Cambridges Bibliothek

187 Bücher, 146 Rezensionen

Zu Cambridges Profil
Filtern nach
187 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(135)

208 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 123 Rezensionen

abenteuer, alzheimer, c.j. tudor, debüt, england, freundschaft, kreide, krimi, mord, mystery, spannung, stephen king, thriller, vergangenheit, zwei zeitebenen

Der Kreidemann

C.J. Tudor , Werner Schmitz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 29.05.2018
ISBN 9783442314645
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Der Kreidemann“ ist ein sehr atmosphärischer und gut geschriebener Psycho-Thriller, der mit einer originellen Story besticht.

 

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen. Hauptakteur ist bei beiden Eddie. In der Zeitebene 1986 ist er zwölf Jahre alt. Mit seinen Freunden Mike, Fat Gav, Hoppo und Nicky findet er in den Sommerferien eine Leiche. Die Tote ist ein Mädchen aus dem Ort, das bei einem schrecklichen Unfall entstellt wurde. Bei diesem Unfall war Eddie ebenfalls Augenzeuge.

 

In der zweiten Zeitebene, Heute, führt Eddie (oder nun Ed) ein freudloses Leben als Lehrer in seiner kleinen Heimatstadt, in der damals der Mord geschah. Er trifft immer noch Hoppo und Gav. Doch die Geschehnisse aus der Vergangenheit holen ihn ein.

 

Über die Handlung sollte man nicht allzu viel wissen, finde ich. Die Story lebt aber vor allem von der Stimmung. Die Autorin kann wunderbar mit wenigen Worten eine Szene umreißen. Die Personen werden schon nach wenigen Seiten sehr plastisch. Überhaupt hat mich die Schreibweise schon nach wenigen Seiten am meisten überzeugt. Die Story ist soweit OK und plausibel. Die persönlichen Verwicklungen der einzelnen Figuren untereinander sind nachvollziehbar beschrieben. Eddie ist auf beiden Erzählebenen eine sowohl sympathische aber auch ambivalente Figur. Kleine Dinge machen ihn ebenso unheimlich wie er eigentlich sympathisch ist. Ich wusste nicht, ob ich seinem Bericht trauen soll, obwohl er so nett rüberkommt als Figur. Die ganze Sache um die Kreidemännchen, diverse Charaktere und die Dynamik der Freundschaft ist schon recht komplex. Zugleich ist das Buch aber auch relativ entspannt und ruhig erzählt. Trotzdem empfand ich es als spannend. Oft enden die Kapitel mit einer kleinen Andeutung auf Kommendes. Aber der nächste Abschnitt spielt dann wieder in der anderen Zeitebene und man will schnell weiterlesen und so fliegen die Seiten nur so dahin.

 

Mir hat an diesem Buch vor allem der Schreibstil gefallen. In den Rückblenden kommt ein wenig Nostalgie auf. Man muss an Filme wie „Stand by Me“ oder auch „Stranger Things“ denken. 5 Kinder im frühen Teenie-Alter sehen sich einer Gefahr aus der Erwachsenenwelt gegenüber. Einer davon, Ed, muss sich diesen Ängsten als Erwachsener wieder stellen. Dabei ist er an einigen Dingen nicht ganz unschuldig und ist in diesem Sinne ein unzuverlässiger Erzähler.

 

Mir hat dieses Buch, trotz des einen oder anderen Makels, sehr gut gefallen. Es ist flüssig zu lesen, gut geschrieben, sehr menschlich und nachvollziehbar und auch spannend (auf eine leise Art). Es hebt sich auf angenehme Art von der Einheitskost im Thrillergenre ab. Mich hat „Der Kreidemann“ überzeugt.

  (0)
Tags: psychothriler, suspense   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Stiefmutter

Paula Daly , Eva Bonné
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.03.2018
ISBN 9783442487028
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

3,5 Sterne

Dies ist bereits mein drittes Buch von Paula Daly. Ihr Name steht für mich für gute und durchdachte Krimis und den wunderschönen Handlungsort Lake District. In diesem Buch besticht sie vor allem durch ihre starke Figurenzeichnung. Mir war der Begriff „Tigermutter“ noch gar nicht bekannt. Ich musste es erst googeln. Auf Karen trifft der Begriff exakt zu. Sie will nur das Beste für ihre Tochter Brontë und das Beste bedeutet für sie Erfolg im Leben. Der lässt sich aber nur mit harter Arbeit erreichen und deswegen gibt es weder Freizeit noch Spielen für die 10jährige. Karen fährt Brontë vom Musikunterricht zum Ballett und von da aus zur Mathenachhilfe. In der Autorfahrt dazwischen ist dann Zeit zum Essen und Leseübungen. Karen ist ein sehr unsympathischer und kalter Charakter. Die kleine Brontë kann einem leidtun.

 

Karen ist mit Noel verheiratet. Für ihn ist es schon die zweite Ehe. Er hat seine erste Frau Jennifer wegen Karen verlassen. Jennifer ist inzwischen an MS erkrankt und lebt in einem Heim. Dadurch wohnt ihre gemeinsame Tochter Veritiy seit einiger Zeit bei ihnen. Karen und Verity verstehen sich gar nicht und es kam auch schon einmal zu einem unschönen Vorfall.

 

Eines Nachmittags, eine Klavierstunde fiel überraschend aus, nimmt Verity Brontë mit auf den Spielplatz. Sie lässt sie kurz bei ihren Freundinnen und besucht ihre Mutter im Heim. In diesen wenigen Minuten verschwindet Brontë. Doch einen Tag später taucht sie gesund und munter wieder auf und hat nur eine lahme Erklärung dafür, wo sie war. Doch dann passiert noch etwas weitaus schlimmeres.

 

Paula Daly hat eine klare und flüssige Schreibweise. Wie schon erwähnt, sind in diesem Buch vor allem die Figuren beeindruckend. Karen ist als extremer Charakter sehr gut gelungen. Man muss sie einfach hassen. Die Polizistin Joanne ist der Sympathieträger der Geschichte. Kleine persönliche Dinge lassen sie sehr lebensecht erscheinen. Noel ist ein wenig Rückratlos. Ich empfand ihn als sehr schwachen Menschen, der sich seiner resoluten Frau gegenüber nicht durchsetzen kann. Aber gerade durch seine Fehler ist er ebenfalls eine sehr glaubwürdige Figur. Die Krimihandlung ist solide und durchaus spannend. Lange tappt Joanne im Dunklen, der Fall bzw. die beiden Fälle, die sich ereignen, sind rätselhaft. Die Story ist ein Mix aus häuslichem Drama, Krimi und der daraus resultierenden Polizeiarbeit.

 

Das Buch lässt sich gut weglesen und ist flüssig geschrieben. Für mich war es jetzt kein Lesehighlight aber durchaus unterhaltsam.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(20)

49 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

bellletristik, ehe, hanser, lauren groff, liebe

Licht und Zorn

Lauren Groff , Stefanie Jacobs
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 22.08.2016
ISBN 9783446253162
Genre: Romane

Rezension:

Alles an Lotto (Lancelot) ist überlebensgroß. Sein Charme, seine Aura, seine Körpergröße, seine Güte, seine Schönheit. An ihm ist alles groß und einnehmend. So warmherzig und gutmütig er ist, so eitel und selbstverliebt ist er ebenfalls. Er braucht Bewunderung wie die Luft zum Atmen und will geradezu zwanghaft von allen gemocht werden. Zum Glück tun das auch alle.  Alle Menschen erliegen Lottos Charme. So auch Mathilde. Als sie sich im College begegnen, ist für beide klar, dass sie für einander geschaffen sind und auf ewig zusammen bleiben. Da er grundsätzlich nur das Gute in Menschen sieht, ist Mathilde für ihn eine Heilige. In seinen Augen ist sie rein und gut. Sie hält ihm den Rücken frei, als er ohne Erfolg seinen Schauspielambitionen nachhängt. Als ihm schließlich der Durchbruch als Dramatiker gelingt, ist sie ebenfalls für ihn da und ebnet sein Leben. Lottos Leben ist lichtdurchflutet und diese Lichtquelle ist Mathilde.

 

Der erste Teil des Buches zeigt Lottos Leben aus seiner Sicht. Lotto ist bei aller Herzensgüte ein Egozentriker, den ich schon aus Prinzip nicht mochte. Wenn ich nicht gewusst hätte (aus anderen Rezensionen), dass mich ein anders gearteter zweiter Teil erwarten würde, hätte ich das Buch evtl. abgebrochen. Zu ermüdend war die Geschichte teilweise. Ich empfand auch den Schreibstil der Autorin zwar als durchaus blumig und fast poetisch, aber auch anstrengend. Hier ist alles überlebensgroß und dramatisch. Die Handlung ist fast ein wenig zu phantastisch, die Charaktere alle zu extrem. Ich habe einige Teile nur quergelesen und wollte endlich zu Mathildes Teil kommen.

 

Mathilde ist nicht, wer hätte es gedacht, die Heilige, für die Lotto sie hält. Sie liebt Lotto und er ist ihr Leben, aber sie hat die Fäden in der Hand ohne das Lotto es merkt. Weite Teile ihres Lebens und ihres Charakters hält sie vor ihm versteckt. Ich frage mich, ob es wirklich möglich ist, jahrzehntelang so viel von sich unterdrücken zu können. Auf den zweiten Teil möchte ich handlungsmäßig nicht weiter eingehen. Zu leicht wäre die Gefahr, zu viel zu verraten. Mathilde ist ein weitaus schwierigerer Charakter als Lotto und nicht unbedingt liebenswert. Sie ist verschlossen, manipulativ und zornig. Es gibt auch einige Wendungen zu viel und einiges ist doch arg unrealistisch.

„Licht und Zorn“ ist nicht das klassische Ehedrama, das man vielleicht erwarten würde. Lotto und Mathilde lieben sich sehr, hier gibt es keine Zerfleischung. Hier stellt sich mehr die Frage, wie gut man den Mensch an seiner Seite wirklich kennt. Vor allem wenn er so verschlossen ist wie Mathilde. Zumindest Lotto kannte seine Ehefrau nicht wirklich. Es mag seiner eigenen Selbstwahrnehmung geschuldet sein, das er seine Frau so wenig hinterfragte. Es sah sie so, wie er sie sehen wollte und Mathilde spielte mit, weil sie der Mensch sein wollte, den Lotto in ihr sah.

