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stolpersteine, berlin, lyrik, verfolgung, nationalsozialismus

... fast vergessen, Spuren eines jüdischen Lebens

Renate van Kampen
Flexibler Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Schlehdorn Verlag, 09.06.2010
ISBN 9783941693081
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wenn man in Berlin, in der Lietzenburger Straße, vor dem Gemeindehaus der Kaiser-Wilhem-Gedächtniskirche, auf dem Gehweg schaut, dann findet man einen der so genannten Stolpersteine mit dem Namen “Thekla Skorra” eingraviert. Verzeichnet sind neben dem Namen, das Geburts- und Sterbejahr sowie der Sterbeort. Dazu der Hinweis “Deportiert am 14.1.1943″

Mehr erfährt man nicht.

Nun hat Renate van Kampen mit dem vorliegenden Werk ein Buch geschrieben, das an das Leben und an die Werke der Berlinerin erinnert. Es ist ein Buch, das dem Gedenkstein von Thekla Skorra, eine der bekanntesten jüdischen Schriftstellerinnen Berlins, ein Gesicht und eine Geschichte gibt. Van Kampen begab sich dabei in zahlreiche Archive, sichtete Unterlagen in zahlreichen Bibliotheken und Instituten, fand Rezensionen, Essays und Prosa einer beeindruckenden Frau, die vor allem das Judentum und das Frau- und Muttersein in ihren Werken hervorhob.

“Vergessen ist Verbannung - Erinnerung ist Erlösung” (Baal Schem Tow)

Wer aber war Thekla Skorra, die ein unruhiges Leben geführt haben musste, die zahlreiche Umzüge innerhalb Berlins erlebte, ehe sie am 14. Januar 1943 mit hundert anderen Personen in Richtung Theriesenstadt zwangsdeportiert wurde. (Von dem Transport überlebten nur wenige die Schikanen der NS-Maschinerie) Von Skorra sind nur einzelne Gedichte und Geschichten erhalten geblieben. Eines davon ist das nun folgende.

“Trost”

Der Tod? Wer fürchtet denn den Tod? Doch, diese nur, die nie gelebt. In trüber DämmŽrung ihre Tage tatenlos verbracht. Wer wild im heißem Schöpferdrange um Menschenseelen kühn gerungen, An jedem Freudenbecher jubelnd sich gelabt,die Blüten, die die Liebe bot, hat keck umschlungen; Der sinkt dereinst dem ausgetollten Kindlein gleich, der Erde an die treue Mutterbrust, mit traumverlorŽnem Lächeln. Satt und - müde ! Wenn ihm die Lust ihr letztes Lied gesungen; der fürchtet nicht den Tod; weil er das Leben stark bezwungen. (entnommen aus “Wovon mein sich freigesungen, Berlin 1905)

Als ihr wohl berühmtestes Werk darf wohl “Wovon mein Herz sich freigesungen” angesehen werden. Ihr wohl erster und auch wohl einziger Gedichtband, über den eine Rezension geschrieben wurde “.. Eine junge Frau, die im Leid erzittert und in der Freude verharrt wie ein dankbares Kind, eine Frauenseele, durch die das blase und das rote Leben hindurch gegangen sind und ihre Träume zurückließen, und diese Träume wurden zu Gedichten.”

Skorera arbeitete unter anderem als Redakteurin der Zeitschrift “Die Kinderfürsorge”. Am 1. Mai 1916 fiel ihr Sohn Bruno während des Ersten Weltkrieges in Frankreich. Sein Tod hinterließ deutliche Spuren bei Thekla Skorra. Sie musste erneut umziehen und landete am Ende in einem Altersheim. Von dort wurde sie im Januar 1943 mit dem 81. Alterstransport in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 3. Juni 194, zweieinhalb Monate vor ihrem 77. Geburtstag, verstarb.

Das kleine Buch ist reichlich mit kleinen wunderbaren Gedichten und Erzählungen von Skora bestückt. Am eindrucksvollsten ist dabei die Geschichte “Judenporzellan”, die von Liebe und Enttäuschung einer Familie zu ihrem - zu einem anderen Glauben übergetretenen - Sohn handelt.

