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215 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

narkolepsie, liebe, rock am ring, festival, bettina belitz

Mit uns der Wind

Bettina Belitz
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei script5, 09.03.2015
ISBN 9783839001608
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Mona leidet an einer seltenen Form der Narkolepsie, welche ihr Leben seit frühster Kindheit bestimmt. Seit einiger Zeit verfolgt sie fasziniert Videos auf YouTube bei denen ein junger Power-Kiter seine Grenzen testet und sich dem Willen des Windes beugt. Schon bald verliebt sie sich in den mutigen jungen Mann und erfährt, dass er in naher Zukunft auf einem Festival „Rock am Ring“ zugegen ist. Mona überredet ihren Bruder Manuel dazu, dass sie ihn dorthin begleiten darf. Der wahre Grund dafür ist natürlich ein Treffen mit ihrem „Drachenreiter“. Doch unter 80 000 Menschen eine bestimmte Person zu finden erscheint doch nahezu unmöglich. Vor allem für Mona, die bei starken Gefühlen einfach so einschläft.Für Adrian ist der Ausflug zu Rock am Ring nur einer Sache geschuldet, er möchte endlich die schöne Helen erobern, die er schon so lange begehrt. Doch dann kommt alles anders und er begegnet Mona, ein zartes schönes Mädchen, was voller Geheimnisse zu stecken scheint. 
Der Schreibstil von Bettina Belitz gefällt mir sehr gut. Er ist flüssig und recht einfach, dennoch besonders. Es ist in gewisser Weise eine schroffe Echtheit in ihren Zeilen, die einem das Erzählte viel realer wirken lässt. Auch in diesem Buch passt die Autorin den Schreibstil sehr genau an die Protagonisten an. Man kann sich somit perfekt mit den Charakteren identifizieren. Außerdem ist das Element Wind nicht nur im Titel, sondern spielt auch eine tragende Rolle, die sie durch ihren Stil perfekt mit den Geschehnissen vereint.
Die Geschichte war für mich auch durchaus besonders. Die grundlegende Thematik der Narkolepsie empfand ich schon als extrem interessant, denn man erlebt es aus Sicht der Protagonistin Mona, die ihr Leben mit einer schweren Form dieser Krankheit bestreiten muss. Man kann jederzeit ihre Gedanken und Gefühle vor, während und nach den Anfällen verfolgen und es hat mich schlichtweg fasziniert wie die Autorin es gestaltet hat, denn an dieser Stelle schleicht sich ein wundersamer Hauch von Fantasy ein. Es hat mich wirklich bewegt, denn nicht nur die tollen Fantasyelemente, die mit der Krankheit verknüpft wurden, sind absolut gelungen, sondern vor allem auch die Emotionalität, die damit einher geht. Dies zusätzlich zu den zarten Banden der ersten Liebe konnte mich absolut in seinen Bann ziehen. Hinzu kommt natürlich das Setting zu Rock am Ring - Musik, gutgelaunte junge Leute, ein riesiges Gelände mit jeder Menge Tücken, die schon einen gesunden Menschen an so manche Grenze bringen. Dies vereint mit einer Person wie Mona und ihrem absolut gewagten beinahe irrsinnigen Vorhaben den einen Menschen unter 80 000 zu finden, führten schon augenblicklich zu Nervenkitzel. Damit jedoch nicht genug, denn nicht nur ihre Krankheit schränkt sie stark ein, sondern auch ihr über-fürsorglicher Bruder, der bald schon einen weiteren aufregenden Spannungsbogen ins Geschehen brachte. Auch Protagonist Adrian mit seinem absolut gefährlichem und verrückten Hobby bringt einiges an Spannung in die Geschichte. Für mich waren aber vor allem die zwischenmenschlichen Aspekte entscheidend. Man sieht es allein durch Mona aus zwei Perspektiven, ihrem wachen Zustand und dem schlafenden. Somit hat die Autorin ein Mittel geschaffen, die das Aufeinandertreffen und Erkennen der Beiden Protagonisten nicht nur erklärbar, sondern auch sehr besonders macht. Ich liebe jede einzelne Szene davon, da es so intuitiv, magisch und dennoch echt wirkt. Man spürt eine ferne Verbundenheit, die der Wind als Element noch unterstreicht. Er leitet die Beiden scheinbar mit Gedanken und Gefühlen. Zum Ende hin passieren einige Dinge, die meinen Unmut schürten, da sie die Perfektion des Geschehenen in ein anderes Licht rückten. Da es im normalen Leben und vor allem im Leben einer schwer kranken Person nie perfekt läuft, konnte ich mich damit aber gut abfinden und das Hin und Her als gegeben nehmen. Der Abschluss hat mir schließlich wieder sehr gut gefallen.

Die Personen sind allesamt wahnsinnig toll gelungen. Angefangen bei Mona, die im Grunde im Teenageralter eine normale Rebellion um ihre Freiheit durchlebt. Doch ihr wird Vieles durch ihre stark ausgeprägte Narkolepsie extrem erschwert. Ganz normale Dinge, die junge Menschen erleben können und auch sollten bleiben ihr verwehrt. Sie kann nirgendwo ohne Aufsicht hin, ohne Angst vor sämtlichen unschönen oder gar gefährlichen Situationen. Doch sie kämpft und will um jeden Preis beweisen, dass sie trotz Krankheit Dinge erleben kann, die jeder in ihrem Alter macht. Angefangen mit einem großen Festival wie Rock am Ring, bis hin zu Begegnungen mit dem anderen Geschlecht. Ich war oft über ihre Willensstärke erstaunt, über ihre durchaus verbissene Sturheit und auch die Art und Weise, wie sie sich in vielen Situationen verhält. Sie wächst über sich hinaus und beweist nicht nur sich selbst, dass sie bereit ist für sich allein zu sorgen. Ihre Entwicklung war schlichtweg faszinierend. Ich habe ihren Weg mehr als gern verfolgt und auch mit ihr gelitten und Freude empfunden. Der Hauch von Freiheit nach jedem kleinen Erfolg für sie persönlich war ebenso toll.Adrian empfand ich trotz anderer Wirkung auf sein Umfeld als absolut süß und schüchtern, was vor allem daran lag, dass man auch aus seiner Sicht liest und somit seine Gedanken und Gefühle kennt. Er ist so eine Person, die man eigentlich nur gern haben kann. Charmant und zuvorkommend, niemals aufdringlich und mit absolut entwaffnender Schüchternheit, man will ihn in den Arm nehmen und über den Kopf streicheln. Kein bisschen Arschloch steckt in ihm. Hinzu kommt sein verrücktes Hobby verbunden mit Musik. Auch die Nebencharaktere waren ein Zugewinn für die Geschichte. Ein wenig wird hierbei mit Vorurteilen aufgeräumt und erweckt die Festivalstimmung noch mehr zum Leben.
„Mit uns der Wind“ von Bettina Belitz ist ein toller Einzelband, der viele Dinge verbindet. Eine Krankheit, die mehr als eine Bürde ist verknüpft mit einer starken und mutigen Protagonistin und zarten Fantasyelementen lassen diese Geschichte schnell zu etwas Besonderem werden. Durch den absolut passenden und ungeschönten Schreibstil kann man nur so durch die Seiten fliegen. Ein paar wenige Dinge zum Ende hin mochte ich nicht, dennoch gibt es bei diesem Buch eine absolute Leseempfehlung.

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662 Bibliotheken, 6 Leser, 3 Gruppen, 89 Rezensionen

dystopie, liebe, tahereh mafi, ich brenne für dich, juliette

Ich brenne für dich

Tahereh H. Mafi , Mara Henke
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 29.09.2014
ISBN 9783442313051
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Juliette findet sich völlig orientierungslos neben Warner in einer fremden Umgebung wieder. An das Geschehene kann sie sich nur dunkel erinnern. Nach und nach erfährt sie die Ausmaße der zurückliegenden schrecklichen Ereignisse.Omega Point, der Zufluchtsort der Rebellen, wurde vollständig zerstört und es gibt keine Überlebenden. Für Juliette bricht eine Welt zusammen, all ihre Freunde scheinen verloren.Sie will für sich und alle Gefallenen Rache nehmen, das Reestablishment endgültig zerstören und den Oberbefehlshaber zur Strecke zu bringen.
Dabei bleibt ihr nur ein Verbündeter – Warner. Er ist der Sohn des Feindes und die Person, die sie geschworen hat ewig zu hassen. Doch er hat ebenso ihr Leben gerettet wie er es zuvor zerstört hat. Er gibt ihr ein Versprechen, dass er nicht eher ruhen wird bis sein Vater tot und die Welt eine Andere ist. Wird Juliette Warner ihr Vertrauen schenken?
Der erste Band dieser Reihe war für mich etwas ganz Besonderes und hat sich damit auch von der Masse abgehoben. Der Zweite war auch sehr gut, aber schon ein wenig anders und wie ich den finalen Band fand, erfahrt ihr im Folgenden.
Der Schreibstil bleibt nach wie vor ein Kunstwerk. Die Autorin arbeitet diesmal zwar weniger mit den offensichtlichen stilistischen Mitteln wie in den Vorgängern, das Geschriebene verliert jedoch keineswegs an der Intensität. Es ist nach wie vor sehr eindringlich, gefühlsbetont und echt verfasst. Jeder Satz scheint in seiner Formulierung einfach besonders und schön zu sein. Wie eine wohlklingende Melodie. Man hat somit auch ohne detailreiche Beschreibungen sehr viel Raum für seine Vorstellungskraft und es projizieren sich unglaublich viele Bilder vor dem inneren Auge, die die Welt um Juliette und Co. sehr authentisch wirken lassen.
Die Geschichte war im Grunde schon im ersten Band nicht wirklich besonders. Viel mehr waren es die Emotionen, die Personen, das ganze Gefühlsleben der Protagonistin Juliette, welches mich sehr begeistern konnte. Die Andersartigkeit gepaart mit diesem wundervollen Schreibstil konnte mich durchweg überzeugen. Schon im zweiten Band nahm dies ein wenig ab und im dritten widmete sich die Autorin nun hauptsächlich dem Grundgerüst der Geschichte, wenngleich die emotionale Ebene immer präsent ist. Auch die Beziehungen werden auf die eine oder andere Weise aufgearbeitet und da beginnt für mich der Punkt an dem ich zeitweise etwas resigniert war. Es wird vieles überdramatisiert dargestellt, gibt ständig unnötige Gefühlsausbrüche, furchtbare Diskussionen und ein absolutes Auf und Ab zwischen Einigung und wüsten Beschimpfungen. Generell waren die meisten Interaktionen zwischen Juliette und anderen Menschen, speziell Warner und Adam einfach anstrengend. In der Geschichte gab es so kaum ein vorankommen und es wurde viel um das große Vorhaben zur Rettung der Welt herum geredet. Als dann alle beteiligen langsam wieder zu sich selbst fanden, waren die meisten Kampfsequenzen und Fähigkeiten sehr interessant gestaltet und auch an Spannung konnte die Autorin zulegen. Ein bisschen mehr hätte ich mir davon trotzdem versprochen. Der Fokus lag in der Gesamtgeschichte einfach auf den Personen selbst, so erfuhr man z.B. einige tolle Details über Warner und auch Dinge aus der Vergangenheit von Juliette wurden aufgeklärt. Erneut sehr überzeugen konnte mich die Autorin mit der Liebesgeschichte. Sie weiß einfach perfekt mit Emotionen umzugehen und erzeugte hier nicht selten ein Feuerwerk. Vor allem diese Art von Spannung brachte mich ein wenig über die sonst recht typischen Dinge hinweg.

Die Personen haben sich allesamt wahnsinnig verändert und so gab es auch eine kleine Verschiebung meiner Sympathien. Einer, der mein Herz bereits im Sturm erobert hatte und es auch weiterhin behalten durfte war, mein heimlicher Favorit: Kenij. Ich liebe ihn. Er ist so witzig, so unverblümt, absolut ehrlich und sehr loyal. Es schwingt immer eine leichte Verrücktheit mit, er nimmt sich selbst mehr als gern auf die Schippe und entschärft so viele unschöne Situationen. So manche anstrengende Sequenz wurde durch ihn nur halb so schlimm. Er erkennt das Gute, schützt seine Freunde vor Fehlern und holt Juliette in entscheidenden Situationen aus ihren Tiefpunkten. Sein Humor ist absolut nach meinem Geschmack und ich konnte gar nicht genug kriegen. Auch Juliette, die mir zeitweise ein wenig zu sehr in Selbstmitleid versank wird in diesem Band zu einer ganz anderen Person - stark, mutig und selbstbewusst. Ihre Gedanken - und Gefühlswelt empfand ich nach wie vor als sehr interessant und essentiell für die Geschichte. Adam heimste sich in diesem finalen Band leider nur Minuspunkte bei mir ein, ich konnte einfach überhaupt kein Verständnis für seine Situation aufbringen, wenngleich es nicht unbedingt eine unnormale Entwicklung war. Er ging mir die meiste Zeit auf die Nerven und brachte auch wenig Gutes ein. Warner hingegen wirkte auf mich zwar schon immer faszinierend, aber nicht wirklich sympathisch. Daran änderte sich zwar auch nicht allzu viel, jedoch konnte ich nun endlich begreifen warum er so ist und seine Beweggründe endgültig verstehen. Im Zusammenspiel mit Juliette war ich über ihn oft zwiegespalten. In manchen Situationen konnte ich nicht schnell genug lesen und andere brachten mich beinahe zum Augenrollen. Einige Nebencharaktere hingegen, z.B. der kleine James konnten absolut bei mir punkten.

In diesem finalen Band „Ich brenne für dich“ konnte mich die Autorin einmal mehr durch ihren einzigartigen und anziehenden Schreibstil verzaubern. Neben tollen Charakteren und spannenden Ereignissen, gab es diesmal auch einige Schwächen, die ich hauptsächlich in der Entwicklung der Beziehungen sehe. Zeitweise drehte sich so die Geschichte etwas im Kreis. Dennoch war es wieder ein wunderbares Leseerlebnis, welches sich vor allem aufgrund einiger sehr charmanter Personen lohnt.

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278 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

soul beach, salziger tod, kate harrison, strand, mord

Soul Beach - Salziger Tod

Kate Harrison , Jessika Komina , Sandra Knuffinke
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Loewe, 14.10.2014
ISBN 9783785573884
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Alice wird verfolgt, zumindest glaubt sie das. Sie ist sich sicher, dass es sich um niemanden Geringeres als Meggie's Mörder handelt. Sie fühlt sich nirgends mehr sicher, hinter jeder Ecke scheint ihr vermeintlicher Stalker zu lauern. Nur der Soul Beach verschafft ihr die nötige Sicherheit. Da dieser jedoch nur virtuell existiert ist es ein schwacher Trost. Das Wichtigste ist für Alice nun endlich den Mörder ihrer Schwester zu finden, dass diese in Frieden ruhen kann. Doch bald ziehen dunkle Wolken im Paradies auf und sie gerät in einen Strudel aus gefährlichen Ereignissen. Wer hat Meggie wirklich getötet und will er Alice am Ende auch?  

Auf diesen Abschluss musste ich zwar nicht sehr lange warten, dennoch fühlte es sich wie eine Qual an. Die tolle Stimmung und das originelle Setting haben mich bereits von Band 1 an begeistern können. Nun war es „endlich“ soweit.
Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, es gibt wenige Beschreibungen und wirkt somit sehr frisch. In diesem letzten Band ist mir auch wieder überaus bewusst geworden, wie toll die Autorin es im Griff hat jede Einzelheit des Settings klar und deutlich darzustellen und das mit vielen Details, ohne wirklich zu beschreiben. Nach wie vor geht der Stil Hand in Hand mit dem Charakter der Protagonistin Alice. Durch ihre Jugendlichkeit und die präzisen Gedankengänge, macht es die Autorin möglich die Atmosphäre stets unheilvoll und düster zu halten, aber dennoch bleibt auch der Hoffnungsschimmer immer präsent. Es ist ein wahnsinnig guter Mix und an Spannung kaum zu übertreffen. Dies ermöglicht es, dass man die Geschichte nicht mehr nur liest, sondern viel mehr erlebt.
Die Geschichte konnte mich auch in diesem Abschlussband wieder absolut überzeugen. Die Autorin hat es diesmal sogar geschafft die Stufe des Misstrauens gegen alles und jeden, auf der Suche nach dem Mörder, noch zu steigern. Immer wieder werden Verdachtsmomente gestreut, denen man sich zusammen mit Alice stellen muss. Es wird zeitweise fast schon ein wenig kryptisch, vor allem die Szenen aus Sicht des Mörders. Die Autorin setzt alles so zielgerichtet und genau ein, dass man unter ständigen Verwirrungszuständen leidet und irgendwann Niemandem mehr traut, beinahe echte Angst verspürt, obwohl nie wirklich klar ist, wer der große Unbekannte nun ist. Auch der Soul Beach passt sich schon bald an die nun aufkommende finale Stimmung an. Es bleibt nicht länger unheilvoll und düster, denn schon bald kriecht die Angst einem direkt in den Nacken und läuft als gruselige Gänsehaut den Rücken hinunter. Man fühlt sich nirgends mehr sicher und ist so direkt mit der Gefühlswelt der Protagonistin Alice verknüpft. Meine Nervenenden waren zum Zerreißen gespannt und ich verfolgte mit aufkommendem Unbehagen die Geschehnisse. Dabei blieb mir im Hinterkopf stets mein Hauptverdächtiger Nr. 1 erhalten. Obwohl ich mir immer sicherer wurde, dass nur dieser es sein kann, brachte mich die Autorin nicht selten in eine Sackgasse und alle gewonnenen Erkenntnisse lösten sich in Luft auf. Ob ich am Ende recht behalten habe, verrate ich an dieser Stelle nicht. Es mangelt diesem Abschluss an nahezu nichts. Es ist nach wie vor super spannend, eine ausgefallene und tolle Geschichte mit wundervollen Charakteren. Man bekommt auch endlich Antworten auf fast alle Fragen und die Aufklärungsarbeit von Alice zahlt sich endlich aus. Am Ende hat mir jedoch eine Sache sozusagen gefehlt. Es geht um das fantastische Element, bei dem es mir in dieser Version einfach ein wenig schwer fiel es als gegeben hinzunehmen. Dies schmälerte jedoch weder mein Lesevergnügen noch stand es der Logik der gesamten Geschichte im Weg. Das Ende war nach dem absolut perfekten und erschöpfenden Showdown schön, ruhig, hoffnungsvoll und leuchtend hell. Es hat mir den Ausstieg aus der Geschichte nicht nur erleichtert, sondern einfach vollkommen gemacht. Ich schaue nicht wehmütig zurück, sondern freudig auf eine einzigartige und unglaublich spannende Geschichte.

Die Personen bleiben gewohnt authentisch. Wenngleich vor allem die Charakteristik jedes Einzelnen eine relativ schwierige Angelegenheit war, denn durch das ständige Misstrauen aufgrund der Suche nach Meggie's Mörder, konnte man die meisten Menschen bald nur noch schwer einschätzen. Irgendwann rückte beinahe jeder kurzzeitig in den Fokus von Alice' Ermittlungen. Dennoch war es gerade diese Sache, die die Geschichte besonders machte, denn trotz der vielen Verdächtigungen und dem ständigen Zweifel schaffte es die Autorin Sympathien zu erzeugen und die Beweggründe plausibel zu machen. Vor allem Alice empfand ich die gesamte Zeit wieder als sehr angenehm. Man erkennt eine stetige Entwicklung ihrer Gedanken – und Gefühlswelt. Sie wird nun vorsichtiger und stürzt sich nicht mehr ungehemmt in schwierige Situationen. Das wiederum hatte jedoch zur Folge, dass sich Angst einschleicht und sie schon bald den Glauben an viele Menschen verliert, die ihr vorher lieb und teuer waren. Durch diese beinahe lähmende Angst und eine durchaus eingefahrene Sichtweise auf den Mörder wurde sie für manche offensichtliche Dinge blind. Ich fand Alice' gesamte Entwicklung von Band 1 bis hin zu diesem Abschlussband wahnsinnig gut. Sie behält ihren tollen Charakter zwar grundlegend, passt sich aber den Geschehnissen perfekt und sehr authentisch an. Man konnte regelrecht beobachten wie jede Entwicklung zum Mordfall etwas an Alice' Verhalten änderte. Auch das perfide Spiel des Mörders, was man eigentlich nur am Rande mitbekommt, dennoch irgendwie immer zwischen den Zeilen mitschwingt, ist absolut genial in Szene gesetzt. Der Charakter dieser Person ist nur latent beschrieben und dennoch erzeugt er immer wieder ein schreckliches Unbehagen. Gänsehaut ist dabei vorprogrammiert. 
Mit dem finalen Band der Soul Beach Trilogie hat Kate Harrison einen sehr gelungenen Abschluss einer außergewöhnlichen Reihe geschaffen. Hier wartet eine Mordermittlung der besonderen Art auf euch, die einen nicht selten an moralischen Vorstellungen zweifeln lässt. Mit den fantastischen Elementen setzt die Autorin dem Ganzen noch ein Krönchen auf. Ich bin absolut zufrieden mit diesem Ende, wenngleich mir ein paar wenige Antworten fehlten. An Spannung und originellen Schauplätzen ist diese Reihe kaum zu überbieten. Eine Leseempfehlung muss ich an dieser Stelle klar und deutlich aussprechen!

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Tags: kate harrison, soul beach   (2)
 

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ritzen, liebe, lehrer, ilsa j. bick, atemnot

Atemnot

Ilsa J. Bick , Anke Caroline Burger
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei INK, 04.09.2014
ISBN 9783863960643
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Jenna's Leben verlief bisher alles andere als leicht. Schon in jungen Jahren sind ihr schreckliche Dinge geschehen. Auch ihr familiäres Umfeld scheint wenig stabil zu sein. All diese Dinge haben Spuren hinterlassen, deren Ausmaß nur sie allein erkennt. Als sie nach langer Zeit an eine neue Schule kommt trifft sie plötzlich auf ungeahnte Hilfe. Sowohl einer ihrer Mitschüler als auch ihr Chemielehrer setzen sich für einen guten Start ein. Als Jenna gerade wieder Hoffnung für ein besseres Leben schöpft, trifft sie die Wahrheit wie ein Schlag. Wieder gerät ihre Welt aus den Fugen.  
Der Schreibstil ist mir schon auf den ersten Seiten sehr positiv aufgefallen, obwohl alles ein wenig befremdlich auf mich wirkte. Diese harte ungeschönte Art des Schreibens in einem sehr jugendlichen Stil entfachte in mir einen Zwiespalt zwischen Mitleid und Unbehagen. Die gleichgültige und zeitweise schonungslose Aufrichtigkeit der Erzählung ließen mich nicht selten innehalten und über das Schicksal der Protagonistin Jenna nachdenken. Der Stil ging absolut Hand in Hand mit ihrem Charakter und schaffte so eine sehr innige Nähe, die es zeitweise beinahe unerträglich machte den Verlauf der Handlung zu akzeptieren. Man verfällt beinahe von selbst in eine Art analysierendes Lesen, denn hinter jedem Erzählabschnitt scheint eine psychologische Spitzfindigkeit zu stecken.
Die Geschichte ist alles andere als normal, aber auch nicht unwahrscheinlich. Es könnte sich genauso abgespielt haben und dennoch bin ich nach wie vor nicht sicher, ob mich diese Andersartigkeit eher fasziniert oder doch etwas abstößt. Vor allem der psychologische Aspekt, der immer wieder in den Vordergrund geriet war zeitweise so verwirrend, dass ich sowohl echtes Unbehagen als auch Begeisterung verspürte. Im Grunde sind einige Dinge ab der ersten Seite vorhersehbar, dennoch hat es die Autorin geschafft genau diese bekannten Konstanten aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen und so den Leser auf seine Seite zu ziehen. Zeitweise flogen die Seiten nur so an mir vorbei und ich bewegte mich in einem tranceartigen Zustand inmitten vielfältiger Emotionen und tiefer Gedanken einer gezeichneten Seele. Es war durchaus anziehend die Perspektive der Protagonistin zu lesen, vor allem die psychotischen Aspekte. Man erhält einfach einmal eine ganz andere Sicht auf die Dinge - die Sicht auf das beschädigte Innere eines jungen Mädchens, was dennoch unglaublich viel Mut und Stärke zeigt. Das das Seelenheil eines so jungen Menschen durch verschiedene einschneidende Erlebnisse schaden nimmt ist beinahe unvermeidbar. Die Art und Weise des Umgangs mit den Wunden der Seele ist jedoch von Person zu Person sicher verschieden, sodass mich gerade Jenna in ihrem Denken wirklich oft berühren konnte und mehr und mehr zum nachdenken anregte. Es werden auch im Zusammenspiel mit Mr. Anderson viele Vergleiche für das Fühlen im psychotischen Zustand gebracht, die mir einen Blickwinkel offenbarten, an den ich zuvor niemals gedacht hätte.Es werden allerdings auch sehr viele Dinge angerissen, die nie wirklich zu Ende gebracht werden. Die Handlungsstränge teilen sich auf und verlaufen zu oft ins Nichts. Es wird zwar ausschließlich aus der Sicht der Protagonistin Jenna erzählt, dennoch tauchen nach und nach immer mehr Personen und Ereignisse von Bedeutung auf, die das Gefühl geben, dass das eigentliche Hauptthema aus dem Blickfeld gerät. Es gibt immer wieder Schlüsselereignisse, die ein wenig Licht ins Dunkel bringen, aber bis zum Ende hin bleiben einige Dinge vollkommen ungeklärt beziehungsweise werden der Fantasie oder dem Ermittlungsgeschick des Lesers überlassen. Für diese Art von Geschichte erschien mir das aber teilweise unpassend und wirkte unfertig. Vor allem das Ende war nicht nur offen, sondern einfach abgehackt. Man tappt über die wichtigsten Dinge im Dunkeln. Natürlich bleibt so sehr viel Raum für Mehr - für eigene Gedanken, für die Fantasie, für die Möglichkeit sich selbst ein Happy End zu gestalten, für die Chance allem Schlechtem ein Ende zu bereiten. Mir persönlich hat das jedoch eher weniger gefallen.
Die Personen sind alle sehr authentisch und wirklich gut gelungen. Es gibt eine enorme Bandbreite an Charakteren, die die verschiedensten Emotionen in mir hervorgerufen haben. Jeder spielt eine recht große Rolle im recht unschönen Verlauf des Lebens der 16-Jährigen Jenna. Schon zu Beginn erkennt man, dass ihre Gedanken und Gefühle nicht die eines typischen Teenies sind. Sie hat viel durchgemacht und diese Dinge sind nicht spurlos an ihr vorbei gegangen. Sie wirkt gleichgültig, abweisend, grüblerisch und verschließt sich vor jeder Art von Hilfe. Ihren Eltern schenkt sie keinerlei Vertrauen mehr und ihr Alltag wirkt eher wie der Kampf ums Überleben als ein wirkliches Leben. Doch im Laufe der Geschichte verändert sie sich stark, bald schon schaut man auf die wirkliche Jenna, man erkennt ihre Stärke, ihren Mut, die unendliche Hoffnung auf ein normales Leben und die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Auch sämtliche andere Charaktere sind absolut toll gestaltet. Angefangen vom cholerischen, machthaberischen Vater, über den verständnisvollen und hilfsbereiten Vertrauenslehrer, der verzweifelten, im Alkohol ertrinkenden Mutter bis hin zur streitsüchtigen und eifersüchtigen Klassenkameradin. Jeder fügt sich einfach perfekt in die Geschichte ein.
Manchmal kann man tatsächlich nicht unterscheiden wer der Prinz und wer das Monster ist. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt und die Lügen von der Wahrheit zu unterscheiden wird nahezu unmöglich. Genauso habe ich mich beim Lesen von „Atemnot“ gefühlt. Es war sowohl faszinierend als auch teilweise unbehaglich. Leider blieben mir einige Dinge zu offen und vor allem das Ende lässt mich ruhelos zurück. Wer Bücher mag, die durch Andersartigkeit glänzen und viel Raum für eigene Interpretationen lassen, wird dieses hier sehr mögen.

