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62 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

paris, berlin, geld, coco chanel, model

Madame Cléo und das große kleine Glück

Tanja Wekwerth
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 06.03.2017
ISBN 9783959670623
Genre: Romane

Rezension:


Madame Cléo ist eine 70jährige Frau, die früher als Model für Mademoiselle Chanel gearbeitet hat. Heute lebt sie alleine in einer Altbauwohnung in Berlin und hat Probleme ihre Miete zu bezahlen, die anstehende Mieterhöhung macht die ganze Situation nur noch schlimmer für sie. Ein Untermieter muss her und so finden Adamo und seine 8jährige Tochter Magdalena einen Platz in ihrer Wohnung und auch in ihrem Herzen. Ihr Leben wird auf den Kopf gestellt und als Magdalena, auch Mimi genannt, eines Tages einen Rucksack voller Geld findet nimmt das Abenteuer seinen Lauf.

"Weißt du, was ich auf meine alten Tage gelernt habe?", fragte Cléo.
"Was denn?"
"Dass man immer etwas in seinem Leben ändern kann, und wenn es bloß seine Haltung ist, aber das wird irgendein Türchen öffnen und ein wenig Wind wird hereinkommen und Neues mit sich bringen."

Tanja Wekwerth hat hier einen überaus zauberhaften, wenn nicht sogar magischen, Roman geschrieben, der mich einfach nur glücklich gemacht hat. Es ist eine solch liebevolle und warmherzige Geschichte entstanden, die einen über Seiten hinweg lächeln lässt. Der leichte, flüssige und auf den Punkt gebrachte Schreibstil lässt einen das Buch, das aus Cléo's Perspektive geschrieben ist, nicht so einfach zur Seite legen. Es ist eine Geschichte für's Herz, eins bei der man wieder an das überaus Gute in Menschen glauben kann. Und eines, das einige tolle Botschaften für einen bereithält.
Die Charaktere sind einfach nur wundervoll authentisch und liebevoll gezeichnet, ich wünsche mir geradezu die drei mal kennenzulernen, einfach weil sie solch herzensgute Menschen sind, die einen mit ihrer Art glücklich machen würden. Alle drei waren mir auf Anhieb sympathisch und vor allem die Freundschaft, die zwischen Mimi und Cléo entsteht ist geradezu unbeschreiblich schön. Es entsteht eine enge Bindung und die Vorstellung möglicherweise bald wieder getrennte Wege gehen zu müssen ist unvorstellbar.
Madame Cléo, die so lange alleine gelebt hat, merkt wie wundervoll es ist wieder Menschen um sich zu haben, eine Familie. Dadurch, dass Adamo viel arbeiten ist verbringt sie ihre Tage mit Mimi und das bewundernswerte ist der Umgang zu diesem Mädchen, Cléo behandelt sie nicht wie ein Kind, sie nimmt Mimi's Meinung ernst, erzählt ihr viel aus der Vergangenheit, steckt sie mit der Liebe zu Chanel an, entwickelt mit ihr einige Ideen und genießt einfach die Zeit mit Mimi. 
Mimi scheint für ihr Alter ganz schön erwachsen und klug zu sein, gleichzeitig aber auch noch so kindlich, dass einem ganz wohlig ums Herz wird. Nach dem Tod ihrer Mutter fängt sie in der neuen Umgebung wieder an zu strahlen und viel zu oft hatte ich den Wunsch sie einfach zu knuddeln, weil sie einfach nur Zucker ist. Und manchmal, wenn sie sich mal wieder wie eine Erwachsene benommen und gesprochen hat musste ich laut auflachen, weil man merkt von wem sie sich ein Verhalten abgeschaut hat. Adamo ist ein liebevoller Vater, der für Mimi nur das Beste möchte, seine Wünsche dadurch hinten anstellt und auch Angst hat Entscheidungen zu treffen ohne vorher alles gut überlegt zu haben. Man merkt wie bemüht er ist das Richtige zu tun und wie Mimi in allem an erster Stelle steht. 
Drei Charaktere, die mir dieses Buch unvergesslich gemacht haben. Von nichts lassen sie sich unterkriegen und sprühen nur so von Lebenslust. Ein Roman voller Liebe zum Detail, zu Paris, Mademoiselle Chanel und gutes Essen. Es schenkt dem Leser Hoffnung und Freude und bereitet ein absolutes Lesevergnügen!

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143 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 62 Rezensionen

krebs, roadtrip, tumor, liebe, krankheit

Mein schlimmster schönster Sommer

Stefanie Gregg
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 17.02.2017
ISBN 9783746633213
Genre: Romane

Rezension:


Isabel Drievers verlässt das Krankenhaus in dem Wissen, dass sie einen Tumor hat, es ist einfach nichts mehr so wie es mal war. Sie möchte ihrem immer geplanten Alltag entfliehen und handelt zum ersten Mal ohne viel zu überlegen, ganz spontan. Auf dem Weg nach Hause erblickt sie diesen auffälligen VW-Bus und mietet ihn. Von da an beginnt für sie eine abenteuerliche Reise, die ihr Leben auf den Kopf stellt, endlich empfindet sie Freude. 

Stefanie Gregg lässt den Leser ohne Umschweife in die Geschichte eintauchen, die temporeiche Erzählweise bietet Langeweile keinen Spielraum sodass die Seiten förmlich dahin fliegen. Die lockere Schreibweise und die Ich-Perspektive, die uns die Protagonisten noch näher bringt, ließen mich das Buch kaum zur Seite legen. 
Es ist eine wunderschöne Idee, die sehr gut umgesetzt wurde und für mich ein angenehmes Leseerlebnis geboten hat Isabel auf ihrem Roadtrip zu begleiten. Das Buch handelt keinesfalls vom Abschied, es geht nicht darum all die Sachen zu bereuen, die Isabel nie gemacht hat sondern die Chance zu ergreifen und einfach nur das Leben zu genießen, denn dafür ist es nie zu spät. Man sollte sich nicht mit dem zufrieden geben, das man hat sondern danach streben glücklich zu werden. Und diese Botschaft entspricht einfach der Wahrheit und sie ist nicht die einzige in diesem tollen Roman. Es wird vieles angesprochen, darunter auch einige interessante Themen, sodass ich mich dabei ertappt habe über mein eigenes Leben nachzudenken. Generell fand ich die Gedanken von Isabel immer sehr nachvollziehbar, ich mochte ihre Art und die Rückblenden haben dazu beitragen sie besser zu verstehen und auch zu sehen wie sie vorher gelebt hat, wieso die Wandlung der erfolgreichen Unternehmungsberaterin für sie ein guter Schritt war, wieso es Zeit wurde etwas zu verändern. Man bekommt noch zwischendurch einen Einblick wie Georg, Isabels Lebensgefährte, mit der ganzen Situation umgeht.
Manchmal vergisst man, dass Isabel krank ist, weil sie und Rasso, der Besitzer des VW-Busses, so viel skurriles und unglaubliches erleben und man sich dabei ganz einfach fallen lassen kann. Man begegnet mit ihnen unterschiedlichen Menschen, besucht einige schöne Plätze und wird zum Teil dieser Reise. Und dann gibt es die Momente an denen man sich wieder erinnert, auf den Boden der Tatsachen ankommt und Trauer verspürt und dennoch muss ich gestehen, dass mich das Buch nicht vollends runter gezogen sondern auf mich eher einen nachdenklichen, mutigen und hoffnungsvollen Eindruck gemacht hat. 
Ich mochte die Protagonisten wirklich sehr und gerade Isabel und Rasso konnte ich ganz schnell ins Herz schließen, die zwei haben sich zum richtigen Zeitpunkt gefunden und die Harmonie stimmt einfach.
Eine schöne Geschichte über Freundschaft, Liebe, die Ängste und das Leben, in der es zwar ein paar Zufälle zu viel gibt die jedoch im Gesamten nicht ganz so ins Gewicht fallen, weil die Botschaft dieses Romans wundervoll ist. Man muss sich darauf einlassen können, dass es nun mal nicht ganz so realitätsnah zugeht, dafür habe ich auch einige Seiten Zeit gebraucht, und wenn man es schafft verspricht dieses Buch ein paar herrliche Lesestunden! 4,5 Sterne von mir.

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29 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

galapagos, evolution, brandstiftung, hybriden, meeresbiologie

Abgrund

Bernhard Kegel
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei mareverlag, 28.02.2017
ISBN 9783866482517
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Anne und Hermann, ein Liebespaar aus Kiel, machen zum ersten Mal gemeinsam Urlaub und zwar nirgends anders als auf den Galápagos-Inseln. Doch kommt es anders als gedacht, denn statt der erwarteten Zweisamkeit geht Hermann, ein Biologe, mit zwei Kollegen auf die Suche nach einer neuen Haiart, die er bei einem vorherigen Tauchgang entdeckt hat, und Anne muss sich an Land mit dem Inselleben auseinandersetzen und kann als Kriminalpolizistin gar nicht anders als neugierig zu werden als ein paar Schiffe innerhalb von Tagen Feuer fangen. Ist es nur Zufall oder Brandstiftung?


Als Schauplatz sind die Galápagosinseln mit der großen Tiervielfalt und der wundervollen Landschaft wahrlich ein Traum und es ist kein Wunder, dass sich nicht nur Biologen und Wissenschaftler davon angezogen fühlen sondern auch immer mehr Touristen, auf die im Grunde nicht nur die Einheimischen sondern auch die Charles Darwin Forschungsstation angewiesen ist, denn das Geld ist bei allen knapp. 
Abgrund ist ein gut und schnell lesbarer und selbst für Nicht-Biologen leicht verständlicher Roman, der dem Leser eine gekonnte Mischung aus Wissenschaft, Sachbuch, Krimi und Fiktion bietet. Das Buch ist sehr informativ und so bekommt man sogleich die Lust sich in einige Themen selber etwas mehr reinzulesen und zu recherchieren.
Trotz der anfänglichen Idylle merkt man schnell, dass einige Probleme in der Luft liegen. Das Buch behandelt ernste Themen wie Klimawandel und das Augen verschließen davor, Umweltschutz, Artensterben, gesellschaftliche Probleme sowie den Interessenkonflikt zwischen den Forschern und Fischern, die Armut der Einheimischen und den Geldmangel der Forschungsstation. 
Während man also Hermann und seine zwei Kollegen bei der Suche nach der neuen Haiart begleitet und mit ihnen herausfinden möchte was es damit auf sich hat, was ich übrigens sehr interessant fand und es auch als sehr bewundernswert empfunden habe wie sehr diese eher älteren Herren für ihren Beruf leben und wie viel Leidenschaft sie dafür aufbringen, bekommen wir mit Anne an Land einen sehr guten Einblick in all die problematischen Bereiche und lernen mit ihr alles kennen. Ihre pragmatische Sichtweise hilft einem alles etwas besser zu verstehen. Und auch wenn sie aufgebracht ist, dass Hermann sie während ihres ersten Urlaubs zurückgelassen hat und sich mehr für seine Arbeit interessiert, ist sie die meiste Zeit über eine eher besonnene Person, die Ruhe ausstrahlt und dessen Gedankengänge ziemlich nachvollziehbar sind.
Das Buch besticht durch gute Beschreibungen, tolle Diskussionen und Themen, die einen zum Nachdenken bringen.
Etwas schade finde ich, dass Anna's Sichtweise einen größeren Teil des Romans eingenommen hat, auch wenn ich es verstehen kann, weil man uns so den Umweltschutz und all die anderen Probleme auf der Insel näherbringen wollte. Dennoch hätte ich noch viel lieber Hermann bei seinen Tauchgängen begleitet, mehr über die Naturphänomene erfahren und generell einfach mehr aus dem Bereich der Wissenschaft und Forschung gelernt, wobei der Schluss des Romans einiges wieder wett macht. 
Im Grunde ist es eher ein Buch der ruhigen Art, das doch sehr tiefgehend ist und mit seiner Themenvielfalt überzeugen kann.

