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23 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

familiengeschichte, hala alyan, nablus, palästina

Häuser aus Sand

Hala Alyan , Michaela Grabinger
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.06.2018
ISBN 9783832198558
Genre: Romane

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

berlin, leben, schnee, winter, wolf

An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Roland Schimmelpfennig
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 14.12.2017
ISBN 9783596034765
Genre: Romane

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82 Bibliotheken, 19 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

dystopie, gewinn, größenwahn, hardcover, flucht

Hier ist es schön

Annika Scheffel
Fester Einband: 389 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.05.2018
ISBN 9783518427941
Genre: Romane

Rezension:

Annika Scheffel hat einen besonderen Roman vorgelegt, in den sie eine Menge Themen gepackt hat. Dieses Werk ist so vieles, eine Mischung aus Dystopie und Roadtrip, die Mahnung, unsere Erde besser zu schützen, Kritik an Reality Shows und totaler Überwachung. 

Ein Buch, auf das ich lange gewartet hatte, dessen Idee und Potenzial ich hervorragend finde, das aber meiner Meinung nach leider, leider sowohl sprachlich als auch inhaltlich nicht ganz rund ist und das für mich sehr schwer einzuordnen ist. Trotzdem hat es mir interessanterweise doch gefallen.

 

Mit Hilfe einer Reality Show werden zwei junge Menschen auserwählt, Irma und Sam, um einen neuen Planeten neu zu besiedeln und dadurch die Menschheit zu retten. Die Geschichte spielt in einer nicht näher benannten, relativ nahen Zukunft. Die Erde ist nach mehreren, vage bleibenden Katastrophen, nahezu unbewohnbar geworden, das Ökosystem nicht mehr zu retten. Zehn Jahre lang werden Irma und Sam noch auf der Erde für ihre Mission ausgebildet, bevor die Reise losgehen soll. Kurz vor dem Start beschleichen Sam Zweifel und die beiden verlassen ihr abgeschlossenes System, auf der Suche nach einer geheimnisvollen Insel.

 

Besonders die ersten 60 Seiten haben mir sehr gut gefallen, da hier an Hand von Briefen von Irmas Eltern und Freunden in die Geschichte eingeführt wird. Es ist hier sehr berührend zu lesen, wie sehr ihre Angehörigen als Zurückbleibende leiden. Auch weil sie die ganze Mission von Anfang an sehr kritisch beurteilen.       

"Lass die Kometen kommen, die Sonne verglühen, die Menschheit völlig den Verstand verlieren und die scheiß Flüsse aufwärts fließen, hier ist es schön." Seite 16

Im weiteren Verlauf lässt das sprachliche Anspruchsniveau leider etwas nach, fast könnte man an einen Jugendroman denken, wozu auch das Alter der beiden leider nicht so recht sympathischen Protagonisten passen würde.

 

Die Autorin hat hier eine höchst beunruhigende Zukunftsvision kreiert und am Ende lässt sie den Leser ratlos zurück. Technische Aspekte sind ihr scheinbar nicht so wichtig, vieles erfahren wir nicht. Vieles ist auch einfach nicht logisch oder nachvollziehbar. Aber darum geht es ihr wohl nicht. Es geht wohl mehr um zwischenmenschliche Aspekte. Vielleicht führt der Roman vor Augen, was Heimat ist bzw. sein kann, und zwar indem er dem Leser den Gegenentwurf einer nicht mehr lebenswerten Heimat präsentiert. Aber das ist nur ein Interpretationsversuch von vielen möglichen, denn Spielraum bleibt hier viel.

 

Trotz allen Widrigkeiten und Kritikpunkten konnte mich die Geschichte emotional packen, habe ich mitgefiebert, mit den Protagonisten und mit Irmas Angehörigen. Und ich bleibe nachdenklich zurück. Das ist wohl die Absicht dieses Werkes.

Und, ja, hier ist es schön, vor allem nach dieser Lektüre. Es ist auch eine Frage des Blickwinkels.

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

usa, melancholie, roman, nacht, metaphern

Nichts als die Nacht

John Williams , Bernhard Robben
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423281294
Genre: Romane

Rezension:

Diese schmale Novelle umfasst gerade mal 148 Seiten und ist das Erstlingswerk des Autors von "Stoner". Wie im Klappentext verraten wird, entstand das Werk nach einem Flugzeugabsturz im Dschungel, wo er wochenlang schwer verletzt festsaß.

 

Arthur Maxley bezeichnet sich selbst als Träumer und Außenseiter. Mit Sicherheit ist er keine Identifikationsfigur, nicht mal für sich selbst. Von einem Kindheitstrauma schwer gezeichnet, lässt er sich in seinem Leben ziellos treiben, ohne darin zurecht zu kommen. Bereits auf den ersten Blick wirkt er alles andere als normal. Wir begleiten ihn lediglich einen Abend und eine Nacht lang. Maxley entschließt sich zu einem Treffen mit seinem Vater, zu dem er ein unausgesprochen belastetes Verhältnis hat und das ungut und abrupt endet. Mit steigendem Alkoholpegel und der Gesellschaft einer flüchtigen Bekanntschaft nähert sich die Geschichte unaufhaltsam einem dramatischen Höhepunkt.

 

In diesem frühen Werk von John Williams ist bereits das große Erzähltalent erkennbar, die Fähigkeit Situationen zu beschreiben und Emotionen rüberzubringen. So herrscht eine düstere, unheilschwangere Atmosphäre vor, die in mitreißenden Bildern transportiert wird. Der Leser ahnt, dass Schreckliches passieren muss, dass die angestauten, unterdrückten Gefühle des Protagonisten irgendwann außer Kontrolle geraten müssen und sich dann entladen werden, wie ein Gewitter.

 

"Jetzt aber stürzte die Erinnerung auf ihn ein wie eine Flut, die zu lange aufgestaut und zurückgehalten worden war, wodurch sie schrecklich an Kraft und Wucht gewonnen hatte." Seite 41

 

Dieses kleine Büchlein lässt mich vor allem durch seine sprachliche Brillanz, begeistert zurück. Ein ganz großes, absolut lesenswertes Debüt eines leider bereits verstorbenen Autors. Seine restlichen vorliegenden Romane werde ich mir noch besorgen.


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28 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

band 3, fortsetzung, serie

Der rote Stier

Rex Stout , Conny Lösch , Jürgen Dollase
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 21.04.2018
ISBN 9783608981124
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der vorliegende Band von Rex Stout ist im Original bereits 1939 erschienen. Es handelt sich hierbei um einen klassischen amerikanischen Kriminalfall. Der Verlag Klett-Cotta hat hiermit bereits den dritten Fall um den Privatdetektiv Nero Wolfe neu aufgelegt, in einer ansprechenden, nostalgischen Ausführung. Im Anhang gibt es noch kulinarische Anmerkungen sowie ein Archiv. Insgesamt macht das Buch einen positiven, hochwertigen Eindruck. Bei der Beurteilung muss man jedoch die entsprechende Zeit berücksichtigen.

 

Der Restaurantbesitzer Pratt hat den teuersten Zuchtbullen der USA gekauft, um ihn werbewirksam seinen Gästen als Steak zu servieren. Auf dem Weg zu einer großen Orchideenausstellung, ist Privatdetektiv Nero Wolfe zufällig vor Ort, als ein Mann tot in der Koppel des Stiers aufgefunden wird. Auf den ersten Blick fällt der Verdacht auf den Stier, doch der Chefermittler ist sofort sicher: der Stier war unschuldig. Gemeinsam mit seinem Assistenten Archie Goodwin nimmt er die Ermittlungen auf. Soweit die Handlung.

 

Der stark übergewichtige Privatdetektiv Nero Wolfe hat einen exzellenten und vorauseilenden Ruf. Auf traditionelle Art und Weise, aber mit vortrefflichem Spürsinn und Auge fürs Detail, nimmt er die Spur auf. Hier muss man allerdings erwähnen, dass der sehr arrogant und zynisch wirkende Wolfe zwar der denkende Part ist, er aber beinahe sämtliche Ausführungen seiner Pläne und Ermittlungen seinem frauenfeindlichen Assistenten überlässt. Leider fand ich beide Ermittler sehr unsympathisch und konnte mit keinem von beiden warm werden.