 

Grundsätzlich hat Lauren Groff einen schönen Schreibstil. Aber irgendwie wirkte er verfehlt. Es ist oft einfach zu viel, over-the-top, und macht die Geschichte fast zu einer Phantasiegeschichte da sie so unrealistisch ist. Die Story kommt auch nicht so richtig auf den Punkt und mäandert vor sich hin. Es war oft etwas ermüdend. Ein wenig Straffung hätte dem Buch gutgetan.

 

Irgendwie habe ich etwas anderes erwartet als ich mit diesem Buch bekommen habe. Das ist nicht unbedingt schlecht und auch nicht der Fehler des Buches. Ich bin auch froh, dass ich es gelesen habe obwohl ich mich gelegentlich etwas durchgequält habe. Aber irgendetwas ist unter all der blumigen Wortgewalt verborgen, denn das Buch hat ein Gefühl in mir ausgelöst. Es hat mich traurig zurück gelassen. Auch wenn ich nicht ganz glücklich bin mit dem Buch, so soll meine Rezension kein Verriss sein. Denn wenn ein Buch ein so starkes Gefühl bei mir als Leser auslösen kann, dann hat es doch etwas richtig gemacht.

3,5 Sterne

  (0)
Tags: bellletristik   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

mystery thriller, roman, thriller-roman

The Ascent - Der Aufstieg

Ronald Malfi , Sedar Sener
Flexibler Einband: 364 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 30.06.2017
ISBN 9783958351936
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich bin ein großer Fan von Büchern, die sich mit Bergsteigen beschäftigen. Ganz besonders, wenn es um die Gegend rund um den Mt. Everest geht. Dieses Buch passte somit genau in mein Beuteschema.

Zuerst geht es ganz geruhsam zu. Wir lernen Tim kennen. Er ist – oder war – Bildhauer. Seine Frau hat ihn vor einiger Zeit verlassen, weil er seiner Arbeit immer den Vorzug gab. Kurz nach ihrer Trennung kam Hannah mit ihrem neuen Partner bei einem Unfall ums Leben. Die Trennung und besonders Hannahs Tod haben Tim völlig aus der Bahn geworfen. Er verliert sich in Extremsportarten und trinkt exzessiv. Bei einer leichtsinnigen Höhlenkletterei kommt er beinahe ums Leben. Als er so in dieser Höhle lag und dachte, er müsste sterben, glaubte er, Hannahs Geist zu sehen. Sie gab ihm Kraft in dieser Situation und half ihm, zu überleben. Zumindest glaubte er das in dem Moment. Während er seine Verletzung auskuriert und säuft, glaubt er immer wieder Hannahs Geist aus den Augenwinkeln zu sehen. Tim fürchtet, dass er seinen Verstand verliert. Da kommt ihm das Angebot eines alten Freundes von Hannah gerade recht. Andrew stellt gerade eine kleine Truppe Kletterer zusammen, mit denen er das geheimnisvolle Tal der Seelen in Nepal aufsuchen will, das noch keiner außer den Einheimischen betreten haben soll.

Die Stimmung des Buches ist von vorne herein sehr düster. Tim suhlt sich in Selbstmitleid und Alkohol. Nach und nach in Rückblenden erfahren wir, wie er Hannah kennenlernte und wie sie sich auseinanderlebten. Die Hauptstory ist aber der Trip zum sagenumwobenen Tal der Seelen. Die Tour steht unter keinem guten Stern. Die Truppe besteht aus lauter Alphamännchen und muss sich erst zusammenraufen. Schon bald stoßen sie auf Schwierigkeiten, der Aufstieg ist gefährlich und dann gibt es den ersten Toten.

Das Buch wird vom Verlag als Thriller beworben. Das war mir vor dem Lesen gar nicht bewusst. Für mich war es über weite Teile aber eher eine Abenteuergeschichte mit düsterem Hintergrund und leicht paranormalen Anklängen, die aber auch dem Zustand der Hauptfigur zugeschrieben werden können. Die Thrillerelemente kommen erst zum Schluss zum Vorschein. Da wird es dann sogar sehr spannend. Da ich zu Beginn nicht wusste, dass es ein Thriller sein sollte, habe ich auch nichts vermisst. Für mich war es aber auch so sehr spannend. Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen. Das Buch liest sich flüssig und die Seiten flogen nur so dahin. Ich bin, wie ich schon sagte, ein williges Opfer für derartige Storys um masochistische Bergsteiger. Der leicht mystisch-mysteriöse Touch hat mir auch sehr gut gefallen. Er ist gut eingebettet in die Story.

Dem Autor ist ein homogener Mix aus Mystery, Thriller und psychologischer Horrorstory gelungen. Für mich war „Der Aufstieg“ kurzweilige und spannende Unterhaltung.


  (0)
Tags: mystery thriller, thriller-roman   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

krimi

Die Hochstapler

Sabine Durrant , Karin Dufner
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Penguin, 11.12.2017
ISBN 9783328101758
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Paul Morris ist ein notorischer Lügner. Er ist charmant und gutaussehend und zehrt von einem kurzen Ruhm als Schriftsteller. Vor 20 Jahren veröffentlichte er ein Buch, das sehr erfolgreich war und mit guten Kritiken bedacht wurde. Seitdem hat er nichts Gescheites mehr zu Papier gebracht und schnorrt sich durchs Leben. Nun sieht er sich gezwungen, mit 44 Jahren wieder bei seiner Mutter einzuziehen. Da trifft er zufällig einen alten Freund wieder, der ihn zu einem Abendessen bei ihm einlädt. Dort lernt er die wohlhabende Witwe Alice kennen. Eigentlich ist sie zu alt für ihn, denn er verführt sonst nur junge Frauen. Aber aus Langeweile trifft er sich mit ihr. Dabei fällt ihm auf, dass sie durchaus Vorteile für ihn bereithält. Da sie Kinder hat, kann er immer mal bei ihr übernachten und auch Essen, was seiner prekären Situation bezüglich Wohnung und Einkommen sehr entgegenkommt. Als er erfährt, dass Alice mit ihren Kindern und Freunden den Sommer in Griechenland verbringen will, setzt er alles daran, auch eingeladen zu werden.

 

Paul ist ein charmanter und arroganter Unsympath. Er lügt bei jeder Gelegenheit, auch wenn es sich nur um Kleinigkeiten handelt. Er will immer gut dastehen, aber leider ist seine private Situation alles andere als glänzend. Er ist immer schon so durchs Leben gekommen. Dabei weiß er um seine Fehler, aber er ist so von sich überzeugt, dass er felsenfest glaubt, alle anderen mit seinem Charme und Witz zu täuschen.

 

Das Buch kommt erst langsam in Fahrt. Wir lernen erst Paul gut kennen und die Beziehung zu Alice baut sich auf. Mich hat sogleich die Sprache der Autorin begeistert. Paul ist der Ich-Erzähler, und die Art, wie er in selbstgefälligem Plauderton die Geschichte erzählt, empfand ich als sehr unterhaltsam. Er ist keine sehr sympathische Figur, aber ich fand die Erzählung sehr amüsant. Dabei habe ich aber schon bald eine unterschwellige Spannung verspürt. Wir erfahren gleich zu Anfang, dass Paul reflektiert und überlegt, wann er die ersten Anzeichen, dass etwas schief lief, hätte bemerken müssen. Unter der heißen griechischen Sonne entfaltet sich langsam eine hinterlistige und erschreckend kaltblütige Story.

 

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Das lag vor allem an der Figur Paul, an der Sprache und an der düsteren Stimmung, die rund um den Lebenskünstler Paul herrscht und die er nicht bemerkt. „Die Hochstapler“ ist ein flüssig zu lesendes, unterhaltsames und kurzweiliges Buch.

  (0)
Tags: krimi   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

33 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

flucht, krimis & thriller, leiche, mord, serienkiller, serienmörder, thriller, verdächtigung

Die Angst schläft nie

Rachel Caine , Claudia Hahn
Flexibler Einband: 382 Seiten
Erschienen bei Edition M, 09.01.2018
ISBN 9781503900400
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gina führt das Leben einer normalen Hausfrau mit Mann und zwei Kindern bis eines Tages ein Betrunkener mit seinem Auto in ihre Garage fährt. Ihr Mann hat dort offensichtlich nicht nur seinem Hobby, dem Schreinern, gefrönt, sondern hatte auch noch eine weitere Lieblingsbeschäftigung. Sie muss erkennen, dass sie mit einem Monster verheiratet ist und es über viele Jahre nicht gemerkt hat. Wer denkt schon, dass der normale und liebenswürdige Ehemann ein Serienkiller ist und in besagter Garage Frauen quälte.

 

Nun ist Gina, die sich nun Gwen  nennt, seit Jahren auf der Flucht. Nicht vor Mel, ihrem nunmehr Ex-Mann, sondern Leuten, die einfach nicht glauben können, das sie von den furchtbaren Morden nichts wusste sondern vielmehr seine Helferin war. Gwen stand vor Gericht, wurde aber frei gesprochen. Mit Hilfe von einem anonymen Hacker beschafft sie sich neue Identitäten, denn sie muss immer mal wieder umziehen, wenn irgendwer doch ihren neuen Aufenthaltsort herausfand und sie mit Drohungen terrorisierte. Ihren Kindern macht das Leben in ständiger Alarmbereitschaft schwer zu schaffen. Sie wechseln dauernd die Schule, haben nie Freunde, dürfen nur sehr eingeschränkt ins Internet und auch die Telefonate mit der Oma müssen sehr vage gehalten werden, falls wer mithört. Derzeit ist sie in Stillhouse Lake. Dort ist es idyllisch und die Kinder beginnen sich wohlzufühlen. Sie alle möchten endlich irgendwo heimisch werden. Doch auch hier fühlt sie sich bedroht und beobachtet. Und dann wird die Leiche einer Frau im See gefunden und der Modus Operandi ist genau der von Mel.

