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198 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

thriller, geheimnisse, harlan coben, erpressung, familie

Ich schweige für dich

Harlan Coben , Gunnar Kwisinski
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 08.03.2016
ISBN 9783442205042
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Manchmal ist es besser, wenn man nicht alles von- und übereinander weiß. Möglicherweise ist es manchmal sogar besser, wenn man lügt, weil die Wahrheit ziemlich unangenehm sein kann – das kennen wir alle. Und wenn nicht, dann lernt man diese Gefühlswelt mit „Ich schweige für dich“ kennen. Ebenfalls hinterfragt Harlan Coben die Anonymität im Internet und ob unsere Daten tatsächlich vertraulich behandelt werden, wenn es uns auf einem bunten Bild vermeintlich garantiert wird. Die Rede ist von Big Data, von sozialen Netzwerken und wie mit Daten theoretisch umgegangen werden könnte. Das sind große und vor allem auch aktuelle Themen, derer sich Coben hier angenommen hat – und er hat sie in einen vortrefflichen Thriller gepackt.

Man begleitet Adam Price, der mit seiner Corinne zwei Söhne hat. Beide Söhne, Thomas und Ryan, spielen Lacrosse und Corinne ist selbst im Verein tätig. Sobald man die erste Seite aufschlägt, ist man – ohne Vorreden, ohne Prolog – in der Geschichte drin, man bekommt sofort das Gespräch zwischen Adam und dem Fremden serviert und auch danach lässt einen die Geschichte nicht mehr los, es ist spannend, obwohl eigentlich zunächst gar nichts allzu spannendes passiert, und dennoch schafft es Coben bei nahezu jedem Kapitelende, einen Cliffhanger einzubauen, der den Leser bei der Stange hält.

Und es wird später sogar noch besser, nämlich dann, wenn man den Fremden, der bis ein paar Kapitel vor dem Ende tatsächlich namenlos bleibt und nur „der Fremde“ genannt wird, dabei begleitet, wie er weitere Leute ins Verderben stürzt – aber nicht alle ergeben sich dem Schicksal der Wahrheit, und das ist sehr erfrischend. Manche bieten ihm auch Paroli. Diese Kapitel liest man noch lieber als die um die Familie Price – möglicherweise ist das ein innerer Sadismus und Voyeurismus, der da in uns geweckt und gestillt wird.

Die Passagen rund ums Internet, wo es um IPs, Tracking-Apps und Deep-Web geht, bringt Coben sehr plastisch rüber und kommt dabei ohne Fachchinesisch aus, obwohl es teilweise sehr spezifisch ist. Neben dem Internet ist auch Sport ein sehr präsentes Thema – Lacrosse ist in der Geschichte ohnehin allgegenwärtig, aber auch Bodybuilding, Football und Leichtathletik bekommen ihren Platz – manche von ihnen aber nur andeutungsweise, was auch gut ist.

Negative Aspekte gibt es allerdings auch: Ein Erzählstrang ist meiner Meinung nach völlig irrelevant bzw. erschließt es sich mir nicht ganz, warum dieser unbedingt ins Buch musste – die dort agierende Figur hat nicht zwingend etwas mit der Geschichte zu tun. Und ein Charakter, den ich aus spoilertechnischen Gründen hier nicht beim Namen nennen werde, wird unzureichend vorgestellt. Irgendwann im späteren Verlauf bekommt diese eine etwas größere Rolle und man fragt sich nur „Wer ist das jetzt?“.

Am Ende bleibt dennoch ein grandioser Pageturner, der keine Minute langweilig wird und bei dem ich mich immer wieder gefragt habe: „Wieso habe ich noch nicht mehr Cobens gelesen?“ - ein unfassbares Lesevergnügen.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

daslager - ein fall für die detektei peters, krimi, patricia weiss, kriminalroman

Das Lager: Ein Fall für die Detektei Peters

Patricia Weiss
E-Buch Text: 275 Seiten
Erschienen bei null, 04.11.2015
ISBN B017LYNBVM
Genre: Sonstiges

Rezension:

Gleich zu beginn des Romans passieren einige Dinge. Da ist einerseits Jan Maly, der nach einem Jahr in der Psychiatrie wieder spricht und Braun einen Zettel überreicht, auf dem sich Koordinaten und ein Blutstropfen nebst einer aufgemalten Parkbank befinden. Da ist ein Mord und da ist ein fast verunglücktes Baby. Und das sind nur die ersten 50 Seiten – aber in dieser Rasanz geht es weiter, und das ist das tolle an dem Buch, das ein Thriller sein will, aber weit mehr als das ist. Es geht auch um Politik, aber vor allem um von der Politik geduldeten, wenn nicht sogar tolerierten Menschenhandel. Die Kapitel sind mit zwei bis sieben Seiten kurz und knackig gehalten – wenn es spannender wird, wird es seitenmäßig meistens enger, was allerdings gar nicht nötig wäre.

Es ist mein erster B.C Schiller und mir war auch nicht bewusst, dass es sich hier um ein österreichisches Schreiberduo handelt, denn am Schreibstil erkennt man es nicht – wohl aber an der Verortung der Handlung, die im oberösterreichischen Linz spielt. Die Ausdrucksweise in den Dialogen ist allerdings eher an ein deutsches Publikum gerichtet, denn oberösterreichischer bzw. österreichischer Dialekt findet im Buch keinen Eingang. Auch bei den Namen der Charaktere, die Jan, Karen, Urs oder Franka heißen, sind eher nicht österreichisch. Nur der eingecoolte Tony, der eigentlich Anton heißt, aber doch von allen nur beim Nachnamen Braun genannt wird, lässt erahnen, dass wir uns nicht in einer deutschen Großstadt befinden.

Oberinspektor und Chefermittler Braun tritt als typischer Österreicher auf, ist tendenziell grumpy unterwegs, mit einem leichten Hang zum Alkoholismus. Abgesehen davon hat er ein Aggressionsproblem, das in manchen Situationen auch zu Eskalationen führen kann. Er trägt gerne Springerstiefel, die allerdings kein politisches Statement sind – generell ist Braun wohl die unpolitischste Figur im ganzen Buch
Seine Kollegin ist Franka Morgen. Die 24-jährige und Jahrgangsbeste auf der Polizeiakademie ist durch und durch sympathisch, wenn zunächst auch etwas geheimnisvoll, was sie aber sehr interessant macht. Sie hilft mehrmals die Woche in einer Obdachlosenunterkunft aus und träumt von der Moto Guzzi, die schon seit Ewigkeiten beim nahegelegenen Gebrauchtwagenhändler steht.

Was mir beim Charakter Jan, der oben bereits namentlich erwähnt wurde und der Braun immer wieder bei Recherchen hilft, aufgefallen ist: Er sitzt im Rollstuhl und wohnt in einem Kellerloft, welches nur über Stufen erreichbar ist (logisch, weil Keller) – nur: wie kommt er da hinein oder hinaus? Offensichtlich lebt er alleine, hat keine Heimhilfe oder etwas ähnliches. Also wie macht er seine Einkäufe, Amtswege, was weiß ich? Diese Erklärung fehlt mir, auch wenn Jan nicht der wichtigste Charakter in der Geschichte ist – der unwichtigste allerdings auch nicht.

Etwas seltsam mutet eine Szene an, in der eine Vernehmung auf dem Dach der „Schwarzen Halle“ - wie das Kommissariat durchgängig genannt wird – stattfindet. Das erinnert eher an Szenen aus einem schlechten Krimi. Der Showdown am Ende war mir persönlich etwas zu theatralisch und wirft mehr Fragen auf als er beantwortet. Mehr dazu im SPOILER-Beitrag.

„Rattenkinder“ hat mich dennoch von Beginn an positiv überrascht; es ist eine durchwegs lebhafte und spannende Geschichte, die nicht zu aufgesetzt wirkt, aber leider ein paar Authentizitätsprobleme birgt. Ich denke, eine Prise Dialekt würde der Geschichte nicht schaden, und vermutlich hätte auch das deutsche Publikum kein Problem damit.

