Buecherspiegels Bibliothek

252 Bücher, 210 Rezensionen

Zu Buecherspiegels Profil
Filtern nach
252 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

beweglich, bewegungsapparat, sachbuchm populärwissenschaftlich

Genial beweglich!

Hanno Steckel
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Droemer, 03.04.2018
ISBN 9783426277546
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Italienische Verlockung

Wilhelm Schöttler
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Bookmundo Direct, 09.02.2018
ISBN 9789462540972
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

58 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 4 Rezensionen

frankfurt, krakau, deutschland, entführung, polen

Wintermörder

Krystyna Kuhn
Flexibler Einband: 412 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 08.01.2007
ISBN 9783442462414
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

thriller

Die Jägerin

Mark T. Sullivan
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Goldmann
ISBN 9783442445202
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Urlaub gelesen: Teil 1 Kurzrezi von „Die Jägerin“, Autor: Mark T. Sullivan

Ein Roman, ein Thriller, bei dem es in diesem kalten Frühjahr auch nicht wärmer wird, spielt es doch im sehr kalten November im Norden Kanadas. Mehrere Jäger, die für einen Ausflug zur Hirschjagd eine Menge Geld hinlegen mussten, lassen sich in eine Einöde fliegen, abgeschnitten von jeglicher Zivilisation. Die Zeit, in der dieser Roman spielt, ist noch weit weg vom permanenten Anschluss via Internet und Co. Es sind in der Hauptsache Männer, die sich beweisen wollen, aber auch zwei Frauen, die sich der Natur stellen.
Eine davon ist Diana Jackmann, ihr Indianername lautet Little Crow. Sie ist mit den Riten der Jagd im Einklang mit der Natur bestens vertraut. Dass sie nun keinerlei Kontakt mit der nächsten Polizeistation aufnehmen können, erweist sich als großer Fehler. Macht doch auf die gesamte Truppe, auch auf die Bediensteten, jemand Jagd. Nachdem es bereits mehrere Opfer gegeben hat, will Diana sich auf ihre indianischen Wurzeln besinnen und ihrerseits Jagd auf den Jäger machen.
Jeder der Protagonisten hat natürlich seine Gründe, warum er oder sie an dieser Jagd auf Hirsche mitmachen will. Diana kämpft mit ihrer Vergangenheit, ein anderer will endlich seine Männlichkeit unter Beweis stellen, alte Freundschaften wollen wiederbelebt beziehungsweise erhalten werden, eine Ehe wird auf ihre Festigkeit erprobt. Und mindestens jeder Zweite hat ein Geheimnis, der irgendwie mit den brutalen Morden zusammen hängt.
Die Jagd selbst als solches wird Infrage gestellt, ob sie noch zeitgemäß ist, liegt doch das Fleisch bequem in den Kühlfächern eines jeden Einkaufsmarktes. Die Rituale verschiedener Indianervölker werden vorgestellt, was diesem Thriller das Romanhafte gibt. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit Dianas ist ein weiterer Erzählstrang, der sich bis zum schmerzhaften Ende durchzieht. Natürlich wird das als positiver Effekt der Erlebnisse dargestellt.
Lesenswert mit teilweisen Längen, für Schneeliebhaber und Einsamkeitsfreudige ein Genuss.

Mehr über den Autor zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Mark_T._Sullivan

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

29 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Leona

Jenny Rogneby , Antje Rieck-Blankenburg
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.11.2016
ISBN 9783453420601
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

22 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

homöopathie, krimi, fallsucht, hinterlassene kinder, globuli

Nichts drin

Irene Matt
Fester Einband: 361 Seiten
Erschienen bei Verlag am Eschbach, 22.02.2017
ISBN 9783869175539
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Achtung, mit Spoilern gespickte Rezension über das Buch von Irene Matt „ Nichts drin?“ mit dem Untertitel „Ein Homöopathie-Krimi“. In diesem handlichen, schön gebundenen Buch, es fehlt eigentlich nur noch das Trennbändchen, habe ich, dem Rückentitel entsprechend, einen spannungsgeladenen Krimi der Sonderklasse erwartet. Bereits in der zweiten Auflage gedruckt, hat es sicherlich schon einen guten Leserkreis gefunden.

Um was geht es? Die Kommissarin Alexandra Rau und ihr Kollege Isidor Rogg sind mit merkwürdigen Suiziden konfrontiert. Der Erste ereignet sich auf einem Bauernhof, die Ehefrau des Bauern hat sich erhängt, trotz drei kleinen Kindern, die sie mit in die noch nicht lange bestehende Ehe gebracht hat. Der zweite Fall kann man in der Tat so nennen, hat sich doch ein Banker aus dem Fenster seines Büros gestürzt, die Fallhöhe und die Bodenstruktur haben seinem Leben unrettbar das Ende bereitet.

Der gute Isidor treibt seine Kollegin mit seinem Hobby, der Etymologie, nachzulesen zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Etymologie, in den Wahnsinn. Karotte kauend erklärt er mit hohem Sachverstand die Herkunft einzelner Wörter oder Wortgruppen. Frau Rau hingegen ist lange Zeit auf der Suche nach einem verloren gegangen Ohrring, was ihr noch viel Ärger und Verdruss einbringen soll.

Unterbrochen werden die Kapitel, bei denen Rau und Rogg ermitteln, von sogenannten „Schnappschüssen“. Hier begleiten wir eine Frau, die sich nur noch schwer zusammenreißend durch den Alltag schleppt, gerade noch die Wohnungstür zuschlagen kann, um sich dann einem Fotoalbum zu widmen. Sie ist eine seit der Kindheit schwer traumatisierte Frau, die, nach dem Tod ihres über alles geliebten jüngeren Bruders, viele seelische Grausamkeiten durchleben muss. Angepasst an die Begebenheiten des Lebens, fehlt eigentlich nur noch ein Zündfunken, um das Kartenhaus zum Einsturz zu bringen. Welche Rolle spielt diese schwer erschütterte Frau in dieser Geschichte?

Das alles wirkt spannend, man will weiterlesen, erfahren, was es mit dem Tod der Frau auf dem Bauernhof auf sich hat und was mit dem Tod des Bankers. Bei den Ermittlungen stoßen sie auf ein geöffnetes Fenster in dessen Büro, doch angeblich war niemand bei ihm. Ein Besuchstermin lag in der Früh, als es geschah, noch nicht vor. Erfahrene Krimi-Leser würden nun erwarten, dass Rau die Techniker die Fensterrahmen auf Fingerabdrücke hin untersuchen lässt, das aber findet nicht statt. Etwas Anderes weckt ihre Aufmerksamkeit. Eine Flasche Wasser und ein Glas. Und noch etwas ist merkwürdig: Beide Opfer kannten sich, die Bauersfrau wollte einen Kredit erstreiten, um ein neues Leben anzufangen.

Rau und Rogg befragen die Sekretärin vom Banker, seine Kollegen, seine Frau. Der erste Suizid gerät in den Hintergrund. Und eigentlich sollen sie beide Fälle sogar abschließen, denn neue Morddelikte warten auf ihre Aufklärung. Rau macht sich zwischenzeitlich auf die Suche nach ihrem Ohrring und gerät unverhofft in eine Situation, die ihr die Täterin auf dem Servierteller präsentiert. Diese offenbart ihr nun, dass sie den Banker mit einem Homöopathischen Mittel umgebracht haben will. Die Hintergründe erst mal außer Acht lassend, hätte ich mir eine vertiefende Einsicht in die Bezugspersonen der Täterin gewünscht, um deren Meinungen zur Tat zu erfahren. Statt dessen wird sehr ausführlich, zwar aus nachvollziehbarem Grund, auf einen weiteren Protagonisten eingegangen. So will uns die Autorin auf die Homöopathie und deren Für und Wieder einstimmen. Für meinen Geschmack wird diese Person viel zu spät in die Geschichte eingewoben.

Im Klappentext wird von mehreren medizinischen Gutachtern gesprochen. Ja, es waren genau Zwei. Für Verteidigung und Anklage nehmen seitenlange Statements über die Wirksamkeit von Globulis bei einem herbeigeführten Suizid ihren Platz im Buch ein. Ist es wirklich möglich einen Menschen so zu "ermorden"? Beide Gutachter schildern die üblichen Sachstände der jeweiligen Wissenschaft und bereiten dem zuständigen Richter sowie seinen Kollegen und den Schöffen ordentlich Kopfzerbrechen. Wie werden sie entscheiden? Leider werden nur die Möglichkeiten Verurteilung wegen Mordes oder Freispruch vorgesehen, Totschlag oder Körperverletzung mit Todesfolge wird gar nicht erst in Betracht gezogen.

Besonders ärgerlich sind die vielen Flüchtigkeitsfehler, die sich häufen. Falsch gesetzte Satzzeichen sowie falsche Trennungen, fehlende Buchstaben und Wörter. Wieder muss festgestellt werden, wie viel ein gutes Lektorat Wert ist. Unglaubhaft ist, dass eine der Sekretärinnen bei einer Vernehmung redet wie ein Wasserfall, ein paar Seiten später aber als unnahbar bezeichnet wird. Während des Prozesses werden die Kommissare Rau und Rogg hinaus gebeten, da sie im Laufe des Tages als Zeugen vernommen werden sollen. Sie konnten also gar nicht im Gerichtssaal sitzen, als der Staatsanwalt die Anklageschrift vorlas. Und doch waren sie über einen Punkt erschrocken, den der Staatsanwalt erwähnte. Wie kann das sein, saßen sie doch im Gerichtsflur. Waren sie doch einige Seiten davor definitiv aus dem Raum verwiesen worden. Und für die Aufklärung des ersten Suizides, an den sich Rau hin und wieder erinnert, da müssen wir wohl noch etwas Geduld aufbringen. Die durchaus spannende Geschichte weist Schwächen auf, Widersprüche lassen einen hadern.