 

Auch von der Erzähltechnik hätte ich mir etwas mehr Raffinesse oder auch nur Abwechslung gewünscht. Zum großen Teil fand ich die Handlung doch recht eintönig und die Gespräche langatmig. Leider konnte mich dieser Krimi nicht wirklich fesseln. Auch die Auflösung war dann keine große Überraschung für mich.

Nichtsdestotrotz ein angenehmer Ausflug in eine Zeit, in der die Kriminalistik noch in ihren Anfängen steckte. Die beiden anderen bereits neu aufgelegten Bände werde ich aber wohl nicht mehr lesen.

  

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

90er jahre, autobiographisch, banal, band, episodenartig

Der Abfall der Herzen

Thorsten Nagelschmidt
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 22.02.2018
ISBN 9783103973471
Genre: Romane

Rezension:

 Wir alle haben Erinnerungen ein ganz persönlich wichtiges Jahr. Das Jahr nach dem Abi beispielsweise, als das Gefühl der Freiheit groß und die Zukunftssorgen gering waren. Trotzdem eine Zeit, die einen geprägt hat und in der Weichen gestellt wurden. Eine Zeit, an die man meist gerne, oder mit gemischten Gefühlen zurückdenkt. Für den Autor, genannt Nagel, ist dies der Sommer 1999.

 

Mit einer einfachen Frage an seinen langjährigen Freund beginnt für Nagel eine Spurensuche in seine Vergangenheit:

"Wann hast du eigentlich aufgehört, mich zu hassen?" - "Als du mir den Brief geschrieben hast." - "Was für einen Brief?"

Er kramt seine alten Tagebücher (Kladden) aus dem Sommer 1999 hervor, denen er damals alles anvertraut hatte. 

"Es ist, als hätte eine unsichtbare Hand mich am Kragen gepackt und in diese Bücher hineingezogen, in den Sommer vor 16 Jahren. Der Sommer, in dem unsere Welt in 1000 Teile zerbrach, die sich nie wieder zu einem Ganzen fügten." Seite 12

 

Obwohl ich wenige Jahre jünger bin als der Autor, der vor diesem eindeutig autobiografischem Roman bereits Bücher unter dem Namen Nagel veröffentlicht hat, habe auch ich Erinnerungen an das Jahr 1999 - die Sonnenfinsternis, und vieles mehr.

Nagel hatte schon eine besonders bewegte und richtungslose Jugend, von Alkohol, Partys, Sex, auch Drogen, WG-Leben, Geldsorgen hat er kaum etwas ausgelassen. Trotzdem hat er immer seine Tagebücher, Kladden geführt, gerade in Zeiten von Liebeskummer exzessiv.

 

Gerade am Anfang des Romans habe ich etwas damit gehadert. Was gehen mich die Jugenderinnerungen eines Fremden an? Wo bleibt der Anspruch? An die recht umgangssprachliche Ausdrucksweise musste ich mich erst einmal gewöhnen. Insbesondere bei den anfänglichen Vorstellungen der WG-Mitbewohner wirkte der Ton extrem unbeholfen und gezwungen. Hat mich etwas an einen Schulaufsatz erinnert. Doch das wurde mit der Zeit immer besser.

 

Denn dann hat mich das Buch doch noch erwischt. Es entwickelte einen regelrechten Sog und ich wollte wissen, wie es mit Nagel und seinen Kumpels und seinen beiden Lieben weitergeht. Was ist damals passiert? Wie einzelne Puzzleteilchen füllt Nagel seine Erinnerungslücken, die durch die Kladden nicht vollständig gefüllt werden konnten. 16 Jahre nach dem bedeutsamen Sommer ruft er Weggenossen von damals an, schreibt ihnen E-Mails und trifft sich mit ihnen. Die zusammengetragenen Informationen passen nicht immer genau zusammen. Es ist eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt, und gerade durch die lockere, einfache Sprache, teils im Umgangston, teils im Jugendslang hat sie etwas unnachahmlich authentisches. Und vielleicht habe ich genau hier den Anspruch gefunden, den ich gesucht hatte: sich auf die Sprache und die Gedankenwelt von Anfang 20-jährigen einzulassen, die selbst noch nicht wissen, was sie vom Leben eigentlich erwarten.

 

Nagel spielt in einer zugegebenermaßen versifften Band und so tauchen immer wieder Musikstücke und Songtexte aus der Zeit auf. Das hat mir sehr gut gefallen, es gibt dem Buch einen gewissen "Sound".

 

Am Ende handelt es sich bei diesem Buch um eine gut gemachte Mischung aus Coming-of-Age-Roman und Spurensuche in der eigenen Vergangenheit. Nach leichten Gewöhnungsschwierigkeiten hat es mir sehr gut gefallen, ich kann mir aber vorstellen, dass nicht jeder etwas damit anfangen kann.

 

 

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

christliches buch, erstleser, erstlesergeschichten, fibelschrift, juliane jacobsen

Leni und das Eichhörnchen

Juliane Jacobsen , Tanja Husmann
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei SCM R. Brockhaus, 20.02.2018
ISBN 9783417287974
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ein wunderschönes Erstlese- bzw. Vorlesebuch mit wirklich sehr kurzen Passagen zum Selberlesen und christlichem Hintergrund.

 

Bei einem Spaziergang im Wald findet Leni ein kleines Eichhörnchenbaby, das aus dem Kobel gefallen sein muss. Gemeinsam mit ihrer Mutter nimmt sie es mit nach Hause um es zu versorgen. Hilfe holen sie sich unter anderem bei der Eichhörnchenhilfe. Währenddessen scheint der Nachbarsjunge Fabian mit seiner Schleuder den Vögeln nach dem Leben zu trachten.

 

Der kleine Leser erfährt kindgerecht viel Wissenswertes über die Aufzucht von Eichhörnchen, auch dass es sich bei diesen um keine Haustiere handelt. Untermalt sind diese Informationen durch wunderschöne, farbige Bilder. Das kleine Eichhörnchen ist wirklich total süß und auch Leni hat einen hohen Wiedererkennungswert.

Leni besucht am Sonntag den Kindergottesdienst und lernt in einem Gleichnis etwas Wichtiges über Vergebung. So spielen auch christliche Werte immer wieder eine wichtige Rolle, genauso wie der Natur- und Tierschutz. Es geht nicht nur um Eichhörnchen, sondern auch um Vögel und deren Bedürfnisse.

 

Diese Geschichte zum abwechselnden Lesen hat uns wirklich sehr gut gefallen und wir werden sie gerne weiterempfehlen!

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35 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

paris, new york, liebe, roman, krankheit

Nach dem Winter

Guadalupe Nettel , Carola Fischer
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Blessing, 05.03.2018
ISBN 9783896676139
Genre: Romane

Rezension:

Es ist kein einfaches Unterfangen, diesen Roman zu beschreiben. Bereits die Inhaltsangabe macht mir Schwierigkeiten. Eigentlich ist die Handlung nämlich nicht außergewöhnlich. Es geht um zwei recht spezielle Personen, Claudio und Cecilia. Claudio stammt aus Kuba, lebt und arbeitet in New York, bis es ihn nach Paris verschlägt, wo er schließlich auf Cecilia trifft. Cecilia ist aus Mexiko nach Paris gekommen, um dort zu studieren. Zwischen den beiden entspinnt sich eine besondere Liebesgeschichte. 

 

Insbesondere Claudio schafft es nicht, irgendwelche Sympathien des Lesers auf sich zu ziehen. Er liebt die Stille und Ordnung. Sein Frauenbild ist katastrophal, so hält er sie für Menschen zweiter Klasse und hat sie am liebsten sehr devot. Auch seine Sexualvorstellungen sind gewöhnungsbedürftig.

"Manchmal sehne ich mich nach einer Familie, nach einer stillen, zurückhaltenden Frau und einem - vorzugsweise stummen - Kind." Seite 11

 

Cecilia wirkt recht unsicher und kommt in der großen Stadt Paris nur sehr schlecht zurecht. Sie igelt sich ein und vernachlässigt sich selbst und ihre Wohnung. Sie hat regelrecht Angst vor fremden Menschen.

 

Das interessante an dieser Liebesgeschichte ist, dass man als Leser ahnt, dass das nicht gut gehen kann, und beinahe hofft, dass die beiden nicht zusammenkommen. Eine düstere, fast gruselige Grundstimmung liegt zugrunde. Sämtliche Hauptpersonen haben eine seltsame Affinität zu Friedhöfen. Man hat das Gefühl, eine Katastrophe ist unvermeidlich.