Der Erinnerung an andere Schicksale der dunklen Jahre Deutschlands wegen wäre es wünschenswert, wenn es mehr solch wertvolle Bücher geben würde.

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Tags: berlin, gedichte, juden, prosa, stolpersteine   (5)
 

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warten, frauen, udo weigelt, moritz petz

Warten auf Frauen

Moritz Petz
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 01.08.2011
ISBN 9783862650613
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wird das "Warten" je ein Ende haben?

Moritz Petz schreibt mit "Warten auf Frauen" eine liebevolle Hommage an die Frauen

Egal ob Nachtkatze, Cinderrella, Jadeblüte oder Plaudertäschlein, für den Mann ist die Frau hinter den Kosenamen immer mit einem anderem Wort verbunden. WARTEN !

Und es ist sogar wissenschaftlich bewiesen, den Männern geht die ganze Warterei mächtig gegen den Strich. So gaben einer Studie zufolge sechs von zehn Männern an, das sie die ganze WARTEREI regelrecht wahnsinnig macht. Einem soll dabei schon einmal so der Geduldsfaden gerissen sein, dass er sich aus genau diesem Grund von seiner Liebsten trennte.

Moritz Petz muss in der letzten Zeit viel GEWARTET haben. Zuviel Zeit muss er vor Umkleidekabinen, in Einkaufszentren oder auf dem heimischen Sofa verbracht haben, dass er sich während der ganzen WARTEREI fleißig Notizen machte. Diese wuchsen schließlich zu einem immer größeren Haufen an, bis eines Tages ein ganzes Buch daraus entstand.

Und was für eines!

Petz nennt es eine Art "humoristisches Beziehungsbuch" Also ein Buch für beide Geschlechter und so ist es auch geschrieben. Mal ist der WARTENDE Mann in der Rolle des Nörglers, des schutzlosen und des ewig genervten der Frau ausgesetzt, mal (eigentlich immer !) ist die Frau diejenige, der immer wieder gute Gründe für das WARTEN einfällt und damit den Mann ans Verzweifeln bringt. Und als wenn das WARTEN auf die Liebste nicht schon schlimm genug wäre, muss er ja auch noch eine Tochter bekommen. Schnell merkt er, dass wenn Frauen einem eine Welt des WARTENS eröffnen, die Töchter einen daran erinnern, dass es darüber hinaus noch ein Universum gibt.

Der Mann hat es aber auch wirklich nicht einfach. Doch es gibt da eine kleine Hoffnung. Er findet tatsächlich eine Frau, die den Mann nicht WARTEN lässt. Allerdings hat ihm das auch nicht wirklich gefallen, ist es doch ausgerechnet eine Zahnärztin (".. wieso vergisst sie nie einen Termin?..." ) (Textstelle aus dem Buch)

"Meine Frau ist ein überaus geduldiger Mensch, aber sie WARTEN zu lassen macht sie rasend. Mich lässt sie ja auch nicht WARTEN, oder jedenfalls nicht mit Absicht, außer manchmal, und dann ist es etwas anderes. Außerdem ist es romantisch, wenn ein Mann auf eine Frau WARTET, im Regen zum Beispiel einen Blumenstrauß in der Hand, auch wenn das Gestrüpp dabei langsam zusammenfällt. Aber von Romantik verstehen Kerle eh nichts" (Textstelle aus dem Buch)

Trotz des WARTENS ging im Vorfeld dieser Rezension eigentlich alles ziemlich schnell. Die nette Frau aus der Presseabteilung des Verlages brachte schnell die Pressemitteilung heraus, die liebevolle Postbotin brachte das Buch schnell in die Redaktion und dann... ja dann musste ich doch wieder WARTEN. Wollte meine Frau doch schließlich das Buch zuerst lesen.

Ob indes der Autor Herr Petz diese Rezension lesen und bewerten wird, scheint nicht wirklich sicher. Stellt er doch am Ende des WARTE Prozesses selbst fest, dass er ein Pseudonym ist, was seiner Ansicht nach bedeutet, dass es ihn gar nicht gibt. Kein Autor, kein Manuskript, kein Buch und trotzdem eine Rezension? Schon komisch, was manche Journalisten aus reiner WARTE Zeit auf die bessere Hälfte so alles anstellen.