Weitere Informationen über die Autorin und ihre weiteren Bücher finden sich unter: www.irenematt.de

  (0)
Tags: banker, bergwandern, fallsucht, globuli, hinterlassene kinder, richter, schöffen, suizide, traumata , homöopathie   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

A115 - Der Sturz

Thomas Middelhoff
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Langen-Müller, 27.10.2017
ISBN 9783784434322
Genre: Biografien

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

lissabon, cia, beirut, krieg, libanon

Portugiesische Eröffnung

Jenny Siler , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.07.2008
ISBN 9783596177158
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Einband zu Jenny Silers Thriller „Portugiesische Eröffnung“ steht geschrieben:
Jenny Silers atmosphärischer Thriller erzählt die Geschichte eines großangelegten Verrats, der der Vorbereitung des Irakkriegs dient. Die Suche nach der Wahrheit führt ihre Heldin zum ersten Golfkrieg und den Konflikten im Libanon der achtziger Jahre, wobei sie auch den Geheimnissen ihrer Familie auf die Spur kommt. Mehr zur „Portugiesischen Eröffnung“ beim Schachspiel findet sich unter https://de.wikipedia.org/wiki/Portugiesische_Er%C3%B6ffnung

Jenny Silers Heldin, Nicole Blake, wächst zum Teil im Libanon auf. Als Tochter einer alleinerziehenden Mutter die es in den Westen zieht, doch irgendwann zurückkehrt in ein Land, das immer wieder vom Krieg bedroht wird, lernt sie beide Seiten kennen: den Westen wie den Nahen Osten. Unterschiedliche Interessen verschiedener Religionen, ausländischer Mächte und Intrigen, die im Libanon miteinander und gegeneinander spielen, wird Nicoles Mutter aber Opfer eines Bombenattentats. Das alles passiert im Dunstkreis des großen Anschlages auf die amerikanische Botschaft in Beirut 1983. Jahre später erinnert ein amerikanischer Agent, Valsamis, Nicole an den Tod ihrer Mutter, um sie zu bewegen, weitere schlimme, weitaus größer angelegte, Anschläge zu verhindern. Das soll dadurch geschehen, indem sie Valsamis ihren Ex-Freund, Rahim Ali, ausliefert, einem Dokumentenfälscher, der nun unter Terrorverdacht steht.

Siler schreibt rund um diesen Anschlag, der damals dreiundsechzig Menschen das Leben gekostet hat, einen lesenswerten Nahost-Thriller, der die damalige Meinungsmelange abbildet. Wer wollte was warum und wann, welche Mächte, vor allem, was wollte Amerika wirklich und wie wirkten sich ihre Entscheidungen aus, die sie aufgrund des Anschlages, der 17 Amerikaner getötet hatte, fielen? Jetzt, zehn Jahre nach Veröffentlichung ihres Krimis, sieht man so manches anders, stehen viele Konsequenzen in einem anderen Licht. Versteht man die Reaktionen, die Siler ihren Protagonisten zuschreibt, besser.

Nicole reist an den Ort zurück, wo sie Rahim vermutet, nach Lissabon. Dafür verlässt sie ihr geliebtes Bauernhaus in den französischen Pyrenäen, wohin sie sich nach einem Gefängnisaufenthalt zurückgezogen hat. Auch sie ist eine gewiefte Dokumentenfälscherin. In Lissabon geht sie ihre alten Wege nach, besucht alte Freunde, im Bewusstsein, dass sie ihnen nun, da sie im Gefängnis war, nicht mehr trauen. Und doch findet sie Rahim, bevor er erschossen in ihre Arme sinkt. War Valsamis der Täter? Aber warum? Siler gelingt es, dort wo es nötig ist in die Tiefen, ins Kleinteilige zu gehen um dort, wo es angebracht ist, Zeit und Raum wie mit einem Weitwinkelobjektiv zu vergrößern. Dafür braucht sie nicht zu viele, sondern nur knapp 270 Seiten, bei der sie uns die Schachzüge Valsamis und seiner amerikanischen Freunde vorführt, die Nicole und ihre Familie und Freunde als Bauernfiguren fallen lassen wollen. Wenn sie sich da mal nicht getäuscht haben.

Für Verschwörungstheoretiker ist dieses Werk ein Beweis für die jetzige Situation, die nicht nur im Nahen Osten für Krieg und Zerstörung sorgt, sondern auch die Folgen des Flüchtlingsstroms mit all seinen Problemen und Sorgen, die aus Nebensätzen Silers plötzlich ganz laut zu schreien anfangen. Ungemein spannend und wie ein Ruf aus der Vergangenheit für die Zukunft mutet ihr Buch an, aufklärend die Rolle der USA im Nahostkonflikt beschreibend.

Über Jenny Siler findet sich vieles im Internet, auch beim Fischer Verlag, bei dem das Buch erschien.







  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Gesammelte Erzählungen

Siegfried Lenz
Fester Einband: 632 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe
ISBN 9783455042153
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Das Vorbild

Siegfried Lenz
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.08.2018
ISBN 9783455003253
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

36 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

täter, psychiatrie, forensik, mord, opfer

Der Augenblick

Irene Matt
Flexibler Einband: 249 Seiten
Erschienen bei Schardt, M, 01.12.2017
ISBN 9783961521241
Genre: Romane

Rezension:

In „Der Augenblick“ beschreibt Irene Matt wie es ist, von einem Augenblick zum Nächsten von einer unbescholtenen Person zum Verbrecher/zur Täterin zu werden. Um anschließend von der Gesellschaft vorverurteilt und vom Staat entsprechend behandelt zu werden. Doch Täter ist nicht gleich Täter. Manchmal liegen tief in uns begraben Gründe, warum bei einem Menschen ein Schalter umgelegt wird und „es“ passiert. Danach stehen die Täter da und wir selbst, die Gesellschaft, die Opfer (sofern sie es noch können), die Hinterbliebenen, Angehörige beider Seiten also, können nicht begreifen, wieso die Tat geschah.

Hier setzt nun der von Irene Matt, in einem Roman versteckten, Kriminalgeschichte diese Thematik an. Dabei erscheint mir dieser wie eine Kunstform, eine Mischung aus Krimi, Roman und verschachtelten Kurzgeschichten, die Sachbuchthematiken einen Rahmen geben will. Jegliche philosophische Grundprinzipien bekommen hier ihre Möglichkeit sich einzubringen. Was ist gut, was schlecht, welche Möglichkeiten könnte, sollte, müsste der Staat bieten, um nicht alle Verbrechen und die Täterschaft über einen Kamm zu scheren. Das ist zum Teil schwer zu ertragen, denn alle Taten könnten oder sind so passiert, wie geschildert. Vorstellbar sind sie allemal.
Zum Inhalt: Die Hauptkommissarin Alexandra Keller ist urlaubsreif, so schaltet sie ihr Handy aus, packt ihren Koffer und erholt sich. In der Zwischenzeit wird ein Kind ermordet, die Umstände der Tat wie auch das Auffinden der Leiche mysteriös. Trotz aller Möglichkeiten der Polizei findet sich der Täter nicht. Erst als die Person, Renate Weiss, sich selbst in Begleitung eines Geistlichen, Pater Pirmin, die Tat gesteht, kann das Verbrechen aufgeklärt werden. Schon die Erzählweise, bis die Tat geschieht und die Begebenheiten danach, lassen einen kalte Schauer über den Rücken gleiten.

Doch die Aufklärung ist nicht das Ende, hier beginnt die eigentliche Geschichte erst. Einer der Ausbilder von Keller, der Fallanalytiker Hermann Rau, möchte bei einem Therapie-Projekt herausfinden, warum das Kind zum Opfer von Renate Weiss wurde. Und nicht nur diese, sondern fünf weitere Kandidaten, alles Personen mit für Außenstehende unbegreiflichem Tathergang, hat Hermann Rau sich ausgesucht. Bei allen sieht Rau die Möglichkeit einer Resozialisation nach einer Therapie. Mit eingebunden ist ein forensischer Psychiater, Nikolaus Kleeberg, der den Advokatus Diaboli unserer Autorin gibt. Allerdings ist dieser Protagonist so überzeichnet dargestellt, dass man sich kaum vorstellen kann, ausgerechnet eine so überhebliche, von Neid und Missgunst zerfressene Person in der Forensik vorzufinden. Es beginnt nun die Arbeit der Psychotraumatologie in Einzelgesprächen, die nicht dargestellt werden, dafür Beispiele aus der Gruppenarbeit sowie die Tagebuchführung der Renate Weiss. Auch Träume der Teilnehmer werden analysiert und hinterfragt. Am Ende weiß auch Renate Weiss, warum gerade sie zur Täterin geworden ist. Und die Moral von der Geschicht? Die kann sich jeder bei jedem der sechs vorgestellten Fälle selber bilden.

Die Theatralische Einleitung des Klappentextes stimmt, wie bei vielen Büchern, nicht so wirklich, es kommt ganz anders als man vermutet, aber da kann auch eine gewisse Absicht dahinter stecken. Auf jeden Fall macht Irene Matt anhand ihres Therapie-Krimis deutlich, wie sehr ihr die ehrenamtliche Tätigkeit als Telefon- und Krisenseelsorgerin sowie als Mediatorin, am Herzen liegt.