"Die Möglichkeit zu sterben kann nur einen Menschen bekümmern, der den starken Wunsch hat zu leben." Seite 111

 

Anders als der Klappentext vermuten lässt, geht es nicht in erster Linie um eine (Liebes-)Geschichte zwischen Claudio und Cecilia, sondern um mehrere Beziehungsgeschichten. Im Vordergrund steht die Beschreibung und Entwicklung der recht eigenwilligen Charaktere. Obwohl ich diese recht interessant fand und mir auch die Sprache gut gefiel, konnte mich dieser Roman im Ganzen nicht so recht überzeugen und berühren. Besonders im ersten Teil hatte ich oft das Gefühl, dass der Plot etwas mager sei und mir der Zugang fehle. Gegen Ende hat mir die Geschichte besser gefallen. Ich glaube, dass es ein gutes Buch ist, nur für mich leider zur falschen Zeit kam.

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67 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 57 Rezensionen

arktis, spitzbergen, umweltschutz, gletscher, eis

Das Eis

Laline Paull , Dorothee Merkel
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Tropen, 31.03.2018
ISBN 9783608503524
Genre: Romane

Rezension:

"Die Arktis ist beides. Friedlich und Furchterregend. Sie ist erhaben." Seite 161

 

Dieses Buch ist nichts für Leser, die aufgrund des Covers oder des Klappentextes eine oberflächliche Geschichte über eine Expedition in der Arktis erwarten. Tatsächlich befasst sich ein großer Teil des Romans mit der gerichtlichen Untersuchung eines Unglücksfalls, unterbrochen immer wieder durch Rückblenden zum damaligen Geschehen. Außerdem ist nach jedem Kapitel eine Sequenz aus einer früheren, tatsächlichen Arktis-Expedition eingeschaltet. Diese haben zwar auf den ersten Blick nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun, mir haben sie dennoch sehr gut gefallen, weil sie mir die Stimmung nähergebracht haben.

 

"Das Eis" spielt in relativ naher Zukunft. Der Klimawandel hat sich fortgesetzt, sogar beschleunigt. Es gibt Sandstürme in London, die Arktis ist zu großen Teilen eisfrei und schiffbar. Die Eisbären sind beinahe ausgestorben. Sean Cawson hat mit seinem besten Freund Tom Harding eine alte Walfangstation auf Spitzbergen gekauft und einen Aufenthaltsort für die Reichen, Midgard Lodge, geschaffen. Doch dann geschieht bei einer Expedition ein Unglück und drei Jahre später wird beim Kalben eines Gletschers Toms Leiche freigegeben. Eine gerichtliche Untersuchung soll die genauen Todesumstände klären.

 

Sean ist nicht gerade eine sympathische Hauptfigur, doch er ist fasziniert von der Arktis, geradezu besessen und beseelt von dem Wunsch diese Gegend und ihre Natur zu schützen und darin wirkt er durchaus authentisch. Genauso wichtig aber ist ihm finanzieller Erfolg. Er hat einen bemerkenswerten Aufstieg geschafft und ist reich geworden, doch das reicht ihm noch immer nicht aus. Die wichtigste Zielsetzung von Midgard: "einen inspirierenden Ort zu schaffen, an dem die Versöhnung von Unternehmertum und ökologischer Verantwortung gefördert wurde." Seite 268 

Im Zuge der Vernehmungen wächst der Druck auf Sean. Er ist nach wie vor traumatisiert und zweifelt an sich selbst.

Bemerkenswert an diesem Roman fand ich, dass hier eine Autorin, also eine Frau, einen männlichen Protagonisten beschreibt. An mehreren Stellen ist mir hier aufgefallen wie hervorragend sie die Gefühlswelt am Abgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung beschreibt. Das empfand ich als sehr intensiv und extrem gut gelungen.

 

Eine klare Leseempfehlung für dieses besondere Arktis-Buch, in dem die Autorin die Interessen des Klimaschutzes  denen der allgegenwärtigen Profitgier gegenüberstellt. 

 

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

niederbayern, regionalkrimi, straubing, zwiderwurzen, zyankali

Tod einer Zwiderwurzn

Ruth M. Fuchs , Ruth M. Fuchs
Flexibler Einband: 364 Seiten
Erschienen bei Raposa Verlag, 10.02.2018
ISBN 9783981802986
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich muss ja gestehen, dass ich für gewöhnlich einen großen Bogen um Regionalkrimis mache. Ich habe sie immer für oberflächlich, amateurhaft geschrieben und künstlich konstruiert gehalten. Dieser weckte nun doch mein Interesse, da die Handlung praktisch direkt vor meiner Haustür stattfindet und ich die Orte von daher sehr gut kenne. Was soll ich sagen, meine Vorurteile haben sich nicht bestätigt, ich bin begeistert!

 

Dieser Krimi spielt im Landkreis Straubing-Bogen und in der Stadt Straubing in Niederbayern. Im Geiselhöringer Freibad wird eine Frau vergiftet - Zyankali. Hauptkommissar Quirin Kammermeier nimmt die Ermittlungen auf, zusammen mit seiner Kollegin Sabine. Verdächtige gibt es genug, denn das Opfer war eine rechte Zwiderwurzn, wie der Titel bereits verrät, und hat sich mit ihrem Blog viele Feinde gemacht. Während das Ermittlerduo noch die Blogeinträge auswertet und Verdächtige befragt, geschieht bereits ein zweiter Mord.

 

Sowohl die Handlung als auch die Charaktere sind sehr vielschichtig und liebevoll gestaltet. Auch der Dialekt ist passend und authentisch, nicht übertrieben. Die Personen wirkten für mich durch ihre regionaltypische Ausdrucks- und Verhaltensweisen sehr liebenswert, fast wie Familienmitglieder. Auch wenn mir der Kriminalfall an sich gut gefallen hat, der gesamte Plot hervorragend recherchiert und schlüssig war, war mein persönliches Highlight doch das Vertraute meiner niederbayerischen Heimat, das die Autorin wirklich sehr gut rübergebracht hat.

 

Abgerundet wird der Krimi durch passenden, teils recht bissigen Humor in Verbindung mit bayerischen Kraftausdrücken - es waren Stellen dabei, da habe ich Tränen gelacht.

Diese Autorin werde ich im Auge behalten. Hoffentlich schreibt sie noch mehr Niederbayernkrimis.

 

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63 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

russland, moskau, 90er jahre, korruption, literatur

Blasse Helden

Arthur Isarin
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaus, 12.03.2018
ISBN 9783813507775
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman „Blasse Helden“ ist ein anspruchsvolles Debüt von Arthur Isarin. Dieser Name ist das Pseudonym eines in Deutschland geborenen Autors, der aber unter anderem in Russland und Kasachstan gearbeitet hat. Er thematisiert die chaotischen und korrupten 90er Jahre in Russland – ein bizarres Sittengemälde jener Zeit.

 

"Die Sowjetunion zerfiel gerade rapide, und Anton nahm die Herausforderung an, zu groß war die Verlockung nach all den Charakteren und ihren Geschichten in der Neuen Welt. Er war jetzt zweiunddreißig Jahre alt und hoffte, in der Öde des Ostens, die so verblüffend sein Lebensgefühl spiegelte, eine Leichtigkeit zu finden, die er, wie er sich in aufrichtigeren Momenten eingestand, nie erlebt hatte." Seite 11

 

Anton sucht in den 90er Jahren sein Glück im Osten, genauer in Moskau. Besonders reizen ihn das Geld und die Frauen, sowie die hohe russische Kultur. Politisch interessiert ist er eher weniger. So stürzt er sich unbedarft in diverse Abenteuer und in unzählige, ständig wechselnde Frauengeschichten, während er beruflich mit einer kaltblütigen Ader durchaus erfolgreich ist. Er lässt sich treiben und genießt die schönen Seiten des Lebens. Doch die politische Situation in Russland steht vor großen Umwälzungen, Jelzin wird gestürzt und Putin betritt bald die Bühne der Weltpolitik. Anton muss sich entscheiden.

