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264 Bibliotheken, 16 Leser, 1 Gruppe, 110 Rezensionen

sklaverei, flucht, amerika, underground railroad, usa

Underground Railroad

Colson Whitehead , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 21.08.2017
ISBN 9783446256552
Genre: Romane

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12 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

hochsensibilität, selbstständigkeit, 2017, selbstständig, selbstbestimmt

Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit

Sandra Tissot
Flexibler Einband: 190 Seiten
Erschienen bei dielus edition, 16.01.2017
ISBN 9783981797565
Genre: Sachbücher

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Tags: 2017, dielus, gelesen 2017, hochsensibilität, sachbuch, sandra tissot, selbstständigkeit   (7)
 

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

dorf, kunstmann, walnusstal, yavuz ekinci, 2017

Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam

Yavuz Ekinci , Oliver Kontny
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 08.03.2017
ISBN 9783956141669
Genre: Romane

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Tags: 2017, dorf, gelesen 2017, kunstmann, kurden, türke, walnusstal, yavuz ekinci   (8)
 

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2 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

ich bin dann mal weg, angela merkel, kanzlerin, science fiction, er ist wieder da

Sie ist wieder da: (Sie war dann mal weg)

Michael Sohmen
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 12.02.2017
ISBN 9781543089264
Genre: Sonstiges

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88 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 65 Rezensionen

provence, krimi, rache, folter, gerichtsmediziner

Gefährlicher Lavendel

Remy Eyssen
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783548289069
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein angesehener Rechtsanwalt liegt auf dem Obduktionstisch des Rechtsmediziners Dr. Leon Winter. Er weist Merkmale grausamster Folter auf. Während alle Welt nach Erklärungen und Tätern sucht, taucht ein zweites Opfer auf.

Remy Eyssen schließt mit diesem Band an die Vorgänger „Tödlicher Lavendel“ und „Schwarzer Lavendel“ an. Der Roman kann problemlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden, doch der Kontinuität wegen und um die Entstehung von Beziehungen und Freundschaften zu begleiten, könnte die Beibehaltung der Reihenfolge angenehm sein.

Was immer ein guter Kriminalroman benötigt: „Gefährlicher Lavendel“ hat es. 

Ob gut entwickelte, interessante Charaktere, überzeugende Dialoge, atmosphärische Umgebung, eine tragfähige Idee mit fesselnder Story oder der gelungene Spannungsbogen - hier gibt es nichts, gar nichts zu bemängeln.

Dr. Leon Winter ist ein sympathischer, kluger und nachdenklicher Ermittler, der den Toten, die er obduziert, seine Fragen stellt und nach Antworten sucht. Ungereimtheiten lassen ihm keine Ruhe. Obgleich keineswegs ein Held, lässt sich sein Widerspruchsgeist leicht herausfordern, und so gerät er auf der Suche nach der Wahrheit auch manches Mal in kritische Situationen. 

Viele der Figuren sind aus den ersten Bänden bekannt. Sie besiedeln mit Vorliebe das heimliche Zentrum von Le Lavandou, den Bouleplatz, und bilden dort eine wichtige zwischenmenschliche Ressource mitsamt natürlicher Informationsquelle. Das ist so ursprünglich provenzialisch, so beiläufig stimmungsvoll, dass auch ohne lange Schilderungen unmittelbar Bilder entstehen sowie der Wunsch, hier einmal mit dabei sein zu dürfen. 

Doch Beschaulichkeit ist nicht das Thema. Die Verbrechen halten sowohl den Ort in Atem als auch den Leser. Durchgängig ist Spannung angesagt, die sich zum Ende hin steigert und schließlich während einer dramatischen Naturkatastrophe ihren Höhepunkt findet. 

Hier paart sich beste Kriminalunterhaltung mit französischem Flair. Ein Buch, das Lust auf weitere Abenteuer mit denselben Personen an denselben Orten macht.

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Tags: 2017, boule, dr. leon winter, folter, gelesen 2017, krimi, krimireihe, provence, rechtsmediziner, ullstein   (10)
 

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307 Bibliotheken, 24 Leser, 0 Gruppen, 85 Rezensionen

barcelona, spanien, zafón, carlos ruiz zafón, friedhof der vergessenen bücher

Das Labyrinth der Lichter

Carlos Ruiz Zafón , Peter Schwaar
Fester Einband: 944 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 16.03.2017
ISBN 9783100022837
Genre: Romane

Rezension:

Mit „Das Labyrinth der Lichter“ stellt der spanische Autor Carlos Ruíz Zafón den vierten Band um den Friedhof der vergessenen Bücher vor. 

Sicherlich lässt der sich, wie behauptet wird, unabhängig von den anderen lesen, versagt bleibt in diesem Fall allerdings die Freude der Wiederbegegnung mit bekannten Figuren, ebenso fällt die Orientierung sicher etwas schwerer.  


Als im Dezember 1959 der Minister Mauricio Valls spurlos verschwindet, erhält die junge, charismatische Alicia Gris den polizeilichen Auftrag zu ermitteln. Mit ungewöhnlichen Methoden, messerscharfem Verstand und der Hilfe des ihr zur Seite gestellten Polizeihauptmanns Vargas begibt sie sich auf Spurensuche und gräbt verdeckte Zusammenhänge aus. Schnell wird ersichtlich, dass die Schatten von Spaniens Kriegsjahren längst nicht überwunden sind. 


Zafón lässt den Leser zu Beginn des Buches in Episoden fallen, die, jede für sich, spannend, schön und verstörend sind. Wir begegnen besonderen Menschen in besonderen Situationen zu unterschiedlichen Zeiten und suchen vergeblich nach Zusammenhängen. Die schälen sich im Folgenden erst nach und nach aus dem Geschehen heraus, sei es durch Erzählungen, Erinnerungen, Briefe oder Dokumente. Gefordert ist, sich darauf einzulassen. Das ist nicht immer einfach, denn die Anzahl der Personen, die durchbrochene Chronologie und der hohe Anspruch mitunter auf das Komplizierteste verschachtelter Sätze lassen es nicht zu, zügig und leicht durch die Seiten zu gleiten. 

Dennoch ist es ein Genuss, den Entwicklungen zu folgen. Nicht nur wegen des Schreibstils, der solchermaßen exquisit ist, dass sich manchmal der Verdacht einschleicht, er könnte zur Hauptmotivation, wenn nicht zum Selbstzweck geraten. Minutiös und scheinbar abschweifend entwickelt der Autor eine Geschichte, die präziser, stimmiger und mächtiger nicht geschrieben werden kann. Wie nach und nach Informationen auftauchen und das Bild zunächst immer rätselhafter und verschwommener werden lassen, bevor die ersten Konturen sichtbar werden und sich schließlich das Gesamtbild enthüllt, zeugt von unübertrefflicher Könnerschaft. 