Ärgerlich sind beim Lesen logische Ungenauigkeiten wie zum Beispiel die Zeitspanne des Urlaubs der Hauptkommissarin. Da fragt man sich, welches Lektorat hier am Werk war. Auch stolpert man über einen Absatz, der eindeutig zum Löschen vorgesehen war und einem nun ein regelrechtes Augenstolpern beschert. Die wiederholten Anmerkungen über die Ehescheidung Kellers sind nervig. Das Satzzeichen falsch gesetzt werden, ist in neueren Veröffentlichungen fast schon Standard geworden, wie auch fehlende Worte oder sonstige Schreibfehler. Wer einen anderen Roman von Irene Matt bereits gelesen hat, bemerkt den Unterschied zwischen den Schriftbildern sofort, ebenso den Stil der Überarbeitung.


Weitere Informationen über die Autorin und ihre weiteren Bücher finden sich unter: www.irenematt.de

  (0)
Tags: forensik, kriminalfall, psychiatrie, täter, täterin, täterpsyche, warum man zum täter wird   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Im Spinnennetz der Geheimdienste

Patrik Baab , Robert E. Harkavy , Patrick Zwingmann
Audio CD: 8 Seiten
Erschienen bei ABOD Verlag, 05.01.2018
ISBN 9783954715916
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

China - 210 Tage hinter Gittern

Hamza Özyol
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 23.06.2017
ISBN 9783744836548
Genre: Biografien

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

chocolade, johannlafer, plätzchen, kuchen, getränke

Chocolade - Eine Liebeserklärung in Rezepten von Johann Lafer

Johann Jafer
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli GmbH, 01.01.2011
ISBN 4000539818516
Genre: Sonstiges

Rezension:

Heut will ich Euch verführen.

Genuss pur bedeutet genießen ab und an. Nicht jeden Tag, sondern wenn die Zeit, Geduld und Muße da ist, sich etwas besonderes zu gönnen.
"Chocolade" präsentiert mit 62 erlesenen Rezepten in vier Kapiteln pure Verführung: Kuchen und Torten, Kleingebäck, Desserts und Plätzchen aber auch trinkbare Rezepte haben ihren Weg ins Buch gefunden. Daneben vermittelt es alles, was man wissen muss über Chocolade, und bietet Tipps und Tricks, damit alles perfekt gelingt. Hier wird Johann Lafer als außergewöhnlicher Künstler der Süßspeisen beschrieben, wie er in der Küche dirigiert, da kann das Ergebnis nur eine kulinarische Offenbarung sein.

Dazu passen die Fotos, zu denen man am liebsten hineinkriechen möchte, einmal probieren, ob dieses oder jenes Rezept einem mundet. Vom Schwierigkeitsgrad her ist alles dabei, auch von den Zutaten her günstigere und teurere. Durch gute Tipps bei vielen Rezepten fühlt man sich animiert, die Zubereitungszeiten helfen bei der Planung. Gerade weil das Buch nicht überladen ist mit Rezepten kann man sich eher vorstellen einige davon auszuprobieren, oder Andere in Versuchung bringen, sie für eine Chocoladenparty herzustellen.

Natürlich ist dieses Buch reine Werbung für Lindt und deren Produkte, man kann die Rezepte auch mit einer Schokolade in Bio-Qualität testen, oder jeder anderen. Hauptsächlich wird mit dunkler Schokolade, meist mit 70 % gearbeitet, damit der Chocoladengeschmack seine Vielfalt offenbaren kann.
Warenkunde, Haltbarkeit, Hilfsmittel und Werkzeuge sind wichtige Grundlagen, damit uns die Ostertorte, eine Lebkuchenrolle, Schwarzwälder-Kirsch-Crumble oder Lafers Sachertorte im Glas gelingen soll.

Nun denn, weg mit der Waage, her mit dem Wanderbuch, damit wir die überschüssigen Kalorien in freier Natur gleich wieder abarbeiten können und am Ende mit, vielleicht, einem eiskalten Bananen-Choco-Milchshake krönen können.

Das Buch ist von 2011, im Netz aber noch erhältlich, neu und gebraucht.


  (0)
Tags: chocolade, getränke, johannlafer, kakao, kalorien, kuchen, lindt, plätzchen, schokolade, verschmelzen   (10)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

19. jahrhundert, klassiker, russisch, roman

Das Gut Stepantschikowo und seine Bewohner

Fjodor M. Dostojewskij , F. M. Dostojewski
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Europäischer Literaturverlag, 11.01.2012
ISBN 9783862674749
Genre: Klassiker

Rezension:

„Das Gut Stepantschikowo und ihre Bewohner“ von Dostojewski mit dem Untertitel „Aus den Aufzeichnungen eines Unbekannten“ wurde im Jahr 1858 verfasst. Um die Sachverhalte richtig einzuordnen ist es gut, wenn man sich die damaligen Verhältnisse ins Gedächtnis ruft. Es gab noch Leibeigene, ganze Dörfer wurden mitsamt ihren Einwohnern gekauft, vererbt, im Einsatz beim Kartenspiel die Besitzverhältnisse verändert. Das Militär, der Beamtenstatus und die Geburt im entsprechenden Gesellschaftsstand, das alles spielte eine große Rolle. Verarmte Adlige, überzählige Geschwister kleinerer Ländereien, gescheiterte Existenzen, sie alle mussten auf Gönner hoffen, die sie durchfütterten. Dieses Milieu zu betrachten, dafür liest man zum Beispiel die Novelle von Dostojewski.

Es gibt von diesem Schriftsteller bedeutendere Romane und Schriften, doch lohnt sich dieses Werk aus dem Blickwinkel eines an sich nicht betroffenen Neffen hinsichtlich der Geschehnisse auf dem Gut seines Onkels, dem Oberst Jegor Iljitsch Rostanew. Dass es sich dabei, abgesehen von den Rückblicken vor der beschriebenen Gegenwart und am Ende, unser Neffe ist nun um einiges älter, die Rückblicke nach der Gegenwart, um keine 48 Stunden handelt, will man gar nicht glauben, so viel passiert hier. Gerade will unser Erzähler, der die Leserschaft immer direkt anspricht, eine Begebenheit erzählen, da unterbricht er sich schon selbst und stellt uns erst mal einen der Charakter vor. Wo diese herkommt, warum sie auf diesem Gut ist, was sie in der Vergangenheit alles erlebt hat. Da ist die Mutter seines Onkels, eine Witwe, die eine der Hauptpersonen, nämlich Foma Fomitsch Opiskin aus ihrem Haushalt mitgebracht hat. Dieser hat lange Zeit als persönlicher guter Geist und Privatclown für den verstorbenen Ehemann, einem General, gearbeitet. Und weil es so Sitte war, ist die Witwe nun eben eine Generalin, wie die Tochter eines Oberst, eine Obersttochter ist, und damit eine höhergestellte Person. Auch auf dem Gut, als guter Geist im Hintergrund, wirkt die unverheiratete Schwester des Onkels.

Foma Fomitsch Opiskin aber, der keinerlei Lust mehr hat den dummen August zu spielen, hat sich ins Herz der Generalin hineingeschlichen, um ein wie auch immer geartetes Auskommen auf dem Gut zu haben. Denn er ist mit all seinen beruflichen Vorhaben gescheitert. Dafür versteht er es vollkommen, andere Menschen einzuschätzen und zu manipulieren. Sein Glück ist, dass unser Onkel ein herzensguter Mensch ist, der in niemandem etwas Böses sieht, keinen Streit ertragen kann, Allen und Jedem Recht gibt, damit er in Ruhe sein Leben leben kann. Auch er bereits Witwer mit zwei Kindern, möchte so gerne heiraten, doch Foma Fomitsch und seine Anhänger sehen eine andere Braut ins Auge. Und er lässt nicht locker, triezt den Onkel mit Tiraden, Beschimpfungen, Erpressungen, Drohungen. Dostojewski überzeichnet die Personen rund um Foma Fomitsch und demselben so sehr, dass man nicht weiß, ob man lachen oder vor Wut auf diesen Kerl und um den Onkel weinen soll.


Am Ende, so soll es sein, wird alles gut. Ich erzähle hier nichts unbekanntes, denn es gibt genug Internetseiten, wo alles nachzulesen ist. Nun lässt uns unser Ich-Erzähler nicht im Stich und berichtet auch von allen anderen Personen, wie es mit ihnen weitergegangen ist. Es liest sich immer noch rund und wunderbar und regt an, sich mehr von diesem Schriftsteller anzuschauen, geschrieben hat er wahrlich genug und seine eigene Lebensgeschichte ein Krimi für sich.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(20)

54 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

afrika, klassiker, savanne, roman, jagd

Die grünen Hügel Afrikas

Ernest Hemingway , Annemarie Horschitz-Horst , Beate Becker
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.07.1999
ISBN 9783499226083
Genre: Romane

Rezension:

Die grünen Hügel Afrikas von Ernest Hemingway sind sicher oft genug beschrieben, rezensiert, gedeutet worden. Ich habe eine 2. Auflage des Aufbau-Verlages Berlin und Weimar von 1977 bekommen und nun während meiner langen Busfahrten zur Arbeit gelesen. Im Abspann ist eine Rezension von Karl-Heinz Schönfelder zu finden, der vor allem auf die zeitlichen Bezüge des Textes, aber nicht nur, eingeht. Dazu nutzt er die Bücher Hemingways als Vergleich und auch Zeitungsartikel der damaligen Zeit. Im Buch beschreibt Hemingway auch andere Künstler, sei es ebenfalls Schriftsteller oder auch Maler. Die, mit denen er gut kann, bekommen Lob von ihm, auf die er nicht gut zu sprechen ist, wird negativ berichtet, ohne echte Namen zu nennen. Daher ist die Rezension am Ende recht hilfreich, weil sie erläutert, warum und wer seinen Unmut geweckt hat.