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113 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

insel, überleben, tod, überlebenskampf, extremsituation

Herz auf Eis

Isabelle Autissier , Kirsten Gleinig
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei mareverlag, 07.03.2017
ISBN 9783866482562
Genre: Romane

Rezension:

Fassungslos stehen sie da, außerstande, auch nur ein Wort zu wechseln. Allmählich breitet sich in ihnen das Entsetzen aus: kein Zuhause mehr, weder Nahrung noch Kleider, keine Möglichkeit die Insel zu verlassen oder irgendjemand zu erreichen. Sie sind geradezu empört, empfinden ihre Lage als unangemessen.

Louise und Ludovic nehmen ein Sabbatjahr um ihrem Alltag zu entfliehen. Das glückliche Paar erlebt beim Segeln die Abenteuer nach denen sie sich gesehnt haben, sind beflügelt von der Freiheit. Doch als sie in der Atlantik einen Abstecher zu der verlassenen Insel Stromness machen, die ein Naturschutzgebiet ist und nur noch von einigen Tieren bewohnt wird, werden sie nach einem Sturm gnadenlos auf den Boden der Tatsachen zurückbefördert und müssen sich fortan dem Kampf ums Überleben stellen. 

Er schaut sich um und denkt, nichts -kein Vogelflug, keine Welle, kein Grashalm-, nichts wird sich ändern, sollten sie hier sterben. Der Wind wird ihre Fußabdrücke schnell verwehen.

Isabelle Autissier hat mich mit 'Herz auf Eis' hellauf begeistert und gleichermaßen nachdenklich zurückgelassen. Man kommt nicht umhin sich zu fragen wie man selber in einer solchen Extremsituation reagieren würde. 
Und so finde ich die Art und Weise wie die Autorin die Geschichte gnadenlos ehrlich, authentisch und realistisch erzählt hat sehr gelungen. Es ist ein intensives Leseerlebnis, das mich regelrecht sprachlos gemacht hat. Man bekommt das Gefühl mittendrin zu sein, kann sich dem Sog dieses Romans nicht entziehen und erlebt alles hautnah. Die Beschreibungen kann man geradezu vor sich sehen. Der Schreibstil ist präzise und eindringlich, es wird nicht dramatisiert, beschönigt oder übertrieben, man bekommt einen klaren Blick in die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden Protagonisten und begibt sich mit ihnen an die Grenzen des menschlichen. An manchen Passagen musste ich kurz durchatmen weil das Erzählte fast schon zu viel war.
Die beiden Protagonisten Louise, die eher zurückhaltend ist und sich mitreißen lässt und Ludovic, der ein absolut aufgeschlossener Typ ist und mehr die Kontrolle übernimmt, kommen schnell an ihre Grenzen. Sie kämpfen gegen den Hunger und miteinander, versuchen den Trieben nicht die Überhand zu lassen und trotz der Rückschläge optimistisch zu bleiben, planen und möchten einen Alltag heraufbeschwören als wären sie Teil der Gesellschaft um ihre Menschlichkeit beizubehalten. In dieser einsamen Gegend kommen sie nicht umhin sich nacheinander zu sehnen, sie möchten nicht der Einsamkeit ausgeliefert sein und versuchen alles um eine Lösung zu finden und ihr Überleben zu sichern. 
Ich interessiere mich sehr für Psychologie und so war das Buch in diesem Bereich absolut ansprechend. Man bekommt einen tiefgründigen Einblick darauf wie sich Louise und Ludovic den Herausforderungen stellen, um ihre Liebe bemüht sind, wie sie mit ihrer Situation psychisch umgehen und was dieses Erlebnis aus und mit ihnen macht.
Obwohl es einige extreme Situationen gab habe ich mich nicht getraut Louise und Ludovic zu verurteilen denn wer bin ich schon ihnen sagen zu können wie sie sich zu verhalten haben. Wer bin ich, auf dem Sofa sitzend, das Ganze beurteilen zu können? Es ist das eine darüber zu lesen, selber diese Erfahrung zu machen wünsche ich wahrlich keinem.

Weil sie sich verhalten haben wie die Tiere, wären sie beinahe auch krepiert wie Tiere.

Der Roman überrascht oft, man weiß nie was als nächstes passiert und oft hatte ich wirklich Angst gehabt weiter zu lesen, weil ich nicht im geringsten wusste was mich erwartet und ob ich mich dem überhaupt stellen kann. Hat man zu Beginn noch die Hoffnung auf ein Happy End wird die ganze Situation so schnell extrem, dass man sich fragt ob ein glückliches Ende überhaupt in Frage kommen kann. Es ist unvorstellbar was Louise und Ludo durchmachen müssen und so muss jeder für sich erfahren wie es endet.

Ein Buch das zwar aus nur 224 Seiten besteht dafür aber solch eine immense Wirkung auf mich hatte, dass es unvergesslich bleibt. Ganz klare Leseempfehlung!

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75 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 29 Rezensionen

thriller, schweden, dystopie, politthriller, gesellschaft

Epidemie

Åsa Ericsdotter , Ulla Ackermann
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Arctis Verlag, 10.02.2017
ISBN 9783038800026
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Der charismatische Ministerpräsident Johan Svärd hat vor den anstehenden Wahlen mit seiner Gesundheitspartei nur ein Ziel, Schweden soll das schlankste Land Europas werden. Er hat dem Land versprochen, dass es gesünder und dünner wird und um dieses Versprechen einhalten zu können lässt er nichts unversucht und greift zu immer schlimmeren Maßnahmen. Bald reichen ihm schon die ganzen vorhandenen Auflagen nicht, es muss schneller gehen, die Fettepidemie in seinem Land muss mit allen Mitteln bekämpft werden.


Unglaublich, dass dieser Roman ein Debüt ist, die Autorin hat mich regelrecht sprachlos zurückgelassen. Ein absolutes Lesehighlight und gehört jetzt schon zu meinen Lieblingsbüchern.
Ein Roman, der aus verschiedenen Perspektiven die Grausamkeiten erzählt, die die Gesundheitspartei sich ausdenkt und immer wieder umsetzt ohne, dass irgendjemand etwas dagegen unternimmt. Die Gesellschaft wird manipuliert, es scheint als hätte man sie einer Gehirnwäsche unterzogen, wie die Verrückten feiern sie Johan, ihren gutaussehenden Ministerpräsidenten, der es schafft jeden um den Finger zu wickeln.  
Für viele besteht das Leben nur noch aus Kalorienzählen, überall sind Fitnessstudios, es wird nicht davor zurückgeschreckt selbst Normalgewichtigen Diätpräparate zu verabreichen oder gar Baby's und Kinder einer Operation zu unterziehen. Alles für die Gesundheit, wer's glaubt.
Es ist unfassbar wie real der Inhalt wirkt, oftmals musste ich das Buch kurz schließen und durchatmen, weil es so unglaublich menschenverachtend ist was hier dargestellt ist und gerade deswegen kommt man nicht umhin Assoziationen zu der Hitler Zeit oder selbst zu Trump zu ziehen. Kann es wirklich so weit kommen fragt man sich und die Antwort ist eindeutig ja, zuzutrauen wäre es. Das was hier beschrieben wird richtet sich zwar gegen die Übergewichtigen aber man könnte sie ganz leicht durch eine andere diskriminierte Gruppe von Menschen ersetzen. Es zeigt auf wie wichtig es ist nicht allem Gesagten zu vertrauen, dass man nicht einfach jemandem folgen sollte nur weil es der leichtere Weg ist. Lasst nicht andere für euch denken. Keiner sollte aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden nur weil er kinem perfekten Idealbild entspricht.
Die Erzählweise ist brisant, die Autorin beschönigt nichts und dadurch, dass man direkt mitten im Geschehen ist bekommt man einen ziemlich guten Einblick in Schwedens Entwicklung nach nur drei Jahren Amtszeit der Gesundheitspartei. Und wenn man denkt, dass es ja eigentlich kaum schlimmer kommen könnte, geschieht genau das. 
Mit diesem Roman habe ich alle Emotionen durchgelebt, ich war mich am aufregen, den Tränen nahe, geschockt und fassungslos und einfach nur von tiefer Trauer ergriffen. Dieses Buch ist aufrüttelnd, meisterhaft geschrieben und behandelt ein brisantes Thema. Ich wünschte mir, dass es so viele Menschen wie nur möglich lesen würden. Es ist keine leichte Kost und dennoch ist die dahinter stehende Message immens wichtig. 
Die Charaktere sind unglaublich gut ausgearbeitet und bis auf Svärd habe ich sie alle nur zu gerne begleitet. Im Gegensatz zu anderen Büchern freut man sich hier auf die Perspektivwechsel, weil man dadurch viel mehr mitbekommt, erlebt und es einfach nötig ist um sich ein besseres Bild machen zu können. Einige Charaktere habe ich wirklich ins Herz geschlossen.
Man muss dieses Buch selber lesen um auch nur ansatzweise verstehen zu können wie ich mich beim Lesen gefühlt habe. So realitätsnah und erschütternd, einfach nur unglaublich.

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127 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 66 Rezensionen

alter, freundschaft, sibirien, roman, bäume

Betrunkene Bäume

Ada Dorian
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 24.02.2017
ISBN 9783961010011
Genre: Romane

Rezension:

Erich ist über 80 und kann seinen Alltag nicht mehr so bewältigen wie es ihm lieb wäre. Er trauert seiner seiner Unabhängigkeit und seiner Frau nach und findet Zuflucht in seiner Wissenschaft, seiner großen Leidenschaft den Bäumen. Zufälligerweise zieht in die freie Wohnung ihm gegenüber die 17jährige Katharina ein, die von Zuhause weggelaufen ist und ganz alleine versucht über die Runden zu kommen. Schnell entsteht eine Verbindung zwischen ihnen, Erich nimmt ihre Hilfe an und gemeinsam schaffen sie es ihrer Einsamkeit zu entkommen, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick.

Ada Dorian ist mit ihrem Debütroman eine eher ruhige und unaufgeregte Geschichte gelungen. Die Stimmung während des Lesens ist bedrückend und ich bekam das Gefühl, dass die beiden Protagonisten in ihrer Einsamkeit und Isolation absolut verloren sind. Erich kämpft gegen die Einsamkeit und um seine Selbstständigkeit während Katharina sich verlassen fühlt, der Vater ist in Sibirien, die Mutter hat ihn davon nicht abgehalten und lebt auch sonst ein Leben für sich während Katharina seit Jahren schon zwischen den Stühlen steht und nicht weiß was sie machen soll.
Man weiß nicht wohin der Roman einen entführt, immer wieder werden Rückblenden verwendet um uns Erich's Zeit in Sibirien nahe zu bringen, dem Abschnitt seines Lebens in dem er als Wissenschaftler so viel über Bäume gelernt und sich verliebt hat. Mit der Zeit wird einem immer klarer wieso Erich nie wieder zurück gereist ist. Wieso er in diesem hohen Alter alleine lebt und das hat mich wirklich traurig gemacht. Vom Verhalten her ist er eher still, liebenswürdig und leicht schroff was aber eher mit seinem Umstand zusammenhängt. Sein Körper lässt ihn langsam im Stich und doch versucht er es zu verdrängen, möchte nicht von seiner Tochter in ein Pflegeheim gesteckt werden und will für sich selbst sorgen können. All das ist sehr authentisch dargestellt, man kommt nicht umhin um ihn und auch seine verpasste Chance zu trauern. Seine Liebe zu den Bäumen ist ehrlich gesagt wirklich rührend, das ist so ziemlich die einzige Konstante in seinem Leben.
Es ist kein Buch das einen unglaublich emotional werden lässt, die Emotionen spielen sich eher zwischen den Zeilen ab. Sie sind nicht ganz greifbar und doch versteht man wie es Erich und Katharina ergeht. Katharina war manchmal wirklich sehr blauäugig, sie ist wie eins dieser betrunkenen Bäume, über die Erich erzählt. Vor lauter Kummer und Trotz verlässt sie ihr Zuhause um sich alleine durchzuschlagen was natürlich nicht so einfach ist wie sie es sich gedacht hatte. Durch Erich bekommt sie eine Aufgabe und hat auch die Chance sich auf das Wichtige zu besinnen.
Es wurden in diesem Roman wirklich einige Themen angeschnitten, die nicht ausreichend erzählt wurden und nicht die Tiefgründigkeit erhalten haben, die sie verdient hätten sodass ich als Leser manchmal in der Luft hing. Man bekommt das Gefühl, dass die Autorin noch viel mehr hätte erzählen wollen, ihr aber nicht genug Seiten zur Verfügung standen. Insgesamt hätte ich mir mehr von der Geschichte gewünscht, mehr Treffen zwischen Erich und Katharina, mehr Gespräche, größeren Einblick in die Zeit in Sibirien, die Gefühle, Gedanken und auch etwas mehr Einblick in die Nebencharaktere, denn wie schon erwähnt gibt es die meisten Informationen zwischen den Zeilen zu finden.
Insgesamt jedoch ein Roman der durch seine ruhige Erzählweise und die Thematik überzeugen kann, bei dem aber auch viel Potenzial ungenutzt blieb.

