Buecherspiegel

Buecherspiegels Bibliothek

195 Bücher, 164 Rezensionen

Zu Buecherspiegels Profil
Filtern nach
195 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(49)

80 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

holocaust, 2. weltkrieg, konzentrationslager, geschichte, polen

Der letzte Überlebende

Sam Pivnik , Ulrike Strerath-Bolz
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Theiss, Konrad, 01.03.2017
ISBN 9783806234787
Genre: Biografien

Rezension:

Erinnerungen an den Holocaust, eine Biografie von Samuel Pivnik „Der letzte Überlebende“. Aus dem Englischen von Ulrike Strerath-Bolz. Eine, nicht nur für die sensible Leserschaft, zum Teil sehr tiefgehende, ergreifende, die brutale Sprache des Krieges nutzende Studie eines Lebens, das vom Zweiten Weltkrieg über alle Maßen geprägt wurde. Dank des Ghostwriters Mei Trow und der vorgenannten Übersetzerin fließt man regelrecht in diese Zeit hinein, ist man ganz bei dem Jungen, der so gerne mit seinen Kameraden mit einem Lumpen Fußball spielt, integriert in seiner Familie, ihm die Sommerfrische bei den Verwandten unglaublich viel bedeutet.

Trauma ist ein schlimmes Wort. Es bedeutet, dass jemand etwas erlebt haben muss, dass einen so gravierenden Einschnitt in sein Leben hat, das, auch mit Therapie, dieses grundsätzlich beeinflusst. Zum Beispiel nach einem Raubüberfall, Missbrauch, einer Gewalttat. Um wie viel stärker aber ist es, wenn ein Mensch mehrfach traumatisiert wird, er aus der Gewaltspirale gar nicht mehr herauskommt? Noch dazu niemand darüber sprechen will beziehungsweise kann? Weil einem schlicht die Worte dazu fehlen? Kriege bedeuten einen unermesslichen Eingriff in Millionen von Menschen. Ist der Krieg erst vorbei heißt es meist, nun schauen wir vorwärts, rührt nicht in den alten Geschichten. Doch das ist falsch. Die sogenannten Kinder und Enkel traumatisierter Eltern und Großeltern des Zweiten Weltkrieges leiden noch heute unter diesen nicht bewältigten Kriegserlebnissen. Die Vorstellung aber, wie es ist, als Kind in diesen Strudel zu geraten, erst Jahre später mitzubekommen, dass es da tatsächlich einen Menschen gab, der die vollkommene Vernichtung einer Glaubensgemeinschaft anstrebte, es übersteigt jegliche Vorstellungskraft.

Ein weiteres Buch zu diesem Thema hat einer der letzten Zeugen des zweiten Weltkrieges, Samuel Pivnik, mithilfe seines Ghostwriters Mei Trow geschrieben. In „Pivnik – Der letzte Überlebende“ beschreibt der Autor seine vielfachen Traumata, die ein einzelner Mensch selten in dieser Vielzahl überhaupt überleben kann. Begleitet wurde das Buch in seiner Entstehung durch Historiker, Fotos und Skizzen, recherchierten Zeugenaussagen und Interviews mit Pivnik, die im Zeitraum von 2007 bis 2011 durchgeführt wurden. Querverweise zu Büchern anderer Überlebender, Historiker und anderen Autoren sowie aufbewahrten Belegen finden sich am Ende des Buches.

In seiner Biografie beschreibt der Autor vom Leben der Familie, die im oberschlesischen Bedzin ein gutes Zuhause gefunden haben. Aus der Sicht des 13-Jährigen, der von einem Tag zum anderen aus einem gerne Fußball spielenden, mit liebender Mutter, strengem Vater und vielen Geschwistern aufwachsenden Jungen, ein die Welt nicht mehr verstehender wird. Angst, Verzweiflung, Hunger, Hoffnung, Mahnung, Gewalt, Selektion, Trennung, Mord, das sind nun die Worte, die von nun an sein Leben prägen werden.

Mit dem Einmarsch der Deutschen in sein Dorf an seinem 13. Geburtstag endet sein bis dahin geregeltes Leben. Innerhalb von 7 Tagen ist alle Zuversicht dahin. Die Synagoge brennt, Menschen werden erschossen, Nachbarn, Freunde, Bekannte. Und niemand greift ein, niemand beschützt sie, im Gegenteil, es wird immer schlimmer. Zunächst noch in dem Wissen, dass seine Arbeitskraft und die der meisten seiner Familie sie vor dem schlimmsten bewahrt, kommt der Tag, an dem sie ihre Wohnung verlieren, in ein Ghetto ziehen müssen. Die Großmutter verlieren. Sich auf einem Dachboden verstecken. Irgendwann doch in einen Zug steigen. In Auschwitz-Birkenau landen. Er von seiner Mutter auf die andere Seite geschubst wird, damit zumindest er überlebt.

Die Schilderungen von Pivnik rauben einem den Atem. Er hat Mengele überlebt. Arbeitseinsätze, Erkrankungen, Mangelernährung und Selektionen, die nicht enden wollen. Irgendwann wird er in ein anderes Lager verbracht, bekommt dort eine zusätzliche Ausbildung. Nun kann er unter anderem Mauern hochziehen oder auch Stollen ausbessern. Und damit ist er nun hauptsächlich beschäftigt. Das schützt nicht vor den Gewalttaten der Soldaten und Bewacher, im Gegenteil. Er wird als Werkzeug dazu benutzt, selbst Tätig zu werden.

Der sogenannte Todesmarsch bestimmt über Monate seine nächsten Schritte, untergekommen am Ende bei einem seiner Bewacher. Immer noch in der Kleidung seiner Gefangenschaft, die später niemandem aufgefallen sein will. Auf einem der Gefangenenschiffe gelandet, die später von den Engländern beschossen wird, kann er gerade so das Ufer erreichen. Der Krieg ist vorbei, doch was bedeutet es schon für ihn? Es wird geleugnet, verdrängt, er versucht sein Leben zurückzubekommen. Zum Glück findet er seinen älteren Bruder, zu Zweit versuchen sie, sich ein Leben aufzubauen. Israel zu helfen. Ein Atelier in England. Gerechtigkeit zu finden, sich als Zeugen anzubieten, um die Schuldigen verurteilen zu können. Mehrere solcher Versuche schildert der Autor. Doch was für eine Strafe ist hier noch gerecht?

Es gibt sehr viele Bücher, Filme und anderes mehr zum Holocaust. Dieses sind die Erinnerungen eines Menschen, von Samuel Pivnik, einst ein 13-jähriger Junge, der gerne Fußball spielte und das im vertrauten Umfeld, sicher vor den Gefahren der Welt.


  (0)
Tags: folter, gaskammern, ghetto, holocaust, hungelleid, judenstern, kz- auschwitz, lager birkenau, muselmann, nazi, polen, selektion, vertriebene, viehwaggon todesmarsch   (14)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Der Machtkampf

Peter Müller
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei DVA, 26.09.2016
ISBN 9783421047434
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

schlechtes essen, visazeit überschreiten, syrien, kinder ohne schule, schlechte unterkunft

Sie nannten mich "Held"

Christian Haller
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei riva, 30.11.2015
ISBN 9783868838183
Genre: Biografien

Rezension:  
Tags: freiwillig, gemeinschaft, hitze, hunde massakrieren, irak, is, kinder ohne schule, krieg, kurden, scharfschütze, schlechtes essen, schlechte unterkunft, syrien, visazeit überschreiten, waffen   (15)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

stillstand, fortschritt, blackbox, fehler als chance, fehleranalyse

Das Black-Box-Prinzip

Matthew Syed , Ursula Pesch , Franka Reinhart
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 11.11.2016
ISBN 9783423261302
Genre: Sachbücher

Rezension:

Fehler? Mach ich doch keine! Ich? Ich habe keinen Fehler gemacht. Das waren die Anderen. Wir machen keine Fehler! Das kommt einem sehr bekannt vor. Oder nicht? Matthew Syed aber beschreibt, wie kostbar es sein kann, sich Fehler genau anzuschauen, zu analysieren, um daraus zu lernen. Und nicht nur das. Auch alte Verfahren, Meinungen, Thesen mal auf den Prüfstein zu legen, hat seinen Sinn. Sein Buch „Das Black BOX PRINZIP – Warum Fehler uns weiterbringen“ versucht, mit dem Klischee aufzuräumen, dass Fehler bloß vertuscht werden sollten. Sicher, im Grunde wissen wir das. Aber wir fallen immer wieder auf unser seit Kindheitstagen eingeprägtes Verhalten zurück, dass Fehler etwas sind, was böse ist. Fehler werden bestraft, statt zum Anlass zu nehmen, sie gründlich zu durchleuchten, wie es dazu kam, wie man es besser machen kann, um in Zukunft diese zu vermeiden. Sprich: wie wir daraus lernen können.

Der Autor stellt sehr viele Beispiele vor, wie wir mit Fehlern umgehen, in welchen Branchen mit Fehlern konstruktiv umgegangen wird und wo und wie sie demonstrativ geleugnet werden. Die Energie, Zeit, Geld und Ressourcen aufbrauchen, nur um zu beweisen, dass der Fehler keiner war, das wir weitermachen sollten wie bisher. Dabei schaut Syed auch in die Vergangenheit, in die Entwicklung, wie in welchen Ländern eine Fehlerkultur entwickelt wurde. Wie es dazu kam, dass Jahrhundertelang an alten Tatsachen festgehalten wurde, anstatt sie einmal einem Test zu unterziehen, ob denn alles seine Richtigkeit hat oder die Menschheit einem Trugschluss unterliegt. Kirche, Machtstrukturen, Obrigkeitsdenken, strenge Hierarchien, all diese sozialen Begebenheiten, schreibt Syed, hinderen uns daran, Fehler zu sehen und sie laut und deutlich zu benennen.

Sehr anschaulich und gut verständlich taucht der Autor in einzelne Geschichten ein. Von dem Ehemann und Vater, der seine Frau bei einer Routineoperation verloren hat und sich nicht beirren ließ, bis herausgefunden wurde, warum das passiert ist und wie dieser Fehler nicht mehr passieren kann. Ihm kam es nicht auf eine Bestrafung an, sondern dass daraus gelernt wird und die Konsequenzen für alle Operationssäle bekannt gemacht werden, damit in diesen mehr Menschenleben gerettet werden können. Der Erfolg gibt ihm recht. In der Flugzeugindustrie ist das Blackboxprinzip gang und gebe. Jeder noch so kleinen Unregelmäßigkeit wird nachgegangen.

Syed hat viele Interviewpartner aus der Industrie zu Wort kommen lassen und führt vor, wie aus einer Idee und vielen Versuchen ein neues Produkt auf den Markt kommen kann. Allein daraus, dass sich jemand über eine Sache ärgert, die nicht richtig funktioniert.

Die Schattenseiten der Fehleranalyse zeigt der Autor anhand der Rechtsprechung in Amerika auf. Seit die DNA Verbrecher überführen kann, kann sie aber auch Unschuldige aus dem Gefängnis befreien. Die Uneinsichtigkeit von Richtern und Polizisten, einen Fehler gemacht zu haben scheint Grenzenlos. Und so sitzen Menschen, obwohl bewiesen ist, dass sie unschuldig sind, noch Jahre hinter Gittern. Gerade diese Unfähigkeit, Fehler einzugestehen, ist ein weiterer wichtiger Punkt in Syeds Buch. Ob es nun Richter in Amerika sind, der Autor vergleicht hauptsächlich Großbritannien und die Vereinigten Staaten, oder Politiker auf beiden Seiten des „großen Teiches“, die Angst, einen Fehler einzugestehen und die dadurch entstehenden Konsequenzen anzugehen, sind enorm. Denn je größer der Mensch ein Machtpotenzial zur Verfügung hat, um so schwerer wiegen die Folgen einer Fehlentscheidung. Dabei geht es meist um Menschenleben. Ob es nun im Gesundheitswesen, mit der noch immer klein gehaltenen Fehlerkultur ist, oder als Politiker, der über Krieg und Frieden entscheiden muss.

