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ira wittekind, krimi, krimiroman, lokalkrimi

Sonntags Tod

Carla Berling , Vera Teltz
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 13.11.2017
ISBN 9783837140644
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die sympathische Reporterin Ira Wittekind recherchiert hier in einem sehr persönlichen Fall, der sie in ihre eigene Vergangenheit führt. Wieder ein Volltreffer von Carla Berling!

Ira Wittekind ist nach einer privaten Enttäuschung in ihre Heimat zurückgekehrt. Für eine Lokalreportage begleitet sie die Polizei von Bad Oeynhausen auf einem nächtlichen Einsatz. In einer Messie-Wohnung wird eine stark verweste Leiche gefunden. Nach dem Tod ihrer Jugendfreundin Verena, die von ihrem Mann umgebracht wurde, ist dies ein weiteres Opfer in dem eigentlich beschaulichen Ort. Ira vermutet einen Zusammenhang und beginnt zu recherchieren.

Nachdem ich (leider) mit "Mordskapelle" diese Reihe rund um die sympathische Mittfünfzigerin Ira Wittekind begonnen habe, konnte ich nun dank Isabelle von Seitenwandler diesen Fehler korrigieren. "Sonntags Tod" ist der erste Teil und so lernen wir hier Ira mit ihren Eigenheiten und ihrer Vergangenheit ausführlich kennen. Schade, dass bei der Veröffentlichung der Hörbücher diese richtige Reihenfolge nicht eingehalten wurde.

Genau das richtige Maß Lokalkolorit

Diese Lokal-Krimi-Reihe gefällt mir rundherum richtig gut! Die Charaktere sind sympathisch, aber auch interessant und zum Teil ein wenig skurril. Ira selbst ist eine Reporterin mit Leib und Seele, die nie unfähre Mittel einsetzt, um an Informationen zu kommen. Sie sucht stets die "Geschichte hinter der Schlagzeile". Genau das mag man als Leser an ihr.
Der Fall ist wirklich spannend und enthält einige überraschende Wendungen. Insgesamt finde ich "Sonntags Tod" sogar noch ein wenig fesselnder als "Mordskapelle". Die Rezension dazu findet ihr übrigens hier.

Vera Teltz als wunderbare Sprecherin

Zudem wird das Hörbuch wieder wunderbar von der Sprecherin Vera Teltz gelesen. Ihr gelingt es, mit dem richtigen Tonfall für Lokalkolorit zu sorgen, ohne dass es künstlich oder aufgesetzt wirkt. Für mich ist dieses (Hör)Buch ein perfekt umgesetzter Lokal-Krimi: mit Flair, aber ohne Fremdschämen oder Peinlichkeiten, weil der Dialekt zu arg übertrieben wird.

Hinzu kommt auch wieder die schöne Umsetzung des Hörbuches mitsamt Booklet, das neben den Steckbriefen der wichtigsten Protagonisten auch eine gezeichnete Karte von Rehme, dem kleinen Ort in der Nähe von Bad Oeynhausen, aus dem Ira stammt, enthält. Ein Foto dazu findet ihr übrigens in der Rezension zu "Mordskapelle" (hier), das hat mich damals schon begeistert.

Fazit: Ein toller Krimi mit genau dem richtigen Maß an Lokalkolorit, aber trotzdem richtig spannend! Ich bleibe Ira Wittekind treu und hoffe bald auf das nächste Hörbuch

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Tags: ira wittekind, krimi, lokalkrimi   (3)
 

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anthologie, badeleiche, bauernhof, brunnenschacht, golfschläger, kindermund, krimi, ostereier, osterhase, ostern, pathologe, schwiegermutter, sodomie, weihnachtsmann, zigarette

Ostermorde 1

Martina Arnold , Ulrike Bliefert , László I. Kish , Horst Bosetzky
Flexibler Einband: 210 Seiten
Erschienen bei edition krimi, 02.02.2018
ISBN 9783946734192
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die 13 Kurzgeschichten sind sehr unterschiedlich, gemeinsam haben sie letztendlich nur das einheitliche Thema, denn immer steht in irgendeiner Form Ostern im Mittelpunkt. Das Spektrum ist dabei wirklich weit gefächert: von historisch über bizarr, von makaber bis kulinarisch, von witzig bis hin zu berührend, alles ist vertreten.

Diese Autoren sind dabei: Ulrike Bliefert, Patricia Holland Moritz, László I. Kish, Horst Bosetzky, Angela Temming, Andreas M. Sturm, Regine Röder-Ensikat, Astrid Ann Jabusch, Hughes Schlueter, Gisela Witte, Frank Kreisler, Swenja Karsten sowie die Herausgeberin Martina Arnold. Gelungen finde ich die Kurzbiografien am Ende der Anthologie, die die Verfasser ein wenig genauer vorstellen.
Jeder Autor drückt seiner Erzählung seinen eigenen Stempel auf, wodurch naturgemäß eine sehr bunte Mischung entsteht. Nicht jede Geschichte hat mich gleichermaßen angesprochen, aber das Potpourri passt.

Oster-Geschenktipp für Krimifans

Ähnlich wie bei den "Giftmorden 2" ist dem Verlag hier wieder eine gute Zusammenstellung geglückt. Ich denke, hier wird kein Krimi-Liebhaber zu kurz kommen. Und als Geschenk für Fans des Genres kann man mit den "Ostermorden" wirklich nichts falsch machen.

Doch ich muss auch wenig Kritik loswerden. So waren mir einzelne Geschichten doch ein paar Seiten zu kurz, die Auflösung kam zu schnell. Hier hätte mir ein wenig mehr Aufbau in der Storyline gefallen. Auch fand ich manches etwas zu unappetitlich. Aber das ist ja bei jedem unterschiedlich und ein sehr persönliches Empfinden. Rein vom Ansatz her haben mir die "Giftmorde" etwas besser gefallen, das liegt vermutlich an der Raffinesse, die ich hier etwas vermisst habe.
Das Cover finde ich zu schlicht geraten, auch wenn mir das Motiv gut gefällt. Ich fürchte jedoch, dass dieses Buch im Stapel der vielen Angebote auf den Büchertischen der Buchhandlungen etwas untergehen wird - was wirklich schade ist! Hier könnte etwas nachgebessert werden, gerade, wenn man die restliche, liebevolle Gestaltung des Buches betrachtet.

Fazit: Abwechslungsreiche Zusammenstellung an Kurzkrimis mit dem Thema Ostern, Empfehlung für Fans und als Geschenk für Krimi-Liebhaber!

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Tags: anthologie, krimi, ostern   (3)
 

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alles was wir geben mussten, dystopie, england, freundschaft, internat, jugend, kazuo ishiguro, klon, klone, klonen, liebe, organspende, roman, schicksal, zukunft

Alles, was wir geben mussten

Kazuo Ishiguro ,
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 06.11.2006
ISBN 9783442736102
Genre: Romane

Rezension:  
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alleinerziehende mutter, astrid lindgren, berühmte autorin, biografie, biographi, bullerbü, couragiert, einsamkeit, emanzipation, frauenrechte, geliebte, geliebte eines verheirateten mannes, junge frau, kinderrechte, menschenrechte

Astrid Lindgren - Ihr Leben

Jens Andersen , Ulrich Sonnenberg
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Pantheon, 13.03.2017
ISBN 9783570553527
Genre: Biografien

Rezension:

Wer kennt sie nicht, die Autorin von Pippi Langstrumpf? Aber was hat dazu geführt, dass Astrid Lindgren die Kinderbuchliteratur derart revolutionierte? Jens Andersen geht in seiner ausführlichen Biografie diesem Phänomen auf den Grund - und zeigt uns eine Frau, die viele Höhen und Tiefen durchlebt hat. Tipp nicht nur für Pippi-Fans!


Literatisch anspruchsvolle Biografie

Die Biografie von Jens Andersen, dänischer Journalist und Literaturwissenschaftler, ist anspruchsvoll, informativ und sehr ausführlich, leider dadurch stellenweise auch etwas langatmig. Er versucht, den Einfluss von persönlichen und gesellschaftlichen Ereignissen in Astrid Lindgrens Leben auf ihre Werke aufzuzeigen, was ihm auch gut gelingt. Ob ich dabei als Leser auch erfahren muss, was mit diversen Personen, die lediglich nur eine kurze Zeit eine recht geringe Rolle in Lindgrens Leben spielten, in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren ihres Lebens geschehen ist, bleibt dahingestellt. Etwas Straffung und Struktur hätte dem Werk durchaus gut getan, so erschweren auch einige Zeitsprünge das Lesen. Aufgelockert wird der Inhalt durch die zahlreichen Fotografien, die viele Details illustrieren, erklären und auch zu manchem Schmunzeln verleiten, wie die Aufnahme von Astrid Lindgren im hohen Alter, als sie aus Spaß mit einer Freundin auf einen Baum klettert.

...inklusive Textanalysen

Interessant sind über die eigentlich Lebensgeschichte hinaus auch die Textanalysen, die der Literaturwissenschaftler Jens Andersen liefert (wenn auch wieder etwas ausschweifend). Zusammenhänge zwischen persönlichen Schicksalsschlägen oder gesellschaftlichen Ereignissen werden gut hergestellt und zeigen deutlich, dass ein Schriftsteller nicht einfach im luftleeren Raum schreibt.

Astrid Lindgrens bewegtes Leben

Die Biografie lebt natürlich von dem bewegten und interessanten Leben Astrid Lindgrens (1907-2002). Verläuft ihre Kindheit noch recht normal, so wird sie bereits mit 18 Jahren nach einer Affäre ungewollt schwanger - und das vor über 90 Jahren. Sie entschließt sich dazu, den Vater des Kindes nicht zu heiraten. Sie hatte bereits damals das Gefühl, er würde sie in ihrer Freiheit einschränken und dominieren. Stattdessen entschließt sie sich dazu, ihren Sohn anonym in Dänemark zur Welt zu bringen und ihn die ersten drei Lebensjahre dort bei einer Pflegemutter aufwachsen zu lassen. Ein Fehler, wie sie später erkennt, doch daraus entsteht ihre Überzeugung, wie wichtig die ersten fünf bis zehn Jahre im Leben eines Kindes sind. Neben den gesellschaftlichten Veränderungen im damaligen Schweden hat auch die Gewalt im zweiten Weltkrieg einen maßgeblichen Einfluss auf Astrid Lindgrens Sichtweise der Welt. Doch auch weitere persönliche Belastungen hat sie zu verkraften. So führt etwa eine Affäre ihres Mannes  zu einer Ehekrise und unter seiner Alkoholsucht leidet die ganze Familie bis zu seinem frühen Tod.

Ihr Leben lang hat Astrid Lindgren bedauert, ihren Sohn drei Jahre bei einer Pflegemutter aufwachsen lassen zu müssen, so viel Mutterersatz diese ihm auch geboten haben mag. Vielleicht ist dadurch ihre enge Bindung an Kinder zu erklären, ihre Motivation, an deren Spiel teilzuhaben und nicht nur von außen die Aufsicht zu führen, wie damals üblich. Auf jeden Fall hat Astrid Lindgren immer die Bedeutung der ersten fünf bis zehn Lebensjahre eines Kindes betont sowie den respektvollen Umgang zwischen Kindern und Erwachsenen, geprägt von Vertrauen. Sie sprach sich immer für eine gewaltfreie Erziehung aus. Nach ihrem Erfolgsrezept gefragt, antwortete sie einmal:

"Keine langen und verwickelten Sätze, keine theoretischen Argumentationen, keine unverständlichen Worte, kein versteckter moralischer Zeigefinger."

Pippi-Fieber in Schweden - und der ganzen Welt

Auch wenn Astrid Lindgren bereits früh eine unkonventionelle Art zu schreiben und ein Sprachtalent bescheinigt wurden, so zeigt Jens Andersen doch auf, wie ihre persönlichen Erfahrungen ihre Bücher beeinflusst haben. Besonders interessant ist dabei natürlich die Entstehung von "Pippi Langstrumpf", Lindgrens erstem großen Erfolg, der zu einer komotenhaften Karriere als Schriftstellerin führte. Aber Andersen macht auch deutlich, dass an diesem Erfolg mehrere Menschen beteiligt waren: Lektorin, Illustratorin und literarischer Agent machten das Phänomen "Astrid Lindgren" erst möglich. Dabei musste sie durchaus auch Kritik einstecken. So bezeichnete der schwedische Professor John Landquist ihr Werk als "schlecht und preisgekrönt" und Pippi als "geistesgestört". Auch Flops hatte Lindgren zu verzeichnen, nicht alles wurde zum Bestseller. Bei der Fülle ihrer Publikationen gingen diese jedoch unter. Eine schöne Übersicht über die deutschen Ausgaben inklusive der (alten) Cover findet sich im Anhang der Biografie.