 

Das Buch legt gleich gut los. Gina kommt nach Hause und findet eine Menschenmenge vor ihrem Haus. In ihrer Garage hängt eine furchtbar zugerichtete Frauenleiche und ihr Mann wird verhaftet. Von Gina erfahren wir nicht mehr viel, wir lernen eher ihr neues Ich, Gwen, kennen. Die ist wesentlich härter, trainierter und kämpferischer. Aber verständlicherweise auch sehr paranoid. Es ist erschreckend, sich vorzustellen, dass Menschen im Internet sich zusammenrotten und Mordphantasien über sie und ihre Kinder von sich geben. Leider verstecken sich nicht alle hinter ihren Bildschirmen. Einige schreiten auch zur Tat, was sie immer wieder leidvoll erfahren musste.

 

Es ist aber gerade diese Paranoia, die Gwen zu einem schwierigen und anstrengenden Charakter machen. Sie ist manchmal oft hysterisch und trifft im Laufe des Buches auch einige sehr dumme Entscheidungen, die ihre Situation verschlimmern. Die Story ist spannend und der Ansatz, mal aus der Sicht der Ehefrau eines Psychopathen zu schildern, ist auch interessant. Zu Anfang ist die Story noch etwas behäbig, Gwen und ihre Situation werden ausgiebig beschrieben. Zum Ende zieht die Spannung dann an.

 

„Die Angst schläft nie“ ist ein unterhaltsamer und kurzweiliger Thriller. Negativ ist mir neben der sehr anstrengenden Gwen aber vor allem der überdramatisierende Schreibstil aufgefallen. Bei Gwen ist ständig alles im Extremzustand. Ständig „zerbricht“  in ihr etwas, ihr Innerstes bricht in Stück oder alles in ihr ist aus Glas und zerbricht. Es ist alles immer hochdramatisch und am Limit. Auch die Dialoge sind oft etwas hölzern und gestelzt. Gwens Leben ist bestimmt dramatisch und hochkompliziert und sie hadert sehr mit sich, weil sie ihren Kindern so vielen Regeln auferlegen muss. Trotzdem ist mir der Schreibstil etwas zu aufgeregt. Deswegen gibt es von mir einen Stern Abzug.

 

Das Ende weist auf einen zweiten Band hin, der im Englischen auch schon angekündigt wird. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich weiterlesen werde. Das Buch hat mir gut gefallen, aber ich weiß nicht, ob ich Gwen weiterfolgen möchte. Zudem fürchte ich, dass ein weiteres Buch über sie wie eine Neuauflage dieser Geschichte werden könnte.

  (0)
Tags: serienkiller, thriller   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(163)

232 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 134 Rezensionen

daniel cole, england, ermittlung, ermittlungen, fbi, hangman, köder, london, mord, new york, sekte, serienmörder, spannung, thriller, ullstein

Hangman - Das Spiel des Mörders

Daniel Cole , Conny Lösch
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 02.01.2018
ISBN 9783548289212
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Hangman“ ist der Folgeband zu „Ragdoll“. Man kann dieses Buch lesen, ohne „Ragdoll“ zu kennen. Es ist aber sehr hilfreich, wenn man es kennt.

 

„Ragdoll“ war ein unterhaltsamer und rasanter Thriller. Er war aber auch recht oberflächlich und eindeutig auf einfache Unterhaltung aus. Er hatte einen ungewöhnlichen Plot und setzte auf Schockmomente. Genau das ist „Hangman“ auch. Für mich war dieses Buch „Ragdoll“ reloaded, sozusagen. Im Grunde passiert nicht viel anderes als im ersten Buch. Stil und Ablauf sind gleich. Der Charakter der Ermittlerin Emily Baxter wird vertieft. Sie bekommt einen neuen Sidekick. Wolf wird durch Damien Rouche ersetzt.

 

Als ich das Buch begann, musste ich erkennen, wie viel ich von „Ragdoll“ bereits wieder vergessen hatte. Weder konnte ich mich gut an Emily Baxter erinnern noch hätte ich das Ende des Buches noch gewusst. Zwar habe ich das Buch bereits im März gelesen aber ich war doch überrascht, wie wenig mir von der Handlung in Erinnerung geblieben war. Es bestätigt mein Urteil von damals, das es ein netter Thriller war ohne großen Tiefgang. Ex und hopp. Und so ist es auch mit „Hangman“. Auch hier geht es rasant voran, obwohl in der Mitte dann doch recht wenig passiert. Die Protagonisten hetzten durch die Handlung und rennen herum. Dabei treten sie ermittlungstechnisch lange auf der Stelle und haben keine Ahnung, was eigentlich los ist. Die Storyline selber ist komplex, wird aber leider wieder einmal nicht gründlich durchleuchtet. Ich fand sie, um ehrlich zu sein, etwas wirr. Ebenso hatte ich wieder das Gefühl, immer irgendetwas überlesen zu haben. Der Autor hat eine Art, durch seine Handlung und Dialoge zu hetzten, das ich oft das Gefühl hatte, etwas verpasst zu haben.

 

„Hangman“ ist solide Thrillerkost. Es hat Tempo und ist relativ blutig. Mit Damien Roche hat die sperrige Emily Baxter einen interessanten Kollegen bekommen, der aber zum Schluss doch etwas zu sehr als tragische Figur herhalten muss. Auch hier merkt man, dass dieses Buch seinen Vorgängerband stark kopiert. Man erkennt das Muster, nachdem  der Autor seine beiden Bücher aufgebaut hat.

 

„Hangman“ macht nicht viel falsch, es ist ein rasanter Thriller. Für mich persönlich leider ist er nur eine Neuauflage von „Ragdoll“. Und genau wie dieses Buch krankt es an zu wenig Tiefgang bei Handlung und Charakteren.

  (1)
Tags: thrillerreihe   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

familiendrama familientragödie, psychothriler, zwei schwestern

Dunkelschwester

Michelle Adams , Petra Knese
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.12.2017
ISBN 9783442485130
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Irini ist Anfang 30 und lebt mit ihrem Freund Antonio in London. Sie wurde als Kind zu Verwandten gegeben, da ihre Eltern sie aus Gründen, die sie nicht kennt, weggaben. Ihre ältere Schwester Elle aber durfte bei den Eltern bleiben. Irini fühlte sich nie wohl und geborgen bei den Verwandten. Zu ihren Eltern hat sie keinen Kontakt mehr, aber immer mal wieder zu ihrer Schwester. Elle tauchte immer wieder in Irinis Leben auf und immer passierte etwas, so dass ihre Verwandten mehr als einmal mit ihr wegzogen. Aber Elle ist hartnäckig und findet Irini immer wieder. Deswegen wundert sie sich auch nur geringfügig, als nach 6 Jahren Ruhe Elle offenbar mal wieder irgendwie an ihre neue Rufnummer gekommen ist und sich meldet. Doch diesmal hat es einen anderen Grund. Ihre Mutter ist gestorben. Und obwohl Irini keinerlei Bindung an sie hat und kaum Erinnerungen, ist es doch das zarte Band, das sie mit Elle verbindet, das sie dazu bringt, nach Schottland zur Beerdigung zu fahren.

 

Das Buch hat von Beginn an eine sehr düstere Stimmung. Irini ist ein schwieriger Charakter. Sie ist sehr sprunghaft in ihren Launen. Von einem Moment zum anderen schlägt ihre Stimmung um. Elle ist in ihrer Kindheit ihrer geheime Heldin gewesen. Keiner durfte wissen, wenn sie sich heimlich trafen. Denn Elle bedeutet Ärger. Sie hat eine sehr eigenwillige Art, mit Menschen umzugehen, die ihr nicht passen. So „hilft“ sie Irini z.B. mit Mitschülern, die sie mobben, auf sehr bizarre Art. Elle ist manipulativ, sprunghaft und boshaft, aber sie kann auch die Liebenswürdigkeit in Person sein. Irini treibt immer noch die Frage um, warum sie weggeben wurde, warum ihre Eltern sie nicht wollten. Das nutzt Elle aus.

 

Ich hatte etwas Schwierigkeiten, in das Buch hineinzufinden. Irini war mir nicht sehr sympathisch, obwohl ich ihre Unsicherheit verstehen konnte. Das Gefühl, von den Eltern nicht geliebt und deswegen weggegeben worden zu sein, hat sie nachhaltig geprägt. Aber es gab andere Dinge, die ich weniger verstand. Elle ist offensichtlich schwer gestört und Irini hat mehr als einmal schlimme Dinge mit ihr erlebt. Sie weiß, wozu sie fähig ist. Trotzdem lässt sie sich von ihr um den Finger wickeln. Sie kennt sie und weiß dass sie sie manipuliert und belügt. Und trotzdem rennt sie sehenden Auges in Elle‘s Fallen. Das Geheimnis, das diese Familie verbirgt, ist bestürzend, aber genau deswegen frage ich mich, warum die Eltern so handelten wie sie es taten und warum Irini so stiefkindlich aufwachsen musste. Das ist alles sehr merkwürdig und hat mich nicht so wirklich überzeugt.

 

Das Buch wird als Psychothriller beworben. Es ist aber mehr eine dunkle Familiengeschichte und die Beleuchtung einer toxischen Schwesternbeziehung. Für ein richtiges Familiendrama geht das Buch aber nicht genug in die Tiefe. Für einen Thriller ist es nicht rasant genug. Gerade in der ersten Hälfte geht es nur um die beiden Schwester  und was sie machen in den wenigen Tagen rund um die Beerdigung. Ich empfand sowohl Irini und ganz besonders Elle extrem anstrengend. Die beiden sind so sprunghaft und dauernd wechselten ihre Stimmungen. Wie man jemanden wie Elle frei rumlaufen lassen konnte, ist mir ein Rätsel. Auch das Verhalten des Vaters ließ mich nur den Kopf schütteln. Trotzdem hat das Buch einen gewissen Sog entfaltet. Ich wollte auf jeden Fall wissen, was denn nun das Geheimnis war.

 

„Dunkelschwester“ ist ein merkwürdiges Buch. Es ist ein sehr düsteres Drama mit unsympathischen Figuren, die ständig die falschen Entscheidungen treffen. Ich finde es schwierig, es zu bewerten. Ich mochte die Charaktere nicht und deswegen habe ich nicht mit ihnen mitempfinden können. Aber das Drama, das die Eltern durch ihre Entscheidungen ausgelöst habe hat mich doch berühren können. Sie dachten, die tun das richtige und wollten nur das Beste für ihre Kinder. Aber viel Schlimmeres hätten sie ihnen eigentlich nicht antun können.