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814 Bibliotheken, 30 Leser, 3 Gruppen, 237 Rezensionen

götter, götterfunke, marah woolf, liebe, griechische mythologie

GötterFunke - Liebe mich nicht

Marah Woolf
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Dressler, 20.02.2017
ISBN 9783791500294
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Was ein entspannter Sommer für Jess und ihre drei Freunde in den Rockys werden sollte, auf den sie sich schon so gefreut hat, erweist sich schnell als ein unvergessliches und  abenteuerliches Erlebnis in dem Camp. Sie lernt neue Leute kennen sowie auch Cayden, für de n sie Gefühle entwickelt die alles verkomplizieren, weil er sich noch für andere Mädchen interessiert. Sie muss sich in dieser wundervollen Umgebung mit ihren Gefühlen, ihrer besten Freundin und Göttern auseinandersetzen. Bekommt sie das Happy End das sie verdient hätte?


Die Autorin Marah Woolf hat mit diesem ersten Band ihrer neuen Reihe eine absolut wundervolle Geschichte geliefert. Es ist eigentlich unbeschreiblich was dieses Buch für ein Pageturner ist, die Seiten fliegen Dank dem modernen, flüssigen und anschaulichen Schreibstil nur so dahin und ich war einfach traurig als ich tatsächlich am Ende angelangt bin. Schwer vorstellbar nun so lange auf den zweiten Band warten zu müssen. 
Bin einfach hin und weg von dieser Geschichte, denn sie beinhaltet alles was ich mir hätte wünschen können. Angefangen bei dem Setting des Sommercamps in der Natur, das ich für den Anfang ziemlich passend fand, weil es wie eine eigene, in sich geschlossene Welt wirkt in der man all die Personen besser kennenlernen darf und die Jugendlichen von ihrem eigentlichen Leben etwas Abstand nehmen und sich auf sich, ihre Freunde und einfach auf diese stressfrei Zeit konzentrieren können. 
Die Mischung aus Realität und der griechischen Mythologie, all den Göttersagen ist absolut gelungen. Man lernt die Götter neu kennen, die Autorin verfeinert die Sagen geschickt mit ihren eigenen Ideen sodass etwas Neues, aufregendes entsteht und man manche Götter in einem ganz anderen Licht sieht. Sie wirken menschlicher und haben doch noch ihre kraftvolle Ausstrahlung, ich kann es kaum erwarten mehr über sie in den Folgebüchern zu lesen. Es macht ungemein Spaß selbst noch was dazu zu lernen und bei Marah Woolf wirkt es keinesfalls langweilig, eher hätte ich noch ewig weiter darüber lesen können. Wenn man mal etwas vergisst oder nicht mehr ganz mitkommt hilft einem das Glossar am Ende.
Mit Jessica Harper haben wir eine Protagonistin, die mir von Anfang an sympathisch war. Ich mag ihre Art, sie ist klug, liebevoll, sagt was sie denkt und wirkt auch sonst sehr selbstsicher, zumindest wenn es nicht ihr Äußeres betrifft. Klar ist sie nicht perfekt und hat auch ehrlich gesagt kein leichtes Leben aber sie macht das Beste draus, will nicht umsorgt werden und versucht stark zu sein. Ihre beste Freundin Robyn könnte kaum anders sein. Ehrlich gesagt ist sie die einzige mit der ich von Anfang an meine Probleme hatte, unmöglich wie sie sich entwickelt. 
Aber ihre und Jess' Differenzen kommen nicht von ungefähr, obwohl Robyn's Freund auch mit auf dem Camp ist ist sie, wie auch schon Jess, sehr an Cayden interessiert. Und da sind wir schon bei unserem Gott Prometheus, der unbedingt sterblich sein möchte, dafür versucht den Wettstreit zu gewinnen und dabei einige Mädchenherzen gebrochen zurücklässt. Sein Zwiespalt ist geradezu greifbar, er ist wirklich liebevoll aber gleichzeitig auch ganz schön sprunghaft. Manchmal fragte ich mich ob er selbst weiß was er eigentlich will. In einem Moment schenkt er Jess seine volle Aufmerksamkeit, in dem nächsten ignoriert er sie einige Zeit lang. Als Leser muss man dieses hin und her mögen und das tu ich, denn die ganze Situation ist für Jess sowie Cayden kompliziert und da ist ihr Verhalten einfach nur verständlich. 
Ich habe jede Minute genossen in der sie zusammen waren, sie harmonieren sehr gut miteinander und ihre Dialoge sind einfach wunderschön. Aber natürlich sind hier einige Probleme vorprogrammiert und es kann nicht alles mit dem Wettstreit im Vordergrund, von dem Jess nichts weiß, glücklich verlaufen.
Auch die anderen Charaktere, wie beispielsweise Jess' bester Freund Josh, Leah, Apoll oder auch Athene sowie ein paar andere Götter sind wundervoll herausgearbeitet und haben mich des öfteren zum Lächeln gebracht. Die Geschichte ist spannend erzählt, die Charaktere sind einfach traumhaft, das Buch handelt von so vielem wie eben Freundschaft, Liebe, Hoffnung, Eifersucht und einer Gefahr.
GötterFunke bereitet immens viel Spaß und verspricht wundervolle Lesestunden, sodass ich es ohne wenn und aber weiterempfehlen möchte. Ich liebe es!

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154 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 39 Rezensionen

thriller, mord, helen grace, england, familie

D.I. Helen Grace - Schwarzes Herz

M. J. Arlidge , Karen Witthuhn , Hauptmann & Kompanie, Werbeagentur
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 11.03.2016
ISBN 9783499238390
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Für Helen Grace gibt es wieder einen Fall zu lösen, der Mörder tötet Männer und entnimmt ihnen das Herz, um es dieses dann als Päckchen zu verpacken und es an bestimmte Personen zu übergeben. Als innerhalb von nur 24 Stunden zwei Leichen aufgefunden werden, ist die Lage ernst. Der Mörder ist vorsichtig und hinterlässt keine Spuren, was die Suche sehr erschwert. Hinzu kommt, dass Helen immernoch mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat und ihre neue Vorgesetzte macht es ihr auch nicht gerade leicht.


'Schwarzes Herz' ist der zweite Band der Helen Grace Reihe und eigentlich würde ich wirklich empfehlen zuerst 'Einer lebt, einer stirbt' zu lesen, denn obwohl man dieses Buch auch als Einzelband lesen könnte gibt es gerade zu Beginn vieles, das man ohne Vorkenntnisse nicht verstehen würde. Hinzu kommt, dass es um einiges leichter wäre gerade Helen Grace schon vorher kennengelernt zu haben, denn sie ist zwischen all den gut ausgearbeiteten Charakteren doch die außergewöhnlichste. 
Der Schreibstil ist wiedermal sehr flüssig zu lesen und die kurzen Kapitel laden einen dazu ein immer weiter zu lesen. Mich hat auch die Frage nach dem Warum immer weiter angetrieben. Wieso begeht man solch grausame Morde? Und bei der Auflösung wird man auf jeden Fall überrascht. Die Geschichte wird schonungslos erzählt und doch bleiben einem die schlimmsten Szenen erspart. 
Auch wenn diese Geschichte nichts bietet was man nicht schon mal vorher gelesen hat, wird es durch die verschiedenen Perspektiven nie langweilig. Als Leser begleiten wir nicht nur die Ermittlungen sondern bekommen auch einen Einblick in das Leben der Ermittler, erfahren wie es den Hinterbliebenen geht und auch wie es den Opfern kurz vor ihrem Tod erging.
Seit den tragischen Ereignissen im letzten Band ist nun einige Zeit vergangen und doch sind diese nicht vergessen. Man merkt Helen an wie sie leidet und mit Charlie's Rückkehr in den Dienst wird die Beziehung der beiden Frauen auf die Probe gestellt. Mit der neuen, mir eher unsympathischen Vorgesetzten Harwood und der mal wieder unglaublich aufdringlichen Emilia Garanita hat man erstaunlicherweise ziemlich viel Frauenpower in diesem Buch. Es gibt natürlich neue Personen im Team, die man auch kennenlernt und dieser neue Fall verlangt ihnen allen alles ab ohne wirklich Hinweise zu liefern. 
Man setzt sich als Leser nicht nur mit dem Fall auseinander sondern auch mit den interessanten Menschen, die ihn untersuchen. Weder Helen noch ihre Teamkollegen führen ein sorgenfreies Leben, jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen und im Grunde ist es niederschmetternd wie hoffnungslos alles teilweise wirkt. Es gibt nur wenige glückliche Momente, eher ist man von der Trauer, dem Schmerz umgeben. Und doch stellen sie ihre Probleme zur Seite und kümmern sich um den Serienmörder, denn auch von der Presse gibt es so langsam Druck. Um an Antworten zu kommen werden auch ungewöhnliche Wege genommen, man steht als Team zueinander und arbeitet hart an dem Fall.
Spannungstechnisch kann man sich wie beim Vorgänger nicht beklagen, die Spannung steigt immer weiter an und gerade auf den letzten Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Der Fall wirkt realistisch und die Auflösung eigentlich mehr als traurig und doch absolut logisch. Man bleibt mit kaum Fragen zurück, es war ein Abschluss mit dem ich ehrlich gesagt zufrieden bin.


Ein Buch, das ein paar spannende Lesestunden bereitet hat. Und obwohl ich mich auch für den folgenden Band interessiere komme ich nicht umhin zu merken, dass hier doch ganz schön viele Ermittler ohne Ende persönliche Probleme haben. Hätte mir schon gewünscht, dass man dann mehr Zeit mit dem Fall verbracht hätte. Helen ist keine gewöhnliche Protagonistin und doch bin ich auf ihre weitere Entwicklung gespannt.

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147 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 58 Rezensionen

mechthild gläser, jugendbuch, faun, fantasy, jane austen

Emma, der Faun und das vergessene Buch

Mechthild Gläser
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Loewe, 13.02.2017
ISBN 9783785585122
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Für die 16jährige Emma startet das neue Schuljahr auf dem Internat Stolzenburg. Als sie und ihre Freundinnen beschließen aus der Bibliothek im Westflügel ihr Rückzugsort zu machen, stößt Emma bei den Aufräumarbeiten in einem Geheimversteck einer Kommode auf ein Buch voller Einträge über das Internat und dessen Bewohner. Schon bald findet sie heraus, dass es keine normale Chronik ist.
Als Darcy de Winter, der vor vier Jahren selber noch Schüler hier war, mit seinem Freund auf Stolzenburg halt macht, kann Emma nicht anders als sich zu fragen was ihn dazu gebracht hat wieder hier aufzutauchen. Ob es vielleicht etwas mit dem Verschwinden seiner Zwillingsschwester vor Jahren zu tun hat?
Für Emma beginnt eine unvergessliche Zeit voller Magie und Abenteuer.


