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57 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

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Am Rand

Hans Platzgumer
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 01.02.2016
ISBN 9783552057692
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch ist im Ich-Erzähler geschrieben und im Prinzip wie ein langer Brief über sein Leben, indem sich der Protagonist gelegentlich auch direkt an dem Leser richtet.


Ich fand den Stil sowohl angenehm zu lesen, als auch besonders – es fanden sich ein paar sehr schöne Sätze darin, die regelrecht nachklingen.


Ich muss sagen, dass ich den Anfang, als er über seine Kindheit und den ersten Toten den er gesehen hat berichtet, ich das noch nicht so mitreißend fand. Das änderte sich dann jedoch recht schnell.


Wie gesagt berichtet er von seinem Leben, von den Menschen darin und von seinen Toten.

Es war wirklich großartig, wie Personen und dessen Wesen beschrieben wurden.

Die Distanz zu seiner Mutter, die selbstgefällige Härte seiner Großvaters, die Liebe zur sich immer im unsteten Fluss befindenen Elena, der Trägheit verachtene Guido.

Auch zu sehen, wie deren Leben verlaufen und sich die Beziehung zu dem Protagonisten entwickelt, fand ich sehr interessant.


Ich war tatsächlich überrascht, wie viel Raum für den Wunsch nach Schreiben eingeräumt wurde – sich der Kunst des Schreibens zu widmen, was jedoch immer brotlos blieb.


Es wird ein Leben beschrieben und ist trotz den ganzen Schicksalen und Tragödien, weder anklagend, noch rechtfertigend. Das fand ich ziemlich beeindruckend.


Das Thema Moral – also ob der Protagonist nicht nur aus technischer Sicht ein Mörder ist, sondern auch aus moralischer – das schwang in der Tat mit, nahm aber doch nicht so viel Raum ein wie ich erwartet hatte.


Viel mehr verfolgte man den Moment des Entkoppelt sein – den Moment, wenn die Menschlichkeit aussetzt und eine andere Seite übernimmt, um zu funktionieren.

Das fand ich wirklich sehr spannend.


Fazit

Auch wenn es nicht exakt das war, was ich erwartet hatte, hat es mich positiv überrascht und ich empfand es als sehr mitreißend und irgendwie ergreifend.

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Tags: btb, lebensgeschichte, moral, roman, schicksale   (5)
 

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57 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Neujahr

Juli Zeh
Fester Einband
Erschienen bei Luchterhand, 10.09.2018
ISBN 9783630875729
Genre: Romane

Rezension:

Die Autorin hat einen angenehmer Schreibstil – gut beobachtet, präzise wieder gegeben.


Das Buch hat keine Kapitel – nicht einmal Absätze – es gibt nur 4 ungleichmäßig verteilte Abgrenzungen – das macht es etwas schwierig, wenn man es nicht in einem Rutsch lesen kann.


Als Ankerpunkt dient die Radtour von Henning auf Lanzarote – dabei wird immer wieder in die Nahe oder weitere Vergangenheit geblickt.


Ich fand es toll, wie das Familienleben mit zwei Kindern eingefangen wurde.

Es ist ehrlich und so vermittelt, dass man wirklich ein Bild davon bekommt und das mit wenigen Worten.

Es zeigt sowohl die Liebe zu der Familie, als auch dass sich alles nach den Kindern ausrichtet – das Management, die Monotonie, manchmal die Resignation die dahinter steht. Auch wie Überforderung beschrieben wurde, fand ich sehr gut und sehr mitfühlend.


Dabei sind solche Alttagessituationen in einer Weise aufgegriffen, dass sich sehr viele irgendwie darin wiederfinden werden – vielleicht sogar Gefühle und Gedanken zu Papier gebracht wurden, die viele sich nicht trauen würden sie aussprechen, aber vermutlich gut kennen.


Was mich etwas gestört hat war, dass das Wort „ES“ - das großgeschriebene, die Penetranz. Damit sollte natürlich aus Dramaturgiegründen verschleiert werden, was sich hinter „ES“ (also die Angst Attacken) verbirgt – und das fand ich anstrengend.


Diese rühren aus der Vergangenheit – in der etwas schreckliches passiert ist, was Henning jedoch vergessen hatte – nun jedoch zurück kommt.

Wie dieses Ereignis geschildert wurde, fand ich wirklich toll und sehr eindringlich – die Liebe zu seiner Schwester, die Angst, die Überforderung, das Brechen von Urvertrauen.


Wie es dazu kam, war natürlich von konstruierten Zufällen behaftet – auch wie es sich ganz zum Schluss auflöst: ich bin mir nicht sicher ob ich es richtig deuten kann – warum das jetzt die Lösung sein sollte.


Aber trotzdem ist es eine sehr gut erzählte Geschichte, so großartig beobachtet und wiedergegeben und sehr eindringlich erzählt – gerade auch wie sich das Trauma von damals auf das Leben heute für den Protagonisten auswirkt.

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Tags: familie, roman, traumata   (3)
 

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(9)

28 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Der lächelnde Gott

Joseph Fink , Jeffrey Cranor , Birgit Herden
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 30.08.2018
ISBN 9783608962635
Genre: Fantasy

Rezension:

Ich hatte den ersten Teil gelesen und war deshalb auf die Surrealität vorbereitet. Trotzdem waren die ersten paar Seiten fast wieder wie ein kleiner „Schock“.

Ich habe eine Weile gebraucht um wieder rein zu kommen – aber dann war auch die Faszination wieder da.


Ich liebe es wie gesellschaftskritisch es ist – dies natürlich immer im Schleier des skurrilen, surrealen Stils.

So funktioniert das Buch letztlich – es spricht ganz alltäglichen Sachen an – die jeder von uns kennt – aber das muss man erst einmal entdecken.


Am Anfang ergibt erst einmal nichts Sinn – aber wenn man das Prinzip erst mal durchschaut hat und weiß wie es funktioniert und worauf man achten muss – dann läuft es und macht richtig Spaß.


Als winziges, harmloses Bsp: S. 105 - „Einen Postboten zu erwischen, ist nicht leicht. Man muss ganz schön fix sein und es schnell anstellen, wenn man seine Post bekommen will – entweder stellt man eine Falle auf oder man versteckt sich im Gebüsch und verlässt sich auf seine Reflexe.“ - ist klar, was gemeint ist. Wir haben hier auch solche Postboten. Wenn die Post überhaupt ankommt, dann klingeln die mit den Fingerspitzen und laufen dann offensichtlich weg, denn wenn ich zur Tür bin, sind sie schon über alle Berge und ich muss zur Filiale, um meine Post abzuholen.


Es brauchte auch etwas die Handlung zu durchschauen und den roten Faden zu finden. Dieser bildet sich dann aber doch relativ schnell heraus und ist sogar deutlicher verfolgbar, als noch im ersten Band.


Die Figuren sind griffig, auch wenn sie mir nicht unbedingt ans Herz gewachsen sind. Trotzdem folgt man ihnen gerne durch die Geschichte.

Es war auch schön Figuren aus dem ersten Teil wieder zu sehen – wie Josh, den jugendlichen Formwandler oder Jackie. Diese „Treffen“ waren zwar sehr kurz, aber trotzdem war es schön und hat viele Erinnerungen hervor gerufen.


Das große Thema des Buches ist im Prinzip die Diskrepanz von Wissenschaft und Religion – was vor allem durch die beiden wichtigsten Figuren in dem Buch transportiert wird. Ganz dicht gefolgt von zwischenmenschliche Kommunikation, Integration und Toleranz.

Natürlich haben wir aber auch zahlreiche weitere Themen: wie z.B. das streben der Forschung nach Ruhm, statt Wissen; der Kontroll- und Überwachungswahn der Politik, Die Frage was Heimat ausmacht und ab wann man zu einer Gesellschaft dazu gehört; die Schwierigkeit von Zwischenmenschlichen Beziehungen – jemanden so zu kennen, dass man ihn wirklich versteht, usw.


Die ganzen Metaphern, Sinnbilder und Symbole zu „entschlüsseln“ macht den Reiz dieses Buches aus – der übrigens auf den gleichnamigen Podcast beruht.

Man kann sehr viel in das Geschilderte rein interpretieren und fast schon rätseln, was einen hiermit und damit vermittelt werden sollte.

Dabei wird man immer wieder neue Details entdecken – langweilig wird es so nie.


Allerdings muss ich auch sagen, dass es mir ein bisschen an einen Höhepunkt der Geschichte gefehlt hat.