Revolution der Kinderliteratur

Aber was zeichnet Lindgrens Figuren und Werke nun eigentlich aus? Was hat zu diesem immensen und literaturverändernden Erfolg geführt? Bei allem darf man nicht heutige Maßstäbe anlegen, schließlich erschien Pippi Langstrumpf bereits 1945 in Schweden. Astrid Lindgren schrieb "von innen heraus", sie konnte in die Welt der Kinder eintauchen. Dabei waren ihre Figuren einfache glückliche Kinder. Viele waren Einzelgänger, hatten kein oder nur ein Elternteil, erlitten Unglück und Kummer. Trotzdem - oder gerade deshalb - waren sie starke und fröhliche Wesen, die sich behaupten konnten und das gewaltfrei. Auch hat Astrid Lindgren bei "Wir Kinder aus Bullerbü" insofern Neuland betreten, als sie das Buch aus der Ich-Perspektive der kleinen Lisa erzählen ließ, was ebenfalls zu einem tieferen Eintauchen in die Welt der Hauptfiguren beitrug.

Neben Lindgrens stetem Einsatz für Gewaltfreiheit, Kinder- und Tierrechte hat sie immer die Bedeutung des Lesens für die Demokratien auf der Welt betont. Bevor ich noch weiter ins Schwärmen über diese starke Frau gerate, möchte ich mit einem Zitat von ihr zum Thema Kindererziehung schließen:

"Lass die Kinder in Ruhe, aber sei in Reichweite, wenn sie dich brauchen."

Fazit: Tolle Frau, interessantes Leben und Werk, gute Biografie zum Thema. Wer sich dafür interessiert, was hinter dem "Pippi-Phänomen" steht, wird hier alle Informationen darüber finden.

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Tags: astrid lindgren, biografie   (2)
 

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action, agoraphobie, beobachten, depression, fiktion, mord, nachbarn, new york, psychologie, psychologin, psychopath, spannung, the woman in the window, thriller, trauma

The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen?

A. J. Finn , Christoph Göhler
Flexibler Einband: 543 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.03.2018
ISBN 9783764506414
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Anna Fox, selbst Psychologin, leidet unter posttraumatischem Stress. Sie vegetiert vor sich hin, trinkt, schaut alte Schwarzweiß-Filme, beobachtet die Nachbarn und chattet mit Leidensgenossen in einem Forum für Agoraphobie. Anna hat seit 11 Monaten ihr Haus nicht mehr verlassen, alles Notwendige besorgt ihr Mieter David.
Als sie den Mord an einer Frau im Nachbarhaus beobachtet, will ihr niemand glauben. Zwar recherchiert die Polizei, kommt aber zu dem Schluss, dass Anna sich aufgrund ihrer Erkrankung alles nur eingebildet hat. Manchmal ist sich Anna selbst nicht sicher, aber dann wieder weiß sie ganz bestimmt, was sie gesehen hat, ist wirklich passiert...

Waschechter Psychothriller

Dieser Roman ist ein waschechter Psychothriller. Er lebt von den beklemmenden Vorstellungen, die die Hauptfigur hat, von dem Verschwimmen zwischen Wahrheit und Fiktion. Die Grundidee erinnert an Hitchcocks "Fenster zum Hof".
Mit viel Action darf man hier nicht rechnen. Lediglich der Showdown am Ende bietet dies. Umso so spannender ist es, Annas Gefühlschaos zu verfolgen. Aus der Ich-Perspektive erzählt, hat man wirklich Anteil an ihrem Leben. Dabei wird die Story behutsam aufgebaut, man erfährt nur langsam, wie Annas Leben tatsächlich aussieht. Den Grund für ihr Trauma beginnt man recht früh zu ahnen, die wahren Zusammenhänge offenbaren sich aber auch hier erst recht spät.

Die Realität zerfließt: Was ist echt, was nicht?

Packend geschildert ist Annas weiterer Verfall, ihre Unsicherheit und dann doch wieder die kurzen Momente, wo sie sich ganz sicher ist, den Mord an ihrer Nachbarin Jane Russell beobachtet zu haben. Aber hat diese Frau überhaupt jemals existiert? War sie wirklich bei Anna im Haus, hat mit ihr zusammen gesessen? Oder ist alles nur die Einbildung einer armen Irren, wie die Nachbarn glauben?

Es ist schon länger her, dass ich ein Buch so schnell durchgelesen habe. Die Geschichte der Anna Fox hat mich total gefesselt. Der Autor A. J. Finn versteht es meisterhaft, den Leser immer wieder zu verunsichern. Manchmal war ich mir nicht einmal sicher, ob die ganzen Figuren nicht nur Annas Phantasie entsprungen sind, wie zum Beispiel ihr Mieter David.
Auch die Andeutungen des Traumas, dass für Annas Zustand verantwortlich ist, haben mich immer wieder umblättern lassen, denn immer werden Anspielungen eingestreut, die erst später weiterverfolgt werden.

Tolle (und überraschende) Auflösung

Auch die Auflösung ist A. J. Finn sehr gut gelungen. Viel möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, aber die Zusammenhänge stellen sich letztendlich doch ganz anders dar, als der Leser lange Zeit vermutet. 

Lediglich die Situation von Anna ganz am Ende des Buches ist für meinen Geschmack ein wenig zu flach geraten, hier hätte ich mir eine nicht so einfache Lösung gewünscht.

Fazit: Toller Psychothriller, der größtenteils ohne Action auskommt. Die Spannung entsteht durch die Einblicke in das Gefühlschaos der Hauptfigur, gefördert durch die Ich-Perspektive. Klare Empfehlung für Fans des Genres!

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anthologie, christrose, eifersucht, giftmorde, katerbeobachtung, krebstod, krimi, maiglöckchen, oleander, pflanzenmorde, rache, schwarzer humor, seidelbast, wüstenrose

Giftmorde II - 16 neue tödliche Anleitungen

Andreas M. Sturm , Eva Lirot , Franjo Terhart , Frank Kreisler
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei fhl Verlag Leipzig, 11.05.2015
ISBN 9783942829502
Genre: Sonstiges

Rezension:

Diese Krimi-Anthologie ist etwas ganz Besonderes: Jede Kurzgeschichte ist einer giftigen Pflanze gewidmet und der Art und Weise, wie sie zum Giftmord benutzt wird. Die Erzählungen sind dabei sehr unterschiedlich und reichen von sarkastisch bis zu witzig, von modern bis historisch, von spontanem Entschluss bis zu lang geplantem Mord - es ist alles dabei. Durch die gewählte Mordmethode sind die Geschichten aber durchweg sehr raffiniert. Oft ahnt man anfangs noch gar nicht, wie der Mord von stattgehen wird oder wer überhaupt Täter und wer Opfer ist.

15 giftige Anleitungen

Enthalten sind in diesem Buch die Kurzgeschichten von 15 verschiedenen Krimi-Autoren, was wirklich eine interessante Mischung darstellt:

Anne Mehlhorn: Zitronenfalter (Besenginster) Franziska Steinhauer: Pfarrer Mützchen (Pfaffenhütchen) Ingrid Schmitz: Möchten Sie eine Quittung? (Rainfarn) Mandy Kämpf: Madonna (Narzisse) Jan Flieger: Möwen sind keine Zeugen (Rhododendron) Frank Kreisler: Schwarze Schmetterlinge (Giftsumach) Gisela Witte: Die schöne Pflanze (Oleander) Andreas M. Sturm: Kondolenzbesuch (Stechapfel) Traude Engelmann: Schön tot (Wüstenrose) Hughes Schlueter: Das Rezept (Gemeiner Seidelbast) Petra Steps: Das Eso-Massaker (Alpenveilchen) David Gray: Burrito Pollo (Rostblättrige Alpenrose) Eva Lirot: Mit süßen Grüßen (Weiße Zaunrübe) Petra Tessendorf: Die Wolfsschlucht (Maiglöckchen) Martina Arnold: Der Anwärter (Haselwurz)

In Klammern eingefügt ist die jeweilige giftige Pflanze, um die es geht. Ihr seht, es sind überwiegend ganz bekannte Gewächse aus dem Garten oder vom Straßenrand. Bei manchen hat man vielleicht nicht einmal gewusst, dass sie giftig sind (oder welche Bestandteile). Gerade das macht die Geschichten so raffiniert und besonders, denn das Böse ist so nah...

Natürlich hat mir nicht jede Erzählung gleich gut gefallen, das ist bei einer solchen Mischung wohl auch gar nicht möglich. Aber jede Geschichte hat mich gut unterhalten und ich war immer neugierig, was es nun mit der jeweiligen Giftmord-Methode auf sich hatte.

Meine Favoriten der "Giftmorde"

Zwei meiner Favoriten sind "Möwen sind keine Zeugen" von Jan Flieger und natürlich "Der Anwärter" von Martina Arnold. Nach der Lektüre letzterer Geschichte solltet ihr einmal nach "Darwin Award" googlen - den gibt es nämlich wirklich, ist sehr interessant!

Neben dem Inhalt des Buches hat mich aber auch seine Aufmachung begeistert. Der Ansatz, jedem Autor eine giftige Pflanze als Vorgabe zu geben, um daraus einen Mordfall zu basteln, ist schon genial, aber auch sonst ist diese Anthologie wirklich mit Herzblut gestaltet. Neben dem Vorwort des Herausgebers ("Leitfaden der tödlichen Fauna"), den Kurzbiografien der Giftmischer (Autoren), den (Schwarz-Weiß-)Fotos der jeweiligen Pflanzen finde ich besonders den Klappentext auf der Buchrückseite gelungen: ist doch neben der Beschreibung ein Sicherheitshinweis aufgedruckt "Wir bitten Abstand zu nehmen, die Anleitungen nachzumachen oder zu testen".
Den Leipziger Verlag "edition krimi" werde ich mir auf jeden Fall merken!

Fazit: Wer sich für Krimis interessiert, sollte hier unbedingt einmal reinschauen. Und wer bisher mit Spannungsliteratur wenig am Hut hatte, sollte sich diese Anthologie auf jeden Fall auch genauer ansehen. Vielleicht ist das der Beginn einer Begeisterung für dieses Genre - wer weiß?! Genug Potential haben die Kurzgeschichten dazu auf jeden Fall.

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Tags: anthologie, giftmorde, krimi   (3)
 

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Die Fährtenleserin

Karl Olsberg
Flexibler Einband: 292 Seiten
Erschienen bei epubli, 07.06.2017
ISBN 9783745059441
Genre: Fantasy

Rezension:

In einem Gasthaus trifft eine Gruppe von Abenteurern aufeinander. Unter ihnen Andrin, eine junge Fährtenleserin, aber auch ein Schwertmeister, ein Riese, ein Mönch sowie ein Kräuterkundler. Alle haben das gleiche Ziel: eine unbekannte Bestie zu jagen, bei deren Erlegung eine ansehnliche Belohnung winkt. Sie ahnen dabei nicht, dass die größte Gefahr bereits unter ihnen ist.


Ich lese gern die Thriller von Karl Olsberg und war deshalb neugierig auf seinen Fantasy-Roman. Anlässlich eines Re-Ups mit neu designtem Cover gab es das Ebook in einer Gratis-Aktion zum Download. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen - und ich wurde nicht enttäuscht!

Die Reise der Helden

Die Erzählweise des Buches ist interessant, denn bis etwas zur Mitte des Romans besteht die Handlung im Wechsel aus der Suche nach der Bestie mit den unheimlichen gelben Augen und den Hintergrundgeschichten der Abenteurer. So wird immer wieder ein Kapitel eingestreut, in dem einer der Gefährten seine Lebensgeschichte zum Besten gibt, ebenso wie die Menschen, denen sie auf ihrer Reise begegnen. In diesem Teil ähnelt das Buch somit einer Ansammlung von Kurzgeschichten, eingebettet in die Rahmenhandlung der Suche. Dadurch ist der Roman sehr abwechslungsreich, denn jeder der Gefährten hat eine andere interessante Motivation für die Suche.