Das Buch ist eine Reisebeschreibung einer Jagdgesellschaft, bei der Hemingway mit seiner Frau verschiedene Leute trifft, sich mehr oder weniger gut mit ihnen unterhält und der Autor versucht, bei der Wahrheit zu bleiben. Das ist für ihn das Wichtigste bei diesem Versuch, mal andere Wege der Schriftstellerei auszuprobieren. Die Dialoge sind den Charakteren angepasst und lockern auf. Herrlich ist das vermeintliche Interview eines Gastes, den er im Bezug auf dessen Fragen, wie es denn so ist, als Schriftsteller zu leben, regelrecht auflaufen lässt. Für viele Leser ist es sicher abstoßend, wenn der Autor bis ins kleinste Detail beschreibt, wie die Jagd vonstatten geht. Dabei machte er es sich damals nicht leicht, hielt sich so gut es ging an die Regeln, zum Beispiel an die Jagdkarte, bei der er nur eine bestimmte Anzahl von Tieren töten durfte. Er schimpft auf die angeblichen Jäger, die vom Auto aus ein Tier töten, ganz ohne Spuren zu lesen, es aufzuspüren, stundenlange Märsche die Hügeln hinauf und hinunter, Schluchten durchquerend, Täler mit mannshohen oder noch höheren Gräsern durchstreifend und sie am Ende erlegt. Und immer dabei oder doch fast immer, wenn es auf die Pirsch geht, der angeheuerte Großwildjäger, sein Waffenträger und die Ehefrau Hemingways. Wenn mir auch bei jedem erschossenen Großwild im Nachhinein ein tiefer Seufzer ob des Verlustes kommen will, so hat er doch an einer Stelle ein wahres Wort geschrieben, was zu jeder Zeit Bestand haben wird. Nämlich, dass die Einheimischen mit ihrer Natur sehr gut zurechtkamen, bis wir, die wir uns anmaßen es besser zu können, kommen, um alles zu zerstören.

Andere Einheimische werden auch beschrieben, doch Vorsicht, immer daran denken, zu welcher Zeit dieses Buch verfasst wurde. Hemingway bewundert die Kraft und die Stärke mancher Stämme und will doch auch manche von seinen Helfern davonjagen, weil sie seiner Ansicht nach zu nichts zu gebrauchen sind. Die einleitenden Worte können einen dazu bringen zu denken, hier würde an der Gefühlswelt gespart. Genau das Gegenteil ist der Fall. Der Autor beschreibt, wie er voller Neid, den er immer wieder bekämpft, auf die Jagderfolge eines Mitreisenden reagiert. Wie er sich manchmal mit seiner Frau kabbelt und doch ganz schnell wieder verträgt. Wie launig er ist und sich mit Whisky am Feuer beruhigen muss oder sich bei deutschem Bier vergnüglich zeigen kann. Dass er sich beeilen muss „zu Schuss“ zu kommen, bevor die Regenzeit kommt. Und wie er sich gegenüber der Natur fühlt, den Menschen, die dort leben, die Tiere, die unter seinen Fehlschüssen leiden müssen, weil er nicht ruhig und sicher genug, nicht abgewartet hatte. Vor allem der letzte Punkt hat ihn maßlos geärgert und er schämt sich dafür, dass das Tier, welches er Waidwund geschossen hat, es nun nach stundenlanger Suche an die Hyäne verloren glaubt.

Der Schreibstil ist für die heutige Zeit ungewöhnlich, manche Wörter werden inflationär oft benutzt, wie zum Beispiel das Wort „und“. Das Satzzeichen „Komma“ sowie das „Semikolon“ werden ebenfalls viele Male gebraucht, seine Sätze sind jedoch zum Teil ausufernd. Aus über vierhundert Worten besteht eines der Sätze, bei dem ich mehrmals nachschauen musste, ja, da ist tatsächlich noch kein Schlusspunkt. Auch bin ich nicht so ganz damit einverstanden damit, dass es immer nur um „Hügel“, wenn es etwas höher geht auch mal „Berge“, „Schluchten“ und ähnliche Begrifflichkeiten der Landschaft zur Beschreibung der Plätze, auf denen die Jagd stattfindet, geht. Seine Vergleiche mit ähnlichen Landschaften von Orten, die er bereits besucht hat, helfen dann schon eher zu verstehen, wo er sich befindet. Es ist kein herausragendes Buch von ihm, doch zeigt es die Lebenswelt einer Zeit, die uns immer fremder wird.

  (0)
Tags: afrik, deutsches bier, dürre, einheimische, gäste, jagd, jagdgesellschaft, lager, lagerfeuer, lästern über kollegen, regenzeit, reisegesellschaft, tracken, wasserknappheit, whisky, zelten   (16)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(29)

35 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

berlin, thriller, angst, gesellschaftsroman, verschwörung

Mutwille

Kai Lüdders
Flexibler Einband: 364 Seiten
Erschienen bei Velum Verlag, 15.11.2017
ISBN 9783947424009
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

sklaven, sklaverei, puff, straßenstrich, berlin

Lieb und teuer

Ilan Stephani , Theresa Bäuerlein
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Ecowin, 03.11.2017
ISBN 9783711001252
Genre: Biografien

Rezension:

Ilan Stephani, die Autorin von „Lieb und Teuer – Was ich im Puff über das Leben gelernt habe“, hat freiwillig in Berlin in einem Edelbordell als Prostituierte gearbeitet. Ihre Erfahrungen und Schlussfolgerungen für ihr Leben und wie sich Prostitution ihrer Meinung nach auf die Gesellschaft auswirken hat sie in ihrem Buch zusammengefasst. Warum sie überhaupt über Hydra, der Prostituiertenorganisation in Berlin, auf die Idee kam, in einem Bordell zu arbeiten, kommt nicht so recht zur Sprache, nur, warum sie dann ebenso kurzentschlossen aufhörte. Immer wieder greift sie im Übrigen auf Statistiken zurück, leider ohne im Anhang oder in einer Fußnote auf einen direkten Link hinzuweisen, zu anderen Themen beziehungsweise Veröffentlichungen hingegen schon. An manchen Stellen greift sie so manche Methodik an, wie die Zahlen zustande gekommen wären. Es geht hier nicht um Zwangsprostitution oder dem Straßenstrich, der oft von Drogensüchtigen genutzt wird, sondern ausschließlich die freiwillige Arbeit im Puff, ohne Zuhälter oder anderen Personen, die irgendwelchen Zwang ausüben.

Schätzungen zufolge, so Stephani, gibt es zurzeit 400 000 Prostituierte in Deutschland, die Tag für Tag! von 1,2 Millionen Freiern besucht werden. Die Dunkelziffer ist sicher noch um einiges höher. Stephani erläutert, dass es sich dabei entweder um Männer handelt, die das erste Mal überhaupt ein solches Etablissement besuchen, die meisten allerdings wöchentlich oder einmal im Monat die Frauen aufsuchen. Das heißt, es ist mitnichten eine Sache, die nur am Rande der Gesellschaft stattfindet, sondern mittendrin geschieht. Jede Person muss einen Mann kennen, der bereits im Puff war. Ob im Freundeskreis, der Busfahrer, Politiker, Manager, Seefahrer … Doch ab wann zählt es eigentlich, ob man seinen Körper gegen Geld verkauft? Ein interessantes, nachdenklich machendes Beispiel gibt die Autorin vor. Ein Paar verlässt gemeinsam eine Veranstaltung, irgendwie ist klar, sie verbringen die Nacht gemeinsam. Um vorher ihren Hunger zu stillen gehen sie noch in einen Imbiss. Nach dem Sex stellt er fest: für 2,50 hat er einen Fick bekommen. Und nun?

Die Autorin beschreibt ihren Alltag im Puff und behauptet gleich am Anfang, dass sie bereits nach dem ersten Tag eigentlich alles begriffen hätte, alles Wissenswerte erlebt, doch was dann folgt, zeigt mir, dass dem mitnichten so war. Außer einem: dass die meisten Männer eigentlich etwas ganz anderes suchen und erhoffen, als allgemein angenommen wird. Die Zeit reicht beileibe nicht aus, um dem Mann ein echtes orgiastisches Vergnügen zu bereiten, sondern wenn, dann ausschließlich zur Ejakulation, ein gewaltiger Unterschied,wie uns Stephani erläutert. Und so kommt es, dass sie viele Männer nicht wirklich zufrieden gehen sieht sondern trauriger, um eine Illusion ärmer. Und manchmal wollen die Kunden noch nicht einmal das Eine, viele wollen Massagen, oder einfach nur reden. Den Grund sieht sie in dem immensem Druck unter der Männer stehen, sie müssen stark sein, nicht weinen, ganze Kerle sein. Wie es zum Beispiel die Werbung zeigt und unsere patriarchalische Gesellschaft dies vorlebt. Sex sells, riesige Plakate mit entsprechenden Bildern, die Pornoindustrie und so weiter, das überfordert uns alle.