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zweiter teil, besucherin, strand, internetseite, verdacht

Soul Beach - Schwarzer Sand

Kate Harrison
E-Buch Text: 376 Seiten
Erschienen bei Loewe Verlag, 10.03.2014
ISBN 9783732000814
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Der Tod löscht nicht länger die gesamte Existenz einer Person aus der Welt. Alles ist anders seit Alice das erste Mal auf dem Soul Beach war. Ihre tote Schwester ist seither beinahe greifbar und lebt in gewisser Weise weiter. Doch die Bewohner des Soul Beach suchen Erlösung aus ihrem vermeintlichen Paradies. Alice ist die Einzige, die es schaffen kann die Menschen aus dieser Zwischenwelt zu befreien. Im Zuge dessen forscht sie noch immer nach dem wahren Mörder ihrer Schwester Megan und stößt mehr und mehr auf seltsame Dinge. Als ein bekanntes Gesicht ebenfalls den Soul Beach betritt, setzt sie alles daran die Morde aufzuklären und gerät in einen Strudel von gefährlichen Erkenntnissen. 
Der Schreibstil ist ebenso simpel wie genial. Er ist nahezu bis ins kleinste Atom mit der Protagonistin Alice verbunden und macht sie so nicht nur authentisch, sondern verbindet einen als Leser förmlich mit ihr. Teilweise war ich sie. Dies machte das Lesen zu einem Erlebnis der Extraklasse und ich war untrennbar mit den Seiten verwoben. Die Bildhaftigkeit der Orte und Geschehnisse lies mich nicht selten staunen und ich tauchte ein in eine Welt voller Misstrauen, Verdächtigungen und der Suche nach der Wahrheit.
Die Geschichte gestaltete sich nach wie vor absolut überragend. Wie bereits zu Teil 1 erwähnt, finde ich die ganze Idee grandios und einzigartig. Die Umsetzung ist in "Schwarzer Sand" jedoch noch besser gelungen, wenngleich ich in "Frostiges Paradies" schon absolut überzeugt wurde. Das unumstößlich Genialste am gesamten Handlungsstrang ist diese unheilvolle allgegenwärtige Spannung, die vor allem auch durch den Part aus Sicht des Mörders aufrechterhalten wird. Man ist stets in Erwartungshaltung, dass gleich etwas Schreckliches passiert oder ans Tageslicht gerät. So viele Geheimnisse, Verdachtsmomente, Beschuldigen und Hinweise prasseln auf einen ein. Die Arbeit als Ermittler übernimmt man sozusagen aus dem Auftakt der Reihe und geht mit Alice zusammen darin auf. Wenn man sich gerade fast sicher zu sein scheint, wer der Mörder von Meggie gewesen ist, gibt es neue Wendungen, die einen entweder so ablenken, dass man sofort von dem Gedanken abkommt oder aber eine völlig andere Person ins Licht rücken. In diesem Teil rückt der Soul Beach ein wenig in den Hintergrund, es gibt jedoch einige rasante Wechsel zu interessanten Schauplätzen und die Verbindungen zu den anderen Gästen des Soul Beach werden genial mit Alice‘ Realität verknüpft. Das stetig wachsende Misstrauen zu vielen Personen in ihrem näheren Umfeld und wagemutige Nachforschungsarbeiten erzeugten hierbei einen zusätzlichen Nervenkitzel und so manche Begebenheit wurde zum Haare raufen. Da Alice durch den Soul Beach ein etwas anderes Bild über die Geschehnisse rund um den Mord ihrer Schwester hat, wurden vor allem auch die Handlungen und Beweggründe ihrer Eltern interessant. Man beginnt bald schon selbst Schlüsse zu ziehen, gleicht diese mit denen von Alice ab und versucht eventuelle Ungereimtheiten auszumerzen. Seit Teil 1 habe ich einen Hauptverdächtigen und bin so gespannt, ob ich damit letztendlich richtig liege, denn die Autorin lies mich schon bisher nicht selten an meinen Schlussfolgerungen zweifeln. Seit langem ist dies eine Geschichte bei der ich mitten drin, statt nur dabei bin.
Die Personen sind allesamt wirklich toll und glaubhaft gestaltet. Angefangen bei Meggie’s und Alice‘ Eltern, über die besten Freunde beider Schwestern, Ex-Freunde und sonstige Bekannte sowie in den Ermittlungen verwickelte Personen und vor allem natürlich die Gästen des Soul Beach. Meinen Fokus lege ich wieder auf Alice, denn sie ist nach wie vor diejenige, die die Geschichte trägt. In diesem zweiten Teil rückt auch ihre Schwester Meggie sehr in den Hintergrund, was vor allem mit einem neuen, recht überraschenden Gast am Soul Beach zu tun hat. Zugegebenermaßen fand ich dies etwas schade, wenn auch nicht störend. Alice kehrt nun mehr und mehr in die reale Welt zurück, stellt sich, wenn auch vorerst unfreiwillig, ihrer Trauer, unternimmt wieder mehr mit ihren Freunden und rückt somit ihre Hauptmission, den Mord an Meggie aufzuklären in den Vordergrund. Ihren Mut und ihre Stärke bewundere ich nach wie vor. Vor allem aber auch die Gabe über ihre Gefühle hinwegzublicken und die nackten Tatsachen zu betrachten. Dies gelingt ihr nicht immer und so gibt es nicht selten kleinere Anflüge von Naivität, die sie mir aber eher noch sympathischer machten. Sie stürzt sich oft aus dem Bauch heraus in ein „Abenteuer“ um der Wahrheit auf die Schliche zu kommen und begibt sich damit schnell in Gefahr. Dies weiß die Autorin auch absolut perfekt zu untermalen. Alice stellt bald schon unter Beweis, dass sie recht gut in der Lage dazu ist sich zu verstellen. ihre schauspielerische Leistung ist teilweise beachtlich. Nach wie vor stellt sie sich auch gerne unter den Scheffel ihrer Schwester und weiß dabei nicht, welche Wirkung sie selbst auf andere Menschen hat. Dies ist zwar in meinen Augen sympathisch, aber in dieser Geschichte auch sehr gefährlich. Ihre gesamten Eigenschaften und auch die Entwicklung hin zu großartiger Entschlossenheit und dem langsamen Loslassen der Vergangenheit fügen sich perfekt in den Handlungsstrang ein und lassen sie glänzen. Ich war gefühlstechnisch immer bei ihr und verfolgte all ihre Schritte und derer in Alice‘ Umfeld.
Der 2. Teil der „Soul Beach“ - Reihe konnte mich noch mehr überzeugen als es bereits Teil 1 getan hat. Die ganze Atmosphäre und diese unglaublichen Emotionen gepaart mit den oft nüchtern dargestellten Tatsachen machen die Geschichte zu einem einzigartig fesselnden, absolut authentischen und wahnsinnig mitreißenden Erlebnis. Man erlebt scheinbar Hand in Hand mit der Protagonistin Alice die Ereignisse rund um die Aufklärung des Mordes an ihrer Schwester Meggie. Auf den Spuren des Mörders beschreitet man einige interessante Wege und Schauplätze und traut am Ende kaum noch sich selbst über den Weg. Genial umgesetzt und mit absoluter Leseempfehlung versehen.

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722 Bibliotheken, 6 Leser, 4 Gruppen, 59 Rezensionen

dystopie, liebe, june, day, krieg

Legend - Berstende Sterne

Marie Lu , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Loewe, 21.07.2014
ISBN 9783785574928
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Der Frieden scheint endlich vor den Toren der Republik zu stehen als es erneut einen herben Rückschlag gibt. Eine große Gefahr ist im Anmarsch, die sämtliche Friedensverhandlungen augenblicklich zu entzweien droht. Ein Krieg scheint nun unvermeidbar.
Unterdessen arbeitet June seit einer Weile für den neuen Elektor und bittet Day nach Monaten der Trennung um einen Gefallen für die Republik um das Leben tausender Menschen zu retten. Doch diese Bitte wiegt schwer, denn dafür müsste er genau das hergeben, was er am meisten beschützt - das Einzige, was ihm noch bleibt. Eine Entscheidung, die man kaum zu treffen wagt, löst einen wahren Wettlauf gegen die Zeit aus. Werden Day und June am Ende den richtigen Weg einschlagen? Besteht noch Hoffnung für den Frieden?  Was war das für ein Ende? Nach Teil 2 musste ich mir die Tränen schon sehr zurückhalten, was wiederum eine große Sehnsucht nach Teil 3 entfachte. Day und June konnten mich schon von Band 1 an in ihren Bann ziehen und es hat sich auch jetzt nicht viel geändert.
Der Schreibstil ist im Grunde recht einfach gehalten, was dem Lesefluss ab der ersten Minute sehr gut tat. Mehr und mehr jedoch tauchte man in die komplexe Struktur der Autorin ein. Sie schaffte es auch in diesem Band mit simplen Worten eine enorme Bildhaftigkeit und Emotionalität zu erzeugen. Es wird zwar wenig beschrieben, dennoch erblühte die Welt von Day und June in ihrer vollen Größe vor meinem inneren Auge und ich wollte daraus kaum mehr auftauchen. Allein der Schreibstil konnte mich bisher in jedem Band auf seine spezielle Art begeistern und lies das Verschmelzen mit der Handlung und den Protagonisten mühelos zu.
Die Geschichte oder viel mehr ihr Fortgang variierte von Band zu Band recht stark. Im ersten Band wurde einem diese enorme Kluft zwischen arm und reich demonstriert, was mich insgesamt am meisten mitreißen konnte. In Band 2 wurde man in die absoluten Abgründe des Systems geführt, die Stimmung war düster, die Schauplätze oft an Grausamkeit und erschreckenden Verhältnissen nicht zu überbieten. Verlust und Angst waren wohl die Hauptgefühle. In diesem Abschlussband kehrt man zusammen mit den Protagonisten eher auf die Seite des Prunks zurück. Man sieht mehr von den reichen Vierteln und erlebt deren Sonnen – sowie Schattenseiten. Der Fokus der Geschichte rückt zeitweise etwas weg von den Ereignissen in und um die Republik. Kriegsgeschehen und Konflikte sind stets präsent, dennoch ist es Day, um den sich plötzlich ein bedeutender Handlungsstrang zu winden scheint. Da es ein wenig Abwechslung von den aufwühlenden Nachrichten und der angespannten Lage brachte, konnte ich mich recht gut in diese Szenen vertiefen. Auch die Beziehungsebene zwischen den Charakteren rückt zunehmend in den Vordergrund, was ich auch als sehr angenehm empfand. Dennoch konnten mich vor allem die Entwicklungen im Land, die Kriegspläne und Verschwörungen wieder absolut begeistern. Es gab weniger Durchstrecken wie noch in Band 2. Ich hatte vor allem ab der zweiten Hälfte das Gefühl kontinuierlicher Spannung und der Fortgang der Geschichte war meist rasant und ereignisreich. Die ruhigeren Minuten voller Erkenntnissen und auch vieler Rückblicke, abschweifender Gedanken der Protagonisten und entstehender Pläne waren für mich als Leser auch mehr als angenehm. Es war alles absolut passend und sehr abwechslungsreich gestaltet. Auch die immer größer und vielseitiger werdenden Bedrohungen waren perfekt inszeniert. Ob durch alte Bekannte oder neue Tyrannen, der „vermeintliche Feind“ war stets zugegen und brachte die meist ohnehin kribbelige Stimmung auf ein Höchstlevel, denn oft zeigten diese sich von ihrer besten Seite, wenn es gerade absolut ungünstig zu sein schien. Das Ende lässt mich zufrieden zurück. Ich hatte mir alles ein wenig anders vorgestellt, aber das ist ja nicht selten der Fall. Ich kann mit dieser Trilogie nun sehr gut abschließen und es schwingt auch kaum Wehmut mit, denn eine Zukunft bleibt in gewisser Weise offen. Es wirkt wie ein neuer Anfang in eine ungewisse Zeit und ist somit für dieses Genre recht typisch, wenn auch passend.
Die Personen haben in der gesamten Trilogie eine enorme Entwicklung durchlaufen, die mir auch weitestgehend zugesagt hat. Schon zeitig entpuppte sich June als mein Lieblingscharakter, was vor allem an ihrem Scharfsinn und der unumstößlichen Intelligenz lag. Sie nimmt ihre Umgebung scheinbar völlig anders wahr als andere, in jedem Gedanke in jeder Handlung sondiert sie das Gegebene und zieht quasi zeitgleich Schlüsse. An ihren Gedanken wirkt einfach alles komplex und faszinierend korrekt. Sie überlässt einfach nichts dem Zufall und analysiert beinahe automatisch jeden Menschen und alle Schauplätze. Auch in diesem Abschlussband bleibt sie sich weitestgehend treu, driftet aber weiter in die emotionale Ebene ab, was vor allem auch an ihrer neuen Position liegt. Man spürt zeitweise ein wenig Resignation, was ich zu den gegeben Umständen jedoch als sehr passend empfand. Wie bereits in Band 2, wird ihre Schwäche in der Gegenwart von Menschen, die sie schätzt und liebt deutlicher. Sie opfert sich auf, ist vollkommen selbstlos und will niemanden verletzen, gerät aber damit nicht selten in ein schreckliches Gefühlschaos, was zu diesem Zeitpunkt ebenso authentisch wirkte. Zum Ende hin, wuchs sie noch einmal über sich hinaus und zeigte wieder ihre scheinbar unerschöpfliche Stärke. Von dem verwöhnten Mädchen aus der Republik ist nun nichts mehr übrig, sie wirkt durch und durch gereift. Day hingegen ist in diesem Abschlussband in eine Richtung gerutscht, die ihm nicht ganz zuträglich war, dennoch authentisch wirkte. Zeitweise lösten seine Handlungen Unbehagen in mir aus. Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst und seine Gedanken kreisen um Verluste und eine düstere Zukunft. Es passte zwar alles zu seiner Lage, brachte aber dennoch etwas Ernüchterung, weil man als Leser kaum noch an ihn heran kam und somit wenig Raum für eine Verbindung da war. Es glich eher einem hilflosen Zusehen, als wären ihm sein Mut, seine Stärke und sein wunderbarer Kampfgeist abhanden gekommen. Dies ist zum Glück nicht dauerhaft der Fall gewesen, weswegen ich meine leichte Enttäuschung relativ gut kompensieren konnte. An Authentizität mangelt es keinem der Charaktere, aber um sich vollkommen in Day zu versetzen, fehlte es ihm in diesem Band etwas an Substanz.

Mit „Legend – Berstende Sterne“ konnte Marie Lu einen absolut würdigen und tollen Abschlussband schaffen, der mir wie schon seine Vorgänger ein großes Lesevergnügen brachte. Die Protagonisten bleiben gewohnt authentisch, wenngleich die Entwicklungen zeitweise beschwerlich waren. Diese wunderbar erdachte Welt durch die Augen von Day und June zu erleben, sollte keiner verpassen, der Spannung liebt und gern durch düstere Zeiten dem Licht entgegen blickt. Das Ende lässt mich zufrieden zurück blicken auf eine abwechslungsreiche und gut durchdachte Dystopie.

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dystopie, jugendbuch, ursula poznanski, virus, liebe

Die Vernichteten

Ursula Poznanski
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Loewe, 21.07.2014
ISBN 9783785575482
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Endlich kennt Ria den Grund, weshalb der Sphärenbund ihren und den Tod ihrer Freunde will. Ein schreckliches Geheimnis verbirgt sich dahinter, dem sie nun auf die Spur gekommen ist. Trotz widriger Bedingungen macht sie es sich zur Aufgabe der Sache auf den Grund zu gehen und um jeden Preis für Gerechtigkeit zu sorgen. Es droht eine Katastrophe nach der anderen und eine Lösung scheint fern. Als es schon kaum noch schlimmer werden könnte, stoßen Ria und ihre Gefährten auf eine weitere furchtbare Information in der Geschichte der Sphären. Die grausame Wahrheit scheint alles bisherige zu übertreffen. Wird sie den richtigen Weg gehen? Gibt es noch Hoffnung für Ria und ihre Freunde?
Der Schreibstil ist schlichtweg kaum noch zu toppen. Man merkt in jeder Zeile, dass die Autorin ihr Handwerk nicht nur versteht, sondern in absoluter Perfektion ausführt. Sie kontrolliert und verteilt die Emotionen so passgenau, dass ein Entrinnen aus der Geschichte nur schlecht möglich ist. Die Realität bleibt einem als Leser nicht lange erhalten und verschwimmt ab und zu noch außerhalb der Lesestunden. Frau Poznanski schafft es nicht nur mit ihren Worten eine Welt zu erschaffen, die authentischer kaum sein könnte, sondern lässt den Leser teilhaben und mitgestalten. Es bleibt trotz der hohen Anschaulichkeit ein großes Maß für eigenen Empfindungen und Vorstellungen. Dies ermöglicht ein beinahe reales Miteinander zwischen einem selbst und den Protagonisten.

Die Geschichte ist in dieser Form nicht direkt einzigartig, jedoch so anders umgesetzt, dass einfach alles besonders wirkt. Ich war ab den ersten Zeilen von Band 1 bis zu den letzten von Band 3 absolut begeistert. Es handelt sich um eine Zukunftsvision, die durchaus in dieser Weise eintreffen könnte, doch damit erschafft man noch keine unglaublich spannende, absolut authentische und mit scharfsinniger Logik versehene Geschichte. Dies macht Frau Poznanski erst durch ihren genialen Handlungsstrang und den vielen tollen Charakteren möglich. Nichts scheint dem Zufall überlassen, jede winzige Handlung unterliegt im Endeffekt ausgesprochen logischer Korrektheit. Nicht selten gab es diese „Aha-Momente“, die die Welt in gewisser Hinsicht auf den Kopf gestellt haben. Die gesamte Zeit über schwebt die kribbelige Atmosphäre des unumstößlich grauenvollen Geheimnisses um die aktuelle Lage von Ria und ihren Begleitern mit. Die Autorin hat es geschafft den Leser in jedem Teil der Trilogie mit der richtigen Menge von Informationen zu füttern, ohne die Spannung zu nehmen. Trotzdem tauchen immer wieder Schlüsselereignisse auf, die einen selbst und vor allem auch die Protagonisten der Lösung einen entschiedenen Schritt weiter bringen. Nach Band 2 war ich beinahe sicher, dass kaum noch Raum für Verschwörungen, Überraschungen und unvorhergesehene Wendungen bleibt, doch weit gefehlt. Ich war zwar nicht mehr so unglaublich verblüfft wie noch in Band 2, hatte aber dennoch nicht selten das Erstaunen auf meiner Seite. In diesem Finale wurde man zusätzlich perfekt auf einen Abschluss vorbereitet. Es wurde weniger geforscht, wenngleich die neuen Erkenntnissen umso einschneidender waren. Die Schauplätze waren nicht mehr ganz so zahlreich und altbekanntes wurde mühelos mit eingeflochten. Es kehrte teilweise ein wenig Ruhe ein. Die Zeit für Emotionen zwischen „Lieblingen“ und „Prims“ war gegeben und jeder konnte schon vor dem großen Showdown ein wenig seinen zukünftigen Platz suchen. Der Drang nach Antworten nahm etwas ab, denn nun bestand akuter Handlungsbedarf. Diesmal war es eher ein Gefühl des Sammelns der bereits gewonnen Erkenntnisse und schließlich das Hinarbeiten auf eine Lösung der ganzen Probleme. Es gab eine oder auch mehrere Aussichten auf ein vermeintliches Ende. Doch es wäre nicht die Autorin, wenn die zur Aussicht gestellten Versionen nicht in vollkommener Spannung immer wieder durchmischt und neu geordnet würden. Kaum dachte man, alles ist verloren, tauchte ein neuer Hoffnungsschimmer am Horizont auf. Es war nicht selten heikel und ein Ausweg fern, genauso oft jedoch bewunderte ich Fortschritte und überraschende Wendungen, die der Geschichte eine ganz neue Richtung verliehen. Es war wieder von allem etwas dabei. Unglaubliche Spannung, einnehmender Scharfsinn und auch ruhige, emotionale Passagen. Ich habe alles daran geliebt. All die Gespräche, die Überzeugungen, die Stärke und das Durchhaltevermögen aller Beteiligter. Die zu treffenden Entscheidungen waren niemals leicht und trotz vermeintlicher Fehltritte blieb alles so echt. Genau dies setze dem ganzen das Krönchen auf. Das Ende passte zur gesamten Entwicklung. Es war langsam und ruhig, ein Ausklingen aus den vorherigen aufwühlenden Geschehnissen. Es bleibt Raum für mehr und die Gedanken konnten zum Abschluss weit in die Ferne schweifen und noch ein paar Stunden bei Ria und Co. verweilen.
Die Personen sind nach wie vor absolut gelungen. Eleria „Ria“ hatte ich schon von Anfang an in mein Herz geschlossen. Ihre bestechende Logik, der Drang nach Antworten, für jedes Problem die passende und vor allem gerechte Lösung für alle zu finden, machen sie nicht nur besonders, sondern auch unglaublich stark. Sie scheut sich nicht auch in gefährlichen Situationen die Wahrheit auszusprechen und sucht auch nach den schlimmsten Ereignissen noch nach Gerechtigkeit. Sie geht niemals den einfachsten Weg, wenn dieser ihr nicht absolut richtig erscheint. Sie ist unglaublich mutig und willensstark. Ihre Intelligenz gepaart mit Wagemut und Überzeugungskraft bringen sie genauso oft in Gefahr, wie sie ihr aus heiklen Situationen heraus helfen. Man darf als Leser stets ihren komplexen Gedanken folgen und vor allem dieser Aspekt machte mir unglaublich viel Spaß. In diesem abschließenden Band lernte man Ria jedoch auch mehr und mehr von ihrer verletzlichen und emotionalen Seite kennen. Ich mochte sie dadurch nur umso mehr. Die Lücken in ihrer starren Emotionskontrolle passten so gut zur gesamten Entwicklung, dass Ria in dieser Hinsicht eher über sich hinaus wuchs, als eine wirkliche Schwäche zu entwickeln. Ich war begeistert wie mühelos man jeden für sich in der Geschichte „aufblühen“ sah um schließlich deren Bedeutung zu erkennen und zu lieben. Sandor, der mir noch zuvor als eher unbeherrschte und auch unbeständige Person in Erinnerung blieb, schlug nun die Richtung ein, die ich eigentlich erwartete. Er hat seinen Platz gefunden und die Entscheidungen getroffen, die ich mir irgendwie gewünscht hatte, dennoch dann nicht die gesamte Zeit über mochte. Es passte aber einfach so gut zu ihm, dass ich doch überzeugt wurde. Absolut erwähnenswert ist auch diesmal Aureljo. Er nimmt zwar nur wenig Raum in diesem Teil ein, dafür sehr bedeutenden. Ich mochte ihn nie besonders gern, denn diese geradlinige und starrsinnige Art ist einfach ermüdend. Hat er einmal eine Entscheidung getroffen, wird diese um jeden Preis ausgeführt. Diesem Muster bleibt er auch weitestgehend treu, dennoch war es am Ende er, der mich in gewisser Weise rührte, vor allem auch deshalb, weil es mich an vergangene Stunden zwischen den Seiten der beiden ersten Bände erinnerte und so wieder einen Logikkreis schloss.
Eine wundervolle Reihe kommt mit "Die Vernichteten" zum Abschluss und die Wehmut, die das Ende von tollen Büchern immer mit sich bringt, wird ein wenig gedämpft durch das perfekte Ausklingen der Geschichte und den wundervollen Erinnerungen an die Lesestunden. Frau Poznanski ist definitiv ein Meisterwerk in diesem Genre gelungen, was ich wohl niemals vergessen werde. In perfektem und emotionalem Stil, führt die Autorin uns in eine genial erdachte Welt, die zusammen mit den Charakteren nicht nur sehr authentisch wirkt, sondern die gesamte Trilogie über beständig bewegt, unterhält und fesselt.  

