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588 Bibliotheken, 17 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

freundschaft, roadtrip, tschick, abenteuer, berlin

Tschick

Wolfgang Herrndorf , ,
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.11.2012
ISBN 9783499259913
Genre: Romane

Rezension:

Zu Inhalt und Sprache ist inzwischen genug gesagt. Außer vielleicht, dass Herrndorf so klug ist, dass er die Jugendsprache nicht zu imitieren versucht. Vielmehr reichert er seinen Text mit einigen Abstaubern und Stilmitteln aus der Jugendsprache so an, dass quasi symbolisch deutlich wird:
Hier reden Teenager.

In Wirklichkeit redet aber ein Erwachsener.
Dieses Buch ist kein Jugendbuch.
Und es ist auch kein „coming of age“-Roman.

Um meinen Eindruck zu überprüfen, habe ich mich in Diskussionsforen umgesehen, auf denen sich hauptsächlich Teenager äußern. Da sind die Meinungen ziemlich geteilt.
Bei den positiven Rezensionen fällt mir zweierlei auf:
Das Buch ist Pflichtlektüre im Unterricht. Echte „Jugendbücher“ empfehlen aber die Schüler ihren Lehrern (wenn die es denn wissen wollen) und nicht umgekehrt.
Von daher sind die positiven Meinungen relativ: das Beste, was im Unterricht(!) gelesen wird. Aber privat? Eher Fehlanzeige.
Die negativen Rezensionen kritisieren aus unterschiedlichen Gründen, dass die Sprache nicht durchgängig „echt“ ist. Und unisono, dass sich die Jugendlichen als reduziert, wenn nicht gar als klischeehaft dargestellt erleben. Dazu unten noch mehr.
In einer reinen Teenie-Bewertung ergäbe das eher 2-3 Sterne.

Tschick ist also ein Roman für Erwachsene, wie sie sich Jugendliche vorstellen. Viele Szenen, die wir als komisch empfinden, sind für Teenager schlichtweg unverständlich. Ich würde nicht soweit gehen, wie einer anderer Rezensenten mit seiner Auffassung, dass der Roman „retro“ und „'80-er“ wäre, der sich mit einigen Accessoires als „heutig“ einkleidet, aber für das Lese-Verständnis stimmt es allemal. Und „lustig“ wäre das letzte Attribut, dass Jugendliche verteilen würden.

Was ist der Roman dann, wenn schon kein „Jugendbuch“?
Herrndorf gibt selbst genug Hinweise, ich beschränke mich auf eine der Schlussszenen:
Maik fasst während des Unterrichts auf einem Zettel für seine Angebetete Tatjana das Abenteuer kurz zusammen. Der Zettel wird vom Lehrer abgefangen und der Klasse mit der Absicht vorgelesen, die Geschichte ins Lächerliche zu ziehen. Maik wünscht sich ein Ereignis wie den Einschlag eines Kometen, der diese Peinlichkeit beendet. Und der Einschlag kommt in Gestalt zweier Polizisten, die ihn aus dem Unterricht abführen und so seine Räuberpistole beglaubigen!
„Dreißig Augenpaare, Zeichentrickbär (=Lehrer) inklusive, glotzten..., und irgendwie wäre es noch toller gewesen, wenn sie (=Polizisten) mich gerade mit dem Schlagstock gewürgt hätten. Maik Klingenberg, der Schwerverbrecher...
'Soll ich Sie noch zum Auto begleiten?', fragte ich, und Nummer zwei explodierte sofort: 'Findest du das cool vor deinen Mitschülern oder was?...'
Wieder diese Erwachsenensache. Wie schnell die einen durchschauen...“

Ich finde, man sollte Herrndorfs Wink mit dem Zaunpfahl ernst nehmen:
Kein coming of age, kein Erwachsenwerden, sondern genau umgekehrt. Die Regression eines Erwachsenen in einen Teenager, der seinen Jugenderfahrungen als Langweiler, Unverstandenen, Unbeachteten und sexuell Desorientierten endlich die coole Erlösung gönnt, die wir uns damals immer gewünscht haben. Dargereicht in der ironischen Doppel-Brechung des Erwachsenen, der diesen Impuls durchschaut, und darin seinerseits vom jugendlichen Ich-Erzähler durchschaut wird.
Diese (Art Doppel-Brechung ist nichts für Jugendliche.
Aber für uns Ältere, die wir dem Maiki, der wir alle mal waren, noch einmal durchs Haar wuscheln möchten...
Herrndorf schafft es im Deck-Mantel seiner Sprache, dass ich einen unbewachten Augenblick lang sentimental sein konnte.

Von daher: sehr gerne gelesen, unbedingt 5 Sterne, absolut empfehlenswert für Leute ab 40 und eines mit Sicherheit nicht: in 50 Jahren noch zu lesen.

