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13 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

münchen, schneeballsystem, hunde, zigarren, 19. jahrhundert

Adele Spitzeder

Julian Nebel , Julian Nebel
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei FinanzBuch Verlag, 13.11.2017
ISBN 9783959720489
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein Schneeballsystem im 19. Jahrhundert hat es dem Autor Julian Nebel angetan, das er hier mit allem ihm zur Verfügung stehenden Materialien nachzeichnet. Die Rede ist von Adele Spitzeder, die mit ihrem Treiben über 30.000 Menschen aus München und Umgebung in den Ruin und sogar in den Selbstmord trieb. Nebel geht dabei sehr akribisch vor und scheut sich nicht, so manchen Sachverhalt von verschiedenen Seiten aufzurollen und dadurch mehrfach zu erwähnen. Ob es nun die familiären Umstände, Freundeskreise, Liebschaften, Berufskolleginnen und Kollegen sind, nichts bleibt unerwähnt. Bestückt sind die Kapitel auch mit Fotos, Zeitungsausschnitten, Aushängen und vielem mehr. Die geschichtlichen Zusammenhänge seit der Geburt der kleinen Adele, ihrer Eltern und Geschwister, alles findet seinen Platz, selbst die Haustiere finden ihre Erwähnung.
Das System der Adele Spitzeder war auch 1869, als sie ihre Privatbank eröffnete, sicher nicht neu; seit es den Zins gibt und die Gier der Menschen, wird dieses ausgenutzt. Ihre Karriere als Bühnendarstellerin ging dem Ende zu, als sie eher durch Zufall, wie es klingt, herausfand, dass sie bei den wenig begüterten Menschen durch ihr Auftreten sehr viel Vertrauen erweckte. Ob es nun Zimmermädchen, Gesellen, die Bauersfrau oder die Magd war, sie alle wollten ihre Notgroschen, wie die "Reichen", ein wenig mehren. Unbedarft gaben sie es her, auch wenn es keine Begründungen dafür gab, wie sich denn ihr Geld vermehrte, woher denn die erwirtschafteten Zinsen stammen würden. Und da Adele Spitzeder am Anfang gewissenhaft die hohen Zinsen zahlen konnte, sprach es sich herum und die Menschen kamen in Strömen.
Was war der Grund, dass viele den Banken nicht trauten? Sparkassen und andere Bankhäuser verloren ihre Kunden und deren Gelder, aber ob und wie sie vielleicht gegensteuerten, um diese wiederzugewinnen, wird nicht erläutert. Dass sie gegen Spitzeder mit aller Macht ankämpften sehr wohl. Sie und vor allem die „Münchner Neuesten Nachrichten“, eine wichtige Zeitung dieser Zeit, führten in ihren Artikeln und Reden unerbittlich auf, dass die Leute ihr Geld verlieren würden, wenn sie es bei dieser "Bank" anlegen würden. Auch Gerichte wurden eingeschaltet, die Buchführung nach kaufmännischem Recht eingefordert und einiges mehr. Nichts half. Die "Kunden" von Spitzeder vermehrten sich wie von selbst, vor allem, nachdem sie Anfing, auch Kredite zu verteilen, mit einem geringeren Zinssatz, wie es die damaligen Wucherer verlangten. Und hier schaute sie genau nach Name, Rang und Kreditwürdigkeit, bevor sie das Geld anderer Leute hergab. Sie hatte keine wirkliche Bank, erst ein paar Zimmer, eine Wohnung, später ein Haus. Auch legte sie das Geld gut an: Zeitungen, Häuser, Schmuck und mehr konnte sie aufzählen. Doch verlor all das auch an Wert, als es plötzlich von einer insolventen Person stammte. Dabei tat es das nicht; es wurde im Grunde von den, wir würden heute sagen Geringverdienern, bezahlt.
Zum Schluss, als sie ahnte, dass der Zusammenbruch doch irgendwann kommen muss, wollte schließlich auch sie mit den Zinsen runtergehen, doch dazu kam es nicht mehr. Ihre Widersacher ließen sie festnehmen, sie wurde abgeurteilt, saß ihre Strafe ab.
Dass sie als Schauspielerin und Sängerin anfing, ist wichtig zu wissen, denn durch ihre vielen Maskeraden hat sie gelernt, wie man Menschen täuschen kann. Die vielen Umzüge von Berlin, München und ins nahe Ausland, wohin sie ihre Engagements führten, ihr teilweise jämmerliches Unterkommen und Auskommen waren sicherlich eine gute Vorbereitung für ihr Wirken als Bankfrau. Ob ich aber das bis ins kleinste Detail wissen muss, ist eine andere Frage. Für Interessierte an Biografien oder auch die Leserschaft, die sich fragt, wie so etwas passieren kann, ist das eine gute Studie. Noch dazu, weil es ja nach Bekanntwerden dieses großangelegten Betruges selbst heute noch passiert, dass Anleger auf dieses System hereinfallen. Die Gier hat noch lange kein Ende gefunden.
Auch Spitzeder fand noch nach ihrem Gefängnisaufenthalt Menschen, die ihr wieder und wieder ihr Geld anvertrauten, trotz den deutlichen Warnungen, dass es keine Rückgabegarantie geben wird.
Nebel erklärt am Ende auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Betrugsarten, wie sie Spitzeder begangen hat, führt Namen und deren Wirken auf.
Was mir hier fehlt, ist eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema Frau und Betrug versus Mann der damaligen Zeit. Außerdem ist es anhand der Ausführungen offensichtlich, dass Spitzeder homosexuell war. Da gab es doch sicher noch mehr außer den Andeutungen in den Zeitungen und beim Prozess.

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Tags: berlin, gulden, hunde, kungelei, liebelei, lügnerin, mark, maske, münchen, sängerin, schauspielerin, schminke, schneeballsystem, taler, theater, zigarren   (16)
 

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243 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

england, london, harem, liebe, polygamie

Englischer Harem

Anthony McCarten , Gabriele Kempf-Allié , Manfred Allié
Flexibler Einband: 581 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.05.2009
ISBN 9783257239409
Genre: Romane

Rezension:

Auf einem Wühltisch habe ich das Buch von Anthony McCarten „Englischer Harem“ gefunden. Die Geschichte ist vor den fürchterlichen Anschlägen in New York entstanden und erstmals 2001 als Vintage Book bei Random House, Neuseeland erschienen. Unter dieser Kenntnis habe ich dann diese Liebesgeschichte gelesen. Die Protagonisten in diesem Buch erzählen bereits jeder für sich eine Geschichte, die zusammengenommen fast schon eine Gesellschaftsstudie jener Zeit darstellen.

Da ist der Perser Sam, ein Flüchtling bereits mittleren Alters, der die Witwe seines Bruders, Firouzeh, geheiratet hat. Mit in diese Ehe gebracht hat sie außer ihrer Trauer um ihren, bei einem Bombenattentat verstorbenen Mann, auch ihre vier Kinder, um die sie sich nun gemeinsam kümmern. Aber damit ist die Familie noch nicht komplett. Er hat auch noch eine zweite Frau, die Französin Yvette, wunderschön, auch sie eine Witwe, die Sam, wie auch Firouzeh, nach persischen Riten geheiratet hat. Es verstößt nicht gegen die Gesetze Englands, wo sich die Familie niedergelassen hat. Sam führt erfolgreich ein vegetarisches Restaurant, sehr zum Verdruss seiner Familie im Iran, die doch seit Generationen ihre Geschäfte mit Fleisch macht.


Tracy, von Beruf Kassiererin mit Hang zu Träumereien, was ihr mal wieder den Job kostet, macht sich auf den Weg, eine neue Arbeit zu finden. Sie sieht im Restaurant von Sam auf einem Schild, dass er eine Bedienung sucht. Aber Tracy ist nicht gerade das, was Sam sich als eine seiner Kellnerinnen vorstellt, doch nach langem Zögern sagt er zu. Tracy´s Vater ist es nun gar nicht recht, dass seine Tochter in einem solchen Etablissement arbeitet. Er glaubt, es ist ein Puff. Er und seine Frau leben in einem heruntergekommen Sozialbau im 23. Stock, in dem der Aufzug nicht nur einmal stehen bleibt. Seine Ehefrau sammelt Unterschriften, damit dieser endlich abgerissen wird, er wiederum verdient sich mit Reparaturen an diesem Haus seinen Unterhalt. Und da ist dann noch der Exfreund von Tracy, der Grabsteinen ihren letzten Schliff verleiht.

Der Autor lässt nun seine Protagonisten miteinander, umeinander Schicksal spielen, das mal sehr traurig ist, mal voller Gewalt, mit vielen Missverständnissen versehen, doch die Liebe spielt immer die Hauptrolle. Die Ehefrauen von Sam wollen unbedingt, dass sich Tracy in ihn verliebt, denn eine echte Liebesheirat hatte er noch nicht. Tracy wiederum will Sam verstehen, sie kommen sich nur langsam näher. Sie studiert den Koran, obwohl Sam selbst seine Religion schon lange nicht mehr ausübt, was seinen Eltern ein Dorn im Auge ist. Und als Tracy ihren Eltern offenbart, dass sie in einen bestehenden Harem hineinheiratet, ist es mit der elterlichen Liebe vorerst vorbei. Und auch der Exfreund von Tracy will sie überzeugen, dass er doch die viel bessere Wahl ist.

Dass die Behörden nun Wind von der Sache bekommen, die vier Kinder vor solch einem Unheil bewahren wollen, ist nur ein weiterer Schritt hin zur Eskalation.

McCarten entwickelt hier eine Liebesgeschichte nicht nur zwischen zwei Menschen, sondern um eine Großfamilie herum. Das Unwissen der westlichen Protagonisten um die Ehre und den Respekt vor dem verstorbenen Bruder, sich um die verbliebene Familie zu kümmern, auf eine Art und Weise, wie wir sie nicht kennen, bringt nicht nur Tracy´s Eltern um den Verstand. Sam kann nicht anders, als den Menschen um sich mit vielen Worten um den heißen Brei herum nichts zu sagen. Ein Haus, dass sich nach allen Seiten ausdehnen will, sich also für keine Seite entscheidet, mit einem Aufzug, der gerne auf der Fahrt nach Oben stehen bleibt, ein Charakter für sich und wichtig für die Beteiligten. Eifersucht bei Tracy´s Exfreund, Beharrlichkeit bei den Behörden, der Showdown möge beginnen. Der Schreibstil lässt einen das Buch nicht aus der Hand legen. Das liegt auch an den tollen Dialogen der liebevoll gezeichneten Personen. Ein Buch, wie geschaffen für einen verregneten Novembertag.

Informationen über den Schriftsteller finden sich unter anderem unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Anthony_McCarten

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Tags: bombenattentat, england, flüchtlinge, frankreich, harem, heimwerker, kellnerin, lehrerin, persien, sozialbauten, streikender aufzug, vegetarische küche, verrostete motorradteile   (13)
 

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ukraine, prostitution, gewalt, kukolka, straßenkind

Kukolka

Lana Lux
Fester Einband: 375 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 18.08.2017
ISBN 9783351036935
Genre: Romane

Rezension:

Millionen von Babys, Kindern, Jugendliche und junge Erwachsene werden jeden Tag durch ihre Erziehungsberechtigte misshandelt. Weitere Millionen erleben Tag für Tag durch Krieg, Hunger, Missbrauch und vieles mehr unvorstellbare Gräueltaten. Dadurch wachsen permanent Generationen auf, für die Empathie ein Fremdwort ist. Die nichts anderes kennen als Flucht vor den Qualen, Totstellreflex, um sich zu schützen, oder sich eines Tages wehren. Statistiken hierzu gibt es unter anderem von unicef unter https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/2017/gewalt-gegen-kinder/152258

Ein Roman über Kinder, die solches erleben, hat Lana Lux geschrieben. „Kukolka“ ist ein Mädchen in der Ukraine, das im Waisenhaus aufwächst. Wir erfahren nicht, wann das passierte, von wem sie dort hingebracht wurde oder warum beziehungsweise in welchem Alter sie dort gelandet ist. Durch ihre dunklen Locken und ihrem ebenfalls dunklen Hautton wird sie als Zigeunerin abgestempelt, ohne dass es irgendwann Erkenntnisse gibt, dass diese Behauptung stimmt. Aber so wird sie, Samira, nun behandelt, in diesem Kinderheim. Schon hier erfahren alle Kinder Misshandlungen durch die Erzieherinnen, die wohl von vielen so bestätigt werden können. Ab und an werden alle nett angezogen, denn es kommen adoptionswillige zukünftige Eltern, vor denen sie nun bestehen müssen, um vielleicht genommen zu werden. Samira verliert so ihre einzige Freundin und Fürsprecherin, Marina, die nun nach Deutschland geht.