Fazit

Es war wieder sehr schön einen Blick nach Night Vale zu werfen und für kurze Zeit Teil dieses Universums zu sein.

Der Stil ist definitiv gewöhnungsbedürftig und garantiert auch nicht für jedermann. Aber wenn man den Bogen erst einmal raus hat, gibt es jede Menge zu entdecken.

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Tags: mindfuck, roman, surreal   (3)
 

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(69)

355 Bibliotheken, 32 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

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Das Gold der Krähen

Leigh Bardugo , Michelle Gyo
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Knaur, 03.09.2018
ISBN 9783426654491
Genre: Fantasy

Rezension:

Das Buch ist toll geschrieben – man fliegt nur so durch die Seiten und mag es kaum aus der Hand legen – auch wenn ich sagen muss, dass wie im ersten Band auch schon, es so war, dass ich den Einstieg nicht so ganz gelungen fand. Dies legt sich aber schnell.

Trotzdem fand ich wieder das erste und letzte Kapitel am schwächsten.


Wir haben schon manchmal etwas kindlichen Humor – es ist fast schon etwas albern – aber es hat Charme. Nach wie vor ist der große Pluspunkt, die Dynamik in der Gruppe und die Charaktere dieser Gruppe selbst.


Jedes Kapitel ist aus einer anderen Sicht erzählt – man steckt also in jeden Kopf drin, hat dessen Gedanken, Gefühle und lernt die Hintergrundgeschichte jedes einzelnen kennen.

Das hilft ungemein jeden einzelnen Charakter kennen zu lernen und so entwickelt man zu jedem eine Verbindung.


In diesem Teil werden die jeweiligen Geschichten übrigens noch weiter vertieft. Ich muss aber auch sagen, dass das schon ab und an wiederholend war.

Außerdem muss ich leider auch sagen, dass sich bereits im ersten Band gewisse Favoriten raus kristallisiert hatten – das wurde in diesem Band noch verstärkt. Es ist aber nicht so, dass man halbherzig über die Seiten fliegt bis wieder eine Sicht von seinen Liebling kommt.


Was ebenfalls vertieft wurde, sind die Verbindungen bzw. die Beziehungen der Figuren untereinander.

Das war auch weitgehend gut, muss aber auch sagen, dass in diesem Band schon mehr Romantik und auch Kitsch angesagt war, als noch im ersten – insgesamt hält es sich aber im Rahmen.


Ich liebe vor allem die Dialoge und die Dynamik die darin steckt. Vor allem wenn ein Plan erörtert wird und das geschieht oft – es war ein regelrechter Genuss.

Das Buch ist wieder Abenteuer-Feeling pur – aber auch eine deutliche Weiterentwicklung. Es gibt viel mehr Wendungen und Hürden als noch in Band 1. Es ist insgesamt komplexer und irgendwie größer.

Realistisch ist es natürlich nach wie vor nicht. Aber die Autorin schafft es mir das trotzdem so zu verkaufen, dass es die ganzen Zufälle und das fast schon unverschämte Glück oder auch die ein oder andere Logiklücke nicht stört. Weil es schlicht sehr unterhaltend ist und dadurch auch die Spannung konstant aufrecht erhalten wird. Man will sehen was als nächstes passiert.


Ich mochte es übrigens auch, dass in dem Buch an einer Stelle aufgegriffen wurde, wie jung unsere Protagonisten eigentlich sind. Auch wie gut solche Randthemen wie Rassismus und Völkerverständigung eingearbeitet wurden.

Auch wenn ich sagen muss, dass ich dieses Mal durchaus ein paar Passagen etwas gestreckt fand. Nicht alles wäre unmittelbar notwendig gewesen.


Auch wenn ich das Buch insgesamt gut konstruiert finde, löste sich manches letztlich dann doch etwas zu leicht auf. Was vorher noch ein unmögliches Hindernis war, geht dann doch plötzlich verhältnismäßig leicht.


In einer Sache war die Autorin inkonsequent in Bezug auf ihre Charaktere – nur ganz zum Schluss macht sie dann doch noch eine Sache (ich will nicht spoilern, deshalb jetzt so verquer formuliert) – das diente dann aber meines Erachtens nur noch dem Drama und der Tragik – das fand ich . . . doof.


Fazit

Obwohl es durchaus kleine Dinge gab, die ich anprangern würde, schmälert das das Buch nicht.

Es ist nach wie vor sehr unterhaltsam und spannend und hat wahnsinnig tolle Charaktere zu bieten.

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Tags: abenteuer, action, fantasy, jugendbuch, knaur   (5)
 

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(4)

11 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

In der Nacht hör' ich die Sterne

Paola Peretti , Christiane Burkhardt
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 26.10.2018
ISBN 9783423289672
Genre: Romane

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(351)

635 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 46 Rezensionen

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Der Kleine Prinz

Antoine de Saint-Exupéry , Peter Stamm
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 22.03.2016
ISBN 9783596906314
Genre: Klassiker

Rezension:  
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(6)

17 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

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Beale Street Blues

James Baldwin , Miriam Mandelkow
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.07.2018
ISBN 9783423289870
Genre: Klassiker

Rezension:  
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(34)

76 Bibliotheken, 2 Leser, 4 Gruppen, 10 Rezensionen

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Das Feld

Robert Seethaler
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 04.06.2018
ISBN 9783446260382
Genre: Romane

Rezension:  
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(85)

134 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 76 Rezensionen

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Das weibliche Prinzip

Meg Wolitzer , Henning Ahrens
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 24.07.2018
ISBN 9783832198985
Genre: Romane

Rezension:

Bereits das erste Kapitel hatte mich – gerade die Rede von Faith hat mich wie die Protagonistin fast schon beflügelt – und die Begeisterung hielt während das gesamten Buches an.


Ich mag den Stil – er hat gewählte Formulierung, ist präzise beobachtet und es schwingt oft ein leichter Humor mit. Oder kurz: Es ist sehr angenehm zu lesen.


Unsere Protagonistin ist Greer – ihre Person ist so zu sagen, der Ankerpunkt. Im Laufe des Buches kommen auch andere Personen zu Wort, in dessen Kapitel wir etwas aus ihrem Leben erfahren und ihre Sicht und Erfahrungen kennen lernen. Das sorgt für Abwechslung und neue Perspektiven.

Durch diese verschiedenen Sichten und Lebenserfahrungen, fügte sich wie bei einem Puzzle, nach und nach ein großes Bild zusammen. Dadurch bekommt man das Gefühl, wirklich die ganze Geschichte zu erfahren. Etwas, was einem im echten Leben verwehrt bleibt – ein großer Vorteil der Literatur.


Generell waren die erzählenden Charaktere gut ausgearbeitet und in Szene gesetzt – jeder hatte seine Eigenarten, Fehler und Stärken. Ich bin tatsächlich jedem einzelnen gerne durch ihr Leben/Geschichte gefolgt, weil sie allesamt schlichtweg interessant waren.


Mein Hauptgrund das Buch lesen zu wollen, war tatsächlich das Thema: intelligent erzählter Feminismus – und das bekommt man auch.
Dabei greift das Buch viele Formen von Sexismus auf. So auch über die Colleges-Zeit erzählt, den Alltagssexismus, den jede Frau/Mädchen kennt und hier gut eingefangen und dargestellt wurde – ebenso wie überfordert und wehrlos man sich in solchen Momenten fühlen kann – und die Stigmatisierung des Opfers und Bagatellisierung der Tat.


Es zeigt aber auch die Auswirkung, wenn die Sexualaufklärung durch Pornografie ersetzt wird. Oder die „Gläserne Decke“ Spielt eine Rolle, Diskriminierung von Homosexuellen (hier vorrangig von Lesben) - Nicht nur eine direkte feindselige, sondern auch eine unterschwellige, dass es immer noch in vielen Köpfen verankert ist, dass Homosexualität nicht normal sei, dass es durch äußere Umstände entsteht oder derjenige eigentlich hetero ist und dieses Selbst nur unterdrückt würde – dass dies auch auftaucht, in modernen Gesellschaften. Es bildet die Aktivistenszene ab und der Feminismus im Wandel der Zeit oder beschäftigt sich mit Machtstrukturen und zeigt Grauzonen.


Aber! Und das finde ich wichtig an der Stelle: Das Buch ist nicht belehrend mit erhobenen Zeigefinder oder feministischer Keule.

