Charysse

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424 Bibliotheken, 5 Leser, 3 Gruppen, 81 Rezensionen

stigmata, jugendbuch, mord, schloss, thriller

Stigmata - Nichts bleibt verborgen

Beatrix Gurian , Erol Gurian
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.05.2014
ISBN 9783401069999
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der wunderschöne Schutzumschlag machte mich sofort neugierig auf dieses Buch. Und auch im Inneren ist „Stigmata“ besonders liebevoll gestaltet, mit verschnörkelten Kapitelanfängen und natürlich den Fotos, die wie „echte“ Beweisstücke zu dem rätselhaften Krimifall gehören – und ihn nur noch geheimnisvoller machen. Denn die Leser begleiten Hauptfigur Emma auf der Jagd nach den Mördern ihrer Mutter.

Gleich von Anfang an legt Autorin Beatrix Gurian parallel zwei Fährten aus. Da wird nicht nur Emmas Geschichte beschrieben, ein Mädchen, das plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes mutterseelenallein dasteht; es geht auch um ein Kind, das in einem unmenschlich streng geführten Kinderheim aufwächst. Somit verbindet Gurian eine klassische Spurensuche mit den in den letzten Jahren zunehmend ans Licht der Öffentlichkeit geratenen Skandalen um missbrauchte und gequälte Heimkinder und die Zustände in den Einrichtungen.

Auf einem altem Jagdschloss,einem ehemaligen Kinderheim, das zum Jugendcamp umfunktioniert wurde, soll Emma herausfinden, was es mit dem Geheimnis ihrer Mutter auf sich hat. Diese Schnitzeljagd nach Anhaltspunkten über die Vergangenheit der Mutter gestaltet sich einerseits schaurig-atmosphärisch: das alte, halb verfallene Schloss, undurchschaubare Angestellte, die Emma und ein paar andere Jugendliche betreuen, seltsame Aufgaben, die die jungen Leute erfüllen sollen – und natürlich werden die Handys eingesammelt. Andererseits macht die Fülle an seltsamen Vorkommnissen die Story in meinen Augen bald beliebig: Wie hat eines zum anderen geführt, wer hat welchen Zwischenfall initiiert, was war reiner Zufall? Denn es gibt viele scheinbare Zufälle: Andauernd fällt Emma irgendein Beweisstück in die Hände, nur damit es kurz darauf genauso zufällig wieder verloren geht. Oder war alles so geplant gewesen? Vieles hat sich mir auch nach Lektüre des Romans nicht erschlossen. Zwar ahnt man als Leser früh, in welche Richtung die Story geht (was auch so beabsichtigt ist), die eigentliche Auflösung fand ich dann aber doch etwas plötzlich präsentiert.

Fazit: Ich wollte dieses Buch mögen – wegen der Thematik, wegen der schönen Aufmachung, wegen der integrierten Fotos, die mich an „Die Insel der besonderen Kinder“ erinnerten. Aber irgendwie hat es nicht geklappt. Ich musste mich zunehmend zwingen, die Story zu Ende zu lesen, weil die Charaktere einschließlich Hauptfigur Emma mir einfach zu fremd blieben; ich konnte mich nicht in sie einfühlen. Zwar hat mich die Parallelhandlung um das Mädchen im Kinderheim noch gepackt, zeitweise hat mich das Geschehen sogar mitgerissen, aber insgesamt kam mir vieles zu zusammengewürfelt vor: Emmas für mich oft nicht nachvollziehbare Reaktionen, das seltsame Gebaren der Betreuer des angeblichen Jugendcamps, das von den Jugendlichen kaum hinterfragt wird, die vielen Zufälle und plötzlichen Ereignisse, in denen ich keinen Zusammenhang sehen konnte. Erst am Ende, als die ganze tragische Geschichte überschaubar wird und sich alle Rätsel aufgelöst haben, kamen echte Gänsehautmomente ins Spiel – die ich angesichts der Thematik schon früher erwartet hatte, die vorher aber - für mich - zu oft in undurchschaubaren Aktionen untergegangen waren. Ich vergebe gute drei Sterne für Buchgestaltung, Spannung und Atmosphäre, mehr wird’s nicht, weil ich mit den Charakteren einfach nicht warm geworden bin.

Danke an den Arena Verlag für das Rezensionsexemplar

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

jugendbuch, wohnwagen, viel alkohol, landstreicher, prügeleien

Wen liebst du, wenn ich tot bin?

C. J. Flood , Petra Koob-Pawis
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.01.2014
ISBN 9783401068404
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Iris ist 13 Jahre alt und einsam. Ihre Mutter hat die Familie verlassen, ihr Vater und ihr älterer Bruder kommen nur schwer damit zurecht. Zu allem Überfluss besetzen auch noch Fremde mit ihrem Wohnwagen die Wiese nahe der Farm, auf der Iris lebt. Ihr Vater ist wütend darüber und will die Traveller so schnell wie möglich vertreiben, auch ihr Bruder hasst die Neuankömmlinge. Aber Iris verliebt sich in den Jungen Trick …

„Wen liebst, du, wenn ich tot bin?“ Bei diesem Titel stelle ich mir eine dramatische, vielleicht auch tragische Liebesgeschichte vor, möglicherweise sogar mit Fantasy-Einschlag (Vampire?). Alles ganz falsch, bemerkte ich schon nach den ersten Seiten. Denn der Jugendroman von CJ Flood (Originaltitel: Infinite Sky, also: Unendlicher Himmel) erzählt von Toleranz und Engstirnigkeit, von Loyalität und Freundschaft, von Schuld und Vergebung – und das am ehesten für sehr junge Teens. Im Grunde kam mir der Roman wie eines jener typischen Jugendbücher vor, die man in der Schule durchnimmt: Es ist durchaus spannend und interessant zu lesen, formuliert aber für meinen Geschmack auch einen deutlichen Appell, weiter über die genannten Themen nachzudenken, ansonsten bleibt man am Ende etwas ratlos zurück und weiß nicht, was man mit dem Gelesenen anfangen soll (so ging es mir zumindest). Mit der einfachen Sprache, den liebevoll, aber eher skizzenhaft angelegten Charakteren und Schauplätzen sowie der kindlich wirkenden 13 Jahre alten Hauptperson richtet sich das Buch ganz deutlich an ein sehr junges Publikum. Dieses sollte möglichst auch Lust haben, sich auf die zeitlos-altmodische Art der Geschichte einzulassen: Es wird zwar nicht eindeutig gesagt, zu welcher Zeit die Story spielen soll, aber es gibt weder Handys noch Computer. Ich habe mir das Geschehen irgendwann in den 1970ern oder frühen '80ern vorgestellt.

Fazit:

Der deutsche Titel ist meiner Meinung nach sehr unglücklich gewählt, dürfte alle Leser enttäuschen, die hier spontan ohne Blick ins Buch zuschlagen, und hat zudem rein gar nichts mit der Story zu tun: Ich habe eine melodramatische Liebesgeschichte erwartet, bekam aber einen Toleranzappell an sehr junge Teens. Die Geschichte ist dramatisch und traurig, einfach und zart erzählt – eine romantische Liebesgeschichte ist es aber nicht. Das Buch handelt zwar auch von der (allerersten) Liebe, davon, wie ein Mädchen seine Gefühle für einen Jungen entdeckt, aber im Grunde stehen vielmehr die Herausforderungen und Schicksalschläge im Mittelpunkt, die junge Menschen auf dem Weg zum Erwachsenwerden erleben können.

Danke an den Arena-Verlag für das Rezensionsexemplar

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(105)

297 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

märchen, hänsel und gretel, diana menschig, thriller, schwarzwald

So finster, so kalt

Diana Menschig
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2014
ISBN 9783426514931
Genre: Fantasy

Rezension:

Merle Hänssler fand schon immer, dass das Haus ihrer Großmutter dem Lebkuchenhaus aus dem Märchen „Hänsel und Gretel“ ähnelt. Als sie vom Tod der geliebten Oma erfährt, ist sie geschockt. Sofort macht sie sich auf in den Schwarzwald – und findet im Nachlass ein geheimnisvolles Dokument. Rat sucht sie beim Germanisten Jakob Wolff. Doch kann sie ihm vertrauen? Und was hat es mit den geheimnisvollen Vorfällen rund um das Haus ihrer Großmutter auf sich?

Wer sich nicht entscheiden kann, ob er nun Märchen oder Thriller lieber mag, sollte es mal mit diesem Buch versuchen. Spannend, mit viel unheimlichem Flair und zudem handlungstechnisch unvorhersehbar mixt Diana Menschig die beiden Genres zu einem wahren Märchen-Marathon – denn es geht hier beileibe nicht nur um einen Krimi im Knusperhäuschen. Von „Rotkäppchen“ bis „Schneewittchen“, von keltischen Mythen bis hin zu deutschen Sagen spannt Menschig einen breiten Bogen.

Die Handlung wird in Gang gebracht durch den Fund eines alten Dokuments, in dem ein Vorfahr der Hauptperson Merle Hänssler aus seinem schier unglaublichen Leben erzählt. Noch während Merle versucht, der Geschichte auf den Grund zu gehen, werden im Schwarzwald Kinder entführt – und die Spannung steigt. Geschickt flicht Autorin Diana Menschig auch noch eine Liebesgeschichte mit ein – wobei weder der Leser noch die Heldin sicher sein können, ob Love Interest Jakob Wolff nun den guten oder den bösen Wolf gibt. Das treibt die Spannung das ganze Buch hindurch immer weiter hoch – auf der anderen Seite fiel es mir dadurch allerdings schwer, mich voll und ganz mit einer der Figuren zu identifizieren. Jakob ist zu unberechenbar und gewollt geheimnisvoll gezeichnet, Merle zeigt sich mal extrem misstrauisch, dann wieder sehr begriffsstutzig. Am interessantesten und auch am gefühlvollsten beschrieben waren für mich die Erinnerungen von Merles Vorfahr Hans. Mit ihm konnte ich mitfühlen, mich um ihn sorgen, während es für mich bei den anderen Figuren eher bei krimitechnischer Neugier blieb. Das ist allerdings nicht ganz so schlimm, denn bei „So finster, so kalt“ kommt es – für mein Empfinden – am meisten auf die Spannung an.

Fazit:

Märchen, Krimi, historische Erinnerungen, Liebesgeschichte – ein Buch mit so vielen Facetten könnte schnell überladen wirken, aber hier passt die Mischung. Spannend ist nicht nur die Handlung an sich, auch das „Märchenraten“, wenn man überlegt, auf welche alte Geschichte mit dieser oder jener Wendung wohl wieder angespielt wird. Der Spannung wurde für meinen Geschmack allerdings das Gefühl geopfert: So richtig sympathisch war mir außer dem Jungen Hans niemand. Im Nachhinein wirkt auch manche Entwicklung reichlich konstruiert und leicht unlogisch – aber das ist mir beim Lesen überhaupt nicht aufgefallen, auch weil die Geschichte, die viel in dem alten „Knusperhaus“ und dem umliegenden Schwarzwald spielt, sehr atmosphärisch erzählt ist. Eigentlich würde ich gern dreieinhalb Sterne geben, weil unmöglich, runde ich auf vier auf.

