird. In der Zeit, in der es mit dem Captain zusammen ist, kann es davon berichten, welche Gedanken Tom hegt, welche Schritte er geht, mit wem er sich unterhält. Irgendwann wird auch dieses Munitionsgeschoss letztendlich abgeschossen, und es lässt uns teilhaben, wie es ist, hinaus katapultiert zu werden, mit welcher Geschwindigkeit, welche Geräusche entstehen, die Luftverdrängung und vieles mehr.

So ergeht es uns mit allen Gegenständen. Ob es die Schilderungen der Handtasche der Mutter ist, die ihren Sohn im Krankenhaus besucht, der Teppich im Haus von Faridun, auf dem der Captain und Fariduns Vater Platz nehmen, um zu reden und Tee zu trinken oder die Bombe, die durch Latif zur Explosion gebracht wird.

Die Intensität der sprechenden, denkenden, erzählenden Gegenstände, treibt einem auf vielen Seiten die Tränen in die Augen und ich wollte an einigen Stellen am liebsten, dass das Buch ganz schnell endet, um es im nächsten Moment wieder in die Hand zu nehmen. Es ist ein Antikriegsbuch, das, so ist die Menschheit, so verstörend es sein mag, seine Wirkung nicht erreichen wird. Mitzuerleben, wie Tom seine Beine verliert, wie er Monate braucht, um wieder halbwegs selbstständig agieren zu können, das tut weh. Und wenn ein Spiegel erzählt, wie Tom sich nur ein einziges Mal seiner Funktion annimmt, ist die Einsamkeit und Verzweiflung greifbar.

Harry Parker lässt seine Gegenstände die Geschichte aus vielen verschiedenen Blickwinkeln erzählen, teilweise zeitgleich am selben Ort, von unterschiedlichen Standorten, und deren Gebrauchsarten. Auch spielt der Roman in unterschiedlich Zeitsprüngen, die aber gut zu folgen sind. Er beginnt mit dem absoluten Trauma, als Captain Tom Barnes in die Luft geschleudert wird. Ein falscher Schritt und das Leben ist nicht mehr wie es war. Und der Autor kann das was kommt nur deshalb so gut beschreiben, weil er all das selbst erlebt hat. Es ist ein autobiografischer Roman, ein Debüt, das überaus überrascht. Das findet sich zum Beispiel bei der Beschreibung einer Schönheit, nämlich einer Schneeflocke, wie sie als Tropfen dem Himmel entgegenstrebt, durch Wetterschichten dann einzigartig vom Himmel fällt und Tom beobachtet und uns von ihm berichtet. Er hat den Blick durch grausame Werkzeuge nicht für das Gute verloren.

Harry Parker lebt heute als Schriftsteller und Künstler in London. Der Roman ist bei Benevento erschienen und kostet 24 Euro bei 352 Seiten.


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Tags: amputationen, angriff, anschleichen, aushorchen, bomben, bomben gesteuerter hochsprung, entschädigung, feind, feldpost, heimaturlaub, hubschrauberanflug, krieg, künstliche gelenke, lagerkoller, opfer, opfergeld, soldaten, training, verteidigung, wüste   (20)
 

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berlin, flucht und vertreibung, kellerversteck, notrationen, bagel

Herbstzeilen: Eine kleine Erzählung über eine große Heldin

Anja Schenk
E-Buch Text: 13 Seiten
Erschienen bei neobooks, 18.08.2016
ISBN 9783738081138
Genre: Sonstiges

Rezension:

Heute möchte ich mal eine Kurzgeschichte vorstellen, und zwar Herbstzeilen, von Anja Schenk. Dabei will ich gleich mal vorwarnen, es könnte sehr gut möglich sein, dass einigen Lesern die Tränen kommen werden. Es ist ein sehr berührendes Thema, das die Autorin gewählt hat. Krieg, Not, Elend, die Geräusche von Bombenhagel, der Zweite Weltkrieg, Handlungsort Berlin. Schenk lässt in den ersten Zeilen die Protagonistin, Elisabeth, einen Brief erhalten, der an längst vergangene Tage erinnert, an eine Zeit, die sie verdrängt hat. Viele Ältere und auch deren Nachkommen können sicherlich einiges darüber berichten, genauso wie manches verborgen bleibt. Aber es werden immer weniger, die uns davon berichten können.
Elisabeth soll eine Heldin sein, die Verfasserin der Zeilen lässt keinen Zweifel zu. Ist sie doch direkt Betroffene der guten Taten von ihr und ihrer Mutter Gerda. Der Mut dieser beiden Frauen in den Kriegswirren hatten auch andere Menschen, und das ist gut so. Daran erinnert zu werden ist wichtig in der heutigen Zeit. Die Autorin schreibt gut und flüssig, die wenigen Seiten, 44, sind rasch gelesen. Was bleibt sind ein dicker Knoten im Hals, aufgeweckte Erinnerungen der eigenen Familiengeschichte und feuchte Augen.
Ich verrate sicher nicht zu viel, wenn ich die Stichworte von versteckten Menschen in alten Kellergewölben, Notrationen und vermissten Liebsten erwähne. Denn all das steckt darin, in dieser Kurzgeschichte. Und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es der Anfang einer größeren Story ist, bei der wir erfahren, wie es der Briefschreiberin ergangen sein mag nach dem Krieg, was diese so erlebt hat.
Es gibt nur wenige Stellen, bei denen meine Augen stolpern und den Lesefluss nur unerheblich unterbrechen.
Die Autorin hat eine eigene Webseite www.kinderbuch-schenk.de und ist auch hier bei Facebook vertreten.

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Tags: bagel, berlin, flucht und vertreibung, judenvertreibung, kellerversteck, notrationen, zweiter weltkrieg   (7)
 

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

gesellschaft, wirtschaft, viviane forrester, kulturgeschichte, ökonomie

Der Terror der Ökonomie

Viviane Forrester , Tobias Scheffel
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 26.01.1999
ISBN 9783442127993
Genre: Sachbücher

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Tags:  
 

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randgesellschaft, randbezirke, die drei generationen des terrors, mord im namen der religion, terror

Terror in Frankreich

Gilles Kepel , Werner Damson
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 14.09.2016
ISBN 9783956141294
Genre: Sachbücher

Rezension:

Nicht mal ebenso zum schnell lesen geeignet, aber wer sich intensiv mit dem Thema Terror, Dschihad, Salafismus und so weiter beschäftigen will, kommt an folgendem Buch wohl nicht vorbei: Gilles Kepel mit Antoine Jardin „Terror in Frankreich, der neue Dschihad in Europa“. Nachdem ich es gelesen habe, wünsche ich mir, es wäre vor dem Buch von Michel Houellebecq „Unterwerfung“ erschienen oder zumindest zeitnah. So intensiv, wie sich der Wissenschaftler und Professor am Institut d'Études Politiques de Paris, Kepel, mit dem Thema beschäftigt, so sehr wünscht er sich das selbst von viel mehr Kolleginnen und Kollegen in Frankreich. Leider ist das dort in den vergangenen Jahren seiner Meinung nach stark vernachlässigt worden und führte in der Folge zu vermehrt auftretenden Pseudo-Experten.

Das Buch ist in zwei großen Abschnitten unterteilt. Zuerst einmal in die Inkubationszeit (2005 – 2012), hier wird das Schlüsseljahr 2005 analysiert und das Wahlrecht der Muslime zum muslimischen Abstimmungsverhalten behandelt sowie die Affäre Merah durchleuchtet. Im zweiten Teil, die Eruption betitelt, geht es um den französischen Dschihad und den syrischen Dschihad swie um die Kehrtwende im Wahlverhalten der Muslime. Der letzte Abschnitt des zweiten Teils ist mit #CharlieCoulibaly überschrieben und geht dem Überfall auf die Redaktion von Charlie Hebdo auf den Grund.

Der Autor hat sich nicht nur die Terroranschläge der vergangenen zwei Jahre genauer angeschaut sondern sieht weit zurück in die Vergangenheit. Das hat auch etwas mit der geschichtlichen Entwicklung Frankreichs zu tun, mit ihrer kolonialen Ausbreitungen und den daraus entstandenen politischen Entscheidungen. Und da die Terroristen sowie auch kleinere und größere Parteien sich auf bedeutende Geschichtsdaten beziehen, erklärt Kepel dessen Entstehungsgeschichten. Nicht zu vergessen sind auch die Verbindungen und Geschehnisse in der restlichen Welt.

Kepel untersucht intensiv die Werdegänge der Verbrecher der jüngsten Untaten in Frankreich, zum Beispiel die Angreifer auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo oder dem Überfall auf einen Supermarkt mit Geiselnahme und Tötungen. Es werden auch andere jüngeren Datums erwähnt und behandelt, alle werde ich hier nicht aufführen. Wie, wo, wann, wodurch wurden die Täter radikalisiert und warum konnte es nicht verhindert werden? Es gab eine Zeitlang keinerlei Terrorangriffe an Frankreich, führende Köpfe waren zum Beispiel im Gefängnis. Aber nicht tatenlos. Die Gefängnisse werden als Brutstätte angesehen, in der sich junge Menschen von den älteren radikalisieren lassen.
Wir werden bis zu den Anfängen des Terrors zurückgeführt, lernen die ersten zwei Generationen kennen, unter der dritten leidet zurzeit die Welt. Waren es am Anfang hierarchische Strukturen, die den Kampf geführt haben, von oben herab bis zur kleinsten Zelle, so wird nun jeder der sich dazu bekennt dazu aufgefordert loszuschlagen. Aber wie funktioniert das, was sind Beweggründe für die zumeist jungen Menschen sich selbst für eine Sache zu opfern? Vor allem, da es sich meist um Nachkommen postkolonialer Immigranten handelt, die den französischen Pass inne haben.

Dafür muss man sich die Politische Entwicklung in Frankreich genauer ansehen. Der Autor erläutert uns die Zusammenhänge anhand verschiedener Wahlen beziehungsweise das Wahlverhalten verschiedener Gruppierungen. Haben sich in früheren Zeiten Muslime nicht so stark an Wahlen beteiligt, so hat sich das, vor allem seit der Wirtschaftskrise, verändert. Das gegenseitige Ausspielen von Themen der Parteien gerade vor Wahlen führte zu den bekannten Ergebnissen.

Aber das ist nicht alles. Kepel führt die vernachlässigten Randbezirke der Städte an, die nicht genug eingebunden sind, um die Arbeitsplätze zu erreichen. Wer nicht genug Geld hat, hat kein Auto, ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, und sind diese nicht in ausreichender Möglichkeit vorhanden, so kann sich jeder ausrechnen, was das für Konsequenzen nach sich zieht. Und das ist nicht erst in den letzten Jahren so, sondern das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt und hat sich durch die Wirtschaftskrise nur noch verstärkt. Allerdings sind es nicht nur unter schlechten Bedingungen aufgewachsene Muslime, die sich haben radikalisieren lassen sondern auch gut behütete. Kepel führt hierzu Beispiele auf.

Charismatische Köpfe haben seit der Erfindung der sozialen Netzwerke alles genutzt, um hier den Weg zum Dschihad aufzuzeigen. Mit welchen Tricks dies geschieht, erklärt der Autor, indem er die gezeigten Videos auf youtube analysiert. Sprache, Wortwahl, Hintergrundgeräusche, Bilder. Wie unglaublich oft diese Filme heruntergeladen werden, lassen erahnen, welche Möglichkeiten und Wege der Terror gefunden hat, um sich so massenhaft zu vergrößern.Komme zu uns, lass dich ausbilden, und so weiter und so fort. So kommt es, dass teilweise große Gruppen aus den Randbezirken sich aufmachen, um für den Dschihad zu kämpfen oder um zurückzukehren, um in ihren Ursprungsländern Unheil anzurichten.

Natürlich gibt es nicht nur eine Strömung des Islam in Frankreich, sondern sehr viele, auch konkurrierende Verbindungen. Und hier gelingt es durch die perfide – bist du nicht für uns, so bist du gegen uns und unser Feind – Methode die Gemeinschaft der Muslime zu verunsichern und der Versuch, Schuldgefühle zu verstärken, gelingt durch die zerstrittenen führenden Politiker, was zu tun ist, leider gut. Die Gesellschaften, Demokratien, zu entzweien, Bürgerkriege auszulösen, um dann einen islamischen Staat zu errichten, ist das Ziel des Terrors.

Ich habe nur Kepel erwähnt, doch auch Antoine Jardin hat großen Anteil an dem Buch, Kapitel 2 sowie die Seiten 199 bis 2015 von Kapitel 5. Als politischer Soziologe forscht er am Centre National de la Recherche Scientifique. Außerdem hat er bereits mehrere Bücher zu diesem Thema geschrieben, forscht er doch bereits seit mehr als 30 Jahren dazu. Weiterführende Informationen zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Gilles_Kepel.

Nicht alles kann in diesem Rahmen aufgezählt und erläutert werden. Es ist eines der wichtigsten Bücher wenn nicht gar das wichtigste Buch, um ein tiefes Verständnis für die Entwicklung der Ereignisse der letzten sechzig bis siebzig Jahren in Frankreich und Weltweit zu bekommen.

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Tags: die drei generationen des terrors, dschihad, frankreich, islam, mord im namen der religion, randbezirke, randgesellschaft, terror   (8)
 

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

psychothriller, krimi, kontrolle, thriller, schuld

Kontrolle. Macht. Tod.