Neben den vielen schönen lustigen Sätzen, ist erwähnenswert, dass auf die neuen "WARTE" Kapitel immer mit einer liebevollen Zeichnung von Jana Moskito hingewiesen wird.


Zum Autor:
Moritz Petz

Moritz Petz alias Udo Weigelt wurde 1960 in Hamburg geboren. Nach dem Realschulabschluss folgte eine Reihe verschiedener Tätigkeiten. Später holte er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studierte Geschichte und Germanistik. Udo Weigelt hat schon viele Geschichten für den NordSüd Verlag geschrieben, darunter "Der Dachs hat heute schlechte Laune" oder "Der alte Bär muss Abschied nehmen". Udio Weigelt lebt heute als freier Autor am Bodensee.

www.uweigelt.de

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Tags: frauen, moritz petz, udo weigelt, warten   (4)
 

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serienmord, kannibale

Serienmord und Kannibalismus in Deutschland

Petra Klages , Petra Klages
Buch: 212 Seiten
Erschienen bei Verlag f. Sammler, 01.01.2011
ISBN 9783853652497
Genre: Sachbücher

Rezension:

Einblicke in eine Menschenseele

Darf man einem Mörder wie Armin Meiwes, der als "Kannibale aus Rotenburg" in den Medien bekannt geworden ist, in einem Buch so viel Platz einräumen, wie es Petra Klages mit ihrem neuesten Werk "Serienmord und Kannibalismus in Deutschland" getan hat?

Ja, man darf!

Denn dieses Buch ist beileibe kein Buch für den reinen Kriminal - Voyeuristen, sondern es blickt tief in die Seele der Menschen, die aufgrund von verschiedenen Lebenssituationen in der Vergangenheit oder durch Krankheit so geworden sind, dass erst etwas schreckliches passieren musste, bevor man ihnen auf irgendeiner Art und Weise helfen konnte oder der sadistisch - mörderische Wahnsinn gestoppt wurde.

Petra Klages erklärt zunächst eindrucksvoll die Unterschiede zwischen den einzelnen Arten des Kannibalismus, bevor Sie durch längere Berichte über Joachim Kroll (1933 – 1991) Carl Großmann (1863 – 1922) und Armin Meiwes versucht verständlich zu machen, was viele für den reinsten Horror halten. Sie portraitiert zudem kurz einige bekannte Serienmörder und Kannibalen auf (wie zum Beispiel Fritz Haarmann (Deutschland), Jaffrey Dahmer (USA) Issei Sagawa (Japan) .

Durch die Geschichten von Krol, Großmann und Meiwes erhält der Leser Einblick in eindeutig kannibalistische Phantasien, die jedoch nicht von Sadismus geprägt sind, dafür spielen Macht, Zwang, Kontrolle und vor allem Strafe eine große Rolle. Meiwes zum Beispiel nutzt die Art des Schreibens wohl auch als Therapie und um die sexuellen Wünsche, die jahrelang (vor allem von masochistisch orientierten Männern ) an ihn herangetragen wurden zu kompensieren. Eine richtige durch Fachärzte ausgeübte Therapie wird ihm indes seit Jahren verwehrt. Genau hier muss das Denken des Lesers einsetzten. Er muss sich auf eine Reise begeben, die er sonst nur aus schaurigen Filmen kennt, er muss sich selber überwinden um die Gedankenwelt von Meiwes teilwiese zu verstehen. So wird er am Ende festzustellen, dass Meiwes ein Mensch ist, der krank ist.

Erzählt wird zusätzlich auch die Geschichte um die Familie Pappenheimer aus Süddeutschland, die in einem Zeitraum von annähernd 50 Jahren durch Morde und Grausamkeiten im 16ten Jahrhundert aufgefallen sind. Einer Zeit, indem Kannibalismus vor allem mit Aberglaube zu tun hatte. (So waren zum Beispiel abgehackte und gemörserte Hände von kleinen Kindern dazu geeignet, dass ein gelegtes Feuer nicht mehr zum löschen gebracht werden konnte.) Insgesamt gaben sie in Verhören hunderte von Morden, Diebstählen, Brandschatzungen und Kirchendiebstählen zu. Alle Familienmitglieder wurden wegen anschließend im Jahre 1600 in München öffentlich hingerichtet.

