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190 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

internet, thriller, überwachung, marc elsberg, datenschutz

ZERO - Sie wissen, was du tust

Marc Elsberg
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.10.2016
ISBN 9783734100932
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer nichts anstellt, hat auch nichts zu verbergen, oder? Unsere Daten sind sicher, das Internet ist ein Segen. Nie wieder hinausgehen – wozu denn? Heute kann man von Zuhause arbeiten, einkaufen und seine Kontakte kann man auch pflegen – alles übers Internet. Man braucht nicht mal mehr einen PC, ein Smartphone genügt dafür. Das ist toll – oder etwa nicht?

Marc Elsberg zeichnet in seinem Buch „ZERO – Sie wissen, was du tust“ ein düsteres Bild unserer Zukunft; einer Zukunft, die näher ist, als uns lieb ist. Einer Zukunft, in der uns soziale Netzwerke vorgaukeln, dass wir Herr über unsere Daten sind, dass nur wir über sie verfügen – und mit denen wir nicht nur Geld verdienen können, sondern unser ganzes Leben verbessern können. „ZERO“ ist ein modernes 1984, das frappierende Ähnlichkeiten mit der Folge „Abgestürzt“ der britischen Serie „Black Mirror“ hat. Die Entwicklungen, die Elsberg in seiner Dystopie zeichnet, gibt es teilweise schon – zum Beispiel in China, wo Menschen Punkte sammeln, die ihr Leben ausrichten; zu wenig Punkte – kein Kredit, keine schöne Wohnung, kein guter Arbeitsplatz. Elsberg übertreibt mit seiner Geschichte also keineswegs – denn das, was sie beschreibt, könnte unser Leben in fünf Jahren sein.

Ich finde diese Thematik hochinteressant, Michael Hübner hat sie in „Todesdrang“ bereits angerissen, Elsberg behandelt sie noch intensiver – so intensiv, dass man meinen könnte, der Plot ist nur Mittel zum Zweck für das, was uns Elsberg eigentlich sagen möchte. Die Charaktere sind gut gelungen – Cynthia, die eher konservative Journalistin; ihre Tochter Vi, die voll in den sozialen Netzwerken aufgeht; Anthony, der typische Sensationsjournalist – und die Geschichte gut aufgebaut; mit Schauplätzen, die uns rund um die Welt führen.

Elsberg verrät uns zwischen den Zeilen, wo er eigentlich herkommt, denn mir war völlig unbekannt, dass er Österreicher ist. Aber unter anderem baut er ein Zitat ein, das fälschlicherweise einem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler zugeschrieben wird und er beschreibt Wien detaillierter als alle anderen Städte in dem Buch – diese Subtilität gefällt mir und macht den Autor sympathisch, denn weder geht er mit seiner Herkunft hausieren, noch biedert er sich beim deutschen Publikum an; besonders Letzteres passiert leider öfter.

Das Buch hat keine nummerierten Kapitel, sondern ist in Tage und Absätze unterteilt – bei Szenenwechsel, die von einer Seite zur nächsten geschehen, kann es passieren, dass man den Szenenwechsel nicht auf Anhieb mitbekommt. Außerdem kommt bei manchen Strängen nicht klar heraus, welche Institutionen die dort auftretenden Figuren vertreten, und wenn es anfangs erwähnt wird, gerät es möglicherweise in Vergessenheit. Zwar gibt es am Ende ein Verzeichnis, in dem alle Charaktere und Institutionen aufgelistet sind, aber in der Regel findet man das erst, wenn man die Geschichte fertig gelesen hat.

Fazit: ZERO ist ein hochaktuelles Buch mit einer soliden und spannenden Geschichte, in der komplexe Dinge plastisch erzählt werden. Dennoch könnte es für Internet-Noobs etwas kompliziert werden – man sollte also ein Mindestmaß an Interesse für das Thema mitbringen, selbst wenn im Glossar am Ende die meisten Begriffe erläutert werden.

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165 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

krimi, stephen king, mord, mr. mercedes, mr.mercedes-reihe

Finderlohn

Stephen King , Bernhard Kleinschmidt
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453438453
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es gibt Bücher, die prägen Leben, man ist vernarrt in sie, man liest sie drei, vier, fünfzehn mal; man stellt sich sein Leben vor, als wäre es das des Protagonisten, man schreibt selbst Geschichten über und mit dem Protagonisten. So ähnlich geht es Pete Saubers, nachdem er einen Koffer mit Notizbücher von John Rothstein gefunden hat – und so ähnlich ging es Morris Bellamy 30 Jahre zuvor, als er den Koffer vergraben hat.

Über Stephen Kings Schreibstil muss man nicht viele Worte verlieren, denn er ist hinlänglich behandelt worden – nicht von mir, sondern von anderen Rezensenten. Ich selbst lese selten King, habe eine Handvoll seiner Bücher gelesen, einige fand ich gut, manche haben meinen Geschmack nicht getroffen. Die Hodges-Trilogie verfolge ich allerdings mit großem Interesse, denn Kriminalroman habe ich von King davor noch keinen gelesen. Und auch wenn die Reihe rund um den gealterten Ex-Polizisten nicht „outstanding“ ist, hat sie dennoch irgendetwas Besonderes an sich, das nicht greifbar ist, das man nicht benennen kann.

Der erste Teil von „Finderlohn“ – es gibt insgesamt drei – spielt abwechselnd 1978 und 2010, später ein paar Jahre darauf. Erst im zweiten Teil kommen wir in die Gegenwart und hier tritt auch Kermit William Hodges erstmals in der Geschichte auf – davor sind schon 200 Seiten vergangen, was zunächst etwas verwirrt, aber am Ende so ziemlich seine Ordnung hat; aber dazu später mehr.

Die Geschichte des Pete Saubers ist eine, die man größtenteils nachvollziehen kann: Sein Vater wurde vor vier Jahren, als er auf Arbeitsuche war, von einem wütenden Autofahrer erwischt, der wie besessen in eine arbeitslose Menschenmenge raste. Die Szene wird exakt wie in „Mr. Mercedes“ beschrieben, nur der Blickwinkel ist ein anderer. Danach stürzt die Familie in ein Loch voller Geldsorgen und Streit. Das ist gut geschildert, allerdings fragt man sich, ob Pete Freunde hat und wie sein soziales Umfeld aussieht – das gibt es offenbar, denn King erwähnt Fragmente davon, aber ausleben tut sich der Autor dabei nicht und so kommt Pete eher wie der einsame Streber rüber, der kopfüber in die Toilette getaucht wird. Kein unsympathischer Streber, aber Pete bleibt großteils farblos - ohne Ecken und Kanten. Man bekommt nur mit, dass er seine Familie irrsinnig liebt und eine Leidenschaft für Literatur hat.

Bill Hodges ist, wie im ersten Teil völlig ruhelos - und gerissen. Er arbeitet für sich selbst bei seiner Firma "Finders Keepers" (was gleichzeitig auch der Originaltitel des Buches ist), Holly unterstützt ihn dabei; die zwei sind platonisch sehr gut befreundet. Holly hat - zumindest im Kreise von Hodges und Jerome, der später ebenfalls dazustößt - ihre Schüchternheit weitestgehend abgelegt. Bei unbekannten Personen fühlt sie sich immer noch nicht sehr wohl. Insgesamt ist Holly wegen ihrer Macken der lebhafteste Charakter. Die Stamm-Charaktere sind insgesamt gut gelungen, ja sogar der Antagonist, über dessen Vergangenheit man viel erfährt.

Nun zurück zu der oben erwähnten Stelle, die „ziemlich“ in Ordnung scheint. Das ist sie auch, aber mir kommt das Buch dann doch ziemlich in die Länge gezogen vor. Den ersten Teil des Buches hätte King ruhig etwas straffen können, genauso wie den dritten – vor allem Teile vor und nach dem Showdown. Das Ende war unnötig detailliert und greift meiner Meinung nach zu sehr auf den dritten Teil der Hodges-Reihe vor – dazu mehr in einem SPOILER-Beitrag in den nächsten Tagen. Der Showdown ist dafür sehr gelungen und das Duell, das dort stattfindet, gut durchdacht und packend.

Fazit: Der zweite Teil der Hodges-Reihe kann nicht ganz mit „Mr. Mercedes“ mithalten, aber dennoch überzeugen. Die Geschichte ist facettenreich, porträtiert die Geschichte eines Jungen, der seine Familie über alles liebt und sich selbst dabei in die zweite Reihe stellt.

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

mannheim, hass, böll, spiegelmord, tabu

Spiegelmord

Claus Probst
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 22.10.2015
ISBN 9783596030354
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Spiegelstrafe zahlt böse Taten mit gleicher Münze zurück; stiehlt jemand, wird ihm die Hand abgehackt, redet jemand böse, kommt die Zunge ab. Nach diesem Muster geht ein Mörder in Mannheim vor und tötet Menschen, die früher ihre Kinder gequält und missbraucht haben. Moralisch ist dieser Fall für Lena Böll und dem restlichen Team eine riesige Herausforderung, denn nachtrauern tut den Toten niemand

Letztens sah ich „Nummer zwei“ in meinem Bücherregal und ich dachte mir, dass ich null Erinnerung an den Inhalt habe. Also schaute ich, ob es einen Nachfolger davon gab und fand „Spiegelmord“. Ich bestellte das Buch und fing an, es zu lesen; irgendwann fiel der Name Lena Böll und ein leises, sehr leises Klingeln in meinem Kopf setzte ein. Obwohl mehrmals auf den Nummer-Zwei-Fall Bezug genommen wird, habe ich bis zum Ende von „Spiegelmord“ keine Erinnerung daran - was meistens ein schlechtes Zeichen ist.