Nach einer weiteren schweren Misshandlung packt dieses kleine Kind, kurz vor seiner Einschulung, ihre Sachen und verschwindet. Sie will nach Deutschland zu ihrer Freundin, die ihr einen Brief und mehrere Geschenke geschickt hat. Auf sie wartet ein Bett im Zimmer von Marina. Dies und ihr Name, Samira, sind die Einzigen Dinge, die diesem Kind in all den Jahren bleiben. Die Autorin schickt nun das Kind zu einem Hauptbahnhof, in dessen Umfeld sie von Rocky aufgegriffen wird. Der führt mit mehr oder weniger strenger Hand ein besetztes Haus, in dem sich Straßenkinder mit betteln über Wasser halten. Natürlich ist das nicht das einzige Haus in dieser Stadt, sie ist aufgeteilt zwischen mehreren rivalisierenden Banden. Aber das alles weiß dieses Kind nicht, das keinerlei Bildung und Wissen aufweist, dass sich alles erfragen muss. Das ist eines der starken Seiten von Lux, sich in Kukolka einzufühlen. Die Leserschaft kann erkennen, wie es ist, nichts, was für uns selbstverständlich ist, sich schwer erarbeiten zu müssen. Das kleine Püppchen „Kukolka“, wie sie von Rocky genannt wird, erlebt in diesem Haus viele Brutalitäten und muss erkennen, dass es von hier aus keinen Weg nach Deutschland geben wird.

Und dabei ist Samira immer noch ein Kind, dass auf ihren Wegen zum Betteln Familien sieht, die ihre Kinder lieben und beschützen, die die Schule besuchen dürfen. Ihr Wunsch, lesen und schreiben zu lernen ist so stark, dass ihr andere Kinder im Haus von Rocky dabei helfen. Die Schicksale dieser Seelen ergreifen einen, man weiß oftmals nicht wohin mit seinen Gefühlen. Beim Betteln lernt Samira einen jungen Mann kennen, Dima, der sich ihr vorsichtig nähert. Über Wochen hinweg, sie ist inzwischen zwölf Jahre alt und schwer in ihn verliebt, erlangt er schließlich ihr vertrauen. Man möchte so gerne zurufen: „Halt! Geh nicht mit ihm“. Denn als sie ihm folgt, an Alkohol, Zigaretten und Drogen langsam herangeführt, landet sie zwar in ihr heiß ersehntes Deutschland, aber leider an einen weiteren Abgrund, der nicht ihr letzter sein soll. Kinderprostitution der schlimmsten Art folgen nun.

Eindrucksvoll beschreibt Lux durch die Worte, die sie ihrer Protagonisten in den Mund legt, wie es fühlt, wie es ist, von zig Männern benutzt worden zu sein. Dass sich in ihrem übervollen Bauch Dinge befinden, die da nicht hineingehören. Ein Buch, dessen Geschichte so fern einer schönen Kindheit steht, bei der man nachvollziehen kann, warum Kinder aus diesen Verhältnissen nur schwer begreifen können, dass das Leben auch Gutes und Schönes, bieten kann. Ob die zurzeit grassierende Diskussion über sexuellen Missbrauch ihnen ebenfalls helfen kann, das wird sich zeigen.

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Tags: ausbeutung, drogen, drogenmissbrauch, entführung, gewalt, kinderheime, kinderprostitution, missbrauch, sex mit kindern, versagte kindheit   (10)
 

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veit etzold, thriller, berlin, huren, clara vidalis

Tränenbringer

Veit Etzold
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2017
ISBN 9783426520697
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Tränenbringer“ von Veit Etzold ist bereits der fünfte Band der Reihe rund um Clara Vidalis und ihrer Kollegen. In der Hauptstadt Berlin sind die Serienmörder bei Etzold inflationär zu finden, Gott sei Dank in der Realität nicht. Wer bei diesem Spiegel Bestseller-Autor reinliest, muss sich darauf gefasst machen, sich mit äußerst brutalen Beschreibungen von Gewalt zumindest lesetechnisch auseinanderzusetzen. Wer damit rechnet, dass die Missbrauchsorgien teilweise fein umschrieben, angedeutet, der eigenen Phantasie überlassen wird, der wird enttäuscht. Nackt, roh, ekelerregend, widerwärtig, abscheulich, so schreibt Etzold. Nichts ist ihm heilig, alles wird gnadenlos aufgezeigt und dargelegt. Dabei bleiben die Hinterbliebenen bei diesem Werk seltsam außen vor, sie kommen nur bedingt, an den Rand gestellt, zu Wort.


Aber worum geht es eigentlich? Ein Serienkiller macht einen bestimmten Bezirk in Berlin unsicher. Er lässt Junkies die Drecksarbeit machen, in dem er sie losschickt, ein Päckchen mit Leichenteilen bei Verwandten abzugeben. Nur einer schafft es nicht ganz, löst einen spektakulären Unfall aus und fällt ins Koma. Die Kriminale Clara Vidalis ist nicht weit vom Tatort entfernt und kann so schnell die ersten Hinweise bekommen, denn der Junkie hat das Päckchen unbeschadet bei sich. Eine wichtige Beigabe ist auch bei einem weiteren überbrachten Paket von Bedeutung, dass ein Vater der Polizei überlässt. Nun wird gerade diese Beigabe des Öfteren bei den weiteren Besprechungen im Team erläutert, doch weder beim Täter jemals genannt noch bei seinen Taten erwähnt. Eine der Schwachstellen des Buches, denn eine andere Beigabe wird sehr wohl von den Kriminalen als auch beim Täter beschrieben.


Eine weitere ist es, dass an verschiedenen Stellen bestimmte Sachverhalte auf der gleichen Seite oder auch später immer wieder wiederholt werden, ohne dass sie zur Erhellung beitragen. Es erscheint fast, als wären sie Füllmaterial, weder erhöht es die Spannung, noch muss die Leserschaft erinnert werden. Hinweise auf vorherige Bände der Reihe sind gut eingebaut oder es wird als Fußnote darauf verwiesen. Die Charaktere der Kollegen sind weder besonders auffallend noch von anderen Kriminalromanen unterscheidbar. Es ist wie beim Tatort; jede Stadt hat ihr Team.


Der Täter, ein selbst durch Missbrauch in der Kindheit vom Opfer zum Täter gewandelt, wird als typischer Serienkiller analysiert. MacDeath, dem Lebenspartner von Clara Vidalis, obliegt es, sich in die Serienkiller hineinzuversetzen, ihre Gedankengänge und -welten zu erforschen. Er hat das alles in Amerika gelernt, dem Land, in dem es viele dieser Täter gibt. Rituale sind MacDeath genauso wichtig wie seinen Tätern, und auch die geschichtlichen, religiösen und sprachlichen Zusammenhänge bei den Verbrechen sind ihm geläufig. Darüber wird ausführlich von den Protagonisten des Autors geredet. Ebenso wie über die rechtsmedizinischen Besonderheiten bei den Opfer. Wird Etzold doch perfekt mit Hinweisen und Tipps von seiner Ehefrau, einer Rechtsmedizinerin, versorgt.


Als es auch noch neben den sehr jungen Opfern eine Reihe von Morden unter Prostituierten gibt, wächst der Verdacht, es könnte sich nur um einen Täter handeln. MacDeath und Clara suchen verzweifelt nach einer Möglichkeit ihn herauszulocken und werden unvorsichtig. Ob sie dafür büßen müssen?


Weitere Informationen über den Autor, Unternehmensberater und Redner finden sich zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Veit_Etzold

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Tags: berlin, gliedmaßen, huren, junkies, prostituierte, tränen   (6)
 

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missbrauch, kinder, supervision, trauma, generationsübergreifende traumata

Psychodynamische Traumatherapie mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Elke Fietzek (Hrsg.) , Katrin Geßl , Sebastian Kudritzki , Julia Stachels-Andric
Flexibler Einband: 236 Seiten
Erschienen bei Brandes & Apsel, 21.09.2017
ISBN 9783955582081
Genre: Sonstiges

Rezension:

Traumatisierte Kinder brauchen eine starke Unterstützung von vielen Seiten. Gerichte, Jugendämter, Pflegestellen, Flüchtlingshelfer, Mitarbeiter im Jugendvollzug, Gutachter und Therapeuten. Aber auch alle anderen Menschen, die mit Kindern arbeiten, sind hier immens gefragt und gefordert: Menschen, die in Kindergärten, Horten, Vorschulen, Schulen tätig sind, genauso wie diejenigen die Ferien- und Freizeitkurse geben. Für diesen Personenkreis sollte das Buch von Elke Fietzek „Psychodynamische Traumatherapie mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ eine Lektüre sein, die immer in greifbarer Nähe liegt.


Es ist kein reines theoretisch abgehandeltes Fachbuch, sondern lässt anhand mehrerer Fallbeispiele Therapeuten zu Wort kommen, die die Kinder und Jugendlichen sowie sich selbst vorstellen. Dabei ist es der Autorin wichtig, ihre und die Arbeit der Anderen von anderen therapeutischen Ansätzen abzugrenzen. Sie vertritt ihre Meinung grundsätzlich und erläutert auch warum. Ebenfalls stellt sie klar, wie oft in vielen Artikeln vermisst, wenn es um Kindesmissbrauch geht, dass sehr wohl auch Jungen betroffen sind, nicht nur Männer die Täter, sondern auch Frauen und Mütter. Auf gerade dieses Thema machte zum Beispiel der Bericht vom 20. Oktober im Wiesbadener Kurier „Jungs sind nicht weniger betroffen“ (http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/sexueller-missbrauch-das-wiesbadener-zentrum-fuer-therapie-und-beratung-ist-auch-eine-anlaufstelle-fuer-betroffene-jungen-und-maenner_18262121.htm) ebenfalls aufmerksam.


Die Bedeutung, den einen guten Therapeuten für ein Kind (ich meine hier immer auch Ältere) zu finden, auch das ist ein wichtiges Thema für Fietzek. Auch mal nein zu sagen, wenn man als Therapeut erkennt, dass es für beide Seiten nicht zielführend sein wird, zusammenzuarbeiten. Gegenübertragung, das ist ein Bereich, der immer wieder im Zusammenhang mit einer Therapie diskutiert wird. Auch Therapeuten können mehr oder weniger auf das, was auf sie während der Stunden einwirkt reagieren. Das immer wieder auch bei sich festzustellen, zu hinterfragen, am besten während einer Supervision, das ist Selbstfürsorge oder Psychohygiene.


Neben den wichtigsten Grundlagen der Psychotraumatologie und weiteren theoretischen Einleitungen werden mehrere Fallbeispiele vorgestellt, teils in längeren Kapiteln, teils kurz umrissen. Manchmal wünsche ich mir ein Fachglossar, um nicht immer wieder googeln zu müssen. Das letzte Kapitel hätte ich mir am Anfang gewünscht, es beschreibt in einfühlsamen Worten die Chancen und Grenzen analytischer Psychotherapie. Behandelt werden Fälle von psychischem und physischem Kindesmissbrauch, Zeugen von unglaublicher Gewalt, aber auch transgenerationaler Traumatisierungen, ein Thema, das vor allem die sogenannten Kinder- und Enkelgenerationen interessieren mögen. Auch Resilienz wird angesprochen, aber nicht vergessen, dass trotzdem jede Taumatisierung Schäden in unseren Gehirnen verursachen kann, vor allem, wenn sie in sehr jungen Jahren erfolgen.


Ein Buch nicht nur für Fachleute.

Weitere Informationen rund um das Thema und die Herausgeberin unter: https://www.psychodynamisches-institut.de/index.php?option=com_sobipro&pid=2&sid=287:Fietzek-Elke&Itemid=0

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Tags: generationsübergreifende traumata, kinder, kindertherapie, missbrauch, supervision, therapie, trauma   (7)
 

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vergeltung, befreiung, frauenmord, missbrauch, hass

Redemption Road - Straße der Vergeltung

John Hart , Rainer Schmidt
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 11.09.2017
ISBN 9783570103104
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wenn nicht die Waffengewalt in Amerika so allgegenwärtig wäre, der Zugang zu Pistolen selbst für Kinder sehr leicht, dann könnten Autoren wie John Hart weniger realitätsnah schreiben wie er in seinem neuen Buch „Redemption Road – Straße der Vergeltung“.