Ich würde sogar behaupten, dass selbst wenn man nicht sonderlich viel Blick auf diese Themen legt, man hier trotzdem gut unterhalten wird – denn zur einen ist das Buch einfach gut erzählt und letztlich erzählt das Buch auch schlicht von Lebensphasen – z.B. die Zeit kurz nach dem Colleges, wenn man (idealistische) Pläne macht und dann von der Realität eingeholt wird – und man eigentlich keine Ahnung hat, was man mit seinem Leben anfangen soll oder was für Phasen man im Leben durchläuft, was für Schicksale oder alltägliche kleine Tragödien einen begegnen können.


Es erzählt von Themen, die jeden von uns betreffen und jeder von uns kennt, dass man etwas sinnvolles im Leben machen möchte, etwas bewirken will, sich selbst verwirklichen will.

Manchmal wartet man vielleicht auch nur auf dem Impuls, um endlich aktiv zu werden.


Diesbezüglich wird man meines Erachtens nicht nur unterhalten, sondern gibt einen das Buch durchaus auch etwas mit.


Fazit

Ich habe dieses Buch angefangen, weil ich einen intelligenten, feministischen Roman lesen wollte und das habe ich bekommen. Aber selbst wenn man darauf keinen großen Blick legt, erwartet einen immer noch, ein verdammt gut erzählter Roman.

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Tags: feminismus, lebensgeschichte, roman   (3)
 

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(49)

96 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 39 Rezensionen

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Die Zeit der Ruhelosen

Karine Tuil , Maja Ueberle-Pfaff
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 10.03.2017
ISBN 9783550081750
Genre: Romane

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(131)

220 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

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Ein untadeliger Mann

Jane Gardam ,
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 24.08.2015
ISBN 9783446249240
Genre: Romane

Rezension:  
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(30)

55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Leben

David Wagner , ,
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.10.2014
ISBN 9783499252754
Genre: Romane

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(108)

179 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

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Alle Toten fliegen hoch - Amerika

Joachim Meyerhoff
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 23.12.2015
ISBN 9783462049671
Genre: Romane

Rezension:

Ich fand, das Buch war gut geschrieben – es gab keine „Eingewöhnungsphase“, man steckte sofort in dem Leben und Wünsche des Protagonisten – dessen Namen man übrigens erst recht spät erfährt.


Das Buch ist eher ruhig, es kommt ohne große Dramen oder Effekthascherei aus. Es erzählt einfach und dabei schweift es auch immer wieder gerne ab und wirft eine Ergänzung, Anekdote, Erinnerung o.ä. ein – dabei macht das Erzählte auch gerne mal einen kleinen Abstecher in die Vergangenheit oder auch Zukunft– das sorgt durchaus für eine gewisse wohlige Stimmung beim Lesen, wirkte auf mich hier und da aber auch etwas gestreckt.


Es erzählt von dem Lebensabschnitt des noch jungen Protagonisten. Den Ankerpunkt bildet dabei die Reise nach Amerika.

Man erfährt von seiner Familie, seiner Gastfamilie und die Beziehungen zu ihnen. Man liest von den Unterschieden zwischen dem Leben und Umständen in Deutschland und Amerika und auch von den Gemeinsamkeiten.


Im Laufe der Geschichte trifft der Protagonist auf die verschiedensten Menschen, mit verschiedenen Charakterzügen, Lebensstile und Geschichten – nichts davon jedoch wirklich vertieft. Auch Verlust und Schicksale spielen eine Rolle.


Die Geschichte ist trotz der auch ernsteren Themen nicht deprimierend – von dem versprochenen „selbstironischen Witz“ habe ich jedoch nicht so viel mitbekommen.

Ich würde es auch nicht als „Entwicklungsroman“ bezeichnen, weil ich keine nennenswerte (Charakter-)Entwicklung sehe.


Alles was beschrieben wird, ist auch wirklich gut erzählt – es herrscht auch keinen nennenswerten Abstand zu mir und der Geschichte, aber so richtig gepackt hat sie mich auch nicht.


Fazit

Ich habe das Buch durchaus gerne gelesen, es hat mich durchaus unterhalten. Aber wirklich gepackt oder gar etwas mitgegeben hat es mir nicht.

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Tags: kiwi, roman   (2)
 

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(31)

62 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Löwen wecken

Ayelet Gundar-Goshen , Ruth Achlama
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 28.04.2016
ISBN 9783036959405
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch ist gut geschrieben – es schweift manchmal etwas ab, ist aber oftmals passend und gibt den Gemütszustand der beschriebenen Person sehr gut wieder. Allerdings muss ich gleichzeitig sagen, dass das Buch kein Meister der kurzen, präzisen Sätze ist – es hat schon manchmal einen Hang zum Schwafeln und ist sogar mal redundant.

Zu Beginn hat es aber einen gewissen Humor und den gewissen Hauch des Makaberen, der mit gefiel, sich dann jedoch leider verlor.


Man lernt hauptsächlich Etan kennen – ihn, seine Gefühls- und Gedankenwelt dafür gut.

Es gibt zwar auch immer mal wieder Passagen aus der Sicht seiner Frau und der Frau des überfahrenen Opfers und erfährt somit natürlich auch etwas von ihrer Person und Geschichte, aber nicht so ausgeprägt, wie ich es mir manchmal gewünscht hätte.


Vor allem hätte ich mir gewünscht, mehr aus dem Leben der Flüchtlinge bzw. illegale Einwanderer zu erfahren – über ihre Flucht, die Gründe dafür, ihre Lebensumstände jetzt oder einfach ihre ganz persönliche Geschichte. Das erfolgte aber nur recht beschränkt.

Wie gesagt, steht stattdessen Etan und sein Leben deutlich im Fokus, allerdings auch da auf gewisse Punkte fixiert.


Auch wenn es für die Handlung selbst nicht sonderlich wichtig ist, muss ich auch sagen, dass mir keiner der Figuren sonderlich sympathisch war. Die Figuren blieben keineswegs flach und es gab auch gewisse Ankerpunkte, mit denen man sich identifizieren konnte. Trotzdem, auch wenn ich es nachvollziehbar fand, warum sie so handeln, wie sie handeln, ging ich damit oftmals konträr.


Zwei große Themen des Buches sind Schuld und Moral – wie diesbezüglich gerade die Gefühlswelt des Protagonisten dargestellt wurde, ist toll und keinesfalls immer so, wie man jetzt vielleicht vermutet. Es wird auch mit dem Bild des Schuldigen und des Opfer gespielt.

Es zeigt auch wie entrückt, fast abgekoppelt von sich selbst man in so einer Situation sein kann. Etan ist kein schlechter Mensch, er ist nicht mal unmoralisch – er ist ein ganz normaler Mensch.


Es hält auch der Gesellschaft den Spiegel vor: Diese erhebt sich schnell moralisch über einen Menschen, der Fahrerflucht begeht, währenddessen sie selbst so viele Flüchtlinge wo anders sterben lassen, in dem sie nichts tun, um diesen Menschen zu helfen – aber die sind ja auch weit weg, da fällt das wegsehen und die moralische Abkopplung leichte – Hauptsache ihre Welt wandelt in gewohnte Bahnen.


Auch Neurologie ist ein gut eingefangenes Thema. Wie unser Gehirn funktioniert und wie es mit bestimmten Situationen umgeht. Warum Mitleid so schnell versiegen kann, warum hinter Empathie ein wenig Groll liegen kann. Warum wir lieber das sehen, was wir sehen wollen, obwohl uns das Gegenteilige vor Augen steht.

Das ist interessant, war jedoch zu Beginn noch wesentlich mehr vertreten als im weiterem Verlauf, was ich etwas schade fand.


Weiterhin geht es auch um Vertrautheit, aber auch um Verlangen – oder grob: um das Zwischenmenschliche. Wie z.B., dass wenn sich zwei Menschen treffen, eigentlich vier anwesend sind: die beiden echten Personen und die beiden Bilder, die der jeweils andere über anderen im Kopf hat.

Dabei ist das Eheleben gut und vermutlich auch recht ehrlich eingefangen – was auch zwischen Menschen stehen kann, obwohl sie sich lieben. Wie Verlangen nach einen Menschen entstehen kann, obwohl man es sich eigentlich nicht erklären kann oder nicht so sein sollte.


Natürlich ist auch Rassismus ein Thema, aber eher beiläufig. Es wird der dortige Alltagsrassismus aufgezeigt, aber nicht wirklich deutlich behandelt.


Leider muss ich sagen, dass mich die Geschichte trotz allem nicht wirklich einfangen konnte. Irgendwas stand zwischen mir und der Geschichte, ohne, dass ich es direkt in Worte fassen könnte.


