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historischer roman, marita spang, mittelalter, blut und seide, kreuznach

Blut und Seide

Marita Spang
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2015
ISBN 9783426517178
Genre: Historische Romane

Rezension:

Nachdem mich Marita Spangs Erstlingswerk HEXENLIEBE bereits vollkommen begeistern konnte, war ich nun gespannt, was mich bei ihrem neuen Roman erwarten würde. Mit BLUT UND SEIDE präsentiert die HOMER-Preisträgerin nun ihr neuestes Werk.


Das Cover:

Von der Gestaltung her, ist hier ein Wiedererkennungswert klar erkennbar. Wieder befindet sich eine Frau auf dem Buchcover, wieder besteht der Buchtitel aus goldenen, verschnörkelten Buchstaben und letztendlich erinnert auch der gemusterte Hintergrund an den ersten historischen Roman der Autorin.

Die Frau auf dem Cover wirkt recht ansehnlich – das Schönheitsideal der damaligen Zeit ist eben ein anderes, als das der heutigen Zeit. Die junge Frau trägt die Haare offen und ihre Kleidung wirkt edel, sei es durch den Brokatstoff oder den Pelzbesatz an der Kleidung.


Die Handlung:

Das Deutsche reich um 1260 – Nachdem seine Eltern bei einem Überfall äußerst brutal ermordet wurden, wächst der Waisenjunge Simon von Montfort bei Johann von Sponheim auf. Für diesen ist der Junge, der Sohn seines besten Freundes, wie ein eigener Sohn. Doch Johanns Bruder Heinrich schikaniert den Jungen wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet.

Aber dann verliebt sich Simon in Christina, die Verlobte von Heinrich. Die beiden beginnen eine Liebschaft. Doch leider ist diese Liebe nicht von Erfolg gekrönt, denn die junge Frau wird zur Ehe mit dem ungeliebten und äußerst brutalen Heinrich gezwungen. Simon und Christina geben jedoch die Hoffnung nicht auf, doch noch ein Paar zu werden...


Meine Meinung:

Ich liebe historische Romane, die im Mittelalter spielen, so wie es in Marita Spangs neuestem Werk der Fall ist. Dennoch konnten mich auch zwischenzeitlich andere Zeitepochen überzeugen.

Simon hat sich zwei Dinge vorgenommen: Zum einen will er die Mörder seiner Eltern finden, zum anderen möchte er eine gemeinsame Zukunft mit seiner geliebten Christina haben. Doch ausgerechnet sein Erzfeind Heinrich ist der Ehemann seiner Geliebten.

Christina ist eine typische Heldin. Sie lernt kämpfen, möchte sich von ihrem Mann befreien, den sie aus tiefstem Herzen verachtet und hasst. Man wünscht sich natürlich während des Lesens, dass sich Christina aus den Fängen ihres Mannes befreien kann, um mit ihrem Simon das große Glück zu finden. Doch eine Trennung war in dieser Zeit überaus kompliziert, da Ehen oft auch aus politischen Gründen geschlossen wurden, oder um Besitztümer zu mehren. Zwar liebt Christinas Vater seine Tochter aus tiefstem Herzen, doch vor der Realität verschließt er dann doch regelrecht die Augen, will nicht wahrhaben, dass seine Tochter unglücklich in ihrer Ehe ist.

Heinrich ist ein äußerst brutaler Unmensch, der vor keiner Gräueltat Halt macht. Es wird ohne mit der Wimper zu zucken, geschändet und gemordet. Man wünscht ihm während des Lesens buchstäblich die Pest an den Hals. Doch leider sind Bösewichte immer recht zäh.

Johann von Sponheim war mir sofort sehr sympathisch. Nach dem Tod der Eltern nimmt er das Kind seines besten Freundes als Ziehsohn bei sich auf. Johann selbst leidet unter den Folgen der Kinderlähmung, denn er ist gehbehindert. Von seinem eigenen Bruder Heinrich hält er (verständlicherweise) wenig, während ihm Simons Wohlergehen am Herzen liegt.

Früher war nicht alles besser, das wird auch diesmal wieder deutlich. Da wird gekämpft, gemordet und vergewaltigt. Die Schilderungen sind recht detailliert, aber das ist durchaus vertretbar, denn so schonungslos beschrieben, wird deutlich, wie brutal diese Handlungen waren, und dadurch wirkt alles sehr authentisch und glaubhaft. Kampfhandlungen sind nicht unbedingt meine Lieblingsszenen, aber dennoch unverzichtbar.

Ich liebe es, wenn in historischen Romanen Personen vorkommen, die wirklich gelebt haben. Auch in BLUT UND SEIDE ist dies wieder der Fall.

Zwar gefiel mir letztendlich HEXENLIEBE etwas besser, allerdings war das auch eine andere Thematik, und man kann schlecht Äpfel mit Birnen vergleichen, wie man so schön sagt. Aber auszusetzen hatte ich auch an diesem Roman nichts, insofern besteht kein Grund zur Kritik.

Der Aufbau des Buches gefiel mir sehr gut. Hier fehlte nichts, angefangen von einigen Karten, die verschiedene Grafschaften und Herzogtümer der damaligen Zeit zeigten, über die Liste der im Buch vorkommenden Personen (Dramatis Personae), samt der Kennzeichnung der Personen, die wirklich gelebt haben, bis hin zum Glossar, in dem die altertümlichen Begriffe erklärt werden – nützlich für Neueinsteiger in dieses Genre, aber auch Leser historischer Romane lernen hier immer wieder das ein oder andere dazu, auch ich.

Der Anhang, in dem es um Fiktion und Wirklichkeit geht, ist in meinen Augen unverzichtbar. Hier erfährt man allerlei interessante Dinge zu den Hintergründen und der Handlung. Welches Buch Marita Spang uns wohl als nächstes präsentiert? Man darf gespannt sein, denn sicherlich habe ich nicht das letzte Mal einen historischen Roman dieser Autorin gelesen.


Fazit:

Auch mit ihrem zweiten Roman konnte die Autorin mich wieder voll und ganz überzeugen. Freunden historischer Romane kann ich das Buch ans Herz legen. Ich empfehle es gerne weiter und gebe diesem Buch 5 Sterne.

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

problemzonen, lustig, nachdenklich, spass, musik

Problemzonen: Einsichten aus dem Kiosk

Carin Müller
Flexibler Einband: 218 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 02.10.2015
ISBN 9781517039745
Genre: Sonstiges

Rezension:

Carin Müller, die Frau der tausend Gesichter! Von mir sehr geschätzte Autorin ungewöhnlicher Bücher, mitteilungsfreudige Bloggerin, Hundefrauchen und eingefleischter Fußballfan. Ich mag ihre Texte, ich schätze ihre gnadenlose Kritik und ihre unverschleierte Ehrlichkeit, sowie ihren bisweilen bissigen Humor.

Weshalb ich das alles erwähne? Wie Carin Müller selbst von sich sagt: Sie kann nicht schweigen, muss ihre Meinung kundtun. Und genau deshalb gibt es auch das Buch PROBLEMZONEN – EINSICHTEN AUS DEM KIOSK.


Das Cover:

Das Buchcover ist diesmal glänzend gestaltet, der Hintergrund ist in Blau- und Grüntönen gehalten und das Hintergrundmuster besteht aus einer „gestrickten“ Fläche. Darauf befindet sich die Abbildung eines Gehirns, auf dem verschiedene Areale durch verschiedenfarbige Fähnchen in unterschiedlichen Größen gekennzeichnet sind.


Inhalt / meine Meinung:

Wie der Hinweis auf dem Cover bereits verkündet, besteht dieses Buch aus 70 Kolumnen. Diese hat Carin Müller auf ihren Blogs veröffentlicht. Und nun wurden ausgewählte Texte in diesem Buch zusammengestellt. Dabei wurden diese 70 Texte in sieben Kategorien unterteilt, die dann aus jeweils 10 Beiträgen bestehen:


Hassobjekte und Lieblingsfeinde:

Die Tücken der „Schummelunterwäsche“, auch Shape Wear genannt, beschreibt die Autorin sehr anschaulich. Ebenso wie die Begegnung mit Fahrdienstmüttern, die ihre Kinder stets zur Schule chauffieren. Und die Post – ja, die ist ein Kapitel für sich – im wahrsten Sinne des Wortes. Des weiteren behandelt dieses Kapitel u. a. Themen wie: Apotheker, die alles besser wissen, Handtaschen (ohne die frau sich ja fast nackt fühlt), Veganer, sowie ungewöhnliche Deko, wie ein lederhosetragendes Einhorn...


Hunde und andere … äh … Tiere:

Hund habe ich keinen. Dafür besitze ich aber eine Katze (oder sie besitzt mich – so richtig klar ist das ja mitunter nicht). Wie der geneigte Leser aber weiß, spätestens seit Erscheinen dieses Buches, ist Carin Müller das Hundefrauchen des Airedale-(Terror)-Terriers Toni. Und der hat seinen eigenen Kopf, den er auch gerne und oft durchsetzt. Beim Gassigehen mit Toni hat Autorin Carin Müller immer wieder Begegnungen der dritten Art – angefangen bei ungewöhnlichem Hundespielzeug, über Hundeherrchen und -frauchen, oder anderen Vierbeinern. Und der Versuch, Toni eine Urinprobe zu entlocken, stellt sich als äußerst schwierig heraus, und darauf zu warten, dass der Hund sein „Geschäft“ erledigt, das kann mitunter schon etwas länger dauern.


Schreiben in Theorie und Praxis:

Klar, dass bei einer Autorin auch das Thema Schreiben nicht fehlen darf. Dabei fehlen weder Tücken der deutschen Sprache, noch fehlen unveröffentlichte Kurzgeschichten, die bislang in der Autorenschublade schlummerten. Dass auch Lehrer und Autoren nicht vor diesen Tücken der deutschen Sprache sicher sind, das erzählt die Autorin auf ihre humorvolle Art.


Musik und sonstige Nebengeräusche:

Autorin Carin Müller tanzt! Ich dagegen bin eine bekennende Nichttänzerin, und habe im Gegensatz zur Autorin nie einen Tanzkurs besucht. Doch es gibt auch Ausnahmen – ich liebe syrische Tänze sehr, und bin begeistert von diesem Tanzstil. Des weiteren berichtet die Autorin über ihren Musikgeschmack, sowie über Konzerte, die sie besucht hat. Natürlich dürfen hier in dieser Kategorie ABBA und die Stones nicht fehlen, aber auch andere Musiker, die den Musikgeschmack der Autorin geprägt haben.


Fußball ist auch keine Lösung:

Bei uns ist keiner in der Familie Fußballfan, daher gehörte diese Rubrik nicht zu meiner Lieblingskategorie, und so habe ich sie kurzerhand erst einmal beim Lesen hinten angestellt. Die Befürchtungen waren jedoch ziemlich unbegründet, spielte doch bereits in Carin Müllers Roman GEFÜHLTE WAHRHEIT dieser Ballsport eine wichtige Rolle. Und so habe ich auch diese Kategorie unbeschadet überstanden, nicht zuletzt durch den originellen Schreibstil. Und ein bestimmter Fußballer, nämlich Marco Reus, hat es sogar geschafft, zur Problemzone der Autorin zu werden.


Politik und Kirche:

Ohhh ja! Dass wir beide diese Plage der Menschheit namens PEGIDA nicht nur nicht mögen, sondern hassen, darüber waren die Autorin (wir tauschen uns schon länger über Facebook aus) und ich uns schon vor Erscheinen des Buches einig. Daher hätte diese sogenannte Organisation auch in die Sparte „Hassobjekte und Lieblingsfeinde“ gepasst. Und nun, da ich viele sehr nette, sehr höfliche, sehr liebenswerte Syrer persönlich kenne, verachte ich die PEGIDA und ihre Sympathisanten noch mehr. Man möchte sich fremdschämen dafür, dass es solche menschenverachtende Menschen, oder besser gesagt Unmenschen, geben kann. Daher ist dieses Kapitel auch eines meiner Lieblingskapitel – obwohl ich mich über diese braune „Organisation“ so sehr aufrege.

Aber auch die Kirche hat sich nicht unbedingt immer mit Ruhm bekleckert. Vor allem die katholische Kirche ist mir mitunter doch sehr ein Dorn im Auge, sei es durch ihre Verschwendungssucht oder sonstige Einstellungen zum Thema Partnerschaft und Familie.


Reisen und andere Fluchten:

Eine Reise in die USA – ein Teil der Autorin würde sie sich wünschen: Der angetraute Ehemann! Doch ihre Zunge kann die Autorin nicht zügeln – wobei sie sich beherrschen würde, und das Wort „Bombe“ vermeiden würde. Wer will schon mit einer entsicherten Waffe am Kopf auf dem Boden des Flughafens liegen!?

Ich selbst bin eher ein Reisemuffel, bin auch noch nie geflogen. Dennoch reise ich gerne via Buch in andere Gefilde. Daher habe ich diese Kategorie mit Interesse gelesen. Und natürlich hatte auch hier Terrier Toni seinen Auftritt. Und natürlich fanden auch die mehr oder weniger kulinarischen Spezialitäten der Reiseziele Erwähnung.


Allgemeines:

PROBLEMZONEN wie Bauch, Beine, Po kamen auch in diesem Buch vor – der Bauch, der von „Schummelwäsche“ verborgen bleiben soll, die Beine, die Toni seinem Frauchen während der gemeinsamen Gassirunden macht, sowie der Po, auf den man im Leben so manchmal fällt, wenn auch nur verbal.

Nachdem ich bereits Bücher von Carin Müller gelesen habe, waren die PROBLEMZONEN für mich eine erneute Begegnung mit „alten Bekannten“. Zum einen gab es ein Wiederlesen mit dem Geister-Gorilla aus GEFÜHLTE WAHRHEIT, der zu jeder Kolumne unter „Anmerkung Gorilla“ seine Meinung abgab, sowie Informationen zur Entstehung, den Hintergründen,... . Nur ab und an konnte er wenig an eigener Meinung beisteuern, so z.B. zum Thema Handtaschen, was allerdings in der Natur der Sache lag – oder hat schon jemand einen Gorilla mit Handtasche gesehen? Zusammengefasst kann man sagen, dass Gorilla die Funktion eines Moderators übernahm.

Und natürlich durfte auch Toni nicht fehlen, Carins vierbeiniges Familienmitglied, Covermodel für HUNDSTAGE und Inspiration für den tierischen Protagonisten Tobi im Roman HUNDSTAGE.

Für wen ist dieses Buch geeignet? Ich denke, dass das Buch sich für all diejenigen eignet, die in der Inhaltsangabe eine oder mehrere seiner persönlichen PROBLEMZONEN entdeckt, sowie für alle, die Kolumnen verschlingen, oder die gerne zu Kurzgeschichten greifen, weil ihnen ein Roman zu umfangreich ist. Eigentlich sollte hier jeder Leser sein Lieblingsthema finden, denn PROBLEMZONEN hat mit Sicherheit jeder von uns.


Fazit:

Viele Kolumnen in diesem Sammelwerk gefielen mir sehr gut, einige weniger. Aber selbst diese unterhielten mich einigermaßen. Ich habe mich amüsiert, habe mich geärgert, wurde gut unterhalten. Und habe festgestellt, dass die „Problemzone Mann“ gefehlt hat – und PC, Internet, Handy, und, und, und...

Doch eines steht damit fest: Es muss unbedingt einen zweiten Teil der PROBLEMZONEN geben, in dem dieses und weitere Themen zur Sprache kommen. Und Carin Müller ist so produktiv, dass es sicherlich noch eine Fortsetzung geben wird. Von mir erhält dieses ungewöhnliche Buch 4 Sterne.

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63 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

ruhrpott, erpressung, loretta luchs, krimi, humor

Tote Hippe an der Strippe

Lotte Minck
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droste Vlg, 21.09.2015
ISBN 9783770015252
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Endlich ist er da, der 5. Fall für Loretta Luchs, die Ermittlerin wider Willen – dass sie immer wieder über Leichen „stolpert“ ist für Loretta alles andere als erfreulich. Die ersten vier Bücher konnten mich stets voll und ganz überzeugen, und so war ich auch diesmal „guter Hoffnung“, dass meine Erwartungen erfüllt werden würden.


Das Cover:

Es hat schon Tradition, dass Illustrator Ommo Wille die Buchcover zu den Ruhrpott-Krimödien entwerfen darf. Und das gelingt ihm immer sehr gut, denn es gibt auf diesen Rundum-Panorama-Covern, die sich von der Vorderseite bis auf die Buchrückseite erstrecken, sehr viel zu entdecken, so auch diesmal.

So zeigt das Titelbild diesmal Lorettas Arbeitsplatz, samt zahlreicher Details. Es ist klar ersichtlich, in was für einer Art Callcenter die Telefondamen tätig sind, denn an den Wänden der Kabinen hängen „Arbeitsanweisungen“. Auf der Vorderseite des Buches sieht man drei Telefonkabinen. In der mittleren lümmelt Loretta in ihrem Schreibtischsessel, das Headset auf dem Kopf, mit roten Pumps an den Füßen – oder besser gesagt am einen Fuß, den der andere Schuh liegt am Boden. Von rechts ragt eine Hand ins Bild, aus der ein weißes Pulver in eine leere Getränkeflasche rieselt.

Auf der Rückseite des Buches sieht man Chef Dennis, den Kaffeebecher in der Hand. Dennis wie er leibt und lebt, denn sein Faible für die Siebziger ist unverkennbar, sei es anhand der Kleidung, als auch an seiner Brille und der Frisur. Rechts von ihm sieht man eine rothaarige Dame, die während des Telefonierens strickt (ich vermute, dass das Doris ist). Unverkennbar ist auch der „Glaskasten“, das Büro von Dennis. Schmuddelig sieht es aus, überall liegen Wollknäuel, Zettel und sonstiger Müll auf dem Fußboden, die Abfalleimer quellen über und die Pflanzen sehen nicht mehr besonders fit aus. - Ein Cover mit viel Liebe zum Detail!


Die Handlung:

Love is in the air – Das Leben könnte so schön sein – Loretta Luchs ist glücklich mit ihrem neuen Freund Pascal, Freundin und Ex-Mitbewohnerin Diana ist schon einen Schritt weiter, denn sie und der junge Anwalt Okko wollen heiraten.

Doch lange hält diese ungetrübte Freude nicht an, denn Dennis, der Betreiber des Callcenters bittet Loretta und den pensionierten Polizisten Erwin um Hilfe. Seine Scheune ging in Flammen auf, und fünf seiner geliebten Zwergseidenhühner wurden brutal dahingemeuchelt – lediglich eines von Dennis' Lieblingen kam mit dem Leben davon.

Um ihrem Chef zu helfen, wird Loretta zur Ermittlerin wider Willen. Dennis wurde bedroht und zusammengeschlagen, seine Scheune in Brand gesetzt und fünf von Dennis geliebten Zwergseidenhühnern mussten ihr Leben lassen, und letztendlich sind die Arbeitsplätze von Loretta und ihren Kolleginnen bedroht. Doch wer steckt hinter den Anschlägen?...


Meine Meinung:

Endlich ein Wiederlesen mit Loretta Luchs und ihren Freunden: Mit Frank (der ein Faible für grellbunte Klamotten hat und durch seinen Ruhrpott-Slang besticht) und seiner Freundin Bärbel, mit Erwin, dem Kommissar im Unruhestand und seiner besseren Hälfte Doris und natürlich mit Loretta und ihrem neuen Freund Pascal, sowie deren Stubentiger Baghira.

Diesmal machen die beiden neuen Telefonistinnen von Dennis' Sexhotline, die „Domina-Hippe“ Jeanette und „Porno Gnom“ Belinda ihrem Chef das Leben zur Hölle. Erstmals tritt Dennis in diesem Band in den Vordergrund – wenn auch ganz und gar nicht freiwillig. Denn der Grund dafür ist äußerst unerfreulich: Dennis wird bedroht, und er sorgt sich um seine geliebten Mitbewohner, seine Zwergseidenhühner. Und um Sandra, seine neue Freundin, in die er bis über beide Ohren verknallt ist.

Dennis ist ja eine schillernde Person, der wirkt, als hätte er eine Zeitreise aus den wilden Siebzigern hinter sich – sei es in Sachen Styling, oder bei seinen Fahrzeugen. Schön, dass man als Leser nun auch Dennis mal näher kennenlernen darf – eine Hauptrolle hat Dennis sich längst verdient. Und so lernt man Lorettas Chef nun von einer vollkommen neuen Seite kennen. Und wer ist die Frau an der Seite des unsterblich verliebten Dennis? Ist Sandra, die so plötzlich auf der Bildfläche erschien, eine skrupellose Betrügerin, oder liebt sie Dennis ebenso sehr, wie er sie? Dennis ist für Argumente seiner Freunde jedenfalls recht unzugänglich – Liebe macht ja bekanntlich blind.

Diana, die ehemalige Mitbewohnerin von Loretta, spielt hingegen eher eine Nebenrolle, denn sie lebt inzwischen mit ihrem Traummann, einen Anwalt, zusammen. Nichtsdestotrotz hat sie hin und wieder einen Gastauftritt, und sei es auch nur in Form von Telefonaten. Der unvergessliche Heiratsantrag, den Diana erhielt, verlief alles andere als planmäßig, und brachte mich doch sehr zum Lachen.

Jeanette und Belinda erschienen am Ende des vorherigen Bandes bereits als Cliffhanger auf der Bildfläche. Ich liebe diese Cliffhanger, die Raum für Spekulationen gibt, wie es wohl im nächsten Band weitergehen wird. Jeanette und Belinda wirken stets überheblich und benehmen sich alles andere als kollegial.

Bärbel und Frank im Undercover-Einsatz als „Babsi“ und „Fränkie“ waren einfach wunderbar – sie gaben ein wunderbares Paar ab: Sie aufreizend gekleidet, er hingegen konnte sich modisch ebenfalls voll und ganz austoben – endlich darf er quietschbunt durch die Gegend laufen.

Wieder einmal konnten mich Loretta Luchs und ihre Freunde begeistern – erstmals erhielt auch Lorettas Chef Dennis, der bislang stets etwas im Hintergrund stand, eine tragende Rolle auf den Leib geschneidert. So erhielt man als Leser einen Einblick in das Privatleben dieser schillernden Persönlichkeit, und selbst Loretta war überrascht. Dass Dennis Zwergseidenhühner als Haustiere hält, das hätte sie nie vermutet. Aber auch sonst kam die tierische Besetzung nicht zu kurz – Hündchen Heini sorgt für Aufregung, und natürlich ist auch Lorettas Mitbewohner Kater Baghira wieder mit an Bord. Tiere empfinde ich in Büchern stets für eine Bereicherung, und im ein oder anderen tierischen Darsteller erkennt man mitunter auch das eigene Haustier wieder.

Ich liebe diese humorvollen Ruhrpott-Krimödien von Lotte Minck. Jeden dieser Krimis kann man unabhängig voneinander lesen, denn jeder Band ist in sich abgeschlossen. Dennoch empfiehlt es sich, jeden der Krimis zu lesen, denn sonst würde dem Leser ja viel Lesevergnügen entgehen. Wieder einmal setzte Lotte Minck, die an der Nordsee lebt, mit diesem humorvollen Krimi ihrer alten Heimat ein schönes Denkmal.

Schön ist es, dass man immer wieder der Stammbesetzung begegnet, denn sonst würde etwas fehlen. Glücklicherweise bleibt Loretta uns noch eine Weile erhalten – die Verträge für neun Bände wurden von der Autorin unterschrieben – es wird also noch viel geschehen, und ich bin gespannt, welche Abenteuer Loretta Luchs und ihre Freunde noch erwartet.


Fazit:

Auch diesmal wurden meine Erwartungen wieder voll und ganz erfüllt. Loretta Luchs und ihre Freunde haben wieder mit Herz, Hirn und „Ruhrpottschnauze“ ermittelt, und so manch heikle Situation gekonnt gemeistert. Wobei natürlich nie alles nach Plan verlief, denn das wäre ja auch langweilig gewesen. Ich empfehle auch diese Ruhrpott-Krimödie gerne weiter und gebe diesem Buch mit seinen originellen und ungewöhnlichen Protagonisten daher 5 Sterne.


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26 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

ulrike rylance, schule, penny pepper, detektiv, fernsehen

Penny Pepper - Chaos in der Schule

Ulrike Rylance ,
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.09.2015
ISBN 9783423761291
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Als Mama (auch wenn meine Kinder bereit erwachsen sind), Tante und Fan von Kinder- und Jugendbüchern, bin ich stets auf der Suche nach tollen Büchern. Ulrike Rylance, die auch unter anderen Namen schreibt, wie z.B. Ulrike Herwig, konnte mich bereits mit ihrem Schreibstil begeistern, so dass ich auch auf dieses Buch neugierig war.


Das Cover / die Gestaltung:

Schon alleine die Farbe des Covers „sticht“ ins Auge: Der Hintergrund ist in einem knalligen Orange gehalten. Im Lichtkegel eines Scheinwerfers kniet Penny Pepper, auf deren Oberschenkel Hündchen Dschastin einen „einbeinigen Handstand“ präsentiert. Um dieses Hauptmotiv herum wurden verschiedene Dinge platziert, die ebenfalls in diesem Buch eine Rolle spielen, wie die Ratte, eine Kamera, ein Kaninchen im Zylinder, einige Cupcakes, sowie weitere Gegenstände.

Während das Cover größtenteils matt gestaltet ist, wurden Penny und Hund Dschastin glänzend hervorgehoben, ebenso die Ratte und der Buchtitel. Auffallend an diesem Buch sind aber vor allem die „runden Ecken“. Das Buch besitzt ein Softcover, also einen Buchdeckel, der dicker als bei einem Taschenbuch ist, und wie bei einem Hardcover verarbeitet ist. Allerdings ist der Buchdeckel nicht ganz starr, sondern flexibel und lässt sich daher auch etwas biegen. Sehr gut gefällt mir das pinkfarbene Vorsatzpapier, das mit Motiven eines Kunststücke machenden Dschastin bedruckt ist – sieht sehr witzig aus.

Außerordentlich gut gefällt mir, dass auf der Buchrückseite die beiden Buchcover der Vorgängerbücher abgebildet sind – ich bin ein Befürworter dieser Gestaltung und habe mitunter schon ungenutzte, leere Flächen auf Buchserien kritisiert, und angeregt, dort Buchcover abzubilden – hier wurde dies nun tatsächlich so gehandhabt.


Die Handlung:

Penny Pepper und ihre Freunde sind aufgeregt, denn an ihrer Schule soll ein Talentwettbewerb stattfinden. Wie aufregend! - Selbst das Fernsehen soll dabei sein. Und so haben die Freundinnen Floras Hund Dschastin Kunststücke beigebracht. Ob sie damit wohl bei diesem Wettbewerb gewinnen werden?

Dann ist er da, der große Tag. Doch plötzlich geht alles schief und es herrscht das reinste Chaos. Rudi, die rechnende Ratte ist spurlos aus ihrem Käfig verschwunden. Und als Rockmusik ertönen soll, hört man nur bayrische Volksmusik.Und dann ist endlich Dschastin an der Reihe. Der Hund soll seine Qualitäten als Spürhund unter Beweis stellen, doch dazu kommt es nicht, denn eine schwarze Katze rennt genau jetzt über die Bühne. Für die Freundinnen steht eines fest: Hier hat jemand seine Finger im Spiel, und derjenige sabotiert den Wettbewerb. Werden Penny, Flora, den Täter ermitten und überführen können?...


Meine Meinung:

Es ist der dritte Band, in dem Penny Pepper und ihre drei Freundinnen Marie, Flora und Ida ermitteln. Mit dabei ist auch Dschastin, Floras Hund, der die Attraktion des Talentwettbewerbs werden soll, der in der Schule stattfindet. Bislang kannte ich noch keines der Bücher aus dieser Serie, aber das ist kein Problem, denn jeder Band ist, so wie es sein sollte, in sich abgeschlossen.

Dieses Kinderbuch hat einen ganz eigenen Charme, denn es besticht durch seinen Comic-Style, der jung und frisch wirkt. So wird auch bei ungeübten oder wenig lesebegeisterten Kindern das Interesse geweckt. Die Handlung ist jung, frisch, altersgerecht, manchmal auch frech, mitunter auch etwas respektlos (z.B. dann, wenn es um Omas Freundin Wilma und ihre ganz offensichtlich erfolglose Bikinidiät geht).

Die Eigenschaften der einzelnen Protagonisten wurde hervorragend in Szene gesetzt, ob es nun Wilmas Schwerhörigkeit ist, oder aber die lockere Art des beliebten Englischlehrers. Aber auch die esoterisch angehauchte Doppelnamen-Kunstlehrerin mit ihrer Haremshose, oder die Parallelklassen-Superstarmädels, sowie auch die Mutter mit den „Sauerkrauthaaren“ fand ich äußerst amüsant und unterhaltsam. Und dann ist da noch Pennys Diktiergerät, das ganz offensichtlich ein Eigenleben führt – schlimm genug, dass es Sätze falsch wiedergibt (als eine Art Schüttelreim), nein, es meldet sich auch dann zu Wort, wenn Penny glaubt, sie hätte es ausgeschaltet.

Zum Erfolg des Buches tragen natürlich auch die Illustrationen von Lisa Hänsch bei – selbst bei der Schrift wurde da mit verschiedenen Schriftgrößen und Schriftarten experimentiert – ein echter Hingucker. Die ins Buch eingearbeitete Worterklärungen („Sternchenverweise“) fand ich übrigens witzig, so z.B. die Definition eines Augenzeugen.

Für Verwirrung hingegen sorgte bei mir der mehrfach erwähnte Kameramann, der stets mit seinem Klemmbrett hinter einer Frau mit Kamera stand. Für mich war der besagte Mann eher ein Aufnahmeleiter und die Frau eben die Kamerafrau. Besonders gefielen mir die beiden Lehrer - Herr Robinski, der als Zauberkünstler seinen Auftritt hatte, sowie die Kunstlehrerin Frau Kreuzwald-Klappenberg. Solche verständnisvolle Lehrer wünscht sich wohl jedes Kind. Wilma fand ich ebenfalls toll, allerdings sammelte sie nicht Sympathiepunkte, sondern war einfach nur witzig, aufgrund ihrer eingeschränkten Hörfähigkeit. So verstand sie vieles falsch, und reagierte auf das Klopfen ans Mikrofon mit einem „Herein“.

Im Buch befinden sich zwei Doppelseiten. Weiß auf Schwarz findet man hier zum einen Hinweise auf die Körpersprache, wodurch man beispielsweise Lügner entlarven kann. Zum anderen wird gezeigt, wie man Fußspuren abnimmt, um so das Schuhprofil zu konservieren, um kriminelle Straftäter anhand dieser Spuren überführen zu können. Als ich selbst noch ein Kind war, habe ich Detektivbücher geliebt, und scheinbar hat sich auch in unserer hochtechnisierten Welt nichts daran geändert. Durch die schwarz unterlegten Seiten erkennt man sofort, dass diese nicht zur eigentlichen Handlung gehören, aber ein Extra beinhalten. Und durch diese Farbgebung findet man auch die entsprechenden Seiten beim Durchblättern schnell wieder.

Schade fand ich, dass die beiden vorherigen Bücher dieser Serie nicht in einem Anhang vorgestellt wurden. Da ich die beiden vorherigen Bücher nicht kannte, wusste ich anfangs so gut wie nichts über Penny und ihre Freundinnen. Hier hätte ich mir zu Beginn des Buches einen kurzen Steckbrief mit Namen, Alter, Eigenschaften und Hobbies gewünscht, um den Mädels sozusagen ein „Gesícht“ zu geben.

Für mich ist dieses Kinderbuch ein echtes Gute-Laune-Buch, denn es hat alles, was ein Buch lesenswert macht: Es ist witzig, frech, unterhaltsam, dazu gibt es die passenden Illustrationen und die Leser können versuchen, den Täter ausfindig zu machen, der diesen Talentwettbewerb an Penny Peppers Schule manipuliert. Unterteilt ist das 144 Seiten umfassende handliche Buch in neun Kapitel, wobei jedes Kapitel die passende Überschrift trägt, und mit einem passenden Satz zur Handlung ergänzt wurde. Für mich stimmt hier die gesamte Umsetzung und Gestaltung.


Fazit:

Dieses Kinderbuch für Leser ab etwa 7 Jahren, ist genau so, wie es sein sollte, nämlich witzig, frech und unterhaltsam – Kurz gesagt: Einfach kindgerecht. Durch den verwendeten Comic-Style, die bunt zusammengewürfelte Schrift, die die Blicke auf sich zieht, und die tolle Handlung, eignet sich dieses Buch auch für weniger begeisterte Leser, vermutlich sogar für Leseverweigerer, denn die gesamte Gestaltung weckt das Interesse und die Neugier. Die Textmenge hält sich durch die vielen Illustrationen und die Schriftgröße in Grenzen, was wiederum ungeübte Leser nicht entmutigt. Gerne empfehle ich dieses mit Liebe zum Detail gestaltete Buch weiter, und gebe ihm 5 Sterne.



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43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

weihnachten, familie, italien, nürnberg, liebe

Pikkolo und Panettone - Famiglia Maiotti tischt auf

Astrida Wallat
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 12.10.2015
ISBN 9783455650662
Genre: Romane

Rezension:

Ich liebe Bücher, die entweder in Italien spielen, oder aber italienische Protagonisten haben – das italienische Flair dieser Bücher ist einfach wundervoll. Temperamentvoll, impulsiv und stets steht „la famiglia“ im Mittelpunkt.


Das Cover / Die Gestaltung:

Das Buchcover dieser Klappenbroschur (ich liebe diese Variante des Taschenbuchs) ist matt gehalten. Der Hintergrund ist mintgrün, der Buchtitel PIKKOLO UND PANETTONE, wie könnte es anders sein, in den italienischen Farben rot, weiß, grün geschrieben. Die italienische Familie versammelt sich zur Weihnachtszeit, weshalb der Untertitel des Romans FAMIGIA MAIOTTI TISCHT AUF lautet. Und dementsprechend zieren allerlei leckere Speisen das Buchcover – ob Geflügel, Pizza, Spaghetti, Kaffee oder auch Wein – vertreten ist hier für jeden Geschmack etwas. Und die Herzen signalisieren, dass auch Amore eine Rolle spielt. Inmitten dieser zahlreichen Speisen befindet sich eine junge Frau auf einer Vespa - zwar im kurzen Kleid und mit Sonnenbrille, doch zugleich auch mit Mütze und Schal bekleidet.

In der vorderen Buchklappe befindet sich eine schöne Buchbeschreibung, in der Protagonistin Anna über ihre „la famiglia“ erzählt. In der hinteren Buchklappe findet man eine Autorenvorstellung mit einem Foto von Autorin Astrida Wallat.


Die Handlung:

Weihnachten steht vor der Tür, und damit jede Menge Besuch ins Haus. Bei der deutsch-italienischen Familie Maiotti wird geputzt und gebacken, Geschenke werden gekauft – kurzum: Es herrscht das reinste Chaos im neopolitanisch-fränkischen Haushalt der Maiottis. Und natürlich läuft einiges schief, denn prompt vergisst Großmutter Liselotte die Weihnachtsgans im Zug, was die Laune keineswegs verbessert.

Und dann hat Maura auch noch zu allem Übel Liebeskummer und ist deshalbb unausstehlich. Als dann aber auch noch kurz vor der Bescherung Annas kleiner Patensohn Ugolino wie vom Erdboden verschluckt ist, steht die Welt der Maiottis endgültig Kopf...


Meine Meinung:

Was für eine (meist liebenswert) verrückte Familie! Stets ist bei Famiglia Maiotti Leben in der Bude, denn im Mehrgenerationen-Haushalt der Maiottis treffen die verschiedensten Charaktere, sowie italienisches Temperament aufeinander.

Da ist zum einen Anna, aus deren Sicht die Handlung erzählt wird. Anna lebt mit ihren inzwischen 23 Jahren noch immer bei ihren Eltern, ist im Gegensatz zu ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Maura, noch immer Single. In ihrem prinzessinnenrosa Zimmer wartet sie auf das Erscheinen ihres Traumprinzen. Die beiden ungleichen Schwestern Maura und Anna sind das Ergebnis einer italienisch-deutschen Liebesbeziehung zwischen Dino und Silke. Anna, die als Zahnarzthelferin arbeitet, sieht sich schon als alte Jungfer. Anna sieht zwar bedeutend besser aus als ihre jüngere, etwas pummelige, Schwester, dennoch mangelte es der hübschen jungen Frau an Selbstbewusstsein. Doch wie heißt es so schön? Für jeden Topf gibt es den passenden Deckel.

Maura war schon ganz schön zickig. Und überhaupt waren die beiden Schwestern wie Feuer und Wasser – ständig gab es Reibereien zwischen ihnen. Doch seit Maura und ihr Freund Sammy sich (wieder einmal) getrennt haben, ist Maura noch unausstehlicher. Und diese Trennung könnte noch weitreichendere Folgen haben, denn Sammys Freund Massimo spielt alljährlich den Weihnachtsmann für die Familie.

Nonna (Oma) Elsa möchte auch noch im größten Trubel den Christkindlmarkt besuchen, was Anna jede Menge Nerven kostet – es ist wohl leider offensichtlich leichter einen Sack Flöhe zu hüten, als darauf zu achten, dass Oma Elsa nicht in der Menschenmenge verlorengeht. Nonno (Opa) Corrado studiert ausgiebig verschiedene Horoskope, legt Karten und vertraut hierbei dem Übersinnlichen – er prophezeit der Familie so manch ungeheuerliche Dinge. Oder werden seine Weissagungen etwa eintreffen?

Gäste sind unter anderem die streitlustige Arianna und ihr Mann Angelo mit ihren beiden Kindern Ugolino und Savia. Die beiden betreiben, ebenso wie ihre Eltern Franco und Gina, die ebenfalls (aber leider vorzeitig) anreisen, ein Restaurant.

Die Pfaffenlehners, Silkes Eltern, leben glücklicherweise nicht in der näheren Umgebung, und das ist gut so! Diese italienische Familie, zu der auch Tochter Silke nunmehr seit über zwanzig Jahren gehört, ist ihnen noch immer suspekt. Eine schwere Zeit bricht für die Maiottis an, denn an Weihnachten trifft eine traditionell bayrische Kultur auf eine südländische - „saure Zipfel“ im Zwiebelsud treffen auf opulente italienische Speisen. Oma Liselotte fand ich sehr anstrengend in Bezug auf ein harmonisches Miteinander. So erhebt sie Anspruch auf „ihr“ Gästezimmer, denn im Kellergeschoss zu übernachten liegt ihrer Meinung nach unter ihrer Würde. Und dass die Gans, die eigentlich auf dem Tisch stehen sollte, stattdessen Zug fährt, ist selbstverständlich auch nicht ihre Schuld. Dagegen wirkt Opa Franz geradezu tiefenentspannt – er nimmt die ganze Situation eher gelassen hin.

Die Schäberles sind (Exil-)Schwaben und würden gerne das Frankenland missionieren – mit Kehrwoche und Kittelschürze sind sie der Inbegriff des schwäbischen Spießerlebens. Doch auch sie sind für die ein oder andere Überraschung gut.

Und dann ist da noch Medizinstudent Peter, ein sympathischer junger Mann, der in dem Schwimmbad jobbt, das Anna mit ihrem achtjährigen Patenkind Ugolino besucht. Und mitunter erweist sich Peter, der Anna beim Kennenlernen erst einmal mit Senf beschmiert hatte, als Retter in der Not. Doch da gibt es ja noch einen Wunsch-Schwiegersohn, auf den die Familie alle Hoffnungen setzt. Wird Anna etwa als Single Weihnachten feiern?

Ich liebe fantasievolle Kapitelüberschriften, die ich der simplen Durchnummerierung stets vorziehe. Hier besteht die Überschrift des jeweiligen Kapitels aus dem Fragment einer Redensart oder einem Sprichwort – entweder in deutsch oder auch in italienisch, wie beispielsweise „Was man nicht im Kopf hat...“, Besuch ist wie Fisch...“ oder „Wer zu spät kommt...“. Und natürlich passt dieser Satz auch wunderbar zur Handlung des entsprechenden Kapitels, und dient als Einleitung für das, was den Leser erwartet.

Unterteilt ist das Buch in 22 Kapitel, auf der Buchrückseite passenderweise auch ein Menü mit 22 Gängen bezeichnet. Das trifft den Kern der Sache sehr gut, denn zur Weihnachtszeit dreht sich bei Famiglia Maiotti alles ums Essen. Fast hätte ich mir einen kleinen Hinweis auf dem Cover gewünscht, dass es sih um einen „Weihnachtsroman“ handelt. Und wer weiß, sicherlich tischt Familie Maiotti auch zur Osterzeit wieder auf – mich zumindest würde es freuen.