Dabei schreibt Probst gut, hat seinen eigenen Stil, reißt seinen Leser mit und klärt nicht immer alles auf. Er greift mitten im Buch schon zu der Zeit nach den Ermittlungen vor, er verrät uns wer stirbt, lange bevor dieser stirbt und lässt uns am Ende dann doch im Unklaren darüber. So geht er auch am Ende vor; er beantwortet uns nicht alle Fragen – am wenigsten die essentiellen. Ich finde es gut, denn so bleibt dieses Buch länger im Kopf, man macht sich Gedanken und kauft mit Sicherheit auch den nächsten Lena-Böll-Fall - falls einer nachkommt.

Lena Böll ist ohnehin ein äußerst ambivalenter Charakter; sie ist nicht nur schlau, sondern anscheinend auch verdammt hübsch – und ebenso kaputt. Sie springt von einem Bett ins andere (man erfährt davon nur peripher), ihr Vater ist todkrank, und Mutter hat sie schon lange keine mehr. Vor allem „schlau und hübsch“ könnte einige Emotionen beim Leser hervorrufen – bei Männern gute, bei Frauen weniger gute. Aber gerade das hält den Leser bei der Stange, man will einfach wissen, wie es mit ihr weitergeht.

Auch wenn Böll die Hauptperson ist, sieht man die Dinge nicht nur von ihrer Warte aus; vielmehr ist das Gegenteil der Fall, man betrachtet den Fall aus der Sicht zahlreicher Ermittler, begleitet die Opfer und die sekundären Täter. Nur die Sicht des Haupttäter bleibt uns vorenthalten, was dann doch etwas schade ist. Dennoch ist das Springen in mehrere Perspektiven facettenreich und verleiht dem Buch eine gewisse Tiefe. Die Geschichte wird dabei jeweils aus der dritten Person erzählt.

Der Showdown hat mit dem Hauptfall nur peripher zu tun und ist in wenigen Seiten abgehandelt. Das Ende ist dafür sehr ergreifend, auch wenn uns Probst selbst hier nicht in ganz klaren Gefilden lässt. Offensichtlich ist das ein wichtiges Stilmittel des Autors.

Fazit: „Spiegelmord“ ist ein flotter, facettenreicher Thriller, der mit fortlaufender Handlung immer flotter wird und den man – im Speziellen ich – so schnell nicht vergessen wird, weil er einige Emotionen hervorruft.

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

promise falls, mord, promise falls trilogie, barclay, marla

Lügennest

Linwood Barclay , Silvia Visintini
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783426518687
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Band 1 der Promise Falls Trilogie ist endlich auch auf Deutsch erhältlich, und was hat sich Linwood Barclay da ausgedacht. Nachdem seine letzten Bücher (u.a. Schweig für immer) nicht vollends überzeugen konnten, strotzt Lügennest nur so vor Vielschichtigkeit, knackigen Charakteren und Spannung.

Wir schlüpfen zunächst in die Rolle des alleinerziehenden Vaters David Harwood, der mit seinem Sohn Ethan von Boston in die fiktive Kleinstadt Promise Falls zu seinen Eltern zieht. Eigentlich tat er dies, um mehr Zeit mit seinem Sohn zu verbringen, aber dann kommt alles ganz anders. Neben David lernt man eine Fülle an Charakteren kennen, unter anderem seine Cousine Marla, den Detective Duckworth und den zwielichtigen Ex-Bürgermeister Finley. Man lernt all diese Figuren aber nicht nur so nebenbei kennen, man begleitet jede auch ein gutes Stückchen, was dem Buch eine immense Tiefe verleiht, ohne allerdings langatmig zu werden.

Denn das ist das nächste Asset des Buches: es wird keine Sekunde langweilig – so kennen wir Barclay eigentlich auch bzw. so haben wir ihn kennengelernt, denn vor allem in der jüngeren Vergangenheit war das nicht immer so. Man hat einfach das Gefühl, dass Barclay diese Trilogie schon lange schreiben und – vor allem – unter die Leute bringen wollte, es passiert einfach dermaßen viel in dieser Kleinstadt und jeder soll es mitbekommen.

Tatsächlich gibt es neben dem Mord und dem entführten Baby noch sehr seltsame Dinge, die in Promise Falls geschehen und die alle mit einer bestimmten Ziffer zusammenhängen, so dass Detective Duckworth, der neben Harwood wohl die größte Rolle in der Geschichte spielt, alle Hände voll zu tun hat. Generell dürfte Lügennest eines der ersten, wenn nicht sogar das erste Buch von Barclay sein, in dem der Polizeiarbeit sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Der Fokus lag bei früheren Büchern eher bei den Opfern.

Kritikpunkte sind, wenn überhaupt, dann nur marginal. Die Geschichte bietet alles, was eine gute Geschichte benötigt. Das Ende ist natürlich offen, denn es folgen ja noch zwei Teile – dennoch wird einiges bereits jetzt aufgeklärt. Das Negativste sind die das/dass-Kenntnisse der Übersetzerin Silvia Visintini, die schlicht nicht vorhanden sind – denn nach einem Komma kommt nicht automatisch ein „dass“.

Fazit: Es ist nicht einfach nur Mord, nicht einfach nur ein entführtes Baby; es ist wesentlich mehr, wesentlich größer – Linwood Barclay bietet uns eine Kleinstadt, in der großes passiert. Und ich freue mich schon richtig darauf, die Fortsetzung zu lesen.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

krimi, mord, seltenes bild, weimar, vergangenheit

Todesblau

Felix Leibrock
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2015
ISBN 9783426516164
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Weimar ist ein geschichtsträchtiges Pflaster im Osten Deutschlands. Goethe, Schiller und nicht zuletzt die Weimarer Republik lassen uns an die Stadt denken – wo, wenn nicht dort, lässt man eine Geschichte wie die von „Todesblau“ spielen, denn Geschichten kann man zu der knapp 65.000 Einwohner-Stadt genug erzählen. Und wem das nicht genügt, der lässt sich vom Autor zu den Schauplätzen des Buches führen. Aber genug zur Stadt, das hier soll schließlich kein Bericht für den Tourismusverband werden.

Sascha Woltmannn verbrachte seine Kindheit bereits in der damals noch tief im Kommunismus steckenden DDR, bevor er in den Westen ging und dort mehrere Berufe, von Haustürvertreter bis zum Gebrauchtwagenhändler, ausübte, bis er zur Polizei ging. Jetzt ist er Streifenpolizist, will aber höher hinaus. Gut, dass er Mandy Hoppe, eine Bekannte aus seiner Kindheit, die ihn unkreativerweise oft nur „Alter“ nennt und bereits bei der Kripo ist, in Weimar wiedersieht – an Vitamin B mangelt es also nicht. Aber die trägt es ihm nach, dass er damals nach der Wende in den Westen ging, was Woltmann nicht unbedingt zum Vorteil gereicht.

Was dem Autor ausgezeichnet gelingt, ist, den Figuren Ecken und Kanten zu geben. Da gibt es den selbstverliebten Kripochef, den reimenden Bäcker, den zerstreuten Universitätsprofessor und viele mehr. Woltmann selbst ist nicht gerade der Sympathieträger schlechthin, aber Antiheld trifft es ebenfalls nicht – euphemistisch gesprochen könnte man sagen, dass er seine Karriereziele mit Nachdruck verfolgt und dabei für den Leser nicht immer ganz nachvollziehbar handelt.

Das ganze Buch wird ständig von einem leicht „ostalgischen“ Touch begleitet, der nicht nur realitätsnah ist, sondern dem Buch auch etwas Charme verleiht, wenngleich er doch etwas deutsch-typisch ist. Leider ist die Geschichte aber nur mäßig spannend, obwohl Leibrock versucht, Spannungselemente einzubauen – leider zu offensichtlich. Zwischendurch gibt es immer wieder Rückblenden ins Nazideutschland, die allerdings nur peripher mit dem Fall, den Woltmann und Co. bearbeiten, zu tun hat. Der Showdown ist kurz und – zumindest für den Leser – schmerzlos, aber auch nicht wirklich der Rede wert, weil nicht viel passiert.

Fazit: „Todesblau“ ist nichts wirklich Außergewöhnliches und kann unter der Überschrift „more of the same“ abgehandelt werden. Kein schlechter, aber auch kein überragend guter Krimi, der es meiner Meinung nach leider versäumt, aus dem typisch deutschen Krimi-Korsett (Nazis, Ost-West-Konflikt) auszubrechen.

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361 Bibliotheken, 9 Leser, 9 Gruppen, 19 Rezensionen

london, vermisst, krimi, spannung, charlotte link

Die letzte Spur

Charlotte Link
Flexibler Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 13.10.2014
ISBN 9783442383719
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Charlotte Link ist für ihre gut verpackten Krimis bekannt, denn in weiten Teilen sind ihre Geschichten ganz normale Geschichten, die sich irgendwann zu Krimis entwickeln. Das ist vielleicht kein Alleinstellungsmerkmal, aber doch ungewöhnlich am Markt der Kriminalliteratur. Und ich schätze das, sogar sehr, weil es kein Räuber-und-Gendarm-Spiel ist, wie man es viel zu oft in diesem Genre antrifft. Link schreibt Geschichten aus dem Alltag, Geschichten, die jedem passieren können – bis dann eben doch etwas Ungewöhnliches passiert.