  (0)
Tags: familiendrama familientragödie, psychothriler, zwei schwestern   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(58)

118 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

angst, der knochensammler, die ernte, entführung, fiona cummins, fischer, fischer scherz, knochen, knochenkrankheit, knochenkrankheiten, knochensammler, krankheit, scherz, thrille, thriller

Der Knochensammler / Der Knochensammler - Die Ernte

Fiona Cummins , Birgit Schmitz
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 23.03.2017
ISBN 9783651024991
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich weiss nicht, wo die ganzen guten Kritiken herkommen. Das Buch ist einfach nur schlecht. Unspannend, unglaubwürdig und ziemlich schlecht geschrieben. Der Schreibstil ist irgendwie schwülstig und auch die Dialoge sind sehr gestelzt. Ich fand es einfach nur schlecht. Ich werde mit Sicherheit keine weiteren Bücher der Autorin lesen und auch, was aus dem Knochenmann wird, interessiert mich nicht.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(29)

51 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

band 1, ermittlerin, krimi, krimibegeisterte, kriminalromanreihe, krimireihe, krimi / tragödie, london, miissbuch, miissbuchblog, mord, mörder gefährlich, neue krimireihe, penguin, rezension

Das Mädchen im Eis

Robert Bryndza , Norbert Möllemann , Charlotte Breuer
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Penguin, 11.09.2017
ISBN 9783328100973
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der erste Band der Reihe um DCI Erika Foster ist ein solider Whodunit. Er führt seine Hauptfigur Erika ein. Nach einem sehr unglücklich verlaufenen Einsatz, bei dem auch ihr Mann ums Leben kam, fühlt sich Erika endlich wieder in der Lage, zu Arbeiten. Sie wird in London um Hilfe gebeten. Sie soll den Mord an einer jungen Frau aufklären. Ihr Vater ist ein geadelter Unternehmer und die Tat hat großes Aufsehen erregt.

 

Der Mordfall ist vertrackt genug und wir sind immer nah bei Erika und ihrer Arbeit als Polizistin. Erika reiht sich ein in die Riege der privat gebeutelten Ermittler. Der Tod ihres Mannes hat sie schwer getroffen, sie fühlt sich auch schuldig an seinem Tod und macht sich Vorwürfe, da sie den Einsatz geplant hat. Ihr Chef ist ihr zwar wohlgesonnen, aber schon gleich am ersten Arbeitstag hat sie sich nicht im Griff und so ist sie den Fall schon bald wieder los. Aber natürlich hat sie den richtigen Riecher und ermittelt mit Hilfe ihrer Kollegen auch nach ihrer Suspendierung weiter.

 

Die Figur der Erika hat mir einige Schwierigkeiten bereitet. Von Anfang an eckt sie an und auf mich wirkte sie in keiner Weise arbeitsfähig. Sie tut immer das, was sie nicht soll, sie ist unbeherrscht und impulsiv. Außerdem scheint sie mir ein großes Problem mit Arbeitsanweisungen zu haben. Befehlen liegt ihr eindeutig mehr als welche zu befolgen. Auch gut gemeinten Ratschlägen gegenüber ist sie immun. Ihre eigene Gesundheit interessiert sie sowieso nicht. Ich muss gestehen, dass ich sie extrem unsympathisch fand und ich fast hoffte, dass ihr gehässiger Kollege Recht behalten würde. Aber natürlich passiert das nicht.

 

„Das Mädchen im Eis“ ist ein solider Krimi. Die Spannung ist nicht übermässig, aber die kurzen Kapitel haben mich dazu verführt, immer noch ein Kapitel mehr zu lesen. Das Buch liest sich locker weg. Am Schluss überschlagen sich die Dinge dann ein wenig und es kommt zu einem sehr rasch abgehandelten Ende. Wer der Täter war, konnte man im letzten Drittel schon erahnen.

 

Wer gerne Krimis über Ermittler und Polizeiarbeit liest, wird hier gut bedient. Die Serie um Erika Foster ist in England ja sehr beliebt. Ich persönlich bin kein Freund von Serienermittlern. Ich lese lieber Stand-Alones. Zudem war mir Erika nicht sehr sympathisch. Aber das ist mein persönlicher Geschmack, denn im Grunde ist an diesem Buch nichts verkehrt.


3,5 Sterne

  (0)
Tags: englischer thriller, neue krimireihe   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(73)

133 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

adel, amor towles, ein gentleman in moskau, etikette, freundschaft, gentleman, hausarrest, hotel, hotel metropol, literatur, moskau, roman, russische geschichte, russland, suite

Ein Gentleman in Moskau

Amor Towles , Susanne Höbel
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 08.09.2017
ISBN 9783471351468
Genre: Romane

Rezension:

Ich gehöre leider zur Minderheit, wenn es um dieses Buch geht. Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, da ich Towles‘ „Eine Frage der Höflichkeit“ einfach nur wunderbar fand. Leider leider konnte ich mit diesem Buch so gar nichts anfangen. Ich habe mich regelrecht durchgequält.

 

Es ist eine recht behäbige wenn auch wunderschön geschriebene Geschichte eines adligen Russen, der zu Hausarrest in einem Luxushotel verurteilt wird. Dort verbringt er sein halbes Leben. Doch die Welt steht nicht still, sie kommt zu ihm und er wird sogar unverhofft Ziehvater einer Tochter. Russland geht durch seine jüngere Geschichte und der Graf lebt ein beschauliches Leben im Hotel. Amor Towles kann schreiben, keine Frage. Aber hier vermisse ich einfach eine stringente Geschichte. Es werden Episoden aneinandergereiht. Die Figuren entwickeln sich nicht weiter, sie sind so wie sie sind. Sie sind durchweg sympathisch, Graf Alexander ist anbetungswürdig und fast zu gut für diese Welt. Aber ein kleiner Spannungsbogen hätte dieser Geschichte, die ich kaum so nennen mag, da einfach keine wirkliche Entwicklung einer Story passiert, gut getan. Es plätschert auf hohem Niveau dahin und ich muss gestehen, dass ich mich ein wenig gequält habe. Weite Stellen, besonders die um die russischen Funktionäre, habe ich überflogen. Das Buch ist viel zu umfangreich und gefüllt mit Nichtigkeiten. Ja, es ist wunderbar geschrieben und stilistisch von feiner Eleganz, aber das hat mich trotzdem Substanz in der Geschichte vermissen lassen. Ich finde, hier wird großzügig und eloquent übertüncht, dass nur eine kleine triviale Geschichte erzählt wird. Liebe und Freundschaft werden auch in anderen Büchern  behandelt, das ist keine Novität und auch hier nicht ungewöhnlich behandelt. Ich empfand es eher so, das gerade der schöne Schreibstil die Story zu etwas adeln soll, was sie nicht ist.

 

Da die meisten Leser hingerissen sind von dem Buch, wird meine negative Einschätzung dieses Buches nicht sehr ins Gewicht fallen. Ich hätte das Buch gerne gemocht, aber für mich ist es mehr Schein als Sein. Ich habe mich leider gelangweilt  und schwanke zwischen 2 und 2,5 Sternen. Da ich denke, dass es an mir liegt, dass das Buch seinen Zweck nicht erfüllt hat, runde ich auf 3 Sterne auf. Aber persönlich war dieses Buch für mich eine Enttäuschung.

  (0)
Tags: belletristi, russische geschichte   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(44)

70 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

depression, ehe, flucht, gedanken, gedankenwelt, gefahren, gefühllos, gefühlvoll, identitätssuche, innere flucht, innerer kamp, neuanfang, neuseeland, suche, verschwinden

Niemand verschwindet einfach so

Catherine Lacey , Bettina Abarbanell
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 18.08.2017
ISBN 9783351036805
Genre: Romane

Rezension:

Was für ein schwieriges Buch. Aber es hat mich auch an daran erinnert, das Lesen auch bedeutet, in den Kopf und in die Gedankenwelt eines anderen Menschen Einblick zu erhalten. Und das tut man hier zur Genüge.

 

Elyria beschließt für sich, ihren Mann zu verlassen. Aber eigentlich nicht nur ihren Mann, sondern ihr Leben und am liebsten auch sich selber. Auf die wage Einladung eines Menschen, den sie auf einer Party traf, fliegt sie von New York nach Neuseeland. Dort schlägt sie sich irgendwie  zu diesem Ort vor, an dem besagter Mensch lebt. Ihm aber ist sie nach einer Weile zu traurig, denn er kann die Traurigkeit anderer Leute nicht tolerieren. Wahrscheinlich ist sie ihm nur lästig. Ein Besuch, der nicht gehen will, wird irgendwann unangenehm.

 

Das Buch hat wenig Handlung oder gar Narrative. Wir erleben die Dinge durch Elyrias Sicht. Wir sind in ihrem Kopf. Sie will flüchten. Es gibt bei ihr Anzeichen einer Depression oder evtl. sogar einer psychischen Erkrankung, aber das werden wir nie genau herausfinden, denn unsere Sicht ist die durch ihre Augen. Sie will fliehen vor all den Gedanken und Entscheidungen. Vor einigen Jahren verlor sie ihre Adoptivschwester durch Selbstmord  Eigentlich stand sie ihr nicht nahe, sagt Elyria jedenfalls. Aber langfristig hat sie der Tod ihrer Schwester nachhaltig geprägt. Durch diesen Tod hat sie ihren Mann kennengelernt, den sie nur „Ehemann“ nennt. Er war einer der letzten Menschen, die ihre Schwester lebend gesehen haben. So ist ihr gutes Leben in New York dadurch geprägt worden, das ihre Schwester sich umgebracht hat.

 

In Neuseeland lässt sich Elyria treiben. Sie trifft einige merkwürdige Menschen. Während sie per Anhalter reist, halten immer wieder Frauen an, um sie mitzunehmen und sie gleichzeitig vor den Gefahren zu warnen, die dieses Art des Reisens mit sich bringt. Aber Elyria ist es egal. Fast hatte ich das Gefühl, dass sie die Gefahr sucht. Sie schläft in Scheunen und am Strand. Sie ist sich immer bewusst, dass sie als alleinreisende Frau damit ein Risiko eingeht. Aber es ist ihr egal. Sie tut es einfach trotzdem. Sie wirkt losgelöst von der Realität. Alles, was die anderen Menschen, die sie trifft, tun, berührt sie nur am Rande. Sie will vor allem flüchten, aber vor sich selber und ihrer Gedankenwelt kann sie nicht flüchten. Ihre Gedanken drehen und wenden sich, verästeln sich. Ihr Kopf gibt keine Ruhe und lässt sie nicht zur Ruhe kommen.