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bröker, schlangenbader, gregor, arminia bielefeld, schwimmbad

Campusmord in Bielefeld

Lisa Glauche , Matthias Löwe
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Pendragon, 21.10.2012
ISBN 9783865323521
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

... und von Hunden gehetzt durch dichte Vegetation, über Strickleitern von Baumhaus zu Baumhaus, mit anschließender Flucht auf einem Hightech-Zweirad – der wird hier fündig!
Auch wenn es nicht um Agent 007 im Dienste Ihrer Majestät geht, sondern um Privatier Bröker im Dienste seiner Schlaflosigkeit, und der Schauplatz nicht etwa im Dschungel von Borneo liegt, sondern auf einem Kinderspielplatz in einem Vorort von Bielefeld.
Denn Bröker ist Genussmensch und weniger ein Mensch der Tat. Deswegen wird der geneigte Leser Brökers Handicaps berücksichtigen, als da wären seine liebenswürdig umständliche, ja geradezu skrupulöse Art zu denken und seine beträchtliche Leibesfülle, und seinen körperlichen Einsatz dem eines Agenten Ihrer Majestät als gleichwertig erachten. Und Tränen lachen über seine äußerst knappe Flucht auf einem Tretroller.
Überhaupt bringt sich Bröker bei seinen Ermittlungen in einem wendungsreichen Mordfall in peinlich-komische Situationen, die er nur mit viel Glück und der wohlwollenden Hilfe von Freunden und Gefährten bei der Polizei, der Presse und seinen Mitbewohnern meistert.
Die Figuren sind liebevoll und psychologisch stimmig gezeichnet, die Handlung ist trotz unglaublicher Zufälle plausibel, und auch wenn der Mörder früh feststeht, sind Motiv und Tathergang für einige Überraschungen gut und die Spannung bleibt bis zu Brökers grandiosem Bluff am Ende erhalten!
Sehr gerne gelesen...

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vampire, familie, vampir, liebe, matt haig

Die Radleys

Matt Haig , Friederike Levin
Flexibler Einband: 429 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.03.2012
ISBN 9783499255274
Genre: Fantasy

Rezension:

... oder doch eine Parabel auf die erlösende Macht der Liebe?

Moment mal, war der Roman nicht als intelligenter, mit britischem Humor gewürzter Vampirroman angekündigt, als Satire über das Kleinstadtleben?
Ja. Das ist er auch.
Aber für mich ist nicht der äußere Rahmen oder das Genre der Motor für eine Handlung, sondern die ureigensten Motive der Personen selbst.
Und beim Ehepaar Radley ist es der tiefe, unverfälschte Hunger nach Leben gegenüber der Anpassung an die „Normalität“ als Preis für Zugehörigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz.
Vater Peter, der an seiner blutleeren Ehe leidet und doch eine Affäre mit der attraktiven Nachbarin ausschlägt um seine Familie nicht zu gefährden.
Mutter Helen, eine künstlerisch begabte blutvolle Frau, die sich an Routine und Rituale klammert, damit der Anschein der Normalität keine Risse bekommt.
Die beiden Kinder Clara und Rowan, die nichts von dem Familiengeheimnis wissen und sich als Freaks vorkommen. Clara, weil sie kein Tier-Blut sehen kann und doch von den Tieren gemieden wird, für deren Rettung sie eintritt, und der sensible Rowan, der Byrons Gedichte liest, blutige Geschichten schreibt, Claras Freundin Eve anschmachtet und von den Klassenkameraden dafür terrorisiert wird.
Nur Onkel Will, der nicht zufällig zu Besuch kommt, ist ein Lebemann, der keinen Lustverzicht duldet, sich einfach nimmt was er will, und damit immer durchzukommen scheint.
Haig beschreibt die Figuren so differenziert und glaubwürdig, dass man ihre Handlungen nachvollziehen kann und nicht den Stab über sie brechen mag. Für das, was den Radleys fehlt, hat er die Metapher „Blut“ gefunden: der besondere Saft, von dem ein einziger Schluck sexy macht, charmant, selbstbewusst, leicht und dennoch stark!
Denn die Radleys sind Vampire und das Ehepaar Peter und Helen leben abstinent, weil sie für diesen Genuss nicht mehr töten wollen. Dafür nehmen sie ein freud- und kraftloses Leben auf sich, anders als Onkel Will.
Man übersieht die Bedeutung des „Handbuch für Abstinenzler“ leicht, aus dem immer dann Auszüge eingestreut werden, wenn die Protagonisten sich in besonders kritischen Situationen befinden. Die vernünftelnde und pseudo-lebenspraktische Art des Handbuchs, mit der die vitalen Kräfte kastriert und in sozialverträgliche Bahnen gelenkt werden sollen, gibt dem ganzen eine tragikomischen Anstrich. Aber das Schmunzeln ist mir auf blutleeren Lippen gefroren, sobald ich gemerkt habe, dass es hier nicht allein um ÜBD, überwältigenden Blutdurst geht, sondern um jede Form von Sucht und ihre selbstzerstörerischen Folgen.
Ob Drogen-, Alkohol, Arbeits-, Sex- oder Esssucht – immer ist der Ursprung ein unstillbarer Hunger nach Leben, der sich mit Konventionen nicht abspeisen lässt. Wie bei den Radleys.