Klaus Schuker
Flexibler Einband: 271 Seiten
Erschienen bei fabulus Verlag, 28.09.2016
ISBN 9783944788319
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Soeben beendet: Kontrolle.Macht.Tod. Molden und die Fesseln der Angst von Klaus Schuker. Es ist nicht der erste Kriminalroman des Autors, dieser ist als Psyhothriller deklariert, was man so stehen lassen kann. Der Umschlag ist sehr dunkel gehalten, wodurch die Schrift nicht gut lesbar ist, obwohl der Titel in Weiß/Grau abgesetzt ist. Für die Freunde der Haptik ist dieser zu erspüren. Die Schnittkanten der Seiten sind in Orange gehalten, was auf jeden Fall im Buchhandel auffällig ist.
Nun zum wichtigsten Protagonisten: Molden ist ein Privatdetektiv, 54 Jahre alt, der erfreulicherweise kein verbiesteter ehemaliger Polizist ist, sondern nur ein Mensch, der gerne für sich arbeitet, und zwar alleine und ganz in Ruhe. Natürlich hat aber auch er sein Päckchen zu tragen; dass er das aber nach etlichen Jahren, die er nun leidet, immer noch mit sich herumtragen muss, ist bitter, da kann der Leser nur hoffen, dass die Liebe, die er in der Geschichte findet, ihm endlich darüber hinweg hilft. Aber zunächst zum Inhalt. Da werden junge Frauen erst entsetzlich gefesselt, um anschließend ihr Leben zu verlieren. Und das jedes mal auf eine andere Weise, an einem anderen Ort. Dabei geht es dem Killer ausschließlich um die drei im Titel beschriebenen Dinge: Kontrolle, Macht und Tod. Die abwechslungsreichen Tatorte der Verbrechen lassen auf einen nicht gerade dummen Täter schließen, die Leichen werden immer an gut platzierten Stellen aufgefunden. Der Autor belässt es dabei, von Straßenzügen, Ortskern und ähnlichen Begebenheiten zu schreiben, der Name der Stadt bleibt diesmal außen vor. Es kann fast überall sein.
Ein erster Verdächtiger ist schnell ausgemacht, und das hat mir sehr gut gefallen! Die Studie von Babbel-Georg, wie er so auf sich konzentriert, die wichtige Aktentasche an sich gepresst eine Straße entlang huscht, nur um dann auf SEINEM Weg eine Frau vorzufinden. Aber er muss doch zur Arbeit, das geht so nicht. Und die liegt einfach so da, will nicht mit ihm reden und auch nicht aufstehen und weggehen. Da kann man sich in Babbel-Georg hineinfühlen, hineindenken, das ist wirklich gut. Diese Figur ist bis zum Schluss hervorragend beschrieben.
Der Privatdetektiv Molden ist derweil damit beschäftigt, sich mit seinen Fällen auseinanderzusetzen, und auch seine Gefühlswelt muss einiges durchstehen. Verliebt er sich doch nach einem Zusammenprall in der Tiefgarage in eine sehr viel jüngere Frau, Greta. Die Geschichte dieser jungen Liebe kommt mir teilweise wie abgehackt vor. Als ob ein paar Seiten aus Versehen gelöscht wurden und dadurch teilweise unverständlich ist. Kompliziert wird es, als Molden von einer Frau gebeten wird, einen anonymen Anrufer ausfindig zu machen, der fälschlicherweise ihren Sohn mit dem Mord eines der Mädchen in Verbindung bringt. So kommt es, dass er und die zuständigen Kriminalbeamten zueinander in Kontakt kommen. Dabei fällt der Leiter, Dormischatt, positiv von den sonst üblichen Beamten auf. Ruhig, sachlich und kompetent geht er den Spuren nach, wenn es auch nicht viele sind.
Trotzdem hat das Buch seine Schwächen, gerade was die Liebe zwischen Molden und Greta anbelangt. Vielleicht ist es aber nicht der letzte Fall mit Molden und wir erfahren weiteres.
Am Ende kommt es zu einem richtigen Knaller für Molden und Dormischatt, was die Lösung des Falles anbelangt. Da merkt man so richtig, dass es sich um einen Psychothriller handelt.
Die Webseite des Autors ist witzig gestaltet, hier die Adresse für weiter Informationen. Dort sind auch die anderen Kriminalfälle aufgeführt, übrigens nicht nur für Erwachsene: http://www.klaus-schuker.de/buecher.php




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Tags: ermittlungen, fesseln, kindstötung, kontrolle, macht, obsessiv, schlechte erziehung, tatort, tötungsarten, zeugenaussagen   (10)
 

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

belgien, fürsorge, trauer, marktgeschehen, garten

Nonna stirbt

Freddy Derwahl
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Verlag Herder, 13.09.2016
ISBN 9783451349935
Genre: Sachbücher

Rezension:

Diese Geschichte spielt nicht in unserer technologischen Zeit der Smartphones, Tablets und dem Internet. Das würde auch gar nicht zur Erzählung „Nonna stirbt – Die Geschichte einer Lebenswende“ von Freddy Derwahl passen. Nonna, sie mag diesen Namen, den ihr ihre Enkelkinder gegeben haben, lebt bis zum Ende der 70er-Jahre. Bewusst vor vielen Jahren trotz vieler Wiederstände der damaligen Zeit geschieden, war sie lange Jahre in einer glücklichen Beziehung, die auch ihren Kindern und Enkeln gut tat. Doch nun ist sie alleine. Und sehr krank. Dabei liebt sie ihren Garten über alles, die Winter in Lourmarin, den will sie nämlich nicht im trüben Eupen verbringen, und das Licht, die Sonne, die Weite, auch Barfuß über die Felder laufen.
Man kann sich schon auf den ersten Seiten verlieren, mag sich kuscheln, verstecken, hineinkriechen in den Garten von Nonna oder mit ihr nach Frankreich fahren. Derwahl versteht es, mit wenigen Worten und kurzen Sätzen eine Atmosphäre zu schaffen, die einem die Protagonisten für einen zu echten Figuren werden lässt. Es ist so viel Trauer enthalten in den Absätzen, in denen Nonna Max, ihren zweiten Ehemann verliert. Nicht einfach so, krank wird er, hat er sein Leben etwa selbstbestimmt beendet? Als Nonna kurz vor dem Tod von Max den Herrn Professor befragt, wie gefährlich krank er denn sei, meint er „In Todesgefahr, Madame, sind wir alle“.
Aus Tagebucheintragungen erfahren wir mehr über ihr gemeinsames Leben, ihren philosophischen und literarischen Diskussionen, ihre verschiedenen Vorstellungen von den Dingen und von Religion und wie sie es trotz ihrer unterschiedlichen Auffassungen dennoch meistern, sich zu arrangieren.
Über all die Zeit wird sie bereits vom besten Freund ihres Sohnes, Fred, verehrt und geliebt. Und als nun Max nicht mehr ist und sie alleine nach Frankreich fährt, da erkrankt Fred dramatisch. Es wird ihm empfohlen, sich zu schonen, am besten ganz weit weg von allem, was er kennt. Fred mag die Frauen und diese ihn, doch die liebevolle Freundschaft zu Nonna ist ihm heilig. Sie schreiben sich so lange, bis er soweit ist, dass er zu ihr fahren kann, um zu genesen. Das hilft ihr über die Trauer hinweg. Sie ist nicht im mindesten eifersüchtig auf die Frauen in Freds Leben, kommt ihre Liebe doch nie über einen „keuschen Kuss“ hinaus. Fred lernt in der Zeit seines Aufenthaltes Lourmarin kennen, samt der kleinen Bar, die Märkte ringsum und vieles mehr. Schaut man sich heute die Fotos auf Google an, so versteht man die Wahl des Autors für diesen Ort. Und nun versetze man sich noch fast 40 Jahre zurück.
Und nun also, nach dem letzten Aufenthalt in Frankreich, kehrt sie selbst schmerzvoll zurück. Es ist der Krebs, der ihre letzte Romanze begleiten wird. Nun muss Fred Tagebuch für sie führen, und nicht nur das. Für diese Liebe macht er alles, die Familie unterstützt so gut es geht, doch die Trauer hat auch die Kinder von Nonna mehr denn je ergriffen. Was jetzt zählt sind die Diskussionen mit Fred über Kirche, Religion, Maria, katholische und evangelische Riten. Nonna möchte am liebsten beides vereinen, das, was ihr an beiden Religionen gut gefällt.
Derwahl lässt ihr die ganze Zeit über ihre Schönheit, auch wenn es ihr noch so schlecht geht, Fred kann es kaum glauben. Erst am Ende legt sie den immer benutzten Lippenstift beiseite, es geht dem Ende zu. Sie sucht den Frieden, sucht nach Gott, nach einem spirituellen Weg, nach etwas, das sie auffängt, wenn sie geht. Aber auch, die Stille. Nicht reden. Einfach da sein. Einfühlsam beschreibt der Autor wie Nonna einen Weg für sich sucht, zu begreifen was mit ihr geschieht, die fast fühlbare Angst, vor dem, was sein wird.
Dieses Buch berührt, lässt einen selbst hinterfragen, lässt einem wieder ins Bwusstsein rufen, endlich sind wir alle. Und lässt uns leben voller Lust.
Der Autor ist belgischer Journalist, Filmemacher, PEN-Mitglied, Sachbuch- und Romanautor. Unter https://de.wikipedia.org/wiki/Freddy_Derwahl finden sich mehr Informationen, außerdem hat er einen Account bei Facebook.

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Tags: belgien, frankreich, freundschaftliche liebe, fürsorge, garten, körperfreie liebe, marktgeschehen, trauer, wintersonne   (9)
 

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34 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

benzin, bakterium, leserunde, will hofmann, vergrünen

Lebensnacht

Will Hofmann
Fester Einband: 335 Seiten
Erschienen bei fabulus Verlag, 25.08.2016
ISBN 9783944788296
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vorsicht! spoilerdurchtränkte Rezi!

„Lebensnacht“ von Will Hofmann reiht sich ein in die Bücher, die davon erzählen, dass ein Virus oder Bakterium, elektronischer oder biologischer Art, die Menschheit droht zu vernichten. Das ist bereits vielfach und sehr erfolgreich unter anderem von Stephen King (das letzte Gefecht) oder Michael Tietz (Rattentanz) umgesetzt worden. Das Buch von Will Hofmann, ist eine überarbeitete Fassung, das bereits unter dem Titel Oktan im Jahr 2012 im Wiebers Verlag erschienen ist.
In seinem Werk handelt es sich um ein mutiertes Bakterium, das die Menschen „vergrünen“ lässt. Sie beginnen plötzlich unter qualvollen Schmerzen an zu schreien, zucken kurz wie wild und zerfließen dann in eine nach Benzin stinkende grüne Soße. Übrig bleiben noch Knochen und die Kleidung, die sie gerade tragen. Wie das ausgelöst wird, dem geht der Forscher und Nobelpreisträger Professor Doktor Harry Kaufmann nach, der aus Tuberkulosebakterien gerne Benzin herstellen möchte, damit Deutschland und auch der Rest der Welt endlich unabhängig von den Erdöl exportierenden Ländern zu werden. Das gelingt ihm auch, doch bevor sich der Erfolg so richtig einstellen will, beginnt die Seuche, das "Vergrünen". Ist etwa einer der Versuche misslungen?
Berichtet wird vor allem aus der Sicht des ehemaligen Lehrers von Harry, der gleichzeitig Nachbar, Ziehvater und Freund ist, und den Erinnerungen von Wolfgang, dem Bruder von Harry und von Beruf Arzt. Dieser trägt  mit vielen Erzählungen zum Bericht des Lehrers bei, denn die beiden Brüder versuchen gemeinsam der Seuche auf den Grund zu gehen und ein Gegenmittel zu finden.
Die Kapitel sind teilweise sehr kurz, keine zwei, drei Seiten lang. Dabei will der Funke nicht zünden, um sich wirklich in die Geschichte hinein zu vertiefen, zu versinken. Das liegt an der zum Teil sehr sachlichen, kühlen Schreibweise und auch daran, dass Seitenlang über die psychische Verfassung des Professors berichtet wird. Warum er keine Beziehung führen kann und sogar das Masturbieren aufgegeben hat, ebenso wie die Tatsache, dass er ein eher unausgeglichener, aggressiver Chef ist. Sympathisch wird einem dieser Protagonist nicht gerade.
Unglaubwürdig sind einige Passagen, wie zum Beispiel, dass der Produktionsleiter eines Pharmakonzerns sich vom Chefpharmakologen erklären lassen muss, was ein Placebo ist. Oder, dass der Nobelpreisträger für Chemie und weltweit anerkannte Koryphäe Harry nicht weiß, dass bei Stress gewisse Hormone wie das Adrenalin ausgeschüttet werden. Dann hat Harry endlich eine Freundin, Sabine, die selbstbewusst auftritt und einen unabhängigen Lebensstil bevorzugt, das allerdings behagt ihm ganz und gar nicht. Eines Tages haben sie Streit, er verlässt sie und Sabine gibt sich ihren Erinnerungen hin. Unter anderem ist sie ohne Vater aufgewachsen, bei einer ebenfalls sehr eigenständigen Mutter. Ihren Vater kennt sie nicht und sie vermisst ihn nicht, denn, oha, all ihre Freundinnen erzählen nur, wie übel ihre Väter sie behandeln würden. Alle? Nie etwas Gutes? Unglaubwürdig!
Während der Seuche sterben sehr viele Menschen, Millionen in Deutschland, noch mehr auf der ganzen Welt. Die Erdölreichen Länder haben ihren Export eingestellt, es gibt kaum noch Benzin, Industrien liegen brach, aber von Revolution ist nicht viel zu lesen, selbst die Regierung ist nach mehreren Jahren immer noch an der Macht. Einzig die Jugend kommt auf dumme Ideen, wie zum Beispiel Menschen dazu zu bringen, dass sie „vergrünen“, um dann ihre Leichen anzuzünden. Warum Kinder und Jugendliche nicht der Seuche zum Opfer fallen bleibt im Dunkel, auch ab welchem Alter man sich vorsehen muss. Als die 40-Millionen-Grenze an Opfern überschritten ist, wollen jungen Menschen ein Fest feiern. Doch ob es sich um die Zahl der Opfer in Deutschland oder Europa handelt oder welche Länder diese Zahl umfasst, ist vom Autor nicht deutlich beschrieben worden. Wenn es sich nur um Deutschland handeln würde, dann sähe die Panik ganz anders aus. Wir müssen uns nur einmal daran erinnern, wie sehr die Menschen hierzulande Impfstoffen hinterherlaufen, sobald eine ungewöhnliche Infektion ausbricht.
Das Glossar am Ende befreit so manchen Leser vor der Internetrecherche der vielen medizinischen Fachausdrücke und erklärt nochmal deutlich, welche der Phantasie des Autors entsprungen sind. Der Umschlag und die Seitengestaltung sind geglückt, viel Weiß, haptisch gestalteter Titel, in Schwarz gehaltener Buchschnitt, die Innenumschlagsseiten und jeweils ersten beiden beziehungsweise letzten beiden Seiten in tiefem Grün gehalten, dem „vergrünen“ nachempfunden. Allerdings verrät der Titel nicht im Mindesten, was den Leser erwartet und der Klappentext verspricht mehr als das Buch hält. Als Trashfilm kann ich ihn mir hervorragend vorstellen, vielleicht findet sich ja ein Regisseur dafür. Als Roman zu dünn, mit für mich zu vielen unglaubwürdigen Passagen.