Syed stellt zu Recht fest, dass Fehler uns weiterbringen, nur dadurch kommt es zu Fortschritt in allen Bereichen unseres Lebens. Aber wenn „Fehler machen“ immer noch zu oft zu Strafen oder Missachtung führen, statt zu einer Änderung im Betriebsablauf und vielem mehr, ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

  (0)
Tags: blackbox, fehler als chance, fehleranalyse, fortschritt, stillstand   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

gegenpropaganda, sprache des krieges, märtyrer, schwarze kleidung, hinrichtungen

Die Sprache des Terrors

Philippe-Joseph Salazar , Christiane Seiler
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Pantheon, 29.08.2016
ISBN 9783570553435
Genre: Sachbücher

Rezension:

In „Die Sprache des Terrors“ von Philippe-Joseph Salazar setzt sich der Autor intensiv mit den Worten des IS auseinander. Wie werden sie wann in welchem Zusammenhang wie benutzt, aber auch, welche Bekleidung die Mitglieder des IS tragen, welcher Hintergrundsprachgesang wird wann bei den veröffentlichten Videos genutzt, wo und wie sind diese zu sehen und wie hat sich die Szenerie im Zeitverlauf verändert. Erst durch eine intensive Analyse kann festgestellt werden, inwieweit sich die Sprache des Kalifats in die restliche Welt bereits integriert hat, eine vom Autor als parasitär bezeichnet, von uns jetzt schon selbstverständlich benutzt.

Salazar fungiert hier wie ein Übersetzer, der die uns fremde Welt des Kalifat näher bringt, weil es sich schon anhand seiner Sprache bei uns eingeschlichen hat, mithilfe unserer Medien, scheinbar ohne, dass wir es merken. Wir belächeln die blumige Sprache, die zum Beispiel die Selbstmordattentäter benutzen. Warum es uns in die Irre leitet, das erklärt der Autor. So wie die Unterschiede zwischen Westen, Kalifat und auch andere arabische Länder.

Salazar räumt zunächst mit Missverständnissen in der Sprache auf, als einer der ersten Punkte nimmt er sich Territorium/Terrorismus/Terrorist vor. Das Kalifat ist zwar das Territorium des IS, sieht aber den Rest der Welt als „besetzt“ von uns, dem Westen an, das man befreien muss. Wie war das eigentlich früher? Terror fügte ursprünglich der Herrscher über ein Territorium einem Verbrecher zu, indem er ihm „heilsame Furcht“ einflößte. Heute kommt der Terror von außen. Uns wird und soll „heilsame Furcht“ zugefügt werden, auf das wir erkennen, wer oder was das Beste für uns ist. Wir befinden uns im Krieg, benennen es aber nicht deutlich genug. So wie wir von Märtyrer und Selbstmordattentäter, von Terroristen reden und schreiben, obwohl es sich doch um Soldaten und Partisanen handelt. Außerhalb des Territoriums des Kalifat soll der Partisan unerkannt, ohne Uniform oder erkennbarer Waffen den Feind angreifen und zermürben. Solange wir aber nicht unsere Worte dafür benutzen, erkennen wir nicht das Ausmaß der Übergriffe. Der Autor warnt eindringlich davor dies zu unterschätzen.

Es wurde gelacht, als bekannt wurde, dass das Kalifat ausgerufen wurde. Doch benutzte der Anführer weder Pomp noch Trara. Und es ist ihm auch gleichgültig, ob andere Staaten das Kalifat anerkennen oder nicht, für ihn und seine Gemeinde ist es Fakt. Und auch wenn er zurückgedrängt wird, so wird es immer welche geben, die zum Kampf bereit sind. Salazar beschreibt anhand geschichtlicher Entwicklungen, wie zum Beispiel die Proklamation der Vereinigten Staaten 1793 vom Westen, dem alten Europa, verlacht wurde.

Um unsere jungen Frauen und Männer vor dem Weggang aus unseren Ländern hin zum IS zu hindern, wird vieles getan. Aber hat es auch Wirkung? Salazar hat sich die sogenannte Gegenpropaganda genau angeschaut. Wen soll sie ansprechen? Es ist bereits deutlich geworden, dass eben nicht nur die „Abgehängten“ Richtung Syrien aufbrechen oder zu anderen Trainingscamps auf der Welt, sondern viele kluge, studierende, in Ausbildung befindliche Männer und Frauen den „Westen“ und deren Werte verlassen und in den Dschihad gehen. Darauf weisen schon Gilles Kepel und Antoine Jardin in ihrem Buch „Terror in Frankreich - Der neue Dschihad in Europa“ hin. Doch zum Beispiel die Videos sprechen höchstens unbedarfte an, die zufällig darüber stolpern. Salazar versucht Hinweise dafür zu geben, indem er seine Analysen detailliert zur Verfügung stellt, das heißt, er zerlegt diese Videos in kleinste Sequenzen, um auf Fehler hinzuweisen. Es müssen andere Wege gefunden werden

Was mir zu wenig beschrieben wurde ist der Feminismus im Kalifat. Die Prägung auf dem Weg ins Kalifat, was es bedeutet als Frau sich von der Familie zu trennen und alleine, womöglich noch schwanger sich auf den Weg zu machen, darüber erfahren wir viel. Auch, was es mit den unterschiedlichen Ausprägungen in Europa und, vor allem aus den letzten Jahren aus Amerika, der Genderthematik, im Vergleich auf sich hat, lesen wir. Doch wie fühlen und leben, sprechen die Frauen, wenn sie dann in ihren „neuen“ Familien aufgenommen wurden?

Salazar schreibt selbstverständlich zunächst aus Sicht der Franzosen, vergleicht aber immer wieder auch Handlungs- und Denkweisen von Frankreich, Deutschland und anderen Staaten Europas. Ob es nun um die Diskussionsbereitschaft geht oder auch im Bezug zur Gesetzeslage und welche Möglichkeiten seiner Meinung nach absolut nicht genutzt werden.

  (0)
Tags: brutale ermordungen, dschihad, gegenpropaganda, hinrichtungen, is, isis, kalifat, kampfkleidung, krieg, kriegsmaschine, märtyrer, partisane, partisanenkampf, propaganda, sandfarbene kleidung, schwarze kleidung, soldaten, sprache des krieges   (18)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Diamantdrache

Marie-Luis Rönisch
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Eisermann Verlag, 12.12.2016
ISBN 9783946172598
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

recht, rechtsstaat, bildung, salafisten, kriminalität

Deutschland in Gefahr

Rainer Wendt
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei riva, 15.08.2016
ISBN 9783868834765
Genre: Sachbücher

Rezension:

Rainer Wendt hat mit seinem Buch: Deutschland in Gefahr – Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt, eine für Diskussionen sorgende Veröffentlichung auf den Weg gebracht. Dass Polizisten, aber auch Feuerwehr und ärztliches Personal in der Öffentlichkeit immer wieder und auch immer mehr zur Angriffsfläche von Mitbürgern unseres Landes genutzt werden, steht außer Frage. Ebenso wie die mangelnde Ausstattung, zu geringe Ausbildungszahlen, schlechte Bezahlung und andere Sachthemen besprochen werden. Der Autor gibt aber mehrfach seine eigene Auffassung von Demokratie und Rechtsprechung wieder. Soll die Leserschaft das als Wahlbotschaft für 2017 auffassen? Wendt ist nicht seit gestern Mitglied einer der großen Parteien in unserem Land. Die Diskussionen um die Angriffe auf Polizisten, Retter, Feuerwehr, haben ja nun auch Früchte getragen, das Bundeskabinett hat eine Verschärfung des Strafrechtes Anfang Februar 2017 auf den Weg gebracht, dass bereits Attacken mit strengeren Strafen geahndet werden sollen.

Mit schon fast derber Sprache beziehungsweise populistisch-provokant zählt er Kapitel für Kapitel auf, was seiner Meinung nach schief läuft und unbedingt anders gestalten werden sollte. Der Staat hält sich inzwischen aus zu vielen Dingen wieder heraus, die seiner Meinung nach unbedingt wieder originäre Aufgaben werden müssen. Wer das bezahlen soll, darüber steht nichts im Buch. Zum Teil mutet es schon träumerisch an, wenn er den Hausmeister in der Schule vermisst, der doch immer hoch geachtet war. Da reichte nach seinen Aussagen schon ein Stirnrunzeln und dann lief es bei den Schülern wieder rund.

Es klingt schon sehr stark danach, dass der Autor mehr möchte, als gut ausgebildete junge Leute, die ihren Dienst für Deutschland in den einzelnen Bundesländern, bestens ausgestattet, durchführen. Eher nach Zucht und Ordnung, am besten alles stark kontrolliert. Dass Richter unabhängig sind, scheint ihm nicht so ganz zu passen, da sind doch fast überall härtere Strafen möglich? Sicher, er erwähnt auch Urteile, die ganz nach seinem Geschmack zu sein scheinen, doch analysiert er nicht eines dieser Gerichtsverfahren, geht nirgends in die Tiefe, alles wird nur oberflächlich und plakativ angesprochen.

Dass es keine Pflicht für die Kleinsten in unserem Lande gibt, sich in den Kindertagesstätten einzufinden, damit sie ordentlich erzogen werden und so aus ihnen brave Bürger werden, scheint ihm völlig unverständlich. Gott sei Dank leben wir in einer Demokratie. Der hiesige Terrorismus (RAF) stammte zum größten Teil aus so genanntem guten Hause, hatte keine schlechte Bildung, und doch ist etwas schief gelaufen. Gute Informationen zu dem Thema Terror in unserer Zeit bieten da die Autoren Gilles Kepel mit Antoine Jardin mit ihrem Buch „Terror in Frankreich, der neue Dschihad in Europa“, sie erläutern die zeitliche Entwicklung, Hintergründe der Täter, was genau schief gelaufen ist, wie Täter in den Gefängnissen „radikalisiert“ wurden.

Zahlen bietet der Autor viele, allerdings keine Recherchemöglichkeiten, woher die Daten denn genau stammen? Da werden Prozentangaben zu Sachverhalten angeboten, ohne Grundwerte, ohne Zeiträume, ohne Methoden, wer hat sie wann erhoben und auf welcher gesetzlichen Grundlage? Soll seine Leserschaft alles so hinnehmen oder erst anfangen zu googeln? Als Beispiel soll hier Kapitel 7 zur Verkehrsüberwachung dienen. Die Todesfälle im Straßenverkehr würde der Autor noch viel deutlicher verringern, schlägt auch entsprechende Methoden vor. Er bemängelt den nicht vorhandenen Bundesverkehrssicherheitsbeauftragten, einen Bundesdatenschutzbeauftragten haben wir. So ist nun mal die Gesetzesgrundlage. Doch der Staat versagt seiner Meinung nach, weil mit Zahlen falsch operiert wird. Auch hier fehlen die Angaben, woher seine Daten stammen. Damit sich die Leser ein eigenes Bild machen können hier zumindest eine offizielle Internetseite, die auf weitere offizielle Datenanbietern verweisen: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/TransportVerkehr/Verkehrsunfaelle/Verkehrsunfaelle.html

Dass Polizistinnen und Polizisten einen harten Job ausfüllen, darüber lesen wir immer wieder, zum Beispiel erst kürzlich veröffentlicht: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/von-beruf-polizist-wir-bekommen-jede-menge-wut-ab-a-1132836.html

Und das Buch von Tania Kambouri „Deutschland im Blaulicht – Notruf einer Polizistin“ zeigt eindringlich auf, wie schwer es gerade für Frauen im Polizeidienst ist, ihre Pflicht zu erfüllen.