Einige Abschnitte lang versucht sie den Leser über die sexuelle Andersartigkeit des Mannes aufzuklären und wie wir uns alle neu und tiefer kennenlernen sollten, damit sich etwas ändert. Das ist zum Teil verworren und nicht immer einfach nachzuvollziehen. Aber sie fordert auch die Frauen auf mutig zu sein und ihrer Sexualität eine Sprache zu geben. Dabei legt sie sich auch mit Feministinnen an, unter anderem mit Alice Schwarzer, der sie es übel nimmt, die Vagina als empfindungslosen Schlauch bezeichnet zu haben.

An einem Punkt schreibt sie, dass keiner der Männer, die sie im Puff erlebt hat, sie ausbeuten wollte. Doch in ihrem Kapitel über Übergriffe kommt das genau so vor, oder ist eine Vergewaltigung keine Ausbeutung? Dass sie doch nicht in einem hundertprozentig geschützten Raum arbeitet, musste sie bitter erfahren. Und es kostete sie einige Zeit, um damit fertig zu werden. Im Übrigen beschreibt sie weitere „Übergriffe“, zum Beispiel die des Staates im Zusammenhang mit dem Prostituiertenschutzgesetzes, das bereits überarbeitet werden muss. Diskussionswürdig ist das allemal. Ebenso die Übergriffe, die sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs ableiten lassen. Wir scheren wie üblich alle über einen Kamm und wissen genau, wie es um die Damen und Herrn steht, die im Milieu arbeiten. Tatsächlich? Wer macht sich wirklich die Mühe, wenigstens einer dieser Personen zu befragen und wirklich zuzuhören. Nicht nur denen, die in der Illegalität stecken, die missbraucht wurden, sondern auch denjenigen, die, wie die Autorin, es als ihren Job ansehen, eine gewisse Dienstleistung gegen Geld anzubieten. Auch das bietet reichlich Stoff zu Diskussionen. Wir sollten den moralischen Zeigefinger herunternehmen und darauf eingehen, findet sie.


Sex in kürzester Zeit ist kein guter Sex. Doch wer nimmt sich schon Zeit dafür? Die Autorin gibt am Ende ihres Erfahrungsberichtes Ratschläge, wie es besser gehen kann, selbst getestet mit ihrem Partner. Ob das aber wirklich ein Ende der Prostitution einläuten lässt, werden wir wohl nicht mehr erfahren. Dafür bedarf es einen grundlegenden Wandel in der Gesellschaft und den Mut aller beteiligten, dies zu wollen. Bis dahin gibt Stephani Seminare für Frauen, ist Körpertherapeutin und Bloggt über Sexualität und Freiheit.

Das Buch wurde in Zusammenarbeit mit Theresa Bäuerlein geschrieben. Sie beschäftigt sich als Autorin und Journalistin zum Beispiel mit Konsum und Beziehungen. Unter anderem ist ein Buch von ihr und Tom Eckert „Besser als Sex ist besserer Sex: Ein Paar. Ein Jahr. Ein Experiment“ erschienen.







  (2)
Tags: berlin, bordell, drogen, drogenkonsum, hausdame, hure, hydra, menschenhandel, prostitution, puff, saver sex, sex gegen geld, sex sells, sklaven, sklaverei, straßenstrich   (16)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

regen, staatsanwalt, mord aus fremder hand, morde, überschwemmungen

Zorn

Stephan Ludwig
Flexibler Einband: 392 Seiten
Erschienen bei Eder & Bach, 09.01.2016
ISBN 9783945386361
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auf dem Rückentitel des Krimis „Zorn – Tod und Regen“ von Stephan Ludwig werden die Ermittler Claudius Zorn und „der dicke Schröder“ als Kult-Ermittler aus Ostdeutschland dargestellt. Dass der Krimi im Osten Deutschlands spielen soll, merkt man nicht, wird so gut wie nicht erwähnt und daher im Grunde bedeutungslos. Außerdem, Kult, bereits im ersten Band? So dachte ich. Bis ich bei der Recherche herausfand, dass es sich um den ersten von bereits sieben Bänden handelt, die wohl in Halle spielen sollen. Und die ARD bereits fünf der Bücher verfilmt und dort sowie beim MDR ausgestrahlt wurden. Allerdings ist die Serie erst kürzlich eingestellt worden.

Zum Inhalt daher nur kurz: Eine Frau wird durch unendlich viele Schnitte zu Tode gefoltert. Der Staatsanwalt Philipp Sauer beauftragt Hauptkommissar Zorn damit, die Tat so schnell es irgend geht, aufzuklären. Doch so rechte Lust hat Claudius Zorn nicht. Der Autor stellt den Kommissar als recht faul, unwillig, selbstverliebt aber auch voller Selbstzweifel dar. Dabei ist er für sein Alter gut gebaut, der Figur nach sportlich durchtrainiert, ansehnlich, Kettenraucher und sehr Kurzsichtig. Er hat Probleme mit Frauen, Beziehungen sind ihm nicht fremd aber nach einer gescheiterten Ehe suspekt. Schlampig ist er obendrein. Schröder hingegen, klein, dick, belesen, intelligent, alleinstehend, voller Kraft, sportlich, scheint der wahre Ermittler in diesem Team zu sein. Er scheut sich nie, seine Meinung kund zu tun, ist außerordentlich engagiert, die neuesten Techniken sind ihm nicht fremd. Zorn hingegen weiß absolut nicht, was er in diesem Job noch zu tun hat und lässt sich nur sehr schwer motivieren. Nun aber haben es die beiden in kürzester Zeit mit mehreren Mordfällen zu tun, die sie schwer auf Trab bringen. Unglaubwürdig ist dabei, dass es in einer Stadt mit mehr als 200 000 Einwohnern ewig keine schweren Verbrechen gegeben haben soll. Ein Wunschtraum des Autoren?

Ein paar Ungereimtheiten beziehungsweise weitere merkwürdige Schreibweisen sind ebenso auffällig. Einer der Protagonisten beschreibt den zeitlichen Abstand, wann er seine Frau das letzte Mal angefasst haben soll, mit x-Jahren, x-Monaten und 43 Tagen. Hm, da lässt sich doch rein rechnerisch noch ein Monat zu den Monaten hinzuaddieren? Wer so penibel ist … Am Anfang liest es sich schwer ein, als reine Hausmannskost würde ich den Krimi bezeichnen. Die Ideen, die dann sichtbar werden, sind nicht schlecht, doch für meinen Geschmack zu dürftig ausgearbeitet, das ist sehr schade. Erst spät im Buch erfährt man, in welcher Jahreszeit beziehungsweise in welchem Monat die Morde geschehen sein sollen. Es ist auf jeden Fall kalt, es regnet unaufhörlich, die Stadt säuft regelrecht ab.

Da es sich nicht um eine erste Auflage handelt, die ich in den Händen halte, sondern um eine lizenzierte Neuauflage, wundert es um so mehr, dass hier scheinbar am Schlusspunkt gespart werden sollte. So oft wie in diesem Buch, ist mir das noch nicht untergekommen. Auch ein falsch getrennter Name fällt sofort auf und stört im Lesefluss. An einer Stelle wird von einem Abstand von 70 Metern gesprochen, an anderen Stellen beim selben Sachverhalt von mehr als 50 Metern. Zu durchschaubar für den Leser sind die einzelnen Protagonisten, ihre Handlungsweisen und Erkenntnisse, und man glaubt nicht im Ernst an den angeblichen Mörder.

Vielleicht liegt es an der Leichtigkeit und Überschaubarkeit, mit Sicherheit aber an den beiden Hauptdarstellern, dass diese Kult geworden sind, in fünf Teilen verfilmt und bei ARD und MDR ausgestrahlt wurden. Angeblich dürftige Zuschauerzahlen sollen für die Einstellung gesorgt haben.
Mehr über den Autor, den Inhalt dieser Serie und den Filmen zum Beispiel unter: http://www.krimi-couch.de/krimis/stephan-ludwig.html

  (2)
Tags: homosexualität, krieg, mord aus fremder hand, morde, regen, staatsanwalt, überschwemmungen   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(108)

192 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 87 Rezensionen

thriller, julia corbin, mannheim, kriminalbiologie, die bestimmung des bösen

Die Bestimmung des Bösen

Julia Corbin
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Diana, 09.05.2017
ISBN 9783453359345
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Für „Die Bestimmung des Bösen“, einem Thriller von Julia Corbin, ist ein Interesse für Kriminalbiologie und Genetik von Vorteil. Die Autorin, studierte Biologin, beschreibt die Menschen an den Labortischen als die Helden hinter den Kulissen bei der Fallanalyse. Dabei sind diese Helden in Krimiserien schon längst hinter den Kulissen hervorgekrochen und spielen oftmals die Hauptrollen. Auch in dem vorgestellten Thriller ist es die Figur der Biologin Karen Hellstern, die eine wesentliche Rolle spielt. Sie wird zu allen Tatorten hinzugerufen, um Fliegen, Larven, Käfer und Spinnen in allen erdenklichen Entwicklungsstadien einzufangen, Schweinekadaver für Vergleichsstudien auszulegen und um in der Pathologie als erstes Mordopfer nach davor genannten Tierchen abzugrasen. Das alles wird sehr akribisch dargelegt, was für den einen Leser sehr langweilig sein kann, für den anderen endlich eine Wissenslücke geschlossen und hochinteressant. Denn es werden auch anschließend die Schritte erläutert, die zu den Ergebnissen führen, wie zum Beispiel die DNA im Magen einer hungrigen Stechmücke eines der zur Tat gehörenden Person führt.