Der bereits vielfach ausgezeichnete Hart schreibt temporeich, spannend und in einer starken Bildersprache in diesem Buch über die Versuchung der Vergeltung. Dabei hat auch die sehr an einer Sekte erinnernde Kirche einer der Protagonisten eine große Rolle. Die Polizistin Elizabeth ist Tochter eines Predigers, der Strenge und Abhängigkeit an das gesprochene Wort, nämlich seines, als unabänderlich ansieht. Dabei übersieht er, dass er Liebe, Güte und Vergebung mit Unbarmherzigkeit, Härte und falschen Ritualen verwechselt. Dieser Vater-/Tochter-Konflikt ist eines der Erzählstränge im Buch.

Eine weitere Geschichte darin ist die des wegen Mordes verurteilten Polizisten Adrian, der nun nach dreizehn Jahren Haft endlich aus der Hölle entlassen werden soll. Empfangen wird er vom Sohn des Opfers, einem Kind noch, Gideon, der seine Waffe gegen Adrian erhebt. Adrian ist der Grund, warum Elizabeth überhaupt zur Polizei ging, sie hat nie geglaubt, dass er die Mutter von Gideon ermordet hat und das ausgerechnet in der Kirche von ihrem Vater. Vor dreizehn Jahren war Gideon noch ein Baby, sie hat sich als Frau und Polizistin für ihn verantwortlich gefühlt, sich um ihn all die Jahre gekümmert, sein eigener Vater war in seiner Trauer nie dazu in der Lage. Adrian wiederum wurde im Gefängnis schrecklich gefoltert, soll er doch das Geheimnis eines alten Mitgefangenen vor dessen Tod erfahren haben. Nun ist also nicht nur Gideon hinter ihm her, auch der Gefängnisdirektor lässt ihn nicht aus den Augen. Das also eine weitere Geschichte in der Geschichte.

Aber das ist noch nicht alles. Hart hat noch eine weitere brisante Verstrickung für die Leserschaft parat: Elizabeth soll bei der Befreiung eines Entführungsopfers die beiden Täter mit unverhältnismäßig vielen Kugeln zur Strecke gebracht haben. Sie ist vom Dienst suspendiert und muss nun die Untersuchung abwarten. Wie bei Gideon handelt es sich auch hier um einen jungen Menschen, Channing. Sie wuchs in einem behüteten Elternhaus auf, an Geld mangelt es nicht. Der Autor legt noch eine Schippe drauf und behandelt das Thema der gut situierten Frau mit einem Suchtproblem gleich mit dazu. Dass sich die Erzählstränge nicht verheddern, es immer spannend bleibt und das Tempo immer höher wird, das ist Schreibkunst.

Jeder ist mit jedem irgendwie im Konflikt, Vertrauen ist selten da. Ob es nun Elizabeth mit ihren beiden Schützlingen ist, die Adrian helfen möchte ihn vom Verdacht ein Mörder zu sein zu befreien. Oder der Gefängnisdirektor mit seinen Wärtern, der gewisse Drähte zur Polizei hat und unbedingt alle Beteiligten mit Gewalt zum Sprechen oder zum Schweigen zu bringen. Der Prediger, der liebend gerne seine verloren geglaubte Tochter wieder in seiner Kirche empfangen würde, sie alle ringen miteinander um die Wahrheit. Mittendrin aber passieren weitere Morde an Frauen, die wie Gideons Mutter in der alten Kirche aufgebahrt werden. Und alle nach der Freilassung von Adrian. Ist er doch der Täter?

Hart verbindet Machtspiele, Korruption, falsch verstandenen Glauben, den Wunsch nach Rache und das ewig gleiche Bindemittel: Geld, gekonnt miteinander. Dass die Gewalt, ausgeübt mit einem Gegenstand, der in der westlichen Welt nirgends so leicht offiziell und legal zu bekommen ist wie in Amerika, am Ende für alle Beteiligten doch auch erschreckend ist, ist ein geringer Ausgleich für alle positiv besetzten Gefühlslagen der Protagonisten.

Weiter Informationen über den Autor zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/John_Hart_(Schriftsteller)

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Tags: armut, befreiung, folter, gefängnis, gutsituierte süchtige, hass, missbrauch, missbrauchter glaube, mord, polizistenjagd, psychopath, rache, ritualisierter mord, sucht, süchtige, vergeltung, vergewaltigung, waffen, wüste   (19)
 

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humor, sozialarbeiter, schantall, lustig, hartz iv

Schantall, tu ma die Omma winken!

Kai Twilfer , Susanne Granas
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 15.02.2013
ISBN 9783862652198
Genre: Humor

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freundschaft, berge, italien, alpen, einsamkeit

Acht Berge

Paolo Cognetti , Christiane Burkhardt
Fester Einband
Erschienen bei DVA, 11.09.2017
ISBN 9783421047786
Genre: Romane

Rezension:

Eine Erzählung, wie die von Paolo Cognette „Acht Berge“, lässt uns daran erinnern, wie es sein kann, ohne viele Entscheidungsmöglichkeiten zu leben. Einfach und gut. Cognetti lädt uns ein, einer dreißigjährigen Freundschaft zwischen zwei Männern zu folgen, die beide ihr Herz an die karge Berglandschaft verloren haben. Der eine, Bruno, dauerhaft, der andere, Pietro, genannt Berio, mit Unterbrechungen. Sie lernen sich in jungen Jahren in einem fast vergessenen Dorf in den Bergen Italiens kennen.

Berios Mutter hat sich durchgesetzt im Sommer ein Haus fernab von Mailand zu mieten, am Rande des Monte-Rosas-Massivs. Diese Mutter ist eine der starken Frauen im Roman, wie sie es alle sind. Erst durch ihren Eingriff kommt es überhaupt dazu, dass die Jungs erste Worte wechseln. So wortgewandt wie die Mutter von Berio ist, so still ist die Mutter von Bruno. Nur dadurch wird jene von ihrem Mann verlassen, und sie kann das Leben leben, was ihr vorschwebt. Leider vermisse ich sie im späteren Teil des Buches, das ist einer der Gründe, warum ich nicht restlos begeistert bin.

Geprägt wird die Erzählung vom Vater-Sohn-Konflikt; Berio wird zur Enttäuschung für den Vater und umgekehrt, obwohl sie sich gegenseitig so viel geben. Zumindest die Liebe zu den Bergen von Berio kann der Vater für sich verbuchen, ansonsten gleicht er eher seinem früh verstorbenen Onkel. Still und in sich gekehrt, einer Beziehung zwar nicht abgeneigt aber doch abwehrend, geht er immer wieder in die Stadt zurück, um Schule und Studium zu beenden. Mit dem Vater mag er irgendwann nicht mehr mitgehen; dem nie still stehenden, die Gipfel im Eiltempo erstürmenden, ihm will er nicht folgen, das ist nicht seine Welt. Aber auch Bruno liegt mit seinem Vater im Streit, behandelt dieser ihn nie wie seinen Sohn. Erst gibt er ihn dem Senner in der Familie als billigen Hirten, später muss er Maurer beim Vater lernen.

Bruno bleibt in den vertrauten Bergen, Berio zieht es oft nach Asien, nach Kathmandu. Ohne es wirklich zu merken, vertauscht er nur die Berge. Als der Vater von Berio stirbt, vermacht er ihm eine verfallene Hütte in der Nähe der Alm von Brunos Familie. Schritt für Schritt kommt Berio dahinter, wie oft sein Vater mit Bruno nach seinem Zerwürfnis in den Bergen unterwegs war. Ihm wird bewusst, sie sind im Geiste Brüder. Und so bauen sie gemeinsam die Hütte wieder auf, nutzen beide diese als Ankerpunkt. Bruno übernimmt die Alm, wird Bergbauer, Berio kommt immer wieder zurück. Nur von Berios Familie gönnt uns der Autor einen tieferen Einblick, erzählt er uns die Entstehungsgeschichte und wie Berio zu seinem Namen Pietro gekommen ist.

Was komplett außen vor gelassen wird, ist die technisierte Welt, der Konsum, Fernsehen, Smartphones, einfach alles. Teilweise kommt man sich vor, als spiele die Geschichte in einer längst vergangenen Zeit, aber dem ist nicht so. Eine junge Frau entscheidet sich bewusst für Bruno, um sich als Sennerin zu versuchen. Kein Friseur, kein Laden, nichts lenkt sie ab von ihren Kühen. Auch Berio, den der Autor so gerne verreisen lässt, hat meist nicht mehr verdient, als seine Reisekosten gerade so zu decken. Selbst seine Wohnung gibt er auf, was plagt er sich mit unnützem Zeug beim Umzug. Es steckt viel von Cognetti in diesem Buch, diesen Eindruck habe ich zumindest gewonnen. Die Reduktion auf ein Minimum bei allen Anteilen des Lebens, im Gegensatz zu Konsumrausch und Medienabhängigkeit. Das Buch landete in Italien unter den Top-Ten-Bestsellern und ist bereits in mehr als 30 Ländern in Buchläden zu finden.

Ein Interview mit dem Autor findet sich zum Beispiel unter https://www.randomhouse.de/Paolo-Cognetti-Acht-Berge-DVA/Interview/aid75672_14329.rhd

Unter https://it.wikipedia.org/wiki/Paolo_Cognetti befinden sich, leider nur auf Italienisch, weitere Informationen.

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Tags: alm, bergkette, käserei, kathmandu, kühe, männerfreundschaften, schnee, sennerei, ziegen   (9)
 

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

die dritte stimme, krimi, blind, verbrechen, schwedenkrimi

Die dritte Stimme

Cilla Börjlind , Rolf Börjlind , Christel Hildebrandt
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei btb, 12.09.2016
ISBN 9783442714094
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

von Cilla und Rolf Börjlind "Die dritte Stimme" ist der zweite Band einer Reihe, wobei durch gut eingebaute Rückblicke der Leser eine Ahnung davon bekommt, was alles beim ersten Teil schon passiert sein muss. Auf dem Klappentext wird der Svenska Dagbladet zitiert: „Olivia Rönning und Tom Stilton sind als Ermittlerduo einsame Klasse!“ nur dass der erste Kontakt zwischen den beiden über 350 Seiten benötigt. Dann schleichen sie langsam aneinander heran, ergänzen sich dann aber unglaublich. Das macht einem wirklich Appetit auf die anderen Bände dieser Reihe. Informationen gibt es zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_B%C3%B6rjlind

Die Anfangssequenz dieses Thrillers wirkt wie ein eiskalter Regen nach einem herrlichen Sommertag. Eine junge Frau stürzt sich in den Tod. Doch wer ist sie? Im Laufe dieses Kriminalromans glaubt man immer wieder es herausgefunden zu haben, doch man soll sich nicht so leicht darauf verlassen.

Olivia Rönning, Absolventin einer Polizeiakademie, ist eine junge Frau, die noch nicht so recht weiß, ob sie nach dem Studium wirklich zur Polizei gehen soll, wie vorgeschlagen. Ihre Vergangenheit lässt sie nicht los, beide Elternteile sind ermordet worden. Nach einem Auslandsaufenthalt kommt sie zurück in ihre Heimat, trifft sich mit ihrer Adoptivmutter, da wird in der Nachbarschaft ein Mann Tod von seiner Tochter, Sandra, aufgefunden. Angeblich Suizid. Olivia kümmert sich um die Tochter, da kristallisiert sich langsam heraus, dass es ein Mord gewesen sein muss. Ihre Mentorin von der Polizei möchte sie eigentlich heraushalten, aber Olivia ist schon mittendrin, weiß sie doch, welche Gefühle als überlebender Familienteil eines Mordes einen ständig hin und her reißen. Sie will Sandra nicht im Stich lassen und den Mörder finden.

Tom Stilton hat nach einem Zusammenbruch mehrere Jahre auf der Straße gelebt. Davor war er ein erfolgreicher Kriminaler, der erst bei den Ermittlungen an dem Mord an Olivias Vater so langsam wieder auf die Beine kommt. Im Zusammenspiel mit anderen Protagonisten, unter anderem einem Ziehsohn von Olivias Mentorin, Abbas, schaltet sein Geist endlich wieder um, es will analysieren, rekonstruieren, Probleme und Geheimnisse lösen. Abbas wiederum erfährt vom Mord an seiner einstigen Geliebten aus einem Zirkus in Frankreich und bittet Tom darum, ihm bei der Aufklärung zu helfen. Und so fahren die beiden dorthin, lassen sich vom zuständigen Kollegen vor Ort informieren.