Das Buch endet mit einem wichtigen Appell von der Autorin, die Menschen auch schon in der Jugendzeit schon ernster zu nehmen, aufmerksamer gegenüber Auffälligkeiten zu sein, ihnen versuchen, eine Chance zu geben, sich in der Gesellschaft zu etablieren und zurechtzufinden. Sie weist darauf hin, dass viele, später durch Gewalt, auffällige Personen eine Chance auf einen anderen Verlauf Ihres Lebens gehabt hätten. Denn "Wir stehen nicht eines Morgens auf und sind plötzlich "böse. Wir werden als Kinder sozialisiert, konditioniert und geprägt. Das alles geschieht nicht von alleine. Wenn Falsches geschieht, könnten Erwachsene oftmals helfen. Doch häufig sind Erwachsene diejenigen, die schlechte "Programmierungen" vornehmen- ob bewusst oder unbewusst"



Zur Autorin:
Petra Klages ist Diplom-Pädagogin und Kriminologin. Sie widmet sich der Ursachenforschung schwerer delinquenter Entwicklungen (Intensivtäter, Serienmörder, Serienvergewaltiger).

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Tags: kannibale, serienmord   (2)
 

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berliner mauer, identitäten, stasi, ddr-grenzregime, todesopfer 1961-1989

Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961–1989

Hans-Hermann Hertle , , ,
Flexibler Einband: 524 Seiten
Erschienen bei Links, Ch, 21.08.2009
ISBN 9783861535171
Genre: Sachbücher

Rezension:

Noch immer gibt es in unserem Land zahlreiche Personen, die das Unrechtsregime der ehemaligen "DDR" für halten. Noch immer sitzen Personen in Parteien und entscheidenden Stellen, die selber Menschen bespitzelt und auf schlimmste behandelt haben.

Alle diese Personen sollten dieses Buch lesen, dass ohne jeden Pathos Menschenschicksale aufzeigt. Schicksale von Menschen, die an der Berliner Mauer getötet wurden. Zum größten Teil, weil sie nur in Freiheit leben wollten. sich nicht mehr länger einschüchtern lassen wollten, nicht länger einem System ausgeliefert sein wollten, welches zum größten Teil zynisch und unmenschlich gegenüber seinen Einwohnern agierte. Erzählt werden aber auch die Lebensgeschichten von Personen, die ihren Dienst an der Berliner Mauer leisteten und durch Schüsse anderer ums Leben kamen.

Dieses Buch ist wichtig !

Das erste Todesopfer war Ida Siekmann, die am 22. August 1961 beim Sprung aus einem Fenster in der Bernauer Straße tödlich verunglückte. Die ersten tödlichen Schüsse fielen am 24. August 1961 auf den 24-jährigen Günter Litfin, der am Humboldthafen von Transportpolizisten bei einem Fluchtversuch erschossen wurde. Peter Fechter verblutete am 17. August 1962 im Todesstreifen an der Zimmerstraße. Im Jahre 1966 wurden zwei Kinder im Alter von 10 und 13 Jahren im Grenzstreifen durch insgesamt 40 Schüsse getötet. Das letzte Opfer von Todesschüssen an der Mauer war Chris Gueffroy am 6. Februar 1989. Der letzte tödliche Zwischenfall an der Grenze ereignete sich am 8. März 1989, als Winfried Freudenberg bei einem Fluchtversuch mit einem defekten Ballon in den Tod stürzte.

Einige Grenzsoldaten starben ebenfalls bei gewalttätigen Vorfällen an der Mauer. Der bekannteste Fall ist die Tötung des Soldaten Reinhold Huhn, der von einem Fluchthelfer erschossen wurde. Diese Vorfälle wurden von der DDR propagandistisch genutzt und als nachträgliche Begründung für den Mauerbau herangezogen. Die Todesschützen, die Menschen daran hinderten einfach frei zu sein wurden alle belobigt. Die Auszeichnungen gingen von einer Teilnahme am Büffett, über eine Uhr, bis hin zum Verdienstorden. Viele von denen konnte man eine gewisse Freude, ihrem Vaterland wertvolle Dienste geleistet zu haben, geradezu ansehen.