Danke an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

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1.807 Bibliotheken, 27 Leser, 3 Gruppen, 168 Rezensionen

fantasy, liebe, maggie stiefvater, magie, jugendbuch

Wen der Rabe ruft

Maggie Stiefvater , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei script5, 09.10.2013
ISBN 9783839001530
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Oh, wohlige Gänsehaut! Der Klappentext, der Prolog und das erste Kapitel von „Wen der Rabe ruft“ versprechen schönsten romantischen Grusel und herrliche Liebesverwicklungen. Allerdings wird dieses Versprechen nur bis Seite 26 eingehalten. Dann verwandelt sich der Auftakt zu Maggie Stiefvaters neuer Serie nämlich in eine Art „Fünf Freunde“-Episode für etwas ältere Leser. Statt um die große Liebe geht es plötzlich um das Auffinden geheimnisvoller Energielinien, um einen schlafenden König, um einen Mord – und um vier Jungen, allesamt höchst komplizierte Charaktere, die dunkle Geheimnisse mit sich herumschleppen.

Wie schon gesagt: Der Beginn ist so fesselnd, wie ich lange nichts gelesen habe. Aber dann wurde es schwierig: Die Liebesgeschichte existiert nach Seite 26 erstmal nicht mehr, kommt schließlich gaaanz langsam in Gang und dann auch noch komplett anders, als erwartet. Das wäre natürlich nicht schlimm, aber wenn ein Buch im Klappentext mit genau dieser Liebesgeschichte wirbt, bin ich zuerst doch enttäuscht. Die Geheimnisse der vier Jungs, die Heldin Blue bald kennenlernt, und ihre komplizierten Beziehungen untereinander sind dafür sehr interessant aufgebaut. Storymäßig muss man sich allerdings darauf einlassen, dass es hier sozusagen um eine mythische Schatzsuche geht, die Suche nach einer Art heiligem Gral. Und genauso entrückt und aus der Zeit gefallen, wie eine solche Suche heutzutage wirken würde, erscheint auch der männliche Held Gansey. So wie er beschrieben wird, könnte die Geschichte genauso gut in den Fünfziger Jahren spielen. Die anderen Jungs – bis auf den rebellischen Ronan – kommen auch nicht viel moderner rüber. Dass sie mit dermaßen vielen Sorgen und Geheimnissen zu kämpfen haben, erschien mir manchmal etwas aufgesetzt. Das Mädchen Blue soll innerlich und äußerlich eine Rebellin sein, auch das wird für meinen Geschmack zu holzhammermäßig fast nur anhand ihrer Kleidung festgemacht. Das, wofür Stiefvater bekannt und beliebt ist – die blumigen, poetischen, fantasievollen Beschreibungen – nehmen hier meiner Meinung nach überhand: Wirklich jede kleinste Handlung wird mit Andeutungen überhäuft und mit abgefahrenen Vergleichen bis zum geht-nicht-mehr aufgeblasen, als ob es nun geradewegs auf die alles entscheidende Enthüllung zugehen würde – und dann passiert doch wieder rein gar nichts.

Fazit:

Die Geschichte geht in eine andere Richtung als der Klappentext andeutet, und die ständigen überkandidelten Beschreibungen nerven ein bisschen. Mir hat dieses – für meinen Geschmack ziemlich altmodisch anmutende – Abenteuer trotzdem gefallen, vielleicht gerade weil es wie ein nostalgischer Jugendroman wirkt. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht – vor allem, was den Charakteren noch so passiert, denn die vier Jungs sind mir wirklich ans Herz gewachsen. Der Wermutstropfen: Geplant sind vier Teile – für mein Empfinden ist das deutlich zu lang, vor allem, wenn ich an die vielen Beschreibungen denke, die schon in Teil 1 einfach nur ins Leere führten. Weil mich die Story trotzdem fasziniert hat, vergebe ich vier Sterne.

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337 Bibliotheken, 3 Leser, 7 Gruppen, 40 Rezensionen

liebe, tod, sleepy hollow, fantasy, freundschaft

The Hollow. Wahre Liebe ist unsterblich

Jessica Verday , Barbara Abedi
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.06.2010
ISBN 9783401064956
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Einerseits ist da der gefühlvolle Anfang, der mich auf Anhieb in die Story hineingezogen hat und bei dem ich einfach nur Mitgefühl mit der Heldin haben musste. Andererseits gibt es die ständigen Bezüge zu “Sleepy Hollow”, der Geschichte von Washington Irwing, die Tim Burton mit Johnny Depp und Christopher Walken genial gruselig verfilmt hat. Beides zusammen müsste doch für ein richtig gutes Buch garantieren, dachte ich während des ersten Viertels dieses Jugendromans. Doch dann löste sich mein guter erster Eindruck mehr und mehr in Luft, beziehungsweise in Enttäuschung auf. 

Ein Hauptgrund dafür ist Hauptfigur Abbey. Sie soll sechzehn Jahre alt sein, wirkt aber viel jünger - und, was mir gar nicht gefallen hat, sie wird im Laufe der Geschichte immer passiver. Am Anfang macht ihre Trauer um die beste Freundin sie zur Sympathieträgerin, aber im Verlauf der Seiten war ich von ihr mehr und mehr genervt. Sie denkt, etwas stimmt nicht am Tod der Freundin. Doch als sie dann deren geheimes Tagebuch findet, in dem ein Freund erwähnt wird, von dem Abbey nichts wusste, macht sie sich nicht etwa auf die Suche nach dem Freund und versucht, alles aufzuklären. Nein, sie lässt die Spur einfach wieder fallen. 
Auch in Bezug auf Caspian, den sie nur auf dem Friedhof trifft und der ein großes Rätsel aus seinem Leben macht, versucht sie nicht, mehr zu erfahren. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass sie wirklich neugierig auf ihn ist. Sicher könnte man diese Passivität irgendwie erklären (Trauer um die Freundin), aber aus dem Roman selbst geht mir das nicht deutlich genug hervor. Ich habe selten eine so teilnahmslose Hauptfigur erlebt, deren Alltagshandlungen (lernen, Verwandtenbesuch, über einen Job stolpern) so exzessiv beschrieben werden. Und - wohlgemerkt - nichts davon trägt zur eigentlichen Story bei.
Die Zitate aus der Original “Sleepy Hollow”-Geschichte am Anfang jedes Kapitels wirken zwar auf den ersten Blick interessant, ich konnte aber beim besten Willen nicht erkennen, was sie mit Abbey und ihren Erlebnissen zu tun haben sollen.
Dazu kommen diverse Logikfehler (mal ist der Fluss, in dem Kristen ertrank und aus dem Caspian Abbey einmal retten muss, ein reißendes Gewässer, mal ein laues Bächlein, das man locker durchwaten kann) und der sehr schlichte Schreibstil, der mich auch nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hingerissen hat. 
“The Hollow” ist Auftakt zu einer Trilogie. Das Buch klingt mit einem (leisen) Paukenschlag aus, der zwar zu erwarten war (seit mindestens 100 Seiten), der mich aber immerhin wieder wachgerüttelt hat. Allerdings: Wirklich aufgeklärt hat sich so gut wie nichts, Teil 2 werde ich definitiv nicht mehr lesen. 

Fazit 
Stimmungsvoller Beginn, dann wird es zäh, teilweise unlogisch und für meinen Geschmack passiert viel zu wenig - was hier an echter Handlung geschieht, hätte man locker in drei Kapiteln zusammenfassen können. Zudem sind die Charaktere sehr eindimensional beschrieben und ihre Handlungen oft nicht nachvollziehbar. Mit diesem Buch glücklich werden könnten trotzdem alle, die anspruchslosen, aber atmosphärischen Lesestoff für zwischendurch suchen und/oder mehr über die Legende von Sleepy Hollow erfahren möchten - “The Hollow” macht Lust auf die Originalgeschichte. Bewertungsmäßig habe ich eigentlich stark zu einem Stern tendiert, aber immerhin: Total langweilig war’s dann doch nicht (ich habe das Buch nicht abgebrochen), und die Ausgangsidee hat mir gefallen, also gibt’s zwei Sterne.

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Tags: geister   (1)
 

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286 Bibliotheken, 1 Leser, 5 Gruppen, 30 Rezensionen

vampir, rumänien, vampire, liebe, blut

Der Vampir, den ich liebte

Beth Fantaskey , Michaela Link
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.01.2011
ISBN 9783401061504
Genre: Fantasy

Rezension:


“Jung und untot” heißt das Selbsthilfebuch, das Rumänenprinz und Vampir Lucius der staunenden Jessica zusteckt. Er ist gekommen, um seine (unwissende) Braut in ihr gemeinsames Heimatland zu holen und einen Pakt zu besiegeln, den einst die Eltern der beiden schlossen. Doch da macht Jessica nicht mit …
Von der ersten Hälfte dieses Buches war ich vollauf begeistert: Die Wortgefechte zwischen Jessica und Lucius sind in Sachen Witz und Scharfzüngigkeit in der Jugend-Fantasy herausragend. Geschliffene Sätze sorgten für echtes Lesevergnügen - und erst Lucius Briefe an seinen Onkel in Rumänien, in denen er sich über die barbarischen Gebräuche der Amis beklagt: einfach köstlich. Auch die Idee von der Vampirprinzessin, die keine sein will, kam zwar nicht absolut neu, aber doch sehr frisch und überzeugend daher. Ich freute mich schon, ein echtes Buch-Highlight entdeckt zu haben, da ging die Handlung langsam in vorhersehbarere, melodramatische Gefilde über. Ich will nichts über den Fortgang der Geschichte verraten, aber wo ich vorher noch viele Sätze zweimal gelesen hatte, einfach weil sie so toll formuliert waren, habe ich gegen Ende die Seiten eher überflogen. Alles klang für mich auf einmal bekannt und konturlos, auch die starken Charaktere wandelten sich für meinen Geschmack zu Klischee-Figuren. Schade.

Fazit
Ein furioser, witziger, toll geschriebener Beginn, gegen Ende flacht das Ganze deutlich ab: Insgesamt immer noch eine Leseempfehlung für alle, die mal wieder Lust auf Vampire haben oder einfach einen netten Jugend-Fantasy-Schmöker für zwischendurch brauchen. Spontan würde ich wegen des enttäuschenden letzten Drittels eher drei Sterne vergeben, verrechnet mit dem tollen Beginn ergeben sich aber trotzdem vier.

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Tags: vampir   (1)
 

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87 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

musik, punk, london, 1970er, historisc

Live Fast, Play Dirty, Get Naked

Kevin Brooks , Uwe-Michael Gutzschhahn
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.03.2013
ISBN 9783423249577
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Die Geburtsstunde des Punk. Ein Mädchen in einer Band. Eine Liebesgeschichte. Ein politischer Konflikt … Für ein anspruchsvolles Jugendbuch sind das ja wohl alle Zutaten, die das (musikbegeisterte) Herz sich wünschen könnte. Und dann auch noch von einem meiner absoluten Lieblingsautoren, von Kevin Brooks, geschrieben. Klar, dass ich “Naked“ voller Erwartung verschlungen habe. Aber das Buch war für mich leider eine Enttäuschung.