 

Der Protagonist Anton ist nicht unbedingt ein Sympathieträger. Wie bereits der Titel vermuten lässt, bleibt er als Figur tatsächlich sehr blass. Er wirkt oberflächlich, austauschbar, ist nur auf sein Vergnügen aus. Sein Desinteresse der Politik gegenüber wirkt beinahe ignorant. Er ist kein Russe, fühlt sich aber auch nicht dazu verpflichtet sein Heimatland, Deutschland verbal zu verteidigen. Allerdings ist er durchaus selbstkritisch. So weiß er um seine Schwächen und Defizite und ist sich auch darüber im Klaren, dass er hier praktisch ohne Leistung ein luxuriöses Leben ohne Verpflichtungen führen kann, wie es anderswo nicht möglich wäre.

 

 Es ist keine leichte Lektüre, was nicht an der Sprache liegt, die durchwegs eingängig ist, aber ich für meinen Teil musste des Öfteren Wörter oder Begebenheiten nachschlagen. In jedem Kapitel werden neue Personen eingeführt, die genauso schnell wieder verschwinden. Genauso ist es mit den Handlungssträngen, von denen einige auch nicht aufgelöst werden.  Vor allem im Mittelteil kommt es dann doch zu erheblichen Längen. Dialoge wirken oft künstlich und konstruiert.

 

Nichtsdestotrotz fand ich das Thema und zum großen Teil auch die Umsetzung hochinteressant. Isarin spricht querbeet große russische Themen an, ein Querschnitt durch das Riesenreich, über Sibirien bis in die Ukraine. Mit Anton bereist der Leser verschiedene Stätten Russlands. Gerade durch die Augen des desinteressierten Ausländers werden besondere Sichtweisen möglich. Zur Abrundung werden viele russische Schriftsteller, Dichter und Politiker erwähnt um das Bild des damaligen Russlands komplett zu machen.

 

Nach Beendigung der Lektüre habe ich Bilder im Kopf wie nach einer Länder-/Reisedoku bei Phoenix.

Ich habe diesen Roman mit großem Interesse und wirklich gerne gelesen. Auch habe ich dabei einiges gelernt und das Meiste für glaubwürdig befunden, wenn auch zum Teil etwas überzeichnet.  Letztendlich blieben mir aber sowohl die Handlung, als auch die Protagonisten etwas zu blass, die Handlung zu vage.

 

 

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142 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 91 Rezensionen

kopenhagen, mord, thriller, krimi, manuskript

Krokodilwächter

Katrine Engberg , Ulrich Sonnenberg
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.03.2018
ISBN 9783257070286
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Einen Krimi zu schreiben ist ungefähr ähnlich schwierig wie der Versuch, einen Zopf aus Spinnweben zu flechten; tausend Fäden kleben an den Fingern und reißen, wenn man sich nicht konzentriert." Seite 333

Krokodilwächter ist das tiefgründige und vielschichtige Thriller-Debüt  einer dänischen Autorin, welches in ihrem Heimatland wochenlang auf den Bestsellerlisten stand. Es handelt sich um den ersten Fall einer vielversprechenden neuen Kopenhagen-Thriller-Serie.

Die junge Studentin Julie wird erstochen und mit zerschnittenem Gesicht in ihrer Wohnung aufgefunden. Jeppe Körner und Anette Werner von der Kopenhagener Mordkommission ermitteln. Was auf den ersten Blick  wie ein ganz gewöhnlicher Kriminalfall aussieht, entwickelt sich schnell zu einem rätselhaften Fall. Denn die emeritierte Professorin Esther de Laurenti hat nämlich genau diesen Mord in ihrem Romanmanuskript beschrieben. Doch wer kannte dieses Manuskript überhaupt? Die Geschehnisse überschlagen sich, denn der Täter scheint die Geschichte weiterzuschreiben und es gibt weitere Opfer.

Während die Handlung anfangs gemächlich anläuft, überzeugt das Buch bereits durch wechselnde Erzählperspektiven. Auch das Manuskript von Esther ist in einer anderen Schriftart abgedruckt. Dies erzeugt Spannung und lässt den Leser aus verschiedenen Sichtweisen mit den wichtigsten, sehr detailliert und liebevoll gezeichneten  Charakteren und dem Mordfall bekannt werden. Spätestens im letzten Drittel nimmt die Handlung rasant Fahrt auf und entwickelt sich zu einem echten Pageturner. Vor allem weil auch Entwicklungen und Hintergründe auftauchen, mit denen man am Anfang des Buches niemals gerechnet hätte. Die Autorin versteht es brillant die Spannung bis zum Schluss zu halten und die Handlungsstränge schlüssig zu verknüpfen und überraschend aufzulösen.

Reizvoll finde ich auch das Ermittlerpaar Anette und Jeppe. Beide sind sehr sympathisch und realistisch dargestellt. Als eingespieltes Team haben sie eine bewährte Aufgabenteilung entwickelt, trotzdem gibt es immer mal wieder Reibereien. Während Anette privat wunschlos glücklich ist, befindet sich Jeppe mitten in einer tiefen Lebenskrise. Von der Ehefrau verlassen, von Impotenz und Rückenschmerzen geplagt, befindet er sich nahe dem psychischen Abgrund. Durch seine Menschlichkeit finde ich besonders Jeppe sehr authentisch und sympathisch und würde gerne mehr von ihm lesen.

"Alkohol ist ein treuloser Liebhaber, so süß am Abend,  so grausam am Morgen danach." Seite 309

Alles in Allem ein absolut empfehlenswerter Thriller über die Macht des Schreibens und der Phantasie in gewohnter Diogenes-Qualität. Ich freue mich bereits um die hoffentlich bald folgenden Fälle mit Anette und Jeppe.



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116 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 65 Rezensionen

kunst, liebe, berlin, roman, künstler

Leinsee

Anne Reinecke
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.02.2018
ISBN 9783257070149
Genre: Romane

Rezension:

Anne Reinecke hat mit „Leinsee“ ihr Debüt, einen Künstlerroman vorgelegt. 

 

Karl ist der Spross einer Künstlerfamilie, allerdings ist er immer das dritte Rad am Wagen, denn seine Eltern sind sich selbst schon genug. Seine Kindheit und Jugend sind geprägt von Gefühlskälte und Bindungsarmut. Nach seinem Abschluss lässt er den Kontakt zu den berühmten Eltern dann ganz abreißen. Bis seine Mutter an einem Gehirntumor erkrankt und sein Vater sich erhängt. Karl reist zurück zur Villa am Leinsee, dem Ort an dem er immer sein wollte, aber nicht durfte, und muss sich seiner Vergangenheit stellen.

„Vielleicht blieb er einfach, weil ihn jetzt niemand mehr daran hindern konnte, in seinem Elternhaus zu wohnen.“ Seite 129

Kaum in Leinsee angekommen, bemerkt er ein achtjähriges Mädchen, welches immer wieder auftaucht und ihn scheinbar verfolgt. Schnell entsteht eine sehr besondere, auch merkwürdige Freundschaft zwischen den beiden.

„Seit Karl bemerkt hatte, dass Tanja ihn beobachtete, fiel ihm alles, was er machte, leichter. Es fiel ihm leichter, überhaupt irgendetwas zu tun, wenn die Möglichkeit bestand, dass sie ihm zusah. Ihr Blick hielt seine Konturen stabil.“ Seite 130

Karl ist zutiefst geprägt von seiner schwierigen Kindheit, die er zum größten Teil im Internat verbringen musste. Mit seinen sechsundzwanzig Jahren ist er immer noch auf der Suche nach einer eigenen Identität. Er lässt sich durchs Leben treiben, mit diversen Frauengeschichten, wobei immer die Frauen die Hosen anhaben. Auch zu seiner eigenen Kunst hat er ein sehr zwiespältiges Verhältnis. Hier wie dort lässt er sich sehr gerne fremdbestimmen. 

 

Neben der seltsamen Freundschaft zwischen Karl und Tanja ist ein weiteres wichtiges Thema die Kunst. Die Eltern, Ada und August Stiegenhauer, haben Asche und zerkleinerte Gegenstände in Harz eingeschlossen. Karl vakuumisiert Sachen. Darüber hinaus weiß er anfangs noch nicht, in welche Richtung seine künstlerische Tätigkeit gehen soll. Soll er sich am Namen und der Kunst seiner Eltern orientieren, oder wird er ausbrechen? Des Öfteren hatte ich das Gefühl, dass die Autorin hier auch den Kunstbetrieb generell auf die Schippe nimmt. Manche Szenen wirken wie eine Karikatur. Ganz sicher wurde ich mir darüber aber bis zum Schluss nicht. Vielleicht handelt es sich einfach nur um moderne Kunst.