Über den Autor gibt es im Internet unter anderem unter folgendem Link Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Wendt


  (1)
Tags: bildung, geldstrafe, gewalt, gewaltbekämpfung, kriminalität, polizei, rechtsstaat, salafisten, terror   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(116)

205 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 26 Rezensionen

sinn des lebens, selbstfindung, philosophie, roman, leben

Das Café am Rande der Welt

John Strelecky , Bettina Lemke , Root Leeb , Root Leeb
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.02.2007
ISBN 9783423209694
Genre: Sachbücher

Rezension:

Bereits von 2003, erst jetzt in meinem Bücherstapel entdeckt und sofort angefangen zu lesen. Hier ist mein Eindruck:

Stell Dir vor, Du willst ein paar Tage ausspannen, weißt eigentlich nicht so genau wohin Du willst, fährst mal drauf los und dann stehst Du im Stau. So fängt das kleine Buch von John Strelecky „Das Café am Rande der Welt“ an. Die Erzählung über den Sinn des Lebens ist kurz, mit vielen schönen Skizzen gespickt in 17 Abschnitten unterteilt. John, unser Protagonist, will einfach nur den Stau umfahren als er merkt, dass er sich völlig verfahren hat. Er weiß nicht mehr wo er ist, nur dass seine Benzinanzeige ihn langsam und allmählich gerne in die Nähe einer Tankstelle fahren sehen möchte.
Der Autor lässt uns mit John umherirren bis er, als er sich schon im Dunkeln zu Fuß nach einer Tankstelle gehen wähnt, noch einmal links abbiegt und endlich ein Licht erblickt. Wie das Licht am Ende eines Tunnels, ein Ausweg, ein Ziel. Oder der Anfang einer magischen Geschichte. John findet sich in einem Café wieder, das aussieht, als hätte es die besten Tage hinter sich aber unglaublich gemütlich. Hier lernt John im Laufe der nächsten Stunden drei Menschen kennen, die sein weiteres Leben auf den Kopf stellen werden. Da ist zunächst Casey, Bedienung und Seele des Cafés, die mit John viele tiefschürfende Gespräche führen wird, während er ein riesiges Frühstück zu sich nimmt. Und dann Mike, der Koch, der ihn mit allem, was John schmecken könnte verwöhnt. Als Dritte ist da Anne, die bereits öfters im Café war und ihr Leben ziemlich umgekrempelt hat.
Doch was ist nun so besonderes an dieser Erzählung? John findet nicht nur viele tolle Speisenangebote auf der Karte, sondern auch drei Fragen, die ihn regelrecht anspringen. Besonders die Erste: Warum bist Du hier? Das Spiel mit den Worten beginnt. Und es scheint, als wenn diese Frage ab und an ihre Worte tauschen würde: Warum bin ich hier. Casey und John beginnen eine philosophisch angehauchte Unterhaltung, bei der John viele Fragen stellt, die Casey ihm aber mitnichten beantwortet. Im Gegenteil, er bekommt Gegenfragen zu hören, die ihn immer tiefer in sich hinein lauschen lassen, sein Leben gründlich überdenkt. Und als Leser kommst Du auch ins Grübeln, überlegst, was ist der Sinn Deines Lebens, was erfüllt Dich so, welche Tätigkeiten machen Dir Freude und vieles mehr.
Dadurch, dass John seine Fragen nicht einfach beantwortet bekommt, sondern nur Hinweise, auch durch Mike, erfährt er viele Aha-Momente, bei denen er langsam zu begreifen scheint, was es mit den Fragen und vor allem den selbst gegebenen Antworten auf sich hat. Casey bringt irgendwann Anne zu ihm, damit sie sich ebenfalls unterhalten können. Sie berichtet von ihrer eigenen Wandlung. John ist schwer beeindruckt. Die Ruhe, die alle Personen ausstrahlen, trotz des nicht ganz einfachen Themas, lassen einen auch selbst ruhig bleiben. Was nutzt auch zu schnelles agieren, lieber einen Schritt nach dem anderen, so, wie es auch Anne und Mike erzählen.
Schritt für Schritt herausfinden, wer man ist, was einen ausmacht, sich nicht von Rückschlägen aus der Bahn werfen lassen, seinen Platz in der Menge finden ohne sich zu sehr von Anderen in deren Richtung schubsen zu lassen. Das und vieles mehr erfährt John in dieser Nacht, obwohl er eigentlich ein paar Tage ausspannen will, seine Batterien wieder aufladen und seinen Job als Manager weitermachen. John stellt viele wichtige Fragen, die auch wir uns stellen würden. Ob er von den Dreien die für ihn passenden Antworten bekommt beziehungsweise Hinweise darauf?
Man muss es wollen, sich einlassen auf vielleicht unbequeme Fragen und Antworten. Der Autor lässt John auch Fragen nach dem Geld, dem Lohn für ein anderes Leben stellen und bekommt Beispiele genannt, die im ersten Moment einfach erscheinen. Aber es lohnt sich, darüber einmal nachzudenken. Für alle, die auf der Suche sind, oder auf die Suche gehen wollen, nach etwas Neuem.

Weitere Informationen über den Autor findet sich zum Beispiel unter: https://www.dtv.de/autor/john-strelecky-3471/ und in der englischsprachigen Ausgabe von Wikipedia.


  (0)
Tags: aha-erlebnisse bei der suche auf erkenntniss, der sinn meines lebens, tiefgehende fragen, was ist klarheit, was ist wahrheit   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(722)

1.373 Bibliotheken, 25 Leser, 11 Gruppen, 144 Rezensionen

liebe, zeitreise, zeitreisen, schicksal, romantik

Die Frau des Zeitreisenden

Audrey Niffenegger ,
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.11.2005
ISBN 9783596163908
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags: zeitreisen, zeitsprünge   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

inseln, krebse, hummer, ostküste, liebe

Der Hummerkrieg

Elizabeth Gilbert , Elke Link
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 18.03.2009
ISBN 9783833305870
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: großfamilien, hummer, inseln, krebse, liebe, main, romantik   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

verkaufsfördernde sprache, verschwörungstheorien, was 2016 nicht in der zeitung stand, 2016 im mittelpunkt, auf der vergeblichen suche nach wahrheit

verheimlicht - vertuscht - vergessen 2017

Gerhard Wisnewski
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Kopp Verlag, 21.12.2016
ISBN 9783864453809
Genre: Sachbücher

Rezension:

Unter folgenden Gesichtspunkten und Fragen sollte die Leserschaft von „verheimlicht, vertuscht, vergessen“ von Gerhard Wisnewski, das neue Jahrbuch „Was 2016 nicht in der Zeitung stand“ sich genauer ansehen: Die Vermischung von Tatsachen, Wünschen, Träumen, Vermutungen und Spekulationen gepaart mit einer Sprache, die als Instrument dazu dienen soll, eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen. Das ist auch Marketing, Verkaufsstrategie, wie immer man es benennen mag. Wähle ich eine sachlich-analytische Sprache, wird der Autor nicht das Publikum erreichen, das er mit einer schnodderigen, auch stark provozierenden Art erreichen möchte. Zu Recht verweist der Autor auf „Zitat: Propaganda-Papst Edward L. Bernays“ darauf hin, wie wir auf bestimmte Meinungen und Gewohnheiten hingeführt werden. Dabei benutzt der Autor einen für unser Zeitalter schon nicht mehr passenden Untertitel. Es kann gar nicht mehr alles in der Zeitung stehen, hat es auch noch nie. Es wurde schon immer eine Auswahl dessen getroffen, was die jeweilige Redaktion zur Veröffentlichung für Notwendig erachtet hat. Dass durch Lobbyisten Politik gemacht wird, wir von Werbung verführt werden und Redekünstlern umgarnt, das alles ist bekannt. Der Autor möchte mit seinem Buch die Finger auf Wunden legen, uns auffordern zwischen den Zeilen zu lesen, um zu erkennen, was nicht stimmig ist oder sein kann; kritisch zu werden. Vor allem die provozierende Art seiner Ausdrucksweise bezogen auf Opfer und Angehörige von Straftaten, Vermutungen und Spekulationen gerade im Bezug auf Terror und Gewalt ist fragwürdig.

Dann muss sich Wisnewski auch gefallen lassen, dass wir ebenfalls kritisch mit seinem Buch verfahren. Auch der Autor trifft eine Auswahl an Themen, die er näher beleuchten will. Dabei stellt sich natürlich auch die Frage, ob er tatsächlich die Themen selbst aussucht, oder er nicht vom Verlag auf bestimmte Themenbereiche festgelegt wird. Die Kapitel sind Monatsweise angelegt, einige Themen herausgestellt und die von ihm behandelten fett gedruckt. Also wird auch hier eine Auswahl getroffen. Bloß von wem?

Nicht nur die Leserschaft seiner Schriftenreihe ist älter geworden, auch die Technik hat Quantensprünge vollzogen. Und auch wenn Wisnewski, Jahrgang 1959, sein Buch nun als Hardcover herausbringt, als lesefreundlicher Service für die jetzt älteren Käufer, so ist es auch nicht von der Hand zu weisen, dass das Internet als Informationsquelle die Zeitung längst abgelöst hat. Wer genaueres wissen will geht ins Netz. Wie auch der Autor. Dabei verwundert es erheblich, wie einseitig er auf die ausgewählten Themen eingeht, anderweitige Meinungen höchstens abweisend bis verneinend anspricht und damit dem Leser suggeriert, dass es nur eine Richtung geben kann, die Richtig sein soll. Sollte nicht der Leser selbst sich eine Meinung bilden können?

Die Quellenangaben sind unzureichend, umständliches nachrecherchieren ist gesetzt. Das war in seinen vorherigen Ausgaben besser gelöst. Die Recherchen bei manchen Themen sind lückenhaft, vor allem wenn auf Studien hingewiesen werden, die in entsprechenden Medien zu finden sind. Diese werden als gegeben hingenommen, ohne dass der Autor auf diese näher eingeht. Dabei weisen inzwischen viele von ihnen erhebliche Mängel auf. Wenn der Leser nicht weiß, nach welchen Methoden die Daten berechnet wurden, mit welchen Zeiträumen, welche Punkte zu Ausschlusskriterien führten, wer die Studie bezahlt hat und so weiter und so weiter, dann ist das mehr als unzureichend.

Durch die absolut fehlende sachlich, analytische Schreibweise wage ich zu bezweifeln, dass der Autor Entscheidungsträger in unserem Land erreichen wird, auch wenn er mit seinen Recherchen viele wichtige Themenbereiche aufgreift. Seine früheren Bücher weisen eine sehr viel tiefer gehende Analyse eines Sachverhaltes auf, zum Beispiel „verheimlicht vertuscht vergessen: Was 2014 nicht in der Zeitung stand“der bei Knaur erschienen ist.

Weitere Informationen unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Wisnewski

  (0)
Tags: 2016 im mittelpunkt, auf der suche nach wahrheit, auf der vergeblichen suche nach wahrheit, frauen und arbeit, schlechte sprache, verkaufsfördernde sprache, verschwörungstheorien   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

15 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

flüchtlinkspoliti, verfassungsschutz, seilschaften, dunkelmacht, altnazi

Dunkelmacht

Harald Lüders
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Westend, 04.10.2016
ISBN 9783864891557
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Aktuell und realitätsnah wirkt der Thriller von Harald Lüders „Dunkelmacht“. Es geht um alte Machtstrukturen, Seilschaften und ein nicht einsehen wollen, dass bestimmte Ereignisse nicht ohne Gewalt zu ändern wären. Die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin sind gewissen Personen beim Verfassungsschutz, hier zum Beispiel Werner Dickmann, und anderer wichtiger Behörden ein Dorn im Auge. In konspirativer Runde beschließen sie, einen Fachmann zu rekrutieren, der für sie eine Flüchtlingsunterkunft in die Luft jagen soll.
Doch sie haben die Rechnung ohne den an sich selbst zweifelnden Journalisten Mitch gemacht. Der, angestellt bei einer Firma, die Dokumentationsfilme nach Auftrag herstellen, endlich wieder einmal seinem ureigensten Job des investigativen Journalismus nachgehen will. Lüders stellt ihn als langsam Fett ansetzenden, zu Selbstzweifeln neigenden Journalisten dar, der so gerne endlich mal wieder etwas richtig machen will. Da kommt ihm die anonym zugestellte DVD wie gerufen, auf der man sieht, wie die NSU-Mörder vor ihrem angeblichen Selbstmord gefilmt werden. Woher kommt die DVD? Und, noch wichtiger, gibt es noch mehr Material von demjenigen, der es ihm zugespielt hat?
Der Autor beschreibt auch eine typische Flüchtlingsfamilie, Vater, Mutter, zwei Kinder, deren Flucht bis nach Deutschland, Aufnahmelager inklusive. Diese Familie soll nun Mitch für einen Fernsehsender begleiten, und es verschlägt ihn ausgerechnet in den Osten. Dorthin, wo ein bekannter Rechtsradikaler seine Fäden zieht, mit dem er noch eine Rechnung offen hat.
Lüders führt viele verschiedene Erzählstränge langsam aufeinander zu, nach dem Motto, jeder kennt jeden über fünf Ecken. Aber es passt. Keine Figur wird vergessen, selbst der Abspann wirkt wie ein versöhnlicher Ausgleich zu der Gewalt, die sich über alle Protagonisten ausschüttet, als wären sie ein Muss in unserer Zeit.
Ob es sich nun um das Erstarken neuer Parteien in Deutschland handelt und, in den Westen geschaut, um einen an sich unpolitischen Menschen, der einen der wichtigsten Machtposition der Welt anstrebt, der Autor lässt den Journalisten Mitch über vieles nachdenken. Die beschriebenen Seilschaften, kaum zu durchdringen, immer wieder erneuert durch nachkommendes Personal, das zusammenhält, komme was wolle, mit den üblichen Tricks aus der Schublade - so weit hergeholt ist das alles nicht. Die Schlagzeilen der vergangenen Tage und Wochen zwischen Amerika und Russland zeigen, es funktioniert noch immer, mit den neuen Techniken nun ein wenig anders, aber der Wille, überall seine Finger im Spiel zu haben und Menschenmassen zu leiten, es hört nicht auf. Aber es sind nicht zu viele Anleihen an die Realität, sondern punktuell eingestreute Tatsachen, mit dem der Autor seine Protagonisten arbeiten lässt.
Von daher wirkt der Thriller, als könnte sich die Geschichte tatsächlich so und nicht anders abgelaufen haben. Der Schreibstil tut sein Übriges dazu, fein gesetzte Übergänge lassen den Spannungsbogen nicht zusammenfallen.