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freundschaft, sterbehilfe, meteorit, epilepsie, schweiz

Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat

Gavin Extence , Alexandra Ernst
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Limes, 03.03.2014
ISBN 9783809026334
Genre: Romane

Rezension:


Alex ist zehn Jahre alt als sich sein ohnehin schon recht sonderbares Leben erneut wandelt. Sofort wird ihm klar, dass die unwahrscheinlichsten Dinge tatsächlich geschehen können und er nun der beste Beweis dafür ist.Seine Mutter war schon immer recht unkonventionell. Sie ist eine Hellseherin und dies strahlt sie auch aus. Sie lebt ihren Job und Alex ist mittendrin. Seine Andersartigkeit, die sich in vielerlei Hinsicht zeigt und auch erkannt wird, bringt ihm im normalen Alltag nicht selten unschöne Situationen ein. Alex jedoch weiß um die Denkweisen seiner Mitschüler.
Durch einen unerwarteten Zwischenfall gerät er an den mürrischen und vereinsamten Mr. Peterson. Was gezwungenermaßen seltsam beginnt, entpuppt sich schon bald als eine Lebenserfahrung, die Alex nie wieder vergessen wird und seinen Charakter unwiderruflich prägt.  
Der Schreibstil ist sehr ausschweifend, detailliert und besitzt eine außergewöhnliche Note. Da aus Sicht des Protagonisten Alex erzählt und der Leser auch direkt angesprochen wird, ist der Stil absolut eng verbunden mit seinem Charakter. Dies wiederum hatte zur Folge, dass ich sofort absolut angetan von der Art des Schreibens war. Es wirkt sonderbar, intelligent und einfach völlig anders – gewissermaßen künstlerisch. Alles war von der ersten Sekunde an stimmig. Man liest nicht nur, man erlebt das „unerhörte Leben des Alex Woods“.

Die Geschichte ist im Nachhinein gesehen eine sehr ernste und wichtige Sache. Der Kern der Handlung und auch die absolute Tragweite werden erst sehr spät klar. Man wird mit vielerlei moralischen Dingen konfrontiert und es werden so viele wichtige und vor allem wahre Sachverhalte thematisiert. Dennoch hat der Autor dies in eine witzige, ungemein sympathische und durchaus abgedrehte Hülle verpackt. Nicht selten brachte mich so manche Gegebenheit zum Lachen. Sowohl die Dialoge zwischen Mr. Peterson und Alex, als auch Alex Wood’s gedankliche Monologe, waren zumeist absolut amüsant. Ich war zu nahezu jeder Zeit gespannt, was mir Alex noch alles über sein Leben zu berichten hat. Es gab ein paar wenige Längen zu verzeichnen, in denen mir die Ausführlichkeit der Schilderungen ein wenig zu viel wurde. Doch das ist einfach Alex‘ Art. Hat man sich einmal daran gewöhnt, erschrickt man beinahe, wenn er sich plötzlich kurz fasst. Ein sehr schöner Nebeneffekt dieser Ausführlichkeit ist der Lernfaktor. Die Neugier und der Wissensdurst des Protagonisten und seine anschließenden Erklärungen ließen mich Dinge erfahren, die ich vorher nicht wusste.Die Geschichte an sich ist in ihrem Ursprung nahezu undenkbar und auch unwahrscheinlich, jedoch bewiesenermaßen möglich. Ich könnte mir für dieses Buch nichts Vollkommeneres vorstellen. Vor allem der Start in die Handlung ließ mich ratlos, kopfschüttelnd und insbesondere absolut neugierig zurück. Man wird beinahe hineingeworfen in eine bizarre Begebenheit. Trotz dass man die Gedanken von Alex die gesamte Zeit über kennt und diese auch nicht abwegig scheinen, erkennt man den Kern des großen Ganzen nicht, weil man es sich nicht im Ansatz vorstellen kann, was dieser junge Mann zu diesem Zeitpunkt durchgemacht hat. Denn nach der Einführung beginnt Alex seine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Was sich schließlich im Laufe der Erzählung auftat, hat mich gleichermaßen berührt, belustigt, erstaunt und vor allem nachdenklich gemacht. Doch das ganze Buch lebt absolut von den Charakteren.
Die Personen sind allesamt bis in die kleinste Zelle ein absolutes Meisterwerk. Alexander Morgan Woods, kurz Alex, ist der wohl wunderlichste Protagonist, der mir je begegnet ist. Seine sonderbare Art die Dinge wahrzunehmen und vor allem zu beschreiben, hat mich von der ersten Sekunde an verzaubert. Ich mag generell Menschen, die ein wenig anders sind -   kompliziert, eigensinnig und intelligent. Menschen, die sich über die kleinen und großen Dinge im Universum den Kopf zerbrechen und einfach einer eigenen Logik folgen. Ein solcher Mensch ist Alex. Wenngleich diese Denk – und Verhaltensweisen von seinem „Hirnschaden“ zu kommen scheinen, war Alex wohl schon allein durch seine „etwas andere“ Mutter ein Sonderexemplar. Sein Gerechtigkeitssinn hat mich sofort begeistert, er wägt ab, denkt ausführlich über die Dinge in seinem Umfeld nach, analysiert bis ins letzte Atom, um schließlich den richtigen Weg zu finden. Dies jedoch nicht nur für sich selbst. Damit kommt eine weitere unglaublich tolle Eigenschaft hinzu, er ist absolut selbstlos. Sein Denken und Handeln dreht sich sonderbar oft im Kreis, um zu einer Lösung zu gelangen, die ihm entspricht. Während einiger ungünstiger Geschehnissen steckt man mitten in seinem Kopf, die Stärke und Bedeutung seiner Gedanke lies mich nicht selten inne halten, weil er oft so recht hatte. Durch seine abschätzende Art und die Aufstellung so mancher Thesen im Alltag brachte er einen wahrscheinlich eher ungewollten, absolut herzerwärmenden Humor zu Stande. Selbst, wenn er in schlechten Situationen steckte, war die Komik darin fast immer greifbar. Er ist sogar in seinen jüngsten Jahren in vielerlei Hinsicht sehr erwachsen in seinem Denken und Handeln und doch wirkt er nicht selten unbeholfen und naiv.Ein weiterer Zugewinn für die Geschichte war Isaac Peterson, alter Vietnam-Veteran, der auf den ersten Blick mürrisch, wunderlich und vereinsamt wirkt. Er ist ein Liebhaber von Schimpfwörtern und findet auch für jede Situation die passende Bezeichnung. Auch er besitzt einige Eigenschaften, die sich von der Masse abheben. Er hegt eine starke Leidenschaft des Briefeschreibens und zwar mit Amnesty International, ist Fan von Satire und besitzt einige ungeahnte Lebensweisheiten, die im Zusammenspiel mit Alex für jeden Leser wahren Reichtum bedeuten. Einzigartigere Charaktere kann es fast nicht mehr geben. 
Das unerhörte Leben des Alex Woods ist soviel mehr als ich erwartet hatte. Gavin Extence erzählt eine Geschichte, die sich nicht nur durch die sonderbaren Ereignisse hervortut. Was fast wie ein Märchen klingt, beinhaltet mehr Realität als einem oft lieb ist. Er erzählt von wahrer Freundschaft, Vertrauen, den richtigen und falschen Entscheidungen und von Rechten, die uns im Leben oft verwehrt bleiben. Wer Lust hat in eine Welt einzutauchen, die eine grüblerische Note bereithält, sich nicht vor unangenehmen und wichtigen Fragen scheut und viel Weisheit mit einer guten Portion Humor zu schätzen weiß, sollte hier zugreifen. Es ist keine leichte Lektüre, aber wenn man sich darauf voll und ganz einlässt zerfließt sie so schnell, dass man am Ende nur schwer loslassen kann. 

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jessica shirvington, jugendbuch, therapie, zwei leben, selbstverletzung

Ein Tag, zwei Leben

Jessica Shirvington , Sonja Häußler
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei cbt, 13.01.2014
ISBN 9783570380406
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Seit Sabine denken kann lebt sie in zwei Parallelwelten. Sie verbringt 24 Stunden in der einen, um schließlich wieder 24 Stunden in ihrer anderen Welt zu verleben. Streng genommen ist sie also 36 Jahre alt. Beide Leben sind völlig unterschiedlich, in Roxbury ist sie eher eine Einzelgängerin, etwas sonderbar und nur durch ihr Äußeres wirklich auffällig. In Wellesley hingegen ist sie eine beliebte Schülerin mit Aussicht auf eine glänzende Zukunft. Sie besitzt alles was ihr Herz begehrt. Ihr Leben scheint lückenlos geplant bis diese perfekte Blase zu platzen droht und plötzlich in beiden Welten alles aus dem Ruder läuft. 
Der Schreibstil ist wie gewohnt eine grandiose Abfolge von Worten, die schließlich die Verschmelzung meiner Gefühlswelt mit der der Protagonistin hervorruft. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie die Autorin es immer wieder schafft eine derart emotionale Tiefe in jede Zeile zu weben. Es beginnt immer so einfach, man findet leicht in die Geschichte hinein, es lässt sich flüssig lesen und plötzlich ohne Vorwarnung erkennt man, dass Seite für Seite aus dem Buch heraus, direkt in einen hinein fließt um von dort sämtliche Emotionen ans Tageslicht zu fördern.

Die Geschichte ist für mich komplett neu. Eine derartige Idee ist mir bisher nicht begegnet und sofort verspürte ich das leichte Kribbeln, die diese seltsame und dennoch willkommene Andersartigkeit jedes Mal auslöst. Gleich zu Beginn erhält man jede Menge Informationen rund um Sabines Leben oder sagen wir rund um ihre zwei Leben. Was anfangs befremdlich und etwas abstrakt wirkte, wurde schon bald wahnsinnig spannend. Das ständige Hin und Her zwischen den zwei völlig unterschiedlichen Leben der Protagonistin bewirkte eine kontinuierliche Neugier auf das was im jeweils anderen gerade geschieht. Der ganze Handlungsstrang lebt von dieser ruhelosen Atmosphäre und bringt so mit einer gewissen Leichtigkeit eine atemberaubende Spannung hervor. Das Beste an der ganzen Geschichte ist, dass man am Anfang keine Ahnung hat wohin das alles führen soll. Man erlebt einen relativ normalen Alltag in beiden Welten und lernt mit den Empfindungen und Gefühlen der Protagonistin umzugehen, zieht mit ihr logische Schlüsse, bangt und hofft. Zum Teil waren mir ihre Beweggründe auch ein wenig fremd, aber nach und nach lernt man die Bürde kennen mit der ihr Dasein verbunden ist. Diese Geschichte regt auch zum Nachdenken für das eigene Leben an. Von jetzt auf gleich werden schließlich diese beiden sehr unterschiedlichen und getrennten Parallelwelten auf eine Weise verbunden, die dramatischer und intensiver nicht sein könnte.  Es passierte soviel auf einmal und die Ereignisse überschlugen sich im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht alles so schnell und plötzlich steht man vor vollendeten Tatsachen und fragt sich: Wie konnte diese Geschichte in eine solche Richtung führen? Waruuuum? Es ist so unfassbar traurig und ich war richtiggehend geschockt über diese Wendungen. Man weiß zu keinem Zeitpunkt mehr als die Protagonistin und gibt sich ihrer Ahnungen und Schlussfolgerungen hin ohne das gesamte Ausmaß zu begreifen. Dieses krachte schließlich genauso heftig über mich herein wie über Sabine.
Die Personen sind aufgrund der zwei Leben recht viele an der Zahl und auch sehr vielseitig.Sabine ist für ihr Dasein nur in einer Hinsicht „gespalten“, sie spielt zwei unterschiedliche Rollen um in das jeweilige Leben zu passen. In ihrem Inneren jedoch ist sie alles andere als zwei Personen, sie ist sogar ziemlich konstant in ihren Entscheidungen, was ihre Zukunft betrifft, hat absolut klare Vorstellungen und legt Wert auf die wichtigen Dinge im Leben. Sie wirkt vernünftig und mit genug Verstand ausgestattet um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Doch es tobt ein Sturm in ihrem Inneren, sie will leben und zwar nach ihren Bedingungen. So stürzt sie sich in scheinbar wahnwitzige Ideen und Tests. Manchmal konnte ich nur müde mit dem Kopf schütteln, weil vor allem die Reaktionen in ihrem Umfeld nicht selten zu erwarten gewesen wären und sie oft sehr erstaunt darüber war. Diese Anflüge von Naivität waren jedoch auch einfach passend, denn ein solches Schicksal kann ein einzelner und vor allem so junger Mensch wohl kaum ertragen. In jedem Leben hatte ich mindestens eine weitere Person, die mir absolut ans Herz wuchs. So gab es wundervolle Freundschaften, tolle Geschwister und zarte Liebesbeziehungen. Dies lässt sich jedoch am besten selbst herausfinden: Lesen!

Eine atemberaubende Geschichte, die mit Sicherheit Genre übergreifend begeistern kann. Es ist für nahezu jeden etwas dabei, wenngleich die Fantasyschiene am meisten bedient wird. Die intensiven Emotionen, die vor allem dem grandiosen Schreibstil der Autorin geschuldet sind, schlängeln sich wie ein unsichtbares Band durch die Seiten und erwecken beide Welten der Protagonistin zum Leben. Fesselnde Spannung gepaart mit einem absolut gut durchdachten Handlungsstrang und jeder Menge unvorhergesehener Wendungen münden schließlich in ein völlig unerwartetes und dramatisches Ende. Ich wiederhole: LESEN!

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feen, nimmernie, julie kagawa, liebe, fantasy

Plötzlich Prinz - Das Erbe der Feen

Julie Kagawa , Charlotte Lungstrass-Kapfer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Heyne, 20.01.2014
ISBN 9783453268661
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Ethan Chase ist eigentlich ein ganz normaler Teenager. Doch seine Vergangenheit sagt etwas anderes. Als Kleinkind geriet er dem lichten Volk in die Finger und verlebte dort keine angenehme Zeit. Seine Schwester Meghan, die ihn damals rettete, ist nun kein Teil seines Lebens mehr. Sie lebt im Nimmernie und herrscht dort über die eisernen Feen. Ethan versucht sich Zeit seines Lebens vor den Feenwesen zu verstecken, leider gelingt ihm das nicht wirklich oft. Sie sind überall und verfolgen ihn, wohin er auch geht. Er wechselt nun schon zum x-ten Mal die Schule und so manche Zwischenfälle, die ihm die Feen in vorherigen Schulen beschert haben, lassen ihn in einem schlechten Licht dastehen, er gilt als schwierig. Er selbst gibt sich unnahbar und feindselig, doch nur um all jene zu schützen, die ihm etwas bedeuten könnten. Doch die junge Kenzie durchbricht diese Mauer und lässt sich von seiner Fassade des Bad Boys nicht täuschen. Ihr Interesse und ihre Neugier für den unzugänglichen Ethan könnten sie jedoch schon bald in große Schwierigkeiten bringen.
Der Schreibstil ist unvergleichlich. Julie Kagawa schreibt so vereinnahmend, zauberhaft und eindrucksvoll, dass aus ihrer Feder wohl immer eine Geschichte entspringen wird, die entweder schonungslos fesselt oder absolut bezaubert. Man taucht in „Plötzlich Prinz“ ein in eine Welt, der man sich nicht so schnell entziehen kann und jedes Wort verbindet einen unwiderruflich ein Stück mehr mit dem wunderbaren Nimmernie. Sie schaffte es auch in diesem Buch mir die Steige zu den Feen zu öffnen.

Die Geschichte ist für die „Plötzlich Fee“ Leser natürlich nichts Neues. Man trifft auf Altbekanntes und liebgewonnene Charaktere, vor allem Grimalkin hatte ich durchaus vermisst. Um ehrlich zu sein, war ich ein wenig skeptisch, ob es tatsächlich noch neue Erlebnisse geben kann, da bereits 4 Bücher voller wundervoller Fantasie mein Herz gewannen und dennoch hat es die Autorin geschafft, erneut eine andere Richtung einzuschlagen und einen völlig neuen Handlungsstrang zu gestalten. Es gab einige Szenen in denen ich mich ein wenig zu sehr an bereits bekannte Dinge erinnerte und so in eine gewisse Trägheit verfiel. Zeitweise war ich deshalb doch ein wenig gelangweilt. Wenn ich dieses Buch gelesen hätte, ohne Plötzlich Fee zu kennen, wären diese vermeintlichen Längen nicht aufgetreten, denn die gesamte Story ist einfach toll, sehr komplex, gut durchdacht und total spannend. Julie Kagawa ist einfach eine Meisterin darin, die Vorstellungskraft auf ein Höchstlevel zu bringen und sämtliche von ihr erdachten Wesen und Teile ihre Welt zum Leben zu erwecken. Man liest nicht einfach, man erlebt das Nimmernie und lernt all seinen Glanz sowie die Schattenseiten kennen. Von gefährlichen Monstern, über liebliche Feenwesen bis hin zu eigensinnigen Kreaturen ist einfach alles dabei. Es gibt nichts, was es nicht gibt.Der Einstieg fiel mir schon aufgrund der bekannten Stimmung recht leicht. Ethan Chase, der Bruder von Meghan Chase, ist nun beinahe erwachsen und befindet sich trotz aller Schwierigkeiten im normalen Alltag, der sich jedoch als alles andere als normal herausstellt. Er kann SIE sehen, immerfort und das lässt sein Leben eher wie eine immerwährende Qual erscheinen.  Kaum in der Geschichte gefangen, nehmen die Dinge ihren Lauf und die Wesen des Nimmernie heimsen schon bald mehr Raum in Ethan’s Leben ein als gewollt. Es war vor allem wunderbar den „kleinen Ethan“ von damals nun mit seinen tiefsten Empfindungen kennen zu lernen und seine gesamte Entwicklung zu verfolgen. Es hat mir wirklich Spaß gemacht in seinem Kopf zu stecken.
Die Personen waren wie man es von der Autorin gewohnt ist, alles wunderbar gestaltete Charaktere. Trotz Ethan’s äußerlich recht schwierigem Charakter, war es mir ein leichtes mit ihm zu fühlen, da man als Leser auch sofort hinter seine Fassade schauen darf. In ihm tobt ein Feuer des Hasses auf die Feenwelt. Ihm wurde im Kindesalter soviel angetan, dass er nichts als negative Empfindungen für das lichte Volk hegt. Er hat sich eine emotionale Mauer gebaut, die ihm Sicherheit bringt. Sicherheit für sich und vor allem für alle anderen in seinem Umfeld. Er will keine liebgewonnenen Menschen in Schwierigkeiten bringen und stößt sie so lieber von sich weg. Ich kann diese Verhaltensweise recht gut nachfühlen, denn eine Bürde für andere zu sein, ist sicher nicht leicht. Egal wie sehr ein Mensch beteuert, dass die schlimmsten Geheimnisse nichts ausmachen, es schließlich wirklich zu erfahren und zu erleben, macht alles anders. Umso interessanter und sympathischer erschien mir auch Kenzie. Sie ist so strahlend und offen, absolut unvoreingenommen und mit einer forschen Neugier ausgestattet, die mir nicht selten ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Ihre unverblümte und dennoch sanfte Art war ein absoluter Zugewinn für die gesamte Geschichte und vor allem für Ethan. Sie zeigt ihm, dass man manchen Menschen einfach vertrauen sollte und das Wegstoßen oft unnötig ist. Es müssen nur die richtigen Personen sein, denen man all seine Geheimnisse zeigt, denn diese werden sie hüten. Dank Kenzie entwickelte sich Ethan in eine Richtung, die mir noch mehr zusagte als die beliebte harte Schale mit dem weichen Kern. Es gibt auch ein Wiedersehen mit einigen meiner Lieblinge aus Plötzlich Fee: Allen voran Grimalkin, was habe ich diesen eigensinnigen Kater vermisst. Dann wären da noch Puck und „Eisbubi“ Ash, die ihre kleinen Sticheleien noch immer nicht beigelegt haben und natürlich Meghan. Es fühlte sich gleich in gewisser Weise familiär und vertraut an. Vor allem das Ende macht neugierig auf die Fortsetzung. Ich bin gespannt.
Mit „Plötzlich Prinz“ konnte mich Julie Kagawa erneut erfolgreich ins wundervolle Nimmernie entführen und bereitete mir somit einige angenehme Lesestunden. Aufgrund einiger mir vertrauter Szenen, verspürte ich ein paar wenige Längen. Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass ich es gelesen habe und kann es allen Fans von „Plötzlich Fee“ auch wirklich ans Herz legen. Allein dieser zauberhafte Schreibstil vermag es einen als Leser sofort aus der Realität zu entreißen und damit eine perfekte Illusion zu erzeugen.

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die macht des schmetterlings, matt dickinson, chaostheorie, matt dickinso, macht des schmetterlings

Die Macht des Schmetterlings

Matt Dickinson , Alan C. Lyne
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag, 21.06.2013
ISBN 9783833901690
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Zufall oder Schicksal?Diese Frage stellt man sich ab und zu selbst, wenn Dinge geschehen, die die menschliche Vorstellungskraft übersteigen.
Es beginnt alles so harmlos. Um 7:37 Uhr schlüpft ein junger Schmetterling aus seinem Kokon um seinen ersten Flügelschlag zu tätigen. Wo ein Leben beginnt, wird auch immer eines enden. Das dies jedoch durch eine Verkettung unvorhersehbarer Ereignisse geschieht ist nicht unbedingt üblich, dennoch möglich. Denn der blaue Eichen-Zipfelfalter erschreckt ein junges Kaninchen, was gerade zum ersten Mal seinen Bau verlässt. In ängstlicher Hast hüpft er zwischen die Beine eines Rennpferdes, welches sich verletzt und so das Rennen nicht gewinnen kann. Stattdessen gewinnt ein anderes Pferd und schenkt damit einem liebenden Familienvater ein hübsches Sümmchen, womit er seiner Tochter ein riesiges Bündel Luftballons kauft. Leider ist die Freude nur von kurzer Dauer, denn in einem winzigen Augenblick der Unaufmerksamkeit entgleiten dem Mädchen die Luftballons und zerstören wenig später das Triebwerk eines Flugzeuges, was in einer absoluten Katastrophe endet…
Diese Rezension kann ich gar nicht auf vollkommen herkömmliche Weise schreiben, weil meine Unterteilungen gar nicht passen. Beginnen möchte ich mit dem Cover. Ist es nicht wunderschön? Schon allein deshalb gehört es in mein Regal, allerdings ist das nicht der Grund, warum ich es gekauft habe. Da war mal wieder ein anderer Blogger schuld, mit einer grandiosen Rezension.
Dieses Buch ist kein Lesevergnügen im eigentlichen Sinne, sondern viel mehr ein Rausch, fast ein Zwang. Einmal angefangen kann man sich einfach nicht mehr lösen. Das liegt nicht zuletzt am Schreibstil, der sehr kurzweilig und klar ist. Deutlich und ohne große Umschweife schildert der Autor fast nüchtern die Ereignisse. Es ist alles so präzise und eindeutig, dass man sowieso keinerlei Ablenkung vertragen könnte. Hinzu kommt, dass die Kapitel meist nur 1 – 2 Seiten umfassen und immer völlig andere Personen und Orte betreffen. Man gewöhnt sich dennoch recht schnell an das Hin – und Herwechseln, was auch einfach daran liegt, dass man mit keinem Protagonisten warm werden muss. Dazu aber später mehr.
Die Geschichte ist im Grunde absolut komplex und genial durchdacht. Die vielen Verkettungen und Verbindungen zu den ganzen verschiedenen Menschen muss man erstmal als Leser erfassen können, aber eine solche umfassende Story zu entwerfen, bei der nachher jedes Detail stimmt, ist schon sehr originell. Verschwörungs – und Chaostheorien haben schon immer schnell meine Aufmerksamkeit erweckt. Man kann sich Stunden um Stunden mit dem „Was wäre wenn…?“ befassen, ohne das es jemals langweilig wird. Es war also für mich einmal mehr absolut faszinierend zu sehen, wie etwas Kleines beginnt und zu einem derart großen und einschneidenden Erlebnis anschwillt. Wenn auch nur eine Sache nicht so verlaufen wäre, wäre alles anders gekommen. Grandios, ich liebe auch solche Filme. Während des Lesens sind aufgrund dieser Tatsache natürlich Fragen entstanden. Um überhaupt einschätzen zu können, ob es authentisch ist, war man gezwungen bei jeder neuen Verkettung kurz zurückzublicken oder „in die Zukunft zu schauen“, um überhaupt den Überblick zu behalten. Man verarbeitet noch das bereits Geschehene und prüft es auf Wahrscheinlichkeit und möglichen Wahrheitsgehalt, gleichzeitig überlegt man wohin es noch führen könnte. Das klingt für den Moment anstrengend, war es aber nicht. Es war ein Prozess, der wie von selbst kam und sich in dieses Konstrukt der Geschichte eingefügt hat. Das man eine derartige Aufnahmefähigkeit entwickelt, war mir auch erst später bewusst. Dieses Buch lebt ausschließlich von seiner Spannung. Seite um Seite wird man gehetzt und förmlich gezwungen weiterzulesen. Ich habe tatsächlich erst wieder an etwas anderes gedacht, als ich fertig war. Natürlich muss man sagen, es könnte zwar alles genauso passieren, die Wahrscheinlichkeit geht wohl aber eher gegen Null.