Ohne Probleme taucht man als Leser in Emma's Welt ein und kann gar nicht anders als sie und die anderen Charaktere zu mögen.
Meiner Meinung nach ist es nicht ganz so wichtig die ganzen Figuren und Andeutungen im Bezug auf Jane Austen's Werke zu kennen, auch wenn die Autorin diese Idee ziemlich gut und überzeugend umgesetzt hat. Es macht eben den gewissen Charme aus wenn man weiß worauf angespielt wird.
Das Jugendbuch begeistert nicht nur durch den lockeren Schreibstil sondern auch durch die Beschreibungen mit denen man sich alles vor Augen halten kann und das Gefühl bekommt selber auf Stolzenburg zu sein.
Es ist schön wie Mechthild Gläser in dieser realistischen Welt das Magische mit eingebunden hat, es überzeugt vollkommen, wirkt nicht übertrieben und weckt in einem die Lust auf noch mehr Fantasie. Es macht richtig Spaß so viel wie nur möglich über dieses kleine Buch, das so unglaublich viel bewirken kann, zu lesen. Auch wenn die gewollten Ereignisse manchmal absolut nach hinten losgehen. Ich finde es übrigens gut, dass nur wenige wissen was im Grunde los ist, für alles Unerklärliche findet sich jedenfalls immer eine Begründung.
Mit Emma gehen wir weiteren Geheimnissen und Rätseln auf die Spur, suchen nach einem Faun, durchleben ihren Alltag im Internat und helfen bei der Untersuchung von Ginas Verschwinden. Das Erzähltempo ist perfekt, denn trotz der vielen Geschehnisse hat man als Leser Zeit zu grübeln und selber Theorien aufzustellen. Das Buch ist spannend erzählt und überrascht einen immer wieder. Mit dem Ende hätte ich so beispielsweise nie gerechnet.
Die kleine Liebesgeschichte, die sich entwickelt, war eigentlich zu erwarten, nimmt jedoch nicht den Fokus von der zauberhaften Geschichte und rückt nicht allzu sehr in den Vordergrund, worüber ich froh bin. Es ist einfach ein weiteres Teilchen mit dem diese Geschichte abgerundet wird, wozu auch die verschiedenen Nebencharaktere, die man nicht missen möchte, weil sie den Lesespaß gesteigert haben, beigesteuert haben.

Fazit:


Wundervoll magisches, gut überlegtes und nachvollziehbares Buch, das ich absolut verschlungen habe. Ich habe diese einwandfrei umgesetzte Mischung aus Realität und Fantasie gemocht und hätte mich nicht beklagt wenn es ein paar Seiten länger geworden wäre, weil es doch etwas ruckartig geendet ist. 

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369 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 181 Rezensionen

mord, psychologie, krimi, manuskript, erinnerungen

Das Buch der Spiegel

E.O. Chirovici , Werner Schmitz , Silvia Morawetz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.02.2017
ISBN 9783442314492
Genre: Romane

Rezension:


Im 'Das Buch der Spiegel' beginnt alles mit einem Ausschnitt aus Richard Flynn's Manuskript, das er an den Literaturagent Peter Katz schickt, der sogleich davon begeistert ist und gerne das ganze Manuskript lesen würde. Doch ist Richard Flynn schon verstorben und das Manuskript nicht auffindbar. Um die ganze Geschichte um Joseph Wieder's Tod aufzudecken und die aufgekommenen Fragen nach dem Lesen beantworten zu können beauftragt Peter Katz den Journalisten John Keller Nachforschungen anzustellen, was nicht so leicht ist wenn der ungeklärte Mordfall 27 Jahre her ist.

Wenn man denkt es kann kaum noch besser werden als ein Buch in einem Buch zu lesen fängt der Lesespaß gerade dann erst richtig an. 
Der Autor weiß ganz genau wie man einen Leser für sich einnimmt, dafür bedarf es nicht mal großer Emotionen, es ist die Erzählung und die Neugier die einen von der ersten Seite an packt. Die Sprache ist sehr sachlich und nüchtern, was besonders gut zu dem Buch passt. Überragend ist auch das Erzähltempo, man bekommt Zeit die Personen kennenzulernen, sich selber Gedanken um den weiteren Verlauf zu machen ohne die Geschichte aus den Augen zu verlieren. Alles läuft problemlos ineinander über, sodass man den Roman flüssig lesen kann.
Der Roman, der auch als Krimi durchgehen könnte, wird überaus realistisch, nachvollziehbar und im Bezug auf die Charaktere detailliert erzählt. Manchmal habe ich mich gefragt ob der Autor mich mit den Details in die Irre führen will damit ich bloß nicht weiß was für die Auflösung wichtig sein könnte. Und genau das ist ein Nebeneffekt dieses Buches, denn bei der ganzen Recherche stößt man auf so viel Widersprüchliches, dass ich als Leser sehr schnell nicht mehr wusste wem man Glauben schenken darf. Jeder der noch lebenden Beteiligten zeigt eine neue Sichtweise auf, keine Aussage stimmt mit der eines anderen überein, es ist überaus schwer zu sagen wer überhaupt die Wahrheit sagt oder etwas zu verbergen hat. 
Man kommt nicht umhin selber Theorien aufzustellen und diese sofort wieder zu verwerfen wenn man neue Erkenntnisse gewinnt. 
Ich hatte ein dringendes Bedürfnis zu erfahren wer denn nun der Mörder von Joseph Wieder war. Wer hatte überhaupt ein Motiv diesen Mann, eine Berühmtheit in der Psychologie, zu ermorden. So viele Fragen die mich angetrieben haben das Buch in einem Rutsch zu lesen. 
Es ist eine tolle Umsetzung einer interessanten, mir neuen Idee und so war es auch eine gute Überlegung, dass man vier Ich-Erzählern folgen darf und dadurch an den journalistischen Recherchen sowie auch den polizeilichen Anteil hatte, denn als letzten Erzähler bekommen wir einen pensionierten Polizisten, der durch Kontakte an wichtige Informationen kommt und selber mit dem Fall vertraut ist.
Auch wenn an den Charakteren ehrlich gesagt nichts besonderes ist, bleibt mir diese originelle Geschichte auf jeden Fall in Erinnerung. Denn auch wenn meine Erwartungen nicht sehr hoch waren wurden sie mehr als erfüllt.
Obwohl ich mir ein paar Erklärungen mehr zu den Arbeiten des Professors Wieder gewünscht hätte, mir die Details zu teils unwichtigen Charakteren manchmal zu viel waren und es ein paar Sachen gibt die mir selbst im Nachhinein noch unerklärlich bleiben, war es ein Buch, das wirklich Spaß gemacht hat.

Fazit:

Bin froh diesen Roman gelesen zu haben.
Das Besondere ist, dass man nie weiß was als nächstes geschieht, es folgt eine Überraschung der anderen nur um am Ende ein stimmiges und nachvollziehbares Bild zu erschaffen.
Man fällt auf die Charaktere herein, man rätselt, stellt selber Theorien auf und kann die Lösung kaum abwarten. Eine Leseempfehlung von mir!

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66 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

finnland, schicksal, zufall, verlust, depression

Dinge, die vom Himmel fallen

Selja Ahava , Stefan Moster
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei mareverlag, 14.02.2017
ISBN 9783866482425
Genre: Romane

Rezension:

"Mein Vater versuchte immer, uns zu beschützen, aber das reichte am Ende nicht. Er hat sich zu sehr auf die Wände konzentriert und dabei den Himmel vergessen." S.81

Selja Ahava erzählt die Geschichte einer Familie dessen Leben von vielen, unwirklich erscheinenden, Ereignissen geprägt wird. Manchmal reicht eben nur ein Moment aus um das bisherige Leben auf den Kopf zu stellen. Und wie man damit umgeht ist bei jedem anders.
Saara ist 8 Jahre alt als ihre Mutter von einem Eisblock erschlagen wird, ihre Tante Annu gewinnt zwei Mal den Jackpot im Lotto. Es geht darum wie die beiden sowie Saara's Vater mit der ganzen Situation umgehen, denn wie wahrscheinlich ist es überhaupt, dass das Schicksal einen so trifft? Natürlich stellen sich die Protagonisten die Frage ob alles nur ein Zufall ist oder doch eine höhere Bedeutung hat. Und wie kann es sein, dass ein Mann vier Mal vom Blitz getroffen wird und es überlebt, was gibt er für eine Erklärung dafür? Ist es nur Pech?
Dieser Roman ist kurz und hallt dennoch lange nach. Wird zu Beginn noch aus der leicht kindlichen und doch auch erwachsenen und nüchternen Sicht von Saara erzählt, die mir mit ihrer Art einen anderen Blick auf die Welt gewährt, nimmt die Erzählkunst gegen Ende eine leicht düstere, erwachsene und melancholische Wendung an was auch am vorrübergehenden Perspektivwechsel liegt.
Es ist flüssig zu lesen, mit einigen märchenhaften Zügen versehen -die man jederzeit auf die Protagonisten beziehen kann- und die Erzählweise ist so gut, dass man es kaum schafft sich der ausbreitenden Hilflosigkeit zu entziehen die einen befällt.
Hat mir die erste Hälfte des Buches noch gut gefallen, wurde ich von der Entwicklung in der zweiten Hälfte regelrecht aufgewühlt. Der Zeitsprung um vier Jahre kam schnell, unvorbereitet und hat bei mir eher einen verwirrten Eindruck hinterlassen sowie noch mehr Fragen aufgeworfen.
Konnte ich am Anfang noch den Protagonisten folgen, sie teilweise verstehen, war mir auf den letzten Seiten vieles unerklärlich, weil sich gleichermaßen nichts und doch so vieles verändert hat womit ich mich nicht anfreunden konnte. Gerade was die Vater-Tochter Beziehung angeht und die neue Person in ihrem Leben. Es gibt nur wenige Dialoge und die meisten Gefühle der Charaktere kann man eher erahnen. Gerade bei Saara muss man zwischen den Zeilen lesen.
Und dennoch habe ich sehr gerne aus ihrer Sicht gelesen, habe mich einfach in den Erzählungen verloren. Sie ist solch ein kluges Kind, das mit seiner Trauer allein gelassen wird, weil die Erwachsenen zu sehr mit ihren eigenen Gedanken zu kämpfen haben. Man spricht zu wenig mit ihr, erklärt ihr nicht genug und bietet ihr keinen Halt was es mir erschwert hat die anderen zu mögen. Ich hätte nur zu gerne die ganze Geschichte aus ihrer Perspektive gelesen.

"Manchmal fällt der Himmel herab, manchmal sinkt der Erdboden ein. Manchmal trifft einen ein so unfassbar es Glück, dass es schwer ist, damit weiterzulesen. Manchmal passiert etwas -nur ein einziges Mal-, aber man muss den Rest seines Lebens über das Warum nachdenken. Manchmal passiert nichts, und man denkt den Rest seines Lebens darüber nach, warum es nicht passiert ist." S.115

Ein Roman bei dem man unbedingt mitdenken muss, es ist keine leichte Kost sondern hat zumindest bei mir dazu geführt, dass ich mir auch um mein Leben und Sichtweisen Gedanken mache.
Er hat in mir verschiedene Gefühle hervorgebracht und ich kann versprechen, dass nichts in diesem Buch so kommt wie man es erwartet. Es überrascht, lässt viele Fragen aufkommen und ich komme nicht umhin auch einen Tag später über die Geschichte zu grübeln.
Und auch wenn es inhaltlich nicht immer mein Fall war so habe ich das Sprachliche mehr als genossen. Es gibt viele Sätze, die ich mir am liebsten niedergeschrieben hätte, weil sie aus so viel Wahrheit bestehen.
Es ist ein Buch das man gelesen haben muss um zu verstehen worüber es auch nur ansatzweise handelt. Eine Zusammenfassung reicht da ehrlich gesagt nicht aus, man muss es selber erleben.
Wenn man sich also nicht davor scheut ein Buch voller Melancholie zu lesen und anspruchsvolle Lektüre mag ist es auf jeden Fall einen Versuch wert. Von mir bekommt es 3,5 Sterne.