Lili wird aus dem Nichts heraus vom Star der Schule angesprochen, in seiner Band mitzuspielen. Sie kommt mit ihm zusammen. Sie tritt auf, sie hat Erfolg. Und wie kam sie für mich rüber? Wie ein ständig unzufriedenes, nölendes, egoistisches Mädchen, das nicht weiß, was es will, und dem irgendwie alles egal ist. Was an sich nicht schlimm ist, schließlich ist Lili erst sechzehn Jahre alt. Aber ich hatte kaum jemals das Gefühl, dass die revolutionäre Stimmung des Punk, um die es im Buch ja auch geht, sie auch nur ansatzweise erfasst hat. Dass sie mehr will als nur blass und gefühllos durch die Geschichte zu schlittern. Mein Hauptproblem war also das mit der Hauptperson. Ich wurde mit ihr einfach nicht warm, musste ihre Aktionen für mich ständig rechtfertigen: “Ja, aber mit 16 ist man eben so planlos … Ja, aber mit 16 macht man eben noch alles so mit, ohne Dinge groß zu hinterfragen … Ja, aber mit 16 …” So ging es mir leider das ganze Buch hindurch. 
Dazu kam das “Problem”, dass Lili ihre Geschichte im Rückblick erzählt und dabei noch distanzierter und emotionsloser wirkt. Ich musste an eine abgerockte resignierte Frau denken, die kettenrauchend mit Scheißegal-Stimme mehr widerstrebend aus ihrem Leben erzählt. Nein, ich bin mit der Hautperson wirklich nicht klargekommen.
Curtis, der Typ, der Lili in seine Band holt, war da - für meinen Geschmack - eine Trillion Mal lebendiger beschrieben. Ich hatte direkt das Gefühl, ihm schon live begegnet zu sein (seine Figur verkörpert einfach einen Typ Mensch, den sicher viele aus ihrer Jugend kennen). Was er tat, konnte ich zu hundert Prozent nachvollziehen, es mir lebhaft vorstellen, auch wenn ich es nicht unbedingt gut fand. Mit ihm konnte ich mitfühlen, aber bei Lili fragte ich mich ständig: Hä? Warum macht sie das?
Fraglos spannend war für mich, die Anfänge des Punk mitzuerleben - Kevin Brooks war als Teenie in den 70ern wohl bei so einigen Gelegenheiten selbst dabei. Das wirkte echt, dreckig, wild und verrückt. Die Polit-Story wiederum … kam mir wie ein Fremdkörper in der Geschichte vor. Natürlich gehören die Konflikte in Nordirland in jene Zeit (und sie sind ja auch immer noch aktuell), aber der lange Block, in dem William Lili von seiner  Vergangenheit in Belfast erzählt, fiel so stark aus dem Fluss des Romans heraus, dass er mich auch aus der Geschichte geworfen hat.

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, ist “Naked” trotz allem, was mich daran gestört hat. Wie bei vielen Romanen von Kevin Brooks werden mich seine jeweiligen Themen (hier Punk und Nordirland) sicher noch eine Weile verfolgen, genauso, wie die Figur des Curtis. Dieser Charakter verkörpert das, was ich an vielen von Brooks’ Büchern toll finde: Dass man weder Storys noch Hauptpersonen nach dem Lesen so einfach abschütteln kann. Lili werde ich allerdings wohl nur im Gedächtnis behalten, weil ich mich über ihre Figur einfach zu sehr geärgert habe. Und noch ein Punkt, der das Buch - in meinen Augen - runterzieht: Kevin Brooks lässt es mit meinem meistgehassten Plot-Twist enden. Darum gibt es trotz des interessanten Themas und trotz Curtis von mir “nur” drei Sterne.

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Tags: politik, punk   (2)
 

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127 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

thriller, verschwörung, geheimbund, prag, historisch

Das Buch aus Blut und Schatten

Robin Wasserman ,
Fester Einband: 552 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.06.2013
ISBN 9783401068114
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Viel Drama, aber auch viel Spannung: Das habe ich mir nach der Lektüre des Klappentextes von diesem Buch versprochen. Das Versprechen wurde gehalten, und mehr als das: Der Plot verbindet Jugendthriller mit Mystikroman und spielt auf mehreren Zeitebenen. Doch ist das vielleicht zu viel des Guten?


Los geht’s sehr vielversprechend: Der erste Teil des aus vier Teilen in einem Buch bestehenden Jugendwälzers (hurra, kein Mehrteiler!) ist superspannend aufgebaut. Der Leser lernt Hauptfigur Nora und ihre Freunde kennen und erfährt, wie es zu jener traumatischen Nacht kam. Nora, die sich als Außenseiterin auf der Highschool fühlt, ist zunächst eine typische Hauptfigur, mit der man sich gut identifizieren kann. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als Nora und ihre Freunde - allesamt Latein-Asse - gebeten werden, einige alte Papiere zu übersetzen. Nora bekommt die vermeintlich unwichtigen Briefe einer jungen Dichterin aus dem 16. Jahrhunderts zugeteilt - und taucht schon bald in die Welt der Elisabeth Weston ein. Diese wusste als Stieftochter des Alchimisten Edward Kelley über eine geheimnisvolle Erfindung Bescheid - und dafür interessieren sich plötzlich nicht mehr nur Noras Freunde und ihr Professor … Jemand ist so heiß auf die Briefe, dass er dafür sogar einen Mord begeht - womit sich der Jugendthriller plötzlich zu einem Mystikepos à la Dan Brown entwickelt. 
Im Verlauf des Buches verlagert sich der Fokus der Geschichte durch die Briefe immer mehr in die Vergangenheit - und führt zu einer geheimnisvollen Verschwörung. Als Nora, Adriane und der undurchsichtige Eli nach Chris’ Tod und Max’ Verschwinden in Prag nach weiteren Spuren dieser Verschwörung suchen, kommen gleich mehrere Geheimgesellschaften ins Spiel.


Ich gestehe: Irgendwann im dritten Teil habe ich das Interesse an der immer breiter ausufernden Verschwörungshistorie verloren. Prag als Schauplatz ist zwar farbenfroh und atmosphärisch beschrieben (ich war schon da, was das Ganze noch interessanter macht), auch die Stippvisiten in die Vergangenheit sind für sich gesehen durchaus spannend, aber die Autorin verliert meiner Meinung nach den Fokus ihrer Geschichte aus den Augen (vielleicht habe ich selbst auch nur irgendwann nicht mehr durchgeblickt). Doch je mehr sich die Story um Elizabeth Weston und die mystische Maschine dreht, umso mehr verblassten für meinen Geschmack Nora und Co. Ich fand es auch immer weniger zwingend logisch, was die Teens unternahmen, um die ganze Sache aufzuklären. Dabei kamen den drei Jugendlichen zudem so viele praktische, aber unglaubwürdige Zufälle zu Hilfe, dass es mich immer wieder leicht genervt hat und ich das Buch bis zum blutigen Finale teilweise mehr überflog, um zu wissen, wie es endet, als dass ich wirklich von Charakteren und Handlung gefesselt war.


Fazit
Der klare, vielleicht ein wenig kühle Schreibstil von Robin Wasserman hat mir sehr gut gefallen - die Geschichte an sich nicht ganz so. Für meinen Geschmack ging die Handlung nach einem vielversprechenden, fesselnden Start zu sehr in die Breite, kam mir zeitweise sogar überfrachtet vor. Wer Verschwörungsmystery à la Dan Brown und Geschichten mit mehreren Ebenen mag, dem sollte dieser Jugendthriller allerdings gefallen. Für mich bleibt der Eindruck, dass Autorin Robin Wassermann für ihre verwickelte Story im Laufe des Buches die Charakterentwicklung immer mehr hintenan gestellt hat.

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Tags: geheimgesellschaft, history, mystery, verschwörung   (4)
 

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124 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 52 Rezensionen

liebe, unsterblich, tod, cyrus, seraphina

Everlight - Das Buch der Unsterblichen

Avery Williams , Sabine Thiele
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Knaur, 03.12.2012
ISBN 9783426653265
Genre: Fantasy

Rezension:


Oft stellt man sich aufgrund von Buchcover und Inhaltsangabe schon auf ein bestimmtes Leseerlebnis ein. Mehr, als einem tatsächlich bewusst ist. Manchmal erfüllen sich die Erwartungen, aber manchmal erlebt man auch eine Überraschung. So wie hier. Lange hatte ich keine Lust, “Everlight“ in Angriff zu nehmen, weil ich aus irgendwelchen Gründen (Buchcover und Inhaltsangabe) überzeugt war, einen schwülstigen Romantic-Fantasy-Thriller mit endlosem Leiden, Liebesschwüren und Erotiktouch vor mir zu haben. Aber weit gefehlt. “Everlight” ist ganz anders …

Die Geschichte beginnt 1349, als Sera einen von Cyrus gebrühten Trank zu sich nimmt, der ihre Seele (aber nicht ihren Körper) unsterblich macht. Und dann geht die Handlung auch schon über in die Gegenwart: Sera lebt immer noch, braucht aber in regelmäßigen Abständen einen neuen Körper. Zusammen mit Cyrus, der sie abgöttisch liebt, und einigen anderen Unsterblichen führt sie ein glamouröses, aber einsames Dasein. Sie beschließt zu fliehen - womit eine flotte Flucht- und Verfolgungsstory beginnt, in der Sera den Körper eines bei einem Unfall gestorbenen Teeniemädels übernimmt und sich fortan mit den Schrecken der Highschool und der Familie des Mädchens auseinandersetzen muss. Das ist mitreißend erzählt und hat mich vom Stil her an Teenage-Urban-Fantasy à la Kelley Armstrong oder Rachel Caine erinnert. Avery Williams beschreibt zwar nicht ganz so humorvoll, aber doch schnell und zugleich sehr einfühlsam all die Regeln, die die Welt von Teenagern ausmachen. Wie Sera die Untiefen von Highschoolfreundschaften auslotet und nach und nach herausfindet, wie das verstorbene Mädchen, deren Leben sie übernahm, getickt hat, fand ich sehr spannend aufgebaut.

Nicht ganz so einleuchtend ist, im Nachhinein betrachtet, einiges an der Logik der Geschichte. Sera sträubt sich gegen ihren unsterblichen Gefährten Cyrus, den sie schon lange verabscheut. Aber schafft sie es in mehr als 600 Jahren tatsächlich nicht, erfolgreich gegen ihn aufzubegehren? Und warum hat Cyrus die quengelnde Sera nicht irgendwann satt? 
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Klappentext, der den Beginn der Geschichte eindeutig falsch wiedergibt.
Beide Punkte haben mich ein wenig gestört, aber nicht sehr: Weil mir die unterhaltsame und zuweilen auch tiefgründige Schreibe der Autorin gut gefallen hat, kann ich über einige Ungereimtheiten hinwegsehen. Was ich allerdings als Schlag in den Magen empfand, war das Ende. Ich wunderte mich schon, als die Seiten dahinschwanden und alles auf einen finalen Cliffhanger zusteuerte, ohne Aussicht auf Auflösung. 
Sollte dieses Buch etwa …
Ja, man wird in keinster Weise vorgewarnt, aber “Everlight” ist - Überraschung - der Auftakt zu einer Trilogie. Warum man ein schmales Bändchen mit 235 Seiten (inklusive Illustrationen) zum ersten Teil eines Dreiteilers aufbläst, verstehe ich allerdings nicht. Noch weniger, warum man den Leser nicht warnt, dass noch zwei weitere Teile folgen - das finde ich umso wichtiger, da der vorliegende Teil 1 quasi mitten im spannenden Höhepunkt der Story endet.

Fazit: 
Zuerst top, dann Flop: Erzählstil und Story haben mich zunächst positiv überrascht, dann regelrecht mitgerissen. Die Entdeckung, dass dieses Buch der offen endende Auftakt zu einer Trilogie ist, hat mich allerdings verärgert. Wer dagegen Lust auf Dreiteiler und das ständige Warten auf die Fortsetzungen hat, wer außerdem auf flotte, junge Teenie-Urban-Fantasy steht, findet mit “Everlight” ein schönes, schnelles Buch für Zwischendurch.