Normalerweise würden jetzt die Personen kommen, aber das kann ich beim besten Willen nicht bewerkstelligen, weil es 1. viel zu viele sind, ich glaube ich weiß nicht mal mehr alle Namen und 2. man keine Verbindung aufbaut. Man fühlt zwar mit den einzelnen Leuten und fiebert auch mit, aber es gleicht eher einem „Betroffensein“ wie nach einer Nachrichtenerstattung über sämtliche Katastrophen. Doch das ist keinesfalls negativ, sondern vielmehr notwendig. So wird einem der Blick auf das Wesentliche nicht verwehrt, nämlich die Verkettungen der Ereignisse, die schlussendlich in etwas Schreckliches münden. So wie es war, war es sehr gut. 
Rasant, spannend, ein wahrer Leserausch. Keine Sekunde in der nichts geschieht, ein Ereignis jagt des nächste und man gerät völlig außer Atem. Grob angerissene Charaktere fügen sich in den Handlungsstrang ein, der absolut im Vordergrund steht, was in diesem Falle sehr wichtig ist. Schlag um Schlag führt eins zum anderen, ohne etwas mit unwichtigen Informationen hinauszuschieben. Auch das Ende ist einfach wahnsinnig passend, es beginnt wie es anfängt und so schließt sich der Kreis und man schlägt das Buch zu und hält zufrieden, wenn auch ein wenig aufgewühlt erst einmal kurz inne. 

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dystopie, krieg, liebe, ben, magda

Das verbotene Eden: Magda und Ben

Thomas Thiemeyer
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.08.2013
ISBN 9783426653289
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Der Frieden zwischen Männern und Frauen scheint in weite Ferne zu rücken. Auf beiden Seiten herrscht Sturheit in den Rängen der Anführer. Der erbitterte Kampf der Geschlechter ist auf dem Höhepunkt angelangt und scheint ins bodenlose auszuufern. Inmitten dieses Meeres aus Wut, Hass und Missgunst begegnen sich eine alte Frau und ein alter Mann, die ihren Augen nicht trauen können. Vor 65 Jahren waren Magda, die oberste Heilerin und Ben, der Prior der Abtei ein junges Liebespaar. Durch die verheerende Seuche wurden sie gewaltsam getrennt, doch eines scheint niemals zu vergehen: ihre Liebe. Hat diese starke Verbindung auch nach so vielen Jahren noch die Kraft sie zusammen zu führen? Wird die Liebe einen über Jahrzehnte geführten Konflikt lösen können?
Magda und Ben sind nicht die Einzigen, die scheinbar von der Seuche genesen sind. Immer mehr Männer und Frauen erkennen, dass ein Miteinander der einzige Weg zum Frieden ist. Wird die Liebe schließlich siegen oder ist nun endgültig der Tag des jüngsten Gerichtes angebrochen?

Ich habe die beiden ersten Teile geliebt! Deshalb war schnell klar, dass Teil 3 in meinen Besitz gehört, sobald er erscheint. Das hat nicht ganz funktioniert, aber nun war es soweit und ich bin absolut sprachlos. Warum, werdet ihr gleich lesen.
Der Schreibstil ist einfach und klar. Er umschreibt keine unnötigen Details und dennoch hatte ich immer ein klares Bild vor Augen. Die Worte scheinen alle mit Bedacht gewählt und so begegnen einem ab und zu „Lebensweisheiten“, die einen als Leser in tiefere Gedankengänge reißt. Nicht selten musste ich kurz innehalten und bestimmte Stellen erneut lesen. Nicht weil ich sie nicht verstanden habe, sondern weil sie so schön und wahr sind, dass ich sie am liebsten für immer in meinem Kopf verankern möchte. Ich bin kein Fan von Zitaten, aber in dieser Stelle, möchte ich zumindest eines dieser unzähligen Textstellen zeigen:
„…Die Liebe natürlich. Ohne sie sind wir nichts. Sie ist die größte Macht im Universum. Menschen, Tiere, Pflanzen, ja sogar die Elemente fühlen sich voneinander angezogen. Nur so konnte Leben entstehen. Anziehungskraft ist die Uhrfeder jeder Veränderung. Wenn sich nichts aufeinander zubewegt, verharrt alles im Stillstand. Ohne Veränderung keine Entwicklung. Neues kann nur entstehen, wenn Altes vergeht. Ohne Tod keine Wiedergeburt. Das ist der Kreislauf des Lebens. Wenn wir uns den elementaren Gesetzen der Natur verweigern, sind unsere Tage auf diesem Planeten gezählt.“ (Das verbotene Eden, Magda und Ben, Seite 311)
Dieses Zitat zeigt nicht nur Thomas Thiemeyers wunderschönen Schreibstil, sondern ist ebenso bezeichnend für die absolut originelle Geschichte. Von Band 1 an, war ich begeistert über die grandiose Grundidee. Doch Idee hin oder her, davon gibt es durchaus genug in ähnlicher Genialität, doch hier ist vor allem auch die Umsetzung wirklich besonders. Von den ersten Zeilen an, hatte mich der Autor wieder auf seiner Seite, im Bann der Geschichte. Diesmal lässt er einen Blick in die Vorgeschichte der verheerenden Seuche zu. Er erzählt im ersten Teil die Erlebnisse einer jungen Liebe in unserer Zeit, kurz vor der Epidemie, die den Hass zwischen den Geschlechtern und somit das Ende unserer Zivilisation hervorruft. Ich kann kaum in Worte fassen, wie mich dieser Teil bereits vom Hocker gerissen hat. Die ganze Atmosphäre, die aufwühlenden Geschehnisse um die Vorboten und den Ausbruch der Krankheit, die Entwicklung und Reaktionen der Menschen. Endzeitstimmung, wie sie spannender und authentischer  kaum sein könnte. Ein unheilvolles Knistern in der Luft, gepaart mit dieser Alltagspräsenz, hat mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken gejagt. Es wirkte alles so greifbar und nah, dass ich kaum noch meine Gedanken, von derer der Protagonisten unterscheiden konnte. Die Vorgeschichte spielt, wie bereits erwähnt, in unserer Zeit und ist somit allein schon stilistisch gesehen ein gewagter Sprung. Doch diesen hat der Autor mit Bravur gemeistert. Sowohl im Jahr 2015 als auch im Jahr 2080 dieser Geschichte, habe ich es genossen und der Stil ist völlig unterschiedlich und deshalb einfach brillant. Nach dem nervenaufreibenden ersten Part, ist man kaum zu Atem gekommen und befindet sich mitten im Krieg. 65 Jahre später schürt der Konflikt zwischen den Geschlechtern weiterhin den Hass. Die Stimmung ist aufwühlend und wirkt verfahren. Einige bereits aus Band 1 und 2 bekannte Charaktere versuchen mit aller Macht dem ganzen ein Ende zu setzen und so manchem Anführer die Scheuklappen von den Augen zu reißen. Es ist Zeit zu erkennen, dass Männer und Frauen untrennbar zusammen gehören. Wenngleich wir so unterschiedlich sind, ohne einander wäre die Welt eben nicht die Selbe. Immer wieder hat mich die Authentizität mit offenem Mund zurück gelassen. Alle Zeichen stehen so positiv und nur wenige Querdenker und durch Wut und Hass verblendete, verbitterte Menschen verhindern den Frieden. Das ist so absolut bezeichnend menschlich, dass man nur einmal unsere aktuellen Nachrichten verfolgen braucht, um zu erkennen, dass sich niemals etwas ändern wird. Thomas Thiemeyer verknüpft also soviel Wahrheiten über uns Menschen miteinander, die uns allen zu denken geben sollten. Er vollführt mühelos einen Zeitsprung, den man zwar deutlich spürt, trotzdem werden aber die Grundfesten des menschlichen Daseins unverkennbar beibehalten. Diese gesamte Trilogie wird mir noch lange in meinem Gedächtnis bleiben, weil es einfach dazu anregt über unsere bestehende Gesellschaft und alles was darin passiert nachzudenken.

Die Personen sind sehr vielfältig, was nicht zuletzt daran liegt, dass wir einige Charaktere aus Band 1 und 2 wieder treffen. Diese Tatsache hat mich sehr gefreut und jeder einzelne von ihnen ist bezeichnend und absolut wichtig für diese genial durchdachte Geschichte. Vor allem der Ausgang wäre ohne so manchen Charakterzug undenkbar gewesen. Alle sind miteinander verknüpft und man erkennt schnell, dass Leben oft untrennbar miteinander verbunden sind. Trotz Distanz vergisst man so manchen Menschen niemals wieder und das muss nicht zwangsläufig die Liebe zwischen Mann und Frau betreffen. Diese Menschen hinterlassen spuren in unserem Inneren, die für immer bleiben, ob positiv oder negativ. Aufgrund der Fülle der Personen (und weil es langsam sowieso zu lang wird), sei erwähnt, dass Magda und Ben, in Band 1 und 2 noch Randfiguren, sich zu etwas entfalten, was der gesamten Trilogie ein Krönchen aufsetzt. Sie sind der Rahmen – Anfang und Ende. An ihnen erkennt man, wie einen Menschen das Leben zeichnet. Was sich verändert, wenn sich das Umfeld wandelt. So hinterlassen nicht nur andere Menschen Spuren, sondern auch die Bedingungen zu denen wir unser Dasein auf dieser Erde bestreiten. Man bekommt vor allem durch Magda und Ben in beiden Zeitabschnitten unendlich viele wichtige Informationen über die Geschichte, die nicht direkt gefehlt haben, aber nun den Kreis schließen. Sie sind der Kern und waren es rückblickend schon immer. Ihre Entwicklung schließt alles in sich ein, erklärt selbst Handlungsweisen anderer Protagonisten und somit sind an dieser Stelle nicht dieser und jener Charakterzug wichtig, sondern was die Beiden grundlegend bewirkt haben, im gesamten Verlauf der Geschichte. Wer hätte am Anfang gedacht, dass sich etwas derart Großartiges in dieser Trilogie auftut? Ich weiß meine Begeisterung gar nicht mehr auszudrücken. 
Neben den ohnehin schon genialen Bänden 1 und 2, hat Thomas Thiemeyer einen Abschluss geschaffen, der hätte besser nicht sein können. In meinen Augen eine der besten Trilogien, die derzeit im Umlauf sind. Sie vereint Spannung und Fiktion mit Fakten und Gesellschaftskritik. Alles fügt sich wie von selbst zusammen, die Personen, ob jung oder alt, bekannt oder neu, die Zeit, ob 2015 oder 2080, einfach alles ist wahnsinnig genial durchdacht. Es ist eine Dystopie vollkommen nach meinem Geschmack, denn es zeigt uns Menschen in unserer rohsten Form. Es zeigt wie wir sind, wie wir immer sein werden, weil man Fundamente niemals ändern kann. Denn im Grunde sind wir alle gleich, nur die Richtung entscheiden wir selbst. Der Autor regt absolut zum Nachdenken an und man nimmt sich etwas mit. Bleibt noch zu sagen: LESEN!!!

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liebe, fantasy, jennifer benkau, jugendbuch, himmelsfern

Himmelsfern

Jennifer Benkau
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei script5, 16.09.2013
ISBN 9783839001431
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Noa spielt gerne mit dem Feuer. Ihre Leidenschaft ist der Tanz mit den brennenden Poi. Jedes Training und jeder Auftritt stellen ein enormes Risiko dar und die Angst scheint stets mitzuschwingen. Doch wenn sie sich einmal überwindet und sich ganz den Flammen überlässt, verschwindet die Welt um sie herum und sie wird eins mit dem Feuer. So ähnlich fühlen sich für Noa auch die Begegnungen mit Marlon an. Sie kennt das Risiko und sie weiß, dass ihnen nicht viel Zeit bleibt, dennoch lässt sie sich mit all ihrer Liebe auf ihn ein. In wenigen Wochen wird er sich verändern, er wird vergessen. Er wird sie vergessen! Oder ist Noa Marlons letzte Chance?

Ich war schnell sehr neugierig auf dieses Buch. Jennifer Benkau ist einfach eine geniale Autorin und so musste ich dieses Werk natürlich lesen. Ein glücklicher Umstand, hat es mir sogar ermöglicht es vorab zu lesen.
Der Schreibstil ist ungewohnt anders. Ich ziehe nicht gerne Vergleiche zu anderen Büchern, da es aber hier um die selbe Autorin geht und es mir förmlich ins Auge gesprungen ist, muss ich es erwähnen. Hätte auf dem Buchdeckel nicht der Name „Jennifer Benkau“ gestanden, wäre ich jede Wette eingegangen, dass es nicht von ihr stammt. Der Schreibstil ist völlig untypisch für sie. Am Anfang hat mich das erschreckt, mittlerweile sehe ich das eher positiv. Denn was für ein Genie muss man sein, den Schreibstil so zu verändern, dass er derart konform mit der Geschichte geht? Sie schreibt hier sehr jugendlich, beinahe ein wenig kindlich mit einigen Kraftausdrücken. Es wirkt alles sehr einfach gehalten, dennoch mysteriös und geheimnisvoll oder gerade deshalb? Nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, fand ich es, wie gesagt, sehr passend und es ließ sich flüssig lesen.
Die Geschichte ist seltsam. Die erste Hälfte fand ich grandios. Es war sehr geheimnisvoll und man wurde die ganze Zeit über im Dunkeln über Marlons Daseinsform gelassen. Ab und zu hat man einen unfertigen Brocken hingeworfen bekommen, der ein paar wenige Details preisgab, den Rest konnte man sich dazu dichten oder warten. Auch wenn der Handlungsverlauf im Grunde nicht spannend war, erzeugte diese mysteriöse Stimmung eine kribbelige Gänsehaut und eine vorerst unterschwellige Neugier nagte sich nach draußen. Bald schon war ich an dem Punkt angelangt, dass ich einfach nur noch die Wahrheit wissen wollte, was absolut mit den Gedanken der Protagonistin übereinstimmte. Als ich dann endlich erfuhr, was es mit dem geheimnisvollen „Fremden“ auf sich hat, war ich enttäuscht und empfand es als seltsam. Ich habe schon die ganze Zeit in die richtige Richtung gedacht und dennoch war es schließlich ernüchternd. Ab dann begannen einige Passagen, die sich sehr in die Länge gezogen haben und somit den Lesefluss ein wenig störten. Es gab die gesamte Zeit über einige unnötige Passagen, bei denen ich bis jetzt noch keinen Sinn sehe. Allerdings ist das reine Geschmackssache. Die Idee an sich ist schon originell, erinnert mich jedoch an eine andere Geschichte, die ich sehr mochte. Für mich persönlich war die ganze Entwicklung etwa nach der Hälfte einfach seltsam. Hinzu kommt, dass mir bis zum Schluss eine bestimmte Sache einfach nicht schlüssig erschien. Es wollte sich nicht in die Geschichte einfügen und war befremdlich, aber ich möchte nicht zuviel verraten, also lest es selbst. Absolut positiv zu erwähnen ist die Grundstimmung. Ein wenig düster und die Ausweglosigkeit ist ein ständiger Begleiter. Trotz allem leuchtet das helle Licht einer jungen Liebe. Ich war von Anfang an angetan von den vielen Gefühlen, ob positiv oder negativ, sie waren immer authentisch. Es beginnt alles so zögerlich und schroff, dennoch spürt man von Anfang an diese besondere Verbindung. Die Liebesgeschichte war für mich das Highlight des ganzen Buches. Frau Benkau versteht es einfach auch, die Gedanken und Gefühle der Liebenden wunderbar treffend zu beschreiben und ihnen einen besonderen Zauber zu verleihen. Ein wenig hat mich die knisternde Stimmung zwischen Noa und Marlon über die Längen hinweggetröstet.Das Ende muss ich gesondert erwähnen, denn es war genial und wundervoll. Dieses wahnsinnig emotionale und tolle Ende tröstet ebenfalls über so manche Langatmigkeit hinweg und lässt mich zufrieden zurück. An dieser Stelle hat die Autorin mal wieder ihr Händchen für das perfekte Ende gezeigt.
Die Personen mochte ich fast von Anfang an. Noa ist ein intelligentes, starkes Mädchen mit einer unschönen Vergangenheit. Sie musste früh erfahren, was es bedeutet ohne Mutter aufzuwachsen, nicht weil sie keine hatte, sondern weil besonders tragische Umstände eine normale Mutter – Tochter – Beziehung nicht möglich machten. Sie lernte also zeitig verantwortungsbewusst zu handeln. Ihr Vater lässt ihr dabei, bis dato, auch viel Freiraum. Sie ist zielbewusst, risikofreudig und immer auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Ich mochte ihre sture Art den Dingen auf den Grund zu gehen. Jede Widerrede führte bei ihr ins Leere. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, wurde es auch so, wie sie es wollte. Sie wirkt stets überzeugend und hat immer einen frechen Spruch oder schlagende Argumente in petto. Sie ist sehr loyal und kippt in schwierigen Situationen nicht gleich. Selbst die ständige Ausweglosigkeit lässt sie nicht verzagen. Andere Menschen würden daran kaputt gehen, doch Noa, die das Risiko liebt, geht bewundernswert mit der Situation um. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.
Marlon’s Einstieg in die Geschichte ist ein wenig typisch. Der geheimnisvolle Typ erweckt sofort das Interesse des Mädchens. Er scheint perfekt zu sein, doch beim näheren Hinsehen ist das absolut nicht der Fall. Eigentlich will er nicht, dass sie ihm zu Nahe kommt und umgekehrt und dennoch lässt es die magische Anziehungskraft nicht zu, sich voneinander fernzuhalten. So langweilig beziehungsweise ausgeschöpft sich das jetzt anhören mag, hier hat mich die Neugier mit einer Geschwindigkeit überrannt, dass es mir einfach egal wurde. Es ist schlicht und ergreifend schön und Marlon nach kurzen Startschwierigkeiten recht liebenswert. Er hat einen unbändigen Beschützerinstinkt, eine starke Fassade, die er nahezu die ganze Zeit aufrecht erhält und trotzdem schlummert da ein Kern, auf den es sich lohnt zu schauen. Er betrachtet Noa auf eine Weise, die purer Faszination gleichkommt, dabei ist er eigentlich das Phänomen. Seine warmherzige Art, die er hinter einer tosenden Wand von Wut verbirgt ist durchaus interessant. Allerdings war der Umgang mit seinem Bruder in meinen Augen anfangs einfach nur nervig. Später werden diese Handlungsweisen aber recht gut erklärt. 

Himmelsfern von Jennifer Benkau ist ein Buch, was sich schwer beschreiben lässt. Es vereint viele Emotionen und zeigt eine fremde, für mich recht seltsame Begebenheit. Eine tolle, authentische Liebesgeschichte mit ein paar Längen im Handlungsverlauf, lässt mich trotzdem zufrieden zurück. Die Autorin ist einfach grandios und dieses Buch eine sehr gute Unterhaltung.

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engel, dystopie, susan ee, fantasy, penryn