Nur bei diesem Buch passiert nichts. Dieses Buch ist so banal, dass man es nach der Hälfte auch weglegen kann, denn es passiert weder etwas Überraschendes, noch etwas Außergewöhnliches. Aber natürlich habe ich es fertig gelesen, obwohl ich, gerade bei der Hälfte, nicht nur einmal kurz davor war, das Buch ins nicht-zu-ende-gelesen-Regal stellen wollte. Aber ich habe mir gedacht „Das ist Charlotte Link, da kommt sicher noch was“ – Pustekuchen.

Ich meine, natürlich passiert etwas, und ja, es gibt auch Leichen – aber für die Hauptstory ist das völlig redundant. Anstatt die Hauptstory richtig gut zu machen, eröffnet Link ein Ablenkungsmanöver nach dem anderen, einen Strang nach dem nächsten und friemelt alles irgendwie zum Hauptplot dazu, damit die Geschichte noch größer, das Buch noch dicker wird.

„Die letzte Spur“ ist bei weitem nicht das erste Buch von Charlotte Link, das ich gelesen habe, aber – und es tut mir wirklich leid, das so hart ausdrücken zu müssen; aber wieso etwas schönreden, wo es nichts schönzureden gibt – mit Abstand das Langweiligste. Nicht mal von Beginn an, denn das erste Viertel ist wirklich gut, allerdings schläft die Geschichte irgendwann ein. Zwar versucht Link, sie mit Cliffhangern am Leben zu halten, wirklich bringen tut das aber nichts.

Abgesehen davon hat man bei Link das Gefühl, dass sie bei ihren Geschichten öfter mal dasselbe Grundgerüst benutzt: Die Stimmung schwankt bei nahezu allen Charakteren zwischen verzweifelt und ängstlich, Selbstzweifel stehen bei Link ohnehin an der Tagesordnung – glückliche Menschen findet man bei ihr so gut wie nie. Was allerdings okay ist, denn so nimmt sie die Leser für ihre Geschichten ein und das ist wohl der Grund für ihren anhaltenden Erfolg – jeder kann sich mit Links Figuren identifizieren; jeder von uns hat Selbstzweifel. Nur dass wirklich jeder Charakter Zweifel und Ängste hat – naja. Es ist halt etwas monothematisch. Es würde der Geschichte nicht schaden, wenn eine Frohnatur dabei wäre, um etwas Kontrast hineinzubringen. Aber nein, bei Link sind Frauen meistens Opfer - unterdrückt von ihren Ehemännern, Lebensgefährten oder den Kollegen - und Männer meistens reaktionäre Machos.

Zurück zum erwähnten Grundgerüst: so erinnern Teile des Showdowns an „Das Haus der Schwestern“ und die Atmosphäre an „Die Betrogene“. Wobei es Showdown in dem Sinne gar keinen gibt. Irgendwann in der Mitte des Plots gibt es Showdown-ähnliche Szenen, eben die erinnern an „Das Haus der Schwestern“.

Ein Charakter, nämlich den des Bruders von Elaine, hat mich besonders irritiert. Mehr dazu demnächst in einem SPOILER-Beitrag.

Fazit: Charlotte Link liefert mit „Die letzte Spur“ ein unnötig aufgeblasenes Buch ohne wirklich nachvollziehbaren Handlung und mit einem gesellschaftlichen Bild, das in längst vergessene Zeiten gehört. Hätte ich sehnsüchtig auf den neuesten Link gewartet, ich wäre mehr als enttäuscht.

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239 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

mord, psychothriller, gefängnis, kindsmord, bruderschaft

Die stille Kammer

Jenny Blackhurst , Anke Angela Grube
Flexibler Einband: 446 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 15.05.2015
ISBN 9783404172191
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kinder sind allseits beliebt, und sie werden genau deshalb nur allzu gerne in Werbespots verwendet, um diverseste Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen. Kinder emotionalisieren – weil jeder von uns eines war, eines kennt, eines hat, oder alles gleichzeitig. Deshalb kaufen wir die angepriesenen Produkte auch nur allzu gerne. Jenny Blackhurst dürfte sich das zu Herzen genommen haben, und stellt in ihrem Erstlingswerk ein Kind in zentrale Position.

Die Kleinstadt Ludlow im westlichen England nahe Wales hat eine prominente Mitbewohnerin bekommen; dass Susan ihren Namen auf Emma geändert hat, nützt dabei nicht wirklich etwas, sie hätte schon einen Schönheitschirurgen beauftragen müssen, damit man die in allen Medien als Kindsmörderin verschriene Person nicht mehr erkennt. Der Name Emma spielt überhaupt eine unwesentliche Rolle in dem Buch – nahezu keiner, noch seltener Susan selbst, nennt sie so. Susan ist auch abgesehen davon eine sehr ambivalente Person. Eine die sich Nick, dem Journalisten, den sie keine 24 Stunden kennt, fast an den Hals wirft, und sich damit zum ersten, aber bei weitem nicht zum letzten Mal selbst widerspricht. Abgesehen davon handelt sie zeitweise irrational und macht generell nur selten einen sympathischen Eindruck – was interessanterweise fast nie der Fall ist, wenn eine Geschichte in der ersten Person erzählt wird.

Die erste Hälfte von „Die stille Kammer“ liest sich wie ein Thriller vom Reißbrett, als hätte Blackhurst strikt die Regeln eines „Wie ich einen guten Thriller schreibe“-Ratgebers befolgt, den ich selbst nie gelesen habe, ihn mir aber so vorstelle. Regel eins: Nimm den Leser irgendwie für die Geschichte ein, baue zum Beispiel Kinder ein, oder irgendwas mit Sex, oder beides (nur nicht gleichzeitig, um Himmels willen). Regel zwei: Halte den Leser irgendwie an der Stange, zum Beispiel mit Cliffhangern am Ende eines jeden Kapitels – völlig egal, ob du ihn am Anfang des nächsten Kapitels wieder relativierst.

Tatsächlich ist speziell die erste Hälfte etwas zu sehr aufgesetzt und zu sehr gewollt, denn irgendwann wird das Buch richtig gut und wesentlich ungezwungener und natürlicher. Irgendwann braucht Blackhurst keine Cliffhanger mehr, weil der Plot von sich selbst lebt. Ich gestehe ihr diese Schönheitsfehler durchaus zu, gerade weil es ihr erstes Buch ist – allzu oft darf ihr das allerdings nicht passieren, denn sonst wird ihre Stammleserschaft überschaubar. Der Showdown plus der Epilog dauert, trotz der besseren zweiten Hälfte, etwas zu lange und hält sich viel zu sehr mit erklären auf. Blackhurst hat die Geschichte zwar schön aufgebaut, dabei aber offenbar nicht bedacht, dass sie dieses komplizierte Konstrukt auch wieder auflösen muss. Die letzten 20 bis 30 Seiten ziehen sich daher ziemlich, und man weiß dann ohnehin schon länger vorher, was zum Schluss kommt.

Der Titel „Die stille Kammer“ ist übrigens, wie öfter bei deutschen Übersetzungen, nur allzu irreführend. Aber vielleicht ist es auch eine Metapher, die man nicht sofort versteht. Besser wäre es gewesen, den Originaltitel „How I lost you“ (der Originaltitel auf Amazon ist übrigens falsch, und der Alterswarnhinweis mit Sicherheit auch) direkt zu übersetzen.

Fazit: „Die stille Kammer“ ist ein ambivalenter Thriller, dessen zweite Hälfte wesentlich natürlicher ist als die erste und erst dann so richtig überzeugt. Für ein Erstlingswerk ist das Buch allerdings alles in allem okay.

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112 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

krimi, schweden, soap, dummheit, vanja lithner

Die Menschen, die es nicht verdienen

Michael Hjorth , Hans Rosenfeldt , Ursel Allenstein
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.09.2016
ISBN 9783499271083
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Bauer sucht Frau“, „Frauentausch“ oder „Schwiegertochter gesucht“ – alle kennen sie, aber keiner will sie geschaut haben, und trotzdem erfreuen sich Dokusoaps großer Beliebtheit. Guilty Pleasure nennt sich dieses Phänomen neudeutsch und beschreibt Dinge, die man nicht tun sollte, weil sie in der offiziellen Öffentlichkeit verpönt sind, sie aber trotzdem tut, weil es einem eine gewisse Befriedigung verschaff. Dieses Guilty Pleasure kann jeden Lebensbereich betreffen – ob jetzt ungesundes Essen wie Fast Food zu essen, Musik von Helene Fischer zu hören, oder eben Dokusoaps zu schauen. Letzteres thematisieren Hjorth und Rosenfeldt in ihrem bereits fünften Sebastian-Bergman-Roman und beleuchten es von einer gänzlich anderen Seite.

Der Serienmörder in diesem Teil spezialisiert sich auf Dokusoap-Stars, er unterzieht sie einer ganz speziellen Prüfung. Sollten sie sie nicht bestehen – tja, dann kommt er seinem Tagwerk nach. Das Thema erachte ich in Zeiten, in denen das TV-Programm immer mehr mit Talentshows, Scripted Reality Formaten und eben Dokusoaps durchtränkt ist, als sehr interessant und aktuell. Da sowohl Hjorth als auch Rosenfeldt unter anderem auch am Fernsehgeschäft beteiligt sind, senden sie gerade mit der Thematik eine gewisse Botschaft in die Welt hinaus.

Vor allem in den ersten 50 Seiten schaffen es die Autoren sehr gut, ein „Was bisher geschah“ in den aktuellen Plot mit einfließen zu lassen, was für den ein oder anderen Leser hilfreich sein kann, der sich nicht mehr an alles erinnert, was in den vorangegangenen vier Romanen geschehen ist – aber auch für jene, die zum ersten Mal einen Bergman-Roman lesen. Wenngleich die ersten Vier aufgrund der Atmosphäre und Zusammenhänge dennoch wichtig wären.