Das Thema der Genetik kommt nun bei unserer Ermittlerin Alexis Hall zum Tragen. Sie ist die Tochter von Verbrechern, die bei ihrer versuchten Verhaftung ums Leben gekommen sind. Ausgerechnet von einem Wissenschaftler und seiner Frau adoptiert, der das Verbrechensgen gefunden haben will. Das Wissen darum verunsichert Alexis immer wieder. Was ihre Eltern nun genau verbrochen haben, wird hier natürlich nicht erwähnt, aber dass auch Alexis selbst Träger dieses Gens sein kann, dieses Bewusstsein lässt sie ihre Dienstwaffe immer im Büro wegschließen. Alleine dieses Thema kann ein Roman für sich selbst sein, Wissenschaftler adoptiert Kind von Verbrechern, um zu sehen, ob sich das kill:gen weitervererbt und wenn ja, ob eine andere Erziehungsumgebung nicht doch positiv auf die Entwicklung des Kindes wirkt.

Der Inhalt des Thrillers erinnert an viele andere dieser Art. Die Mordopfer werden in perfiden Stellungen vorgefunden, aufs grausamste gefoltert und getötet. Wie und warum will ich hier natürlich nicht verraten. Der übliche Zeitdruck, der bei Ermittlungen dieser Art entstehen, wirken sich auf Alexis und ihren Partner Oliver aus, es kommt zu Reibereien. Alexis Freund, ein Journalist, bereitet ihr auch nicht nur Freude und dass ein Teil ihrer Adoptivfamilie in die Ermittlungen involviert wird, ist für sie auch nicht hilfreich. Ihr Onkel, bei dem eines der Mordopfer angestellt war, ist mehr als sauer auf sie und will die Ermittlungsarbeit seiner Nichte mit aller Macht torpedieren. Und es bleibt nicht bei den ersten Mordopfern ...

Es gibt die üblichen Stänkerer, die einer Frau unterstellen, dass sie mitnichten eine Ermittlung leiten können, alte Strukturen werden nicht aufgegeben, dem Zeitgeist zum Trotz. Die Figuren sind gut ausgearbeitet, jede bekommt ihre Chance bis zum Ende dabei zu sein, in welcher Form auch immer. Das ist gut. Weniger haben mir die vermeidbaren Fehler gefallen. Da tauchen plötzlich Personen auf, die vorher nicht erwähnt sind, es ist zu hell am Horizont zu einer Uhrzeit, die nicht mehr zu dieser Jahreszeit passt, Annahmen werden zu Fakten, obwohl ich als Leser klar sehe, dass dem nicht so ist. Das alles schadet dem Spannungsbogen aber nicht, es ergeben sich Drehungen und Wendungen, mit denen man nicht gerechnet hat oder so nicht ahnt. Sind wir mal gespannt, ob sich aus den Protagonisten der Autorin eine Serie ergibt.

Da die Handlungen hauptsächlich rund um Heidelberg und Mannheim spielen, kann man den Thriller als gut verortet betrachten. Informationen über die Autorin kann man im Netz googeln und auch auf Facebook ist sie unter https://www.facebook.com/AutorinJuliaCorbin/ zu finden.


  (1)
Tags: adoption, doppelmorde, killer:gen, kriminalbiologie, wissenschaftler   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(46)

97 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

hamburg, hebammen, nationalsozialismus, historischer roman, hebamme

Töchter einer neuen Zeit

Carmen Korn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 21.09.2016
ISBN 9783463406824
Genre: Historische Romane

Rezension:

Vieles von dem Wissen unserer Großmütter würde verloren gehen, wenn wir, ihre Nachkommen, nicht genau zuhören würden und es aufschreiben. So wie Carmen Korn in „Töchter einer neuen Zeit“. Die neue Zeit, damit ist hier die Zeitspanne nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Währungsunion Ende der 1940er-Jahre gemeint. Hauptprotagonisten sind vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, sich zum Teil seit der Kindheit kennen, manche aber erst durch Zufallsbegegnungen. Aber es sind nicht nur diese vier: Henny, Tochter einer alleinerziehenden Kriegswitwe, ihre Freundin Käthe, die rebellisch ihren eigenen Weg gehen möchte, Ida, verwöhnte Tochter aus wohlhabenden Kreisen und Lina, die Schwägerin von Henny. Daneben sind es ihre Eltern, Nachbarn und Kollegen, die Familie des Wäschefachgeschäftes, der Pfandleiher, die Pensionswirtin und gute Seele, aber auch, in späteren Jahren die üblichen Mitläufer der Nazizeit.

Korn beschreibt die Lebenswege dieser Frauen und ihrer Familien in Hamburg, die nach dem Ersten Weltkrieg endlich wieder zur Ruhe kommen wollen. Ein gutes Leben führen, satt und zufrieden sich etwas aufbauen. Erschütternd beschreibt sie, wie das schleichende Ungeheuer der Nazizeit um sich greift und die Frauen und auch die Männer doch immer noch voller Hoffnung sind, dass das alles nur von kurzer Dauer ist und der Spuk bald ein Ende hat. Henny und Käthe arbeiten als Hebammen in der Klinik Finkenau unter charakterlich sehr sympathischen Ärzten, die im weiteren Verlauf noch große Rollen im Leben der Hebammen spielen werden. Lina, unverheiratete Schwägerin von Henny, entdeckt ihre Liebe zu ihrer Freundin Louise erst spät und muss dies genauso in der Öffentlichkeit verheimlichen wie auch Ida ihre Liebe zu einem Chinesen. Die verworrenen Wege der Frauen, wie sich ihre Lebenswege kreuzen, um anschließend mit ihren Familien die drohenden Auswirkungen der Nazizeit und der Kriegswirren zu überstehen, das bedeutet ein Eintauchen in einen großen Roman.

Die Autorin lässt ab und an nur Tage oder wenige Wochen vergehen, bevor es mit dem nächsten Abschnitt weitergeht, manchmal aber auch mehrere Jahre. Wie große Sprünge in der Zeit fühlt es sich an, als wenn ein Fernglas nach oben gerichtet, die Frauen fokussiert und ihnen eine Weile zugeschaut wird. Als Leser fragt man sich, na? Hat Ida es geschafft ihren Mann zu verlassen, um mit ihrem Chinesen zusammen zu sein? Hat einer der Ärzte der Frauenklinik nun endlich seine große Liebe gefunden? Ist der Papa von Ida wieder zu Geld gekommen? Die Schicksalsschläge, die die Protagonistinnen überstehen müssen, lassen einen bei sich selbst nachschauen, ob man nun den richtigen Weg eingeschlagen hat oder doch den Mut aufbringen sollte, das eine oder andere zu verändern. Das Grauen, das den Frauen und Männern entgegenschlägt, als sie merken, wie extrem sich ihre Lebenswirklichkeit verändert, es wieder zu einem Krieg kommt, das lässt uns erspüren, wie es unseren Eltern und Großeltern ergangen ist. Mit jedem Buch zu diesem Thema bekommt das große Schweigen, das diese Generation geprägt hat, doch immer mehr Stimmen für uns, die Kinder- und Enkelgeneration.


Informationen zur Autorin findet sich zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Carmen_Korn und natürlich beim Rowohlt-Verlag.

  (1)
Tags: denunziation, erster weltkrieg, gefangenschaft, hamburg, hebammen, mischehen, nazizeit, revolution, zweiter weltkrieg   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

schreibraum, schreiben, tagebuch, notizen, schreiben lernen

Mit dem Schreiben anfangen

Hanns-Josef Ortheil
Fester Einband
Erschienen bei Bibliographisches Institut, 09.10.2017
ISBN 9783411749041
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wie viele der Leserinnen und Leser, die Geschichten, Kriminalromane, Gedichte und vieles mehr lesen, wollen selbst einmal zum Stift greifen, oder aber in die Tasten hauen, wie es nun oftmals geschieht. Aber wo fängt man an? Und wie? Hanns-Josef Ortheil hat in einem wunderbaren kleinen Buch, das in jeder Tasche seinen Platz finden kann, Angebote und Hilfestellungen zusammengefasst. „Mit dem Schreiben anfangen. - Fingerübungen des kreativen Schreibens“ zeigt in fünf Kapiteln mit je fünf Abschnitten anhand von Beispielen, wie andere Schriftsteller zu ihren Ideen, Materialien und zum Ort des Schreibens kommen und kamen. Jeder Abschnitt endet mit Übungsaufgaben, die als Angebot zu verstehen sind, nicht als absolutes muss oder Regelwerk, ohne dem man kein eigenes Werk zustande bringen könnte.

Verblüfft hat mich an dem knapp 160 Seiten umfassenden Band die Wortfülle. Worte, die ich recht selten oder nie in den letzten Jahren aus Zeitungen, Zeitschriften, Romanen oder gar Internetartikeln lesen konnte, die ich bereits für verloren geglaubt hatte wie zum Beispiel: Libidinös, Studierzimmer, Stimulanzien, Papeterie, Holzkörper, Tintenroller, Notate. Es ist wie ein Eintauchen in eine Geschichte, was es Absatzweise oder ein paar Zeilen nur, ja auch ist. Denn immer wieder bekommen wir Auszüge aus den Werken Anderer als Geschmacksproben zu den entsprechenden Abschnitten serviert.