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(89)

156 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 65 Rezensionen

sarah morgan, manhattan, freundschaft, liebe, schlaflos in manhattan

Schlaflos in Manhattan

Sarah Morgan , Stefanie Kruschandl
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 06.02.2017
ISBN 9783956496073
Genre: Liebesromane

Rezension:


Schlaflos in Manhattan von Sarah Morgan ist der Auftakt einer neuer Trilogie. Es ist eins dieser Bücher, die man nicht mehr zur Seite legen kann wenn man erstmal mit dem Lesen beginnt.
Erzählt wird die Geschichte vor der wundervollen Kulisse Manhattan's, die gut ins Buch eingebunden und sehr bildhaft rübergebracht wurde. Ich hatte oft den Wunsch an Stelle der Protagonisten auf die Stadt hinab blicken zu können, gerade abends. Man will sich von der Umgebung mitreißen lassen.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Paige und Jake erzählt, was mir besonders gut gefallen hat, weil ich auf diese Weise beide viel besser verstehen und einordnen konnte.
Im Grunde weiß man schon was für eine Art Ende auf einen wartet und doch ist der Weg dahin besonders schön erzählt. Die meiste Zeit habe ich mitgefiebert, gehofft, dass sie die ganzen Hürden überwinden und miterlebt wie sich beide weiterentwickeln.

Paige Walker erlebt mit ihren Freundinnen einen dieser Tage, an denen nichts so abläuft wie man es erwartet hat. Anstatt am Abend auf ihrer Dachterrasse die Beförderung zu feiern, blasen sie Trübsal, weil sie gefeuert wurden. Paige, die alles gerne unter Kontrolle hat, verliert den Boden unter ihren Füßen und findet erst wieder Halt als Jake Romano, der beste Freund ihres Bruders, ihr einen überraschenden Vorschlag macht und den drei Freundinnen auch Hilfestellung bei der Umsetzung bietet.
Paige hat eine unglaublich sympathische, liebevolle, loyale und starke Persönlichkeit, der es durch gesundheitliche Probleme im Teenageralter nicht leicht fällt die Kontrolle über ihre Entscheidungen und ihr Leben zu verlieren. Sie will selbst bestimmen und sich nicht immer der Sorgen anderer aussetzen zu müssen. Die Anziehung, die sie Jake gegenüber empfindet macht es für sie nicht leicht in seiner Nähe zu sein.
Durch ein Ereignis in der Kindheit glaubt Jake nicht an Beziehungen und erst recht nicht an die Liebe. Mit ihm bekommen wir einen sehr erfolgreichen und gefragten Unternehmer in der Technologie Branche, der auf den ersten Blick wie der typische Playboy wirkt. Erst mit der Zeit kann man ihn als Leser richtig einschätzen und lieben lernen.
Es fällt absolut leicht Paige und Jake zu mögen, auch wenn ich manchmal das dringliche Bedürfnis hatte einen von ihnen zu schütteln, weil sie das Offensichtliche nicht wahr haben wollten.
Die Autorin hat die Liebesgeschichte wundervoll umgesetzt, die Entwicklung der Beziehung geschieht nicht zu schnell und wirkt überaus real und gefühlvoll. Als Leser konnte ich die Ängste von Paige und Jake, Wünsche und die tiefe Freundschaft zueinander nachempfinden. 
Die beiden sind wundervolle Charaktere, die in mir ein wohliges Gefühl hervorgerufen haben. Es ist der Wahnsinn was für eine Spannung entsteht, wenn sie im gleichen Raum sind.
Abgerundet wird das Buch durch Paige's beste Freundinnen sowie Matt, dem das Haus gehört in dem alle vier wohnen. Ich habe es jedes Mal genossen, wenn Paige mit Eva und Frankie Zeit verbracht hat. Sie haben eine Freundschaft, die alles überwindet. Gemeinsam würden die drei Frauen alles schaffen und es ist schön wie sie trotz ihrer Unterschiede zueinander passen.
Wirklich jeder der Charaktere ist überaus liebevoll und greifbar gezeichnet und ich kann die folgenden Bücher kaum noch erwarten um noch mehr über Frankie, Eva und Matt zu erfahren.

Fazit:


Ein Buch mit unbeschreiblich herzerwärmenden Charakteren, einer Liebesgeschichte, die überzeugt, viele Gefühle in mir ausgelöst hat und in mir den Wunsch weckt sofort die folgenden Bücher zu lesen.

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107 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 63 Rezensionen

sterbebegleitung, sterben, tod, krebs, hospiz

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Susann Pásztor
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2017
ISBN 9783462048704
Genre: Romane

Rezension:

Die Handlung:


Der alleinerziehende Fred hat nach einer erfolgreichen Ausbildung zum Sterbebegleiter seinen ersten Einsatz bei Karla, einer 60jährigen unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankten Frau, die auf ihn nicht ganz so reagiert wie er es sich erhofft hatte. Und auch wenn das erste Aufeinandertreffen nicht so verlaufen ist wie es sollte, ist er stark darauf bedacht alles richtig zu machen um Karla ein paar wunderschöne letzte Wochen zu bescheren Womit er ungewollt eine Grenze überschreitet, die Konsequenzen nach sich zieht. Nur noch sein dreizehnjähriger Sohn Phil ist bei ihr willkommen, zumindest bis ein Anruf Fred die Chance dazu bietet es bei Karla wieder gutzumachen.

Meine Meinung:


Es ist ein alles in allem ruhiger Roman, bei dem man von vornherein weiß in welche Richtung es sich entwickelt, auch wenn ich versucht habe an ein Wunder zu glauben. Man kann jedoch nichts anderes tun als die Charaktere auf ihrem Weg zu begleiten und sie langsam aber sicher ins Herz zu schließen.
Dadurch, dass die Autorin selber als ehrenamtliche Sterbebegleiterin tätig ist, wirft die Geschichte ein besonders reales Licht auf die Ereignisse. Susann Pásztor schafft es einem ein sehr deutliches Bild von ihrer Aufgabe und ihren Erfahrungen als Sterbebegleiterin zu vermitteln ohne den Leser den ganzen Roman über emotional herunterzuziehen. Was nicht bedeutet, dass ich gegen Ende nicht in Tränen ausgebrochen bin. Ehrlich gesagt konnte ich gar nicht mehr aufhören. Dieses Thema bewegt einen und dagegen konnte und wollte ich mich auch nicht wehren. 
Die Charaktere wirken unglaublich real und da wir größtenteils aus der Sicht von Fred und Phil, der was Sprache und Gedichte angeht sehr begabt ist, lesen können, wissen wir stets was sie in den verschiedenen Situationen denken, was praktisch ist, da es im Grunde wenige Dialoge gibt. Wobei diese dann umso besonders und aussagekräftig sind. Von Karla kriegen wir nur ihre Listen zu lesen, die sie oft anfertigt und auch wenn mich ihre Lebensgeschichte interessierte, so passt es auch zu ihr als Person, dass man das Meiste nun mal nicht über sie erfährt. Man muss also die kleinen, faszinierenden Einblicke in ihr Leben umso mehr schätzen.
Die jeweilige Beziehung zwischen Fred und Phil mit Karla ist wundervoll zu verfolgen. In einer gewissen Weise lernte ich mit den beiden gleichermaßen wie man Karla das Ganze etwas erleichtert. Und auch wenn Fred eine gewisse Distanz zu Karla bewahren muss, ist es bewundernswert wie sehr er sich anstrebt alles richtig zu machen, sich manchmal hütet seine eigene Meinung kundzutun und generell wie sich dieser Mann am Ende von dem am Anfang unterscheidet. Es war eine tolle Idee, dass Phil den Job bei Karla annahm, denn mit seiner noch etwas kindlichen und doch vernünftigen, hinterfragenden Art hat er etwas zur Geschichte und der Harmonie beigetragen, das kein anderer Erwachsener konnte.
Es ist erfreulich zu sehen wie das einzigartige Vater-Sohn nicht nur noch näher zusammenrückt sondern auch über sich hinauswächst. Die Entwicklung die von Kapitel zu Kapitel voranschreitet ist großartig und auch die zu Anfang eher kühl wirkende Karla zeigt mit der Zeit eine andere Seite von sich.
Susann Pásztor ist ein umwerfender Roman mit immenser Aussagekraft gelungen, der auch durch liebevoll gezeichnete, außergewöhnliche Nebencharaktere überzeugt. Die mit noch mehr Charme, Liebe und Witz die Geschichte bereichern, man kommt nicht umhin jeden Einzelnen der Charaktere zu mögen.

Fazit:


Es ist nicht nur ein Roman über das Sterben und den Umgang mit dem Tod, es ist ebenso eine Geschichte über das Leben, das füreinander einstehen und über sich hinauswachsen. 
Das Buch bietet einen guten Blick auf die ehrenamtliche Arbeit der Sterbebegleiter, denen ein großes Dankeschön gebührt.
Es bleibt eine unvergessene Geschichte mit einzigartigen Charakteren. Absolute Leseempfehlung!

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76 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 26 Rezensionen

nasa, rassentrennung, emanzipation, usa, gleichberechtigung

Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen

Margot Lee Shetterly , Michael Windgassen
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 02.01.2017
ISBN 9783959670845
Genre: Biografien

Rezension:  
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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Die Flügel, mein Engel, zerreiß ich dir

Karine Giebel , ,
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 19.10.2015
ISBN 9783833309793
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:



Karine Giebel hat es geschafft mich von der ersten Seite an zu fesseln. Was für ein meisterhafter Thriller!
Der Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen, man ist als Leser sofort mitten im Geschehen und es fiel mir schwer das Buch aus der Hand zu legen. Es sagt wohl schon alles aus, wenn ich sage, dass ich am ersten Abend bis drei Uhr nachts aufblieb um zu lesen, weil es mich so gefesselt hat. Die Spannung steigt von Kapitel zu Kapitel und selbst in Abschnitten, in denen nicht allzu viel passiert, kommt man emotional auf seine Kosten. Die Autorin weiß nur zu gut wie man Emotionen rüber bringt. Das Ende von Kapitel 12 hat mich so berührt, dass mir die Tränen gekommen sind.

Die Frage, die man sich beim lesen stellt ist, ob Cloé sich alles einbildet oder der Schatten doch real ist. Einen Verdächtigen hatte ich auf jeden Fall von Anfang an, doch konnte ich mir nie sicher sein und habe weiter gerätselt.
Cloé hat das Gefühl, dass der Schatten in ihrem Haus die einfachsten Sachen verändert wie die Umstellung der Bilder oder das auffüllen des Kühlschranks. Es ist verständlich, dass weder ihre beste Freundin Carole noch Bertrand das ernst nehmen, immerhin sind es Kleinigkeiten die Cloé vielleicht selber getan hat und sich wegen ihrer Überarbeitung nicht mehr daran erinnern kann. Sie jedoch ist fest davon überzeugt, dass es den Schatten gibt und ich habe mich als Leser hilflos gefühlt einfach nur zu lesen wie sich Cloé wegen dem Verfolgungswahn von der starken Frau am Anfang zu einer hilflosen entwickelt, die alleine ist, keinen Ausweg mehr weiß und der niemand glauben möchte. Man spürt ihre Angst, ihre reine Verzweiflung, die sie in den Wahnsinn treiben. Auch in der Arbeit kann sie mit der Zeit nicht mehr ihre gewohnte Leistung abrufen. Und nicht einmal die Polizei nimmt sie ernst, sie wird als Verrückte abgestempelt.
Nur ein Mensch möchte ihr helfen und das ist der vom Dienst suspendierte Hauptkommissar Alexandre Gomez. Sie geben sich gegenseitig Kraft und ergänzen sich gut. Beide haben kein einfaches Leben hinter sich, haben mit Schuldgefühlen zu kämpfen und fühlen sich einfach nur alleine. Die Jagd nach dem Schatten gibt Gomez einen Sinn, doch kann er Cloé helfen oder kommt auch er zu dem Entschluss, dass sie verrückt ist?