Die Umschlaggestaltung wirkt düster mit dem an ausgehendes Feuer wirkender Schrift und durchzogener grauschwarzer Rauchschwaden. Doch dunkelgraue Schrift auf schwarzem Hintergrund, wie auf der Rückseite genutzt, lässt sich schwer lesen, da macht es fast nichts aus, dass ein kurzes Wort fehlt.

Mehr über den Autor findet man unter www.westendverlag.de/buch/dunkelmacht/#book-author

  (0)
Tags: altnazi, apo, bomben, flucht, flüchtlinge, flüchtlingsströme, geheimdienst, journalist, nazigefolgschaft, nsu, seilschaften, semtex, verrat verfassungsschutz, wiederstand   (14)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

5 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

drogen, drogenfunde, management, gefängnisse, rogenhunde

Narconomics

Tom Wainwright , Henning Dedekind
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Blessing, 19.09.2016
ISBN 9783896675538
Genre: Sachbücher

Rezension:

Warum nicht mal den illegalen Drogenkartellen näher auf die Finger schauen mit einer ganz neuen Sichtweise? Drogenhandel als ein weltweit agierendes Unternehmen, wie jedes andere auch. Allerdings, da gibt es doch so manche Unterschiede. Diesem Thema nachgegangen ist Tom Wainwright in seinem Buch Narconomics mit dem entsprechenden Untertitel „Ein Drogenkartell erfolgreich führen“.

Niemals zuvor habe ich in einem Buch so viele Merkzettelchen verklebt wie in diesem. Ich werde nun also versuchen, die, wie ich finde, wichtigsten Punkte kurz und knapp aufzuführen. Einer der Sätze, den ich sinngemäß wiedergeben möchte ist die Erkenntnis des Autors, dass den Konsumenten nicht deutlich genug gemacht wird, welche Gewaltakte sie mit dem kurzen Rausch finanzieren. Dass sie für ein paar Dollar kriminelle Machenschaften unterstützen, die den Gräueltaten der sogenannten IS in nichts nachstehen. Sei es mit Enthauptungen, die noch dazu, auch wie bei der IS, gefilmt werden, Folterungen, Drohungen, Entführungen und so weiter und so weiter. Und die Konsumenten wissen niemals wirklich genau, was sie da eigentlich zu sich nehmen, was die Stärke, Konsistenz, Inhaltsstoffe und deren zusätzlicher Wirkungen angeht. Sie sind nie klinisch getestet oder begutachtet worden. All das, was wir bei Medikamenten, Lebensmitteln, Kinderspielzeug und vielem mehr erwarten und auch wollen wird bei illegalen Drogen über den Haufen geworfen. Wainwright geht darauf immer wieder ein.

In diesem Buch geht es hauptsächlich darum, Drogenkartelle mit weltweit agierenden Unternehmen zu vergleichen. Was lernen Drogenbosse von anderen Unternehmen? Eines der wichtigsten Erkenntnisse, die sicher nicht neu, aber nie wirklich klar und oft genug genannt wurde, ist, hat ein Land in Südamerika sein Drogenproblem in den Griff bekommen, weichen die Drogenbarone in das nächste aus. Das nun sauberere Land bekommt ein dickes Lob von den Regierungen, die die meisten Konsumenten haben, von Weltbank, UN und wem auch immer, aber das eigentliche Problem ist geblieben. Es wurden und werden Unsummen dafür ausgegeben, die Drogenherstellung zu kappen, aber was passiert? Es gibt immer mehr. Ein anderer Weg muss gefunden werden. Der Autor erklärt das an mehreren gescheiterten Beispielen und regt auch neue Wege an, um den Drogenhandel zu stoppen.

Was für legale Unternehmen eine gute Grundlage ist in andere Länder zu investieren, nämlich internationale Ranglisten, das gilt natürlich auch für die illegalen. Hier wird beispielsweise aufgeführt, wo am wenigsten Bürokratie für Firmengründungen bestehen, Korruption eingedämmt wurde, eine hohe Anzahl an Polizei beziehungsweise viel Geld in Sicherheit angelegt wird. Dort gehen Drogenkartelle natürlich nicht hin. Sie sehen sich die Länder am Ende der Ranglisten an, dort, wo Korruption am höchsten angeprangert wird, die Bestechlichkeit von vor allem Regierungsbeamten beziehungsweise Polizei beklagt wird, dort sehen sie ihr Entwicklungspotenzial.

Bei der Wahl ihrer Mitarbeiter greifen die Kartelle gerne auf Gefängnisse zurück. Meist werden sowieso Bandenmitglieder in ein und das selbe Gefängnis gesteckt. Und falls noch jemand einfährt der nicht dazu gehört - bis er aus dem Knast entlassen wird, gehört er dazu. Hier berichtet Wainwright von Bemühungen einiger weniger, die in ihren Gefängnissen Geld investieren, um den Gefangenen lesen und schreiben beizubringen, einfach Bildung zukommen lassen, damit sie nach ihrer Entlassung zumindest eine Chance sehen, aus dem Teufelskreislauf auszubrechen, ihrem Leben eine neue Richtung geben können. Leider, so beschreibt es der Autor, werden hier eher die Gelder gekürzt, um sehr viel mehr der Polizei und deren Ausstattung zukommen zu lassen, obwohl die Statistiken zeigen, dass Bildung den Drogenkartellen ihre Mitarbeiter entreißen.

Aber Wainwright geht auf sehr viel mehr Themen ein. Franchising ist ebenfalls nicht unbekannt in der Drogenszene, auch das neue Geschäftsfeld Internet wird vertieft. Hier geht es wie beim legalen Markt darum, gute Bewertungen als Verkäufer wie als Käufer zu bekommen. Dafür gibt es spezielle Browser wie zum Beispiel Tor, als Währung gilt Bitcoin. Hier wird viel legales mit illegalem vermischt.

Die Erschließung neuer Märkte, neuer Kunden, auch hier orientieren sich Drogenbarone an dem, was andere weltweit agierende Unternehmen mit ihrer Warenstruktur auf die Beine stellen. Wenn die Ware Cannabis nicht mehr das Geld abwirft, was es soll, da es legalisiert wird, wie in einigen Staaten Amerikas, so wird die Infrastruktur für eine andere Ware, zum Beispiel Menschenschmuggel, genutzt.

Je höher die Mauern und Zäune, je höher die Strafen, desto höher der Gewinn bei den Kartellen. Egal ob Drogen, Menschen oder sonstiges Verbotenes. Und bei den Legal Highs war man am Anfang nobel, Verbot dann dennoch die sogenannten Kräutermixturen und kam dann nicht mehr hinterher, denn die Labore entwickeln immer schneller aber leider auch immer gefährlichere Legal Highs, die letztendlich auch wieder verboten werden. Ein Kreislauf, der immer schwieriger, wenn nicht bereits gar nicht mehr zu durchbrechen ist.

Und da sind wir wieder beim Konsumenten, den Personen, die am Ende dieser Kette stehen und gerne für einen Rausch Geld hinlegen ohne zu ahnen, was ihm, was ihr, statt Rausch drohen kann.

Wainwright will vor allem aufklären, aufrütteln, offen legen. Sicher, ich habe viel wiedergegeben aus dem Inhalt, der mir allerdings auch wichtig erschien. Der Schreibstil ist angenehm und überrascht mit immer neuen Herangehensweisen an dieses Thema. Der Autor hat viel auf sich genommen, um für das Buch zu recherchieren. Ob es bei wichtigen Entscheidern allerdings entsprechend Wirkung entfacht, wird man sehen.

  (0)
Tags: cannabis, drogen, drogenbanden, drogenfunde, drogenkartelle, franchising, freigabe, gefängnisse, heroin, infrastruktur, koks, legal highs, menschenhandel, mitarbeitersuche, nicht getestete drogen, rogenhunde   (16)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(13)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

humor, berlin, eheseminar, skandal, gel

Die Kanzlerin

Linda Behringer
Flexibler Einband: 172 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 22.11.2016
ISBN 9783741253751
Genre: Comics

Rezension:

Die Vorstellung, dass eine Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland einfach mal untertauchen muss, ist grotesk, aber alternativlos. Ohne einen Kompromiss einzugehen, stellt sich die Autorin Linda Behringer in ihrem Buch „Die Kanzlerin“ diese als überaus gefühlvolle Person vor, die leider von ihrem Pressesprecher versteckt wird. Versteckt werden muss! Denn die Staatsanwaltschaft ist hinter ihr her, haben doch gewissenlose Journalisten, ohne auf ihren Status der ewig Lügenden zu achten, gar fürchterliches über die Kanzlerin herausbekommen und veröffentlicht.

So umgeht ihr Pressesprecher, dass ihr, der Chefin, mal wieder die Hand ausrutscht und sie aus diesem Grund die nächste Wahl verlieren könnte. Ja, Behringer fällt sehr viel ein, was die deutsche Kanzlerin sein könnte, auch bei ihrem Ehemann und Bekanntenkreis. Das ist lustig, schräg, verdächtig skurril und wirkt sehr charmant. Dabei wirken manche Absätze leicht holprig, der zweite Satz vor dem ersten geschrieben, was für Erklärungen sorgt, die zwar auch kommen, aber in dem Moment den Lesefluss erst mal hemmen und für Fragezeichen in den Gesichtern der Leser sorgt.

Eine Kanzlerin, sie heißt übrigens Mörkel, die Ohrfeigen verteilt, wenn ihr der Kragen platzt, wie herrlich ist das denn? Da entstehen in Tagträumen noch so manche Phantasien, bei welchen Personen ihr das passieren könnte. Und dann wird sie auch noch des Steuerbetruges verdächtigt, ausgerechnet sie! Dafür erleben wir sie dann ein paar Tage in einer nicht gerade reinlichen Berliner WG, in der sie sich auch noch wohlfühlt. Kann sie doch dem politischen Getriebe endlich einmal ausweichen, völlig ungezwungen Gespräche führen und ihren mütterlichen Trieben freien Lauf lassen.

Die Autorin versieht die Protagonisten mit Namen, bei denen man am Anfang aufpassen muss, sich nicht zu verlesen, die eigene Phantasie und die Realität nicht zu verwechseln. Dabei beweist sie ebenfalls Humor, wie auch beim Ablauf der Geschehnisse.

Was für schlechte Lesequalität sorgt, sind die Satzarbeiten. Manche Zeilen wirken gezerrt, manche gequetscht, da merkt man, dass das Buch im Print on Demand Verfahren erstellt ist, wohl eine sehr grobe Gestaltung, die wenig professionell wirkt, was sich auch bei den Absätzen widerspiegelt. Überflüssig ist das Inhaltsverzeichnis für die 172 Seiten, das eng gesetzt und in zu dicken Buchstaben auf eine Seite, wie es scheint, passen musste. Dafür ist das Cover-Bild meines erachtens großartig gelungen und springt einem gleich ins Auge. Für 9,99 Euro ein kurzweiliger Spaß, bei dem man gerne wissen würde, was die echte Kanzlerin dazu sagt.