 

An diesem Roman gab es einiges, was mir gut gefallen hat. Etwa die Kapitelüberschriften fand ich ganz besonders schön. Jedes Kapitel trägt den Namen einer Farbe, zum Beispiel „taubenblau“ oder „salamirot“. Diese Farbe taucht dann jeweils im entsprechenden Kapitel wieder auf.

Die Autorin erzählt ruhig mit einfacher Sprache und besticht mit liebevollen Details. Es gibt keine Längen, sie kommt immer direkt auf den Punkt. Die Beziehung zwischen Karl und Tanja kommt mit sehr wenigen Worten aus, in diesen spärlich gesäten Gesprächen kann der Leser aber trotzdem sehr starke Stimmungen wahrnehmen.

Die Figuren sind alle sehr interessant gezeichnet, die Handlung überrascht mit immer wieder neuen, unvorhersehbaren Wendungen.

 

Trotz aller Vorzüge dieses Romans, bin ich leider nicht ganz warm geworden damit. Die Protagonisten, allen voran Karl und Tanja, aber auch die beiden Frauen Mara und Alexandra, blieben mir leider fremd, sehr oft konnte ich ihr Handeln nicht verstehen, nicht einmal nachvollziehen. Meines Erachtens laufen die Handlungsstränge teils ins Leere. Begebenheiten, die im ersten Teil des Buches wichtig waren, werden später kaum noch erwähnt. Besonders in den letzten hundert Seiten des Romans ergeben sich Wendungen, die mir gar nicht zugesagt haben. Insgesamt war es in dieser Geschichte zu viel, das nicht gesagt wurde, zu viel Ungewissheit für den Leser. Bei anderen Romanen störte mich das bislang nicht, hier schon. Am Ende fehlte mir eine Botschaft.

 

Es ist ein netter Roman und ich habe ihn gern gelesen. Begeistern konnte er mich aber nicht.

 

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73 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 59 Rezensionen

frankfurt, schiller, goethe, krimi, napoleon

Die Affäre Carambol

Stefan Lehnberg
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Tropen, 10.03.2018
ISBN 9783608503548
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Frankfurth im Jahr 1801 - die beiden scharfsinnigen Dichter Schiller und Goethe ermitteln in einem merkwürdigen Kriminalfall. Geheime Depeschen an Napoleon wecken Befürchtungen, dass sich eine Verschwörung anbahnt. Wenig später werden auch noch zwei Mitglieder des Stadtrats tot aufgefunden. Mit feinem Humor und Köpfchen machen sich die beiden an die Arbeit.

 

Dies ist nach "Durch Nacht und Wind" bereits der zweite Kriminalfall um das scurillste Ermittlerduo seit Sherlock Holmes und Dr. Watson. Man muss den ersten Band aber nicht gelesen haben, um sich hier schnell zurechtzufinden.

Sowohl die sehr hochwertige Aufmachung des Büchleins, als auch die altmodische Sprache, die sich durch den ganzen Roman zieht, versetzen den geneigten Leser, in Verbindung mit den Kapitelüberschriften in Altdeutscher Schrift, in die richtige Stimmung, in eine andere Zeit. 

 

Einige Fremdwörter waren mir nicht geläufig und musste ich googeln, beispielsweise „Terzerol“, was damals eine gebräuchliche Schusswaffe war. Auch was man sich unter Carambol (Titel) vorzustellen hat, wusste ich vor der Lektüre dieses Buches nicht. Ich empfand dies aber nicht als störend, vielmehr trägt es auch zum besseren Verständnis der damaligen Gegebenheiten bei. Über eine Verfolgungsjagd mit Kutschen durfte ich etwa auch schon länger nicht mehr lesen.

Generell ist die Sprache sehr gut verständlich gehalten, immer wieder kommt feiner Humor durch. Der Text ist in siebenunddreißig unterschiedlich lange, meist eher kurze, Kapitel unterteilt, auch das kam mir beim Lesen entgegen.

 

Goethe ist der gewieftere der beiden Ermittler, sympathischer war mir allerdings Schiller, was daran liegen mag, dass er als Erzähler fungiert. Frankfurth ist Goethes Heimatstadt, die er seinem Freund zeigen wollte, Schiller wird in die ganze Sache mit hineingezogen. Er wundert sich immer wieder, wo er da nur hineingeraten ist...

 

Stefan Lehnberg legt hier einen netten, einigermaßen spannenden Krimi mit einem besonderen Ermittlerduo vor. Tatsächlich wird auch immer wieder auf das Leben und Werk der beiden Dichter eingegangen. Dies und die besondere Sprache schaffen eine besondere Atmosphäre, von der dieser Roman lebt.

 

 

 

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

bilderbuch, gute nachtgeschichte, kinderbuch, kindergeschichte, raupe

Die kleine Raupe und das große Wunder

Patricia Hegarty , Thomas Elliott
Fester Einband
Erschienen bei Brunnen, 15.02.2018
ISBN 9783765559105
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ein müdes kleines Raupenkind will schnell ins Bett nach Haus.

Am Himmel senkt die Sonne sich, der Mond kommt auch schon raus.

 

Die kleine Raupe ist müde nach einem anstrengenden Tag und wünscht auf dem Weg nach Hause allen ihren Freunden noch eine gute Nacht. Als sie am nächsten Morgen erwacht, erwartet sie eine große Überraschung.

 

Ein Bilderbuch zu einem tollen Thema in hochwertiger Aufmachung. Die Zeichnungen sind einfach und kindgerecht, aber auch für Erwachsene schön anzusehen. Auf den ersten Blick fällt die Aussparung in Blattform auf, die sich durch das ganze Buch zieht und immer kleiner wird. Der Text ist in Reimform gehalten und ebenfalls gut verständlich und nicht zu viel. Jedes einzelne Tier wird in die Nacht verabschiedet, besonders schön fand  ich, dass der Schmetterling am Ende des Buches, alle seine inzwischen schlafenden Freunde noch einmal besucht.

 

Ein ideales Gute-Nacht-Buch für die Kleinsten! Es hat uns gut gefallen und wir werden es sicher noch oft zur Hand nehmen.

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(96)

149 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 86 Rezensionen

kunst, london, andalusien, spanien, liebe

Das Geheimnis der Muse

Jessie Burton , Peter Knecht
Flexibler Einband: 461 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.03.2018
ISBN 9783458363293
Genre: Romane

Rezension:

  

Zwei junge Frauen, durch ein Gemälde schicksalhaft miteinander verwoben...

 

Der Roman spielt sowohl in unterschiedlichen Zeitebenen, als auch an unterschiedlichen Orten. Die junge Odelle Bastien lebt 1967 in London. Sie ist aus Trinidad nach England gekommen, um Schriftstellerin zu werden. Doch alleine schon ihre Hautfarbe legt ihr Steine in den Weg. Doch dann taucht ein seit dem Spanischen Bürgerkrieg verschollenes Gemälde auf, um das sich ein großes Geheimnis rankt, welches bis in das Jahr 1936 zurückreicht.

1936, Andalusien. Olive Schloss ist eine sehr begabte junge Malerin, die es in einer von Männern dominierten Kunstwelt nicht leicht hat. Dann trifft sie den Revolutionär Isaac Robles und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

 

Die Autorin schwenkt in größeren Abschnitten immer wieder zwischen den beiden Handlungssträngen hin und her. Dies ist auch jeweils gut gekennzeichnet, so dass der Lesefluss dadurch kaum gestört wird und man sich sehr gut zurechtfindet. Bereits den allerersten Satz finde ich bemerkenswert: „Nicht jeder erhält am Ende, was er verdient.“

Gerade im Nachklang merkt man, wie gut durchdacht und wie vielschichtig der Plot ist.

 

Die Geschichte entwickelt einen regelrechten Sog, aus dem man als Leser nur schwer wieder auftaucht. Sie ist wunderbar lesbar, beinhaltet große Gefühle, tolle Charaktere, eine spannende Handlung. Es geht um Kunst, um Träume, um die Liebe und das alles hervorragend erzählt. Einmal begonnen konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Ein atemberaubendes Buch!