 

Im ersten Drittel fand ich Elyrias Gedankenwelt amüsant und interessant. Voller anderer Sichtweisen auf die Dinge, so wie ich sie habe. Dann empfand ich es als zunehmend anstrengend, ihren kreisenden Gedanken zu folgen. Auch ihre Starrköpfigkeit war anstrengend. Sie weiß eigentlich, wie sie sich verhalten sollte, was sie tun und sagen sollte. Aber sie handelt komplett anders. Das tut sie im Guten wie im Schlechten. Ihr „inneres Biest“ gibt keine Ruhe. Dieses Biest war für mich ein deutliches Anzeichen, dass Elyria ein psychisches Problem hat. Bezeichnend ist auch, dass sie das Biest erkennt und trotzdem nichts dagegen tun kann oder will. Das Ende ist dann genau wie der Beginn, einfach mittendrin. Es gibt keinen wirklichen Schluss, keine Erlösung. Elyria entlässt uns aus ihrer Gedankenwelt genau so plötzlich, wie sie uns hineingelassen hat.

 

Dies ist auf jeden Fall eines der ungewöhnlichsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Hier gab es keine wirkliche Geschichte, sondern wir wurden in die schwierige Gedankenwelt einer Frau hineinversetzt. Catherine Lacey hat ein ungewöhnliches, unglaublich gut geschriebenes und komplexes Buch geschrieben, das aber mit Sicherheit sich nicht für jeden erschließt. Es hat sich auch in weiten Teilen mir nicht erschlossen, aber seine Andersartigkeit im Denken, seien ungewöhnlichen Gedankengänge werden mir in Erinnerung bleiben.

  (0)
Tags: beletristik   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

25 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

familiendrama, mord, psychothriller, vergangenheitsbewältigung, zwillinge

Schläfst du noch?

Kathleen Barber , Maria Zettner
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.08.2017
ISBN 9783453422087
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Schläfst du noch“ ist ein relativ vorhersehbarer Psychokrimi mit etwas anstrengenden Hauptfiguren. Davon abgesehen ist er aber durchaus unterhaltsam und gut durchdacht.

 

Die Zwillinge Lanie und Josie haben sich schon vor Jahren entfremdet. Grund war die Ermordung ihres Vaters durch den Nachbarsjungen. Ihre Mutter, vorher schon labil, verlor durch diese schreckliche Tat vollends den Halt, verließ ihre Töchter und schloss sich einem Kult an. Lanie verarbeitete diese Erlebnisse nicht besonders gut. Sie wurde zu einem rebellischen Teenager, der sich auf Drogen und Alkohol einließ. Josie wollte lieber die Artige sein, aber nach einem Vertrauensbruch von Lanie reiste sie Jahrelang um die Welt. Bis sie Caleb kennenlernte. Mit ihm führt sie eine stabile Beziehung in New York. Leider hat sie ihm nie die Wahrheit über ihre Familie erzählt.

 

Eines Tages erfährt Josie von einem Podcast, der den Mordfall ihres Vaters behandelt. Eine junge Journalistin denkt, dass der Nachbarsjunge vielleicht nicht der Täter war. Es gab viele Ungereimtheiten damals beim Prozess. Josie entwickelt eine Paranoia und denkt, jeder sieht ihr sofort an, das dieser Podcast, über den alle reden, von ihrer Familie handelt. Dann erfährt sie vom Selbstmord ihrer Mutter. Daraufhin macht sie sich zum ersten Mal seit 10 Jahren auf in ihre Heimatstadt.

 

Die Story ist durchaus interessant. Einer Familie passierte eine Tragödie. Während der eine Zwilling irgendwie damit versuchte, klar zu kommen, driftete der andere völlig ab. Etwas Persönliches entfremdet die Zwillinge. Josie findet ihr Glück, obwohl ihr Partner nicht die Wahrheit kennt über ihre Familie. Dann passieren zwei Dinge: Dieser Podcast, der auf einmal in aller Munde ist und der Selbstmord ihrer Mutter, die jeden Kontakt zu ihren Töchtern abgebrochen hatte.

 

Die beiden Mädchen haben trotz aller Tragik irgendwie ihr Leben gemeistert. Da werfen diese beiden Ereignisse alles über den Haufen. Das liest sich recht flüssig und ist auch durchaus interessant. Für mich war der anstrengende Aspekt beim Lesen die Figur von Josie. Sie ist der Hauptcharakter. Aber sie ist eine Drama-Queen. Ihr Lügen ihrem langjährigen Freund gegenüber, ihre dramatischen Reaktionen sind anstrengend zu lesen. Aber auch ihre Schwester Lanie ist nicht besser. Die beiden sind einfach furchtbar anstrengend als Charaktere und reagieren immer extrem. Da wird sich bei jedem Anlass übergeben, tagelang nicht geschlafen. Die beiden haben extrem schlimme Sachen erlebt, aber als Buchcharaktere fand ich sie sehr schwierig und auch unsympathisch. Für mich als Leser waren sie einfach over-the-top. Weder ihre anderen Verwandten, ihre Tante z.B, die ja auch ihre Schwester verlor, sind so extrem bei allem wie diese beiden Mädchen. Josie stellt sich z.B. einige Fragen tatsächlich erst nach 10 Jahren Abstand und unter den erschwerten Voraussetzungen.

 

Mir hätte das Buch besser gefallen, wenn die Zwillinge nicht so extreme Charaktere gewesen wären. Ihren Befindlichkeiten wird für meinen Geschmack viel zu viel Raum gewährt. Sie reagieren sehr extrem (ich überstrapaziere dieses Wort aber es passte einfach zu gut) und das steht dauernd im Vordergrund und drückt die eigentliche Story in den Hintergrund. Das hat mich etwas gestört und mein Lesevergnügen beeinträchtigt.

  (1)
Tags: psychothriller, zwillinge   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(43)

58 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

apokalypse, außerirdische, erde, fallakten, giants, interviewstil, invasion, krieg und frieden, raumschiff, roboter, science fiction, sci-fi, spannung, sylvain neuvel, thriller

Giants - Zorn der Götter

Sylvain Neuvel , Marcel Häußler
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.05.2017
ISBN 9783453534803
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Dies ist der zweite Band der Giants-Reihe von Sylvain Neuvel. Es ist unverzichtbar, vorher das erste Buch zu lesen. Ansonsten verstehe man nicht, worum es geht.

 

Es geht auch gleich umstandslos weiter in der Geschichte. Der Stil bleibt der gleiche. Erzählt wird in Form von Transkripten. Meistens telefonieren die Figuren nur untereinander und müssen deswegen immer genau beschreiben, was sie tun bzw. sehen. Das ist manchmal etwas anstrengend und unnatürlich. Die Kapitel heißen wieder Files und sind nicht fortlaufend nummeriert. Es werden immer mal Nummern ausgelassen. Das suggeriert, dass es noch mehr Berichte gibt. Die Handlung wird zügig vorangetrieben. Plötzlich taucht ein weiterer Roboter mitten in London auf. Zuerst steht er nur ruhig da und keiner weiß so recht, mit der Situation umzugehen. Soll man ihn angreifen? Aber wenn ja, womit? Als er endlich reagiert, wird halb London ausgelöscht. Und dann tauchen weitere Roboter auf. Überall auf der Welt stehen plötzlich in den bevölkerungsreichsten Städten  gigantische Roboter. Da die Außerirdischen keinen Kontakt aufnehmen, steht das Team und Dr. Rose Franklin vor einem Rätsel.

 

Das Buch ist trotz seines Aufbaus sehr actionlastig und spannend. Die Handlung wird zügig vorangetrieben und es gibt einige Entwicklungen und Überraschungen. Das Ende könnte ein Abschluss sein, aber der Autor hat sich ein kleines Hintertürchen offen gelassen. Ich dachte eigentlich auch, es würde sich um eine Trilogie handeln. Von dem ersten Buch war ich schwer begeistert und habe mich sehr auf den Folgeband gefreut. Er hat  mich handlungstechnisch auch überzeugt. Etwas anstrengend fand ich nach einer Weile den Stil, wie ich schon oben erwähnte. Dadurch, dass es keine wirkliche Narrative gibt, wird alles nur in wörtlicher Rede oder in Form von Briefen oder Tagebüchern erzählt. Situationen müssen von den Figuren beschrieben werden, das ist vor allem während der Dialoge oft sehr merkwürdig. Dafür gibt es immer mal einen feinen Humor und manche Gespräche sind sehr unterhaltsam. Zum Schluss wird mir auch manches ein wenig zu oft nochmal durchgekaut und eine recht spät auftauchende neue Figur hat mich ein wenig genervt. Aber mir hat gefallen, wie die Geschichte weiterentwickelt wurde. Ich las kürzlich ein anderes Buch, einen mittleren Teil einer Trilogie, der nicht so effektiv an der Storyentwicklung arbeitete. Es war mehr so ein typischen mittleres Buch, das einen spannenden Anfang mit dem Ende verbinden soll. Das ist hier zum Glück nicht der Fall. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob es ein oder mehrere Bücher zu dem Thema geben wird.

  (1)
Tags: science fiction   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(85)

172 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

am fluss, england, geheimnisse, hexen, into the water, mord, paula hawkins, roman, schwestern, selbstmord, spannung, thriller, tod, vergangenheit, wasser

Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst.

Paula Hawkins , Christoph Göhler
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 24.05.2017
ISBN 9783764505233
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach dem sensationellen Erfolg, den das erste Buch der Autorin „Girl On The Train“ erfahren hat, waren natürlich alle auf das nächste Buch der Autorin gespannt. Ich bin ziemlich beeindruckt, das die Autorin nicht in ihre eigene Falle getappt ist und etwas Ähnliches geschrieben hat. Denn dieses Buch ist ganz anders. Es ist weniger Mainstream, erst recht nicht anbiedernd. Paula Hawkins hat ihren Erfolg offenbar dazu benutzt, ihren eigenen, eigenwilligen Stil weiter zu entwickeln. Das ist schon einmal ziemlich bemerkenswert.