Aufgewachsen ist Autorin Astrida Wallat im fränkischen Nürnberg, wo auch ihr Roman spielt. Inzwischen lebt sie jedoch in Stuttgart, weshalb es auch nicht weiter verwunderlich ist, dass die Maiottis schwäbische Nachbarn haben. Lokalkolorit ist natürlich auch im Buch enthalten – wie könnte es anders sein – so darf in einem Buch, das zur Weihnachtszeit in Nürnberg spielt, auch der berühmte Christkindlmarkt fehlen. Und natürlich ebensowenig das blondgelockte Christkindl, das auch prompt versehentlich „dekoriert“ wird. Wunderbar fand ich den Dialekt von Opa Franz - italienisch meets bairisch. Und letztendlich wird sogar noch etwas „geschwäbelt“ - so soll es sein, wenn verschiedene Kulturkreise aufeinandertreffen.

Ich liebe die Verwendung der italienischen Sprache in Romanen, obwohl ich diese Sprache selbst nicht spreche – mein Wortschatz reicht lediglich von Speisen und Getränken (Cappuccino, Spaghetti,...) über einzelne Worte (Ciao, Amore,...) bis hin zu irgendwelchen Ausrufen (Mamma mia, porca miseria). Wie in den anderen von mir gelesenen Büchern auch, wurden auch hier die italienischen Begriffe immer kursiv hervorgehoben. Ein Glossar ist im Buch zwar nicht enthalten (wobei ich mir eines mit den gängigsten Worten gewünscht hätte), aber man verstand die vorhandenen Worte und Redewendungen dennoch fast immer problemlos, weil die Übersetzung gekonnt eingebaut wurde – lediglich einmal fehlte mir die Erklärung. Dieses italienische Flair wurde wunderbar vermittelt, denn schließlich lässt sich auch in Deutschland die ursprüngliche Herkunft nicht verleugnen. So treffen hier Nonno und Nonna (Opa und Oma) auf Zio und Zia (Onkel und Tante), Babbo und Mama und weitere Verwandtschaft aufeinander.

Im Anhang erhält der Leser dann noch einen Einblick in das Kochbuch der Famiglia Maiotti – verschiedene Gerichte werden vorgestellt, und es findet sich auch das ein oder andere passende Rezept dazu – sei es der im Buch vorgestellte Orakelpudding, eine Minestra maritata, unnd natürlich darf auch Panettone nicht fehlen, denn dieses Hefeteiggebäck ist ja bereits im Buchtitel vorhanden, und Nonna Elsa bangt stets, ob der Hefeteig auch aufgeht, und genehmigt sich hierbei auch den ein oder anderen Pikkolo.


Fazit:

Alle unter einem Dach, dazu jede Menge Besuch und natürlich verläuft nicht alles nach Plan. Von Frieden, Freude, Pfefferkuchen kann wahrlich nicht die Rede sein, denn längst ist die scheinbar so heile Welt nicht so perfekt, wie sie nach außen wirkt. Und so zerplatzt so manche Traumwelt wie eine Seifenblase, und den Leser erwartet so manche Überraschung.

Was für ein tolles und humorvolles Buch – statt Besinnlichkeit geht es bei der deutsch-italienischen Familie Maiotti zur Weihnachtszeit turbulent und chaotisch zu. Der Roman spiegelt gekonnt die italienische Lebensart wieder. Die manchmal gar nicht mal so liebenswerte Verwandtschaft, Amore und das aufgetischte Essen – all das konnte mich voll und ganz überzeugen. Gerne habe ich mit „Famiglia Maiotti“ Weihnachten gefeiert, und ich empfehle diesen herrlich herzerfrischenden Roman gerne weiter. Daher erhält dieses Buch von mir natürlich 5 (Weihnachts-)Sterne.

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41 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

krimi, ulm, mord, jule flemming, privatdetektivin jule flemming

Mich sollst du fürchten

Katrin Rodeit
Flexibler Einband: 282 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 01.07.2015
ISBN 9783839217283
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Endlich – der heißersehnte dritte Fall für Privatdetektivin Jule Flemming ist erschienen. Wie ich finde ein ganz persönlicher Fall, denn eine Stimme aus der Vergangenheit verfolgt Jule bis in ihre (Alb-)Träume.


Das Cover:

Durch den matten schwarzen Hintergrund wirken die Cover dieser Krimiserie immer etwas düster und zugleich geheimnisvoll. Doch durch die Gestaltung des Buchcovers besitzen die Krimis auch einen Wiedererkennungswert, denn stets ziert eine andere Pflanze das Titelbild – diesmal ist es eine Distel, deren Blüte in einem Magenta-Farbton gestaltet ist. Wie immer bei Büchern des Verlags, sind auch hier die Textfelder (diesmal in Schwarz) mit Autorennamen und Buchtitel, glänzend hervorgehoben, ebenso wie die Distel.


Die Handlung:

Völlig unverhofft vernimmt Privatdetektivin Jule Flemming eine Stimme, die sich in ihr Gehirn eingebrannt hat: Die Stimme des Mannes, der ihren Vater Fritz vor vierzehn Jahren kaltblütig ermordet hat. Doch ganz sicher ist Jule sich doch nicht – spielt ihr etwa ihre Fantasie einen bösen Streich?

Aber lange hat Jule keine Zeit zum Grübeln, denn ein neuer Auftrag wartet auf sie: Karolina, ein junges Mädchen aus Polen ist spurlos verschwunden, und Jule soll sie in Ulm ausfindig machen. Die Spur führt Jule zu einem Menschenhändlerring. Doch bei ihrer Suche gerät Jule zwischen die Fronten, und auch ihre Gefühle spielen verrückt. Als Jule dann feststellt, in welcher Gefahr sie sich befindet, steckt sie bereits in einer tödlichen Falle. Wird es Jule gelingen, den Mörder ihres Vaters zu überführen. Und was geschah mit der verschwundenen jungen Frau?...


Meine Meinung:

Wie ich bereits erwähnte, habe ich das Erscheinen dieses Krimis herbeigesehnt – und das gleich aus zwei Gründen: Der letzte Krimi endete mit einem sehr gemeinen Cliffhanger, der den Leser dazu zwingt, auch diesen Band lesen zu wollen. Denn Jules Vater wurde vor vierzehn Jahren ermordet, und Jule war damals Ohrenzeugin des Verbrechens. Die Stimme des Mörders, da war sie sich sicher, würde sie sofort wiedererkennen – und dann hört sie diese Stimme und fühlt sich ihrem toten Vater verpflichtet, den Täter zur Rechenschaft zu ziehen, denn der soll seine gerechte Strafe erhalten. Und der zweite Grund ist, dass in diesem dritten Band endlich das Geheimnis um einen mysteriösen Protagonisten gelüftet wird.

Dieser Band beginnt da, wo der vorherige endet – es geht also lückenlos weiter. Die Stimme des Mörders verfolgt Jule bis in den Schlaf – die damals 14jährige wurde damals Ohrenzeugin des Mordes an ihrem Vater. So etwas hinterlässt seine Spuren.

Jule wurde von dem einschneidenden Erlebnis in ihrer Kindheit verständlicherweise sehr geprägt – sowohl beruflich als auch privat. So war Jule erst Polizistin, bevor sie als Privatdetektivin arbeitete. Durch ihre Berufswahl hoffte sie nicht zuletzt auch, den Mörder ihres Vaters dingfest zu machen. Schade finde ich immer das problematische Verhältnis, das Jule zu ihrer Mutter Elisabeth hat, denn die beiden Frauen sind grundverschieden. Dabei haben beide eine künstlerische Ader – während die Mutter gestalterisch tätig ist, ist Jule eine begabte Sängerin, die gelegentlich im Jazzkeller einen Auftritt hat.

Immer wieder reagiert sie gereizt, ja fast schon aggressiv, auf ihre Mutter, die ihren Lebensunterhalt als Künstlerin verdient. Jules Mutter Elisabeth ist eine etwas extravagante Künstlerin, und zugegebenermaßen mitunter auch etwas anstrengend, oder gar nervtötend. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist sehr problematisch, und Jules Tonfall ihrer Mutter gegenüber meist gereizt. Dies liegt wohl auch daran, dass die Beziehung zwischen Jules Eltern nicht gerade liebevoll war – das Ehepaar hatte sich längst auseinandergelebt.

Jule selbst ist nach einer kurzen Ehe seit einiger Zeit Single, und im zweiten Band schien es fast so, als würde aus ihr und dem Polizisten Mark, einem ehemaligen Kollegen, ein Paar werden. Doch da ist noch Andreas, und der übt auf Jule ebenfalls eine Anziehungskraft aus.

Wie schon im letzten Band fragt sich der Leser, wer eigentlich der mysteriöse Andreas ist, der sich seit einiger Zeit häufig im Jazzkeller aufhält. Andreas wirkt mit seiner schwarzen Kleidung und den zum Pferdeschwanz gebundenen Haaren sehr geheimnisvoll – vielleicht ein Grund, weshalb sich Jule auf seltsame Art und Weise von ihm angezogen fühlt. Doch in diesem Band wird endlich die Identität von Andreas gelüftet – wer Andreas ist, versetzt nicht nur Jule in Erstaunen, sondern auch den Leser. Ist er ein verdeckter Ermittler? Ein Krimineller? Oder doch ein ganz normaler Mann, der sich nur etwas sonderbar verhält? Jedenfalls war ich erstaunt und „enttäuscht“. Wobei - ich eigentlich natürlich weniger enttäuscht, sondern vielmehr sehr überrascht war, denn ich hatte da ein vollkommen anderes „Outing“ erwartet.

Leon ist der kleine Nachbarsjunge, der sich gerne bei Jule aufhält, denn deren Arbeit fasziniert ihn. Und so eifert er ihr nach, was ja nicht so schlimm wäre, würde er dadurch nicht in Gefahr geraten können. Doch er hört mit Jules Wissen auch den Polizeifunk ab (technisch übrigens inzwischen nicht mehr möglich) – heiligt hier der Zweck die Mittel? Normalerweise sollte Jule solche Aktionen unterbinden, denn wer weiß, auf welche Ideen ein achtjähriger Junge so kommen kann. Aber auch sonst fühlt sich Leon bei Jule wie daheim, mitunter zu sehr, wie ich fand, als er sich am Inhalt der Schränke bediente. Aber zweifellos – Leon ist eine Bereicherung für die Handlung – ein intelligenter Junge, und kleiner Neunmalklug.

Karolina ist eine junge Polin, die vermisst wird. Jule macht sich in Ulm und in der Umgebung von Ulm auf die Suche nach ihr. Doch dann verliert sich ihre Spur. Jule forscht nach, und stößt dabei auf Dinge, die nicht ans Tageslicht kommen sollten, und die seit einiger Zeit immer wieder in der Presse thematisiert werden. Eigentlich kam die junge Osteuropäerin ja offiziell als Au-Pair-Mädchen nach Deutschland, doch dann... - aber das verrate ich natürlich nicht.

Jule ist eine leidenschaftliche Köchin, genauso wie ihre „geistige Mutter“ die Autorin Katrin Rodeit. Daher ist es schon fast Tradition geworden, dass sich im Anhang einige erprobte Rezepte befinden. Auch diesmal verwöhnt Jule (bzw. Katrin Rodeit) unseren Gaumen wieder mit kulinarischen Köstlichkeiten – auf der (virtuellen) Speisekarte stehen Straußensteaks in Rotweinsoße mit Kartoffeln, Sour Cream und Blattsalat, sowie Creme Brûlée und einen Drink namens Kettensägenmassaker – letzterer spielt im Roman eine bedeutende Rolle.

Lokalkolorit ist in diesem Buch reichlich vorhanden, denn Dank ihrer umfangreichen Ermittlungsarbeiten nimmt Jule Flemming die Leser mit in verschiedene Orte. Mitunter hätte ich mir da schon fast einen Lageplan gewünscht. Unterteilt ist die Handlung in Kapitel, deren Überschriften aus den jeweiligen Wochentagen, an denen die Geschehnisse stattfinden. So weiß man immer, wieviel Zeit vergangen ist. Dass die Örtlichkeiten so „greifbar“ sind, liegt nicht zuletzt daran, dass Autorin Katrin Rodeit in dieser Gegend lebt, und dort auch aufgewachsen ist.

Besonders bei (Krimi-)Serien mag ich es immer sehr, wenn die Protagonisten anhand eines Personenverzeichnisses vorgestellt werden, da man sich dann auch als „Neueinsteiger“ schon ein bisschen ein Bild von den einzelnen Personen machen kann. Schade nur, dass sich ein solches Verzeichnis (Glossar) im Anhang befindet, anstatt dass es der Handlung vorangestellt ist – hier besteht beim Blättern immer die Gefahr, dass man unfreiwillig etwas liest, das man zu Beginn noch nicht wissen möchte – schlimmstenfalls wer der Mörder ist. Hier hätte ich mir zumindest auf einer der ersten Seiten (z.B. unter der Vorbemerkung) einen kleinen, aber gut sichtbaren Hinweis gewünscht, der darauf verweist. Aber ich mag die übersichtliche Gestaltung sehr, vor allem auch, dass der Leser hier auch das Alter der Protagonisten erfährt, sowie Persönliches.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals darauf hinweisen muss, aber im Anhang werden die bisher erschienenen Bände vorgestellt (oder je nach Menge einen Teil davon). Für mich war dies bislang eine Selbstverständlichkeit, denn wenn einem Leser das vorliegende Buch gefallen hat, möchte er vermutlich auch gerne weitere Bände der Serie lesen, oder auch weitere Bücher der Autorin. Scheinbar hat sich inzwischen die, ich möchte es mal eine Unsitte nennen, verbreitet, dass manche Verlage darauf verzichten, so dass man mitunter gar nicht erfährt, dass es weitere Bücher der Serie gibt, ohne sich selbst via Internet oder anderer Quellen zu bedienen. Ich hoffe, dass Gmeiner weiterhin im Anhang Bücher seines Programms vorstellt, denn hier findet man oft weitere Schätzchen.

Auch dieser dritte Band dieser Regionalkrimi-Serie gefiel mir sehr gut, und die recht „unblutige“, aber dennoch spannende Handlung überzeugte mich auch diesmal. Den zweiten Band hatte ich bereits gelesen, doch auch ohne die vorherigen Bände zu kennen, sollte man diesen Krimi lesen können, da wichtige Infos, die vonnöten sind, gekonnt, und ohne dass zuviel verraten wird, in die Handlung eingestreut wurden. Ich freue mich jedenfalls auf das Erscheinen des vierten Bandes, der nächstes Jahr erscheinen soll.


Fazit:

Endlich wurde im dritten Band das Geheimnis um Andreas gelüftet, doch spannend bleibt es dennoch, denn Jule gerät wieder in große Gefahr. Wieder einmal gelang es Autorin Katrin Rodeit, einen Krimi zu erschaffen, der in ihrer Heimat um Ulm herum spielt, und die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten. Und Dank des Cliffhangers wartet man nach dem Lesen bereits auf Band 4 der Serie. Von mir erhält der Krimi eine Leseempfehlung, und somit 5 Sterne.

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41 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

stonehill, kinderbuch, felsabbruch, smaragdring, spuk

Die magischen Augen von Stonehill

Juma Kliebenstein ,
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 17.09.2015
ISBN 9783789140594
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Bücher waren schon seit Kindheitstagen meine Welt, und daran hat sich bis zum heutigen Tagen nichts geändert. Doch Kinderbücher machten im Laufe der Jahre eine enorme Wandlung durch – sie wurden frecher, lebendiger und das Genre Fantasy wurde zusehens präsenter. Und so lese ich auch im Erwachsenenalter noch immer gerne Kinder- und Jugendbücher – für mich ein Stück lebendig gewordene Kindheit.


Das Cover:

Mir gefällt dieses kindgerechte Cover sehr gut, denn es wirkt zwar geheimnisvoll und vermittelt Spannung, wirkt aber dennoch nicht so düster dass jüngere Leser sich ängstigen. Man merkt, dass Illustratorin Monika Parciak sich offenbar mit dem Inhalt des Buches auseinandergesetzt hat, denn selbst Details entsprechen den Beschreibungen aus der Handlung.

Das glänzende Buchcover zeigt eine nächtliche Szenerie: Auf der rechten Seite sieht man eine altertümliche Villa, die mit Holz verkleidet ist. Durch die beleuchteten Sprossenfenster fällt ein gelber, warmer Lichterschein. Die kahlen Bäume strecken ihre Äste in den nächtlichen Himmel, wo ein überdimensional großer Vollmond silbern leuchtet. Umgeben ist der Garten von einem schmiedeeisernen Zaun.

Vor der Mondscheibe sieht man eine Katze auf dem dicken Ast eines Baumes sitzen. Sofort aufgefallen sind mir hier die violetten Augen der Katze – ein Detail, das im Buch eine Rolle spielt. Unter dem Baum steht ein Mädchen mit einem etwas ängstlichen Blick, gekleidet in einen Regenmantel, wie ihn viele in Stonehill tragen.

Die Gestaltung des Buchtitels ist ebenfalls gut umgesetzt. Während die Worte DIE MAGISCHEN AUGEN in einem Gelb geschrieben wurden, und das Wort VON in einem Dunkelblau, ist das Wort STONEHILL sehr auffällig gestaltet. Die Buchstaben sind verschnörkelt, das Innere des O ist von einem violetten, geschliffenen Edelstein ausgefüllt, was mir sehr gefällt, da Edelsteine eine wichtige Rolle in diesem Kinderbuch haben.


Die Handlung:

Stonehill ist ein kleiner beschaulicher Ort, dem nur wenige Bewohner fehlen, um als Stadt zu gelten – 4995 Einwohner zählt der Ort, nur fünf Einwohner fehlen, damit Stonehill zur Stadt ernannt wird. Doch dann ziehen die Burrows in eine alte Villa ein. Lucy Anderson, die mit ihrer Familie in Stonehill lebt, freundet sich schnell mit ihrer neuen Mitschülerin Viola an. Aber bereits nach Violas erstem Besuch bei den Andersons, ist der Smaragdring von Lucys Mutter spurlos verschwunden.

Schnell hat Lucy den Verdacht, dass mit Viola und ihrer Familie irgendetwas nicht stimmt, denn die Burrows verhalten sich sehr sonderbar. Selbst Cleopatra, die Katze der Burrows, die Viola nicht einmal in der Schule nicht von der Seite weicht, wirkt sehr mysteriös und geradezu unheimlich. Und immer wieder hat Lucy das Gefühl, dass jemand heimlich beobachtet.

Doch seit die fünfköpfige Familie Burrow eingezogen sind, ist nichts mehr wie es war – vorbei ist es mit der Langeweile in Stonehill. Doch dann geschehen seltsame Dinge, und Lucy und ihre Freunde beschließen, das Geheimnis der Burrows zu lösen. Dabei kommen sie einem Geheimnis auf die Spur. Aber die Burrows sind schlau, und es scheint, als würden sie über magische Fähigkeiten verfügen. Und dann kommt ein großer Moment für Stonehill – die Nacht der Entscheidungen, die über das Schicksal von Stonehill entscheidet...


Meine Meinung:

Nachdem ich bereits vor längerer Zeit zwei sehr unterschiedliche Bücher von Juma Kliebenstein gelesen hatte (eines davon zusammen mit meinem Sohn, der begeistert war), war ich gespannt, mit welcher Handlung das neue Buch mich überraschen würde. Nachdem die Autorin bereits das Cover im Internet präsentiert hatte, wartete ich gespannt auf das Erscheinen des Kinderbuchs. Bei mir war die Neugier insofern bereits im Vorfeld geweckt...

Lucy, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, lebt in einem Ort, in dem die Leute von den Edelsteinen leben – sie werden in Minen abgebaut, geschliffen und zu Schmuckstücken verarbeitet. Lucy besitzt, so wie die anderen Kinder auch, eine Sammlung verschiedenster Edelsteine. Die Mutter ist Goldschmiedin, der Vater arbeitet in der Edelsteinmine. Lucy hat einen jüngeren Bruder namens David, einen Zwillingsbruder, der Tim heißt, und einen älteren Bruder, der sechzehn Jahre alt ist und Jeremy heißt. Ich finde das Haus der Andersons, obwohl es stets etwas chaotisch wirkt, sehr gemütlich und heimelig.

Viola Burrow wirkt stets sehr nett und höflich, aber erzählt sehr wenig über ihr Leben. Zu wenig, für meinen Geschmack, da drängt sich mir förmlich der Verdacht auf, dass sie etwas verheimlicht. Die Eltern sind Edelstein-Händler, und Viola erzählt, sie hätten zuvor in Virginia gelebt . Optisch fällt Viola bereits auf den ersten Blick auf, sei es durch ihre langen schwarzen Haare, oder durch ihre lila Kleidung – passend zum Namen.Viola ist Einzelkind und freut sich, eine Freundin gefunden zu haben, die eine große Familie hat. Sie genießt es, sich bei Lucy aufzuhalten. Die Familie von Viola fand ich sehr unheimlich, ganz besonders jedoch die Mutter, da fand ich den Vater anfangs viel sympathischer.

Cleopatra, die Katze der Familie Burrow, wirkt sehr geheimnisvoll und etwas mysteriös. Eine Katze mit violetten Augen. Und die Lehrerin erlaubt Viola, die Katze mitzubringen, obwohl das sonst keiner darf, da seit einem Vorfall in der Schule ein striktes Tierverbot herrscht. Verfügt die Katze oder das Mädchen darüber, Leute beeinflussen zu können? Ich liebe Katzen, aber Cleopatra fand ich weder niedlich, noch sonderlich liebenswert – viel mehr wirkte sie auf mich recht unheimlich. Ich hatte gar den Verdacht, sie wäre eine Spionin, oder

Dr. Watson ist ja ein witziger Goldfisch (der auch schon mal in der Kindergartentasche von David landet). Ich mag die Zwiegespräche, die Lucy mit ihm führt, sehr gerne. Wunderbar, das diese Szenen durch eine andere Schrift hervorgehoben wurde. Man hat den Eindruck, dass Dr. Watson auf das reagiert, was Lucy ihm erzählt – mal wirkt er eher unbeteiligt, dann wieder scheint er sehr aufgeregt zu sein.

Jenny, die Lucys beste Freundin und zugleich auch ihre Cousine ist, ist eifersüchtig auf die neue Klassenkameradin Viola, und lehnt sie wohl vor allem deshalb ab. Auf mich wirkte das Mädchen zwar etwas zickig, doch wenn es darauf ankommt, halten die Kinder der Maple Street zusammen wie Pech und Schwefel.

Wo ist der Ring von Lucys Mutter? So recht mag die Mutter wohl Viola nicht verdächtigen, dazu mag sie das freundliche Mädchen zu sehr. Statt Viola vorzuverurteilen, hofft sie, der Ring würde wieder auftauchen. Oder hat Cleo etwas mit dem Verschwinden des Ringes zu tun? Schließlich interessierte die Katze sich für das Schmuckstück. Mir gefällt die Familie Anderson sehr gut, und sie ist so ganz anders alsViolas Familie.

Die strenge Klassenlehrerin Mrs Hersham, heimlich Marshie genannt (weil sie schon bei der ersten Begegnung an einen Marshmallow erinnerte), mochte ich gar nicht, ich fand sie regelrecht unsympathisch. Zwar konnte „Marshie“ sich gut durchsetzen, aber sie wirkte auf mich sehr humorlos und war in meinen Augen keine Vertrauensperson für ihre Schüler.

Sehr gut gefällt mir die Länge der Kapitel – das Buch mit den 271 Seiten ist unterteilt in 30 Kapitel, die zudem noch mit Illustrationen versehen sind. Das bedeutet, dass die einzelnen Kapitel eine angenehme Länge haben, sich auch für weniger geübte Leser eignen, was ich sehr wichtig finde. So kann man auch vor dem Schlafengehen gemeinsam ein oder mehrere Kapitel lesen. Sehr schön finde ich übrigens die Gestaltung der Kapitel: Die Kapitel wurden durchnummeriert, tragen aber auch immer eine passende Überschrift, zudem gibt es immer eine kleine Illustration dazu. Die Schwarz-Weiß-Illustrationen sind fast immer ganzseitig und wieder mit viel Liebe zum Detail. Überhaupt finde ich es wichtig, dass sich Illustrationen in einem Kinderbuch befinden, denn diese bieten einen zusätzlichen Anreiz, um zu einem Buch zu greifen. Denn leider besteht nicht die ganze Welt aus Leseratten und Bücherwürmern.

Sehr ansprechend fand ich, dass Zeitungsberichte, die im Buch vorkamen, auch wie solche gestaltet waren. Ebenso waren Lucys „Gespräche“ mit Goldfisch Dr. Watson optisch hervorgehoben – die Schrift dieser Textpassagen wirkt kleiner und auch zierlicher. Die Schriftgröße (bezogen auf den Haupttext) gefiel mir ebenfalls, sie ist nicht zu klein, allerdings auch nicht so groß, dass das Buch den Eindruck hinterlässt, es würde es sich um ein Buch für Leseanfänger handeln.

Die Einleitung in Form eines Vorworts weckt die Neugier bereits auf den ersten Seiten. Hier erhält die Autorin eine Mail von ihrer Freundin Christine, die mit ihrer Familie im Osten Amerikas lebt. Einige Tage später trifft ein Brief von Christines Tochter Lucy ein. Neben diesem Brief von Lucy, liegt dem Päckchen ein vollgeschriebenes Heft bei, das die Geschichte der magischen Augen von Stonehill erzählt. Und man sieht im Laufe der Handlung, wie unterschiedlich Erwachsene und Kinder ein und das selbe Ereignis wahrnehmen - so manches bleibt den Augen der Erwachsenen dabei verborgen.

Natürlich sollte in einem Kinderbuch auch der Humor nicht zu kurz kommen, auch in diesem Buch gibt es kleine Episoden, die mich beim Lesen zum Schmunzeln brachten. So brachten einige Jungs beim Haustiertag in der Schule, als man Käfigtiere mitbringen durften, einen großen Hund im Käfig mit. Seither sind Tiere in der Schule ein Tabu – bis zu jenem Tag, als Viola in Begleitung von Cleo auftauchte.

Eine kleine Kritik habe ich dennoch – allerdings richtet sich diese an den Verlag. Ich habe am Ende des Buches die Buchempfehlungen vermisst. Leider bürgert sich diese Unsitte in Zeiten des Internets scheinbar immer mehr ein. Ich hätte mir gewünscht, dass in einem Anhang weitere Bücher der Autorin vorgestellt werden, die bereits in diesem Verlag erschienen sind. Und dass sich auf dem Buch eine Altersempfehlung findet, ist leider inzwischen üblich.

Das Buchformat des gebundenen Buches gefiel mir sehr gut, denn es ist etwas größer als ein Taschenbuch und hat zudem eine angenehme Papierstärke – die Seiten sind, wie bei Kinderbüchern üblich, relativ dick. Auch daher finde ich den Preis von 12,99 Euro als angemessen. Das empfohlene Lesealter wurde vom Verlag mit 10 bis 12 Jahren angegeben, wobei man sicherlich auch auch dem ein oder anderen Leser ab acht Jahren das Buch geben kann, dann allerdings sollte man das Buch besser zusammen lesen, sonst könnten den ein oder anderen jungen Leser vielleicht doch DIE MAGISCHEN AUGEN VON STONEHILL mit ihren unheimlichen Blicken im Schlaf verfolgen.

Wieder einmal ist es Juma Kliebenstein, gelungen, ein weiteres spannendes Buch für Kinder zu schreiben. Die ehemalige Lehrerin, die seit einigen Jahren erfolgreich als Autorin für Kinder- und Jugendbücher tätig ist, wurde 1972 im Saarland geboren. Hierbei zeigt sie ein facettenreiches Können – während DER TAG, AN DEM ICH COOL WURDE eher ein Buch für Jungs ist, hat sie mit BETTYS ULTIMATIVER BERATER-BLOG ein Buch mit Themen verfasst, die Mädchen interessiert. Mit DIE MAGISCHEN AUGEN VON STONEHILL hat sie eine weitere Seite ihres Könnens gezeigt – dieses abenteuerliche Buch würde ich dem Genre Fantasy zuordnen. Auch wenn das Buch aus der Perspektive eines Mädchens erzählt wird, eignet sich das Buch gleichermaßen auch für Jungs. Mal sehen, was die jungen (und älteren) Leser als nächstes erwartet.


Fazit:

Spannend, mysteriös, fantasievoll und durch wundervolle Illustrationen ergänzt – so präsentiert sich das neueste Buch von Juma Kliebenstein. DIE MAGISCHEN AUGEN VON STONEHILL ist nicht nur abenteuerlich, sondern behandelt auch die Themen wie Freundschaft und Zusammenhalt. Von mir erhält dieses Mystery-Kinderbuch eine absolute Leseempfehlung, und erhält von mir deshalb die Höchstwertung von 5 Sternen.

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56 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

krimi, weihnachten, london, agent, mord

Null-Null-Siebzig: Truthahn, Mord und Christmas Pudding

Marlies Ferber
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.09.2015
ISBN 9783423216074
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Mein Name ist Gerald – James Gerald!“ - So, oder so ähnlich könnte sich die Hauptperson dieses Krimis den Lesern vorstellen. Schon länger liebäugle ich mit der Buchserie 0070 von Marlies Ferber. Hier ermitteln nicht junge, sportliche Kommissare, sondern alte Leute im Rentenalter.


Das Cover:

Was für ein tolles, stimmungsvolles Cover. Ich liebe diese weihnachtliche Szenerie mit dem warmen Farbton. Das Cover ist matt gehalten, jedoch wurde die hellgrüne Schrift des Buchtitels glänzend hervorgehoben.

Zu sehen ist auf dem Cover ein weihnachtliches Zimmer, das abgedunkelt ist. Links ragt ein beleuchteter Weihnachtsbaum ins Bild, rechts sieht man eine angeschaltete Lichterkette am Boden liegen. Im Mittelpunkt stehen jedoch eindeutig die zwei Personen, von denen aufgrund der schummrigen Beleuchtung nur wenige Details zu sehen sind. Eine attraktiv wirkende Frau mit verschränkten Armen blickt dem Betrachter entgegen, während ein alter Mann in Anzug und mit Hut, dem Betrachter den Rücken zuwendet. In seiner rechten Hand hält er eine Waffe, die er mit dem Lauf zur Decke gerichtet hat. Sehr gut gefällt mir der angedeutete Stempel, auf dem eine Krone und eine Waffe abgebildet ist, sowie der Hinweis: „Ein neuer Fall für Agent 0070“.

Schade, dass auf der Rückseite des Buches nicht wenigstens ein oder mehrere Cover dieser Serie abgebildet sind, denn das mag ich immer sehr gerne.


Die Handlung:

Der ehemalige Agent James Gerald und seine Freundin und Nachbarin Sheila Humphrey wollten eigentlich die Vorweihnachtszeit im winterlich verschneiten London genießen. Doch da schlägt das Schicksal in Form eines heimtückischen Mörders zu – Sheilas Freundin Rosalind, eine ehemalige Jugendrichterin, wird auf dem Friedhof brutal ermordet. Aber bald schon stellt James sich die Frage, ob dieser Mordanschlag in Wirklichkeit nicht doch seiner Freundin Sheila galt, denn eigentlich wollte Sheila just zu diesem Zeitpunkt ebenfalls auf dem Friedhof sein. Und schnell hat er einen Verdächtigen: Trachtet Sheilas Freund Bruce Rigsby, der sich bei ihr eingenistet hat, ihr nach dem Leben?

Doch viel Zeit hat James nicht, um lange nachzudenken, denn gemeinsam mit Sheila nimmt er an einem Theaterprojekt zur Integration entlassener Straftäter teil. Und Sheila steckt zudem bis über beide Ohren in den Weihnachtsvorbereitungen, und nimmt James' Sorgen einfach nicht ernst...


Meine Meinung:

Nein, James Bond mag ich nicht, ebensowenig wie andere Agentenfilme, lediglich Parodien solcher Filme gefallen mir oft, so wie Rowan Atkinson in der Rolle des Johnny English. Dafür mag ich aber sehr gerne humorvolle Krimis, gerne auch mit originellen Ermittlern, sowie den englischen Humor – auch wenn dieser bisweilen einer deutschen Tastatur entstammt. Insofern entspricht wohl auch diese Buchserie meinem Beuteschema.

Auch wenn ich die ersten drei Teile dieser Krimiserie noch nicht gelesen habe, so gelang mir der „Einstieg“ in diesen vierten Band sehr gut – Dank der kurzen Erklärungen, die in die Handlung eingearbeitet wurden. Da dieser Roman wunderbar als Lesestoff für die Weihnachtszeit geeignet ist, kann man getrost auch mit diesem Band beginnen, wobei einem dadurch natürlich etwas an Lesefreude entgeht, denn nichts ist schöner, als eine hervorragend geschriebene Serie komplett zu lesen. Die vierteilige Krimiserie umfasst übrigens ein Jahr im Leben von James und Sheila, die beide beim britischen Geheimdienst SIS gearbeitet haben.

Das Buch beginnt bereits turbulent. Viel Zeit zum Durchatmen lässt Marlies Ferber den Lesern nicht, denn schon auf den ersten Seiten schlägt der Mörder gnadenlos zu. Und schon befindet man sich mittendrin in einer „kriminellen Handlung“, bei der auch der Humor nicht zu kurz kommt. Und die Protagonisten sind einfach nur toll.

James Gerald hat in seinem Leben schon viel erlebt – er kämpfte gegen feindliche Agenten und Attentäter, doch nun, da er siebzig Jahre alt ist, hat er es mit einem „Feind“ zu tun, der für ihn eine große Herausforderung darstellt: Der dreijährige Jamie. James, der vor seiner Beziehung mit Sheila alleinstehend war, ist im Umgang mit Kindern ganz offensichtlich sehr unbeholfen und verunsichert, und schon alleine die Aussicht, sich um den Jungen kümmern zu müssen, treibt ihm fast den Angstschweiß auf die Stirn.

Und auch wenn James offiziell bereits im Ruhestand ist, so gilt doch eines: Einmal Agent, immer Agent. So begegnet James seinen Mitmenschen stets mit Skepsis. Selbst Sheilas Jugendfreund Bruce bleibt davon nicht verschont, sehr zu Sheilas Ärger. James ist ein alter Brummbär, aber wie heißt es immer? Harte Schale, weicher Kern!

Sheila Humphrey ist nicht nur die Freundin von James, sondern wohnt zudem Tür an Tür mit ihm. Sheila ist seit einigen Jahren verwitwet – ein Schicksal, das sie mit ihrer Freundin Rosalind teilt. Zwar arbeitete auch Sheila beim Geheimdienst, doch im Gegensatz zu James war sie „nur“ als Sekretärin im Innendienst tätig. Doch auch die flotte Endsechzigerin hat so ihre kleinen Geheimnisse – so weiß James nach all den Jahren noch immer nicht, wann sie Geburtstag hat, denn dies konnte sie ihren Kollegen und somit auch James immer erfolgreich verheimlichen.

Während James der geborene Einzelgänger ist, liebt Sheila es sehr, viele Menschen um sich zu haben – je mehr, desto besser. Wie schön wäre es, Weihnachten im Kreis all ihrer Lieben zu feiern – für James ist dies jedoch eher ein Albtraum. Der etwas brummelige „Kopfmensch“ James und die sanfte, liebenswerte Sheila mit ihrer herzlichen Art, die lieber auf ihr Bauchgefühl vertraut, wirken zwar recht unterschiedlich, jedoch verbindet sie das Allerwichtigste: Die Liebe zueinander! Und angeblich ziehen Gegensätze sich ja an...

Jamie ist drei Jahre alt und ein wahrer Satansbraten. Sheila, die nun im Ruhestand ist, hat sich nicht nur Hund Higgins ins Haus geholt, sondern kümmert sich, zu James' Missfallen um den Urenkel eines Exmannes ihrer betagten, steinreichen Mutter. Während Sheila sich immer darüber freut, wenn sie auf den lebhaften Jungen aufpassen darf (und ihn bei dieser Gelegenheit auch gerne verwöhnt), hält sich die Freude bei James doch sehr in Grenzen – und das ist noch stark untertrieben – James fügt sich nur Sheila zuliebe seinem Schicksal, als Babysitter zu fungieren.

Kinder und Tiere stellen in Büchern doch stets eine Bereicherung dar. Hier hat man, zu meiner Erheiterung, gleich beides. Und selbst tote Tiere (in diesem Fall ein Kaninchen) können für so manche heitere Episode sorgen. Ich liebe die Szenen mit Jamie, der den „kampferprobten“ James mitunter an seine Grenzen bringt – und sogar aufs Polizeirevier. Ich habe mich köstlich amüsiert, denn man merkte schnell, dass James über mangelhafte Erfahrung und Fähigkeiten im Umgang mir Kindern hat.

Bruce Rigsby ist ein Jugendfreund von Sheila. Nachdem die beiden sich ganze fünfzig Jahre nicht gesehen haben, taucht er eines Tages bei Sheila auf. Doch James ist davon alles andere als begeistert – ist er nur eifersüchtig auf Bruce, oder ist seine Sorge um seine Freundin berechtigt? - Schließlich wurde Bruce verdächtigt, seine Frau ermordet zu haben. Ist es nur eine Berufskrankheit, allem zu misstrauen in Verbindung mit Eifersucht, die dazu führt, dass James die Flöhe husten hört? Ich jedenfalls vermochte es nicht, Bruce einzuschätzen, wobei er auf mich mitunter schon etwas suspekt wirkte. Dass er nach Jahrzehnten einfach so auftauchte, war schon sehr verdächtig – oder war es doch nur die Sentimentalität eines alten Mannes, der auf sein Leben zurückblickt? Dass sich Bruce jedoch bereits in Pantoffeln (!) „breitgemacht“ und sich bei Sheila wie zu Hause fühlt, kratzt doch schon sehr an James' Ego.

Sheilas betagte und steinreiche Mutter Phyllis sitzt zwar im Rollstuhl, aber dennoch ist die schrullige alte Dame keineswegs zu unterschätzen, vielmehr hat sie es faustdick hinter den Ohren. Freunde werden sie und James wohl in diesem Leben nicht mehr werden. Ich fand die neunzigjährige Phyllis einfach nur toll. Als Mann ist man nicht nur mit seiner Freundin zusammen, sondern mitunter auch unfreiwillig mit deren Mutter.

Margaret ist eine Bekannte von Sheila. Die Ehe der sehr dominanten Frau, die seit über vierzig Jahren mit einem ebenso dominanten Mann verheiratet ist, gleicht einem Drama. So musste Sheila Margaret bereits mehrmals bei sich aufnehmen, wenn diese wieder einmal mit ihrem Mann zerstritten war. Doch nun wohnt ja bereits Bruce bei Sheila. Ausgerechnet jetzt benötigt Margaret Obdach, und obwohl James Margaret nicht besonders mag, hat er eine Idee.

Die Theatergruppe spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, denn Sheila und James gehen unter die Schauspieler. Sie treten einem Laientheaterprojekt zur Integration entlassener Strafgefangener bei. Doch welcher der Darsteller hat etwas auf dem Kerbholz? James und Sheila spekulieren, doch werden sie das Rätsel lösen können? Natürlich soll in der Weihnachtszeit ein thematisch passendes Theaterstück aufgeführt werden, und passenderweise geht es in „The Christmas Pudding“ um einen hinterhältigen Mord.

Ich liebe den feinen, unaufdringlichen Humor der Autorin, sowie den tollen Erzählstil. Während des Lesens hatte ich oft ein Lächeln auf den Lippen, und manches Mal musste ich angesichts der Ereignisse lauthals loslachen. Schon zu Beginn fällt der Satz: „Ich gehe mich entrosten!“, und die Vorstellung, wie Sheila mit Kleinkind und Hund vor der Tür steht, und alle drei Regenmäntel tragen, ist einfach köstlich. Während Phyllis unter dem Sterbenden-Schwan-Syndrom leidet, hat Bruce für sein Alter schon ein „bemerkenswert ausdrucksloses Gesicht“. - Ein echt gelungenes Jonglieren mit Worten.

Aber auch der „schwarze Humor“ darf natürlich nicht fehlen. Und so diskutieren James und Sheila wer im Familiengrab, in dem bereits Sheilas Mann beigesetzt ist, in der Mitte liegen darf. Und welches Lied könnte besser zu einer Beerdigung passen, als der Song „If you leave me now“!?

Die Agenten-Methoden von James fand ich sehr unterhaltsam – sei es das Versteck seiner Waffe, seine Überwachungsmethoden (die sollten unbemerkt bleiben, stellen aber James dadurch vor so manches Hindernis), oder seine Hilfsmittel, wie den Rollator, der nicht nur als Transporthilfe dient, sondern auch noch mit Extras versehen wurde. Dass James heimlich hinter dem Rücken seiner Freundin Sheila ermittelt, bringt ihn in so manche unangenehme Situation, denn keinesfalls darf Sheila Verdacht schöpfen, dass ihr Freund sie und ihren Jugendfreund Bruce bespitzelt. Dabei benötigt er allerdings immer wieder die Hilfe und Unterstützung seines Freundes und ehemaligen Kollegen David.