Langsam kommen beide Erzählstränge immer näher, alle Beteiligten kennen sich lange, bis sie endlich aufeinanderprallen und sich gegenseitig beim Aufklären der Morde helfen können. Was da alles auf den Tisch kommt, warum ein Nachbar sterben musste, was ein Journalist damit zu tun hat, warum die ermordete ehemalige Geliebte, blind und verwitwet, sich mit Pornos ihren Lebensunterhalt verdient, das sind Geschichten, von denen man kaum glaubt, dass sie irgendwann zusammenführen können. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was sich das Autorenduo hat einfallen lassen. Die dritte Stimme ist ein sehr spannender in die Abgründe der Menschheit schauender Thriller, der sich gewaschen hat. Man taucht tief ein in schwedische aber auch französische Lebensarten, versteht, warum manche ihren Beruf derart lieben, dass sie die eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. Wer Lust auf eine andere Reihe hat, der ist hier bestimmt gut aufgehoben.

Cilla und Rolf Börjlind gelten in Schweden als wichtige Drehbuchautoren für Kino und Fernsehen. Auch im ZDF sind Folgen ausgestrahlt worden, bei denen sie mitgewirkt haben.

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Tags: blind, frankreich, messerwerfer, obdachlose, prostituierte, schiffskoje, schweden, verbrechen, zirkus   (9)
 

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thriller, helgoland, sebastian fitzek, berlin, pathologie

Abgeschnitten

Sebastian Fitzek , Michael Tsokos
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.10.2013
ISBN 9783426510919
Genre: Krimi und Thriller

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adoption, krimi, gabriela kasperski, babyhandel, entführung

Besondere Umstände

Gabriela Kasperski
Fester Einband: 536 Seiten
Erschienen bei Appenzeller, 01.09.2013
ISBN 9783858826619
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nachdem ich den dritten Band in der Reihe von Gabriela Kasperski „SICHT UNSICHTBAR“ zuerst gelesen habe und im Juni 2016 rezensiert hatte, habe ich nun den in einer neuen Ausgabe aufgelegten zweiten Band „BESONDERE UMSTÄNDE“ von ihr gelesen.

Besondere Umstände, darauf weist der Kinderwagen auf dem Cover schon hin, ist ein Kriminalroman, bei der Kinder, Kinderwunsch, Adptionen, Kinderhandel beziehungsweise Kinderraub die Hauptrolle spielen. Es ist vielleicht nicht gerade das beste Geschenk an eine werdende Mutter oder eine die es werden will. Denn emotional werden die Themen allesamt behandelt. Dabei werden auch die Befindlichkeiten der Männer nicht vergessen.

Zita Schnyder, die Lebensgefährten von Werner Meier, einem Commissario, bekommt in einer Gewitternacht ihr Baby. Dabei ist sie nicht alleine, ihre gesamte Baby-Yoga-Klasse kommt nieder. Das sind viele verschiedenster Frauen und deren Familien, die alle ihre Erwähnung finden. Und dann wird in dieser ereignisreichen Nacht, kaum, dass alle zur Ruhe kommen, eines der Babys entführt. Doch kein Erpresserschreiben geht ein, keine Spur findet sich.

Kurz vor der Niederkunft der Frauen wird eine Sozialarbeiterin ermordet, die sich in ihrer früheren Wirkungsstätte um Adoptionen gekümmert hat. Die Spur führt zu einem Jugendlichen, der von ihr betreut worden ist. Allerdings ist sie sehr offensichtlich, zu offensichtlich für Commissario Meier. Meier wiederum will auf keinen Fall im Entführungsfall des Babys ermitteln, fühlt er sich doch befangen. Bei Zita kommt das allerdings sehr schlecht an.

Die Autorin beschreibt anhand der verschiedenen Protagonisten, wie es ist, ein Kind zu wollen, zu bekommen, es unbedingt zu wollen, aber keines zu bekommen, eines zu bekommen, aber überhaupt keine Freude zu verspüren; und zwar bei Männern und Frauen. Hier kommen alle zur Sprache. Die Übermutter wie auch diejenige, die keinerlei Gefühle zu spüren scheint, die, die immer dann wieder schwanger wird, wenn es in der Ehe besonders kriselt. Aber es sind auch diejenigen dabei, bei denen es selbst mit einer normalen Adoption nicht klappen will, zu einem Kind zu kommen. Dann wird es kriminell. Kinder werden geraubt, nicht nur im Ausland, nein, auch in der Schweiz, und das nur, um es auf raffinierte Art und Weise als eigenes Kind ausgeben zu können.

Kasperski macht es uns nicht so leicht, sind es doch gleich mehrere Fälle von Schwangerschaftsvortäuschungen, die man sich bei den Baby-Yoga-Damen vorstellen kann. Dabei spielt auch der Mord an der Sozialarbeiterin eine große Rolle, ist der Tatverdächtige doch ein Cousin eines der werdenden Väter. Zita bringt mit ihrer Rechthaberei, ihrem Selbstbewusstsein und Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit so manche Spur durcheinander, mir geht ihr Getue ein wenig zu weit. Es nervt, auch die Schwangerschaftshormone einbezogen, doch etwas zu sehr, was sich ihr Freund Meier so alles anhört und nicht so recht handelt. Dafür raufen sie sich aber immer wieder zusammen, was ja auch wieder für den Fall gut ist. Leider ist Zita nicht die einzige Schwierige Persönlichkeit, die einem gehörig gegen den Strich geht, aber vielleicht ist das ja auch so beabsichtigt.

Die vielen Fäden, die die Autorin hier gesponnen hat und wie ein großes Netz um all die sehnsuchtsvollen Frauen nach einem eigenen Kind gelegt hat, das ist sehr spannend. Dass sie keinen der vielen Protagonisten vergessen hat, da kann ich nur sagen: Hut ab, das vermisse ich bei vielen Autoren. Die Themen rund ums Kinderbekommen, sind vielfältig besprochen, vom Geburtskanal bis zum künstlichen Schwangerschaftsbauch, Milcheinschuss und Babyblues. Selbstverständlich werden alle Taten aufgeklärt, wenn auch nicht für alle glücklich. Am Ende des über fünfhundert Seiten starken Buches werden die unterschiedlichen Gruppen und Schauplätze vorgestellt, schade, das hätte ich gerne am Anfang gewusst, um ab und an eine Auge darauf zu werfen.

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Tags: adoptionen, adoptioswillig, commissario, die flasche geben, geburtsstation, keine milch geben können, kinder, kinder kriegen, kinderraub, kinderwunsch, kindesentführung, künstlicher schwangerschaftsbauch, milcheinschuss, niederkunft, schwangerschaftsbauch, schwangerschaftsyoga, schweiz, ukraina, unabhängige polizeistation, unfruchtbar   (20)
 

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Die Möglichkeit einer Insel

Michel Houellebecq
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, DAV, 01.03.2006
ISBN 9783898135146
Genre: Romane

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freundschaft, brasilien, krimi, frauenleiche, verkaufte kinderseelen

Der letzte Tag der Unschuld

Edney Silvestre , Kirsten Brandt
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.04.2015
ISBN 9783734101724
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Der letzte Tag der Unschuld“, so lautet der Titel des Kriminalromans von Edney Silvestre. Es ist mein erster Krimi, der in Brasilien spielt, mein erster brasilianischer Autor. Ich muss sagen, er hat mich restlos überzeugt.

Die Geschichte zweier Jungs, die nach der Schule an „ihrem“ See eine furchtbar zugerichtete junge Frau auffinden, deren Tod noch nicht so lange her sein kann, beendet mit einem Schlag ihre Kindheit. Eduardo ist der feingliedrige, feingeistige, Paulo der wilde, ungestüme. Beide ergänzen einander, helfen, wo es geht. Es ist der Tag, an dem ein Juri Gagarin die Welt von oben sieht, als sie die Leiche finden. Die Polizei glaubt ihnen nicht, dass sie sie nur gefunden haben, sie sollen gefälligst gestehen. Doch kurz darauf gesteht bereits der Ehemann, ein sehr viel älterer Herr, von dem die Jungs glauben, dass er es unmöglich gewesen sein kann. Er ist zu alt, zu schmal, zu klein, um diese Tat begangen zu haben. Und so versuchen sie herauszufinden, was wirklich passiert ist.

Als sie ins Haus des Ehemanns eindringen, einem Zahnarzt, müssen sie feststellen, dass sie nicht die einzigen sind, die das Rätsel lösen wollen. Ubiratan, der Alte, ist ebenfalls an dieser Geschichte interessiert. Gemeinsam versuchen sie nun dahinterzukommen, warum die junge Frau sterben musste. Die verschiedene Namen benutzte, im Waisenhaus aufwuchs, einen viel älteren Mann heiratete und als Nutte im Ort bekannt war. Auf dem Weg zur Wahrheit werden sie oft ausgebremst, den Machthabern ist es nicht recht, dass sie nun zu Dritt herumschnüffeln. Das hält sie nicht ab, im Gegenteil.

Der Autor versteht es meisterlich, seine Dialoge zwischen den Protagonisten so zu gestalten, dass man versucht ist zu sagen, nun hört euch doch mal gegenseitig zu! Wie im wahren Leben, wird ständig aneinander vorbei geredet, hoffnungslos kommt es einem vor, wenn Paulo und Eduardo dem Alten dringend etwas erklären wollen, er aber bereits einen Schritt weiter ist. Doch Ubiratan hört sehr gut zu, zieht seine Schlüsse und will die Jungs nur schützen, damit sie nicht unter die sprichwörtlichen Räder der Intriganten kommen.

Die Freundschaft zwischen den ungleichen Jungs kann das alles nicht erschüttern, auch nicht die Schläge des brutalen Vaters von Paulo, oder die überaus ängstlich agierende Mutter von Eduardo. Silvestre beschreibt diese für beide Seiten fruchtbare und prägende Freundschaft mit der gegenseitigen Unterstützung; es gefällt Eduardo seinem Freund schwierige Worte zu erklären, die dieser sich immer auf einem Zettel notiert.

Je näher Ubiratan der Lösung kommt, lässt der Autor aber auch seinen Protagonisten sich selbst erkennen. Der Alte erschrickt vor sich, vor seinen eigenen Taten, zu was er selbst fähig war. Er war nicht nur ein Folteropfer, sondern hat Dinge getan beziehungsweise zugelassen, die er nun in einem ganz anderen Licht sieht. Dieses erkennen kommt Schritt für Schritt, auch deshalb hält er die schützende Hand über die Jungs.

Was nun die Geschichte über die junge Frau angeht, so will ich hier nicht zu viel verraten. Es ist eine spannende Story, mit geschichtlichen Hintergründen aus Brasilien bestückt. Das Einzige was ich bedaure, sind die nicht übersetzten Liedtexte, die immer wieder auftauchen. Ihr Sinn wird zwar erläutert, doch hätte ich gerne den gesamten Inhalt verstanden. Davon abgesehen kann ich das Buch sehr empfehlen.