Mehr über das Buch und die Autorin findet man zum Beispiel über www.diekanzlerin.cool sowie über www.facebook.com/BuchdieKanzlerin


  (1)
Tags: berlin, bundeskanzlerin, eheseminar, hereingelegt, kanzlerinnen ehemann, skandal, steuern hinterziehen, studenten wg   (8)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kortex, blut-hirn-schranke, adrenalin, ionen, parkinson

Ich glaub, mich trifft der Schlag

Ulrich Dirnagl , Jochen Müller
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Droemer, 02.11.2016
ISBN 9783426276792
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Ich glaub, mich trifft der Schlag“ ist nicht nur ein Spruch, den viele bei erschreckenden Ereignissen aussprechen, sondern der Titel eines Buches von Prof. Dr. Ulrich Dirnagl und Dr. Jochen Müller. Der Untertitel gibt dann wieder, was uns inhaltlich erwartet: Warum das Gehirn tut, was es tun soll, oder manchmal auch nicht.

Anhand der sechs bekanntesten Erkrankungen des Gehirns, Kopfschmerz und Migräne, Schlaganfall, Epilepsie, Multiple Sklerose, Parkinson sowie Demenz und Alzheimer, erklären die beiden Autoren so einfach wie es ihnen möglich ist, warum unser Gehirn manchmal nicht das tut, was es tun soll. Dabei ist den Hirnforschern eines klar: ohne die Schädigungen gibt es keine Erkenntnisse darüber, wie unser Gehirn funktioniert. Das ist bitter für die Patienten, aber ohne sie gäbe es auch keine Fortschritte beim Verständnis über die Leistungen des Gehirns, der Struktur und der Verbindungen zum übrigen Körper.

Und das es nicht einfach ist, all das zu verstehen beziehungsweise verständlich für die Leser zu Papier zu bringen, merkt man dem Buch an. Auch wenn so manche Funktionsweisen der Gehirnareale anhand eines Beispiels erläutert werden, oftmals an der Arbeitsweise einer großen Behörde, so muss sich jeder sehr wohl bewusst sein, ohne ein wenig Gehirnschmalz einzusetzen, klappt es mit dem Verstehen nicht. Im Bezug auf das letzte Kapitel ist das allerdings positiv zu sehen, denn als vorbeugende Maßnahme, oder auch um die Symptome so lange wie möglich herauszuziehen, wird das Erlernen von völlig Neuem vorgeschlagen. Da ist es ja nur positiv, wenn wir uns mit Neuronen, Synapsen, Blut-Hirn-Schranke, Nervenzellen und so weiter einmal intensiv befassen.

Beide Autoren ergänzen sich bei den Fragestellungen, Therapiemöglichkeiten und wie der Stand der Forschung bei den einzelnen Teilgebieten ist. Und da ist noch lange nicht Schluss. Mit jeder neuen technischen Möglichkeit ergeben sich wieder weitere Einblicke und Erkenntnisse zu unserem „Mieter im Oberstübchen“. Dirnagl und Müller vergleichen die Suche nach den Ursachen öfter mit einem Thriller. Es gibt viele Spuren, doch nur wenige ergeben einen Sinn und nach langwierigen Forschungen und Experimenten bleibt manchmal nichts davon übrig und es heißt: zurück ins Labor. Dabei forschen weltweit in vielen Laboratorien Menschen rund um die Uhr und sind auf der Suche nach Heilmitteln beziehungsweise Wegen, bestimmte Hirnerkrankungen erst gar nicht entstehen zu lassen.

Alle sechs oben genannten Erkrankungen werden ausführlich unter die Lupe genommen, wobei die Autoren versuchen, bereits in der breiten Öffentlichkeit bekannte Sprachregularien aufzugreifen und zu vertiefen. Hilfreich ist das umfassende Glossarium, bei der die Fachbegriffe gut erläutert werden. Und das ist auch notwendig. Was ebenfalls als Ergänzung dient, sind die Übersetzungen aus dem Griechischen oder Lateinischen, mit Bezug zur geschichtlichen Entstehung und Hintergründe dazu. Handelt es sich um erst jüngst entdeckte Areale des Gehirns, so sind die Bezeichnungen nun in englischer Sprache.

Professor Dr. Dirnagl wurde erst kürzlich, am 7. November 2016, den Berliner Wissenschaftspreis für seine hervorragenden Leistungen in der Schlaganfallforschung verliehen.

Fazit: Wer sich einmal tiefer mit den Ursachen der hier aufgeführten Erkrankungen beschäftigen will, ist hier gut aufgehoben, ein paar mehr eingängige erklärende Zeichnungen wären sich kein Fehler gewesen. Wünschen wir den Forschern viel Glück, dass sie Erfolg bei ihren arbeiten haben werden.
Erschienen im Droemer Verlag, 334 Seiten, für 16,99 Euro (D) beziehungsweise 17,50 (A).


  (3)
Tags: adrenalin, alzheimer, amygdala, blut-hirn-schranke, botenstoffe, demenz, dopamin, gehirn, glia, glutamat, hirnstamm , am, ionen, kopfschmerzen, kortex, medizinische forschung, migräne, nervenzelle, noradrenalin, parkinson, rezeptor, schlaganfall, synapsen, thalamus   (23)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(49)

101 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

texas, krimi, wüste, thriller, sheriff

Regengötter

James Lee Burke , Daniel Müller
Flexibler Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Heyne, 20.10.2014
ISBN 9783453676817
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Thriller „Regengötter“ von James Lee Burke kommt daher wie ein langer Ritt durch eine wüstengleiche Gegend. Es ist mein erster „Burke“, ich gebe es zu. Vielleicht kann ich dadurch aber noch unbeeindruckt vom lagen Schaffenswerk des Autors meine Meinung darlegen. Über 650 Seiten lang bewegt sich die Kriminalstory bis zum großen Showdown, schon lange nicht mehr habe ich ein solch umfangreiches Buch gelesen. Dabei hat es mich an vielen Stellen an einen Western erinnert, bei dem die großen Gegenspieler sich gegenseitig meucheln, bis nur noch zwei übrig bleiben und diese sich gegenüberstehen. So ist es zwar nicht ganz, aber das Gefühl ist präsent.

Worum es geht? Sheriff Hackberry Holland, ein alter Kriegsveteran, Witwer und ehemaliger Alkoholiker, findet hinter einer Kirche nach einem anonymen Anruf mehrere Frauenleichen auf, als er anfängt zu graben. Mehr oder weniger unterstützt von den Bundesbehörden macht er sich auf die Suche nach den Tätern. Dabei hilft ihm sein Chief Deputy Pam Tipps, eine Frau im besten Alter und schwer verliebt in Hackberry. Der anonyme Anrufer, der junge Kriegsveteran Pete, war Zeuge der Morde und muss mit seiner Freundin Vikki fliehen. Denn nun sind etliche hinter ihm und Vikki hinterher: der Sheriff, die Bundesbehörden, die wahren Mörder, die Auftraggeber, die Feinde der Auftraggeber. Wer hier nun wen ausspielen möchte ist schwer zu durchschauen.

Am schlimmsten aber ist der Mörder, ein Psychopath, Jack Collins – der Preacher, dessen christlich religiöse Wahnvorstellungen alle seine Untaten begründen sollen. Er steht zwischen verschiedenen Parteien, die ihn alle beauftragen wollen die jeweilige Gegenseite zu töten, und so macht er sich ans Werk. Allerdings nicht so, wie sich das alle wünschen …

Der Autor belässt es bei dem umfangreichen Werk auf eine überschaubare Anzahl von Protagonisten, von daher kann man der Story gut folgen. Mir gefällt, wie Burke an vielen Stellen die Finger in die Wunden dieses großen Landes legt, wenn er von den zahlreichen Angestellten großer Anwesen berichtet oder wie junge Soldaten ausgenutzt, verwundet und sich wie ausgespuckt auf der Straße wiederfinden. Die eigentlich nur Gutes tun wollten aber vom System dem großen Ganzen untergeordnet und geopfert werden.

Beim Lesen fällt einem eine gewisse Trägheit auf, was ich sehr wohl positiv meine, denn Burke lässt seinen Figuren Zeit sich zu entscheiden, welche Schritte sie als nächstes unternehmen wollen. Fast wie bei einem Schachspiel. Doch wie bei diesem Spiel wird nicht jeder Zug mit Glück belohnt und schwupps ist man Schachmatt oder wie hier der nächste Tote. Und man wird ebenfalls an Roadmovies erinnert, so oft, wie die Protagonisten in ein Auto steigen, um lange Fahrten zu unternehmen.

Allerdings werden auch in diesem Buch die Geschichten einiger Figuren nicht konsequent bis zum Ende verfolgt, was ich außerordentlich schade finde. Aber wer weiß, bei der Fülle von veröffentlichten Werken werden wir bestimmt wieder von ihnen lesen. Bei der Recherche über Burke fallen einem die immer wiederkehrenden Charaktere auf, wobei ein Cousin auch hier eine Rolle spielt, dem Burke eine eigene Reihe gewidmet hat. Die Rede ist von Billy Bob Holland.

Ich muss von daher kaum erwähnen, dass es unzählige Werke von Burke gibt, die man als Fan von ihm bestimmt alle lesen will. Auch bekam er sehr viele Auszeichnungen und einige seiner Bücher sind bereits verfilmt. Nachzulesen kann man das alles zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/James_Lee_Burke

Lesespaß für lange Abende, Nachmittage auf der Couch, am Strand und als Geschenk für Männer bestens geeignet.



  (2)
Tags: amerika, ausbeute, ein neues leben beginnen, hitze, usa, waffen, waffengewalt, wüste   (8)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

lehrerin, hunger, entführer, schnee, suche

Good Girl. Entf??hrt: Roman by Mary Kubica (2015-04-14)

Mary Kubica
Flexibler Einband
Erschienen bei Diana Verlag, 01.01.1711
ISBN B01K93SVSK
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das als Roman klassifizierte Buch von Mary Kubica „Good Girl – Entführt“, kann sehr wohl als Thriller durchgehen. Es ist ihr Erster, der in den USA von Lesern und Presse begeistert aufgenommen wurde, was auch kein Wunder ist.

Zunächst einmal ist da der Schreibstil von Kubica, die ihre Geschichte von drei Protagonisten erzählen lässt sowie aus zwei Zeitlinien, beschrieben als VORHER und NACHHER. VORHER, das ist die Zeit, bevor eine Familie eine verloren gegangene Tochter wiederfindet, NACHHER, da beginnt die Aufarbeitung der Entführung. Beide Zeitlinien und die Erzähler werden ständig abgelöst, sodass man genau aufpassen muss, wer wann gerade zu welcher Zeit die Geschichte weiterspinnt. Das große Finale am Ende überrascht bestimmt so manchen Leser, macht man sich doch immer wieder Gedanken darum, wie was zusammenpasst.

Wie schon der Klappentext und der Titel verraten, wird eine Lehrerin, Mia Dennett, entführt. Doch von wem und warum? Als sie dann nach einer spektakulären Befreiung die ersten Worte von sich gibt, behauptet sie steif und fest, sie ist Chloe.

Doch bis wir zu dieser Befreiung kommen, dauert es. Die Autorin verwebt von Anfang an die Sichtweisen von der Mutter des Opfers, Eve, dem ermittelnden Detective, Gabe Hoffmann und dem Entführer, Colin.

Nach und nach bekommen wir Einsichten in das Eheleben von Mias Eltern, durch Eve, ihrer Mutter. Der Vater, ein sehr reicher Richter, völlig gefangen in seiner Korrektheit und blind gegenüber den Begabungen seiner jüngeren Tochter, die eine herausragende Zeichnerin ist. Da er sich von allem abwendet, was Kunst betrifft und sozial schlechter gestellten Menschen, so sehr will die sich von ihren Eltern vernachlässigt gefühlten Tochter genau das aus ihrem Leben machen. Sich der Kunst hingeben und gleichzeitig als Lehrerin an einer Schule für benachteiligte Kinder Gutes bewirken. Ihre Mutter grämt sich, ihren beiden Töchtern, auch der älteren, Grace, nicht die Mutter gewesen zu sein, die sie sein wollte.