 

Über den Inhalt möchte ich gar nicht so viel sagen. Das sollte man einfach auf sich zukommen lassen als Leser. Aber so viel sei doch gesagt: es gibt einen Haufen Figuren, aus deren Sichtweise man die Story sieht. Das fand ich eine geraume Weile sehr verwirrend. Wer war Erin nochmal? Oder Nicky? Aber der Wechsel hat auch seinen Reiz. Zu Anfang sieht man die Dinge durch mehrere Augen und somit die Figuren aus anderen Blickwinkeln. Schon schnell ist klar, dass hier jeder Geheimnisse und ein gewisses Problempotential hat. Im Verlauf der Geschichte lernt man langsam all die Namen, aus deren Sicht man einen Blick auf die Handlung wirft. Die Autorin entwirft hier ein sehr düsteres Bild einer englischen Kleinstadt. Hier wird viel unter den Teppich gekehrt. Der unglückselige Fluss mit seinem Selbstmordpool ist fast eine eigenständige Figur. Eine sehr dunkle und düstere Stimmung schwebt über der ganzen Story. Lebenslügen und Geheimnisse prägen die Charaktere. Eine selbsterfüllende Prophezeiung lässt offenbar einige Frauen, die in dem Ort lebten, ihren Tod in diesem Fluss finden. Die Zurückgebliebenen  suchen nach Erklärungen, aber dabei betrügen sie sich selber. Erinnerungen sind trügerisch und oft nicht wahr oder einfach nur subjektiv. Mit diesem Thema spielt Paula Hawkins auf sehr glaubwürdige Weise.

 

„Into the Water“ ist ein sperriges Buch. Es hat viele Erzähler, die alle etwas verbergen oder einfach nur ihre Version der Geschichte erzählen. Ich bin mir nicht sicher, ob alle Leser, die „Girl on The Train“ gut fanden, auch dieses Buch mögen würden. Denn die Autorin bedient offenbar bewusst nicht die Erwartungshaltungen. Das finde ich schon mal ziemlich cool. Dieses Buch ist noch wesentlich ungeschmeidiger als ihr erstes. Hawkins ist eine frische Stimme im Thriller-Genre, die sehr eigenwillig erzählt und einen sehr individuellen Schreibstil hat. Dieses Buch ist düster, unbequem und etwas schwierig. Es hält einiges in der Hinterhand  und löst nicht alles auf. Es hat ausschließlich unsympathische Figuren, die auch nicht unbedingt logisch, dafür aber sehr menschlich, agieren. Ich empfinde großen Respekt für Hawkins‘ eigenwilligen Schreibstil. Sie entwickelt ihre Story konsequent ungeschmeidig. Ich bin nicht in jedem Punkt mit ihr konform. Ihre Figuren tun doch oft Dinge, die sie anderen als negativ ankreiden. Sie sind sozusagen konsequent inkonsequent.  Auch wenn ich dadurch das Lesen als etwas anstrengend empfand, ist es doch gleichzeitig faszinierend gewesen. Auch die Story besticht durch ihre Düsterheit. Ein durch und durch ungewöhnliches Buch, das weitab vom Mainstream ist und einen als  Leser etwas fordert. Es ist kein Pageturner und keine Easy-Read, dafür bleiben die Figuren und die Story umso länger haften. Ein ungewöhnliches Leseerlebnis.

  (2)
Tags: england   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

dystopie

Skitter

Ezekiel Boone
E-Buch Text: 352 Seiten
Erschienen bei Gollancz, 27.04.2017
ISBN 9781473215221
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dies ist das zweite Buch in der Spinnen-Apokalypse, die auf 3 Bücher angelegt ist. Es folgt dem gleichen Strickmuster wie das erste Buch. Auch hier gibt es einen Haufen Charaktere. Wir sehen die Hauptfiguren aus dem ersten Teil wieder und sehen, wie es ihnen weiter ergeht. Dazu gibt es aber auch wieder jede Menge Nebenfiguren, die oft  nur in einem Kapitel auftauchen aber, genau wie im ersten Buch, einen vollständigen Hintergrund bekommen. Das hat mich schon im ersten Buch etwas gestört und tut es hier noch mehr. Was passiert ist eigentlich nicht so unspannend, aber sich erst jedes Mal durch 2-3 Seiten Infos zu lesen, die man eigentlich gar nicht braucht. Das nimmt viel Schwung aus der Geschichte, so dass sie für mich nie so wirklich harmonisch und spannend wurde. Es dauert eine geraume Weile, bis das Ganze dann doch leidlich spannend wird. Im letzten Drittel gibt es dann ein paar Entwicklungen, die auf den Cliffhanger zum Ende zusteuern und auf das letzte Buch neugierig machen sollen. Das klappt auch soweit, denn schließlich will man ja wissen, wie diese Gruselspinnen besiegt werden.

 

Ich denke, das Buch leidet unter dem typischen Mittleres-Buch-Syndrom. Es ist die Verbindung zwischen dem neugierig machenden ersten Buch und dem abschließenden letzten. Es liefert weitere Infos, ein wenig Weiterentwicklung, hat aber ansonsten keinen weiteren Anspruch. Ich finde das schade. Ich denke, es wäre besser gewesen, die Story auf ein Buch, mit vielleicht ein wenig mehr Seiten, zu beschränken. Das Buch macht seine Sache trotzdem recht gut, ich habe mich zwar ein bisschen gelangweilt und hätte mir ein wenig Straffung oder mehr neue Dinge gewünscht. So aber bin ich weiter gespannt auf das Ende der Trilogie.

  (0)
Tags: dystopie   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

psychologischer thriller, serienkiller, suspense

The Killer On The Wall

Emma Kavanagh
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Cornerstone Digital, 20.04.2017
ISBN 9781473535602
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eines Morgens rennt die Tochter des Polizeichefs einer kleinen Gemeinde im Norden  Englands den Hadrians Wall entlang und stößt auf 4 Leichen und einen schwerverletzten Jungen. Von dem Tag an ist nichts mehr wie es vorher war für alle Beteiligten.

 

20 Jahre später ist das Mädchen eine erwachsene Frau und forensische Psychologin. Sie untersucht die Gehirne von Serientätern. Endlich ist es soweit, sie wird das Gehirn von dem verurteilten Täter, der für die Morde in ihrem Ort verantwortlich war, untersuchen. Ihr Vater, der ihn überführte, kam dadurch zu Ruhm und Ehre. Er ist der große Eric Bell, der den Killer on the Wall überführte.  Verheiratet ist Isla mit Ramsey, dem einzigen Überlebenden der Morde. Doch plötzlich gehen die Morde wieder los. Wie kann das sein, sitzt der Täter doch seit 20 Jahren in Haft. Gibt es einen Nachahmungstäter? Oder gab es gar einen zweiten KiIler, einen Gehilfen, der nun wieder anfängt.

 

„The Killer on the Wall“ ist ein düsterer Krimi. Alle, die mit dem Fall zu tun haben, sind in irgendeiner Weise traumatisiert. Isla hat sich auf diesen Moment, den Täter zu untersuchen, 20 Jahre lang vorbereitet. Sie will wissen, was diesen Menschen dazu trieb, diese Taten zu begehen, ihren Mann halb tot zu schlagen und einfach liegenzulassen. Als nun die Morde wieder beginnen, gerät alles was sie bisher glaubte zu wissen, aus dem Lot. Das ist recht eindrucksvoll geschildert. Aber trotzdem passiert über weite Strecken nicht viel in dem Buch. Mina, eine junge Polizistin, die sich vor kurzer Zeit aus privaten Gründen in den Norden Englands versetzen ließ, ist eine weitere Figur, aus deren Sicht wir die Geschichte erzählt bekommen. Sie repräsentiert die Seite der Polizei. Durch sie sind wir Zeuge, wie sie die Untersuchungen von damals noch einmal durchleuchtet. Das ist leidlich spannend. Wie gesagt, in weiten Teilen des Buches passiert nicht viel. Erst zum Ende zieht die Spannung an, wenn dann plötzlich Wendung um Wendung passiert und man von einem Verdächtigen zum Nächsten verwiesen wird.

 

Insgesamt ist die Story gut angelegt und auch originell. Zwar ist die Idee, das ein einem kleinen Ort, in dem jeder jeden kennt, eine Mordserie passiert, nicht ganz so neu, aber doch sind die Gegebenheiten und Charaktere ungewöhnlich genug. Leider ist es über weite Teile nicht wirklich spannend. Dies ist mein zweites Buch von dieser Autorin und ich hatte schon bei dem anderen Buch meine Schwierigkeiten mit ihrem Schreibstil. Irgendwie liegt mir ihre Art des Erzählens nicht. Sie schreibt sehr distanziert, kühl, baut Wiederholungen und viele Fragesätze ein. Ich habe mich zwischendurch dabei ertappt, das ich gedanklich abgedriftet bin während des Lesens. Irgendwie hat es mich diesmal auch nicht wirklich gepackt. Die Autorin kann mich nicht so ganz begeistern, ihr Stil liegt mir irgendwie nicht. Aber da das ein persönliches Problem ist, würde ich niemandem von dem Buch abraten. Es ist durchaus interessant und gut konzipiert, konnte mich persönlich aber in der Umsetzung nicht ganz überzeugen.

  (0)
Tags: psychologischer thriller, serienkiller, suspense   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

suspense

The Perfect Stranger

Megan Miranda
E-Buch Text: 353 Seiten
Erschienen bei Corvus, 16.05.2017
ISBN 9781786492890
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dies ist mein zweites Buch von Megan Miranda. „All The Missing Girls“ war eins der ungewöhnlich aufgebauten Bücher, die ich je gelesen habe. So war ich sehr gespannt auf ihr nächstes Buch. Dieses ist total anders, gradlinig erzählt. Aber es hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.

 

Die ehemalige Reporterin Leah steht vor den Trümmern ihrer Karriere. Sie hat eine Story geschrieben, die nach hinten losging. Was genau es damit auf sich hat, erfahren wir nach und nach. Da kommt ihr die spontane Idee einer zufällig wiedergefunden Freundin gerade, recht, die Stadt gemeinsam zu verlassen und ins ländliche Pennsylvania zu ziehen. Leah und Emmy kennen sich seit Jahren. D.h. eigentlich haben sie einmal einige Monate zusammengelebt, sich dann 8 Jahre nicht gesehen um sich jetzt plötzlich in einer Bar wieder zu begegnen. Leah fühlte sich immer ganz besonders verbunden mit Emmy. Sie schien sie als einzige wirklich zu verstehen.