Fazit

Die letzte Aussage des Buches fand ich stark, letztlich hat mir das Buch aber nicht so viel gegeben, wie ich gehofft hatte.

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Tags: roman   (1)
 

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(65)

129 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

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Bienensterben

Lisa O'Donnell , Stefanie Jacobs
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 05.11.2014
ISBN 9783832162924
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte hat drei Hauptfiguren, die die Geschichte auch abwechselnd erzählen.Genau wie die Geschichte selbst, sind auch die Figuren nicht alltäglich und sehr besonders – manchmal sogar schon etwas makaber.


Zum einen haben wir Marnie – sie ist 15 und eine notgedrungen starke Person, zumindest nach außen – sie muss Verantwortung für sich und ihre Schwester übernehmen, weil ihre Eltern es nie getan haben. Sie ist ein Produkt ihrer Umwelt und das Umfeld ist, nicht gerade optimal, sondern eher verkorkst – dementsprechend gibt sie sich und drückt sich so aus. Sie ist aber eine Person, die Probleme anpackt und tut was getan werden muss und trägt dann die Konsequenzen.

Außerdem schwingt durch ihr auch oft ein toller, dunkler Humor mit.


Nelly ist 12 und ganz anders als ihre Schwester, nur diese gewisse Stärke teilen sie sich. Sie ist dennoch still und in sich gekehrt. Sie ist eine begnadete Geigerin, drückt sich gewählt aus und ist wissbegierig. Sie ist jedoch ebenfalls Produkt ihrer Umwelt und wie ihre Schwester eine gebrochene Person. Sie denkt und verarbeitet vieles andere, als normal, ist sozial eher unbeholfen. Sie ist recht auf sich bezogen; außerdem hat sie immer wieder Anfälle – wächst aber auch im Laufe der Geschichte etwas über sich hinaus.


Lennie ist der „Alte“ von Nebenan. Er lebt zusammen mit einem Hund, seit sein Lebenspartner, der bis zu Letzt nicht gänzlich zu ihm stehen konnte, verstorben ist. Außerdem ist er verschrien, nicht nur wegen seiner Homosexualität, sondern auch durch ein Sexualdelikt, was er zutiefst bereut. Er ist ein angenehmer Zeitgenosse, ruhig und fürsorglich. Ein alter Mann, der sich nach etwas Gesellschaft sehnt.

Sein Strang ist übrigens so geschrieben, als würde er mit seinen verstorbene Partner reden oder ihn schreiben. Da war ich leider nicht immer ein großer Fan von.


Durch das wechseln der Sichten, war es interessant zu verfolgen, wie die Situation oder die anderen Figuren aus der jeweiligen Sicht aussehen – das überschnitt sich nämlich nicht zwangsläufig, wie das eben so ist.


Ich fand es auch schön, die Verbindung, die Geschichte zwischen den drei Figuren zu verfolgen. Wobei ich auch sagen muss, dass ich lange keinen wirklich Zugang zu ihnen bekommen hatte. Es hatte eine ganze Weile gedauert, bis mich das Buch auch emotional bekommen hat – denn es hat gerade hinten raus ein paar sehr berührende Momente.


Das ganze Setting ist schon ziemlich überzogen – klar gibt es diese heruntergekommenen Gegenden und Gesellschaftsschichten, die man wohl als asozial (nicht als Schimpfwort, sondern in der reinen Wortbedeutung) bezeichnen muss, aber hier kommt schon wirklich viel zusammen.

Es ist mal was anderes, dreckig, aber irgendwie auch interessant.


Dabei schwingt auch viel Sozial- und Gesellschaftskritik mit. Z.B. dass Marnie nur Einsen in der Schule schreibt, die Lehrer Aufgrund ihres Umfeldes sie aber trotzdem auf dem Kieker haben, während die Schüler aus gehobenen Familien als Vorbilder verlauft werden – obwohl, wenn man genauer hinsieht diese nicht im Ansatz welche sind.

Generell zeigt das Buch viele Verlogenheiten auf, auch im Bereich Religion, (angebliche) Fürsorge oder zeigt das Versagen der Jugendämter und vielleicht auch so mancher dessen Richtlinien.

Auch Homophobie spielt eine Rolle und wie man sich denken kann, Kindesmissbrauch, häusliche Gewalt, starke Vernachlässigung und Armut – kurz ein Leben ganz unten im Dreck.


Gleichermaßen erzählt das Buch von Familie und dass Familie keineswegs auf DNA reduziert werden kann oder sollte. Diesbezüglich lassen sich ein paar sehr schöne Aussagen in dem Buch finden.


Leider waren gerade zuletzt ein paar mies konstruierte Szenen enthalten. Ab und An gab es solche sonderbare Konstruktionen auch schon vorher - dort sorgten sie meistens aber für eine zwar sonderbare, aber unterhaltsame Situation.

Das Ende fand ich da leider etwas schwach und auch nicht unbedingt zum Rest des Buches passend.


Fazit

Für mich bildete das Buch mal eine willkommene Abwechslung. Es hatte ein paar schöne Aussagen, war sowohl von den Figuren als auch Handlung besonders und hat ein paar Aspekte aufgeworfen, die einen berühren und Stoff zum nachdenken geben.

Allerdings lassen sich ein paar Schwächen nicht im Garten vergraben – es wirkte doch manchmal ziemlich konstruiert, war relativ überzogen und die Sympathie zu den Figuren war schwankend, als sie überhaupt mal aufkam.

Trotzdem finde ich das Buch durchaus lesenswert.

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Tags: familie, gewalt, roman, schicksale   (4)
 

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138 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Weißer Oleander

Janet Fitch , Ute Leibmann
Flexibler Einband: 511 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 25.01.2012
ISBN 9783404157662
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

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242 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 108 Rezensionen

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Das Mädchen, das in der Metro las

Christine Féret-Fleury , Sylvia Spatz
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 30.08.2018
ISBN 9783832198862
Genre: Romane

Rezension:

Ich finde es großartige, wie das Buch geschrieben ist – mit großer Beobachtungsgabe, einer ganz feinen Sprache und vielen liebevollen Details.

Die Atmosphäre ist dicht und das Bild welches erzeugt wird fast schon verträumt. Auch wenn ich sagen muss, dass es in kurzen Momenten (vermehrt im hinteren Teil des Buches) mir ein wenig zu verträumt wurde. Es schweifte etwas ab, was fast schon zu etwas leicht surreales bis märchenhaftes führt.


Die Protagonistin ist eine angenehme Person, der man gerne durch die Geschichte begleitet und wie sie selbst es beschreibt: ein beengtes, aber bequemes Leben hat mit Luxusproblemen und kleinen Freuden.

Dessen Leben sich im Laufe des Buches beginnt zu wandeln durch diese Tätigkeit der Botenschaft von Büchern.

Ich fand es auch toll, wie genau und zum Teil entlarvend Menschen (Leser) und dessen Leben beschrieben werden.


Das große Thema des Buches sind Bücher – und so banal wie es klingt, ich mag Bücher, in denen es um Bücher geht. In diesem Fall ist das mit soviel Liebe erfolgt, dass man es nur als schön bezeichnen kann: z.B. dadurch was für Geschichten die Bücher über ihre Leser erzählen, durch den Geruch, mögliche Flecken, Randnotizen usw. - durch welche Hände die Bücher gewandert sind. Darin habe ich mich sehr wiedergefunden, weil ich ebenfalls gebrauchte Bücher mag, weil dann das Buch eine eigene Geschichte hat (also nicht nur die auf den Seiten).

Denn darum dreht sich das Buch letztlich: darum Geschichten zu erzählen. Natürlich gibt es dabei auch zahlreiche Querverweise (das Buch liefert einen also eine Leseliste mögliche gleich mit).


Es geht auch darum, was Bücher bewirken oder bewirken können – was für einen Wert sie für den Leser haben.

Manchmal kam es mir diesbezüglich sogar so vor, als hätten die Bücher in dieser Geschichte eine eigene Seele oder wären lebendig.


Ich finde das Buch hat auch die Frage aufgeworfen, was passiert, wenn die Buchwelt zu sehr ins reale Leben einwirkt. Wenn man sich zu sehr in der literarischen Welt vertieft und die echte Welt in den Hintergrund rückt – ob das nicht gefährlich ist, möglicherweise auch mehr, als es in diesem Buch dargestellt wurde.


Was ich aber auch klar sagen muss: Wer Bücher mit klarer Handlung bevorzugt, die rund sind,

wird bei diesem Buch nicht zwangsläufig glücklich bzw. fündig werden.