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Tags: adrenalin, anti-antikörper, antikörper, arzt, bakterium, benzin, chemie, export, genmanipuliert, mittelalter, mutant, tuberkulose, überlebenswille, vergrünen   (14)
 

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empathie, verkäufer, zeitfresser, handel, datensammler

Faktor Mensch im Verkauf: Ein Plädoyer für Leidenschaft und Menschlichkeit im Vertrieb

Holger Bröer
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Springer Gabler, 15.06.2016
ISBN 9783658089870
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wie kaufen wir heute ein? Wie sehen wir Verkäufer beziehungsweise was macht für uns Käufer ein guter Verkäufer aus? Aus Sicht des Verkäufers beschreibt Holger Bröer in seinem Buch „Faktor Mensch im Verkauf – Ein Plädoyer für Leidenschaft und Menschlichkeit im Vertrieb“, wie sich die Bedingungen in den letzten Jahren rasant geändert haben, wo wir jetzt stehen, was auf uns zu kommt. Für uns Käufer, für Verkäufer, den Handel, für uns alle.
Der Autor stammt aus der Generation der Baby-Boomer, aus einer Zeit, in der die Welt des Internet, der schnellen Datenverbindungen und Big Data, in der Handys, Smartphones, Tablets und mit dem Handel kommunizierende Kühlschränke, bestenfalls Science Fiction war. Mit der Zeit zu gehen ist eines, sich nicht vereinnahmen lassen vom Stand der Technik eine völlig andere Seite. Das Kommunikation alles ist, es darauf ankommt, wie ich auf meinen Handelspartner eingehe, wie ich mich selbst als Verkäufer sehen kann, sehen sollte, das ist dem Autor wichtig.
Das Plädoyer ist mehr als ein Ratgeber „wie werde ich zum guten Verkäufer“. Wer ein Standardwerk nach dem Motto, in zehn Schritten zum besten Verkäufer, sucht, ist vollkommen fehl am Platz. Das gute Gegenteil ist der Fall. Eine Analyse des Istzustandes des Handels und wie man darin überlebt ohne sich von Daten- und Zeitfressern zu sehr vereinnahmen zu lassen, das ist die Kunst des Tages. Und dabei nicht seine Phantasie zu verlieren, seinen Spieltrieb, eigene Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Die Menschlichkeit, das Fühlen, Riechen, Sehen, Kosten der Ware, das „sich in Augenschein nehmen“, um die Stimmung des Käufers zu erahnen, um zu einem positiven Geschäftsabschluss zu kommen, das kann uns die Technik nicht abnehmen.
Wie oft ärgern wir Kunden uns über Automatenstimmen, die uns bei Telefonverbindungen mit dem sogenannten Kundendienst hinhalten, bis wir, vielleicht, irgendwann, eine menschliche Stimme hören? Allein daran können wir ermessen, dass es vielleicht Zeit sparend sein kann über das Internet etwas zu bestellen, den wahren Kaufgenuss aber gar nicht mehr spüren können. Viele Unternehmen sind nicht, oder noch nicht, bereit, über Internet, vor allem über Social Media mit den Kunden zu agieren. Zu groß ist die Gefahr etwas falsch zu machen und dann durch ein unbedachtes Wort oder einen ungeschickten Werbefilm sehr viel zu verlieren. An Geld, Ansehen, Macht und Einfluss. Tut man gar nichts, ist ein Unternehmen bald von der Bildfläche verschwunden, ein zu viel hat ebenfalls seine Schwächen. Die Balance zu finden für beide Seiten, Käufer und Verkäufer, alte und neue Generationen sowie Strukturen in der Gesellschaft, das wird die Aufgabe für die Zukunft sein. Dies liegt Bröer sehr am Herzen, das liest man in jeder Zeile seines Buches.
Die Ratschläge für Verkäufer sind eingebettet in allen Themenbereichen aber nicht aufdringlich gesetzt sondern dezent. Nur wie man mit Kunden umgehen soll beziehungsweise eben nicht, das bespricht er anhand der „letzten Meile“. Auch, dass ein Geschäftsabschluss nicht mit der Unterschrift auf dem Vertrag endet, wird er nicht müde zu betonen.
Die Tücken der Datentechnik, wie wir Menschen generell damit umzugehen lernen sollten, Altes mit Neuem verbinden ohne unsere menschliche Seite zu vergessen und nicht alles den Giganten der Datensammler überlassen ist ein wesentlicher Punkt im Buch. Nach Algorithmen sollen unsere Emotionen berechnet werden, damit unser künftiges Handeln vorausberechnet wird, auch im diagnostischen Bereich! Ist das die Freiheit und Unabhängigkeit nach der wir streben? Oder doch eher, wie Bröer uns zu verstehen gibt, der Weg zum Ende der Phantasie und eigenständigem Denken?
Der Autor spart nicht daran uns eindringlich vor Augen zu führen, wie die neue Datenwelt uns und auch das Wirtschaftsleben verändert haben, wie wir, die Handelnden uns aber auch befreien können, damit wir wieder unabhängiger werden von der Verführung von Smartphone und Co.


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Tags: algorithmen, datensammler, empathie, geschäftsleben, handel, käufer, menschlichkeit, verkäufer, zeitfresser   (9)
 

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schnee, schneemänner, schokoweiss, märchen, weihnachten

Schokoweiss

Alex Richter
Flexibler Einband: 306 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 19.12.2015
ISBN 9781519735362
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Eine nicht alltägliche Geschichte, fast wie ein Märchen, auf jeden aber Fall mit unglaublich viel Phantasie geschrieben ist das Buch von Alex Richter „Schokoweiss“. Mit 306 Seiten Text, nur über Amazon zu beziehen, ist es eines dieser Bücher, das keinen Verlag erreicht hat. Was mich beeindruckt hat, ist die wirklich hohe Wortevielfalt und -kreativität. Wenn man es also jungen Zuhörern vorliest oder Leseanfänger darin herumblättern, sollte man sich auf so manche Nachfrage einstellen.
Doch worum geht es nun? Nic und Cas sind zwei Schneemänner, der eine weiß mit Augenklappe, der andere durch Schokoladenpulver dunkel eingefärbt. Eines Tages bemerken sie nun, dass sie denken, fühlen, sich bewegen können. Doch Nic ist krank, ständig quält ihn ein Juckreiz in seiner Karottennase, er hat Angst sie zu verlieren, oder, zum Hasenpubs noch eins, sogar von einem dieser weißen Hoppler weggefressen zu bekommen. Er muss zum Arzt! Auf dem Weg dorthin erleben sie ungeheuerliche Abenteuer: Ein riesiges Schneemonster, der sich unsichtbar machen kann, schließlich will er keinen erschrecken, begegnen sie ebenso wie mit schwarzen Sonnenbrillen bewaffnete weiße Schneehasen. Und das ist längst nicht alles. Es gibt Parallelwelten, Feen, bunt schillernde Schneeflocken, die sich in Schmetterlinge verwandeln können, ein altes Scheunentor mit einem klemmenden Schlüssel und vieles mehr. Kaum kommen sie den Arzt einen Schritt näher, wartet schon das nächste Debakel, eine neue Aufgabe und damit neuen Figuren. Ich könnte viel verraten, aber das will ich gar nicht.
Die Autorin liebt ihre Figuren, gibt ihnen Charme, Würde, ein Eigenleben, selbst wenn sie für das Verständnis mancher Leser seltsam anmuten. Zum Ende hin findet alles seine Erklärung, nichts wird ausgelassen, auch wenn die Phantasie viele Sprünge vollführt. Und wenn in manchem Werk die ein oder andere Figur plötzlich ohne Angaben von Gründen nicht mehr auftaucht, das passiert hier nicht.
Aber man merkt dem Werk an, dass vieles selbst übernommen werden musste, ein paar Probeleser oder ein gutes Lektorat hätte sicher so manche Fehler oder holprige Überleitungen zu den nächsten Absätzen ausbügeln können. Ich kann mir auch vorstellen, dass es manchem Zeichner in den Fingern juckt, um den vielen Figuren ein Gesicht zu geben. Es wäre eine herrliche Weihnachtsgeschichte, sogar in mehreren Teilen, so viele einzelne in sich geschlossene Kapitel sehe ich hier verborgen. Ach ja, über die merkwürdigen Abkürzungen ihrer Namen werden wir selbstverständlich auch aufgeklärt.
Für Leser, denen Träume, Phantasie und das Weggleiten in eine magische Welt wichtig sind, genau das Richtige.




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Tags: fee, hasenpubs, karottennase, parallelwelt, schnee, schneeflocke, schneemänner, schneetreiben, wölfe   (9)
 

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nonne, spanien, evis, amerika, musik

Die magischen Saiten des Frankie Presto

Mitch Albom
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Lago, 15.08.2016
ISBN 9783957611307
Genre: Romane

Rezension:

Im Jahr 2016 gab es noch nicht sehr viele Bücher, die mich inspiriert haben, mich beeindruckt haben. Nun habe ich eines entdeckt. Die magischen Saiten von Frankie Presto von Mitch Albom ist für mich der Roman des Jahres 2016.
Es ist dieser Schreibstil, der mich verzaubert hat, mich immer weiter lesen lässt, mich verlieben lässt in den Hauptprotagonisten. Und der ist: das Talent namens Musik. Vielleicht auch der Geist oder die Gottheit Musik. Der es sich erlaubt, Neugeborenen danach greifen zu lassen, um sich so viel zu nehmen, wie es will. Um dann seine Schützlinge ein Leben lang zu begleiten, zu beobachten, wie sich in den Kindern die Liebe zur Musik entwickelt, wie sie anfangen es zu begreifen, zu leben, zu komponieren, ein Instrument zu lernen, sich damit zu äußern, zu kommunizieren. Die Stimme aus dem Off, die Musik, erzählt hier die Geschichte von Frankie Presto, dass sich kurz nach seiner Geburt ein großes Stück dieses Talentes genommen hat. Mitten in einer Kirche im Spanien des Jahres 1936, gerade gestürmt von Revolutionären und in Brand gesteckt, seine Mutter von einer jungen Nonne versteckt, kommt er zur Welt. Er wird gerade so gerettet, um ein Leben zu leben, das von Irrungen und Wirrungen nur so strotzt. Wir sind dabei, wie er als Waisenjunge die Musik entdeckt, er von einem Maestro im Gitarrenunterricht zu einem großen Künstler erzogen wird, er flüchten muss nach Amerika, als er noch nicht einmal zehn Jahre alt wird.
Albom lässt bereits auf der Flucht die ersten großen Musiker im Leben des Frankie Presto auftreten, wie zum Beispiel Django Reinhardt. In Amerika spielt er dann sogar mit Elvis Presley und vielen anderen Größen der Szene. Denken Sie sich einen Namen der Musikwelt, Frankie Presto hat ihn gekannt. Wie der Autor es aber dazu kommen lässt, das zeigt die Komposition seiner Sätze, die einen erspüren lassen, genauso hätte es sein können.
Bereits in Spanien lernt Frankie Presto seine Frau Aurora kennen, dabei sind sie noch kleine Kinder. Beide spüren, sie sind füreinander geschaffen. Doch verlieren sie sich wegen des Krieges aus den Augen, fast schon sofort. Der Wunsch sich zu finden, um miteinander zu leben, geht zwar auf, aber es wird zu einer tragischen Liebesgeschichte, die seinesgleichen sucht.
Erzählt wir zwar in erster Linie aus der Sicht der Musik, die seine Talente nie aus den Augen verliert, doch es kommen vor allem die Wegbegleiter Frankies zu Wort. Es ist nämlich der Tag seiner Beerdigung und alle sind gekommen, ihm die letzte Ehre zu erweisen, alle, die noch am Leben sind. Sie erzählen einem nicht weiter beschriebenen Journalisten Begebenheiten, wie es so war, mit Frankie zu spielen, von ihm gefördert zu werden oder ihn als Lehrer an der Gitarre erlebt zu haben. Ein Lied einstudiert, eine Textzeile geschenkt bekommen, ein zufälliges aufeinandertreffen mit ihm, den Stones und den Beatles.
Und dann ist da natürlich die Sache mit den magischen Saiten. Immer wenn es darauf ankommt und er diese Saiten spielt, schimmert eine von ihnen Blau, reißt und beeinflusst das Leben desjenigen, wegen dessen er spielt. Als er das bemerkt, zieht er sich über Jahre zurück, lässt sich nur noch selten blicken in der Musikwelt. Bis eines Tages …
Es passiert so viel in diesem einen Leben, man möchte gar nicht mehr, dass diese Geschichte endet, und doch tut sie es. Es schließt sich ein Kreis, den man am Anfang gar nicht recht beachtet hat und das ist ja auch absichtlich so geschehen. Das beschert einem so einige Aha-Momente und man nickt, ja sicher, nur so und nicht anders kann es passieren.
Mitch Albom bedankt sich am Ende seines Buches nicht nur auf die übliche Weise, sondern dankt auch Musikgrößen, wie zum Beispiel Tony Bennett oder Paul Stanley und Roger McGuinn, die eine Rolle in diesem Buch spielen, es sind aber noch erheblich mehr.
Als Musikliebhaber kann man nur schwer diesem Werk widerstehen.
Mehr über den Autor findet man im Netz zum Beispiel über http://www.albom.com/
Mitch Albom, Die magischen Saiten des Frankie Presto, Lago Verlag 2016, Hardcover, 368 Seiten, ISBN 978-3-95761-130-7, Preis: 19,99 Euro.