Detective Gabe Hoffmann soll nun in der VORHER-Situation herausbekommen, wo zum Teufel Mia steckt, wer sie entführt hat und warum. Dabei gerät er immer wieder auch mit dem Richter aneinander, weil Gabe es einfach nicht verstehen kann, wie ein Vater nicht wissen will, wie sein Kind lebt, arbeitet, was es fühlt und denkt. Für ihn zählt nur die erste Tochter, die ganz nach ihm kommt. In der NACHHER-Situation will er unbedingt herausfinden, warum das Ganze überhaupt passiert ist. Dabei ist er sich der Bauernopferrolle bewusst, die er eingenommen hat. VORHER: wenn er Mia nicht findet, ist er seine Karriere los und NACHHER ebenso, wenn er die Gründe für die Entführung und auch die dahinter stehenden Mittäter nicht findet.

Colin nun, der Entführer, erklärt uns nach und nach die Beweggründe für sein Handeln und seine Empfindungen für Mia beziehungsweise Chloe. Und warum sie sich über Monate in einer Blockhütte versteckt halten. Wovor hat Colin solche Angst? Durch seine Augen sehen wir die Ängste von Chloe, ihre Fluchtversuche und Verzweiflung, diese Kälte, die sie durchdringt, nie ist es ihr warm genug, dieser jungen Lehrerin.

Der Autorin gelingt in ihrem Debut die komplizierte Vermischung von Raum und Zeit. Die Drei Augenpaare, durch die wir die Story sehen ist manchmal gespenstisch, oft traurig, zum richtigen Zeitpunkt spannend. Nur an einer Stelle hakt die Logik, was aber den Lesespaß absolut nicht bremst, das Ende ist ein Knaller!

  (3)
Tags: entführer, hunger, kälte, künstlerin, lehrerin, mutter aus england, opfer, richter, schnee, suche, täter   (11)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

krieg, afghanistan, künstliche gelenke, amputation, lagerkoller

Anatomie eines Soldaten

Harry Parker , Johannes Sabinski
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Benevento, 09.11.2016
ISBN 9783710900020
Genre: Romane

Rezension:

Ein im Schreibstil außergewöhnlicher Roman ist das Buch von Harry Parker „Anatomie eines Soldaten“, übersetzt von Johannes Sabinski. Wenn Rezensionen über dieses Buch geschrieben werden, werden wir häufig die Worte „verstörend“, „intensiv“, „aufrüttelnd“ lesen. Ich selbst kann dies nur bestätigen.

45 Gegenstände erzählen aus ihrer Sicht die Geschichte des Soldaten Tom Barnes sowie der beiden jungen Freunde Faridun und Latif. 45 Gegenstände sind 45 Kapitel, bei der nicht klar wird, wo genau der Krieg stattfindet, bei dem Tom Barnes mitwirkt, das Camp des Captains steht, die beiden Freunde sich plötzlich auf verschiedenen Seiten stehend wiederfinden. Es kann in Afghanistan sein oder im Irak stattfinden, im Grunde ist das gleichgültig.

Da gibt es zum Beispiel ein Munitionsgeschoss, das davon berichtet, wie es von Tom zusammen mit anderen sortiert, geprüft und schließlich alle ins Magazin eingelegt werden, nur um dann zu warten, dass es irgendwann abgeschossen wird. In der Zeit, in der es mit dem Captain zusammen ist, kann es davon berichten, welche Gedanken Tom hegt, welche Schritte er geht, mit wem er sich unterhält. Irgendwann wird auch dieses Munitionsgeschoss letztendlich abgeschossen, und es lässt uns teilhaben, wie es ist, hinaus katapultiert zu werden, mit welcher Geschwindigkeit, welche Geräusche entstehen, die Luftverdrängung und vieles mehr.

So ergeht es uns mit allen Gegenständen. Ob es die Schilderungen der Handtasche der Mutter ist, die ihren Sohn im Krankenhaus besucht, der Teppich im Haus von Faridun, auf dem der Captain und Fariduns Vater Platz nehmen, um zu reden und Tee zu trinken oder die Bombe, die durch Latif zur Explosion gebracht wird.

Die Intensität der sprechenden, denkenden, erzählenden Gegenstände, treibt einem auf vielen Seiten die Tränen in die Augen und ich wollte an einigen Stellen am liebsten, dass das Buch ganz schnell endet, um es im nächsten Moment wieder in die Hand zu nehmen. Es ist ein Antikriegsbuch, das, so ist die Menschheit, so verstörend es sein mag, seine Wirkung nicht erreichen wird. Mitzuerleben, wie Tom seine Beine verliert, wie er Monate braucht, um wieder halbwegs selbstständig agieren zu können, das tut weh. Und wenn ein Spiegel erzählt, wie Tom sich nur ein einziges Mal seiner Funktion annimmt, ist die Einsamkeit und Verzweiflung greifbar.

Harry Parker lässt seine Gegenstände die Geschichte aus vielen verschiedenen Blickwinkeln erzählen, teilweise zeitgleich am selben Ort, von unterschiedlichen Standorten, und deren Gebrauchsarten. Auch spielt der Roman in unterschiedlich Zeitsprüngen, die aber gut zu folgen sind. Er beginnt mit dem absoluten Trauma, als Captain Tom Barnes in die Luft geschleudert wird. Ein falscher Schritt und das Leben ist nicht mehr wie es war. Und der Autor kann das was kommt nur deshalb so gut beschreiben, weil er all das selbst erlebt hat. Es ist ein autobiografischer Roman, ein Debüt, das überaus überrascht. Das findet sich zum Beispiel bei der Beschreibung einer Schönheit, nämlich einer Schneeflocke, wie sie als Tropfen dem Himmel entgegenstrebt, durch Wetterschichten dann einzigartig vom Himmel fällt und Tom beobachtet und uns von ihm berichtet. Er hat den Blick durch grausame Werkzeuge nicht für das Gute verloren.

Harry Parker lebt heute als Schriftsteller und Künstler in London. Der Roman ist bei Benevento erschienen und kostet 24 Euro bei 352 Seiten.


  (4)
Tags: amputationen, angriff, anschleichen, aushorchen, bomben, bomben gesteuerter hochsprung, entschädigung, feind, feldpost, heimaturlaub, hubschrauberanflug, krieg, künstliche gelenke, lagerkoller, opfer, opfergeld, soldaten, training, verteidigung, wüste   (20)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(13)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

tod, flucht und vertreibung, kellerversteck, verfolgung, juden

Herbstzeilen: Eine kleine Erzählung über eine große Heldin

Anja Schenk
E-Buch Text: 13 Seiten
Erschienen bei neobooks, 18.08.2016
ISBN 9783738081138
Genre: Romane

Rezension:

Heute möchte ich mal eine Kurzgeschichte vorstellen, und zwar Herbstzeilen, von Anja Schenk. Dabei will ich gleich mal vorwarnen, es könnte sehr gut möglich sein, dass einigen Lesern die Tränen kommen werden. Es ist ein sehr berührendes Thema, das die Autorin gewählt hat. Krieg, Not, Elend, die Geräusche von Bombenhagel, der Zweite Weltkrieg, Handlungsort Berlin. Schenk lässt in den ersten Zeilen die Protagonistin, Elisabeth, einen Brief erhalten, der an längst vergangene Tage erinnert, an eine Zeit, die sie verdrängt hat. Viele Ältere und auch deren Nachkommen können sicherlich einiges darüber berichten, genauso wie manches verborgen bleibt. Aber es werden immer weniger, die uns davon berichten können.
Elisabeth soll eine Heldin sein, die Verfasserin der Zeilen lässt keinen Zweifel zu. Ist sie doch direkt Betroffene der guten Taten von ihr und ihrer Mutter Gerda. Der Mut dieser beiden Frauen in den Kriegswirren hatten auch andere Menschen, und das ist gut so. Daran erinnert zu werden ist wichtig in der heutigen Zeit. Die Autorin schreibt gut und flüssig, die wenigen Seiten, 44, sind rasch gelesen. Was bleibt sind ein dicker Knoten im Hals, aufgeweckte Erinnerungen der eigenen Familiengeschichte und feuchte Augen.
Ich verrate sicher nicht zu viel, wenn ich die Stichworte von versteckten Menschen in alten Kellergewölben, Notrationen und vermissten Liebsten erwähne. Denn all das steckt darin, in dieser Kurzgeschichte. Und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es der Anfang einer größeren Story ist, bei der wir erfahren, wie es der Briefschreiberin ergangen sein mag nach dem Krieg, was diese so erlebt hat.
Es gibt nur wenige Stellen, bei denen meine Augen stolpern und den Lesefluss nur unerheblich unterbrechen.
Die Autorin hat eine eigene Webseite www.kinderbuch-schenk.de und ist auch hier bei Facebook vertreten.

  (0)
Tags: bagel, berlin, flucht und vertreibung, judenvertreibung, kellerversteck, notrationen, zweiter weltkrieg   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

gesellschaft, wirtschaft, viviane forrester, kulturgeschichte, ökonomie

Der Terror der Ökonomie

Viviane Forrester , Tobias Scheffel
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 26.01.1999
ISBN 9783442127993
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

randgesellschaft, randbezirke, die drei generationen des terrors, mord im namen der religion, terror

Terror in Frankreich

Gilles Kepel , Werner Damson
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 14.09.2016
ISBN 9783956141294
Genre: Sachbücher

Rezension:

Nicht mal ebenso zum schnell lesen geeignet, aber wer sich intensiv mit dem Thema Terror, Dschihad, Salafismus und so weiter beschäftigen will, kommt an folgendem Buch wohl nicht vorbei: Gilles Kepel mit Antoine Jardin „Terror in Frankreich, der neue Dschihad in Europa“. Nachdem ich es gelesen habe, wünsche ich mir, es wäre vor dem Buch von Michel Houellebecq „Unterwerfung“ erschienen oder zumindest zeitnah. So intensiv, wie sich der Wissenschaftler und Professor am Institut d'Études Politiques de Paris, Kepel, mit dem Thema beschäftigt, so sehr wünscht er sich das selbst von viel mehr Kolleginnen und Kollegen in Frankreich. Leider ist das dort in den vergangenen Jahren seiner Meinung nach stark vernachlässigt worden und führte in der Folge zu vermehrt auftretenden Pseudo-Experten.

Das Buch ist in zwei großen Abschnitten unterteilt. Zuerst einmal in die Inkubationszeit (2005 – 2012), hier wird das Schlüsseljahr 2005 analysiert und das Wahlrecht der Muslime zum muslimischen Abstimmungsverhalten behandelt sowie die Affäre Merah durchleuchtet. Im zweiten Teil, die Eruption betitelt, geht es um den französischen Dschihad und den syrischen Dschihad swie um die Kehrtwende im Wahlverhalten der Muslime. Der letzte Abschnitt des zweiten Teils ist mit #CharlieCoulibaly überschrieben und geht dem Überfall auf die Redaktion von Charlie Hebdo auf den Grund.

Der Autor hat sich nicht nur die Terroranschläge der vergangenen zwei Jahre genauer angeschaut sondern sieht weit zurück in die Vergangenheit. Das hat auch etwas mit der geschichtlichen Entwicklung Frankreichs zu tun, mit ihrer kolonialen Ausbreitungen und den daraus entstandenen politischen Entscheidungen. Und da die Terroristen sowie auch kleinere und größere Parteien sich auf bedeutende Geschichtsdaten beziehen, erklärt Kepel dessen Entstehungsgeschichten. Nicht zu vergessen sind auch die Verbindungen und Geschehnisse in der restlichen Welt.

Kepel untersucht intensiv die Werdegänge der Verbrecher der jüngsten Untaten in Frankreich, zum Beispiel die Angreifer auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo oder dem Überfall auf einen Supermarkt mit Geiselnahme und Tötungen. Es werden auch andere jüngeren Datums erwähnt und behandelt, alle werde ich hier nicht aufführen. Wie, wo, wann, wodurch wurden die Täter radikalisiert und warum konnte es nicht verhindert werden? Es gab eine Zeitlang keinerlei Terrorangriffe an Frankreich, führende Köpfe waren zum Beispiel im Gefängnis. Aber nicht tatenlos. Die Gefängnisse werden als Brutstätte angesehen, in der sich junge Menschen von den älteren radikalisieren lassen.
Wir werden bis zu den Anfängen des Terrors zurückgeführt, lernen die ersten zwei Generationen kennen, unter der dritten leidet zurzeit die Welt. Waren es am Anfang hierarchische Strukturen, die den Kampf geführt haben, von oben herab bis zur kleinsten Zelle, so wird nun jeder der sich dazu bekennt dazu aufgefordert loszuschlagen. Aber wie funktioniert das, was sind Beweggründe für die zumeist jungen Menschen sich selbst für eine Sache zu opfern? Vor allem, da es sich meist um Nachkommen postkolonialer Immigranten handelt, die den französischen Pass inne haben.