Mir ist das auch nicht ganz unwichtig, das wurde durch die anderen Aspekte aber für mich wieder aufgefangen.


Fazit

Das Buch ist dünn, es ist also eine kurzweilige Unterhaltung, aber das trifft noch keine Aussage über den Inhalt.

Es hat seine Eigenarten oder Schwächen, aber bei mir hat das Buch, dieses wohlige Gefühl hinterlassen, was einen nur ein gutes Buch geben kann.


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Tags: dumont, literatur, roman   (3)
 

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372 Bibliotheken, 6 Leser, 3 Gruppen, 134 Rezensionen

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Der Zopf

Laetitia Colombani , Claudia Marquardt
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 21.03.2018
ISBN 9783103973518
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch ist sehr gut geschrieben – mit den ersten paar Sätzen, erhält man bereits ein Bild und einen Zugang zu den Figuren. Wie die Welt, das Leben der drei Frauen, ihre Wünsche und Ängste beschrieben sind, ist einfach großartig.


Reden wir also über unsere drei Hauptfiguren:

Smita (Indien) – In eine Kaste geboren, die außerhalb der Städte in Slams leben und von der Gesellschaft geächtet werden. Macht den Dreck und Extremente anderer Leute weg und bekommt im Austausch Essensreste oder Altkleidung. Dieses Schicksal wird vererbt, doch sie weigert sich ihre Tochter ihr Handwerk beizubringen. Sie soll in die Schule gehen und Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Dieser Strang ist geprägt von tiefster Armut. Es ist ein Leben wie man es sich kaum vorstellen kann und trotzdem findet man viel Herzlichkeit darin und vor allem hat Smita einen starken Willen und jammert nicht.

Giulia (Sizilien) – Arbeitet im Familienbetrieb ihres Vaters. Sie soll einmal in die Fußstapfen ihres Vaters treten.

Sarah (Kanada) – ist erfolgreiche Anwältin und Partner in ihrer Kanzlei. Für ihre Karriere musste sie viel opfern (u.a. ihr Privatleben oder Gesundheit), dafür geht es immer nur bergauf.


Bei allen dreien schwingt auch immer die jeweilige Kultur mit – sowohl im guten als auch im schlechten – das hilft auch der Atmosphäre und zeigte mir auch meine Wissenslücken.


Das „Thema“ Drei wird in dem Buch tatsächlich ausgereizt. So scheinen die drei Frauen z.B. auch für die Zeit zu stehen: Smita ist verfolgt von der Vergangenheit, von dem Schicksal, das seit jeher vererbt wird. Giulia lebt nur im hier und jetzt, nur der Moment zählt. Und bei Sarah zählt die Zukunft, wie lange sie dem unausweichlichen Moment Einhalt gebieten kann.

Aber alle drei kämpfen auf ihre Weise gegen nichts geringeres als das scheinbar unvermeidliche Schicksal an. Man kann sich also denken, dass einen durch die drei Handlungsstränge viel Abwechslung geboten wird.


Werfen wir also einen vertiefteren Blick auf unsere drei Damen:

Sarah ist etwas über selbstbewusst und Karriere orientiert. Alles ist bei ihr durch kalkuliert und sie hat für alles eine Strategie. Emotionen sind hinderlich – alles muss planbar bleiben.

Es zeigt aber auch den schwierigen Weg für eine Frau und Mutter in dieser Welt weit zu kommen. In einer Welt in der nur Leistung und Erfolg zählt, darf man keine Schwächen haben: Oder wie sie es sagt: In einem Haifischbecken sollte man lieber nicht bluten – alles was als Schwäche ausgelegt werden kann ist tödlich und Mutterschaft, Krankheit oder Menschlichkeit sind in dieser Welt eine Schwäche. Dabei greift das Buch auch das Thema verdeckte Diskriminierung von Kranke auf. Doch sie bereitet sich darauf vor, als würde sie in den Krieg ziehen, errichtet Mauern und Verteidigungsstrategien und sie plant alles alleine durchzustehen.


Smita dagegen kämpft im Prinzip gegen die Gesellschaft in Indien an. Bei ihrem Strang habe ich festgestellt wie wenig ich tatsächlich über das Leben in Indien und Kultur wusste – das bisschen was ich weiß beziehe ich hauptsächlich aus Filmen (ja ich weiß). Wie verknüpft die Behörden/Staat und Kasten/Gesellschaftsschichten mit der Religion und einer Paralleljustiz verknüpft sind, wusste ich nicht. Indien hat eine Verfassung, Gesetze und bekennt sich zu den Menschenrechten – doch hier sieht man, dass das nur auf den Papier geschieht (zumindest in diesen Teilen des Landes) – es ist unmenschlich, sie leben wie Sklaven – als noch weniger Wert, werden natürlich die Frauen angesehen, vor allem als Darlit. Die Schilderungen, wie das Leben da ist, haben mich wirklich erschreckt.


Guilia bietet einen im Vergleich zunächst recht wenig. Sie verliebt sich in einen fremden Mann, der einen Flüchtlingsstatus hat. Ihre Geschichte braucht etwas um anzulaufen, steigert sich aber zum Ende hin. Guilia ist zunächst auch etwas passiv und nicht unbedingt Problemorientiert, findet sich im Laufe aber (passend zum Thema Mittelschicht) einen Kampf um ihre Existenz gegenüber.


Alle drei sind auf ihre Weise unheimlich starke Frauen. Allerdings fand ich es schwierig, dass die drei Frauen ganz bewusst ausschließlich als Stark dargestellt wurden. Die heftigen oder krassen Dinge wurden nur indirekt als Möglichkeit erwähnt oder kurz genannt, aber es wurde nie gezeigt. Letztlich wurde alles was das Potential gehabt hätte, die drei in eine Schwache Situation zu stürzen, konsequent ausgeklammert wurden. Das finde ich fast schon scheinheilig, letztlich sogar fast als etwas zu einfach und weil das ausgeklammert wird, fehlt dem Buch auch etwas das emotionale.


Ich fand es vor allem interessant, wie die drei Handlungen letztlich verflochten wurden. Was aber auch daran lag, dass ich den Klappentext nicht gelesen hatte. Der spoilert diesbezüglich enorm.


Fazit

Ich war positiv von den ganzen Aspekten überrascht, die einen das Buch geboten hat. Es ist toll geschrieben und beschreibt drei starke Frauen mit beeindruckenden Lebensgeschichten, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch miteinander verflochten sind.

Trotz der durchaus vorhandenen Schwächen, hat es mir wirklich gut gefallen.

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Tags: lebensgeschichten, roman, s.fischer   (3)
 

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150 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

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Ein kleines Wunder würde reichen

Penny Joelson , Andrea Fischer
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 23.05.2018
ISBN 9783841440235
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Das Buch ist gut geschrieben – es zieht einen gleich in die Geschichte und die Seiten fliegen so dahin – was durch die kurzen Kapitel noch zusätzlich erleichtert wird.


Ich finde die Figur von Jemma sehr interessant, weil ich noch nie ein Buch gelesen hatte, indem die Protagonistin zwar geistig völlig da ist, sich aber in keiner Form äußern kann.

Das hat mich natürlich auch neugierig gemacht, wie das als Roman funktionieren soll – und kann sagen, dass das super funktioniert hat.


Dadurch, dass wir in ihrem Kopf stecken, der ganz normal funktioniert, herrscht für den Leser keine Distanz. Das ist vermutlich nicht unbedingt realistisch – bin mir diesbezüglich nicht sicher, aber es ist schlichtweg wichtig für den Leser, um sich in ihre Situation hineinversetzen zu können – wie es ist, sich nie verständigen zu können – zwar seine Außenwelt mitzubekommen, aber nicht eingreifen oder mit ihr interagieren zu können. Wie unfassbar frustrierend das sein muss.

Und trotzdem ist Jemma kein verbitterter Mensch. Allerdings muss ich sagen, ist sie auch sonst nicht viel – das ist sicherlich den Umständen geschuldet, aber sie hatte für mich keinen ausgeprägten Charakter. Was man jedoch von ihr mitbekommt zeigt, dass sie gar keine negativen Charaktereigenschaften hat. So etwas ist mir immer zu plakativ – Menschen sind nicht nur positiv, so etwas ist mir suspekt.


Das Gleiche gilt auch für ihre Pflegeeltern – das sind schlichtweg Heilige, das ist mir etwas zu eindimensional.