Besonders Andrin, die junge Frau, die über eine besondere Gabe verfügt, ist eine tolle Hauptfigur. Wirkt sie anfangs noch unsicher und schüchtern, entwickelt sie sich mit fortschreitender Handlung und wird zu einer mutigen Protagonistin. Auch die anderen Figuren überraschen durch spannende und unerwartete Entwicklungen und tragen viel zur Atmosphäre des Buches bei.

Etwa zur Mitte hin, wenn man Leser bereits ahnt, dass mehr hinter der ganzen Sache stecken muss, als nur die Suche nach einem gefährlichen Tier, nimmt die Handlung deutlich Fahrt in diese Richtung auf und wird auch bedrohlicher - nichts ist mehr, wie es scheint, jeder der Helden hat seine eigenen Geheimnisse, überraschende Wendungen in der Handlung inklusive.

Klassische Fantasy mit allem, was dazu gehört

Der Roman entspricht einer klassischen Fantasy-Geschichte, wie ich sie mir vorstelle: Die Helden treffen aufeinander und begeben sich auf eine Reise, behindert von allerlei Gefahren, um am Ende zu siegen. Oder doch nicht so ganz, denn der Roman hat, wenn auch eigentlich abgeschlossen, ein offenes Ende, die Reise ist noch nicht gänzlich vorbei. Spannend zu sehen, ob der Autor noch eine Fortsetzung schreiben wird. Ich würde mich darüber jedenfalls freuen!

Kleiner Kritikpunkt von meiner Seite ist die etwas aufgesetzt wirkenden Liebesgeschichte. Hier liegen eindeutig nicht die Stärken von Karl Olsberg. Aus meiner Sicht hätte man gut darauf verzichten können, aber natürlich ist so die (aufkommende und notwendige) Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren besser zu erklären.

Fazit: Gute, klassische Fantasy-Geschichte, spannend, mit interessanten Figuren und Wendungen. Ich würde mich über eine Fortsetzung sehr freuen!


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cold case, geschke, jan römer, journalisten, köln, krimi, linus geschke, mord, rätselhaft, sauerland, spieluhr, ungeklärte verbrechen, verfassungsschutz, vergangenheit, wilzenberg

Das Lied der toten Mädchen

Linus Geschke
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.01.2018
ISBN 9783548289311
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jan Römer, Journalist, und seine Kollegin Stephanie "Mütze" Schneider recherchieren für ihre Rubrik ungelöster Mordfälle (Cold Cases) im Sauerland. Dort wurde vor zwanzig Jahren ein junges Mädchen ermordet. Vor Ort begegnet ihnen eine Mauer des Schweigens. Was es mit dem Haus auf sich, in dem die junge Frau gemeinsam mit zwei Freundinnen bis zu ihrem Tod gearbeitet hat und das inzwischen bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist, lässt den beiden Journalisten keine Ruhe. Auch die Spieluhr, die bei dem Opfer gefunden wurde, gibt Rätsel auf. Jan und Mütze ahnen nicht, welch weite Kreise ihre Ermittlungen ziehen werden - und wie akut die Gefahr ist, in die sie sich begeben..
Jan Römer und die Cold Cases

Ich kenne die ersten beiden Bände von Linus Geschke rund um den Journalisten Jan Römer und habe sie gerne gelesen. Deshalb habe ich mich auf seinen dritten Fall gefreut - und wurde nicht enttäuscht.

Obwohl es sich hier um eine Krimireihe handelt, sind die Teile sehr gut alleine lesbar. Jeder Fall ist in sich abgeschlossen und auch das Privatleben der Ermittler spielt eine eher untergeordnete Rolle, wodurch man auch durch spätere Teile nicht sehr gespoilert wird. Vielleicht ändert sich das, sollte sich die Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten weiter entwickeln, was bisher aber lediglich in kurzen Andeutungen der Fall ist.

Obwohl der Kriminalfall im Sauerland beginnt, würde ich nicht von einem klassischen Lokalkrimi sprechen. Der Radius der Ermittlungen ist weit gefasst. Beide Journalisten kommen aus Köln, eine Freundin der Toten lebt in Berlin und wird dort aufgesucht, der Täter reist durch Deutschland und der Verfassungsschutz spielt eine größere Rolle - also durchaus ein breit angelegter Kriminalfall, der in Deutschland spielt.

Solide Krimikost mit guter Ermittlungsarbeit

Der Aufbau der Handlung entspricht einem klassischen Krimi mit solider Ermittlungsarbeit. Somit kann man als Leser dem Fall gut folgen und wird auch angeregt, mit auf Fährtensuche zu gehen. Eingestreut werden Kapitel, in denen man etwas über den Täter erfährt, ohne dass seine Identität preisgegeben wird. Überhaupt enthält die Handlung immer wieder einige Überraschungsmomente und bleibt bis zum Ende hin spannend.

Fazit: Für Fans von Krimis, die "normale" Ermittlungsarbeit zu schätzen wissen - ohne Schnick und Schnack. Solide, aber gute und empfehlenswerte Krimikost, die in Deutschland spielt. Ich werde auf jeden Fall auch einen weiteren Teil mit Jan Römer lesen!

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Tags: krimi, lokal-krimi, reihe, sauerland   (4)
 

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

blind, reihe, spannung, thriller

Niemals

Andreas Pflüger , Nina Kunzendorf
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 09.10.2017
ISBN 9783837135749
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der zweite Teil mit der blinden Ausnahme-Polizistin Jenny Aaron überzeugt wieder auf ganzer Linie. Andreas Pflüger ist ein absolutes Meisterwerk gelungen - wenn man sich auf komplexe und verschachtelte Handlung einlässt.

Jenny Aaron erhält das Angebot, zu ihrer ehemaligen Spezialeinheit zurückzukehren, der sie vor ihrer Erblindung angehörte. Eigentlich ihr absoluter Wunschtraum, aber etwas lässt sie zögern. Jenny ist mit sich selbst nicht im Reinen, sie trägt zu viel Vergangenheit mit sich herum. Als sie die Botschaft eines toten Feindes erhält, macht sie sich mit einen Freund und ehemaligen Kollegen auf nach Marrakesch. Was sie dort erfährt, lässt sie alles in Frage stellen. Jenny ist bereit, für ihre Rache alles zu opfern...

Endgültig - ein Thriller-Knaller!

Ich war ja bereits äußerst begeistert von "Endgültig", dem ersten Teil mit der blinden Elite-Polizistin Jenny Aaron. Der Autor Andreas Pflüger hat dort sehr detailliert und interessant über ihren besonderen Umgang mit der Blindheit geschrieben. Im zweiten Teil steht nun mehr die Vergangenheit und persönliche Entwicklung von Jenny Aaron im Vordergrund.
Auf jeden Fall warne ich hier ausdrücklich davor, direkt mit Teil zwei zu beginnen! Zum einen entgeht dem Leser/Hörer sehr viel an Hintergrundinformationen, die zur Spannung betragen, zum anderen - und damit der wichtigere Grund - ist es kaum möglich, der Handlung wirklich zu folgen, denn das Geschehen ist gespickt mit Anspielungen auf den ersten Teil der Reihe, ohne eine ausführliche Erklärung zu liefern. Es scheint, als ginge der Autor davon aus, dass der Leser "Endgültig" kennt...
Dabei wäre es vorteilhaft gewesen, wenn es einen Hinweis zur Reihe auf dem Cover geben würde.

Aus diesem Grund möchte auf den Inhalt der Handlung auch gar nicht weiter eingehen, ich würde zu viel verraten. Aber wie im ersten Teil ist die Story rasant erzählt. Man merkt die Drehbucherfahrung des Autors deutlich. Wieder arbeitet er mit dem Stilmittel der Aufzählung und erzeugt so einen Sog, der den Leser unweigerlich in die Geschehnisse hineinzieht. Ich könnte hier vieles aus meiner Rezension zu "Endgültig" wiederholen.

Ein Unterschied zu Teil eins ist jedoch der persönliche Konflikt, in dem Jenny Aaron steckt. Natürlich spielt auch ihre Blindheit wieder eine Rolle - Jenny ist einfach eine taffe und außergewöhnliche Ermittlerin, fast schon eine Art Superheldin. Aber diesmal erhalten wir mehr Einblick in ihre Psyche und ihre Probleme abseits der Blindheit. Natürlich wieder super spannend erzählt, ich wiederhole mich ;-).

Tolle Sprecherin - Tolles Hörbuch

Herausheben möchte ich wieder die Sprecherin Nina Kunzendorf. Sie verkörpert mit ihrer Stimme für mich die Person der Jenny Aaron perfekt. Auch wenn der Thriller nicht in der Ich-Form geschrieben ist - Nina Kunzendorf ist Jenny Aaron!

Fazit: Wer Thriller mag, kommt an Andreas Pflüger nicht vorbei - vorausgesetzt, man mag sich auf eine komplexe und verschachtelte Handlung einlassen. Nichts zum Nebenbei-Hören! Absolute Empfehlung! Ich fiebere Teil drei entgegen...

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131 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

anwalt, behinderung, heyne, köln, krimi, lorenz stassen, mord, mörder, nina verhoegen, opfer, referendarin, russen, serienmörder, serientäter, thriller

Angstmörder

Lorenz Stassen
Flexibler Einband: 349 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.10.2017
ISBN 9783453438798
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Mörder, der alles über dich weiß, dich ausspioniert und dann zuschlägt: Das ist der Angstmörder. Dieser Debüt-Thriller von Lorenz Stassen kann trotz kleiner Schwächen überzeugen!



Gerade hat der erfolglose Anwalt Nicholas Meller die junge Jurastudentin Nina als Hilfskraft eingestellt, da bekommt er es mit seinem ersten Mordfall zu tun. Ein ehemaliger Klient wird angeklagt, seine Frau getötet zu haben. Nicholas und Nina glauben an seine Unschuld und versuchen einen Alternativtäter ausfindig zu machen. Doch der Mörder hat einen genauen Plan und scheint alles über sein Opfer zu wissen. Als sie jedoch alte Fälle mit ähnlicher Vorgehensweise entdecken, kommen sie dem Täter näher - vielleicht zu nah...

Klassischer Thrillerauftakt

Die Handlung beginnt, wie bei einem klassischen Thriller üblich, mit einem Paukenschlag. Wir erleben die letzten Minuten des ersten Opfers mit, das bei lebendigem Leib begraben wird, nachdem es grausamen Qualen ausgesetzt war.

Der Roman gliedert sich dabei in zwei Bereiche. Auf der einen Seite wird aus der Ich-Perspektive des Anwalts Nicholas Meller erzählt. Hier erfahren wir im weiteren Verlauf der Handlung auch viele persönliche Details und erleben seine enger werdende Beziehung zu Nina Vonhoegen, seiner Assistentin, die mit einem Geburtsfehler auf die Welt gekommen ist: ihr fehlt der rechte Arm. Diese Behinderung wird häufig thematisiert, trägt aber (leider) nichts zur Thrillerhandlung bei. Ich hatte die ganze Zeit darauf gehofft, dass dies noch irgendeine Bedeutung im Bezug auf den Täter bekommen würde, leider Fehlanzeige.

Die Schreibstil ist flüssig und spannend. Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage durchgelesen und das, obwohl ich hier die Printausgabe vorliegen habe. Normalerweise bremst das meine Leseleistung etwas, denn den E-Reader habe ich eher unterwegs dabei als ein gedrucktes Buch. Aber die Spannung wird hochgehalten und so ist man motiviert, weiter zu lesen. Besonders interessant ist es dabei, die Vorgehensweise des Täters zu verfolgen. Die Handlung ist hier gut konstruiert.