 

Obwohl Jahrzehnte zwischen den beiden Frauen liegen und ihre Herkunft unterschiedlicher nicht sein könnte, sind sie sich doch in vielerlei Hinsicht so ähnlich. Beide tragen eine große Begabung in sich, die sie so einfach nicht ausleben können. Beide haben ihren Platz im Leben noch nicht gefunden. Beide sind in ihren Entscheidungen mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Trotz ihrer Unsicherheiten sind es doch sehr starke Persönlichkeiten, die ihre Träume beharrlich verfolgen. Odelle in London lag mir etwas mehr, wobei das sicher auch damit zu tun hatte, dass sie als Ich-Erzählerin fungiert, während Olive wie alle anderen Figuren aus der dritten Person beschrieben wird. 

 

Eine klare Leseempfehlung! Ich werde mir wohl den ersten Roman der Autorin "Die Magie der kleinen Dinge" auch noch besorgen.

 

 

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67 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 57 Rezensionen

arktis, spitzbergen, umweltschutz, gletscher, eis

Das Eis

Laline Paull , Dorothee Merkel
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Tropen, 31.03.2018
ISBN 9783608503524
Genre: Romane

Rezension:

"Die Arktis ist beides. Friedlich und Furchterregend. Sie ist erhaben." Seite 161

 

Dieses Buch ist nichts für Leser, die aufgrund des Covers oder des Klappentextes eine oberflächliche Geschichte über eine Expedition in der Arktis erwarten. Tatsächlich befasst sich ein großer Teil des Romans mit der gerichtlichen Untersuchung eines Unglücksfalls, unterbrochen immer wieder durch Rückblenden zum damaligen Geschehen. Außerdem ist nach jedem Kapitel eine Sequenz aus einer früheren, tatsächlichen Arktis-Expedition eingeschaltet. Diese haben zwar auf den ersten Blick nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun, mir haben sie dennoch sehr gut gefallen, weil sie mir die Stimmung nähergebracht haben.

 

"Das Eis" spielt in relativ naher Zukunft. Der Klimawandel hat sich fortgesetzt, sogar beschleunigt. Es gibt Sandstürme in London, die Arktis ist zu großen Teilen eisfrei und schiffbar. Die Eisbären sind beinahe ausgestorben. Sean Cawson hat mit seinem besten Freund Tom Harding eine alte Walfangstation auf Spitzbergen gekauft und einen Aufenthaltsort für die Reichen, Midgard Lodge, geschaffen. Doch dann geschieht bei einer Expedition ein Unglück und drei Jahre später wird beim Kalben eines Gletschers Toms Leiche freigegeben. Eine gerichtliche Untersuchung soll die genauen Todesumstände klären.

 

Sean ist nicht gerade eine sympathische Hauptfigur, doch er ist fasziniert von der Arktis, geradezu besessen und beseelt von dem Wunsch diese Gegend und ihre Natur zu schützen und darin wirkt er durchaus authentisch. Genauso wichtig aber ist ihm finanzieller Erfolg. Er hat einen bemerkenswerten Aufstieg geschafft und ist reich geworden, doch das reicht ihm noch immer nicht aus. Die wichtigste Zielsetzung von Midgard: "einen inspirierenden Ort zu schaffen, an dem die Versöhnung von Unternehmertum und ökologischer Verantwortung gefördert wurde." Seite 268 

Im Zuge der Vernehmungen wächst der Druck auf Sean. Er ist nach wie vor traumatisiert und zweifelt an sich selbst.

Bemerkenswert an diesem Roman fand ich, dass hier eine Autorin, also eine Frau, einen männlichen Protagonisten beschreibt. An mehreren Stellen ist mir hier aufgefallen wie hervorragend sie die Gefühlswelt am Abgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung beschreibt. Das empfand ich als sehr intensiv und extrem gut gelungen.

 

Eine klare Leseempfehlung für dieses besondere Arktis-Buch, in dem die Autorin die Interessen des Klimaschutzes  denen der allgegenwärtigen Profitgier gegenüberstellt. 

 

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82 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

uwe laub, sturm, wettermanipulation, wetter, thriller

Sturm

Uwe Laub , Heiko Arntz
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.02.2018
ISBN 9783453419803
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer das Wetter beherrscht, hat die Macht! 

 

Weltweit spielt das Wetter verrückt. Plötzlicher Temperaturanstieg in Sibirien, extreme Wasserverdampfung in Australien, ein Tornado und Hagelstürme in Deutschland. Bald ist klar, dass dies Menschenwerk ist. Doch wer steckt hinter den Wettermanipulationen und was ist das Ziel?

Die Protagonisten Laura Wagner und Daniel Bender geraten widerwillig immer tiefer in einen spannenden Kampf mit einem unsichtbaren Gegner.

 

Uwe Laub verarbeitet in diesem wissenschaftlichen Thriller ein hochinteressantes und gleichzeitig top brisantes Thema. Der Leser erfährt viele wissenswerte Fakten über die Wetterbeeinflussung von Staaten. Die Grenzen zwischen Tatsachen und Fiktion verschwimmen und womöglich ist die Fiktion von gestern heute bereits Realität.  Der Autor schafft es, dem Leser auch komplizierte Sachverhalte verständlich und in einfacher Sprache zu unterbreiten. 

 

Obwohl die Hauptfiguren gut beschrieben und auch sympathisch sind, bleiben sie für mich seltsam blass. Im Vordergrund steht tatsächlich der Kampf um das Wetter, der diesen Thriller ausmacht und dafür umso besser zur Geltung kommt. Über dieses Thema habe ich bisher kein Buch gelesen und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich dafür interessiert. 

 

Ein brillant recherchierter wissenschaftlicher Thriller, der seine Leser nachdenklich und betroffen zurücklässt. Was ist wohl im Moment schon alles möglich?  

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(37)

47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

freiheit, flucht, flüchtlinge, erzählung, boot

Der Klang der Freiheit

Gill Lewis , André Mumot , Jo Weaver
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 12.02.2018
ISBN 9783845826011
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ein winziges Boot treibt allein auf der stürmischen See. Es ist dunkle Nacht und die Menschen in dem Boot haben alles verloren. Ein Junge, Rami, hat nichts bei sich außer einer Geige. Und er beginnt zu erzählen. Mithilfe seines Instruments erzählt er die Geschichte von dessen Entstehung. Gleichzeitig erkennen die Menschen ihre eigene Geschichte wieder. Rami schafft es, seinen Weggefährten wieder ein bisschen Hoffnung zurückzugeben.

 

Eine berührende Geschichte über Freiheit und Musik, mit einem topaktuellen politischen Hintergrund. Das Büchlein umfasst gerade einmal 80 Seiten und ist schnell gelesen, da zusätzlich viele bläulich-weiß gehaltene Illustrationen enthalten sind. Diese zum großen Teil wunderschönen Zeichnungen sind perfekt auf die Handlung abgestimmt und verstärken noch die Beklemmung, die dieses ernste Thema hervorruft.

 

Mit einfacher, aber poetischer, schöner Sprache und vielen eindrucksvollen Bildern versteht es die Kinderbuchautorin Gill Lewis den Leser in ihren Bann zu ziehen.

"Und zusammen sangen sie das Lied der Freiheit, während ihre Herzen dazu den Rhythmus schlugen."

Gerne hätte ich noch erfahren, ob die Hoffnung die Menschen in dem Boot noch über mehr als nur die eine Nacht gebracht hat. Ob sie ihren sicheren Hafen am Ende erreicht haben.

 

Mir hat dieses Büchlein sehr gut gefallen, allerdings tue ich mich etwas schwer mit der Empfehlung für eine bestimmte Altersgruppe. Der Verlag empfiehlt es für Kinder und Jugendliche ab 10 bis 12 Jahre. Ich persönlich würde diese Grenze sogar noch etwas nach oben setzen, ca. ab 14 Jahre. Nicht nur, dass es sich um ein sehr ernstes, teils düster ausgeführtes Thema handelt, so hat das Ganze auch einen komplexen politischen Hintergrund. 

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(64)

88 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

thriller, flucht, rache, kalifornien, familie

Die Rache der Polly McClusky

Jordan Harper , Conny Lösch
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 23.02.2018
ISBN 9783550081507
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Pollys Vater hat im Gefängnis die Wut der Verbrechergang Aryan Steel auf sich gezogen. Als Folge wird ein Kopfgeld, sowohl auf ihn, als auch auf seine Ex-Frau und seine Tochter ausgesetzt. Für die Mutter kommt jede Hilfe zu spät, doch um seine Tochter zu retten würde Nate McClusky alles tun. Und so beginnt eine spannende Flucht durch Kalifornien. Der Feind ist mächtig und er ist überall.