Generell wurde kein Charakter wirklich vertieft – dafür ist das Buch zu kompakt gehalten und es ist auch nur aus Jemmas Sicht.

Gerade von den beiden Pflegegeschwistern hätte ich gerne mehr erfahren – was ihre Geschichte ist, wie die Welt aus ihrer Sicht aussieht. Stattdessen haben wir eine reine Fokussierung auf Jemma.


Trotzdem habe ich Jemma meistens gerne durch die Geschichte gefolgt. Wie bereits erwähnt, ist das hier keine normale Familie – dementsprechend bietet sie ein paar besondere/interessante Elemente. Ich fand es schön zu sehen, wie die Familienmitglieder miteinander interagieren und wie sie funktioniert.

Das ist nicht wirklich ausschweifend beschrieben (hier und da hätte ich mir ein wenig mehr Einblick gewünscht) – aber es ist gut gemacht und in schönen kleinen Momenten erzählt.


Die Handlung bietet einen tatsächlich auch mehr, als man meinen könnte. Es gibt zwar nur einen Erzählstrang, aber mehrere Themenbereiche.

Zum einen den um den Mord, der nicht aufgeklärt wurde, dann den mit Jemmas Pflegerin (und Freundin), den bereits angesprochenen Familienbereich, den zu Jemmas Schwester und natürlich Jemma selbst bzw. ihre Behinderung und wie sich das auf sie und ihren Alltag auswirkt.


Gleichzeitig, ist das Buch den Umständen der Protagonistin entsprechend, eher gemächlich und ruhiger. Es ist nicht so, dass wenig passieren würde, das Buch ist auch nicht langweilig, aber es ist eben doch eher gemächlich und vor allem im Mittelteil hatte ich schon das Gefühl, dass es nicht wirklich voran gehen, dass es sich viel im Kreis dreht. Was aber vermutlich schlicht realistisch ist, aber für den Roman nicht gerade förderlich ist.


Stellenweise ist die Handlung auch auf gewisse Zufälle angewiesen, damit sie vonstatten gehen kann.


Es trifft aber auch ein paar schöne Aussagen und greift ein paar gute Aspekte auf. Wie z.B. was für Einfluss wir auf unsere Umwelt nehmen können und wo die Grenzen liegen – vielleicht auch wie Kommunikation generell funktioniert und was für eine Wirkung Worte haben.

Allerdings wird mir auch nicht vertieft genug behandelt, sondern es wird eher aufgeworfen.


Fazit

Das Buch bietet einen mal einen ganz anderen Einblick: In das Leben einer Protagonistin, die sich nicht verständlich machen kann. Das ist gut gelungen, aber die Themen und Figuren die aufgeworfen werden, werden mir allesamt nicht genug vertieft. Was allerdings auch ein typisches Problem bei Jugendbüchern ist, wie ich finde.

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Tags: behinderung, familie, fjb, jugendbuch   (4)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Die ganze Geschichte und andere Geschichten

Ali Smith , Silvia Morawetz
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei btb, 14.05.2018
ISBN 9783442713547
Genre: Romane

Rezension:

Ich bin von dem Schreibstil wirklich sehr angetan. Ich würde es als „fein“ bezeichnen, was aber große Bilder im Kopf erzeugt – es ist sehr plastisch und atmosphärisch – und wenn dann z.B. ein Antiquariat beschrieben wird, sieht, riecht und schmeckt man den Staub förmlich.


In allen Geschichten geht es tatsächlich darum zu Erzählen – dies erfolgt natürlich in verschiedenen Stilen und Arten. Es zeigt auch, wie man eine Geschichte erzählen kann und was sich verändert, wenn man den Blickwinkel ändert – wie sich das auswirkt.

Das ist auch auf fast ästhetische Weise schön – ich habe das sehr gerne gelesen.


Ich fand es auch schön, dass (zumindest Gefühlt) die Geschichten in gewisser Form miteinander verknüpft waren. Sie sind nicht wahllos zusammen gewürfelt, sondern bilden scheinbar genau in dieser Reihenfolge ein Ganzes.


Es sei aber auch gesagt, dass die Geschichten einzeln ziemlich um sich selbst kreisen.

Damit meine ich: Es gibt immer Szenen, die ausschweifend, fast träumerisch, um aufgeworfenen Nichtigkeiten oder Gedankengänge kreisen – das streckt die Geschichte schon etwas, hat aber auch was für sich – es stecken interessante Komponenten darin, nicht nur sprachlich.


Auf der anderen Seite schwang dadurch in so ziemlich jeder Geschichte etwas surreales mit – oder böse ausgedrückt: Es gibt immer eine Figur, die scheinbar den Verstand verliert und dann etwas für mich nicht mehr nachvollziehbares tut oder in einer konfusen Gedankenwelt abdriftet – meist wird kurz darauf auch die Sichtweise gewechselt.


Erzählerisch gibt es Geschichten, die den Er-Sie-Erzähler benutzen; in anderen wird ein Ich-Erzähler verwendet, in dessen Geschichte aber auch eine Figur ist, die mit Du geschrieben wird und es immer im laufe der Geschichte ein Blickwechsel gibt und dass Ich & Du tauschen.

Das war manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber interessant.


Alle Geschichten spielen auch auf das ein oder andere an – aber in seinen Aussagen sind die Geschichten recht leise. Ich fand nicht, dass sonderlich viel Kraft in den Worten steckten.

Die Anspielungen waren übrigens oft im Bereich der Kommunikation und Wahrnehmung von Menschen.


Insbesondere zwei Geschichten haben mir gut gefallen (die erste und vorletzte), allerdings konnte ich leider mit den anderen nicht so viel anfangen (außer, dass sie eben schön geschrieben sind) – ich muss aber auch gestehen, dass ich viele auch schlicht nicht verstanden habe bzw. nicht herauslesen konnte, was sie mir eigentlich sagen wollten (wenn sie denn etwas sagen wollten).


Fazit

Der Schreibstil ist wirklich schön – wenn auch in meinen Augen nicht so herausragend, wie es die Klappen- und Werbetexte versprechen.

Die Geschichten sind abwechslungsreich und scheinbar trotzdem miteinander verknüpft.

Trotzdem konnte ich leider nicht so viel damit anfangen – die meisten haben mich von Inhalt nicht angesprochen oder ich habe sie schlicht nicht verstanden (mag sein).

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Tags: btb, kurzgeschichten   (2)
 

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223 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 115 Rezensionen

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Kleine Feuer überall

Celeste Ng , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.04.2018
ISBN 9783423281560
Genre: Romane

Rezension:

Ich mag den Schreibstil sehr – er erzeugt ein gutes Bild und ist atmosphärisch. Es ist großartig wie gut das Buch beobachtet ist – wie Menschen und ihre Beweggründe beschrieben sind und dem Leser nahe gelegt wurden.


Dementsprechend sind die Figuren ebenfalls gut ausgearbeitet und in Szene gesetzt. Jeder hat seine Eigenarten, Beweggründe und Lebensgeschichte.

Im Laufe der Geschichte steht auch immer mal wieder eine andere Figur mehr im Fokus und wird beleuchtet, bis dann eine andere Figur ins Licht gerückt wird. Das ergibt eine gute Dynamik.


Wie gerade auch die privilegierte Familie der Richardson beschrieben wurde fand ich toll - wie sich die Familienmitglieder verhalten und agieren und wie unterschiedlich das zu den Warrens war – auch manche Ansichten – und wie sich das gegenseitig beeinflusst und was das bewirkt. Es wurde mit vielen kleinen Gesten und Details ausgeschmückt, was es lebendig gemacht hat.


Es wird auch deutlich, dass alles was nicht in die Weltsicht der Stadt und dessen Mitbewohner passt, deutlich als solches behandelt wird – es wird als Gefahr gesehen und ausgegrenzt oder bekämpft. Dadurch werden nebenbei auch die Unterschiede in den Gesellschaftsschichten (reich und arm) verdeutlicht.

Es ist sehr interessant zu sehen, dass alle Figuren das Produkt ihrer Umwelt sind und was passiert, wenn das konfrontiert wird mit Menschen/Ansichten die sich außerhalb dieses Umwelt entwickelt haben.


Ich fand das Buch auch ziemlich spannend, weil immer ein irgendwie ungutes Gefühl mitschwingt und es sich im Laufe der Handlung regelrecht zuspitzt. Man sieht die Katastrophe bereits kommen – bzw. hat sie im ersten Kapitel eigentlich schon mehr oder weniger gesehen und fragt sich, wie es dazu kommen konnte.