Zwei große Liebschaften scheinen Zafons Motor zur Entstehung seiner Werke zu sein: Die eine ist die Literatur. Die andere Barcelona. Ersterem zollt er neben dem eigenen Schreiben Tribut, indem er auch hier ein Buch zum Hauptgegenstand erhebt. Dem Zweiten, indem er dem Leser seine Stadt ähnlich akribisch, stimmungsvoll, poetisch und gleichzeitig düster vor Augen führt wie die Personen, die er ihr anvertraut. 

Deren Leben und Wirken ordnen sich ihren Eigenschaften und den geltenden Bedingungen unter. Viele kommunizieren in Dialogen, die so geistreich wie witzig sind. Nicht die kleinste Unstimmigkeit vergrämt, jedes Verhalten hat seine Ursache, jedes Geheimnis seine Bestimmung. So wird man tief in den Kosmos hinein gesogen und findet sich als Leser mit Freunden oder auch Feinden wieder inmitten so vertraut wie fantastisch erscheinender Orte.

Unbedingte Leseempfehlung an Freunde der Literatur! 

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Tags: *****, 1959, 2017, alicia gris, barcelona, bombardierung, daniel sempere, der friedhof der vergessenen bücher, fischer, franco-regime, gelesen 2017, krieg, spanien, vargas, zafón   (15)
 

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133 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 82 Rezensionen

schweden, krimi, flüchtlinge, organhandel, tom stilton

Schlaflied

Cilla Börjlind , Rolf Börjlind , Christel Hildebrandt
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 20.02.2017
ISBN 9783442757169
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Am Stockholmer Hauptbahnhof haben freiwillige Helfer alle Hände voll zu tun, sich um die vielen ankommenden Flüchtlinge zu kümmern. Doch ist es möglich, dass das Chaos mit böser Absicht genutzt wird, um schutzlose Kinder zu entführen? 

Wie das Autorenduo Cilla und Rolf Börjlind es auch in diesem vierten Band der Reihe um die Ermittler Olivia Rönning und Tom Stilton auf Anhieb schafft, den Leser ins Geschehen hineinzuziehen, ist absolut meisterhaft. Scheinbar mühelos werden die Ambiente der Handlungsstränge jeweils derart stimmig gestaltet und eingesetzt, dass sie unmittelbar zu lebendigen Kulissen werden. Die unheilvolle Atmosphäre des Covers mit seiner wilden Landschaft stimmt gut auf die Gefahren ein, die in den Wäldern Schonens lauern.

Wieder sind die Protagonisten mit allen Ecken und Kanten gezeichnet, ihre Sorgen, ihre Gedanken, ihre Stärken und Schwächen haften ihnen in konsequentester Weise an und begleiten ihre Entwicklung. Und obgleich ständig neue Personen die Bühne betreten, viele davon bereits gute Bekannte aus Vorgängerbänden, setzt auf Grund der gelungenen Charakterisierung keine Verwirrung ein. 

Der Fall siedelt sich im hochaktuellen Thema der Flüchtlingssituation an. Dort, direkt an der Basis, geschieht, zunächst völlig unbeachtet, ein unmenschliches Verbrechen an den Allerwehrlosesten, an unbegleiteten Kindern. Unbehaglich nimmt man zur Kenntnis, dass das, was hier geschildert wird, durchaus in Realität möglich gewesen sein könnte. 

Der Schreibstil ist äußerst flüssig, leicht verständlich, dennoch nicht ohne Anspruch, mit hervorragenden Dialogen.

Rönning und Stilton bewegen sich beide in dichten Beziehungsnetzen, die für ihre Arbeit unentbehrlich sind. Manchmal erscheinen Freunde etwas zu genau zugeschnitten auf die jeweilig nötige Hilfe. Dies und die leicht nachlassende Spannung in der Mitte des Buches, auch bedingt durch beiläufige Wiederholungen, sind kleine Mängel, die aber die Lesefreude insgesamt nur wenig beeinträchtigen.

Liebhaber skandinavischer Kriminalliteratur sollten sich diesen Roman keinesfalls entgehen lassen.



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Tags: 2017, btb, cilla und rolf börjlind, gelesen 2017, krimi, krimireihe, olivia rönning, schweden, tom stilton   (9)
 

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

mecklenburg, organist, rollstuhlfahrer, verbitterung, peer wesendon

Erntedank in Vertikow

Frank Friedrichs
Flexibler Einband: 302 Seiten
Erschienen bei DichtFest, 26.11.2016
ISBN 9783946937203
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eines Abends wird in dem kleinen mecklenburgischen Ort Vertikow eine alte Frau von einem Pick-up erfasst und getötet. Der einzige Zeuge ist der Organist Peer Wesendonk, der seit kurzem wegen eines Unfalls an den Rollstuhl gefesselt ist. Er kann nicht glauben, dass es sich um einen Unfall handelt, und fängt an nachzuforschen.

In dem ersten Band dieser Krimireihe stellt uns Frank Friedrichs einen Ermittler vor, der gerade erst beginnt, sein Handwerk zu erlernen. Die Möglichkeit, einen Täter zu überführen, sieht er als Chance, wieder eine sinnvolle Aufgabe zu erfüllen und sein zerstörtes Selbstwertgefühl ins Lot zu bringen. Dem zwischen Selbstironie und Bitterkeit pendelnden „Krüppel“ macht seine Situation sehr zu schaffen. So nimmt er mit seinem Handicap breiten Raum ein, sorgt trotz, teilweise sogar wegen seiner schwierigen Lage für skurril witzige Situationen, aber ebenso für rührselige und verzweifelt zornige Momente. Dabei gerät die Darstellung der Empfindungen oft grob, nicht immer nachvollziehbar, von der Bandbreite möglicher Emotionen werden allzu häufig die Extreme bemüht. Und von denen besonders das Selbstmitleid.

Wie auch bei seinen Gefühlen, greift der Held bei der Ausübung seiner detektivischen Tätigkeiten gern auf Entweder - Oder zurück. Schon kleine Anlässe erschüttern allzu schnell seine Gedankenkonstrukte und lassen ständig neue Verdächtigungen und Vertraulichkeiten entstehen. Der Leser, der sich einen analytisch erarbeiteten Weg zur Lösung des Falls wünscht, wird nicht ganz auf seine Kosten kommen, obgleich er an den laufenden Ereignissen und Erkenntnissen unmittelbar beteiligt ist. 

Die mecklenburgische Umgebung stellt einen behaglich ländlichen Rahmen dar, die Dorfbevölkerung wirkt zunächst sehr vertraut miteinander. Doch offenbaren sich bald Risse, und es zeigt sich, dass in der Vergangenheit die Ursache für tiefen Hass zwischen den Bewohnern zu finden ist. Auch deren Verhalten schlägt manchmal etwas unvermittelt zu der einen oder anderen Seite aus, was sich auch in den Dialogen zeigt, die zwar oft witzig, aber von einer gewissen Sprunghaftigkeit sind.

Obgleich es durchaus spannende Augenblicke gibt, gilt das Hauptaugenmerk ganz klar Ambiente und Humor. Daher ist der Krimi am besten für Leser geeignet, die genau das zu würdigen wissen.

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Tags: ***, 2017, ddr, dicht fest, frank friedrichs, gelesen 2017, kinderheim, mecklenburg, peer wesendon, rollstuhlfahrer   (10)
 

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17 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

jugendbuch, coppenrath verlag, ab 12 jahren, pferde, verantwortungsgefühl

Dark Horse Mountain

Kyra Dittmann
E-Buch Text: 304 Seiten
Erschienen bei Coppenrath Verlag, 01.03.2017
ISBN 9783649625261
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

sachbuch, liebe, sex, friedemann karig, beziehung

Wie wir lieben

Friedemann Karig
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 17.02.2017
ISBN 9783351050382
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Die Liebe bleibt auch, oder vielleicht besonders dem ein Rätsel, der sie erforscht. … Man kann Liebe nicht können oder verstehen. Man kann nur versuchen, glücklich zu sein, glücklich zu lieben.“

Das schreibt Friedemann Karig im Epilog zu seinem Buch, in welchem er gründlich und klug über viele Aspekte polyamorer Beziehungen nachdenkt und Vergleiche zur tradierten Form des Zusammenlebens, der Monogamie, zieht. Dabei gelingt es ihm, ruhig und souverän ein ganzes Weltbild auf den Kopf zu stellen.

Faszinierend ist nicht nur das Thema an sich, sondern auch der Schreibstil. Der Autor überzeugt als exzellenter Rhetoriker, der seine Thesen bestechend logisch untermauert, mit interessanten Zitaten anreichert und einer angenehmen Prise Humor würzt. Im Wechsel mit den sachlichen Hintergründen, die jeweils unter verschiedensten Aspekten wie soziologischen, biologischen, historischen oder politischen eingehend beleuchtet werden, kommen Menschen zu Wort, die über ihre Beziehungen sprechen. Gerade diese sehr offenen Erfahrungsberichte bewirken eine große Nähe und Authentizität. 

Themen wie Sex, Liebe, Eifersucht, Treue und Freiheit werden durchleuchtet, die Begriffe definiert, erklärt, neu entdeckt. Das gelingt gleichermaßen behutsam wie radikal und ist geeignet, neue Einsichten zu eröffnen. Wer sich ohne Vorurteile auf diesen Lesestoff einlassen kann, wird nicht umhin kommen, Beweggründe für eine konventionelle Bindung sehr kritisch zu hinterfragen.

Karig verspricht keineswegs Menschen, die diesen Weg der Polyamorie beschreiten oder ihn als Möglichkeit auszuloten versuchen, ein leichteres Leben. Aber er sieht darin die Chance auf ein glücklicheres. Als Grundvoraussetzung nennt er immer wieder die Bereitschaft zum Gespräch sowie den Willen, offen, ehrlich und sensibel miteinander umzugehen. Gelingen kann „… eine bewusste Liebe. Eine Liebe, die sich selbst in Frage stellt und dabei neue Antworten findet. Eine Liebe, die mehr will. Vielleicht sogar alles.“

Ein ebenso beunruhigendes wie ermutigendes Buch, das sicher den Leser ein Stück weit verändert und ihn nachdenklich entlässt.

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Tags: 2017, aufbau verlag, blumenbar, friedemann karig, gelesen 2017, liebe, polyamorie, sex   (8)
 

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70 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

scheidung, liebe, schwangerschaft, frauenroman, familie

Anfang 40 - Ende offen

Franka Bloom
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 17.02.2017
ISBN 9783499272929
Genre: Liebesromane

Rezension:

Vera Odermann feiert ihren sechsundvierzigsten Geburtstag. Sie freut sich auf die Unabhängigkeit der neuen Lebensphase, doch die will sich nicht so recht einstellen. Weder möchte ihre achtzehnjährige Tochter Greta ausziehen, noch zeigt sich ihr Ehemann Sven in Bezug auf die ersehnte Scheidung ausreichend kooperativ. Die neue Liebe mit dem deutlich jüngeren Paul birgt zusätzliches Chaospotenzial.


So mühelos, wie der Flamingo auf der Titelseite die Balance hält, schafft Vera es nicht. Doch wie dieser sich nicht mit der Begrenzung der Seite begnügt, versucht auch sie die Einschränkungen ihrer Freiheit zu durchbrechen.

Autorin Franka Bloom überzeugt mit einer Protagonistin, die von einer skurrilen Situation in die nächste schlittert und aus der Ich-Perspektive mit reichlich Selbstironie davon erzählt. Vieles von dem, was ihr so widerfährt, mutet bekannt an oder sogar vertraut, so dass ihre Entscheidungen gut nachvollzogen werden können. Sogar dann, wenn sie sie gefühlt alle fünf Minuten ändert.

Denn im Laufe der Geschichte verwirren sich die Dinge immer mehr und mit ihnen auch die Emotionen unserer Heldin. Als neben teilweise unglaublich witzigen Begebenheiten durch die Begegnung mit Paul eine gehörige Portion Romantik mit ins Spiel kommt, klären sich die Dinge jedoch keineswegs. Im Gegenteil, alles verkompliziert sich, Höhen und Tiefen wechseln sich in rascher Folge nach dem Achterbahnschema ab. 

Nicht nur die Hauptperson, auch die anderen Personen sind sehr gut gezeichnet, haben ihre Schwächen und ihre Stärken und wirken bald wie alte Bekannte. Wo sie in Interaktion treten, sprüht es von ideenreichen Dialogen.

Das ist kurzweilig, liest sich spannend und unterhaltsam, einige wenige Details erscheinen manchmal überflüssig, ansonsten macht das Buch einfach Spaß. Und Mut. Denn Vera findet ihren Weg trotz eines Riesenhaufens von Widrigkeiten, die sich ihr im Laufe der Geschichte in den Weg stellen. 

Wer sich früher für Bridget Jones begeistern konnte, wird hier seine Freude haben und erkennen, dass jedes Alter seine spezifischen Herausforderungen hat.



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Tags: 2017, franka bloom, frauen, gelesen 2017, humor, liebe, rororo, scheidung, schwangerschaft   (9)
 

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73 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 53 Rezensionen

krimi, nordirland, irland, adrian mckinty, mord

Rain Dogs

Adrian McKinty , Peter Torberg
Flexibler Einband: 404 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.02.2017
ISBN 9783518467473
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In Carrickfurgus Castle wird neben dem Burgfried eine tote Reporterin gefunden. Obgleich ein Verbrechen praktisch ausgeschlossen werden muss, weil niemand zum Zeitpunkt des Todes in die Burg hineingelangen konnte, zweifelt Detektive Inspector Sean Duffy einen Selbstmord an und nimmt Ermittlungen auf.

McKinty legt hier den fünften Fall seines Helden Sean Duffy vor. Die Vorgänger nicht zu kennen, bedeutet kein Problem. Das Buch lässt sich gut lesen, auch ohne die anderen zu kennen. Das Problem ist vielmehr ein anderes: Wer diesen Band gelesen hat, will sofort mehr. Hier und jetzt.

Dieser bissige nordirische katholische Bulle ist an Charisma kaum zu überbieten. Sowohl seine vielen Schwächen, die charmant für Unterhaltung sorgen, als auch die überzeugenden Stärken prägen einen Ermittler, wie Krimifans ihn lieben müssen. Mit Hilfe der Ich-Perspektive und der Anwendung des Präsens schmuggelt der sich unmittelbar unter des Lesers Haut.

Abgesehen von dem eigentlichen Fall, der so spektakulär nicht ist, hat das Buch ausschließlich Hochklassiges zu bieten. Das fängt bei den Personen an: Sämtliche Protagonisten, nicht nur Duffy, sind exakt und charakteristisch entworfen, mit hohem Wiedererkennungswert. Auch das Setting überzeugt. Geschickt gelingt es, die Zeit derart gut einzufangen, dass man sich sogar ohne Datumsangaben gut orientieren kann. Der ganz normale Bürgerkriegswahnsinn im Belfast der 80er Jahre nimmt absolut selbstverständlich seinen Platz inmitten der Polizeiarbeit ein. 

Jedoch entsteht das ganz besondere Vergnügen durch den exquisiten Schreibstil. Der ist auf den ersten Blick keineswegs besonders anspruchsvoll, lässt sich ohne Anstrengung lesen. Aber wie mühelos werden Stimmungen jeglicher Richtung eingefangen, sowohl auf Landschaften und Umgebungen bezogen als auch auf emotionale Zustände. Und spätestens die Dialoge offenbaren einen lebendigen, geistreichen und situationsbezogenen Witz, der einfach nur Spaß macht. 

Es bleibt zu wünschen, dass KcKinty den Weg zu vielen weiteren Lesern finden wird, die außergewöhnliche und niveauvolle Krimiunterhaltung zu schätzen wissen.

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Tags: adrian mckinty, krimi   (2)
 

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

kanada, liebe, verra, familie, inuik

Die Fremde auf dem Eis

Bernadette Calonego
E-Buch Text: 324 Seiten
Erschienen bei Edition M, 20.09.2016
ISBN 9781503995284
Genre: Romane

Rezension:

Als Reiseleiterin gerät die Valerie Blaine wieder in die kanadische Arktis, genau in die Gegend, in der vor dreißig Jahren ihre Mutter während einer Expedition unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Der Trip steht unter keinem guten Stern: An der Eisstrasse über das Mackenzie-Delta wird eine unbekannte Tote gefunden. 

Die Welt des langen Winters, die Bernadette Calonego vor dem Auge des Lesers erschafft, ist weiß, kalt und faszinierend. Die extremen geologischen Bedingungen bilden eine äußerst präsente, dauerhaft mitbestimmende Basis. Sich In diese ungewöhnliche Kulisse mitsamt ihren Bewohnern und deren Eigenarten, Bräuchen und Legenden entführen zu lassen, macht einen großen Teil des Lesevergnügens aus. Das Aufeinandertreffen der verschiedenen Kulturen, der Umgang miteinander, das sind überaus interessante Aspekte.

Sehr bereichernd wäre übrigens eine Landkarte gewesen, um oft erwähnte Orte und Regionen besser einordnen zu können.

Eine Verquickung der Vergangenheit mit aktuellen Geschehnissen schenkt der Geschichte Tiefe und Geheimnis. Die Spannung wird auf einem guten Niveau gehalten, der Schreibstil ist leicht und flüssig. 

Valerie Blaine steckt in ihrer Begeisterungsfähigkeit für ihre Arbeit und die arktische Umgebung an und vermittelt einen sympathischen, warmherzigen Eindruck. Man wünscht ihr, dass die Fragen, die jetzt so nah an sie heranrücken, Antworten finden, und bangt mit ihr, wenn Gefahr aufzieht. Und man hofft auf etwas Romantik, die sich zwischen ihr und dem Eismeister Clem Hardeven doch bitte entwickeln möge!

Ein wenig konfus zeigt sich indes der Kriminalfall an sich, verwirrende Entwicklungen erscheinen teilweise als willkürlich. Zu viele Spuren werden ausgelegt, nicht nur, um in die Irre zu leiten, sondern um abzulenken. Dabei bleibt die Plausibilität etlicher Aktionen auf der Strecke, sogar die Glaubwürdigkeit des Gesamtkonstrukts leidet. 

Der Krimileser, der einen ausgeklügelten und scharfsinnigen Plot erwartet, wird hier eher weniger auf seine Kosten kommen. Wer aber ausgefallene Rahmenbedingungen zu schätzen weiß und etwas Wissbegier mitbringt, insbesondere was das Leben und die Gemeinschaft am nördlichen Polarkreis betrifft, wird den Roman genießen.

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Tags: 2017, arktis, bernadette calonego, canada, edition m, gelesen 2017, valerie blaine   (7)
 

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

geschwister, familie, trennung, jenny bünnig, kinder

Worüber wir nicht reden

Jenny Bünnig
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Langen-Müller, 22.12.2016
ISBN 9783784434162
Genre: Romane

Rezension:

Um die Familie zusammenzurufen, denkt Winni sich einen besonderen Grund aus: Er möchte mit seinem Riesenkürbis an einer Europameisterschaft teilnehmen. So treffen zum ersten Mal seit langem seine Tochter, sein Sohn und seine Enkelkinder im Elternhaus ein. Das Wochenende gerät zu einer Reise in die Vergangenheit. 


Jenny Bündig ist in ihrem dritten Roman eine großartige Familienstudie gelungen. Um all die Dinge, über die nie gesprochen worden ist, geht es hier und um mehr: um Beziehungen und Entwicklungen, um Schuld und Akzeptanz. Diese eigentlich schweren Themen werden so leicht verpackt, dass oftmals gelacht werden kann, und gehen gleichzeitig immer wieder tief unter die Haut. 

Die Charaktere sind minimal überzeichnet, sicher ein legitimes Mittel, um innerhalb einer überschaubaren Seitenzahl spannende Familieninteraktionen zu schaffen mit einer beachtlichen Bandbreite an Emotionen. 

Aus der aktuellen Situation heraus kommen Winni und seine Kinder auch in Rückblenden zu Wort (Winni in herzerwärmendem Ruhrpottslang) und erzählen, was ansonsten verschwiegen wird. Eine gute Methode, um dem Leser interessantes Hintergrundwissen zu bieten, Geschehnisse in Zusammenhänge zu bringen und Befindlichkeiten zu erklären.

Blanche, ein Goldfisch mit defekter Schwimmblase, der behinderte Hund Peek, der Kürbis … Sie sind Metaphern für Unvollständigkeit, für Makel, für diese Familie, in der so gar nichts einen geraden Weg nehmen kann.  

Und doch zeigt sich, dass hinter all den Problemen wunderbare Menschen stecken, die sich wahrhaft zugetan sind. Von denen jeder viel für andere empfindet, viel für andere tut. Notfalls auch viel von sich selbst zurück nimmt. Dass sie tatsächlich als Familie funktionieren, in dem Sinne, dass sie einander gut tun. Nicht die Probleme lösen, aber sich gegenseitig stärken.

An unzähligen Kleinigkeiten, Achtsamkeiten, wird erkennbar, wie viele Stärken sich in vermeintlichen Schwächen verbergen.

Die Geschichte hat einiges an moralischen Ratschlägen mitzugeben: Dass es manches Mal unrecht ist, zu verurteilen. Dass die Wahrheit eben nicht immer sichtbar ist. Dass Großherzigkeit eine Tugend ist, die letzten Endes seinem Träger am meisten hilft.

Ein schönes Buch, ein schönes Ende.

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Tags: 2017, dialekt, familie, gelesen 2017, jenny bünnig, langenmüller   (6)
 

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

kloster, schweigen, neuordnung, nachdenklich, gebet

Der Klang des Schweigens - Eine Reise zu Dir selbst

Heike Adami
Flexibler Einband: 98 Seiten
Erschienen bei Adami, Heike, 14.12.2016
ISBN 9783000552199
Genre: Sachbücher

Rezension:

Die Autorin Heike Adam beschließt, fünf Tage in einem Kloster des Schweigens zu verbringen, in Triefenstein bei Würzburg. Denn sie befindet sich gerade in einer Situation, die ihr zusetzt, aus der sie jetzt gerade keinen Ausweg sieht. In einer ohnehin schwierigen Lage erkrankt ihr Mann, sie selbst leidet unter Schmerzen, den Folgen eines Fahrradunfalls.

Das 98 Seiten starke Büchlein ist im Selbstverlag erschienen und weist rein formal schon einige Schwächen auf. So ist beispielsweise einer der verwendeten Schriftfonds nur schwer zu lesen. Schwer zu lesen ist auch der Text auf der Rückseite, und zwar, weil sich die pinkfarbenen Buchstaben in der Helligkeitsstufe wenig von dem unruhigen Hintergrund einer Mauer abheben.

Mag sein, dass die Kritik kleinlich wirkt. Es setzt sich aber fort: Der Innentext zeigt zu viele Fehler, um einfach darüber hinweg zu sehen. Das erschwert es, sich auf den Inhalt einzulassen. 

Der kommt schließlich in bruchstückartigen Sätzen daher, findet Eingang am ehesten, wenn sehr langsam gelesen wird, wenn dem inneren Nachklang eine Chance gegeben wird.

Der Aufenthalt sollte zu einer Reise zu sich selbst geraten. Nicht nur für die Autorin selbst, auch für die Leserin. Das gelingt nicht vollständig. Der angestrebte und schließlich erlebte Genesungsprozess ist ohne weiteres nicht nachvollziehbar. Erinnerungen an Reinkarnationserlebnisse irritieren mitunter. Im Großen und Ganzen wirken die Gedanken kaum originell und inspirierend, die Interpretationen biblischer Textstellen fragwürdig.

Zwischen den einzelnen Kapiteln gibt es auf Schriftrollen nachempfundenen Seiten Fragestellungen, die zum Nachdenken anregen sollen. Dort findet sich auch Platz zum Niederschreiben eigener Gedanken.

Über das Leben im Kloster an sich erfährt man zu wenig, als dass die Atmosphäre spürbar wäre. Wie genau die Selbstbesinnung dort unterstützt und angeregt wird, hätte vielleicht gründlicher thematisiert werden können.

Leider konnte mich die Lektüre nicht überzeugen. Vielleicht wäre in diesem Fall Schweigen die bessere Alternative gewesen. 

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

normandie, schriftsteller, krimi, frühling, leblanc

Bitterer Calvados

Catherine Simon
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.01.2017
ISBN 9783442485406
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als im normannischen Deauville das alljährliche Festival des Kriminalromans  stattfindet, wird ausgerechnet der Star der Szene, der Autor JPP, in seinem Zimmer tot aufgefunden. Schnell stellt sich heraus, das er mit Zyankali vergiftet wurde. 


In diesem dritten Fall um den Kommissar und Lebemann Jaques Leblanc entführt Catherine Simon ihre Leser in das malerische Küstenstädtchen Deauville. 

Angenehm ist der Einstieg, mühelos findet sich der Leser, auch ohne die ersten Bände zu kennen, zurecht. Die Personenanzahl bleibt überschaubar, der Schreibstil ist locker mit leicht humorvollem Einschlag, gelegentliche Ortsbeschreibungen unterfüttern das typische lokale Ambiente.

Der Plot ist eher simpel, das Buch begleitet hauptsächlich Leblanc und seine Kollegin Nadine Liard bei ihren Recherchen. Geradlinig und chronologisch werden die Ermittlungen dargelegt. Nichts wird vorenthalten. Spannung erwartet man vergebens, die Geschichte verläuft eher beschaulich und gemütlich, angereichert durch einige misslungene oder geglückte Liebesbemühungen des Kommissars. Der ist im Übrigen durchaus sympathisch, gerät aber, wie auch das gesamte Buch, einerseits ein Stückchen zu seicht, andererseits ein bisschen zu klischeehaft, um sich einen nachhaltigen Platz in des Lesers Herz zu erobern. 

Bis zum Ende bleibt die Geschichte ziemlich unaufgeregt, lässt jede Gelegenheit, doch noch etwas Dramatik oder Raffinesse einzubauen, ungenutzt vorüber ziehen. 

Der Kriminalfall an sich ist schlüssig und nachvollziehbar, große Überraschungen gibt es nicht. 

So fühlt man sich auf wohlige Weise unterhalten, kann nach klassischer Art auf der Suche nach dem Täter die eigenen grauen Zellen aktivieren und versuchen, Ermittlungsergebnisse rätselnd und kombinierend zu verwerten. 

Einen guten Abschluss bildet Leblancs Traum auf der letzten Seite. Der entlässt den Leser mit einem entspannten Lächeln und der Vorfreude auf eine Fortsetzung.

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236 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 123 Rezensionen

schweden, krimi, fabian risk, dänemark, happy slapping

Minus 18 Grad

Stefan Ahnhem , Katrin Frey
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 02.01.2017
ISBN 9783471351246
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein ebenso intelligenter wie skrupelloser Täter verlangt dem schwedischen Kriminalkommissar Fabian Risk und dessen Team alles ab. Kaltblütig stiehlt er seinem Opfer zunächst die Identität, um es dann zu beseitigen und sich selbst in die neue Rolle zu begeben. 

Stefan Ahnhems dritter Fall um das Ermittlerteam in Helsingborg ist großartig ausgeklügelt, detailliert erarbeitet und mit viel Leben und Zeitgeist versetzt.

Der Schreibstil ist nicht brillant, bleibt besonders in den Dialogen manchmal etwas flach, kann aber mühelos in die Geschichte hineinziehen und fesseln. Die beachtliche Anzahl an Personen, die in den ersten Kapiteln auftauchen, bilden allerdings besonders für diejenigen, die die Vorgänger nicht kennen, eine echte Herausforderung. 

Mehrere Handlungsstränge verlaufen weitgehend parallel und sind mehr oder minder eng miteinander verwoben. Häufig enden die Abschnitte mit Cliffhangern. Private Probleme sind vielleicht etwas zu großzügig mit eingeflochten, verhelfen ihren Trägern aber zu Tiefe. 

Neben dem eigentlichen Kriminalfall geht es um das sehr aktuelle Thema von Gewalt, die gefilmt und in öffentlichen Medien verbreitet wird. Ganz sicher ist es richtig und legitim, das literarisch zu verarbeiten. Das Ausmaß der geschilderten Grausamkeiten erreicht oder übersteigt dabei allerdings sicher so manche Schmerzgrenze.

Zum Leidwesen des Lesers führen etliche der Handlungsfäden über dieses Buch hinaus und werden ausgelagert ins nächste, oder - wer weiß - ins übernächste. Man kann sich vorstellen, dass, um die folgenden Bände zu genießen, neu erworbenes Wissen von Vorteil ist. Deshalb ist es wirklich sinnvoll, die Reihe in der Chronologie der Handlungen zu lesen und zu hoffen, dass der Autor sich in seinen weiteren Werken an eine Zeitleiste hält. 

Das alles klingt nach einer gewaltigen Mängelliste und lässt die vergebenen fünf Sterne wie einen Irrtum dastehen. Aber nein. Sie sind kein Irrtum. Sie sind einfach der Tatsache geschuldet, dass es erlaubt sein sollte, bei einem Kriminalroman das Hauptaugenmerk auf die Komponente Spannung zu legen. 

Und an Spannung ist dieses Buch wohl nur schwer zu überbieten. Hier wird Spannung geliefert von der ersten bis zur letzten Seite und das Kunststück vollbracht, dem Buch genau aus diesem Grund alles zu verzeihen.

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Tags: 2017, fabian risk, gelesen 2017, happy snapping, helsingborg, identitätsdiebstahl, krimi, list, schweden, stefan ahnhem, ullstein   (11)
 

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künstler, liebe, new york, freundschaft, kunst

Was ich liebte

Siri Hustvedt , Uli Aumüller , Erica Fischer , Grete Osterwald
Fester Einband: 752 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.07.2012
ISBN 9783499258886
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: 2004, bill wechsler, entwicklung, gelesen 2017, kunst, künstler, new york, rowohlt, siri hustvedt   (9)
 

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus: Werkausgabe in Einzelbänden

Friedrich Christian Delius
E-Buch Text: 160 Seiten
Erschienen bei Rowohlt E-Book, 01.08.2013
ISBN 9783644035911
Genre: Romane

Rezension:  
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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

anita meybohm, katzenkrimi, potsdam, rattenplage, kampfkater

Tuxedo

Anita Meybohm
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 04.07.2016
ISBN 9781532963636
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kater Balboa erwacht ohne Erinnerung bei einem Ehepaar, das ihn rührend umsorgt. Bei der Erkundung der fremden Umgebung muss er feststellen, dass im Potsdamer Kiez viele Gefahren lauern. Eine große Gruppe von Ratten rottet sich in der alten Meierei zusammen, den Park macht eine Gruppe Getigerter unsicher und obendrein treibt der Fetzenmörder sein Unwesen. 


Anita Meybohms erstem Katzenkrimi gelingt es gleich mit dem Prolog, den Leser zu fesseln. Balboa, der Kater ohne Erinnerung, ist ein durch und durch sympathischer Zeitgenosse, der mutig und neugierig die ihm unbekannte Welt betritt. Er erzählt aus seiner Perspektive, weswegen unumgänglich reichlich menschliche Verhaltensweisen untergemischt sind. 

Neben Balboa gibt es eine große Menge weiterer, hauptsächlich feliner Protagonisten. Einige von ihnen begleiten ihn bis zur letzten Seite, andere bleiben unscheinbar oder versanden unterwegs. Viele unterschiedliche Rassen und die jeweiligen Charakteristika werden benutzt, um die Individuen besser voneinander abzusetzen und mit besonderen Eigenschaften zu versehen. Einiges Interessante ist durchaus dabei zu erfahren, es ist jedoch narrativ versteckt und wirkt an keiner Stelle belehrend.

Die Geschichte ist spannend, gut durchdacht und unterhaltsam, aber

leider nicht ganz ohne Mängel. Das Fehlen von Lektorat und Korrektorat ist an manchen Stellen schmerzhaft zu spüren. Schmerzhaft vor allem deshalb, weil ihr Einsatz hier wirklich lohnend gewesen wäre. So muss man versuchen, über Fehler und kleine Ungereimtheiten hinweg zu sehen, um das Lesevergnügen zu erhalten. Manchmal wird auch zugunsten eines Effekts die Logik etwas vernachlässigt. Verbessert werden könnten auch Seitenaufbau und Schriftgröße. Letztere stellt sicherlich für manche Augen eine ernste Herausforderung dar.

Wunderschön sind die druckartigen Illustrationen von Uwe Meybohm. Sie bilden eine bereichernde Ergänzung eines im Großen und Ganzen gelungenen Debüts.

Insbesondere ist dieses Buch natürlich den Katzenliebhabern unter den Krimiifans zu empfehlen. Für diejenigen von ihnen, denen Potsdam besonders am Herzen liegt, ist er ein Muss.

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Tags: ***, 2016, anita meybohm, balboa, fetzenmörder, gelesen 2016, katzen, katzenkrimi, krimi, potsdam, ratten   (11)
 

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58 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

köln, kolumbien, krimi, judith krieger, pendo verlag

Die Toten, die dich suchen

Gisa Klönne
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 04.10.2016
ISBN 9783866124004
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Judith Krieger, Leiterin der Vermisstenfahndung in Köln, möchte eigentlich nichts mehr mit Toten zu tun haben. Doch dann wird der kolumbianische Geschäftsmann Angelo Jaramillo in dem Keller eines leerstehenden Gebäudes entdeckt, gefesselt und verdurstet. Da die Kommissarin kurz zuvor ein Jahr in Kolumbien verbracht hat, soll sie diesen Fall weiter bearbeiten. Dabei muss sie sich auch mit Animositäten ihrer Mitarbeiter auseinander setzen.

Lisa Klönne beweist in dem sechsten Band ihrer Reihe um die Ermittlerin Judith Krieger mit einem sehr starken Einstieg, dass sie Leser zu fesseln vermag. Der ungewöhnliche, reduzierte Schreibstil hebt sich inmitten des Genres wohltuend ab. Leider beginnen die Protagonisten einer nach dem anderen, im Laufe der Geschichte ihre privaten Probleme - und die sind teilweise beachtlich bis extrem, beziehungsweise werden dazu aufgeblasen - derartig in den Mittelpunkt ihres Lebens zu stellen, dass ihnen erstens gravierende Ermittlungsfehler unterlaufen, zweitens die eigentliche Kriminalhandlung stiefmütterlich vernachlässigt lange vor sich hin dümpelt. Das Überzeichnen der Probleme verhindert Identifikation, da die Personen auf dramatische Weise fremd werden. Man fühlt sich aus dem Buch heraus geschubst.

Die Polizeiarbeit wirkt manchmal unprofessionell, Erfolge basieren mitunter auf Zufällen oder, schlimmer, auf unerlaubten Maßnahmen. 

Nicht immer darf der Leser die Entwicklungen begleiten. Oft finden Ergebnisse, auf die eigentlich brennend gewartet wurde, wie zufällig im Nachhinein Erwähnung. („Die Untersuchungen hatten ergeben, …“) Das verursacht jeweils ein Stückchen Frustration engagierter Miträtselnder.

Interessant sind die Informationen bezüglich Kolumbien. Über das Land, seine Geschichte und die Menschen ist einiges durchaus gut Recherchierte und Wissenswerte zu erfahren. Das ist besonders deshalb erfreulich, weil sich der südamerikanische Staat in diesem Genre ansonsten eher rar macht. 

Der Fall an sich birgt wenig Überraschendes, auf die Auflösung wird lange hingearbeitet, sie wirkt glaubhaft und wenig spektakulär. 

Alles in allem ein gut zu lesender Krimi, in dem die privaten Seiten der Personen allerdings viel Raum einnehmen.

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Tags: 2016, gelesen 2016, gisa klönne, judith krieger, kk62, köln, kolumbien, krimi, pendo verlag, piper verlag   (10)
 

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253 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 99 Rezensionen

drachenreiter, greif, cornelia funke, drachen, fantasy

Drachenreiter - Die Feder eines Greifs

Cornelia Funke , Cornelia Funke
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Dressler, 26.09.2016
ISBN 9783791500119
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ein besonderer Auftrag führt den 14-jährigen Ben und seinen Adoptivvater Barnabas Wiesengrund nach Indonesien: Um die letzten drei Pegasusfohlen zu retten, benötigen sie die Sonnenfeder eines Greifs. Doch die Suche gestaltet sich schwierig, außerdem sind Greife ihrer Gefährlichkeit wegen berüchtigt, und die Zeit ist äußerst knapp.

Beinahe zwanzig Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes dürfen sich Fans endlich über die Fortsetzung des Drachenreiters freuen.

Cornelia Funke schafft es meisterhaft, die Leser schon auf den ersten Seiten einzufangen. Zügig und eindrücklich ersteht die magische Welt Mímameidrs, in der Barnabas Wiesengrund versucht, seltenen und bedrohten Tieren und Fabelwesen eine geschützte Heimat zu bieten. Vieles ist bekannt und vertraut. Aber auch Neueinsteigern gelingt das Eintauchen mühelos, allerdings scheint die Aufzählung immer weiterer Protagonisten anfangs kein Ende zu finden. Da hilft es, im Anhang eine Liste aller Teilnehmenden zu wissen. 

Während Geduld und Gedächtnis auf die Probe gestellt werden, wird langsam der Faden des Abenteuers aufgenommen. Im zweiten Drittel steigern sich Tempo und Spannung, das Buch kann kaum noch beiseite gelegt werden. Eine Aktion jagt die andere, Schauplätze und Handlungsstränge wechseln sich ab, eine überraschende Wendung folgt der nächsten. 

Es zeigt sich, dass für das Erreichen ihres Ziels die unterschiedlichen Eigenschaften und Fähigkeiten der Freunde unentbehrlich sind und sich gegenseitig ergänzen. Dies verdeutlicht sehr kindgerecht die Vorteile einer heterogenen Gesellschaft, in der das Anderssein meistens einen Nutzen für die Gemeinschaft darstellt. Wichtig ist der Autorin zudem, nicht den Kampf, nicht Hass und Feindschaft in den Mittelpunkt zu stellen, sondern Freundschaft, Verlässlichkeit, Kreativität und manchmal auch Mut.

Ganz unvermittelt stehen ab und an kleine und große Erkenntnisse da, die sich stets sehr ungezwungen und beiläufig aus dem Kontext schälen („Vielleicht sollte man seine Freunde nicht danach aussuchen, welcher Art sie angehören, sondern danach, wie sie beschaffen sind“) und von denen zu hoffen ist, dass viele den Weg in die Herzen der jungen Leser finden. 

Eine großartige Bereicherung stellen die zahlreichen detaillierten und passgenauen Illustrationen der Autorin dar. Was muss es für einen Spaß machen, dieses Buch Kindern entsprechenden Alters vorzulesen!

Eine Fortsetzung wäre schön - träum - und würde sicher, wie diese Geschichte, viele Menschen ab etwa neun Jahren glücklich machen.


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Tags: 2016, ben wiesengrund, cornelia funke, drachenreiter, dressler, fantasy, fliegenbein, gelesen 2016, kinderbuch, lung, mimameidr   (11)
 

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59 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

jugendbuch, bücher, calypso, familiäre probleme, *****

Eine Geschichte der Zitrone

Jo Cotterill , Nadine Püschel
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2016
ISBN 9783551560360
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die 11-jährige Calypso lebt seit dem Tod der Mutter allein mit ihrem Vater. Der arbeitet zur Zeit an einem Buch über Zitronen und nimmt sich wenig Zeit für seine Tochter. Er erwartet von ihr ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Selbstbeherrschung. In der Schule freundet sie sich mit Mae an, die neu in die Klasse gekommen ist. Ihre gemeinsame Liebe zu Büchern eint die Mädchen schon bald.


Jo Cutterin gelingt ein Kunstwerk: Sie schildert aus Sicht einer jungen Betroffenen die Problematik der Parentifizierung, und zwar so einfühlsam, dass der Band ohne Weiteres auch jungen Lesern empfohlen werden kann. Die ganze Überforderung, die seelische Verwirrung, die ambivalenten Gefühle, auch das schlechte Gewissen, dem Vater gegenüber, die verdrängte Sehnsucht nach Kindsein-Dürfen, all das findet Ausdruck. Das kennzeichnende altersuntypische Verhalten irritiert zunächst und erklärt sich nach und nach. Wie andere Kinder in ihrer Situation nimmt Calypso ihr Schicksal an. Schlicht und ergreifend, weil sie abhängig ist und ihr keine Wahl bleibt. Hoffnung erwächst aus der Begegnung mit Mae, denn sie findet in ihrer neuen Freundin und deren Familie verlässliche und kompetente Hilfe. Glückliche und unbeschwerte Stunden bleiben die Ausnahme, doch der Weg führt spürbar in eine gute Richtung. 

Die Freundschaft der Mädchen ist herzerwärmend. Der hohe Stellenwert, den sie dem Lesen und Schreiben beimessen, beglückt. 

Ebenfalls erfreulich ist, wie ganz beiläufig Maes japanische Wurzeln erwähnt werden. Eben diese Beiläufigkeit verdeutlicht, wie unwichtig verschiedene Herkünfte sein können, wenn es um Freundschaft und Seelenverwandtschaft geht.

Das Buch ist nicht nur wunderbar geschrieben, es überzeugt ebenso durch eine sehr hochwertige Aufmachung. Der Zweig mit den Zitronenblüten in unterschiedlichen Stadien der Öffnung über den Kapitelüberschriften ist ein schönes Bild für die Entwicklung der jungen Heldin.

Diese hochgradig sensible Geschichte ist empfehlenswert für alle Menschen ab etwa zwölf Jahren. Behutsam wird man an die Bandbreite extremer Familiensituationen herangeführt und geht doch leichten Herzens aus der Lektüre heraus.

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Tags: *****, 2016, bibliothek, bücher, calypso, gelesen 2016, jo cotterill, jugendbuch, junge helden, königskinder-verlag, parentifizierung, zitronen   (12)
 

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219 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

magie, liebe, berlin, traumprinz, liebeskummer

Traumprinz

David Safier , Oliver Kurth
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 27.10.2016
ISBN 9783463406046
Genre: Humor

Rezension:

Als die junge Comiczeichnerin Nellie Oswald gerade mit ihrem Freund Bendix in der Badewanne sitzt, erscheint dessen Verlobte und wirft sie aus der Wohnung. Kurz darauf stiehlt sie eine tibetanische Kladde und zeichnet ihren Traumprinzen hinein, ohne zu ahnen, dass die Magie des Heftes alles darin lebendig werden lässt. 

Davis Safier weiß zu unterhalten. Der lockere, amüsante Schreibstil, bestens bekannt u. a. aus „Mieses Karma“ und „Jesus liebt mich“, jagt auch hier die Leser gekonnt durch einen Mix aus Fantasie, verrückten Abenteuern und witzigen Situationen. Angereichert wird das Ganze durch Illustrationen von Oliver Kurth.

Ich-Erzählerin Nellie Oswald ist nicht nur romantisch mit Hang zur Schwärmerei, sie bringt die vielen Dutzend Missgeschicke, die ihr am laufenden Band zustoßen, mit einer gehörigen Prise Selbstironie auf den Punkt. Sogar der Running Gag der kurzen Reihe der Verflossenen macht in immer anderem Kontext jedes Mal erneut Spaß.

Die übrigen Charaktere sind lebhaft und ambitioniert geschildert, an Nellies Seite zeigen sie Stärken und Schwächen und tragen wesentlich zu unvorhergesehenen Wendungen und Entwicklungen bei. Da kann selbst die Randfigur des Fahrscheinkontrolleurs mit „Migrationsvordergrund“ zu Hochform auflaufen. Und erst recht gelingt das dem stolzen Prinz Retro, der ganz unvermittelt aus einer vergangenen Welt ins Hier und Jetzt katapultiert wird. Staunend kommentiert er seine neue Umgebung und die Menschen, auf die er trifft und mischt bald kräftig in dem Chaos, das Nellie ständig heraufbeschwört, mit. 

Es stimmt zwar: Ganz neu sind die Ideen, die hier ausgebreitet werden, nicht. Und ganz sicher ist der Inhalt des Buches nicht besonders tiefsinnig. Aber nicht jedem gelingt es, mit derartiger Leichtigkeit aus so wenig Substanz, dafür aber umso mehr Klamauk, ein so rundes Leseerlebnis zu schaffen. Wer einfach nur gut dreihundert Seiten lang dauerschmunzelnd möchte, hat hier eine gute Chance.

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Tags: 2016, berlin, david safier, gelesen 2016, humor, kindler, nellie oswald, retro, zauberkladde   (9)
 

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72 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

südtirol, krimi, mord, commissario grauner, ultental

Die Stille der Lärchen

Lenz Koppelstätter
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 13.10.2016
ISBN 9783462047349
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In dem kleinen Südtiroler Ort St. Gertraud wird, an einen Lärchenstamm gelehnt, eine Mädchenleiche gefunden. Commissario Grauner zweifelt, als der angrenzend lebende Architekt Haller den Mord gesteht. Stattdessen ermittelt er weiter, stöbert in den Geschichten der Dorfgemeinschaft und stößt schließlich auf alte Geheimnisse, deren Schatten bis in die Gegenwart reichen.

Lenz Koppelstätter stellt hier nach „Der Tote am Gletscher“ seinen zweiten Kriminalroman der Reihe um Grauner vor. 

Sein Commissario ist ein nachdenklicher, gründlicher, liebenswerter Mensch, der neben dem Hauptberuf noch den des „Viechbauern“ ausübt. Seine Kühe verwöhnt er gerne mit Streicheleinheiten und Mahlers Sinfonien. An seiner Seite komplettiert Ispettore Saltapepe, der temperamentvoll und beständig neapolitanisches Lebensgefühl versprüht, das kontrastreiche, lebendige und sympathische Ermittlerduo. Konsequent entfalten sich die Charaktere, alles ist bis ins Kleinste stimmig. Ganz genau werden die Menschen, nicht nur die beiden Hauptakteure, betrachtet, häufig mit ironischem Augenzwinkern.

Das allein bürgt für Lesespaß. Darüber hinaus erfreut der mit feinem Humor durchwobene Schreibstil. Und besonders, wenn es um Natur geht, überzeugt er durch gleichermaßen poetische wie genaue Schilderungen. Die Landschaft verdeutlicht sich in wunderschönen Bildern. Den Anspruch, den der überaus brillante Prolog zu wecken versteht, vermag das Buch indes nicht ganz aufrecht zu erhalten.

Gleich zu Beginn zieht es den Leser ins Geschehen, es darf gerätselt und geschlussfolgert werden. Bei manchen Gelegenheiten kann man sich einem dezenten Grusel hingeben, geheimnisvoll lugt Ungesühntes und Verborgenes zwischen Vergangenem hervor. 

Zwischendurch zieht sich die Ermittlung ein wenig hin, der Spannungsbogen gibt ein kleines Bisschen nach. Wer Thrill und Tempo liebt, wird hier vielleicht etwas Geduld bemühen müssen. 

Doch liest sich der Roman so beschaulich, so angenehm und unterhaltsam, dass er jedem, der Sehnsucht nach stimmungsvoller Kriminallektüre hat, dringend ans Herz gelegt werden muss. 

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Tags: ****, 2016, commissario grauner, gelesen2016, ispettore saltapepe, kiwi, krimi, lenz koppelstätter, südtirol   (9)
 
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