 

Auch wenn die Hauptfigur ein Mädchen ist, ist dies keinesfalls ein Jugendroman. Schonungslos erzählt der Autor auch gewalttätige und blutige Szenen. Ein extrem spannender Roman, der einen sofort mitnimmt, auch wenn das Milieu in welches Polly hier gerät, den meisten von uns absolut fremd sein sollte. 

 

Gefallen hat mir, dass sich die beiden Hauptfiguren, Polly und Nate während ihrer Flucht weiterentwickeln. Polly wird selbstsicherer, Nate entdeckt die Liebe zu seiner Tochter. Wir erfahren auch einiges darüber, wie Nate zum Verbrecher wurde. Eigentlich wirkt er richtig sympathisch, denn er hat im Grunde ein gutes Herz. Natürlich empfindet man Mitleid mit dem Mädchen, das Dinge erlebt, für die es noch viel zu jung ist. Doch hat alles was der Vater unternimmt, nur ein Ziel: seine Tochter zu retten. Nach einer kurzen Fremdelphase ist dies Polly auch bewusst. Sie ist zumindest nicht allein.

Er wollte die Welt erwürgen, wenn er sie nur an ihrer verfluchten Kehle zu fassen bekommen hätte. Seite 33

 

Einerseits recht viele Kraftausdrücke, um das Milieu zum Ausdruck zu bringen, andererseits gut lesbare, bildliche Sprache mit vielen Vergleichen. Unter dem Muskelkater aber summten ihre Knochen wie Starkstromkabel.  Seite 131

Durch viele, liebevolle Details wird das Geschehen eindrucksvoll geschildert. Die Tätowierungen der Gang-Mitglieder, vor allem auch der Bär, den Polly stets dabeihat, erinnert immer wieder daran, dass sie trotz allem noch ein Kind ist.

Das Mädchen sagte gar nichts. Es hatte einen Teddy im Arm und Mordgier in den Augen. Seite 143

 

Wenn man sich nicht allzu sehr daran stört, dass ein kleines Mädchen zwischen die Fronten skrupelloser Verbrecher gerät, ist dies ein sehr spannender und empfehlenswerter Roman. Ich habe ihn schnell gelesen und mir hat es gut gefallen.

 

Das Drehbuch für die Verfilmung von "Die Rache der Polly McClusky" ist bereits in Arbeit. 

 

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116 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 65 Rezensionen

kunst, liebe, berlin, roman, künstler

Leinsee

Anne Reinecke
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.02.2018
ISBN 9783257070149
Genre: Romane

Rezension:

Anne Reinecke hat mit „Leinsee“ ihr Debüt, einen Künstlerroman vorgelegt. 

 

Karl ist der Spross einer Künstlerfamilie, allerdings ist er immer das dritte Rad am Wagen, denn seine Eltern sind sich selbst schon genug. Seine Kindheit und Jugend sind geprägt von Gefühlskälte und Bindungsarmut. Nach seinem Abschluss lässt er den Kontakt zu den berühmten Eltern dann ganz abreißen. Bis seine Mutter an einem Gehirntumor erkrankt und sein Vater sich erhängt. Karl reist zurück zur Villa am Leinsee, dem Ort an dem er immer sein wollte, aber nicht durfte, und muss sich seiner Vergangenheit stellen.

„Vielleicht blieb er einfach, weil ihn jetzt niemand mehr daran hindern konnte, in seinem Elternhaus zu wohnen.“ Seite 129

Kaum in Leinsee angekommen, bemerkt er ein achtjähriges Mädchen, welches immer wieder auftaucht und ihn scheinbar verfolgt. Schnell entsteht eine sehr besondere, auch merkwürdige Freundschaft zwischen den beiden.

„Seit Karl bemerkt hatte, dass Tanja ihn beobachtete, fiel ihm alles, was er machte, leichter. Es fiel ihm leichter, überhaupt irgendetwas zu tun, wenn die Möglichkeit bestand, dass sie ihm zusah. Ihr Blick hielt seine Konturen stabil.“ Seite 130

Karl ist zutiefst geprägt von seiner schwierigen Kindheit, die er zum größten Teil im Internat verbringen musste. Mit seinen sechsundzwanzig Jahren ist er immer noch auf der Suche nach einer eigenen Identität. Er lässt sich durchs Leben treiben, mit diversen Frauengeschichten, wobei immer die Frauen die Hosen anhaben. Auch zu seiner eigenen Kunst hat er ein sehr zwiespältiges Verhältnis. Hier wie dort lässt er sich sehr gerne fremdbestimmen. 

 

Neben der seltsamen Freundschaft zwischen Karl und Tanja ist ein weiteres wichtiges Thema die Kunst. Die Eltern, Ada und August Stiegenhauer, haben Asche und zerkleinerte Gegenstände in Harz eingeschlossen. Karl vakuumisiert Sachen. Darüber hinaus weiß er anfangs noch nicht, in welche Richtung seine künstlerische Tätigkeit gehen soll. Soll er sich am Namen und der Kunst seiner Eltern orientieren, oder wird er ausbrechen? Des Öfteren hatte ich das Gefühl, dass die Autorin hier auch den Kunstbetrieb generell auf die Schippe nimmt. Manche Szenen wirken wie eine Karikatur. Ganz sicher wurde ich mir darüber aber bis zum Schluss nicht. Vielleicht handelt es sich einfach nur um moderne Kunst.

 

An diesem Roman gab es einiges, was mir gut gefallen hat. Etwa die Kapitelüberschriften fand ich ganz besonders schön. Jedes Kapitel trägt den Namen einer Farbe, zum Beispiel „taubenblau“ oder „salamirot“. Diese Farbe taucht dann jeweils im entsprechenden Kapitel wieder auf.

Die Autorin erzählt ruhig mit einfacher Sprache und besticht mit liebevollen Details. Es gibt keine Längen, sie kommt immer direkt auf den Punkt. Die Beziehung zwischen Karl und Tanja kommt mit sehr wenigen Worten aus, in diesen spärlich gesäten Gesprächen kann der Leser aber trotzdem sehr starke Stimmungen wahrnehmen.

Die Figuren sind alle sehr interessant gezeichnet, die Handlung überrascht mit immer wieder neuen, unvorhersehbaren Wendungen.

 

Trotz aller Vorzüge dieses Romans, bin ich leider nicht ganz warm geworden damit. Die Protagonisten, allen voran Karl und Tanja, aber auch die beiden Frauen Mara und Alexandra, blieben mir leider fremd, sehr oft konnte ich ihr Handeln nicht verstehen, nicht einmal nachvollziehen. Meines Erachtens laufen die Handlungsstränge teils ins Leere. Begebenheiten, die im ersten Teil des Buches wichtig waren, werden später kaum noch erwähnt. Besonders in den letzten hundert Seiten des Romans ergeben sich Wendungen, die mir gar nicht zugesagt haben. Insgesamt war es in dieser Geschichte zu viel, das nicht gesagt wurde, zu viel Ungewissheit für den Leser. Bei anderen Romanen störte mich das bislang nicht, hier schon. Am Ende fehlte mir eine Botschaft.

 

Es ist ein netter Roman und ich habe ihn gern gelesen. Begeistern konnte er mich aber nicht.

 

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190 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 122 Rezensionen

colorado, roman, kent haruf, kleinstadt, amerikanische kleinstadt

Lied der Weite

Kent Haruf , Rudolf Hermstein
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 12.01.2018
ISBN 9783257070170
Genre: Romane

Rezension:

Hoch oben auf dem Querholz eines Telegraphenmasts saß ein Habicht, kupferfarben in der sinkenden Sonne, sie sahen ihn an, aber er drehte nicht einmal den Kopf, als sie unter ihm vorbeifuhren. S. 90

Einsamkeit ist das große Thema dieses Romans von Kent Haruf (1943 – 2014). Einsamkeit in allen Facetten. Einsamkeit in der fiktiven Kleinstadt Holt im US-Bundesstaat Colorado.