Die Themen die angesprochen werden sind sehr zahlreich: Gesellschaftsschichten, Familie, Geheimnisse und dessen Auswirkung, Rassismus - wie eine Überschrift steht über alles aber tatsächlich Mutterschaft (weshalb auch letztlich die weiblichen Figuren die handelnden und wichtigeren Figuren sind). Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen – mein bevorzugtes Thema ist das eigentlich auch nicht, aber hier wurde das so geschickt eingeflochten und mit so vielen Fäden verstrickt, dass alles irgendwie mitschwingt, ohne dass etwas zu Dominat wäre.


Es ist emotional schon sehr manipulierend und das funktioniert auch sehr gut. Man fiebert mit und es reißt einen förmlich mit.


So werden auch Fragen der Moral aufgeworfen und so von allen Seiten erläutert, dass man alle Seiten verstehen kann – die Bewertung bleibt also dem Leser überlassen, aber das Buch drängt den Leser schon Position zu beziehen.

Die Niedertracht unter dem Deckmantel der guten Absichten, um das Handeln vor sich selbst zu rechtfertigen und das Bild aufrecht zu erhalten, das fand ich ebenfalls toll dargestellt.


Nichts was passiert ist Zufall – alles ist nuanciert und besitzt Tiefe – es lohnt sich alles zu betrachten. Wie bei einem Kunstwerk oder einem Foto, um eins der Themen in dem Buch aufzugreifen.

Menschen treffen dumme Entscheidungen, mit denen sie leben müssen – das Buch zeigt mögliche Gründe und Auswirkungen – aber für die Geschichte treffen auffällig viele Figuren fragwürdige oder schwerwiegende Kurzschlussentscheidungen – manchmal schlich sich schon das Gefühl ein, dass es ein wenig viel auf einmal ist.


Außerdem gab es durchaus ein, zwei Momente, bei denen ich nicht genau beurteilen kann, ob es sich von der Autorin schlicht so für die Handlung hingeschoben wurde, oder ob in den USA Datenschutz und Passwortverschlüsselung wirklich so extrem klein geschrieben wird oder beides.


Letztlich ist die Geschichte aber rund und bis zu Letzt mitreißend und regt sehr zum mitfühlen, mitdenken und vielleicht auch zum sich selbst zu hinterfragen an.


Fazit

Ich war sehr begeistert und auch beeindruckt von dem Buch. Es ist wie ein Kunstwerk, dass je länger man es betrachtet eine neue Perspektiven, Details und Tiefe gibt – und das alles auch noch großartig erzählt.

Da kann man ganz locker, über die eine oder zwei ganz kleinen Schwächen hinwegsehen.

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Tags: dtv, familie, leben, roman   (4)
 

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137 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

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Irgendwas von dir

Gayle Forman , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 25.04.2018
ISBN 9783841422385
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich finde es toll geschrieben – gute und stimmungsvolle Formulierungen – es zieht einen gleich in die Geschichten.

Hierbei handelt es sich um Jugendbuch, aber eher für ältere Jugendliche oder junge Erwachsene – das zeigt sich auch an der Wortwahl.


Ich mag die Protagonistin. Vor allem wie sie als Person dargestellt wird. Sie ist kein graues Mäuschen und auch kein bunter Vogel – sie hat stärken und schwächen – ich würde sie als eine „echte Figur“ beschreiben. Sie hat einen starken Willen, sie beißt sich durch und jammert nie rum, obwohl sie allen Grund dazu hätte.


Generell finde ich die Figuren schön gezeichnet – sie werden einen mit wenigen Worten nahe gelegt und sie wirken plastisch und meist sympathisch, auch die Randfiguren.


Auch die Freundschaft wird toll eingefangen, es war tatsächlich kein Handicap, dass eine von beiden bereits tot war. Auch wie sich die Freundschaft am Leben messen musste – denn eine Schulfreundschaft ist erst einmal auf den gemeinsamen Raum beschränkt. Wenn sich dann die Wege trennen wird es schwieriger diese aufrecht zu erhalten und oft scheitern Freundschaften daran. Das wird immer mal wieder aufgeworfen und das fand ich sehr gut gemacht und auch gut in die Handlung eingewoben.

Zeigt aber auch die „düsteren Seiten“ - wie Cody sich immer über Meg definiert hat oder dass man trotzdem dem anderen nicht alles erzählt.


Die Liebesgeschichte zu Ben, kam weder überraschend, noch übereilt – nach dem ersten Treffen war klar, in welche Richtung es gehen wird. Und obwohl ich sie nicht mal wirklich als unglaubwürdig bezeichnen würde, mangelte es mir an der Grundlage/Basis. Schon mehr Insta-Love, aber ohne Schmachten und Hormonüberflutung. Die Geschichte zwischen den beiden hat aber viele schöne Details und kleine Gesten. Gefühlvoll, aber nicht aufdringlich – ist nicht überpräsent in der Handlung.


Es gibt auch viele tolle Randbemerkungen, z.B. Gleichberechtigung (sowohl von Frauen und Männern, als auch Hetero- und Homosexuelle), political correctness, Armut usw.


Ein weiteres Thema welches auftaucht ist Familie. Wir haben die (sagen wir mal) angespannte Beziehung zwischen Cody und ihrer Mutter, sowie die Familie von Meg. Dort gerade die Beziehung von Meg (aber auch Cody) zu ihrem kleinen Bruder – das fand ich alles toll eingefangen.


Das große Thema des Buches ist aber natürlich Selbstmord, aber auch Selbstmordportale und was das mit den Hinterbliebenen anrichtet. Es stellt dabei gute und auch nachvollziehbare Fragen. Man merkt, dass das Thema der Autorin wichtig war und dass sie es nicht aus blauem Himmel gegriffen ist.


Das Buch ist eher ruhig, es erwartet einen nicht auf jeder Seite eine spannende Wendung und Action. Es hat sogar ein paar Krimi-Elemente (den Indizien zu folgen, was zu Megs Selbstmord geführt hat bzw. was die Umstände waren). Von Krimis bin ich nicht gerade ein Freund, aber ich habe Codys Weg gerne und mit Interesse verfolgt. Auch zu sehen, wie das was sie erfährt, sich auf sie auswirkt.


Ich muss aber auch sagen, dass obwohl das Buch keinesfalls unemotional ist, ein gewisser Abstand zwischen mir und Cody bzw. der Handlung lag. Das tat dem Lesen jedoch keinerlei Abbruch.

Auffälliger fand ich, dass man an Codys Gedankenwelt fast keinen Anteil bekommt. Cody forscht in Sachen Selbstmord von Meg nach (das ist der rote Leitfaden des Buches). Im laufe der Zeit kommen dann auch immer mehr Entdeckungen/Indizien hinzu – allerdings spinnt Cody keinerlei Theorien – sie wertet ihre Entdeckungen nicht aus bzw. wenn doch, dann teilt sie diese nicht dem Leser mit.

Was vielleicht aber auch daran liegen könnte, dass man das dem Leser überlassen will, der sich selbst Gedanken machen soll. Das finde ich auch gut, aber gleichzeitig auch komisch, dass die Protagonistin fast so gar keine Pläne oder Theorien spinnt bzw. nur zwischen den Zeilen.


Wie sich die Handlung im Kern entwickelt ist weder alltäglich, noch offensichtlich, das fand ich gut. Allerdings gab es durchaus Dinge oder einzelne Stränge, bei denen sehr deutlich war, wo es hinging. Es hält sich aber die Waage.


Ich finde es übrigens schade, dass die Autorin jedes Mal ein Opfer von fehlgeleiteter Covergestaltung ist. Ich finde die Cover dem Inhalt nicht entsprechend – sie vermitteln def. Ein falsches und auch zu flaches Bild.


Fazit

Ich finde das Thema des Buches ist wichtig und die Problematik ist geschickt und würdig behandelt worden. Ich finde es toll erzählt und die Figuren sehr plastisch. Hier und da, gab es zwar kleine Schwächen, über die man aber gut hinwegsehen kann.

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Tags: contemporary, familie, fjb, freundschaft, jugendbuch, liebesgeschichte, selbstmord   (7)
 

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der träumende Delphin

Sergio Bambaren , Sabine Schwenk , Heinke Both , Gabriele Wurster
Fester Einband: 93 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.02.2010
ISBN 9783492053877
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
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113 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

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Strafe

Ferdinand von Schirach
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 05.03.2018
ISBN 9783630875385
Genre: Romane

Rezension:

Ich liebe seinen Schreibstil – ich finde es faszinierend, wie er gleichzeitig sehr komprimiert ist und dennoch Details einflicht, dass es zum einen sehr atmosphärisch wirkt und mit ganz wenig Worten, ganze Lebensgeschichten geschrieben werden. Das ist ziemlich beeindruckend.