Nach Schätzungen mussten sich rund 75.000 Menschen wegen „Republikflucht“ vor DDR-Gerichten verantworten. Republikflucht wurde nach § 213 Strafgesetzbuch der DDR mit Freiheitsstrafen bis zu acht Jahren geahndet. Wer bewaffnet war, Grenzanlagen beschädigte oder als Armeeangehöriger oder Geheimnisträger bei einem Fluchtversuch gefasst wurde, kam selten mit weniger als fünf Jahren Gefängnis davon. Wer Hilfe zur Republikflucht leistete, konnte mit lebenslangem Freiheitsentzug bestraft werden.

Das Buch liefert wertvolle Antworten

Welche Konsequenzen hatte das DDR-Grenzregime für die Schützen sowie die militärischen und politischen Befehlsgeber nach 1990? Wie wird der Todesopfer seither gedacht?

Das biographische Handbuch gibt Antworten auf diese Fragen. Es dokumentiert sehr eindrucksvoll die Lebensgeschichten und Todesumstände der Mauertoten und ordnet sie in den zeitgeschichtlichen Kontext ein. Die Autoren haben dazu neben den einschlägigen Archiven alle Verfahrensakten und die Stasi-Unterlagen systematisch ausgewertet und durch Interviews mit Angehörigen und Zeitzeugen ergänzt.

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Tags: berliner mauer, ddr, mauer, stasi   (4)
 

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liebesroman, hamburg, mann, verlieben, renovierung

Der Mann danach

Jo Kramer
Flexibler Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 07.07.2011
ISBN 9783426507025
Genre: Romane

Rezension:

"Mir mal eine Aura-Leserin erzählt, dass ich in meinem früheren Leben eine Frau gewesen bin" erzählt der Hamburger im persönlichem Gespräch. Man ist es nach der Lektüre soweit, dass man Kramer glaubt. Denn "Der Mann danach" ist ganz eindeutig ein Buch, wo sich beide Geschlechter wiedererkennen werden. Mal ist es aus Sicht des Mannes geschrieben, mit all den (machohaften und damit typischen) männlichen Eigenschaften als Beobachter der Frauen, mal mit den typischen traumhaften Frauenansichten, wenn es um das Thema Liebe geht.

In gewisser Maßen ist der Hauptdarsteller ein Tatortreiniger, allerdings keiner, der nach Straftaten den kriminellen Tatort säubert. Jonas ist ein Handwerker und kommt dann zum Einsatz, wenn eine Frau ihren Mann offiziell aus der Beziehung entlassen hat. Er renoviert die Wohnungen und ab und an auch schon einmal die Herzen der Frauen, die nun alleine sind. Bei all der Arbeit bleibt nur eine Reparatur auf der Strecke. Die seines eigenen Herzens. Doch für diese wichtige Reparatur ist Jonas noch nicht soweit, stattdessen zieht er sich in seiner Freizeit auf einen Dachboden zurück und malt. Exzessiv. Mal mit, mal ohne Whiskey, und immer mit einem Blick auf den Mond. Oder besser gesagt der"Mondin". Denn natürlich ist der Mond in der Welt von Jonas eine Frau. Wer außer einer Frau macht schon so komische Sachen wie ab - und zunehmen und wer bringt uns um den Schlaf? Die "männliche" Sonne etwa? Nein, das da oben ist eindeutig ein weiblicher Klops.