Überraschender, allerletzter Twist

Besonders gefallen hat mir der (aller)letzte Twist. Gerade, als man glaubt, alles sei aufgeklärt und der Täter überführt, ist doch noch nicht alles vorbei. Mehr kann ich hier natürlich nicht verraten.
Trotzdem gab es aber auch Schwachstellen im Plot. Die Motivation des Täters konnte mich nicht so recht überzeugen und auch deren Begründung nicht. Wie bereits oben erwähnt, empfand ich auch die Behinderung von Nina als verschenktes Potential. Hier wäre mehr möglich gewesen.

Fazit: Klassischer Thriller mit interessanter Konstruktion und toller Spannung. Über kleinere Schwächen kann man gut hinwegsehen. Ich werde Lorenz Stassen im Auge behalten!

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Tags: thriller   (1)
 

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bücher, drachen, epubli, fantasy, hass, hypnose, kampfszenen, leserunde, liebe, madeleine puljic, magie, mai 2017, mittelalter, noras welten durch den nimbus, welten

Noras Welten

Madeleine Puljic
Flexibler Einband: 376 Seiten
Erschienen bei epubli, 20.05.2017
ISBN 9783745037616
Genre: Fantasy

Rezension:

Nora Winter ist verzweifelt. Sie kann kein Buch lesen, ohne in dessen Welt zu "fallen" und alles dort leibhaftig zu erleben. Als letzten Ausweg aus ihrem Dilemma sucht sie einen Hypnosetherapeuten auf. Ben glaubt ihr erst, als Nora tatsächlich vor seinen Augen beim Lesen eines Buches verschwindet. Neugierig geworden will er sofort mit einer Therapie beginnen: Nora soll in seinem Beisein ein von ihm ausgewähltes, "ungefährliches" Buch lesen. Doch die Sache geht gründlich schief, denn auf einmal befindet sich nicht nur Nora in der Welt von "Eldinor", sondern Ben mit ihr...

Madeleine Puljic ist eine junge, österreichische Autorin, de mittlerweile in Hamburg lebt und bereits seit einigen Jahren Romane veröffentlicht, so z. B. auch für die Perry-Rhodan-Reihe. Für Noras Welten 1: Durch den Nimbus erhielt sie 2017 den deutschen Selfpublishing Preis, ein weiterer Grund für mich, neugierig auf das Werk zu sein.

Begeisternde, liebevolle Gestaltung

Was ich auf jeden Fall erwähnen möchte, ist die äußerst liebevolle Gestaltung des Buches. Bereits das Cover ist ein Blickfang. Was mich aber wirklich total begeistert hat, ist das Innenleben - und ich rede hier vom Ebook! Madeleine Puljic hat jedem Kapitel eine hübsche Zeichnung vorangestellt, die inhaltlich mit dem folgenden Kapitel zusammenhängt: mal ist es eine Burg, ein Gasthaus oder auch ein kleines Wäldchen. Die Krönung aber sind die Initialen, die schmückenden Anfangsbuchstaben eines jeden Kapitels. Sie stellen jeweils einen kleinen Drachen dar, Rashuk, eine Figur aus der Welt von Eldinor,  und eigentlich der heimliche Star des Buches 😉.

Der Roman lässt sich leicht lesen, man taucht recht schnell in die Handlung ein. Gemeinsam mit Ben, Noras Therapeuten, ist man neugierig, mehr über ihre "Krankheit" zu erfahren. Als beide in der mittelalterlichen Welt von Eldinor landen, ist es es ebenfalls witzig zu verfolgen, wie sie sich gegenseitig die Schuld an ihrer Misere geben. Es sind also durchaus humorvolle Elemente vorhanden. Leider gibt es nach dem interessanten Beginn ein paar Längen in der Geschichte, die erst zur Mitte wieder mehr Fahrt aufnimmt. Nichtsdestotrotz gibt es im weiteren Verlauf mehrere überraschende Wendungen, die man so nicht vermutet hätte. Einige Dinge bleiben auch am Ende noch offen, so dass wir hier mit der Auflösung auf die Fortsetzung hoffen müssen. Der Romantikanteil hält sich in Grenzen, was ich aber als durchaus positiv empfinde.

Leseempfehlung (mit ein klein wenig Kritik)

Mir hat das Buch gut gefallen und ich spreche auch eine deutliche Leseempfehlung aus. Trotzdem habe ich ein paar (kleine) Kritikpunkte. So ist der Fantasy-Anteil nicht sonderlich hoch. Die Buchwelt ist recht gewöhnliches Mittelalter, in dem es zwar den Drachen Rashuk und auch einen Magier gibt, aber keine weiteren klassischen Fantasy-Elemente im Sinne von Zwergen, Feen oder Orks, ausgenommen natürlich das Mittel der Zeitreise. Zudem macht eine Figur eine negative Entwicklung durch, die auf mich einfach sehr unsympathisch gewirkt hat. Das hätte ich in dieser Form nicht gebraucht. Aber natürlich ist es schwierig einzuschätzen, wie viel von diesen Dingen absichtlich von der Autorin angelegt wurde, um später vielleicht eine entscheidende Rolle zu spielen. Auch das ist ein Grund für mich, Band zwei unbedingt lesen zu wollen!

Fazit: Ich bin begeistert von dem Roman und gerne mit Nora in ihre Welten eingetaucht. Wer beachtet, dass es sich um den ersten Band einer Reihe handelt , wird seine Freude an diesem äußerst liebevoll gestalteten Buch haben. Ich warte schon ungeduldig auf Band zwei!

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Tags: challenge, fantasy, reihe, selfpublisher   (4)
 

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archäologie, barry & dana stiller, blut, buchreihe, eis, eismumie, eismumien, entdeckung, erstbesiedlung, forschung, kanada, krimi, mord, spannung, wikinger

Die Ersten

Barry Stiller , Dana Stiller
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei epubli, 01.08.2017
ISBN 9783745007909
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Peter Conrad ist gerade erst aus Ägypten zurückgekehrt, da soll er schon wieder nach Kanada reisen. Der Ethnologe einer Wikinger-Ausgrabung ist verunglückt und man benötigt dringend Ersatz. Vor Ort angekommen, fragt sich Conrad, was wirklich hinter all dem steckt. Seltsame Vorkommnisse häufen sich und auch die Kollegen verhalten sich seltsam. Als er dann auch noch eine große Entdeckung macht, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen.


Der Roman beginnt mit einem Ereignis in Kanada. Sofort erfährt der Leser, dass nicht alles mit rechten Dingen zu geht. Man ahnt also schon bereits, dass es auch Peter Conrad nicht leicht haben wird, sogar in Lebensgefahr gerät. Aber wer (oder was?) dahinter steckt, bleibt bis zum Schluss verborgen. Als Leser hatte ich einen Verdacht, doch die gesamten Zusammenhänge konnte ich nicht erraten. Spannung also garantiert.

Spannendes Archäologie-Setting

Das Archäologie-Setting der Ausgrabung hat mir naturgemäß also ausgesprochen gut gefallen. Ich hätte mir nur weniger Hinweise im Klappentext gewünscht. Zum Glück bin ich auch hier meinem Grundsatz treu geblieben, lieber eine Leseprobe als den Klappentext zu lesen. Deshalb war ich regelrecht entsetzt, dass die Autoren eine so spannende Entdeckung in den vor Ort gefundenen Eismumien spoilern. Schade. Ach ja, und auf einige unappetitliche Details hätte ich auch ganz gerne verzichtet.

Mystery und Horror inklusive

Die Kollegen von Peter Conrad, auf die er in Kanada trifft, sind größtenteils unsympathisch, zumindest aber seltsam. Das hat System, vermutet man so als Leser doch hinter (fast) jedem den Bösewicht der Geschichte. Eine Legende um ein mystisches Wesen führt noch zusätzlich zur Verunsicherung. Geht hier vielleicht wirklich und wahrhaftig nicht alles mit rechten Dingen zu?

Der dramatische Showdown  löst schließlich die Handlung gut auf. Als Leser bleibt man zufrieden zurück. Und freut sich auf den nächsten Fall von Peter Conrad! Die Autoren Barry und Dana Stiller haben diesen bereits angekündigt. Diesmal wird Peter Conrad mit seiner Kollegin Lisa Frank nach London reisen, um dort ein ausgedehntes Gräberfeld zu untersuchen.

Fundiertes Hintergrundwissen der Autoren

Besonders beeindruckt hat mich an diesem Krimi das fundierte Hintergrundwissen, dass die Autoren zum Thema Archäologie, Anthropologie und Ethnologie an den Tag legen. Schön, wenn man als Leser einer Unterhaltungslektüre so auch noch ganz nebenbei sein Wissen erweitern kann.

Fazit: Spannender Archäologie-Krimi mit guter Recherche zum

 Thema, aber manchmal etwas unappetitlich. Empfehlung! Ich freue mich auf Teil 2!

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Tags: archäologie, buchreihe, krimi, peter conrad, wikinger   (5)
 

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buchreihe, dschibuti, geheimagent

Der Vermittler

Robert Karjel , Daniela Stilzebach
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.03.2017
ISBN 9783734100406
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ernst Grip, schwedischer Geheimagent, wird nach Dschibuti beordert, um im Fall eines dort stationierten schwedischen Soldaten zu ermitteln. Zur gleichen Zeit wird das Schiff einer schwedischen Familie auf offener See von Piraten gekapert. Grips Nachforschungen ergeben den Zusammenhang der beiden Fälle. Doch dabei gerät auch er selbst in Lebensgefahr.

Verspricht mehr, als er hält

Der Klappentext klang für mich interessant. Ich mag solche Agententhriller mit etwas komplexerer Handlung und internationalem Setting eigentlich ganz gerne. Leider konnte das Versprechen des Klappentextes beim weiteren Lesen nicht eingelöst werden.

Ernst Grip ist ein schwuler Antiheld und somit eher das Gegenteil vom James-Bond-Agententyp. Einem Klischee entspricht er also wirklich nicht, aber irgendwie kann man so auch keine rechte Verbindung zu seiner Figur aufbauen. Ich konnte mit ihm nicht warm werden.

Komplexer, politischer Hintergrund

Die Handlung des Romans ist interessant, aber auch recht kompliziert und anspruchsvoll. Wer sich mit den politischen Verhältnissen so gar nicht auskennt, wird es schwer haben, der Geschichte zu folgen. Andererseits ist Spannung aber auch keineswegs hoch genug, als dass man sich über derlei Dinge informieren möchte.

So liest man einfach weiter, quält sich ziemlich durch die ganze Handlung, in der Hoffnung, es käme doch noch mehr Nervenkitzel auf. Was leider nicht der Fall ist. Von einem Thriller zu sprechen, halte ich aus diesem Grund auch für recht übertrieben.
Zumindest lässt sich der gesamte Roman flüssig lesen, weist aber wegen seiner über 500 Seiten auch deutliche Längen auf.

Fazit: Mich konnte Robert Karjel leider nicht überzeugen, obwohl das Potential durchaus vorhanden war. Immerhin ist der Roman gut lesbar. Aber aus meiner Sicht leider keine Empfehlung.

Gerngelesen: 2 von 5

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Tags: buchreihe, dschibuti, geheimagent   (3)
 

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anne sanders, familie, geheimnis, insel, inselleben, inselroman, jugendliebe, kochen, liebe, liebesgeschichte, liebesroman, mein herz ist eine insel, romance, schottland, vergangenheit

Mein Herz ist eine Insel

Anne Sanders
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 27.03.2017
ISBN 9783764505936
Genre: Liebesromane

Rezension:

Titel und Cover von Anne Sanders "Mein Herz ist eine Insel" lassen eigentlich auf eine seichte Sommerlektüre schließen. Aber der Roman bietet deutlich mehr Tiefe, als es auf den ersten Blick scheint. Für Fans von Schottland und Liebesromanen, die auch Spannung und Dramatik lieben. Empfehlung!


Isla Grant steht vor den Trümmern ihres Lebens. Vom langjährigen Freund Eric verlassen, ohne Job und Wohnung, kehrt sie auf ihre kleine schottische Heimatinsel zurück. Die Begegnung mit Vater und Geschwistern, die sie das erste Mal nach sechs Jahren wiedersieht, ist nicht von gegenseitiger Freude geprägt. Als Isla auch noch auf ihren Jugendfreund trifft, dem sie neben der Insel vor zehn Jahren ebenfalls den Rücken gekehrt hat, will sie eigentlich nur wieder weg von hier. Aber irgendetwas hält sie doch auf Bailevar. Dann taucht noch ein geheimnisvoller Fremder auf...