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168 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

thriller, roma, menschenhandel, rattenkinder, ratten

Rattenkinder

B. C. Schiller
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 08.10.2015
ISBN 9783404172641
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gleich zu beginn des Romans passieren einige Dinge. Da ist einerseits Jan Maly, der nach einem Jahr in der Psychiatrie wieder spricht und Braun einen Zettel überreicht, auf dem sich Koordinaten und ein Blutstropfen nebst einer aufgemalten Parkbank befinden. Da ist ein Mord und da ist ein fast verunglücktes Baby. Und das sind nur die ersten 50 Seiten – aber in dieser Rasanz geht es weiter, und das ist das tolle an dem Buch, das ein Thriller sein will, aber weit mehr als das ist. Es geht auch um Politik, aber vor allem um von der Politik geduldeten, wenn nicht sogar tolerierten Menschenhandel. Die Kapitel sind mit zwei bis sieben Seiten kurz und knackig gehalten – wenn es spannender wird, wird es seitenmäßig meistens enger, was allerdings gar nicht nötig wäre.

Es ist mein erster B.C Schiller und mir war auch nicht bewusst, dass es sich hier um ein österreichisches Schreiberduo handelt, denn am Schreibstil erkennt man es nicht – wohl aber an der Verortung der Handlung, die im oberösterreichischen Linz spielt. Die Ausdrucksweise in den Dialogen ist allerdings eher an ein deutsches Publikum gerichtet, denn oberösterreichischer bzw. österreichischer Dialekt findet im Buch keinen Eingang. Auch bei den Namen der Charaktere, die Jan, Karen, Urs oder Franka heißen, sind eher nicht österreichisch. Nur der eingecoolte Tony, der eigentlich Anton heißt, aber doch von allen nur beim Nachnamen Braun genannt wird, lässt erahnen, dass wir uns nicht in einer deutschen Großstadt befinden.

Oberinspektor und Chefermittler Braun tritt als typischer Österreicher auf, ist tendenziell grumpy unterwegs, mit einem leichten Hang zum Alkoholismus. Abgesehen davon hat er ein Aggressionsproblem, das in manchen Situationen auch zu Eskalationen führen kann. Er trägt gerne Springerstiefel, die allerdings kein politisches Statement sind – generell ist Braun wohl die unpolitischste Figur im ganzen Buch
Seine Kollegin ist Franka Morgen. Die 24-jährige und Jahrgangsbeste auf der Polizeiakademie ist durch und durch sympathisch, wenn zunächst auch etwas geheimnisvoll, was sie aber sehr interessant macht. Sie hilft mehrmals die Woche in einer Obdachlosenunterkunft aus und träumt von der Moto Guzzi, die schon seit Ewigkeiten beim nahegelegenen Gebrauchtwagenhändler steht.

Was mir beim Charakter Jan, der oben bereits namentlich erwähnt wurde und der Braun immer wieder bei Recherchen hilft, aufgefallen ist: Er sitzt im Rollstuhl und wohnt in einem Kellerloft, welches nur über Stufen erreichbar ist (logisch, weil Keller) – nur: wie kommt er da hinein oder hinaus? Offensichtlich lebt er alleine, hat keine Heimhilfe oder etwas ähnliches. Also wie macht er seine Einkäufe, Amtswege, was weiß ich? Diese Erklärung fehlt mir, auch wenn Jan nicht der wichtigste Charakter in der Geschichte ist – der unwichtigste allerdings auch nicht.

Etwas seltsam mutet eine Szene an, in der eine Vernehmung auf dem Dach der „Schwarzen Halle“ - wie das Kommissariat durchgängig genannt wird – stattfindet. Das erinnert eher an Szenen aus einem schlechten Krimi. Der Showdown am Ende war mir persönlich etwas zu theatralisch und wirft mehr Fragen auf als er beantwortet. Mehr dazu im SPOILER-Beitrag.

„Rattenkinder“ hat mich dennoch von Beginn an positiv überrascht; es ist eine durchwegs lebhafte und spannende Geschichte, die nicht zu aufgesetzt wirkt, aber leider ein paar Authentizitätsprobleme birgt. Ich denke, eine Prise Dialekt würde der Geschichte nicht schaden, und vermutlich hätte auch das deutsche Publikum kein Problem damit.