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Tags: erdumrundung, frauenleiche, freundschaft, geheimdienstopfer, inzucht, juri gagarin, machthaber, sklaverei, täuschen, tricksen, verkaufte frauen, verkaufte kinderseelen, waisenhäuser   (13)
 

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gericht, scheidungskinder, vernachlässigtes kind, gerichtgutachter / psychiater, familienhelfer

Die Schanin hat nur schwere Knochen!: Unerhörte Geschichten einer Familienpsychologin

Sophie Seeberg
E-Buch Text: 336 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 24.04.2015
ISBN 9783426433737
Genre: Sonstiges

Rezension:

Kurzrezi

„Wenn wir mehr solcher Mitarbeiter im Familienpsychologischen Dienst hätten, wären wir besser dran", mit diesen Worten hat mir eine Freundin das Buch von Sophie Seeberg "Die Schanin hat nur schwere Knochen - Unerhörte Geschichten einer Familienpsychologin" empfohlen. Wobei das Cover eher nicht danach aussieht, als ob das Thema schwieriger Familienstreitigkeiten vor Gericht ernst genug betrachtet wird. Das Gegenteil aber ist der Fall, das Titelbild wohl nur verkaufsfördernd witzig gestaltet. Die Autorin legt zwar Wert auf eine gute Prise Humor, aber eben nicht nur. Und die Familie, die auf dem Cover so präsent skizziert worden ist, ist ausnahmsweise auch noch der Fall, bei der die Liebe zu Kindern und auch untereinander, miteinander Spaß haben, spielen, und viel Zeit miteinander zu verbringen, sehr hoch gehalten wird. Hier sind es eher die alltäglichen Dinge, die komplett auf der Strecke bleiben. Essen zubereiten, waschen, Kindererziehung, Regeln einhalten und vieles mehr.
Gerade bei diesem Beispiel kann man nachvollziehen, wie wichtig es ist, eine gemeinsame Sprache zu finden, damit eine Familie überhaupt erreicht werden kann. Denn warum die Familienhelferin nicht den Haushalt macht, obwohl sie es so schön erklärt wie man es machen soll, ist für die Familie unbegreiflich. Vor allem, weil ihnen die Kinder weggenommen werden sollen, wenn nicht bald etwas passiert.
Was Seeberg im Zusammenspiel mit Mitarbeitern von Gericht, Jugend- und anderen Ämtern erlebt, um das Beste für Kinder bei Gericht zu erreichen, das ist schon zum Teil sehr traurig, manchmal komisch und immer aufreibend. Ihr Schreibstil ist flüssig und das Buch gut zu lesen. Man nimmt ihr die Sorge um Kinder gut ab, die sich zum Teil in Situationen befinden, die einem den Atem rauben.


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Tags: familienhelfer, gericht, gerichtgutachter / psychiater, inobhutnahme, kindesmissbrauch, scheidungskinder, vernachlässigtes kind   (7)
 

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geheimnis, panama, freundschaft, eliteuniversitäten, amakunasaga

Das Panama-Erbe

Susanne Aernecke
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag , 28.04.2017
ISBN 9783958900530
Genre: Romane

Rezension:

Der zweite Teil der Trilogie von Susanne Aernecke "Das Panama Erbe" ist vom Schreibstil und Form wie der erste Teil „Tochter des Drachenbaums“ verfasst. Auch hier gibt es zwei Zeitebenen, nur jetzt jeweils um eine Generation verschoben und mit anderen Schauplätzen. Meine Rezension über das erste Buch findet sich unter http://www.lovelybooks.de/autor/Susanne-Aernecke/Tochter-des-Drachenbaums-1157353351-w/rezension/1172160212/
Um was geht es? Sina, Erbin eines Bankenimperiums aus Panama, und, wie sich später herausstellt, eines Pharmakonzerns bekommt aufgrund eines Geschenkes ihres Partners Felipe einen Flashback. Als Kind hat sie miterleben müssen, wie ihre Eltern auf La Palma bei einer Explosion ums Leben kamen. Ihr Gehirn stellt aufgrund dessen sein analytisch-faktisches Denken ein, dass es ihr bisher überhaupt ermöglichte, auf die Harvard Business School eine Eliteuniversität der USA, zu gehen. Daraufhin geht sie zu einer Therapeutin, die ihr rät, sich ganz auf sich zu konzentrieren, auf ihre Instinkte einzugehen. Während einer Vernissage trifft sie auf einen Kuna-Indio aus Panama, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Auf ihre Instinkte hörend, reist sie zurück in ihre Heimat, um herauszufinden, was da mit ihr passiert ist. Die Großeltern sind aufgewühlt und Felipe reist ihr eilig hinterher. Dessen Bruder Julio, Adoptivsohn eines ehemaligen Drogenbarons, hat es gleich auf beide, Sina und Felipe, abgesehen. Julio will die Welt verbessern, am liebsten mit dem Erbe von Sina und Felipe. Sina will sich unbedingt mit dem Kuna-Indio treffen, wobei sie feststellen, sie gehören zusammen. Das passt weder Felipe noch dessen Bruder. Bei einer Rangelei auf dem Meer kommen scheinbar Sina und Felipe ums Leben. Und nun kommt Amakuna ins Spiel. Das aus einem Pilz gewonnene Lebenselixier holt Todgeweihte ins Leben zurück, heilt sie innerhalb weniger Stunden. In diesen Stunden träumen die mit dem Pilz behandelten Menschen von vergangenen Tagen, hier von der Zeit, als die Spanier sich Panama unter die Nägel gerissen haben. Und auch hier gibt es Menschen, die mit Amakuna in Berührung kamen. Diese träumen wiederum von der Zukunft. In der Vergangenheit ist da nun Tamanca, der mit seinem Vater in die neue Welt auswandert und Zwischenstation auf La Palma macht. Dort will er seiner Mutter nachzuspüren, die eine Heilerin war und Amakuna beschützt hat. Tamanca nimmt nun den Pilz mit in die neue Welt. Im Folgenden passieren viele Abenteuer, wobei es immer um ein Liebespaar in der Vergangenheit gibt und eines in der Zukunft, die auf den Pilz aufpassen müssen, damit er nicht in falsche Hände gerät.
Sicher, auch ohne den ersten Teil gelesen zu haben, kann der zweite Band der Trilogie genossen werden, weil alles erklärende sehr gut erläutert wird. Aber für den interessierenden Leserkreis macht es sicher Lust, sich auch diesen zu kaufen, falls noch nicht vorhanden. Solide, mit vorhandenem Spannungsbogen, vielen Wendungen und Hingabe zur Natur, Urvölkern und der spanischen Geschichte verfasster Roman. Ich habe nur wenige Fehler entdecken können, die Autorin weist im Anhang auf veränderte Geschichtsdaten hin, die für ihren Roman abgewandelt worden sind. Und Übrigens … das Ende macht auf jeden Fall Lust auf den dritten Teil ...
Die einzelnen Protagonisten lassen sich nicht gleich für die eine oder andere Seite einspannen. Es sind und bleiben, bei all der Phantasie der Autorin, Menschen mit Ecken und Kanten, die Fehler machen, sich die Freiheit herausnehmen auch mal eine Entscheidung zu revidieren und sich Verführungskünsten hingeben. Macht, Habgier, Geld und Gold, die Uruntriebe der Menschen spielen im Buch die Hauptrolle, neben der, eine Sache wirklich geheim zu halten.
Wer sich gerne Abenteuerlust, Geheimnisse, Rätsel und Liebe verlieren will, in zwei verschiedenen, fast 500 Jahre überbrückenden Welten verweilen mag, der ist hier richtig.

Mehr Informationen zum Beispiel unter www.amakuna-saga.de oder www.susanne-aernecke.de



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Tags: abenteuer, eliteuniversitäten, gold, heilerin, höhlen, indios, la palma, neue welten entdecken, panama, pilz, spanier, traumhafte schauplätze   (12)
 

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1974, heimerziehung, überarbeitetes personal, kinder im knast, heimkinder

Weckels Angst

Leonie Ossowski
Flexibler Einband: 100 Seiten
Erschienen bei Piper, 16.06.2017
ISBN 9783492500852
Genre: Romane

Rezension:

Erschrecken. Das ist das Wort, was über mich kommt, das Gefühl, das sich einschleicht. Ein Text, der bereits 1974 das erste Mal erschienen ist und nun als Neuauflage wieder erhältlich, der immer noch nachwirkt. In zehn Kapiteln und einer Nacherzählung aufgeführte Schicksale, die teils ineinander übergehen, auf 100 Seiten.

Die Geschichten von Ossowski über junge Menschen, Obdachlose, Heimkinder, straffällig gewordene Jugendliche, sind zum Teil heute noch aktuell. Mit anderen Vorzeichen zwar, natürlich, schließlich dreht die Welt sich weiter. Aber die Gesellschaft muss sich trotzdem fragen lassen, warum sich einiges so bekannt anhört, anfühlt, sich wohl nie ändert. Die Sätze sind zum Teil nur wenige Worte. Sie schleichen sich an Dich heran, dass Du glaubst, ach, nun ja, klingt wie ein mittelprächtiger Aufsatz. Aber dann kommen die Informationen über diese Menschen, warum sie in gewisse Situationen geraten, mit einer Wucht, ungeschminkt, ungekünstelt. Man möchte einschreiten können, Stopp! rufen wollen, und kann es nicht. Tathergänge werden beschrieben, auch Aussagen aus den Protokollen von Sozialarbeitern, Heimmitarbeitern denen gegenübergestellt, um die es geht. Beide Seiten kommen bei der Nacherzählung zur Sprache, beide Sichtweisen bekommen ihre Gelegenheit sich zu äußern. Das nutzt den jungen Menschen aber nicht, für sich ein besseres "Urteil" zu erreichen.

Die Kurzgeschichten von Ossowski zeigen zum Beispiel auf, warum der vierzehnjährige Jürgen so unbedingt aus einem Heim nach Hause entlassen werden wollte, er trainieren will, seinem Stiefvater nacheifert; beim letzten Satz bleibt einem die Spucke weg. Und so geht es weiter. Weckels Angst ist begründet, Hilfe erhält er nicht. Wie sagen die Anstaltsmitarbeiter? Das kann immer mal passieren. Mit zwei anderen Übeltätern in einer Zelle eingesperrt, da ist klar, der Schwächste verliert. Es ist aber nicht nur Weckel der verliert, sondern die Institutionen, die Gesellschaft, die Politik, wir alle. Die Autorin beleuchtet, warum manche in die Kriminalität absteigen, für sich keinen anderen Weg sehen. Dazu gibt es viele Parallelen zur heutigen Zeit. Man macht sich so seine Gedanken, und das ist wohl die Absicht, die dahinter steckt. Hätte man eingreifen können? Einen anderen Weg finden können? Fehlte der Wille, die Mittel, die Motivation? Einen Glückwunsch an die in diesen Tagen 92-jährig werdende Leonie Ossowski, für den, leider, zeitlosen Text.

Weitere Informationen über die Autorin findet sich unter https://de.wikipedia.org/wiki/Leonie_Ossowski







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Tags: 1974, heimerziehung, heimkinder, kinder im knast, überarbeitetes personal   (5)
 

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küste, gedicht, körperliche ertüchtigungen, vögeln, theaterstück

Maupassant

Arne Ulbricht
Flexibler Einband: 246 Seiten
Erschienen bei KLAK Verlag, 19.05.2017
ISBN 9783943767797
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wenn aus einer Französischlektüre im Schulunterricht eine Passion wird ...
... dann kann daraus ein Roman entstehen, wie bei Arne Ulbricht "Maupassant".
Es war wohl, wie der Autor schreibt, sein Französischlehrer, der ihm im Leistungskurs die Novellen, Romane, Gedichte und andere Schriften von Maupassant näher brachte. Er "verschlang" während seines Romanistik-Studiums so gut wie alles von Guy de Maupassant, recherchierte viel über ihn und kam auf die Idee, einen Roman über dessen Leben und Wirken zu schreiben. Nicht alles ist auf den Nachlass zurückzuführen, vor allem die wörtlichen Reden musste er dazu dichten, Zeitgenossen weglassen, die ein oder andere Person dazu. Schließlich sollte es ein lebendiger Roman werden, keine Nacherzählung oder Aneinanderreihen von Ereignissen.
So wurde es ein leicht lesbares Buch, der Einstieg beginnt mit den tragischen letzten Wochen des Schreibkünstlers. Von Kopfschmerzen geplagt, das Augenlicht beeinträchtigt, er hatte das Gefühl zu erblinden, alles zu vergessen, selbst wer er war, wie er war, wo er war. Drogenmissbrauch und Syphilis haben schlimme Spuren hinterlassen, er konnte kaum noch schreiben beziehungsweise sich an seine Geschichten erinnern, Selbstmordversuche trieben ihn in die Klinik.
Nachdem wir also vom zu erwartenden furchtbaren Ende Maupassant erfahren haben, beginnt der Autor chronologisch mit der Kindheit, Schulzeit, erste Begegnungen mit Flaubert und anderen Schriftstellern jener Zeit. Darunter erwähnt Ulbricht auch noch Zola, Goncourt, Turgenew, Bouilhet. Zu diesen Schriftstellern bekommt er Kontakt durch die eigene Familie. Und Jeder Besuch bei Flaubert erzeugt den nächsten Namen, den er für seine Zwecke, seinen Bekanntheitsgrad zu vergrößern, Veröffentlichungen in kleineren Zeitungen zu platzieren, nutzen kann.
Obwohl die Mutter ihm und seinem jüngeren Bruder sehr viele Freiheiten lässt, sie hatte sich schon früh vom Vater der Jungs getrennt, und ihnen eine abenteuerreiche Jugend beschert, muss er doch später in ein streng katholisches Internat, dass er nur erträgt, weil er dort Gedichte und kleine Novellen anfängt zu verfassen. Von seiner Zeit als Soldat im französisch-preußischen Krieg gibt es wohl nicht sehr viel Material. Aber dass er, statt Jura zu studieren, langweilige Jobs in Ministerien verrichtet, die ihn gerade so über Wasser halten. Seine Zeit verbringt der junge Maupassant mit Freunden beim Rudern auf der Seine, gemeinsame Theaterstücke verfassend, Gedichte und Novellen schreibend. Immerzu wartet er auf den Durchbruch.
Ulbricht beschreibt auch Begegnungen mit Frauen, Maupassants sexuelle unstillbare Lust, dass er sehr oft zu Prostituierten ging aber auch ältere Freundinnen hatte. Dass er zu viel Zeit mit Prostituierten und Rudern verbringt, statt mit dem Schreiben, warf ihm auch Flaubert vor.
Dieser biografische Roman bringt mit seinem lockeren Schreibstil das Leben des Schriftstellers dem interessierten Leser näher. Wer aber tiefergehendes erwartet, wird enttäuscht sein. Ulbricht verweist daher zu Recht, dass es sich nicht um eine Biografie von Maupassant handelt, diese gibt es bereits. Nein, es ist eine ganz andere Art, das Leben eines Berühmten quasi wieder auferstehen zu lassen.
Leider ist das Inhaltsverzeichnis ganz am Ende gesetzt, dafür sind alle Quellen der erwähnten Gedichte, Novellen, Roma und so weiter akribisch aufgeführt.
Angehende Schriftsteller, die glauben, in diesem Buch Weisheiten darüber zu erfahren, wie man schnellstmöglich seine Werke veröffentlichen kann und großen Erfolg erzielt, denen sei folgendes gesagt: entweder man ist ein Genie der Worte, oder man muss üben, üben, üben. Und selbst dann kann es nicht schaden, wie bei Maupassant, gute Kontakte zu pflegen. Doch auch er brauchte Jahre, um endlich von seiner Schreibkunst leben zu können.
Weitere Informationen erhält man im Netz zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Guy_de_Maupassant
Über den Schriftsteller Arne Ulbricht unter http://www.arneulbricht.de/