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765 Bibliotheken, 11 Leser, 6 Gruppen, 152 Rezensionen

san francisco, liebe, geister, geist, tod

In dieser ganz besonderen Nacht

Nicole C. Vosseler
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei cbj, 25.02.2013
ISBN 9783570155349
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Wer glaubt hier an Geister? Amber, die Heldin aus “In dieser ganz besonderen Nacht” eher nicht. Bis sie selbst einen trifft. Und sich auch noch in ihn verliebt …
Aus dieser Ausgangsidee macht die deutsche Autorin Nicole C. Vosseler eine spannende Ghost-Story – die allerdings halb San-Francisco-Reiseführer ist, denn dort spielt ihre Geschichte. Man merkt der Autorin ihre Begeisterung für die Stadt deutlich an: Manchmal wurden mir die Ortsbeschreibungen sogar etwas zu viel, zumal sie für mein Gefühl das Tempo aus der durchaus spannenden, interessanten Geschichte saugen, die durch die überdetaillierten Schilderungen der Umgebung nämlich selten so richtig atemlos fesselnd wird. Außer zum Ende hin, denn da zieht die Autorin die Spannungsschraube noch einmal kräftig an und wartet mit einigen dramatischen und auch melodramatischen Überraschungen auf. Dann gilt: Achtung, Taschentücheralarm!

Die Story selbst hat mir sehr gut gefallen: Vosseler präsentiert eine schöne, runde, vom Thema her klassische Geistergeschichte. Die Erklärung, warum manche Menschen Geister sehen können, hat mich zwar einerseits überzeugt. Andererseits wirkt es allerdings etwas gezwungen, wenn Amber an ihrer neuen Schule spontan mehrere Gleichaltrige trifft, die die Fähigkeit – genau wie sie selbst – ebenfalls beherrschen. Überhaupt musste ich mit Hauptfigur Amber erst ein bisschen warm werden. Sie trauert um ihre Mutter und zieht sich deshalb von allen zurück – das lässt sie logischerweise nicht sehr zugänglich wirken. Wie sich die Beziehung zwischen ihr und ihrem Vater langsam entwickelt, ist allerdings sehr nachvollziehbar und berührend beschrieben.

Interessant fand ich Ambers Sitzungen bei einer Therapeutin: Auch wenn das Mädchen hauptsächlich schweigt, erhalten die Leser (und Amber) doch einige aufschlussreiche Einblicke in das Thema Trauer.

Neben Hauptperson Amber erzählt auch Geist Nathaniel in der Ich-Form, wie er sich langsam in das fremde Mädchen verliebt.

Fazit
Halb romantische Ghost-Story, halb San-Francisco-Reiseführer: Ein bisschen weniger Schauplatzbeschreibungen hätten das Buch für meinen Geschmack (noch) fesselnder gemacht. Lesenswert ist “In dieser ganz besonderen Nacht” auf jeden Fall - als gefühlvolle Geistergeschichte mit einigen unerwarteten, sehr dramatischen Wendungen, bei denen man Taschentücher parat halten sollte. Das Ende fand ich übrigens besonders schön.

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Tags: alcatraz, atmosphäre, dramatik, geist, san francisco, trauer   (6)
 

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1.243 Bibliotheken, 21 Leser, 10 Gruppen, 236 Rezensionen

dystopie, liebe, day, june, legend

Legend - Fallender Himmel

Marie Lu , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Loewe, 10.09.2012
ISBN 9783785573945
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Diese Geschichte ist schnell, sie saugt den Leser förmlich in ihre Welt hinein, man kommt kaum zum Atemholen. Das liegt inhaltlich wahrscheinlich an der perfekten Mischung aus verbotener Liebe und dem Wissen, das diese wohl kaum gut gehen kann. Denn der Leser ist den beiden abwechselnd in kurzen Kapiteln erzählenden Hauptfiguren immer einen Schritt voraus – und knabbert förmlich an den Nägeln, wenn June und Day unausweichlich in ihr Verderben laufen.

Den Rahmen der Handlung bildet wie in allen Dystopien der Kampf gegen ein ungerechtes, korruptes Regime – hinter dessen Maske Wunderkind June aber erst einmal blicken muss, bevor sie wirklich glaubt, was Rebell Day ihr erzählt. Wie das gelingt, ist beeindruckend glaubwürdig beschrieben – besonders die Schilderungen, wie der Staat seine Leute hintergeht und ihnen Lügen als Wahrheit verkauft, haben mich dabei gefesselt.

Womit ich etwas zu kämpfen hatte, war allerdings die Tatsache, dass die beiden Hauptfiguren erst 15 Jahre alt sein sollen. Ein 15-Jähriger als gefürchteter Terrorist, der mit aller Macht vom Staat gesucht wird? Na gut, das mag angehen. Aber ein 15-jähriges Mädchen, vor dem gestandene Soldaten salutieren, nur weil sie in einem ominösen Test angeblich die Beste seit Republikgedenken war? Das fühlte sich für mich nicht ganz so glaubwürdig an. Auch die Brutalität, die das ganze Buch durch zum Einsatz kommt, hat mich – gerade im Hinblick auf die jungen Helden – erschreckt. Die Liebesgeschichte, die sich zwischen den beiden entwickelt, ist zwar fesselnd und nach Romeo-und-Julia-Anforderungen klassisch gestaltet, für mich aber im Hinblick auf bestimmte Wendungen der Handlung ebenfalls nicht zu hundert Prozent nachvollziehbar. Trotzdem vergebe ich vier Sterne, weil mich die Story einfach mitgerissen hat. In Sachen Spannung erreicht Autorin Marie Lu ohne Frage die volle Punktzahl.

Fazit
Eine actionlastige, thrillerspannende Zukunftsvision, die auch noch zum Nachdenken anregt: Aufgrund dieser Eckdaten sollten Fans von Jugend-Dystopien auf jeden Fall zugreifen - “Legend” ist der Konkurrenz auf diesem Gebiet meiner Meinung nach weit überlegen. Ein bisschen unpassend kam mir allerdings das junge Alter der Hauptfiguren vor - es ließ die heftige Story in meinen Augen manchmal etwas unlogisch erscheinen.

Am Ende dieses Trilogie-Auftakts wartet zwar kein echter Cliffhanger, abgeschlossen ist die Geschichte aber natürlich noch nicht.

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102 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

fantasy, götter, dschungel, feuer der götter, stadt

Feuer der Götter

Stefanie Simon
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.02.2013
ISBN 9783426511985
Genre: Fantasy

Rezension:


Einen ungewöhnlichen Fantasy-Schauplatz entwirft die deutsche Autorin Stefanie Simon in “Feuer der Götter”. Mich haben ihre Beschreibungen an die Welten der Maya, Inka oder Azteken denken lassen – was vielleicht auch von den gewählten Namen und Bezeichnungen für Menschen, Tiere und Pflanzen beeinflusst wurde. Andere fühlen sich offenbar an die Welt von “Avatar” erinnert.

Was das Buch einerseits zu etwas Besonderem macht, hat mich andererseits besonders gestört: Es hat bestimmt knapp hundert Seiten gedauert, bis ich mir ein zufriedenstellendes Bild von der Welt und damit auch von der Geschichte an sich machen konnte. Denn die Bezeichnungen für Menschen, Tiere und Pflanzen werden ohne große Erklärungen verwendet, zudem haben die teils unaussprechlichen Namen mir den Lesefluss erschwert. Wenn ich das Buch nicht für eine Rezension eingeplant hätte, hätte ich es definitiv nicht zu Ende gelesen.

Im Nachhinein bereue ich es allerdings nicht, dass ich mich durch die Anfangsschwierigkeiten gequält habe. Die eigentliche Story, bei der es grob gesagt um das Aufdecken der Geheimnisse der Götter geht, ist interessant aufgebaut, und so schwer ich mir die Welt anfangs vorstellen konnte, war sie letztlich der Aspekt des Buches, der mir am besten gefallen hat. Von einem solchen Schauplatz habe ich bisher selten gelesen.

Die Charaktere und ihre Handlungen haben mich dagegen nicht so sehr überzeugt. Der als Gott ausgewählte Royia wirft sein Schicksal weg, auf das er ein Leben voller Entbehrungen lang vorbereitet wurde – nur wegen einer kryptischen Botschaft, die ihm ein Fremder überreicht? Das kam mir nicht glaubwürdig vor. Und auch wenn sich die Liebesgeschichte zwischen Royia und der Heldin Naave schön langsam entwickelt, konnte ich nicht ganz nachvollziehen, wieso der Funke zwischen den beiden überhaupt überspringen konnte. Daneben kamen mir viele entscheidende Wendungen der Story zu konstruiert oder auch zufällig vor. Die Charaktere treiben nicht die Handlung voran, sie lassen sich treiben – das war zumindest mein Eindruck.

Fazit
Wenn ich mich auf den diversen Rezi-Portalen so umschaue, hat dieses Buch vielen Lesern sehr gut gefallen. Vielleicht lag es bei mir am hakeligen Beginn mit einigen Verständnisproblemen, vielleicht ist es einfach Geschmackssache: Überzeugen konnte mich “Feuer der Götter” weder von den Charakteren noch vom Verlauf der Handlung her. Dass ich das Buch trotzdem interessant fand, liegt am flüssigen, an High-Fantasy-Literatur erinnernden Schreibstil und an der fantasievollen Weltenkonstruktion.

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Tags: götter, verrat   (2)
 

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2.885 Bibliotheken, 28 Leser, 5 Gruppen, 291 Rezensionen

liebe, berlin, freundschaft, elyas, kirschroter sommer

Kirschroter Sommer

Carina Bartsch , ,
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 25.01.2013
ISBN 9783499227844
Genre: Liebesromane

Rezension:


Das Buchcover zeigt Kirschblüten und einen sehr attraktiven jungen Mann mit sanft-entrücktem Gesichtsausdruck – ich muss zugeben, dass er wohl der Hauptgrund für meinen Spontankauf von “Kirschroter Sommer” war. Erhofft habe ich mir eine Geschichte voller Romantik und Atmosphäre sowie – nach kurzem Reinlesen im Laden – eine ordentliche Prise Humor. Letztere Erwartung wurde erfüllt: Ich-Erzählerin Emely hat eine dermaßen sarkastisch-ironische Art drauf, dass ich gleich mehrmals von ihren frechen Sprüchen beeindruckt war. So schlagfertig möchte ich auch einmal sein. In Sachen Romantik und vor allem Atmosphäre erlebte ich allerdings eine Enttäuschung: Für meinen Geschmack fehlte beides völlig.

Was mich beim Lesen immer wieder erstaunte, war, wie pappkulissig sämtliche Schauplätze auf mich wirkten. Die Geschichte soll in Berlin spielen – aber zu keiner Zeit kommt so etwas wie Hauptstadt- oder auch nur Großstadtflair auf. Die Figuren fahren nur Bus, es kommt kein echt existierender Ort vor – die Story könnte in jeder x-beliebigen Kleinstadt passieren. Und zum Titel: Sommerfeeling habe ich auch keines empfunden.