Ich verzichte an dieser Stelle auf Einzelheiten der Handlung. Die klassische tragische Situation aus dunklen Familiengeheimnissen, schicksalhaften Umständen und gleicherweise aussichtslosen Alternativen fängt an sich aufzubauen, als Clara einen Jungen tötet, der sie vergewaltigen will. Bis etwa 20 Seiten vor Schluss kann die Geschichte nur so enden, dass alle tot in ihrem Blute liegen. Der Rest ist Schweigen...

... wenn nicht die selbstlose Liebe dreier Männer wäre als Gegenbild zu dem egoistischen, verantwortungslosen Will Readley: die Liebe eines Mannes zu seiner Frau, die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter und die eines Jungen zu seiner Angebeteten. Abe

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fantasy, jonathan stroud, valley - tal der wächter, zombies, deutsch

Valley - Tal der Wächter

Jonathan Stroud , Katharina Orgaß , Gerald Jung
Flexibler Einband: 492 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 19.09.2011
ISBN 9783442475162
Genre: Jugendbuch

Rezension:

... findet eine phantastische Geschichte!

Ein Ananas-Hersteller in den USA wurde verklagt, weil er anfing, seine Dosen innen mit Kunststoff zu überziehen, sodass die Ananas nicht mehr nach Dose schmeckte. Der Kläger bekamen recht. Er hatte Anspruch auf den Dosengeschmack.
So glaubt wohl auch der cbj-Verlag, dass, wo 'Stroud' draufsteht, zumindest auch ein Geschmack von 'Bartimäus' drin sein muss.
Und hat dem Buch 'Valley' ein völlig irreführendes Etikett verpasst.
So kommen 'bedrohliche Fabelwesen' nur in den Fabeln der Valley-Bewohner vor und der Weg über die Grenze ins verbotene Land ist nicht das zentrale Thema. Es ist eine Metapher für die Befreiung des kreativen Geistes aus Standesdenken und Kleingeisterei. Es sei denn, Stroud schriebe noch eine Fortsetzung.

Das Buch handelt von Hal, dem Zweitgeborenen des Hauses Sven, der damit zum Schatten-Dasein als Pächter seines großen Bruders verdammt ist. Die Erzählung ist durchsetzt mit Anekdoten von Heldentaten seines Stammvaters Sven aus der Zeit, als die Clan-Streitigkeiten noch mit dem Schwert ausgetragen wurden. Inzwischen herrscht Friede und vergleichsweise Wohlstand, regiert von Vernunft und Ratssitzungen. Man könnte auch sagen: regiert von Kleinkariertheit und Krämertum, zementiert zu einer festgefügten Ordnung, in der für Heldentaten kein Platz mehr ist.
Hals Onkel und die bauernschlauen, dreisten, selbstherrlichen Geschichten seines Urahn Sven ermutigen Hal, am alten Ehrbegriff und Heldentum festzuhalten. Als der Onkel feige ermordet wird, kann sich Hal nicht mit den Intrigen um Entschädigung und Land abfinden, sondern bricht selber, klein, kurzbeinig, hässlich und kaum den Kinderschuhen entwachsen, aber mit wachem Verstand und dem Silbergürtel des Großen Sven auf zu einem Rachefeldzug gegen das übermächtige Haus Hakon.

Was jetzt beginnt, nennt man wohl literarisch einen Entwicklungsroman.
Die Figuren sind im Charakter und in ihren Motiven differenziert gezeichnet. Die Handlung kommt ohne das übliche gut-böse Schema aus. Die Entwicklung ist durchweg psychologisch plausibel. Bis auf Hals unglaubliches Glück verzichtet sie auf übernatürliche Kraftmeierei a la Sven und Kumpane.
Hal sieht sich durch den Lauf der Ereignisse einer Überprüfung seiner Motive und seines Heldenvorbildes ausgesetzt, nicht zuletzt durch Aud Arnetochter, in der er eine ihm ebenbürtige Gefährtin findet, was Mut und Geisteskraft angeht. Auch Aud sieht keine Zukunft für sich als Verhandlungsmasse bei Eheverträgen, und so sprengen die beiden den zu enggesteckten Rahmen und brechen auf ins Land jenseits der Berge, aus dem die Siedler einst kamen.
Und die alten Legenden? Nun sie bedeuten das, was sie eigentlich immer bedeuten, ohne dass man sie deswegen als historisch wahr nehmen müsste: Inspiration, aus alten Bahnen auszubrechen und sein Schicksal selber in die Hand zu nehmen und die Herausforderungen des Weges anzunehmen!

Eine schöne Geschichte also, auch ohne Magie... wenn die alten Legenden nicht doch wahr wären!
Aber das sollte man selber lesen. Hoffentlich mit Fortsetzung!

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