Beide Protagonisten wirken absolut realistisch und authentisch, man kann sich sehr gut in sie hineinversetzen.
Cloé macht zwar einen unsympathischen Eindruck, dadurch dass sie gerne mal auf andere herunterguckt und oft arrogant wirkt, doch habe ich sie gemocht. Sie ist keineswegs einfach und besitzt neben den schon genannten noch andere negative Eigenschaften. Mich hat sie insgesamt eher fasziniert und ich denke nicht, dass jemand wegen ihrer Art in der Lage wäre das Buch aus der Hand zu legen.
Die Frau weiß was sie will und was sie tun muss um es zu bekommen. Auch ihr Wille und Überzeugung sind bemerkenswert. Mit der Zeit lernt man aber die ‚echte’ Cloé kennen, eine die keine Maske trägt um stark rüber zu kommen. Man wird auch erfahren, was sie zu dem Menschen gemacht hat, der sie heute ist. Und vor allem wird man lesen können wie eine Kämpfernatur wie sie, Stück für Stück aufgibt.
Alexandre Gomez ist der zweite Protagonist, aus dessen Sicht geschrieben wird. Er wirkt ganz anders als die üblichen Polizisten in Büchern. Am Anfang wusste ich nicht, was ich von ihm wegen seiner einschüchternden Art halten soll, doch auch ihn habe ich ins Herz geschlossen. Bei ihm trifft der Spruch „harte Schale, weicher Kern“ haargenau. Er ist ganz speziell. Die Menschen haben Angst vor ihm, können ihm nicht einmal lange in die Augen schauen. Aber auch er hat kein einfaches Leben, habe mit ihm getrauert und mitgefühlt. Unglaublich, wie ihm so viel Schlimmes in kurzer Zeit passieren konnte.

Und mal ehrlich, ist dieses Cover nicht absolut schön? Also mich hat es direkt angesprochen. Nicht zu aufdringlich und doch so gemacht, dass es auffällt. Passt perfekt.

Fazit:

Bin absolut begeistert :) Ein MUSS für Thriller-Leser! Es hat alles, was ein Buch braucht und man kann hier nun wirklich nicht viel falsch machen :) Am Ende warten dann auch noch einige Überraschungen auf den Leser!

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169 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

neil gaiman, roman, freundschaft, märchen, ozean

Der Ozean am Ende der Straße

Neil Gaiman , Hannes Riffel
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 15.04.2016
ISBN 9783404173853
Genre: Romane

Rezension:

„Ich sehne mich nicht nach der Kindheit, aber ich sehne mich nach der Freude, die ich früher an kleinen Dingen empfand, selbst wenn weit wichtigere Dinge im Argen lagen.“

Die Handlung:

Ein erwachsener Mann besucht wegen einer Beerdigung seinen Heimatort, hält aber zuerst an dem Haus der Hempstocks an mit der Bitte zu dem etwas entfernten Ententeich gehen zu dürfen. Und als er am Teich ankommt, kommt auch die Erinnerung an eine längst vergesse Zeit, als er gerade mal sieben Jahre alt war, zurück. Er erinnert sich an Lettie, die diesen Teich einen Ozean genannt hat, an ihre Freundschaft und an all die magischen und irrealen Erlebnisse.

„Niemand sieht so aus, wie er in Wirklichkeit im Inneren ist. Du nicht. Ich nicht.“


Meine Meinung:

Da ich vorher noch nie etwas von Neil Gaiman gehört oder gelesen habe, war ich umso gespannter auf diesen Roman – und wurde nicht enttäuscht. Es ist ein Gesamtkunstwerk entstanden, das vor allem sprachlich auf ganzer Linie überzeugt und einem viel Raum für eigene Interpretationen lässt.
Die Erinnerungen erlebt man aus der Sicht des siebenjährigen Jungen, dessen Name im ganzen Buch nicht genannt wird. Auch wenn man manchmal mit dem Jungen Mitleid haben möchte, kommt dieses Gefühl nicht wirklich auf, weil er es auch gar nicht benötigt. In machen Situationen wirkt er einfach viel erwachsener und tapferer als man es erwarten würde, jedoch mit einer Sicht auf viele Dinge wie es nur ein Kind kann. Immerhin ist es doch ganz logisch Würmer zu haben wenn auch die Nachbarskatze welche hatte. Oder etwa nicht?
Er ist ein einsamer, Bücher liebender Protagonist, der durch die Bekanntschaft mit Lettie Hempstock eine neue Welt kennenlernt, die man als Leser nicht unbedingt verstehen muss. Der Junge hinterfragt auch nichts, er nimmt es einfach hin und vertraut Lettie, seiner ersten Freundin überhaupt. Durch sie lernt er auch die anderen beiden Hemstock Frauen kennen, die sich rührend um ihn kümmern, es ist so ganz anders als er es von Zuhause gewohnt ist. Neben Freundschaft werden in diesem Buch auch ganz viele andere Themen angeschnitten wie zum Beispiel die Selbstfindung, Einsamkeit, elterliche Gewalt, Trauerbewältigung uns vieles mehr. Darunter dann noch der Kampf gegen das ‚Böse’. Gesamt betrachtet ist es trotz der vielen magischen Momente kein Buch für Kinder, sondern eine Art Märchen für Erwachsene mit einigen grausameren Abschnitten.
Dieser Roman bezaubert in seiner melancholischen Art und es könnte gut sein, dass auch etwas autobiografisches eingebaut wurde. Macht zumindest ab und zu solch einen Eindruck.
Die Entscheidung darüber ob die Erinnerungen nun real, fiktiv oder einfach nur ein Traum waren, ist jedem selbst überlassen.

„Ich fand, dass Erwachsene nicht weinen sollten. Sie hatten keine Mütter, die sie trösteten.“

Fazit:

Auch wenn ich von dem Ende nicht ganz überzeugt bin, so war es ein besonderer Lesegenuss, der mir Spaß bereitet hat. Man bekommt in diesem Roman nicht alle Antworten auf die Fragen die man hat.. doch wer sich auf dieses Buch einlassen möchte, sollte sich darauf gefasst machen überrascht zu werden.
Werde mir auf jeden Fall ein weiteres Buch von Neil Gaiman kaufen :)

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58 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

liebe, krieg, schiffsjunge, kriegsschiff, historischer roman

Der Korsar und das Mädchen

Elisabeth Büchle
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 16.01.2017
ISBN 9783957341884
Genre: Historische Romane

Rezension:  
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125 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

neuanfang, trauer, krise, schuld, seskis

Ungeschehen

Tina Seskis , Mechthild Sandberg-Ciletti ,
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 28.11.2014
ISBN 9783499269264
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich würde diesen Roman nicht unbedingt in die Thriller oder Krimi Kategorie einordnen, da er am ehesten einem Familiendrama nahe kommt.
Es ist ein gut geschriebenes Debüt, das vor allem durch die Rückblenden lebt, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden und die hinzu von verschiedenen Ereignissen handeln. So bekommt man einen guten Einblick in die tiefen Abgründe von Emilys Familienmitgliedern, darunter die ganzen Probleme zwischen ihren Eltern, das Leben ihrer kaputten Zwillingsschwester Caroline und man erfährt auch einiges über die Vergangenheit von Angel, ihrer neuen Freundin in London. Keiner von den Protagonisten –mal von Ben abgesehen- scheint auch nur annähernd perfekt zu sein, jeder hat sein Päckchen zu tragen. Und auch wenn die Rückblenden größtenteils interessant sind um mehr zu erfahren, da Emily es vermeidet an die Vergangenheit zu denken, sind sie zum Teil auch sehr verwirrend, weil sie ganz plötzlich kommen und manchmal ist es auch nicht direkt ersichtlich aus welcher Sicht und zu welcher Zeit es sich abspielt. Außerdem wirken einige Abschnitte, die die aufkommende Spannung zunichte machen, viel zu langatmig und im Nachhinein auch teilweise sinnlos.
Man versucht als Leser alle Teilstücke, die man bekommt zusammenzusetzen um herauszufinden was der Grund für Emily’s Verschwinden sein könnte. Die Autorin Tina Seskis legt gekonnt falsche Fährten aus und weiß genau wie man den Leser ans Buch fesselt. Man stellt sich die Frage was Emily zu dem Entschluss sich ein neues Leben aufzubauen bewogen hat, was sie Schreckliches erlebt hat und ob vielleicht sogar ihr Mann Ben und Charlie in Gefahr sind, sodass es ihre einzige Möglichkeit war wegzulaufen. Nur dadurch, dass man unbedingt wissen möchte was vorgefallen ist, wird Spannung erzeugt, denn erst gegen Ende wird die Auflösung preisgegeben.
Schon am Anfang werden wir mitten in die Geschichte geworfen und dürfen miterleben wie sich Emily ihren Ehering auf der Bahnhofstoilette liegen lässt und mit dem nächsten Zug nach London fährt. Es klingt faszinierend wie eine Frau einen Neuanfang wagen möchte und obwohl sie zu Beginn sehr gefasst wirkt, wird mit der Zeit deutlich wie sehr ein gewisses Ereignis sie in der Vergangenheit getroffen hat. Es ist schwer ihre Emotionen und Handlungen nachvollziehen zu können, wenn man nicht weiß womit sie zusammenhängen und genauso schwer ist es eine Verbindung zu ihr herzustellen. Obwohl sie eine Anwältin war, kann man in ihrem Verhalten davon nichts wiedererkennen. Sie ist unsicher, lässt sich schnell zu etwas verleiten und trifft folgenschwere Entscheidungen über die man nur mit dem Kopf schütteln kann.
Wie kann eine Frau, die scheinbar ein tolles Leben geführt hat alles zurücklassen? Die Auflösung ist bewegend und doch hätte ich mir ein ausführlicheres Ende gewünscht, weil es auf den letzen Seiten viel zu schnell abgehandelt wurde und mich leider auch nicht ganz überzeugen konnte. Da hätte man von mir aus gerne ein paar Einkürzungen im Mittelteil machen können aber doch nicht dann wenn es darum geht endlich ein paar Antworten zu bekommen. Auch wenn es eine überraschende Wendung gab mit der ich nie gerechnet hätte, blieb ich etwas unzufrieden zurück.