Isla Grant erscheint zunächst als junge Frau, die nicht so recht weiß, was sie will. Als sie vor zehn Jahren die Enge ihrer kleinen Insel verließ, blickte sie nicht zurück. Als Leser fragt man sich, was sie jetzt wieder in ihr Elternhaus treibt. Aber im weiteren Verlauf der Geschichte erfahren wir mehr über ihre schwierigen Familienverhältnisse: Ihre Mutter, die Mann und Kinder verlassen hat, aber auch  das komplizierte Verhältnis Islas zu ihrem Vater, wird besser erklärt. Ihre Zerrissenheit zwischen den beiden Männern in ihrem  Leben, dem alten Jugendfreund und dem neuen geheimnisvollen Fremden, bietet schon Spannung.

Dramatik, Spannung, Mystik

Die Handlung wird im Wechsel aus Sicht von Isla erzählt, was große Teile des Buches einnimmt. Gelegentlich wird in die Perspektive von Finn, Islas Jugendfreund geswitched, wodurch wir ebenfalls einen Einblick in seine Gefühlswelt erhalten. Unterbrochen wird die aktuelle Handlung jedoch durch eine in Häppchen erzählte alte Legende, die sich um eine verschwundene Insel und eine unerfüllt Liebe zwischen einem Menschen und einer Selkie dreht. Mysteriöse Dinge geschehen aber auch in der heutigen Zeit in vielfältiger Art auf der Insel Bailevar.

Der Roman von Anne Sanders führt uns durch Höhen und Tiefen. Humorvolle Augenblicke wechseln sich mit dramatischen Wendungen ab, wobei die Gesamtatmosphäre eher düster als freundlich-heiter ist. Auch wenn es genretypisch ein Happy End gibt, kann man bis dahin doch ein paar Tränchen vergießen, denn auch traurige Momente sind enthalten.

Mehr bekommen, als erwartet

Ich muss sagen, das Buch hat mich wirklich überrascht. Nach dem Cover und Klappentext hatte ich eigentlich eine unterhaltsame, sommerlich-angehauchte Lektüre erwartet. So wird der Roman auch als "Wohlfühlbuch" beworben. Dem kann ich nicht so recht zustimmen, denn ich denke, dass bei manchen einem Leser so falsche Vorstellungen erweckt werden. Die kleine schottische Insel mit stürmischem Klima und rauen Menschen hat wenig von einem Sommerurlaub. So gut mir das Cover vom Bild her auch gefällt, hätte ich mir hier etwas Passenderes gewünscht. Man tut dem Buch von Anne Sanders Unrecht, wenn man es in eine Reihe mit den reinen, seichten Liebesromanen stellt.

Fazit: Was zunächst wie ein leichter (und seichter) Liebesroman wirkt, nimmt im weiteren Verlauf des Buches deutlich mehr Fahrt auf und gewinnt an Tiefe. Dramatische Entwicklungen erzeugen Spannung. Lesetipp!

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intrigen, politische machtkämpfe, politthriller, thriller

Mitten im kalten Winter

Arvid Heubner
Flexibler Einband: 532 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.10.2017
ISBN 9783426216552
Genre: Romane

Rezension:

Die Handlung beginnt sehr spannend und sieht zunächst nach einem normalen Kriminalfall aus. Die Ermittlungen im Eliteinternat gestalten sich allerdings schwierig, da Tinus Geving auf eine Mauer des Schweigens stößt. Als ihn eine der Schülerinnen jedoch in die Grausamkeiten einweiht, die hier geschehen, wird schnell klar, dass die ganze Geschichte viel größere Ausmaße hat, als zunächst angenommen. Geving findet unter anderem heraus, dass der Lehrer ein ehemaliger Elite-Biathlet war. Aber auch hier werden seine Ermittlungen durch eine geheime und zur Verschlusssache erklärte Akte erschwert.

Komplex und anspruchsvoll

Der gesamte Roman ist äußerst komplex und anspruchsvoll. Den vielen vorkommenden Personen, insbesondere den involvierten Politiker, zu folgen, ist nicht immer ganz einfach. Hinzu kommen verschiedene Stilmittel, die der Autor Arvid Heubner einsetzt, so z. B. SMS-Nachrichten, bei denen nicht immer klar ist, von wem sie kommen. Dies ist durchaus gewollt und trägt zu der verwickelten und undurchsichtigen Atmosphäre des gesamten Thrillers bei. Der Leser ist hier aber gefordert. Ein Überblättern rächt sich schnell, indem man der verzwickten Handlung dann nicht mehr folgen kann.
Man wird jedoch mit einer sehr interessanten Geschichte belohnt, die aktuellen Bezug hat. Bei einigen Dingen möchte man eigentlich nicht hoffen, dass sie so oder ähnlich Realität sein könnten, befürchtet es aber leider doch.

Auch die Figur des Tinus Geving ist vielschichtig, denn dieser hat ein traumatisches Erlebnis in seiner Vergangenheit zu verarbeiten. Er hat früher für Europol gearbeitet und bei einem Bombenanschlag Kollegen und Freunde verloren. Diese Vorgeschichte wird im weiteren Verlauf der Handlung noch eine wichtige Rolle spielen.

Intrigen, Machtkämpfe und Korruption

Der Roman nimmt dem Leser jegliche Illusion im Bezug auf Politiker, so zersetzt ist das ganze Geflecht von Politik und Wirtschaft mit Intrigen, Machtkämpfen und Korruption. Nie geht es um die Wahrheit, sondern stets nur um den eigenen Vorteil. Arvid Heubner versteht es meisterhaft, diese Zusammenhänge mit schonungsloser Offenheit zu verdeutlichen und dabei trotzdem eine spannende Thrillerhandlung unterzubringen. Lediglich über manch sexuelle Handlung hätte ich persönlich gerne weniger gelesen.

Leider gibt es aber auch einige Längen im Buch. So sind insbesondere manche politischen Debatten sicher informativ, aber doch etwas zu ausführlich gehalten und bremsen die Handlung etwas aus.

Es handelt sich hierbei um das Debüt des Autor Arvid Heubner, der diesen Thriller zunächst als Selfpublisher herausbrachte, bevor er eine Überarbeitung beim Verlag erlebte. Sehr beachtlich! Eine Fortsetzung mit Tinus Geving wurde angekündigt. Zudem gibt es ein weiteres (kürzeres) Buch, in dem die Vorgeschichte des Protagonisten bei Europol erzählt wird: „Der Kuckuck ruft in den Weiten“.

Fazit: Anspruchsvoller und spannender Politthriller mit kleineren Längen, der nicht ganz einfach zu lesen ist. Beeindruckendes Debüt des Autors! Empfehlung!

Gerngelesen: 4 von 5

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daten, düsseldor, düsseldorf, krimi, liebe, romantik

App to Date

Carine Bernard
E-Buch Text: 239 Seiten
Erschienen bei null, 13.10.2017
ISBN B075PYWRMF
Genre: Romane

Rezension:

Jenny, Psychologie-Studentin, arbeitet an der Uni in einer geheimen Forschungsgruppe, die eine Dating-App entwickelt hat. Benutzen darf sie diese lediglich zu Forschungszwecken und datet dabei mit erfundenem Profil verschiedenen Männer. Als ihr Bruder diese App auf ihr neues Handy installiert und auch sofort ausprobiert, trifft Jenny dabei auf Jakob – und verliebt sich in ihn. Jennys Forschungsleiter an der Uni erfährt von diesem privaten Treffen und verbietet sie sofort. Die wissenschaftlichen Ergebnisse sollen nicht verfälscht werden. Doch dann geschehen in Jennys unmittelbarer Umgebung dramatische Vorfälle: Ihr Bruder erleidet einen schweren Unfall und ein ehemaliger Proband, der Jenny stalkt, wird ermordet. Schließlich gerät auch noch Jakob unter Mordverdacht. Aber steckt er wirklich dahinter?

Vor einiger Zeit habe ich den ersten Roman von Carine Bernard „Pater Noster" gelesen, den sie als Selfpublisherin veröffentlicht hat. Auch er spielt wie „App to date“ in Düsseldorf, was ich sehr reizvoll finde, denn ich wohne in unmittelbarer Nähe. Mit Vergnügen habe ich einige Örtlichkeiten wiedererkannt, die auch ich schon besucht habe. Man merkt die Kenntnis der Autorin aber auch an solchen Aussagen wie „Düsseldorf, die Stadt mit den 400 Regentagen pro Jahr".

Brisantes Thema, das nachdenklich macht

Die Autorin Carine Bernard versteht es, interessante Themen in unterhaltsamer Art aufzubereiten. Was ihr schon mit ihrem ersten Roman gelang, wird hier fortgeführt. Datenschutz und Big Data sind Problematiken, mit denen sich heute jeder auseinandersetzen sollte und muss. Obwohl es sich um Unterhaltungslektüre handelt, wird der Leser durchaus nachdenklich gestimmt. So leicht installiert man nach dem Lesen des Buches wahrscheinlich keine App mehr…

Die Idee hinter der Dating-App klingt zunächst sehr interessant. Jenny ist mit Feuereifer bei ihrer Arbeit dabei. Die App ermittelt aus den auf dem Handy hinterlegten Informationen ein Profil und sucht in der Umgebung nach Matches, also anderen App-Nutzern, die über ähnliche Profildaten verfügen. Die potentiellen Partner werden nach einem Ampelsystem dargestellt: grün passt perfekt, rot gar nicht. Witzig ist die Idee, den Usern Namen zu geben wie etwa „hellgraues Mauswiesel“ oder „lachsrote Amsel“. Dass da durchaus ein System dahintersteckt, erfährt  man als Leser, wenn Carsten,  Chef der Forschungsgruppe, genauer vorgestellt wird. Er hat mit seinem Projekt mehr vor, als seine Mitarbeiter ahnen. Dabei wird jedoch ebenfalls eine mögliche Fehlinterpretation der App offenkundig. Jennys Bruder, von der App als grün und somit perfekter Partner erkannt, übernachtet bei ihr. Carsten, der Jennys Daten nach der bekannt gewordenen privaten Nutzung überprüft, glaubt an ein Affäre. Daten allein sagen eben nicht alles.

Dramatische Entwicklungen

Als Jennys Bruder tragischerweise verunglückt, keimt der erste Verdacht beim Leser auf. Die Hinweise häufen sich, bis schließlich klar wird, dass es sich tatsächlich nicht um einen Unfall sondern um einen Mordversuch handelt. Ein weiterer Mord an einem von Jennys Datingpartnern bestätigt diese Vermutung. Wer dahinter steckt, ist für den Leser schon bald recht offensichtlich. So geht es im weiteren Verlauf des Buches nicht so sehr darum, den Täter zu entlarven, sondern Hintergründe und Motivation aufzudecken. Auch das Schicksal von Marc, Jennys verunglücktem Bruder, ist sehr tragisch und man wartet mit Spannung darauf, welchen weiteren Verlauf sein Schicksal nimmt.

Die Figuren des Romans sind sehr lebendig dargestellt und lassen uns als Leser wirklich an ihrem Schicksal teilhaben. Sei es nun Jenny selbst, natürlich ihr schwer kranker Bruder, ihre Arbeitskollegen wie auch den Obdachlosen in der Suppenküche gewinnt man schnell lieb und fiebert mit ihnen mit. Eine kleine Schwäche empfand ich in der Figur des Jakob. Er war mir ein wenig zu klischeehaft dargestellt, was aber nur ein kleines Minus darstellt.

Guter Genre-Mix mit allem, was dazu gehört

Der gesamte Roman stellt einen interessanten und gelungenen Genre-Mix dar: ein bisschen Krimi mit Spannungselementen, eine romantische Liebesgeschichte, aber auch ein modernes Thema, das zum Nachdenken über den eigenen Umgang mit Daten anregt.

Gegenüber Carine Bernards Vorgänger-Roman „Pater Noster“ hat mir die Figurenentwicklung hier sehr viel besser gefallen. Sie wirken lebendiger und interessanter. Ebenso ist die Polizeiarbeit deutlich besser dargestellt, ein Kritikpunkt aus meiner damaligen Rezension, als der Kommissar mir etwas zu einfältig und dumm erschien. Schön, dass man nun in diesem zweiten als Selfpublisherin verlegten Buch so eine Entwicklung bei der Autorin sieht!