Was mir ebenso gefiel, war die kleine britische Weihnachtsgeschichte über „Robin Redbreast“. Diese Rotkehlchen-Geschichte, die der Handlung vorangestellt ist, ist ganz bezaubernd und passt wunderbar zur Handlung, denn Sheila liebt das kleine zutrauliche Rotkehlchen sehr, das sie immer besucht.

Der 320 Seiten starke Krimi ist in 32 Kapitel + Prolog und Epilog unterteilt. Abgerundet wird das Buch durch einige Dankesworte der Autorin, in denen sie etwas über die Entstehungsgeschichte verrät. Vermisst habe ich jedoch am Ende des Buches die Seiten, auf denen die anderen Teile dieser Serie vorgestellt werden. Ein schönes Extra wären übrigens noch die passenden Rezepte aus der Handlung gewesen. Lobend möchte ich erwähnen, dass sich auf der Rückseite des Buches ein deutlich hervorgehobener Hinweis darauf findet, dass es sich um den vierten Fall für Ex-Agent James Gerald handelt – mitunter ist es bei Serien oft nicht klar ersichtlich, dass es sich um eine Serie handelt, und um welchen Teil.

Ich hätte mich zwar über einen weiteren Teil gefreut, doch leider beendet dieser vierte Teil die 0070-Serie um Sheila und James. Doch um es mit einem James-Bond-Filmtitel zu sagen (auch wenn ich kein Fan von ihm bin): Sag niemals nie! Und bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Aber mir bleiben immerhin noch die drei Vorgängerbände, die ich, sollte es sich ergeben, bei Gelegenheit auch noch lesen werde.


Fazit:

Wer ist schon James Bond, Agent 007?! James Gerald, Agent 0070 ist doch tausendmal witziger und origineller! Ich habe mich sehr beim Lesen amüsiert, und Dank der lebendigen, oft humorvollen Handlung, des kurzweiligen Schreibstils und der Charaktere flogen die Seiten nur so dahin – ein wunderbarer deutscher Krimi mit „englischem Humor“. Es muss nicht immer viel Blut fließen, damit ein Krimi spannend ist. Wer einen eher unblutigen Krimi bevorzugt, demjenigen sei diese Krimiserie wärmstens empfohlen. Von mir erhält dieser wundervolle, weihnachtliche Roman von Englandfan Marlies Ferber die Höchstwertung von 5 (Weihnachts-)Sternen.

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malaysia, schicksal, liebe, kerstin hohlfeld, leben

Morgen ist ein neues Leben

Kerstin Hohlfeld
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.09.2015
ISBN 9783548286563
Genre: Romane

Rezension:

Ein neues Buch von Kerstin Hohlfeld – das konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen! Ich liebe den Schreibstil dieser sympathischen Autorin, von der ich bereits einige Bücher gelesen habe. Kerstin Hohlfeld schreibt sehr einfühlsam, hat auch keine Scheu, sensible Themen in Angriff zu nehmen, wie es auch in diesem Buch der Fall war. Eine Mutter, die ihr Kind zurücklässt, ist für die meisten Leser wohl nur sehr schwer vorstellbar.


Das Cover:

Das Buchcover ist matt gehalten und als Motiv wurde das Meer gewählt, das trotz seiner verschiedenen Farbschattierungen sehr ruhig wirkt und Ruhe ausstrahlt. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch den Hintergrund. Hier sind Berge zu sehen, die offensichtlich mit Bäumen dicht bewachsen sind – ein grüner, naturbelassener Dschungel, darüber der Himmel mit einigen Wolken – ein Idyll in Blau und Grün.

Doch es wurde ein zweites Motiv hinzugefügt – ein glänzendes, größtenteils gelbes Muster, das ich als Mandala bezeichnen würde, und das mittig geteilt wurde. Die beiden Halbkreise rahmen die Landschaft geradezu ein. Der Buchtitel ist ebenfalls in Gelb geschrieben, so dass das gesamte Cover sehr harmonisch wirkt.


Die Handlung:

Tanja Wellenstein ist mit Ende zwanzig alles andere als zufrieden mit ihrem Leben: Sie hat Übergewicht, hat keinen Partner, und würde gerne beruflich umsatteln. Zudem vermisst sie ihre Mutter, an die sie sich kaum noch erinnert. Geblieben sind ihr lediglich ein Foto, sowie die Erinnerung an ein Kinderlied - „Backe, backe Kuchen...“. Doch ihre Mutter kam vor zwanzig Jahren während einer Reise ums Leben, und Tanja wuchs deshalb bei ihren strengen Großeltern auf. Doch deren Ansprüche genügte Tanja nie, sie konnte die Anforderungen, die an sie gestellt wurden, nie erfüllen.

Aber dann erfährt Tanja eines Tages zufällig, dass ihre Mutter noch lebt, und sie macht sich auf den Weg nach Langkawi, der Insel, die nun das Zuhause ihrer Mutter Valentina ist. Doch diese kämpft nach einem schweren Unfall um ihr Leben. Werden die beiden Frauen sich jemals wiedersehen?...


Die Protagonisten:

Die Ärztin Helena Sander, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Star eines TV-Reality-Formats, fühlt sich in letzter Zeit völlig überarbeitet – sie kann sich nicht konzentrieren, leidet unter Schwindelanfällen und ist ständig müde. Völlig unverhofft begegnet sie nach fast zwanzig Jahren ihrem ehemaligen Freund Michael wieder, der als Kameramann arbeitet. Selbst die Gegenwart ihres attraktiven Ehemanns Martin ist ihr manchmal zuviel – wie sehr sehnt sie sich bisweilen nach einem Moment der Ruhe. Doch nun ist sie 40. Ihr Mann verdient als Steuerberater hervorragend, liebt Kinder, Tiere und klassische Musik, und zudem liest er seiner Frau jeden Wunsch von den Augen ab. Viele Frauen beneiden Helena um ihren aufmerksamen und liebevollen Mann. Aber alles wissen selbst ihre Freundinnen nicht über Martin.

Anfangs mochte ich Helena gar nicht, ich fand sie egoistisch, hatte sie doch vor allem ihren beruflichen Erfolg im Fokus. Für die Bemühungen ihres Mannes schien sie wenig empfänglich, wirkte ihm gegenüber (fast schon) kühl. Nun, im Urlaub in West-Malaysia, fern des Alltags, hat sie endlich die Zeit und Gelegenheit über ihr Leben und vor allem auch ihre Beziehung nachzudenken.

Martin fand ich nett und freundlich – eigentlich ein Traummann, wie frau ihn sich wünscht: Zuvorkommend, aufmerksam und er liest seiner Frau stets die Wünsche von den Augen ab, zumindest hat es den Anschein. Doch Helena bemängelte an ihm, dass er zu perfekt war, so z.B. friedliebend und Konflikten stets aus dem Wege gehend. Mir tat Martin leid, während ich Helena einfach unmöglich fand – er will Kinder, sie hält ihn in Sachen Familienplanung hin – und das noch nach mittlerweile zehn Jahren Ehe. Statt Klartext zu reden, lässt sie ihn hoffen. An erster Stelle scheint immer ihre eigene Klinik zu stehen. Doch dann bekommt Helena zu ihrem runden Geburtstag eine Reise nach Malaysia geschenkt, die sie alleine antreten darf. Doch weshalb ist Martin plötzlich nicht mehr für seine Frau erreichbar? War es doch bislang immer so, dass er ihr kaum Luft zum Atmen ließ – so der Eindruck von Helena.

Tanja ist 29 Jahre alt, übergewichtig (jedoch bildhübsch), und arbeitet als Kassiererin. Doch gerne würde sie eine Ausbildung beginnen – entweder möchte sie etwas mit Kosmetik oder mit Tieren erlernen. Tanja hat nur ihre äußerst selbstbewusste Freundin Melanie, die zu ihr hält, bei ihren Großeltern findet sie kein offenes Ohr. Ihre gertenschlanke, disziplinierte Großmutter Uta arbeitet mit ihren 69 Jahren noch immer in Vollzeit als Chefärztin. Uta und Lutz nahmen ihre Enkelin vor mehr als zwanzig Jahren bei sich auf, als ihre Tochter tödlich verunglückte, und nach all den Jahren vermisst Tanja ihre Mutter noch immer. Doch Liebe findet Tanja bei den kaltherzigen Großeltern nicht, und Trost findet sie nur, indem sie sich mit Essen vollstopft. Doch dann erfährt Tanja durch einen Zufall, dass ihre Mutter noch lebt.

Mir tat Tanja leid, denn sie hat stets die „perfekten“ Großeltern Lutz und Uta vor sich, denen sie es nie recht machen kann. Sie fühlt sich ungeliebt - kein Wunder, dass die junge Frau am Leben verzweifelt und es ihr an Selbstbewusstsein mangelt. Der Kummer hat das einst schlanke Mädchen dick werden lassen, denn sie frisst den Kummer sprichwörtlich in sich hinein, legt sich eine Art Schutzpanzer in Form von Kummerspeck zu. Das Verhalten der dominanten, selbstherrlichen Großeltern, vor allem der Großmutter Uta, machte mich geradezu wütend.

Valentina „Tina“ Williams ist eine Tierärztin. Seit fünf Jahren ist die Endvierzigerin von ihrer großen Liebe, den vermögenden Jonathan “Jo“ geschieden. Der 52jährige Millionär ist mit der 24jährigen Kendra verheiratet, mit der er zwei süße Töchter hat. Doch die Ehe mit der so viel jüngeren Frau ist nicht sehr glücklich, und da Kendra das Klima nicht verträgt, sind beide oft für einige Monate getrennt. Doch Valentina und Jonathan haben eine Affäre miteinander begonnen.

Die tierliebe Valentina gefiel mir gut. Sie opfert sich für ihren Beruf regelrecht auf, das Schicksal meint es nicht gut mit ihr. Schade, dass ihr Liebesglück nie ganz ungetrübt war, denn das Leben hatte Valentina nur all zu oft übel mitgespielt.

Uta, Tanjas Großmutter, ist die Disziplin in Person – die gertenschlanke Chefärztin arbeitet trotz ihrer 69 Jahre noch immer. Eine warmherzige Oma war sie ihrer Enkelin, die sie vor mehr als zwanzig Jahren bei sich aufgenommen hatte, nie. Sie verlangt Gehorsam und Dankbarkeit, stellt hohe Erwartungen an Tanja und bestimmt noch immer über das Leben der inzwischen erwachsenen Frau. Gegenüber den ach so perfekten Großeltern zu bestehen ist fast unmöglich. Die bestimmende Art von Lutz und Uta machte mich geradezu wütend.


Meine Meinung:

Nachdem ich von Kerstin Hohlfeld die Rosa-Redlich-Serie verschlungen habe, war ich nun gespannt auf ihr neuestes Buch MORGEN IST EIN NEUES LEBEN. Vom Schreibstil her ist dieser Roman ein vollkommen anderer – ernsthafter, vielleicht „erwachsener“ - im positiven Sinne. Wo die vorherigen Romane jung, beschwingt und humorvoll sind, ist die Handlung hier eher nachdenklich – vergleichen kann man die Romane nicht wirklich miteinander, was aber auch gut ist.

Dieser (Schicksals-)Roman beschäftigt sich mit dem Leben von drei Frauen, und spricht als Leser daher wohl auch eher Frauen an. Die Thematik ist eine eher ernste – Helena, im Beruf äußerst erfolgreich, hat sich innerlich von ihrem Mann Martin entfernt. Tanja wächst nach dem (angeblichen) Tod der Mutter bei ihren Großeltern auf, fühlt sich ungeliebt und frisst im wahrsten Sinne des Wortes ihren Kummer in sich hinein, und sie scheint bislang noch nicht „angekommen“ zu sein in ihrem Leben. Und Valentina liebt noch immer ihren geschiedenen Mann Jonathan, doch der ist inzwischen wieder verheiratet, scheint für sie endgültig verloren zu sein.

Die Handlungsorte des Romans sind zum einen Deutschland (Valentina wuchs in der ehemaligen DDR auf), aber auch Malaysia im fernen Südostasien. Kannte ich bislang die Andamanensee (die übrigens ein Teil des Indischen Ozeans ist) noch gar nicht, so habe ich seit diesem Sommer bereits den dritten Roman gelesen, der an diesem Gewässer spielt. Das Leben auf der Insel ist sehr gut beschrieben, sei es das dortige tropische Klima, die Tier- und die Pflanzenwelt, oder auch das bezaubernde Haus, in dem Jo und Valentina ihre gemeinsamen Jahre verbrachten. Dass die Insel so lebendig in Szene gesetzt wurde, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass die Autorin den Handlungsort bereits selbst bereist hat.

MORGEN IST EIN NEUES LEBEN ist ein sehr herzberührender Roman, der mich innerlich sehr aufgewühlt hat, und der mich manchmal richtig wütend machte - aber das ist ja nicht schlecht für einen Roman, wenn er Emotionen erzeugt - ob negativ, oder positiv. Ein Leser, der beim Lesen die Handlung miterlebt, ist wohl der beste Beweis dafür, dass ein Buch authentisch wirkt.

Unterteilt ist das ca. 363 starke Lesevergnügen in 23 Kapitel, die sehr „lesefreundlich“ sind, also in angenehm zu lesender Länge. So kann man kurz mal zwischendurch eines oder mehrere Kapitel lesen. Der flüssige Schreibstil von Kerstin Hohlfeld und die fesselnde Handlung trugen dazu bei, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte – zu viele Fragen stellte ich mir, so z.B. weshalb Tanja nicht bei ihrer Mutter aufgewachsen ist, oder ob die Ehe von Helena und Martin eine Zukunft haben würde, oder weshalb Uta und Lutz behaupteten, Valentina sei tot.

Der Schluss war etwas anders als ich es mir ausgemalt hatte, jedoch wären Bücher nicht mehr sonderlich überraschend, würde sich alles immer nach den Wünschen der Leser entwickeln. Und schließlich soll sich kein Autor verbiegen, um die Erwartungen der Leser zu erfüllen, sondern seinen eigenen Weg gehen.


Fazit:

Die Erinnerung an ein altes Kinderlied, Geheimnisse, die Macht der Liebe, schicksalhafte Begegnungen und drei Frauen, die auf der Suche nach sich selbst sind – diese Bestandteile erwecken diesen tiefgründigen und gefühlvollen Roman zum Leben. Man bangt mit den Frauen um die Liebe und das Glück, hofft auf ein Happy End.

Wie es bislang immer der Fall war, konnte mich auch diesmal der Roman von Kerstin Hohlfeld voll und ganz überzeugen. Gekonnt und feinfühlig setzte sie das Leben der drei so unterschiedlichen Frauen gekonnt in Szene. Die Handlung vermochte es, mich zu fesseln – vor Spannung konnte ich das Buch kaum beiseite legen. Natürlich möchte ich dieses Herzensbuch sehr gerne weiterempfehlen und gebe ihm daher aus vollem Herzen auch 5 Sterne.

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Törtchen-Mördchen

Mischa Bach , Ulrike Bliefert , Nadine Buranaseda , Petra Busch
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei KBV, 20.08.2015
ISBN 9783954412600
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich liebe Kuchen und Torten. Und ich lese für mein Leben gerne, unter anderem auch Krimis, gerne auch Kurzkrimis – ob humorvoll oder todernst. Schön, dass man bei dieser Anthologie beide Leidenschaften miteinander verbinden kann – und das auch noch vollkommen kalorienfrei! Zumindest solange man die im Buch enthaltenen Rezepte nicht zubereitet...


Das Cover / Die Gestaltung:

Ich liebe dieses Buchcover. Den Hintergrund bildet eine rosafarbene Tapete mit bravem Rosenmuster. Davor steht eine lecker aussehende Torte mit Biskuitboden und rosafarbener Cremefüllung, die mit Himbeeren dekoriert ist. Die Torte ist bereits angeschnitten und mitten in der Torte steckt ein sehr gefährlich aussehendes Messer – passend zum Buchtitel TÖRTCHEN-MÖRDCHEN. Und dort wo das Messer in der Torte steckt, sieht man sogar echtes (Beeren-)Blut. Das Cover ist matt gehalten, lediglich die Torte mit dem Messer, sowie der Buchtitel sind durch einen leichten Glanz hervorgehoben. Dass es sich um eine Anthologie handelt, erkennt man am Hinweis, dass es sich um KÖSTLICHE KURZKRIMIS handelt (hier hätte ich allerdings noch gerne die Anzahl vorgefunden, doch dazu später mehr).

Ich hätte es toll gefunden, wenn auf dem Cover vermerkt gewesen wäre, dass auch Rezepte im Buch enthalten sind, auch wenn sich ein Hinweis dazu auf der Buchrückseite findet. Aber letztendlich verleitet so ein Extra manchmal erst dazu, das Buch in die Hand zu nehmen.

Schade fand ich, dass nicht alle Autoren auf der Buchrückseite erwähnt wurden, denn verdient hätte dies jeder einzelne Autor. Und mitunter wählen manche Leser ihre Bücher anhand eines bestimmten Autors aus – gestalterisch wäre dies durchaus möglich gewesen, wie ich schon bei Anthologien anderer Verlage gesehen habe.


Die Krimis – Inhalt und meine Anmerkungen dazu:

Peter Godazgar - WILLI WILL'S ESSEN:

Willi ist eine Maus, die nichts mehr als Kuchen, Torten und Backwaren liebt. Wie gerne würde Willi von den Leckereien der Bäckerei Neubauer naschen. Doch dies bleibt ein Traum – solange bis es Willi eines Abends gelingt, in die Bäckerei zu kommen. Willi fühlt sich wie im Schlaraffenland...

Mir gefiel diese Geschichte als Einstieg sehr gut. Eine Geschichte aus Sicht einer kleinen Maus – die das Verhalten der Menschen auch mal etwas falsch versteht. Ich musste schmunzeln, als Willi die orange gekleideten Menschen beneidete, die den Inhalt der Tonnen mit nach Hause nehmen dürfen.


Regina Schleheck – MUUTZEKOPP (Rezept: Muutzemandeln):

Zwei Zwillingsbrüder, wie sie unterschiedlich nicht sein könnten – während Andi eine Bäckerei betreibt, schlägt sein Bruder Kai einen vollkommen anderen Weg ein. Doch eines Tages eskaliert die Situation...

Eine Mutter liebt ihre Kinder – egal was auch geschieht. Ein spannender Krimi, der gut vermittelt, wie eine Mutter zwischen ihren beiden Söhnen hin- und hergerissen ist, die um ihre Gunst kämpfen. Das Ende war eine kleine Überraschung.


Tatjana Kruse: SUMMSUMMSESUMM! (Rezept: Bienenstich):

Ein Dealer sucht im beschaulichen Schwäbisch Hall nach Tom, der ihm bei seinen Geschäften in die Quere kommt. Dabei trifft er auf drei alte Damen – sind diese harmlos oder führen sie etwas im Schilde?...

Ich liebe Tatjana Kruses unverwechselbaren schwarzen Humor sehr, weshalb ich mich auf diese Geschichte besonders gefreut habe. Natürlich wurde ich auch diesmal nicht enttäuscht, und die Handlung ließ mich schmunzeln – zu witzig die Vorstellung, wie Kampfhund Destroyer „Desi“ (also Zerstörer) sich von den alten Damen den Bauch kraulen ließ und dabei „schnurrte“.


Uta-Maria Heim – TORTENSCHLACHT (Rezept: Tante Hildes Schwarzwälder Kirschtorte):

Ein altes Ehepaar trifft auf einer Zugreise einen Mann, der sich sonderbar verhält. Doch plötzlich ist der junge Mann verschwunden – zurück bleibt eine Schwarzwälder Kirschtorte...

Die Handlung dieses sehr ruhigen und teilweise vorhersehbaren Krimis ist sehr geprägt vom Lokalkolorit und Gedankengängen, sowie der Geschichte der Schwarzwälder Kirschtorte. Lobenswert erwähnen möchte ich noch die Hinweise im Rezept zu den Besonderheiten und Merkmalen der original Schwarzwälder Kirschtorte).


Günther Thömmes – LUTHERS BRÖTCHEN (Rezept: Lutherbrötchen):

Balke besitzt etwas, das er gut gesichert in einem Hochsicherheitsgebäude / -tresor, einem Freeport, verwahrt – keine Chance für Diebe, an seinen wertvollen Besitz zu gelangen...

Ein wertvolles, historisches Rezept, ein Kunstfälscher und eine aufsehenerregende Veranstaltung mit großem Presserummel – eine interessante und informative Geschichte, die mir recht gut gefiel. Konrad Kujau lässt grüßen.


Mischa Bach - NACHTANGST (Rezept: Buchweizenpfannkuchen):

Eines Nachts erwacht eine Frau dort, wo sie es nie erwartet hätte – in einem Hochhaus, dem letzten Auftrag ihres Ex-Mannes, einem einst erfolgreichen Architekten. Alte Erinnerungen an den Ex-Ehemann, den längst verstorbenen Sohn, dessen Tag der Geburt sie noch heute verflucht, und das Leben nach der Trennung...

Ein Leben auf der Sonnenseite des Lebens, das mehr Schein als Sein ist - eine recht bedrückende, traurige Geschichte.


Britt Reissmann – DER KUCHENRÄUBER VON RADEBEUL (Rezept: Tante Ännes Bäbe):

Statt des ersehnten Zuschusses zur Karibikreise erwartet eine junge Frau die Fahrt in einem historischen Zug – inklusive Raubüberfall...

Ein eher ruhiger Krimi, samt sächsischem Dialekt, passend zum Schauplatz. Nicht besonders realitätsnah, aber dennoch recht unterhaltsam und mit Lokalkolorit.


Elke Pistor – SYBILLE (Rezept: Prinzesstorte):

Onkel Gustav war ein guter Bäcker und bei seinen Kunden beliebt. Doch nun ist er alt und krank. Jedoch wurde er nicht vergessen, und so bekommt er an seinem 90.Geburtstag unerwarteten Besuch...

Zwar ein Krimi, der mich persönlich nicht besonders überrascht hat, allerdings in einem tollen, kurzweiligen Schreibstil, der mir sehr gut gefiel.


Thomas Kastura – TRUFFLE ROYALE (Rezept: Rumtrüffel):

Ein russischer Oligarch verweilt im fränkischen Bamberg. Dort will er die wertvollste Praline der Welt abholen, die er seiner Verlobten schenken will...

Einfach nur köstlich, diese Handlung! Skurril, übertrieben und amüsant. Der Hund namens Gorbatschow, ein sparsamer Chef eines oberfränkischen Backsteinkäseimperiums, ein betrügerischer Hersteller von schwedischen Möbeln, dem Emir von Angina mit Faible für ausgefallene Dinge, sowie die teuerste Praline der Welt, hergestellt aus den seltensten Rohstoffen, waren die Zutaten zu diesem abgefahrenen Krimi, der eine Satire auf das Leben wohlhabender Russen sein könnte. Einer meiner absoluten Lieblingskrimis in diesem Buch – ich wurde positiv überrascht, denn nicht immer traf dieser Autor, wenn ich mich recht erinnere, mit seinen Kurzkrimis meinen Geschmack.


Ulrike Bliefert – RITAS FLUCH (Rezept: Friesische Teewaffeln):

Axel Wullenschläger und seine Freundin Rita haben sich getrennt. Geblieben ist dem jungen Mann lediglich ein Tattoo mit dem Namen seiner Ex. Doch nun ist Axel frisch verliebt. Aber wie soll er seiner Freundin die Sache mit der Tätowierung erklären? Zum Glück hat Axel eine richtig geniale Idee...

Ulrike Bliefert kenne ich bereits seit Kindertagen als Schauspielerin, seit einigen Jahren nun auch als Autorin diverser Jugendthriller. Gelesen habe ich allerdings noch keines ihrer Bücher. So hatte ich nun die Gelegenheit, endlich eines ihrer Werke zu lesen – und ich muss sagen, dass mir sowohl die Handlung, als auch der Erzählstil sehr gut gefielen.


Ralf Kramp – DAS AUGE DES GESETZES (Rezept: Dotty Fowler's Carrot Cake):

Hoher Besuch steht an – in einem Dorf erwartet man die Queen nebst ihrem Gemahl. Dotty Fowler ist ganz in ihrem Element – sie darf ihren preisgekrönten Kuchen für das Kuchenbüffet backen, und dabei sollte ihr keiner in die Quere kommen. Doch dann kommt es zu einem unvorhergesehenen Zwischenfall...

Das ist wohl der bekannte englische Humor, auch wenn er der Phantasie eines deutschen Autors entsprungen ist – wunderbar humorvoll und mit Schmunzelgarantie, die diese Geschichte zu einem meiner Lieblinge des Buches machte.


Nadine Buranaseda – DIE LEIDEN DES JUNGEN D. (Rezept: Veganer Blaubeer-Quark-Kuchen):

Während der Besichtigung eines Hauses werden bei einem Kaufinteressenten alte Erinnerungen wach: Hier wurde vor Jahren eine junge Frau tot aufgefunden. Hat sie sich selbst umgebracht, oder wurde sie zum Mordopfer?...

Eine spannende Handlung, die unterteilt in zwei Handlungsstränge ist – Gegenwart und Vergangenheit. Durch kursive Textstellen wird die Handlung in der Vergangenheit kenntlich gemacht.


Lisa Graf-Riemann – AMORS BOGEN (Rezept: Mozartkugeln):

Mozartkugeln werden in Salzburg in Handarbeit hergestellt – ist doch Ehrensache! Doch eines Tages taucht ein Fabrikant auf, der die Leckereien maschinell fabrizieren will...

Ein Maskenball, eine heimliche Liebschaft und die Ermordung von Franz Ferdinand, dem österreichischen Thronfolger, sind die Bestandteile des historischen Krimis, der den Leser in die „guten alten Zeiten“ entführt.


Martina Schmoock – OCHSENAUGEN (Rezept: Ochsenaugen):

Omas Häuschen wurde bereits verkauft – samt der altertümlichen, aber so gemütlichen Einrichtung, wie dem alten Holzherd. Doch plötzlich sind die neuen Besitzer verschwunden...

Eine charmante Geschichte mit Kindheitserinnerungen, stimmungsvoll beschrieben – das Zubereiten der Speisen auf dem Emailleherd, das alte Geschirr,... - wunderbar geschildert. Doch natürlich ist nicht alles so idyllisch wie es erst scheint.


Beate Maxian – A FREMDE UNTERM STEFFL (Rezept: Fiakerkrapfen):

Fiaker-Mitzi ist in ihrem Beruf erfolgreich, nicht zuletzt durch ihre leckeren Krapfen. Doch unter ihren männlichen Kollegen gibt es auch einige Neider...

Alles andere als beschaulich – ein Machtkampf unter Kollegen, bei dem mit harten Bandagen gekämpft wird, ob mit Beleidigungen, Drohungen – oder vielleicht noch mehr?


Christina Striewski – HAGELZUCKER (Rezept: Zimtschnecken / Kanelbullar):

Vor Jahrzehnten war Greta in Schweden als Kindermädchen tätig. Dann kehrte sie in ihre Heimat nach Deutschland zurück. Doch sie war nicht mehr die, die sie einst war...

Wieder ein Krimi, der sich sehr flüssig lesen lässt, und bei dem mir die Handlung sehr gut gefiel. Die Vergangenheit lässt Greta auch nach Jahrzehnten nicht los.


Petra Plaum – WELCOME TO THE HEARTATTACK HOTEL (Rezept: Cupcakes „Best of Ireland“):

Das Heartattack Hotel ist eine Zuflucht für unglücklich verheiratete Frauen. Hier können sie ihr Herz ausschütten und es wird nach einer Lösung gesucht...

Hilfe zur Selbsthilfe – auf die besondere Art. Männer können grausam sein, Frauen aber auch - ein schwarzhumoriger Krimi, der mir gefiel.


Amelie Kirsch – MANDEL-MANNE (Rezept: Mannes Mandeln):

Manfred lebt in seinem Wohnmobil und hat viele Bekannte. Er kümmert sich um die zwölfjährige Chantalle, die bei ihrer Mutter und dem Stiefvater lebt. Doch eines Tages verschwindet das Mädchen spurlos...

Ein Krimi über Außenseiter - schockierend, sehr bedrückend, aber gut durchdacht.


Eva Klingler – ALI ODER SO ÄHNLICH (Rezept: Nazukner aus Armenien):

Irmhild ist das schwarze Schaf in ihrer Familie. Im Gegensatz zu ihren beiden Schwestern hat sie keine Familie gegründet, sondern hat eine Beziehung zu einem Ausländer. Doch jedes Jahr zu Weihnachten trifft sich die Familie...

Eine Situation wie man sie (leider) kennt: Vorurteile gegen fremde Kulturen, das Nicht-Akzeptieren anderer Lebensweisen, sowie scheinheiliges Verhalten. Schade, wenn sich die Angehörigen gegen ein Familienmitglied verbünden.


Sunil Mann – AUF DÜNNEM EIS (Rezept: Vermicelles-Törtchen):

Zwei Geschwister treffen sich auf einer Beerdigung wieder, und erinnern sich an ihre Kindheit zurück – die Samstage mit ihrem Vater, die unglückliche Ehe der Eltern und an einen verhängnisvollen Tag...

Erstens kommt es anders, als man zweitens denkt. Eine unerwartete Wendung überrascht den Leser.


Angela Eßer – LADY IN BLUE (Rezept: Glückskekse):

Eines Tages taucht in einem Hochhaus eine in Blau gekleidete Dame auf. Zurück bleibt ein Paket mit einem geheimnisvollen Inhalt...

Mich ließ die Geschichte etwas ratlos zurück – das Ende ließ in meinen Augen Platz für eigene Interpretationen.


Daniel Holbe & Ivonne Keller – BITTER & ZART (Rezept: Muffin-Versuchung – mit geschmolzenem Kern):

Heike liebt Ralf, und beide verbindet die Leidenschaft für handgefertigte Pralinen – Heike liebt eher Pralinen mit Bitterschokolade und Marzipan, während Ralfs Leidenschaft den Toffees gilt. Nichts wünscht sich Heike mehr, als dass ihr Freund ihr endlich den langersehnten Heiratsantrag macht. Doch der hat ein streng gehütetes Geheimnis...

Oh ja, eine richtig tolle, etwas pikante Handlung. Zwei Naschkatzen, die nicht unbedingt den gleichen Geschmack hatten, in so mancher Hinsicht. Ich jedenfalls habe mich amüsiert.


Petra Busch – MAMAS ACHTZIGSTER GEBURTSTAG (Rezept: Windbeutel):

Der stark übergewichtige Holger lebt mit seinen inzwischen 53 Jahren noch immer bei seiner wohlhabenden Mutter. In deren Augen ist ihr „Püppi“ ein Versager. Doch dann verbringen Mutter und Sohn den achtzigsten Geburtstag der alten Dame in einem kleinen Windbeutel-Hotel...

Eine bitterböse Geschichte mit jeder Menge schwarzem Humor, die mir sehr gut gefiel – sowohl vom Schreibstil, als auch von der humorvollen Handlung. Hier hat die Herausgeberin eine Geschichte nach meinem Geschmack geschrieben – eines der Highlights dieser Krimisammlung.


Ralf Kramp – BACKE, BACKE KUCHEN, DER MÖRDER HAT GERUFEN!

...als krönenden Abschluss gibt es ein Gedicht, voll mit schwarzem Humor. Eine wunderbar umgedichtete Variante eines bekannten Kinderliedes.


Allgemein-Meinung:

Es sind die üblichen Verdächtigen, die hier mit ihren Törtchen, Kuchen, Muffins, Pralinen,... morden, ebenso wie Autoren, die ich bisher nicht kannte. Und es ist geradezu unglaublich, dass in dieser Krimi-Sammlung alle (!) Krimis meinen Lesegeschmack trafen, denn dies ist nur höchst selten der Fall – meist gibt es doch den ein oder anderen „Ausreißer“, der so überhaupt nicht meinem Geschmack entspricht. Ohne einen Namen nennen zu wollen – selbst ein Autor, der es bisher nicht geschafft hatte, mein Leserherz zu erobern, konnte mich diesmal mit seinem Kurzkrimi voll und ganz (!) begeistern.

Neu ist die Idee nicht, Krimis mit den passenden Rezepten zu kombinieren – ich mag diese Kombination sehr gerne. Mitunter macht das Lesen ja durchaus Appetit auf die erwähnte Leckerei. Hier finden sich 23 Kurzkrimis, sowie ein Gedicht zusammen, 24 Autoren zeigten sich von ihrer mörderischen und zugleich kulinarischen Seite. Wer die anstehende Adventszeit also kalorienfrei genießen möchte, könnte dieses ca. 350 Seiten starke Buch auch hervorragend als Adventskalender benützen.

Im Anhang befinden sich die Porträts zu den Autoren und Autorinnen, was meiner Meinung nach auch wirklich dazugehört, denn man will ja etwas über die einzelnen Verfasser erfahren – zumindest bei mir ist dies der Fall. Schade, dass es zu den einzelnen Autoren keine Fotos gibt, aber dank der angegebenen Homepages kann man sich ja dann doch noch ein Bild zu jedem einzelnen machen.

Wo sich die Infos zu den Autoren befinden sollten, ist ja immer etwas Geschmacksache – alle Autoren im Anhang (so wie es hier der Fall ist), oder doch direkt im Anschluss an den Krimi? Gewünscht hätte ich mir allerdings, dass der Titel des Kurzkrimis jeweils erwähnt worden wäre, denn so muss man erst den Autor dem Krimi zuordnen.

Vermisst habe ich ein Rezeptverzeichnis, dies hätte meiner Meinung nach ins Inhaltsverzeichnis gehört, oder alternativ dazu in ein extra Verzeichnis. Da weder das eine, noch das andere vorhanden ist, hilft da wohl nur das Suchen nach dem gewünschten Rezept.

Dennoch – wer gerne Kurzkrimis liest, dem bietet sich hier eine bunte Mischung unterschiedlichster Krimis – von humorvoll, über bitterböse, bis zu Krimis, bei denen man schwer schlucken muss – hier findet sich für jeden Geschmack etwas. Das Cover gefällt mir sehr gut – sowohl von der Farbgebung, als auch vom Motiv her, und die Rezepte sind eine tolle Ergänzung.


Fazit:

Wie es in Anthologien üblich ist, gibt es hier Leckereien für jeden Geschmack – ob leicht bekömmlich oder schwer verdaulich. Hier haben eine Vielzahl Autoren ihre Köstlichkeiten gebacken – ob mit List und Tücke garniert, mit Rachegedanken zusammengeknetet, - Herausgeberin Petra Busch präsentierte in TÖRTCHEN-MÖRDCHEN ein buntes Kuchenbüffet, das mir literarisch hervorragend mundete. Die Zusammenstellung der Kurzkrimis gefiel mir sehr gut, und ich freute mich über das Treffen mit „alten Bekannten“ unter den Autoren, aber auch mit mir unbekannten Autoren.

Bei dieser Anthologie hatte ich das Glück, auf Geschichten zu treffen, die mir gefielen, was leider nicht immer der Fall ist – so ansprechend wie bereits das Cover war, so waren auch die Kurzkrimis. Und die passenden Rezepte sind eine Bereicherung – da werde ich sicherlich das ein oder andere nachbacken. Daher kann ich diese köstlichen Kurzkrimis weiterempfehlen und vergebe 5 Sterne.



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lama, unterhaltung, schwäbische alb, humor, silke porath

Ein Lama zum Verlieben

Silke Porath
Flexibler Einband: 273 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 04.03.2015
ISBN 9783839216453
Genre: Liebesromane

Rezension:

Nachdem ich vor längerer Zeit MOPS UND MÖHREN von Silke Porath mit Begeisterung gelesen hatte, freute ich mich nun über die Bekanntschaft mit Lamahengst Dalai und seinen Mädels – Tiere in Büchern stellen ja meist eine Bereicherung dar. Und auch „das Ländle“ (so die liebevolle Bezeichnung für Baden-Württemberg) hat allerlei zu bieten – nicht nur Maultaschen und Spätzle, sondern auch einen originellen Dialekt – das wird auch „Schdella“ noch merken.


Das Cover / die Gestaltung:

Ich mag dieses farbenfrohe Cover sehr gerne – das frische Grün, das an den Frühling erinnert, wenn die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, der bunte Cocktail mit seinen verschiedenfarbenen Schichten, und das Lama, das am Strohhalm saugt, der im Glas steckt.

Wie immer hat der Verlag beim Cover matte und glänzende Elemente gemischt, was ich sehr gerne mag. Die roten, glänzenden Textfelder auf dem Autorennamen und dem Buchtitel (charakteristisch für den Verlag) bildet einen hübschen Kontrast zum zarten Grün.

Optisch immer sehr ansprechend finde ich, dass sich im Buch oft ein farblich passendes Vorsatzpapier befindet (was bei Taschenbüchern ja nicht gerade üblich ist), diesmal in einem hellen Grün. Aber auch das Titelmotiv des am Cocktail trinkenden Lamas findet sich in den hellgrünen Innenseiten der Buchdeckel in gepixelter, einfarbiger Variante wieder.


Die Handlung:

Journalistin Stella lebt in Berlin und arbeitet für die Frauenzeitschrift „Donatella“. Eines Tages erhält sie den Auftrag, eine Reisereportage zu schreiben. Normalerweise ein Glücksfall, diese begehrte Vor-Ort-Recherche zu betreiben, doch leider verschlägt es Stella weder in die Karibik, auch nicht nach Thailand, sondern auf die Schwäbische Alb – schon alleine der Gedanke daran ist für sie ein wahrer ALBtraum. Und auch von Wellness kann im beschaulichen Weinlingen nicht die Rede sein – stattdessen macht Stella die Bekanntschaft des Lamahengsts Dalai und seinem Harem, bestehend aus vier Lamadamen. Zusammen mit anderen Gästen des Hofs macht Stella sich auf zum Lama-Trekking.

Doch die Harmonie hält nicht lange an, denn Hofbesitzer Gerry leidet unter chronischer Geldnot, und die Existenz des Lamahofs ist gefährdet....


Meine Meinung:

EIN LAMA ZUM VERLIEBEN – der Titel klingt ja bereits nach einem Liebesroman. Und oft verläuft dieser wie folgt: Die Protagonistin aus der Stadt (in diesem Fall Stella) verliebt sich in die männliche Hauptperson vom Lande (das ist dann wohl Gerry). Erst kann sich die Protagonistin das Landleben nicht vorstellen, heiratet aber dann ihren Prinzen (also Gerry), die Lamas ziehen die Kutsche mit dem Brautpaar, und zum Schluss bekommt die junge Ehefrau noch ein Kind, vielleicht auch mehrere, und die beiden leben bis an ihr Ende glücklich auf dem Hof. Ja, klingt märchenhaft. Und ich war gespannt, welche Handlung mich wohl erwarten würde...

Stella ist erst nicht besonders begeistert, als Großstadtpflanze eine Reportage über das Lama-Trekking auf der Schwäbischen Alb schreiben zu müssen. Doch schon bald merkt sie, dass das Landleben auch seinen Reiz hat – sie lernt liebenswerte Menschen kennen, Entdeckt die Schönheiten der Natur und eine Wanderung mit einem Lama an der Seite kann unheimlich kurzweilig und entspannend sein. Ich mochte Stella recht gerne, auch wenn sie das Landleben erst einmal nicht so toll fand, und alles andere als begeistert war. Doch ihren „Widerstand“ gab sie recht schnell auf.

Gerry hat den renovierungsbedürftigen Lamahof von seinem Onkel geerbt. Doch leider plagen Gerry auch Schulden, so dass er einen regelrechten Kampf ums Überleben führt. Kein Wunder, dass die Einrichtung sehr altmodisch wirkt – ob in den Zimmern, oder auch in der Wohnküche. Dennoch fühlen sich die Gäste hier wohl, denn Gerry hat alles nach seinen Möglichkeiten daran gesetzt, damit es gemütlich auf seinem Hof ist. Und tatsächlich scheinen die anspruchsvollen Gäste sehr zufrieden zu sein.

Die 47jährige Marketingmanagerin Regula Schmitt-Pfefferer ist aus der Schweiz, und ist beruflich stark eingespannt. Doch kurz vor einem Burnout stehend, will sie auf dem Hof eine Auszeit nehmen. Ich weiß nicht weshalb, aber ich vermutete hinter der Doppelnamen-Karrierefrau erst einmal eine zickige und hochnäsige Frau, die sich über alles und jeden beschwert. Doch wie sehr hatte ich mich da in ihr getäuscht. Regula wirkte sehr sympathisch und schien immer gute Laune zu haben, da sie recht häufig lachte. Natürlich muss auch Regulas Herkunft deutlich hervorgehoben werden, und so denkt sie sich immer wieder mal: Leck mich doch am Füdli! (was im Alemannischen den unteren Teil des Rücken bezeichnet, also das Gesäß).