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Tags: amerika, aurora, beatles, bühne, england, evis, gitarre, gitarrenlehrer, gitarrenspiel, liebe, maestro, musik, nonne, spanien, stones, woodstock, zweiter weltkrieg   (17)
 

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fremdenlegion, die wüste ist heiß!, nichts für frauen, ewiges trainieren, schlechtes essen

Mythos Fremdenlegion - Mein Einsatz in der härtesten Armee der Welt

Stefan Müller
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Econ, 11.09.2015
ISBN 9783430201919
Genre: Sachbücher

Rezension:

Über die französische Fremdenlegion kursieren viele Gerüchte und Halbwahrheiten. Das Buch von Stefan Müller, der fünf Jahre lang in dieser Truppe gedient hat, bringt hier etwas Licht ins Dunkel. Die Rekrutierung ist nur in Frankreich bis zum 40. Lebensjahr möglich. Diese Arme beschäftigt etwa 7.700 Mann aber keine Frauen. Nur Nichtfranzosen werden, bis auf einige Offiziere die aus der französischen Armee stammen, angenommen. Die Fremdenlegion kämpft ausschließlich für Frankreich und arbeitet mit der regulären französischen Armee zusammen. Die Mitglieder erhalten während ihrer Dienstzeit eine neue Identität. Die Eignungstests sind anspruchsvoll und werden zunehmend schwieriger. Der Fremdenlegionär erhält eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis in Frankreich, und zwar egal wo er her kommt, und zu bestimmten Bedingungen kann er die französische Staatsbürgerschaft bekommen. Schwerverbrecher werden heute nicht mehr aufgenommen, die Legion kann sich, bei der großen Anzahl an Bewerbern, ihre Leute aussuchen. Wer Legionär werden will muss kämpfen: In der brutalen Grundausbildung zuerst gegen sich selbst. Gegen den Hunger, die Erschöpfung, den Schlafmangel. Der Autor beschreibt sehr lebhaft und anschaulich den Alltag bei der Legion. Das Legionärsleben erschließt sich dem Leser dadurch äußerst realistisch. Die immer wiederkehrenden Übungen, ob es nun das Bügeln der Uniform ist, oder einen Berg heraufrennen, alles wird penibel geprüft und wiederholt. Und das mit einer Ausstattung, die nicht gerade dem neuesten Stand entspricht und deren Qualität voller Mängel zu sein scheint, weshalb er und viele Andere sich auf eigene Kosten Neues zulegen.
Nach dem Ende der viermonatigen Grundausbildung überwiegen die Routinearbeiten eines Soldaten. Dann der erste „richtige“ Einsatz an der Elfenbeinküste. Die erste Beförderung, weitere Lehrgänge. Stefan lernt eine Französin kennen, aber die Beziehung hält nicht lange. Das stressige Leben als Legionär lässt sich in der wenigen Freizeit nicht auf Knopfdruck abstellen. Das ergibt Konflikte und die Beziehung scheitert, nicht die letzte. Die Fremdenlegion ist keine Eliteeinheit vergleichbar mit den Navy Seals, sondern es sind nur besonders gut ausgebildete Soldaten, die auf möglichst viele Situationen, die im Einsatz auftreten können, vorbereitet und trainiert.
Müller schildert die unglaubliche Anspannung im Kampfeinsatz während der Operation „Serval“ in Mali. Ja, er hat getötet, nein, die Legionäre reden nicht gerne darüber. Was herauszulesen ist, ist das Mitgefühl für den getöteten Gegner, obwohl ihm bewusst ist, er oder der Andere. Auf diese Stresssituation werden die Soldaten zwar vorbereitet, damit sie entsprechend handeln, aber mit ihren Gefühlen müssen sie selbst klar kommen. Am Ende seiner Dienstzeit nach fünf Jahren wird ihm ein Lehrgang zum Sergeant angeboten, wenn er seinen Dienst um weitere drei Jahre verlängern würde. Diese Option wird bei guten Leistungen angeboten, eine Bewerbung ist nicht möglich. Aber er lehnt ab. Er will keine weiteren drei Jahre, kein fremdbestimmtes Leben mehr. Er hat seine Erfahrungen gemacht und viel gelernt. Der Abschied ist traurig. Keinerlei Wertschätzung. Der Apparat spuckt ihn einfach nur aus. Er ist ersetzbar.

Der Ghostwriter dieses Buches ist Martin Specht, Autor und Journalist. Von ihm stammt ebenfalls das Buch „Heute trifft es vielleicht dich“, bei dem es um Legionäre geht, die im Indochina- und Algerienkrieg teilgenommen hatten. Specht wollte aber auch die Erfahrungen eines Legionärs unserer Zeit beschreiben und hatte Glück. Er erfuhr von einem gewissen Karl Mahler, der die Fremdenlegion verlassen wollte und setzte sich mit ihm in Kontakt. Stefan Müller hatte von Anfang an Tagebuch geschrieben und auch ihm war es wichtig, seine Erfahrungen weiterzugeben. Dass es dabei aber Geheimnisse gibt, über die er niemals Auskunft geben wird, ist klar, schließlich gibt es viele militärische Dinge, die nicht in Feindeshand geraten sollen. So kam es zu einem fruchtbaren Austausch dessen Ergebnis dieses Buch ist. Für junge Männer mit hehren Träumen äußerst empfehlenswert. Aber nicht nur für diese.

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Tags: auslandseinsatz, die wüste ist heiß!, ewiges trainieren, fremdenlegion, hartes training, neue identität, nichts für frauen, schlechtes essen   (8)
 

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finnland, humor, sex, sex und junge männer, der beste schwule koch

Die Kunst, Elch-Urin frisch zu halten

Rochus Hahn
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.08.2016
ISBN 9783442484492
Genre: Humor

Rezension:

Zwei Mittzwanziger treffen sich nach einigen Jahren per Zufall in der Stadt wieder, der eine, Tim, holt den anderen, Bullwinkel, aus einer verzwickten Situation heraus. Die zwei ehemaligen Schüler stellen schnell fest, dass sie beide noch keinen Sex hatten, also immer noch der Jungfräulichkeit frönen. Auf einer Party lernen sie zwei Stewardessen kennen, die sie als ihre Entjungferinnen bestimmen. Als sie merken, dass die beiden Damen sich für harte Drogen interessieren, versprechen sie ihnen, etwas ganz besonderes zu besorgen und verabreden sich für Freitag, in vierzehn Tagen.

Der Autor macht nun erst einmal klar, um was es bei den Jungs geht, nämlich nur und ausschließlich um Sex. Vor allem Bullwinkel erklärt Tim bei jeder sich bietenden Gelegenheit, und das ist eigentlich immer, welche Informationen das Internet zu diesem Thema bietet, und das ist viel. Um es mit den Worten von Woody Allen mal zu sagen, ich weiß nicht ob ich so viel über Sex wissen wollte, geschweige denn entsprechende Fragen dazu stellen will. Näher gehe ich hier nicht darauf ein.
Tim und Bullwinkel überlegen nun, welche Droge sie den Stewardessen anbieten könnten, die sie bestimmt noch nicht kennen. Tim geht dafür in die Bibliothek, lässt sich beraten und lernt dabei eine nette Bibliothekarin kennen. Bullwinkel geht ins Internet und ruft Freunde an. Dabei bekommt Letzterer den Tipp, es doch mit Elchen, die psychogene Pilze gefressen haben, zu probieren. Sie müssten dann nur noch deren Urin auffangen und trinken, so wirken die psychogenen Pilze nicht mehr tödlich giftig für den Menschen sondern entfalten nur noch den Phantomflash. Also so machen sich die Zwei auf, um in den tiefen finnischen Wäldern einen Elch zu finden, der genau ihre Bedürfnisse befriedigt.
Die Abenteuer, die Hahn seine Protagonisten in Finnland durchleben lässt, sind, Wortspiel, Hanebüchen. Unter anderem lernen sie Victor, einen Homosexuellen kennen, bei dem sie eigentlich unterkommen wollten, es aber zu einer weiteren unglücklichen Situation kommt. Victor hat sie zum Essen eingeladen und seine besten Freunde gleich mit. Und hier dreht unser Autor so richtig auf. Tim sieht sich mit sexuellen Praktiken seiner Tischnachbarn konfrontiert, die ihm eindeutig zu viel sind. Er muss sich, ganz klar, etwas einfallen lassen, damit er aus dieser Situation herauskommt. Tja, und da kommen Nacktschnecken ins Spiel …
Erst nach etwa 300 Seiten kommt der Elchurin zur Sprache, wobei die Schreibweise des Wortes im Text mit dem Titel des Buches nicht korrespondiert. Die Witze sind manchmal nicht wirklich witzig, sondern ganz im Gegenteil, sie kippen, sind tief traurig. Vielleicht ist das aber ja auch Absicht, so richtig dahinter komme ich nicht. Keine Frage, das Buch ist voll von überraschenden Ideen, gerade zum Ende hin aber wird Sozialkritisches nicht vertieft beziehungsweise nur oberflächlich ankratzt. Unbequeme Themen hätte Hahn besser ganz weglassen sollen oder darauf mehr eingehen können. Aber dann hätte es sicher nicht mehr zum Buch gepasst. Dafür hat sich der Autor ja vielfach beim Thema Sex ausgetobt. Obwohl auch hier, bei näherer Überlegung, Gott sei Dank, einiges ausgelassen wurde.
Ausgerechnet auf den letzten Seiten will die Zeitschiene nicht so recht passen. Das wichtige Date mit den beiden Damen findet an einem Freitag statt, aber der nächste Tag ist irgendwie auch Freitag. Ein Telefonat weiter ist es plötzlich, wir sind ja eigentlich bei Samstag, ein Donnerstag und der nächste Tag soll der Freitag sein. Puh, kenne sich aus wer will. Alles passt nun mal nicht in einen Freitag, der, wie alle Tage, auch nur vierundzwanzig Stunden hat.

Mehr über Rochus Hahn findet man mit Leichtigkeit im Netz, einfach seinen Namen eingeben und schon kann jeder rumstöbern.

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Tags: der beste schwule koch, elche, elchurin, finnische wälder, finnland, junge männer auf der suche nach frauen, junge männer die nur sex im kopf haben, junge männer ohne sex, menschen die tiere lieben, sex, sex und junge männer, suspensorium, teure getränke   (13)
 

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mord, island, zufallsopfer?, rätselhaftes verschwinden, stille ermittlungen

Nacht über Reykjavík

Arnaldur Indriðason , Coletta Bürling
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 12.08.2016
ISBN 9783404173891
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist das Jahr 1974 in Island, 1100 Jahre davor wurde die Insel zum ersten Mal besiedelt. Inmitten der Vorbereitung auf dieses Fest steht der Straßenpolizist Erlendur Sveinsson vor der selbst gestellten Aufgabe, nicht gelöste Morde aufzuklären und verschwundene Personen zu finden. Und das hauptsächlich in der Nacht. In dem Kriminalroman von Arnaldur Indriðason „Nacht über Reykjavík“, geschrieben im Jahr 2012, lernen die Leser dieser Kriminalromanserie den Protagonisten Erlendur aus seiner Zeit vor der Kripo kennen. Bereits 1997 wurde der erste Krimi dieser Reihe unter dem Namen Menschensöhne veröffentlicht, bei der Erlendur schon älter ist und längere Zeit bei der Kripo tätig.
Bei dem nun 13. Buch der Serie zeigt uns der Autor die Anfänge, startet Erlendur mit seiner Karriere als Streifenpolizist mit zwei anderen Kollegen im Nachtdienst. Als Leser begegnet einem der Protagonist als nachdenklicher Mensch, der nicht sonderlich an den nach Dienst passierenden sozialen Aktivitäten seiner Kollegen interessiert ist, seine private Seite bleibt wie im Nebel. Nur ab und an lässt uns der Autor einen kleinen, distanzierten Blick auf das werfen, was Erlendur geformt hat, wie er zu Frau und Familie steht, warum ihn Fernsehen, Theater, Kino und Tanzveranstaltungen nur selten als Ablenkung dient, er dafür Musik um so mehr schätzt.
Anders als bei seinem Arbeitsplatz. Ich muss mir immer wieder die Zeit klar machen, in der der Roman spielt, dass es noch keine Computer, Handys oder dergleichen elektronische Instrumente gab, die das Arbeitsleben heute prägen. Es gibt noch Schallplattenspieler, hingegen ist die Pizzeria und andere ausländische kulinarische Einkehrmöglichkeiten ziemlich fremd.
Das Nachtleben von Reykjavík mutet in dem Roman schon fast an eine sozialkritische Studie, der Streifenbeamte erlebt viel mit seinen Kollegen, ob es Unfälle im Straßenverkehr, häusliche Gewalt, Schwierigkeiten mit Randalierenden, Diebstahl, oder auch den Fund einer Leiche.
Der Mord an einen Obdachlosen lässt ihn nicht los, man fand ihn in einem Tümpel, ertrunken soll er sein, einfach so. Die Polizei ermittelt nicht weiter, warum auch, es gibt genug zu tun. Erlendur geht dem nach, heimlich fängt er an zu ermitteln, schließlich kannte er ihn von der Straße. Nach kurzen Ruhepausen im Anschluss an seine Nachtschichten verfolgt er jeder noch so kleinen Spur. Lernt die Schwester des Toten kennen und seine letzte Freundin. Erfährt die Gründe, warum der Obdachlose auf der Straße gelandet ist. Dann bekommt er heraus, dass in der selben Nacht, in der der Mord geschah, eine Frau spurlos verschwand. Gibt es da etwa einen Zusammenhang?
Er kommt leise daher, dieser Krimi, tiefgründig und doch manchmal unnahbar ist die Figur des Erlendur. Hartnäckigkeit zeichnet ihn aus, lässt sich nicht abwimmeln von der Trägheit der Kollegen aus der Kriminalabteilung, um am Ende die ganze Tragik ans Licht zu zerren.
Beim Lesen habe ich Musik in den Ohren, diese leisen, feinen Jazzklänge und einen Film vor Augen, ich sehe ein Auto vor mir wie es in der Nacht durch die regenreichen Straßen einer Stadt fährt. Die Scheinwerfer spiegeln sich auf dem nassen Asphalt. Wie von ferne sehe ich es halten, die Polizisten steigen aus, um an eine Tür zu klopfen, wer weiß schon so genau, was sie erwartet. Dieses anschleichende Gefühl von Trauer, bei Erlendur spürt man regelrecht, wenn er über die Schwelle der Tür tritt und schon erahnt, was ihn erwartet. Feinfühlig geschrieben, lesenswert.