Fazit: Moderne Geschichte mit allem, was gute Unterhaltung ausmacht. Empfehlung!

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liebesroman, millionär, seicht

Seeigel küsst man nicht: Millionärs-Liebesroman

Mira Morton
E-Buch Text: 246 Seiten
Erschienen bei null, 02.11.2016
ISBN B01M6CP4XS
Genre: Liebesromane

Rezension:  
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alanna, berlin, deutschland, epubli, falsche fährten, grausam, henry frei, kreuzigung, krimi, martin krist, mord, reihe, spannung, teenager, thriller

Böses Kind

Martin Krist
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei epubli, 26.10.2017
ISBN 9783745035292
Genre: Romane

Rezension:

Der erste Fall für Kommissar Henry Frei kommt facettenreich daher: ein Mord mit einem gequälten und gekreuzigten Opfer, dazu die mögliche Entführung eines jungen Mädchens. Martin Krist führt seine neue Ermittlerfigur sehr spannungsgeladen ein – und lässt uns fasziniert auf eine weitere Fortsetzung warten!

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Autor über Netgalley zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Berlins dunkle Seite: In einem verlassenen Gebäude wird bei Bauarbeiten eine Leiche gefunden, gefoltert und gekreuzigt. Kriminalhauptkommissar Henry Frei wird mitsamt seinem Team zu den Ermittlungen herangezogen.
Suse, überforderte alleinerziehende Mutter, vermisst eines Morgens ihre 14jährige Tochter Jacqui. Die Polizei glaubt nicht an ein Verbrechen, bis man bei dem Opfer in der alten Bibliothek den Rucksack von Suses Tochter findet…

Der Einstieg in diesen Thriller gestaltet sich sehr turbulent und aufregend. Der Leser wird direkt mit einer dramatischen Folterszene konfrontiert, „Intermezzo“ genannt. Diese Szenen werden im weiteren Verlauf immer wieder eingestreut, ohne dass man wirklich weiß, wer das Opfer ist.

Viele Fährten und ein umfassender (ungelöster) Fall

Die Ermittlungsarbeit des Teams um Kommissar Frei dreht sich zunächst um den Fall des gefolterten und gekreuzigten Opfers. Erst durch den Fund des Rucksacks gerät auch die mögliche Entführung von Jacqui und ihre Mutter in den Fokus der Ermittlungen. Was zunächst wie ein zufälliges Opfer aussieht, erweist sich im weiteren Verlauf als Teil eines großen Ganzen – auch wenn sich noch nicht alles in diesem ersten Teil erschließt.

Der Autor versteht es dabei meisterhaft, immer wieder durch neue Fährten zu verwirren. Kaum glaubt man als Leser, eine Ahnung zu haben, wird sie durch weitere Ermittlungsergebnisse zunichte gemacht. Dabei gibt es neben den offensichtlichen Verbrechen noch weitere Untersuchungen, von denen anzunehmen ist, dass sie den großen Rahmen der Henry-Frei-Reihe bilden – und wir uns folglich mit deren Auflösung wohl noch etwas gedulden müssen! Angedeutet wird dies durch den Untertitel „Alanna“. Hierbei handelt es sich um die vor vielen Jahren verschwundene Teenager-Tochter von Freis ehemaligem Chef, der seitdem ins Verbrechermilieu abgetaucht ist. Was in dem Zusammenhang noch auf uns zukommen wird, lässt sich bisher (leider!) nicht erahnen.

Ein Mega-Cliffhanger am Ende!

Dass der Thriller von vornherein als Reihe angelegt ist, wird auch an der sorgfältigen Entwicklung des Polizeiteams deutlich. Wir erfahren viel vom Privatleben der einzelnen Ermittler, obwohl auch hier, besonders bei der Hauptfigur Henry Frei, noch wichtige Details offen bleiben – der Autor hält uns bei der Stange 
Die anderen Figuren sind ebenfalls sehr glaubhaft geschildert. Besonders hervorzuheben ist hier Suse, deren Nöte und Überforderungen als alleinerziehende Mutter mit wenig Geld und wackligem Job man als Leser förmlich mit erleidet.

Wer aber mit offenen Enden und Cliffhangern ein wenig hadert, der sollte vielleicht bis zum 21. Mai 2018 warten, denn dann erscheint der zweite Teil „Stille Schwester“. Obwohl zu vermuten ist, dass auch die Fortsetzung noch Fragen offen lassen wird…
Das ist dann tatsächlich auch mein einziger (kleiner) Kritikpunkt. Eigentlich mag ich es nicht besonders, so lange in der Luft hängen gelassen zu werden, bis es denn endlich weitergeht. Zum Teil warte ich bei Trilogien sogar, bis alle drei Teile erscheinen sind, um sie dann lieber in einem Rutsch lesen zu können. Immerhin gibt es in diesem aber einen festen Erscheinungstermin, anders als bei fremdsprachigen Autoren, bei denen ich – aus Verzweiflung  – schon manchmal auf die englische Version ausgewichen bin!

Fazit: Ich kann euch diesen Thriller wärmstens ans Herz legen, allerdings braucht ihr dann gute Nerven. Die Wartezeit bis Mai 2018 wird lang!

Gerngelesen:  5 von 5

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fehlender tiefgang, flächenbrand, krimi, moa graven, möbius-syndrom, mord, organisiertes verbrechen, ostfriesland, ostfrieslandkrimi, professor, reihe, serie, solider krimi, tatortfotos, thriller

Flächenbrand

Moa Graven
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei cri-ki-Verlag, 01.08.2016
ISBN 9783945372821
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: jan krömer, krimi, ostfriesland, reihe   (4)
 

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action, buchreihe, dan brown, geheimbun, geheimbund, krebsforschung, thriller, verschwörung

Akte Kronos

Matthias Bürgel
Flexibler Einband: 428 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 15.09.2017
ISBN 9783744810371
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Spannender Thriller im Stil von Dan Brown. Die Suche nach dem Geheimnis um den Tod eines renommierten Krebsforschers führt Kommissar Sprenger von Deutschland bis quer durch Frankreich.

Dieses #Rezensionsexemplar wurde mir vom Autor zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Professor Wilberg wird tot in einem Hotelzimmer aufgefunden, alles deutet auf einen Selbstmord hin. Als Kommissar Sprenger den Fall trotzdem näher untersucht, wird sein Verdacht bestätigt. Auch Wilbergs Doktorandin Sina glaubt nicht an einen Suizid. Trotzdem sollen die Ermittlungen auf oberste Anweisung hin eingestellt werden. David Sprenger will das nicht hinnehmen und macht sich auf eigene Faust, lediglich unterstützt von Sina, an die Untersuchungen. Dabei kommen beiden einem gefährlichen Geheimbund zu nahe und müssen selbst um ihr Leben fürchten.

Kurz und knackig - so mag ich das!

Der Thriller beginnt, ganz wie ich es mag: kurze, knackige Kapitel, die man schnell hintereinander weg liest, weil man wissen will, wie es weitergeht. Dabei ist die Orientierung trotz unterschiedlicher Handlungsorte und Perspektiven leicht, denn der Autor hat jedem Kapitel eine Ortsangabe zugefügt. So findet man sich sofort gut in der Geschichte zurecht, auch wenn man noch nicht weiß, wie die Dinge zusammenhängen.

Dabei profitiert die Geschichte von dem Fachwissen des Autors Matthias Bürgel, der seit über 25 Jahren im Polizeidienst tätig ist. So wird etwa die Todesart des Professors sehr genau erklärt. Und der Autor legt durchaus Wert auf Details. So wird beispielsweise das Thema "Akku aus dem Handy nehmen, damit es nicht zurückverfolgt werden kann" (was sicher jeder Krimileser  oder -zuschauer kennt) treffend differenziert, denn schließlich kann man heute aus dem meisten modernen Smartphones den Akku eben nicht mehr so einfach entfernen.

Auf den Spuren von Dan Brown

Wie bereits angedeutet, sind die Anleihen bei Dan Brown schon sehr deutlich. Es wirkt schon ein wenig abgekupfert, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Aber die Stichworte Geheimbund, Komitee der 300, Rat der Acht deuten schon sehr auf Verschwörungstheorien in diesem Stil hin.

Bei der Figurengestaltung gibt es jedoch ein Problem. Die Hauptfigur David Sprenger wird erst auf Seite 147 richtig beschrieben und zwar in dem Augenblick, in dem er der Doktorandin Sina Forget begegnet. Der Autor hat wohl beabsichtigt, den Kommissar aus der Sicht der jungen Frau darzustelllen, nur leider hat man sich da als Leser bereits ein (anderes) Bild von ihm gemacht.
Auch die Dialoge, besonders zwischen dem (älteren) Kommissar und den jungen Studentinnen sind etwas zu flapsig für meinen Geschmack.

Womit wir bei meinem Hauptproblem mit diesem Thriller wären, das dem Roman auch seine 5-Sterne-Bewertung gekostet hat: die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren. Völlig unnötig, unglaubwürdig und dann auch noch übertrieben dargestellt. Sex sells trifft es eben auch nicht immer! Darauf hätte ich gut und gerne verzichtet. In meinen Augen hätte das Buch dadurch nur gewinnen können.

Ich habe den Autor Matthias Bürgel auf der Frankfurter Buchmesse bei einem Meet & Greet am Stand von BoD getroffen und mich kurz mit ihm unterhalten können, ein interessantes Gespräch. Dabei habe ich neben dem Rezensionsexemplar auch ein Goodie-Bag mitgenommen. Dieses besteht aus einem echtem! - wurde mir glaubhaft versichert ;-) - Spurensicherungsbeutel zur Asservatensicherung sowie Autogrammkarte, Lesezeichen und ein paar Süßigkeiten zur Stärkung bei spannenden Lesestunden. Eine wirklich nette Werbeidee!
Außerdem hat mir Matthias Bürgel verraten, dass er bereits intensiv an einem weiteren Thriller arbeitet. Wir dürfen also gespannt sein.

Bei der "Akte Kronos" handelt es sich um das zweite Buch des Autors. Auch in seinem Erstling "Projekt Goliath" spielt David Sprenger die Hauptrolle. Inhaltlich wird dies zwar kurz erwähnt, aber Kenntnisse aus dem vorherigen Buch sind weder nötig, noch bieten sie einen Mehrwert, weshalb man sie in beliebiger Reihenfolge lesen kann.

Fazit: Spannender Verschwörungsthriller für Fans von Dan Brown. Abzug für die unglaubwürdige und übertrieben dargestellte Beziehung der beiden Hauptfiguren.

Gerngelesen:  4 von 5

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autorenleben, krimi, schriftsteller

Das Original

John Grisham , Kristiana Dorn-Ruhl , Bea Reiter , Imke Walsh-Araya
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, 21.08.2017
ISBN 9783837140095
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Coup, der die USA erschüttert: Aus der Bibliothek der Universität Princeton werden fünf handschriftliche Manuskripte von F. Scott Fitzgerald gestohlen, darunter auch "Der große Gatsby". Das FBI nimmt sofort die Ermittlungen auf, es kommt zu ersten Festnahmen, aber die Manuskripte bleiben verschollen.
Einige Zeit später tritt die Versicherung, die für den Verlust der Manuskripte aufkommen müsste, an die junge Dozentin und Schriftstellerin Mercer Mann heran. Ein letzter Versuch, die Manuskripte zurückzuholen, bevor sie womöglich auf Nimmerwiedersehen im Ausland verschwinden. Dabei hat man Bruce Cable, einen Buchhändler und Lebemann, auf Camino Island in Florida im Visier. Mercer soll sich in seine Clique bunt zusammen gewürfelter Autoren einschleichen und Informationen sammeln.