Angelfall - Fürchtet euch nicht

Susan Ee , Kathrin Wolf
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 26.08.2013
ISBN 9783453268920
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Ich habe die Engel gesehen. Wunderschön, scheinbar sanftmütig…reine Wesen. Man könnte meinen sie senden uns den ewigen Frieden, diese strahlenden Engelswesen. Doch sie bringen den Tod und Verderben. Sie haben unsere Welt zerstört, unsere Städte in Schutt und Asche gelegt und sie dürsten nach unserem Blut. Sie wollen uns zerstören, sie sind eine Übermacht und das strahlen sie aus. Ich sehe es in ihren Augen. Das sind keine himmlischen Geschöpfe, sie kommen direkt aus der Hölle. Diese Bastarde haben meine Schwester entführt und ich werde sie dem Erdboden gleich machen, wenn ich sie nicht zurück bekomme. Sie ist doch so hilflos. Wie kann man ein 7-jähriges Mädchen, was ohne seinen Rollstuhl aufgeschmissen ist nur verschleppen? Sie ihrer Familie berauben?Ich werde sie finden, koste es, was es wolle….
Und dieser verstümmelte Engel wird mir dabei helfen. Soll er mich mitten in das Nest dieser Dämonenbrut bringen, ich werde es denen schon zeigen, mit wem sie sich angelegt haben. Ich werde meine Familie wieder zusammen bringen…es sollte nie wieder eine Trennung geben!
Um dieses Buch kursiert ein totaler Hype und da ich derart anfällig auf so etwas bin, musste ich es natürlich auch haben. Gesagt getan, es ist schon bald bei mir eingezogen und siehe da, auch schnell gelesen.
Der Schreibstil  ist recht einfach gehalten. Es gibt keine ausufernden Beschreibungen oder eine detailliert ausgeschmückte Welt, trotzdem kann man sich gerade die Engelswesen in ihrer Verschiedenheit und die apokalyptische Begebenheit wirklich gut vorstellen. Vor meinem inneren Auge projizierte sich von Anfang an eine düstere Zukunft, die einen besonderen Reiz ausstrahlte. Susan Ee ist es gelungen mit wenigen Mitteln unglaublich viel zu erschaffen. Man hat Raum für eigene Gedanken und dennoch stellt sich einem alles authentisch dar. Die brutale, ungeschönte Wahrheit begegnet einem als Leser dabei nicht selten. Man sollte also nicht wirklich zart besaitet sein.
Die Geschichte ist toll. Man kann es nicht anders sagen. Die geflügelten Wesen begegnen einem in unzähligen Geschichten. Meist sanftmütig, himmlisch und den Friede bringend. Oder zumindest Gut und Böse, doch was sich hier auftut hat ganz und gar nichts Gutes mehr an sich, bis auf die äußere Erscheinung. Mich hat diese Vorstellung von Anfang an fasziniert. Wunderschöne Engelswesen, die nichts als Zerstörung und Zerfall mit sich bringen. Tod, Blut, Verderben – das Ende der Welt hervorgerufen durch skrupellose, besitzergreifende Racheengel der Superlative. Sie scheinen sich selbst im Licht der Welt zu sehen, als Übermacht und die „cleveren Äffchen“ auf der Erde sind nichts als Nutztier, Marionetten, die von jeher nur Spielzeug waren. Eine interessante Ansicht, denn wer weiß schon, wer bei uns die Fäden in der Hand hält?! Nicht umsonst schwirren in unseren Köpfen Worte wie Schicksal, Bestimmung oder Fügung. Entscheiden wir selbst über unsere Leben oder sind sie vielmehr verknüpft mit anderen oder gar mit einer höheren Macht? Wer weiß das schon. Eine ganze Weile bin ich auf dem Fluss dieser durchaus gut durchdachten und mitreißenden Geschichte geschwommen. Es gab kaum einen Augenblick in dem nichts passiert ist und das Spannungslevel war nahezu immer auf Höchststufe. Doch im letzten Drittel wurden mir doch einige Dinge suspekt, ein wenig zu viel des Guten bzw. Bösen. Eins sei an dieser Stelle gesagt, zerfetzte menschliche Überreste, Blut und Tod sollten einem nicht allzu viel ausmachen, denn davon gibt es hier ein Übermaß. Auch das Erreichen der Ekelgrenze, samt Entleerungen von Mageninhalten sämtlicher Charaktere kommt nicht zu kurz. Im Großen und Ganzen trifft es krank, abgedreht und freakig ganz gut. Vor allem auch das Ende mit Showdown lassen einem dann doch teilweise das Blut in den Adern gefrieren. Ich muss zugeben, ich mochte es, sehr sogar.
Die Personen, allen voran Penryn, sind sehr gelungen. Schon vor dem Ende der Welt hat die 17-jährige Penryn kein einfaches Leben. Ihr Vater hat sie verlassen und geblieben sind ihr eine zerbrechliche, an den Rollstuhl gefesselte kleine Schwester und eine völlig verrückte Mutter. Seit die Apokalypse hereingebrochen ist, liegen beide komplett in ihrer Verantwortung, was das Ganze nicht gerade einfacher Macht. Ein täglicher Kampf ums Überleben hat begonnen und nirgendwo ist man mehr sicher. Doch Penryn ist stark, mutig und hat einen unerschütterlichen Willen. Ich mochte sie von Anfang an. Nichts scheint sie auf die Knie zwingen zu können und ihre Ziele wird sie immer erreichen, koste es was es wolle. Sie schreckt vor nichts zurück, wenngleich ab und an eine zerbrechliche Seite von ihr durchscheint. Die Zeit hat sie hart gemacht und ihr Schutzwall ist nahezu unbezwingbar. Kein Gegner ist ihr zu stark, kein Weg zu weit und keine Mauer zu hoch. Sie trägt Sorge für ihre Familie und beschützt diese mit ihrem Leben. Hierbei geht sie Risiken ein, die ein hohes Maß an Selbstlosigkeit verlangen. Die Engel haben sich definitiv mit der Falschen angelegt.Raffe, der „gefallene Engel“ befindet sich eine Weile in ihrer Obhut. für Penryn ist das alles pure Berechnung, zumindest am Anfang, doch dann ist er ihr mehr Nütze als sie je zu glauben gewagt hat. In ihrem Inneren erhebt sich ein Konflikt über ihre Ansicht der weltzerstörerischen Racheengel. Sind sie tatsächlich alle gleich? Raffe macht vorerst den Anschein eines echt überheblichen Arschlochs. Diese Fassade versucht er auch mit Mühe und Not zu halten, doch als Leser weiß man es zu zeitig besser. So richtig mochte ich ihn nicht, obwohl seine Charaktereigenschaften auf mich in den meisten Fällen ansprechend wirken. Er beschützt Penryn und hilft ihr auf ihrem Weg zum Ziel. Er lässt dabei nicht selten den unnahbaren, gefühl- und skrupellosen Engel heraus hängen, doch seine Taten strafen ihn Lügen.
Erwähnt werden muss auch Penryn’s Mutter. Mein erster Gedanke war: Was für eine irre Frau! Wenn man eine solche Mutter hat, braucht man definitiv keine Feinde mehr. Es wurde immer bizarrer und das abgedrehte Weib erschien in den seltsamsten Situationen auf der Bildfläche. Sie scheint auch eine innige Verbindung zu so manchem Dämon zu haben. Diese Dame ist schlichtweg absolut neben der Spur. Wirkte es anfangs einfach krank, muss ich gestehen, dass mich manches bald schon stutzig machte und die Neugier erwachte. Steckt da mehr dahinter als einfache Geisteskrankheit? Leider wird man absolut im Dunkeln stehen gelassen und das hat mich sehr genervt. Es soll ja noch einige Teile geben, aber ein wenig mehr Aufklärung in diesem und anderer Aspekten, wäre nicht schlecht gewesen. 
Wer mitreißende und spannende Endzeitgeschichten mit einem Hang zur Abgedrehtheit mag, ist hier genau richtig. Es geht in jeder Hinsicht zur Sache, Blut fließt in Strömen, verstümmelte Leichen und abartige Kreaturen springen einem förmlich entgegen und das Böse ist auf dem Vormarsch. Inmitten der Apokalypse erhebt sich eine wahnsinnig tolle Protagonistin und mischt das Geschehen auf. An manchen Stellen war es zu viel des Guten (Bösen) und ein bisschen zu viele Fragen blieben ungeklärt. Dennoch oder gerade deshalb will ich eigentlich sofort die Fortsetzung!!! Eine Leseempfehlung gibt es von mir in jedem Fall.

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san francisco, liebe, geister, geist, tod

In dieser ganz besonderen Nacht

Nicole C. Vosseler
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei cbj, 25.02.2013
ISBN 9783570155349
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„In dieser ganz besonderen Nacht“ hat mich zuerst nicht wirklich angesprochen, doch bald schon wurden positive Stimmen laut. Es sei bezaubernd und habe ein wundervolles, herzzerreißendes Ende. Natürlich kann ich mich solchen Meinungen nicht entziehen und wurde neugierig. 

Der Schreibstil ist zwar sehr leicht und flüssig zu lesen, aber mir persönlich viel zu ausschweifend. Es hemmt regelrecht den Fortgang der Geschichte. Mich interessiert eher weniger, wie ein Straßenabschnitt im kleinsten Detail aussieht, sondern viel mehr die Entwicklung der Geschichte. Diese Tatsache hat mich zu Anfang unglaublich gestört und mir somit vorerst den Zugang zur Story verwehrt, die durchaus originell ist. Im weiteren Verlauf hat der Stil dann in gewissem Maße einfach gepasst, um z.B. die unheimlich üppige Emotionalität der Protagonistin darzustellen oder die komplexe Beziehung zwischen Nathaniel und Amber in das Licht zu rücken, was einen schließlich tief im Inneren berührt.
Die Geschichte ist anders. Zugeben die Sache mit den Geistern ist anscheinend nicht ganz mein Geschmack. Das ist quasi meine zweite Geschichte in Folge, die sich um diese Art von übernatürlichen Wesen dreht. Beide sehr verschieden, aber doch gibt es Parallelen. Ganz klar ist zu sagen, dass es der Autorin keinesfalls an Originalität mangelt, lediglich die enorm lange Einführung in Ambers Leben hat mich gestört. Auf den ersten 150 Seiten habe ich mich zeitweise wirklich gelangweilt, es war mir viel zu alltäglich und schlicht. Die Geschichte ging sehr in die Breite und war durch die detaillierten Umgebungsbeschreibungen einfach überhaupt nicht fesselnd. Das hatte aber ein jähes Ende, wann genau es mich dann in die Story gesaugt hat, vermag ich gar nicht mehr zu sagen. Ich war jedoch schon bald hin und weg von den sonderbaren und so zauberhaften Begegnungen zwischen Nathaniel und Amber. Die latente Verzweiflung, die in jeder Berührung steckt, hat nicht nur in den Beiden eine Sehnsucht ausgelöst, auch als Leser blieb man nahezu ruhelos zurück und ich wollte einfach eine Chance für Amber und Nathaniel.Die Liebesgeschichte ist also durchaus einzigartig, berührend und schmerzhaft zugleich. Anfangs hatte ich noch ein wenig mit der Glaubwürdigkeit zu kämpfen, weil ich generell die Sache mit der Fügung und unausweichlichen Anziehungskraft langweilig beziehungsweise zu häufig finde. Aber auch an dieser Stell kann ich nur sagen, dass einen nicht nur das Ende entschädigt, was der absolute Wahnsinn ist, sondern ebenso die tiefgründigen Gefühlsregungen der Protagonistin, die Entwicklung der Beziehungen, der Personen und Ereignisse. Selbst die Beschreibung der Umgebung passt sich scheinbar den Geschehnissen an. Die Autorin hält in Sachen Liebe allerdings noch einiges für ihre Leser bereit.
Die Personen sind jede für sich sehr gut durchdacht und absolut authentisch. Ich konnte mich allerdings anfangs sehr schwer in Amber hineindenken. Einen solchen Schicksalsschlag möchte ich mir nicht mal Ansatzweise ausmalen, der Tod der Mutter, der Umzug tausende Kilometer weit weg von daheim, Familie und Freunde hinter sich zu lassen und in tiefer Trauer ein komplett neues Leben zu beginnen, hinterlässt definitiv Wunden. Sie wirkt einerseits resigniert, andererseits wütend, ihre Einsamkeit, ihre gesamten Gefühlsregungen bündeln sich, quälen sie nachts und lassen sich mehr und mehr an sich selbst zweifeln. In ihrem Inneren ist etwas zerrissen, sie sperrt ihre Gefühle aus, auch die zu ihrem Vater, den sie kaum kennt und dennoch eine gewisse Sympathie für ihn entwickelt. Sie hegt in jeder Hinsicht, in jeder beginnenden Beziehung Zweifel und sät damit den Samen ihrer Unsicherheit, was auch der Grund ist, warum sie nicht erkennt, was es mit Nathaniel auf sich hat, warum es ihr so den Boden unter den Füßen wegreißt. An dieser Stelle kommt Matt ins Spiel, er hat meiner Meinung nach einen enormen Anteil an Amber’s wachsendem Seelenheil und ihrer positiven Entwicklung. Er steht ihr auf eine Art bei, die einer bedingungslosen Akzeptanz gleich kommt. Er zeigt ihr auf einer humorvollen Schiene, dass es Dinge gibt, die man einfach so hinnehmen muss, wie sie sind. Mit seinem Schicksal und einer liebevollen Art zieht er Amber aus ihren Tiefs. Er ist absolut aufrichtig und weiß dies auch zu untermauern. Jede Sache, die ihm gefährlich für sie erscheint, spricht er auf eine Weise an, die charmant und nicht verletzend ist. Er scheint immer den absolut richtigen Riecher für ihren Gemütszustand zu haben und auch direkt eine Lösung parat. Amber hat allerdings auch ihren eigenen Kopf und wenn es um die Liebe geht, ist sie wohl nicht die Erste, die merkwürdige Dinge tut. Auch Ted, Amber’s Vater, ist eine absolut sympathische und tolle Person. Ich mochte ihn sofort. Seine unglaubliche Geduld, seine liebevolle Art und die Gabe jemanden beizustehen, bis er sich von selbst öffnet. Er ist einfach für sie da, ohne sie unter Druck zu setzen, er lässt ihr Freiraum und versucht dennoch über sie zu wachen. Einen solchen Vater kann man sich wirklich nur wünschen. Er ist jung geblieben, humorvoll, verständnisvoll und absolut geduldig. Auch er ist in dieser Situation nicht zu beneiden, nutzt aber alle Energie für seine Tochter. Ihm liegt nur eines am Herzen, ihr Glück, ihre Gesundheit und das wieder gut zu machen, was er all die Jahre verpasst hat. Ich mochte ihn von der ersten Sekunde an. Es gibt einfach noch so viele tolle Personen, aber lest selbst. 
FAZIT
Ein schwacher Start, mit mäßigem Mittelteil und absolut bombastischem Ende. Wundervolle und authentische Personen füllen hier und da die Schwachstellen aus, aber vollends konnte ich nicht überzeugt werden. Wäre das gesamte Buch, wie die letzten 200 Seiten gewesen, hätte es locker die Höchstbewertung erhalten.

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3.878 Bibliotheken, 69 Leser, 12 Gruppen, 115 Rezensionen

fantasy, schattenjäger, liebe, dämonen, cassandra clare

City of Glass

Cassandra Clare , Franca Fritz , Heinrich Koop
Flexibler Einband: 728 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.01.2012
ISBN 9783401502625
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich bin begeistert und gleichzeitig froh, dass ich es erstmal hinter mich gebracht habe. Mir ist schon ganz schwindelig vom vielen Lesen. Aber es musste sein und es hat sich natürlich total gelohnt. Band 3 ist bisher eindeutig der Beste von allen. 717 Seiten pure Spannung, Emotion, Kampfeslust, Finsternis und scheinbar unerschöpfliche Fantasie.

Zum Schreibstil muss ich nicht mehr viel sagen. Er ist mir einfach viel zu ausschweifend und beschreibend. Ich würde nicht mal eine übertriebene Bildhaftigkeit unterstellen, sondern vielmehr das Gefühl, als liest man eine Landschaftsbeschreibung oder einen Bericht. Dennoch ist diese erschöpfende Art keine schlechte Sache, vor allem bei derartigen Geschichten nicht, die sowieso mit einer unendlichen Fülle von Geschehnissen und Informationen gespickt sind. Denn nur dann ist es überhaupt möglich, diese umfassenden Anschauungen zu realisieren.

Die Geschichte ist einfach übermächtig und sehr kreativ. Der Drang, der mich nahezu nötigte weiter zu lesen, entsprang vor allem auch aus der Tatsache heraus, dass man als Leser von den Geschehnissen förmlich erdrückt wird. Um diese „Last“ ablegen zu können, hätte ich am liebsten manchmal bis zum Ende vorgeblättert und geschaut, wie es ausgeht. Es gab einige sinnige und wichtige Verzögerung im Haupthandlungsstrang. Man wurde quasi vom eigentlichen Ziel der Handlung abgelenkt, um schließlich auf hell erleuchtetem Pfad wieder zurückgeführt zu werden. Das kam mir dann teilweise so unwirklich und fremd vor, dass ich kurz überlegen musste, wofür genau das jetzt gut war. Ich bin also ständig auf diese Spielereien der Autorin hereingefallen und musste mich jedes Mal aufs Neue von meinem Schock oder dem wohlwollenden Grinsen erholen. Auch wenn es mich teilweise geärgert hat, war es doch von großem Nutzen, um die Spannung am höchsten Punkt zu halten und damit jegliche lange Weile zu vertreiben, die bei so manchen „nervigen Problemchen“ hätte aufkommen können. Da nahezu das gesamte Geschehen in der Hauptstadt Alicante in Idris stattfindet, lernt man eine andere Seite der Schattenjäger kennen, ihre Heimat, die Welt, die ein jeder von ihnen im Herzen zu tragen scheint. Der Autorin ist damit ein gewisser Umbruch gelungen, es wurde geheimnisvoller, friedvoller und gleichzeitig kämpferischer und eine trügerische Ruhe vor dem Sturm breitete sich aus. Einige wenige Dinge konnte ich mir zusammenreimen und manchmal wollte ich die Protagonisten einfach nur wachrütteln, weil ihnen etwas entging, was einfach völlig eindeutig war. Aber auch das empfand ich eher positiv, da ich immer gespannter und aufgeregter dem Tag der Erkenntnis entgegen gefiebert habe. Der dann schließlich auf äußerst fiese Art und Weise ins unermessliche hinausgezögert wurde. Ich wäre beinahe aus der Haut gefahren.
Die Kämpfe waren wieder erste Klasse!!!! Sie waren eins ums andere ungestüm, wahnsinnig mitreißend, berührend und geprägt von grausamer Authentizität, durchzogen mit beinahe uneingeschränkter Fantasie.

--AB HIER KÖNNTEN VERSTECKTE SPOILER AUFTAUCHEN--
Die Personen muss ich jetzt doch mal im Detail aufführen, denn eine solche Vielfalt von unglaublich tollen Charakteren, die die gesamte Zeit über einer absolut stetigen und wunderbaren Entwicklung unterlagen, ist eine wirklich Meisterleitung. Hier kommen also meine Favoriten:
Clary ist für mich eine absolute Sympathieträgerin. Sie besitzt so viel Gefühl und Tiefe, dass man sie einfach gern haben muss. Zudem entwickelt sie sich von einem eher verunsicherten Menschenmädchen, zu einer Schattenjägerin mit unbändigem Willen, einer Stärke und soviel Durchhaltevermögen, wie es mancher Erwachsener in 40 Jahren nicht aufbauen kann. Doch sie lebt auch von und für ihre Freunde, denn deren Vertrauen in ihre Stärke, lässt diese unbändigen Kräfte aus ihrem Inneren ans Tageslicht gleiten und sich in einer Woge der Selbstlosigkeit entfalten. Dies wiederum führt in gewissenweise beinahe zur Selbstzerstörung, denn sie hängt mehr an den Leben derer, die sie liebt, als an ihrem eigenen. Sie würde es jederzeit für ein anderes eintauschen. So begibt sie sich nicht selten in halsbrecherische Situationen, aus denen sie sich nur selten allein befreien kann. Doch der letzte Hoffnungsschimmer oder der letzte Schlag zwischen Sieg oder Niederlage, gehörte beinahe immer ihr. Sie gibt den Menschen um sich herum soviel, selbst denen, die sie zutiefst verabscheut. Sie steht für Fairness, Gerechtigkeit, Toleranz, Loyalität und die Wahrheit ein. Koste es was es wolle!!
Jace ist einfach toll. Er ist und bleibt mein Liebling und jetzt in Teil 3 sogar noch viel mehr. Er ist kein klassischer Bad Boy, sondern eher ein gebrochenes Seelchen, was sich eine große Mauer errichtet hat, das wiederum auf eine Art, die ich einfach klasse finde. Diese absolut überhebliche Arroganz auf eine derart charmante Art, die er in Teil 1 noch stark zeigt, schwächt zwar etwas ab, aber zurück bleibt ein geheimnisvoller Kämpfer, der voller Emotionen ist und diese nach und nach offen legt. Er wird in „City of Glass“ richtiggehend süß. Die kurzen Momente der emotionalen Offenbarungen waren eine wahre Pracht, allerdings hat mich seine ruhelose Entschlossenheit, gepaart mit dieser wundervollen Ausprägung der Selbstlosigkeit einfach gefangen genommen. Die Autorin hat sämtliche seiner Gefühlsregungen in jedem Detail seiner Gesichtszüge aufgefangen und dem Leser schließlich enthüllt. Er ist also einerseits in seiner gefühlsmäßigen Entwicklung sehr viel reifer und offener geworden, andererseits verschließt er sich mehr und mehr, verbirgt Geheimnisse und startet wahnwitzige Alleingänge. Auch so manche Art der Problemlösung und der Sicherstellung des Schutzes anderer Personen, waren eher undurchdacht. Dennoch ist es gerade das, was seine Entwicklung so toll macht. Er lernt sich auf andere Menschen zu verlassen und diese Stärke zu nutzen, anstatt sich wie ein junger Wilder ins Getümmel zu stürzen. Er lernt zu schätzen, was es bedeutet geliebt zu werden und das aufrichtig.
Simon macht auch eine bahnbrechende Entwicklung durch. Bei ihm würde ich sagen, dass er erwachsen wird. Er lernt in dieser Zeit der Entbehrungen, und die hat er am allermeisten, was es bedeutet ein Leben zu haben bzw. überhaupt lebendig zu sein. Das er in den schwierigsten Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen vermag, wurde schnell klar, aber wofür oder für wen er diese Dinge tut, ist ihm erst später bewusst geworden. Es ist so toll zu sehen, dass er erkennt, dass man manchmal Dinge loslassen muss, um sie zu behalten oder zu schützen. Sein Selbstbewusstsein macht einen riesigen Sprung und dies wiederum führt zu der Art Ehrlichkeit, die ihm selbst das Leben erleichtert. Er kann nun offen seine Gefühle zeigen, ist nicht mehr so kindlich und kann sich so in jeder Hinsicht Respekt verdienen. Er wird Teil dieser Welt und wächst über sich hinaus, ohne seinen jugendlichen Humor zu verlieren. Er ist ebenfalls so unsagbar selbstlos und hat eine starke Handlungstiefe, dass er das anfängliche kindische„nervige Streber“-Image vollends abgelegen konnte.
Alec ist mein liebster Nebenprotagonist und er entwickelt sich, gerade in diesem Band in eine wunderbare Richtung der Selbsterkenntnis und legt seinen ängstlichen Schutzschild ab. Er überwindet seine eingefahrenen Gefühle, wird offener und weniger verbissen. Er war schon von Anfang an ein sehr emotionaler Charakter, der sich aufgrund dieser Tatsache jedoch stark verschlossen hat und eher versuchte Wut zu schüren, als seine wahren Gefühle preis zu geben. Dennoch ist die Art und Weise, wie er seine Geschwister die gesamte Zeit über behandelt, wie er die Stellung des großen Bruder versucht einzunehmen, einfach genial. Ich mochte ihn von der ersten Sekunde an und das hat sich nur verstärkt. Er reißt seine kühlen Mauern ein und lässt diese wunderbare Warmherzigkeit heraus, die schon so lange in ihm schlummert. Er erkennt sich nun selbst an, lernt sich selbst zu schätzen und kommt mit sich ins Reine.
Luke ist eine tragende Figur für Clary. Er ist der loyale Beschützer. Er nimmt nahezu von Beginn an eine väterliche Rolle ein, nicht nur speziell für Clary, sondern für beinahe all seine „Schützlinge“, er opfert sich förmlich auf, hat somit schon immer ein hohes Maß an Selbstlosigkeit aufgebracht und zahlt zudem einen hohen Preis. Er tut wirklich einfach alles, was in seiner Macht steht, um den Schutz seiner Lieben zu gewährleisten.
Isabelle scheint ein stürmischer, wunderschöner und kämpferischer Teenager zu sein. Sie wirkt auf den ersten Blick sehr oberflächlich und unsympathisch. Aber auch bei ihr ist das eine vollkommene Fassade, die nach und nach bröckelt und eine wirklich tolle Art zum Vorschein bringt. Sie taucht in den schwierigsten Situationen auf, um ihr Leben für sämtliche Familienmitglieder zu geben. Sie ist mutig, stark und schreckt vor nichts zurück. Sie geht oft sehr hart mit sich ins Gericht, was ihre Kämpfe und Taten betrifft, umso erfrischender ist ihr Selbstbewusstsein hinsichtlich ihres Aussehens. ;)
Magnus Bane ist genial. Er ist ebenfalls ein Charakter, der sich hinter einer perfekten Mauer versteckt. Er lässt den knallharten Geschäftsmann heraushängen, dem es nur um Geld und Anerkennung zu gehen scheint. Doch das ist absolut nicht zutreffend, er handelt nahezu ausschließlich aus emotionalen Gesichtspunkten und ist durchaus ein Gutmensch. Auch wenn er ständig vorgibt, eine Gegenleistung zu verlangen, hätte er es am Ende sowieso getan. Er ist aufopferungsvoll, glamourös, stark, redegewandt, selbstbewusst und aufrichtig. Er hat eine Schwäche für schöne Männer und macht kein Geheimnis daraus. ;) Egal in welcher Situation der „Lightwood-Clan“ seine Hilfe benötigte, er war stets zur Stelle und das mit Leib und Hexenmeisterseele.
Zum Schluss kommt noch der „Bösewicht“ Valentin, denn auch er ist ein echtes Schmuckstück, was die reine Charakteristik betrifft. Er hat stets diese überraschende und geheimnisvolle Atmosphäre um sich. Finsternis und Furcht breiten sich in jeder Szene aus, in der er auftaucht. Auch ein gewissen Groll und die Angst, die er versprüht, machen ihn zu dem was er ist. Er ist nicht nur skrupellos, sondern auch sehr clever und vor allem berechnend. Keine seiner Handlungen scheint auf einer banalen Ebene abzulaufen, er hat stets etwas Düsteres und Dämonisches in der Hinterhand und verfolgt seinen irrsinnigen Plan so vehement, dass er am Ende vergisst, wie kraftvoll die Liebe und der Hass sein können. Er fühlt sich derart im Recht und versucht stets seine Überlegenheit zu demonstrieren. Er ist ein fehlgeleitetes Genie mit einer guten Grundidee, aber den falschen Idealen. Seine Widerwärtigkeiten gingen mir durch Mark und Bein, dennoch ist seine Rolle von tragender Bedeutung und zudem sehr gelungen.

FAZIT
Diese Reihe sollte wirklich jeder lesen. Es steckt einfach unfassbar viel dahinter. Ein derart aufwendiges und vielseitiges Werk, was von Buch zu Buch besser wird und einen absoluten Lesezwang hervorruft, wenn man einmal begonnen hat, muss einfach jeder gelesen haben. Ich frage mich immer noch, warum ich es nicht eher gelesen habe. Ich hoffe, dass alle Teile verfilmt werden, dann darf ich die tolle Story noch einmal erleben und natürlich bin ich auf sämtliche Fortsetzungen gespannt.

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Tags: cassandra clare, chroniken der unterwelt, city of glass, fantasy   (4)
 

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1.047 Bibliotheken, 13 Leser, 11 Gruppen, 113 Rezensionen

dystopie, liebe, aria, zukunft, perry

Gebannt. Unter fremdem Himmel

Veronica Rossi , Heinrich Koop , Franca Fritz , Carolin Liepins
Fester Einband: 428 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.01.2012
ISBN 9783789146206
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Gebannt“ von Veronica Rossi steht bereits seit seinem Erscheinungsdatum in meinem Regal, also schon viel zu lange, daher habe ich mich kurzerhand entschieden es endlich von meinem SuB zu erlösen. Auf den ersten Blick scheint es eine ganz normale Dystopie zu sein, allerdings schleichen sich nach und nach immer mehr Fantasyelemente ein.