Doch sein Alleinsein und somit auch seine Gedanken werden immer wieder durch einen seiner Freude und durch Mitglieder seiner Familie gestört. Diese würden wollen ihn allzu gerne mit der bereits ausgesuchten " Mrs Right" verbandeln. Doch bis eben diese Herz bei "richtigen" Frau landet, passiert eine ganze Menge im Leben des Handwerkers. So hilft er unter anderem einem pubertierenden Mädchen, auf einer Party richtig als junge Frau wahrgenommen zu werden. Schwer zum Leidwesen des Vaters des Mädchens, der etwas dagegen hat, wenn sich seine Tochter zu sexy anzieht. Das richtige Verhalten junge Frau/ Mann wird schließlich an einer Tankstelle geprobt. So stehen sie also da, Jonas in eine Art "möchte gern" James Dean Outfit und ihn um den Hals fallend, Laura, die fast 14- jährige, im sexy Klamotten. Blöd nur, das ausgerechnet in diesem Augenblick eine weitere Frau in Jonas Leben auftaucht und ihn für jemanden hält, der auf junge Mädchen steht. Dies ist nur eine verzwickte Situation aus der sich Jonas irgendwie retten muss um am Ende sein Glück vollends genießen zu dürfen. Vor allem bedarf es aber reichlich Intrigen seiner Freunde und das ist, was das Buch so lesenswert macht.

Leider wirkt der letzte Abschnitt etwas zu komprimiert, wodurch die sehr flüssig geschriebene Geschichte allerdings keinen Schiffbruch erleidet. Dafür sind die Charakteren einfach zu toll beschrieben. Das nun ein Buch herausgekommen ist, der nur sehr schwer in Männer oder Frauen Roman einzuordnen ist, stört den Autor nicht."Ich wollte nämlich nicht nur ein Frauenbuch schreiben.Wenn beide, Männer und Frauen, sich in darin wiederfinden, ist mir doch etwas sehr schönes gelungen" . Dem, werter Herr Kramer, ist nichts hinzuzufügen.

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Tags: hamburg, jo kramer, liebesroman   (3)
 

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charles manson, amerika, roman polanski, michal welles, sekte

Charles Manson - Meine letzten Worte

Michal Welles , Kirsten Borchardt
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Hannibal Verlag, 28.03.2011
ISBN 9783854453444
Genre: Biografien

Rezension:

Die Morde, die sich im Sommer 1969 in Los Angeles und in Teilen der USA ereigneten, gingen in die Geschichte der Welt ein. Unter den sieben Opfern war die Ehefrau vom Regisseur Roman Polanski, Sharon Tate. Die Schauspielerin und ihr ungeborenes Baby wurden bestialisch erstochen. Erst reichlich spät und mehr oder weniger durch Zufall kamen die Ermittler auf die Spur von Charles Manson und seiner so genannten "Familie".

Die Verhaftung im selben Jahr folgte der bis dahin spektakulärste Prozess in Amerika, der mit dem Urteil "Todesstrafe" im Jahr 1972 seinen Abschluss fand. Manson musste dennoch nicht sterben, weil sich der Bundesstaat Kalifornien später dazu entschloss, die Todesstrafe abzuschaffen. Seit dem sitzt der wohl berühmteste Insasse im Gefängnis ein. Seitdem vergeht kaum eine Woche mit weniger als hundert (Fan) Briefen, praktisch kein Wochenende ohne Besuch. Unter den Besucher war auch die israelische Journalistin Michal Welles. Sie besuchte Manson seit mehr als zwanzig Jahren regelmäßig im Gefängnis. Aus dieser Art Freundschaft heraus bat er Welles eines Tages, seine Autobiographie niederzuschreiben. Er gab ihr für dieses einzigartige Projekt sehr persönliche Aufzeichnungen, Briefe, Fotos und Zeichnungen.

Michal Welles zeichnet so den Menschen Manson auf, eine öffentliche Person, wie ihn bisher kaum wahrgenommen hat. Mal wirkt der Verbrecher völlig irre und unverständlich, das andere mal einsam und müde. Manson teilt noch immer die Menschheit.

Wer den Menschen Manson verstehen will, muss das Buch gelesen haben!

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Tags: amerika, amerika, charles manson, michal welles   (4)
 

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volker bitzer, hamburg, sind sie ein freund von dick tossek?, nouvelee noire

Sind Sie ein Freund von Dick Tossek?

Volker Bitzer
Flexibler Einband: 94 Seiten
Erschienen bei ViaTerra Verlag, 01.05.2011
ISBN 9783941970076
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eines vorweg. Die Nouvelle Noir lebt !

Zu verdanken ist es dem Hamburger Volker Bitzer.
Dieser schreibt eine herrlich schwarze Kurzgeschichte.