Bergman selbst spielt in diesem Teil bis zum letzten Viertel nur eine periphere Rolle – erst dann lenkt er die Handlung in die entscheidende Richtung. Von den Charakteren bekommt man generell ziemlich viel mit – was sie denken, was sie fühlen. Das ist ziemlich beeindruckend und zeichnet Hjorth und Rosenfeldt aus, weil es – vor allem in diesem Teil – keine klare Hauptperson gibt, viel mehr steht das Ermittlungsteam im Zentrum – und doch jeder für sich. Nur Torkel, der Chef der Truppe, bleibt eine hölzerne Figur, die irgendwie nicht wirklich zu fassen ist. Vielleicht ist es Absicht, um die Authorität, die er als Chef der Truppe ausstrahlen muss, zu manifestieren, vielleicht steckt sonst irgendein Kalkül dahinter, aber er bleibt dennoch der blasseste aller Charaktere.

Leider lassen sich die Autoren dazu hinreißen, auf den – mittlerweile ohnehin nicht mehr aktuellen – Hypetrain von „50 Shades of Grey“ aufzuspringen. Das ist zwar gut verpackt und nicht sehr detailliert, dennoch ist die Intention augenscheinlich. Dazu kommt, dass Spannung eher eine Fußnote ist und die zahlreichen Cliffhanger, die Hjorth und Rosenfeldt einbauen, völlig überflüssig sind, da das Autorenduo sich viel zu lange bitten lässt, bis es den Faden wieder aufnimmt. Der Showdown beginnt ziemlich früh und eigentlich recht gut, mündet dann allerdings im Hollywood-Schema und verkommt damit leider nur zu einer Randnotiz. Der Riesen-Cliffhanger, den Hjorth und Rosenfeldt in jedem ihrer Teile bereithalten ist diesmal zudem etwas zu offensichtlich.

Fazit: Übrig bleibt ein zwar nicht schlechter, aber auch kein überragender Bergman-Krimi, der einen zwar bei der Stange hält, ihn aber nur halbherzig packt, was auch an der Unterpräsenz des eigentlichen Protagonisten liegt.

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

wien, krimi, schönbrunn, entführung, mord

Mord in Schönbrunn

Beate Maxian
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.09.2016
ISBN 9783442482962
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Märchen scheinen bei österreichischen Kriminalliteraturautoren momentan in Mode zu sein. Erst letztens lieferte Andreas Gruber das „Todesmärchen“ ab, nun legt Beate Maxian mit „Mord in Schönbrunn“ nach – während Grubers Werk Andersens Märchen thematisiert, bespielt Maxian das Feld der Grimmschen Märchenwelt. Aber nicht nur das, sondern auch Symbolik und Mythen rund um Wien spielen, wie wir es bei Maxian gewohnt sind, eine große Rolle – die Mixtur daraus ist sagenhaft und an Rasanz nicht zu überbieten. Man kann das Buch in wenigen Stunden problemlos durchlesen, ich habe mir fünf Tage Zeit gelassen – schließlich kommt Sarah Pauli nur einmal im Jahr.

Ich habe Sarah Pauli vor etwa zwei Jahren kennengelernt, und eigentlich finde ich Bräuche und Mythen eher uninteressant – weder kann ich mich für Horoskope, noch für diverse Hochzeitsbräuch, die im aktuellen Sarah-Pauli-Roman eine wichtige Rolle spielen, erwärmen. Aber Beate Maxian bringt einem das Thema so plastisch nahe, dass jeder einzelne Teil absolut lesenswert ist – mit „Mord in Schönbrunn“ ist ihr allerdings einer ihrer besten gelungen. Die Mischung aus Symbolik und Rätselrallye hat mich an Dan Browns Robert Langdon erinnert, mit dem Unterschied, dass Pauli keine Hörsäle, sondern den Wiener Boten füllt und Menschen damit begeistert.

Maxian versteht es in ihrer aktuellen Geschichte gekonnt, den Leser an der Tätersuche teilhaben zu lassen und so verdächtigt man immer wieder neue Leute aus dem Ensemble, nur um ein paar Seiten später herauszufinden, dass man doch falsch liegt. Also forscht man weiter und ist am Ende doch ein bisschen überrascht, als der Täter demaskiert ist. Und auch wenn der Showdown gar nicht so aufregend ist, hatte ich dennoch während der letzten fünfzehn Seiten eine andauernde Gänsehaut – Maxian bringt die Stimmung so gut rüber, dass man als Leser fast glaubt, wirklich dabei zu sein. So etwas habe ich lange nicht mehr erlebt. Auch die Charakterentwicklung, insbesondere von der Protagonistin, schreitet voran und ist interessant zu beobachten.

Mit dabei ist nicht nur ein weiteres Mal ein interessanter Blick in die Journalistenwelt, Maxian geizt auch diesmal nicht mit Medienkritik am Boulevard – und auch die sagenumwobene Besetzungscouch erwähnt sie nicht zum ersten Mal in ihren Büchern. Zum ersten Mal ist mir allerdings aufgefallen, dass die Autorin gendert und nicht nur vom Täter, sondern auch einer möglichen Täterin spricht, was ich sehr erfrischend finde. Zwar nicht wirklich neu, aber wie Maxian sie einsetzt, sind die Kapiteltitel, mit denen die Autorin diesmal operiert. In früheren Teilen hat sie die Kapitel nebst der Nummer nur nach den darin agierenden Protagonisten benannt bzw. ihnen relativ nichtssagende Titel wie etwa "Silvester" gegeben - diesmal sind ddie Titel irgendwo zwischen Schall und Rauch und Mini-Spoiler angesiedelt, denn niemals zuvor wurden sie so eingesetzt, dass man eine kleine Vorschau auf den kommenden Inhalt bekommt. Nicht weiter erwähnenswert, aber dennoch nicht uninteressant.

Als negativ kann man ankreiden, dass Teile der Geschichte, besonders gegen Ende, etwas vorhersehbar sind. Aber das ist logisch, denn irgendwann muss die Geschichte zum Ende kommen, sonst hätte das Buch 4000 und nicht nur 400 Seiten (wogegen ich nichts hätte). Die Idee an sich ist jetzt zwar nichts Neues, das wurde ja bereits beim „Todesmärchen“ bekrittelt, aber die Umsetzung, mit den ganzen Symbolen, mit den Mythen und das damit einhergehende Stadtkolorit, ist absolut gelungen.

Fazit: Definitiv eines der besten Bücher von Beate Maxian. Nicht allzu spannend, aber durch die Machart umso packender und deshalb rasant bis zum geht-nicht-mehr. Regt überdies mit all seinen Elementen zum Nachdenken an – nicht nur über offensichtliches, sondern auch über die subtil präsentierten Themen wie Freundschaft und Solidarität.

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39 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

psychothriller, alsheimer, mörder, thrillerautor, thriller

Zerschnitten

Paul Cleave , Frank Dabrock
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2016
ISBN 9783453438552
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kann man das Thema Demenz richtig breit in einem Kriminalroman bearbeiten? Wenn ja, wie geht man es an? Klar, Alzheimer kann jeden von uns treffen, aber muss es sein, dass man das Thema in einem Medium behandelt, das eigentlich unterhalten soll? Das spannend, vielleicht etwas blutrünstig und möglicherweise auch ein bisschen lustig sein soll? Diese Fragen sollen keinen bewertenden Charakter haben – ich stelle sie erstmal nur in den Raum. Paul Cleave hat es versucht, und die Idee an sich ist innovativ.

Und innovativ kann Cleave normalerweise auch, das sah man bereits an seinem Debüt, in dem er den Thriller aus der Sicht des Mörders schrieb und damit einen Welthit landete. In gewisser Weise kehrt er mit „Zerschnitten“ zurück zu den Wurzeln, aber irgendwie will das gute Stück nicht so recht zünden – zumindest in der ersten Hälfte nicht, durch die man sich regelrecht durchquälen muss, weil es zeitweise wirklich zäh ist. Insgesamt gibt es zwei Handlungsstränge, die sich beide um die Figur des Jerry Grey drehen. Einer davon – der lebhaftere – spielt in der Gegenwart, der andere in der Vergangenheit von Grey, in der er ein „Protokoll des Wahnsinns“, wie er es nennt, angefertigt hat. Und damit kommen wir zur ersten der oben angeführten Fragen, ob man das Thema Demenz in einem Kriminalroman breit bearbeiten kann: Ja, man kann – wenn man in Kauf nimmt, dass der ein oder andere das Buch gähnend ins Regal zurückstellt und sich darüber ärgert, Geld aus dem Fenster geworfen zu haben. Selbst bei mir gab es für einen Augenblick so einen Gedanken. Aber ich kenne Cleave schon lange und wusste, dass es so nicht weitergehen wird, so nicht weitergehen kann.

Und die zweite Hälfte entschädigt dann auch etwas – wie in einem Fußballspiel, in dem die Lieblingsmannschaft nach der ersten Hälfte 0:5 zurückliegt, weil sie nicht und nicht ins Spiel kam. Man weiß, dass sie verlieren wird, aber dann bitte mit Anstand. Und dann schießt sie in der zweiten Spielhälfte noch drei Tore und bekommt keines mehr. Da ist man am Ende nicht ganz so enttäuscht. Und etwas von dem gibt Cleave auch in seiner zweiten Hälfte des Buches zurück, zumindest was das Thema Spannung betrifft, denn davon ist in der ersten Hälfte gar nichts zu sehen. Auch der Showdown ist ziemlich okay, er hält zwar keine Überraschung bereit, aber immerhin doch noch einen kleinen Twist.