Zum Glück erwachen die Figuren etwas mehr zum Leben, allen voran die Heldin Emely, eine Studentin Anfang Zwanzig, die als Hardcore-Pessimistin oft amüsiert, genauso oft aber auch extrem nervt. Ihre beste Freundin Alex wird von ihr durch diesen und den Folgeband hindurch nur als “Giftzwerg” bezeichnet. Oft weiß man wirklich nicht, warum die beiden überhaupt befreundet sind, aber immer wieder schimmert zum Glück doch die gegenseitige Sympathie und langjährige Freundschaft durch. Die Hassliebe zu Elyas, die als Thema das Buch ausmacht, kommt noch deutlicher zur Geltung. Manchmal übertreibt Emely mit ihrer Abneigung aber auch dermaßen, dass das Ganze auf mich einfach nur unglaubwürdig wirkte.

Was mich richtig genervt hat: Emelys Monologe, wie hohl sie doch shoppen und Kleidung findet, dass sie ja keinerlei Wert auf ihr Äußeres legt, dass sie lieber samstags lernt, statt Party zu machen … blablabla. Ihr Verhältnis zu Sex ist das einer circa 12-Jährigen: Es reicht von albernem Gekreische, wenn sie ihre Mitbewohnerin, mit der sie sich im Uni-Wohnheim ein Schlafzimmer teilt (sic!), mit Freund im Bett erwischt, bis hin zu Ihbäh-Gekreische, wenn die Stellung etwas ausgefallener ist. Das hat mich zwar teilweise durchaus amüsiert, manchmal war beim Lesen aber auch Fremdschämen angesagt.
Auf der anderen Seite hat mich der Schlagabtausch zwischen Emely und Elyas doch immer wieder fasziniert. Schnell merkt man, dass die beiden eigentlich zusammengehören und nur Angst vor der Liebe haben. Um das (happy?) Ende zu erfahren, muss man allerdings erst Teil 2 “Türkisgrüner Winter” kaufen – was ich direkt nach dem Durchrasen von Teil 1 getan habe, soviel also zum Suchtpotential.

Fazit
Toller Schreibstil, lebendige Atmosphäre oder Romantik? Fehlanzeige, darauf habe ich jeweils vergebens gewartet. Eine Heldin, die mich einerseits genervt, aber gleichzeitig fasziniert hat, und ein Macho-Held, der durch seine Verletzlichkeit extrem anziehend wirkte, haben mich aber doch in ihren Bann gezogen. Ein Extra in Sachen Lesespaß bietet die Schlagfertigkeit der Heldin - bewundernswert. Insgesamt ein zwiespältiger Auftakt zu einem Zweiteiler, der mich oft genauso geärgert wie gefesselt hat. Die Sterne gibt’s also hauptsächlich für die witzigen Sprüche und den Suchtfaktor, den das Buch auf mich ausgeübt hat - und für den hübschen Typen auf dem Cover.

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Tags: drama, romantik   (2)
 

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707 Bibliotheken, 14 Leser, 4 Gruppen, 144 Rezensionen

zirkus, magie, liebe, fantasy, celia

Der Nachtzirkus

Erin Morgenstern , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 460 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 15.03.2012
ISBN 9783550088742
Genre: Fantasy

Rezension:


Eine vielversprechende Ausgangsidee, ein schönes Cover, Lob von Audrey Niffenegger und begeisterte Reaktionen der Kritiker: Dieses Buch stand schon lange auf meiner Wunschliste. Bei so vielen Vorschusslorbeeren war ich zuerst allerdings etwas vorsichtig, aber eine überzeugende Leseprobe hat mich dann endgültig neugierig gemacht. 

Und tatsächlich: Die ersten hundert Seiten flogen nur so dahin. Allerdings geht es längst nicht nur um Celia und Marco, die zu Beginn der Erzählung im Jahr 1873 noch Kinder sind, sondern auch um die Entstehung des Zirkus, an der verschiedene Menschen beteiligt sind, deren Schicksale - zu verschiedenen Zeiten - man als Leser mitverfolgt. Und damit begannen für mich die “Probleme”. Denn für meinen Geschmack zerfaserte die Handlung so sehr, dass ich sie einfach nicht mehr fesselnd fand. Das Vor- und Zurückgespringe mittels der recht kurzen Kapitel durch die Zeiten hat mich zudem aus dem Lesefluss geworfen, weil ich immer wieder gucken musste, wer gerade in welcher Zeit unterwegs ist, wer wie alt ist und so weiter. Was bei “Die Frau des Zeitreisenden” für mich hervorragend funktioniert hat, hat mich hier genervt. 

Daneben fand ich die ausufernden Schilderungen über die Zirkuswunder zwar interessant - die Attraktionen sind unglaublich fantasievoll beschrieben - aber ich konnte nicht immer nachvollziehen, was sie mit der sich hinziehenden Story zu tun hatten. Diese nimmt im letzten Viertel wieder Tempo auf und wird dann sogar noch richtig fesselnd, sodass ich die letzten Seiten quasi atemlos vor Spannung gelesen habe. Dann konnte ich auch endlich (wieder) mit den beiden eigentlichen Hauptpersonen Celia und Marco mitfiebern, die während des gesamten Mittelteils für meinen Geschmack viel zu sehr zu Randfiguren verkommen. Erst am Ende habe ich sie so kennengelernt, wie ich es mir für die Helden eines Buches - insbesondere eines über eine “verbotene Liebe” - gewünscht hätte. 
Viel interessanter kam mir da der Handlungsstrang über den Jungen Bailey und die Artisten-Zwillinge Poppet und Widget vor, die sich miteinander anfreunden. Hier konnte ich ohne Probleme mitfühlen. Aber so ziemlich alle anderen Charaktere - bis auf die Gruppe der Zirkus-Fans, eine sehr schöne Idee - blieben fast erschreckend blass und undurchschaubar.

Erin Morgensterns nüchternen, eher aus der Entfernung beobachtenden Schreibstil fand ich zwar sehr angenehm zu lesen, er hat den “Nur-dabei-statt-mittendrin“-Eindruck aber natürlich noch verstärkt.

Fazit
Ein vielversprechender Beginn, ein sehr bedächtiger, handlungsmäßig einen weiten Bogen schlagender Mittelteil und der furiose Abgang ergeben zusammen genommen ein eher zwiespältiges Leseerlebnis. Einzelne Teile von “Der Nachtzirkus” haben mich wirklich beeindruckt, insbesondere die Beschreibungen der Zaubereien mit Wunschbäumen, magischen Karussells, Papierwäldern und Eisgärten sowie das für mich sehr gelungene, gefühlvolle Ende. Insgesamt ging mir die Story aber zu sehr in die Breite statt in die Tiefe, sodass ich mich unterwegs öfter mal regelrecht gelangweilt habe.

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372 Bibliotheken, 8 Leser, 3 Gruppen, 60 Rezensionen

unsterblichkeit, liebe, dschungel, jessica khoury, wissenschaft

Die Einzige

Jessica Khoury , Ursula Höfker
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.01.2013
ISBN 9783401068695
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Stell dir vor, dein ganzes Leben lang war es dein größter Traum, eine Wissenschaftlerin zu werden. Du wurdest gefördert, hast gelernt und hart gearbeitet, jetzt fehlt nur noch der alles entscheidende Test. Doch was du da tun sollst, scheint sinnlos zu sein. Und schlimmer noch: Es kommt dir brutal, herzlos und falsch vor. Worum geht es hier – um Gehorsam? Sollst du dich überwinden und mitmachen – oder ist alles nur eine große Lüge?

Der Gewissenskonflikt, in dem die 17-jährige Hauptperson Pia steckt, hat mich wirklich gefesselt. Wie sie sich vom naiven, autoritätsgläubigen Mädchen zu einer jungen Frau wandelt, die sich eine eigene Meinung bildet, ist nachvollziehbar erzählt und hat mich um einiges mehr beeindruckt als die zarte Liebesgeschichte. Die kommt zwar auch süß und herzerwärmend rüber, ist aber mehr angedeutet.

Eio, der Junge, der zu einem Eingeborenen-Stamm gehört, hat über die üblichen Love-Interest-Merkmale wie gutes Aussehen, Freundlichkeit und Beschützerdrang nicht viel an weiteren Charakterzügen zu bieten. Und auch sein Stamm wird nur vage beschrieben. Man erfährt ein bisschen über die stammeseigenen Mythen, die mit Pias Schicksal zu tun haben, mehr aber auch nicht. Weitaus greifbarer waren für mich die Schilderungen des Camps, in dem Pia – und alle anderen Wissenschaftler – eingesperrt leben, sowie die Beschreibungen des Dschungels. Ich konnte mir alles wunderbar vorstellen: den Regenwald mit seinen fremdartigen Pflanzen und Tieren, aber auch das Camp, in dem alle auf den ersten Blick wie in einer großen glücklichen WG zusammenleben, in der Pia als einzige Jugendliche alle Erwachsenen “Onkel” oder “Tante” nennt. Erst nach und nach erkennt man, dass unter der harmonischen Oberfläche tödliche Konflikte lauern.

Wie diese enthüllt werden, verlief dann für meinen Geschmack nicht sehr übersichtlich und auch nicht so interessant wie Pias Entwicklung. Dabei wurde gerade um einen bestimmten “Zwischenfall” aus der Vergangenheit viel Spannung aufgebaut, die letztlich eher verpuffte. Auch die Beziehungen zwischen den Charakteren wirkten auf mich teilweise etwas platt erklärt. In der Bewertung schwankte ich ein wenig zwischen drei und vier Sternen, habe mich aber doch für vier entschieden, weil mir der intensive Schreibstil sehr gefallen hat und ich mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt habe.

Fazit
Ist dieses Buch überhaupt Fantasy? Oder ist es mehr ein Wissenschaftsthriller … oder vielleicht sogar Science Fiction? “Die Einzige” lässt sich nicht so recht einordnen und hält auch sonst Stoff zum Nachdenken bereit. Zum Beispiel darüber, wie viel man anderen unbesehen glauben darf, und wann man sich besser auf die eigene Intuition – und nicht zuletzt auf seinen gesunden Menschenverstand – verlassen sollte.

Die Liebesgeschichte ist hier eher nettes Beiwerk. Beeindruckend fand ich neben der Schilderung der Gewissenskonflikte auch die Beschreibungen des Dschungels.

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406 Bibliotheken, 6 Leser, 9 Gruppen, 108 Rezensionen

drachen, fantasy, serafina, liebe, jugendbuch

SERAFINA - Das Königreich der Drachen

Rachel Hartman , Petra Koob-Pawis
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei cbj, 19.11.2012
ISBN 9783570152690
Genre: Jugendbuch

Rezension:

“Einer der besten Drachenfantasy-Romane, den ich je gelesen habe”, sagt Christopher Paolini über dieses Buch. Und – er hat recht. Rachel Hartmann erweckt glaubwürdige Drachen zum Leben, die wunderbar lebendig all das verkörpern, was man aus den unterschiedlichsten Quellen kennt – und die doch ganz einzigartig wirken. Überhaupt nehmen alle Charaktere – Drachen genauso wie Menschen – sehr individuelle Formen an. Trotz der großen Besetzungsliste bin ich bei den Figuren nie ins Schleudern gekommen (zudem gibt es im Anhang eine ausführliche Übersicht).