Der übergewichtige Sternekoch Bjarne Hellstern aus Wiesbaden ist beruflich sehr erfolgreich, doch die Freude am Kochen ist ihm weitestgehend vergangen. Seit der Eröffnung des „Hellstern“ vor 13 Jahren hatte er keinen richtigen Urlaub mehr. Und so heißt es für ihn „Back to the Roots“: Er besucht in Weinlingen mit Begeisterung den Markt, sucht sich frische Zutaten selbst aus und statt mit gehobener Sterneküche verwöhnt er fortan die anderen Gäste mit leckeren, einfachen Gerichten – und das mit großer Begeisterung. Es macht ihm richtig Spaß, seine Mitbewohner zu verwöhnen – sogar mit Frühstück ans Bett. Mir gefiel diese Wandlung sehr gut, und auch Bjarne fand ich sehr liebenswert.

Louis ist ein 17jähriger Austauschschüler aus Frankreich, der von seiner Gastfamilie auf den Hof „verfrachtet“ wurde. Er ist für sein Alter bereits ein ganz schöner Casanova, und die Pubertät macht sich bei ihm im vollem Ausmaß bemerkbar. Aber dennoch mochte ich Louis irgendwie, denn er hatte auch durchaus liebenswerte Seiten, und er wirkte sehr interessiert was das Landleben betraf – und das nicht nur was die Mädels betraf. Und natürlement bekam Louis von der Autorin auch einen passenden französischen Akzent verpasst.

Herbert und Annerose sind ein „urschwäbisches“ Ehepaar. Herbert, ein ehemaliger Lehrer, ist ein richtiger Schwabe – samt Dialekt. Ich habe Herbert sofort in mein Herz geschlossen, denn dieses schwäbische Original war eine echte Bereicherung mit seiner herzerfrischenden und auch direkten Art.

Gerechnet habe ich mit verschrobenen Gästen, die eventuell so unterschiedliche Vorstellungen von einem Wellnessurlaub haben, dass es zwischen ihnen zu Reibereien kommt. Umso mehr überraschte es mich, dass sich alle so hervorragend verstanden, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Doch wer nun annimmt, die Handlung wäre dadurch langweilig, der hat sich geirrt, denn natürlich gibt es auch in diesem Roman einen Störenfried. Doch die WG auf Zeit will alles daran setzen, den Hof zu retten, und so werden schließlich aus Fremden Freunde.

Der Erzählstil gefiel mir ausgesprochen gut. Meist wurde aus der Perspektive von Stella erzählt – in der Ich-Perspektive. Doch hin und wieder wurden Episoden auch aus Sicht der anderen Protagonisten berichtet, was ich interessant und auch amüsant fand. Die Kapitel haben eine sehr angenehme Länge, so dass man auch mal eben kurz zwischendurch das ein oder andere Kapitelchen verschlingen kann. Und noch eines freut mich ganz besonders: Die Kapitel haben nicht nur Nummern, sondern tragen stets die passende Überschrift. Und das manchmal sogar verteilt auf zwei oder gar drei Zeilen: Unter der eigentlichen Überschrift findet sich (in etwas kleinerer Schrift) oft der Name des Protagonisten, aus dessen Sicht erzählt wird, meist steht da also Stellas Name, aber ab und an auch der Name der anderen Personen.

Die Handlung ist einfach grandios, ich habe mich sehr darüber amüsiert, wie Stella ihre erste Begegnung der „dritten Art“ hatte: Sie begegnete in Berlin einem waschechten Schwaben und verbrachte mit ihm einen sehr gehaltvollen Abend. Oder aber Louis, der während des Bauernhof-Aufenthalts ausgerechnet ein Auge auf die Pfarrerstochter wirft. Und bei der Begebenheit, als alle gemeinsam den Rama-Lama-Ding-Dong-Song sangen, hatte ich regelrecht die bunt zusammengewürfelte Truppe vor Augen, die Melodie im Ohr und danach natürlich einen Ohrwurm. Dank einer Eselsbrücke lässt sich selbst der Name der Schweizerin problemlos merken – als Regula sich der schlaftrunkenen Stella vorstellte, verstand diese nur Rehgulasch mit Pfeffer – da musste selbst Regula Schmitt-Pfefferer herzhaft lachen.

Die humorvollen Begebenheiten brachten mich immer wieder zum Lachen, wobei der Humor niemals erzwungen wirkte oder gar aufdringlich war, wie es in manchen Romanen zuweilen der Fall ist (und was mit der Zeit etwas nerven kann, wenn ein Gag den nächsten jagt). Es gibt aber natürlich auch ruhigere, nachdenklichere Szenen. Wie die Gäste mit den Lamas am Halfter, Raum und Zeit vergessend und in sich gehend, dahin marschieren, das hat schon etwas sehr Meditatives. Es ist einfach diese Mischung, diese Ausgewogenheit, die ein Buch letztendlich zu einem Wohlfühlbuch macht.

Lokalkolorit ist in diesem humorvollen Roman reichlich vorhanden – angefangen bei der Landschaft (die Ortschaften, die oft auf -ingen enden), über den Dialekt (Breschtlingsgsälz, also Erdbeermarmelade,...) bis hin zu den regionalen Spezialitäten wie Gaisburger Marsch, Spätzle und Maultaschen. Ich bin ein großer Fan, und damit auch ein Befürworter, von Dialekten (egal welcher), denn dadurch wirkt ein Buch frisch, lebendig und viel authentischer als wenn darauf verzichtet wurde. Eventuelle Verständigungsprobleme nehme ich dafür gerne in Kauf.

Der Anhang besteht aus Buchempfehlungen (leider verzichten einige Verlage wohl neuerdings darauf). Jedenfalls findet man hier diesmal 13 (!) Buchempfehlungen, wobei sehr viele Bücher von Silke Porath (ob solo oder gemeinsam mit anderen Autoren) dabei sind. Und so wächst die Wunschliste stetig weiter...

Nun zur negativen Kritik. Ich habe lange überlegt, aber außer dass das Buch mit seinen 273 Seiten einfach viel zu kurz war (wie es bei allen tollen Büchern der Fall ist, selbst wenn diese 500 Seiten oder mehr haben) fällt mir nichts ein. Eventuell hätte man dem Anhang noch um einen Rezeptteil mit einigen (schwäbischen) Rezepten von Bjarne ergänzen können, oder auch um das Rezept für den Cocktail aus diesem Roman.

Zurück zu meiner fiktiven Handlung: Natürlich verliebt sich Stella, und natürlich erwartet den Leser so manche Überraschung und unerwartete Wendung – anders hatte ich es von Silke Porath aber auch ehrlich gesagt nicht erwartet. Doch wie dieser Roman endet, das verrate ich natürlich nicht. Allerdings könnte ich mir eine Fortsetzung durchaus vorstellen, und würde mich darüber sehr freuen. Am Ende des Buches fiel mir der Abschied schon etwas schwer von den Protagonisten, und das Buch hat mir jetzt richtig Lust gemacht, einmal einen Urlaub auf Gerrys Hof zu machen und mit Dalai am Halfter über grüne Wiesen zu spazieren...


Fazit:

Ein wunderbarer, frecher und humorvoller Roman mit viel Schwung – EIN LAMA ZUM VERLIEBEN konnte mich wunderbar unterhalten. Ein Highlight des Buches ist natürlich der schwäbische Dialekt, aber auch die verschiedenen Charaktere konnten voll und ganz überzeugen, ebenso wie die kurzweilige Handlung. Daher möchte ich das Buch sehr gerne weiterempfehlen und gebe diesem Roman daher aus vollstem Herzen 5 Sterne.

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berlin, fernbeziehung, eifersucht, weihnachten, party

Schmetterlingskuss

Mascha Matysiak
Buch: 192 Seiten
Erschienen bei PINK!, 01.09.2015
ISBN 9783864300417
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich habe mal wieder ein Mädchenbuch gelesen. Von PINK! Es war mein inzwischen neuntes Buch von diesem Verlag, der sich mit seinen Büchern an die Zielgruppe der 11- bis 14jährigen Mädchen richtet. O.k., ich entspreche zwar nicht der eigentlichen Zielgruppe, aber im Herzen bleibt frau doch immer ein Stück weit auch noch ein Mädchen – zumindest bei mir ist das so. Und schon alleine das bezaubernde Cover ließ mich dahinschmelzen.


Das Cover / die Gestaltung:

… ach, dieses Cover ist einfach wunderschön und zum Verlieben – pastellig, aber ohne kitschig zu wirken. Und optisch passt es schon vom Stil her wunderbar zu SCHMETTERLINGSHERZ, dem Vorgängerbuch: Auf beiden Büchern trägt Mimi ihre rote Tasche, auf beiden flattern Schmetterlinge, und der Hintergrund zeigt eine Berliner Szenerie. Selbst der Buchtitel erinnert an den ersten Band und wurde passend dazu gestaltet – insofern besitzt das Buch einen Wiedererkennungswert, was ich wichtig finde.

Das Buchcover ist eine Mischung aus Zeichnungen und Foto, also eine Collage. Mimi sieht man nur von hinten. Mit Lederjacke und enger Jeans bekleidet, die rote Handtasche in der Hand und mit ihren schönen langen Haaren läuft Mimi auf die Berliner Sehenswürdigkeiten zu – hier zieht vor allem das Brandenburger Tor, das sich in der Mitte des Covers befindet, die Blicke auf sich. Und auch wenn dieses Buch im Winter spielt, so wird Mimi doch von Schmetterlingen umflattert (diese haben aber eher eine symbolische Bedeutung und stehen für die flatternden Artgenossen in Mimis Bauch). Die Schrift des Buchtitels gefällt mir sehr gut, denn er wirkt wie handgeschrieben, und die pinkfarbenen und rosa Buchstaben passen farblich zum zartrosa getönten Himmel, an dem ein Feuerwerk zu sehen ist.

Das Cover ist matt gestaltet, lediglich das Feuerwerk wurde glänzend hervorgehoben, sowie das Logo von PINK. Schade, die titelgebenden Schmetterlinge hätten glänzend gestaltet sicher auch besonders tolle Hingucker abgegeben.

Bei diesem Taschenbuch handelt es sich, wie bei den PINK-Büchern üblich (außer bei den günstigeren Sonderausgaben), um eine Klappenbroschur. Ich persönlich bin ja ein Fan dieser Buchvariante, bei der es sich um ein besonders hochwertiges und stabilesTaschenbuch handelt. In der vorderen Buchklappe findet man wie üblich einen kurzen Textauszug aus dem Buch, der den Leser schon mal neugierig macht. In der hinteren Innenklappe wird Autorin Mascha Matysiak anhand eines kleinen Fotos und eines kurzen Textes kurz vorgestellt. Schade, dass der freie Platz hier nicht genutzt wurde, z.B. für die Coverabbildung von SCHMETTERLINGSHERZ, denn das hätte sich hier angeboten.

Typisch für die Bücher des Verlags sind die sehr kurzen Kapitel – hier sind es 22 bei einem Buchumfang von 190 Seiten, sowie das Spiel mit den verschiedenen Schriftarten und Schriftgrößen, die den Text spannend und abwechslungsreich wirken lassen. So fliegen die Seiten beim Lesen nur so dahin.


Die Handlung:

Mimi ist total verliebt in Chris. In ihrem Bauch flattern tausend Schmetterlinge. Doch leider gibt es da ein Problem: Chris wohnt in Berlin, Mimi in Süddeutschland – hunderte von Kilometer trennen die beiden Liebenden. Wird diese Liebe die große Entfernung überleben, wenn Chris und Mimi sich nur in den Ferien besuchen können? Leider ist da diese blöde Eifersucht, und Mimi hat das doofe Gefühl, dass alle anderen Mädchen ihren Freund besser kennen, als sie selbst.

Doch endlich sind Weihnachtsferien, und Mimi besucht Chris in Berlin. Aber leider ist die Wiedersehensfreude nicht so ganz ungetrübt...


Was bisher geschah – SCHMETTERLINGSHERZ (Band 1):

Lukas, der Freund von Mimi, hat sich in ein anderes Mädchen verliebt. Die von Liebeskummer geplagte Mimi versucht sich abzulenken, indem sie bei einer Berliner Modefotografin ein Praktikum macht. Hier trifft sie nicht nur auf schräge Designer und langbeinige Models, sondern auch auf Chris, der in Mimis Bauch ein heftiges Schmetterlingsflattern auslöst. Doch auch das Model Lola will Chris für sich gewinnen...


Meine Meinung:

Den ersten Band der Serie kannte ich nicht. Ich verlange jedoch auch bei Serien, noch später ohne Vorkenntnisse und größere Probleme ins Geschehen einsteigen zu können. Mitunter hätte ich mir bei diesem Buch fast ein Personenverzeichnis gewünscht, es geht aber auch ohne, denn im Verlauf der Handlung lernt man die handelnden Personen ja noch genauer kennen. So erfährt man durch kurze Rückblenden wichtige Details aus dem Vorgängerbuch. Somit kann man problemlos auch SCHMETTERLINGSKUSS lesen, ohne SCHMETTERLINGSHERZ zu kennen – wobei es natürlich immer schöner ist, die Liebesgeschichte von Anfang an mitzuverfolgen - vom ersten Kennenlernen an.

Mimi, die mit ihrer Mutter Linda in der badischen Kleinstadt Rust lebt, spielt in diesem Roman die Hauptrolle. Rust liegt in der Nähe von Freiburg, und ist wohl vielen ein Begriff durch den Europa-Park, dem größten Freizeitpark Deutschlands und zugleich dem zweitgrößten Freizeitpark Europas. Die Eltern von Mimi sind geschieden, verstehen sich aber dennoch hervorragend. Erzählt wird die Handlung aus Mimis Sicht, so dass man stets auch an ihren Gefühlen und ihren Wünschen teilhaben kann.

Chris, der in Berlin lebt, wohnt bei seinem Vater Pit, einem Lehrer. Mutter Tine ist zugleich eine enge Freundin von Mimis Mutter. Chris fotografiert gerne, was er wohl von seiner Mutter, die ein Fotostudio hat, geerbt hat. Auf mich wirkt Chris für sein Alter sehr reif und vernünftig, ist aber auch gerne mal ausgelassen, wenn er mit seinen Freunden zusammen ist. Dass Mimi sich in den netten Chris verliebt hat, ist für mich vollkommen nachvollziehbar.

Chris und Mimi mag ich beide sehr gerne, meiner Meinung nach passen sie, sowohl vom Charakter als auch von ihren Interessen her, sehr gut zusammen. Doch an Vertrauen ineinander mangelt es sowohl Chris als auch Mimi. Kein Wunder, betrachtet man die Vorgeschichte. Hier wurde Mimi von ihrem Ex Lukas betrogen, während Chris ja in Lola eine glühende Verehrerin fand. Und die seltenen Besuche, bedingt durch die große Entfernung, stellen ein zusätzliches Problem dar, da die beiden nur wenig Zeit im Jahr haben, um sich „persönlich“ kennenzulernen. So beschränkt sich leider ein Großteil des Kontakts auf Skype, SMS und Mail. Übrigens: Ein Foto, das Chris in diesem Band seiner Freundin Mimi schenkt, passt sehr gut zum Cover, finde ich - einerseits ein "echt" wirkendes Foto, mit verfremdeten Elementen, die wie gemalt wirken.

KDW ist ein schwuler, liebenswert durchgeknallter Make-up-Artist, dessen Freund Michael Krankenpfleger ist. Hinter dem witzigen Kürzel KDW (man denkt ja dabei zuerst einmal an das „Kaufhaus des Westens“) vermutete ich ja einen furchtbaren Namen. Ich jedenfalls mochte den schrillen und extravaganten KDW sehr gerne, der im Buch das Klischee eines schwulen Künstlers ja voll und ganz erfüllt. Da bildet der eher bodenständige Lebensgefährte Michael ja einen ruhigen Gegenpol zu KDW.

Zum Freundeskreis von Chris zählen Simon und Lola, ein Zwillingspärchen. Lola war im ersten Band sehr eifersüchtig auf Mimi und es gab da wohl richtigen Zickenkrieg - mit Bowle über den Klamotten und weiteren fiesen Aktionen. Nun wirkt Lola Mimi gegenüber geradezu „zahm“ und versöhnlich, was wohl daran liegt, dass sie neuerdings einen Freund namens Terrence hat. Wobei ich Terrence leider nicht so recht über den Weg traute.

Simon wirkt natürlich sympathischer, er ist ja auch der beste Freund von Chris. Eifersüchtig auf Lola ist Mimi dennoch, denn diese weiß fast zuviel über Chris - zumindest mehr als Mimi selbst. Da kann man schon in seiner Eifersucht auf dumme Gedanken kommen. Ich selbst konnte Lola nicht so recht einschätzen – hat sie den Kampf um Chris wirklich aufgegeben, oder macht sie sich noch Hoffnungen? Schmiedet sie gar Intrigen und will einen Keil zwischen die beiden Verliebten treiben, indem sie so munter über Chris' Vorlieben plaudert, sei es in Sachen Ernährung oder bei seinen Hobbies. Lola hat jetzt zwar einen Freund, aber was ist, wenn Terrence ihr den Laufpass gibt, oder sie Schluss macht? Sicherlich hat sie dann wieder Interesse an Chris – dahingehend waren meine Vermutungen. Die Mutter von Simon und Lola wirkt recht sympathisch, aber die Familie erscheint zu perfekt - wie aus dem Katalog!

Caro und Mirella sind Cousinen und seit ihrem Praktikum in Berlin ist Caro mit Mimi befreundet - es wurde im Buch auch eine gemeinsame Zugfahrt erwähnt, während der die beiden häkelten. Häkeln und stricken scheint ein großes Hobby der Cousinen zu sein, denn es spielt auch jetzt eine große Rolle – sie dürfen ganz offiziell ein Projekt verwirklichen - Urban-Knitting, ein Trend (dem ich selbst bei uns auf dem Land schon begegnet bin), bei dem allerlei Dinge „umstrickt“ werden. Die Freundinnen treffen sich gerne im Café BilderBuch, das es übrigens wirklich gibt. Dieser Treffpunkt wirkt sehr gemütlich - mit Bücherecke, kleiner Bühne, Sitzecken,... .Caro lebt übrigens mit ihrer Mutter auf einem Hostel-Hausboot - wie schön. Die Mutter von Caro wirkt sehr sympathisch.

Nina ist die beste Freundin von Mimi. Eine wahre Freundin, die ihr zuhört und mit ihr leidet, wenn es Mimi einmal nicht so gut geht. Mir gefiel die etwas flippige Nina jedenfalls sehr gut, mit ihrer motivierenden und witzigen Art.

Dann gibt es noch Lukas, den Ex von Mimi, der sich noch Hoffnung macht, wieder mit ihr zusammenzukommen. Auch wenn er die Schuld daran trägt, dass die Beziehung zwischen ihm und Mimi scheiterte, und er bereut, was er mit seinem Fremdgehen angerichtet hat, so will er doch alles daran setzen, Mimi zurückzugewinnen. Und man kann sich bereits zu Beginn des Buches denken, dass Lukas noch für unangenehme Situationen sorgen wird.

Das erste Buch SCHMETTERLINGSHERZ kenne ich nicht, aber das war kein Problem, zumal es ja immer wieder Rückblicke auf den ersten Band gibt. Lediglich einige Infos fehlten mir, so die Angaben zum Alter der Protagonisten. Aber das Alter lässt sich anhand der Angaben recht gut einschätzen. In SCHMETTERLINGSHERZ ist Mimi fünfzehn und Chris siebzehn Jahre alt, die Fortsetzung spielt ein knappes halbes Jahr später.

Die Handlung an sich gefiel mir sehr gut. Gleich mehrere Wochen verbringen Chris und Mimi nun in Berlin miteinander. Zeit, sich besser kennenzulernen. Doch leider auch Zeit, um festzustellen, wie wenig man sich bislang kennt. Aber die gemeinsame Weihnachtszeit im Kreise von Freunden und Verwandten wurde sehr stimmungsvoll geschildert – ob KDW mit seinem außergewöhnlichen Weihnachtsbaumschmuck, die gemeinsamen Vorbereitungen fürs Fest, oder Unternehmungen mit Freunden. Doch immer wieder kommen bei Mimi und Chris zwischenzeitlich Gedanken auf, ob die junge Liebe eine Beziehung auf Distanz dauerhaft überstehen kann. Und leider bleibt auch hier der Liebeskummer nicht aus. Doch zum Glück hat man für diesen Fall ja gute Freunde, die versuchen zu trösten.

Für ältere Leser mag die Handlung vorhersehbar sein (so auch für mich), aber schließlich ist die eigentliche Zielgruppe doch eher im Teenageralter anzusiedeln. Und dass sich auch die Protagonisten nicht immer erwachsen verhalten, liegt natürlich auch an deren Alter – im Laufe des Lebens macht man ja so manche Entwicklung durch.

Wie es bei den Büchern von PINK oft der Fall ist, wachsen die Protagonisten teilweise nicht in einer Familie auf, sondern bei nur einem Elternteil, was leider heutzutage häufiger der Fall ist. Hier hat mir gefallen, dass die Eltern sich trotz Scheidung hervorragend verstehen. Und statt nur romantischem Liebesgesäusel zwischen den beiden Verliebten gibt es auch mal Misstöne, aber auch Versöhnungen – beide, Chris und Mimi müssen lernen, in ihrem Leben Konflikte zu lösen. Und wenn man sich in eine Eifersucht hineinsteigert handelt man leider nicht immer vernünftig – da geht es Erwachsenen oft nicht anders.

Mir gefiel der flotte, flüssige und lockere Schreibstil sehr gut, er passt sich sprachlich den Jugendlichen an, und auch die Handlung wirkt sehr authentisch. Die Jugendlichen wirken zwar bereits relativ erwachsen für ihr Alter, sehr selbständig, wenn ich Chris und Mimi mit gleichaltrigen Personen vergleiche, aber dennoch merkt man hin und wieder, dass sie noch nicht so recht im Erwachsenenalter angekommen sind. Und das ist auch gut so – wer will schon perfekte Protagonisten, die immer alles richtig machen.

Ich mag das Lokalkolorit sehr gerne - denn das gehört einfach in ein Buch, wenn der Handlungsort eine große Rolle spielt. Schade, dass hier der Berliner Dialekt hier nicht zum Einsatz kam, denn das „berlinern"gehört eigentlich dazu, wenn die Hauptstadt als Haupthandlungsort dient. Ansonsten führte mich Autorin Mascha Matysiak, die mit ihrem Mann in Berlin lebt, wunderbar von einer Sehenswürdigkeit zur anderen – da durfte das Brandenburger Tor nicht fehlen (samt Weihnachtsbäumchen zwischen der Quadriga), ebensowenig wie der Fernsehturm, das Sony Center, der Bahnhof Zoo oder die Oberbaumbrücke über die Spree, die früher Ost und West trennte und über die früher zu DDR-Zeiten freigekaufte politische Gefangene ausreisen durften.

Doch eines habe ich mich am Ende des Buches gefragt: Weshalb um Himmels Willen gibt es im Anschluss an die Handlung eine leere Seite??? Hier müsste sich meiner Meinung nach eine Buchvorstellung (Cover und Klappentext) für SCHMETTERLINGSHERZ befinden - verschenkter Info- und Werbeplatz. Man erfährt nur über einige Ecken, dass es überhaupt einen ersten Band gibt (im Autorenporträt, der Verlagsbroschüre oder im Internet). Die Buchrückseite etwas anders angeordnet, hätte Platz für die Abbildung des SCHMETTERLINGSHERZ-Covers geboten. Oder wenigstens eine kleiner Hinweis auf das Buch, wie "SCHMETTERLINGSKUSS, die Fortsetzung von SCHMETTERLINGSHERZ" - oder eben so ähnlich.

Wird es wohl einen dritten Teil dieser Buchserie geben? Ich vermute mal, dass es keine weitere Fortsetzung geben wird. Aber man soll ja niemals nie sagen, vielleicht fällt der Autorin ja eine passende Fortsetzung ein? Aber ich würde mich freuen, wenn ich Chris, Mimi, Nina, KDW und den anderen, die ich in diesem Buch kennenlernen durfte, wiederbegegnen dürfte.


Fazit:

Wie es bei den anderen Büchern bereits der Fall war, so konnte mich auch dieses Buch wieder überzeugen durch seinen frischen, lebendigen Schreibstil, seine Protagonisten und die Handlung. Leider besteht die Welt nicht nur aus Leseratten und Bücherwürmern, so dass sich dieses Buch mit seinen schlanken 190 Seiten auch für weniger lesebegeisterten Mädels anbietet. Auch wenn das Buch von einem verliebten Mädchen handelt, so ist es dennoch nicht kitschig, sondern zeigt auch die unangenehmen Seiten der Liebe auf – Eifersucht, Missverständnisse und Streit. Ich mag die Bücher des Verlags sehr gerne, und habe sie daher auch schon mehrfach verschenkt. Von mir erhält auch dieses Buch eine Leseempfehlung, sowie 5 Sterne.

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thailand, urlaub, familie, saarland, reihe

Urlaub! Wir sind dann mal fort

Dany R. Wood
E-Buch Text: 240 Seiten
Erschienen bei Arturo Verlag, 30.06.2015
ISBN B010QGIL80
Genre: Sonstiges

Rezension:

Familie Backes ist zurück. Nachdem ich vor einiger Zeit das erste Buch ACHTUNG FAMILIENFEIER mit der saarländischen Familie gelesen hatte, durfte ich nun mit nach Thailand reisen.


Das Cover:

Diesmal ist das Buchcover eher schlicht gehalten – ein glänzendes Buch mit einem sehr kräftigen Orange als Hintergrund, der Buchtitel in einem schlichten Weiß, als Motiv lediglich ein Paar einfarbige, blaue Flip-Flops. Für meinen Geschmack hätte das Cover durchaus detailreicher sein dürfen, indem die Schuhe im Sand oder auf einer Wiese liegen. Aber nachdem ich nun weiß, dass die Flip-Flops eine wichtige Rolle in diesem Roman spielen, finde ich das Motiv doch sehr passend gewählt.


Die Handlung:

We are family! - Die 81jährige Käthe Bohneberger hat nach ihrem Umzug nach Berlin im vergangenen Jahr, das dringende Bedürfnis, das dadurch etwas getrübte Verhältnis zu ihrer Tochter Inge wieder zu verbessern. Und so lädt sie kurzerhand Tochter und Schwiegersohn, aber auch die Enkelin Eva mit Freund Sandro zu einem Urlaub auf einer thailändischen Insel in der Andamanensee ein. Bei dieser Gelegenheit sollen die Verwandten Käthes Freund Klaus kennenlernen, denn schließlich wollen die beiden sich noch im Urlaub verloben.

Doch während Inge und Jupp sich in Thailand die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, ereignet sich in Hirschweiler ein Mord – zumindest vermutet Dorfpolizist Jupp das. Und so würde er am liebsten sofort wieder nach Hause fliegen, um den Fall zu lösen...


Meine Meinung:

Der Roman URLAUB! WIR SIND DANN MAL FORT ist die Fortsetzung von ACHTUNG FAMILIENFEIER. Hier durfte man mit Familie Backes den 80. Geburtstag von Oma Käthe feiern. Und natürlich läuft auch schon damals nicht alles nach Plan.

So ist es auch diesmal der Fall - schon auf den ersten Seiten nerven Jupp und Inge mit ihrer Nörgelei und ihrer Einfältigkeit. Jupp wäre am liebsten schon wieder daheim, obwohl er sich mit Inge noch im Flieger auf der Hinreise befindet. Fremdschämen ist angesagt, und so ist man froh, Inge und Jupp nicht persönlich zu kennen. Die Ähnlichkeit mit Heinz und Hilde Becker aus der bekannten Fernsehserie ist unverkennbar, was aber keinesfalls negativ zu verstehen ist.

Jupp Backes ist Polizist - „der grüne Hirsch“ von Hirschweiler, seinem Heimatort. Doch leider ist er auch sehr konservativ und engstirnig. Der Thailandurlaub entspricht so gar nicht seinen Urlaubswünschen, denn zu seinem großen Glück braucht man(n) seiner Meinung nach nur drei Dinge: Die Bild-Zeitung, Bier und Sky, um Fußball zu schauen. Und für Jupp gilt: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht! Am Liebsten würde er auch im Urlaub deutsche Hausmannskost zu sich nehmen. Für Jupp stellt die Reise nach Fernost geradezu die Höchststrafe dar – er freut sich über den von der Oma gesponserten Urlaub so sehr wie über Zahnschmerzen. Schon auf dem Hinflug wünscht er sich, dass alles schnell vorübergeht und er bald wieder nach Hause kommt. Aber dann merkt Jupp, dass die Einheimischen wohl nur auf ihn, den geübten Heimwerker gewartet haben – und so will Jupp ihnen zeigen, was deutsche Wertarbeit ist – sehr zum Leidwesen von Inge, die eigentlich nur den Urlaub in vollen Zügen genießen will.

Inge Backes (geborene Bohneberger, Künstlername: Inge Bean-Mountain) ist naiv und etwas einfältig, trägt ihr Herz auf der Zunge und bringt damit gerne auch mal ihr Umfeld in Verlegenheit. Eines hat Inge mit ihrem Jupp gemeinsam – beide benehmen sich recht peinlich, unangenehm auffallen, dafür haben sie großes Talent. Aber vielleicht gerade deshalb sind die beiden auch so unterhaltsam. Im Gegensatz zu ihrem Jupp freut sich Inge darauf, ihren (zugegebenermaßen sehr eingeschränkten) Horizont zu erweitern. Ihre Geschwister dagegen hatten sich erfolgreich vor der Familienreise gedrückt. So viel Familien“idylle“ ist mitunter zu viel für Inge, aber so ein alkoholisches Getränk trübt auf wohltuende Art und Weise auch mal die Sinne.

Eva Backes lebt zwar in Berlin, ist aber dennoch nicht besonders „weltoffen“, sondern geradezu verklemmt. Für ihre Eltern ist und bleibt sie immer noch das Mädchen, das man bevormundet. Und so wagt sich Eva in Gegenwart ihrer Eltern nicht mal an ihren Liebsten heran – Sex mit Sandro, während die Eltern in der Hütte nebenan nächtigen, für Eva ist das undenkbar. Mit über dreißig Jahren wirkt Eva geradezu erschreckend prüde und verklemmt.

Sandro ist Berliner und zugleich höchst erfolgloser Schauspieler, der ständig pleite ist. Den Urlaub mit der Familie seiner Freundin zu verbringen versetzt ihn nicht gerade in einen Freudentaumel, doch das wagt er seiner Liebsten nicht zu sagen. Leider wirkte auch Sandro etwas oberflächlich und daher nicht besonders sympathisch, sondern eher wie ein Loser, der sich nur zu gerne ins gemachte Nest setzen würde. Doch würde Sandro sich auch Familie Backes eonlassen, wenn er Eva nicht lieben würde? Wohl kaum, oder?

Käthe Bohneberger ist zwar bereits 81 Jahre alt, aber vermittelt mit Abstand die größte Lebensfreude, ist tolerant und lässt, wie man so schön sagt, die Sau raus. Oma lebt nach dem Motto, dass man so alt ist wie man sich fühlt, und Oma fühlt sich noch lange nicht wie eine über Achtzigjährige. Und so benimmt Käthe sich mitunter wie ein frischverliebter Teenager. Für mich war die junggebliebene Käthe auch diesmal wieder die Königin der Herzen – frisch, frei und ungezwungen!

Klaus ist der Freund von Käthe – der „jugendliche“ Liebhaber, der erst 68 Jahre auf dem nicht vorhandenen Buckel hat. Vom Aussehen her erinnert Klaus an Atze Schröder: Miniplilocken und Brille mit blaugetönten Gläsern. Aber auf alle Fälle hat Klaus viel Spaß mit seiner Käthe. Dennoch wird man den Verdacht nicht los, dass Klaus so seine Geheimnisse hat. Als Leser fragt man sich allerdings immer wieder, ob es ihm mit der Beziehung zu Oma Käthe auch wirklich ernst ist.

Franken-Barbie wirkt nicht sonderlich intelligent, was sich in der ein oder anderen Situation auch bemerkbar macht. Doch dann erfährt man als Leser, dass sie Lehrerin ist – naja, Lehrer sind auch nur Menschen, und deshalb noch lange nicht so klug, wie sie es von sich selbst oft vermuten. Aber immerhin war Barbie sehr unterhaltsam – und das alleine zählt letztendlich.

Eine meiner absoluten Lieblingsszenen war die, als Inge in der Apotheke Medikamente besorgen wollte. Mangels Fremdsprachenkenntnissen (Saarlandenglisch ist etwas schwer zu verstehen) griff sie auf die Pantomime zurück, was mir beim Lesen die Lachtränen in die Augen trieb. Diese Szene hat Autor Dany R. Wood übrigens hautnah miterlebt, als er selbst auf Reisen war.

Lokalkolorit gab es diesmal – von der saarländischen Provinz reist man an die Andamensee in Thailand, wo es natürlich die landestypischen Speisen gibt, Motorroller ein gängiges Verkehrsmittel sind und die Urlauber in Bambushütten leben. Ich fordere ja immer in regional angehauchten Büchern: Mehr Mut zum Dialekt, und siehe da, mein Wunsch wurde erfüllt – zumindest teilweise. Endlich wird der Leser auch mit dem saarländischen Dialekt konfrontiert, auch wenn dieser leider eher nur in einzelnen Worten zutage tritt - da hätte ich mir die ein oder andere Textpassage komplett in saarländisch gewünscht. Damit es keine Verständigungsprobleme gibt, wurden die Übersetzungen der einzelnen Worte in Klammern gesetzt hinzugefügt.

Zusätzlich befindet sich am Ende des Buches ein Anhang, in dem man auch „Das große Saar-ABC“ mit den im Buch vorkommenden Begriffen findet, was ich sehr begrüßt habe. So kann man den ein oder anderen Begriff auch zu einem späteren Zeitpunkt nochmal nachschlagen, ohne das Buch mühsam danach durchforsten zu müssen.

Schade fand ich hingegen, dass die Franken-Barbie ohne Dialekt auskommen musste, wo doch extra die Region aus der sie kommt im Namen präsent ist, da hätte ich das schon erwartet. Und erst durch Dialekt wirkt ein Buch so richtig authentisch und lebensnah.

Gefallen hat mir die Handlung sehr gut, trotz einiger Dinge, die mitunter etwas zu häufig erwähnt wurden, wie Oma Käthes Alter oder Sandros Geldknappheit. Klar wird vieles überspitzt dargestellt, aber davon leben nun mal humorvolle Bücher, so dass ich die Übertreibungen auch vollkommen in Ordnung finde. Wer im Fernsehen die FAMILIE HEINZ BECKER toll fand, der wird seine helle Freude an diesem Buch haben.

Unterteilt ist das Buch in 17 Kapitel, verteilt auf fast 300 Seiten Handlung. Somit haben die Kapitel eine angenehme Länge. Ich freue mich natürlich immer, wenn die Kapitel mit witzigen Überschriften versehen werden, aber hier wurde durchnummeriert, was auch vollkommen in Ordnung ist.

Auch wenn man das Vorgängerbuch nicht kennt, lernt man anhand kurzer Rückblicke den Rest von Käthes Familienclan kennen: Christl, genannt „das Biest“, die „Wüstenprinzessin“ Patricia, Karl, sowie Evas dauerüberforderte Schwester Monika. Und es wird auch kurz erwähnt, wie Sandro an die Familie Backes geriet, und weshalb die Chemie zwischen ihm und Jupp nicht so ganz stimmt.

Außerdem gibt es am Ende des Buches eine umfangreiche Leseprobe zum Vorgängerbuch ACHTUNG FAMILIENFEIER, sowie eine kurze Leseprobe zu Dany R. Woods anderer Serie rund um seine Protagonistin Tina.

Das Ende des Buches lässt die Möglichkeit für eine Fortsetzung offen. Ich jedenfalls würde mich darüber freuen, ohne jetzt hier zuviel verraten zu wollen – aber ich hoffe doch, dass einige Protagonisten die Chance erhalten, sich in einem dritten Band positiv hervorzuheben.


Fazit:

Peinliche Anti-Helden, die zwar nicht mein Herz eroberten, aber mich dennoch zum Lachen brachten, auch wenn eher Fremdschämen angebracht gewesen wäre. Langweilig wird es mit Familie Backes – Bohneberger jedenfalls nicht. Wieder einmal hat Dany R. Wood mich mit seinem neuesten Roman sehr gut unterhalten können – diesmal sogar mit einem saarländischen Einschlag. Doch leider fehlt wieder der gewisse Kick, so dass ich das Buch zwar gerne weiterempfehle, aber dennoch nur 4 Sterne vergeben kann. Nichtsdestotrotz freue ich mich schon auf neue Abenteuer mit Familie Backes, denn das Ende schreit eindeutig nach einer Fortsetzung.


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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

new york, liebe, heyne, liebe zum nachtisch, victoria seifried

Liebe zum Nachtisch

Victoria Seifried
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.08.2015
ISBN 9783453418226
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ich bin (leider) eine Naschkatze – und eine Leseratte. Einem so „appetitlich angerichteten“ Roman wie LIEBE ZUM NACHTISCH kann ich daher nur schwer widerstehen – und eigentlich will ich das auch gar nicht. Eine locker-leicht-sahnige Handlung versprach schon alleine die Buchbeschreibung.


Das Cover:

Wieder einmal war es hier Liebe auf den ersten Blick – das Buchcover ist einfach zum Vernaschen süß – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zwar sieht mir das Dessert auf den ersten Blick nicht nach einem typisch American Cheesecake aus, aber dafür sehr fruchtig und sehr sahnig – fast scheint man eine Erdbeersahne-Creme auf der Zunge zu schmecken. Und im Verlauf der Handlung erfährt man dann, dass Protagonistin Helena Strawberry-Cheesecake über alles liebt. Passend zum Titel präsentiert sich dieser Nachtisch in Herzform und wunderschön garniert. Man kann sich glatt verlieben...

Das Cover des Taschenbuchs ist matt gehalten, und die Farbe Rosa dominiert eindeutig – passend zur Zielgruppe, aber auch zum Motiv. Der herzförmige Kuchen liegt auf einem schlichten weißen Teller, der auf einem (was für eine Überraschung) rosafarbenen Tischtuch steht. Rund um den Kuchen herum liegt weißes Konfetti (auch wenn dieses etwas an Süßstofftabletten erinnert), sowie einige Erdbeeren. Der Buchtitel befindet sich in hübscher verschnörkelter Schrift in Rot auf dem Cheesecake, ebenso wie eine einzelne Erdbeere. Besonders hübsch finde ich, dass sowohl Buchtitel, als auch die Erdbeeren, glänzend gestaltet und dadurch optisch hervorgehoben wurden.


Die Handlung:

Die Berlinerin Helena ist frustriert – sobald die Zwillingsschwester ihres Freundes Rainer auf der Bildfläche erscheint, ist Helena für ihn nur noch Luft. Doch zum Glück gibt es noch einen Mann in ihrem Leben und diesem vertraut sie hundertprozentig. Ihre Schildkröte Pirmin ist ihr engster Vertrauter, ihr Seelentröster in allen Lebenslagen und ihr Orakel, das sie in allen wichtigen und unwichtigen Dingen um Rat fragt.

Doch dann lernt Helena eines Abends den Halbamerikaner Jeffrey kennen, der sich als ihr absoluter Traummann entpuppt. Die beiden verbringen eine aufregende Nacht miteinander und für Helena steht fest, dass sie sich von Rainer trennen muss, um endlich ein neues Leben zu beginnen.

Jeff jedoch muss bereits am nächsten Morgen nach New York fliegen. Durch unglückliche Umstände wird Helenas Handy mit der darauf gespeicherten Telefonnummer zerstört, so dass sie den Kontakt zu Jeff verliert. Doch Helena will ihren Traummann unbedingt wiedersehen. Und so fliegt Reisemuffel Helena kurzerhand in die USA, um Jeff dort wiederzufinden. Doch leider kennt sie lediglich Jeffs Vornamen. Wird Helena Jeff in der Metropole New York aufspüren können, und wird aus den beiden ein Paar werden?...


Meine Meinung:

Schon alleine die Buchbeschreibung vermittelte mir das passende Bild der Protagonistin Helena. Ganz schön blauäugig erschien mir die junge Frau, die nur deshalb noch mit ihrem Freund Rainer zusammen war, um nicht alleine zu sein. Und so war ich gespannt, wie sich die Liebesgeschichte zwischen Jeff und Helena entwickeln würde, denn manchmal trügt der Schein, aber manchmal führt das Schicksal auch zwei Menschen zusammen, die füreinander bestimmt sind. Doch nun möchte ich die Protagonisten kurz vorstellen:

Helena Carras, aus deren Sicht erzählt wird, ist chaotisch und planlos, so dass die 26jährige Helena erst handelt bevor sie überhaupt nachdenkt – und das wird ihr immer wieder zum Verhängnis und lässt sie zudem sehr naiv wirken. Wohin ihr Lebensweg sie führen soll, das weiß Helena auch noch nicht so recht – und so studiert sie ihrem Vater zuliebe erst einmal Zahnmedizin, dies aber leider sehr erfolglos. Glücklicherweise steckte das Skalpell nicht im Kiefer eines lebenden Patienten...