Obwohl es sehr sachlich geschrieben ist, ist das Beschriebene oft sehr berührend. Ich finde diese Sachlichkeit sogar sehr hilfreich, weil es mir keine Emotion überstülpt – es schreibt mir nicht vor, was ich jetzt zu empfinden habe, sondern lässt mich selbst entdecken und bewerten.


Wie üblich geht es in den Geschichten um Menschen, um dessen Leben, um Menschlichkeit und um die Justiz (der Titel ist dabei auch nicht zufällig gewählt).


Wenn man an Justiz denkt, denkt man meistens auch an Gerechtigkeit, an Schutz – hier wird aber gezeigt, dass den eben nicht immer so ist – es zeigt die Grenzen der Justiz oder auch Lücken im System – vielleicht sogar manchmal den versteckten Zynismus des Gesetzes.

Es zeigt auch, was Justiz in der Praxis bedeutet - wie es wirklich das Leben tangiert. Denn für die meisten von uns ist Gesetz und Justiz nur ein Wort, eine Theorie. Eben solange, bis es das wirkliche/eigene Leben tangiert. Durch diese Kurzgeschichten, enthält man einen Einblick, was das wirklich bedeuten kann – dass zwischen Theorie und Praxis erhebliche Unterschieden liegen.


Daran anschließend: Es geht natürlich auch um Menschen, wie das Leben einem spielt, was für Variationen das Leben hervorbringt und wie Menschen sind und was sie tun.

Dabei spielen Moral oder Strafe eine Rolle. Dabei wirkt auch jede Person wirklich menschlich – egal ob Täter, Opfer, Anwalt oder sonstiges.


Was mir besonders gut dabei gefällt ist, dass der Autor nie wertet – er beschreibt einfach nur und überlässt die Wertung dem Leser. Dieses Buch zieht dem Leser also (gedanklich) mit ein.


Dabei baut jede Geschichte geradezu eine Spannung auf – meistens zum Schluss wird einen das ganze Ausmaß der Geschichte bewusst, kommt eine Komponente hinzu oder wird aufgedeckt, die alles noch mal dreht und einen z.T. eine kleine Ohrfeige versetzt oder sogar Fassungslos zurück lässt.

Es bietet sehr viel Potential um darüber nachzudenken, was man gerade gelesen hat und was das letztlich auch für das reale Leben bedeutet.


Wie bei jeder Kurzgeschichtensammlung, fand ich einige Geschichten stärker als andere. Aber selbst die Schwächsten fand ich immer noch ganz gut.

Die stärkste Storie war für mich übrigens „Subotrik“, dicht gefolgt von „Der Freund“ und „Die Schöffin“.


Fazit

Ich bin von dem Schreibstil der Geschichten mindestens so beeindruckt, wie von den Erkenntnissen die einen die Geschichten entdecken lassen.

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen.

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Tags: justiz, kurzgeschichten, menschen, moral   (4)
 

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Von dieser Welt

James Baldwin , Miriam Mandelkow
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 28.02.2018
ISBN 9783423281539
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch ist toll geschrieben, mit einnehmender und klarer Sprache.

Was gerade auch für die Charaktere zur Buche schlägt, die sehr eindringlich beschrieben sind und mit relativ wenigen Worten ihr ganzes Leben und dessen Licht- und Schattenseiten dem Leser dargeboten werden. Es zeigt das Leben der afroamerikanischen Menschen der 1930er Jahre.


Wir haben einen Protagonisten, den John - trotzdem ist das Buch aus mehreren Sichten erzählt, die kapitelweise wechselt – wir „hören“ so auch von Johns Tante, seiner Mutter oder seinem Vater.

Das fand ich sehr gut, weil man so mehrere Perspektiven bekommt, das verschafft der Geschichte und den Charakteren mehr Dimension und hilft auch beim Verständnis bezüglich mancher Figuren. Allerdings muss ich sagen, dass es mir manchmal schwer fiel einen wirklichen, vertieften Zugang zu den Figuren zu bekommen. Was größtenteils daran lag, dass ich trotz allem keine Überschneidungspunkte zu den Figuren hatte. Was wiederum hauptsächlich an dem Religiösen-Ankerpunkt lag.


Mir war bewusst, dass es recht religiös geprägt sein würde, darauf hatte ich mich eingestellt – es war aber dennoch nicht leicht für mich und wirklich SEHR stark religiös geprägt – nichts in diesem Buch ist nicht davon durchtränkt.


Wir reden hier von einer ureigenen (vielleicht auch ehrlichste) Form der Religion, bevor sie durch die Zeit der Aufklärung abgeschwächt wurde. Dazu sei gesagt, dass die Handlung inkl. Rückblicke zwischen 1900 bis um 1940 spielt (hauptsächlich aber wie gesagt in den 1930er).

Diese Form von Religion die in diesem Buch beschrieben ist, hat nichts erlösendes, befreiendes – sie spricht nicht von Liebe, sondern von Macht und Angst. Eine Form, die zur Unterdrückung oder zur Erhebung über andere dient.


Außerdem reden wir von einer schwarzen Gemeinde aus dieser Zeit. Von dem was ich aus der Ferne sehe oder glaube zu wissen, sind auch heute noch Gottesdienste in den USA, insbesondere von schwarzen Gemeinden, inbrünstiger, zelebrierender, beschwingter als Gottesdienste hierzulande. Für jemanden wie mich, der aber nicht mal irgendwelche Berührungspunkte mit der heutigen, europäischen Religionsausübung hat, war es nur sehr schwer abzugrenzen, wo hier religiöse Inbrunst aufhört und Fanatismus anfängt. Für mich war es so fern ab von meiner Realität, dass für mich gerade die Szenen von den Predigen/Andachten fanatisch waren.

Ich konnte mir vieles auch nicht richtig vorstellen, weil es dann schwammig formuliert wurde – ob sie wirklich wie fanatische Irre in religiöser Inbrunst rumgezuckt, sich auf den Boden wälzten, gestöhnt und geschrien haben oder eben nicht. Für mich war es jedenfalls mehr als nur befremdlich und solche Szenen waren nicht zu knapp.


Außerdem findet sich in dieser Religion ausschließlich schwarz-weiß Denken. Alles was gut ist: gelobt sei der Herr – und alles was schlechtes passiert: hat er verdient, weil ein Sünder und Gottes Strafe. Das ist so ein feindseliges und einfaches Weltbild, ohne auch nur einen Grauton, dass ich damit nichts anfangen kann und mich abschreckt.

Zumal natürlich auch alles Teufelszeug ist, was nicht dem entspricht, wie die Gemeinde glaubt, dass man zu leben hat – inklusive das Kino, eine Fahrkarte in die Hölle.

Im letzten Abschnitt kamen zwar durchaus leichte Grautöne auf, für meinen Geschmack aber etwas spät.


Es ist aber nicht so, dass ich das Gefühl hatte, dass mir das Buch irgendwas damit sagen wollte – ich glaube es beschreibt hauptsächlich, es erzählt halt einfach. Und das macht das Buch auch gut. Erzählerisch ist es durchaus interessant und auch unterhaltsam zu verfolgen. Man liest von menschlichen Schicksalen, von ihren Hoffnungen und Ängsten. Es erzählt die Geschichte einer Familie und Menschen, von Rassismus, von Kampf, Hass und Mut.


Das alles verpackt in einer Sprache, die es schafft den Leser einzufangen.

Wenn man bedenkt, wie alt das Werk ist, ist es bemerkenswert gut gealtert. Hierbei handelt es sich aber auch um eine Neuübersetzung.


James Baldwin, war einer der wesentlichen Stimmen in der Bürgerrechtsbewegung. Ich hatte deshalb erwartet, dass dieser Bezug mehr in diesem Buch mitschwingt. Dem war aber nicht so – wurde aber auch im Vorwort aufgegriffen warum nicht.


Fazit

Es gab viele Aspekte die mir gut gefallen haben. Wie die Lebensgeschichten erzählt wurden, der Stil, das mitschwingen von bestimmten Themen – das war interessant und auch unterhaltsam. Auf der anderen Seite war alles so sehr mit einer Form von Religion getränkt, die mir so fern ist, dass ich damit nichts anfangen konnte.

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Tags: dtv, leben, religion, roman, schicksale   (5)
 
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