Normalerweise bin ich kein Fan von erfundenen Zungenbrecher-Namen, hier fand ich alle sehr passend, eingängig – und teilweise sogar richtig witzig. Schänken mit Namen wie der “Alberne Affe“, wie die Menschen miteinander reden und die Armada seltsamer Heiliger, zu denen sie beten, ließen mich sogar ab und zu an Terry Pratchett denken. Rachel Hartmanns Humor ist zwar weniger albern und auch nicht so spitzfindig wie Pratchetts, dafür feiner, manchmal aber genauso bissig. Denn in Serafinas Welt mit den vielen Königreichen und Herrschern, wo Menschen und Drachen teils zähneknirschend, teils aus echter Überzeugung versuchen, miteinander auszukommen, erinnert vieles doch verdächtig an unsere “echte” Welt. Zum Beispiel, wie sich die Gruppen gegenseitig diskriminieren – angefangen mit den Glöckchen, die die Drachen als Erkennungszeichen tragen müssen, wenn sie sich in ihrer menschlichen Gestalt unter den Menschen bewegen.

Auf den ersten Blick sind die Drachen nicht unbedingt als solche zu erkennen, was Serafinas Dilemma umso tragischer macht: Sie sieht zwar aus wie ein Mensch – aber müsste sie als Halbdrache nicht trotzdem dem Mann, in den sie verliebt ist, die Wahrheit sagen? Und was ist mit ihrem Vater, dessen Liebe sie sich nach 16 Lebensjahren immer noch nicht sicher ist? Oder sollte sie lieber die Verschwörung aufdecken, die sich rund um die königliche Familie entspinnt?

Was die intrigenreiche Handlung erst so richtig fesselnd macht, sind die tollen Charaktere. Die musikalisch begabte Serafina ist eine Heldin, die einerseits zurückgezogen lebt, andererseits selten ein Blatt vor den Mund nimmt und (theoretisch) auch ohne ihr Love Interest auskommen könnte – sie muss weder gerettet noch (wie in Dystopien gern üblich) zu irgendeiner Einsicht gebracht werden. Stattdessen ist sie schlau, macht aber auch mal Fehler, sie ist mutig, ohne besonders tollkühn zu erscheinen. Auch den anderen Charakteren kauft man ihre Motive ab – sie sind nicht nur Handlungshelfer, sondern gehören in die Geschichte und erwecken sie als Ensemble zum Leben.

Die Story an sich wird mit viel Liebe zum Detail erzählt – das sollte man schon mögen. Der ruhige Erzählton, das schön beschriebene, mittelalterliche Setting und die verrückt-fantasievollen Einsprengsel (Serafinas “Garten der Grotesken”) haben mir darüber hinaus sehr gut gefallen.

Fazit
Neben dem flotten, fein-witzigen Schreibstil, der absolut überzeugenden Weltenausgestaltung und den glaubwürdigen, facettenreichen Figuren hat mich auch die Handlung überzeugt: Höfische Intrigen, familiäre Abgründe, (nicht nur) eine verbotene Liebe und ein gelungener Spannungsaufbau ergeben zusammen ein buntes Fantasy-Abenteuer zum Mitfiebern. Ein kleiner Wermutstropfen war für mich, dass gegen Ende schließlich alles erst sehr turbulent, dann für meinen Geschmack etwas zu glatt ausgeht. Und ein zweiter Minuspunkt: die Entdeckung, dass es eine Fortsetzung gibt. Ich bin inzwischen überhaupt kein Fan mehr von Trilogien und hatte mich gefreut, anscheinend einen Einzelband zu lesen. Aber mal schauen: Vielleicht setzt Rachel Hartman ihre Serafina-Serie ja so furios fort, wie sie sie begonnen hat.

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Tags: drachen, humor, mittelalter, verschwörung   (4)
 

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(241)

542 Bibliotheken, 2 Leser, 6 Gruppen, 121 Rezensionen

dystopie, königin, liebe, fantasy, sprachen

Dark Queen - Schwarze Seele, schneeweißes Herz

Kimberly Derting , Tanja Ohlsen , Ugla Huld Hauksdóttir
Fester Einband: 362 Seiten
Erschienen bei INK, 08.03.2012
ISBN 9783863960179
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Fantasy oder Science Fiction? Bei diesem Buch bin ich mir immer noch nicht sicher. Nachdem zunächst von einer bösen Königin, einer von Mauern umschlossenen Stadt mit engen Gassen und Charlainas ärmlicher Herkunft die Rede war, hatte ich mir den Schauplatz dieser Geschichte eher fantasy-artig, mittelalterlich angehaucht vorgestellt – bis die Protagonisten in einen Club gehen, um zu wummernden Bässen abzutanzen. Ich war verwirrt – und komme damit gleich zu meinem Problem mit diesem Buch: Es ist einfach zu wenig anschaulich, es erweckt keine eindeutigen Bilder von dem, was passiert – jedenfalls nicht für mich. Dabei klingt die Inhaltsangabe so spannend – ich hatte mich richtig auf diesen Roman gefreut.

Zuerst dachte ich noch, ich wäre beim Lesen abgelenkt gewesen, aber auch ein zweiter Anlauf brachte kein anderes Ergebnis: Weder sind die Charaktere noch die “Welt”, in der die Story spielt, für mich zum Leben erwacht. Dabei ist die Geschichte an sich gut durchdacht und sogar sehr interessant: die Idee mit den trennenden Sprachen, die böse Königin, dazu eine Endzeit-Szenerie mit illegalen Clubs und verlassenen U-Bahn-Tunneln, in denen sich Rebellen treffen … Aber mir gingen weder die Schauplätze noch die Hauptfiguren und ihre Liebe oder die Nebendarsteller und ihre jeweiligen Hintergrundstorys nahe. Des Öfteren war ich zudem richtig verwundert über den Fortgang der Handlung und fragte mich, warum Charlaina jetzt dies oder jenes tut – ich konnte ihren Charakter einfach nicht zu fassen bekommen, genausowenig wie den ganzen Roman.

Fazit
Von Kimberly Derting, die mit der “Bodyfinder”-Serie sehr routiniert spannende Jugend-Fantasy-Krimis vorgelegt hat, hätte ich mehr erwartet. Ihr Dystopie-Fantasy-Crossover bleibt für meinen Geschmack viel zu blass – es hat mich einfach nicht gepackt. Dabei klingt die Geschichte selbst sehr vielversprechend. Doch “Dark Queen” ist für mich nur ein gutes Gerüst geblieben – ohne “Fleisch auf den Knochen”.

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Tags: böse königin, dystopie, fantasy, rebellen, spreche   (5)
 

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1.595 Bibliotheken, 19 Leser, 9 Gruppen, 223 Rezensionen

paris, liebe, revenants, fantasy, vincent

Von der Nacht verzaubert

Amy Plum , Ulrike Brauns
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Loewe, 26.03.2012
ISBN 9783785570425
Genre: Fantasy

Rezension:

Nach nur wenigen Seiten “Von der Nacht verzaubert” war ich schon genau das – verzaubert, und zwar von den Paris-Beschreibungen in diesem Buch. Ich konnte mich kaum zurückhalten, nicht gleich den nächsten Paris-Urlaub zu buchen, um mir alle Schauplätze mit eigenen Augen anzusehen. Da kann ich es auch nicht besonders schlimm finden, dass die eigentliche Story alles andere als überraschend verläuft.

Trauriges, einsames Mädchen trifft wunderschönen Jungen. Mädchen verliebt sich – und gegen jede Wahrscheinlichkeit verliebt sich der schöne Junge auch in sie. Dann entdeckt sie sein übernatürliches Geheimnis, muss ihn retten und sich retten lassen, alles mit der Hilfe seiner charismatischen und natürlich ebenfalls überirdisch schönen Freunde …
Wie oft habe ich einen solchen Plot in den letzten zwei, drei Jahren schon gelesen? Ich weiß es nicht mehr – aber es war ziemlich oft. Daher kann ich bei manchen Story-”Wendungen” wirklich nur noch die Augen verdrehen. Zum Beispiel, wenn der keusche Jüngling es im Gegensatz zum Mädchen nur bei sanften Küssen belassen will, wenn er sie stalkerhaft überallhin begleitet und “beschützt”, wenn er sie stundenlang über ihre Lieblingsfarben und Ähnliches ausfragt … Ja, all das und mehr darf Hauptperson Kate in “Von der Nacht verzaubert” erleben. Aber offenbar findet sie das so toll, dass sie nicht ein einziges Mal von ihren neuen Mitschülern und der neuen Schule spricht, sondern sich ganz allein auf ihre frisch erwachte Liebe zu Vincent konzentriert.

Ja, die Story macht Zahnschmerzen wie zu viel Caramac, ist aber auch genauso süß, süchtig machend – und so charmant erzählt, dass ich nicht ernsthaft böse sein kann. Zudem beruht das magische Geheimnis auf einer Idee, die ich so bisher noch nicht gelesenen habe: Denn Vincent und seine Freunde sind sogenannte Revenants, Unsterbliche, die Menschen retten und für sie ihr Leben lassen, um kurz darauf wieder aufzuerstehen. Aber auch Schutzengel haben Feinde – welche sie töten können. Ein Konflikt, in den Kate mitten hinein gerät – der aber wohl nur Leser vollends fesseln kann, die noch nie einen der gängigen Jugend-Romantasy-Romane gelesen haben.

Der Schreibstil selbst fällt nicht weiter aus dem Rahmen. Die in der Ich-Form aus Kates Sicht erzählte Geschichte fließt flott dahin. Wären allerdings nicht die tollen Paris-Beschreibungen gewesen, hätte ich wohl eher drei Sterne vergeben. So aber sind es doch vier– auch für die Aufmachung: Das Cover ist mit Abstand eines der schönsten des vergangenen Jahres.

Fazit
Für Paris-Fans (und solche, die es werden wollen) und für hoffnungslose Romantiker: “Von der Nacht verzaubert” bietet handlungsmäßig zwar keine großen Überraschungen, aber dafür sympathische Charaktere und so mitreißende Schauplatz-Schilderungen, dass ich jetzt doch meinen nächsten Paris-Urlaub plane, mit diesem Buch als Reiseführer im Gepäck.

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Tags: kitsch, paris, revenant, romantik, schutzengel, untote   (6)
 

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(109)

182 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

zukunft, unfall, medizin, leben, tod

Zweiunddieselbe

Mary E. Pearson , Gerald Jung , Katharina Orgaß
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 23.08.2012
ISBN 9783596512607
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Eigentlich sollte man über den Inhalt dieses Buches so wenig wie möglich sagen. Viel zu schnell hat man etwas verraten, was das Rätselraten um Jennas Geschichte verdirbt. Also nur soviel: Ich war von der ersten Seite an von Jennas Schicksal gefesselt. Da sie in der Ich-Form erzählt, weiß man als Leser nie mehr als die Hauptfigur selbst – und die kommt nur langsam ihrer Vergangenheit auf die Spur.

Jennas Suche erzählt die Autorin Mary E. Pearson in einem nicht übermäßig auffälligen oder bilderreichen, aber sehr pointierten, intensiven Stil, bei dem sie ständig kleine Hinweise fallen lässt, die die Spannung hochhalten und es fast unmöglich machen, das Buch zur Seite zu legen. Das Geschehen erlebt man dabei unmittelbar durch Jennas Augen mit: wie sie sich anhand von Videos, die ihre Eltern von ihr als Baby, Kind und Jugendliche aufgenommen haben, langsam wieder an sich selbst erinnert. Wie sie versucht, neue Freunde zu finden – und sich überhaupt an den Umgang mit anderen Menschen erst wieder gewöhnen muss. Und wie sie schließlich ein unglaubliches Geheimnis aufdeckt …

Wer sich von diesem Geheimnis voll und ganz überraschen lassen will, sollte jetzt aufhören zu lesen

Für alle anderen kann man noch verraten, dass das Buch in einer nahen, nicht genau bezeichneten Zukunft spielt. Eine Trilogie zu einem ähnlichen Thema gibt es übrigens von Robin Wassermann – ebenso fesselnd, ebenso gut geschrieben, aber eben in drei Bänden erzählt, was das Thema einerseits vertieft, es über die Länge der Bände aber auch weniger zwingend erscheinen lässt (wer Trilogien nicht mag: Teil 2 der Wassermann-Romane kann man auch gut einzeln lesen, ohne die beiden anderen Teile kennen zu müssen).