Ein verrücktes Huhn ist Helena schon, beispielsweise dann, wenn sie zum Lied „Cotton Eye Joe“ den Ententanz aufs Parkett legt. Aber manchmal sollte Helena doch etwas mehr Wert auf ihr Handeln legen, denn so ein Kleiderschrank kann leicht aus dem Gleichgewicht geraten, wenn er nicht an der Wand befestigt ist, und um wichtige Papiere sollte man sich rechtzeitig kümmern.

Zum Glück hat Helena da noch ihre resolute Oma Hedda, die aufgrund ihrer reichlich vorhandenen Lebenserfahrung, ihrer Enkelin hin und wieder den verdrehten Kopf zurechtrückt. Und als liebende Oma greift Hedda ihrer Enkelin auch mithilfe einer Finanzspritze unter die Arme. Um ihre (vermeintlich) große Liebe (die sie bislang eher flüchtig kennt) wiederzusehen, rafft sich Nesthocker und Reisemuffel Helena auf, überwindet ihre Ängste und macht sich auf die Suche nach Jeff.

Helenas Freund Rainer fand ich einfach nur furchtbar und unsympathisch. Kein Wunder, dass Helena nach zwei (mehr oder weniger) gemeinsamen Jahren das Handtuch warf. Rainer und seine Zwillingsschwester mutieren regelrecht zu siamesischen Zwillingen, wenn sie sich treffen – da passt kein Blatt Papier zwischen die beiden, und erst recht keine Helena! Doch für Erledigungen ist Helena gerade gut genug. Aber etwas wirklich Weltbewegendes ist die Beziehung zwischen Rainer und Helena nicht (und war es vermutlich auch nie). Und so ist die langjährige Beziehung ebenso spannend wie der Kauf von Staubsaugerbeuteln, und nicht mal einen Bruchteil davon so prickelnd wie eingeschlafene Füße.

Schildkröte Pirmin ist Helenas über alles geliebtes Haustier – er ist Orakel, Lebensberater und als überaus geduldiger Zuhörer auch Helenas „Kummerkastenonkel“. Mit ihm geht sie durch dick und dünn – klar, dass Pirmin sogar mit nach Amerika fliegen darf, wo er für so manches Abenteuer sorgt, und auch viel erlebt. Doch statt ihr Leben selbst komplett in die Hand zu nehmen, verlässt sich Helena immer auf das Urteil ihres Orakels Pirmin. Es lastet also eine große Verantwortung auf dem Panzer des kleinen Schildkröterichs.

Jeffrey ist Helenas absoluter Traummann – zumindest sieht diese das auf Anhieb so, als sie ihn kennenlernt, denn offenbar mögen beide die gleichen Dinge. Und schnell stellt Helena fest, dass es sich nicht lohnt um Rainers Liebe zu kämpfen. Da kann man nur hoffen, dass Jeffrey das hält, was der Blick durch ihre rosarote Brille Helena verspricht.

Helenas beste Freundin Friederike teilt mit ihr Freud und Leid. Gerne wird auch mal der Kummer in Alkohol ertränkt, man lästert gemeinsam über die Männerwelt und mitunter setzt man sich auch schon mal gegenseitig Flausen in die hübschen Köpfchen. Aber auch Friederikes heile Beziehungswelt gerät ins Schwanken. Aber glücklicherweise sind beste Freundinnen immer füreinander da.

Im Big Apple lernt Helena natürlich auch neue Leute kennen, die schon bald zu Freunden werden. Da ist beispielsweise Radiomoderatorin Rachel. Sie würde ja nur zu gerne Helenas Glück auf die Sprünge helfen. Und dann wäre da noch DJ und Tierschützer Daniel. Der Deutsche ist ein Kerl zum Pferdestehlen, oder eben zum... – …, aber nein, das verrate ich besser nicht!

Schön fand ich, dass die Autorin sich die Mühe machte und jedem Kapitel zusätzlich zur Kapitelnummer auch noch eine passende Überschrift verpasste. Zudem wird jedes Kapitel mit einem kursiv gedruckten Satz, oder auch nur einem Wort, eingeleitet. 40 Kapitel + Prolog und Epilog sind auf etwa 395 Seiten Handlung verteilt, was bedeutet, dass die Kapitel eine angenehme Länge haben. Eben mal zwischendurch ein oder mehrere Kapitel lesen ist also durchaus möglich. Und das Ende eines jeden Kapitels ist mit einer süßen, kleinen Erdbeere garniert – ein kleiner optischer Leckerbissen.

Lokalkolorit ist im Buch reichlich vorhanden – ob beim Schauplatz Berlin, wo die Szenekneipe „Klo“ eine entscheidende Rolle spielt, oder beim Handlungsort New York, wo man beispielsweise mit Helena durch den Central Park spaziert und den Zoo besucht, oder in Chinatown auf einen mysteriösen alten Chinesen trifft. Und dann ist da noch „Miss Liberty“, die Freiheitsstatue, die sich nur allzu gut für einen Streich eignen würde. Ich persönlich finde ja den Central Park toll – eine Grünfläche gigantischen Ausmaßes, die nicht nur viel Natur bietet, sondern auch allerlei tolle Dinge bietet, angefangen von Bauwerken, über Seen, bis hin zum Vergnügungspark und Zoologischen Gärten. Dieser Park („die grüne Lunge New Yorks“ genannt) und rundherum die gigantische Skyline von New York – ein atemberaubender Anblick!

Ich liebe es, wenn den Leser auf der Innenseite der Buchdeckel ein kleines Extra erwartet. Hier findet man auf der vorderen Innenseite schön in Szene gesetzt „Helenas Songliste“, also die Auflistung der Lieder, welche in diesem Buch eine Rolle spielen. Auf der hinteren Innenseite befindet sich hübsch gestaltet „Oma Heddas Käsekuchen-Rezept“ - also die deutsche Variante des Cheesecake.

Dieses Rezept habe ich auch schon nachgebacken, allerdings leicht verändert, indem ich Sultaninen und Apfelstücke, sowie ein Päckchen Vanillepudding hinzugegeben habe, aber die Zuckermenge um 125 g verringert habe, zudem hatte ich die Eier getrennt und Eischnee geschlagen, der zum Schluss untergehoben wurde. Heraus kam (allerdings nach kürzerer Backzeit von ca. 45 Minuten) ein leckerer Sonntagskuchen, der allen geschmeckt hat. Insofern folgte dem leicht-lockeren literarischen Genuss als gelungener Abschluss die kulinarische Abrundung.

Ich hoffe natürlich, dass der LIEBE ZUM NACHTISCH noch weitere Bücher der Autorin folgen werden. Und wer weiß – vielleicht begegnen wir ja der chaotischen Helena irgendwann erneut?!


Fazit:

Ja, ich gestehe, dass ich gerne Chick-Lit-Romane lese – schließlich ist das Leben ja schon ernst genug. Autorin Victoria Seifried hat mit LIEBE ZUM NACHTISCH einen wunderbar kurzweiligen Frauenroman geschrieben, der jung, frech und beschwingt wirkt. Wer kennt sie nicht die Piepsstimme der Komikerin Martina Hill, wenn diese Heidi Klum parodiert. Und sicherlich gibt es außer Helena auch noch andere Frauen, die meinen, sie würden mit einer „Pupshose“ peinlich auffallen. Es sind Geschichten die das Leben schrieb, die hier zum Einsatz kamen. Aber Vorsicht – die erwähnten Lieder im Roman können unangenehme Folgen haben – Ohrwurmgefahr! Und so kann es geschehen, dass man gutgelaunt durch die Gegend läuft und vor sich hinsingt: „Warum bin ich so fröhlich...“.

Bislang machte sich Victoria Seifried als Poetry-Slammerin und Stand-up-Comedian einen Namen, hat auch schon einige Preise auf diesen Gebieten gewonnen. Nun legte sie mit LIEBE ZUM NACHTISCH ein, meiner Meinung nach, gelungenes Debüt hin. Allen Leserinnen (oder auch Lesern) die auf eine etwas übertriebene Handlung, „verrückte“ Charaktere und viel Witz stehen, möchte ich dieses Buch ans Herz legen und vergebe hierfür 5 Sterne.

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

heilkräfte, sizilien, albrecht von meißen, sumpffieber, könig löwenherz

Das Erbe der Äbtissin

Johanna Marie Jakob
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.07.2015
ISBN 9783426515860
Genre: Historische Romane

Rezension:

Gespannt wartete ich auf die Fortsetzung des historischen Romans DAS GEHEIMNIS DER ÄBTISSIN, in der ich ein ungleiches Paar kennenlernen durfte, das doch so viele Gemeinsamkeiten hatte. Jetzt endlich erschien der neue Roman von Johanna Marie Jakob – DAS ERBE DER ÄBTISSIN, die Fortsetzung einer spannenden Liebes- und Abenteuergeschichte. Inzwischen sind viele Jahre ins Land gegangen, doch alte Liebe rostet nicht, so sagt man...


Das Cover:

Dieses Buchcover besitzt auf jeden Fall Wiedererkennungswert – die altertümliche Schrift, die Frau auf dem Cover – all dies erinnert an den ersten Band. Das Cover ist matt gestaltet, der Hintergrund ist in einem hübschen Rot marmoriert. Rechts sieht man eine blonde Frau abgebildet, die ein zusammengerolltes Schriftstück in der Hand hält, das mit einem roten Band zusammengehalten wird. Die Frau ist nur teilweise zu sehen, so dass man sich sein eigenes Bild von der Person machen kann. Das blaue, mit wertvollen Bordüren verzierte Kleid wirkt edel, um den Hals trägt sie eine Kette und die blonden Haare trägt die Frau offen.


Die Handlung:

Man schreibt das Jahr 1191. Die Äbtissin Judith hat das Kloster, in dem sie lebte, im Stich gelassen. Gemeinsam mit dem maurischen Arzt Silas, ihrer großen Liebe, flieht sie über die Alpen nach Italien. Von dort aus wollen die beiden nach Edessa in die Heimat von Silas zurückkehren. In einer Hütte in den Bergen finden sie eine sterbende Frau vor, die ihnen ihre Tochter Luna anvertraut.

Doch die drei müssen sich vor Heinrich, dem Nachfolger des kürzlich verstorbenen Barbarossa, in Acht nehmen, denn Judith brach, indem sie das Kloster unerlaubt im Stich ließ, ein Versprechen, welches sie Heinrich gegeben hatte. Die Krönung Heinrichs zum Kaiser steht bevor, und Judith und Silas hoffen, in den Menschenmassen, die sich in Rom zusammengefunden haben, untertauchen zu können.

Doch eines Tages werden die drei gefangen genommen. Aber dann erkrankt der Kaiser schwer, und die Chance auf eine Rettung steigt, denn nur Silas, Judith und Luna können ihn heilen. Wird es der kleinen Familie gelingen, ihre Freiheit wieder zu erlangen?...


Meine Meinung:

Schon der Einstieg ins Buch ist sehr gut gelungen – diesmal auf mystische Art und Weise, so dass man beinahe den Eindruck hat, das Buch würde Fantasyelemente enthalten. Und die Andeutungen, die ich bereits aus dem Vorgängerroman kannte, schürte meine Neugier geradezu. Doch nun zu den Protagonisten.

Judith ist die Tochter eines Grafen. Sie interessierte sich bereits als junges Mädchen für die Kräuter- und Heilkunde. Statt eine unliebsame Ehe einzugehen, entschied sie sich für ein Leben im Kloster – damals nicht unüblich für Adlige. So wurde Judith dort sogar Äbtissin, also Klostervorsteherin. Im Kloster fand sie durch ihre Tätigkeit im medizinischen Bereich ihre Erfüllung. Doch dann trifft sie erneut auf den Arzt Silas, der als fahrender Händler unterwegs ist.

Judith fand ich, wie bereits im ersten Band, sehr sympathisch. Sie hat ein freundliches Wesen, ist hilfsbereit. Das ist es wohl auch, das sie mit Silas verbindet – beide wirken seelenverwandt. Aber auch die Familie von Judith möchte ich erwähnen – Judith wuchs behütet auf, in der Geborgenheit der Familie. Dies wurde bereits im Vorgängerroman deutlich dargestellt. Umso mehr schmerzt Judith der Zustand ihrer Brüder, mit denen sie eine schöne Kindheit verbrachte. Man merkt, dass Judith nicht die Person ist, um als „Weib zu schweigen“. Wie gegensätzlich verläuft da das Leben von Silas – alleine und fern der Heimat, vom Stand und Aussehen stets ein Fremder – ein Exot.

Silas war ein junger Maure, als er als Sklave der Leibarzt von Friedrich „Barbarossa“ wurde. Dieser behandelte ihn respektvoll – und gab ihm mit auf den Weg, dass nur der zu einem Sklaven wird, der sich selbst dazu macht. Silas' Wunsch ist es, nach vielen Jahren noch einmal in seinem Leben seine Mutter wiederzusehen, obwohl es fraglich ist, ob sie überhaupt noch lebt. Geschildert wird Silas als sehr attraktiver Mann – trotz seines Alters. Die langen, schwarzen Haare, die er unter einem Turban verborgen trägt, die Anziehungskraft, welche er noch immer auf Judith ausübt, aber auch der gute Charakter – eben ein echter Held.

Luna hat eine helle, sehr empfindliche Haut und geradezu „farbloses“ Haar, dazu rotschimmernde Pupillen. Ein Feenkind, dem man einerseits Heilkräfte andichtet, aber es andererseits auch fürchtet. In Wirklichkeit ist Luna ein Mädchen, das unter Albinismus leidet. Aber über Heilkräfte verfügt das Mädchen dennoch, sie kann sogar durch Handauflegen heilen. So wird Luna sowohl als Heilerin verehrt, allerdings an anderen Orten auch verachtet und verfolgt – Kindern mit Albinismus wurde angedichtet, sie seien verzaubert.

Doch Luna erlangt mit ihren Heilkräften die Gunst von Kaiser Heinrich, sie vertraut ihm, fühlt sich ihm regelrecht freundschaftlich verbunden. Doch dann entdeckt auch sie seine dunklen Seiten, und aufgrund eines traumatischen Ereignisses zerbricht etwas in Luna. Luna machte in diesem Buch eine kolossale Wandlung durch, was allerdings auch an ihrem Alter liegen dürfte. So wurde aus dem unschuldigen Kind ein junges Mädchen, das Dinge erlebte, die nur schwer oder gar nicht zu verkraften sind. Und so lernt Luna Gefühle kennen, die ihr bislang fremd waren, die eher unbekümmerte kindliche Art verschwindet, sie wird gezwungenermaßen früh erwachsen.

Kaiser Heinrich ist jung und impulsiv. Mal ist er geradezu gütig, dann verbreitet er durch seine Erbarmungslosigkeit Angst und Schrecken. Für mich war Heinrich wechselhaft wie das Wetter – unberechenbar, eine tickende Zeitbombe. Ein Angriff auf seine Person konnte schlimme Folgen haben, seine Rache war grausam, sei es eine Hinrichtung oder sogar die Vernichtung einer kompletten Stadt. Doch in Luna scheint Heinrich geradezu vernarrt zu sein: Er vertraut ihr, sie erhält sogar einen Platz in seinen Gemächern. Hier fragte man sich, wie weit Heinrich gehen würde – sieht er in Luna mehr als eine Heilerin, oder will er gar das Lager mit ihr teilen?

Konstanze ist die Frau von Heinrich. Eine Liebesheirat war es nicht, die das Kaiserpaar miteinander verband. Heinrich, gerade erst Mitte zwanzig musste die fast zehn Jahre ältere Adlige ehelichen, die damals als „altes Mädchen“ galt. Konstanzes „Aufgabe“ bestand darin, den Fortbestand der Familie zu sichern, indem sie für einen männlichen Thronfolger „zu sorgen“ hatte. Es gibt zwar gemeinsame Auftritte der Eheleute, ansonsten führt jeder weitestgehend sein eigenes Leben – manchmal sogar räumlich getrennt. So hart es klingt: Konstanze ist letztendlich lediglich das Mittel zum Zweck!

Markward von Annweiler steht in den Diensten von Heinrich. Dieser ist Markwards Schützling und liegt ihm daher auch sehr am Herzen. Den Andeutungen nach, zeigte Markward schon seit sehr langer Zeit Interesse an Judith, was dieser etwas unheimlich ist. Kann sie dem älteren Mann Vertrauen schenken? Auch wenn die beiden sicherlich nie Freunde werden können, so behandelten sie sich gegenseitig stets mit Respekt und achteten einander.

Judith und Silas, das Liebespaar:

Judith kennt Silas bereits seit ihrer Jugend. Damals kam Silas als Friedrichs Leibarzt auf die väterliche Burg Lare. Judith, die sich für Heilkunde interessierte, bewunderte den fremdländischen, dunkelhäutigen Arzt sehr, verliebte sich bereits damals in ihn. Doch eine Liebe wie diese durfte nicht sein, denn sie war keineswegs standesgemäß – Silas war trotz seines Berufes dennoch ein Sklave, Judith hingegen eine Grafentochter. Zu Beginn des Buches ist Judith 47 Jahre alt, Silas bereits weit über 50 Jahre alt. Selbst die lange Trennung konnte der Liebe der beiden nichts anhaben.

Silas – seine Herkunft:

Silas ist Maure. Mauros, aus dem Griechischen hergeleitet, bedeutet soviel wie „dunkel“, was zutreffend ist, bezüglich seines südländischen Aussehens. Annehmen könnte man, dass Mauren aus Mauretanien in Nordwestafrika stammen, doch Silas stammt aus der Grafschaft Edessa, die im 12. Jahrhundert einer der vier ursprünglichen Kreuzfahrerstaaten war und damals ca. 10 000 Einwohner hatte. Edessa liegt im Süden der heutigen Türkei und heißt heute Urfa. Die Stadt hat inzwischen mehr als 500 000 Einwohner.

Silas, der inzwischen mehr als ein halbes Jahrhundert auf der Erde weilt, hat seine Mutter seit Jahrzehnten nicht gesehen, weiß nicht, ob sie überhaupt noch lebt. Doch sollte dies der Fall sein, so will er sie unbedingt noch einmal sehen. Silas war zwar ein Sklave, doch auch ein angesehener Arzt, und Kaiser Friedrich, genannt Barbarossa, respektierte und achtete ihn, und beide Männer verband ein fast schon familiäres Verhältnis – zumindest wirkte es auf mich so, als ich den ersten Roman las. Der Leibarzt des Kaisers war zugleich auch dessen Vertrauter.

Das Sumpffieber:

Viele Tote forderte das heimtückische Sumpffieber, unter dem auch Heinrich immer wieder leidet. Das Klima in den Sumpfgebieten begünstigt eine Erkrankung, und wer es einmal hat, läuft Gefahr, es wieder zu bekommen – vorausgesetzt er überlebt diese Krankheit. Auch heutzutage kennt man diese Krankheit noch immer, allerdings unter dem Namen Malaria.

Untergegangene Städte – Tusculum:

Die Stadt Tusculum war eine Stadt, in der sich die Reichen Roms niedergelassen hatten. Sie lag südlich von Rom. Nach ihrer Vernichtung wurde sie, aus welchem Grund auch immer, nie wieder aufgebaut.

Die Carmina Burana:

Hierbei handelt es sich um eine Sammlung zumeist mittelhochdeutscher Lied- und Dramentexte, welche in 11. bis 13. Jahrhundert von anonymen Dichtern verfasst wurden. Zeitlich passen diese Texte, die eine wunderbare Ergänzung sind, sehr gut in dieses Buch.

Wenn ich einen historischen Roman lese, so möchte ich dabei keinen Geschichtsunterricht erhalten, denn ansonsten könnte ich gleich auf ein Sachbuch zurückgreifen. Aber natürlich kann dabei nicht komplett auf geschichtliche Handlungen verzichtet werden, denn diese sind nötig, um die Zusammenhänge zu verstehen. In diesem Roman wurde hier das richtige Maß gefunden, so dass die anderen Anteile, wie die Spannung und der Liebesroman nicht zu kurz kommen. Die Rückblenden auf das Geschehen aus dem ersten Band sind sehr knapp gehalten, so dass auch nicht die Spannung genommen wird, sollte man dieses Buch im Nachhinein lesen wollen.

Der Handlungszeitraum erstreckt sich auf mehrere Jahre. Zu Beginn des Buches schreibt man das Jahr 1191, der Roman endet im Jahr 1197. Es sind ereignisreiche Jahre, sei es politisch gesehen, aber auch im privaten Bereich. Heinrich wird vom neuen, aber betagten Papst Coelestin III. (er erreichte mit über 90 Jahren für die damalige Zeit ein geradezu biblisches Alter) zum Kaiser gekrönt, das Klima des Südens fordert zahlreiche (Todes-)Opfer und man sehnt die Geburt eines Thronfolgers herbei. Die Zeiten waren alles andere als friedlich und durch Kriege, Kämpfe und Mordanschläge ereilte so manchen Herrscher ein früher Tod, so dass oft bereits Kinder gekrönt wurden – eine Tragödie, wenn kein Nachkomme vorhanden war – so manches Herrschergeschlecht war dem Untergang geweiht. Demnach standen die Frauen der Regierenden unter einem großen Druck – so auch Konstanze, Heinrichs Frau.

Der Aufbau des Buches gefällt mir sehr gut. Zur Einleitung wird eine kurze, aber sehr schöne, mystische Geschichte über Feenkinder erzählt. Was es damit auf sich hat, erfährt man im Laufe der Handlung. Dann folgt (wie auch bei DAS GEHEIMNIS DER ÄBTISSIN) eine Szene, die erst einmal aus dem Zusammenhang gerissen erscheint, die aber für Spekulationen sorgt, weil vieles im Verborgenen bleibt. Doch die Neugier wurde bereits dadurch geweckt.

Unterteilt ist der Roman in“Erstes Buch und „Zweites Buch“. Jedes Kapitel beginnt mit einem Vers aus der Carmina Burana – erst in der Originalfassung, danach als Übersetzung. Es folgt die Überschrift – zuerst der Handlungsort, z.B. Septimerpass, Rom, Palermo,... . Darunter findet man die entsprechende Zeitangabe – meist den Monat und die Jahreszahl, manchmal auch nur die Jahreszeit oder das Jahr. Mitunter sind als zusätzliche Angabe auch besondere Festtage vermerkt, wie beispielsweise Ostern.

Lobend erwähnen möchte ich, dass meine Anregung, im Buch eine Karte abzudrucken, aufgenommen wurde. So findet man in diesem Roman zu Beginn des Buches eine Karte aus der Zeit, in dem sich die Handlung abspielt. Ich habe gerne darauf zurückgegriffen, immer wieder die Reiseroute von Judith, Silas und Luna verfolgt. Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag, die wie man sieht auch auf Wünsche und Anregungen der Leser eingehen.

Die verwendete Ausdrucksweise wirkt zwar durch Begriffe wie „Wehmutter“ (Hebamme) „antiquiert“, dennoch wurde eine zeitgemäße Erzählsprache gewählt, wodurch sich das Buch leicht lesen lässt, man aber stets vor Augen hat, dass es sich um einen historischen Roman handelt. Lediglich das Wort „Frühstück“ fand ich in diesem Zusammenhang etwas deplatziert – zu modern für die damalige Zeit – hier wäre wohl „Morgenmahl“ passender gewesen – aber das ist nur eine Kleinigkeit. Ansonsten ist das Genre des historischen Romans auch für „jüngere Leser“ geeignet und alles andere als „verstaubt“.

Vermisst habe ich hingegen ein Glossar. Auch als „alter Hase“ in Sachen historischer Roman, greife ich gerne auf die Erklärung mancher Begriffe zurück – man lernt ja nie aus. „Kandidaten“ für ein Glossar hätte ich durchaus im Buch entdeckt, sei es das Sumpffieber, die Universalmedizin Theriak oder der Kätner. Bei einem historischen Roman sollte man auch an „Neueinsteiger“ unter den Lesern denken, denen die Begriffe in diesem Genre nicht geläufig sind. Und es besteht ja nicht die Verpflichtung, diesen Anhang auch zu benützen.

Das Verzeichnis der historisch belegten Personen ist für mich bei einem historischen Roman ein unverzichtbares Muss. Hier findet man die Geburts- und auch die Sterbedaten, ebenso wichtige Ereignisse, so dass man sich ein genaueres Bild der entsprechenden Personen machen kann, sei es in Sachen Alter, Herkunft oder Stand. Mitunter werden Ereignisse auch zeitlich angepasst, indem sie vorverlegt werden, weil ein Ereignis so besser in die Handlung passt. Wir begegnen in diesem Roman bekannten Personen wie Richard Löwenherz, aber auch Papst Coelestin oder Walther von der Vogelweide. Das Einbringen bekannter Personen lässt einen Roman immer besonders authentisch wirken, wobei natürlich das ein oder andere Ereignis auch der Phantasie des Autors entspringt. So gab es auch die Hauptperson Judith von Lare tatsächlich. Sie lebte im 12. Jahrhundert und war im Cyriakusstift in Eschwege Äbtissin.

Auf mich wirkt ein historischer Roman generell sehr „anregend“ - so recherchiere ich gerne das ein oder andere Ereignis aus den Romanen, und lerne immer wieder etwas dazu. Insofern ist ein historischer Roman letztendlich doch immer auch ein Stück weit Geschichtsunterricht – allerdings auf die angenehme, spannende Art und Weise, mit Platz für Spekulationen und viel Freude am Lesen.

Ein Nachwort schätze ich immer sehr, denn hier erfährt man oft interessante Dinge, sei es über den Beweggrund des Autors, genau über dieses Thema zu schreiben, oder über die geschichtlichen Hintergründe, aber auch über die Entstehungsgeschichte des Romans. Auch so manche Anekdote findet hier mitunter Verwendung. In diesem Fall besteht das Nachwort aus einer Danksagung – ein gelungener Abschluss, wie ich finde, und eine Würdigung der helfenden Hände und Köpfe.

Ohne etwas verraten zu wollen - das Ende des Romans lässt auf eine Fortsetzung hoffen. Ich jedenfalls würde mich darüber sehr freuen.


Fazit:

Ein historischer Roman nach meinem Geschmack – hier stimmt alles: Geheimnisvolle Andeutungen, die spannende Handlung, die geschichtlichen Hintergründe und der passende Rahmen - selbst mystisch wirkende Textpassagen waren diesmal vertreten. Und das Ganze wirkt trotzdem keinesfalls wie ein Geschichtsbuch, auch wenn man hier viel über das Volk und die Herrschenden erfährt. Für diesen lehrreichen und überaus unterhaltsamen Roman möchte ich eine absolute Leseempfehlung aussprechen und vergebe daher natürlich 5 Sterne.



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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

kräuterrosi, krimi, mord, dorfleben, ledig

Kräuterrosi, ledig, sucht

Doris Fürk-Hochradl
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 12.03.2015
ISBN 9783954515226
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich liebe Kräuter – ob auf Balkon, Terrasse, Garten, Wiese, oder letztendlich im Essen oder im Tee. Gerne mag ich Kräuter auch in Büchern – sei es in Gartenbüchern, historischen Romanen und nun eben auch mal in einem Krimi, wo sie sonst zumeist dazu dienen, jemanden ins Jenseits zu befördern. Und Kräuterfrauen bieten sicherlich Potential für eine unterhaltsame Handlung, besonders dann, wenn sie auf Männersuche sind und statt auf einen langhaarigen Alt-Hippie mit Jesuslatschen an den Füßen auf einen Bordellbesitzer treffen. Der Titel und das Cover machten mich schon mal sehr neugierig, ebenso wie der Klappentext.


Das Cover:

Auf mich wirkt das Coverbild schon aufgrund der Farbgebung frühlingshaft. Über das gesamte Cover erstreckt sich das Foto eines saftiggrünen Blattes, in dem sich ein (Guck-)Loch befindet. Durch diese Öffnung blickt dem Betrachter der Kopf eines Laubfrosches entgegen, dessen Körper durch das Blatt hindurch zu sehen ist. Wie bei den Krimis von Emons üblich, ist der Buchtitel in orangefarbenen, glänzenden und erhabenen Buchstaben gestaltet, die sich vom ansonsten matten Cover abheben. Der Titel befindet sich wie üblich auf einem weißen, glänzenden Textfeld. Mir gefällt diese einheitliche Gestaltung der Krimiserie sehr gut, weil sie einen Wiedererkennungswert besitzt, und im Regal zudem auch noch dekorativ aussieht.

Passend zur Handlung ist das Cover durchaus. Zum einen ist Rosi als Kräuterhexe sehr naturverbunden, und beim Sammeln ihrer Kräuter könnte ihr dieser kleine Geselle durchaus begegnen. Zum anderen muss frau, um den Traumprinzen zu finden, schon mal den ein oder anderen Frosch küssen.


Die Handlung:

Rosi ist 62 Jahre alt und eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Leben – findet sie selbst. Sie arbeitet in ihrem Dorf als Kräuterhexe und wird oft um Rat gefragt. Doch da ist ihre beste Freundin Gitti, die findet, dass Rosi endlich wieder einen Mann braucht. Und so willigt Rosi schließlich ein, an einer Radio-Dating-Show teilzunehmen.

Doch dann lernt Rosi eines Tages den „Bumshütten-Sepp“ kennen, der sie zwecks einer Behandlung aufsucht. Nun hat die gutmütige und hilfsbereite Rosi, die einfach keine Wünsche abschlagen kann, so richtig viel um die Ohren, denn auch ihre Kinder machen gerade schwere Zeiten durch – während ihre Tochter unter der Trennung von ihrem Geliebten leidet, lastet auf ihrem Sohn ein ungeheurer Verdacht.

Doch dann wird auch noch eine Leiche im Moor gefunden, und Rosis beschauliches Leben ist nun endgültig vorbei, denn sie will den genauen Todesumständen auf die Spur kommen und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Starb Jörg eines natürlichen Todes, oder wurde er ermordet?...


Meine Meinung:

Der Einstieg ins Buch gelang mir sehr gut. Ich lernte Rosi kennen, erfuhr einige Dinge über ihr Leben und ihre Familie. Dabei war der Erzählstil locker-leicht und ungekünstelt. Im Plauderton führte Kräuterhexe Rosi den Leser durch die Handlung.

Rosi, aus deren Sicht erzählt wird, erinnert mit ihrem Aussehen an eine richtige Hexe, wie man sie aus Märchen kennt: Die 62jährige hat lange, graue Zottelhaare, und eine dicke Warze „ziert“ ihre Nase. - So begegnet man Rosi auf den ersten Seiten des Buches. Doch so unvorteilhaft sieht man Rosi fortan nicht mehr, offensichtlich sieht Rosi für ihr Alter noch recht gut aus, legt auch Wert auf ihr Äußeres, schminkt sich sogar – insofern ist sie eine moderne Kräuterfrau, vergleichbar mit einer Heilpraktikerin. Rosis Heilbehandlungen werden geschätzt, die Leute suchen Hilfe bei der hilfsbereiten Frau, die sich viel Zeit für sie nimmt.

Der Buchtitel ist allerdings etwas irreführend, denn ledig ist Rosi ganz und gar nicht, Vielmehr war mit ihrem Mann Horst viele Jahre glücklich verheiratet. Anhand des Buches und der Buchbeschreibung stellte ich mir Rosi etwas schrulliger vor, eher als alte Jungfer, die abschreckend auf andere wirkt.

Rosi hat einen Sohn namens Raphael, aus dem ein hochnäsiger Versicherungsvertreter wurde. Dennoch hat Raphael auch seine guten Seiten, die glücklicherweise im Laufe des Buches immer deutlicher zutage treten.

Ganz im Gegensatz zu ihrem Bruder ist Rosis ledige Tochter Daniela eine bodenständige Frau, die Volksschullehrerin ist, dazu sehr konservativ. Daniela ist Mitte Dreißig und eine unscheinbare Person – man könnte sagen, dass sie eine „graue Maus“ ist. Rosi findet, Daniela könnte viel mehr aus sich machen. Umso mehr wunderte es mich, dass diese sehr konservativ wirkende Frau sich auf einen verheirateten, älteren Mann eingelassen hatte – und er sich auf ein solches Mauerblümchen.

Kurt ist der Dorfpolizist und ein Freund von Raphael. Auf mich wirkte Kurt recht kameradschaftlich und sympathisch. Und so posaunt Kurt Rosi gegenüber auch schon mal Infos heraus, die er besser für sich behalten sollte.

Brigitte, genannt Gitti, ist Rosis Schwägerin und gleichzeitig auch ihre beste Freundin. Einerseits wirkt sie auf mich sehr weltoffen und unternehmenslustig, doch mitunter ist sie auch recht vorurteilsbehaftet was Sepp betrifft.

Der „Bumshütten-Sepp“ ist ein waschechter Zuhälter und Puffvater – und zugleich ein liebenswerter und feinfühliger Mann. Als 21jähriger musste er einst das Bordell seines Vaters übernehmen, und hatte keine Gelegenheit, eine Familie zu gründen, die er gerne gehabt hätte. Ich fand Sepp sehr sympathisch, denn er strahlt Herzenswärme aus. Mir tat Sepp leid, denn in seinem zweifellos ereignisreichen Leben kam wohl eines zu kurz: Die wahre Liebe. Ich wünschte mir beim Lesen, dass Rosi und Sepp zusammenkommen würden, denn ich fand, dass beide sehr gut zusammenpassten.

Silvana ist eine osteuropäische Prostituierte, die in Sepps Bordell als Domina arbeitet. Doch auch privat war sie mit ihrem Arbeitgeber zusammen. Silvana wirkt sehr selbstbewusst, was nicht zuletzt auch an ihrem Beruf liegt. Dennoch hat Silvana das Herz am rechten Fleck, so ist sie hilfsbereit, und gerne nimmt sie Daniela unter ihre Fittiche, damit diese (wieder) interessant für die Männerwelt ist. Was Sepp betrifft, hat sie eine eigene Diagnose: Sepp braucht keinen Sex, sondern Liebe!

Jörg lebt mit seiner Frau Zenzi und Tochter Susi zusammen auf einem Bauernhof. Besonders gut behandelt Jörg seine Familie jedoch nicht – Zenzi hat öfters mal blaue Flecken oder Verletzungen. Aber auch ansonsten gilt Jörg als Raufbold, der gerne mal einen über den Durst trinkt. Und nur zu gerne provoziert er seinen Nachbarn Hias. Doch als die Ferkelchen von Hias abhauen und auf dem Hof von Jörg am Giftweizen zugrunde gehen, schürt das den Hass von Hias ins Unermessliche.

Der tierliebe Hias (Matthias) war früher in Zenzi verliebt, doch die heiratete seinen Nachbarn. Und so blieb der unverheiratete Hias alleine auf seinem Hof, widmete sich fortan mit Hingabe seinen Schweinen, an denen er sehr hängt. Früher waren die beiden Männer zwar befreundet, doch wegen Zenzi wurde aus der Freundschaft nun eine Feindschaft. Und selbst nach Jörgs Tod hat Hias erneut gegen Anfeindungen zu kämpfen, kommt einfach nicht zur Ruhe.

Der Erzählstil gefiel mir sehr gut. Es wird aus der Sicht von Rosi erzählt, so dass man einen guten Einblick in deren Seelenleben erhält – man erfährt viel über ihre Gedanken, ihre Gefühle, die Zweifel und die Verbundenheit zu ihrem Horst, der mitunter noch allgegenwärtig erscheint – das alte Auto, eine „Ente“ namens Donald, erinnert sie immer an Horst, ebenso wie dessen alter Sessel. Wunderschön und poetisch fand ich die Gedanken Rosis über die Liebe, die von einem Fluss zum See wird, und wenn dieser austrocknet, so bleiben nur noch Erinnerungen.

Die Kapitel haben eine angenehme, übersichtliche Länge. Statt nur mit Nummern versehen, erhielten die Kapitel eine passende Überschrift, was ich immer dem Durchnummerieren vorziehe. Zu Beginn des Kapitels findet man, passend zur Kräuterkunde, Erste-Hilfe-Tipps aus der Kräuterapotheke oder sonstige Hausmittel. Mir gefiel dieses Extra sehr gut – eine echte Bereicherung für das Buch. Die Krönung wäre noch das Rezept für die „Kiachln“, die Bauernkrapfen, im Anhang gewesen, die im Buch mit so viel Genuss verzehrt werden.

Eine Kugel macht noch keinen Krimi, ebenso wenig wie ein Toter. Unterhaltsam war der Roman zwar sehr, doch die Hochspannung, die auf der Rückseite des Buches angekündigt wurde, fand ich leider nicht.

Die Aufklärung des Todesfalls nahm meiner Meinung nach nur einen relativ kleinen Teil der Handlung ein, vielmehr stand die Freundschaft von Sepp und Rosi im Mittelpunkt des Geschehens. Die beiden älteren Leute verstehen sich sofort hervorragend, vertrauen einander und ermitteln gemeinsam. Ich fand, dass Rosi und Sepp sehr gut zusammenpassen würden, doch Rosi schien dies nicht wahrhaben zu wollen. War es, weil sie ihren verstorbenen Mann Horst noch nicht so recht loslassen wollte? Oder die Angst oder die Bedenken, im höheren Alter nochmals eine neue Beziehung zu beginnen? Es war ein endloses Hin und Her. Gerne hätte ich Rosi gepackt und einfach in Sepps Arme geschubst, um die Sache zu beschleunigen und dem Glück auf die Sprünge zu helfen.

Und dann war da ja noch die Dating-Show des Radiosenders. Soll Rosi sich trotz ihres Freundes Sepp mit den Bewerbern treffen? Und wird sie eine neue Liebe finden? Selbst wenn die Dating-Show nun überflüssig erscheint, so zieht Rosi die Sache durch, schließlich hat sie diese Aktion begonnen, es wurde vom Sender Zeit investiert und neugierig ist frau allemal, wer sich für einen interessiert. Und letztendlich erwartete die Leser ein unvergessliches Erlebnis. Ebenso unterhaltsam fand ich den Besuch von Rosi und Gitti im Bordell, dem „Herzkastl“, da konnte man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, bei dieser Vorstellung, wie zwei ältere Damen sich dort ganz genau umsehen.

Lokalkolorit gab es im Buch, wenn auch in recht geringem Ausmaß, sei es bei den namentlich erwähnten Handlungsorten oder bei den Textpassagen, in denen der Dialekt zum Einsatz kam. Zwar verstand ich die meisten österreichischen Begriffe, dennoch wäre ein winziges Glossar oder ein „Sternchenverweis“ mitunter nützlich gewesen. Die Handlung spielt sich übrigens sowohl in Österreich, als auch im nahegelegenen Bayern ab, denn Rosi lebt (wie die Autorin selbst auch) nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt.

Die österreichische Autorin Doris Fürk-Hochradl hat in diesem Buch ihren Leidenschaften ein literarisches Denkmal gesetzt. Die Grundschullehrerin schreibt gerne, kocht aber auch für ihr Leben gerne, und wie könnte es anders sein, beschäftigt sie sich mit der Naturheilkunde. Wer einen actionreichen und blutigen Krimi sucht, der wird hier enttäuscht werden. Dagegen werden sicherlich die Liebhaber eher stiller und ungewöhnlicher Krimis hier voll auf ihre Kosten kommen.


Fazit:

Die auf der Buchrückseite versprochene fröhliche Unterhaltung fand ich im Buch durchaus – das will ich auch gar nicht bestreiten. Doch die Hochspannung konnte ich dann leider doch nicht entdecken. Große Überraschungen wurden mir in der Handlung nicht geboten, vieles war vorhersehbar. Die Charaktere jedoch gefielen mir sehr gut, und einen ungeklärten Todesfall gab es auch, ebenso eine ungewöhnliche Ermittlerin, so dass es sich bei diesem Roman auch tatsächlich um einen Krimi handelt – allerdings einen recht „soften“, der sich sicherlich auch für Nicht-Krimileser eignet.

Da ich mich dennoch recht gut unterhalten fühlte, gebe ich diesem Buch 4 Sterne, nicht zuletzt auch für die Originalität in Sachen Naturheilkunde und Protagonisten.

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

triathlon, mord, franken, krimi, roth

Dreikampf

Sabine Fink
Flexibler Einband: 281 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 01.07.2015
ISBN 9783839217351
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„No Sports!“ - Das soll Englands Premierminister Winston Churchill angeblich auf die Frage geantwortet haben, was denn für sein hohes Alter verantwortlich sei. Im Krimi DREIKAMPF wird dann auch tatsächlich der Sport für einige Teilnehmer zum tödlichen Verhängnis. Zu Schwimmen, Radfahren und Laufen gesellt sich ganz offenbar die Disziplin Morden.