Unter dem Verlag Bastei-Lübbe wurden die Romane nicht in der Reihenfolge der in Island erschienen aufgelegt, sondern mit „Nordermoor“ aus dem Jahr 2000 gestartet. Die ersten Zwei folgten dann 2005 und 2008. Die genauen Reihenfolgen und weitere Romane sowie andere Werke des Autors können auch unter https://de.wikipedia.org/wiki/Arnaldur_Indri%C3%B0ason eingesehen werden.

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Tags: 1974, hartnäckigkeit zahlt sich aus, island, obdachloser als opfer, sozialschwacher kriminaler, stille ermittlungen, verschwundene personen, zufallsopfer?   (8)
 

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weisheit, lebensweisheiten, coelho, nicht tiefschürfend genug, nachdenklich machend

Die Schriften von Accra

Paulo Coelho , Maralde Meyer-Minnemann
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 27.08.2014
ISBN 9783257242829
Genre: Romane

Rezension:

Es ist der 14. Juli 1099 vor einer gewaltigen Schlacht und es geht um nicht weniger als die Stadt Jerusalem. Doch weder will ich schnell flüchten noch mich vorbereiten, denn ich habe etwas besseres vor. Ich lausche dem weisen Ratgeber für alle Lebenslagen, einem zugereisten Kopten aus dem fernen Griechenland. Dem Kopten können wir Fragen zu allem stellen, was uns im Leben Probleme bereitet oder wozu wir generelle Fragen haben. Sein ganzes Leben hat der Kopte sich mit Anderen über die verschiedensten Situationen in Politik, Religion und weiteren Themen ausgetauscht, und er unterhält sich gerne mit den zu sich gesellten Bürgern. Es ist ihm wichtig, dass die Antworten weitergegeben werden, auf das Andere davon lernen mögen. Die mit anwesenden Führer der wichtigsten Religionsgemeinschaften, ein christlicher Priester, ein Rabbi und ein Imam, sitzen oder stehen schweigend dabei. Nur um kurz am Ende der Frage- und Antwortstunde ihre Stimme zu erheben, aber erst, als der Kopte sie fragt, ob sie überhaupt etwas zu sagen haben.
Nein, Realistisch ist das nicht, aber es ist ja auch ein Roman. Obwohl, ein Roman an sich, besteht er wirklich nur aus Fragen und Antworten? Handelt es sich nicht eher um einen Ratgeber? Hätte ein unbekannter Autor einen Verlag dafür gefunden? Als Roman ausgewiesen und mit dem Namen eines Paulo Coelho und dem Anspruch auf intellektuelle, kluge Sätze schon. Das sind sie gewiss. Zum Nachdenken anregend, um die Welt besser zu machen, das eigene Verhalten zu hinterfragen? Ich habe da so meine Zweifel. Und auch der Protagonist des Autors hat da seine Zweifel, der Kopte selbst glaubt nicht, dass sich in den nächsten tausend Jahren etwas ändern wird.
Jede Frage ist berechtigt, die Antworten so harmonisch, als gäbe es nur schwarz und weiß, aber keinerlei Grautöne in der Welt. Als ob es so einfach ist alles und alle zu verändern, auf das sich nur noch Gutes einstellen möge. Dazu passenderweise keine kleinen Schritte, wie werde ich ein besserer Mensch, wie komme ich zu einem guten Sexleben mit meinem Partner. Nein, lass dich ein, gib dich hin, nimm die Liebe an, dann wird es dein Partner auch tun. Und schon sind alle Probleme gelöst. Da wird gar nicht erst hinterfragt, ob es da nicht das eine oder andere klitzekleine Problem gäbe, warum sich ein Partner trotzdem nicht einlassen kann, nur um bei diesem Beispiel zu bleiben.
Der Autor macht sich diese und auch alle anderen Antworten auf die Fragen zu einfach. Selbstverständlich tauchen da noch Fragen zum bevorstehenden Kampf auf, was es denn mit den Feinden, dem Ehrgefühl, Loyalität, Waffen und mehr auf sich hat. Die Antworten aber bereiten die Menschen in keinster Weise auf die Gräuel vor, die da kommen. Und da gibt es noch dieses murren, wenn eine Frau fragt, was es denn mit Eleganz, Anmut und Vornehmheit auf sich hat, aber auch darauf weiß der Kopte eine weise formulierte Antwort, die die Murrenden ebenfalls verstummen lässt.
Man stelle sich vor, das würde in irgendeiner Stadt in der zurzeit Krieg herrscht, vor der allumfassenden Schlacht stattfinden. Tut mir leid, dafür reicht meine Phantasie nicht aus. Ich weiß, vielen gefällt dieser Roman, der für mich keiner ist. Eher gleicht das Buch einem Märchen für Erwachsene oder einer Predigt mit frommen Sprüchen und Empfehlungen. Und genau so verstehe ich dieses Werk.

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Tags: kein ratgeberbuch, kluge sätze, nachdenklich machend, nicht tiefschürfend genug, predigt, weder roman noch echte geschichte   (6)
 

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strafe, veraltete wertvorstellungen hinter mauern, schulalltag, glaube, erziehung

Die Klosterschule

Barbara Frischmuth
Flexibler Einband: 89 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 13.11.2013
ISBN 9783499224522
Genre: Romane

Rezension:

Als das Buch „Die Klosterschule“ von Barbara Frischmuth im Jahr 1968 erschien, war das sicher in gewissen Kreisen eine Sensation. Und zwar deshalb, weil es die schon damals antiquierte Haltung jungen Frauen gegenüber beschrieb, die in Klosterschulen zu reproduktionswilligen, duldenden, ohne eigenen Willen und zu braven Hausfrauen erzogen werden sollten. Für Feministinnen ein gefundenes Fressen und im Jahr 2016 nur noch unvorstellbar für unseren Kulturkreis.

Ich habe das Buch in der 20.! Auflage vom November 2013 des rororo Verlages gelesen. Auf dem Klappentext wird fälschlicherweise von einem Roman geschrieben, dabei ist es ein aus 14 Kapiteln bestehender Erzählband. Es gibt keine durchgezogene Handlung, jeder einzelne Abschnitt steht für sich und hat auch unterschiedliche Schreibstile. Mal wird fast als Aufzählung all die einzelnen Gebetszeiten und Inhalte der dann ausgeführten Gebete beschrieben, die vor und nach dem jeweiligen Essen, nach dem Aufstehen, vor dem Zubettgehen und so weiter zu geschehen haben, sowie zu allen Feierlichkeiten, Sonntagen, kirchlichen Feiertagen; man hat das Gefühl, die Zöglinge des Stifts machen nichts anderes als beten. Dabei hat man das Gefühl, dass die Autorin diesen vom Rande aus zuschaut und nichts als eine Strichliste führt.
Bei anderen Abschnitten hingegen können wir bei der Protagonistin regelrecht nachspüren, wie sie und ihre Mitschülerinnen ihre Spaziergänge, die täglich zu absolvieren sind, dazu nutzen, aus dem Regelwerk auszubrechen. Sie rupfen hier ein Blümchen aus, erzählen sich Geschichten, statt englische Konversation zu betreiben, werfen sich im Winter gegenseitig den Schnee ins Gesicht. Immer in der Gefahr erwischt zu werden, um im Kollektiv ihre Strafe zu erhalten. Dabei geht einem erst auf, hier handelt es sich um Menschen mit sehr viel Gefühl, Eigensinn und Lebensenergie, die aber gebrochen und geformt werden sollen, um der Kirche und der Gesellschaft wegen. Der Gesellschaft der katholischen Kirche, einer Gemeinschaft, in der die Gruppenmitglieder wie Schafe in der Herde gut aufgehoben sind, und wehe, es bricht eines aus.
Dieses Buch in der heutigen Zeit zu lesen fällt schwer. Nicht nur weil keine zusammenhängende Geschichte erzählt wird und es doch um dasselbe Thema in allen Kapiteln geht. Junge Frauen in der Klosterschule, die auf das Leben für nur diese Gruppe vorbereitet werden. Dabei wird es gerne gesehen, wenn sie sich Frauen ebenfalls für ein Leben im Kloster als Schwester entscheiden.
Da ist dieses unsägliche Kapitel über die Frau, wie sie sich einem Manne gegenüber zu verhalten hat. Als gäbe es die realistische Welt da draußen nicht. Waren keine zwei Weltkriege geschehen mit all den Gräueltaten den Frauen gegenüber, kein lockeres Leben in den „Goldenen Zwanzigern“. Als Aufklärung wird den Mädchen beigebracht immer schön Abstand zu halten, den Mann zwar zu locken, abzuschätzen, ob und wie er es denn meint, und wenn er es denn ernst meint doch bitte jungfräulich in die Ehe zu gehen, auf das sie dem Manne untertan ist. Dabei sieht die Autorin für die Mädchen auch Ausbruchsmöglichkeiten aus dieser Welt anhand deren eigener Phantasien, ihren gegenseitig erzählten Geschichten, ihre Knutschversuche in versteckten Ecken. Ausbruch oder Anpassung, mehr Möglichkeiten gibt es nicht.
Damals ein wichtiges Werk, heute ein wichtiges Zeugnis dieser Zeit, aber nicht für die Kinder, für die das bittere Realität wurde, indem sie in Klostern auf das Leben vorbereitet wurden. Alleine der Spruch von Abraham a Santa Clara, einem Augustinermönch, der dem Buch vorangestellt ist, lässt nicht nur Feministinnen erschauern:Eine rechte Jungfrau soll sein und muß sein wie eine Spitalsuppe, die hat nicht viele Augen, also soll sie auch wenig umgaffen.

Barbara Frischmuth ist am 5. Juli in Altausee, Salzkammergut zur Welt gekommen. Sie ist eine österreichische Schriftstellerin und Übersetzerin sowie Kolumnistin. Ihre Studiengänge waren Turkologie, Iranistik und Islamkunde.
Zu ihren Werken gehören Romane, Erählungen Kinder- und Jugendbücher, Theaterstücke, Hörspiele und weitere literarische Werke. Außerdem wurden nach ihren Buchvorlagen Filme gedreht.
Weitere Informationen sind zum Beispiel über https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Frischmuth erhältlich.



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Tags: drakonische strafen, kloster, schwestern, strenge regeln, veraltete wertvorstellungen hinter mauern, zöglinge   (6)
 

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familie, die seele als pfand, afrika, afrika und die seelen, kolonialismus

Die flüsternden Seelen

Henning Mankell , Verena Reichel
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.11.2014
ISBN 9783423215497
Genre: Romane

Rezension:

Felisberto sitzt am Feuer als sich ein Zuhörer zu ihm gesellt. Wir stellen uns vor, dass es sich um den Autor handelt, Henning Mankell. Seine Anfangsworte im Buch "Die flüsternden Seelen" besagen, dass er 25 Jahre für das Werk gebraucht hat, und das für etwa 250 Seiten. Er schreibt auch selbst, dass es vielleicht gerade deshalb so kurz geworden ist. Aber diese wenigen Worte reichen aus, um sehr kompakt aus der Sicht der Familie von Felisberto und ihm selbst über die Überheblichkeit des Weißen zu berichten, wie er in die Welt des schwarzen Kontinents eingedrungen ist, um seine Werte, seine Lebensweisen, seinen Glauben regelrecht hinein zu prügeln, um letztendlich doch zu scheitern. Der Weiße, der es nie verstanden hat sich auf diesen Kontinent einzulassen, die Kraft, die von diesem ausgeht und in alle Bereiche des Lebens eindringt. Und wie bei so manchem Machthaber dieses Kontinents einzig die Verderbtheit des Weißen an ihnen hängen geblieben ist.