Fazit
Faszinierend, was für einen Sog diese Geschichte entwickelt und welche Kraft in Jennas Sicht der Welt steckt – das ist einfach toll geschrieben, als würde man mit der Hauptfigur zusammen durch ihr Leben stolpern und alle Erfahrungen live mitmachen. Das Grundthema ist dabei ein Klassiker: eine Hauptfigur, die nicht weiß, was mit ihr passiert ist, und die Licht in ihre Vergangenheit bringen will. Wer vorher nicht zuviel über den Inhalt des Buches erfährt, kann sich auf ein spannendes, aber auch zum Nachdenken anregendes Leseerlebnis freuen.

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Tags: rätsel, spurensuche, verwandlung, zukunft   (4)
 

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(1.149)

2.136 Bibliotheken, 31 Leser, 20 Gruppen, 329 Rezensionen

liebe, wölfe, sam, fantasy, grace

Nach dem Sommer

Maggie Stiefvater , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 423 Seiten
Erschienen bei script5, 01.09.2010
ISBN 9783839001080
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Erzählt wird die Geschichte jeweils abwechselnd von den beiden Hauptpersonen selbst, nämlich von Grace, dem Mädchen, und Sam, dem Werwolf. Die beiden “kennen sich” schon seit Jahren, seit Grace als kleines Mädchen von einem Rudel Wölfe, Sams Rudel, angefallen wurde, er sie jedoch in Wolfform beschützte. Darum ist Grace auch nicht besonders erstaunt, als sie einen nackten, verletzten Jungen mit gelben Augen auf der Veranda ihres Elternhauses findet. Ihr ist sofort klar: Das kann nur ihr Wolf sein. Womit leider der erste Stolperstein der Handlung erreicht wäre. Gut, Grace macht sich schon vorher Gedanken über Werwölfe, die Autorin führt das Thema auch gar nicht ungeschickt ein, aber es läuft mir doch etwas zu glatt. Was ich durchaus so hinnehmen könnte und es im Laufe der Geschichte vergessen könnte, wäre da nicht eine weitere große Ungereimtheit: Grace selbst.

Ich muss leider zugeben, dass ich mit Grace nie hundertprozentig warmgeworden bin. Sie muss mindestens 16 Jahre alt sein (sie fährt schon Auto), aber sie wird als Mädchen beschrieben, das sich noch nie für Jungen interessiert hat und regelrecht empört reagiert, als eine ihrer zwei besten Freundinnen auf einmal alles daran setzt, einen Boyfriend zu finden. Damit wirkt Grace extrem naiv, sogar kindlich, und man sollte meinen, sie wäre zumindest ein bisschen unsicher, wenn sie plötzlich einem splitternackten Jungen gegenübersteht. Aber nichts da. Als Sam sich von seiner Verletzung erholt hat, macht sie ihn mit reichlich plumpen Flirtsprüchen an, die überhaupt nicht zur vorigen Beschreibung ihres Charakters passen. Und dann lädt sie ihn auch noch in ihr Bett ein – nur zum Schlafen, natürlich. Und das tun die beiden dann auch, ohne dass zwischen ihnen, die sich seit Jahren nacheinander sehnen, auch nur das kleinste bisschen passiert. Keine scheuen Berührungen, keine geflüsterten Gespräche. Das kommt mir so unlogisch und unnachvollziehbar vor, dass es leider weder der wunderschöne Schreibstil ganz rausreißen kann, noch der zweite große Vorteil des Buches: Und das ist Sam.

Die Figur des schüchternen Werwolfs, der Gedichte und Songs schreibt, der in einem Buchladen jobbt und aussieht wie ein vergessener Beatle, ist einfach zu herzzerreißend süß beschrieben. Ihn begleitet man gerne bei seinem Kampf, Mensch bleiben zu wollen, und bei seinen Versuchen, das Rudel der Mitwerwölfe zu retten. Die Idee, dass die Temperatur und nicht der Mond für die jeweilige Gestalt der Werwölfe verantwortlich ist, macht das Buch einzigartig. Daneben sorgt der unverwechselbare Schreibstil für eine romantische, leicht melancholische Grundstimmung.

Fazit
Was beim Lesen gleich auf der ersten Seite auffällt, ist die poetische, bilderreiche, fein gesponnene Sprache. Diese Sätze sind ein wahres Vergnügen, sie perlen dahin wie süffiger Sekt. Leider kann ich das von meinem Gesamteindruck nicht behaupten, denn es gibt doch einige Punkte, die mir den ganz großen Spaß vermiest haben. Wenn es rein nach dem Stil und der Idee gehen würde, wären es für mich glatte fünf Sterne. Doch da gibt es die genannten Ungereimtheiten in der Charakterzeichnung, außerdem ähneln sich die Erzählstimmen von Grace und Sam für meinen Geschmack viel zu sehr. Einige nicht ganz nachvollziehbare Story-Wendungen kommen dazu, sodass ich wegen des doch eher uneinheitlichen Gesamteindrucks insgesamt sehr gute drei Sterne vergebe.

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Tags: dramatik, kampf, poesie, verwandlung, werwolf   (5)
 

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(26)

72 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

liebe, fantasy, scarlett, barbara baraldi, schule

Scarlett - Die Liebe hat Augen wie Eis, der Tod hat Augen wie Feuer

Barbara Baraldi , Barbara Neeb , Katharina Schmidt
Fester Einband: 428 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag, 25.11.2011
ISBN 9783833900488
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Heldin zieht neu in die Stadt? – Ja!
Sie ist unsicher, findet aber sofort Freundinnen und ein Schulkamerad verliebt sich in sie, den sie selbst jedoch nur als Kumpel betrachtet, unter anderem weil eine ihrer neuen Freundinnen schon seit ewig in ihn verknallt ist? – Auch ja!
Ein überirdisch schöner Junge, hinter dem alle Mädchen herschmachten, der aber nur mit anderen Überirdischen rumhängt, erregt ihre Aufmerksamkeit – und verliebt sich in sie? – Jahaa!
Ist “Scarlett” darum ein “Twilight“-Doppelgänger? Wenn man die harten Fakten betrachtet, ergeben sich durchaus einige Ähnlichkeiten, zumal der Stil auch noch durch seine Blumigkeit, gewürzt mit einer Prise Selbstironie und Sarkasmus auffällt. Aber trotzdem ist “Scarlett” auch ein sehr eigenes Buch.
So erzählt die italienische Autorin Barbara Baraldi in einem individuellen Tonfall, der insbesondere jüngere Leserinnen ansprechen dürfte, klingt er doch extrem nach Tagebuchschwärmerei und jugendlicher Sinnsuche. Obwohl das Geschehen in Baraldis Heimat Italien stattfinden soll, merkt man vom Lokalkolorit nicht sehr viel. Die klassische Highschool-Romanze hätte sich ebensogut am Gymnasium nebenan abspielen können. Was man allerdings auch als Stärke werten kann, denn (vor allem jüngere) Leserinnen können sich so bestimmt sehr gut in die Geschichte hineinversetzen – genauso wie in die Figuren. Okay, vielleicht nicht gerade in die Clique der Schönen und Geheimnisvollen um Scarletts Schwarm Mikael. Aber Scarlett und ihre Freunde wirken im Vergleich dazu umso normaler, etwa so, wie die Schüler aus der Parallelklasse.

Aus dem Gegensatz zwischen Scarletts normaler Welt inklusive glaubhafter, genervter Eltern sowie dem anhänglichen kleinen Bruder und ihrem überschönen, aber ansonsten relativ nuancenlosen Geliebten entsteht der eigentliche Sog des Buches. Denn die fast surreale, traumähnliche Atmosphäre passt einfach perfekt zur Teenager-Sehnsucht nach dem sanften und gleichzeitig gefährlichen Geliebten – der in diesem Falle umjubelter Bassist einer Rockband ist und seine Scarlett sofort als große Liebe erkennt, auch wenn sie auf seinem Konzert in ihren ältesten Schlabberklamotten auftaucht. Solche fast schon ärgerlichen Unwahrscheinlichkeiten sowie der überschwängliche Tagebuchstil, wie von einer Zwölfjährigen geschrieben, die gefühlsmäßig in fünf Sekunden dreimal zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt wechselt, brachten mich zwar ein paarmal dazu, die Seiten nur noch zu überfliegen. Doch mit einer sarkastischen Bemerkung hier und einer selbstironischen Beobachtung dort konnte Baraldi ihren übers Ziel hinausschießenden Blumenstil immer wieder entschärfen.

Fazit
Insgesamt gesehen habe ich “Scarlett” als netten Lesespaß für zwischendurch empfunden – zwar mit vielen Ähnlichkeiten zu allseits bekannten Klischees und manchmal arg kitschig, aber flott, nicht langweilig und in einem sehr eigenwilligen, unverwechselbaren Stil geschrieben. Dieser dürfte allerdings wohl eher jüngere Leserinnen ansprechen, für ältere ist das Buch in meinen Augen einfach zu kindlich und die Handlung zu vorhersehbar angelegt.

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Tags: liebe, schwärmerei, teenager   (3)
 

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(225)

510 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 86 Rezensionen

zeitreise, liebe, new york, vergangenheit, jugendbuch

Timeless

Alexandra Monir , Antoinette Gittinger
Fester Einband: 370 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 18.06.2012
ISBN 9783453267589
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Den Anfang kann man schon fast klassisch nennen: Ein Mädchen steht auf einmal ganz allein da und muss sich in einer neuen Umgebung mit unbekannten Menschen auseinandersetzen. Während es dabei sonst oft um plötzliche Armut geht, ist hier das Gegenteil der Fall: Hauptperson Michele ist auf einmal schwer reich, aber sie fühlt sich trotzdem einsam. Doch dann kommen die Zeitreisen ins Spiel …

Man merkt, wie begeistert Autorin Alexandra Monir von den Epochen ist, in die sie Michele zeitreisen lässt: Ihre Schilderung des sogenannten vergoldeten Zeitalters in Amerika am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie ihre Beschreibungen der wilden Zwanziger und der 40er Jahre während des 2. Weltkriegs klingen gut recherchiert und wecken beim Lesen lebendige, schillernde Bilder. Auch der schnörkellose Schreibstil liest sich flott weg – das Buch ist ein regelrechter Pageturner. Allerdings wirkt die Story selbst wie um die Ausflüge in die Vergangenheit herum gestrickt. So bleiben zum Beispiel viele Charaktere für meinen Geschmack seltsam blass. Manche kamen mir mehr so vor, als ob sie einfach nur für diesen oder jenen Handlungsschwenk gebraucht wurden. Den Eindruck eigenständiger Figuren machten sie nicht auf mich.

Eine logische oder zumindest überzeugend klingende Erklärung, warum Michele den verschiedenen Zeiten einen Besuch abstattet, aber nicht in einer davon bleibt (was sie sich nämlich wünscht), fehlt zudem. Da konnte ich auch die zarte Liebesgeschichte, die sich zwischen der Heldin und einem Jungen aus der Vergangenheit entspinnt, nicht richtig genießen – weil deren Verlauf mir einfach nicht logisch erschien.