Das Cover:

Sportler, die sich in die Fluten stürzen, sind ein sehr passendes Titelbild für einen Roman, in dem es um einen Triathlon geht. Auf dem Cover sieht man eine Personengruppe, die ausgestattet mit Schwimmbrillen, Badekappen und Profi-Schwimmbekleidung ins Wasser rennt, das dadurch stark aufgewirbelt ist. Die Arme haben die Schwimmer weit von sich gestreckt, was auf einem Foto etwas steif wirkt. Während der hellblaue Himmel im Hintergrund matt gehalten ist, wurde das aufspritzende Wasser glänzend hervorgehoben, nicht jedoch die Schwimmer selbst, so dass das gesamte Bild sehr lebhaft und dynamisch wirkt.


Die Handlung:

„Allmächd!“ - So entfährt es auch diesmal immer wieder der fränkischen Kommissarin Maria Ammon. Eigentlich wollte sie als Marathonläuferin ja „nur“ am Triathlon im mittelfränkischen Roth teilnehmen. Doch bereits am Vorabend des Wettkampfes taucht die erste Leiche auf – Dirk Gottwald, der Geschäftsführer eines Sportbekleidungsgeschäfts wird in der Toilette tot aufgefunden. Alles deutet darauf hin, dass er bei einem autoerotischen Spiel ums Leben kam. Doch damit nicht genug: Ein toter Schwimmer, ein Radfahrer, der im Koma liegt und ein vergifteter Läufer – das ist die schreckliche Bilanz dieser Sportveranstaltung. Ist hier Sport Mord, oder mordet da etwa einer beim Sport?

Für die Erlanger Kommissarin Maria Ammon steht schnell fest, dass eine solche Häufung an Unfällen keinesfalls ein Zufall sein kann. Aber was sind die Motive des Täters? Und wird es Maria gelingen, den Mörder zu fassen? Doch plötzlich überschlagen sich die Ereignisse, und der Fall nimmt für Maria vollkommen neue Dimensionen an...


Meine Meinung:

DREIKAMPF ist der dritte Band der Krimiserie um die Erlanger Ermittlerin Maria Ammon. Während ich den ersten Band KAINSZEICHEN noch nicht kenne, konnte mich schon der Nachfolgeroman JUDASBRUT voll und ganz überzeugen. Aber auch ohne Vorkenntnisse ist es möglich, diesen dritten Band, der den Titel DREIKAMPF trägt, zu lesen, wobei es natürlich ideal ist, die Buchserie komplett und in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Maria Ammon ist alleinerziehende Mutter einer dreizehnjährigen Tochter namens Franzi. Mit ihr zusammen lebt sie in ihrem Elternhaus. Über ihren geschiedenen Mann Andreas ärgert sie sich sehr. Es ist Ferienzeit, und eigentlich sollte Andreas gemeinsam mit Franzi eine Urlaubsreise antreten. Doch ständig vertröstet Andreas seine Tochter. Ich mag die natürlich wirkende Maria sehr gerne, denn sie verfügt über ein sehr angenehmes Wesen.

Wieder mit von der Partie war Praktikantin Michelle. Die junge Frau ist einfach nur toll – sie ermittelt hervorragend, scheut keine Gefahr, verliert auch in gefährlichen Situationen nicht den Kopf und verfügt über einen gesunden Menschenverstand – von ihr können sich selbst gestandene Ermittler mitunter noch eine Scheibe abschneiden. Mit ihrer Vorgesetzten Maria verbindet Michelle ein kameradschaftliches, geradezu freundschaftliches Verhältnis. Die beiden Frauen können sich aufeinander stets verlassen. Wie schon im letzten Band hat sich gezeigt, dass diese zwei ein tolles Team sind, die es verstehen, Hand in Hand zu arbeiten.

Jacky Gottwald ist eine junge Frau, die zusammen mit ihrem Mann ein Sportgeschäft in Herzogenaurach besitzt. Liebevoll kümmert sie sich um ihren Mann, der einige Jahre älter als sie ist und der im Rollstuhl sitzt. Und zu ihrem Stiefsohn Dirk (der zugleich der Geschäftsführer des Sportgeschäfts ist) scheint sie ein sehr gutes Verhältnis zu haben.

Ich kannte, wie ich schon erwähnt hatte, bereits JUDASBRUT, den zweiten Teil dieser Krimiserie. Doch da jeder Teil in sich abgeschlossen ist, kann man getrost auch erst bei diesem dritten Teil einsteigen. Jedoch wäre hier ein Personenverzeichnis sinnvoll, um sich ein Bild von den einzelnen Protagonisten machen zu können, denn sonst steht man als Neueinsteiger mitunter beim Auftauchen neuer Protagonisten vor der Frage, welche Position / Funktion die entsprechende Person einnimmt.

Ich persönlich ziehe solche Register gerne zu Rate, wenn ich während der Handlung auf mir unbekannte Personen stoße. Sinnvollerweise ist dieses Verzeichnis vorne im Buch untergebracht, damit man es nicht erst nach Lesen des Krimis entdeckt – ein Blättern im Buch birgt ja immer die Gefahr einer vorzeitigen Aufklärung des Kriminalfalls. Es wäre also durchaus wünschenswert, wenn im nächsten Band ein solches Personenverzeichnis vorhanden wäre.

Lokalkolorit ist in diesem Buch vorhanden, denn die Orte, welche eine Rolle spielen, gibt es tatsächlich. In Roth, einem der Tatorte, findet der im Buch beschriebene Triathlon jedes Jahr im August statt. Ein nettes Extra wäre eine Übersichtskarte mit der Triathlonstrecke gewesen, da aber dieser Wettkampf nur einen Teil des Buches einnimmt, benötigt man ihn nicht unbedingt. So richtig sinnvoll fände ich hingegen eine Karte der verschiedenen Orte, die im Buch Erwähnung finden, sei es Ansbach, Neustadt/Aisch, Roth,... .

Wunderbar fand ich (obwohl kein Sportlerblut in meinen Adern fließt), wie die Stimmung der Veranstaltung wiedergegeben wurde. Die Anspannung vor dem Start, die Wahrnehmungen dessen, was sich am Rande abspielt, die ersten Anzeichen der Erschöpfung, die Überwindung der Schwäche und die wieder freigesetzten Kraftreserven, sowie der Stolz beim Einlauf in das Ziel.

Aber wieder einmal würde ich dem Verlag gerne als Anregung mit auf den Weg geben, die schwarze Fläche auf der Buchrückseite (immerhin ca. die Hälfte der Seite) sinnvoll zu nutzen – sei es für das Autorenporträt (wobei sich ein solches ja bereits vorne im Buch befindet) oder noch besser für die Abbildung eines der beiden Cover der bisher erschienenen Bände. Schön finde ich immer, dass das Titelmotiv sich auf den Innenseiten der beiden Buchtitel wiederfindet – solche kleinen Details mag ich immer sehr.

Schön finde ich, und eigentlich erwarte ich das auch von einem Regionalkrimi, wenn Dialekt verwendet wird. Dies muss nicht in großem Umfang sein, aber der ein oder andere Ausdruck verleiht dem Buch Authentizität. Hier ist es beispielsweise das Wort „Allmächd“, oder auch das „Acherla“ (Eichhörnchen), das erwähnt wird.

Unterteilt ist das Buch in „Hauptkapitel“ (Aufwärmen, Der Abend vor dem Rennen, Start, Wechselzone 1, Wechselzone 2, Ziel – dazu jeweils die entsprechende Kilometerangabe) und in „Unterkapitel“ (Schwimmen, Rad, Laufen – wieder mit Kilometerangabe). Anhand der Überschriften hatte ich jedoch den Eindruck, der Handlungszeitraum würde sich über den Triathlon erstrecken, was allerdings nicht der Fall ist. Tatsächlich erstreckt sich die Handlung sogar über mehrere Wochen. Dennoch mag ich diese Kapitel-Aufteilung sehr, weil ich sie sehr originell finde und sie dem Buch den passenden Rahmen verleiht.

Man trifft im Buch auf so manch alte Bekannte, sei es Hermann, der Vater von Maria (was ja nicht verwunderlich ist, wenn Maria mit den Eltern im selben Haus wohnt), Marias Freundin Nina, oder auch Perez Leibl, ein Mann der Marias Herz höher schlagen lässt. Hermann finde ich sehr herzerfrischend, denn der Rentner scheint ebenfalls „Ermittlerblut“ zu besitzen, auch wenn er nicht im Polizeidienst tätig war.

Aber auch der neue Chef Josef Zeilinger wirkt sehr geheimnisvoll und ist etwas schwer einzuschätzen. Hat er etwa etwas zu verbergen? Misstrauen hin oder her, ich fand ihn richtig cool und trotz allem recht sympathisch. Josef stammt aus Neustadt, wo seine Mutter Christl lebt. Um sich um die alte Dame zu kümmern, ist er wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Christl ist übrigens eine recht außergewöhnliche Frau, bei deren Beschreibung ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte.

Die Handlung ist einfach grandios. Das liegt zuerst einmal an der Spannung, die von der ersten bis zur letzten Seite anhält. Spannend fand ich die mysteriösen Passagen, bei denen man Einblick in das Gefühlsleben des Täters erhält, ohne jedoch zuviel über den Täter zu erfahren – so grübelt man immer wieder, ob es sich um einen Täter oder gar eine Täterin handelt. Und dann sind da noch geheimnisvolle Zeichnungen, die immer wieder am Tatort auftauchen. Aber auch sonst kommen interessante Dinge zur Sprache, seien es die Cuttings, die immer wieder auftauchen, mysteriöse Zahlen-Buchstabenkombinationen oder ganz „pikant“ SM-Erstickungsspielchen / autoerotische Sexspiele, die aus dem Ruder laufen.

Auf Rückblenden der vorherigen Bände kann nicht komplett verzichtet werden, ansonsten würde man das ein oder andere vielleicht nicht verstehen. Doch diese Rückblicke wurden glücklicherweise sehr knapp gehalten, so dass hier nicht zuviel verraten wird und man auch noch im Nachhinein die Vorgängerbücher lesen kann, ohne dass die Spannung genommen wurde. Lediglich wenige verräterische Dinge wurden dennoch erwähnt, die von Bedeutung sind, was sich allerdings kaum vermeiden ließ.

Zudem führt die Autorin Sabine Fink, die selbst in Mittelfranken lebt und gerne Ausdauersport betreibt, auch in ihrem neuesten Krimi die Leser wieder gehörig an der Nase herum. Bei wem es sich um den Täter handelt, fand ich diesmal nicht heraus, so dass die Aufklärung für mich eine große Überraschung war. Dieser Krimi hat mich regelrecht gefesselt. Obwohl ich eine eher langsame Leserin bin, habe ich den Roman innerhalb von nur zwei Tagen gelesen. Letztendlich war die Auflösung des Falls sehr durchdacht, ungewöhnlich und ganz anders als anfangs erwartet. Ich jedenfalls freue mich bereits auf weitere Fälle mit der bodenständigen und sehr sympathischen Kommissarin Maria Ammon.


Fazit:

Was für ein Krimi! - Atemberaubend spannend, temporeich und unheimlich fesselnd, fand ich den 3. Fall der fränkischen Kommissarin Maria Ammon. So muss ein Krimi sein: Falsche Fährten, mehrere Verdächtige und Ermittler mit Ecken und Kanten, die mitunter auch zur Zielscheibe Krimineller werden.

Vom Buchtitel DREIKAMPF sollte man sich auch als Nichtsportler keineswegs abschrecken lassen, denn man wird hier nicht mit überlangen Infos und Sportwissen gequält, erhält aber einen interessanten Einblick in das Geschehen rund um eine groß angelegte Sportveranstaltung. Die Spannung beginnt bereits auf der ersten Seite des Romans und bleibt auch bis zur letzten Seite erhalten. Aufgrund der Handlung könnte man diesen Krimi durchaus auch als Thriller einordnen. Von mir erhält dieser megaspannende Krimi eine absolute Leseempfehlung und somit natürlich auch 5 Sterne.



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40 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

humor, taxi, berlin, roadtrip, florian herb

Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg

Florian Herb
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.07.2015
ISBN 9783548286969
Genre: Humor

Rezension:

Aller guten Dinge sind drei – in diesem Sinne lese ich nun bereits mein drittes Buch von Florian Herb. Der Autor konnte mich bislang immer mit seinen Büchern wunderbar unterhalten. Diesmal begleite ich Lotto-Klara und Taxifahrer Alvaro auf ihrer abenteuerlichen Reise von Berlin nach Andalusien.


Das Cover:

Das matte Cover besteht aus einem sonnigen, gelben Hintergrund, der nach oben hin in ein Grün übergeht. Im Hintergrund ist eine hügelige Landschaft und davor eine weitläufige Stadt zu sehen, die sehr mediterran aussieht – sowohl die Bauart der Häuser als auch die Bäume erinnern an den Süden. Dieses Motiv setzt sich über den Buchrücken hinweg bis auf die Buchrückseite fort, was mir immer sehr gut gefällt – ein Cover mit „Rundumblick“.

Der leicht bogenförmig angeordnete Buchtitel ist in Rot und Weiß gehalten und leicht glänzend hervorgehoben. Ebenfalls glänzend dargestellt ist das Buchmotiv – ein roter Oldtimer mit der Aufschrift „Taxi“, auf dem Dach sind drei riesige Koffer gestapelt, und aus dem Fenster schaut eine alte Dame mit einem mintfarbenen Kostüm und einem ebensolchen Hut auf dem Kopf.


Die Handlung:

Der Berliner Taxifahrer Alvaro Contente de Ayllon befindet sich gerade in einer Sinnkrise, als eines Tages eine ältere Dame in einem mintgrünen Kostüm in sein Taxi einsteigt. Klara Lüdtke hat gerade mit einem Rubbellos eine Million im Lotto gewonnen.

Spontan beschließt Klara ohne ihre egoistische Familie zu einer Reise aufzubrechen - schon lange träumt sie von einem Frühstück in Paris auf der Champs-Élysée. Zusammen mit Alvaro beginnt ihre Reise. Doch schon bald werden die beiden verfolgt – Klaras Familie will die 60jährige zurückholen und Alvaros Chef Cemal sein heißgeliebtes Taxi. Und dann ist da noch Klaras geblümter Rollkoffer, den sie wie ihren Augapfel hütet...


Meine Meinung:

Ich mag verrückte Geschichten und schräge Charaktere. Nachdem mich in Florian Herbs letztem Buch seine Protagonistin Liselotte begeistern konnte, war ich nun gespannt auf Klara. Und soviel sei verraten – ich wurde auch diesmal nicht enttäuscht. Der Text auf der Buchrückseite macht bereits neugierig: „Die Sechzigjährige, die die Haustür hinter sich abschloss, ins Taxi stieg und in Granada die Liebe suchte“.

Alvaro Contente de Ayllon kam vor acht Jahren aus seinem Dorf am Fuße der Sierra Nevada nach Berlin. Der 26jährige Taxifahrer hat einen guten Charakter – er ist sehr zuverlässig und hilfsbereit. Eines Tages erhält er von seinem geschäftstüchtigen Chef Cemal ein ganz besonderes Taxi: Einen orangemetallic lackierten 69er Chevrolet Camaro, mit 425 PS unter der Motorhaube, der auch sofort sämtliche Blicke auf sich zieht. Dennoch fühlt Alvaro sich in Berlin unwohl und verspürt den Wunsch, die Hauptstadt zu verlassen. Dass Alvaro die Stadt plötzlich als kalt empfand, konnte meiner Meinung nach nur an seinem Heimweh liegen, das er plötzlich verspürte, denn schließlich hatte er hier ja auch einen Freundes- und Bekanntenkreis.

Kerstin, die früher Karsten hieß, ist eine schillernde Person. Nach dem tödlichen Unfall seiner Eltern erbte er deren Miethaus. Kerstin, mit Männerbrüsten und Bierbauch ausgestattet, ließ sich die Haare wachsen (witzigerweise aber auch einen Vollbart – Conchita Wurst lässt grüßen). Aber Kerstin ist nicht nur Alvaros Vermieterin, sondern auch seine Kummerkasten“tante“ - und mitunter auch eine kleine Heulsuse. Ich mochte die feinfühlige Kerstin sehr gerne, und die Vorstellung von Kerstin, wie sie ihre Yogaübungen absolviert, ließ mich schmunzeln.

Cemal Bozoglu bezeichnet sich als Berliner Urgestein – trotz seiner türkischen Wurzeln. Das Taxiunternehmen führt er in dritter Generation, und stolz darauf, „sein“ Berlin noch nie verlassen zu haben. Natürlich spricht er als „Urberliner“ auch Dialekt – ist ja wohl Ehrensache, oder? Ich mochte den geschäftstüchtigen Cemal sehr gerne, er ist seiner Frau Pinar ein liebevoller Ehemann und stolzer Vater von Zwillingen im Kleinkindalter. Ein Laster hat Cemal dennoch – der Verfasser des Taxi-Knigges (immer lächeln, kein Navi in Cemals Taxis,...) ist Kettenraucher (wobei ich hoffte, er würde das Rauchen aufgeben). Cemal im Taxi auf Verfolgungsjagd – wie habe ich mich amüsiert, als er da eine seiner selbstverfassten Regeln brechen musste. Und den berlinernden Cemal fand ich einfach köstlich und eine echte Bereicherung - ein strenger Chef, der aber auch seine weichen Seiten hatte.

Klara Lüdtke war bis zu ihrem sechzigsten Geburtstag als Frau eines Lehrers stets die „brave“ Hausfrau. Doch den Millionengewinn sieht die zweifache Mutter als Wink des Schicksals – endlich will sie sich ihre eigenen Wünsche erfüllen, und nicht die der Familie. Auf mich wirkte Klara erst etwas unbeholfen und unsicher, jedoch sehr warmherzig und liebenswert. Jedoch fand ich sie etwas „altbacken“ dargestellt, und wäre das Alter nicht erwähnt worden, so hätte ich Klara älter geschätzt – eher auf 75 bis 80 Jahre, denn mit sechzig Jahren wirkt man heutzutage ja meist noch nicht wirklich alt. Bewaffnet mit dem Zuckertopf, in dem sich ihre Ersparnisse befinden, und dem geblümten Trolley mit wertvollem Inhalt, wagt sie den Ausbruch aus dem Familiengefängnis.

Gerhard, Klaras Mann, war Geschichtslehrer und ist nun Rentner. Zu gerne reist er mit seiner Frau auf die Insel Rügen. Wie man das gewonnene Geld sinnvoll einsetzen kann, ist für ihn ganz klar: Er wünscht sich ein Ferienhaus auf seiner Lieblingsinsel. Ich fand Gerhard unmöglich – er war mir unsympathisch und ich fand ihn einfach nur egoistisch. Seine Frau sollte das ganze gemeinsame Leben lang stets das tun, was Gerhard wünschte – nie fragte er danach, welche Bedürfnisse sie eigentlich hatte – Heim, Herd, Familie – daraus sollte Gerhards Meinung nach Klaras Welt bestehen. Meine Wünsche sind auch deine Wünsche – davon ging Gerhard ganz offensichtlich aus.


Sohn Rüdiger ist verschuldet, weil er stets gerne über seine Verhältnisse gelebt hat. Unglücklicherweise hatte er das Rubbellos mit dem Millionengewinn seiner Mutter gegeben, weil er wieder einmal kein Geschenk für Klara hatte. Da kommt der Lottogewinn gerade zur richtigen Zeit, denn nun kann seine Mutter ihm auch finanziell unter die Arme greifen. Ich fand Rüdiger einfach nur egoistisch und unsympathisch – seiner Mutter brachte er keine Wertschätzung entgegen, wobei dies aber bei so einem Vater auch kein Wunder war.

Angelika ist Klaras und Gerhards Tochter, esoterisch angehaucht und daher mitunter auch etwas weltfremd. So träumt sie davon, einmal nach Indien zu reisen, da kommt Klaras Lottogewinn ihr gerade recht.

Um Klara zu finden, greift ihre Familie zu den absurdesten Mitteln – Ossietzky, der technikbegeisterte Nachbar der Lüdtkes und zugleich ein alter Ex-Stasi-Mann soll dem „Genossen“ Gerhard helfen, Klara ausfindig zu machen. Natürlich hat „Genosse Ossietzky“ dabei auch seine Hintergedanken – er fordert eine fürstliche Entlohnung, stellt sogar sein Auto zur Verfügung. Doch der Wagen entpuppt sich als Reinfall, und so nimmt die Familie in einem schrottreifen Wartburg die Verfolgung auf. Cemal indessen verlässt das erste Mal im Leben „sein“ geliebtes Berlin – begleitet von Kerstin. Florian Herb hat insofern alle Mittel genutzt, eine ereignisreiche Verfolgungsfahrt zu konstruieren, die natürlich nicht ohne Pannen verläuft – sehr zur Freude der Leserschaft.

Sehr gerne mochte ich Mustapha Dahlep. Für mich war der Chefportier des Hotels Negresco in Nizza ein Mann mit Herz und Hirn, mit dem Mut, auch mal außergewöhnliche Wege zu gehen. Durch seine berufsbedingte Menschenkenntnis weiß er genau, wer es wert ist, dass ihm geholfen wird – und wer nicht.

Mir gefiel sehr gut die Erzählperspektive – durch den Erzählstil erhielt man als Leser Einblick in die Gefühle und Gedanken der jeweiligen Protagonisten – mal wurde aus Sicht von Alvaro, dann aus der von Klara, ihrer Familie und Cemal berichtet. Die Handlung war zwar sehr humorvoll und ich musste beim Lesen oft lauthals lachen, aber dennoch hat das Buch auch seine ernsten Momente – sei es die Einsamkeit oder der Verlust eines geliebten Menschen – ob durch den Tod oder dadurch, dass man sich emotional voneinander entfernt hat. Sehr schön fand ich, wie das Thema Freundschaft umgesetzt wurde. Wildfremde Menschen treffen aufeinander, entdecken Gemeinsamkeiten, finden sich sympathisch und irgendwann wurden aus Fremden Freunde.

Ebenfalls sehr gut gefiel mir vor allem das Verhältnis der Personen zueinander. Cemal, daheim ein fürsorglicher Familienvater und liebevoller Ehemann, hat nun Kerstin als Reisegefährtin. Die beiden sind ein gutes Team und am Schluss hat sich das Vertrauensverhältnis so sehr gefestigt, dass Cemal einen tollen Einfall hat, der die Lösung eines persönlichen Problems ist.

Klara und Alvaro entwickeln während der gemeinsamen Reise fast schon ein Mutter-Sohn-Verhältnis. Klara ist vom eigenen, egoistischen Sohn zutiefst enttäuscht, während Alvaros Verhältnis zu seinem Vater sehr getrübt und recht problematisch ist. Der Tod der Mutter hat die beiden nicht zusammengeschweisst, sondern sie vielmehr entzweit. Klara macht im Verlauf des Road-Trips eine positive Wandlung durch – aus dem unsicheren Mauerblümchen entwickelt sich langsam eine Frau mit Eigenverantwortung und Selbstbewusstsein. Und so wird Klara für Alvaro sozusagen eine mütterliche Freundin.

Unterteilt ist das 251seitige Buch in 17 Kapitel. Das bedeutet, dass diese eine für mich angenehme Länge haben, weil man, wenn man mal weniger Zeit zum Lesen hat, eines oder mehrere Kapitel lesen kann, ohne den Zusammenhang zu verlieren. Der Schreibstil ist flüssig und man kann das Buch kaum aus der Hand legen, mich hat es von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Und gerne wäre ich mit Alvaro und Klara noch weitergereist.

Lokalkolorit ist im Buch natürlich reichlich vorhanden, sei es in Berlin, wo beispielsweise der Flughafen Tegel erwähnt wird, aber auch in Paris trifft man auf verschiedene Sehenswürdigkeiten, so z. B. die Champs-Élysées, wo Klara einen (vollkommen überteuerten) Milchkaffee trinkt.

Dann geht die Reise weiter nach Nizza , wo Klara sich auf die Spuren der Schauspielerin Grace Kelly begibt – einmal wie im Film „Über den Dächern von Nizza“ die Serpentinen hinab fahren, das wäre zu schön um wahr zu sein. Der Roadtrip führt Alvaro und Klara schließlich nach Spanien.

In Barcelona darf man dabei sein, wie sich Klara auf die Spuren des berühmten Architekten Antonio Gaudi begibt. Dort über Granada besuchen sie die Alhambra, die historische Burganlage mit den bezaubernden Gärten. Schade fand ich lediglich, dass die Reiseroute nicht als Karte im Buch vorhanden war, da ich gerne auf einen Lageplan zurückgreife um mich zu orientieren. Alles in allem möchte ich feststellen, dass die Schilderungen sehr stimmungsvoll waren.

Dieser Roman hat wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, dass es nie zu spät ist, ein neues Leben zu beginnen. Damit hat der Autor das Thema seines letzten Buches nochmals aufgegriffen - Liselotte musste nach dem Tod ihres Mannes ebenfalls ein neues Leben beginnen und knüpfte ebenfalls Freundschaften zu Menschen, die auf den ersten Blick nichts mit ihr gemeinsam hatten. Aber natürlich hat Florian Herb die Thematik diesmal vollkommen neu umgesetzt – in Form eines turbulenten, unterhaltsamen Road-Trips. Der Roman ist für mich zwar kein typischer „Sommer-Roman“, aber ein temporeicher Urlaubsroman, der jede Jahreszeit bereichert.


Fazit:

Im Camaro durch Europa - zwei einsame Herzen, unerfüllte Träume und ein gemeinsames Ziel. DER TAG, AN DEM LOTTO-KLARA IN MEIN TAXI STIEG ist ein wunderbar herzerfrischender, humorvoller und zugleich auch warmherziger und zauberhafter Roman, der es schaffte, mich voll und ganz zu überzeugen. Wieder einmal zeigte sich, dass es nie zu spät ist, ein neues Leben zu beginnen. Dabei gefiel mir sehr gut, wie das Thema Freundschaft umgesetzt wurde. Von mir erhält dieses Buch eine absolute Leseempfehlung und damit 5 Sterne.

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oper, salzburg, operndiva, krimi, mozart

Bei Zugabe Mord!

Tatjana Kruse
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 23.11.2015
ISBN 9783852189772
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Singt sie noch, oder kreischt sie schon? - Pauline Miller, stimmgewaltige Opernsängerin von Format, weilt in Salzburg. Man inszeniert gerade Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“, doch dann schlägt ein Mörder zu, und das Ensemble wird zusehens kleiner. Doch zum Glück hat Pauline ihren treuen Weggefährten Redames, einen narkoleptischen Hund, und ihre Agentin „Bröcki“ an ihrer Seite.

Lieber Leser, jetzt schnell die Mozartkugeln und den Champagner bereitgestellt und dann beginnt „Die Entführung aus dem Serail“ - live aus dem Festspielhaus in Salzburg...


Das Cover / die Gestaltung:

Dieses Buch fällt auf! Nicht weil es ein glänzendes Cover hat, sondern vielmehr wegen seiner „runden Ecken“, was eher selten bei Büchern zu finden ist. Das Covermotiv passt hervorragend in die Welt des Theaters und der Oper, denn es zeigt einen roten Vorhang, der sich auf einer Theaterbühne befindet. Vor diesem Vorhang sitzt ein gefleckter Hund (genauer gesagt ein Boston Terrier) mit einer roten Schleife um den Hals – farblich passend zum Vorhang, der, das sieht man auf den zweiten Blick, mehrere Einschüsse hat. Die Stufen des runden Aufgangs zur Bühne sind beleuchtet – Theaterfeeling pur. Dieses wird noch zusätzlich durch eine venezianische Maske betont, die in der rechten oberen Ecke zu sehen ist.

Die Buchrückseite wurde sehr gut in Szene gesetzt. Am oberen Rand befindet sich über die ganze Breite ein dramatisch wirkendes Schwarz-Weiß-Foto der Autorin, darunter der Klappentext sowie recht umfangreiche Infos über die Autorin Tatjana Kruse.


Die Handlung:

Pauline Miller, ihres Zeichens gewichtige und pompöse Operndiva, verweilt in Salzburg. Dort probt man für DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL. Wie es der Zufall will (es ist wie ein Sechser im Lotto), sind fast sämtliche Rollen von Darstellern besetzt, die sich bereits seit der gemeinsamen Ausbildung vor fünfzehn Jahren kennen, und die nun zusammen in einem Stück auf der Bühne stehen. Doch dann verstummt ein Sänger nach dem anderen – und zwar für immer! Bevor auch sie das Zeitliche segnet, fasst die Sopranistin einen Entschluss: Sie wird den Mörder überführen! Schließlich will sie die Bühne noch lange nicht verlassen...


Meine Meinung:

Wie habe ich mich auf diesen Roman gefreut! Trotz Oper, mit der ich wahrhaftig, aber auch so rein gar nichts am (nichtvorhandenen) Hut habe. Aber eine Operndiva als Protagonistin verspricht eine mondäne, laute und „gehaltvolle“ Vorstellung hinzulegen – ob als stimmgewaltige Sängerin, oder doch als Ermittlerin mit Hirn.

Bislang kenne ich Tatjana Kruses Humor aus den Seifferheld-Krimis, aber auch aus diversen Kurzkrimis – bei sämtlichen Werken kommt der schwarze Humor und der Wortwitz nie zu kurz. Und auch diesmal stellt man fest: Ja, das ist ein echter Kruse!

Die Präsentation der Protagonisten ist ja hervorragend gelungen – sie erinnert von der Gestaltung her an ein Programmheft. Auf diese Art und Weise erfährt man, wer alles zum Opernensemble gehört. Und bereits die Ouvertüre beginnt wie die berühmten Witze: "Kommt ein Cowboy in die Bar..." oder so. Hier sind es eben die Schokoholikerin, der Kastrat und der Osterhase. Sehr schön und sehr humorvoll – bereits auf der ersten Seite kann man sich das Schmunzeln nicht mehr verkneifen. Unverkennbar, auf wessen Tastatur dieser Text geschrieben wurde – so (und nicht anders) fängt ein echter Kruse(-Krimi) an.

Die Besetzung der Rollen ist international und es wirken mit – ob auf der Bühne, oder im wahren Leben:

Pauline Miller, zu ihrem Missfallen mitunter auch „Millerin“genannt (nicht zu verwechseln mit der Forelle „Müllerin Art“), sie ist eine etwas schrille Persönlichkeit – sowohl stimmlich, als auch optisch. Bei den Salzburger Sommerfestspielen darf die Koloratursopranistin die Konstanze singen. Doch die 35jährige Wuchtbrumme hat Liebeskummer - da sollte sich die „kleine Fellkugel“ Luigi besser nicht mit ihr anlegen, sonst rammt sie ihn noch ungespitzt in den Bühnenboden!

Ansonsten hat Pauline eine große Schwäche: Sie liebt Schokolade, wobei sie auch Alkoholischem gegenüber nicht abgeneigt ist – zu einem Glas Champagner kann sie einfach nicht Nein sagen. Und so ein, zwei, drei, viele Mozartkugeln können über so manchen Kummer und Schmerz hinwegtrösten. Nur helfen auch Mozartkugeln nicht über die unglückliche Beschaffenheit eines Kostüms hinweg: Eine „wohlproportionierte“ Operndiva im XXL-Format (Gr. 48/50), die in einem überdimensionalen Kleid mit Reifrock steckt, ist zur Bewegungsunfähigkeit verdammt. Privat liebt Pauline es eher auffällig unauffällig, indem sie ihre Kurven in einem orangefarbenen Minikleid zur Schau stellt (ein blinkendes Blaulicht auf dem Kopf könnte kaum auffallender sein).

Radames ist ein sehr kleiner Hund (um nicht zu sagen, er ist winzig), und der ständige Begleiter seines Frauchens Pauline – sozusagen der Mann (oder Hund) an ihrer Seite. Doch in manchen Situationen, wenn ihm alles wieder einmal zuviel wird, verabschiedet er sich von der Welt und schaltet ab – Radames leidet nämlich unter Narkolepsie, fällt von jetzt auf nachher in einen komatösen Schlaf. Trotz (oder gerade wegen) seiner geringen Größe, versetzt er so manche Frau in Angst und Schrecken – immer wieder wird er für eine Ratte gehalten. Hund hat es eben schwer.

Die etwas launische Marie-Luise „Bröcki“ Bröckinger misst zwar nur 119 cm, aber dennoch ist sie eine selbstbewusste Frau, mit umso größerem Mundwerk. Beste Voraussetzungen, um als Managerin von Pauline Miller ihre Frau zu stehen. Und dann ist da noch Assistent Yves DuBois, der Mann für fast alle Fälle. Da er derzeit als Countertenor (klingt zwar wie ein Kastrat, ist aber keiner) keine Anstellung hat, steht er Pauline als helfende Hand stets gerne zur Seite.

Für den lyrischen Tenor James „Jimmi“ O'Shay ist die Rolle des Belmonte vorgesehen. Jimmi ist ein wahrer Weiberheld und Schlüpferstürmer. Da kann Pauline noch so lange überlegen, mit wem der Ire nicht im Bett war, es fällt ihr keine Frau ein, die Jimmis Charme widerstehen konnte. Ja, auch Pauline war vor einiger Zeit ein williges „Opfer“. Aber wer kann auch schon einem Casanova mit schwarzen Locken, den blauen Augen und dem Sixpack (und damit ist jetzt nicht die Verpackung eines hopfenlastigen Getränks gemeint) widerstehen!? Pauline wäre an einer Wiederbelebung einer Liason nicht abgeneigt.

Branwen Lloyd aus Großbritannien, genauer gesagt aus Wales, darf „Blondchen“ spielen. Auch wenn Pauline so gerne das luftigleichte Haremskostüm tragen würde, so darf Branwen es letztendlich tragen. Zwar ist Branwen genau fünf Jahre jünger als Pauline, sieht aber dank Botox eher wie deren Tochter aus – scheinbar ist das auch dringend nötig, wenn man plötzlich einen runden Geburtstag begeht und die Zwei der Drei weichen muss. Aber trotz ihres Aussehens ist die Sopranistin noch immer Jungfrau – und damit meine ich nicht das Sternzeichen.

Der blonde Wikinger Mads Staun stammt aus Dänemark und singt als Tenor die Rolle des Pedrillo. Außer singen kann Mads auch noch hervorragend schauspielern. Und fast schon bedauert Pauline es, ihn damals vor fünfzehn Jahren, als sie gemeinsam die Akademie besuchten, nicht vernascht zu haben. Im Gegensatz zu seinen Kollegen führt Mads ein geradezu spießiges Leben: Er ist verheiratet und zweifacher Vater.

Harry Cho ist ebenfalls „gut gepolstert“ und für Pauline wie ein Bruder, den sie nie hatte – eine Nervensäge, dem man liebend gern das Kissen auf sein Gesicht drücken würde, es aber nicht macht. Schließlich könnte es ja sein, dass man irgendwann einmal eine seiner Nieren braucht. Bei den Festspielen singt er mit seinem Buffo-Bass die Rolle des Haremswächters Osmin. Harry stammt aus einer sehr wohlhabenden Familie, der Südkorea gehört – jedenfalls fast.

Wolfgang (dessen Nachnamen sich Pauline nicht merken kann) Strasser ist ein einheimischer Schauspieler und hat eine reine Sprechrolle. Der unscheinbare Mann mit dem schütteren Haar darf die Rolle des Pascha sprechen.

Kommissar Pittertatscher, dessen sonderbarer Name bei mir erst einmal zu „schlimmen“ Vermutungen führte, ist ein wahrer Hüne. Besonders neben Bröcki wirkt er riesig. Ansonsten ist der Kommissar recht sympathisch, was ja in Krimis nicht zwangsläufig der Fall ist.

Luigi Pescarelli ist zwar klein, macht dies aber mit seinem Umfang wett. Der starkbehaarte und überaus temperamentvolle Italiener ist für die Neuinszenierung der Oper zuständig. Nein, Luigi ist nicht schwul! Er ist sogar stockschwul! Liiert ist er mit Gisbert Weiß, der für die Bühne und die Kostüme zuständig ist. Mitunter bekommt Pauline selbst Mordgelüste, angesichts ausladender Kleider und schwerer Perücken, die sie beinahe zur Bewegungsunfähigkeit verdammen.

Singt er noch, oder stirbt er schon? - Die Protagonisten werden zusehens weniger, doch die Spannung bleibt erhalten. Wer wird noch von der Bühne abtreten? Es muss nicht immer ein Kettensägen-Massaker sein, auch wenn wenig bis gar kein Blut fließt, kann ein Krimi hervorragend unterhalten. Hier fließt zwar Blut, aber dennoch ist die Handlung eher ruhig – und aufgrund des Geschehens, des Schreibstils und der Protagonisten höchst amüsant. Natürlich wirkt die Handlung oftmals überzogen, aber das stört nicht im Geringsten, denn humorvolle Handlungen leben nun mal meist von Übertreibungen. Pauline behält selbst dann die Fassung, wenn sie eine Leiche findet – ein Schrei, dann siegt die Neugier. - Ist wie bei Miss Marple, die sich kurz vor Schreck ans Herz fasst und dann ermittelt. Und wo andere panisch die Flucht ergreifen, sieht Pauline sich erst einmal genauer um.

Lokalkolorit ist im Buch vorhanden – Pauline (ent)führt den Leser nicht nur in Läden mit den leckeren Mozartkugeln, sondern auch durch Salzburgs Gassen, zum Fluss und sonstigen Sehenswürdigkeiten.

Den Aufbau des Buches fand ich sehr gelungen, da er zu einer Opernaufführung hervorragend passt. Zuerst die Vorstellung der Mitwirkenden anhand des Theaterprogramms, daraufhin folgt die Ouvertüre, der 1., 2. und 3. Aufzug (wobei hier jeweils einige Hinweise zur Handlung im jeweiligen Teil gegeben wird). Jeder Aufzug ist in mehrere Kapitel unterteilt, die witzige Überschriften tragen, sei es „Tötet Mozart!“, „Tot, töter, Tenor“ oder „Das Mozartkugelmassaker“. Szenenwechsel innerhalb eines Kapitels werden durch „beschwingte Noten“ kenntlich gemacht. Und letztendlich passt auch der Buchtitel hervorragend – BEI ZUGABE MORD! - Sinnvoll ergänzt durch den Zusatz „Eine Diva ermittelt im Salzburger Festspielhaus“.

Bereits am Ende des Buches werden weitere Pauline-Miller-Krimis angekündigt. Wir werden die gewichtige, extravagante Dame in Bregenz bei den Festspielen wiederlesen (hoffentlich übersteht das Nichtschwimmerin Pauline ohne Schäden – schließlich gibt es dort eine Seebühne), sowie bei den Bayreuther Festspielen (der ideale Platz für eine Walküre wie Pauline) – somit sind uns mindestens zwei weitere, stimmgewaltige Auftritte gewiss. Und wir freuen uns über weitere verschreckte Ausrufe, wenn es erneut heißt: „ Ihhh, da ist eine Ratte, und jetzt ist sie tot zusammengebrochen!“ (-...nur sinngemäß wiedergegeben – nicht zitiert!).


Fazit:

Wieder einmal präsentierte Tatjana Kruse den Lesern einen Krimi voll Wortwitz und dem gewohnten „bissigen“ Humor (oder Humor mit Biss?) – wer skurrile Personen und (etwas) verrückte Handlungen liebt, der wird dieses Buch sicherlich mit Begeisterung lesen.

Eine „hamsterbackig kauende“ Protagonistin konnte mich voll und ganz überzeugen, obwohl ich in der Welt der Oper so gar nicht zuhause bin. Aber das dürfte kein Hinderungsgrund sein, denn ich liebe auch Krimis, obwohl ich keinerlei Mordabsichten habe. Von mir erhält dieses Buch daher eine Leseempfehlung, sowie 5 Sterne.

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sex, landleben, dorf, roman, sex and the dorf

Sex and the Dorf

Julia Kaufhold
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 22.06.2015
ISBN 9783442482740
Genre: Humor

Rezension:

Nachdem ich vor längerer Zeit Julia Kaufholds Debüt-Roman LÖFFELCHENLIEBE gelesen habe, war ich nun gespannt auf ihr neues Buch SEX AND THE DORF, zumal ich selbst ein bekennendes „Landei“ bin – und das auch noch gerne!


Das Cover:

Frauen bekommen ja bei verschiedenen Dingen große, leuchtende Augen: Bei Schuhen und bei süßen Tieren, vor allem bei Tierbabys. Ich selbst bin zwar kein „Schuhfetischist“, aber die roten Lack-Highheels auf dem Buchcover ziehen selbst meine Blicke auf sich (selbst wenn sie für mich im wahrsten Sinne des Wortes „untragbar“ sind). Daneben bildet das gelbe flauschige Küken einen hübschen Kontrast dazu. Doch was hat es mit dem Cover eigentlich auf sich? Ich vermute mal, dass die Highheels im „sündigen“ Rot für den Sex stehen, aber auch für die Stadt, denn Caro, die Protagonistin des Buches kommt ja ursprünglich aus Hamburg.