Fazit:

Ein gut geschriebenes Debüt mit neuer Idee und interessanten Wendungen, das mir zeitweise jedoch zu langatmig war und bei dem ich mir mehr Spannung gewünscht hätte. Wer Familiendramen mag ist hier auf jeden Fall genau richtig. Ich vergebe 3 Sterne, denn auch wenn mich der Roman gut unterhalten hat kann ich die negativen Aspekte nicht ignorieren.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

italien, emotional, mia, familie, hun

Herz zugelaufen

Giorgio Panariello , Julika Brandestini
Flexibler Einband: 159 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 15.12.2011
ISBN 9783442474929
Genre: Romane

Rezension:

Ich bin froh, dass das Buch so kurz ist und sich flüssig lesen lässt, denn es war einfach nur enttäuschend. Habe nach dem Klappentext viel mehr erwartet aber immerhin ist Francesco genauso wie beschrieben, total arrogant, egoistisch und macht den Eindruck als wüsste er nicht mal was Liebe überhaupt bedeutet. Mit solch einem Menschen könnte ich garantiert nicht zusammenleben, ein Hoch also auf Mia, die versucht hat Francesco zu ändern , in ihm das Gute zu sehen und kläglich dabei gescheitert ist. 
Als sie auf dem Weg zu ihren Freundinnen ist, ist die Beziehung zwischen den beiden eigentlich schon fast am Ende und deswegen verstehe ich bis jetzt nicht so ganz wieso sie ihren Hund bei Francesco gelassen hat, wenn sie weiß wie er als Mensch ist. Um sich des Ärgernisses zu entledigen hat er Poldo viel zu oft auf den Balkon gesperrt, ging mit ihm fast nie spazieren und hat ihm auch sonst keine Beachtung geschenkt. Eher hat er sich nach einer neuen Frau umgesehen, hat mit seinen Kumpels abgehangen und was sonst noch alles. Ein Klischee Charakter ohne wirklichen Tiefgang, sowie die anderen Protagonisten auch. Sie werden alle total übertrieben dargestellt und sind ganz lieblos gezeichnet, die Dialoge sind größtenteils viel zu überzogen und alles andere als authentisch. Lesegenuss sieht anders aus und von den versprochenen ‚großen Gefühlen’ habe ich auch nichts mitbekommen. Selbst der Schicksalsschlag am Ende konnte mich keinesfalls bewegen, kein Wunder bei der unemotionalen und unglaubwürdigen Erzählart. Es ist zwar traurig, das stimmt auf jeden Fall, aber nicht mal das konnte ich in dem Moment empfinden, weil ich schon in der nächsten Szene mit dem Kopf schütteln musste bei so viel aufgesetztem. Und dieser Schicksalsschlag passiert erst auf den letzten 30 Seiten, sodass man sich fast das ganze Buch über mit der unausstehlichen Art von Francesco auseinandersetzen muss. Kann sich ein Mensch überhaupt so schnell ändern? Meiner Meinung nach nein.
Was mir neben dem Cover und dem flüssigen Schreibstil eine Freude bereitet hat war natürlich Poldo, der übrigens keine Ähnlichkeit zu dem Hund auf dem Cover hat. Er zeigt wie treu Tiere doch sein können und dass sie eigentlich nicht viel brauchen um glücklich zu sein. Ein Hund, den man mit seiner lieben und verspielten Art einfach nur ins Herz schließen kann. Außerdem gab es obendrein noch einige ziemlich gute Lebensweisheiten, die man sich merken sollte.

Fazit:

Die 157 Seiten sind zwar schnell durchgelesen, man verpasst jedoch auch absolut nichts wenn man das Buch nicht in die Hand nimmt.

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98 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

einsamkeit, meer, leuchtturm, einsame insel, verzweiflung

Im Rausch der Stille

Albert Sánchez Piñol , Angelika Maass
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.11.2006
ISBN 9783596165575
Genre: Fantasy

Rezension:

Bizarr ist ehrlich gesagt das erste Wort, das mir zu diesem Roman einfällt. Sprachlich gesehen ist es wirklich top, aus der Ich-Perspektive bildhaft erzählt und trotz einigen eher langweiligen Passagen sehr flüssig zu lesen. Aber selbst diese Abschnitte sind nötig, da das Leben auf der Insel manchmal eben nichts anderes bietet, der namenlose Protagonist nichts anderes machen kann außer tagein, tagaus immer wieder die gleichen Aufgaben zu verrichten und auf den Angriff der Ungeheuer zu warten. Immerhin kann man so die Charakterentwicklung des namenlosen Protagonisten besser verfolgen.
Von der Insel ist kein Entkommen möglich und so hat er es mit dem einzigen anderen Menschen darauf nicht ganz so einfach. Denn Batís Caffó ist ein unfassbar unsympathischer Charakter, dem es Spaß bereitet die Wasserwesen zu töten, je schrecklicher deren Tod, desto besser. Jedes Mal aufs Neue müssen die beiden den Leuchtturm verteidigen wenn es dunkel wird und diese kommen. Dabei lassen die Wesen manche Nächte sogar aus, was die Männer regelrecht zur Verzweiflung bringt weil sie doch sonst nichts haben, das ihren monotonen Alltag durchdringt. Die ganze Stimmung und Atmosphäre bringt der Schreibstil sehr gut rüber.
So sympathisch der Protagonist mir am Anfang auch war, gegen Ende hat er bei mir durch seine veränderte Art ein paar Sympathiepunkte verloren.
Neben den zwei Männern lebt im Leuchtturm noch das Froschmädchen Aneris, das sozusagen das Eigentum von Batís ist mit dem er sich immer wieder vergnügt. Und bald verspürt auch unser Erzähler eine Leidenschaft ihr gegenüber, die er nicht zügeln kann. Es entsteht eine sehr skurrile Situation und es ist schrecklich wie die beiden Männer dieses Wesen manchmal behandeln und doch auch nicht wirklich verwunderlich, dass sie ihren Frust, Unmut und die ganze Wut an jemandem auslassen müssen. Bedauerlicherweise trifft es dann den Schwächsten.
Das Ende ist leider offen, sodass ich nicht recht wusste was ich nun davon halten sollte.

Fazit:

Insgesamt ist das Buch vor allem, wie schon erwähnt, bizarr, auch wenn ich die Situation mit der verlassenen Insel eigentlich recht gut finde. Nur hätte ich mir mehr Antworten erhofft um das alles begreifen zu können. Die Emotionen und Handlungen jedoch waren größtenteils sehr nachvollziehbar, wenn man sich die Mühe macht sich in die Person rein zu versetzen.

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28 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

hund, weihnachten, familie, freundschaft, dezember_12

Ein Hund im Winter

Greg Kincaid , Gabriele Zigldrum
Fester Einband: 253 Seiten
Erschienen bei Page & Turner, 15.11.2011
ISBN 9783442203871
Genre: Romane

Rezension:

Die Handlung:

George McCray erinnert sich an das Jahr 1962 als sein Vater tödlich verunglückt ist, seine Mutter daraufhin zurück nach Minnesota in die Nähe ihrer Familie gezogen ist und er sich dazu entschlossen hat einige Monate länger auf der Farm seiner Großeltern zu bleiben und ihnen zu helfen. Dadurch erlebt und lernt George mehr als er erwartet hätte und findet in Tucker, dem vierjährigen Irish Setter einen treuen Freund.

Meine Meinung:

Eine wunderschöne Geschichte über einen dreizehnjährigen Jungen, der nach dem Tod seines Vaters nicht mehr so recht weiß wo er hingehört. Er möchte weder seine Großeltern, die sonst niemanden hätten um ihnen zu helfen, im Stich lassen noch seine Mutter, bei der er wirklich gerne leben würde. Vor allem bei der ganzen schweren Arbeit auf der Milchfarm, die er an diesem harten Winter aufgetragen bekommt würde er am liebsten sofort zu seiner Mutter ziehen, seine Schuldgefühle lassen es aber nicht zu. Den Zwiespalt spürt man auch als Leser sehr gut und ich wusste trotz meiner Vermutung bis zum Ende nicht wofür er sich letztendlich entscheiden würde. An George kann man die Charakterentwicklung sehr gut verfolgen, er wächst über sich hinaus und übernimmt eine immer größere Verantwortung. Was mich überrascht und verwundert hat ist, dass er kein Mal seinen Großeltern gegenüber ausfallend wurde oder gar die Arbeit verweigert hat. Es hat ihn umso sympathischer gemacht. Manchmal wirkte George eben doch viel erwachsener als ich zuerst erwartet hätte.
Und auch wenn er zuerst von der Idee sich um den Nachbarshund kümmern zu müssen nicht begeistert war, hat es sich schnell ins Gegenteil gewandelt und George wollte Tucker gar nicht mehr hergeben, so sehr hat er ihn ins Herz geschlossen. Dieser Hund hat ihm nicht nur die Tage versüßt sondern ihn nachts auch im Bett warm gehalten, außerdem weiß er ganz genau, wie man die Menschen um den Finger wickelt. Die tiefe Freundschaft zwischen den beiden ist einfach nur bezaubernd und gemeinsam erschaffen sie für alle ein wundervolles Weihnachtsfest.
Muss zugeben, dass mich auch die Hilfsbereitschaft der Nachbarschaft und natürlich auch der McCray’s gerührt hat, denn auch in schweren Situationen waren sie alle füreinander da.
Der Autor hat eine bemerkenswerte Geschichte mit liebenswerten Charakteren erschaffen und erzählt aus der Sicht von George unter anderem auch, dass die meisten Regeln immer noch das Leben selber bestimmt. Der Roman ist sehr flüssig zu lesen und auch nachvollziehbar.

Fazit:

Ein schön erzähltes Buch übers Erwachsenwerden, Freundschaft, das Leben, Verlust, Verantwortung und Familie mit unglaublich sympathischen Charakteren die man ins Herz schließt.

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157 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 100 Rezensionen

drogen, baby, schnee, winter, flucht

Sweetgirl

Travis Mulhauser , Sophie Zeitz-Ventura
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 13.01.2017
ISBN 9783423261265
Genre: Romane

Rezension:

Die Handlung:


Als Percy James sich bei einem Schneesturm dazu entschließt auf Sheltons Farmhaus endlich nach ihrer Mutter Carletta zu suchen, ist ihr nicht bewusst wie sich der Babyfund vor Ort auf die nächsten Tage und ihr Leben auswirkt. Die kleine Jenna liegt absolut durchnässt, hungrig und verwahrlost unter einem offenen Fenster in einer Liege und ist dem stürmischen Wetter völlig ausgeliefert während ihre Mutter und Shelton im unteren Stockwerk ihren Rausch ausschlafen. Percy kann nicht anders und nimmt die Kleine mit um sie schnellstmöglich ins Krankenhaus zu bringen. Sie darf sich trotz der ganzen schwierigen Situationen nicht unterkriegen lassen um Jenna endlich in Sicherheit bringen zu können, was leichter gesagt als getan ist, denn Shelton merkt ziemlich schnell, dass das Baby fort ist und macht sich auf die Suche danach.