Im Abspann des Buches, also der Danksagung, erfährt man dann, wie persönlich dieser Roman für Cleave ist. Schon während des Lesens fragt man sich, wie viel Cleave in der Geschichte steckt – nun, einiges davon. Aber dennoch ist man dann irgendwie froh, dass es vorbei ist. Der Spagat zwischen ernstem Thema und Unterhaltungsliteratur ist etwas zu groß, so dass die Unterhaltung leider etwas auf der Strecke bleibt.

Fazit: Ich habe nicht alle Bücher von Paul Cleave gelesen, aber es gibt bessere, wie etwa „Der siebte Tod“ oder „Der 5-Minuten-Killer“. Dennoch ist es etwas Neues und die Idee an sich ist wirklich grandios, nur die Umsetzung hat ein paar Schönheitsfehler. Aber Cleave ist einer der wenigen Autoren, die immer wieder etwas wagen und sich nicht immer des öden Räuber-und-Gendarm-Spiels bedienen – allein dafür gebührt ihm Respekt; und den bekommt er von mir.

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372 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 84 Rezensionen

thriller, kanada, vergewaltigung, schwestern, chevy stevens

Those Girls – Was dich nicht tötet

Chevy Stevens , Maria Poets
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.06.2016
ISBN 9783596034703
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Manchmal muss man innerhalb weniger Sekunden Entscheidungen treffen; Entscheidungen, dessen weitreiche Konsequenzen man sich im ersten Moment nicht bewusst ist, Entscheidungen, die das ganze Leben auf den Kopf stellen, man mit den Konsequenzen leben lernen muss – oder daran zerbricht. In Chevy Stevens‘ aktuellen Thriller geht es um weit mehr als um drei Schwestern, die ihr Leben lang auf der Flucht sind; eine Flucht, die man nicht einfach beenden kann, weil sie nach Jahren nur mehr im Kopf stattfindet. „Those Girls“ beginnt mit einem Martyrium, und endet in einer Ohnmacht, die auch den Leser trifft.

Wir befinden uns im fiktiven Örtchen Littlefield, wo wir mit unseren Schwestern Dani und Courtney zusammenleben. "Wir" ist in dem Fall die fast 15-jährige Jessi, ihre Schwestern sind etwas älter. Alle paar Wochen kommt der Vater der drei Heim, aber wenn er daheim ist, säuft er ohnehin nur, weshalb es für die drei besser ist, wenn er nicht da ist. Die Mutter ist tot, weshalb die drei Schwestern wegen ihres Trinkervaters jahrelang in Pflegefamilien waren, bis er geschworen hat, aufzuhören – der Schwur hielt nicht lang, aber es hat keiner danach gefragt. Und da die Schwestern nicht wieder zu Pflegefamilien wollten und ihr Dad ohnehin nur alle paar Wochen daheim war, lebten sie eben so weiter. Dani, die älteste des Trios, übernahm das Kommando und es ging alles gut – bis der Vater wiedermal besoffen heimkam und ein Streit eskalierte. Jetzt sind die drei auf der Flucht.

Der Leser schlüpft in die Rolle des Familienkükens Jessi, das kurz vor seinem 15. Geburtstag steht. Später schlüpft er noch in zwei andere Rollen, die Geschichte wird immer aus der ersten Person erzählt. Das Buch besteht aus drei Teilen; der erste, der 1997/98 spiel, ist der reinste Schocker, bei denen Leser mit zarten Gemüter Probleme bekommen könnten. Auch wenn sich der Großteil der Schilderungen im Kopf des Lesers abspielt, gibt es Stellen, die man nicht unbedingt lesen will – es aber dennoch sollte, weil gerade der erste Teil relevant für das restliche Buch ist. Er bildet quasi das Fundament der Geschichte. Der zweite Teil ist nicht nur aus der Sicht einer anderen Person, sondern auch wesentlich ruhiger – außerdem spielt er 17 bis 18 Jahre später. Gegen Ende des zweiten Teils wird eine latente Spannung aufgebaut, die nach und nach immer manifester wird. Erst der dritte Teil verdient das Etikett „Thriller“ und ist an Spannung nicht zu überbieten.

Schon im ersten Teil gibt es Stellen, die den Leser berühren, aber richtig heftig wird es erst nach der Hauptgeschichte – da kann von Gänsehaut bis Tränen alles dabei sein, das trifft selbst auf die hartgesottensten zu.

Was man der Geschichte ankreiden muss, ist, dass wichtige Dinge, die im echten Leben über Monate gehen, innerhalb von wenigen Seiten abgehandelt werden. Unwichtigere Dinge werden dafür teilweise unnötigerweise in die Länge gezogen – das betrifft vor allem das zweite Drittel des Buches, wo ich auch mal zwei Tage mit dem Lesen pausiert habe, was ich eher selten mache. Aber der dritte Teil entschädigt dafür. Allerdings kann man die Handlung im Schlussdrittel leider zumindest grob vorhersehen.

Fazit: Mein erster Thriller von Chevy Stevens war „That Night“ und hat mich bereits tief beeindruckt. Den Nachfolger habe ich somit sehnsüchtig erwartet und er hat meine Erwartungen erfüllt – wenn auch nicht übertroffen. Ein grandioser Thriller, der einen nicht nur atemlos, sondern auch bedrückt zurücklässt.

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295 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 131 Rezensionen

thriller, berlin, zelle, jonas winner, familie

Die Zelle

Jonas Winner
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 11.01.2016
ISBN 9783426512760
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


In unserer Gesellschaft ist es ja common sense: wenn man wohlhabend ist, hat man keine Probleme, wenn man wohlhabend ist, hat man ohnehin alles oder kann es sich zumindest kaufen. Aber was, wenn man ganz spezielle Bedürfnisse hat und man diese nicht einfach so beschaffen kann? Tja, dann hat man ein Problem – und damit einhergehend einen Teufelskreis, der sich nicht so einfach durchbrechen lässt. Dieses und eine Fülle an anderen Themen behandelt Jonas Winner in seinem Buch „Die Zelle“, das viel mehr ist als ein Thriller, viel mehr als ein Spiel um Räuber und Gendarm. Es geht um Abgründe, denen man begegnet, wenn man Probleme nicht adäquat lösen kann.

Manchmal sollte man ein Buch fertig lesen, und nicht schon 80 Seiten vor Ende einen Großteil der Rezension schreiben, denn manche Autoren lassen sich am Ende noch etwas ganz Besonderes einfallen, womit die Geschichte nochmal um mindestens 540 Grad gedreht wird. Und manchmal weiß man gar nicht, was man nun eigentlich glauben soll und darf – das alles trifft auf Jonas Winners aktuelles Buch zu, das mich am Ende einfach nur ratlos zurückgelassen hat. Eigentlich hatte ich einiges an dem Buch zu kritisieren, aber die allerletzten Seiten haben alles durcheinandergewirbelt, so dass es sich in meinem Kopf immer noch dreht – und das ist eigentlich das größte Kompliment, das man einem Autor machen kann, nämlich dass einem seine Geschichte zu Kopf gestiegen ist.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt und spielt ausschließlich im oder um das Haus der Familie des Protagonisten. Das Genre schwankt irgendwo zwischen Drama, Horror und Psychothriller – genau einordnen kann man es nicht, ein reiner Thriller ist es jedenfalls nicht. Die Hauptgeschichte spielt Mitte der 1990er, mit einer durchgehend düsteren Stimmung, ähnlich Minette Walters‘ „Der Keller“.

Wir schlüpfen in die Rolle des 11-jährigen Sam, der mit seinem Vater, der Filmmusiker ist, seiner Mutter, die an der Oper arbeitet, seinem Bruder Linus und dem Au-pair-Mädchen Hannah von London in eine Villa im Berliner Grunewald übersiedelt. Wir sind in eine zumindest wohlhabende Familie hineingeboren worden, sprechen offenbar perfekt deutsch und haben einen Bruder mit einem typisch deutschen Namen – wir dürften also nicht nur zweisprachig erzogen worden sein, sondern auch deutsche Wurzeln haben, das besagt auch der Nachname der Familie, der Grossman lautet.  Sam liebt und verehrt seinen Vater, der ein Hans Zimmer sein will, es aber doch nur zum Eddy the Eagle der Filmmusik bringt. Er schaut zu ihm auf, versteht die Arbeit die er macht zwar nicht ganz, aber trotzdem ist er voller Ehrfurcht davor. Doch plötzlich bröckelt die Fassade und das Kartenhaus beginnt zu schwanken. Die Mutter hingegen bleibt weitestgehend blass, man erfährt auch nie, was sie an der Oper genau macht - alle anderen Charaktere lernt man besser kennen.

Man könnte sicher Kritik anbringen, aber man muss dieses Buch gelesen haben, um zu verstehen, dass das vielleicht nicht ganz angebracht wäre. Mehr dazu im SPOILER-Beitrag zum Buch, damit die Zeilen, die ich gerade versuche, niederzuschreiben, etwas klarer werden. Was man aber auf jeden Fall beanstanden kann, ist, dass Winner nicht mehr auf die Grossmans ansich eingegangen ist. Welche Wurzeln haben sie tatsächlich, über wie viele Ecken gehen sie, warum ziehen sie ausgerechnet nach Berlin respektive Deutschland? Das bleibt uns Winner leider schuldig.

Fazit: „Die Zelle“ erzählt eine Geschichte, die tiefer geht als man zunächst glaubt, die Probleme wie mangelnde Elternliebe, Unsicherheit, Erfolglosigkeit bei der Arbeit, Akzeptanzdefizite, aber vor allem eines thematisiert: Verzweiflung. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt.

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143 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

internet, thriller, spiel, tod;, spionieren

Todesdrang

Michael Hübner
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.04.2013
ISBN 9783442479030
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Menschen, die in den 1990ern geboren wurden, kennen ein Leben ohne Internet nicht, sie saugen das Wissen darüber quasi mit der Muttermilch auf, kennen sich zumeist besser damit aus, als die Generation vor ihr. Sie wissen über Facebook Bescheid und übers Hacken. Dass das Internet zu einem großen Teil immer noch ein rechtsfreier Raum ist, betrachten Leute mit krimineller Energie als Sahnehäubchen auf dem Kaffee ihres Lebens. Im Prinzip sagt das Eingangszitat „Das Übel kommt nicht von der Technik, sondern von denen, die sie mißbrauchen“, das der Geschichte vorangestellt ist, alles darüber aus, was danach kommt – ein gnadenloser und brutaler Thriller, bei dem das Opfer im Vordergrund steht.

Dirk Bukowski ist 37 und mit Anke verheiratet, er hat einen fünfjährigen Sohn und ist stellvertretender Chef einer Bank – eigentlich führt Dirk ein ziemlich gutes und sorgenfreies Leben. Bis das passiert, was in der Einleitung dieses Beitrages steht. Bis er zum Opfer eines Wahnsinnigen wird, ab da geht es mit seinem Leben rasant bergab. „Todesdrang“ ist eines der wenigen Bücher, bei dem der Titel das hält, was er verspricht: einen Menschen mit dem schieren Drang zu töten. Der Antagonist ist ziemlich jung und hat die klassische Schule eines Serienmörders durchschritten – nach und nach lernt man auch ihn und seine Beweggründe kennen.

Wen man hingegen gar nicht kennenlernt ist Dirks Ehefrau. Sie heißt Anke, aber weder weiß man, wie alt sie ist, noch ob, und wenn, was sie arbeitet. Sie fängt innerhalb kürzester Zeit an, Dirk zu misstrauen, was von ihrer Warte vielleicht nachvollziehbar ist, für Außenstehende wie dem Leser allerdings nicht wirklich. Immerhin kennen sich die zwei schon zirka acht Jahre, da sollte man einander doch sehr gut kennen und einschätzen können. Darüber hinaus dürfte Dirk etwas mehr als „alles“ haben – nämlich ein paar Probleme mit Anke in den letzten Monaten, das wird zumindest kurz erwähnt. Möglicherweise rührt daher das schnelle Misstrauen Ankes. Der Sohn Kevin bleibt in der Geschichte weitestgehend farblos und tritt nur sporadisch in Erscheinung.

Was das negative in diesem Buch angeht, ist mir eine kleine Ungereimtheit aufgefallen, die allerdings in einem gesonderten SPOILER-Beitrag behandelt wird, da sie zu tief in die Geschichte hinein gehen würde. Ansonsten hätte ich mir mehr Kapitel gewünscht, denn bei "Todesdrang" enden die Kapitel nur dann, wenn ein Tag endet, und die Tage können mitunter über einige Seiten gehen. Aber vermutlich ist das Buch so konzipiert, dass man es recht schnell liest - dafür wiederum bin ich nicht konzipiert

Fazit: „Todesdrang“ ist ein verdammt unterhaltsamer Thriller, der sich irgendwann zu einem regelrechten Pageturner entwickelt, den man nicht mehr aus der Hand legen kann. Es war mein erster Hübner und es werden definitiv weitere folgen.

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131 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 50 Rezensionen

thriller, psychiatrie, mord, lyx, psychothriller

Schwarzweiß

Antonia Fennek
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 15.01.2015
ISBN 9783802595332
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Antonia Fennek heißt eigentlich Melanie Metzenthin und ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie – ihr erstes Buch ist ein historischer Roman und erschien 2011. Ihm folgten drei weitere bevor sie das Genre wechselte und ihr Fachwissen ihrer Protagonistin Regina Bogner verlieh. Als ich ihre Kurzbiografie auf diversen Bücherportalen las, erwartete ich ein Buch mit intensivem Inhalt und massig Hintergrund- und Fachwissen – herausgekommen ist bei „Schwarzweiß“ aber ein 08/15-Psychothriller mit nur mäßig Hintergrund- und Fachwissen..

Regina Bogner ist Ärztin im Maßregelvollzug und darf sich des Mörders mit diagnostizierter Schizophrenie, Niklas Rösch, annehmen. Als sie Rösch durch Einzelgespräche näher kennenlernt, fängt sie an, an der Diagnose zu zweifeln und bereits beim ersten Anzeichen des Zweifels ist mir als Leser der Gedanke gekommen, ob Fennek bzw. Metzenthin mit dem Irrtum, der bei vielen Menschen bezüglich Schizophrenie vorherrscht, aufräumen will – mit der ständigen Benutzung det Wörter Schizophrenie und Persönlichkeitsstörung mitsamt den dazugehören Erklärungen hat sie bei mir allerdings mehr Verwirrung als Klarheit gestiftet. Erst im Nachwort bekommt man nochmal eine klare und sachliche Erläuterung geliefert. Dieser folgt auch noch ein Glossar mit allen Fachbegriffen, die im Roman verwendet wurden.

Bogner ist zudem alleinerziehend, hat kaum Freunde und noch weniger Hobbys – sie lebt also gewissermaßen für den Beruf, den sie ausübt. Bis vor drei Jahren lebte sie mit ihrer Tochter und ihrem Mann in Afrika, genauer im Sudan, noch genauer in Nyala, wo etwas passiert ist, was die Ärztin bis heute nicht verwunden hat, was eindrucksvoll zeigt, dass sich Ärzte nicht nur um Menschen mit Problemen kümmern, sondern selbst auch welche haben – weil sie eben auch nur Menschen sind. Von diesem Problem weiß Rösch anscheinend und will Bogner mittels Quid pro quo damit konfrontieren – also „Erzähl mir etwas über dich und ich erzähle dir etwas über mich“. Von Anfang an weiß Bogner, dass sie sich ihren Kollegen und Vorgesetzten deswegen mitteilen muss um die Fehldiagnose manifest zu machen, aber um keinen Preis will sie ihnen den Vorfall in Nyala schildern, weshalb sie recht spät erst eine abgespeckte Version davon erzählt – und nicht nur sie, sondern auch der Leser fragt sich danach: Wieso nicht gleich so? Mir hat der Prozess, bis sie endlich etwas sagt viel zu lange gedauert und hat für mich wie ein plumper Spannungsaufbau gewirkt. Nicht viel später kommt eine Zäsur in der Geschichte und ab dann könnte man sich das lesen eigentlich auch ersparen, weil man ab da genau weiß, wie es weitergeht und schließlich auch endet

Einzig die Tochter Anabel - die übrigens zu Beginn des Buches 16 und irgendwann später plötzlich 17 ist, ohne dass irgendwann erwähnt wurde, dass sie Geburtstag gehabt hätte –, die man als Leser irgendwann später näher kennenlernt sorgt mit ihrer toughen und schlagfertigen Art noch für etwas Erfrischung. Generell gefällt mir der Humor, den die Autorin immer wieder aufblitzen lässt.

„Schwarzweiß“ hätte einiges an Potential, hat dieses aber nur zum Teil ausgeschöpft. Das Buch ist sicher nicht schlecht, über das Attribut „solide“ kommt es allerdings nicht hinaus.

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303 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 57 Rezensionen

psychothriller, weihnachten, tammy cohen, entführung, thriller

Während du stirbst

Tammy Cohen ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.11.2015
ISBN 9783734102196
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit dem Vertrauen ist es ja so eine Sache. Wann vertraut man einem Menschen? Und einmal Vertrauen ausgesprochen – gilt das bis ans Ende aller Tage oder kann irgendwann Misstrauen ausgesprochen werden? Fragen, die uns alle tagein und tagaus beschäftigen. Und mit denen sich Tammy Cohen in „Während du stirbst“ auseinandersetzt. Mit ihrem Debüt im deutschsprachigen Raum hat sie gleich einen Bestseller gelandet – und das völlig zurecht. Aber alles der Reihe nach.

Die Geschichte startet damit, dass Jessica Gold darüber erzählt, wie sie diese Worte , die wir lesen, niederschreibt. Wir als Leser begleiten Jessica Gold also nicht nur, wir sind Jessica Gold in diesem Buch. Sie schreibt, wie sie Dominic Lacey bei ihren Weihnachtseinkäufen in einem Café kennenlernt und ihn freiwillig in sein riesiges Loft begleitet, in dem sie zwölf Tage verbringt – verbringen muss. Zwölf Tage voller Angst, Schrecken und Grausamkeiten. Zwölf Tage an denen sie jeden Tag ein Geschenk von Dominic erhält, mit einer Geschichte dazu – eine grausamer als die andere. Geschichten über Dominic, seine Kindheit, seine Beziehung zu seiner Mutter, seine Schwester, seine Lehrerin, seine Ex-Frau. Was mit einem potentiellen One-Nighht-Stand beginnt, endet in einer Entführung mit tagelangem Freiheitsentzug, und der Leser ist hautnah dabei, wie Jessica leidet und dem Tode immer näher kommt - und dann kommt Teil zwei in diesem Buch.