Interessantes Thema für Schreiberlinge

Wie wohl viele andere Bücherfreunde hat auch mich das Thema gereizt: Ein Buch, in dem es um Bücher geht, das sich mit der Welt der Schriftstellerei, den Autoren und ihren Marotten beschäftigt, klang äußerst reizvoll. Obwohl ich mit John Grisham sehr unterschiedliche Erfahrungen - mal spannend, mal äußerst langatmig - gemacht habe, war ich neugierig. Das (Hör)buch hinterließ einen gespaltenen Eindruck bei mir, was allerdings nicht an der Lesung von Charles Brauer lag. Er hat wie immer eine gute Leistung abgeliefert, die gut zu Grishams Stil passt.

Der Roman beginnt mit einem Paukenschlag. Der Diebstahl der Manuskripte ist ein spannender Einstieg, ebenso wie die weiteren Geschehnisse rund um die fünfköpfige Bande. Dann jedoch springt die Handlung und beschäftigt sich nun mit dem Werdegang des Buchhändlers, Playboy und Schlitzohrs Bruce Cable. Eingestreut wird in weiteren Rückblenden der Weg der Manuskripte über verschiedene Stationen, ohne jedoch den aktuellen Verbleib zu offenbaren.

Das Leben auf Camino Island...

Als sei dies alles lediglich Vorgeplänkel gewesen, kommt Grisham nun zum eigentlich Teil der Geschichte: Die erfolglose Autorin Mercer Mann, die sich ihre Brötchen mit einer ungeliebten Dozententätigkeit verdienen muss, und der nun auch noch gekündigt wird, erhält ein Angebot: Sie erhält eine große Geldsumme, wenn sie sich in das Sommerhaus ihrer Großmutter nach Camino Island zurückzieht, um dort ein Buch zu schreiben. Praktischerweise wohnt dort ebenfalls Bruce Calbe, der einen kleinen Kreis von unterschiedlich erfolgreichen Schriftstellern um sich geschart hat. Mercer soll in im Auftrag der Versicherung ausspionieren, da man die Manuskripte im Safe seiner Buchhandlung vermutet. Mercer sagt zu, auch wenn das Gewissen sie quält, denn Bruce verhält sich ihr gegenüber äußerst charmant.

...nimmt sehr viel Raum ein

Diesem Teil der Handlung widmet Grisham sehr viel Zeit. Ausführlich werden alle Schriftsteller vorgestellt, es gibt Party und Kaffeekränzchen bis hin zu Lesungen in Bruce' Buchhandlung. Wer sich für die Welt der Schriftstellerei interessiert, bekommt hier interessante Einblicke und muss über manch nette Andekdote aus der Verlagswelt schmunzeln. Wenn unter den Schriftstellern beispielsweise diskutiert wird, ob man sich schämen muss, wenn man mit Erotik-Bestsellern die Verkaufslisten stürmt, aber eigentlich lieber anspruchsvolle Literatur schreiben möchte, scheint das wie aus dem Autorenleben gegriffen - Erfolg oder Anspruch, das ist hier die Frage.

Ein Leser, der an solchen Informationen kein Interesse hat, wird sich aber vermutlich über weite Strecken langweilen, denn die Handlung stockt hier deutlich. Zwar gibt es immer wieder Treffen zwischen Mercer und Elaine, der Beauftragten der Versicherung, aber keine Spur von den Manuskripten, auch keine Hinweis darauf, ob Bruce wirklich involviert ist. Dieser Abschnitt zieht sich deshalb deutlich. Lediglich gegen Ende des Buches kann man wieder mit überraschenden Wendungen rechnen.

Bei der Gelegenheit möchte ich übrigens auch wieder einmal auf einen unglücklich gewählten deutschen Titel hinweisen. Den Roman das "Das Original" zu nennen, wo es sich um fünf gestohlene Manuskripte handelt, ist doch irreführend. Im Amerikanischen heißt der Roman dann auch "Camino Island", stellt so aber auch keinen Bezug zur Buchwelt her.

Grishams Erzählstil: Distanziert und geruhsam

Kommen wir aber nun zu einem weiteren Problem des Romans. Die Erzählweise ist grishamtypisch sehr geruhsam und distanziert. Das muss man einfach mögen oder eben nicht. Egal, ob es um die dramatischen Ereignisse beim Diebstahl selbst oder die langatmigen Beschreibungen rund um Camino Island sind, alles wird gleichförmig beschrieben. Der Sprecher Charles Brauer beherrscht diese Art des Vorlesens übrigens perfekt und passt somit wunderbar zu John Grisham, was keine Kritik am Sprechen sein soll! Wer sich aber hier rasante Handlung und Spannung verspricht, ist bei diesem Werk fehl am Platz.

Ich habe für dieses rund 10 Stunden andauernde Hörbuch für meine Verhältnisse sehr lange gebraucht, auch ein Zeichen dafür, dass mich die Handlung nicht so fesseln konnte, dass ein Weiterhören unabdingbar war.

Fazit: Wer Einblick in die Buchwelt, ihre Autoren und nette Hintergrundinfos möchte, eingerahmt in eine (am Anfang und Ende) spannende Handlung, kann zugreifen. Wer nicht so schriftstelleraffin ist, sollte sich nicht zu viel versprechen. Bedingt empfehlenswert!

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anthologie, krimi, kurzgeschichten, lokalkrim, oberbergisches land

Verbrechen und andere Leidenschaften

Daniel Juhr
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Juhr Verlag, 29.09.2017
ISBN 9783942625470
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Horror ist nicht so recht etwas für euch, aber gegen ein bisschen Grusel habt ihr nichts einzuwenden? Dann schaut doch einmal in diese Anthologie schaurig-schöner Krimi-Geschichten hinein!
In diesem dritten Teil ihrer Krimi-Sammlung "Verbrechen und andere Leidenschaften" führen uns die acht Autoren durch völlig verschiedenartige Kurzgeschichten. Alle haben aber eine Gemeinsamkeit: es geht um Gräueltaten im Oberbergischen. Jeder Autor trägt dabei ein bis zwei Storys bei, insgesamt sind es 13 Geschichten.

Die fünf SchreibWeisen mit Verstärkung

Die fünf SchreibWeisen Irmgard Hannoschöck, Daniel Juhr, Christina Kaula, Daniel Kohlhaas und Andreas Wöhl haben es wieder getan, aber diesmal mit Verstärkung. Gemeinsam mit Martin Kuchejda, Michael Schreckenberg und Oliver Buslau sind sie ein drittes Mal durch das Oberbergische Land gestreift und nehmen uns mit auf eine sehr spezielle Reise durch die verschiedenen Ortschaften.

Die Palette der Themen ist weit gefächert und reicht von Kindesentführung über versuchten Muttermord und Psychoterror bis zu übersinnlichen Ermittlern. Alle Geschichten eint das Verbrechen, aber auch ihre Skurrilität. Da trifft zum Beispiel ein Serienmörder in einer Buchhandlung auf den (damals) ermittelnden Kommissar. Eine wirklich seltsam anmutende Unterhaltung beginnt mit einem bizarren Ende. In einer anderen Story, die wiederum in einer "schönen, neuen Welt" der Zukunft spielt, versucht eine Frau ihre Mutter zu beseitigen, denn die hohen Pflegekosten will sie nicht aufbringen - Realitätsbezug durchaus vorhanden ;-)

Schaurig-Schöne Gruselatmosphäre

Der lokale Bezug zu Orten im Oberbergischen ist zwar vorhanden, aber spielt keine besonders große Rolle. Wer die Städtchen kennt, hat einige Aha-Momente, aber auch Ortsfremde werden von der Atmosphäre gefangen genommen. Mein Gruseltipp ist in diesem Zusammenhang "Der kleine Fuchs" von Daniel Juhr. Die Handlung spielt beim Turm auf dem Unnenberg bei Marienheide, der mitten im Wald liegt. Hier kommt die schaurige Stimmung wirklich perfekt rüber.

Natürlich bringt eine solche Sammlung verschiedenster Autoren mit sich, dass manchem Leser die eine Geschichte besser gefällt als die andere. So ist es auch mir gegangen. Manche Handlung war mir zu bizarr, aber eine andere hat mich sofort gefesselt.  Generell sind Kurzgeschichten ja eine sehr spezielle Gattung, denn hier muss dem Leser vieles schnell vermittelt werden, was bei einem Roman sorgsam aufgebaut werden kann. Die Gefahr ist hier natürlich auch recht groß, dass nach einem schwachen Beginn schnell zur nächsten Geschichte weiter geblättert wird. Insofern ist eine Bewertung recht schwierig und ich habe mich für einen guten mittleren Wert entschieden.

Fazit: Schaurig-schöne Krimi-Anthologie mit sehr unterschiedlichen Kurzgeschichten. So richtig zum wohlig Gruseln 



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2017, geheimnisse, geige, geplante hochzeit, gisa pauly, hochzei, hochzeit, humorvoller schreibstil, intrigen, italien, liebe, musikplagiat, schlagersänger, venedig, venezianische liebe

Venezianische Liebe

Gisa Pauly
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 01.08.2017
ISBN 9783866124172
Genre: Liebesromane

Rezension:

Maria reist voller Vorfreude nach Venedig, denn ihre Tochter hat ihr die Vorbereitungen für die Hochzeit überlassen. Dabei begegnet sie einem Geiger, den sie von früher kennt. Aber ist Leander nicht vor Jahren bei dem großen Tsunami in Thailand ums Leben gekommen? Bisher hat dies jeder geglaubt, aber Maria ist sich sicher, dies ist Leander! Ein turbulentes Verwirrspiel beginnt, bei dem Geheimnisse und Intrigen eine große Rolle spielen.


Ich lese zwischen Krimis und Thrillern auch gerne einmal eine leichtere und fröhlichere Lektüre. Leider war dies hier für mich ein totaler Flop.
Ich habe mich eigentlich von Anfang an über dieses Buch geärgert. Begonnen hat es mit einem Wirrwarr aus Personen, die man nicht kannte und deren Namen ich mühsam durch ständiges Zurückblättern nachschauen musste. Es wurden keine Zusammenhänge erklärt, und so erkannte ich erst nach geraumer Zeit, wer mit wem verwandt, verheiratet oder liiert ist. Ein schwerer Einstieg für den Leser. Was hier vielleicht rasant wirken sollte, ist total nach hinten losgegangen.



Mit den Personen konnte ich das ganze Buch hinweg nicht warm werden. Keine Figur hat mich überzeugt, alle waren oberflächlich dargestellt, was sicher auch dadurch begründet war, das man lange Zeit kaum etwas über sie erfuhr. Vielleicht sollte das die Spannung erhöhen, aber es erzeugte nur Verwirrung und Fragezeichen im Kopf. Dazu ein Zitat der Hauptfigur Maria: „…und was sie jetzt erst verstand, weil ihre Verwirrung zu groß gewesen war.“ Dieser Satz befindet sich im letzten Viertel des Romans und gibt ganz gut meine Empfindungen wieder…
Meinem Gefühl nach sind alle Personen unsympathisch. Irgendwie scheinen alle vorkommenden Frauen des Geldes wegen geheiratet zu haben, alle Männer haben Affären und Geheimnisse, wie soll ich da mit jemandem mitfiebern? Die ganze Handlung ist geprägt von Intrigen und dem persönlichen Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit.

Die Vorbereitungen zur Hochzeit geraten dabei völlig in den Hintergrund und sind eigentlich nur Rahmenhandlung, genauso wie die Hochzeit selbst, die auf den letzten Seiten lediglich kurz abgehandelt wird. Unglaubwürdig fand ich auch, dass sich Amelie, Marias Tochter, kaum für die Planungen interessiert hat, sondern lediglich ein Austausch über eine Whats-App-Gruppe stattfand. Soll das modern wirken? Ebenso wie der kurze Auftritt (oder dann doch nicht) von David Garrett machte dies lediglich einen aufgesetzten Eindruck.

Das Interessanteste an dem ganzen Buch waren die eingestreuten Zeitungsartikel aus Vergangenheit und Gegenwart, die leider mehr versprachen, als am Ende gehalten wurde.

Fazit: Ich hätte diesen Roman nicht zu Ende gelesen, wenn ich nicht an der Leserunde teilgenommen hätte. Schade um die Zeit! Ich habe gehört, die anderen Bücher von Gisa Pauly sollen besser sein. Ich mache die nächste Zeit jedenfalls keinen Versuch mehr.