Meine Meinung:


Travis Mulhauser hat mir mit diesem originellen Debütroman das erste Highlight des Jahres beschert.
Das erste, das ich beim Lesen bemerkt habe ist wie schön der Roman geschrieben ist und wie die Wörter sowie auch die Handlung nur so vor meinen Augen dahin flogen. Es fühlte sich alles so natürlich, ungezwungen an, dass ich mich kaum dieser winterlichen Atmosphäre entziehen konnte. Ich habe das Buch innerhalb von Stunden beendet und es absolut ins Herz geschlossen.
In erster Linie handelt es sich natürlich um die Rettungsaktion der kleinen Jenna aber eben auch um so viel mehr. Um die Alkohol- und Drogensucht, die nicht nur einem selbst sondern auch den Menschen um sich herum Schaden zufügt. Es ist eine Geschichte mit dieser dunklen, tragischen Note, die einem deutlich vor Augen führt wie sehr der ganze Konsum die Menschen kaputt macht, wie sie sich nicht mal für ihre Kinder von den Drogen loseisen können und sich dem Drang high zu werden hingeben. 
Und in all dieser trüben Hoffnungslosigkeit gibt es das 16jährige Mädchen Percy, das für ihr Alter viel zu früh erwachsen werden musste. Mit einer drogensüchtigen Mutter, die die Gewohnheit besitzt immer mal wieder zu verschwinden, hat Percy schnell gelernt für sich selbst und ihre Mutter Carletta zu sorgen. Und trotz des Alters ist sie viel erwachsener als so manch ein anderer Charakter. Sie ist zudem noch mutig und auf jeden Fall eine Person zu der man aufsehen kann. Es ist bemerkenswert wie sie sich um Jenna kümmert, wie es seit dem Moment in dem sie sie gefunden hat nichts Wichtigeres gibt als dieses kleine Mädchen in Sicherheit zu bringen. Diese Rettungsaktion besteht aus vielen Höhen aber vor allem Tiefen. 
Die ganze Erzählung hat mich so unglaublich ergriffen, dass ich voller Spannung all die unvorhersehbaren Ereignisse verfolgt habe und einfach nur am mitfiebern war.
Ganz interessant fand ich es auch immer mal wieder aus der Sicht von Shelton Potter, dem Drogendealer, der gleichermaßen dumm und gefährlich ist, zu lesen wie er versucht das Baby aufzufinden und dafür auch noch andere anheuert. Hinzu kommt, dass er die meiste Zeit über absolut high war und mir auch gerade in manchen dieser skurrilen Szenen einen Lacher entlocken konnte, denn sonst drückt die gesamte Stimmung einen eher in die andere Richtung. Shelton hat in mir ganz viele verschiedene Gefühle ausgelöst, darunter auch Ratlosigkeit, Verblüffung und Mitgefühl.
Manchmal kann man die Personen nicht einfach in bestimmte Schubladen stecken, es gibt immer mehr zu sehen und genau das lernt man auch unter anderem in diesem Roman. Wenn das Leben einen in eine bestimmte Richtung drückt, kann sich dem nicht jeder wie Percy entziehen. Mit Percy bekommt man auf der einen Seite eine unglaubliche Protagonistin die man nur lieben kann während ihr gegenüber Shelton, sowie auch Portis, ihr Vateresatz und Alkoholiker, der ihr nichtsdestotrotz immer zur Hilfe kommt, stehen. Man lernt sie mit der Zeit etwas besser kennen. Dennoch ist es so schade, dass man diesen ganzen kaputten Seelen nicht helfen kann. 
Meiner Meinung nach ist dieser Roman etwas für Jedermann, würde es nicht wagen ihn in eine bestimmte Nische einzuordnen.

Fazit:


Ein wundervoller Debütroman, der traurig, glaubhaft und hoffnungsvoll zugleich ist. Voller Hoffnung habe ich mitgelitten und die Daumen dafür gedrückt, dass diese zwei Mädchen es schaffen ihren Verfolgern zu entkommen und sich in Sicherheit zu bringen. Es war ein Genuss diese emotionale und intensive Geschichte mit den faszinierenden Charakteren zu lesen. Bin mal auf die weiteren Bücher des Autors gespannt.

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(71)

92 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 69 Rezensionen

rom, thriller, serienmörder, mord, krebs

Schattenkiller

Mirko Zilahy , Katharina Schmidt , Barbara Neeb
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 09.12.2016
ISBN 9783404174201
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Handlung:

Nachdem innerhalb von kürzester Zeit drei Leichen aufgefunden werden, bleibt dem Polizeipräsidenten nichts anderes übrig als seinen besten Profiler, Enrico Mancini, auf den Fall anzusetzen. Dieser ist von der ihm aufgedrängten Aufgabe zunächst nicht ganz so begeistert, weil ihm sein eigener Fall über das Verschwinden des Chirurgen Mauro Carnevali wichtiger ist. Und doch bleibt Mancini keine andere Wahl als mit einem von ihm zusammengestellten Team die brutalen Morde zu untersuchen. 

Meine Meinung:

Mirko Zilahy hat einen schönen Schreibstil und man merkt dem Thriller an, dass er viel Zeit in dieses Buch investiert und alles genau recherchiert hat damit sich der Leser unter anderem die Schauplätze bildhaft vorstellen kann. Ich schätze die Leidenschaft, die man nicht überlesen kann und dennoch ist es mir zu Beginn sehr schwer gefallen all die verschiedenen Namen, Straßen und Schauplätze auseinander zu halten. Es gab so viel, das man sich merken muss, dass es einfacher für mich war mir nebenbei Notizen zu machen.
 
In diesem Thriller gibt es wechselnde Perspektiven, auch wenn man die meiste Zeit über Enrico Mancini begleitet. Und dennoch kann man ab und zu auch mal aus der Sicht der anderen Teammitglieder lesen, sowie auch aus der Sicht der Opfer, die ihren Tod erleben, was mich besonders gefesselt hat. Die packend beschriebenen Szenen sind zwar wenige, aber umso brutaler, weswegen man nicht allzu empfindlich sein sollte. Es waren aufrüttelnde und intensive Abschnitte im Vergleich zu dem sonst eher ruhigen Tonfall im Buch.   
Im Ganzen hätte ich mir viel mehr Spannung gewünscht, von Anfang an eine Geschichte, die mich packt, die Zeit vergessen lässt und mich zwingt solange weiterzulesen bis ich am Ende angelangt bin. Dieses Gefühl hatte ich jedoch erst auf den letzten 150 Seiten, was mir für einen Thriller nicht reicht. 
Hinzu kommt, dass ich beachtliche Probleme mit den Charakteren hatte. Gerade der Protagonist Enrico Mancini hat mich mit seiner Art mehr als einmal aufgeregt. Meiner Meinung nach hätte er den Dienst quittieren sollen, weil er nicht in der Lage ist seiner Arbeit richtig nachzugehen. Er hat den Tod seiner Frau Marisa, die vor vier Monaten an Krebs verstorben ist immer noch nicht verkraftet, ist labil, trinkt Alkohol während der Ermittlungen, hat Panikattacken und auch sonst so manche Ticks entwickelt. Zeitweise ist für mich bei all seinen Problemen der Fall in den Hintergrund gerückt.
Und auch wenn ich das Gefühl hatte, dass ihn seine Mitarbeiter nicht grundlos verehren, dass er tatsächlich einer der Besten ist, so kann ich dies leider nicht bestätigen. Er ist ein guter Profiler, keine Frage, aber genauso ist er ein gebrochener Mann, der erst vor kurzem die wichtigste Person in seinem Leben verloren hat und mit der Situation nicht gut umgehen kann. Jeder andere hätte seine Arbeit auch übernehmen können. 
Enrico Mancini hat fünf andere ihm bekannte und fähige Personen für diesen großen Fall in sein Team aufgenommen und doch ist jeder von ihnen austauschbar, man würde sie wahrlich nicht vermissen, weil man nicht großartig viel über sie erfährt um eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Ich hatte zu keinem der Charaktere einen Bezug. 
Die Ermittlungen des Teams verliefen manchmal etwas langatmig mit vielen Wiederholungen und manches hat nur wenig Sinn ergeben aber dennoch hat mir der Fall an sich sehr gefallen. 
Ich habe gespannt verfolgt wie sich alles in dieser von Regen dominierten Atmosphäre zusammenfügt und die ganzen Morde einen Sinn ergeben. Der Mörder hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und auch wenn man schon rechtzeitig früh weiß wer es ist, so ist der Showdown am Ende dennoch spannend.

Fazit: 

Mit diesem Debüt hat der Autor ganz viel Können bewiesen und für die nächsten Mancini-Fälle ist auf jeden Fall viel Potenzial vorhanden. Mit mehr Spannung und besser ausgearbeiteten Charakteren hätte mir dieser Thriller um einiges mehr gefallen, so kann ich nur solide drei Sterne vergeben.

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121 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

liebe, mädchen, freundschaft, auf eine wie dich habe ich lange gewartet, jugendbuch

Auf eine wie dich habe ich lange gewartet

Patrycja Spychalski
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei cbt, 13.07.2015
ISBN 9783570309735
Genre: Jugendbuch

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

verlust, tod, liebe, trauer, neubeginn

Zeit ihres Lebens

Sabine Schabicki
Buch: 245 Seiten
Erschienen bei Salonlöwe Verlag, 04.11.2013
ISBN 9783944571065
Genre: Romane

Rezension:

Handlung:
Nadja Panou führt mit ihrer 13jährigen Tochter, dem 12jährigen Sohn und ihrem Lebensgefährten zwar nicht das perfekte und stressfreie Leben, das sie sich wünscht, doch ist sie zufrieden. Als sie erfährt, dass sie mit 35 Jahren noch einmal schwanger geworden ist und dazu auch noch mit Zwillingen, freut sich die ganze Familie darauf. Die finanziellen Sorgen werden durch Laurenz’ Beförderung geringer, sie finden eine schönere, größere Wohnung und das Leben könnte eigentlich nicht besser verlaufen. Bis eines Tages das Schlimmste passiert, das sich Eltern nur vorstellen können. Wie soll eine Mutter den Weg zurück ins Leben finden?

„Der Tod steht jetzt manchmal mit ihr im Raum und lockt. Und er sieht nicht abstoßend aus, ist nicht der düstere Mann mit der scharfen Sense. Er sieht freundlich aus.“

Meine Meinung:
Sabine Schabicki hat es geschafft mich mit ‚Zeit ihres Lebens’ dermaßen zu berühren, dass mir über Seiten hinweg die Tränen flossen. Musste mich sogar einmal dazu zwingen das Buch zur Seite zu legen, um den Tränenfluss zu stoppen. Als Leser leidet und fühlt man mit, immerhin geht es um ein Thema an das die meisten Eltern verständlicherweise gar nicht erst denken möchten, aber einige haben es sogar vielleicht schon selber erlebt. Obwohl ich keine Kinder habe und auch nicht schwanger bin, konnte ich, als wäre ich selbst betroffen, diesen Schmerz fühlen, den Nadja bei dem Verlust der Kinder verspürt. Ich kam mir hilflos vor einfach nur zu lesen, nicht helfen zu können. Es ist unglaublich, wie die Autorin es schafft, das Thema so gefühlvoll zu beschreiben, man spürt die Emotionen bis in die Fußspitzen und leidet geradezu mit der ganzen Familie.
Es ist so realistisch, glaubwürdig, detailliert und vor allem authentisch erzählt, man versteht Nadja in jeder Situation, jeder Gedanke von ihr ergibt Sinn. Nach diesem Schicksalsschlag gibt es für sie nicht vieles, das sie aus ihrem lethargischen Zustand herausholen kann. Sie durchlebt alle Phasen der Trauer und Laurenz versucht ihr Kraft zu geben, doch Nadja verschließt sich, weiß, dass er nicht in der Lage ist die gleiche Trauer wie sie zu verspüren. Und dieser weiß nicht, wie er Nadja zurück ins Leben befördern soll. Trotz der großen Liebe zwischen ihnen und dem zusammenleben gehen sie immer mehr auf Abstand, können ihre Gefühle nur schwer in Worte fassen.
Mit dem schönem, ruhigem Cover, auf dem wiederkehrende Zugvögel abgebildet sind, verbinde ich das weiterleben. Es ist in Ordnung sich dem Schmerz hinzugeben, versuchen mit der Trauer allein fertig zu werden, doch muss man sich auch bemühen wieder ins Leben zu finden. Es gibt immer jemanden oder etwas, für das es sich zu leben lohnt und es gibt immer Menschen, die versuchen die größte Hilfe für einen zu sein, man darf nicht einfach aufgeben sondern muss, wie die Zugvögel eben auch, wiederkommen. Man sollte das Positive nicht aus den Augen verlieren.

Fazit:
Ein bewegendes und glaubwürdiges Buch, das mich sicher auch ein zweites und drittes Mal zu Tränen rühren wird und das mich immer noch beschäftigt. Ich bin der Meinung, dass Sabine Schabicki die richtigen Worte für den Schmerz des Verlustes gefunden hat.
Würde es jedem weiter empfehlen, denn obwohl ich sensibel bin und es emotional sehr schwer zu verkraften war, so bereue ich keineswegs das Buch gelesen zu haben. 5 verdiente Sterne.

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