Ortheil will, dass wir uns Gedanken machen über unseren „Schreib“Tisch, den „Schreib“Raum, dem „Schreib“Werkzeug, dem Papier. Unser Blick nach draußen, ablenkend oder inspirierend, zurückgezogen oder Lärm erprobt. Zu welcher Uhrzeit können wir uns niederlassen, sind wir eher Tag- oder Nachtmenschen? Wie steht es mit Essen, Trinken, sonstigen Gewohnheiten? All das beeinflusst unseren Schreibstil. Ein wichtiger Hinweis ist nun, mit einem Stift zu schreiben. Denn es gelingen uns ganz andere Texte, wenn wir mit der Hand schreiben, anders als mit der Schreibmaschine oder in unserer heutigen Zeit mit einem Computer. Als haptischer Mensch bekommen wir ein ganz anderes Gefühl zum Text, wenn wir uns mit unserem ausgesuchten Schreibwerkzeug auf entsprechendem Papier austoben als ständig mit der Rücktaste bereits erfasstes löschen.

Ist das nun geklärt, kommt der Autor nun zu den ersten Fingerübungen. Ortheil rät zum Abschreiben, Transkribieren, Kritzeln. Ganz langsam und Schritt für Schritt kommen wir zu ersten Fragmenten, schreiben Listen, sammeln Zettel, Zeitungsausschnitte und vieles mehr. Schreibe ich erst statisch, beschreibend, dann im Zeitverlauf, Chroniken oder Tagebuch. Das Sammeln von Themen in Karteikarten kann ausufernd werden. Er lässt uns üben, Räumlichkeiten zu beschreiben, Dialoge, Monologe. Nie sind die Abschnitte zu lang, die Übungen können allerdings Wochen und Monate andauern, immer mal wieder zwischendurch geprobt werden. Und all die Kleinigkeiten können zu einem großen Roman werden. Dabei werden auch die Heute genutzten medialen Techniken erwähnt, wie die Sozialen Netzwerke, bei denen die Autoren nur kurze Sätze oder ein Statement veröffentlichen.

Selbst diejenigen, die dieses Übungsbuch in die Hand nehmen, ohne je den Gedanken verfolgt zu haben, etwas selbst zu verfassen, könnten sich nun aufgefordert fühlen, mal wieder Tagebuch zu führen oder ihre Einkaufslisten mit ganz anderen Augen zu betrachten. Und auch die Kritzelei während eines Telefonates oder einer Besprechung bekommen nun eine neue Bedeutung. Manchmal mutet die genutzte Sprache alt an, doch die Inhalte werden wohl nie an Bedeutung verlieren. Für mich ist es wie ein kleiner Schatz, ein Werkzeugkasten, den ich gerne immer mal wieder öffne und erstaunt mir doch Wohlbekanntes vorfinde.

Ausführliche Informationen zu Hanns-Josef Ortheil findet sich zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns-Josef_Ortheil

  (0)
Tags: chroniken, karteikarten, notizen, papier, schreibraum, schreibtisch, schreibwerkzeug, schreibzeit, tagebuch, zettel   (10)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(55)

71 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

katzen, sachbuch, abigail tucker, katze, stubentiger

Der Tiger in der guten Stube

Abigail Tucker , Martina Wiese , Monika Niehaus , Jorunn Wissmann
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), 01.09.2017
ISBN 9783806236477
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein Buch über Katzen. Das kann nur
polarisieren, wenn es nur eine Sichtweise repräsentiert. Das tut es
nicht, zumindest nicht hier, im Buch von Abigail Tucker „Der Tiger
in der guten Stube“. Im Gegenteil, lässt sie in ihrem Werk viele
Kenner, Experten, Gegner und Liebhaber der Katze sprechen. Sie geht
der Geschichte der Mietzekatze auf den Grund. Ab wann und wie sie vom
Säbelzahntiger zur Hauskatze mutierte. Warum wir ausgerechnet das
Wesen, vor dem unsere Vorfahren berechtigter Weise mit am meisten
Angst haben mussten. Wie es dazu kam, dass wir Katzen ins Haus ließen
und sie da rund um die Uhr bleiben durfte. Dass sie auch gefährliche
Krankheiten übertragen kann, sofern sie auch draußen auf die Jagd
geht. Und auch als invasive Art nicht überall gerne gesehen wird. So
also auf der einen Seite gerettet wird, dafür Straßen abgesperrt
werden, um die Mietze vom Baum zu holen, andererseits abgeschossen,
gejagt, in Fallen gelockt werden, um sie zu vernichten.



Aber der Reihe nach. Die Autorin,
selbst schon immer von Katzen umgeben, ist rund um die Welt gereist,
um zu erfahren, warum wir uns bloß mit diesem Haustier abgeben. Das,
im Gegensatz zu allen anderen Fleischfressern, absolut nichts dafür
tut, um uns irgendwie dienlich zu sein. Wie zum Beispiel Hunde. Und
die, anders als Hunde, sehr wohl dazu in der Lage sind, sich selbst
zu ernähren, wenn sie, zum Beispiel, ausgesperrt wird. Tucker wollte
wissen, wie dieses Tier sich auf die ganze Welt verbreiten konnte und
fast überall leben kann. Sie sprach auch mit Vereinen, die sich um
die Rettung der Katzen kümmern und die eine sehr mächtige Lobby
hinter sich wissen. Auf der einen Seite also Menschen, die andere,
vom aussterben bedrohte, Tiere vor Katzen retten wollen, auf der
anderen Seite Menschen, die alle Katzen, derer sie irgendwie habhaft
werden können, ebenfalls, retten wollen.



Sie war vor Ort in Museen,
Ausgrabungsstätten, Ausstellungen, auf Konferenzen. Erkundigte sich
nach übertragbaren Krankheiten, Parasiten und mehr. Ließ sich
erklären, wann es überhaupt begann, verschiedene Katzen zu züchten.
Sogenannte Rassekatzenausstellungen besuchte sie ebenfalls und musste
sich von Genetikern anhören, so viele Unterschiede gibt es bisher
nicht. Dass sie eine Gefahr für so manches Ökosystem sind, dennoch
in Millionen Haushalten zu finden, ein Widerspruch, der nur im Wesen
der Katze zu finden ist.



Das alles ist vergnüglich,
manchmal leidvoll, immer nachdenklich zu lesen. Tucker hat sich Mühe
gegeben, wirklich alle Seiten anzuhören und deren Meinungen
nachzugehen. Auch geschichtlich bekommen wir zu lesen, ab wann, an
welchem Ort sich die Katzen erstmals uns Menschen näherten. Wie sie
gerühmt wurden im alten Ägypten. Die Zeichnungen im Buch sind am
Anfang süß und lassen einen grinsend zurück, nach der x-ten
Wiederholung nerven sie. Außerdem ist es beim ersten Mal ja witzig,
die Katzentatzen über die Seiten laufen zu sehen, sodass der Text
gerade noch lesbar ist, aber auch das ist irgendwann einfach nur
ärgerlich. Bei schlechtem Licht oder schlechten Augen kommt einem
das wie eine Strafe vor.





Wie für ein gutes Sachbuch üblich,
gibt es einen umfangreichen Anhang nach Kapiteln getrennt, wo wir
welches Zitat, welche Schriften und Bemerkungen finden. Diese habe
ich aber nicht geprüft. Ein kurzes Register beendet das Buch. Die
Schreib- und Tippfehler aber, die hier wieder vermehrt aufzufinden
sind, vermiesen ein wenig die Lesefreude, wurde hier mal wieder am
Lektorat gespart? Das ist wirklich Schade für das Buch, dessen
Einband sicher so manchen nach diesem greifen lässt. Der Katze, da
bin ich mir ziemlich sicher, ist das völlig egal.

Über die
Autorin findet man auf deutschen Seiten im Internet bisher nicht
viel, kurz gefasst: sie ist Journalisten, verheiratet, hat zwei
Kinder, deren erstes Wort „Katze“ „Cat“ gewesen sein soll.


  (1)
Tags: aussterben, felis silvestres, felis silvestres lybica, fressfeinde, hauskatze, inversive arten, katzenhass, katzenjagd, katzenliebe, katzenspielzeug   (10)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

tastsinn, martin grunwald, haptic, medizin, hautoberfläche

Homo hapticus

Martin Grunwald
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.09.2017
ISBN 9783426277065
Genre: Sachbücher

Rezension:

Homo Hapticus von Martin Grunwald entführt uns in die Welt des Tastsinnessystems. Dabei geht er ganz akribisch vor, führt uns an einem Beispiel aus der Werbung an das Thema heran. Es ist noch gar nicht so lange her, da war es fast verpönt, außer der Farbe und der Eleganz eines Wagens auch noch nach der Haptik zum Beispiel der Türgriffe eines Wagens zu forschen, wie und welche dem Käufer angenehm wäre. Die Erforschung des Tastsinnes, eines der wichtigsten, wenn nicht gar das wichtigste Sinnesorgan was wir haben, ist für uns alle elementar.
So geht der Forscher Grunwald auch in seinem Buch an den Anfang der Menschwerdung, zum Fötus. Denn hier beginnt es, wie er uns erzählt, nicht mit den Augen, den Ohren, der Nase, sondern mit dem Erkunden von uns selbst und der Umgebung, hier im Mutterleib. Hier werden die Leitungen mit dem Gehirn verfeinert, was es uns ermöglicht, uns selbst, unsere Begrenzungen zum Raum zu erkennen. Und auch wie es ist, wenn wir berührt werden. Die kleinen Dellen auf der Haut, die entweder sehr angenehm sein können oder auch schmerzen. Grunwald erläutert anhand von Beispielen, wie der Fötus in den verschiedenen Stadien bis kurz vor der Geburt immer mehr, immer feiner sich selbst berührt. Und dann?
Wie unglaublich wichtig die ersten Momente, Stunden, Tage sind, wenn wir auf die Welt kommen. Was es heißt, plötzlich nicht mehr geschützt vor Licht, Geräuschen und so weiter sind, nun die Haut der Menschen, der Mutter zu spüren, Wärme und Wäsche.
Jede Veränderung wird nun ein Lernschritt, alles wird mit dem Mund, den Händen ertastet. Dabei muss der Mensch nun zum Beispiel Temperaturunterschiede kennenlernen, zwischem glatten oder rauem Stoff unterscheiden, was hart oder nachgiebig ist.
Grunwald geht dabei auch verschiedenen Krankheitsbildern nach, die Haut betreffend, die unser Tastsinnessystem gehörig durcheinanderbringen kann. Auch unsere Mundhöhle hat schier unerschöpfliche Möglichkeiten für zum Beispiel Wohlempfinden oder Ekel, angenehmes Beißgefühl in knackige Schokolade oder das Ertasten der Zunge eines cremigen Quarks.
Wie wirken sich vermehrte körperliche Berührungen in Form von Massagen, Umarmungen bei bestimmten Erkrankungen wie Demenz oder nach einem Schlaganfall aus? Wie stark hängen psychische Erkrankungen von fehlendem oder fehlgeleitetem Körpergefühl ab? Auch zu diesen Themen forscht der Autor, wie auch zu den immer stärkeren Manipulationen in Werbung und Marketing.
Die Umschlagseite demonstriert sehr gut, was es heißt, spüren zu können, auf dem Bild stupst ein Finger die Spitze eines Blattes an. Was, wenn wir nicht gelernt haben, ab wann es unangenehm wird, das Gehirn die Schmerzempfindung nicht entsprechend angezeigt bekommt? Diese Kinder haben leider keine lange Lebenserwartung und der Actionheld im Film, der keine Schmerzen spürt, ist reine Illusion.
Nebenbei bemerkt: Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich ein Buch in die Hand nehmen kann, die haptische Aufwertung auf dem Umschlag erspüre, das Gewicht, das ich über meine Hände schätze und entscheiden kann, Handtasche oder Nachttisch. Auch das Papier, seine Stärke, grob oder weich, glatt oder rau, ist etwas, was mir entgeht, wenn ich das Buch nun elektronisch lese. Diese Thematik treibt auch Grunwald um, wenn er beobachtet, dass Kinder, statt tatsächliche Gegenstände mit ihren Händen und dem Mund zu erforschen, diese am Tablet erklärt bekommen. Wichtige Impulse und Erfahrungen gehen so verloren.

Am Ende des Buches geht der Autor auf den Stand der verschiedenen Forschungsprojekte ein, die natürlich alle sehr viel Geld kosten. Und deshalb ist dieses Buch auch eine Werbung um Drittmittel und Spenden, aber sicher auch um Studierende, die in dieser spannenden Forschungsrichtung eine Möglichkeit für sich sehen. Ein sehr interessantes Buch über unser, wie ich meine, wichtigstes Sinnesorgan, gut und verständlich geschrieben mit sehr vielen Beispielen aus allen Gebieten, die diesen Sinn betrifft.
Mehr über den Autor und seine Forschung findet sich beispielsweise unter http://haptiklabor.medizin.uni-leipzig.de/labor/

  (0)
Tags: fühlen, haptic, hautoberfläche, taktil, tastsinn, tastsinn des mundes   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

schneeballsystem, betrug, münchen, biographie, hunde

Adele Spitzeder

Julian Nebel , Julian Nebel
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei FinanzBuch Verlag, 13.11.2017
ISBN 9783959720489
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein Schneeballsystem im 19. Jahrhundert hat es dem Autor Julian Nebel angetan, das er hier mit allem ihm zur Verfügung stehenden Materialien nachzeichnet. Die Rede ist von Adele Spitzeder, die mit ihrem Treiben über 30.000 Menschen aus München und Umgebung in den Ruin und sogar in den Selbstmord trieb. Nebel geht dabei sehr akribisch vor und scheut sich nicht, so manchen Sachverhalt von verschiedenen Seiten aufzurollen und dadurch mehrfach zu erwähnen. Ob es nun die familiären Umstände, Freundeskreise, Liebschaften, Berufskolleginnen und Kollegen sind, nichts bleibt unerwähnt. Bestückt sind die Kapitel auch mit Fotos, Zeitungsausschnitten, Aushängen und vielem mehr. Die geschichtlichen Zusammenhänge seit der Geburt der kleinen Adele, ihrer Eltern und Geschwister, alles findet seinen Platz, selbst die Haustiere finden ihre Erwähnung.
Das System der Adele Spitzeder war auch 1869, als sie ihre Privatbank eröffnete, sicher nicht neu; seit es den Zins gibt und die Gier der Menschen, wird dieses ausgenutzt. Ihre Karriere als Bühnendarstellerin ging dem Ende zu, als sie eher durch Zufall, wie es klingt, herausfand, dass sie bei den wenig begüterten Menschen durch ihr Auftreten sehr viel Vertrauen erweckte. Ob es nun Zimmermädchen, Gesellen, die Bauersfrau oder die Magd war, sie alle wollten ihre Notgroschen, wie die "Reichen", ein wenig mehren. Unbedarft gaben sie es her, auch wenn es keine Begründungen dafür gab, wie sich denn ihr Geld vermehrte, woher denn die erwirtschafteten Zinsen stammen würden. Und da Adele Spitzeder am Anfang gewissenhaft die hohen Zinsen zahlen konnte, sprach es sich herum und die Menschen kamen in Strömen.
Was war der Grund, dass viele den Banken nicht trauten? Sparkassen und andere Bankhäuser verloren ihre Kunden und deren Gelder, aber ob und wie sie vielleicht gegensteuerten, um diese wiederzugewinnen, wird nicht erläutert. Dass sie gegen Spitzeder mit aller Macht ankämpften sehr wohl. Sie und vor allem die „Münchner Neuesten Nachrichten“, eine wichtige Zeitung dieser Zeit, führten in ihren Artikeln und Reden unerbittlich auf, dass die Leute ihr Geld verlieren würden, wenn sie es bei dieser "Bank" anlegen würden. Auch Gerichte wurden eingeschaltet, die Buchführung nach kaufmännischem Recht eingefordert und einiges mehr. Nichts half. Die "Kunden" von Spitzeder vermehrten sich wie von selbst, vor allem, nachdem sie Anfing, auch Kredite zu verteilen, mit einem geringeren Zinssatz, wie es die damaligen Wucherer verlangten. Und hier schaute sie genau nach Name, Rang und Kreditwürdigkeit, bevor sie das Geld anderer Leute hergab. Sie hatte keine wirkliche Bank, erst ein paar Zimmer, eine Wohnung, später ein Haus. Auch legte sie das Geld gut an: Zeitungen, Häuser, Schmuck und mehr konnte sie aufzählen. Doch verlor all das auch an Wert, als es plötzlich von einer insolventen Person stammte. Dabei tat es das nicht; es wurde im Grunde von den, wir würden heute sagen Geringverdienern, bezahlt.
Zum Schluss, als sie ahnte, dass der Zusammenbruch doch irgendwann kommen muss, wollte schließlich auch sie mit den Zinsen runtergehen, doch dazu kam es nicht mehr. Ihre Widersacher ließen sie festnehmen, sie wurde abgeurteilt, saß ihre Strafe ab.
Dass sie als Schauspielerin und Sängerin anfing, ist wichtig zu wissen, denn durch ihre vielen Maskeraden hat sie gelernt, wie man Menschen täuschen kann. Die vielen Umzüge von Berlin, München und ins nahe Ausland, wohin sie ihre Engagements führten, ihr teilweise jämmerliches Unterkommen und Auskommen waren sicherlich eine gute Vorbereitung für ihr Wirken als Bankfrau. Ob ich aber das bis ins kleinste Detail wissen muss, ist eine andere Frage. Für Interessierte an Biografien oder auch die Leserschaft, die sich fragt, wie so etwas passieren kann, ist das eine gute Studie. Noch dazu, weil es ja nach Bekanntwerden dieses großangelegten Betruges selbst heute noch passiert, dass Anleger auf dieses System hereinfallen. Die Gier hat noch lange kein Ende gefunden.
Auch Spitzeder fand noch nach ihrem Gefängnisaufenthalt Menschen, die ihr wieder und wieder ihr Geld anvertrauten, trotz den deutlichen Warnungen, dass es keine Rückgabegarantie geben wird.
Nebel erklärt am Ende auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Betrugsarten, wie sie Spitzeder begangen hat, führt Namen und deren Wirken auf.
Was mir hier fehlt, ist eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema Frau und Betrug versus Mann der damaligen Zeit. Außerdem ist es anhand der Ausführungen offensichtlich, dass Spitzeder homosexuell war. Da gab es doch sicher noch mehr außer den Andeutungen in den Zeitungen und beim Prozess.

  (0)
Tags: berlin, gulden, hunde, kungelei, liebelei, lügnerin, mark, maske, münchen, sängerin, schauspielerin, schminke, schneeballsystem, taler, theater, zigarren   (16)
 
252 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks