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krieg, autobiografie, kosovo, bundeswehr, wahre geschichte

Mit der Hölle hätte ich leben können

Daniela Matijevic
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 25.08.2010
ISBN 9783453170728
Genre: Biografien

Rezension:

Frau Matijevic ist noch sehr krank und sie scheint es nicht zu wissen. Es erscheint mir so ziemlich sicher, dass Daniela Matijevic schlimme Dinge passiert sind, im Kosovo wie in Deutschland. Unglaubliche Dinge, die einer weiteren und tieferen Bearbeitung harren. Das Buch, das sie dazu geschrieben hat, ist ein Dokument ihres Verarbeitungsprozesses, es taugt allerdings nicht zur Veröffentlichung und hätte noch einige Jahre in der Schublade verdient gehabt, Jahre, die sich Frau Matijevic nicht nehmen wollte. Eine Ungeduld, die durchaus verständlich ist vor dem Hintergrund, dass sich die unter psychischen Krankheiten Leidenden durchaus dessen bewusst sind, welcher Lebensgenüsse, seien sie beruflicher oder privater Natur, sie jahrelang nicht teilhaftig sein können, weil sie nie ganz sie selbst sein können und immer, absurderweise auch und gerade in den schönen Erlebnissen, etwas Dunkles und Bedrohliches mitschwingt. Eine Ungeduld aber auch, die sich bitter rächen kann, wie wir jetzt sehen können, denn wir nehmen Anteil an einer menschlichen Katastrophe. Matijevic hat nach langen Jahren unverschuldeter Sprachlosigkeit, emotionaler Vereisung und damit verbunden auch sozialen Niederganges endlich einen Modus gefunden, ihrem aus den Fugen geratenen Innenleben etwas Kommunizierbares zu verleihen, und so auch, dem vermeintlichen Makel etwas abzugewinnen. Sie hat sich mit ihrem Problem beschäftigt, das lässt sich ihren Interviews entnehmen, etwas, was so manchem Kranken zu wünschen wäre. Sie hat Schlüsse gezogen, die sie auch öffentlich vertritt, vielleicht dann und wann mit einer Ausdauer, die ich ihr eher bei der weiteren Bearbeitung ihres Problems wünschen würde. Dabei, sie sprach in einem Interview von 700 Interviewanfragen, muss ihr irgendwie das Problem selber abhanden gekommen sein, obwohl es natürlich immer noch da ist. Ihr jetziges Verhalten, Anfragen, kritischere Kommentare wegzudrücken lässt sich eher als pathologisch beschreiben, so wenig Kritikfähigkeit findet man selten. Da gab es diese unglaublichen Erlebnisse und sie hat eine Möglichkeit gefunden, sie zu artikulieren, eine unter vielen, ich selber bevorzuge tiefer reflektierte, und Kritik daran versteht sie automatisch als Unterstellung, sie hätte sie sich gänzlich ausgedacht. So was kann schon mal als Zumutung empfunden werden, dass ihr Gegenüber vielleicht auch bei sehr schrecklichen Dingen eine gewisse Verifizierbarkeit schätzt, ist ihr schlicht nicht nachvollziehbar.und das zeigt meiner Meinung nach, dass sie den prekären Auswirkungen ihrer Erkrankung (sprich: verquere Realitätswahrnehmung) noch zu sehr unterliegt, viel mehr, als sie für wahr halten möchte. Die vielen Journalisten sind nicht die Lösung, die Streicheleinheiten, die sich so gewinnen lassen, sollten sie nicht davon abhalten, das Problem selber, ihr persönliches Problem weiterhin im Fokus zu behalten.

Einer der wenigen Vorzüge dieses Buches besteht darin, dass eine breitere Öffentlichkeit Einblick darin gewinnen kann, wie es innerhalb eines Gesundungsprozesses aussehen kann, als Dokument einer gelungenen Genesung lässt es sich nur schwerlich verstehen, eher als eine Art Anklage und als Zeugnis beredter Sprachlosigkeit. Frau Matijevic ist nur das Beste zu wünschen, heißt für mich in diesem Zusammenhang, weiter suchen und nicht zu schnell das Vorgefundene für das zu halten, was man scheinbar schon immer gesucht hat.

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