Fazit
Ich dachte bei dem Buchthema unwillkürlich an “Die Frau des Zeitreisenden“ und Kerstin Giers Edelstein-Trilogie – an die diese Knüller reicht “Timeless” aber nicht heran. Gut unterhalten hat mich der Debütroman von Alexandra Monir trotz einiger Schwächen dennoch – das liegt sicherlich am flotten, flüssigen Schreibstil. Das Thema der Geschichte ist (auch), Verluste zu verkraften, was sehr schön gelöst wurde. Woran es dem Buch meiner Meinung nach fehlt, sind allerdings mehr innere Logik, eine stringentere Handlung und etwas vielschichtigere Charaktere.

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Tags: 20er jahre, guilded age high society, verlust, zeitreisen   (4)
 

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(701)

1.236 Bibliotheken, 5 Leser, 9 Gruppen, 179 Rezensionen

liebe, drachen, draki, fantasy, jäger

Firelight - Brennender Kuss

Sophie Jordan , Julia Sroka
Fester Einband: 376 Seiten
Erschienen bei Loewe, 01.08.2011
ISBN 9783785570456
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es beginnt furios mit der Verwandlung von Mädchen zu Drache, mit einem atemlos geschilderten Flug, mit einer Verfolgungsjagd. Ich war jedenfalls sofort gebannt und von der interessanten Idee gefesselt – auch wenn von Anfang an klar ist, dass die Geschichte auf eine Romeo-und-Julia-Variante hinauslaufen wird, aber dagegen ist ja nichts einzuwenden. Auch nicht dagegen, dass Jacinda “ihrem” Jäger Will rein zufällig in der neuen Highschool über den Weg läuft – auch wenn es natürlich ein sehr praktischer “Zufall” ist. Doch dann lassen die Figuren immer öfter den gesunden Menschenverstand vermissen, die Spannung der Anfangssequenz verpufft und gehandelt wird fast nur noch nach dem Romantasy-Baukasten.
“Er ist ihr Todfeind. Sie ist sein Opfer. Nichts brennt heißer als ihre Liebe” heißt es im Klappentext, der sich in Sachen Drama damit ziemlich weit aus dem Fenster lehnt. Denn ganz so spannend, wie es da klingt, ist “Firelight” leider nicht.
Wie schon gesagt: Eine junge Liebe auf einer seit Generationen bestehenden Feindschaft aufzubauen, hört sich zunächst reizvoll an. Obwohl das absolut nicht neu ist, kann es super funktionieren. Auch viele andere Ideen in “Firelight” haben mir sehr gefallen. Es ist jedoch die Ausführung, die zu oft zu wünschen übrig lässt. So wirkten manche Szenen für meinen Geschmack wie vom Ablaufplan abgehakt, beinahe lieb- und spannungslos runtergeschrieben. Andere, wenn sich Jacinda und Will in der Schule über den Weg laufen, sind zu offensichtlich nur für ein bisschen Melodrama konstruiert, und einige Wendungen der Handlung sind so offensichtlich eingeleitet, dass es mir schon fast den Spaß verdorben hat. Dabei sind die Zusammenhänge an sich durchaus clever gestaltet. Doch lässt Sophie Jordan im Auftaktband ihrer Trilogie andererseits so viel im Dunkeln, dass ich mich mit einigen der präsentierten Rätsel dann doch etwas alleingelassen fühlte. Der Schreibstil schwankt zwischen manchmal sehr schön bildlich und mitreißend, dann wieder – meinem Eindruck nach – sehr kurz gefasst, sodass kaum Stimmung aufkommen mag.
Fazit
Gute Ideen und interessante Charaktere (besonders in den “Nebenrollen“), aber bei der Ausführung gibt’s noch Luft nach oben. “Firelight” hat mir zwar gefallen, und ich möchte auch wissen, wie es in Teil 2 weitergeht, aber zu offensichtliche “Überraschungen” und zu viele statisch erzählte Szenen haben mir den ganz großen Spaß verdorben.

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Tags: drachen, kitsch, romeo und julia, verbotene liebe, verfolgungsjagd   (5)
 

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(230)

422 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 106 Rezensionen

grischa, magie, fantasy, liebe, russland

Grischa - Goldene Flammen

Leigh Bardugo , Henning Ahrens
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.08.2012
ISBN 9783551582850
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Geschichte startet mit einem kleinen Rückblick in jene Zeit, als die Heldin Alina und ihr Freund Maljen noch Kinder waren - und liefert damit einen Anfang, der mich an Märchen erinnert und sofort gefesselt hat. Später haben mich besonders die Schilderungen des “Kleinen Palastes” fasziniert, in dem Alina in ihre neuen Fähigkeiten eingeführt wird. Die Beschreibung der Schauplätze und der Protagonisten, darunter der Zar, der mächtige und zwielichtige “Dunkle” sowie der geheimnisvolle “Asket”, ließen mich an all die wunderschön ausgestatteten tschechischen und russischen Märchenfilme denken. Kein Wunder, denn Autorin Leigh Bardugo hat sich bei der Ausgestaltung ihrer Welt ganz klar von Russland, von der Sprache, den Mythen sowie der Geschichte des Landes inspirieren lassen.

Nicht nur das Bild dieser Welt hat mich begeistert, auch der flotte Verlauf der Story – ich war richtig enttäuscht, als ich das Buch viel zu schnell durchgelesen hatte. Das liegt sicherlich auch am Schreibstil: Erzählt wird in der Ich-Perspektive von Alina, damit bleibt man immer nah an der Hauptperson dran. Diese erweist sich einerseits als sehr aufmerksame Beobachterin, auch was ihre Gefühle angeht. Andererseits begreift sie die großen Zusammenhänge erst spät – und macht es damit für den Leser schön spannend.

Die Handlung an sich ist keineswegs neu: Ein Mädchen entdeckt seine Fähigkeiten und muss entscheiden, wer Freund und wer Feind ist, es wird bedroht und muss flüchten … Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte – für mich jedoch tendenziell der schwächste Aspekt des Buches. Denn der von Alina verehrte Maljen war mir nicht sonderlich sympathisch. Er erschien mir wie ein oberflächlicher Frauenheld ohne Tiefgang, der dann, hoppla, ganz plötzlich doch in Alina verliebt ist. Die war da schon interessanter gestrickt – allerdings auch, weil sie den Großteil des Buches von sehr spannenden Nebenfiguren umgeben ist. Dieses Mit- und Gegeneinander des Gesamtensembles in der Fantasy-Welt von Rawka macht meiner Meinung nach die besondere Stärke des Buches aus.

Fazit
Ich hatte keine bestimmten Erwartungen an “Grischa” und war dann beeindruckt, wie schnell und gründlich mich die Handlung in ihren Bann gezogen hat. Dabei war ich anfangs sogar noch leicht genervt von den vielen Fremdwörtern für alles mögliche (Kleidung, Waffen, Fortbewegungsmittel, Dienstgrade in der Armee), die wohl aus dem Russischen entlehnt wurden. Zwar gibt es eine Karte und eine kurze Übersicht über die Kräfte der Grischa, aber ständiges Vor- und Zurückblättern, um Begriffe zu klären, ist nicht gerade mein Lieblingshobby. Also habe ich über manches einfach hinweggelesen – und das Buch trotzdem genossen.

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Tags: gaben, magie, russland   (3)
 

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(543)

1.157 Bibliotheken, 17 Leser, 4 Gruppen, 76 Rezensionen

mafia, sizilien, fantasy, kai meyer, liebe

Arkadien erwacht

Kai Meyer
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.02.2013
ISBN 9783492267885
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Schüchtern, verträumt, etwas ungeschickt? Solche Buchheldinnen gibt es en masse – und sie ähneln Rosa nicht im geringsten. Sie würden sie auch nicht interessieren: Rosa sind andere Menschen egal. Das schließt übrigens auch gutaussehende Jungen ein, die sie im Flugzeug ansprechen. Meistens jedenfalls, denn dem attraktiven Alessandro, der sie im Flieger nach Sizilien anflirtet, klaut Rosa immerhin den Ausweis, um zu wissen, mit wem sie es zu tun hat. Auf seine Annäherungsversuche geht sie zunächst trotzdem nicht ein. Auch ihre Schwester und ihre Tante, die Rosa auf Sizilien besucht, lässt die 17-Jährige nicht an sich ran. Aber vielleicht muss man als Abkömmling eines Mafia-Clans eben so cool sein. Sicher ist, dass ich in einem Urban-Fantasy-Schmöker für Jugendliche selten eine so rebellische, kühle Heldin kennengelernt habe. Und nach dem ersten Schreck gefiel sie mir gut. Denn bei Rosa konnte ich sicher sein, dass sie immer das tat, was ich nicht erwartet habe. Das macht sie interessant, zuweilen allerdings auch nervig, kaltherzig und reichlich unnahbar.
Der schöne, elegante Alessandro, der Romeo zu Rosas Julia, kommt dem Klischee-Jugendbuch-Helden da schon etwas näher. Doch ganz so lieb und sanft wie es scheint, ist er dann doch nicht.
Die Handlung selbst setzt einerseits auf die Romeo-und-Julia-Komponente der verfeindeten Familien, spielt daneben aber auch mit klassischen Mafia-Motiven wie Mord, Totschlag und Intrigen. Die Fantasy-Elemente bringt Autor Kai Meyer eher spät ins Spiel und präsentiert sie mehr als Rätsel, denn als stimmungsvolles Element.

Was ich für “Arkadien erwacht” gebraucht habe, war Geduld. Der versprochene Fantasy-Einschlag mit Menschen, die sich in Tiere verwandeln, kommt erst nach und nach zum Tragen. Was man jedoch gleich von Beginn an serviert bekommt, sind jede Menge schlau ausgelegte Story-Haken, die man wie Köder schluckt – und dann wissen will, was sie zu bedeuten haben.
Stückchenweise setzt sich das Puzzle zusammen, aber es werden eher mehr Fragen aufgeworfen, als Antworten gegeben – die gibt es erst in Teil 2 und 3.

Fazit
Wie schon gesagt, stehen in “Arkadien erwacht” eher die Thriller- als die Fantasy-Elemente im Mittelpunkt. Wer Gewalt verabscheut und kein Blut sehen, beziehungsweise lesen kann, sollte auf die Lektüre besser verzichten, denn es geht teilweise ganz schön hart zur Sache – und dabei hält sich auch Rosa nicht zurück. Eine weniger hilflose Heldin findet man in der Jugend-Fantasy wohl selten. Wen allerdings auch verwickelte Handlungsfäden interessieren und wer Action mag, auch wenn sie mit leichtem Siedeverzug in Gang kommt, darf unbesorgt zugreifen.
Ausblick auf Teil 2 und 3:
In beiden Bänden zieht Autor Kai Meyer die Action-Schraube jeweils noch ein Stückchen an. Beide Bände sind definitiv nichts für zarte Seelen - man kann die Toten kaum zählen. Schließlich handelt es sich ja hier um die Mafia, Verzeihung, Cosa Nostra (denn wir sind auf Sizilien), und Rosa und Alessandro gehören definitiv dazu. Beide Folgebände steigern sich nicht nur in Sachen Action, sondern auch im Erzählstil und dem Aufbau der Story - eine Trilogie, die mit jedem Band besser wird!

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Tags: cosa nostra, familienfehde, fluch, intrigen, liebe, mafia, mord, sizilien   (8)
 
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