Felisberto versucht die Erfahrungen seiner Familienmitglieder weiterzugeben, auf das sie künftigen Besuchern seiner Welt und auch umgekehrt einen positiven Einfluss nimmt. Von Müttern, Schwestern, Nichten und Neffen, meist in bitterster Armut, manchmal verkrüppelt, Onkeln und Tanten, die ihre Wege suchen aber nicht immer finden. Zu Geistern geworden und doch nicht schlafen können, sich sorgend um ihre Nachkommen kümmernd, und alle stammen sie von Samima, ihrer Stammesmutter, ab. Diese Stammesmutter wird über 300 Jahre alt, um anschließend als Geist zu wirken, oft befragt, manches mal überhört.
Die Kapitel sind unterschiedlich lang, greifen aber immer irgendwie ineinander über. Sie überspringen Zeitlinien, kommen zurück zum Ursprung, um im nächsten Moment doch wieder Jahrzehnte später stattzufinden. Und immer wieder schließt sich der Kreis, jeder ist mit jedem irgendwie verwandt oder man traf sich zu anderen Gelegenheiten.
Wie unergründlich doch der schwarze Kontinent ist, zeigt vor allem die Geschichte von Dom Estefano und Dona Elvira, die wir bei ihren letzten Tagen in Afrika begleiten. Sie wollen flüchten vor den Befreiern, bevor sie, als ungebetene Gäste, besser noch Herrscher, schlimm bestraft werden könnten. Felisberto ist ihr Diener. In den Sätzen klingt die Verzweiflung Dom Estefanos auf, Felisberto einfach nicht verstehen zu können, ihn und seine Welt. Dass es ihm wohl nie gelingen wird, wird ihm jetzt bewusst, kurz bevor er ihre Welt verlassen will. Mankell erzählt, wie Dom Estefano nach Afrika gekommen ist, seine Frau kennenlernt, ihr Priester Raul verrückt wird und er trotz sein Nichtverständnisses gegenüber der afrikanischen Seele Dom Estefano doch Trost bei einer der "Töchter" Samimas sucht.
Felisberto aber wundert sich, wie die Weißen sich so einschränken können, auf Geister, die ihnen doch bei allen Lebenslagen behilflich sein können zu verzichten, ihre Lebensweise bleibt auch ihm und den anderen Verwandten fremd. So wie für Lukas, der sein Glück im angeblichen Paradies, in Europa, sucht und verzweifelt. Wie von Marta, die vergeblich vom Geist Samimas gewarnt wird und durch eine Hinterlassenschaft der Weißen Böses widerfährt. Aber es gibt auch das Gute im vermeintlich nicht vorhandenen Glück, wie das von Peina, die nur den Wunsch verspürt einmal im Leben das Meer zu sehen, um dann glücklich zu sterben. Deshalb macht sie sich auf ihren gelähmten Beinen auf den Weg dorthin.
Viele kleine und große Geschichten runden die Erzählung ab, die noch längst kein Ende hat, wie Mankell schreibt, solange die Zeit kein Ende findet.
Eine einfühlsame, aus völlig anderen Sichtweisen geschriebenes Buch, die einen eintauchen lässt, in ein anderes Afrika als das, was sonst in den Medien zu finden ist.

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Tags: afrika und die seelen, auf der suche nach dem wasser in afrika, die seele als pfand, geister, glaubensmale, weit verzweigte familien   (6)
 

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thriller, lacey, einfach genial, selbstmord, universität

Dead End - Lacey Flint 2

Sharon Bolton , Marie-Luise Bezzenberger
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.04.2014
ISBN 9783442480609
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Oha! Was für ein Thriller.
Dead End von Sharon Bolton hat es in sich, und das nicht zu knapp. Der zweite Krimi einer Serie mit den Beamten DC Lacey und DI Mark Joesbury mit der Übersetzung aus dem Englischen von Marie-Luise Bezzenberger liest sich sehr flüssig, man bleibt richtig dran kleben.
Um was geht es? In der altehrwürdigen Universitätsstadt Cambridge gibt es eine unerklärliche Häufung von Selbstmorden, die zwar statistisch auf den ersten Blick nicht aus dem Rahmen fallen, bei näherer Betrachtung zeigen sich aber Merkwürdigkeiten. Deshalb soll DC Lacey Flint sich Undercover als Studentin ausgeben und einfach mal sehen und ein wenig hören, was drum herum geschieht. Diesen Vorschlag macht ihr DI Mark Joesbury, der schwer in sie verliebt ist, sich aber nicht wagt, es ihr gegenüber auch nur ansatzweise zu zeigen. Schließlich ist er in der Hierarchie weiter oben und wie würde das aussehen. In ihrem ersten gemeinsamen Fall, im Buch Dunkle Gebete, hatten sie bereits das Vergnügen der Zusammenarbeit, und was damals geklappt hat, soll jetzt auf Wunsch ihrer Vorgesetzten auch wieder harmonieren.
Die Anspielungen auf ihren ersten Fall sind so platziert, dass sie genug aufklären, wie und in welchen Konstellationen sie zueinander stehen, und zwar so, dass das Buch alleine für sich stehen kann. Es macht aber schon ein wenig neugierig und lässt einen in der Buchhandlung nach den anderen Teilen der Serie stöbern.
Die Autorin schickt also die bereits Mittzwanzigerin als Studentin nach Cambrige, die natürlich viel mehr macht, als sie eigentlich soll, sie fängt von sich aus an zu ermitteln. Und was sie da erlebt, lässt einem der kalte Schweiß ausbrechen. Die Selbstmorde sind in ihrer Art sehr heftig und wirken einfallsreich. Und vor allem, keiner gleicht dem Anderen. Mit an ihrer Seite und als einzig Eingeweihte ist die Psychiaterin Dr. Evi Oliver, die im psychologischen Dienst der Universität arbeitet. Zu ihr und ihren Mitarbeitern können die Studierenden, die unter anderem über Schlafprobleme oder Depressionen leiden, gehen. Zusammen stellen sie fest, dass es hauptsächlich junge Frauen sind, die versuchen, ihrem Leben ein frühzeitiges Ende zu setzen. Allerdings geschieht das teilweise auf so komplizierte Weise, dass einem schon früh der Verdacht kommen könnte, dass da etwas nicht stimmen kann. Noch dazu hatten viele der Opfer Kontakt mit Evi oder ihren Mitarbeitern und klagten ihnen gegenüber über Angstträume, Schlafmangel und Depressionen. Deshalb schöpfte Evi Verdacht und informierte eine Freundin, die wiederum jemand bei der Kripo kennt und deshalb ist Lacey nun vor Ort.
Doch was geschieht da bloß? Was treibt die jungen Menschen in den Selbstmord? Warum schließen die Behörden so schnell die Fälle ab? Auch dem Coroner fällt anscheinend keine Unstimmigkeiten auf. Unterdessen macht sich DI Joesbury Vorwürfe, weil er merkt, dass Lacey doch mehr unternimmt, als einfach nur den Lockvogel zu spielen. Denn eines ist klar, die Selbstmorde passieren nicht einfach so, irgendjemand treibt die Opfer dazu, sich zu suizidieren. Und den will DI Joesbury kriegen, allerdings nicht auf Kosten Laceys, die mit ihrer Schnüffelei schlafende Hunde weckt.
Die einzelnen Todesfälle, nein, ich beschreibe hier keinen einzigen, sind wirklich kompliziert. Und ich hätte mir gerne mehr Aufklärung gewünscht, wie sie von statten gingen. Vor allem am Ende gehen wie so oft einige Protagonisten verloren, man kann nur erahnen, was mit ihnen geschieht, aber vielleicht tauchen sie ja in einem weiteren Buch wieder auf. Die Dramaturgie hingegen lässt nichts aus. Die vielen einzelnen Figuren greifen wie in einem mehrschichtigen Zahnrad immer näher zueinander. Ein super Spannungsbogen lässt einen das Buch schwer aus der Hand legen. Doch verfilmt möchte ich es lieber nicht ansehen, das wäre ein echter Horrorfilm für Hartgesottene.
Erschienen unter dem Label Manhattan-Verlag bei Wilhelm Goldmann Verlag in München, wie all die Thriller dieser Reihe und auch andere Bücher der Autorin, die sämtlich von Marie-Luise Bezzenberger übersetzt wurden.

Weitere Informationen sind unter www.sjbolton.com und https://de.wikipedia.org/wiki/Sharon_Bolton erhältlich.

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Tags: bizarre selbstmorde, england, junge hübsche mädchen, suizid als snuff-film, under cover, universität, verzwickte todesfälle, zum selbstmord getrieben?   (8)
 

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is, syrien, gesellschaft, koran, sklaverei

Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat'

Jürgen Todenhöfer
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Penguin, 12.12.2016
ISBN 9783328100836
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es viel mir schwer das Buch zu lesen, warum? Es ist nun mal etwas anderes einen Roman zu lesen, in dem sehr viel über Gewalt geschrieben wird, als eine Reportage aus dem echten Leben. Als ich dann aber damit Anfing, ging alles ganz schnell. Merkwürdigerweise. Vielleicht lag es auch an den Ereignissen dieser Tage. Nizza, Türkei, Amerika, Deutschland. Tote und Verletzte all überall und irgendwie scheinbar aus denselben Gründen. Übergreifend. Angeblich religiös motiviert. Was davon übrig bleibt werden wir sehen. Wie auch beim sogenannten Putschversuch in der Türkei.
Was das mit dem Buch zu tun hat? Eine ganze Menge. Die Welt scheint sich hauptsächlich nur noch um das Thema des religiös motivierten Verbrechens zu drehen. Was aber ist wirklich religiös, was eher der vorgeschobene Grund für diese Taten?
Todenhöfer will es immer ganz genau wissen, was einerseits vielen nicht passt oder zumindest unheimlich ist, andererseits ist es gut zu wissen, dass auch die andere Seite gehört wird, um das Wieso und Warum in Erfahrung zu bringen. Auch wenn uns bei den Antworten übel wird. Es ist immer besser die Motive der Anderen zu kennen, um zu wissen, gegen was und wen man eigentlich kämpft. Sonst könnten die genutzten Waffen allesamt unwirksam sein. Todenhöfer beschreibt nicht nur die Gräuel die vom IS ausgeht, sondern auch die durch den Westen der letzten Jahrhunderte ausgeübte, die oftmals in Vergessenheit geraten ist. Damit will er mitnichten die Taten der IS entschuldigen sondern eben genau das beschreiben was es ist. In Vergessenheit geratene Kriege des Westens. Und Punkt.
Aber wie oder was ist der IS, der Islamische Staat, wer gehört dazu, wer nicht, wer ist in den Augen der Machthaber ein Abtrünniger und gehört genauso dahin gemeuchelt, wie Ungläubige oder Nichtgläubige? Todenhöfer versucht zu entwirren. Im Laufe seiner Recherchen, die auch zur Vorbereitung seiner Reise dienen, klärt er auf. Mithilfe seines Sohnes Frederic versucht Todenhöfer über soziale Medien in Kontakt mit jungen IS-Kämpfern zu kommen , um zu erfahren, woher die Motivation kommt, diesen Kampf zu bestreiten, der im Grunde nicht ihrer ist. Er will verstehen. Es sind Interviews abgedruckt, die zum Teil sehr gruselig auf einen wirken. Wir sollten uns aber fragen, warum gehen junge Menschen in den Dschihad, wandern zum Islamischen Staat aus, und wie können wir sie daran hindern. Sind es wirklich diese strengen Regeln, der unbedingte Gehorsam gegenüber einer Religion? So wirklich kann man es ihnen nicht abnehmen. Denn auf der anderen Seite prahlen sie regelrecht damit, wie hart die Sharia zuschlägt, und das für bereits geringe Vergehen. Den Feinden aber den Kopf abzuschlagen, sich Sklaven, halten um so ungebüßt körperlichen wie seelischen Missbrauch zu begehen, das soll dann vollkommen normal sein. Nein, im Grunde geht es darum, Macht ausüben zu können, Gewaltphantasien ihren freien Lauf zu lassen, und das alles ungestraft. Die Religion, der Koran, zwar schon einige hundert Jahre alt, aber von verschiedenen Strömungen unterschiedlich ausgelegt, muss dafür herhalten. Aber gerade das ist auch im Islamischen Staat, so ist es zu lesen, nicht erlaubt, wie so vieles nicht. Entweder ihr seid für unseren strickten Kurs, unsere Auffassung der Religion, denn nur diese ist die Richtige, oder ihr seid alle des Todes. Auch wenn es 150 Millionen Muslime sind, die zwar nach dem Koran leben, aber dennoch falsch, und daher sterben sollen. Alle! Christen und Andersgläubige dürfen gerne für ihren Schutz eine Abgabe zahlen und können selbstverständlich so leben wie bisher. Kein Problem.
Todenhöfer beschreibt seinen Kampf mit den Verantwortlichen um die Sicherheit während seines Aufenthaltes für ihn selbst, seinen Sohn und dessen Freund, Schutzname Malcolm. Die Interviews mit dem in Deutschland geborenen Christian E., nun mit einem arabischen Namen versehen, geben bereits einen tiefen Einblick in dessen Gedankenwelt, der des IS. Todenhöfer beharrt in diesen Gesprächen erstens auf ein Schreiben des Kalifen als Sicherheitsgarantie und zweitens macht er immer wieder klar, dass er auch unangenehme Fragen stellen wird. Warum er nun die Genehmigung bekommt zu ihnen Reisen zu dürfen, liegt wohl an seiner Glaubwürdigkeit, die der Autor in der arabischen Welt genießt; es sind Bücher von ihm in arabischer Sprache erschienen.
Die zehn Tage nun sind ein Unternehmen, dass nicht jeder Journalist so auf sich nehmen würde. Am Anfang wird er tatsächlich noch mit neuen Kämpfern, unter ihnen auch eine deutsche Frau, über die Grenze gebracht. Der Autor beschreibt nun was er erlebt, von Bewachungen, Besichtigungen, inszenierten Interviews, zum Teil gutem Essen, und der allmählichen Verschlechterung der Stimmung. Warum? Todenhöfer will Antworten auf Fragen, die er, so wie angekündigt, jedem stellt, den er fassen kann. Fragen nach der Brutalität des IS, warum öffentlich beziehungsweise in veröffentlichten Videos die Hinrichtung von Journalisten und anderen Westlichen gezeigt wird. Warum es wieder Sklavenhaltung gibt. Die Antworten, die uns da um die Ohren fliegen haben selbstverständlich einen wahren Kern, zum Beispiel gibt es doch auch die in der westlichen Welt versklavten Frauen, sie meinen Prostituierte, die entsprechende Dienste leisten müssen. Aber kann, darf das ein Grund sein jetzt ganze Völkergruppen zu töten und zu versklaven? Der IS ist dieser Meinung. Die Sharia ersetzt nun Justitia, wozu braucht man Gerichte, mit all seinen Helfern wie Anwälte und Richter, es stehen bereits alle Urteile und Strafen im Koran beschrieben. Der Hinweis Todenhöfers, dass Mohammed ein fortschrittlicher Mensch war, und wenn er jetzt leben würde, ganz andere Schwerpunkte hätte, werden vom Tisch gewischt. Warum sollte Mohammed so etwas tun? Es steht alles geschrieben und unsere Auslegung ist korrekt.
Die immer wieder gestellte Frage nach möglichen Anschlägen in Deutschland werden erst verneint, im Laufe des Aufenthaltes jedoch mit einem klaren „könnte sehr wohl sein“ beantwortet. Immer mit dem Hinweis darauf, wer sich zu den Gegnern des IS gesellt oder diese unterstützt, muss damit rechnen. Was der Autor und seine Mitreisenden erleben, erschrecken und erschüttern. Inzwischen ist auch der Film, als Reisetagebuch gedreht, im Fernsehen gezeigt worden und im Netz zugänglich.
Todenhöfer endet sein Buch mit einem offenen Brief an den Kalifen des IS, wo er seine Sichtweise über den Koran darlegt. Richtig mulmig wird einem bei dem Verdacht der drei Reisenden, dass sie in einem ihrer Begleiter einer der gefürchteten Henker zu erkennen glauben. Und am Ende wird auch Todenhöfer mit dem Tod bedroht, sollte er jemals nach dieser Reise gefunden werden, denn die Sicherheitsgarantie des Kalifen gilt nun nicht mehr.
Eindringlich geschrieben.