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Tags: eingebildete pariser, frankreich, gedicht, gustave flaubert, herrenabende, internat, körperliche ertüchtigungen, küste, landgut, liebevolle nichten, maupassant, novelle, prostituierte, roman, schloss, theaterstück, vögeln, zola   (18)
 

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verrat, niederlande, übernahme, krimi, verstrickungen

TAKEOVER - Und sie dankte den Göttern ...

Jussi Adler-Olsen , Marieke Heimburger , Hannes Thiess
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 14.10.2016
ISBN 9783423216487
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Autor erläutert in einem Vorwort, wie er zu seiner Idee gekommen ist, seinen Roman vor der Jahrtausendwende aufleben zu lassen. Ihn interessierte in diesem Zusammenhang die Randnotizen in den Zeitungen und die Kausalzusammenhänge zwischen kleineren und größeren Ereignissen. Im Mittelpunkt steht die junge Nicky Landsaat, die sich aus kleinsten Verhältnissen dank ihrer Intelligenz hochgearbeitet hat und nun bei Peter de Boer, einem Kokurrenzvernichter, einen Job ergatterte.

Natürlich ist sie etwas Besonderes, sieht sehr gut aus, ist smart, riskiert auch mal was. Natürlich ist er etwas Besonderes, riskiert viel, sieht sehr gut aus und hart zu sich selbst wie zu seinen Mitarbeitern. Natürlich sind bei beiden die Familienverhältnisse nicht gerade "normal". Das kann sich alles super verpacken lassen. Er sorgt mit seinem Unternehmen dafür, die Konkurrenz großer Konzerne schlecht aussehen zu lassen, damit sie vom Markt verschwinden, und das mit nicht immer feinen Methoden. Selbstverständlich verlieben die Zwei sich ineinander. Dabei verläuft die Liebesgeschichte zwischen beiden wie in billigen Heftchen für den Nachmittag.

Die mandelförmigen Mandelaugen können nicht mandelförmiger sein, es klingt alles sehr platt. Nicky stammt aus einer Familie, die ihre bitterarmen Verhältnisse in Sumatra verlassen haben, um ein besseres Leben in den Niederlanden zu finden. Sie kann sich gegen böse Gangster wehren, mal besser, mal schlechter. Als sie aber ihren Bruder Henk aussperrt und er nicht in der Lage sein soll, eine Tür aufzubekommen, nur weil der Schlüssel ausgetauscht wurde, dann kommt mir das für einen Verbrecher doch eher unwahrscheinlich vor. Peter kümmert sich um seine schwerkranke Tante, hat sich mit seinem Cousin übernommen und diesen vor Jahren vor die Tür gesetzt. Dass sich dahinter eine unglaubliche Familientragödie verbirgt, kommt nach und nach ans Tageslicht. Aber nicht nur das.

Die Geschichte seiner Liebsten, die sich ihre Lorbeeren in seiner Firma verdient und seiner Familie, sie treffen irgendwann aufeinander. Dass Peter von seinen eigenen Mitarbeitern ausgetrickst wird, er jedoch bis zu Letzt nicht genau weiß, von wem, ist einer der spannenden Momente. Der Thriller hinter dem Familiendrama und der Liebesgeschichte gerät zu sehr ins Hintertreffen und wirkt auf mich zwar auf der Höhe der damaligen Zeit, aber zu banal beschrieben. Es geht um Erpressung, Wertevernichtung, Korruption, Kriege, Verschwörungen, kurz, alles was es auf dem Markt der Kriminalität so gibt. Voodoo trifft auf Wirtschaftskriminalität, dabei entsprechen einige Fakten in dem Roman der Realität und werden vom Autor im Anhang erläutert, wie auch die erwähnten realen Personen, die hier eine Rolle spielen, beschrieben werden.
Im Internet werden viele Seiten vorgeschlagen, sobald man den Namen des Autors eingibt, zum Beispiel https://de.wikipedia.org/wiki/Jussi_Adler-Olsen

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Tags: aberglauben, einfache verhältnisse, familienbanden, flucht, hintergehende gefolgschaft ,t, krankheit, mystik, schöne frau, übernahme, untergang, verführung   (11)
 

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günstiges leben, studium, wanderschaft, schreiben, italien

Mr. Noon

D. H. Lawrence ,
Flexibler Einband: 428 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 25.09.2007
ISBN 9783257226331
Genre: Klassiker

Rezension:

Dieses zwar unfertige aber doch recht ausgiebige Manuskript eines autobiografischen Romanes von D. H. Lawrence "Mr. Noon" mag fast 100 Jahre alt sein, ist aber aktuell wie nie. Er beschreibt mit seinen Figuren die Liebe zwischen ihm selbst und der Frau seines ehemaligen Professors, Frieda von Richthofen. Seine Sprache ist zum Teil schwierig, vor allem, da wir heute doch vermeiden, ständig Worte oder Satzteile zu wiederholen, so wie er es recht häufig tut. Es bildet aber auch die jeweiligen Gefühle, Mimik und Situationen sehr lebendig ab, als wäre ein Film direkt in Sprache umgesetzt worden. Das ausufernd oft genutzte und kursiv gestellte Wort "ach", das auch als Stoßseufzer verstanden werden kann, lässt er seine Protagonisten in jeder nur erdenklichen Situation gebrauchen. Was seinen Text so aktuell macht, sind die zum Teil kompromisslosen und doch manchmal angstbesetzten Personen vor der eigenen Courage und Mut, sein Leben so zu leben, wie es von der Gesellschaft eben nicht erwünscht und genehmigt ist. Junge Frauen und Männer, die sich am Abend in irgendwelchen Hauseingängen niederlassen um zu "schnäbeln" sich zu küssen, ein wenig befummeln, um dann unerkannt und schnell nach Hause zu entwischen, bevor die Eltern einen erwischen. Und das, obwohl bereits erwachsen, als Lehrer tätig, also bereits aus dem Teenageralter längst heraus. Zum Beispiel einer der ersten Freundinnen unseres Helden Gilbert.
Überhaupt kennt Lawrence, wenn es um die Umschreibung eines Geschlechtsaktes oder Flirtens Worte und Definitionen, die einem begreiflich machen, warum viele seiner Texte für einen Skandal gesorgt haben.
Eine Frau verlässt Mann und Kinder im fernen Amerika und flieht mit ihrem Freund immer wieder in neue Unterkünfte, um ihrer Familie und deren Werte und Wünsche zu entfliehen. Sie will eben nicht nur ein reiches und behütetes Leben, nicht nur einen Mann lieben, sondern so oft sie kann und will alle Männer haben, die sie lieben will. Frei sein, Abenteuer erleben, auch mal mit wenig Geld auskommen. Ihrem Gilbert macht das zwar oftmals Angst und Bange, doch auch er will sich nicht von seiner Umwelt vorschreiben lassen, wie er zu leben hat und wie er zu Geld kommen soll. Als Lehrer zu arbeiten mag er nicht mehr, lieber von seiner Musik und vom Schreiben seine Existenz bestreiten. Die Schwester seiner Liebsten schickt sie aus den Fängen der Familie auf Reisen, sie wandern, ohne vernünftige Ausrüstung und mit wenig Geld über Deutschland, die Alpen nach Italien. Dabei schlafen sie bisweilen in offen stehenden Heuschobern, kochen, was sie sich leisten können und testen so ihre Liebe. Leider endet der Roman just in dem Augenblick, als sie von ihrer Schwester ein Paket mit wunderbaren Kleidungsstücken geschickt bekommt. Ob sie sich doch wieder hätte verführen lassen vom Blendwerk der Mächtigen, Schönen und Reichen?
Deutschland kommt in diesem Roman denkbar schlecht weg. Die Romantik verloren, lieber technokratisch, bürokratisch und ein strammes Soldatenleben vorführend, das jegliche Regelverstöße streng bestraft. Für die damalige Zeit sicher so irritierend wie heute für uns andere Länder.
Ungewöhnlich ist auch die Art, wie er den Leser immer wieder direkt anspricht, so als wenn ein Schauspieler direkt in die Kamera schaut, in die Augen der Beobachter. Er nennt ihn den geneigten Leser, wobei er einmal keine Lust mehr dazu hat und uns, den Leser als knurrenden, fauchenden Höllenvogel und anderes mehr bezeichnet. Nur um sich später wieder dem geneigten Leser zuzuwenden. Für Freunde der nicht wirklich alternden Literatur.
Weitere Informationen zum Beispiel unter:

https://en.wikipedia.org/wiki/Mr_Noon

http://www.diogenes.ch/leser/autoren/l/dh-lawrence.html

https://de.wikipedia.org/wiki/D._H._Lawrence

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kalter krieg, handlanger des verführers, spion spion, öffnung der berliner mauer, feinde des landes

Allein gegen den Feind

Joe Navarro
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei mvg, 08.05.2017
ISBN 9783868827880
Genre: Sachbücher

Rezension:

So wie auch schon im Buch des Journalisten Jeremy Scahill „Schmutzige Kriege – Amerikas geheime Kommandoaktionen“ auf die aufeinander eifersüchtigen Ministerien und Institutionen in Amerika hingewiesen wurde, wird entsprechend auch im nachfolgend vorgestellten Buch hingewiesen. Und zwar mehr als einmal.
In dem von Ex-FBI-Agent Joe Navarro „Allein gegen den Feind – Wie ich den größten Skandal der USA aufdeckte“ geschriebenen, als Thriller deklarierten Buch, sind die Schwierigkeiten, die ein Ermittler zu ertragen hat, kaum verhüllt. Ob sich die Geschichte, ich ich in groben Zügen erläutere, tatsächlich so zugetragen hat, habe ich nicht recherchiert.
Um was geht es? Während des kalten Krieges wird Rod, in Deutschland stationiert, von einem seiner Kameraden angeworben, ihm dabei zu helfen, streng geheime Dokumente an den Feind zu verkaufen. Die Geschichte spielt um die Zeit 1988 bis 1990, und natürlich die Zeit davor, als Rod in Deutschland war. Wie er zur Spionagetätigkeit kommt, woher die Dokumente stammen, warum sie keiner vermisst, all das wird beschrieben. Nach einem Drogendelikt wird Rod aus der Armee entlassen und nach Hause geschickt. Der FBI-Agent Joe Navarro wird beauftragt, nachdem die Behörden auf Rod aufmerksam wurden, diesen zu befragen, ob er irgendetwas wüsste von dem inzwischen verhafteten Kameraden. Die Geschichte von Joe, ein Einwandererkind und sehr bemüßigt, ein guter Amerikaner zu sein, wird ebenfalls erzählt. Joe, der sich auf seine Fähigkeit verlässt, Verdächtige anhand ihrer Körpersprache zu analysieren, ist sich von Anfang an sicher, dass Rod schuldig ist. Denn er hat in einer bestimmten Situation während eines Gespräches verdächtig gezuckt. Am liebsten arbeitet er alleine, bei Rod aber gerne mit einem weiblichen Agenten, die für diesen einen Mutterersatz sein soll, Vertrauen aufbauend, ihn dazu zu bringen, Geheimnisse zu verraten und sich selbst gleich mit, damit Joe ihn ins Gefängnis bringen kann. Das alles ist gar nicht so einfach, wenn nicht die Geheimdienste, Außenministerium, Armeeverwaltung und noch viele andere Institutionen vor lauter Neid sich gegenseitig im Weg stehen würden. Noch dazu fällt die Berliner Mauer, der kalte Krieg endet, diese Art der Spionage, wie Rod und sein Kamerad es betrieben haben, wird nicht mehr benötigt. Aber Verbrechen ist Verbrechen und Joe versucht mit allen Mitteln Rod zu überführen.
Gleich auf den ersten Seiten finde ich Schreibfehler, was mich gar nicht mehr aufregt, wenn da nicht diese Bemerkung wäre, einen Text abschließend rückwärts zu lesen, eine von Navarro empfohlene gute Methode, um Tippfehler aufzudecken. Rod ist angeblich super intelligent und hat ein fotografisches Gedächtnis. Irgendwie kann ich es dem Autor aber nicht abnehmen. Wenn Rod wirklich so schlau ist, warum führt er dann dieses nicht gerade tolle Leben?
Der FBI-Agent wirkt eingebildet, arrogant, sehr von sich überzeugt. Nur die anderen Kollegen handeln uneinsichtig, in seinen Augen falsch und auf deren eigene Vorteile bedacht. Das wirkt nicht gerade sympathisch. Über den Schreibstil fallen mir Worte ein wie kernig, markig, für männliche Leser gedacht. Seinen Kolleginnen gegenüber verlangt er sehr viel ab, bewundert und respektiert sie aber gleichwohl. Bürokratie ist ihm ein Dorn im Auge, da kann er sich noch so sehr abstrampeln, aber wehe ihm fehlt der Beleg, dass mit seinem Fahrzeug die nötigen Untersuchungen getätigt wurden. Da kann man schon fast Mitleid haben. Über die immense Arbeitswut vergisst er seine eigene Familie, vernachlässigt seine Gesundheit, und ob er noch die Kraft aufbringt, diese Erkenntnisse zu erlangen, wird hier nicht verraten.
Über den Autor verrät uns die Internetseite https://de.wikipedia.org/wiki/Joe_Navarro einiges.



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schweden, krimi, stockholm, paul hjelm, mord

Falsche Opfer

Arne Dahl ,
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.04.2005
ISBN 9783492243766
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kurzrezi über Bomben, Liebe, Missbrauch, Fußballfans und ein wiedervereintes A-Team.
Das Buch von Arne Dahl „Falsche Opfer“ ist nun auch schon siebzehn Jahre alt, doch erst jetzt habe ich es mir ausgeliehen. Um die Jahrtausendwende waren internetfähige Handys noch nicht so oft zu haben, zumindest waren sie sehr teuer. Es ist witzig darüber nachzulesen, wie diese technische Weiterentwicklung der Mobile Phones einem Kriminalroman eine ganz neue Dimension schenkt.
Da habe ich mich beim Krimi von Ulrich Ritzel „Forellenquintett“ darüber mokiert, dass man zu viel von den vorhergehenden Teilen einer Serie wissen muss, um wirklich mitzukommen. Das ist hier bei Arne Dahl ganz anders und für mich wichtig, da ich die ersten beiden Bände dieser Reihe nicht gelesen habe. Immer wieder wird über kurze Rückblenden genauestens erläutert, wie der Stand des sogenannten A-Teams um seine Hauptermittler Paul Hjelm und Kerstin Holm nun ist. Wer mit wem gut arbeiten kann, wer wann wo strafversetzt wurde und nun wieder zusammenarbeitet. Selbst einer der bereits im Ruhestand befindlichen Kommissare muss zurückkehren, um die nun wieder zusammengeführte Truppe zu unterstützen.
Aber was ist nun in dem virtuos spannenden Krimi passiert? Viele Erzählstränge müssen zusammengeführt werden, das steht fest. Da wird ein Knastinsasse in die Luft gesprengt, aber derart präzise, dass ausschließlich dessen Zelle zerfetzt wird. Bei einer Kneipenschlägerei zwischen Fußballfans stirbt einer der Beteiligten und alle wollen nur noch raus. Doch was ist da tatsächlich passiert? Gibt es eine Verbindung zwischen den Vorfällen? Und dann passiert ein Massaker zwischen mindestens zwei rivalisierenden Banden, wobei es ebenfalls zu einer Explosion kommt. Die Zeugenaussagen bei den Vorfällen wollen einfach nicht wirklich passen, immer wieder stellen die Kollegen des A-Teams anhand von Zeichnungen die Sitzplätze des Kneipentatortes aller Zeugen zusammen. Ein wichtiger Zeuge, der angeblich still vor sich hin in einem Buch gelesen haben will und nichts mitbekam, ist unauffindbar. Und schließlich sind auch noch die Kommissare der Pädohilentruppe involviert sowie zwei Liebespaare, eines auf der Seite der Polizei, eines auf der Seite der Opfer? Oder doch Täter? Die Spuren führen ins ehemalige Jugoslawien und seinen Nachfolgestaaten, zu Pädophilen, korrupten Polizisten und vielem mehr. Das innig verliebte Polizistenpaar arbeitet in zwei verschiedenen Bereichen, das aber viel mehr miteinander zu tun hat, als es im ersten Augenblick erscheint. Doch da beide aus Respekt voreinander die Schweigepflicht penibel einhalten, kommt es fast zu Katastrophe.
Und die sehr teuren internetfähigen Handys, von denen ich am Anfang berichtet hatte, spielen auch eine wichtige Rolle. Wer sind diese Leute, die sie benutzen, als wäre es absolut nichts neues für sie, immer und überall vernetzt zu sein? Wie einfach es auf der einen Seite noch um das Jahr 2000 war, sich im World Wide Web zu verstecken, so schwierig waren wohl die Recherchen. Doch mit jedem Tag werden Erfahrungen gemacht, um die dunklen Stellen zu ermitteln, die Verstrickungen zu lösen, wie auch diesen komplexen Fall. Toll geschrieben bis zur letzten Seite. Falls also noch jemand dieses Buch nicht kennt, auf der Suche nach einem guten Kriminalroman ist, der liegt hier mit Sicherheit nicht falsch.
Im Netz findet sich genug über den Autor, trotzdem hier ein Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Arne_Dahl




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Tags: diebstahl, internetfähiges handy, irrungen und wirrungen, missbrauch, rache   (5)
 

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thriller, südtirol, krimi, dolomiten, debüt

Der Tod so kalt

Luca D'Andrea , Verena Koskull
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei DVA, 06.03.2017
ISBN 9783421047595
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Was für ein Einstieg in einen Thriller! Der Rückentitel lautet wie folgt: Drei grausame Morde in der kargen Bergwelt von Südtirol. Ein Dorf, das dreißig Jahre lang schweigt. Ein Fremder, der besessen davon ist, die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Der Krimi von Luca D'Andrea „Der Tod so kalt“ ist in Italien sofort in den Bestsellerlisten gelandet, Übersetzungsrechte wurden bisher in mehr als 30 Länder verkauft. Es ist der erste Roman des Autors, der damit direkt einen Hit gelandet hat, und das zurecht. Dabei ist seine Hauptfigur, der Drehbuchautor Jeremiah Salinger, nun wahrlich nicht immer sympathisch. Das liegt an der Hartnäckigkeit, mit der Salinger seinen Themen nachgeht, ob es nun beim Filmen mit seinem besten Freund Mike ist, oder Geheimnissen auf der Spur ist. Immer verlangt er von sich und seinen Freunden wie vermeintlichen Feinden alles ab.
Um was geht es? Jeremiah Salinger lebt in Amerika, hat eine deutsche Mutter, verliebt sich in eine Südtirolerin und macht mit seinem besten Freund Mike äußerst erfolgreich Filme über die Road Crew einer Rockband. Zwischen den abgedrehten Folgen seiner Filme heiraten er und seine Frau aus den Bergen, Anneliese, und bekommen eine Tochter, Clara. Irgendwann ziehen sie in das kleine Heimatdorf seiner Frau, wobei Salinger, so will er genannt werden, auf die Idee kommt, über Bergretter ebenfalls einen Film zu drehen. Dabei passiert ein Unglück, Salinger wird schwer traumatisiert. Seine Familie und sein Freund versuchen alles, damit er auf andere Gedanken kommt. Dabei kommt er mit einer alten Geschichte in Berührung, bei der auch sein Schwiegervater eine große Rolle spielt. Vor fast 30 Jahren kamen während eines schweren Gewitters drei junge Leute in einer unzugänglichen Schlucht ums Leben. Sein Schwiegervater war einer von vier Bergrettern, der die Toten fand. Die zwei Männer und die Frau wurden bestialisch umgebracht. Salinger will nun herausfinden, was da passiert ist. Aber er hat seiner Frau versprochen, ein Jahr zu pausieren, um wieder zu Kräften zu kommen und sein Trauma zu verarbeiten. Die Geschichte aber ist so interessant, dass Salinger nicht loslassen kann, er jeder vermeintlichen Spur nachgeht. So gut wie jedem in dem kleinen Dorf tritt er dabei auf die Füße. Ob das eine ehemalige Freundin eines der Bergretter ist, die die Toten gefunden hatten, oder dem großen Investor der Touristenattraktion im Ort, selbst in der Dorfkneipe ist er schon bald nicht mehr gerne gesehen. Und Anneliese droht damit, ihn zu verlassen, wenn er nicht endlich die Finger von der Geschichte lässt. Doch ohne jeden Zweifel kommt er der Lösung näher, auch wenn es ihn seine Gesundheit, seine Ehe, ja sein Leben kosten soll. Dabei fährt er so manches Geschütz auf, wird aufdringlich und unangenehm, sodass man ihn am liebsten selbst links und rechts ein paar runterhauen möchte. Mindestens aber schütteln und ihm sagen, dass er doch nicht so mit den Menschen umgehen darf, die ihn da bereitwillig als Schwiegersohn eines der wichtigsten Menschen vor Ort aufgenommen haben. Annelieses Vater hat nämlich die Bergrettung im Ort mit aufgebaut. So ist er überhaupt erst auf die Idee gekommen, einen Film über sie zu drehen. Selbst als die Sprache auf ein längst vergessenes Urzeitmonster kommt, wagt man nicht zu widersprechen, ist doch die Theorie gar nicht so abwegig hergeleitet.
Eine super spannende Geschichte, die alle paar Seiten eine neue Drehung erfährt und man bis zum Schluss zwar immer jemanden in Verdacht haben kann, doch jedes mal eines Besseren belehrt wird. Es gibt nur winzige Schwächen in der Dramaturgie, die mich eher schmunzeln lassen, mir aber den Lesespaß nicht im Geringsten verderben.


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eifersucht, nahost, zu viele ministerien, amerika, waffen

Schmutzige Kriege: Amerikas geheime Kommandoaktionen

Jeremy Scahill
E-Buch Text: 618 Seiten
Erschienen bei Verlag Antje Kunstmann GmbH, 15.10.2013
ISBN 9783888978883
Genre: Sonstiges

Rezension:

Aufgrund der Krisen in der islamischen Welt möchte ich auf folgendes Buch aufmerksam machen, das rückblickend aus der Sicht des investigativen Journalisten Jeremy Scahill „Schmutzige Kriege – Amerikas geheime Kommandoaktionen“ auch auf die heutige Lage zwischen diesen Regionen erhellend wirkt.