Der Schreibstil ist recht flüssig und lässt sich gut lesen. Er ist zwar nicht außergewöhnlich und ebenfalls wenig bildhaft, konnte jedoch die detailliert erdachte Welt sehr gut wiedergeben. Der einfache Stil und die wechselnde Perspektive zwischen Aria und Perry, hat dem Ganzen die notwendige Schnelligkeit verliehen und der düstere Charakter konnte spürbar hindurchsickern.

Die Geschichte würde ich durchaus als außergewöhnlich bezeichnen. Das mühelose Verweben von einer Dystopie und absolut passenden Fantasyelementen, hätte die Autorin nicht besser hinbekommen können. Leider hatte ich starke Startschwierigkeiten. Ich konnte mich einfach nicht in die Protagonisten hineinversetzen und somit fiel mir das Folgen der Geschichte eher schwer. Hinzu kam der zeitige Wechsel der Perspektiven, welches zusätzliche Unruhe in den Handlungsverlauf gebracht hat. Dennoch gelang es mir nach etwa 100 Seiten endlich wie gebannt zu lesen und die fremde Welt nach und nach mit Begeisterung zu erkunden. Die von Veronica Rossi erschaffene Welt ist absolut genial und regt zum nachdenken an. Diese krassen Unterschiede zwischen der Biosphäre, in der Aria lebt und der Außenwelt, der Perry entstammt, sind gigantisch. Lebt man in den Biosphären unter einer Kuppel in einer Welt der Illusionen und Scheinwelten, ganz nach dem Motto: „Besser als die Realität“, kämpfen die Menschen in der Außenwelt ums nackte Überleben. Eine große Rolle in diesem Werk spielen auch genetische Veränderungen. Auch hier wurde ein krasser Unterschied herausgearbeitet, indem die künstliche Genmanipulation in den Biosphären zur Verkümmerung der natürlichen Sinne führt, wohingegen der natürliche Lauf genau das Gegenteil bewirkt. Das Ausmaß der übernatürlichen Sinne in der Außenwelt und das Verhalten der Menschen, die sie besitzen, hat mich mehr und mehr in seinen Bann gezogen und richtiggehend fasziniert. Da unsere Welt nicht weit von Aria’s entfernt ist, von derartigen künstlichen Scheinwelten, weit weg von der Realität, nur dem Vergnügen erlegen, weg von Schmerz und allen negativen Eigenschaften, habe ich im Gegenzug pure Abscheu verspürt. Dieses widerwärtige Streben nach mehr - immer höher, immer weiter, immer schneller - welches die echten Werte des sozialen Gefüges vergessen lässt, ist auch heute schon mehr als genug vertreten. Das natürliche Feingefühl für die Emotionen anderer Menschen gerät nach und nach in Vergessenheit und das ist eine echte Schande. Es fällt immer mehr Menschen jetzt schon viel zu schwer sich Auge in Auge zu unterhalten und auf sein Gegenüber angemessen zu reagieren, stattdessen kommunizieren wir über sämtliche Medien und sind jederzeit erreichbar. Auch hier wird dies in extremer Form durch das „Smarteye“ ermöglicht. Veronica Rossi zeigt uns somit unsere Zukunft in zweierlei Hinsicht und das hebt die Geschichte doch ein wenig aus der Masse hervor.

Die Liebensgeschichte möchte ich unbedingt gesondert erwähnen, weil sie sehr zart, langsam und authentisch ist. Aria und Perry, wie sie verschiedener nicht sein könnten, treffen in einer Welt aufeinander, die kaum einen Raum für echte Gefühle übrig haben kann. Die kühle Abscheu, die Beide zu Anfang verspüren, wandelt sich erst bei näherem Hinsehen in etwas Wunderbares. Keine „Liebe auf den ersten Blick“ oder „Ich liebe dich für immer und ewig“-Kitsch. Nach einer vorsichtigen und relativ zeitintensiven Annäherungsphase, wächst ein zartes Pflänzchen der Liebe aus kargem Ödland empor und scheint keine Zukunft zu haben. Dieses Wissen um die Hoffnungslosigkeit ihrer Gefühle zueinander und die Loyalität gegenüber ihren Lieben, hat mich wirklich gerührt. Beide sind sehr streng mit sich und ihren Zielen, doch in Beiden lodert das Feuer der Sehnsucht und ein kleiner Hoffnungsschimmer sitzt tief in ihrem Inneren. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht.

Die Personen empfand ich gerade zu Anfang eher dünn und mit wenig Tiefe. Dies hat sich aber nach und nach gegeben, trotzdem war es eine Sache, die mich sehr gestört hat.
Aria lernt man zuerst kennen. Sie befindet sich zu diesem Zeitpunkt in ihrer Heimat Reviere, einer der Biosphären und scheint in einer heiklen Situation zu stecken. Ihr gesamtes Auftreten wirkte auf mich emotionslos. Wie sie sich an ihr Smarteye klammert, wie sie sich und ihre beste Freundin einerseits ängstlich und zugleich berechnend in Gefahr begibt, hat mich einfach angewidert. Sie wirkte emotionslos, beinahe fremdgesteuert und dummgut. Sie erfüllt das komplette Klischee, was ich mir für einen derartigen Bewohner in einer abgeschotteten Welt der Illusion erschaffen hatte. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich mich absolut in ihr getäuscht habe, denn sie ist das genaue Gegenteil davon und ihre Beweggründe waren im Grunde sehr edel. Dennoch hat diese anfängliche Antipathie einfach ein Lesetief bei mir erzeugt. Sie macht im Laufe des Buches eine wahnsinnig tolle Entwicklung durch, lernt sich selbst, ihren Körper kennen und ihre wahren Fähigkeiten zu schätzen. Sie entdeckt sich und ihre Umwelt völlig neu und erwacht förmlich zu neuem Leben. Sie entwickelt ein extremes Durchhaltevermögen, scheint sich unglaublich schnell anzupassen und legt ihre Naivität fast völlig ab. Sie wird vorsichtiger, vorausschauend und sehr mutig.
Mit Perry hatte ich ähnliche Schwierigkeiten. Ein junger Wilder, ganz der Barbar, stürzt sich in eine Rauferei nach der anderen. Seine Gedanken drehen sich viel zu oft, um das erobern seines Stammes und somit den Tod seines Bruders. Er erfüllt in dieser Hinsicht ebenfalls das Klischee des barbarischen Wilden in der Außenwelt. Die Handlungstiefe hat mir zu diesem Zeitpunkt völlig gefehlt und er hat sehr unreif gewirkt. Er war sich sicher, dass sein Bruder nicht entscheidungsfreudig genug für die Sicherheit des Stammes ist und somit musste er weg. Er kam mir vor wie ein bockiger Teenager. Doch auch ihm, habe ich wirklich unrecht getan, denn er besitzt sehr viel Tiefe. Er ist voller Emotion, stark, ausdauernd, voller Mitgefühl, hat einen tollen Sinn für Gerechtigkeit und besitzt einen unbändigen Willen. Mit seiner Gabe hat er es in mancher Hinsicht leichter, doch sie ist auch eine Bürde. Es ist wunderbar zu erleben, wie er mit allem umgeht und die Sicht des Lesers auf die kleinen, besonderen Dinge im Leben lenkt. Er wurde mir von Seite zu Seite sympathischer und hat mich oft zum Nachdenken gebracht. Diese hartnäckige Vehemenz, die er in jede Sache legt, die er angeht und diesen kämpferischen Mut den er verströmt, haben mich restlos von seiner Persönlichkeit überzeugt. Wie er sich Aria nach und nach öffnet, ihr seine Emotionen und Gedanken versucht nahe zu bringen, sie fühlen lassen will, was er fühlt und seine Vergangenheit die er sachte Preis gibt, machen schließlich noch sehr viel Lust auf mehr.
Ich vermute, dass diese anfänglichen Antipathien gegenüber der Protagonisten und das erfüllen der „Klischees“ von Frau Rossi sogar beabsichtigt war. So kann man viel besser die Entwicklung erkennen.

FAZIT
Veronica Rossi hat mit „Gebannt“, dem ersten Teil einer Trilogie, ein einzigartiges Werk aus dem Genre der Dystopien erschaffen. Aber es ist sehr viel mehr als das. Durchzogen von fantastischen Elementen und einer Welt, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnte, hebt es sich aus der Masse empor und regt stark zum Nachdenken an. Auch wenn mich der Anfang überhaupt nicht überzeugen konnte, haben es die restlichen Seiten fast geschafft. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzungen.

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Tags: dystopie, gebannt, veronica rossi   (3)
 

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457 Bibliotheken, 6 Leser, 5 Gruppen, 70 Rezensionen

dystopie, liebe, reb, kyria, andrea schacht

Kyria & Reb - Die Rückkehr

Andrea Schacht
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei INK, 10.01.2013
ISBN 9783863960384
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Leben ist zäh.“ Tja, das ist es wirklich. Doch man ist bekanntlich seines eigenen Glückes Schmied und genau das war zauberhaft authentisch in dieser Geschichte dargestellt. Doch damit nicht genug, Teil 2 von Kyria&Reb ist spannend, mitreißend, emotional, dramatisch und skrupellos. Es zeigt eine fremde Welt in all ihren wunderbaren und gleichzeitig grausamen Facetten, inmitten dieser Zerrissenheit bäumt sich eine stürmische junge Liebe auf.

Der Schreibstil ist nach wie vor etwas ganz Besonderes. Ich hatte mich bereits bei Teil 1 schnell daran gewöhnt und diese Andersartigkeit sogar schätzen gelernt. Auch in diesem Band hat mich die außergewöhnliche, etwas schroffe und jugendliche Art verzaubert und in seinen Bann gezogen. Frau Schachts Stil ist absolut passend für diese Geschichte, denn er trägt das Ganze. So wie die Autorin uns Stück für Stück NuYu (New Europe) zeigt, passt sie auch die Art des Schreibens an. Je mehr man erfährt, desto weitreichender und subtiler wird auch der Schreibstil, allerdings auf eine sehr angenehme Art und Weise.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf und ein Geheimnis nach dem anderen wird aufgedeckt. Es kam mir teilweise so vor, als wäre ich mitten in einer Mordkommission und würde mit den Protagonisten gemeinsam Indizien sammeln. Es war stets eine unheilvolle Stimmung zu verspüren, man hatte das Gefühl Niemandem mehr trauen zu können und Teil von etwas Großem und abgrundtief Bösem zu sein. Oft schien die Lösung so einfach, doch am Ende steckte soviel mehr dahinter. Ich war vor allem auf den letzten Seiten wie gebannt und wollte endlich Erkenntnisse und Erklärungen für derartige Unmenschlichkeiten. So viele Geheimnisse, Intrigen, Lügen, Verdächtigungen, Anschläge, Doppelleben und Pläne haben die Spannung nahezu die ganze Zeit auf einem guten Level gehalten. Zwischendurch gab es allerdings Passagen, deren Sinn ich für das große Ganze bis zum Ende nicht gesehen habe. Ich vermute sie sollten etwas Ruhe in die aufbrausende und ereignisreiche Zeit bringen, für mich waren es allerdings eher unnötige Unterbrechungen im Handlungsfortgang. Das hat mich dann zeitweise in eine kleine Flaute fallen lassen und das Weglegen fiel mir nicht schwer. Zum Glück waren nur sehr wenige dieser Augenblicke vorhanden und ab Seite 200 bin ich nur noch durch die Seiten geflogen.
Ich war auch bei diesem Teil begeistert über die Tiefe und Intention der Story. Man kann einfach soviel für sich selbst mitnehmen. Armut/ Reichtum, Angst vor Seuchen, totale Kontrolle, Kommunikation, Politik, Obrigkeiten, Hungersnot, Korruption, Werte und Normen einer Gesellschaft und so vieles mehr wurde hier behandelt und zu einer absolut lohnenswerter Story gesponnen.

Die Liebesgeschichte ist ein absolutes auf und ab der Gefühle. Teil 1 hat in dieser Hinsicht sehr viel versprochen und im Großen und Ganzen, hat Band 2 diese Erwartungshaltungen auch erfüllen können. Ab und an, hat mich dieses ewige Hin und Her genervt, vor allem weil die Beweggründe nicht immer deutlich herausgearbeitet waren. Die gemeinsame Zeit von Kyria und Reb war sehr süß, dennoch stürmisch und voller Leidenschaft. Die eigentliche Erkenntnis über ihre Gefühle und Empfindungen zueinander kamen jedoch stets in Verbindung mit anderen Personen. Die Entwicklung der Beziehung war somit eher zurückhaltend und etwas zäh, aber genau das hat es authentisch gemacht. Zuneigungsbekundungen gab es allerdings nicht nur zwischen den Beiden. Küsse wurden, meiner Meinung nach, sogar sehr großzügig verteilt, was ich etwas merkwürdig fand. Ob zum Dank, zur Begrüßung, zum Abschied oder ganz spontan, die Münder sämtlicher Charaktere haben sich absolut zur Genüge gefunden. Diese Tendenz war bereits in Teil 1 zu bemerken. Nicht, dass mich das sonderlich gestört hätte, aber es wirkte irgendwann einfach abgestanden und übertrieben.

Die Personen haben sich deutlich vermehrt. :D Man lernt also einige neue „Gesichter“ kennen, die der Geschichte absolut zuträglich sind. Auch bereits vorhandene oder kurz erwähnte Charaktere rücken in den Fokus der Geschehnisse. So bekommt Kyria eine wichtige Freundin, eine Chefin, eine Aufpasserin und weitere ihr wohlgesinnte Menschen. Ein paar süße und gewitzte Bengelchen aus der Subcultura erwecken ihren Sinn für soziales Verhalten zu neuem Leben und giftige Kunden rufen sie zu ungewohntem Gehorsam.
Kyria macht generell eine wundervolle Entwicklung durch. Schon in Teil 1 wurde sie von der überbehüteten, naiven Elitezicke zu einer starken und eigenständigen Persönlichkeit, die sich an jede Lebenslage anzupassen weiß. In diesem Band webt sie in ihre ohnehin schon tolle Art ihre Erfahrungen ein und trifft präzise und sinnvolle Entscheidungen für sich und ihre Mitmenschen. Sie zeigt einen unglaublich starken Willen und beweist auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf. Sie bietet den übelsten Halunken die Stirn und zeigt den Ärmsten ihr Mitgefühl. Ihr Gerechtigkeitssinn und die Jagd nach der Wahrheit lassen sie nicht verbissen werden, im Gegenteil, sie lernt das zu schätzen, was wichtig ist. In jeder Rolle, in die sie schlüpfen muss, beweist sie eine Souveränität, die mich ab und an wirklich überrascht hat. Sie versucht stets das Beste zu erreichen und stellt ihre Belange an letzte Stelle. Dass dies auf Dauer kein Ausweg ist, zeigen ihre zeitweise herzzerreißenden Gefühlsausbrüche, die sie mir noch um einiges sympathischer gemacht haben. Soviel Emotion ist in jeder Hinsicht einfach wunderbar.
Reb ist nach wie vor der humorvolle Rebellenlümmel mit immer frechen Sprüchen auf den Lippen und wenig Achtung gegenüber Respektspersonen. Wenn er auftaucht, wird es definitiv niemals langweilig. Diesmal darf man auch einige Passagen aus seiner Perspektive genießen und recht tief in sein Gefühlsleben schauen. Ich muss gestehen, dass ich ihm am Liebsten manchmal einen kleinen Schubs gegeben hätte. Sein Selbstwertgefühl ist sehr geschwächt und er sieht sich nicht würdig geliebt zu werden, stattdessen versucht er sich und sein Ego zu belohnen, sei es durch waghalsige Wagenrennen oder aufreizende Verehrerinnen. Doch da schleicht sich immerzu eine klammernde „Princess“ in seine Gedanken und löst ungewohnten Frieden in ihm aus. Er kann sich Kyria nicht entziehen und straft sich viel zu oft mit Entscheidungen, die er für das Beste hält, aber nur Kummer hervorrufen. Zuckersüß ist seine Erkenntnis der Liebe zu Kyria, ein wenig naiv und doch felsenfest, sickert nach langem Hin und Her die Wahrheit auch in seinen Verstand. Das seltsam wohlige Gefühl im Bauch, der zarte Schleier, der sein Herz umfasst schlummert schließlich schon viel länger in ihm. Dennoch waren mir auch danach einige Reaktionen und Handlungen zu zögerlich beziehungsweise abweisend. Nach gerade erwähnter Erkenntnis habe ich mir das etwas anders gewünscht und als störend empfunden. Es war einfach ein unnötiges Herauszögern, denn erst durch fremde Hilfe hat der sonst so entschlossene Rüpel die Kurve bekommen.

FAZIT
Auch in Teil 2 bekommt man sehr viel geboten. Ein kleiner Krimi, waghalsige Wagenrennen, das Leben in den verschiedenen Schichten, von Luxus, über gutbürgerlich bis hin zum Bettler war alles dabei. Authentizität und ein außergewöhnlicher Schreibstil runden das Ganze zu einer absolut lesenswerten Geschichte mit wenigen Mängeln ab.
Hinter diesem wunderschönen Buchdeckel wartet also eine total gelungene Fortsetzung. Ich habe vor kurzem gelesen, dass damit die Reihe abgeschlossen ist, was ich ein wenig Schade finde, da doch noch einige ungeklärte Sachverhalte vorliegen. Lassen wir uns also überraschen, ob vielleicht nicht doch noch etwas kommt. Ich wäre nicht abgeneigt. ;)

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Tags: andrea schacht, dystopie, kyria & reb   (3)
 

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dystopie, liebe, kyria, reb, flucht

Kyria & Reb - Bis ans Ende der Welt

Andrea Schacht
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei INK, 09.02.2012
ISBN 9783863960162
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich Kyria&Reb gekauft habe, allerdings liegt es schon einige Monate in meinem Regal herum. Es musste einfach erlöst werde, vor allem weil der 2. Teil jetzt im Januar erschienen ist. Nach dem Auslesen, habe ich mich nur noch gefragt, warum ich dieses Schätzen so lange habe warten lassen. Das war ein echter Fehler.

Der Schreibstil ist sehr speziell und etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich mochte ihn von der ersten Sekunde an. Er ist sehr jugendlich und ein wenig fremdartig, dennoch flüssig, humorvoll und wunderbar einfach, sodass man locker leicht über die Seiten fliegen konnte und das Ende viel zu schnell erreicht war. Zudem ist nahezu jede Zeile von einer zielführenden Cleverness durchzogen, was sehr viel Tiefe in die Geschichte bringt.
Nicht nur witzige, sondern auch sehr kluge Sprüche werden einem geboten. Ein wenig seltsam war es, dass in der wörtlichen Rede sehr häufig englische Worte vorkamen, aber das hat den jungen Protagonisten eine zusätzliche Leichtigkeit verliehen. Die Dialoge zwischen Kyria und Reb waren einfach genial. Das gegenseitige Necken, die kurzen „abgehackten“ Sätze und dieser jugendliche Humor, haben mich wirklich in ihren Bann gezogen.
Die Namen und Bezeichnungen von Menschen und Städten sind ein echter Sprachmix und genau das war es, was anfangs etwas fremdartig wirkte. Nach einer kurzen Phase des Einlesens, war jedoch auch das sehr angenehm.

Die Geschichte ist zumindest in einer Hinsicht absolut außergewöhnlich. Die Frauen regieren die Welt. Ich fand die Vorstellung grundsätzlich eher befremdlich. Die Art und Weise, wie die Damen leben und was sie vor allem aus den Männern machen, hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich bin aber generell kein Fan von mächtigen Damen.
Es beginnt sehr rasant. Schlag auf Schlag wird man mit allerlei Geheimnissen, Intrigen und Machenschaften konfrontiert, wobei Kyria, die Hauptprotagonistin, nicht selten Opfer ist. Sehr gelungen fand ich ebenfalls, dass das Zusammentreffen der beiden Hauptprotagonisten nicht endlos in die Länge gezogen wurde. Schnelle und präzise Entscheidungen wurden getroffen und Pläne so energisch geschmiedet, wie ausgeführt. Daher kam zu keiner Zeit lange Weile auf. Gerade auch die Flucht aus NuYu (New Europe) ging so eilig von statten, dass man kaum die Möglichkeit hatte darüber nachzudenken, welche Gefahr hinter den ganzen Geschehnissen lauern könnte. Mal um Mal war ich derart überrascht über sämtliche Entwicklungen, dass ich aus dem Staunen kaum mehr heraus kam. Allerdings war ich in manchen Dingen einfach misstrauischer als die Protagonisten und als dann gar nichts Schlimmes passiert ist, war ich auch wieder erstaunt. Die Autorin hat eine Art, den Leser immer nur mit kleinen Informationen zu füttern, das große Ganze versteht man so erst sehr spät, aber genau das verursacht diese Schnelligkeit und Spannung.
Die Maßnahmen von New Europe für die Menschen, die sich ihrer Macht entziehen sind mir wirklich ein wenig an die Nieren gegangen, weil wir von derartigen „Geschützen“ absolut nicht weit entfernt sind. Was gibt es Schlimmeres als furchtbare Seuchen aus dem Labor? Viren, die gezüchtet wurden um zu Töten - Menschen auf die grausamste Weise, die man sich vorstellen kann, dahinzuraffen. Derartige Widerwärtigkeiten zur Machtausübung zeugen von absoluter Kaltherzigkeit.
Das wunderbare an dieser Geschichte ist, dass erst vermuten lässt, dass die Autorin der Männerwelt nicht sonderlich angetan ist, im Handlungsverlauf aber durch scharfen Verstand und tolle anschauliche Beispiele das Gegenteil bewiesen wird. Männer und Frauen sind definitiv gleich wertvoll und wichtig. Das wir manchmal weder mit, noch ohne einander leben können, liegt einfach in unserer Natur und das ist auch gut so. Am Ende hat jeder seine Stärken und Schwächen, die es zu vereinen gilt. Diese Aussage kommt zwischen den Zeilen sehr deutlich zum Vorschein.

Die Personen sind sehr gelungen, wenn auch anfangs keine Charmebolzen. ;)
Kyria „Die Herrin“ ist wohlbehütet aufgewachsen, erfährt aber zu ihrem 17. Geburtstag, dass sie an einer Erbkrankheit leidet, die früher oder später zum Tod führen wird. Schon als Kind war sie bei jeder Kleinigkeit im Heilhaus untergebracht und stets sehr bemuttert worden. Sie merkt allerdings schon sehr früh, dass sie dem bestehenden Männerideal und dem vorherrschenden System nicht viel abgewinnen kann. Als sie Reb zum ersten Mal begegnet verspürt sie sofort ein tiefes Vertrauen und flüchtet schließlich mit ihm in die Subcultura (Außenbezirke). Sie hat eine herrische und dennoch weiche Art. Ihr Leben lang wurde ihr ein völlig verschobenes Bild von der Wirklichkeit vorgelebt, jedoch passt sie sich sehr schnell an die Veränderungen an. Ihr Selbstvertrauen ist durch die ewige Sorge nachhaltig geschwächt. Sie traut sich wenig zu und hat bei Kleinigkeiten Angst um ihr Leben. Am Anfang hat sie mich damit schon etwas genervt. Im Laufe der Geschichte lernt sie vor allem aber durch Reb eine andere Seite der Welt und sich selbst kennen. Sie benimmt sich durchaus noch eine Weile wie das verwöhnte Prinzesschen aus gutem Haus. Ihr Entsetzen und Ekel über die Lebensweise in den Außenbezirken fand ich dabei aber sehr amüsant. Ihre Entwicklung ist dann schlussendlich aber wunderbar. Sie wird in kürzester Zeit zu einer starken und selbstbewussten Persönlichkeit.

Reb „Der Rebell“ war mir von Anfang an total sympathisch. Er ist aufmüpfig, überheblich und hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen. Nicht selten fällt es ihm leicht seine Mitmenschen zu verärgern. Der großspurige Frauenheld, scheut keine Gelegenheit sich den ein oder anderen Flirt zu genehmigen. Zum Leidwesen von Kyria, denn sie erkennt recht schnell ihre Gefühle zu ihm. Doch da schlummert noch mehr in ihm. Eine tiefe Zerrissenheit und eine Vergangenheit, um die ihn keiner beneidet.

Die Liebesgeschichte ist wunderbar, authentisch und entwickelt sich sehr langsam. Durch die ständigen Neckereien und Stänkereien am Anfang der Geschichte wird man gut bei Laune gehalten. Es gibt einen kurzen Zwischenstopp, der die Spannung in dieser Hinsicht sehr anheizt, denn man ahnt ja aufgrund des Buchtitels schon den Ausgang der Sache. Dieser war jedoch für ein Jugendbuch sehr überraschend. Ich fand es super, denn es war einfach anders und so unvorhergesehen.