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68 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 20 Rezensionen

drogen, vergiftung, tod, england, eifersucht

Weil du lügst

Sophie McKenzie , Ursula Pesch , Friedrich Pflüger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.04.2016
ISBN 9783453419605
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gleich der Einstieg in das Buch ist brisant, Rose, Emilys große Schwester und späterer Mutterersatz beobachtet ihren Vater dabei, wie er mit einer fremden Frau schläft – dieser Vorfall bildet Roses Charakter nachhaltig. Am Ende des ersten Kapitel sind die Eltern tot, was sich nicht nur darauf auswirkt, dass Rose die Erziehung übernimmt – auch Emilys Entwicklung wirkt sich stark auf das Aufwachsen ohne Eltern aus. Nur bei Martin, Roses und Emilys Bruder, merkt man keine wirklichen Auswirkungen durch den tragischen Verlust. Danach wechselt man in die eigentliche Geschichte und schlüpft in die Rolle Emilys. Dazwischen werden immer wieder Rückblicke eingestreut, die aus Roses und vor allem Dee Dees Sicht erzählt werden. Insgesamt hat das Buch fünf Teile, die allerdings nur teilweise als Zäsur zu sehen sind – gerade gegen Ende geht die Handlung zwischen den Teilen nahtlos weiter, nachdem man eine kurze Reise in die Jahre 1992 bis 2004 unternimmt und Rose bei der Erziehung ihrer Geschwister über die Schulter schaut. Der Rest spielt im Zeitraum zwischen Sommer 2014 bis Anfang 2015, die meiste Zeit davon im Dezember 2014.

Emily scheint eine recht hübsche 33-jährige Frau zu sein, wie sie genau aussieht, darf man sich selbst ausmalen, da überlässt uns McKenzie unserer Fantasie. Aber obwohl sie so hübsch ist, mutet es etwas seltsam an, dass sie bisher lediglich sechs Sexualpartner hatte – möglicherweise ist das Roses Erziehung geschuldet, die von Emily als prüde beschrieben wird. Dass das mit ihren oben beschriebenen Beobachtungen zu tun haben könnte, kann sie nicht wissen, weil sie davon nie erfahren hat. Ansonsten ist Emily eine sehr passive Person, die im wesentlichen von den Menschen in ihrem Umfeld geleitet wird und so gut wie nie selbst die Initiative ergreift – das ändert sich im Verlauf der Geschichte allerdings, was dann doch eine willkommene Abwechslung ist. Dennoch fragt man sich, wieso sie Jed, den Anwalt mit offenbar einigem auf der hohen Kante, heiraten möchte – auch wenn sie sagt, dass sie Jed liebt, erfährt man als Leser nie wirklich, wieso und könnte dadurch zum Schluss kommen, dass es primär wegen dem auf der hohen Kante ist – aber selbst das lässt sich nie zweifelsfrei verifizieren.

Irgendwann im Laufe der Geschichte betritt dann Dan, Emilys Ex die Bühne, und das tut dem Plot richtig gut. McKenzie baut ab dann nämlich zwei Fronten auf: jene, die für Dans Theorie, nach der Dee Dee umgebracht worden sein könnte und jene, die dagegen spricht – und da ist man auch als Leser gefordert, denn gerade als Außenstehender ist man hin- und hergerissen zwischen den zwei Fronten. Emily selbst ist in dieser Hinsicht so gut von McKenzie gezeichnet, dass sie jetzt nicht den aller sympathischsten Eindruck macht, weshalb man sich, obwohl man als Leser in die Rolle Emilys schlüpft, nicht automatisch auf ihre Seite schlägt. Allerdings weiß man bei ihr nie wirklich, ob sie so selbstlos ist, wie sie es sagt („Ich will Gerevhtigkeit für Dee Dee“) oder ob sie aus Selbstschutz den Fall aufklären will - immerhin geht sie davon aus, dass es ein fehlgeschlagener Mordanschlag ist, die Theorie trichtert ihr Dan immerhin glaubhaft ein.

Und dann ist da noch der Strang um Dee Dee, der aus einem Videotagebuch besteht, in dem sie primär über Alltagsprobleme eines Teenagers erzählt, die so gesehen nicht wirklich interessant anmuten – allerdings ist es so authentisch rübergebracht, dass man sich fast selbst in Teenagerzeiten zurückversetzt fühlt. Die Kapitel selbst werden in jeweils kleinen Häppchen mit zwei bis drei Seiten serviert. Der Übergang zwischen diesen und Emilys Kapitel ist allerdings nicht immer einfach, weil beide Stränge aus der Ego-Perspektive erzählt werden, weshalb man im Kopf etwas braucht, um nach Dee Dees Kapiteln wieder auf erwachsen umzuschalten.