Das Küken hingegen ist sicherlich stellvertretend für das Dorf hier auf dem Cover zu finden. Somit wäre dann der Buchtitel gekonnt in Szene gesetzt. Doch spurlos geht das Leben auch nicht an den chicen Schuhen vorüber – in Sachen Landleben sind eben doch Gummistiefel oft besser geeignet. Und so klebt an den schmalen Absätzen auch Erde und Grashalme, die auch um die Schuhe herum zu finden sind.

Der Hintergrund des Covers ist schlicht – ein mattes Weiß. Doch darauf kommen die glänzend hervorgehobenen Elemente, die geradezu lackiert wirken, wie die Highheels, das Küken und der Buchtitel sehr schön zur Geltung. Beim Buchtitel selbst gefällt mir die Anordnung (verteilt auf drei Zeilen, sowie in unterschiedlichen Größe der einzelnen Worte) sehr gut. Zudem sind diese schwarzen Buchstaben zusätzlich hervorgehoben, indem sie erhaben sind – diesen 3D-Effekt mag ich sehr.

Die Innenseite des vorderen Buchdeckels wurde sinnvoll genutzt, indem hier die Autorin kurz vorgestellt wird, inklusive Farbfoto. Auf der Innenseite des hinteren Buchdeckels ist das Cover des Romans LÖFFELCHENLIEBE abgebildet.


Die Handlung:

Nach der Trennung von ihrem langjährigen Freund Simon, der ihr vorwirft, im Bett langweilig zu sein, wagt die 36jährige selbständige Journalistin Carolin Punke einen Neuanfang. Sie landet in einem winzigen Dorf mit teilweise skurrilen Einwohnern, selbst der neue Chef, der Leiter der Lokalredaktion erweist sich als etwas „schräger Vogel“ - Ordnung scheint für ihn ein Fremdwort zu sein.

Anfangs muss Caro gegen ihre Vorurteile der Landbevölkerung ankämpfen, aber mit der Zeit lernt sie doch, die Vorteile des Landlebens zu schätzen. Und schon bald tauscht sie ihre Schuhe freiwillig gegen die Gummistiefel, feiert mit den Einheimischen, und aus Fremden werden Freunde. Und eines Tages lernt sie Johan Groß kennen, der ihr Herz schon bald höher schlagen lässt.

Doch dann muss das Heimatmuseum, in dem sich die Dorfbewohner treffen, um seinen Fortbestand bangen. Aber die Büttelsbüttler Einwohner haben eine tolle Idee. Werden sie ihr Museum retten können? Und wird Caro im idyllischen Büttelsbüttel bleiben und dort ihr Glück finden?...


Meine Meinung:

Auf dem Lande gibt es sie noch, solche Relikte vergangener Zeiten, von denen wir dachten, es gäbe sie längst nicht mehr, z.B. die Kittelschürze, aber auch der Ententanz ist leider noch präsent, sobald gefeiert wird (in Büttelsbüttel gibt es sogar ein alljährliches Selleriefest!). Doch nun einige Infos zu den verschiedenen Protagonisten:

Carolin Punke liebt ihr Leben so wie es ist. Mit ihrem Traummann Simon führt sie eine tolle Beziehung. So sieht Caro es. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Das merkt Carolin jedoch erst, als ihr Freund ihr nach Jahren den Laufpass gibt. Den Sex mit seiner Freundin empfindet er als langweilig, und so hat er sie mal eben so, durch eine neue Freundin ersetzt, die ihm seine sehnlichsten Wünsche erfüllt. So vom Partner vor den Kopf gestoßen zu werden, nagt natürlich am Selbstbewusstsein und lässt Caro an sich selbst zweifeln.

Da bleibt für Caro nur noch die Flucht – auf dem Land will sie einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Doch schon der erste Eindruck erschreckt sie, denn sie trifft auf eine Himmelsanbeterin im Blümchenkleid und einen Papstshirt-Mann – diese beiden können keinesfalls ihre neuen Freunde werden, soviel steht für Caro schon mal fest. Oder hat sie sich da geirrt?

Simon, Caros Ex, mochte ich gar nicht. Als er mit Carolin Schluss machte, heulte er im wahrsten Sinne des Wortes Rotz und Wasser. Und wechselt dann, ohne mit der Wimper zu zucken, zur nächsten Frau. Überhaupt gefiel es mir so gar nicht, dass Simon während der Beziehung seine Carolin zu dem machte, was er wollte – sie musste ihre geliebten Sneakers wegwerfen und dafür in Highheels durch die Gegend stöckeln. Doch was den (angeblich so schlechten) Sex betraf, hüllte er sich in Schweigen, beschwerte sich dann aber im Nachhinein. Was für ein Feigling!Immer schön den bequemen Weg gehen. Und überhaupt – was soll man von so einem Kerl denken, der es in acht Jahren Beziehung nicht einmal geschafft hat, seiner Partnerin seine Wünsche mitzuteilen, sich dann aber beschwert!? Meine Befürchtung war, dass er irgendwann, wenn seine neue Freundin in abschießen würde, wieder bei Caro vor der Tür stehen würde. Und ich hoffte, sie würde ihn dann zum Teufel jagen!

Irmela Fuchs, genannt „Saranya“, stammt ursprünglich aus Bayern und kommt zufällig am gleichen Tag nach Büttelsbüttel wie Carolin. Doch ansonsten sind die beiden Frauen so unterschiedlich wie Tag und Nacht, wie Mond und Sonne und wie Sumo-Ringer und Ballerina. Während Carolin in Sachen Männer verständlicherweise zurückhaltend ist, stürzt Karrierefrau Saranya sich vollkommen hemmungslos auf die Männer, die nicht bei drei auf den Bäumen sind. Doch so unbeschwert die esoterisch veranlagte Enddreißigerin auch ist, so hat sie doch auch ihre Probleme.

Nele „Nelly“ Bente betreibt das Café im Heimatmuseum und backt leckere Kuchen und Torten. Aber auch sonst ist sie kreativ – sie malt für ihr Leben gerne. Und ganz offensichtlich ist sie in den Ortsbeirat Paul verliebt, der jedoch verheiratet ist. Doch als Caro Nelly zum ersten Mal sah, hielt sie die Frau für eine Verrückte, mit der sie nichts zu tun haben wollte. Für mich war Nelly eine liebenswerte, warmherzige Person, die lediglich etwas in sich gekehrt war.

Wilma ist zwar bereits 90, hat es aber faustdick hinter den Ohren – bei ihr gilt: Je oller, je doller. Was Männer betrifft, nimmt sie kein Blatt vor den Mund, sondern sagt, was Sache ist. Mich hat Wilma mit ihrem losen Mundwerk immer ein wenig an das „Golden Girl“ Sophia Petrillo erinnert („Golden Girls“ war eine Comedy-Serie, die in den 90ern im TV lief). Und wer denkt, Wilma wäre in ihrem Alter jenseits von Gut und Böse, der hat sich geirrt, denn sie ist alles andere als verklemmt. Und so schleppt sie eines Tages etwas an, womit keiner von ihren Freundinnen je gerechnet hätte – und ich lachte Tränen.

Knut ist 74 Jahre alt, verwitwet und alleinstehend. Er ist nicht nur Busfahrer, sondern gleichzeitig auch noch Caros Vermieter. Sein Sohn Johan Groß arbeitet in Hamburg als Architekt. Ich mochte Knut sehr gerne, ist er doch für Caro fast wie ein Vater. Er steht ihr mit Rat und Tat zur Seite, und ist ihr ein väterlicher Freund. Für mich ist Knut eine meiner absoluten Lieblingsfiguren, und manchmal tat er mir leid, weil er recht einsam wirkte, seine verstorbene Frau und den Sohn vermisste. Ich fand, dass Knut und Caro sich gegenseitig eine große Stütze waren. Gefreut hatte ich mich, dass Knut plattdeutsch redete, denn dadurch wirkt die Handlung gleich authentischer – Dialekt in Büchern ist für mich stets ein Pluspunkt (auch wenn sich „mien jong“, also „mein Junge“, für süddeutsche Ohren fast schon chinesisch anhört).

Holm Fiete ist der Küster des Ortes und gleichzeitig Sohn des evangelischen Ortspfarrers. Er hat eine ungewöhnliche Leidenschaft, er sammelt allerlei Dinge rund um den Papst – vor allem seine Papst-Tassen-Sammlung hat ein beachtliches Ausmaß angenommen. Holm ist immer zur Stelle wenn Fotos für die Zeitung geschossen werden. Und so wird es für Caro zur großen Herausforderung, endlich ein „holmfreies“ Foto zu schießen, doch das ist gar nicht so einfach.

Geert-Helge Hahn ist Caros neuer Chef und ein Chaot wie er im Buche steht. Mit moderner Technik steht er ganz offensichtlich auf Kriegsfuß, weshalb er Caro einstellt. Leider hat GHH, wie er auch genannt wird, so überhaupt keinen Ordnungssinn – unzählige schmutzige Kaffeetassen und ein von zerknülltem Papier übersäter Fußboden erwarten Caro „CP“ an ihrem neuen Arbeitsplatz, wo sie für den „Büttelsbütteler Boten“, dem Regionalteil des „Nordseeboten“ schreiben soll. Dabei muss sie in die Gummistiefel steigen und dann geht es ab durch die Pfützen und Schlammpisten, um beispielsweise über falsch geparkte Autos zu berichten.

Nelly, Saranya und Caro sind die Raritäten des Dorfes. Alle drei haben ihren 30. Geburtstag hinter sich gelassen, sind aber noch ledig. Mir gefiel die Entwicklung sehr gut. Caro lebt sich zusehens ein – sie fühlt sich in der Dorfgemeinschaft immer wohler, fast schon geborgen, und mit der Zeit bemerkt sie die mitunter nach Gülle riechende Landluft schon gar nicht mehr.

Der Handlungsort: Büttelsbüttel ist ein kleines Dorf mit nur 370 Einwohnern, das sich im Norden Deutschlands befindet. Viel ist hier nicht los, aber jeder kennt hier jeden. Klingt erst einmal langweilig – ist es auch. Doch dann, wenn man erst Freundschaften geschlossen hat, möchte man das Dorf nicht mehr missen. Hier gibt es nicht die Anonymität der Großstadt, man kennt sich und hilft sich auch, wenn Not am Manne ist. Doch auch wenn es nach heiler Welt aussieht – einen Stinkstiefel gibt es doch immer, der den anderen das Leben schwer machen „muss“ - wie im wahren Leben eben! Aber ansonsten wäre das Leben in der Provinz auch ereignislos.

Obwohl Büttelsbüttel so klein ist, gibt es dort dennoch ein Heimatmuseum. Doch leider kann man die Besucher an einer Hand abzählen. Kein Wunder, bei dem Sammelsurium an Gegenständen, von denen keiner weiß, was sie darstellen sollen. Und die Bügeleisensammlung ist ebenfalls alles andere als spannend. Dennoch lieben die Dorfbewohner ihr Museum, denn hier befindet sich ein kleines Café, in dem man sich zum Kaffee- und Teetrinken trifft und Nellys leckere, selbstgebackene Kuchen genießt. Mir gefiel während des Lesens das Heimatmuseum sehr gut, denn es verbreitete eine gemütliche Atmosphäre und strahlte Wärme aus.

Eine Handlung, die (nicht nur anhand des Buchtitels) sicherlich an SEX AT THE CITY erinnert, jedoch den ein oder anderen auch an die TV-Comedy-Serie GOLDEN GIRLS. Vor allem Wilma erinnert schon sehr an Sophia Petrillo. Die Handlung gefiel mir sehr gut, da sie überwiegend humorvoll war. Aber auch ernste Themen wurden angesprochen, wie z.B. Familienprobleme, Burn Out oder der Tod eines geliebten Partners. Dadurch erhält dieser Roman auch einen gewissen Tiefgang. Was mir sehr gut gefiel war die Länge der Kapitel. Die etwa 411 Seiten Handlung wurden in 30 Kapitel unterteilt, die durchnummeriert wurden. Schade, ich bin ja eher der Fan witziger Kapitelüberschriften. Ein tolles Extra wäre sicherlich das ein oder andere Kuchenrezept gewesen, mit dem Nelly die Dorfbewohner verwöhnte.

Würde ich nicht bereits auf dem Land leben, ich würde spätestens jetzt dort leben wollen – trotz der Nachteile, die das Landleben mit sich bringt. So steht man irgendwie ständig unter Beobachtung, was auch Caro schnell merkt. Aber dass man nie alleine ist, hat dennoch auch seine guten Seiten. Ob Caro sich zum Schluss für das Leben auf dem Lande, oder das Stadtleben entscheiden wird? Das verrate ich natürlich nicht. Natürlich wirken die Geschehnisse übertrieben, aber gerade das bringt uns Leser doch letztendlich zum Lachen.

Auch dieser zweite Roman der Autorin Julia Kaufhold, die übrigens in ihrer Lieblingsstadt Hamburg lebt, konnte mich wieder voll und ganz überzeugen. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann auch ein Wiederlesen mit den Büttelsbüttelern.


Fazit:

Güllegestank statt Abgas-Geruch, Vogelgezwitscher und Grillengezirpe statt Verkehrslärm. Landleben, das sich alles andere als langweilig erweist, dazu schräge Charaktere, eine witzige Handlung und das Thema Freundschaft – all dies sind die Zutaten für diesen herzerfrischenden (Frauen-)Roman, der sicherlich nicht nur Fans der TV- Serie SEX AT THE CITY gefallen wird, sondern alle die, die das Landleben lieben, hassen oder die einfach gerne humorvolle Bücher lesen. Dennoch hat das Buch auch seine ernsten Seiten, die nachdenklich stimmen – und daher besteht der Roman aus einer ausgewogenen Mischung an Themen. Von mir erhält das Buch eine Leseempfehlung und somit 5 Sterne.

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urlaub, humor, buddha, insel, liebe

Wie Buddha in der Sonne

Hanna Dietz ,
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 30.05.2015
ISBN 9783805250757
Genre: Humor

Rezension:

Urlaubszeit – die schönste Zeit des Jahres!? Oder doch eher die stressigste Zeit? Seien wir mal ehrlich: So manch einer braucht im Anschluss an den anstrengenden Urlaub erst einmal einen Urlaub vom Urlaub. Und auch bei unserem Urlauberpaar Frida und Henning läuft nichts so richtig nach Plan.


Das Cover / die Gestaltung:

Wenn dieses Buchcover mal keine Urlaubsstimmung verbreitet, dann weiß ich auch nicht – schon alleine diese Farbgestaltung mit den frischen, kräftigen Farben macht beim Betrachten gute Laune. Das matte Cover wirkt einfach nur sommerlich und passt wunderbar zum den Schauplätzen – eine Insel mit Palmen, ein am Ast hangelnder Affe, Fische, die im türkisfarbenen Meer schwimmen.

Ein gelber Sandstrand im Vordergrund jedoch lenkt die Blicke auf sich: Auf einem gestreiften Strandtuch sitzt ein gutgelaunter, steinerner Buddha, der einen leckeren Cocktail in der Hand hält, während neben ihm eine Krabbe und ein Seestern diese idyllische Szenerie vervollkommnen. Optisch hervorgehoben wurden der Name der Autorin, sowie der Buchtitel, denn diese wurden sowohl erhaben, als auch glänzend gestaltet.

Ich liebe diese Bücher, die als Klappenbroschur gestaltet sind – sie wirken nicht nur hochwertiger, sie sind durch die „Innenklappen“ auch stabiler als herkömmliche Taschenbücher. Gut gefällt mir auch das Format, das etwas größer als das herkömmlicher Taschenbücher ist. Leider hat diese Ausführung aber einen Nachteil – die Bücher kosten gleich einige Euro mehr, in diesem Fall kostet das Buch 14,95 Euro. Aber die Qualität kann überzeugen, denn selbst nach dem Lesen zeigt das Buch keinerlei Gebrauchsspuren – weder ist der Buchrücken „rundgelesen“, noch sieht man Leserillen, was sich leider, trotz sorgfältigster Behandlung, nicht bei allen Büchern vermeiden lässt.

Während der Text zur Handlung auf der Buchrückseite eher knapp gehalten ist, findet sich in der vorderen Buchklappe eine etwas ausführlichere Buchbeschreibung. Und ich finde es immer wieder toll, wenn ich etwas über die Autoren erfahre, deren Bücher ich lese. So findet man in der hinteren Buchklappe ein paar Worte zu Hanna Dietz, sowie ein Farbfoto, das die Autorin zeigt.


Die Handlung:

Schon die Anreise verläuft alles andere als positiv. Bereits beim zehnstündigen Flug in den Urlaub macht das Ehepaar Frida und Henning Bekanntschaften der unangenehmen Art: Arrogante Businessleute und zickige Mütter sorgen bereits jetzt für Ärger.

Wie schön, dass am Urlaubsziel ein paradiesischer Strandbungalow auf Larishang auf die beiden Urlauber wartet. Doch schon gleich bei ihrer Ankunft erfahren Frida und Henning Jochem, dass sie den gebuchten Bungalow nicht beziehen können, sondern stattdessen in der „Villa Coconut“ untergebracht werden.

Doch nicht nur dass die Villa ihre besten Tage bereits hinter sich hat, die Jochems müssen sich die Villa mit unliebsamen Mitbewohnern teilen – und das ausgerechnet mit ihren „Feinden“ aus dem Flugzeug – schlimmer geht’s nimmer! Verständlich, dass jeder der Urlauber alles daran setzt, seiner persönlichen Urlaubshölle so schnell wie möglich wieder zu entkommen...


Meine Meinung:

Stell dir vor, du müsstest mit den Leuten, die du überhaupt nicht ausstehen kannst, ein Haus teilen! So groß kann ein Haus gar nicht sein, dass die Mitbewohner dich nicht stören werden. In so einer Zwangs-WG landen Henning und Frida im Urlaub, der doch eigentlich die schönste Zeit des Jahres sein soll. So müssen sie es nicht nur mit Ungeziefer aufnehmen, sondern auch mit einem überheblichen Ehepaar und einer quirligen Familie, aber auch mit Reiseleitern, die sie im Stich lassen. Wie soll da Urlaubsfeeling aufkommen?

Einen Strandbungalow mit eigenem Badesteg – das hatten Frida und Henning auf der Tropeninsel Larishang gebucht. Doch stattdessen gibt es eine schmuddelige Unterkunft mit Fröschen im Pool, Kakerlaken im Bad und Feuerquallen im Meer. Zuerst sah die alte Villa Coconut ja noch recht charmant, wenn auch etwas staubig, aus, bevor die Ernüchterung folgt. Doch alles Jammern hilft nichts, denn es gibt kein Entkommen, und die Urlauber sitzen fest – und das „abseits vom Schuss“, mitten in der Einöde. Das ganze auch noch ohne Personal, so dass die Arbeit an den Urlaubern hängenbleibt. Doch eine angemessene Unterkunft zu bekommen ist alles andere als einfach – immer wieder werden die Urlauber hingehalten. Doch dann soll es eine Tombola geben, in der man ein Upgrade auf die komfortable Hochzeits-Suite gewinnen kann. Frida sieht ihre Chance gekommen, endlich dem Wahnsinn zu entkommen.

Frida ist fast vierzig Jahre alt und seit zehn Jahren mit Henning zusammen, davon sind die beiden acht Jahre verheiratet. Und der Zahn der Zeit hat bereits an der Beziehung geknabbert. Den anstehenden Urlaub will Frida dazu nutzen, wieder frischen Wind in die Ehe zu bringen. Und Fridas größter Wunsch ist es, im Urlaub endlich ein Kind zu zeugen – schließlich tickt ihre biologische Uhr unüberhörbar – zumindest für Frida, denn ihr Mann Henning scheint auf diesem Ohr taub zu sein. Doch eines hat sich Frida vorgenommen: Ihr Mann soll eine ganz „neue“ Frida kennenlernen – eine gutgelaunte Frida, die nicht launisch und nörgelig, dafür aber so richtig sexy, sanft und auch experimentierfreudig ist.

Mitunter fehlt es Frida ganz offensichtlich an Selbstbewusstsein – sie hat nicht die perfekte Figur, ist älter als ihr Mann, und fürchtet sich davor, dass ihr Mann sie verlassen könnte. Doch statt mit ihm über den Kinderwunsch zu sprechen, nimmt sie das Thema selbst in die Hand – sehr seltsam, wenn man doch ein glückliches Paar ist.

Henning (Typus Waschbär) ist ehemaliger Zehnkämpfer und vier Jahre jünger als seine Frau. Es scheint so, als wäre er der „ruhende Pol“ in der Beziehung. Während seine Frau etwas nachtragend ist, ist der gutmütige Henning in dieser Hinsicht toleranter und nimmt die Sache sportlich. So versucht er einfach, das beste aus der Situation zu machen. Henning ist ein sportbegeisterter Naturbursche, statt im Urlaub Zeit mit seiner Frau zu verbringen, freut er sich auch darauf, die Natur zu entdecken, die Multifunktionsweste ist daher sein treuster Begleiter.

Wenig angenehm ist der Umgang mit dem arroganten und überheblichen Yuppie-Pärchen Amy und Christopher. Immer wieder müssen die beiden Workaholics ihren Mitreisenden unter die Nase reiben, dass sie gebildeter sind, beruflich erfolgreicher und überhaupt etwas Besseres sind – oder weshalb sonst haben sie die Reise von Amys Chef geschenkt bekommen?!

Amy, die „Nadelstreifen-Schnepfe“, ist eine Anwältin. Dieser Umstand kommt einem natürlich sehr zugute, wenn man mit seiner Unterkunft alles andere als zufrieden ist. Zunehmend hatte ich jedoch das Gefühl, dass die 46jährige Amy immer genau das tut, was ihr Mann von ihr fordert. Ich hatte den Verdacht, dass Amy in Abwesenheit von Christopher gar nicht so schlimm ist, denn dann hat er nicht die Chance, sie zu manipulieren.

Christopher, der „Gucci-Precht“, ist einfach nur ein egoistischer Zeitgenosse, der sich offenbar für die Krönung der Schöpfung hält. Anderen behilflich zu sein, kommt für ihn nicht infrage, er ist sich selbst der Nächste. Und wenn Christopher eines hasst, so sind das fremde Menschen, und ganz besonders Kinder!

„Familie Düsseldorf“ besteht aus Mutter Coralie, Vater Maxim, Tochter Janell und Sohn Santos (wow – was für Namen!). Oft fällt die Familie unangenehm auf – die Eltern drängen sich in den Vordergrund, und die Kinder leiden unter Dauerlangeweile. Wobei die Kinder glücklich wären, würden die Eltern etwas mit ihnen zusammen unternehmen, doch die Eltern stellen ihre Kinder lieber mit elektronischer Unterhaltung still.

Die schillerndste Person der Familie ist ohne Zweifel Mutter Coralie: Die Blondine ist nicht besonders intelligent (da lässt das Klischee grüßen), wie man an ihren Sprüchen merkt, dafür aber geizt sie nicht mit ihren Reizen, sondern setzt sie in Szene. Coralie ist mit einer beeindruckenden Oberweite ausgestattet, die sie in mal mehr, mal weniger Stoff zur Schau stellt, gerne in hautengen, auffallenden Oberteilen. Klar, dass die Männer da mitunter einen Blick auf die Styling-Queen riskieren – nicht gerade zur Freude ihrer Frauen. Und natürlich genießt Coralie die Aufmerksamkeit des männlichen Geschlechts.

Während Autohändler Maxim (natürlich ein waschechter Macho) alles daran setzt, aus seinem musisch begabten Sohn Santos einen „echten Kerl“ zu machen, möchte die menschgewordene Barbie Coralie aus Töchterchen Janelle eine glamouröse Prinzessin machen. Doch Santos liest gerne und erfreut sich an schönen Dingen, während seine wissbegierige Schwester bei allem was da so kreucht und fleucht keine Angst zeigt. So recht mögen die liebenswerten Kinder jedenfalls nicht zu ihren „Proll-Eltern“ passen.

Und dann ist da noch den Straßenguru Satchman, einen Sikh, der immer wieder versucht, Frida seine Weisheiten zu vermitteln – natürlich gegen eine, seiner Meinung nach, angemessenen Bezahlung. Es ist nur schwer möglich, diesem raffinierten, Hünen mit dem Turban zu entkommen. Was wäre das Buch nur ohne dieser schlagfertigen Nervensäge? Und Weissagungen sind eben immer wieder auch Auslegungssache, das merkt auch Frida (und doch setzt sie immer wieder erneut Hoffnung in Satchmans Prophezeiungen).

Die humorvollen Episoden brachten mich immer wieder zum Schmunzeln. Das fing schon bei der Gepäckkontrolle am Flughafen an: Frida hat doch tatsächlich allerlei Equipment in ihrem Koffer verstaut, mit dem sie ihrem Mann einen unvergesslichen Urlaub bescheren will. Das könnte in der Tat peinlich werden, sollte das Gepäck durchsucht werden. Und ein asiatisches Elvis-Double sorgt beim Leser ebenfalls für Heiterkeit, denn die Texte sind durch den asiatischen Akzent kaum wiederzuerkennen. Aber auch ein „technikbegeisterter“ „Affenchef“ sorgte bei mir für so manchen Lacher.

Aber auch der Sex im Sand hat so seine Tücken, doch zum Glück gibt es da noch heiße Dessous und Sprühsahne, mit dem Frida ihren Henning verführen kann, oder exotische Fruchtbarkeitsrituale (einfach wunderbar herzerfrischend, was Frida nicht alles tut, um dem Liebesglück auf die Sprünge zu helfen).

Die lieben Mitmenschen bereiten Frida oft nur wenig Freude – wer will denn schon die Umgebung am Urlaubsort durch das Display einer fremden Kamera betrachten? Und wer will schon seine Ferienunterkunft mit anderen teilen, die sich auch noch als die fürchterlichsten Zeitgenossen entpuppen, die man sich überhaupt vorstellen kann? Aber auch die Höflichkeit und Diskretion des Personals lässt mitunter sehr zu wünschen übrig – manchmal sind die Angestellten den Gästen gegenüber schon richtig respektlos. Natürlich ist so manche Episode schon sehr überzeichnet, aber das stört mich nicht, denn schließlich will ich keinen (langweiligen) Reisebericht lesen, sondern mich über turbulente Erlebnisse amüsieren.

„Die Kunst der kreativen Kopulation“ heißt nicht nur der Sex-Ratgeber, den Frida in ihrem Reisegepäck hat, sondern auch sonst spielt dieses Buch eine wichtige Rolle. Zu Beginn eines jeden der 49 Kapitel gibt es vom Autor E. L. Flint für den Leser einen Ratschlag, wie man sein Sexualleben bereichern kann. Diese Tipps wurden sehr schön ausgewählt – passend zur jeweiligen Situation. Nur einen kleinen Mangel sehe ich darin, dass diese Zitate in sehr filigranen Buchstaben geschrieben ist, und die Schrift zudem auch noch sehr klein ist. Unter optimalen Lichtverhältnissen ist dies zwar kaum ein Problem, wohl aber in der Dämmerung. Die kurzen Kapitel tragen mit dazu bei, dass die ca. 335 Seiten beim Lesen nur so dahinfliegen.

Der Humor gefiel mir sehr gut, denn ich mag witzig geschriebene Bücher sehr. Doch leider gibt es auch Autoren, die hierbei übertreiben, so dass die Handlung nervig wird – ein Gag um jeden Preis muss nicht sein. Hier ist der Humor zwar reichlich vorhanden, aber in der genau richtigen Dosierung. Und auch wenn das Buch ein echter Gute-Laune-Roman ist, so gibt es hier doch auch ernstere Momente, was mir sehr gut gefällt. Die Protagonisten entwickeln sich im Verlauf der Handlung weiter, das mag ich sehr. So lernt (fast) jeder der Urlauber etwas dazu, soviel sei schon einmal verraten.

Wer auch noch nach dem Lesen die in der Andamanensee gelegene Insel Larishang besuchen möchte, den muss ich enttäuschen, denn diese Insel ist fiktiv, also existiert in Wirklichkeit gar nicht. Ausgedacht hat sich den Ort Shangrila (Shangri-La) bereits in den 1930er Jahren der Autor James Hilton.Die Autorin machte daraus ein Anagramm – Larishang war erschaffen. Als Vorbild für ihr Larishang dienten der Autorin Hanna Dietz hier die thailändischen Inseln, aber auch das Festland in Südostasien, wo sie schon sehr oft ihren Urlaub verbrachte. Durch den Umstand, dass die Insel nicht wirklich existiert, kann sich jeder seine eigene Insel „basteln“ oder erkennt den eigenen Urlaubsort darin.

Wer also gerne mal einen Urlaub in Thailand, bzw. Südostasien verbringen möchte – ganz risikofrei, ohne Ungeziefer und unliebsame Zeitgenossen, der sollte bei diesem humorvollen Buch zugreifen.


Mein Fazit:

Heißen Sex unter heißer Tropensonne – das wünscht Frida sich, als sie mit ihrem Mann in den heißersehnten Urlaub fliegt. Doch statt dessen erwarten die beiden Urlauber nur Pleiten, Pech und Pannen, und natürlich kommt alles ganz anders als erwartet - sehr zur Erheiterung der Leser. Der Schreibstil ist locker und unterhaltsam, die Handlung kurzweilig. Dieser Roman ist ohne Zweifel die passende Lektüre für die Urlaubszeit, weshalb ich diesen Sommerroman sehr gerne weiterempfehle und ihm 5 Sterne gebe.

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26 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

jugendbuch, oetinger taschenbuch, krass, anja fröhlich, miss krassikowski

Miss Krassikowski, 3 Bde.

Anja Fröhlich
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei PINK!, 01.07.2015
ISBN 9783864300431
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Voll krass! Familie Krass ist mit Sicherheit eine ungewöhnliche Familie – eine etwas durchgeknallte Mutter, die alleinerziehend ist, eine 17jährige Tochter – und mittendrin Paulina, mit ihren 13 Jahren im besten Alter, sich zu verlieben.


Das Cover:

Auf dem Buchcover dieses Sammelbandes sieht man da lachende Gesicht eines Mädchens – wobei das Gesicht nur teilweise zu sehen ist. Hier lacht sogar das ganze Gesicht – an den Augen sieht man Lachfältchen, die Nase ist „gekräuselt“ - ein Lachen, das von innen kommt und nicht nur aufgesetzt wirkt. Das blonde Haar des Mädchens ist zu einem Zopf geflochten, auf der Wange ist eine Blume aufgemalt – so kann man sich Paulina Krass durchaus vorstellen.

Der Hintergrund ist gemustert – er besteht aus pastellfarbenen, hellblauen und rosafarbenen und gemusterten Dreiecken, die sich sogar über den Oberkörper des Mädchens fortsetzen. Der Buchtitel ist sehr schön gestaltet, wie ich finde – während das Wort „Miss“ in schwarzer, verschnörkelter Schreibschrift gestaltet ist, besteht das Wort „Krassikowski“ aus verschiedenfarbenen Buchstaben in unterschiedlichen Lila- und Pinktönen. Allgemein kann ich sagen, dass die Gestaltung und die Farbgebung sicherlich die Mädchen der Zielgruppe anspricht.


Die Handlung 1:

Paulina Krass, genannt Miss Krassikowski, oder auch Paul, hat es nicht leicht. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihrer Halbschwester Anastasia in einem Frauenhaushalt. Doch halt – einen Mann gibt es doch im Hause Krass: Herr Hund, der weder ein Herr, noch ein Hund ist, sondern der „entmannte“ Kater der Familie.

Nicht nur Männer sind rar, sondern auch Geld. Die Mutter wollte als Schriftstellerin durchstarten, doch der Erfolg blieb aus. Nun steht auch noch der vierzigste Geburtstag an und sie fühlt sich alt. Doch dann verliebt sich Paulinas Mutter in den unausstehlichen Klassenlehrer ihrer Tochter. Paulina und Anastasia würden Gottfried Hartkopf-Heiligenhaus nur zu gerne wieder loswerden...


Die Handlung 2:

Liebeschaos im Haus Krass: Paulinas Mutter, die Lügenbaronin, hat gleich zwei Freunde, während Paulina gar keinen Freund hat. Muckel, Paulinas ehemalige beste Freundin (die seit neuestem Simone genannt werden möchte), hat ihr Liam ausgespannt. Das will und kann Paulina Simone nicht so einfach verzeihen. Doch dann kommt ein neuer Junge in die siebte Klasse. Luuk gefällt Paulina sehr gut, und sie himmelt ihn an. Doch da ist noch der Roboter, den Paulina von ihrem Vater geschenkt bekam. Mit dessen Hilfe kann man über den Computer miteinander in Kontakt bleiben. Doch Simone hat Rovio, die „Roboterkrabbe“, nach einem Streit kurzerhand im Müll entsorgt. Über die eingebaute Kamera erfährt Paulina, dass jemand die „Krabbe“ ganz offensichtlich mitgenommen hat. Doch in wessen Besitz befindet sich die „Krabbe“ nun? Paulina setzt alles daran, dies herauszufinden...


Die Handlung 3:

Inzwischen sind Paulina und Liam ein Paar, während Muckel noch immer hoffnungslos in Luuk verknallt ist. Aber leider ist auch die attraktive Daphne Oberwinter in Luuk verliebt. Doch auf Daphnes Geburtstag soll es geschehen: Muckel will Luuk endlich küssen. Doch dann entwickeln sich die Dinge anders, als es geplant war. Schon bald wird die Freundschaft von Muckel und Paulina auf eine harte Probe gestellt.

Doch obwohl Paulina nun Liams Freundin ist, hat sie dennoch ihre kleinen Geheimnisse vor ihm. Und auch mit „Göttchen“ versteht Paulina sich jetzt gut, zumal er sich zum Positiven hin gewandelt hat. Als jedoch Frau Krass, die „Ober-Mitfühlerin“, ein Charisma-Studio in der Wohnung einrichtet, ergreift Göttchen die Flucht. Und Paulinas Vater ist ganz und gar nicht mit dem Handeln der Exfrau einverstanden. Wird er etwa wieder bei Familie Krass einziehen?...


Meine Meinung:

Auch wenn man jeden der drei Bände von MISS KRASSIKOWSKI einzeln lesen kann, weil jeder Band in seiner Handlung abgeschlossen ist, so hat man nun endlich auch die Möglichkeit, die komplette Serie als Sammelband zu kaufen.

Paulina „Miss Krassikowski“ ist 13 Jahre alt und fühlt sich neben ihrer modebewussten Mutter und ihrer Halbschwester Anastasia fast schon wie ein Neutrum. Während die beiden shoppen gehen und in hochhackigen Schuhen herumlaufen, steckt Paulina noch eher in den „Kinderschuhen“. Mit ihrer Familie hat es Paulina also nicht gerade leicht – die beiden sind eine eingeschworene Gemeinschaft, zu der „die Kleine“ einfach noch nicht dazuzugehören scheint – irgendwie fühlt sich da ein Mädchen wie Paulina als Außenseiter. Und der Vater, oder eine männliche Bezugsperson fehlt Paulina ganz offensichtlich auch – jemand, der ein offenes Ohr für sie hat.

Paulinas Mutter Jess ist das „Obermädchen“ in der Familie und die „Chefin“. Sie hofft im „Heim für Schwerstreiche“ zu viel Geld zu kommen. Dort trifft sie auch auf den alten Herrn Ludwig von Malottki, kurz LvM (Ellfauem) genannt, der ihr sogar einen Heiratsantrag macht. Überhaupt ist Geld immer Mangelware im Hause Krass, doch ganz normal arbeiten zu gehen, das passt so gar nicht zu Jess Krass – sie fühlt sich zu höherem berufen. Doch die Mutter hat immer wieder kreative Ideen, wie sie Geld verdienen kann.

Anastasia ist Paulinas ältere Halbschwester und die Vize-Chefin in der Familie. Zusammen mit der Mutter sind die beiden im „Mädchenhaushalt“ „die Bestimmer“. Die 17jährige wirkt bereits jetzt wie das Abbild ihrer Mutter. Zu ihrem leiblichen besteht kaum, bzw. gar kein Kontakt, während sich Paulinas Vater um beide Mädchen kümmert. Ganz leicht hat es insofern auch Anastasia nicht – vielleicht kümmert sich auch deshalb Mutter Jess so intensiv um sie, um ihr den Vater zu „ersetzen“.

Muckel ist die beste Freundin und Klassenkameradin von Paulina, die beiden kennen sich schon seit Kindergartenzeiten. Eigentlich heißt Muckel ja Simone, aber so wird sie eher selten genannt. Muckel verliebt sich immer recht schnell – und heftig. Und auch innerhalb einer Mädchenfreundschaft streitet man sich, und versöhnt sich auch wieder.

Gottfried Hartkopf-Heiligenhaus ist Paulinas Klassenlehrer. Paulina mag diesen Lehrer überhaupt nicht – vielmehr kann sie ihn auf den Tod nicht ausstehen. Dass Paulina „Göttchen“ fortan nicht nur in der Schule, sondern auch noch daheim ertragen muss, gefällt ihr daher gar nicht. Und das Essen eines Frutariers (eine besonders extreme Form eines Vegetariers) ist so gar nicht nach Paulinas Geschmack. Doch mit der Zeit ändert sich das Verhältnis von „Göttchen“ und Paulina doch etwas. Wobei Paulinas Mutter und Göttchen auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten.

Liam Breitschuh ist Paulinas Schwarm. Liam besucht die gleiche Klasse wie Paulina, und beim Besuch im Altenheim treffen die beiden häufig aufeinander. Anfangs fand ich den Jungen nett, doch leider hatte auch er seine weniger schönen Seiten.

Daphne Oberwinter ist das „Busenwunder“ in der Klasse. Ihr Handy „parkt“ sie gerne in ihrem BH und in Mathe ist sie ein kleines Genie – hier trifft Intelligenz auf Schönheit. Kein Wunder, dass Daphne die Blicke auf sich zieht.

Die Kothenhöfer-Brüder: Jimmy und Johnny sind beide Schwarm der Mädchen. Während der ältere Johnny mit Anastasia zusammen war, scheint nun auch der 14jährige Jimmy ebenfalls ein echter Mädchenschwarm zu sein, der mühelos Mädchen den Kopf verdrehen kann.

...und dann wäre da noch Felicitas Ferrari, die Wahrsagerin mit französischem Akzent, die ebenfalls mitmischt. Ist sie eine Betrügerin, oder beherrscht sie wirklich die Kunst des Wahrsagens?

Geschrieben ist das Buch aus Paulinas Sicht – witzig und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die Familiensituation ist eine Konstellation, wie sie heute, zumindest in der Stadt, schon (fast) alltäglich ist: Die Mutter ist alleinerziehend, hat aus verschiedenen Beziehungen zwei Töchter, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Mutter und Anastasia sind richtige Modepüppchen, dafür besticht Paulina mit ihren Streichen – sei es die Handyunterhaltung per SMS während des Unterrichts, oder auch entlarvende Aufkleber auf den Spinden der Mitschüler – ich habe mich köstlich amüsiert.

Mir gefiel das Buch so richtig gut, denn es enthielt sehr viele Illustrationen von Silke Schmidt. Diese Illustrationen wirken sehr ansprechend, mir gefiel der aussagekräftige Stil, bei dem wichtige Details in den Fokus des Betrachters rücken. Ergänzt werden die Zeichnungen noch mit Anmerkungen – natürlich in etwas „krakeliger“ Kinderschrift, die wie handgeschrieben wirkt. Bei den PINK-Büchern wird stets mit Schriften gespielt – so werden einzelne Worte oder ganze Textpassagen durch Großbuchstaben oder fettgedruckte Worte oder Sätze optisch hervorgehoben, was schon rein optisch Spannung erzeugt und bereits beim Durchblättern des Buches beim Leser die Neugier auf die Handlung weckt. Und ich denke, durch diese besondere Gestaltung werden auch weniger lesebegeisterte Mädchen an diesem Buch Gefallen finden.

Wie bei den PINK-Büchern üblich, sind auch hier die Kapitel relativ kurz – in diesem Sammelband sind es 14, 11 und 13 Kapitel bei dem jeweils ca. 150seitigen Band. Obwohl dieser Sammelband recht dick erscheint, fliegen die Seiten nur so dahin, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Illustrationen.

Die Autorin Anja Fröhlich war für mich keine Unbekannte - ich hatte bereits das Buch LOVE TO GO von ihr gelesen, das ebenfalls bei PINK erschienen ist. Der Schreibstil ist jung, spritzig, frech, mitunter auch respektlos – und vor allem witzig. Zudem wirkt der Schreibstil geradezu „kindlich“ (im positiven Sinne!) und dadurch auch authentisch – so könnte in der Tat ein dreizehn Jahre altes Mädchen seine Erlebnisse schildern. Interessant wäre natürlich auch ein vierter Teil der Serie – hier würde ich mir die Erlebnisse einer etwas älteren Paulina wünschen (vielleicht zwischen 15 und 16 Jahre alt). Was in der Zwischenzeit geschehen ist, könnte ja mittels Rückblenden erzählt werden.