Jessica Gold ist 29 und Archivarin bei einem TV-Sender. Sie lebt mit Travis zusammen, einem Assistenzarzt. Wie die zwei zusammengekommen sind, erinnert eher an eine Zwangsheirat, aber das ist ein anderes Thema. Jessica ist psychisch labil und hört gelegentlich Stimmen in ihrem Kopf, ebenfalls dürfte sie nicht viele Freunde haben, keine Hobbys und nicht sonderlich attraktiv sein. Seit sie von ihren Eltern Gutscheine dafür bekommen hat, ist sie Patientin bei der offenbar sehr renommierten Psychotherapeutin Sonia Rubenstein, die immer wieder von Jessica zitiert wird.

In einem Parallelstrang erleben wir die Polizistin Kim Harper, die verheiratet ist und zwei Kinder hat. Kim liebt ihre Arbeit, läuft bei ihrer Karriere aber in einem Hamsterrad – wegen der zwei Kinder und weil ihr Mann offensichtlich daheim nichts tut und sie den Haushalt auch noch instand halten muss, ist es schwer für sie, bei ihrer Karriere voranzukommen und aufzusteigen. Sie bearbeitet den Fall der verschwundenen Jessica Gold und ahnt von Beginn an, dass da irgendwas nicht mit rechten Dingen läuft. Sie wittert ihren Durchbruch bei der Polizei, doch wird von ihrem Mann dabei behindert, der ihr ein Ultimatum stellt – entweder Karriere oder Familie.

Das Buch besteht aus zwei Teilen, der Erste ist bereits verdammt gut und mitreißend, aber der Zweite lässt einen atemlos zurück und ab dessen Beginn will man einfach nicht mehr aufhören zu lesen. Der erste Teil ist unglaublich, der zweite potenziert das ganze noch um ein Vielfaches, so dass man ein Superlativ dafür finden muss, den es gar nicht gibt. Normalerweise findet man bei meinen Rezensionen an dieser Stelle immer die Dinge an einem Buch, die nicht so gut sind – die gibt es sicher auch bei „Während du stirbst“, aber die sind so marginal, dass sie völlig untergehen.

„Während du stirbst“ ist eines der besten, wenn nicht sogar das beste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe und ein unfassbares Autorendebüt am deutschsprachigen Markt von Tammy Cohen. Ich hoffe stark, dass ihre anderen Bücher in naher Zukunft übersetzt und auf den Markt kommen, denn Cohen hat, obwohl sie erst mit 45 Romanautorin geworden ist (eigentlich ist sie Journalistin) schon einige Bücher geschrieben - lediglich "Während du stirbst" wurde bis dato ins Deutsche übersetzt. Aber ich denke, Blanvalet hat ihr Potential erkannt und wir werden bald mehr von Cohen lesen können

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297 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 71 Rezensionen

80er jahre, mord, köln, bergisches land, vergewaltigung

Die Lichtung

Linus Geschke
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.10.2014
ISBN 9783548286365
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Linus Geschke ist, wie sein Alter Ego Jan Römer, Journalist. Jan Römer agiert hingegen wie sein österreichisches Pendant Sarah Pauli. Beide Buchfiguren sind bei ihren Jobs wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, beide recherchieren zu Mordfällen, beide leben in einer europäischen Großstadt, beide haben keine Eltern mehr. Doch trotz all der Parallelen gibt es auch Unterschiede: Jan Römer ist Anfang 40, glücklich verheiratet und hat einen Sohn. Sarah Pauli Mitte 20, anfangs noch Single und hat einen Bruder (Römer hat keine Geschwister). Der größte Unterschied ist der, dass Pauli aktuelle Fälle bearbeitet und Römer vergangene aufarbeitet, was wiederum an Jussi Adler-Olsens Sondereinheit Q rund um Carl Mørck erinnert. Das sind alles Parallelen, (oder nicht-Parallelen), die mir im Laufe des Lesens aufgefallen sind, also keineswegs von Beginn an offensichtlich waren. Ich kann nicht beurteilen, ob Geschke eine Beate Maxian kennt, von Jussi Adler-Olsen hat er aber sicher schon gehört und sich vielleicht sogar von ihm zu seiner Römer-Reihe inspirieren lassen.

Das war es dann aber in großen Teilen auch schon wieder mit den Komplimenten, denn journalistische Distanz scheint für Geschke ein Fremdwort zu sein, ja nicht mal Jan Römer weiß, wieso er den Fall, bei dem er unmittelbar beteiligt war, selber aufarbeitet. Möglicherweise, weil er mit seinem Chef nicht so wirklich klar kommt, vielleicht, weil er nicht sehen will, wie andere Leute „seinen“ Fall bearbeiten, oder weil er seine Vergangenheit bewältigen muss – für Letzteres soll es gute Psychologen geben, die er sich mit seinem „überdurchschnittlichen“ (Zitat aus dem Buch) Gehalt sicher leisten kann. Mit diesem könnte er auch gleich über seine Frau sprechen, mit der er eine – so wird sie dem Leser nähergebracht – äußerst komplizierte Ehe zu führen scheint. In einem Moment sinniert Römer darüber, wie sehr er sich von seiner Frau Sarah entfremdet hat, nur um das Paar beim nächsten Telefonat (man erlebt die zwei im Buch stets telefonierend) dabei zu ertappen, wie es herumblödel wie zwei Teenager. Ob Römer nun am Ende doch noch zu seiner Familie nach St. Peter Ording in den Urlaub fährt oder sich mit Stefanie „Mütze“ Schneider vergnügt, erfährt man hingegen nicht.

Die Rückblenden in den Unglückssommer 1986 sind tatsächlich noch das beste an und in dem Buch. Sie sind lebhaft und man fühlt sich in die eigene Jugend zurückversetzt Bei diesen Kapiteln dürfte sich auch Geschke am wohlsten gefühlt haben. Hier gibt es keine Längen, die es in Römers Gegenwart immer wieder gibt, dafür aber aufgewärmte Sprüche, die man irgendwo schon mal gehört hat. Und prickelnde Erotik, die teilweise ziemlich detailliert beschrieben wird (was nichts schlechtes ist). Jan Römers Clique ist hingegen so gewöhnlich wie jede andere, was auch seine Berechtigung hat. Da gibt es den dicken, den Außenseiter, den Schnösel – nur die Mädels in der Clique, die sind offenbar alle hübsch (und blond), und wenn sie es nicht sind, werden sie nicht näher beschrieben.

Auch Justizkritik gibt es, die schrammt allerdings ganz knapp an Stammtischparolen vorbei – das hätte man anders formulieren können und müssen. Ich habe nur mehr auf die Forderung gewartet, Kinderschänder am Gemächt aufzuhängen – vielleicht kam die aber auch vor, könnte bei all der Stammtischrhetorik aber auch untergegangen sein. Ach ja, Hausfrauenpsychologie findet in „Die Lichtung“ auch einen Platz – wäre ja zu schön gewesen. Und natürlich kritisiert Geschke die öffentliche Wahrnehmung von Journalisten. Aber das muss er ja als Journalist von Spiegel online und FASZ fast.

Am Ende bleibt ein Buch, das das Rad nicht neu erfindet, zu viele Schwächen und zeitweilig Stellen, wo einfach nichts passiert, hat – ja selbst der Showdown, der 20 Seiten vor dem Ende beginnt, hat Längen. Klar könnte man das alles damit begründen, dass es ja Geschkes Romandebüt ist – tu ich aber nicht. Der Mann ist Journalist, weiß also mit Wörtern umzugehen.

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197 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 26 Rezensionen

thriller, gefängnis, michael robotham, gefängnisausbruch, um leben und tod

Um Leben und Tod

Michael Robotham , Kristian Lutze
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 20.07.2015
ISBN 9783442482818
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist kein klassischer Robotham, weder findet man hier einen Vincent Ruiz, noch einen Joe O'Loughlin, und doch ist es einer der besten Robothams aller Zeiten. Es ist kein konventioneller Krimi, kein richtiger Thriller, es ist eine Abenteuer-, Ganoven-, eine Liebesgeschichte; ohne zu abenteuerlich, ganovenhaft oder schnulzig zu sein. Es ist eine Geschichte ohne und gleichzeitig mit so vielen Genres und doch erkennt man die Handschrift von Robotham, mit seiner Bildsprache, seinen treffenden Vergleichen und dem unnachahmlichen Humor, der immer wieder aufblitzt. Dieses Buch benötigt keine Spannung und keine Cliffhanger am Ende der Kapitel, diese Geschichte lebt von sich selbst, von den vortrefflich gezeichneten Charakteren und von dem roten Faden, den man nicht festhalten muss, weil er einen festhält und durch den Plot zieht.

Anders als die anderen Robothams, spielt diese Geschichte nicht in England, sondern in den USA, und ebenfalls anders als in seinen anderen Werken nimmt man hier an der Seite des vermeintlich bösen Protagonisten platz. Robotham zeigt allerdings auf, dass es in Krimis nicht nur Schwarz und Weiß gibt, dass die Bösen nicht immer böse und die Guten nicht immer gut sind, sondern dass es auch Grautöne gibt, dass es mehr als Klischees gibt. Wie in allen anderen Robothams spielt aber auch hier eine Behinderung einen Teil der Geschichte eine Rolle, wiewohl es keine richtige Behinderung ist, aber ein Charakter wird durch den Umstand, dass er sehr klein ist, durchgehend von anderen Leuten behindert, kommt allerdings – wie O'Loughlin – sehr gut damit zurecht und besitzt einen hervorragenden Sinn für Selbstironie.