Die siebzehnjährige Victoria Roubideaux ist schwanger, den Vater des Kindes kennt sie kaum. Trotzdem will sie das Kind behalten, obwohl ihre Mutter sie erbarmungslos auf die Straße setzt. Kurzfristig kommt sie bei ihrer Lehrerin Maggie Jones unter, die ihren alten Vater pflegt. Schließlich überredet Maggie zwei raubeinige, alte Viehzüchter, die McPheron-Brüder, Victoria auf ihrer Farm aufzunehmen. Erst widerwillig, dann mit wachsender Begeisterung nehmen sich die beiden der Schwangeren an. Dann ist da noch Tom Guthrie, ebenfalls Lehrer, der sich alleine um seine beiden Söhne kümmert, nachdem sie von der Mutter verlassen wurden.

Während Tom Guthrie einen seltsam distanzierten Eindruck hinterlässt, sind die beiden McPherons einfach nur toll. Rührend kümmern sie sich um Victoria, obwohl sie sich mit Kühen und Kälbern besser auskennen, als mit jungen Frauen und Babys, wie sie selbst zugeben. Doch allein der gute Wille und die großen Herzen zählen und schließlich ist dies für die beiden alten Männer eine Chance, eine jahrzehntelang geteilte Einsamkeit zu beenden.

Herrlich unaufgeregt und mehr zwischen den Zeilen als direkt, erzählt Kent Haruf stimmungsvoll von diesen sieben Personen und wie sie alle versuchen, der Einsamkeit zu entkommen. Die Sprache ist einfach und doch aussagekräftig. Die Weite des Landes, die bereits im Titel und auf dem Cover angedeutet wird, sowie das Leben in einer typischen kleinbürgerlichen Kleinstadt kann man sich sehr gut vorstellen. Ein tiefgründiger Roman, mit einem besonderen Schreibstil, der süchtig macht. Die relativ kurzen Kapitel tragen als Überschrift den Namen der Person, um die es in den nachfolgenden Seiten hauptsächlich geht. Das ist vor allem deshalb angenehm, da die direkte Rede nicht gekennzeichnet ist. Daran gewöhnt man sich aber rasch.

Als Botschaft des Roman bleibt zurück, dass man Einsamkeit durchbrechen kann und dass man die Hoffnung niemals aufgeben sollte. Familie bzw. familiäre Gefühle kann man auch außerhalb von verwandtschaftlichen Beziehungen finden. Und ja, es bleiben am Ende sehr viele Fragen offen, aber das entspricht dem Erzählstil des Autors und für mich hat das auch wieder einen besonderen Reiz. Man erfährt nur die Tatsachen, von außen betrachtet. Die verschiedenen Gefühlswelten und Beweggründe, auch die Möglichkeiten, wie es weitergehen könnte, dazu soll man sich seine eigenen Gedanken machen. Mich hat das Buch sehr berührt. Es ist ein ganz besonderer Roman mit großen Botschaften.

Lied der Weite ist wohl der Auftakt einer Trilogie, wobei die beiden Folgebände noch nicht auf Deutsch erschienen sind. Vielleicht nimmt der Diogenes Verlag dies noch in Angriff. Ich würde mich freuen. Dieser Roman, wie auch „Unsere Seelen bei Nacht“ wurden bereits mit hochkarätigen Schauspielern verfilmt.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

klassiker, abenteuer, utopie

20.000 Meilen unter dem Meer

Jules Verne
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Impian, 07.03.2018
ISBN 9783962690014
Genre: Jugendbuch

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Leo und die Abenteuermaschine Band 1

Matthias Arnold
Fester Einband
Erschienen bei e.T.Media, 01.01.2017
ISBN 9783981890228
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dem kleinen Löwen Leo ist langweilig bis er in einer Kiste einen Bauplan einer Abenteuermaschine findet. Da ihm sein Opa erklärt hat, wie sie zu bedienen ist, hat er sie auch schon ganz alleine zusammengebaut und das Abenteuer kann beginnen.

Dieses Buch enthält zwei Bände, „Die Abenteuermaschine“ und „Das Geheimnis der Höhlenmalerei“ um den kleinen Löwen Leo. Der erste Band umfasst gerade mal 30 Seiten und hat mich, aufgrund des fehlenden Spannungsbogens nicht besonders überzeugt. Dafür ist der zweite Band umso besser gelungen. Leo reist 40 000 Jahre zurück und geht in Afrika, ohnehin seine Heimat, dem Geheimnis der Höhlenmalerei auf die Spur. Hierbei erhält er Unterstützung vom Homo Sapiens Jungen Tori. Die Zeichnungen sind klasse und man erfährt sehr viel Wissenswertes über die Anfänge der Menschheit. Eine spannende Geschichte zum Vorlesen für Kinder ab 4 Jahren, die spielerisch auch einiges an Allgemeinbildung vermittelt. Am Ende jeder Geschichte sind noch Fragen zum Text angefügt. Hier kann man überprüfen, ob man gut aufgepasst hat. Für technikbegeisterte Kinder ist ganz am Schluss des Buches noch die Aufbauanleitung der Abenteuermaschine abgebildet.

Das Buch basiert auf einer Reihe von preisgekrönten Kinderhörspielen und wurde im Eigenverlag produziert. Unser Interesse an den Hörspielen wurde geweckt, da werden wir uns sicher mal eines holen.

 Die farbigen Illustrationen von Jennifer Scharf sind wirklich sehr schön und süß. Auf den ersten Blick fällt auf, dass die direkte Rede immer dick gedruckt ist. Das könnte wohl das Selberlesen für Leseanfänger erleichtern. Da es doch recht viel Text ist, würde ich es für Erstleser erst ab etwa acht Jahren empfehlen. Zum Vorlesen ist es aber eine schöne, informative Geschichte, die für neugierige Kids auf jeden Fall zu empfehlen ist. Uns hat es gut gefallen!

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118 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

zug, spionage, paris, 2. weltkrieg, europa

Welt in Flammen

Benjamin Monferat ,
Flexibler Einband: 800 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 27.11.2015
ISBN 9783499268434
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wir befinden uns im Mai 1940. Während sich der Zweite Weltkrieg nach allen Himmelsrichtungen ausbreitet, bricht der legendäre Simplon Orient Express zu seiner letzten Reise von Paris nach Istanbul auf. Jeder der Passagiere an Bord hat einen ganz bestimmten Grund unbedingt mit dem letzten Zug Richtung Balkan fahren zu müssen. Anfangs fallen vor allem die russische Zarenfamilie, sowie der Ex-König von Carpathien, einem imaginären Balkanstaat, auf. Doch nach und nach wird klar, dass keiner in diesem Zug das ist, was er vorgibt zu sein. Agenten aller kriegsführenden Mächte sind ebenfalls an Bord, außerdem etwas, nach dem Hitler seine Truppen in ganz Europa suchen lässt. Die ganze Welt scheint im Umbruch, auf der Reise drohen viele Gefahren. Jeder Grenzübertritt kann das Ende bedeuten.

Niemand in diesem Zug war, was er zu sein schien, ganz gleich wie harmlos er wirkte. S 224

Bereits das Setting ist einmalig. Der Autor versteht es perfekt, eine einzigartige Stimmung in dem legendären Zug zu zaubern. Die Passagiere, mit den verschiedensten Motiven und Vorhaben auf dieser Reise müssen auf engstem Raum miteinander auskommen. Anspannung und Misstrauen, auch Verzweiflung sind regelrecht zu spüren. Alle fahren ins Ungewisse, keiner kann mehr zurück.

Auf fast 800 Seiten jagt man nur so dahin. Ich fand es sehr spannend und gut erzählt. Unglaublich, dass die Handlung gerade mal wenig mehr als 48 Stunden umfasst, nämlich die Dauer der Reise von Paris nach Istanbul. Es passiert so viel, dass man gedanklich kaum noch Schritt halten kann. Die Rollen der einzelnen Passagiere klären sich erst nach und nach auf, und so wird man als Leser immer wieder durch neue Wendungen überrascht. Ich fand auch die einzelnen Charaktere gut gezeichnet.

Einziger Kritikpunkt: Ab und zu erscheinen einige Details oder Handlungen doch etwas unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen. Insgesamt hat mich persönlich das aber nicht so sehr gestört. Für mich eine spannende und gelungene Mischung aus Agentenkrimi und nostalgischer Roman über die letzte Reise über den Balkan. Wer die historischen Romane von Ken Follet mag, dem wird auch diese Geschichte gefallen.

Ich werde mir auch noch „Der Turm der Welt“ dieses Autors holen.

Der Name Benjamin Monferat ist ein Pseudonym des deutschen Autors Stephan M. Rother, der für Fantastisches und Thriller bekannt ist. 

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