FAZIT
Eine deutsche Dystopie, die es absolut lohnt gelesen zu werden. Nach einer kurzen Phase, in der mir alles etwas befremdlich vorkam, hab ich dieses Werk förmlich verschlungen. Es enthält viele Werte und Inhalte, die über das Lesen hinaus Stoff zum nachdenken bieten. Ich war absolut positiv überrascht. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich erst dachte, es sein ein zweites „Cassia&Ky“. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung. Zur Höchstbewertung reicht es also nicht ganz, aber es fehlt nur ein winziger Hauch..

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1.868 Bibliotheken, 16 Leser, 12 Gruppen, 268 Rezensionen

mittelalter, rollenspiel, thriller, fluch, wald

Saeculum

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Loewe, 02.11.2011
ISBN 9783785570289
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Eine ganze Weile ist seit meinem letzten Thriller vergangen. Saeculum klingt schon total verheißungsvoll und spannend, daher konnte ich nicht vorbeigehen. Außerdem mag ich Ursula Poznanskis Schreibstil wahnsinnig gern und die positiven Stimmen haben ihr übriges getan. Für mich war es der erste Jugendthriller und ich bin begeistert.

Der Schreibstil ist einfach klasse. Sie schreibt in einer stimmungsvollen Authentizität, sodass man sich ganz und gar in den Schauplätzen verliert und die Emotionen fließen so natürlich, wie das Blut in den Adern. Gerade bei einem Thriller, jagt einem diese schriftstellerische Gabe eine Gänsehaut nach der anderen über die Haut. Auch hier hatte ich Mühe die Realität im Auge zu behalten, ich war ganz und gar Teil der Gruppe und habe mich schlussendlich selbst gefragt, auf welcher Seite ich stehe. Schon allein die Tatsache, dass die Autorin die Geschwindigkeit der Geschichte über den Schreibstil steuert ist wunderbar. Geht es schnell und wild zu, sind es eher kürzere Sätze, wird es ruhiger und emotional, sind sie länger und ausschmückender. Die Beschreibungen von Personen und Landschaft hätten realer nicht sein können. Schon ganz zu Anfang habe ich diese unheilvolle Stimmung verspürt und konnte mir nach und nach jeden Zweig, jeden Stein und jeden Grashalm vorstellen, ohne dass es aufdringlich beschrieben wurde. Eine echte Meisterleistung.

Die Geschichte ist klasse und außergewöhnlich. Zugegeben, am Anfang war es für mich leicht befremdlich, wie die Protagonisten eine unumstößliche Ernsthaftigkeit in diese mittelalterliche Convention legen können. Ich musste das ein oder andere Mal wirklich schmunzeln und habe somit die Gefühle des Protagonisten Bastian ganz und gar geteilt.
Es beginnt alles scheinbar harmlos und soll hauptsächlich Spaß und die Auszeit aus der Realität bringen. Doch schon sehr zeitig wird klar, dass dies kein Vergnügen werden kann. Das erdrückende Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht stimmt, hat mich schon sehr bald beschlichen und ich habe die bösen Omen gesehen. Die ganze Story ist so wahnsinnig gut durchdacht und strukturiert, dass man zu keinem Zeitpunkt ahnen konnte, was als nächstes kommt und beinahe an den Rande des Wahnsinns gelangt ist, weil man auch als Leser nicht mal annähernd durchschauen konnte, was noch Fakt und was Fiktion ist. Ich wurde mit jeder Seite neugieriger und wollte sogleich eine Aufklärung, um diesen schrecklichen Zwiespalt, den man mit den Protagonisten gemeinsam erleben musste, aufzulösen. Glaubt man an das Übernatürliche oder gibt es doch eine harmlose Erklärung? Ich bin doch eher der rationale Typ, aber auch bei mir kamen früher oder später Zweifel auf und ich habe tief in mich hineingehorcht. Will ich den Pfad des Unerklärlichen beschreiten oder doch weiterhin an meine Vernunft appelliere? Die Authentizität und die dauerhafte Spannung, die einer Starkstromleitung glich, haben ihr übriges getan und ich wurde voll und ganz von der Geschichte verschlungen, bis mich die Dunkelheit umhüllt hatte und nur noch das leiste Knistern eines entfernten Feuers in meinen Ohren nachhallte. Genial fand ich ebenso die vielen kleineren Geschehnisse, die man eigentlich nur am Rande mitbekam und die dennoch eine klare Linie hin zum großen Ganzen bildeten. Der Ausgang der Geschichte beruhte schlussendlich auf so vielen Kleinigkeiten und Details, die einem erst „vor Ort“ wie Schuppen von den Augen fallen. Es ist als glaubt man den Weg zu kennen und plötzlich verändert sich der Blickwinkel um wenige Millimeter und schon entsteht ein völliges anderes Bild. Ich bin einfach nur begeistert über einen derartigen Einfallsreichtum und eine ebenso grandiose Umsetzung.

Die Personen sind absolute Diamanten. Jeder einzelne Protagonist trägt die Geschichte auf seine ganz eigene Weise und jeder noch so kleine Charakterzug hat eine essentielle Bedeutung für das Gesamtwerk. Allen voran Bastian und Iris, aus deren Sicht die Handlung abwechselnd betrachtet wird.
Bastian ist der „Musterschüler“, ein Strebertyp mit Brille, wie er im Buche steht. Um etwas Ablenkung von seinen Büchern und Abstand von seinem tyrannischen Vater zu bekommen, entschließt er sich das Abenteuer seiner Lebens einzugehen und begibt sich mit einer Gruppe junger Leute auf eine mittelalterliche Convention irgendwo im Nirgendwo. Er wirkt anfangs etwas zimperlich und verweichlicht, außer es geht um seine Leidenschaft, die Medizin, routiniert und rational trifft er Entscheidungen und versucht in jeder Situation seine Hilfe anzubieten. Er geht völlig unvoreingenommen, wenn auch etwas blauäugig, an die Sache heran. Ich mochte ihn sofort, schon allein, weil er der Medizin verfallen ist und seine Gründe für das Studium äußerst liebenswert sind. Er entwickelt nach und nach ein sehr gutes Gespür für die neuen Leute in seinem Umfeld und ist stets auf die Sicherheit Anderer bedacht. Er traut sich bald schon sehr viel mehr zu, entwickelt ein wahnsinnig hartnäckiges Durchhaltevermögen und sein Beschützerinstinkt nimmt starke Ausmaße an. Geradlinig versucht er jeden Zwist mit Verständnis und Beständigkeit in das richtige Licht zu rücken. Er lässt sich nicht von seinen Anschauungen abbringen und lernt sich endlich durchzusetzen und Widerwillen zu leisten. Er bricht in gewisser Weise aus seinem goldenen Käfig aus. Dennoch sieht er in jedem das Gute und bestärkt sich selbst in diesen Dingen, indem er wirklich jedem eine Chance gibt, egal wie merkwürdig der erste Eindruck auch erscheint.
Iris ist ein verrücktes Mädchen mit einer merkwürdigen Frisur, spielt am liebsten Gedankenverloren auf ihrer Harfe, doch diese Zeit der Freiheit scheint bei ihr sehr begrenzt zu sein. Was ängstigt sie? Was beschäftigt sie? Welche dunklen Schatten der Vergangenheit liegen ihr schwer auf der Seele? So viele Fragen rund um eine mehr oder weniger seltsame Erscheinung. Meine Neugierde war augenblicklich geweckt und sie wirkte tausendmal interessanter als die unglaublich schöne Lisbeth oder die kühle Sandra. Ich wollte sie direkt kennen lernen und aus ihrer Situation holen. Was immer es ist, ich wollte helfen. Die Düsternis und die kleinen Momente der Vorahnung, die sie umgeben und gleichzeitig die witzige und dennoch direkte Art, wie sie den Leuten entgegentritt, haben mich sofort überzeugt. Sie ist auch sehr rational und geradlinig in ihren Ansichten, vertritt fest und vehement ihre Meinung, spaltet sich eher von der Gruppe ab, um ihren ganz privaten Frieden zu finden und öffnet sich schließlich ganz zaghaft nach und nach. Eine wunderbare und sehr gelungene Person, die einen Weg aus der Dunkelheit sucht und ihre Freiheit in Körper und Geist zurückerobern möchte. In so mancher Situation hatte ich das Gefühl, ich könnte die lieblichen Klänge ihres Harfenspiels hören und war zum ersten Mal verzaubert, von etwas, was nicht übernatürlichen Ursprungs ist.

FAZIT
Ein genial durchdachter und unglaublich spannender Thriller, der mich bis in meine Träume verfolgt hat. Wunderbare Protagonisten führen einen auf den Spuren des Mittelalters durch einen Wald, der seinen ganz besonderen Zauber versprüht. Eine derartige Fülle an Emotionen erlebt man in dieser Form nur selten und selbst ich, war mir meiner Empfindungen irgendwann nicht mehr sicher. Ein absolutes Mustread!!!

  (7)
Tags: mittelalter, saeculum, ursula poznanski   (3)
 

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schattenjäger, liebe, fantasy, vampire, dämonen

City of Fallen Angels

Cassandra Clare , Franca Fritz , Heinrich Koop
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.11.2011
ISBN 9783401065595
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Schon nach „City of Glass“, dem dritten Teil der Chroniken der Unterwelt, war ich im absoluten Fieber und dieser Reihe von Cassandra Clare vollkommen verfallen. Eine unglaublich geniale und komplexe Geschichte mit vielfältigen, authentischen und wunderbaren Charakteren, hat mir auch in „City of Fallen Angels“ wieder ein paar tolle Lesestunden beschert.

Der Schreibstil ist nach wie vor sehr ausschmückend und voller Details. Eine schier unendliche Fülle von Beschreibungen, lässt jedoch das Eintauchen in eine derart große und ausschweifende Welt erst zu. Der Ideenreichtum der Autorin bezieht sich somit nicht nur auf die reinen Geschehnisse, vielmehr ermöglicht erst der Schreibstil eine derart reale Projektion von Bildern in den Köpfen der Leser und lässt so alles viel intensiver wirken. Jedes klitzekleine Detail eröffnet einem den Weg zum großen Ganzen, sei es eine im Wind wehende Haarsträhne oder die Farbnuancen von Augen. Der Zauber entsteht erst mit der Vielfalt der Eindrücke und lastet dann wie ein schweres Gewicht auf dem Zentrum der Emotionen. Von blankem Entsetzten, reiner Furcht, grausamem Ekel, schlimmen Zweifeln, absoluter Abscheu über humorvolle Gesten und Situationen bis hin zu tiefen Emotionen, zarter Liebe, tiefgreifender Freundschaften und herzerwärmenden Szenen war wirklich alles dabei und vor allem spürbar. Es ging mir durch Mark und Bein und ich war ein Teil der Geschichte.

Die Geschichte ist wie schon in den vorangegangen Bänden die Inkarnation des Einfallsreichtums. Unglaublich, wie ein einziger Mensch aus einer solchen Idee ein ganzes Imperium zu schaffen vermag. Ich bin begeistert und beeindruckt. Frau Clare konnte mich jedoch nicht nur mit der Fülle der Handlungen in ihren Bann ziehen, sondern vielmehr noch mit einer wahnsinnigen Bandbreite an unvorhergesehenen Wendungen, die mich nicht selten kurz innehalten ließen, weil ich eine „Realisierungspause“ in Form von Bitte was? oder Warum und wieso überhaupt? brauchte.
War ich also nach „City of Glass“ schon völlig überzeugt, dass es nicht mehr spannender und krasser kommen könnte, weil das Finale nun wirklich und unumstößlich erreicht sein musste, wurde ich in „City of Fallen Angels“ natürlich eines besseren belehrt. Es geht weiter mit sich überschlagenden Ereignissen, jeder Menge Action und Kampfszenen, die einem das Blut in den Adern gefrieren ließen, hinzu kamen eine Brise oder doch eher ein Haufen dämonischer Grausamkeiten und das Sahnehäubchen bildeten schließlich weitere Würgereiz auslösende Kreaturen. Um nicht völlig in der Finsternis zu versinken, denn wo Dunkelheit ist, ist ja bekanntlich auch Licht, waren einige zuckersüße und herzerwärmende Szenen dabei. Es bahnen sich in dieser Hinsicht sogar ein paar neue zarte Liebeleien an, die mich in jeder Hinsicht amüsiert haben. Andere Beziehungen gerieten wiederum ins Wanken, wurden gefestigt oder unumstößlich besiegelt. Die Emotionalität und die Liebe kommen also keineswegs zu kurz. Ganz besonders toll fand ich die Vielfalt der Paare. Alle völlig unterschiedlich und dennoch jedes für sich ein absoluter Genuss.
Cassandra Clare wäre nicht sie selbst, wenn nicht auch noch jede Art der Beziehung einen bestimmten Zweck im Handlungsverlauf verfolgen würde, so konnte ich einige Reaktionen und Veränderungen, die mir erst unnütz erschienen, schon bald in eine logische Abfolge absoluter Genialität bringen. Diese Autorin ist eine Meisterin der Täuschung und doch ergibt alles am Ende einen wunderbaren Sinn.
Wo wir auch schon bei diesem super fiesen Ende, mit noch viel schlimmerem Cliffhanger wären, ich hatte nach den letzten Seiten das simple Bedürfnis schreiend im Kreis zu rennen, wozu es natürlich nicht kam, weil ich damit beschäftigt war meinen Mund wieder zu schließen.
Auch wenn diese Fortsetzung absolut würdig an seine Vorgänger anknüpft, gibt es dennoch eine größere Veränderung. Der Fokus liegt nun auf Simon, seines Zeichens Vampirfrischling und Clary's bester Freund. Diese leichte Verschiebung der Hauptakteure empfand ich persönlich als sehr angenehm und absolut gelungen, doch wer nun denkt: Oh nein, was ist mit Clary und Jace? Keine Angst, auch in dieser Hinsicht wird einem Einiges geboten.

Die Personen sind nach wie vor ein grandioses Zusammenspiel von Authentizität und Sinnhaftigkeit. Es kommen einige neue Charaktere hinzu, die durchaus interessante Verläufe im Handlungsstrang auslösen und definitiv neugierig auf mehr machen.
Simon steht, wie bereits erwähnt, nun im Fokus der Geschehnisse und somit rückt auch sein noch recht junges Leben als Vampir in den Vordergrund. Doch er ist nicht nur irgendein Vampir, sondern wohl einer der mächtigsten, die es gibt und Macht zieht natürlich Feinde an, die nach eben dieser streben. Nicht selten ist er somit in spektakuläre Kämpfe und schwierige Situationen verwickelt. Er geht damit jedoch sehr souverän um und behält seine wundervolle Menschlichkeit. Schon allein deshalb, ist er mir noch viel mehr ans Herz gewachsen. Zudem ist er immer noch wahnsinnig selbstlos und versucht die zu schützen, die er liebt. Die positive Entwicklung seines Selbstbewusstseins, die bereits im letzten Band vonstatten ging, trägt nun Früchte. Er war ja schon immer sehr humorvoll, aber diesmal hat er mich fast so sehr amüsiert wie Jace. Außerdem neigt er nun zu kleineren „Starallüren“, die ihm schon bald das volle Ausmaß des weiblichen Zorns offenbaren. Das anschließende reumütige zu Kreuze kriechen, war absolut mein Geschmack und super sympathisch.
In diesem Zusammenhang sei gleich noch Izzy erwähnt, denn sie ist eine so tolle Persönlichkeit, die quasi gegen ihren Willen behutsam ein Band zu Simon knüpft und davon ein wenig unsicher wird. Nach wie vor erhält sie die knallharte Fassade aufrecht, aber in den Momenten in denen sie bröckelt, bekommt man eine Seite zu sehen, die nicht nur amüsant, sondern auch absolut liebenswert ist.
Jace und Clary kommen in „City of Fallen Angels“ auch keinesfalls zu kurz. Anfangs darf man in eine scheinbar heile Welt schauen und ein paar leidenschaftlichen Szenen beiwohnen. Doch das junge Glück ist schnell getrübt und damit bin ich vor allem durch Jace in eine kleine Zwickmühle geraten. Wer meine vorherigen Rezensionen gelesen hat, der weiß, dass er bis dato mein absoluter Liebling war, das hat sich nun ein wenig geändert, denn ich war teilweise wirklich genervt von seinen ewigen Selbstzweifeln und Schuldzuweisungen. Jede seiner Handlungen lief darauf hinaus, dass er schließlich wie ein zusammengefallenes Häufchen Elend durch die Gegend gewandelt ist und jede Art Hilfe seiner Lieben abgelehnt hat. So strafte er nicht nur sich, sondern vor allem auch Clary, die wiederum in einer immerwährenden Beteuerung ihrer Liebe zu ihm stecken zu blieben schien. Im normalen Leben, würde ich meinen, dass der Gute ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom hat, dennoch war seine Art und Weise schließlich plausibel begründet und es hat dem gesamten Lesevergnügen keinen größeren Abbruch getan.
Sehr Schade fand ich, dass sich Alec und Magnus Bane so rar gemacht haben. Die wenigen Szenen in denen sie aufgetaucht sind, habe ich dafür umso mehr genossen. Nicht nur die tolle Art beider Charaktere, sondern auch die Art des Miteinanders sind wirklich klasse, so echt, so tiefgründig und absolut ehrlich. Die Sticheleien, die Eifersucht und die Aufrichtigkeit ihrer Handlungen machen die beiden in gewissen Hinsicht einzigartig und wahnsinnig sympathisch. Jeder für sich ist schon ein Genuss, aber beide zusammen sind ein wahres Vergnügen.

FAZIT:
Wer diese Reihe nicht liest, ist selbst Schuld. Zum Glück kommt bald Band 5 und einen 6. wird es auch noch geben. Und Frau Clare meint es noch viel besser als gut mit uns, denn zwei Bände einer weiteren Reihe „Die Chroniken der Schattenjäger“ sind auch bereits erschienen. So muss ich und alle anderen noch nicht weinen, weil es schon vorbei ist. Also bleibt noch zu sagen: LESEN, unbedingt LESEN!!!

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Tags: cassandra clare, chroniken der unterwelt, schattenjäger   (3)
 

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zombies, dystopie, lost land, kopfgeldjäger, jonathan maberry

Lost Land - Die erste Nacht

Jonathan Maberry , Dirk Steinhöfel , Heinrich Koop ,
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Thienemann-Esslinger, 28.09.2012
ISBN 9783522201513
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zombies – die lebenden Toten oder auch Untote genannt, begleiten mich schon mehrere Jahre in Form von unzähligen Filmen. Auch Dokumentationen und Mythen habe ich anschauen „müssen“. Die meisten Filme zielen auf primitives Abschlachten und wenig Geschichte ab, der Grundtenor ist stets unheilvoll und die endzeitliche Stimmung hat mich dann doch meist in ihren Bann gezogen, so dass ich nicht mehr nur aus Solidarität zu meinem Mann derartige Szenarien angeschaut habe. ;)
Nun habe ich mit Lost Land meine Premiere in der „Zombieliteratur“ gelesen und bin durchaus angetan, sogar auf eine Art und Weise begeistert, die ich in dieser Form nun wirklich nicht vermutet hätte. Dieses erste Buch einer Trilogie von Jonathan Maberry birgt eine unglaublich tolle Story mit sehr viel Tiefe und nicht nur Stoff aus dem Alpträume gemacht werden, sondern auch zum Nachdenken.

Der Schreibstil ist sehr locker und jugendlich. Ich habe direkt den 15-jährigen Benny vor Augen gehabt, wie er dieses unverblümte Gehabe eines Halbstarken an den Tag legt. Nicht selten musste ich über derartige Ausdrücke lachen, die sehr gut auch in den heutigen Jugendjargon passen. Die Dialoge zwischen ihm und seinem Bruder Tom waren ein absolutes Highlight für mich. Es war einerseits erfrischend anders und auflockernd, anderseits konnte es perfekt diese unheilvolle, angsterfüllte und scheinbar ausweglose Stimmung hervorheben. Der Autor hat in dieser Hinsicht den Schreibstil an die Entwicklung der Protagonisten bzw. speziell an Benny Imura’s Entwicklung angepasst.

Die Geschichte ist völlig anders, als ich erwartet hatte. Ich habe mit einer dieser typischen Filmstorys gerechnet á la Zombieland oder Dawn of the Dead. Weit gefehlt, hier tut sich etwas völlig anderes auf, was mich nicht selten innehalten lies und wirklich zum Nachdenken brachte. Die Zombies werden zwar typisch beschreiben – seelenlos, ohne Verstand, langsam, schlurfend, gierig nach lebendigem Fleisch etc., aber die konkrete „Hauptbedrohnung“ sind sie nicht (mehr). Das mag allerdings daran liegen, dass der Ausbruch der „Zombieseuche“ schon 14 Jahre zurück liegt und die Menschen sich rings um das Leichenland eine Art neue Zivilisation aufgebaut haben. So lernt man in den ersten Seiten das Leben kennen, dass die Menschen inmitten von Zäunen führen und vehement versuchen die lebenden Toten einfach auszublenden. Man erfährt hier und da Dinge über die Nacht des Ausbruchs, die in den meisten, mir bekannten Filmen thematisiert wird. Umso gebannter bin ich den Lauf der Geschichte gefolgt und habe mich regelrecht hinein gelebt und gedacht. Die Beweggründe der Menschen für ihr Verhalten waren höchst interessant geschildert und es gab so viele Arten der Verarbeitung bzw. mit der Situation umzugehen. Einfach grandios und ein Hauch gesellschaftskritisch.
Benny ist gerade 15 geworden und muss sich somit einen Job suchen, da er nicht wirklich fündig wird und sein Bruder Tom ein erfolgreicher Zombiejäger ist, entscheidet er sich nach langem Weigern dazu bei ihm in die Ausbildung zu gehen. Mit diesem Schritt beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit und ein skrupelloser Kampf um Leben und Tod. Und dabei sind nicht die Zombies die größte Gefahr, sondern die Menschen selbst. Auch an dieser Stelle hat der Autor viel Wahrheit für unsere aktuelle gesellschaftliche Lage eingebaut. Wir brauchen keine Zombies um kaltblütige Mörder zu sein und hirnlose Taten zu verüben. Nicht umsonst hat der Mensch keine natürlichen Feinde - nur sich selbst.
Die letzten Seiten waren so spannungsgeladen, blutig, kämpferisch, rasant und gespickt von Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen. Eine hat mich ganz besonders aufatmen lassen, aber das solltet ihr lieber selbst lesen. ;)

Die Personen sind sehr authentisch und gut gelungen. Allerdings hatte ich zu Anfang ein Problem mit Benny. Ein aufmüpfiger Halbstarker, der vom Leben außerhalb der Stadt Mountainside keine wirkliche Ahnung hat, geht großspurig durchs Leben und hasst seinen einzigen Verwandten, der ihm noch geblieben ist, wegen zusammen gesponnener Halbwahrheiten. Er benimmt sich einfach so derart daneben, dass es mich an ein Kleinkind mitten in der Trotzphase erinnert hat. Das hatte auch nahezu nichts mehr mit Teeniealter und Pubertät zu tun, er ist einfach ein bockiges Kind, was seinen Willen nicht bekommt und sich deshalb schreiend auf den Boden wirft. Eine absolute Nervensäge. Der Grund, warum er seinen Bruder verachtet und für einen Feigling hält, liegt so viele Jahre zurück, dass er sich gar nicht der Wahrheit sicher sein kann, die er glaubt mit eigenen Augen gesehen zu haben. Er hat zudem keinen blassen Schimmer von dem Job, den sein großer Bruder ausführt und das auch noch sehr erfolgreich. Selbst das Ansehen und die Achtung, die seinem Bruder Tom von allen entgegen gebracht wird, scheint er einfach auszublenden und bewundert lieber mit gehirnamputiertem Grinsen ein paar Kopfgeldjäger, die der ganzen Stadt von ihren grausamen Schlachttouren erzählen. Spätestens da konnte ich nur noch den Kopf über ihn schütteln. Doch er macht eine wahnsinnig tolle Entwicklung durch, die ihn mir dann doch sehr sympathisch gemacht hat. Er lernt nun die wirkliche Welt kennen und auch seinen Bruder, er nimmt sich einige von Tom’s Eigenschaften an und entwickelt viel Stärke, Willenskraft, Mut und Durchhaltevermögen. Sein Sinn für Gerechtigkeit wächst in einem unaufhaltsamen Drang, die zu bestrafen, die in vollem Wissen das Leben anderer Menschen gefährden und nehmen. Er lernt Würde, Achtung und ein hohes Maß an Menschlichkeit kennen und schätzen. Er wird definitiv erwachsen und zerbricht nicht an den Geschehnissen, sondern geht gestärkt und entschlossen daraus hervor.
Tom hingegen war mir sofort super sympathisch. Er weiß um die negativen Gefühle von seinem Bruder, die er ihm gegenüber hegt. Doch er hat eine Engelgeduld, eine unbändige Stärke, ist ein genialer und geübter Kämpfer, zudem scheinbar furchtlos, vergisst jedoch nie die wahren Werte, hat ein wahnsinnig großes Herz, ist intelligent, gewieft, entschlossen, zögert keine Sekunde und handelt so tiefgründig und emotional, dass ich nicht selten sehr gerührt war. Schon allein die Art und Weise, wie er Benny versucht an seine Tätigkeit heranzuführen ist genial. Er ist unsagbar selbstlos, dass er so lange Zeit damit lebt, dass sein kleiner Bruder glaubt er, Tom Imura, wäre Schuld am Tod seiner Eltern und gleichzeitig erweist er so vielen (lebenden) Toten auf eine wunderbare Weise die letzte Ehre. Er gibt sich dafür in Gefahren, die Mal um Mal seinen Tod bedeuten könnten und nicht nur das, die Art wie er es „regelt“, würde mir ein Stück meines Herzens nehmen. Man könnte daran so leicht zerbrechen und das tut er in gewisser Weise auch, aber sein Maß an Selbstlosigkeit und dieser tolle Gerechtigkeitssinn, außerdem die Werte und Normen der Menschlichkeit, die er vehement vertritt, trägt er so fest verankert, dass er den Schutzschild besitzt, der ihm an eine bessere Welt glauben lässt, selbst wenn es erst nach seinem Tod geschieht. Ein echter Traummann. ;)
Nix ist eine sehr gute Freundin von Benny, sie ist zwar in ihn verliebt, doch wird dies vorerst nicht erwidert. VORERST, denn da bahnt sich dann doch bald eine süße kleine Lovestory an, die für meinen Geschmack jedoch nicht so gut gelungen ist. Sie wirkt irgendwie fehl am Platz und wenig authentisch. Etwa so: „Wir sind jetzt grad verzweifelt, dann küsse ich dich eben mal und ach es war toll, jetzt liebe ich dich vielleicht doch!“ Da es aber sehr im Hintergrund verläuft, ist es nicht weiter schlimm. Nix selbst war mir sofort sympathisch, sie hat feste Ziele, tolle Ansichten und ist die Erste, die aus Benny ein paar sympathische Charaktereigenschaften hervorkitzelt. Für ihr Alter ist sie sehr intelligent, selbstsicher und weitsichtig. Sie denkt ganzheitlich und hat eine scharfe Logik. Die ist wirklich tough und doch mit einer tiefen Emotionalität durchzogen, was sie weicher und zerbrechlicher wirken lässt. Ein schönes Mädchen mit Ecken und Kanten – perfekt.
Der Bösewicht muss natürlich auch erwähnt werden, da er nicht selten die atemlose Spannung trägt – Rotaugen-Charlie. Schon beim ersten „Treffen“, habe ich tiefe Abscheu empfunden und je mehr die Geschichte fortgeschritten war, desto hasserfüllter waren meine Emotionen. Ich habe innerlich gekocht und war nicht wenige Male absolut fassungslos über solch kaltblütige Skrupellosigkeit ohne jede Reue. Dieses Monster hat definitiv kein Gewissen!!!! Seine Anhänger folgen ihm fast ausschließlich aus Angst und diese ist eine mächtige Waffe.