Von mir eine absolute Leseempfehlung, weil die Story gut durchdacht ist und man am Ende mit Gänsehaut und Tränen in die Augen dasitzt. Eines der besten Bücher, die ich in den mindestens letzten sechs Monaten gelesen habe.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

selbstmord, gärtnerin, wien, krimi, drogensüchtig

Der letzte Stich

Georg Koytek , Lizl Stein
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 29.04.2014
ISBN 9783442747399
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Der letzte Stich“ ist meine Entdeckung des noch ziemlich jungen Jahres. Ein Krimi, der Mitten in Wien spielt lässt ja ohnehin mein Herz höher schlagen und mit diesem Titel haben das Duo Koytek und Stein bei mir volll ins Schwarze getroffen. Das vorliegende Buch ist eine Neuauflage und als Taschenbuch herausgegebene „Pagat ultimo“, das ursprünglich, und nur als Hardcover im Leykam-Verlag erschien. Das Taschenbuch kommt von btb, der zu Bertelsmann gehört.

Die Geschichte dreht sich um Conrad Orsini, der Chefermittler bei der KD1 ist – was KD1 bedeutet, erfährt man allerdings nicht. Klar ist nur, dass Orsini um seinen Job bangt, da eine Reform stattfinden soll. Hier kritisieren Koytek und Stein die Vitamin-B-Politik, die in Österreich nahezu allerorts stattfindet, denn Orsini, der bei seinen Kollegen nicht der aller beliebteste ist, werden wesentlich schlechtere Chancen eingeräumt als Leuten, die in der Gewekschaft vertreten sind. Auch für den Leser macht Orsini, der privat musikalisch in einer Band ist, nicht den aller sympathischsten Eindruck. Allerdings gibt es da wesentlich unsympathischere Subjekte, wie etwa der reaktionäre Kubicek, der seine Kollegen mit diversen Aussagen immer wieder vor den Kopf stößt. Was andererseits einiges Leben in die Dialoge bringt und man als Leser gern über Kubiceks Art lacht. Noch mehr Leben bringt Paula Kisch mit ihrer toughen und schlagfertigen Art in die Gruppe. Dass sie direkt von der Polizeiakademie kommt, merkt man leider gar nicht, denn Anfängerfehler bleiben gänzlich aus. Alle anderen Charaktere bleiben weitestgehend blass.

Was außerordentlich gut umgesetzt wurde, ist die Beschreibung der Lokalkolorit. Angefangen beim geschichtlichen Hintergrund Wiens, der teilweise sehr akkurat ist, bis zum Wiener Dialekt und der typischen Wiener Art, die am ehesten von Kubicek und mit Abstrichen von Orsinis Bürokollegen Kurt Wilasich repräsentiert wird, ist alles dabei, was man von Wien kennt – oder noch nicht kennt. Gerade zu Beginn des Buches lenken die Autoren den Verdacht auf jede Person, das verliert sich allerdings irgendwann, was vielleicht auch besser so ist, da es sonst zu künstlich wirkt. Ebenso auffallend ist die Medienkritik, die Koytek und Stein üben und vor allem den Boulevard trifft – das kennt man schon von Beate Maxian, wird aber nie langweilig. Die Präsenz von Musik ist ebenfalls augenscheinlich, was wohl daher rührt, dass die beiden Autoren an der Wiener Musikuni waren und daher ein breites Wissen darüber mitbringen. Das bringt doch eine gewisse Note in den Plot, die sehr angenehm ist.

Bei den Szenenwechsel übertreibt es das Duo allerdings zeitweise etwas. Mitunter findet der Wechsel mitten im Dialog statt, so dass man bei der Wiederaufnahme dessen auch schon mal zurückblättern muss, damit man den Faden wieder findet. Insbesondere im ersten Drittel passiert das öfter. Auch die Passagen, in denen es um Liebe geht – anscheinend kommt kein Krimi ohne diese aus – meinen es die zwei etwas zu gut und übertreiben es für meine Begriffe etwas. Erst nach einigen Seiten haben sich Koytek und Stein offenbar daran erinnert, dass im Roman ein Serienmörder herumrennt und lenken die Szenerie wieder aufs Wesentliche. Gerade gegen Ende hat das Buch aber auch seine Längen und vor allem der Showdown ist ziemlich diffus und eigentlich gar nicht nachvollziehbar – da hätte man mehr erwarten können.

„Der letzte Stich“ ist dennoch ein verdammt gelungener Krimi mit guter Charakterzeichnung und vortrefflicher Lokalkolorit. Nach Beendigung des weitestgehend kurzweiliger Buch hofft man als Leser doch auf eine Fortsetzung

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25 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

london, fußball, premier league

Der Wintertransfer

Philip Kerr , Axel Merz
Flexibler Einband: 425 Seiten
Erschienen bei Tropen, 10.12.2016
ISBN 9783608503401
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Der Wintertransfer“ ist ein Buch für ein sehr spezielles Publikum. Fußballfan allein zu sein, reicht hier nicht, man sollte Fan der Premier League, der englischen Fußballliga sein – dann, und nur dann, wird man dieses Buch lieben. Der Roman ist voll mit Fakten und Details aus der momentan reichsten und möglicherweise stärksten Liga der Welt. Philip Kerr ist entweder ein riesiger Fußballfan oder hat herausragend recherchiert. Mein Gefühl sagt mir, dass ersteres zutrifft und diese Geschichte mit ganz viel Liebe zum runden Leder geschrieben wurde. Falls man hier einen packenden und actionreichen Thriller erwartet: nope. „Der Wintertransfer“ ist keineswegs ein klassischer Thriller, eher ist es ein Buch über Fußball und ein bisschen Detektiv spielen.

Die Geschichte und Personen rund um London City ist bzw. sind, wie Kerr im kurzen Vorwort schreibt, frei erfunden. Der Rest ist allerdings – mit leichten Abstrichen – wahr, was den Wintertransfer in doppelter Hinsicht zum Geschichtsbuch macht. 

Man schlüpft im „Wintertransfer“ in die Rolle des Co-Trainers Scott Manson und muss gleich zu Beginn die erste Hiobsbotschaft entgegen nehmen, wo man sich dann fragt: „Ist das jetzt eine Nebelkerze? Kommt da noch was?“ - es kommt noch was, der Mord passiert nämlich erst sehr spät für einen Thriller. Was dem Buch aber nichts ausmacht, denn es dauert eine Weile, bis Kerr einem London City und Scott Manson, der selbst eine bewegende Vergangenheit hat, vorgestellt hat. Was aber keineswegs langweilig ist. Kerr zeigt vor allem Abseits des Falles, den Manson untersucht, immer wieder, was unter dem grünen Rasen im Fußball passiert und welche negativen Auswirkungen vor allem der moderne Fußball hat, den der Autor, neben der FA, durchgehend kritisiert.

London City scheint dabei selbst eine Ausgeburt dieses modernen Fußballs zu sein. Der Klub dürfte entweder 2004 oder erst danach gegründet worden sein, da er die Farbe der orangenen Revolution in der Ukraine trägt – dazu kommt, dass City nur ein paar Jahre später schon in der höchsten englischen Liga spielt, was ohne Geld – viel, viel Geld – schier unmöglich ist. Gegen Ende wird das Buch leider etwas zu kitschig und Hollywood-Like, was mir persönlich nicht wirklich gefallen hat. Dazu kommt, dass Manson mit einem iPad auf der Trainerbank sitzt, was im Fußball – in Zeiten, in denen man sich gegen jede elektronischen Hilfsmitteln auf dem Platz sträubt – verboten ist.

Über zu wenige Übersetzungsfehler darf man leider auch nicht beklagen. Weder hätte ich das Buch „Der Wintertransfer“ genannt, denn dafür müsste ein einziger Spielertransfer von oder zu City im Mittelpunkt der Geschichte stehen, noch hat das Wort „Relegation“ im deutschen Fußball-Sprachgebrauch die selbe Bedeutung wie im englischen – nämlich den Abstieg in eine tiefere Liga. Im deutschen geht es dabei um die Phase nach der Meisterschaft, in der der Abstieg zwischen zwei Mannschaften ausgespielt wird. Den Abstieg selbst bezeichnet hier keiner als Relegation, auch wenn es sprachlich korrekt wäre. Aber der größte Übersetzungsfehler ist aber die durchgängige Bezeichnung Manchester Uniteds als „ManU“. Mir ist schon klar, dass die Medien diese Abkürzung gerne verwenden und sich diese Bezeichnung dadurch auch in den Sprachgebrauch eingebürgert hat, aber sie ist unter United-Fans (der ich übrigens keiner bin) absolut verpönt, weil sie auf einen Flugzeugabsturz im Jahr 1958 in München anspielt, bei dem 23 Spieler und Clubverantwortliche von Manchester United ums Leben kamen. Da ich nicht davon ausgehe, dass Philip Kerr so pietätlos ist, werfe ich diese und vor allem diesen Fehler dem Übersetzer Axel Merz und dem Tropen-Verlag vor. Man hätte vielleicht jemanden für die Übersetzung beauftragt, der zumindest einen Hauch von Ahnung von Fußball hat.

Wenn man ein glühender Fußballfan ist, kann man dieses Buch lesen, interessiert man sich zudem für die Premier League, sollte man es vielleicht sogar lesen. Es wird darin Gnadenlos mit den Machenschaften hinter den Kulissen des Fußballs aufgeräumt, die man vermutlich auf alle großen Ligen und mit Abstrichen auch auf kleinere umlegen kann. Der Rest der Geschichte ist nett, wird aber nicht in die Krimigeschichte eingehen.

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