Dafür muss man sich die Politische Entwicklung in Frankreich genauer ansehen. Der Autor erläutert uns die Zusammenhänge anhand verschiedener Wahlen beziehungsweise das Wahlverhalten verschiedener Gruppierungen. Haben sich in früheren Zeiten Muslime nicht so stark an Wahlen beteiligt, so hat sich das, vor allem seit der Wirtschaftskrise, verändert. Das gegenseitige Ausspielen von Themen der Parteien gerade vor Wahlen führte zu den bekannten Ergebnissen.

Aber das ist nicht alles. Kepel führt die vernachlässigten Randbezirke der Städte an, die nicht genug eingebunden sind, um die Arbeitsplätze zu erreichen. Wer nicht genug Geld hat, hat kein Auto, ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, und sind diese nicht in ausreichender Möglichkeit vorhanden, so kann sich jeder ausrechnen, was das für Konsequenzen nach sich zieht. Und das ist nicht erst in den letzten Jahren so, sondern das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt und hat sich durch die Wirtschaftskrise nur noch verstärkt. Allerdings sind es nicht nur unter schlechten Bedingungen aufgewachsene Muslime, die sich haben radikalisieren lassen sondern auch gut behütete. Kepel führt hierzu Beispiele auf.

Charismatische Köpfe haben seit der Erfindung der sozialen Netzwerke alles genutzt, um hier den Weg zum Dschihad aufzuzeigen. Mit welchen Tricks dies geschieht, erklärt der Autor, indem er die gezeigten Videos auf youtube analysiert. Sprache, Wortwahl, Hintergrundgeräusche, Bilder. Wie unglaublich oft diese Filme heruntergeladen werden, lassen erahnen, welche Möglichkeiten und Wege der Terror gefunden hat, um sich so massenhaft zu vergrößern.Komme zu uns, lass dich ausbilden, und so weiter und so fort. So kommt es, dass teilweise große Gruppen aus den Randbezirken sich aufmachen, um für den Dschihad zu kämpfen oder um zurückzukehren, um in ihren Ursprungsländern Unheil anzurichten.

Natürlich gibt es nicht nur eine Strömung des Islam in Frankreich, sondern sehr viele, auch konkurrierende Verbindungen. Und hier gelingt es durch die perfide – bist du nicht für uns, so bist du gegen uns und unser Feind – Methode die Gemeinschaft der Muslime zu verunsichern und der Versuch, Schuldgefühle zu verstärken, gelingt durch die zerstrittenen führenden Politiker, was zu tun ist, leider gut. Die Gesellschaften, Demokratien, zu entzweien, Bürgerkriege auszulösen, um dann einen islamischen Staat zu errichten, ist das Ziel des Terrors.

Ich habe nur Kepel erwähnt, doch auch Antoine Jardin hat großen Anteil an dem Buch, Kapitel 2 sowie die Seiten 199 bis 2015 von Kapitel 5. Als politischer Soziologe forscht er am Centre National de la Recherche Scientifique. Außerdem hat er bereits mehrere Bücher zu diesem Thema geschrieben, forscht er doch bereits seit mehr als 30 Jahren dazu. Weiterführende Informationen zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Gilles_Kepel.

Nicht alles kann in diesem Rahmen aufgezählt und erläutert werden. Es ist eines der wichtigsten Bücher wenn nicht gar das wichtigste Buch, um ein tiefes Verständnis für die Entwicklung der Ereignisse der letzten sechzig bis siebzig Jahren in Frankreich und Weltweit zu bekommen.

  (1)
Tags: die drei generationen des terrors, dschihad, frankreich, islam, mord im namen der religion, randbezirke, randgesellschaft, terror   (8)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(26)

30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

psychothriller, krimi, kontrolle, klaus schuker, thriller

Kontrolle. Macht. Tod.

Klaus Schuker
Flexibler Einband: 271 Seiten
Erschienen bei fabulus Verlag, 28.09.2016
ISBN 9783944788319
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Soeben beendet: Kontrolle.Macht.Tod. Molden und die Fesseln der Angst von Klaus Schuker. Es ist nicht der erste Kriminalroman des Autors, dieser ist als Psyhothriller deklariert, was man so stehen lassen kann. Der Umschlag ist sehr dunkel gehalten, wodurch die Schrift nicht gut lesbar ist, obwohl der Titel in Weiß/Grau abgesetzt ist. Für die Freunde der Haptik ist dieser zu erspüren. Die Schnittkanten der Seiten sind in Orange gehalten, was auf jeden Fall im Buchhandel auffällig ist.
Nun zum wichtigsten Protagonisten: Molden ist ein Privatdetektiv, 54 Jahre alt, der erfreulicherweise kein verbiesteter ehemaliger Polizist ist, sondern nur ein Mensch, der gerne für sich arbeitet, und zwar alleine und ganz in Ruhe. Natürlich hat aber auch er sein Päckchen zu tragen; dass er das aber nach etlichen Jahren, die er nun leidet, immer noch mit sich herumtragen muss, ist bitter, da kann der Leser nur hoffen, dass die Liebe, die er in der Geschichte findet, ihm endlich darüber hinweg hilft. Aber zunächst zum Inhalt. Da werden junge Frauen erst entsetzlich gefesselt, um anschließend ihr Leben zu verlieren. Und das jedes mal auf eine andere Weise, an einem anderen Ort. Dabei geht es dem Killer ausschließlich um die drei im Titel beschriebenen Dinge: Kontrolle, Macht und Tod. Die abwechslungsreichen Tatorte der Verbrechen lassen auf einen nicht gerade dummen Täter schließen, die Leichen werden immer an gut platzierten Stellen aufgefunden. Der Autor belässt es dabei, von Straßenzügen, Ortskern und ähnlichen Begebenheiten zu schreiben, der Name der Stadt bleibt diesmal außen vor. Es kann fast überall sein.
Ein erster Verdächtiger ist schnell ausgemacht, und das hat mir sehr gut gefallen! Die Studie von Babbel-Georg, wie er so auf sich konzentriert, die wichtige Aktentasche an sich gepresst eine Straße entlang huscht, nur um dann auf SEINEM Weg eine Frau vorzufinden. Aber er muss doch zur Arbeit, das geht so nicht. Und die liegt einfach so da, will nicht mit ihm reden und auch nicht aufstehen und weggehen. Da kann man sich in Babbel-Georg hineinfühlen, hineindenken, das ist wirklich gut. Diese Figur ist bis zum Schluss hervorragend beschrieben.
Der Privatdetektiv Molden ist derweil damit beschäftigt, sich mit seinen Fällen auseinanderzusetzen, und auch seine Gefühlswelt muss einiges durchstehen. Verliebt er sich doch nach einem Zusammenprall in der Tiefgarage in eine sehr viel jüngere Frau, Greta. Die Geschichte dieser jungen Liebe kommt mir teilweise wie abgehackt vor. Als ob ein paar Seiten aus Versehen gelöscht wurden und dadurch teilweise unverständlich ist. Kompliziert wird es, als Molden von einer Frau gebeten wird, einen anonymen Anrufer ausfindig zu machen, der fälschlicherweise ihren Sohn mit dem Mord eines der Mädchen in Verbindung bringt. So kommt es, dass er und die zuständigen Kriminalbeamten zueinander in Kontakt kommen. Dabei fällt der Leiter, Dormischatt, positiv von den sonst üblichen Beamten auf. Ruhig, sachlich und kompetent geht er den Spuren nach, wenn es auch nicht viele sind.
Trotzdem hat das Buch seine Schwächen, gerade was die Liebe zwischen Molden und Greta anbelangt. Vielleicht ist es aber nicht der letzte Fall mit Molden und wir erfahren weiteres.
Am Ende kommt es zu einem richtigen Knaller für Molden und Dormischatt, was die Lösung des Falles anbelangt. Da merkt man so richtig, dass es sich um einen Psychothriller handelt.
Die Webseite des Autors ist witzig gestaltet, hier die Adresse für weiter Informationen. Dort sind auch die anderen Kriminalfälle aufgeführt, übrigens nicht nur für Erwachsene: http://www.klaus-schuker.de/buecher.php




  (0)
Tags: ermittlungen, fesseln, kindstötung, kontrolle, macht, obsessiv, schlechte erziehung, tatort, tötungsarten, zeugenaussagen   (10)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

belgien, fürsorge, trauer, marktgeschehen, garten

Nonna stirbt

Freddy Derwahl
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Verlag Herder, 13.09.2016
ISBN 9783451349935
Genre: Sachbücher

Rezension:

Diese Geschichte spielt nicht in unserer technologischen Zeit der Smartphones, Tablets und dem Internet. Das würde auch gar nicht zur Erzählung „Nonna stirbt – Die Geschichte einer Lebenswende“ von Freddy Derwahl passen. Nonna, sie mag diesen Namen, den ihr ihre Enkelkinder gegeben haben, lebt bis zum Ende der 70er-Jahre. Bewusst vor vielen Jahren trotz vieler Wiederstände der damaligen Zeit geschieden, war sie lange Jahre in einer glücklichen Beziehung, die auch ihren Kindern und Enkeln gut tat. Doch nun ist sie alleine. Und sehr krank. Dabei liebt sie ihren Garten über alles, die Winter in Lourmarin, den will sie nämlich nicht im trüben Eupen verbringen, und das Licht, die Sonne, die Weite, auch Barfuß über die Felder laufen.
Man kann sich schon auf den ersten Seiten verlieren, mag sich kuscheln, verstecken, hineinkriechen in den Garten von Nonna oder mit ihr nach Frankreich fahren. Derwahl versteht es, mit wenigen Worten und kurzen Sätzen eine Atmosphäre zu schaffen, die einem die Protagonisten für einen zu echten Figuren werden lässt. Es ist so viel Trauer enthalten in den Absätzen, in denen Nonna Max, ihren zweiten Ehemann verliert. Nicht einfach so, krank wird er, hat er sein Leben etwa selbstbestimmt beendet? Als Nonna kurz vor dem Tod von Max den Herrn Professor befragt, wie gefährlich krank er denn sei, meint er „In Todesgefahr, Madame, sind wir alle“.
Aus Tagebucheintragungen erfahren wir mehr über ihr gemeinsames Leben, ihren philosophischen und literarischen Diskussionen, ihre verschiedenen Vorstellungen von den Dingen und von Religion und wie sie es trotz ihrer unterschiedlichen Auffassungen dennoch meistern, sich zu arrangieren.
Über all die Zeit wird sie bereits vom besten Freund ihres Sohnes, Fred, verehrt und geliebt. Und als nun Max nicht mehr ist und sie alleine nach Frankreich fährt, da erkrankt Fred dramatisch. Es wird ihm empfohlen, sich zu schonen, am besten ganz weit weg von allem, was er kennt. Fred mag die Frauen und diese ihn, doch die liebevolle Freundschaft zu Nonna ist ihm heilig. Sie schreiben sich so lange, bis er soweit ist, dass er zu ihr fahren kann, um zu genesen. Das hilft ihr über die Trauer hinweg. Sie ist nicht im mindesten eifersüchtig auf die Frauen in Freds Leben, kommt ihre Liebe doch nie über einen „keuschen Kuss“ hinaus. Fred lernt in der Zeit seines Aufenthaltes Lourmarin kennen, samt der kleinen Bar, die Märkte ringsum und vieles mehr. Schaut man sich heute die Fotos auf Google an, so versteht man die Wahl des Autors für diesen Ort. Und nun versetze man sich noch fast 40 Jahre zurück.
Und nun also, nach dem letzten Aufenthalt in Frankreich, kehrt sie selbst schmerzvoll zurück. Es ist der Krebs, der ihre letzte Romanze begleiten wird. Nun muss Fred Tagebuch für sie führen, und nicht nur das. Für diese Liebe macht er alles, die Familie unterstützt so gut es geht, doch die Trauer hat auch die Kinder von Nonna mehr denn je ergriffen. Was jetzt zählt sind die Diskussionen mit Fred über Kirche, Religion, Maria, katholische und evangelische Riten. Nonna möchte am liebsten beides vereinen, das, was ihr an beiden Religionen gut gefällt.
Derwahl lässt ihr die ganze Zeit über ihre Schönheit, auch wenn es ihr noch so schlecht geht, Fred kann es kaum glauben. Erst am Ende legt sie den immer benutzten Lippenstift beiseite, es geht dem Ende zu. Sie sucht den Frieden, sucht nach Gott, nach einem spirituellen Weg, nach etwas, das sie auffängt, wenn sie geht. Aber auch, die Stille. Nicht reden. Einfach da sein. Einfühlsam beschreibt der Autor wie Nonna einen Weg für sich sucht, zu begreifen was mit ihr geschieht, die fast fühlbare Angst, vor dem, was sein wird.
Dieses Buch berührt, lässt einen selbst hinterfragen, lässt einem wieder ins Bwusstsein rufen, endlich sind wir alle. Und lässt uns leben voller Lust.
Der Autor ist belgischer Journalist, Filmemacher, PEN-Mitglied, Sachbuch- und Romanautor. Unter https://de.wikipedia.org/wiki/Freddy_Derwahl finden sich mehr Informationen, außerdem hat er einen Account bei Facebook.