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Tags: der fleiß der anderen ist der gewinn der eroberer, gesellschaftliche werte, is, koran, mittelalter, sklaverei   (6)
 

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krimi, max broll, totengräber, bernhard aichner, österreich

Interview mit einem Mörder

Bernhard Aichner
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 13.09.2016
ISBN 9783709971338
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist bereits der vierte Band mit dem Protagonisten Max Broll. Sind die vorhergehenden unbedingt wichtig? Nein. Nur wenige Stichpunkte als Informationen reichen aus, wie einzelne wiederkehrende Figuren zusammengehören. Die Geschichte steht ansonsten für sich selbst, und das ist gut so. Wichtig ist, wo sie spielt; in einem kleinen Dorf in Österreich, es ist der Lebensmittelpunkt von Max Broll, hier startet das Unheil, das auf ihn wartet. Wer ist aber eigentlich Max Broll? Er steht für die drei großen T: Trinker, Träumer, Totengräber. Das wahre Alter ist schwer zu schätzen, im besten Mannesalter steht er wohl. Sein bester Freund, Mittrinker und Partyschmeißer ist Johann Baroni, ein ehemaliger Fußballprofi.
Die Story: Wenn der neue Pfarrer, Akofa, nicht mit seinem super Stoff bei Max aufgetaucht wäre, um ihn zum Kiffen zu animieren, wäre er vielleicht gedächtnismäßig besser drauf gewesen für das, was dann folgte. So aber kann er nicht wirklich im Nachhinein sein Verhalten erklären, dass er fast zu spät kommt, zur Eröffnungsfeier der neuen Würstelbude seines Freundes Baroni. Alles erscheint ihm sehr verschwommen, kann sich kaum auf den Beinen halten, lässt Reden über sich ergehen. Auch seine Erinnerung an den Schuss auf Baroni ist für ihn zunächst schwammig, sie geht unter in den Freudenschüssen der Brauchtumsgruppe. Hat er den Täter nun gesehen oder war es ein Trugbild, fragt er sich. Als er diesen dann nach einer durchgeheulten Nacht im Würstelstand aber auf der Straße sieht, da geht die Geschichte richtig los. Er jagt dem Täter hinterher, doch es glaubt ihm keiner, dass er ihn gefunden hat, war er doch während der Tat dicht wie eine Haubitze im Sonnenlicht. Und nicht mal seine Stiefmutter Tilda, eine ehemalige Kriminale steht ihm bei, sodass er sich gezwungen sieht, der Sache alleine auf den Grund zu gehen, schließlich geht es hier um seinen besten Freund, der um sein Leben kämpft. Dass ihn die Reise nun weitab von seinem geliebten Dorf führt, das kann er ja nicht ahnen.
Zunächst gemächlich beginnend, nun ja, in einem Krimi kommen schon mal Opfer vor, gleicht der Text jedem anderen beliebigen Kriminalroman, doch dann folgen derart starke Oha-Momente, folgen Drehungen auf Wendungen, dass es eine Freude ist zu lesen. Dazu kommt die etwas andere Art, wie die wörtliche Rede dargestellt wird. In Spiegelstrichen folgen die Gespräche, die keinerlei Gefühle beschreiben, wie: er strich sich verlegen durch die Haare; nein, Rede folgt auf Gegenrede. Der Leser wird mit seiner Phantasie völlig alleine gelassen und kann so seinem Kopfkino freien Lauf lassen. Kommt im Fließtext doch mal ein gesprochenes Wort vor, so ist dies kursiv gesetzt, damit es ja nicht falsch interpretiert werden kann. Überhaupt geht der Autor äußerst sparsam mit Worten um, es wird wenig ausgeschmückt oder ins Detail gegangen und doch kann sich jeder genau vorstellen, was wie wo passiert. Nur da, wo es nötig wird, wird auch nicht gespart.
Leserfreundlich sind auch die großzügigen Kapiteltrenner und nicht zu lang gehaltenen Absätze, sodass man das Buch prima für kurze Wegstrecken im Bus/Zug/etc. mitnehmen kann. Spannend, fies, auch mit den Gefühlen des Lesers gegenüber Max spielend, so ist dieser vierte Band mit dem Protagonisten Max Broll, dem Trinker, Träumer, Totengräber in seinem kleinen Dorf in Österreich.

Die ersten drei Bände mit Max Broll sind: Die Schöne und der Tod, Für immer tot und Leichenspiele. Immer um die 250 Seiten stark. Bernhard Aichner, Jahrgang 1972, lebt in Innsbruck und hat außer diesen Krimis noch andere Romane, Hörspiele und Theaterstücke geschrieben. Näheres unter www.bernhard-aichner.at

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Tags: fußballprovi, männerfreundschaft, sauna, stiefmutter, tauchbecken, totengräber, verfolgungsjagd, würstelstand   (8)
 

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endzeit, stromausfall, computervirus, deutschland, dystopie

Rattentanz

Michael Tietz
Flexibler Einband: 720 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 08.11.2011
ISBN 9783548283937
Genre: Romane

Rezension:

Ich bin wahrscheinlich die Letzte, die "Rattentanz" von Michael Tietz gelesen hat. Und dann auch nur die Kurzfassung von 2011. Allerdings ist diese schon ausreichend, um mir vorstellen zu können, dass das Buch die Bibel für Weltuntergangsverschwörer sein dürfte.
Nur für die wahrscheinlich einigen wenigen Leser, die das Buch noch nicht entdeckt haben sollten: An einem schönen Maitag um Punkt 7 Uhr am frühen Morgen unserer Zeit stoppen jegliche computergestützte Einheiten auf der Erde ihre Anwendungsprogramme. Punkt, Ende, aus die Maus. Flugzeuge stürzen vom Himmel, Fähren treiben im Meer, es gibt kein Wasser, kein Strom, nichts, was wir uns für ein normal geführtes Leben vorstellen können. Die berühmte Sekunde Null. Bis das aber ins Bewusstsein der Menschen eindringt, sind schon viele Menschen verstorben, denn auch die Notaggregate im Krankenhaus fallen irgendwann aus, Nachschub an Lebensmitteln wird es nicht mehr geben.
Und das in einer Zeit, in der Vorratshaltung ein Fremdwort ist, zumindest in unseren Breitengraten. Jep, da horcht der Verschwörer auf, denn nun sind all diejenigen gefragt, die Ahnung haben vom Improvisieren. Wo bekomme ich Lebensmittel, frisches Wasser und all die anderen notwendigen Dinge zum Leben her? Wie komme ich, so fragt sich ein Protagonist im Buch nun, aus Schweden zurück zu meiner Familie nach Wellendingen? Zunächst herrscht Anarchie, Chaos, Mord, Verzweiflung, es folgt Hunger, Zerstörung, Tot, und das Vermehren von unglaublich viel Schrott. Hans, der aus Schweden, und Eva, seine Frau, wollen nur noch eines: zurück zu ihrer Tochter. Eva hat es aber etwas näher, sie ist in einem Krankenhaus in Donaueschingen auf der Intensivstation als Schwester eingeteilt.
Auf vielen Seiten wird nun die Geschichte aus den Blickwinkeln der Flucht von Hans aus Schweden mit all seinen Bekanntschaften und Erlebnissen erzählt, genauso wie die von Eva und auch die deren Tochter, die von Anfang an im Dorf geblieben ist. Welche Abgründe der menschlichen Seele sich nun aufschwingt, um Böses zu tun, das hat schon Stephen King in "The Stand - das letzte Gefecht" erzählt. Dort war es ein Krankheitsvirus, hier nun ein Computervirus. Und auch die Protagonisten im Buch ziehen in ihrer Situation witziger weise einen Vergleich mit eben diesem Buch. Nun, es handelte sich bei diesem Buch um die Kurzfassung, obwohl diese mit 926 Seiten doch recht lang dafür erscheint. Dabei frage ich mich, worin die Kürzungen wohl bestehen. Denn es gibt zwischendurch immer mal wieder Abschweifungen zum Rest der Welt. Unsere Regierungen sind gerade auf einer Konferenz weit ab vom Schuss beschäftigt und sind dennoch zur Untätigkeit verdammt. Atommeiler bei unseren Nachbarn gehen hoch, aber was daraus folgt, wird nicht erzählt. Und so weiter und noch mehr. Die Geschichten sind gut und locker erzählt, lange braucht man für die vielen Seiten nicht. Einiges wirkt ziemlich platt, aber ich denke, hier müssen so einige Figuren überzeichnet wirken. Wie würden wir denn handeln? wir sollten uns alle mal vorstellen, was mit uns selbst passiert, sollte dieser unwahrscheinliche Fall mal tatsächlich eintreten, dass gar nichts mehr geht. Es muss ja nicht gleich die ganze Welt treffen. Leider erfahren es ja immer wieder Menschen, wie in diesen Tagen. Soweit ist es gar nicht entfernt. Und ich geh jetzt mal in den Keller, meine Vorräte checken ...

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Tags: computervirus, der stärkere wird überleben, flucht und trauma, keine regeln mehr, moralische instanzen, strom weg, virus   (7)
 

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kein strom, spanische grippe, große depression, kein luxus, amerika

Maude

Donna Mabry
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei mvg, 09.05.2016
ISBN 9783868826524
Genre: Biografien

Rezension:

Dieses Buch konnte ich nicht aus der Hand legen. „Maude“, die wahre Geschichte einer außergewöhnlich starken Frau, von Donna Foley Mabry. Die Geschichte einer Frau in Amerika, geboren 1892, die zum Teil so schonungslos wie ehrlich ist, wurde von ihrer Enkelin Donna aufgeschrieben, vor allem auf Wunsch deren Tochter Melanie. 1892, ein kleiner Ort in Tennessee, eine Straße, wenige Häuser, Farmen, Kirche und nur wenige Geschäfte für den täglichen Bedarf. Dort wurde Maude geboren, eingebettet in Familie und Kirchengemeinde mit festen Regeln, die man ohne zu hinterfragen befolgte. Kein Strom, Wasser aus dem Brunnen, Klohäuschen außerhalb, kein Luxus weit und breit, wenige Dinge, die man zum Leben braucht. Die Wäsche wurde selbst genäht, nichts fertig gekauft oder Geld sinnlos verprasst. Alkohol passte nicht zur christlich ausgerichteten Kirche.
Die wie ein Roman verfasste Biografie liest sich so spannend, dass man in jeder freien Sekunde immer wieder danach greift und weiterlesen will. Dieses Mal haben die Lektoren und Redakteure und auch die Übersetzerin eine gute Arbeit geleistet. Nur an wenigen Stellen erscheint der Text holprig, die Wortwahl nicht geschickt genutzt. In diesen rund 320 Seiten wird, aufgegliedert in 80 Kapiteln ein Leben erzählt, das vor allem für jüngere Leser einfach unvorstellbar erscheinen mag. Im Anschluss runden einige wenige Bilder der Familie und ein Zeitungsartikel die Geschichte ab.
Die Zeitspanne umfasst den Ersten und Zweiten Weltkrieg, dazwischen die Spanische Grippe und Große Depression, lange Dürrezeiten. Maude und ihre Familie mussten danach alles aufgeben was sie besaßen und einen Neuanfang im Detroit der 1950er- und 60er-Jahre wagen.
Wie ein noch viel zu junges Mädchen bereits im Alter von 14 heiratet, zunächst die Liebe ihres Lebens, einen Mann, den sie seit Kindertagen kannte und dann viel zu früh das erste Mal verwitwet wird, erzählen die ersten Kapitel. Doch das Leben bietet ihr noch manche Überraschung, eine weitere Ehe, vier Geschwisterkinder für die erste Tochter, eine außergewöhnliche Schwiegermutter.
Maude erzählt ihr Leben ihrer Enkeltochter Donna, die viele Wochenenden, die Ferien und auch Zwischendurch bei ihr im Zimmer schläft und diese Geschichten als Einschlafhilfen nutzt. Erst als Donna selbst Mutter wird und sie ihrer Tochter diese von der Uroma berichtet, wird ihr klar, dass alles aufgeschrieben werden sollte. Dass daraus ein Buch entstehen würde, es ein Bestseller in Amerika werden würde, hätte sie nie gedacht. Mit dazu beigetragen haben die guten Recherchen, mit denen sie die Erzählungen stützt. Aber auch die schonungslose Berichterstattung über die Gefühlswelt von Maude, ihre Abhängigkeit gegenüber der von ihr besuchten Kirche und dadurch verursachten Handlungen, über die Geburten ihrer Kinder und ihren Freundschaften zu anderen Frauen. Und ja, auch über die Bitterkeit über sich selbst, sich nicht überwunden zu haben, was ihre Wünsche und Bedürfnisse angeht, nicht deutlich genug gewesen zu sein. Gerade in dieser Hinsicht ist das Buch ausdrucksstark und wirkt wie ein Fingerzeig auf die Lebenden, ruft einem zum Handeln auf, nicht zu spät zu reagieren.
Ein emotionales Buch über eine Frau, die bis ins hohe Alter versucht hat ihr Leben zu meistern und das Beste, was ihr möglich erschien, herauszuholen.
Für mich eines der wenigen wichtigen Bücher des Jahres 2016.