 

In diesem kleinen Ort im amerikanischen Hinterland arbeitet Leah nun als Lehrerin. Dort scheinen einige Menschen den Versuch zu starten, neu anzufangen. Als plötzlich eine junge Frau erschlagen aufgefunden wird und ein anderer Toter aus einem See gefischt wird, geraten die Dinge etwas aus dem Lot in der kleinen Stadt. Leah fühlt sich gestalkt von jemanden und Emmy ist verschwunden. Als sie das der Polizei meldet, muss sie erkennen, wie wenig sie von Emmy weiß. Denn eine Emmy Grey gibt es nicht.

 

Die Autorin hat eine düstere und komplexe Story geschrieben. Immer mal gibt es Rückblenden. Die Charaktere, vor allem Leah mit ihren trotzigen Alleingängen, sind nicht sehr sympathisch. Aber das störte mich nicht besonders. Mir gefiel der langsame Aufbau, die allmählich steigende Spannung. Alle Personen sind irgendwie undurchsichtig und nicht vertrauenswürdig. Leah selber ist eine sehr undurchsichtige Person und nach und nach muss sie lernen, dass alle um sie herum das ebenfalls sind.  Mir persönlich hat auch das Ende gefallen.

  (0)
Tags: suspense   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(198)

311 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 100 Rezensionen

haus, housekeeper, jpdelane, jp delaney, kontrolle, london, mord, penguin, psychothriller, spannung, technik, thegirlbefore, the girl before, thriller, überwachung

The Girl Before

JP Delaney , Karin Dufner
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Penguin, 25.04.2017
ISBN 9783328100997
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich war mir nicht sicher, ob ich dieses Buch mögen würde. Der Klappentext klang vielversprechend. Aber die englischen Besprechungen des Buches waren zwiegespalten. Zu seltsam war die Ausganglage. Man mietet eine Wohnung  mit hunderdrölwzig Regeln, die fast alle die persönliche Grenze überschreiten. Wer tut so etwas? Aber in der Tat gelingt es dem Autor, die Personen, die das tatsächlich tun, zu verstehen. Warum sie aus ihrer persönlichen Lebenssituation bereit sind, sich diesem Diktat zu unterwerfen.

 

Die Story wird aus 2 Blickwinkeln erzählt. Emma, damals. Jane, jetzt. Emma ist bereits tot, als Jane die Wohnung mietet. Wir erfahren über beide Frauen, wie und warum sie bereit waren, sich diesen Regeln für das Bewohnen dieses Hauses zu unterwerfen und dann tatsächlich in diese exklusive Residenz einziehen. Aus beiden Sichten wird abwechselnd erzählt.  Zunächst sieht das ganze recht absehbar aus. Beide Frauen machen ähnliche Erfahrungen mit dem Architekten des Hauses. Sie erleben ähnliche Situationen. Aber nach und nach entfernen sich ihre Erfahrungen. Das Buch entwickelt sich stetig in eine andere Richtung als man vielleicht erwartet. Die Erzählerinnen  sind doch sehr unterschiedlicher als man zuerst dachte. Ich war zunehmend fasziniert, obwohl über weite Teile nicht wirklich viel passiert. Es ist mehr das unterschwellige. Zuerst fesselt die Darstellung der beiden Frauen, wie sie bestimmte Sachen mit dem faszinierenden Architekten Edward erleben. Dann gehen die Beschreibungen langsam auseinander und nehmen eigene, ungeahnte Wege

 

Dieser Krimi/Thriller ist wirklich sehr speziell. Es ist einerseits sehr glattpoliert und schnörkellos. Zugleich aber  handelt er sehr spezifische Themen ab und man sollte nicht alles glauben, was die beiden Frauenfiguren erzählen. Ich habe, glaube ich, noch nie ein derart konstruiertes Buch gelesen. Alleine deshalb hebt sich dieses Buch vom Mainstream ab. Hier darf man nichts glauben. Zugleich muss man die unglaubliche Ausganglage akzeptieren. Wenn man das so annimmt wird man mit einem ungewöhnlich gestrickten Thriller belohnt. Mich hat dieses Buch sehr beschäftigt. Wenn ich die Zeit gehabt hätte, hätte ich es in einem Rutsch durchgelesen. Es flutscht nur  so dahin. Die Themen, die es behandelt, sind durchaus tiefsinnig. Ich bewundere auch die Kunstfertigkeit des Autors. Ihm gelingt es auf einer Seite in wenigen, präzisen Worten, die Gefühle einer Mutter über eine Totgeburt zu beschreiben, die mir die Tränen in die Augen trieben. Im Weiteren schreibt er dann einen ungewöhnlichen, komplexen und doch aalglatten Krimi. Dieses Buch ist ein faszinierender Zwitter. Eiskalt, schnörkellos, auf den Punkt gebracht und doch irgendwie trivial. Mir hat es extrem gut gefallen. Das mag nicht für jeden funktionieren. Ich fand es hervorragend.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kidnapping, psychologischer thriller

The Girl Who Was Taken

Charlie Donlea
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei Kensington, 25.04.2017
ISBN 9781496701015
Genre: Sonstiges

Rezension:

Endlich mal wieder ein Buch, das mich begeistern konnte. Ich habe schon darüber nachdachte, mal eine Lesepause einzulegen, da mir in den letzten Monaten irgendwie kein Buch so richtig gefallen konnte. Aber nun ist hoffentlich der Bann der gebrochen.

 

Vor einem Jahr verschwanden 2 junge Mädchen nach einer Beach Party. Megan tauchte 2 Wochen später wieder auf, völlig verstört und ohne genaue Erinnerung, da sie die ganze Zeit starke Betäubungsmittel bekam. Nicole dagegen blieb verschwunden. Megan verarbeitete ihre Erlebnisse und ihr Entkommen in einem Buch und hat es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Nicole dagegen ist in Vergessenheit geraten. Ihre 10 Jahre ältere Schwester Livia  ist inzwischen Pathologin. Eines Tages kommt ihr eine Leiche auf den Tisch, die ihr einige Rätsel aufgibt. Dann erfährt sie, dass der Tote ihre Schwester Nicole kannte. Livia beginnt ein wenig nachzuforschen. Stück für Stück trägt sie Informationen zusammen, die zu dem Verschwinden der beiden Mädchen führten.

 

Mehr will ich zum Inhalt gar nicht sagen. Die Story entwickelt sich zuerst recht langsam. Immer mehr Puzzelteilchen kommen hinzu. Langsam entfaltet sich eine düstere und makabre Geschichte. Es gibt eine Menge Hinweise und einige falsche Fährten. Zuerst weiß man auch gar nicht, wohin die Geschichte führen wird. Ich habe die Entwicklung nicht kommen sehen und schon gar nicht den Täter. Die Story springt zwischen verschiedenen Zeiten (vor und nach der Entführung) und zwischen verschiedenen Erzählern hin und her. Es ist aber nie verwirrend. Je mehr man erfährt desto spannender wird es. Die Geschichte ist wirklich ungewöhnlich, ein wenig bizarr und auch furchterregend. Dem Autor gelingt es sehr gut, die Handlung zügig voranzubringen, viele Informationen einzubauen ohne je abzuschweifen. Interessant fand ich vor allem die Einblicke in die Pathologie.

 

Dies ist mein zweites Buch von Charlie Donlea. „Summit Lake“ hatte mir recht gut gefallen, aber dieses Buch finde ich noch viel besser. Ich werde auf jeden Fall den Autor im Auge behalten. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen. Es ist jede Minute Lesezeit wert.

  (0)
Tags: kidnapping, psychologischer thriller   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

krimis, psychologischer thriller

The Dark Room

Jonathan Moore
E-Buch Text: 304 Seiten
Erschienen bei Orion, 10.01.2017
ISBN 9781409165057
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich bin mir nicht sicher, wie ich dieses Buch bewerten soll. Einerseits habe ich es gerne und zügig gelesen, andererseits gab es einige Dinge, die mir nicht gefallen haben.

Vor wenigen Monaten las ich „The Poison Artist“, welches mir gefallen hat; es war ungewöhnlich in mehrfacher Hinsicht. Die Story war ausgefallen und der düstere Schreibstil ebenfalls. Letzteres trifft unbedingt auch auf dieses Buch zu. Der Autor schafft eine sehr düstere und sinistere Atmosphäre. Die Story selber ist nur bedingt ungewöhnlich. Ähnliches hat man schon öfter gelesen. Eine junge Frau wurde von bösen Männern umgebracht, nachdem sie sie zur Genüge missbraucht haben. Dieser Mord ist ein Cold Case und kommt durch ein spätes Geständnis auf den Schreibtisch von Inspector Cain. Dadurch wird die komplexe Hintergrundgeschichte dieses Mordes langsam aufgeklärt.

Das Buch ist sehr ruhig und unaufgeregt erzählt. Trotzdem bleibt es interessant. Dem Autor gelingt das Kunststück, die Geschichte spannend genug zu halten, obwohl eigentlich nicht viel passiert. Es wird viel geredet und Polizeiarbeit geleistet. Dabei ist er sehr genau in seinen Beschreibungen der Umgebung und Details. Wenn es um Dialoge geht, ist er etwas weniger mitteilsam. Da bleibt schon mal einiges ungesagt. Auch nehmen wir keinen tieferen Anteil an den Gedankengängen Cains. Während jede Handbewegung beschrieben wird, erfahren wir z.B. weniger über das Aussehen der Charaktere. Da genügen wenige Worte. Man bleibt irgendwie außen vor als Leser. Es ist alles sehr distanziert. Auch das Privatleben Cains erscheint sehr mysteriös. Zu der Beziehung zu seiner Freundin, die ein traumatisches Erlebnis ans Haus fesselt, werden nur wenige Andeutungen gemacht.