FAZIT
Eine unerwartete Story über Zombies und das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Hier erwartet einen kein Horrorszenario, bei dem alle 5 Minuten ein Mensch zerfetzt wird, es ist eher beiläufig gefährlich, unheilvoll, tiefgründig und absolut nicht klischeebehaftet. Außerdem macht der absolut tolle Humor das Buch zu einem echten Must-Read. Die Liebesgeschichte und der „Anfangs-Benny“ lassen allerdings keine Höchstbewertung zu, nicht ganz. Ich bin wirklich wahnsinnig gespannt auf die Fortsetzung.

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Tags: dystopie, jonathan maberry, zombies   (3)
 

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fantasy, schattenjäger, liebe, dämonen, vampire

City of Ashes

Cassandra Clare , Franca Fritz , Heinrich Koop
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.05.2011
ISBN 9783401502618
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Welt der Schattenjäger hat mich gefangen genommen und sie lässt mich jetzt auch nicht wieder los. Es ist mir unbegreiflich, dass ich den Anfang von Teil 1 tatsächlich als die pure Einöde in einem pingelig detaillierten Schreibstils empfand, denn jetzt ist es so unfassbar spannend und mitreißend, dass ich beinahe vergesse zu atmen. So langsam schleicht es sich in meinen Alltag ein, immerzu denke ich von Abend zu Abend, bis ich endlich weiterlesen kann. Böse Böse!!! :D Tja daher nerve ich euch jetzt erstmal mit einer "Chroniken der Unterwelt"-Rezension nach der anderen. ;)

Der Schreibstil ist zugegebenermaßen noch der Selbe. : ) Weiterhin gibt es einige, relativ unnötige Beschreibungen der verschiedensten Dinge und das gleich über mehrere Abschnitte. Allerdings hat es mich einfach nicht mehr gestört, im Gegenteil. Durch die unendliche Fülle von Geschehnissen, war es eine willkommene Abwechslung, dass sich, z.B. ein Zimmer vor meinem inneren Auge so derart real entfalten konnte, dass ich den Zauber auch in den kleinen Dingen wahrnahm. War mir dies in Teil 1 noch verborgen geblieben, so konnte ich in diesem Band in den unendlichen Weiten der Detailtreue schwelgen. Und ja, ich habe es tatsächlich genossen.

Die Geschichte ist einfach genial und nach wie vor voller schier endloser Fantasie. Es prasseln so viele Eindrücke auf einen ein, dass man nahezu atemlos versucht, den Geschehnissen zu folgen und damit in einen rasanten Spannungsfluss hineingerät. Gefühlstechnisch befand ich mich irgendwann also nur noch in einem reißenden Strom der Verzückung, der mich hinab in die dunklen Untiefen gezogen hat, um mich schließlich hier und dort an einen „Fels der Realität“ aufschlagen zu lassen, dass alle Luft aus meinen Lungen gepresst wurde und ich beinahe keuchend wieder zur Besinnung kam. Nicht selten brauchte ich eine kurze schöpferische Pause, um mich von den sich überschlagenden Ereignissen zu erholen. Es war kein Stück vorhersehbar, von absolut kreativen und sinnigen Handlungsfolgen beherrscht und mit einer klaren Logik versehen, dass ich restlos begeistert war und bin. Eine derartig aufwendige und umfangreiche Geschichte in so spielend leichter Klarheit zu gestalten, ist eine wahre Meisterleistung. An dieser Stelle muss ich nochmals die genialen und vor allem dämonischen Gefechte erwähnen. Ich habe jede einzelne, widerwärtige und grausame Schattengestalt vor mir gesehen und mir lief eine kalte Gänsehaut nach der anderen über den Rücken. Ich mag es sowieso, wenn es kampftechnisch zur Sache geht, aber Frau Clare besitzt die Fähigkeit es zum Leben erwecken zu lassen.

Die Personen sind nach wie vor wahre Schätze. Ich würde es begrüßen einige der zahlreichen Charaktere in meinem Freundeskreis zu haben. ;)
Clary war mir bereits in Teil 1 super sympathisch und besitzt nahezu ausschließlich positive Eigenschaften. Im Laufe von „City of Ashes“ entwickelt sie sich weiter, sie wird etwas härter, entwickelt eine scheinbar unbändige Stärke, sehr viel mehr Selbstvertrauen und ihre Selbstlosigkeit nimmt ein Maß an, dass eher an Selbstzerstörung grenzt. Daher tut sie alles Menschen- oder eher „Schattenjägermögliche“, um ihre Lieben vor dem Tod zu bewahren, was sich als nicht sonderlich einfach herausstellt. Sehr interessant ist auch die Entwicklung ihrer Gefühle zu Simon und Jace, denn nur in diesen Dingen ist sie zerbrechlich, zart und sehr zögerlich. Würde sie so enthusiastisch ihre Gefühle vertreten, wie sie Leben schützt, wäre ihr Leben vielleicht etwas leichter. Doch genau das ist es, was sie mir noch sympathischer macht. Sie macht es sich eben in keiner Hinsicht leicht.
Jace ist und bleibt mein Liebling. Die Autorin hat mit ihm einen Charakter erschaffen, der es mir einfach unmöglich macht ihn nicht zu mögen oder zumindest zu schätzen. Er ist so unglaublich selbstlos, er würde lieber sterben, als nicht für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Zudem wird er in „City of Ashes“ etwas weicher, er legt seine Gefühlswelt ein Stück weit offen und zeigt weitere Facetten, die sich gepaart mit seiner, nach wie vor charmanten Überheblichkeit, in perfektem Einklang befinden. Die logische und irgendwie auch berechnende Vorgehensweise ist ebenfalls eine Eigenschaft, die er bis zur Perfektion beherrscht und somit die Geschichte nicht selten in eine andere Richtung gedrängt hat, die einem mal mehr oder auch mal weniger gut vorkam. Das wiederum hat die Spannung angeheizt und die vorfreudige, erwartungsvolle Stimmung ist zurückgekehrt, die ich bereits in Teil 1 wirklich überragend fand.
Es gibt noch soooo viele tolle Protagonisten, die absolut erwähnenswert sind, da dies allerdings zu weit führen würde, nenne ich mal die Namen: Simon habe ich ja bereits in der Rezension zu „City of Bones“ näher erläutert. Dann wären da noch Alec und Isabelle, wobei ich für Alec eine besonders starke Sympathie empfinde, er ist einfach in jeder Hinsicht loyal und selbstlos, zudem der Fels in der Brandung, wenn die Gefühle überzukochen drohen. Genauso klasse ist Magnus Bane, der Hexenmeister.

FAZIT
JAAAAAAA….ich kann den Hype jetzt verstehen, ich kann ihn sogar fühlen. Ich möchte jetzt nichts lieber als mir sofort Teil 3 zu schnappen und solange zu lesen, bis ich einfach alles erfahren habe, was es zu erfahren gibt!!!! Ich kann auch dazu nur noch sagen: LESEN!!!!!

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liebe, ewigseits, cole, hoffnung, jack

Ewiglich die Hoffnung

Brodi Ashton , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann , Kerstin Schürmann
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.01.2012
ISBN 9783789130410
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich möchte ewiglich weiterlesen. Es war unglaublich, umwerfend, unfassbar und wahnsinnig emotional. Es ist lange her, dass mich ein Buch so derart gefesselt hat, dass ich einfach wirklich nicht aufhören konnte zu lesen. Es ging nicht!!! Nicht einmal unter Zwang. Nun durchziehen dicke dunkle Augenringe mein Gesicht und ich bin noch immer völlig aufgewühlt von der jüngsten Entwicklung. Wer Teil 1 noch nicht kennt, sollte lieber nicht weiterlesen.

Der Schreibstil ist nach wie vor der absolute Hammer. Es ist unglaublich, wie man ohne detaillierte Beschreibungen, eine derartige Emotionalität in Worte legen kann, dass es einem als Leser den Boden unter den Füßen wegzieht. Diese bedrückende, düstere Stimmung, diese nagende Ausweglosigkeit und inmitten dieser Finsternis leuchtet ein helles Feuer der Liebe, aus dem sich ein klitzekleiner Funken Hoffnung nährt und so überwältigend wird, dass man mit Nikki zusammen nur noch das eine Ziel erkennt – Jack’s Rettung – und jede denkbare Handlung auf jene zweifelhafte Rettungsaktion ausrichtet. Ich war ganz und gar mit der Geschichte verschmolzen, so wie Nikki und Cole bei der Nährung. Da sich die Autorin sämtliche Umgebungsbeschreibungen nahezu gespart hat, ist es mir immer noch unbegreiflich, wie nah und real sich das Ewigseits in seiner vollen Pracht angefühlt hat. Angefangen von den Städten, dem Labyrinth und schließlich den grausamen Tunneln der Hölle. Ich war vor Ort und das nicht zu knapp. Brodi Ashtons Schreibstil ist ein wenig poetisch und daher so magisch und intensiv, dass der Übergang von der Realität in die Story verschwimmt.

Die Geschichte ist eine pausenlose Hetzjagd, ich konnte kaum eine Minute verschnaufen. Eine unerwartete Wendung nach der anderen. Mehr Schnelligkeit und Handlungsfortgang hätte man wahrscheinlich gar nicht ertragen können. Zudem wurden nach und nach so manche Geheimnisse, Umstände und Sachverhalte rund um das Ewigseits aufgedeckt. Der mythologische Teil wird nahezu mühelos in die Geschichte eingebunden und erreicht somit ein hohes Level an Vielfalt und Einfallsreichtum. Alte Mythen und Sagen, die dem Leser wohl vorher schon bekannt waren, finden den ein oder anderen Platz in der Geschichte und die Logik hinter jeder „Aufklärungsarbeit“ ist wahnsinnig tiefsinnig.
Dazu diese ständige erdrückende Stimmung, welche mich beinahe um den Verstand brachte. Man landet schon in den ersten Seiten mitten in Nikki’s Alltag und somit in der völligen Verzweiflung, einem Berg von negativen Gefühlen. Schuld, schmerzhafter Sehnsucht, Hass und Zweifel. Der Titel ist hier Programm, der einzige Antrieb ist die scheinbar unerschöpfliche Hoffnung, die wie bereits erwähnt, aus dieser wunderschönen, reinen und tiefen Liebe zu Jack entspringt. Sie will ihn retten, um jeden Preis, doch dies ist nur mit Cole’s Hilfe möglich. Dann ist da noch diese unsichtbare und doch starke Verbindung zu ihm, die aus der Zeit der Nährung stammt und scheinbar versteckt in Nikki’s Innerem sitzt. Sie wirft tiefe Zweifel an den negativen Gefühlen zu ihm auf und versucht ein gefährliches Band des Vertrauens zu knüpfen. Doch kann sie ihm wirklich trauen? Inmitten dieser sowieso schon starken, vorwiegend negativen Emotionalität, hat die Autorin wieder einige sinnvolle Rückblicke aus der glücklichen Zeit zwischen Nikki und Jack eingewebt. Diese Passagen waren mein persönlicher Anker aus der düsteren Stimmung. Es hat diesen frischen Wind der jungen Liebe verströmt und so genug Futter für zwischenzeitliche Schwärmereien gelassen.
Das Ende bzw. die letzten Seiten haben mich dann völlig aus der Bahn geworfen. Es passieren so viele Dinge auf einmal und zudem so plötzlich und unvorhergesehen, dass ich mit rasendem Herz und weit aufgerissenen Augen, völlig ungehalten das Buch zugeschlagen habe und erst eine unsichtbare Hand mich wieder ins Hier und Jetzt zurück geholt hat. ;)

Die Personen machen allesamt eine starke und vor allem emotionale Entwicklung durch.
Nikki ist zu Anfang ein absolutes Häufchen Elend, was nur von der ewiglichen Hoffnung angetrieben wird. Ihre Gedanken und Gefühle drehen sich ausschließlich um Jack und der fixen Idee ihn höchstpersönlich aus den Fängen der Höllentunnel zu befreien. Trotz der absoluten Hassgefühle Cole gegenüber, regen sich im Laufe der Geschichte auch Emotionen, die sie eigentlich nicht zulassen möchte. Doch die Liebe zu Jack ist überwältigend und macht sie auch in den ausweglosesten Situationen stark. Sie ist eine Person, die man einfach mögen muss. Soviel Mut, Selbstlosigkeit, unbändige Kraft und die allgegenwärtige Hoffnung haben sie nach wie vor wahnsinnig liebenswert gemacht. Sie hat eine Art die Dinge anders zu sehen, sie mit Liebe zu betrachten ohne naiv zu wirken.
Cole ist unmöglich zu beschreiben, ohne die halbe Geschichte zu verraten. Er war mir in Teil 1 zu keinem Zeitpunkt sympathisch, eher berechnend, einnehmend, arrogant und einfach ein Störfaktor. Doch meine Neugier war geweckt und ich wollte hinter die Fassade schauen, was in Teil 2 auch teilweise gelang. Er zeigte tiefe Gefühle zu Nikki und legte eine sympathische gefühlvolle Seite an den Tag. Man hatte das Gefühl einen Blick in seine dunkle Seele zu erhaschen, die gar nicht so dunkel zu sein scheint. Gibt es also doch noch Helden? Ich entwickelte ein zeitweiliges Mitgefühl zu ihm, wollte den Antrieb hinter seinen Handlungen wirklich verstehen. Tja und den Rest müsst ihr selbst lesen.
Zwei Personen rücken ebenso in den Fokus der Geschehnisse Jack’s Bruder Will und Mrs Jenkins, Meredith’s Mutter. Sie spielen eine besondere Rolle in der Oberwelt. In gewisser Weise treiben sie Nikki voran und helfen ihr. Sie sind ihr Halt. Beide handeln im Endeffekt aus Liebe, was sich in unterschiedlicherer Weise nicht hätte zeigen können.

FAZIT:
Ein geniales Meisterwerk. Es hat einfach alles. Unglaubliche Spannung mit einem rasanten und logischen Handlungsfortgang. Starke Emotionen, wunderbare Protagonisten, jede Menge unvorhersehbare Wendungen, Originalität und alles gestrickt um eine umwerfende und scheinbar doch so ausweglose Liebesgeschichte, die gleichzeitig herzerwärmend, wie -zerreißend ist. All diese Dinge gepaart mit einem Schreibstil, der besser nicht hätte sein können, wünsche ich mir 1. sofort den 3. Teil und 2. noch viele weitere Bücher von ihr. Der Oetinger Verlag scheint ein gutes Händchen für derartige Meisterwerke zu haben. Ich vergebe nicht nur eine Leseempfehlung, sondern eine Lesepflicht inklusive voller Punktzahl mit Einzug auf meine „Lieblinge-Liste“.

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Tags: brodi ashton, ewiglich, fantasy, hoffnung, jugendliteratur   (5)
 

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Ewiglich die Sehnsucht

Brodi Ashton , ,
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.01.2012
ISBN 9783789130403
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Nichts ist gewaltiger als die Liebe…“ – diese Worte findet man direkt unter dem Klappentext. Und genau das war lange Zeit der Grund, warum ich es nicht gekauft habe. Ich ging einfach von einer furchtbaren Schnulze aus. Nach und nach habe ich unendlich viele positive Meinungen gelesen und es schließlich doch gekauft. Tja, es stand keine 2 Wochen in meinem Regal, es hat mich angezogen wie die Motte zum Licht. Und es war unglaublich…unsichtbare Hände haben mich bis in die späten Nachtstunden gewaltsam festhalten und mich hineingezogen in diese außergewöhnlich Liebesgeschichte, die mit soviel Emotion versehen ist, dass ich nicht selten um Fassung ringen musste.

Der Schreibstil ist besonders, sogar sehr. Der Autorin ist in dieser Hinsicht etwas gelungen, was ich nur selten erlebe. Ähnlich wie bei Maggie Stiefvater vermag sie unglaublich viel Emotion in und zwischen die Zeilen zu packen und den Leser somit direkt ans Zentrum der eigenen Gefühle „anzuschließen“. Es ist wie ein unsichtbarer Draht, welcher es ermöglicht nicht nur dabei zu sein, nicht mal nur mittendrin, sondern mehr und mehr eins mit der Geschichte zu werden. Hätte ich Zeit gehabt, hätte ich aufgrund dieser Tatsache das Buch mit Sicherheit an einem Tag durchgelesen. Ich konnte es sooo schlecht weglegen und bin auch jetzt drauf und dran sofort zu Teil 2 überzugehen. Allerdings wird mich die Durststrecke bis Teil 3, dann wahrscheinlich völlig fertig machen.
Eine weitere Besonderheit des Schreibstils von Brodi Ashton ist diese Ausdrucksstärke, ich hatte ab und an das Gefühl ein großes literarisches Werk zu lesen. Die Ästhetik, die das Schreiben haben kann, ist mir hier erstmals wieder aufgefallen – feinsinnig, ausdrucksvoll und leicht dichterisch hat sie mich in die Welt von Nikki entführt.

Die Geschichte ist klasse. Ich liebe Mythologie in all ihren Facetten und lese daher auch sehr gerne moderne Bücher, die so manche Mythen wieder zum Leben erwecken. Es hat meist eine düstere, undurchdringliche Seite, die schon vom Ursprung her eine Spannung erzeugt, der man sich schlecht entziehen kann. Hier wird ein relativ geringer, jedoch bedeutender Teil der Mythologie thematisiert, die Unterwelt. Es gibt wohl noch zig weitere Bezeichnungen und es ranken sich Geschichten, Sagen, Mythen usw. darum. Doch eines wissen wir sicher, es ist nichts Gutes. So begegnet man auch hier sehr zeitig der unendlichen Finsternis, der düsteren und doch geheimnisvollen Stimmung. Man wird quasi sofort in die Geschichte hineinkatapultiert und erfährt erst nach und nach die eigentlichen Gründe für die Situation der Hauptprotagonistin Nikki. Komischerweise fand ich das richtig klasse und überhaupt nicht verwirrend. Ich muss allerdings zugeben, dass es mich beinahe aus der Haut fahren lies, ewig nicht zu erfahren, wie es dazu kam, dass sie sich in Coles Arme begeben hat. Dies und die Spannung, die stetig steigt, haben mich förmlich zum Weiterlesen gezwungen. Warum um alles in der Welt verlässt jemand seine große Liebe? Was zwingt einen Menschen dazu sich in die Arme eines undurchsichtigen, geheimnisvollen Ewiglichen zu werfen? Der Handlungsschwerpunkt liegt in dieser Geschichte auf dieser unheimlich tiefen und schönen Liebesgeschichte zwischen Nikki und Jack, basierend auf dem Mythos von Orpheus und Eurydike. Doch ein Happy End scheint es für diese Misere nicht zu geben. Ausweglosigkeit, scheinbar unbändige Hoffnung, diese herzzerreißende Sehnsucht und die starken emotionalen Bande zwischen den Protagonisten, haben mich (beinahe) zu Tränen gerührt. Die Autorin hat zudem durch die verschiedenen Zeitabschnitte, die sich in „Vor der Nährung“ und „Zeit bis zur Rückkehr“ gliedert, eine zusätzliche Spannung erzeugt. Mir lief ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter, als die Zeit immer knapper wurde und das Fünkchen Hoffnung zu erlöschen schien. Es ist alles so logisch und sinnvoll aufgebaut, dass es mich überhaupt nicht verwirrt hat, wie es oft bei derartiger zeitlicher Unruhe geschieht. Einfach toll!!

Die Personen sind wahnsinnig authentisch und einige Charakterzüge treiben an so mancher Stelle, die Geschichte erst in die Richtung, die sie schließlich ausmacht.
Nikki ist völlig gefühlsleer, als sie sich entscheidet, nach 100 Jahren in der Unterwelt und völlig ausgezehrt, noch einmal zurückzukehren. Diese Kraft bringt sie allein wegen der Erinnerung an Jack’s Gesicht auf. Sie hat keine Tränen mehr, das Lächeln ist ihr abhanden gekommen und auch sonst breitet sich eine unendliche Leere in ihr aus. Doch je mehr Zeit sie in der Oberwelt verbringt und vor allem mit Jack, desto mehr Emotionen kommen zurück und machen sie noch sehr viel sympathischer. Schon von Anfang an, war sie mir sehr sympathisch und ich wurde von heftigem Mitgefühl geplagt.
Jack wirkt zuerst wie der oberflächliche Quarterback, der die ein oder andere Liebschaft, neben seiner steilen Footballkarriere führt. Nahezu jedes hübsche Mädchen hatte wohl bereits nähere Bekanntschaft mit ihm. Doch seine Liebe zu Nikki zeigt etwas ganz anderes und macht ihn einfach wahnsinnig liebenswert. Er ist voller Gefühl und Hoffnung. Keine Sekunde hat er seit Nikki’s Verschwinden ohne einen Gedanken an sie verstreichen lassen. Er beweist Durchhaltevermögen, Kampfgeist und meine Schwäche für Selbstlosigkeit erfüllt er zudem in besonderem Maße, genauso wie Nikki.
Cole war von Anfang an der Störenfried, er stand im Weg und hat mich auch richtiggehend genervt. Er ist scheinbar die gefühlsleere Zerstörung in Person, der sich an anderen „ergötzt“. Doch was schlummert da tief in ihm? Kann er tatsächlich Nichts fühlen? Ist Nikki wirklich nur seine Spenderin? Diese undurchsichtige, geheimnisvolle Fassade, hat mich absolut neugierig gemacht. Obwohl ich normalerweise immer eine Schwäche für die „Bösewichte“ habe, mochte ich ihn trotzdem zu keinem Zeitpunkt. Was nicht heißen soll, dass er misslungen ist, im Gegenteil, er ist sogar wahnsinnig gut gelungen und zudem spielt er eine bedeutende Rolle im ganzen Handlungsaufbau.

FAZIT:
Ich bin absolut hin und weg, ich möchte mich gar nicht trennen. Es hat mich wirklich sehr berührt, da es überhaupt nicht kitschig ist, sondern einfach richtig sehr ans Herz geht (und ein bisschen an die Nieren :D). Zum Glück habe ich Band 2 schon bereit liegen. Die Rezension ist mir ungewohnt schwer gefallen, weil man leicht zu viel verrät. Kurzum, ich bin begeistert und vergebe volle Punktzahl.

Auch hier: http://beccibookaholic.blogspot.de/2012/12/rezension-ewiglich-die-sehnsucht-von.html

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