Der Preis des 448 Seiten starken Sammelbandes ist phänomenal – für taschengeldfreundliche 7,99 Euro erhält man den Sammelband mit allen drei Bänden der Serie. Die Ausführung ist daher nicht ganz so hochwertig – statt Klappenbroschur ist dieser Sammelband ein herkömmliches Taschenbuch, das zudem vom Format etwas kleiner ist – aber das Buch hat ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Bereits im letzten Jahr gab es eine günstige Sonderauflage einiger Bücher von PINK, damals zum Preis von je 5 Euro. Ein Lob an den Verlag – pünktlich zur Ferienzeit kann man so die ein oder andere Leserin gewinnen.


Fazit:

Krass, krasser, (MISS) KRASSIKOWSKI - Nomen est omen, denn Familie Krass ist in der Tat krass: Chaotisch, mitunter sind die drei „Mädels“ zickig, und die Familienmutter hat immer wieder neue verrückte Ideen. Hier gibt es keine Heile-Welt-Handlung, sondern ein Teenager-Leben aus Sicht einer 13jährigen, die mit den Problemen in der Pubertät zu kämpfen hat, wie andere Mädchen auch – sei es die erste Verliebtheit, Streit mit der besten Freundin, oder das Leben auf der Schwelle zwischen Kindheit und dem allmählichen Erwachsenwerden.

Doch trotz Schwierigkeiten – die Handlung ist dennoch witzig und etwas frech, teilweise natürlich überspitzt dargestellt, denn dadurch wirkt das Geschehen erst so richtig. Und die Illustrationen verleihen dem Buch zusätzlichen Charme – respektlos, aber treffend – eine echte Bereicherung. Wie die anderen PINK-Bücher auch, konnte mich MISS KRASSIKOWSKI ebenfalls überzeugen.Von mir erhält das Buch eine Leseempfehlung für Mädchen ab 11 Jahren (und alle, die im Herzen Mädchen geblieben sind) – ohne Altersbegrenzung nach oben. Ich gebe dem Buch somit 5 Sterne.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

freunde, schneidere, vertrauen

Kirschblütenfrühling

Kerstin Hohlfeld
Flexibler Einband: 247 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 04.03.2015
ISBN 9783839216446
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

So schnell und so ereignisreich können nur wenige Jahre vergehen. In GLÜCKSKEKSSOMMER mag Rosa nicht so recht den Prophezeiungen aus den Keksen vertrauen, in HERBSTTAGEBUCH versucht sie ein altes Familiengeheimnis aufzuklären, in WINTERWÜNSCHE spielt Rosas „beste Feindin“ ein falsches Spiel mit ihr. Und nun, im Finale, dem KIRSCHBLÜTENFRÜHLING erwarten Rosa Redlich neue Abenteuer.


Das Cover:

08/15-Buchcover sind bei dieser Serie Fehlanzeige. Nach einer Pusteblume, roten Lack-Pumps und bunten Fingernägeln gibt es hier eine wilde Hochsteckfrisur und Kirschblüten zu sehen. Wie immer ist das Motiv auch auf dem Buchrücken zu sehen, sowie auf den Buchinnenseiten als „Pixeldruck“. Die Textfelder auf dem Cover sind wieder in einem sonnigen Gelb, ebenso wie ein Teil des Buchrückens, sowie die Buchrückseite. Die gesamte Buchserie wirkt im Regal stehend einfach wunderschön.

Wie schon erwähnt, sieht man auf dem Coverbild im Vordergrund den Oberkopf einer Frau, bei der die Haare zu einem lockeren Dutt frisiert sind, in dem Kirschblüten stecken. Im Hintergrund sieht man verschwommen die Zweige eines blühenden Kirschbaums. Der größte Teil des Covers ist matt gestaltet, lediglich die gelben Textfelder und die Blüten im Haar wurden glänzend hervorgehoben.


Die Handlung:

Nachdem ihre Chefin Margret endlich die längst fällige Kur antritt, muss Rosa die Schneiderei managen. Gar nicht so leicht, wenn zeitgleich dazu plötzlich eine Punkerin, die sich Koma nennt, mit ihren Freunden die Gegend unsicher macht. Doch Rosa gelingt es, das Vertrauen der jungen Frau zu gewinnen. Dabei lernt Rosa die liebenswerten Seiten von Koma kennen, und langsam aber sicher entsteht zwischen ihnen eine Freundschaft.

Rosa überredet die befreundeten Inhaber des „Schraders“, Koma als Küchenhilfe einzustellen. Alles könnte so schön sein, würden nicht plötzlich ein paar tausend Euro fehlen, und Koma in Verdacht geraten, das Geld gestohlen zu haben. Doch die junge Frau ist weg – spurlos verschwunden. Hat die junge Frau das Vertrauen, das ihr entgegengebracht wurde, schamlos ausgenutzt? Rosa kann das nicht glauben, und setzt alles daran, den wahren Täter zu überführen...


Meine Meinung:

In KIRSCHBLÜTENFRÜHLING durfte ich Rosa bei einer Lamawanderung begleiten, lernte eine Punkerin namens Koma kennen und bestaunte die Schauplätze, welchen die Autorin Leben einhauchte. Zwar kann man jeden Band der Rosa-Redlich-Serie auch einzeln lesen, aber schöner ist es natürlich, wenn man die Protagonistin Rosa von Anfang an begleitet, und ihre Entwicklung, die sie durchläuft, mitverfolgt.

Seit WINTERWÜNSCHE, dem vorherigen Band, ist im Buch etwa ein Jahr vergangen. Viel ist geschehen. So lebt Vicki, Rosas beste Freundin und einstige Mitbewohnerin, inzwischen mit ihrem Mann Daniel und der kleinen Tochter Lulu in Kletzin. Das Zuhause der jungen Familie ist ein Schloss, das das Paar liebevoll renoviert hat.

Rosa Redlich, die Schneiderin aus Berlin, muss man einfach gerne haben. Und wie Kerstin Hohlfeld es in ihrer Danksagung erwähnt hat: Für viele Leserinnen dieser Serie wurde Rosa zu einer Freundin, so auch für mich.

Rosa ist einfach ein „Seelchen“ - sie besitzt die Gabe, verzeihen zu können, nicht nachtragend zu sein und stets an das Gute im Menschen zu glauben – zumindest fast immer. Doch manchmal erlebt sie dadurch auch so manche Enttäuschung, und man möchte die zarte, elfengleiche Rosa am liebsten in den Arm nehmen und trösten. Manche würden Rosa vielleicht naiv nennen – oder leichtgläubig. Doch Rosas Naturell ist es nun mal, jedem eine zweite Chance zu geben. Und fast immer wird sie dafür auch belohnt – sei es mit ewiger Freundschaft, oder was auch immer.

Irgendwie ist Rosa wie ein guter Hirte, der sein entlaufenes Schäfchen sucht, bis er es findet (um es mal mit einem biblischen Gleichnis zu sagen). Und selbst wenn Rosa einfach aufgeben will, so kann sie dies einfach nicht. Zu sehr würde es sie belasten, würde sie nicht alles Menschenmögliche versuchen, das verirrte Schäfchen wieder auf den rechten Weg zurückzuführen.

Dennoch, um eines klarzustellen: Auch wenn es so zu sein scheint – Rosa ist keine Heilige, sondern eine ganz normale Frau, die auch ihre Macken und Fehler hat, die sich nicht immer perfekt verhält, was man bereits in der Vergangenheit feststellen musste - da hätte man Rosa mitunter gerne mal wachgerüttelt und so manche Aktion konnte man ihr als Leser nur schwer verzeihen. Zum Glück ist Rosa nicht perfekt, denn sonst wäre sie eine Frau ohne Ecken und Kanten - und damit auch langweilig!

Apropos Schaf. Rosas Meisterin Margret Sonnemann, die gesundheitlich schon längere Zeit angeschlagen ist, muss in diesem vierten Teil eine Zwangspause einlegen. Nach einem Unfall entschließt sie sich schweren Herzens eine Kur anzutreten. Und das im fernen Bayern, zwischen Kühen und Schafen im beschaulichen Kurstädtchen Bad Aibling. Plötzlich merkt Margret, dass ihre Änderungsschneiderei in Wedding, für die sie sich über 30 Jahre lang regelrecht aufgerieben hat, sehr gut auch ohne sie bestehen kann. Und zu ihrer eigenen Verwunderung bemerkt sie, dass sie die Lust verspürt, neue Wege zu gehen. Denn Rosa und ihre polnische Kollegin Jola sind sehr wohl in der Lage, den Laden zu zweit zu „schmeißen“. Schließlich waren die drei Schneiderinnen mehr als nur Kolleginnen – sie waren Freundinnen und somit machte ihnen die Zusammenarbeit auch Spaß.

Es gibt auch einen Mann in Rosas Leben, doch den gibt es nur im Zweierpack – Basti und seine süße Tochter Julia, genannt Juli, sind die wohl wichtigsten Menschen in Rosas Leben. Der junge Arzt Basti passt einfach perfekt zu seiner Freundin. Er hat da Verständnis, wo dies bei so manchem Mann aufhören würde, statt Rosa zu bremsen, unterstützt er sie.

Und Juli hat in Rosa eine Freundin gefunden – eine Mutter könnte ihr Kind nicht mehr lieben, als Rosa die Tochter ihres Freundes liebt. Juli lebt zwar bei ihrer Mutter, verbringt aber auch Zeit bei ihrem Vater. Aber Juli ist auch ein sehr liebenswertes Kind, das vom Charakter her sehr gut zu Rosa passt. Schön zu sehen, wie vorbehaltslos und tolerant sich Juli der neuen Mitbewohnerin Koma annähert.

Diesmal stellt eine junge Frau Rosas Leben auf den Kopf. Rosa lernt eines Tages eine Punkerin kennen, die sich Koma nennt. „Rosa Redlich zwischen Vertrauen und Vorurteil“ – verkündet der Text auf der Buchrückseite. Rosa ist hin- und her gerissen: Soll sie der jungen Frau vertrauen und ihr dabei helfen, den Zuständen, in denen sie derzeit lebt, zu entkommen? Offensichtlich ist Koma in falsche Kreise geraten, hat Freunde die keine sind, sondern sie nur ausnutzen. Doch wie lebte Koma vorher, was ist mit ihren Eltern?

Und Rosa wäre nicht Rosa, würde sie nicht Nachforschungen anstellen. Dabei kommt Erstaunliches zutage. Schnell stellt Rosa fest, dass Koma nicht gefährlich, dafür aber sehr unglücklich ist. Kurzerhand nimmt sie Koma bei sich auf, lernt sie schätzen und hilft ihr, wieder auf die Beine zu kommen. Dadurch dass Rosa sich für ihren Schützling einsetzt, bekommt Koma einen Job im „Schraders“, dem Stammlokal von Rosa und ihren Freundinnen.

Ich konnte Rosa sehr gut verstehen, dass sie Koma helfen wollte, ihren Weg zurück in die Gesellschaft zu finden, denn mir war die junge Punkerin sehr sympathisch. Manchmal jedoch zweifelte man an Koma – verschwundenes Geld, die verwüstete Schneiderwerkstatt – sollte Koma zu solchen Taten fähig sein, konnte es sein, dass Rosa sich so sehr in der jungen Frau getäuscht haben? Man konnte (oder vielmehr wollte) das einfach nicht glauben, nachdem Koma so sehr in Rosas und Bastis Gesellschaft aufgeblüht war.

Und hier kommt wieder Rosa als die gute Hirtin ins Spiel. Selbst als vieles gegen ihren Schützling sprach – Rosa konnte Koma nicht so einfach fallenlassen. Sehr gut dargestellt fand ich Komas Wandlung – begegnete sie Rosa zuerst unnahbar und unfreundlich, so taut sie in Rosas Gegenwart immer mehr auf, und es findet eine Annäherung zwischen den beiden so unterschiedlichen Frauen statt. Erst einmal erscheint Koma auch über sehr gute Eigenschaften zu verfügen, sei es das Verhalten der kleinen Juli gegenüber, oder auch ihre Zuverlässigkeit.

Lokalkolorit ist auch in diesem Buch selbstverständlich wieder vorhanden - sei es in Form der Beschreibungen von Rosas Kiez im Berliner Stadtteil Wedding, beim Besuch des „Schraders“ oder dem Dörfchen Kletzin, in dem Vicki nun mit ihrer kleinen Familie lebt. Auch wenn Margret sich gerade am anderen Ende Deutschlands, in Bad Aibling befindet, so wird man dennoch über Margrets Kur auf dem Laufenden gehalten. Dank der modernen Errungenschaft eines Smartphones kann man zu Beginn (fast) jeden Kapitels lesen, was in den Mails steht, die Rosa und Margret sich gegenseitig schicken.

Nach 15 Kapiteln, die bei einer Seitenanzahl von ca. 245 Seiten Romantext, eine sehr angenehme Länge hatten, nahm ich mit Wehmut Abschied von „meiner“ Rosa, die ich ins Herz geschlossen habe. Von nun an muss diese liebenswerte Protagonistin ihren Weg ohne die Leser bewältigen, aber ich bin überzeugt: Rosa Redlich, du schaffst das. Schön, dass im Anhang des Buches die drei anderen Teile der Serie vorgestellt werden, sowie weitere Bücher anderer Autoren.

Happy End? Tja, eigentlich verdient diese Buchserie ein solches – dies wäre zumindest ein würdiger Abschluss. Mit dem Schluss bin ich sehr zufrieden, auch wenn einige Kleinigkeiten anders waren, als ich es erwartet hatte. Doch so sehr unterscheidet sich „mein Ende“ doch nicht vom tatsächlichen (übrigens wieder sehr stimmungsvollem) Ende.

Kritikpunkte: Es gibt hier keine! Dennoch hätte ich eine Anregung für die nächste Auflage: Auf der Buchrückseite wäre da eine freie Stelle, an der die Cover eines oder vielleicht auch aller Rosa-Redlich-Bücher ein schönes Plätzchen gefunden hätten. Und natürlich hätte ich mich auch über einige Seiten Handlung mehr gefreut – aber das haben tolle Bücher nun mal so an sich, dass sie immer zu kurz sind.

Ich weiß es noch genau, wie ich Rosa kennenlernen durfte. Ich begann damals mit dem zweiten Band HERBSTTAGEBUCH, das ich in einer Leserunde mit der Autorin Kerstin Hohlfeld lesen durfte. Natürlich las ich danach auch den ersten Band, sowie die beiden letzten Bände. Über die Jahre lernte ich die Autorin sehr zu schätzen, dank der neuen Medien blieben wir stets in Kontakt.

Liebe Kerstin, beim Lesen deiner Danksagung spürte ich einen Kloß im Hals, in der Nase kribbelte es, und ich musste mir das ein oder andere Tränchen verdrücken. Fünf Jahre in denen du dich deiner Rosa gewidmet hast, sind eine lange Zeit. Du hast uns zum Lachen, vielleicht auch zum Weinen, aber auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht. Deine Herzlichkeit, das Herzblut, das du in deine Bücher gesteckt hast, all das spürt man beim Lesen. Und manchmal erinnert Rosa auch ein wenig an dich. Natürlich hoffe ich, dass wir, deine Fans, noch viele tolle Romane von dir lesen dürfen.

Auch wenn mit dem vierten Band der Serie nun dieser Jahreszeitenkreis geschlossen wurde, freue ich mich wie gesagt, nun darauf, weitere Bücher der Autorin zu lesen. Und sollte ich mal nach Berlin kommen, so werde ich sicherlich den ein oder anderen Schauplatz der Serie aufsuchen, so wie z.B. das „Schraders“, Rosas Lieblingsrestaurant, das es ja nicht nur im Buch gibt. Jedenfalls zählt die Buchserie zu meinen absoluten Lieblingen.


Fazit:

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge muss ich mich nun von Rosa Redlich verabschieden, deren Erlebnisse mich jahrelang begleiteten. Dieser Roman ist ein gelungener Abschluss einer wunderbaren Buchserie. Auch diesmal konnte der warmherzige Erzählstil von Kerstin Hohlfeld wieder überzeugen, ebenso die Mischung aus Liebe, Spannung und Geheimnissen. Dies ist insofern eine richtige Herzensbücher-Serie, an die man immer wieder einmal gerne zurückdenkt. Von mir erhält dieses gefühlvolle Buch eine absolute Leseempfehlung und damit 5 Sterne.


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liebe, zypern, cyprus romance, alexander, leonie

Scherben bringen ... Liebe - Cyprus Romance

Evanne Frost
E-Buch Text: 219 Seiten
Erschienen bei bookshouse, 16.04.2015
ISBN 9789963530489
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der Roman SCHERBEN BRINGEN LIEBE ist der Auftakt einer neuen Buchserie mit dem Handlungsort Zypern. Sämtliche Bände können zwar unabhängig voneinander gelesen werden, weil die Handlung in sich abgeschlossen ist, jedoch begegnen dem Leser hin und wieder bekannte Gesichter aus den vorherigen Büchern.


Das Cover:

Die Bücher von Bookshouse sind wahre Hingucker – auch dieses hier. Dieses Buchcover passt sehr gut zum Genre, denn es wirkt sehr romantisch. Eine Frau mit langen, dunklen Haaren und ein ebenfalls dunkelhaariger Mann küssen sich. Rechts neben dem verliebten Pärchen befindet sich eine antike, weiße Steinsäule – passend zu Zypern, ebenso wie das Blau im Hintergrund, das das Meer erahnen lässt..

Schlecht ist das komplett mattgehaltene Cover zwar nicht, allerdings auch nicht besonders originell. Hier hätte ich mir dann doch gewünscht, dass vielleicht das Thema Scherben aus dem Buchtitel umgesetzt worden wäre, z.B. eine Tasse, die in zwei Teilen – so dachte ich zumindest. Doch dann entdeckte ich, dass genau diese Idee tatsächlich umgesetzt wurde. Schade, dass die Tasse weiß und nicht farbig ist, denn die Frau auf dem Cover trägt eine weiße Bluse, so dass das Motiv sich farblich kaum abhebt. Und so entdeckte ich die zerbrochene Tasse erst durch Zufall, nachdem ich das Buch fertiggelesen hatte. Ansonsten finde ich das Cover ansprechend und zum Genre passend.Und ganz süß fand ich ja die fünf Herzchen auf dem i, des Wortes „Liebe“.


Die Handlung:

Man begegnet sich immer zweimal im Leben! - Und die erste Begegnung mit Leonie Mettler war für Alexander von Aschernberg sehr schmerzhaft. Nachdem das Geschirr in einem von Alexanders Umzugskartons ausgerechnet im Treppenhaus des neuen Zuhauses zu Bruch ging, eilt Leonie dem Verletzten zu Hilfe. Die Scherben brachten Alexander kein Glück, sondern erst einmal nur Pech. Doch dann bekommt Leonie für ihre Erste Hilfe ein Geschenk von Alexander – als sie das Päckchen öffnet, ist sie jedoch zutiefst empört.

Leonie freut sich, endlich aus dem kühlen Deutschland herauszukommen, um im sonnigen Zypern für ein halbes Jahr, nach ihrem Studium als technische Zeichnerin, als Assistentin des Bauleiters arbeiten zu dürfen. Ein traumhaftes Häuschen empfängt Leonie, doch dann gibt es für sie ein böses Erwachen, als sie den Bauleiter kennenlernt: Ausgerechnet Alexander von Aschernberg ist Leonies neuer Chef...


Meine Meinung:

Es prickelt und die Luft knistert zwischen Leonie und Alexander zweifellos. Aber kann aus den beiden ein Paar werden? Nach dem Eindruck, den die allererste Begegnung hinterließ, wohl eher nicht.

Leonie Mettler fand ich recht sympathisch – obwohl wir wohl einen sehr gegensätzlichen Männergeschmack haben. Leonie ist 26 Jahre alt, hat einen guten Charakter, ist hilfsbereit und sieht zudem auch noch gut aus. Witzig fand ich mitunter Leonies Verhalten, sei es ihre Reaktion, als sie ihrem neuen Chef gegenüberstand, oder wenn sie ab und zu in ein Fettnäpfchen tappte. Aber ich bewunderte Leonie auf ihr diszipliniertes Verhalten bezüglich des pikanten Geschenkes, das Alexander ihr überreicht hatte – es gibt eben doch Frauen, die auch mal schweigen können, obwohl es in ihrem Innersten brodelt. Aber so ist Leonie: Sie behält auch in vielen schwierigen Situationen ihre Nerven.

Alexander von Aschernberg ist 29 Jahre alt und hat beruflich schon einiges erreicht – trotz seines Alters hat er schon Karriere gemacht und einen verantwortungsvollen Posten. Alexander sieht sehr gut aus, fährt ein teures Auto und ist modebewusst. Dennoch fand ich keinen emotionalen Zugang zu Alexander, als Mann ließ er mich kalt – er war mir wohl zu luxusorientiert und zu sehr stand der Beruf für ihn an erster Stelle – um nicht zu sagen, Alexander war für mich einfach karrieregeil – erst die Arbeit, dann die Partnerin. Letzteres wurde mir bewusst, weil er seiner (inzwischen) Ex-Freundin einen gemeinsamen Urlaub verweigerte.

Maja mochte ich auch recht gerne. Sie kennt Alexander schon einige Zeit, da sie schon vor seinem Zypern-Einsatz als Dolmetscherin für ihn tätig war. Maja kennt das Land schon länger, hat hier Bekannte und würde sich dort gerne dauerhaft niederlassen. Doch da gibt es einige Hürden, die es für Maja noch zu überwinden gibt.

Sandra ist die Ex-Freundin von Alexander. Vor einiger Zeit hat sie ihn verlassen, sich einem anderen Mann zugewandt, und erwartet nun ihr erstes Kind. Doch dann erscheint sie unerwartet wieder auf der Bildfläche und sorgt für großen Wirbel. Teils hatte ich Verständnis für die junge Frau, aber dies ließ dann doch zusehens nach.Aber ich fand, dass Alexander nicht ganz so unschuldig an dieser Situation war, in die er nun geraten war.

Und hier trifft man dann im Buch auf Tiefgang – einst waren beide ein glückliches Paar, doch die Umstände, die eigenen Bedürfnisse, die sich im Lauf der Zeit veränderten, führte dazu, dass beide Partner sich gefühlsmäßig voneinander entfernten, und die Beziehung schließlich zerbrach. Wobei man wieder bei den Scherben wäre, wenn auch diesmal nur im übertragenen Sinn. Jedenfalls war ich bei meiner Meinung zu Sandra hin- und hergerissen, zwischen Verständnis, Mitleid und Empörung.

...und dann wäre da noch das „pikante“ Geschenk, das Alexander Leonie für ihre Hilfe nach seinem Missgeschick überreicht (um was es sich dabei handelt, verrate ich natürlich nicht!). Als Leser amüsiert man sich jedenfalls köstlich darüber, findet das Geschenk unpassend, aber dafür auch witzig – ganz im Gegensatz zu Leonie. Aber man fragt sich: Wie kam Alexander auf die Idee, so etwas zu verschenken – und das, ohne auch nur eine Miene zu verziehen. Kein Wunder dass Leonie empört ist, als sie entdeckt, was der Inhalt des Päckchens ist.

Die Handlung fand ich locker und beschwingt. Auch wenn einiges in der Handlung vorhersehbar war, fühlte ich mich dennoch gut unterhalten. Untergliedert ist das Buch in fünf Kapitel, die in diesem Fall zusätzlich aus Datumsangaben bestehen, so dass man sieht, über welchen Zeitraum sich die Handlung erstreckt, oder in welcher Jahreszeit man sich im Buch gerade befindet. Aber es gibt auch „Zwischenkapitel“ - entweder wieder mit Datum versehen, oder aber mit einem süßen Herzchen abgegrenzt, in dem „All you need is Love“ steht. Solche kleinen, liebevollen Details lieben wir Frauen ja.

Und völlig unverhofft stieß ich beim Lesen auf ein (fast) ganzseitiges Schwarz-Weiß-Foto, das eine Szene aus dem Buch zeigt – Leonies total verrückten Traum. Wiederum gewundert hat mich dagegen, dass es dann das einzige Foto im Buch war. Aber ein tolles Extra – wer sich bis zu diesem Zeitpunkt beim Lesen noch kein Bild von Leonie machen konnte, der hat nun Anschauungsmaterial.

Besonders gut gefiel mir, dass Lokalkolorit reichlich vorhanden war, und dieses ins Geschehen eingestreut war. So habe ich vieles, was ich bislang noch nicht wusste, über Zypern erfahren. Wenn schon Zypern als Schauplatz dient, so ist es natürlich ideal, wenn dies beim Lesen deutlich wird – sei es durch landestypische Kost, Bräuche, das Klima oder die Art der Leute. Hier erfuhr man etwas über Suppenschildkröten, den Straßenverkehr (Linksverkehr!), die Einstellung der Einheimischen zum Thema Homosexualität und noch viele weitere Details. Natürlich soll das Buch nicht zu einem Reiseführer avancieren, aber hier wurde die richtige Dosis an Infos gefunden. Hierfür möchte ich der Autorin ein großes Lob aussprechen. Schön, dass hier das Insiderwissen zum Tragen kam, das die Autorin nach einigen Jahren Zypernaufenthalts hat.

Doch irgendetwas fehlte mir dann doch an diesem Roman. War es der Tiefgang? Vielleicht auch das, allerdings nur zu einem kleinen Teil. Hier sollte man eben auch berücksichtigen, dass die Autorin bei diesem Buch auf etwas mehr als 200 Seiten natürlich alles etwas reduzieren musste, was bei einem 400-Seiten-Roman nicht vorkommen dürfte. Im Vordergrund stand eher das Begehren, die Verführung und weniger die echte, große Liebe. Gegen Schluss nahm die Handlung so richtig an Fahrt auf und die Ereignisse überschlugen sich – manche Szenen waren hier regelrecht actionreich – ein gelungener Showdown.

So richtig „warm“ wurde ich leider mit den zwei Hauptpersonen nicht – ich mag da doch lieber bodenständige Leute. Hier war alles sehr auf Luxus ausgerichtet – angefangen beim Auto, über die Kleidung bis hin zur Wohnungseinrichtung, die mit dem Schwarz, Weiß und Chrom etwas wie aus einer Möbelausstellung wirkte (und das gleich bei zwei Wohnungen, da die Bewohnerinnen einen sehr ähnlichen Geschmack hatten). Da fehlte mir einfach die Behaglichkeit – auf mich wirkte alles durchgestylt und sehr kühl.

(Leider) habe ich mich nicht in die männliche Hauptperson Alexander „verliebt“, so wie es sonst bei anderen Romanen schon häufiger vorgekommen war – Alexander war mir (trotz seiner Fehler) doch zu sehr ohne Ecken und Kanten. Gefallen hat mir dagegen der Humor, der dezent und wohldosiert eingesetzt wurde.

SCHERBEN BRINGEN LIEBE war mein erstes Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe, nachdem mein Mann ein Buch der Autorin gelobt hatte. Evanne Frost ist das Pseudonym von Susanne Strecker, die auch als Kathy Felsing schreibt. Sie wanderte im Jahr 2006 nach Zypern aus, wo sie mit ihrer Familie in einem winzigen Dorf mit nur 50 Einwohnern lebt.

Dieser Roman soll der Auftakt zu einer Reihe Liebesromane sein, die auf Zypern spielen. Ein gelungener Einstieg in die neue Buchserie, aber noch mit etwas Luft nach oben. Auch wenn ich mit den Protagonisten diesmal nicht so richtig „warm“ geworden bin, so bin ich doch gespannt, was in den folgenden Romanen geschieht, wer dann die Protagonisten sind. Ich würde mir hier beispielsweise ein ganz anderes, gegensätzliches Paar wünschen, vielleicht Auswanderer, die als Selbstversorger leben wollen, oder jemand der einen Gnadenhof für Tiere eröffnet – beides könnte ich mir sehr gut vorstellen, oder Sandra taucht auf – wie auch immer, ich bin neugierig, mit welchen Protagonisten ich im nächsten Band überrascht werde.


Fazit:

Dieser Roman bot prickelnde Unterhaltung mit viel Urlaubsfeeling (inklusive prickelnder Erotik unter südlicher Sonne), einige humorvolle Episoden und Lokalkolorit – das handliche Buch mit seinen 220 Seiten passt sicherlich wunderbar ins Reisegepäck – die ideale Einstimmung auf den Urlaub. Der locker-leichte Schreibstil konnte überzeugen, jedoch fand ich persönlich leider keinen richtigen Zugang zu den Protagonisten. Dennoch möchte ich den Roman, welcher der Auftakt zur Reihe „Cyprus Romance“ ist, gerne weiterempfehlen und gebe ihm daher 4 Sterne.

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navi, caro martini, schicksal, beim nächsten mann links abbiegen, navigationsgerät

Beim nächsten Mann links abbiegen

Caro Martini
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.05.2015
ISBN 9783423215886
Genre: Liebesromane

Rezension:

Das Navi – Fluch oder Segen? Nicht immer landet man dort, wo man eigentlich hin wollte, oder man gelangt eben nicht auf direktem Wege dort hin. Auch unser Navi wollte uns schon in so manche Sackgasse leiten, führte uns auf schmalste Straßen, oder sagte uns auf vielbefahrenen Straßen ohne Parkmöglichkeit, wir wären am Ziel angelangt.


Das Cover:

Dieses Cover wirkt jung und frisch, aber dennoch nicht knallig bunt – trotz der teilweise kräftigen Farben. Eigentlich besteht das Cover im Wesentlichen aus drei Farben: Rot, Blau und Schwarz, dazu ein cremefarbener Hintergrund, etwas Weiß und einige weitere Farben.

Auf dem hellen Hintergrund befindet sich ein Muster aus vielen hellblauen Tropfen. Der Buchtitel ist in roten und schwarzen Buchstaben geschrieben, während der Name der Autorin, sowie das Wort „Roman“ in hellblauer Farbe geschrieben wurde. Der Hintergrund mit den Tropfen ist matt gehalten, die Schrift und die Abbildungen wurden glänzend hervorgehoben (außer dem Wort Roman und dem Verlagsnamen).

Auf dem Cover sieht man ein rotes Auto, aus dessen Schiebedach eine Frau herausragt, die suchend und offenbar orientierungslos durch ein Fernglas blickt. Die blauen Vögelchen ließen mich sofort an Twitter denken – auch wenn man mich dort nicht findet. Und die roten Herzchen sehen nicht nur toll aus, sondern stehen auch dafür, dass auch die Liebe in diesem Roman nicht zu kurz kommt.

Es wurde wohl bei der Gestaltung eher auf die Optik geachtet, als auf den Inhalt des Buches. Lucie Stein, die die Hauptprotagonistin ist, fährt einen blauen VW Polo (!), während es sich bei dem Auto auf dem Cover eindeutig um einen roten (!) Wagen handelt, der eher an einen Fiat 500 erinnert. Statt Lucies blonder Kurzhaarfrisur trägt die Frau auf dem Cover lange, blonde Haare – immerhin stimmt hier zumindest die Haarfarbe. Trotz allem gefällt mir das Cover recht gut, denn es passt sehr gut zum Thema.


Die Handlung:

Lucie Stein hat auch mit fast dreißig Jahren ihr Ziel im Leben noch nicht gefunden. So hat sie weder den passenden Partner an ihrer Seite, noch findet sie den richtigen Weg – ob im Leben, oder im Straßenverkehr. Chef David ist für Lucie wie eine Sackgasse ohne Wendemöglichkeit – sie kommt einfach nicht von ihm los. Und Liebe macht ja bekanntlich blind.

Und da Lucie auch sonst mit ihrem blauen Polo orientierungslos durch die Stadt fährt, kauft sich die begeisterte Flohmarktgängerin eines Tages ein günstiges Navi von einem etwas unheimlich wirkenden Verkäufer. Schnell stellt sich heraus, dass das Navi kein gewöhnliches ist, denn das Gerät begrüßt Lucie mit ihrem Namen. Fortan ändert sich Lucies Leben gewaltig, denn dieses Navi hat die Aufgabe, Lucie zu ihrem Ziel zu führen – und das nicht nur im Straßenverkehr...


Meine Meinung:

Eins vorweg: Das Buch ist sowas von genial, die Handlung originell – ich bin vollkommen begeistert. Die Idee und die Umsetzung ist Caro Martini perfekt gelungen. Wenn ein Navi zum Leben erwacht und Einfluss auf das Leben seines Besitzers nimmt, dann darf hemmungslos gelacht werden.

Der Titel hat mich erst einmal gar nicht so sehr gereizt, muss ich zugeben. Doch nachdem ich mich mit dem Klappentext befasst hatte, und noch dazu viele begeisterte Rezensionen zu diesem Buch las, stand für mich fest, dass dieses Buch genau meinem Beuteschema entspricht. Letztendlich wurde meine Begeisterung noch gesteigert, als ich feststellte, wer sich hinter dem Pseudonym Caro Martini verbirgt – eine „alte Bekannte“ sozusagen, von der ich bereits einige Bücher besitze, darunter auch humorvolle Romane.

Die Autorin, bekannt als Ulrike Herwig (MARTHA IM GEPÄCK, SAG ZUM ABSCHIED LEISE BLÖDMANN,...) hat einen wunderbaren Humor, als Ulrike Rylance schreibt sie Kinder- und Jugendbücher, so z.B. die PENNY-PEPPER-Serie oder VILLA DES SCHWEIGENS. Nun kam also mit Caro Martini ein neues Pseudonym hinzu.

Selbst hat uns unser Navi auch schon öfters in die Irre geführt, weshalb uns schnell klar wurde: Vertraue einem Navi nie blind, sondern verlasse dich stets auf deinen gesunden Menschenverstand! Doch in diesem humorvoll geschriebenen Roman muss Protagonistin Lucie lernen, ihrem Navi zu vertrauen – selbst wenn dessen Anweisungen manchmal sinnlos erscheinen.

Aber auch Autoren sind nicht gegen die Widrigkeiten des Lebens gewappnet – so landete Autorin Caro Martini dank der „Mithilfe“ ihres Navis bereits in einer Sanddüne, auf einer Baustelle oder in einer Kleingartenanlage. Was das Schicksal dort wohl für sie bereitgehalten hätte, wäre sie dort ausgestiegen? Ihre Erlebnisse mit dem Navi inspirierten die Autorin zu diesem Roman, in dem das Navi sich auf den ersten Blick als untauglich erweist, auf dem zweiten jedoch als guter Freund entpuppt.

Die hübsche und fleißige Single-Frau Lucie Stein ist Ende zwanzig, lebt alleine und versinkt gerne in der Welt ihrer geliebten historischen Romane. Verliebt ist die Sekretärin in ihren Chef, mit dem sie schon einige Jahre zusammenarbeitet. Doch schnell stand während des Lesens für mich fest, dass dieser Mann unmöglich an Lucys Seite gehört. Eine Rückkehr zu ihrem Ex-Freund ist ausgeschlossen, denn Sebastian ist inzwischen frisch verheiratet.

Lucies 40jähriger Chef, der gutaussehende Uni-Professor David Engelbrecht, ist der absolute Traummann für die Sekretärin. Sie betet den Spezialisten für altenglische Literatur regelrecht an, hält ihn den Rücken frei und unliebsame Studentinnen vom Leib. Doch leider mag David keine historischen Romane, die Lucys Lesegeschmack entsprechen – er selbst schwärmt von „Beowulf“. Und die Mittelalterromane, die Lucie (heimlich) liest, verabscheut David zutiefst.

Lucy kassiert höchstens mal Lob für ihre Arbeit – als Frau scheint sie für David nicht zu existieren. Und David nutzt Lucies Verliebtheit schamlos aus, indem er sie „vor seinen Karren spannt“ - so soll sie sogar seine Aufgaben für ihn erledigen – während er sich den angenehmen Seiten des Lebens widmet.

Ich fand David alles andere als sympathisch, denn auf mich wirkte er einfach nur überheblich, arrogant, berechnend und oberflächlich. Daher war ich beim ein oder anderen Ereignis richtig schadenfroh – Reinfälle hat sich David nämlich durch sein Verhalten redlich verdient!

Und dann ist da noch Chris Weber - Professor Chris Weber! Und was Literatur anbetrifft ist dieser völlig anderer Meinung als David, Chris Weber findet, dass Mittelalterromane durchaus ihre Berechtigung haben, und damit ist dieser Professor ein Dorn in Engelbrechts Auge.

Charlie ist die beste Freundin von Lucie. Sie ist nervig, laut und chaotisch, aber dennoch auch eine Freundin, die für Lucie da ist. Die lebensfrohe und oft etwas aufgedrehte Charlie ist einfach lockerer als Lucy, auch was Männerbekanntschaften angeht – heult keinem hinterher, sondern wartet ganz einfach auf den nächsten Mann fürs Leben. Ein Navi wie George wäre bei Charlie mitunter sicherlich auch angebracht, obwohl diese nicht einmal in Besitz einer Fahrerlaubnis ist.

Christian ist der Freund einer Joggerin – sportlich und einfach nur arrogant, wie Lucie findet. Schon die erste Begegnung zeigt Lucie, dass sie wohl nie Freunde werden. Will dieser Kerl eigentlich nur Scherze auf ihre Kosten machen? - Lucie will ihm künftig lieber aus dem Weg gehen. Aber auch Dauerstudentin Juliane, eine waschechte „Öko-Tussi“ lernt sie näher kennen, und merkt, dass man nicht immer nur nach dem Äußeren eines Menschen urteilen sollte.

Das Navi ist neben Lucie eine der Haupt“personen“ in diesem Buch. Es ist höflich, spricht mit der (deutschen) Stimme von George Clooney und entwickelt mitunter ein Eigenleben – fast schon hat es menschliche Züge. Allerdings ist das Navi alles andere als modern, und so mancher Zeitgenosse vermutet, dass Lucie einen schlechten Kauf getätigt hat – aber bei einem Preis von nur zehn Euro kann frau wohl nicht viel falsch machen, oder? „Möge es dich an dein Ziel bringen“, lauten die Worte des Verkäufers – und damit meint er ganz sicher nicht nur ein Fahrtziel.

George, wie Lucie ihr Navi fortan nennt, bestimmt im wahrsten Sinne des Wortes, wo es langgeht – sobald Lucie einen anderen Weg einschlagen will, verweigert das sonst so zuverlässige Auto seinen Dienst. Irgendwann erkennt Lucie, dass das Navi sehr genau weiß, was das beste für sie ist, und wo das Glück zu finden ist – so kommt Lucie plötzlich auf den Hund, lernt neue Leute kennen und kommt ihrem Ziel zusehens näher. Doch mitunter gelingt es dem Navi auch, für viel Verwirrung zu sorgen, denn manchmal kann es einfach nicht schweigen. Und Dank George heißt es irgendwann: „Lucie, du hast dein Ziel erreicht!“ (Hiermit frage ich dich, George: Möchtest Du jetzt, nach Beendigung deiner Mission, mein Navi werden?)

Die Pesthure – dieses Buch liebt Lucie über alles, kann es kaum erwarten, bis die Fortsetzung dazu endlich erscheint. Doch weil Professor David Engelbrecht überhaupt nichts von diesen Büchern hält, liest Lucie das Buch heimlich.

Eine meiner absoluten Lieblingsszenen war die Szene, als Lucie den Flohmarkt besucht und auf den etwas sonderbar wirkenden Verkäufer trifft, der genau die Sachen im Angebot hat, die Lucies Herz begehrt. Beim Lesen flogen die Seiten nur so dahin, was zum einen am lockeren Schreibstil lag, aber auch an den relativ kurzen Kapiteln. Hier gefiel mir, dass diese nicht nur einfach durchnummeriert waren, sondern von der Autorin die jeweils passende Überschrift verpasst bekamen.

Die Handlung hatte keinerlei Längen, so dass ich das Buch von der ersten bis zur letzten Seite mit großem Genuss las. Und das Buch präsentierte mir so manche Überraschung – mit einem Teil meiner Vermutungen lag ich ganz schön daneben. Für mich ist dieser Roman auf alle Fälle eines der Lesehighlights in diesem Jahr.

...und wenn ich es mir so recht überlege – eigentlich könnte das Navi auch noch weitere Personen zum Ziel führen, liebe Caro Martini. Über eine Fortsetzung würde ich mich jedenfalls freuen.


Mein Fazit:

Hier stimmen die Zutaten für ein unterhaltsames Gute-Laune-Buch: Liebe (gehört doch in jedes Frauenbuch!), Freundschaft (eine Freundin, die nervt, aber auch tröstet – eine weibliche Schulter zum Anlehnen), Männer in allen Variationen (vom Traummann, über den Ex-Freund bis hin zum absolut abschreckenden Alptraum-Mann) und hier kommt dann noch eine Priese (oder doch eher eine Portion) Magie hinzu – insofern ein Chick-Lit-Roman mit einer kleinen Portion Fantasy. Einfach das perfekte Buch für Herz und Lachmuskeln, das ich sehr gerne weiterempfehle, sowohl aufgrund der kurzweiligen Unterhaltung, als auch wegen der originellen Handlung - dafür gibt es von mir 5 Sterne.








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