  (0)
Tags: belgien, frankreich, freundschaftliche liebe, fürsorge, garten, körperfreie liebe, marktgeschehen, trauer, wintersonne   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(27)

41 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

benzin, bakterium, leserunde, will hofmann, roman

Lebensnacht

Will Hofmann
Fester Einband: 335 Seiten
Erschienen bei fabulus Verlag, 25.08.2016
ISBN 9783944788296
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vorsicht! spoilerdurchtränkte Rezi!

„Lebensnacht“ von Will Hofmann reiht sich ein in die Bücher, die davon erzählen, dass ein Virus oder Bakterium, elektronischer oder biologischer Art, die Menschheit droht zu vernichten. Das ist bereits vielfach und sehr erfolgreich unter anderem von Stephen King (das letzte Gefecht) oder Michael Tietz (Rattentanz) umgesetzt worden. Das Buch von Will Hofmann, ist eine überarbeitete Fassung, das bereits unter dem Titel Oktan im Jahr 2012 im Wiebers Verlag erschienen ist.
In seinem Werk handelt es sich um ein mutiertes Bakterium, das die Menschen „vergrünen“ lässt. Sie beginnen plötzlich unter qualvollen Schmerzen an zu schreien, zucken kurz wie wild und zerfließen dann in eine nach Benzin stinkende grüne Soße. Übrig bleiben noch Knochen und die Kleidung, die sie gerade tragen. Wie das ausgelöst wird, dem geht der Forscher und Nobelpreisträger Professor Doktor Harry Kaufmann nach, der aus Tuberkulosebakterien gerne Benzin herstellen möchte, damit Deutschland und auch der Rest der Welt endlich unabhängig von den Erdöl exportierenden Ländern zu werden. Das gelingt ihm auch, doch bevor sich der Erfolg so richtig einstellen will, beginnt die Seuche, das "Vergrünen". Ist etwa einer der Versuche misslungen?
Berichtet wird vor allem aus der Sicht des ehemaligen Lehrers von Harry, der gleichzeitig Nachbar, Ziehvater und Freund ist, und den Erinnerungen von Wolfgang, dem Bruder von Harry und von Beruf Arzt. Dieser trägt  mit vielen Erzählungen zum Bericht des Lehrers bei, denn die beiden Brüder versuchen gemeinsam der Seuche auf den Grund zu gehen und ein Gegenmittel zu finden.
Die Kapitel sind teilweise sehr kurz, keine zwei, drei Seiten lang. Dabei will der Funke nicht zünden, um sich wirklich in die Geschichte hinein zu vertiefen, zu versinken. Das liegt an der zum Teil sehr sachlichen, kühlen Schreibweise und auch daran, dass Seitenlang über die psychische Verfassung des Professors berichtet wird. Warum er keine Beziehung führen kann und sogar das Masturbieren aufgegeben hat, ebenso wie die Tatsache, dass er ein eher unausgeglichener, aggressiver Chef ist. Sympathisch wird einem dieser Protagonist nicht gerade.
Unglaubwürdig sind einige Passagen, wie zum Beispiel, dass der Produktionsleiter eines Pharmakonzerns sich vom Chefpharmakologen erklären lassen muss, was ein Placebo ist. Oder, dass der Nobelpreisträger für Chemie und weltweit anerkannte Koryphäe Harry nicht weiß, dass bei Stress gewisse Hormone wie das Adrenalin ausgeschüttet werden. Dann hat Harry endlich eine Freundin, Sabine, die selbstbewusst auftritt und einen unabhängigen Lebensstil bevorzugt, das allerdings behagt ihm ganz und gar nicht. Eines Tages haben sie Streit, er verlässt sie und Sabine gibt sich ihren Erinnerungen hin. Unter anderem ist sie ohne Vater aufgewachsen, bei einer ebenfalls sehr eigenständigen Mutter. Ihren Vater kennt sie nicht und sie vermisst ihn nicht, denn, oha, all ihre Freundinnen erzählen nur, wie übel ihre Väter sie behandeln würden. Alle? Nie etwas Gutes? Unglaubwürdig!
Während der Seuche sterben sehr viele Menschen, Millionen in Deutschland, noch mehr auf der ganzen Welt. Die Erdölreichen Länder haben ihren Export eingestellt, es gibt kaum noch Benzin, Industrien liegen brach, aber von Revolution ist nicht viel zu lesen, selbst die Regierung ist nach mehreren Jahren immer noch an der Macht. Einzig die Jugend kommt auf dumme Ideen, wie zum Beispiel Menschen dazu zu bringen, dass sie „vergrünen“, um dann ihre Leichen anzuzünden. Warum Kinder und Jugendliche nicht der Seuche zum Opfer fallen bleibt im Dunkel, auch ab welchem Alter man sich vorsehen muss. Als die 40-Millionen-Grenze an Opfern überschritten ist, wollen jungen Menschen ein Fest feiern. Doch ob es sich um die Zahl der Opfer in Deutschland oder Europa handelt oder welche Länder diese Zahl umfasst, ist vom Autor nicht deutlich beschrieben worden. Wenn es sich nur um Deutschland handeln würde, dann sähe die Panik ganz anders aus. Wir müssen uns nur einmal daran erinnern, wie sehr die Menschen hierzulande Impfstoffen hinterherlaufen, sobald eine ungewöhnliche Infektion ausbricht.
Das Glossar am Ende befreit so manchen Leser vor der Internetrecherche der vielen medizinischen Fachausdrücke und erklärt nochmal deutlich, welche der Phantasie des Autors entsprungen sind. Der Umschlag und die Seitengestaltung sind geglückt, viel Weiß, haptisch gestalteter Titel, in Schwarz gehaltener Buchschnitt, die Innenumschlagsseiten und jeweils ersten beiden beziehungsweise letzten beiden Seiten in tiefem Grün gehalten, dem „vergrünen“ nachempfunden. Allerdings verrät der Titel nicht im Mindesten, was den Leser erwartet und der Klappentext verspricht mehr als das Buch hält. Als Trashfilm kann ich ihn mir hervorragend vorstellen, vielleicht findet sich ja ein Regisseur dafür. Als Roman zu dünn, mit für mich zu vielen unglaubwürdigen Passagen.

  (1)
Tags: adrenalin, anti-antikörper, antikörper, arzt, bakterium, benzin, chemie, export, genmanipuliert, mittelalter, mutant, tuberkulose, überlebenswille, vergrünen   (14)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

empathie, verkäufer, zeitfresser, handel, datensammler

Faktor Mensch im Verkauf: Ein Plädoyer für Leidenschaft und Menschlichkeit im Vertrieb

Holger Bröer
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Springer Gabler, 15.06.2016
ISBN 9783658089870
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wie kaufen wir heute ein? Wie sehen wir Verkäufer beziehungsweise was macht für uns Käufer ein guter Verkäufer aus? Aus Sicht des Verkäufers beschreibt Holger Bröer in seinem Buch „Faktor Mensch im Verkauf – Ein Plädoyer für Leidenschaft und Menschlichkeit im Vertrieb“, wie sich die Bedingungen in den letzten Jahren rasant geändert haben, wo wir jetzt stehen, was auf uns zu kommt. Für uns Käufer, für Verkäufer, den Handel, für uns alle.
Der Autor stammt aus der Generation der Baby-Boomer, aus einer Zeit, in der die Welt des Internet, der schnellen Datenverbindungen und Big Data, in der Handys, Smartphones, Tablets und mit dem Handel kommunizierende Kühlschränke, bestenfalls Science Fiction war. Mit der Zeit zu gehen ist eines, sich nicht vereinnahmen lassen vom Stand der Technik eine völlig andere Seite. Das Kommunikation alles ist, es darauf ankommt, wie ich auf meinen Handelspartner eingehe, wie ich mich selbst als Verkäufer sehen kann, sehen sollte, das ist dem Autor wichtig.
Das Plädoyer ist mehr als ein Ratgeber „wie werde ich zum guten Verkäufer“. Wer ein Standardwerk nach dem Motto, in zehn Schritten zum besten Verkäufer, sucht, ist vollkommen fehl am Platz. Das gute Gegenteil ist der Fall. Eine Analyse des Istzustandes des Handels und wie man darin überlebt ohne sich von Daten- und Zeitfressern zu sehr vereinnahmen zu lassen, das ist die Kunst des Tages. Und dabei nicht seine Phantasie zu verlieren, seinen Spieltrieb, eigene Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Die Menschlichkeit, das Fühlen, Riechen, Sehen, Kosten der Ware, das „sich in Augenschein nehmen“, um die Stimmung des Käufers zu erahnen, um zu einem positiven Geschäftsabschluss zu kommen, das kann uns die Technik nicht abnehmen.
Wie oft ärgern wir Kunden uns über Automatenstimmen, die uns bei Telefonverbindungen mit dem sogenannten Kundendienst hinhalten, bis wir, vielleicht, irgendwann, eine menschliche Stimme hören? Allein daran können wir ermessen, dass es vielleicht Zeit sparend sein kann über das Internet etwas zu bestellen, den wahren Kaufgenuss aber gar nicht mehr spüren können. Viele Unternehmen sind nicht, oder noch nicht, bereit, über Internet, vor allem über Social Media mit den Kunden zu agieren. Zu groß ist die Gefahr etwas falsch zu machen und dann durch ein unbedachtes Wort oder einen ungeschickten Werbefilm sehr viel zu verlieren. An Geld, Ansehen, Macht und Einfluss. Tut man gar nichts, ist ein Unternehmen bald von der Bildfläche verschwunden, ein zu viel hat ebenfalls seine Schwächen. Die Balance zu finden für beide Seiten, Käufer und Verkäufer, alte und neue Generationen sowie Strukturen in der Gesellschaft, das wird die Aufgabe für die Zukunft sein. Dies liegt Bröer sehr am Herzen, das liest man in jeder Zeile seines Buches.
Die Ratschläge für Verkäufer sind eingebettet in allen Themenbereichen aber nicht aufdringlich gesetzt sondern dezent. Nur wie man mit Kunden umgehen soll beziehungsweise eben nicht, das bespricht er anhand der „letzten Meile“. Auch, dass ein Geschäftsabschluss nicht mit der Unterschrift auf dem Vertrag endet, wird er nicht müde zu betonen.
Die Tücken der Datentechnik, wie wir Menschen generell damit umzugehen lernen sollten, Altes mit Neuem verbinden ohne unsere menschliche Seite zu vergessen und nicht alles den Giganten der Datensammler überlassen ist ein wesentlicher Punkt im Buch. Nach Algorithmen sollen unsere Emotionen berechnet werden, damit unser künftiges Handeln vorausberechnet wird, auch im diagnostischen Bereich! Ist das die Freiheit und Unabhängigkeit nach der wir streben? Oder doch eher, wie Bröer uns zu verstehen gibt, der Weg zum Ende der Phantasie und eigenständigem Denken?
Der Autor spart nicht daran uns eindringlich vor Augen zu führen, wie die neue Datenwelt uns und auch das Wirtschaftsleben verändert haben, wie wir, die Handelnden uns aber auch befreien können, damit wir wieder unabhängiger werden von der Verführung von Smartphone und Co.


  (1)
Tags: algorithmen, datensammler, empathie, geschäftsleben, handel, käufer, menschlichkeit, verkäufer, zeitfresser   (9)
 
195 Ergebnisse