Zum Fall selber werden alle Fragen weitgehendsten geklärt, obwohl das Buch sehr abrupt endet. Ich hätte da evtl. noch 1-2 Seiten mehr erwartet. Manches bleibt aber auch im Dunklen, z.B. warum sich einer der weiblichen Figuren ständig entkleidet und nackt ist. Ja, sie ist ein wenig gestört, das kann man sich denken. Aber wieso? Dem Autor sind andere Dinge mehr Worte wert. Das Augenmerkt liegt auf Tatortbeschreibungen, den Autopsien, die Beweismittel. Da wird ganz genau beschrieben. Charaktertiefe ist ihm weniger wichtig. Verstehen müssen wir die Figuren nicht, Hauptsache wir wissen, wie es gewesen ist. Es scheint fast, als interessiere er sich nicht für seine Figuren. Sie müssen halt da sein und den Zweck erfüllen, die Geschichte zu erzählen. Warum sie etwas tun, ist nicht wichtig.

Dieses Buch ist eine merkwürdige Mischung aus atmosphärischem aber verhuschten Erzählens. Es gibt eine düstere Krimistory, die nicht wirklich innovativ ist. Wir sehen Cain seine Polizeiarbeit machen. Es gibt wenig Charaktertiefen, da alles ein wenig distanziert bleibt. Insgesamt hebt es sich aber trotzdem gerade deswegen vom Mainstream ab. Es ist irgendwie anders, irgendwie merkwürdig. „The Poison Artist“ ist ähnlich gewesen im Stil, hat mir aber wegen seiner ungewöhnlicheren Story etwas besser gefallen.

  (0)
Tags: krimis, psychologischer thriller   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

The Poison Artist

Jonathan Moore
E-Buch Text: 289 Seiten
Erschienen bei Orion, 10.03.2016
ISBN 9781409159742
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

belletristik, cosy krimi, england

I Found You

Lisa Jewell
E-Buch Text: 450 Seiten
Erschienen bei Cornerstone Digital, 14.07.2016
ISBN 9781473507906
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dies ist mein zweites Buch der Autorin. „The Girls in the Garden“ hatte mir schon sehr gut gefallen. Ich mag ihren Stil. Ihre Bücher lesen sich leicht weg und sind gut durchdacht.

„I found you“ ist ein Buch, das durch seine Charaktere lebt. Es gibt drei Erzähler, die abwechselnd zu Wort kommen und die Geschichte langsam aufdröseln. Nach  und nach kann man sich zusammenreimen, wie die drei Erzählebenen zusammenhängen und sich ergänzen. Die Story ist komplex, aber vor allem ihre hervorragend gezeichneten Figuren geben dem Buch leben. Das hat mir am besten gefallen.

 

 

Für echte Krimifans ist das Buch evtl. nicht das richtige. Es gibt Spannung und man möchte wissen, wie es weitergeht. Aber es ist kein echter Krimi oder gar Thriller. Es gibt viel Hintergrundwissen zu den Figuren und es dauert auch eine Weile, bis man weiß, wohin das Ganze geht. Das Tempo ist aber eher gemächlich. Trotzdem war es zu keinem Zeitpunkt langweilig.

 

Lisa Jewell vermag auf relativ leichte Weise eine tragische Geschichte zu erzählen. Der Erzählfluss ist angenehm. Fast würde es dadurch etwas seicht wirken, aber die sehr glaubhaften Figuren geben der Story die nötige Tiefe. Das Buch könnte auch die die Sparte „Cosy Crime“ fallen. Obwohl das normalerweise nicht mein Genre ist, habe ich dieses Buch gerne und in nur 2 Tagen gelesen. Wer es nicht immer bluttriefenden braucht und nicht auf Cliffhanger angewiesen ist, kann jederzeit auf dieses Buch zurückgreifen.

  (1)
Tags: belletristik, cosy krimi, england   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

suspense

He Said/She Said

Erin Kelly
E-Buch Text: 416 Seiten
Erschienen bei Hodder & Stoughton, 20.04.2017
ISBN 9781444797176
Genre: Sonstiges

Rezension:

Schon seit Monaten lese ich ein Buch nach dem anderen, das meine Erwartungen nicht erfüllt. Leider ist dieses Buch keine Ausnahme.

 

Der Klappentext sagt genug über den Inhalt. Mehr braucht man nicht zu wissen. Die Story ist im Grunde schlicht. Ein junges Paar ist in Cornwall auf einem Festival 1999 um dort eine Sonnenfinsternis zu beobachten. Dort wird das Mädchen Zeuge einer Vergewaltigung. Danach ist für mehrere Menschen nichts mehr so, wie es vorher war.

 

Die Story an sich ist recht clever und komplex. Das Problem hier ist, das man sich mit keiner Figur so recht identifizieren oder gar mitfühlen kann. Laura fand ich schon sehr schnell sehr anstrengend. Ihre Angstzustände in der heutigen Zeitebene erschienen mir, übertrieben. Die ganze Sache und die Reaktionen darauf empfand ich als etwas überzogen. Warum Laura und Kit 15 Jahre lang in Panik lebten, hat sich mir nicht so ganz erschlossen. Beth wird recht schnell als schwieriger Charakter abgestempelt. Da wir nur Lauren und Kit als Erzähler auf allen Zeitebenen haben, hat Beth nie eine eigene Stimme. Das eigentliche Problem für mich mit diesem Buch aber ist, das es unglaublich langatmig ist. Die Story wird endlos ausgedehnt. Zuerst fand ich die Sache mit der Reise zu den Sonnenfinsternissen sehr interessant. Aber als Kit dann aufbricht in der Gegenwart, zu den Färöer Inseln, wird es echt langatmig. Überhaupt wird die Spannung sehr oft ausgebremst. Die Story dehnt sich extrem und wirkt im weiteren Verlauf ein wenig überkonstruiert. Alle Erzähler sind unzuverlässig. Jeder lässt etwas aus, was er erst spät preisgibt. Alle sehen sich über allem stehend, dabei lügen alle. Das ist durchaus interessant und clever ausgedacht, aber als Story zieht es sich so unglaublich. Zum Schluss hin gibt es noch einen Twist und noch einen weiteren. Jeder verheimlicht etwas. Und alle glauben, dass sie alles richtig gemacht haben.

 

Das Buch hat jede Menge 5-Sterne Reviews. Ich kann das leider nicht wirklich nachvollziehen. Die Story, die Grundidee, ist wirklich gut. Aber das Ganze wird extrem ausgedehnt. Manchmal verliert sich die Story auch auf Nebenplätzen. Die Sache mit Kids Bruder bzw. dessen Vater ist irgendwie unnötig. Auch braucht es nicht so viel Infos über die Familie von Jamie, dem Vergewaltiger. Dafür bleibt Beth, das Opfer, irgendwie zu sehr im Dunklen.

 

Für mich ist das Buch leider auch hinter meinen Erwartungen zurück geblieben. Die Idee ist gut, aber es ist viel zu langatmig, zu ausufernd erzählt. Der Aspekt der unglaubwürdigen Erzähler wird leider überstrapaziert und gerad gegen Ende wird doch der ein oder andere Twist zu viel rausgehauen. Ich bin ein wenig hin und her gerissen. Ich sehe die Brillanz der Storyidee und auch ihre Aussage. Gerade die Figuren Beth und Kit  bekommen eine ganz eigene Tiefe und Aussage. Aber es dauert so ewig bis wir dahin kommen. Es gibt zu viele Nebenschauplätze und zu viele Details. Die Spannung blieb für mich auf der Strecke. Hätte ich das Buch nicht als Lese-Ex bekommen, hätte ich vielleicht nicht durchgehalten. So hatte ich über weite Strecken das Gefühlt, dass ich das Buch einfach nur beenden will. Der Schluss gibt der Story zwar die nötige Tiefe und das Gefühl, eine großartige Story gelesen zu haben. Aber der Weg dahin war etwas zu mühsam und langatmig.

  (0)
Tags: suspense   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

beletristik, fiction

The People at Number 9

Felicity Everett
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei HQ, 06.04.2017
ISBN 9780008216900
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der Klappentext verspricht ein wenig mehr, als das Buch letztendlich bietet. Man sollte sich auf ein charaktergesteuerte Geschichte einstellen und nicht auf unverhoffte Twists oder gar einen Krimi erwartet. Ich las vor einiger Zeit „Swimming Pool“ von Louise Cavanagh, das von einer ähnlich ungleichen Freundschaft zwischen Ehepaaren erzählte; diese Buch nahm aber eine wesentlich düstere Richtung als dieses Buch.

 

Im Grunde geht es hier um diese ungleiche Freundschaft. Sara ist schon bald wie verzaubert von dem Künstlerpaar, das nebenan eingezogen ist. Lou ist chaotisch aber auch voller kreativer Ideen. Durch sie angeregt will  Sara ihre schriftstellerischen Ambitionen stärker in den Vordergrund holen. Sara ist ein eher unsympathischer Charakter. Sie ist eine unzufriedene Mittelklassehausfrau mit Luxusproblemen. Sie ist zugleich selbstbezogen aber auch zutiefst unsicher. Das macht sie zu einer schwierigen Figur, mit der man sich eher nicht identifizieren mag, weil sie eben genau deswegen so furchtbar realistisch ist.

 

Im Grunde passiert nicht sehr viel. Es geht um die Entwicklung dieser Freundschaft, die so ungleich ist. Erzählt wird das alles aus Saras Sicht. Lou und Gavin sehen wir nur durch ihre Augen. Sara richtet ihr Leben immer mehr nach Lou und Gavin. Sie schaut nach ihren Kindern, schließt sich Lous Idee an, ihre Kinder gemeinsam zu Hause zu unterrichten, obwohl die meiste Arbeit an Sara hänge bleibt, denn Lou ist durch ihre Arbeit als Filmemacherin ständig unterwegs. Langsam geht Sara die Einseitigkeit ihrer Freundschaft auf, aber es fällt ihr schwer, den Glanz, den Lou und Gavin in ihr Leben bringen, dafür aufzugeben.

 

Mich hat das Buch gut unterhalten. Es ist flüssig geschrieben und ich habe es  zu keiner Zeit als langweilig empfunden. Es ist kein Krimi, es passiert nichts Grauenvolles. Es ist eher ein Familiendrama, das Sara auslöst, weil sie das, was sie hatte, ihre Familie und ihr einfaches und vielleicht auch langweiliges Leben, nicht zu schätzen wusste.

  (0)
Tags: beletristik, fiction   (2)
 
187 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.