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Tags: 1892, amerika, erster weltkrieg, große depression, kein fließend wasser, kein luxus, kein strom, selbstgenähte kleider, spanische grippe, zweiter weltkrieg   (10)
 

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

hetzjagd, monster, waxx, lassie, verdammnis

Blindwütig

Dean Koontz , Bernhard Kleinschmidt
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 09.12.2010
ISBN 9783453266544
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Was passiert, wenn ein Rezensent so richtig vom Leder zieht und ein Buch mitsamt dem Autor regelrecht vernichtet? Aber erst einmal nur das Buch, der Autor samt Familie kommen dann an die Reihe. So soll es sein, bei Cubby Greenwich, Autor verheiratet, einen Sohn und Hund. Dabei ist ihm das nicht beim ersten Buch widerfahren, sondern bei seinem sechsten Roman.
Dieser locker geschriebene Thriller, gewürzt mit einer Prise Stephen King, ist sicher schon von vielen Lesern in einem Rutsch verschlungen worden. Obwohl über 430 Seiten stark will man gar nicht mehr aufhören und ist schnell durch. Das liegt an einem am Schreibstil und der guten Übersetzung, aber auch an der Erfahrung des Schriftstellers.
Doch was passiert nun eigentlich? Der Titel „Blindwütig“ passt, denn einerseits erscheint es dem Protagonisten Cubby nicht real, dass er selbst, wütend auf die Rezension, unbedingt mit dem Kritiker darüber sprechen will. Und das, obwohl ihm alle davon abraten. Seine Frau, sein Verlag und vor allem sein Agent. Gerade Letzterer sieht sein Schäfchen am Ziel: der wichtigste Literaturkritiker hat das Werk verrissen, das bedeutet viel Geld! Doch Cubby will sich nicht davon abbringen lassen und trifft den Kritiker, Waxx, „rein zufällig“ beim Mittagessen in seinem Lokal. Sein Sohn, ein überaus intelligentes Kind, dass bereits vor der Schulpflicht höhere Mathematik als Vorspeise zu sich nimmt, pinkelt Waxx beinahe versehentlich auf der Toilette an, als dieser, vom Vater gehalten, über dem Pissoir hängt. Denn Milo ist zwar schlau, aber kleinwüchsig. „Blindwütig“ reagiert nun auch Waxx: mit dem Wort Verdammnis zischend, verlässt er die Toilette. Das Verhängnis beginnt von diesem Moment an, so richtig in Fahrt zu kommen. Am gleich Tag noch beobachtet Cubby, wie Waxx sich durch sein Haus schleicht, und ahnt Böses. In der Nacht fällt der Strom aus, beide Eheleute werden mit dem Elektroschocker malträtiert.
Koontz lässt nun die Familie durch die Hölle gehen. Gewarnt von einem weiteren Autor, erkennt Cubby, dass er einem Psychopathen in die Hände gefallen ist, der ihn und seine Familie liquidieren wird. Mit allen Tricks und Kniffen. Doch handelt Waxx alleine? Oder sind noch mehr Menschen involviert, denn an die Polizei kann er sich nicht wenden. Beweise gibt es nicht und auch der andere Autor warnt ihn dringend davor, die Behörden zu informieren. Bei Recherchen finden die Eheleute heraus, dass es schon mehrere Opfer gegeben hat, die mysteriös ums Leben gekommen sind. Es kommt zu einer rasanten Flucht, bei der ihnen Waxx immer einen Schritt voraus zu sein scheint, dabei geben sie sich reichlich Mühe, alle Spuren zu verwischen.
Milo, der Sohn und das Gehirn der kleinen Familie, baut derweil an allerhand elektronischen Spielsachen herum, die ihnen helfen sollen, das Ganze zu überleben. Hier kommt nun die Prise Stephen King ins Spiel. Der Hund, der ständig an Stellen versteckt zu sein scheint, die für Hunde normalerweise schwer zu erreichen sind, pulsierende Lichter und ähnliche Phänomene. Diese aber nur wenig eingesetzt. Hätte der Autor auf diese übertriebenen Gesten verzichtet, wäre die Geschichte realistischer geworden. Und ein etwas anderes Ende gefunden.
Natürlich hat auch diese Geschichte mehrere Nebenstränge, die sich sehr gut eingliedern, wie ein Familiendrama von Cubby, die verrückte Kindheit und Jugend von Penny, seiner Ehefrau, und manchem mehr.
Nur das Ende will nicht so recht greifen, plötzlich gibt es neue Protagonisten, ein zu kurz gegriffener, eilig wirkender Handlungsstrang, wo doch die ganze Story schon temporeich genug ist.
Trotzdem: eindeutig viel Lesespaß garantiert für Anhänger des Bösen, Niederträchtigen, kurioser Foltermethoden und Mystischen.

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Tags: agent, autor, hund, lassi, rezensent, verleger   (6)
 

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372 Bibliotheken, 9 Leser, 7 Gruppen, 106 Rezensionen

hamburg, thriller, angst, mord, traumfänger

Ich bin der Herr deiner Angst

Stephan M. Rother ,
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.04.2012
ISBN 9783499258695
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein „Hamburg“-Thriller aus dem Jahr 2012 hat mein Interesse geweckt. „Ich bin der Herr Deiner Angst“ von Stephan M. Rother. Aus der Sicht zweier Ermittler, einmal Jörg Albrecht, Hauptkommissar und Ermittlungsleiter, sowie Hannah Friedrichs, Kriminalkommissarin. Er, der Chef, mit dem Problem belastet, dass seine Ex mit ihrem neuen Ehemann SEIN Haus bewohnnen, sie, die Untergebene, die ihre eigenen Probleme mit ihrem Angetrauten hat. Dazu gesellen sich noch ein paar weitere Kollegen aus dem Revier, eine Polizeipräsidentin, die es nicht leiden kann zu warten und die Seele des Büros, die Sekretärin Irmtraud Wegner. Sie alle werden unfassbar erschüttert, als eine der ihren, Ole, in einer mehr als ungewöhnlichen Situation tot aufgefunden wird. Keiner hat etwas gesehen, gehört oder geahnt. Nur der Chef macht sich Vorwürfe, hat er doch Ole mit einem Spezialauftrag alleine losgeschickt, ohne ihn in letzter Zeit zu fragen, was es denn Neues gab. Zu viele neue Fälle hatten ihn schlicht abgelenkt.
Doch es kommt noch schlimmer. Es passieren weitere Todesfälle im Kollegenkreis, jeder Einzelne bizarrer und schwerer zu verstehen als die anderen. Es kommt Knüppeldick für die Kollegen, die Polizeipräsidentin will Ergebnisse, und das Schlimmste, die Presse scheint immer einen ticken schneller zu sein. Doch was oder wer steckt dahinter? Erst langsam macht sich der Verdacht breit, dass es mit einem alten Fall zu tun hat, dessen Verantwortlicher, Freiligrath, allerdings in der Psychiatrie sicher hinter Schloss und Riegel sitzt und nie wieder hinaus kann. Wirklich?
Damals hat dieser heimtückische Verbrecher als Therapeut seine Patienten mit ihren ureigensten Ängsten konfrontiert, um sie zu studieren, die Angst einzufangen. Dabei gab es gewisse Todesfälle und es dauerte eine Zeitlang, bis er gefasst war. Freiligrath, der Therapeut, scheint bereit zu sein mit dem Kommissar zu arbeiten.
Der Spannungsbogen wird über viele verschiedene Handlungsstränge gehalten. Jeder einzelne weitere Schritt zum Lösen des Falles birgt die Gefahr einen weiteren Mord nicht verhindern zu können. Und alle Todesfälle scheinen die dunkelsten Geheimnisse der Opfer bereitwillig preiszugeben. Albrecht lässt sich nun in Treffen mit Freiligrath auf heikle Gespräche ein, bei der er herausfinden will, ob dieser etwas weiß oder eventuell mit der Sache zu tun hat. Diese Gespräche, bei denen auf hohem Niveau philosophische Konzepte beider Parteien ausgetauscht werden, sind clever eingefädelt. Doch Freiligrath ist eingesperrt, gut bewacht, wie soll er also die Taten begangen haben, wenn er noch nicht einmal Besuche bekommen darf?
All dies passiert in und um Hamburg herum.
Nur eines scheint nicht so recht zu passen, eine der Protagonistinnen soll schon zurzeit des ersten Falles beim Kommissariat als Beamtin tätig gewesen sein, ein wenig zu jung, als dass sie ohne Ausbildung dort gelandet wäre. Der zeitliche Rahmen passt nicht zum Klappentext.
Trotzdem: Absolut hohes Spannungslevel, hoher Lesegenuss für Thrillerliebhaber garantiert.

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Piratinnen

Piero Schäfer
Fester Einband: 294 Seiten
Erschienen bei novum premium ein Imprint von novum publishing , 22.06.2015
ISBN 9783903067011
Genre: Romane

Rezension:

Die „Piratinnen“ von Piero Schäfer ist etwas für Romantikerinnen, die nicht sehr viel Wert auf Genauigkeit bei der Wortwahl einer Geschichte legen, die um 1500 herum spielt. „Das ruchlose Leben der Anna Zollinger“ beginnt 1495 als Zwillingsschwester von Beata, und beide Mädchen könnten unterschiedlicher kaum sein. Anna wirkt wild, ungestüm, unberechenbar, Beata aber brav, zurückhaltend, ausgleichend. Seltsamerweise wird hier schon von Kinderwagen fabuliert, die nun damals noch lange nicht benutzt wurden. Eher Tragegestelle, Tücher und Ähnliches.
Die Mutter, geschwächt von der Zwillingsgeburt, leidet unter Depressionen und stirbt nach wenigen Jahren an einer der zu dieser Zeit typischen Krankheiten. Und wieder für die Romantikerinnen: der Vater verliebt sich neu in eine für ihn gute Mutter für die beiden Mädchen, vor allem, weil Anna immer schwerer zu führen ist. Kommt da die böse Stiefmutter ins Spiel? Auf jeden Fall landet Anna im Kloster, weil sie sich während ihrer „Pubertät“ unangepasst und auffallend zu Hause verhält.
Haben sich Eltern tatsächlich im Jahre 1510 über die Pubertät ihrer Kinder unterhalten? Ich glaube nicht, dass ich diese Frage beantworten muss. Es gibt noch mehrere solcher Bespiele, die ich aber nicht mehr aufführe. Manchmal wirkt der Schreibstil der Zeit angepasst, mal völlig unpassend, vor allem bei den Gesprächen zwischen den Protagonisten.
Im Kloster erlebt Anna Schlimmes, was ihrem Naturell nicht gut tut, sie in ihrem vorherigen Verhalten, ihrer ausgelebten Wut und Aggressivität nur bestärkt. Nach einer Flucht mit ihrem Liebhaber landet sie zunächst in einer Kneipe, bei der sie eine Prostituierte, Brida, kennenlernt. Prostituierte? Diese wurden in einem anderen Roman der in der selben Zeit in Frankfurt spieltdoch eher Hübscherinnen genannt. Die schöne Brida kann jedem den Kopf verdrehen, mag aber doch eher Frauen. Nach einem bösen Vorfall tun sich die beiden zusammen und werden bald zu berüchtigten Diebinnen. Und als Anna und Brida noch Agatha kennenlernen, geht es erst richtig los mit Überfällen, Raub und Mord.
Dass ich noch immer nicht über die Piratin Anna schreibe liegt daran, dieser Teil der Geschichte beginnt erst nach über der Hälfte des Buches. So endet der Umschlagtext mit einem Versprechen, dass auf viele spannende Abenteuer der Piratinnen verweist, obwohl das fast schon das Ende ist.
So gut wie jedes Kapitel endet mit einem unheilversprechenden Cliffhanger, was übertrieben und unnötig erscheint. Und dann ist da noch der Abschnitt über einen jungen Klosterbruder, der, außer dass Anna im selben Kloster landet, rein gar nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat. Nur ein wenig Aufklärung über die geschlechtlichen Verhältnisse zwischen Nonnen und Mönchen, was nicht gerade eine große Überraschung darstellt. Am Ende werden, wie leider in vielen Romanen, wichtige Protagonisten regelrecht „vergessen“, man fragt sich: und was ist mit dem oder der XY nun?
Ein umfangreiches Personenverzeichnis schließt sich nach 280 Seiten leicht zu lesendem Text an, wobei sich wieder die Frage stellt, ob das nicht ein wenig zu übertrieben ist, will ich wirklich wissen, wer die zweite Magd neben Ursel war, wie diese hieß? Am besten gefallen hat mir noch das Glossar, was umfangreich alle wichtige Persönlichkeiten nicht nur der damaligen Zeit, zum Beispiel den heiligen Christophorus, benennt sowie Gegenstände, Kriege, Gebäude und vieles mehr aufzeigt.
Über den Autor: Piero Schäfer, Jahrgang 1944, Journalist und selbstständig Tätig im Bereich Kommunikationsberatung und Publizistik, hat bereits den Roman „Falkenschloss“ 2012 veröffentlicht; er wohnt in Zürich.

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