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20er jahre, bonn, debütroma, ebook, emanzipation, emma schumacher, emma schumacher & der verschwundene prof, england 192, entführung, fälschung, historisch, krimi, liebe, vintage, zwanziger jahre

Emma Schumacher & Der verschwundene Professor

Andrea Instone
E-Buch Text: 403 Seiten
Erschienen bei Amazon Media EU S.à r.l., 25.09.2017
ISBN B075G16BXT
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

England 1926. Emma Schumacher wächst nach dem Tod ihrer Mutter bei der Großmutter in England auf. Ihr Leben dort ist sehr behütet, aber auch recht langweilig. Eines Tages erhält sie einen Brief ihres Vaters, Archäologie-Professor in Bonn, der sie in große Unruhe versetzt. Zu seltsam klingen die Worte des alten Herrn in Emmas Ohren und so entschließt sie sich, gemeinsam mit ihrer Tante nach Bonn zu reisen, um nach dem Rechten zu sehen. Dort angekommen, beginnt sie Nachforschungen anzustellen. Dabei muss sie nicht nur ihre Schüchternheit überwinden, sondern sich auch mit zwei jungen Herren auseinandersetzen, die um sie werben. Emma stehen ungewohnte und stürmische Zeiten bevor, bis sie schließlich das Rätsel um den verschwundene Professor lösen kann.
Ich habe dieses Ebook im Rahmen einer Leserunde mit der Autorin erhalten und war sofort gefesselt. Ich habe meine andere Lektüre beiseite geschoben und mich gemeinsam mit Emma auf die Suche begeben.
Ich möchte hier kurz auf das Cover eingehen, denn auch dadurch habe ich  diese Leserunde bemerkt. Es ist schlicht gestaltet, fällt aber gerade deshalb auf und vermittelt dem Leser sofort einen Eindruck von vergangenen Zeiten. Es handelt sich ja um einen Indie-Titel, weshalb man diesen nicht in der Buchhandlung, sondern online erwerben muss. Aber ich denke, im Laden bräuchte sich dieses Cover keinesfalls zu verstecken. Und auch die Fortsetzung gefällt mir…

Emma Schumacher ist eine ruhige, etwas schüchterne Figur, die sich im Laufe der Geschichte aber zu Abenteuern hinreißen lässt und ihre eigenen Interessen immer besser zu behaupten lernt. Sie passt gut in die damalige Zeit, denn so stelle ich mir eine wohlerzogene junge Dame in den zwanziger Jahren vor. Auch die anderen Personen sind schön dargestellt und vermitteln eine gute Vorstellung von gesellschaftlichen Zwängen und besonders der Rolle der Frau damals. Dass die Autorin eine Fortsetzung beabsichtigt, zeigt sich in der ausführlichen Anlegung der Protagonisten sowie auch der Nebenfiguren, die liebevoll bis ins Details ausgearbeitet sind.

Neben Emma machen auch viele andere Figuren ein interessante Entwicklung durch, so etwa meine heimliche Lieblingsfigur Sybil, die Tante von Emma. Anfangs eine oberflächliche und egoistische Dame in ihren Dreißigern auf der Suche nach einem reichen Ehemann Nummer 3, entwickelt sie sich im Laufe des Romans zu einer warmherzigen, zufriedenen und selbstständig über ihr Leben entscheidenden Frau. Aber genauso mochte ich auch viele andere Nebenfiguren wie z. B. den Kriminalassistenten Siegfried.

Aber die Personen sind bei einer Geschichte ja nur ein, wenn auch wichtiger, Teil. Entscheidend für einen spannenden Verlauf ist die Handlung. Und auch hier kann der Roman punkten. Sicher ist die Story von vornherein nicht so effekthascherisch angelegt wie bei einem Thriller. Sie braucht etwas länger, um Fahrt aufzunehmen, aber das ist durchaus beabsichtigt und dient, wie bereits oben erwähnt, natürlich auch dem sorgfältigen Figurenaufbau. Trotzdem versteht es die Autorin geschickt, die Spannung bei der Suche nach dem verschwundenen Professor hochzuhalten. Zum einen durch die Briefe, die Emma erreichen und immer wieder Rätsel aufgeben. Zum anderen aber auch durch die clever gesetzten Szenen verschiedener Personen, die der Leser (noch) nicht kennt, und deren Verstrickung in die Geschichte zunächst verborgen bleibt. Im weiteren Verlauf kommt es aber dann jedoch doch noch zu dramatischen Szenen und, soviel sei verraten, ganz ohne Leiche geht es auch hier nicht ab.

Der Schreibstil des Romans ist durchaus anspruchsvoll zu nennen, auch wenn er sich (in weiten Teilen, siehe unten) gut lesen lässt. Die manchmal etwas langen und verschachtelten Sätzen tragen passen aber wunderbar in die damalige Zeit und tragen somit zur Authentizität des Romans bei.

Nun komme ich aber auch nach so viel Lobeshymnen zu meinem Kritik. Es tauchen recht viele verschiedene Personen in diesem Kriminalroman auf, deren Namen man sich erst einmal merken muss. Wenn es auch noch Personen gibt, die im ersten Teil und dann erst viel später wieder erneut erwähnt werden, hätte ich mir ein besseres Inhaltsverzeichnis gewünscht. Etwas aussagekräftigere Überschriften und ebenfalls kürzere Kapitel hätten dazu beigetragen. So könnte man auch auf einem Ebook besser zurückblättern.

Was mich aber wirklich gestört hat und das ganz stark, ist die Verwendung von Dialekt, für mich ein rotes Tuch. Ich mag es einfach nicht, so aus meinem Lesefluss gerissen zu werden. Und das passiert unweigerlich, wenn ich den Satz noch einmal lesen muss, weil ich unwillkürlich stutze. Zitat: „Jo, ne, entweder et räänt oder de Schranken sin eraff.“ Natürlich verstehe ist diesen Satz, aber ich gerate ins Stocken. Lokalkolorit kann doch auch anders erzeugt werden, dazu braucht es solchen Dialekt nicht – zumindest für mich nicht!

Trotz dieser nun doch recht ausführlich gewordenen Kritik habe ich Emma mit großem Vergnügen während ihrer Ermittlungen begleitet. Bei all den liebgewonnen Figuren freue ich mich schon auf Teil 2 „Emma Schumacher & Der Salon des Todes“. Das klingt doch nach Dramatik und Spannung, oder nicht?

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Tags: historisch, krimi, vintage, zwanziger jahre   (4)
 

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cafe, debbie johnson, dorset, england, frühstück mit meerblick, leben, liebe, liebesroman, meer, meerblick, neuanfang, sommer, tod, trauer, verlust

Frühstück mit Meerblick

Debbie Johnson , Hanne Hammer
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.05.2017
ISBN 9783453421981
Genre: Liebesromane

Rezension:

„Wenn dir ein Café nicht nur Kaffee und Kuchen serviert, sondern eine zweite Chance.“ In „Frühstück mit Meerblick“ von Debbie Johnson findet Laura zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes im Comfort Food Café ihren persönlichen Neuanfang. Ein Wohlfühlbuch!


Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes ist Laura bereit, einen Neuanfang zu wagen. Sie bewirbt sich auf eine sehr unkonventionelle Stellenanzeige hin als Urlaubsvertretung im „Comfort Food Café“ und macht sich mit ihren beiden Teenager-Kindern für sechs Wochen auf nach Dorset.

Dieser Roman wird aus der Sicht von Laura in der Ich-Perspektive erzählt. Dadurch fühlt man sich ihr sehr nah und sie spricht den Leser auch zum Teil direkt an. Der Schreibstil ist witzig, sympathisch, manchmal auch etwas selbstironisch. Überhaupt kann man wirklich sagen, dass man alle im Buch vorkommenden Figuren sehr schnell lieb gewinnt.

Kaffee, Kuchen und eine zweite Chance

Im Mittelpunkt steht das Comfort Food Café mit seiner äußerst unkonventionellen und warmherzigen Inhaberin Cherie, die sich sofort Lauras annimmt.  Und da ist Laura nicht die Einzige, denn im Café gibt es für jeden der zahlreichen Stammgäste sein eigenes „Trostessen“. Für den alten Frank ist dies zum Beispiel ziemlich angebrannter Speck, so wie ihn seine inzwischen verstorbene und küchentechnisch nicht so begabte Frau immer gemacht. Diese kleinen Details mit Informationen zu der jeweiligen Lebensgeschichte finden sich alle in einem dicken blauen Ordner, den Laura von Cherie erhält und auswendig lernen soll.
So gibt es generell in der Geschichte viele Momente, die den Leser zum Schmunzeln bringen. Etwa, als Lauras Kinder eine Band namens „Die toten Tulpen“ gründen wollen oder sich in dem blauen Ordner so tolle Tipps finden wie „wenn die Espressomaschine ein leises zischendes Geräusch von sich gibt, schlag mit dem Hammer fest oben drauf. Wenn sie ein lautes zischendes Geräusch von sich gibt, geh aus dem Weg“.
Aber es gibt auch traurige Stellen (manche würden vielleicht auch rührselige sagen), so dass es nicht nur eine locker-leichte Story ist. Beides hält sich insgesamt aber die Waage und durch das Happy End bleibt man mit einem guten Gefühl am Schluss der Geschichte zurück.

„Hier können Wunder geschehen“

Laura trifft hier in Dorset auf den Tierarzt Matt, den sie zwar sofort toll findet, aber doch einige Zeit braucht, bis sie sich auf einen neuen Mann einlassen kann. Und auch Matt ist zunächst recht reserviert und hat sein Päckchen Vergangenheit zu tragen. Trotzdem gibt es hier keine zweite männliche Hauptfigur und somit geht es eher darum, wie die beiden zueinanderfinden. Das ist mit einigen Rückschlägen verbunden, denn Laura muss sich erst von ihrer eigenen Vergangenheit befreien.

Für mich war dies ein richtiges Wohlfühlbuch: nette Figuren, witzige Schreibweise, eine Liebesgeschichte und ein neues Lebensglück nach einem Tiefpunkt. Leider ist es das dann aber auch, Spannung hat die Story so gut wie gar nicht zu bieten (siehe auch die Sache mit Matt). Hier hätte ich mir doch ein bisschen mehr Handlung gewünscht und überraschende Wendungen.

Der Höhepunkt von Lauras sechswöchiger Urlaubsvertretung ist das große Saisonabschlussfest, gleichzeitig Franks Geburtstag, der traditionell für alle im Comfort Food Café gefeiert wird. Laura organisiert alles und hat sich einige Überraschungen für die mittlerweile zu Freunden gewordenen Gäste ausgedacht, die wohl größte aber hat sie für Cherie selbst vorbereitet. Trotzdem braucht es noch eine Weile bis auch Laura selbst hier ihr Glück findet.

Fortsetzung garantiert – Weihnachtswunder

Wie nicht anders zu erwarten, gibt es natürlich eine Fortsetzung, die auch bereits im Buch vorbereitet wird. So telefoniert Laura öfter mit ihrer Schwester Becca, die so ganz anders ist als sie selbst. Der Leser erfährt bereits, dass Becca mit ihren wechselnden Männerbekanntschaften nicht mehr so glücklich ist,  und Laura hat in Dorset auch schon einen potentiellen Mann für ihre Schwester ausgeguckt: „Surfer Sam“.
So wird wohl auch Becca in „Weihnachten mit dir“ ihr persönliches Weihnachtswunder finden. Beworben wird das Buch mit „so herzerwärmend wie eine Tasse heiße Schokolade“. Ich finde, das beschreibt die Reihe wirklich sehr treffend. Ich könnte es mir gut als mein Weihnachtsbuch vorstellen, mal schauen! Im Original ist übrigens bereits der dritte Teil erschienen und Debbie Johnson hat einen vierten angekündigt. Vielleicht wäre das auch mal eine Gelegenheit für mich, mein Englisch aufzupolieren, denn ich denke, diese Bücher würden sich recht leicht lesen lassen…

Fazit: Im Comfort Food Café hatte ich eine schöne Lesezeit, nicht mehr, aber auch nicht weniger! Ein Buch, mit dem man es sich so richtig schön auf der Couch gemütlich machen kann, keine besondere Spannung, aber es hinterlässt ein wohlige Gefühl!

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Tags: café, frauenroma, liebesroman, reih, wohlfühlbuch   (5)
 
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