Der Autor beschreibt auf etwa 600 Seiten sehr detailliert und dokumentarisch den Krieg der USA gegen den Terror. Die ausführlichen Recherchen reichen vom 11. September 2001 bis ins Jahr 2011 und zeichnen das Bild eines brutalen Krieges, dessen Schlachtfeld die ganze Welt ist. Wir erfahren viel über die Arbeitsweisen von Geheimdiensten und Spezialeinsatzkommandos, von denen bisher die wenigsten von uns etwas gewusst haben könnten. Diese Spezialtruppen agieren weitgehend unabhängig voneinander und außerhalb des Einflussbereiches der politischen Entscheidungsträger. Die Koordination untereinander ist dürftig. Jeder hält seine Truppe für die beste. Es werden Terrorverdächtige eingesperrt und brutal gefoltert. Es gibt weder Anklagen noch Gerichtsurteile. Keine Möglichkeit, sich zu verteidigen, falls die Vorwürfe unbegründet sind. Viele landen auf einer Todesliste und werden durch Cruisemissiles oder Drohnen exekutiert. Es kann dabei auch schon mal eine Hochzeits- oder Trauergesellschaft als Kollateralschaden liquidiert werden. Aber dieser Krieg gegen den Terror produziert in der Bevölkerung der betroffenen Länder auch Hass gegen die USA und die westliche Welt und an die Stelle eines getöteten Terroristen treten viele neue. Ein Fass ohne Boden.

Der Autor beschreibt über das ganze Buch hinweg die Lebensgeschichte von Anwar Awlaki, einem in den USA geborenen und aufgewachsenen jungen Mann mit jemenitischen Eltern. In seiner Jugend war er ein überzeugter Amerikaner, gebildet und weltoffen. Doch das harte Vorgehen der USA gegen Terroristen in islamischen Ländern enttäuscht ihn zutiefst und er kehrt zurück in den Jemen zu seiner Familie. Er ereifert sich für den Islam und wird zum Prediger. Seine Wortgewandtheit beschert ihm viele Anhänger, die sich durch seine Reden teilweise zu gewalttätigen Aktionen ermutigt fühlen. Sehr zum Missfallen der Geheimdienste. Er wird gejagt und durch eine US-Rakete letztendlich in die Luft gesprengt. Awlaki hat in seinen Predigten gegen den Westen agitiert, aber er hat nie selbst terroristische Aktionen befohlen oder ausgeführt. Für ein Verbrechen wurde er niemals öffentlich angeklagt oder verurteilt.

Kurze Zeit vor Awlakis Tod hat sein Sohn noch versucht, seinen Vater in dessen Versteck zu besuchen. Eine US-Rakete ließ von dem unbescholtenen amerikanischen Teenager nicht viel übrig. Ein Missverständnis, so die Behörden.

Der Autor widmet sich auch dem spektakulären Ende von Osama bin Laden in seiner Villa im pakistanischen Abbottabad. Niedergestreckt durch eine brisante, präzise und professionell ausgeführten Kommandoaktion der Navi-SEAL's. Aber das ist nicht das Ende dieses Krieges.

Einem langen Epilog und Abkürzungsverzeichnis folgt ein umfangreiches Literaturverzeichnis, das dem Leser das Recherchieren leichter macht. Zu allen 50 Kapiteln sind Quellenangaben verzeichnet und auch zum Epilog. In Zeiten von Fake News, bei der man jeder veröffentlichten Nachricht, nicht nur aus Amerika, kritisch gegenüber stehen muss, ist es schon eine Offenbarung und zeigt, wie wichtig unabhängiger Journalismus und kritische Berichterstattung sind.

Eine Dokumentation in der ARD über Inhalte dieses Buches findet man zum Beispiel unter https://www.youtube.com/watch?v=bxVbUXI8x5c
sowie Beispielhaft eine weitere Buchbesprechung unter http://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/jeremy-scahill-schmutzige-kriege-risiken-und-nebenwirkungen-12781536.html
das Autorenporträt unter http://www.kunstmann.de/titel-0-0/schmutzige_kriege-997/

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Tags: amerika, eifersucht, falsche freunde, islam, krieg, nahost, waffen, zu viele ministerien   (8)
 

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rupi kaur, mur, feelings, missbrauch, kaur

milk and honey - milch und honig

Rupi Kaur
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Lago, 10.04.2017
ISBN 9783957611734
Genre: Romane

Rezension:

Kaum Satzzeichen, kaum Großbuchstaben, mal nur Zweizeiler, mal eine Seite lang Poesie. So gestalten sich die Texte von Rupi Kaur in ihrem Buch „milk and honey/mich und honig“. Nun werden sich manche Leser fragen, wie sie dann den Sinn ihrer Sätze erfassen sollen, doch das ist kein Problem. Die vier großen Themen, die in ihrem Werk behandelt werden, vom Schmerz, der Liebe, vom Zerbrechen und der Heilung sind zum Teil mit einer Wucht, die einen zusammenzucken lässt.
Vom Schmerz des Missbrauches, sei es körperlich, seelisch, mit Worten, Taten oder Unterlassen, das kann man nachspüren, empfinden, mit ihr weinen. Genauso verhält es sich bei ihren anderen Kapiteln. Umrahmt werden diese mit ihren eigenen Zeichnungen, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Sexuelle Gewalt in jeglicher Form, auch deren Duldung in einer Gesellschaft, das ist einer ihrer Hauptanliegen, das offen zu legen. Das ist natürlich nicht neu, doch von ihr anders aufgegriffen. Ihr Spiel mit den Worten gleicht einem Tanz mit vielen Partnern.
Die Umschlaggestaltung und Zwischenseiten sind hauptsächlich mit schwarzem Papier und weißer Schrift gehalten, was den Leser zwingt, seine Augen, seine Sichtweisen umzustellen. Die Texte und Grafiken sind wie üblich gestaltet, das Buch in handlichem Format. Jede Seite beinhaltet eine Geschichte beziehungsweise wenige Worte, die ausreichen, um die Phantasie des Lesers anzuregen. Manchmal steht der Text mitten in ihrer Grafik, die im Zusammenspiel verstörend wirken. Sie sollen ja auch aufmerksam machen, aufrütteln, die Worte schreien vor allem regelrecht ihre Wut, Aggressionen, Hilflosigkeit heraus. Man bekommt eine Ahnung, welche Gewalt in einer Familie herrschen kann, genauso wie durch Fremde, Freunde, Bekannte. Aber die Autorin zeigt auch Wege auf, damit fertig zu werden.
Ihre Sehnsüchte nach einer heilen Beziehung, die ewig halten soll erscheinen einem fremd, doch ihre Argumente sind einleuchtend. Denn warum erst hat sich der Mann um sie bemüht, wenn er es nicht ernst mit ihr meint? Die Schwierigkeit damit umzugehen, dass es doch nicht passt, zwischen zwei Liebenden, das Zerbrechen einer Liebe, das einhergeht mit dem Zerbrechen von Vertrauen in die Zukunft, in eine neue Liebe, das fragt sie sich, wie soll das gehen?
Für sie liegt die Chance in der Heilung. Zu sich zu kommen, sich selbst zu lieben, zu sich zu stehen. Dass das alles nicht einfach ist, sondern sie sich immer wieder hinterfragt, aber auch immer wieder Mut macht, sich auffordert zu sehen, was für ein toller Mensch sie ist, wir alle sind, damit kommt das Buch fast zum Ende. Ganz zum Schluss kommt ein Liebesbrief, von ihr an ihre Leser, ihr Dank, dass wir uns mit ihr befasst haben, den Mut gefunden haben durchzuhalten. Quasi zu uns selbst zu stehen. Immerzu.

Reime finden wir hier nicht, dafür machtvolle Sätze, die uns einprägsam erläutern, wie furchtbar es ist, wenn Menschen ihre Macht gegenüber anderen ausüben, wie sehr wir uns nach Liebe und Zufriedenheit sehnen, aber auch, wie einfach es ist, diese Träume immer wieder zu zerstören.

Ein Buch, zum immer wieder in die Hand nehmen, aufschlagen und ein paar Seiten lesen und wirken lassen. Weitere Informationen finden sich zum Beispiel unter: https://www.rupikaur.com/ und unter: https://www.facebook.com/rupikaurpoetry/

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volksstämme, farmer, weites land, farmermorde, botswana

Weinende Wasser

Karin Brynard , Dietmar Schmidt
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 10.06.2016
ISBN 9783404173655
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Von einer Freundin zugesteckt bekommen mit den Worten „lies das mal, Du warst doch auch schon dort“. Ja, in Südafrika und Namibia hielt ich mich nach der Jahrtausendwende mehrere Wochen auf. Und der Kriminalroman von Karin Brynard „Weinende Wasser“ spielt in der Provinz Nordkap von Südafrika, angrenzend an Namibia und Botswana.
Ein Inspector, Beeslaar, auf der Flucht vor seiner Vergangenheit, die manchmal aufblitzt und man annehmen kann, dass sie in Folgebüchern noch näher thematisiert wird, lässt sich aufs Land versetzen. Das es auch hier nicht wirklich ruhig zugeht, wird ihm fast sofort vermittelt. Hier kommen aber auch noch die schier unermesslichen Weiten, schlechte Ausstattung, ungeschultes Personal und ein Chef hinzu, der nicht gerade leicht zu erreichen ist. Farmermorde machen ihm zu schaffen. Dazu kommen noch die immer wieder aufflammenden, eigentlich nie erloschenen Fehden nicht nur zwischen Einheimischen und Eingewanderten, sondern unter den verschiedenen Volksstämmen. Als eine Weiße und ihr adoptiertes Kind auf grausame Art ermordet werden, die Tat auch noch auf ein Ritual hinweist, wird es wirklich eng für Beeslaar. Er muss sich mit seinen zwei Metern in viel zu enge Fahrzeuge quetschen, bei einer für ihn unerträglichen Hitze, vermitteln zwischen aufgebrachten Siedlern, die am liebsten selbst wieder zu den Waffen greifen wollen. Die alte Ordnung wieder herstellen. Was steckt hinter dem Mord an Frederika und ihrer Tochter? Ihre Schwester Sara, die sich vor einiger Zeit mit Frederika verkracht hat, macht sich untröstlich an die Aufgabe, die gemeinsame Farm aufzuräumen, Hinweise auf die Täter zu finden und dem wahren Grund für den Mord herauszubekommen.
Was mir besonders gefällt, ist die Beibehaltung der sprachlichen Besonderheiten, die der Übersetzer Dietmar Schmidt durchgehend verwendet hat. Die Anreden für die verehrten Älteren ebenso wie die ortsbezogenen Bezeichnungen für Herr und Frau XY. Dadurch lebt der Roman tatsächlich in Südafrika und ist nicht einfach nur übersetzt. Die Autorin lässt uns schwitzen, man möchte ständig nach Wasser greifen und schmeckt doch auch das beschriebene fast ungenießbare Nass, das vor Ort bereit steht. Man möchte mit dem Vormann der Farm, einem kleinen drahtigen und klugen Kerl mit Namen Dam, die Weiten der südafrikanischen Wüsten durchstreifen, vielleicht streift ja ein Schakal unseren Weg. Die Liebe zu ihrem Land fängt die Journalistin und jetzt schon einige Jahre auch als Autorin wirkende Brynard in den vielen Kleinigkeiten ein und lässt uns daran teilhaben. Aber auch wie die Menschen mit ihrer nicht einfachen Vergangenheit umgehen, der Jahre der Apartheid und deren Bewältigung, die noch andauern wird. Eifersucht, Neid, uralte Besitzansprüche, die Macht derer, die auf Grundstücken mit Wasser sitzen, das war wohl ausschlaggebend für die Namensfindung des Buches und der darin als Hauptschauplatz spielenden Farm.
Wer mehr haben möchte als einen reinen Kriminalfall ist hier gut aufgehoben, sofern man sich auf die teils eigentümliche Sprache einlassen möchte. Spannend bis zum Schluss, obwohl immer mal wieder eine Lösung hindurch blitzt, die dann doch wieder ganz anders aussieht.
Zum Glück gibt es bereits einen weiteren Band, „Masken der Furcht“ erscheint wohl Ende des Sommers. Und als E-Book ist es auch erhältlich, was sich meiner Meinung auch sehr dafür eignet.

Informationen über die Autorin, die bei Kapstadt lebt, finden sich im Netz. Über das Thema zu den vielen Morden an Farmern findet sich zum Beispiel unter http://www.zeit.de/2012/07/DOS-Farmermorde



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