„Weil du lügst“ ist ein gefühlsbetonter Roman, von einer Frau, über eine Frau, aber keineswegs ausschließlich für Frauen, sondern lässt sich auch als Mann sehr gut lesen. Zunächst eher gemächlich nimmt die Geschichte ab der Hälfte ziemlich an Tempo zu und lässt einem ab da nur mehr wenige Atempausen.

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123 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 36 Rezensionen

rache, psychothriller, sklaverei, minette walters, sklavin

Der Keller

Minette Walters , Charlotte Breuer , Norbert Möllemann
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.04.2016
ISBN 9783442484324
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Wer bei „Der Keller“ einen fulminanten Thriller erwartet, erwartet etwas falsches. Der Roman ist eher als Drama im Thrillermantel zu sehen, bei dem man lange nach Spannung suchen und sie doch nicht finden wird. Allzu schlecht ist das Buch trotzdem nicht, denn es ist interessant zu lesen, wie sich die vom Leben gebeutelte Muna, die einst von ihrer jetzigen „Prinzessin“ heimtückisch aus einem afrikanischen Waisenhaus entführt wurde, langsam emanzipiert und endlich leben darf. Und bei diesem Weg in die Freiheit begleitet man Muna, die so behandelt wird wie eine Natascha Kampusch dazumal, in einem dunklen Keller hausen muss und regelmäßig vom „Master“, wie der Hausherr Ebuka genannt wird, vergewaltigt wird. Nur dass die Geschichte von Muna mit der Zeit immer drastischer wird und in der nach und nach alle Familienmitglieder verschwinden.

Die Dialoge in der hauseigenen Sprache Haussa, die darauf zurückschließen lassen, dass die Songolis vermutlich aus Nigeria kommen, werden nicht als solche gekennzeichnet, was auch bedeuten könnte, dass die Gespräche entweder gar nicht stattfinden oder nur in Munas Gedanken. Ganz nachvollziehbar ist diese nicht-Kennzeichnung jedenfalls nicht. Auch ist nicht nachvollziehbar, wieso Muna offensichtlich perfekt englisch spricht, obwohl im Buch mehrmals die Rede davon ist, dass sie lediglich wichtige Phrasen, die ihr bei einer Befreiung helfen sollen, mühsam in ihrem Verlies geübt hat. Das hätte die Autorin glaubwürdiger vermitteln können.

Aber bei diesen Ungereimtheiten bleibt es ja leider nicht. Muna ist anscheinend ein sehr kluges Mädchen, okay, geschenkt, aber ein Smartphone perfekt bedienen zu können, nachdem man es nur einmal gesehen hat, sich eine 16-stellige Nummer zu merken, ohne Zahlen lesen zu können, sondern nur anhand der Bewegungen – das ist unmöglich und einfach nicht glaubwürdig. Dazu kommt, dass Muna mehrmals die Chance hat, ihre so lange im Keller geübten Hilferufe in die Tat umzusetzen, aber sie einfach nicht nutzt. Wieso nicht? Nur weil die Menschen nicht schwarz sind? Schwarze Menschen traktieren und vergewaltigen mich jahrelang und dann traue ich den Weißen nicht? Mir ist in der Situation doch scheißegal, ob die Leute Schwarz, Weiß, Violett der einarmig sind, ich will einfach nur weg von da! Dazu kommt, dass es quasi kein Ende gibt. Zwar liest man einen Brief der Nachbarin, die ab der Hälfte in die Geschichte einsteigt, aber was die Konsequenz daraus ist oder ob sie ihn überhaupt abschickt, bleibt offen.

Dennoch: Auch wenn es ziemlich viele Ungereimtheiten gibt, ist „Der Keller“, wenn nicht gerade ein Thriller, dann doch eine interessante Sozialstudie mit interessanten, aber nicht unvorhersehbaren Ereignissen. Kann man lesen, muss man aber nicht gelesen haben. Warum dann trotzdem drei Hände? Weil es nichtsdestotrotz gut zu lesen ist und der Charakter Muna ein sehr interessanter ist.

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