"Meine Aufgabe ist es, dem Leser eine schöne Geschichte zu liefern", so der Schriftsteller Volker Bitzer im persönlichem Gespräch. Mit der Story rund um den Auftragsmörder John, der fälschlicherweise einen falschen Mann ermordet, hat Bitzer etwas geschaffen, was viele für schlicht unmöglich gehalten hätten. Er hat der Nouvelle Noire ein neues Leben eingehaucht.

Dabei hätte nicht viel gefehlt und Volker Bitzers Leben wäre so geendet wie einer seiner Figuren im Buch. Der Blinddarm machte ernste Schwierigkeiten und er wurde praktisch in letzter Minute in ein Spital eingeliefert. Aber auch an dieser Stelle verliert er seinen schwarzen Humor nicht wirklich, so äußert er sich zu der Frage, inwieweit sich ein Krankenhaus mit all seinen morbiden Geschichten für eine neue Geschichte eignet mit "Über den literarischen Wert dieser Grenzerfahrung konnte ich mir bisher kaum Gedanken machen. Aber jetzt, da Sie mich schon drauf stupsen: Hier gibt es schon einige spannende Figuren, die ich in abgewandelter Form mal in einer Geschichte verwenden könnte."

Dieses Buch macht Spaß

Dabei besticht "Sind Sie ein Freund von Dick Tossek?" vor allem durch seine Schnelligkeit und durch seinen Humor. Der ist schwarz und trocken, ganz so wie es der ehemalige Bremer liebt. Auf so etwas hat man in der Welt der Kurzgeschichten lange warten müssen.

"Profilierungssüchtiger Möchtegernbestselleautor"

"Man muss dem Leser die Möglichkeit geben, sich an der Geschichte zu beteiligen" sagt der Autor und verdammt, er meint es ernst. Doch ist es auf der Facebook Seite von "Sind Sie ein Freund von Dick Tossek?" nicht Bitzer, der die Leser unterhält. Es ist die Hauptfigur. John, der Auftragskiller, der sich mit bissigen Kommentaren nicht zurückhält und ab und an auch einmal den Autoren auf heftigste kritisiert. So zum Beispiel, wenn neue Pressetexte über das Buch veröffentlicht werden. Dann wird Bitzer zu einem "profilierungssüchtigen Möchtegernbestsellerautoren" , der sich mit seiner (Johns) Geschichte feiern lässt. John lästert aber nicht nur über den Autor, er flirtet mit den weiblichen Fans und gibt den männlichen Fans den einen oder anderen Ratschlag mit auf dem Weg. Hinweise, wo er sich zusammen mit seiner Komplizin Rosie versteckt, gibt aber keine. Der berüchtigte Killer kann also mitten unter uns sein. Wenn Sie im sozialen Netzwerk Facebook unterwegs sind, dann schauen Sie ruhig bei "Sind Sie ein Freund von Dick Tossek?" vorbei, es lohnt sich!

"Sind Sie ein Freund von Dick Tossek?" besticht vor allem durch seine Schnelligkeit und durch seinen Humor. Der ist schwarz und trocken, ganz so wie es der Wahl Hamburger liebt. Auf so etwas hat man in der Welt der Kurzgeschichten lange warten müssen. So erfährt der Leser nicht nur, wie der (angeblich) perfekten Sex zwischen Mann und Frau funktioniert, sondern er blickt auch hinter den Kulissen eines ziemlich einsamen Jobs. Dem des Auftragskillers. Dabei wird impliziert, dass gerade der Job es ist, der finanziell unabhängig machen kann - aber auch einsam. Wie gesagt. und wirklich sicher sein, dass können Sie sich in dieser genialen Kurzgeschichte nie. Versprochen !

Ob im Laufe der Novelle geklärt wird, wer alles ein Freund von Dick Tossek ist - und ob es eine gute Idee ist, zu seinen Freunden gezählt zu werden - soll hier nicht verraten werden.

Will man am Ende wirklich ein Freund von Dick Tossek sein, oder darf man es überhaupt? Das ist schwer zu beantworten. Einfacher dagegen ist die Antwort auf die Frage, ob man ein Freund von Volker Bitzers Kriminalgeschichten sein will.

Diese Antwort lautet: JA !

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