Dajobamas Bibliothek

86 Bücher, 72 Rezensionen

Zu Dajobamas Profil
Filtern nach
89 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

10 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

Stein

Reinhard Kleindl
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.09.2018
ISBN 9783442487981
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(74)

100 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 63 Rezensionen

"roman":w=3,"alkohol":w=3,"loyalitäten":w=3,"freundschaft":w=2,"dumont":w=2,"familie":w=1,"schule":w=1,"trauer":w=1,"eltern":w=1,"einsamkeit":w=1,"deutsch":w=1,"streit":w=1,"verantwortung":w=1,"sucht":w=1,"schicksale":w=1

Loyalitäten

Delphine de Vigan , Doris Heinemann
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 13.09.2018
ISBN 9783832183592
Genre: Romane

Rezension:


In letzter Zeit habe ich einige recht schmale Bücher gelesen, die trotzdem (oder auch gerade deshalb?) mit einem sehr starken Inhalt punkten konnten. Dies hier ist eines davon. Vielleicht liegt es daran, dass bei einem geringeren Umfang die Sprache sehr prägnant und auf den Punkt sein muss. Möglicherweise auch daran, dass den Leser viele Emotionen zwischen den Zeilen erreichen, dass nicht alles deutlich ausgesprochen werden kann und der Leser stärker gefordert ist, sich seine eigenen Gedanken zu machen und Schlüsse zu ziehen.

 

Das Thema, um welches es hier geht, ist sicherlich kein Einfaches. Theo ist ein guter, wenn auch stiller Schüler, trotzdem findet seine Lehrerin Helene etwas an seinem Verhalten auffällig. Sie hat keine Beweise, kann ihren Verdacht nicht einmal benennen. Und wird damit im Lehrerkollegium auch nicht ernst genommen. Nur Theos Freund Mathis weiß von seinen Problemen, zögert jedoch, sich jemandem anzuvertrauen. 

 

Theo ist ein Kind, das wöchentlich zwischen seinen seit vielen Jahren getrennten Eltern pendelt. Eine Kommunikation zwischen diesen findet in keiner Weise mehr statt, vielmehr kommt es zu Anfeindungen über Theo als Mittler. Als wäre es damit nicht genug, bürden sie ihrem Kind (unbewusst?) viel zu viel Verantwortung auf. Misstrauen und Distanz dominieren Theos Verhältnis zu beiden Elternteilen.

"Vielleicht wird er sich einfach nur im Dunkeln hinsetzen und die Füße zwischen den Stuhlbeinen baumeln lassen, weil er nicht mehr weiß,  was er sagen oder tun soll, weil er weiß,  dass das alles für ihn zu viel ist, dass es seine Kräfte übersteigt. " Seite 63

 

Doch Theo hat längst einen Weg gefunden, dem Druck zumindest für einige Zeit zu entfliehen. Er trinkt hochprozentigen Alkohol, um sich besser zu fühlen. Tatsächlich steigert er die tägliche Menge sogar, denn sein Ziel ist es, das Bewusstsein zu verlieren, um zu vergessen.

 

Die Autorin beschreibt ihre Figuren detailliert und nachvollziehbar. Die Lehrerin Helene, die mit ihrem eigenem Trauma kämpft und nur deshalb so beharrlich der Sache nachgeht. Andernfalls wäre Theo wohl durchs Raster gefallen und nicht zu retten. Immer wieder klingt hier auch eine sehr deutliche Kritik an unserer Gesellschaft an.

Theos Eltern, die traurig und desillusioniert, mit der Situation vollkommen überfordert sind. Sie sind nicht einmal in der Lage das Problem überhaupt zu sehen.

Und auch Mathis, Theos Freund, dessen Familie auf den ersten Blick intakt und glücklich erscheint, wo es unter der Oberfläche aber ebenfalls gewaltig brodelt.

 

Das Lesen selbst fällt leicht, ich hatte den Roman an zwei Abenden beendet. Kurze Kapitel, aus den Sichtweisen der einzelnen Protagonisten erzählt, machen es dem Leser leicht, sich voll und ganz auf den durchaus anspruchsvollen Inhalt zu konzentrieren. 

Eine volle Leseempfehlung von mir. Vielleicht sollte man diese Geschichte zum Anlass nehmen, öfter mal genauer hinzusehen. 

 




  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

50 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 10 Rezensionen

"2. weltkrieg":w=2,"roman":w=1,"usa":w=1,"krieg":w=1,"biografie":w=1,"zweiter weltkrieg":w=1,"familiengeschichte":w=1,"nationalsozialismus":w=1,"sterben":w=1,"schwarzer humor":w=1,"holocaust":w=1,"großvater":w=1,"zeitgenössische literatur":w=1,"amerikanischer autor":w=1,"memoiren":w=1

Moonglow

Michael Chabon , Andrea Fischer
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.03.2018
ISBN 9783462050745
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

34 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

"die mütter":w=3,"brit bennet":w=2,"amerika":w=1,"amerikanische autorin":w=1,"historischer lliebesroman":w=1

Die Mütter

Brit Bennett , Robin Detje
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 24.04.2018
ISBN 9783498006839
Genre: Romane

Rezension:


"Ein innerer Schmerz sollte nach außen nicht sichtbar werden. Wie seltsam es sein musste, auf äußerliche Weise Schmerz zu empfinden, einen Schmerz, den man nicht verbergen konnte." Seite 17

 Die Mütter - das sind die älteren Damen des kalifornischen Ortes Oceanside. Sie beobachten und kommentieren alles was in der Gemeinde vor sich geht. Sie sind es, die Zeugen und Erzähler dieser Geschichte sind. Diese besondere Sicht- und Erzählweise macht den besonderen Reiz dieses Romans aus.

 Die Tragödie beginnt mit dem Selbstmord von Nadias Mutter. Ein Skandal in dem kleinen Ort, besonders die Art, wie sie sich selbst getötet hat. Bald darauf wird die siebzehnjährige Nadia schwanger, von Luke, dem Pastorensohn. Nadia entschließt sich zur Abtreibung. Nadias Vater ist trotz seines eigenen Schmerzes bemüht, kann aber keinen Zugang zu seiner Tochter finden. Und das alles ist erst der Anfang. Einzige Vertrauensperson ist schließlich Aubrey, ein Mädchen, das mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hat.

 Doch auch die tatsächlichen Mütter, Nadias und Aubreys Mütter, beide auf unterschiedliche doch schreckliche Weise abwesend, sind ein wichtiges Thema dieses Romans. Die Trauer Nadias um ihr abgetriebenes Kind, das sie nie vergessen hat, zieht sich durch den ganzen Roman.

 Letztendlich wird das Leben einer selbstbewussten schwarzen Frau, die sich nach dem Tod der Mutter fürchtet, eine dauerhafte Bindung einzugehen und somit ein rastloses Leben führt, erzählt. Darin spielt die Macht der ersten großen Liebe eine bedeutende Rolle. Und, dass sich in der Jugend begangene Fehler auf den Verlauf des ganzen weiteren Lebens auswirken können.

 Insgesamt herrscht eine düstere Grundstimmung vor. Die perspektivarme, oft trostlose Situation der Schwarzen in den USA ist allgegenwärtig.

 Brit Bennett erzählt diese Geschichte sehr einfühlsam und wirklich spannend, trotz des doch recht traurigen Themas. Ich hatte den Roman in wenigen Tagen durch und spreche eine klare Leseempfehlung dafür aus!  

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(134)

235 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 131 Rezensionen

"sonnenfinsternis":w=15,"lügen":w=11,"vergewaltigung":w=11,"lüge":w=7,"liebe":w=4,"thriller":w=4,"angst":w=4,"wahrheit":w=4,"betrug":w=3,"schuld":w=3,"cornwall":w=3,"roman":w=2,"freundschaft":w=2,"spannung":w=2,"england":w=2

Vier.Zwei.Eins.

Erin Kelly , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 22.08.2018
ISBN 9783651025714
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Laura und Kit sind ein junges, frisch verliebtes Paar, als sie 1999 die Sonnenfinsternis in Cornwall erleben. Laura glaubt, etwas gesehen zu haben, eine Vergewaltigung. Beth, das mutmaßliche Opfer schweigt. Wenige Monate nach der Gerichtsverhandlung steht sie wieder vor der Tür und scheint eine Bedrohung für Laura und Kit darzustellen. 

Fünfzehn Jahre später leben Laura und Kit in Angst davor, dass Beth sie finden könnte, an einem geheimen Ort. Sie lassen sich nicht fotografieren, meiden die sozialen Medien.

Was ist passiert? Jeder scheint etwas zu verbergen, wie konnte es dazu kommen?

 Den Rahmen dieses Romans bilden totale Sonnenfinsternisse. Insbesondere Kit ist ein großer Fan davon und reist um die ganze Welt für sein Hobby. Auch dann noch, als Laura mit Zwillinge hochschwanger ist. Aber auch Beth weiß um seine Leidenschaft. Wird sie die Konfrontation suchen?

 Dieser Roman ist abwechselnd aus Kits und Lauras Perspektive und aus der Gegenwart und von vor 15 Jahren erzählt.

Die Charaktere fand ich sehr gut und nachvollziehbar gezeichnet, auch wenn nach und nach erst klar ist, was hinter den verschiedenen Verhaltensweisen und Ängsten steckt. Aber gerade dies zeichnet einen guten Thriller aus.

Die Geschichte ist spannend und gut erzählt, man merkt schon den literaturwissenschaftlichen Hintergrund der Autorin. Allerdings meine ich mehrere inhaltliche Ungereimtheiten und Logikschwächen entdeckt zu haben. Das ein oder andere schien mir sehr weit hergeholt und arg konstruiert.

 Ich habe diesen Roman (oder Thriller?) sehr gerne gelesen und fand ihn auch spannend. Letztendlich fehlte mir aber irgendetwas, damit er mir auch über längere Zeit im Gedächtnis bleiben würde.

 

  (7)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(24)

42 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

"roadtrip":w=2,"mordauftrag":w=2,"usa":w=1,"drogen":w=1,"los angeles":w=1,"kriminalität":w=1,"gangster":w=1,"amerikanischer autor":w=1,"ghetto":w=1,"roadmovie":w=1,"gang":w=1,"zeitgenössische belletristik":w=1,"gangs":w=1,"drogenviertel":w=1

Dodgers

Bill Beverly , Hans M. Herzog
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.09.2018
ISBN 9783257070378
Genre: Romane

Rezension:

Bill Beverly – Dodgers

Eine Kindheit, wie wir sie nicht für möglich halten wollen.


Bill Beverly hat ein intensives und hochemotionales Debüt zu einem ganz schwierigen Thema vorgelegt.

Vier Jungs aus einem Drogenviertel in Los Angeles werden nach einer Razzia aus dem Gefahrengebiet geschickt. In einem alten Van starten sie einen Roadtrip quer durch die USA. Am Ende der Reise sollen sie jemanden ermorden. So lautet der Auftrag. Die Protagonisten sind schwarze Teenager, der jüngste, Ty, ist gerade mal 13, ohne Heimat, ohne Zukunft. Sie haben nichts zu verlieren, doch können sie den Auftrag erfüllen? 

 

Die Reise entwickelt sich zu einem verrückten Roadtrip, bei dem alles schiefgeht, was nur schief gehen kann.

Bereits ganz am Anfang fragt sich der Leser, was das eigentlich soll. Wer schickt vier unerfahrene (auch ungebildete), streitlustige Teenies auf eine solche Mission? Tatsächlich erleben die Jungs auf ihrer Reise so allerhand, es geht chaotisch zu, schließlich muss auch die Hackordnung untereinander erst mal geklärt werden. Erfahrung mit Waffen haben sie alle. Und schließlich müssen sie, auf sich selbst gestellt, Entscheidungen treffen, wozu sie kaum in der Lage sein können.

"Nichts. Nichts hatte sich geändert. Niemand wusste mehr irgendwas." Seite 223

 

Obwohl keiner der Protagonisten sympathisch ist, oder auch nur jemand, mit dem man sich identifizieren könnte, schafft es der Autor, dass man mit ihnen mitfühlt. Das, obwohl die Sprache an sich eher ruppig, knapp, direkt, eben authentisch, daherkommt. Die Jungs tun einem einfach unheimlich leid, weil sie im Prinzip keine andere Wahl haben, als diesen Auftrag mit ungewissem Ende auf sich zu nehmen. Ein starkes Gefühl der Perspektivlosigkeit zieht sich durch den ganzen Roman.

Interessant fand ich, wie sich die verschiedenen Charaktere im Verlauf der Unternehmung herauskristallisieren und zum Teil weiterentwickeln.

 

Der Autor hat einen spannenden und lockeren Schreibstil, die Geschichte ist angenehm lesbar und fesselnd. Trotzdem ist es insbesondere inhaltlich keine leichte Kost, es werden existentielle Fragen aufgeworfen. Ein sehr lesenswerter Roman.

 

 

.

  (8)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

40 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

"deutschland":w=1,"krieg":w=1,"frankreich":w=1,"berlin":w=1,"familiengeschichte":w=1,"russland":w=1,"nationalsozialismus":w=1,"spanien":w=1,"polen":w=1,"argentinien":w=1,"leipzig":w=1,"lager":w=1,"madrid":w=1,"nazi-zeit":w=1,"ascona":w=1

Der Apfelbaum

Christian Berkel
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 12.10.2018
ISBN 9783550081965
Genre: Romane

Rezension:

Christian Berkel – Der Apfelbaum

 

Über diese Mischung aus autobiografisch inspirierter Familiengeschichte und Roman habe ich schon einige begeisterte Rezensionen gelesen. Für mich kann ich diese Begeisterung leider so gar nicht nachvollziehen.

Der als Schauspieler bekannte Christian Berkel hat über mehrere Generationen und Länder, und vor dem Hintergrund der Judenverfolgung des Nationalsozialismus, die Geschichte seiner Familie nachgestellt. Im Vordergrund steht die Erzählung der großen und ungewöhnlichen Liebe eines eigenwilligen Paares.

 

Sala und Otto. Eine Halbjüdin, die sich nicht als solche fühlt und ein armer Junge aus der Berliner Arbeiterklasse. Ein ungleiches Paar und eine unmögliche Liebe in den Zeiten des aufsteigenden Nationalsozialismus. Durch den Krieg werden die beiden immer wieder getrennt. Sala befindet sich erst auf der Flucht, später wird sie interniert. Otto arbeitet erst als Arzt an der Front, gegen Kriegsende gerät er in russische Kriegsgefangenschaft. Doch trotz aller Widrigkeiten vergessen die beiden einander nie.

 

Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut, doch dann tat ich mich unerwartet schwer mit der Lektüre. Meine Schwierigkeiten lagen wohl darin begründet, dass ich den vielen Figuren und deren komplizierten familiären Verhältnissen, von Anfang an nur schwer folgen konnte. Die Protagonisten blieben mir allesamt recht fremd, wobei ich mit Otto noch am meisten anfangen konnte. Er blieb aber leider über weite Teile des Romans verschwunden. Sala wirkte auf mich sehr blass, sogar unsympathisch.

 

Die Handlung plätscherte lustlos vor sich hin und nahm keine richtige Fahrt auf. Mehrmals war ich richtiggehend verwirrt, weil mir Zusammenhänge nicht klar wurden, dann wieder hab ich mich einfach nur gelangweilt. Eine anstrengende Angelegenheit. Dabei waren durchaus gelungene und interessante Passagen dabei, sonst hätte ich es wohl nicht zu Ende gebracht.

 

Der Autor springt zudem sehr stark zwischen den Geschichten der einzelnen Generationen hin und her. Dem konnte ich, ehrlich gesagt, oft nur mit großer Mühe folgen, bzw. verlor ich auch die Lust daran.

 

Im Endeffekt konnte mich dieses Buch einfach nicht fesseln, ich konnte leider keinen Zugang dazu finden. Dabei fand ich es nicht einmal schlecht, nur konnte es mein Interesse auf die Dauer nicht aufrechterhalten.  

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(42)

95 Bibliotheken, 15 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

"zweiter weltkrieg":w=3,"toleranz":w=3,"tunis":w=3,"liebe":w=2,"familie":w=2,"tunesien":w=2,"deutschland":w=1,"krieg":w=1,"italien":w=1,"nationalsozialismus":w=1,"juden":w=1,"rassismus":w=1,"vorurteile":w=1,"judentum":w=1,"schicksale":w=1

Piccola Sicilia

Daniel Speck
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 26.09.2018
ISBN 9783596701629
Genre: Romane

Rezension:

Piccola Sicilia ist ein Viertel in der tunesischen Hafenstadt Tunis. Vor dem Krieg leben an diesem Kreuzungspunkt am Mittelmeer viele Kulturen und Religionen friedlich zusammen. Ein multikulturelles Paradies in Nordafrika, nur wenige Kilometer durch das Meer von Europa (Sizilien) getrennt.

Im Jahr 1942 erreicht der Krieg der Europäer das Land und stürzt es ins Chaos.

"Die Tunesier starben, ohne etwas mit dem Krieg der Europäer zu tun zu haben. Ihr Tod hatte nichts Ehrenhaftes, es war kein Opfer für die Heimat, sondern einfach nur sinnlos." Seite 157

 

Moritz ist hautnah dabei, als Kameramann für die deutsche Propaganda, doch er kehrt nie zu seiner schwangeren Verlobten zurück. 

Jahrzehnte später reist seine Enkeln Nina nach Sizilien, um ein verschollenes Flugzeug vom Meeresgrund zu bergen. Kam ihr Großvater darin ums Leben? Was ist damals wirklich passiert in Tunis?

Aus den verschiedenen Zeitebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt der Autor die Geschichten von Moritz und Nina. Und er erzählt sie gut. Denn er hat ein sehr komplexes Buch geschrieben, das unheimlich viele Themen beinhaltet.

 

Daniel Speck überrumpelt seine Leser mit einer recht unbekannten Sichtweise des Krieges. Tunesier als absolut Unbeteiligte werden zu Opfern. Gerade in dem Schmelztiegel unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen hat ein Eindringen okkupierender Streitmächte gravierende Folgen.

Dabei liefert der Autor viele Informationen,  sei es über Rommels Truppen in Nordafrika, den übereilten Rückzug der Deutschen, oder auch über das jüdische Gedankengut. So spricht er die aus dem Krieg resultierende Entwurzelung und Perspektivlosigkeit von Millionen von Menschen an, in erster Linie Juden aller Nationen, doch durchaus auch anderer Religionen. Häufig drängt sich dem Leser ein Bezug auf die heutige Zeit auf. Die Gefühle von Flüchtlingen, die sich zwischen den Welten befinden und nirgendwo hingehören sind zeitlos und nicht an Orte gebunden.

"Heimat, ein fester Rahmen für die Seele. " Seite 465

 

Dieser Roman enthält unglaublich viele tiefgründige und kluge Denkanstöße. Immer wieder musste ich innehalten und über das Gelesene nachdenken. Ich fand es sogar gut, dass der Leser einige der Handlungsstränge und Richtungen bereits am Anfang kennt oder zumindest erahnt. Somit kann man sich besser auf die tollen Sätze und Lebensweisheiten konzentrieren.

 

Wer macht uns zu dem, was wir sind? Inwieweit können wir das überhaupt beeinflussen? Ist die eigene Identität eine Sache der Entscheidung oder prägen uns vielmehr die Erfahrungen und Erlebnisse unserer Eltern, vielleicht unbewusst?

Nicht zuletzt, wie kann eine Familie mit der ungeklärten Abwesenheit einer geliebten Person umgehen? Eine Frage, die sich durch das ganze Buch zieht.

 

Ein wichtiges Buch, ein kluges Buch, in dem es sehr viel zu entdecken gibt!

  (10)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(32)

67 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

"walfang":w=8,"gewalt":w=3,"abenteuer":w=2,"verbrechen":w=2,"arktis":w=2,"grönland":w=2,"roman":w=1,"mord":w=1,"thriller":w=1,"england":w=1,"19. jahrhundert":w=1,"schuld":w=1,"arzt":w=1,"männer":w=1,"moral":w=1

Nordwasser

Ian McGuire , Joachim Körber
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei mareverlag, 13.02.2018
ISBN 9783866482678
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ian McGuire – Nordwasser

Es macht keinen Spaß, diesen Roman zu lesen. Er ist brutal, grausam, ekelhaft, verstörend und vieles mehr, aber vor allem ist er eines: unheimlich gut!

Das Setting hat mich oft an die Klassiker „Moby Dick“ oder auch „Der Seewolf“ erinnert. Denn auch hier geht es um die Mannschaft eines Walfängers. Nun sind die Besatzungsmitglieder eines solchen Schiffes per se keine zimperlichen oder besonders umgänglichen Menschen. Diese Fahrt der Volunteer ins Nordmeer bei Grönland scheint aber unter absolut keinem guten Stern zu stehen. Der Harpunierer Henry Drax verkörpert das gewissenlose Böse schlechthin, der Schiffsarzt Sumner hat so seine Geheimnisse und überhaupt scheint es einigen an Bord nicht unbedingt nur um den Walfang zu gehen. Als Sumner Drax ein übles Verbrechen nachweisen kann, nimmt das Schicksal seinen Lauf.

McGuire erzählt sehr kraftvoll und flüssig. Schonungslos deckt er menschliche Abgründe angesichts des Überlebenskampfes auf. Die Stimmung ist von Anfang an düster und unheilschwanger, über weite Teile aber spannend wie ein Thriller. Die Beschreibungen sind sehr bildhaft, überall Gemetzel, Blut und sonstige Körperflüssigkeiten. Ein Menschenleben ist nicht allzu viel wert. Der Ekelfaktor in dieser brutalen Männerwelt ist hoch. Trotzdem konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen.

Es geht um Gut und Böse, um den tödlichen Kampf zwischen zwei Männern und den Überlebenskampf in der lebensfeindlichen Arktis. Eine höhere Bedeutung oder Interpretationsmöglichkeit hab ich jetzt nicht gesehen, für mich persönlich ist das aber auch genug.

Der Leser erhält einen sehr authentischen Einblick in das Leben auf einem Walfänger im 19. Jahrhundert. Die Lebensbedingungen waren hart, der Umgangston rau, jeder nur auf sein eigenes Fortkommen bedacht. Wie im Kino läuft die Fahrt im Nordmeer vor einem ab, der Überlebenskampf im ewigen Eis. Ein extrem beeindruckender Roman! Und eine absolute Leseempfehlung an all jene, die Abenteuergeschichten mögen und keinen allzu empfindlichen Magen haben!

  (13)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(73)

132 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

"england":w=9,"flucht":w=8,"flut":w=8,"london":w=7,"baby":w=6,"geburt":w=6,"katastrophe":w=6,"naturkatastrophe":w=6,"mutter":w=4,"lager":w=4,"mutter-kind-beziehung":w=4,"überleben":w=3,"wasser":w=3,"novelle":w=3,"ende":w=3

Vom Ende an

Megan Hunter , Karen Nölle
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 18.05.2017
ISBN 9783406705076
Genre: Romane

Rezension:

Man hat sich verrechnet. Eine Naturkatastrophe überschwemmt nicht nur die englische Küste, sondern auch London. Für eine Flucht ist es für die hochschwangere Erzählerin fast zu spät. Als auch noch der Vater des Kindes verschwindet, muss sie sich mit dem Säugling allein durchschlagen.

 

Dieser dystopisch anmutende Roman besticht durch seine besondere Sprache. Obwohl er sehr knapp und einfach, mit wenigen Worten erzählt, lässt er doch viel Raum für Interpretation, und ist dabei sehr poetisch, behandelt große Fragen des Lebens. So werden die Figuren nur mit einem einzigen Buchstaben benannt, das wirkt einerseits anonym, andererseits bekommt man das Gefühl, es könnte jeden treffen.

 

Dieses kleine Büchlein mit nur 160 Seiten, habe ich an nur einem Abend durchgelesen. Trotz des knappen Umfangs schafft es die Autorin, eindringliche und erschreckend realitätsnahe Bilder entstehen zu lassen. Das Zusammenspiel aus Sprache und Handlung entwickelt einen regelrechten Sog, dem sich der Leser kaum entziehen kann. Das sehr aktuelle Flüchtlingsthema wird hier in einem ganz neuen Zusammenhang aufgegriffen.

 

Neben dem spannenden Thema der Flucht vor der Flut und deren Folgen, behandelt der Roman primär eine sehr starke Mutter-Kind-Bindung gerade vor dem Hintergrund der Katastrophe. Die Autorin macht nicht zu viele Worte, doch wird der Leser darauf gestoßen, sich Gedanken zu machen. Inwieweit veranlasst uns die Verantwortung für einen Menschen, Entscheidungen anders zu treffen.

 

Ein wirklich starker Roman in ungewöhnlichem Stil, der trotz weniger Worte so viel beinhaltet. Eine klare Leseempfehlung!

 

  (9)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

15 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

"liebe":w=1,"japan":w=1,"fukushima":w=1,"schweizerischer autor":w=1

Heimkehr nach Fukushima

Adolf Muschg
Fester Einband: 244 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 20.09.2018
ISBN 9783406727023
Genre: Romane

Rezension:

Adolf Muschg – Heimkehr nach Fukushima

 

Japan scheint mit einem Fluch belegt zu sein, was atomare Katastrophen betrifft. Nach Hiroshima und Nagasaki, erlebt 2011 auch Fukushima seinen Super-Gau. Genau hier setzt Adolf Muschg mit seinem Roman an, allerdings weniger bei der Katastrophe selbst, sondern vielmehr bei den Folgen, die die Bevölkerung zu tragen hat, lange nachdem die Weltöffentlichkeit schon wieder wegsieht.

 

Der Bürgermeister eines japanischen Dorfes, nahe des Unglücksmeilers von Fukushima gelegen und damit in der Sperrzone, möchte den Ort wieder mit Leben füllen. Die ehemaligen Bewohner sollen zurückkehren, obwohl die Böden verseucht sind. Er lädt den Architekten Paul Neuhaus ein, dieser soll als Botschafter und Pionier fungieren. Gleichzeitig bahnt sich eine Liebelei mit der Nichte des Bürgermeisters an. Paul kommt als Besucher, als Außenstehender und nimmt als solcher den Leser an die Hand. Er informiert sich, er interviewt Menschen.

 

Dieser, sowohl sprachlich als auch inhaltlich anspruchsvolle Roman hat es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft. Tatsächlich fand ich ihn nicht leicht zu lesen, was zum Teil an der nicht gekennzeichneten wörtlichen Rede liegt. Auch setzt der Autor einiges an vertiefter Allgemeinbildung voraus. Etliche Abschweifungen in unterschiedliche kulturelle Bereiche machen die Lektüre nicht einfacher. 

Das ganze Buch durchziehen immer wieder Bezüge, auch Zitate, zu Adalbert Stifter. Damit könnte ich persönlich eher weniger anfangen. Ich habe auch den Zusammenhang nicht ganz nachvollziehen können. Vielmehr empfand ich diese Zitatstellen als den Lesefluss störend, irgendwann hab ich sie dann einfach überlesen.

 

"Erinnern und Vergessen gehören zusammen." Seite 80

 

Die Katastrophe von Fukushima ist allgegenwärtig, meist jedoch aus einem ganz speziellen japanischen Blickwinkel. Ich war eigentlich positiv überrascht,  wie detailliert auf die Katastrophe und ihre Folgen eingegangen wird. Der Autor schafft ein umfassendes und einfühlsames Bild der ehemaligen Bewohner der Sperrzone, wobei auch die japanische Kultur und Mentalität nicht zu kurz kommt. 

 

Letztendlich geht es um die Gegenüberstellung und Abwägung von Sehnsucht nach der Heimat, dem Wunsch in das verstrahlte Gebiet zurückzukehren, und auf der anderen Seite die Gefahren für die Gesundheit.

 

Den Protagonisten Paul muss man nicht verstehen oder gar mögen. Er ist nur sehr holzschnittartig dargestellt, um ihn geht es nicht. Er ist nur der Mittler, der dem Leser Zugang zur Bevölkerung dieses kleinen japanischen Ortes macht. So mein Empfinden. Auch die Liebesgeschichte passiert ihm eher und wirkt teilweise etwas skurril. Das mag an den Beschreibungen liegen.

 

Dieser Roman hat ein spezielles Thema und er ist insgesamt besonders. Sicherlich wird er mir länger im Gedächtnis bleiben. Die Nominierung auf der Longlist halte ich für gerechtfertigt. Auf jeden Fall ein interessantes Buch, mit ganz neuen Gedankenansätzen.

 

 




  (10)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die Eismacher

Ernest van der Kwast , Andreas Ecke
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 08.10.2018
ISBN 9783442717453
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Das Buch der Spiegel

E.O. Chirovici , Werner Schmitz , Silvia Morawetz
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.06.2018
ISBN 9783442487554
Genre: Romane

Rezension:

E. O. Chirovici – Das Buch der Spiegel

Hierbei handelt es sich im Prinzip um einen klassischen Kriminalroman um zwei verschwundene Manuskripte eines aus Transsilvanien stammenden Autors. Eines dieser Manuskripte handelt von der 25 Jahre zurückliegenden Ermordung eines bekannten Professors, allerdings liegt nur ein Teil davon vor und der Autor stirbt kurz darauf. Die Suche nach der Wahrheit beginnt.

Der Autor spielt mit der Macht und Beeinflussbarkeit von Erinnerungen. Es wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Was ist Lüge, was ist (verfälschte, manipulierte) Wahrheit? Welche Version ist die richtige? Der Roman steckt voller unerwarteter Wendungen, kaum etwas ist so, wie es am Anfang scheint. Dazu muss ich sagen, dass dieses beabsichtigte Spiel mit Erinnerungen für mich oft nicht so klar erkennbar war und ich teils das Gefühl hatte einen banalen Kriminalroman mit einfacher Tätersuche zu lesen.

Für mein Gefühl dauert es recht lange, bis Spannung aufgebaut wird. Über hundert Seiten werden anfangs dem geheimnisvollen Manuskript eingeräumt, welches in der Mordnacht abrupt endet. Das Verwirrspiel beginnt erst danach. Für mich gab es hier doch ein paar Längen.

So kann ich, auch wenn mir das Buch sprachlich gut gefallen hat, hier nur eine eingeschränkte Leseempfehlung abgeben.

„Ich glaube, für die meisten bedeutet Erwachsenwerden leider nur, es zu schaffen, ihre Träume in eine Schachtel zu packen und sie im East River zu versenken.“ Seite 10

  (5)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(66)

139 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

"demenz":w=9,"familie":w=7,"mord":w=4,"usa":w=4,"idaho":w=4,"gefängnis":w=3,"tragödie":w=3,"erinnerungen":w=2,"erinnerung":w=2,"familiendrama":w=2,"familientragödie":w=2,"totschlag":w=2,"verschwundenes kind":w=2,"liebe":w=1,"roman":w=1

Idaho

Emily Ruskovich , Stefanie Jacobs
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 19.02.2018
ISBN 9783446258532
Genre: Romane

Rezension:

Emily Ruskovich – Idaho

Die Autorin Emily Ruskovich hat mit diesem Buch ein vielversprechendes Debut vorgelegt, für mich ist es eine Mischung aus Roman und Thriller, über ein bedrückendes Thema.

Eine ganz normale Familie arbeitet an einem heißen Sommertag im Wald – eine perfekte Idylle. Bis ein einziger Moment alles zerstört. Wades jüngere Tochter ist tot, die ältere spurlos verschwunden. Seine Frau Jenny wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Jahre später beginnt Wades zweite Frau Ann nachzuforschen, doch seine beginnende Demenz, erschwert dies. Ihr Zusammenleben mit ihm ist überhaupt nur aus der Tragödie heraus möglich, diese bildet quasi die Grundlage. So fühlt auch sie sich indirekt schuldig und versucht etwas wiedergutzumachen, das längst zerstört ist.

„Sie hat Wades Vergangenheit genommen und vor sich ausgebreitet. Ihre Zukunft ist ein Weg in die Vergangenheit, auch wenn er langsam verschwindet. Jenes langsame Ausradieren, jene weiße Linie, die sich durch das Dunkel in seinem Gedächtnis zieht, dieser Linie wird sie durch ihr eigenes Leben folgen. Und sie wird sie mit Gewissheit in ihr eigenes geheimes Gefängnis führen, direkt bis vors Tor.“ Seite 202

Emily Ruskovich hat eine ganz eigene, eindringliche Art zu erzählen. Ihr Werk ist sehr angenehm lesbar, wenn auch nicht immer leicht auszuhalten. Eine bedrohliche Stimmung schwingt zwischen den Zeilen stets mit. Sie erzählt aus verschiedenen Perspektiven und aus den unterschiedlichen Zeitebenen, stellt immer wieder die Frage, was ist damals wirklich passiert, wie konnte so etwas geschehen. Ganz wichtig: sie schafft es, Verständnis und Mitleid für alle Figuren entstehen zu lassen, selbst und besonders für die Mutter, die des Mordes an ihrer Tochter verurteilt wurde. Einen beträchtlichen Teil des Romans nimmt so die Beschreibung des Alltags und der Probleme Jennys im Frauengefängnis ein.

Ein weiteres großes Thema dieses Buches ist Wades Demenz, deren Vergessen für ihn Fluch und Gnade zugleich sind. So kämpft jeder gegen seine eigene Verzweiflung, sucht seinen eigenen Weg, mit der Tragödie zu leben.

Keine einfache Lektüre, aber hervorragend umgesetzt, ohne ständig auf die Tränendrüse zu drücken – für mich ganz große Literatur! Dringende Leseempfehlung.

  (8)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(77)

139 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

"thriller":w=7,"schweden":w=5,"folter":w=4,"joakim zander":w=4,"krieg":w=3,"verrat":w=3,"terror":w=3,"agent":w=3,"politik":w=2,"cia":w=2,"politthriller":w=2,"syrien":w=2,"schwimmen":w=2,"brüssel":w=2,"damaskus":w=2

Der Schwimmer

Joakim Zander , Ursel Allenstein , Nina Hoyer ,
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.09.2014
ISBN 9783499268878
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(49)

92 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 40 Rezensionen

"japan":w=9,"krimi":w=6,"thriller":w=6,"mord":w=4,"spannung":w=2,"cold case":w=2,"osaka":w=2,"pfandleiher":w=2,"verbrechen":w=1,"detektiv":w=1,"computer":w=1,"mordserie":w=1,"80er jahre":w=1,"80er":w=1,"70er":w=1

Unter der Mitternachtssonne

Keigo Higashino , Ursula Gräfe
Fester Einband: 720 Seiten
Erschienen bei Tropen, 10.03.2018
ISBN 9783608503487
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Keigo Higashino – Unter der Mitternachtssonne

Dies war mein erstes Buch dieses japanischen Autors und ich muss gestehen, dass mich dieses opulente Werk schwer beeindruckt hat. Trotz des Umfangs von über 700 Seiten habe ich es in wenigen Tagen verschlungen.

In erster Linie geht es um den Mord an dem Pfandleiher Kirihara vor 20 Jahren, der nie aufgeklärt werden konnte. Der Detektiv Sasagaki gibt diesen Fall nie auf, und er geht dabei an seine Grenzen. Diese Geschichte wird in vielen Handlungssträngen und verschiedenen Zeitebenen erzählt, oft hatte ich schon das Gefühl, der Autor hätte sich in seinem eigenen Labyrinth verlaufen. Sehr lange ist nämlich überhaupt nicht klar, was diese vielen Personen miteinander zu tun haben könnten und was das alles noch mit dem alten Mordfall zu tun hat. So bleiben die Zusammenhänge fast bis zum Schluss unklar, dennoch wird es nie langweilig. Und letztendlich schafft es Higashino doch noch, alles zu einer schlüssigen Auflösung zu führen. Und nichts ist so, wie es anfangs schien.

Bemerkenswert fand darüber hinaus, wie viele große Themen in einem einzigen Roman auftauchen können. Um nicht zu spoilern, möchte ich diese hier aber nicht genauer benennen. Doch auch die japanische Kultur kommt dabei nicht zu kurz.

Die wirkliche Herausforderung, die dieses Werk an seine Leser stellt, sind meiner Meinung nach die vielen japanischen Namen, die noch dazu teils recht ähnlich klingen. Eine echte Hilfe ist dabei aber das beiliegende Lesezeichen mit einem Verzeichnis der wichtigen Personen.

Ich habe die Lektüre sehr genossen. Ein tiefgründiger und vielschichtiger, dabei aber sehr unterhaltsamer Thriller. 

  (9)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(97)

142 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 89 Rezensionen

"schweiz":w=8,"französische revolution":w=8,"versailles":w=4,"roman":w=3,"frankreich":w=3,"liebesgeschichte":w=3,"kuhhirte":w=3,"liebe":w=2,"verbotene liebe":w=2,"wahre begebenheit":w=2,"vorablesen":w=2,"eingeschneit":w=2,"königskinder":w=2,"alex capus":w=2,"ludwig xvi":w=2

Königskinder

Alex Capus
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 20.08.2018
ISBN 9783446260092
Genre: Romane

Rezension:

Alex Capus – Königskinder

Dies ist die Geschichte der unmöglichen Liebe zwischen einer reichen Bauerstochter und einem mittellosen Kuhhirten. Sie spielt in der Schweiz zur Zeit der Französischen Revolution, wird allerdings in heutiger Zeit von einem Paar nacherzählt, das die Nacht in ihrem eingeschneiten Auto auf einem Alpenpass verbringen muss. Dadurch haftet dem Roman etwas Märchenhaftes an. Zum Inhalt möchte ich nicht mehr sagen, da ich finde, dass der Klappentext hier viel zu viel verrät.

Alex Capus sorgt für ein angenehmes Leseerlebnis und  er schafft es mühelos, das bäuerliche Umfeld zum Leben zu erwecken. Das liegt unter Anderem an der Sprache, die ich teils recht derb fand, die aber sicherlich den damaligen Gepflogenheiten entspricht. „Der Bauer schnaubt. Was will das freudlose Geschöpf denn schon wieder hier, bei ihrem Anblick wird einem ja ganz schwach im Gekröse(…) Wäre Mathilde eins seiner Kälber, er hätte sie längst schlachten lassen.“ Seite 44

Generell fallen die vielen vielen Vergleiche von Menschen mit Tieren auf, besonders bei den Äußerungen des Bauern. Nun ja, das ist nicht immer nett, wirkt andererseits sehr authentisch und verrät viel über die Sichtweise der entsprechenden Protagonisten. Gleichzeitig sind sämtliche Personen sehr liebevoll und detailreich gezeichnet.

Einen besonderen Reiz sehe ich in dem steten Wechsel zwischen den Jahrhunderten, der mühelos gelingt. Die eigentliche Geschichte wird vor dem Hintergrund der Weltgeschichte erzählt. Eine sehr turbulente Zeit, die vor dem inneren Auge des Lesers zum Leben erweckt wird, nämlich in der Schweiz und in Versailles zur Zeit der Französischen Revolution.

Dieser kurze Roman hat mir sehr gut gefallen, ich empfehle ihn gerne weiter! 

  (6)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

"südamerika":w=1,"fliegen":w=1,"anden":w=1,"fliegerei":w=1,"antoine de saint-exupéry":w=1

Nachtflug

Antoine de Saint-Exupéry , Annette Lallemand
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Rauch, K, 01.04.2015
ISBN 9783792000632
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(76)

147 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 47 Rezensionen

"freundschaft":w=17,"berge":w=10,"italien":w=7,"alpen":w=5,"natur":w=4,"nepal":w=4,"roman":w=3,"einsamkeit":w=3,"familie":w=2,"männer":w=2,"wandern":w=2,"vater-sohn-beziehung":w=2,"himalaya":w=2,"bergsteigen":w=2,"bergwelt":w=2

Acht Berge

Paolo Cognetti , Christiane Burkhardt
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei DVA, 11.09.2017
ISBN 9783421047786
Genre: Romane

Rezension:

Dieser großartige Roman wurde in Italien mit dem Premio Strega, dem bedeutendsten Buchpreis des Landes ausgezeichnet. Wie ich finde, absolut zu Recht.

 

Pietro und Bruno sind grundverschieden. Doch verbindet sie bereits seit ihrer Kindheit eine tiefe Freundschaft, die ein Leben lang anhalten wird. Pietro wächst in Mailand auf, aber seine Sommerferien verbringt er in einem kleinen Bergedorf in den italienischen Alpen, wo Bruno als einfacher Bergbauernsohn lebt. Ersterer geht immer wieder in die Stadt zurück, um seine Ausbildung voranzutreiben und zu arbeiten. Aber immer wieder kehrt er zurück in die Berge, wo er so etwas wie eine innere Heimat gefunden hat. Bruno dagegen wird seinen Heimatort nie verlassen. Die lebenslange Suche zweiter Freunde nach dem Glück.

"Die Zukunft entfernte mich von den Bergen meiner Kindheit, was schade und schön zugleich war, einfach unvermeidlich." Seite 98

 

Wie Pietro verbringt der Autor Paolo Cognetti die Sommermonate gerne in einer Hütte in den Bergen. Auch der Geburtsort Mailand und die Dokumentarfilme finden sich in beiden Lebensläufen. Vielleicht wirkt die Geschichte deshalb so authentisch, weil sie es ist. Ein beeindruckender Roman, gewaltig in Sprache und Naturbildern.

 

Wie nebenbei erfährt man viel Wissenswertes über die Bergwelt, über Gletscher, Käseherstellung, Hüttenbau. Der Autor bringt seinen Lesern den einfachen Lebensalltag in kleinen, aussterbenden Bergdörfern nahe. Dabei ist die Sprache schlicht, aber sehr gut lesbar. Die Stärke dieses Romans liegt in der ruhigen Erzählweise, die sehr wohl tiefe Emotionen transportiert und perfekt die Stille und Ruhe der Berge widerspiegelt. 

 

Neben der Freundschaft zwischen Pietro und Bruno steht noch die etwas schwierige Vater-Sohn-Beziehung im Fokus. Die Liebe zur Natur und die Sehnsucht nach den Bergen hat Pietro von seinem Vater geerbt, den es auch immer wieder dorthin zurückzog. Dennoch kommen sich die beiden nie wirklich nahe, steht irgendetwas immer zwischen ihnen.

Die Protagonisten sind sehr gut ausgearbeitet und gut vorstellbar. Es geht um ganz grundsätzliche Fragen. Indem man die unterschiedlichen Lebensentwürfe betrachtet, fragt man sich, welche Lebensweise ist wohl die bessere, wo findet man sein Glück. Man reflektiert und vergleicht.

 

"Mir war, als hätte ich etwas Wichtiges verpasst, während ich mit anderen, unwichtigen Dingen beschäftigt gewesen war, an die ich mich nicht mal mehr erinnerte." Seite 133

 

Ein ruhiges Buch, das große Lebensweisheiten in sich birgt. Eine dringende Leseempfehlung! 

 

 

  (11)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(57)

92 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

"roman":w=5,"blumen":w=3,"familie":w=2,"verlust":w=2,"erinnerung":w=2,"david whitehouse":w=2,"abenteuer":w=1,"belletristik":w=1,"drama":w=1,"new york":w=1,"suche":w=1,"reisen":w=1,"reisebericht":w=1,"bibliothek":w=1,"pflanzen":w=1

Der Blumensammler

David Whitehouse , Dorothee Merkel
Fester Einband: 346 Seiten
Erschienen bei Tropen, 30.08.2018
ISBN 9783608503739
Genre: Romane

Rezension:

 

 

"Sollten wir uns nicht damit zufrieden geben,  uns im Lächeln der Sonne zu baden, statt unsere Finger auszustrecken und sie berühren zu wollen?" Seite 8

 

An diesem wunderschönen Roman haben mich das hübsche Cover und der Klappentext gereizt.

In einer Bibliothek stößt Peter Manyweathers auf einen alten Brief. Dieser veranlasst ihn, alles stehen und liegen zu lassen, um sechs seltene Blumen zu finden. Eine abenteuerliche Reise um die ganze Welt beginnt.

Dreißig Jahre später erreichen Dove Gale Erinnerungsfetzen aus dem Leben eines Anderen. Aber warum und wie ist das möglich?

Im Prinzip werden abwechselnd in eigenen Kapiteln und teils auf verschiedenen Zeitebenen, die Erlebnisse dreier Männer beschrieben, deren Lebenswege auf wundersame Weise verknüpft sind. Gerade am Anfang des Buches fand ich das manchmal etwas unübersichtlich und anspruchsvoll zu lesen.

 

Ein kraftvoller, oft recht kurioser Roman, in dem auch die Liebe nicht zu kurz kommt. Insgesamt ein sehr unterhaltsames Leseerlebnis, die einzelnen Reiseziele werden aber für meinen Geschmack etwas zu schnell abgearbeitet. Im Vordergrund steht dann doch mehr die Sache mit den Erinnerungen.

 

Die Protagonisten sind zum großen Teil sehr sympathisch, bis auf einen Bösewicht. Hier fand ich die Charaktere etwas zu sehr schwarz-weiß gezeichnet, da schon von vorneherein klar war, wer auf welcher Seite steht.

Die Handlung fand ich immer mal wieder etwas überzogen und realitätsfern. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass dieses Buch unbedingt einer möglichst breiten Leserschaft gefallen sollte und deshalb immer wieder konstruierte Spannungsbögen erstellt wurden, die nicht nötig gewesen wären.

 

Trotz einiger Kritikpunkte hat es mich doch sehr gut unterhalten und ich werde den jungen britischen Autor im Auge behalten, denn den Schreibstil fand ich angenehm zu lesen. Zum Highlight hat dann aber noch das gewisse Quäntchen gefehlt.

 

  (13)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

"deutscher autor":w=1,"berlin verlag":w=1

Stromland

Florian Wacker
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 01.03.2018
ISBN 9783827013606
Genre: Romane

Rezension:

Diesen Roman finde ich schlichtweg genial und er ist schon jetzt eines meiner Highlights 2018!

 

Um das Stromland im Amazonasgebiet ranken sich viele Geschichten und Mythen. Viele Abenteurer und Goldjäger haben hier über die Jahrhunderte schon ihr Glück versucht, die meisten davon sind gescheitert.

 

Brasilien im 18. Jahrhundert.  Flirrende Hitze mitten im Dschungel,  Affen kreischen, Kolibris flattern. Die Jesuiten, auch Schwarzröcke genannt, beginnen die indigenen Bewohner zu missionieren. Friedlich und mit einigem Erfolg. Bis wenig später bewaffnete Spanier und Portugiesen in den Dschungel eindringen und Besitzansprüche stellen. Schwitzend und halb irr von der Gier nach Gold, von Mücken zerstochen. Nun beginnt ein blutiger Kampf am Amazonas, der bis heute andauert.

 

"Der Urwald war lichtgetränkt, Schlingpflanzen und Farne wucherten, riesige gemaserte Blätter,  Blütenkelche, die Aasdüfte verbreiteten, winzige Fliegen setzten sich an ihre Lippen, in die Nasenlöcher. " Seite 131

 

Peru, 1984. Irina ist gemeinsam mit ihrem Freund auf der Suche nach ihrem Zwillingsbruder Thomas, der bei einem Filmdreh im Dschungel verschollen ist. Unerfahren und unter widrigsten Bedingungen geraten sie tief ins Herz der Finsternis, bewegen sich zunehmend an der Grenze zwischen Wahn und Realität, Erinnerung und Hoffnung. Zufällig treffen sie schließlich auf die Familie Wilhelmi deren Wurzeln im Dschungel bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Johann Wilhelmi war einer der ersten, die ihr Lager im peruanischen Urwald aufschlugen - und blieben.

Florian Wacker schlägt einen großen Bogen über drei Jahrhunderte und erzählt von der Verzweiflung und von der Einsamkeit, von Krankheiten und von den Abgründen menschlicher Hoffnungen und Sehnsüchte.

 

Die Handlung ist spannend und tiefgründig. Besonders beeindruckt hat mich an diesem Roman aber die Sprache. Denn die ist grandios. Detailreich, oft poetisch. Der Leser bekommt Bilder wie im Kino, bisweilen grausam, aber immer hautnah und eindringlich. Auf mehreren Zeitebenen, über drei Jahrhunderte, doch der Regenwald bleibt immer gleich unwirtlich,  hier gelten eigene Gesetze, die der Zivilisation sind außer Kraft gesetzt. Was passiert mit der Menschlichkeit fernab der Zivilisation? Wie weit gehen die Siedler, um ihr Leben in der Wildnis lebenswert zu gestalten und dem Regenwald Stück für Stück Land abzuringen?

 

"Aber der Fluss kennt unsere Namen,  der Wald kennt unsere Gesichter. Sie werden weinen, wie kleine Kinder vor Sehnsucht, und dann werden sie zu toben beginnen und alles tun, um uns zurückzuholen." Seite 283

 

Für mich ist dieser Roman die Entdeckung des Jahres. Ein anspruchsvoller und spannender Abenteurerroman, der viele existenzielle Fragen aufwirft. Fesselnd und grandios geschrieben. Sollte man gelesen haben!

 

  (18)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(68)

98 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 60 Rezensionen

"england":w=3,"literatur":w=3,"schriftstellerin":w=3,"krieg":w=2,"gedicht":w=2,"kriegszeit":w=2,"freundschaft":w=1,"familie":w=1,"freunde":w=1,"schule":w=1,"englisch":w=1,"kindheit":w=1,"einsamkeit":w=1,"großbritannien":w=1,"teenager":w=1

Weit weg von Verona

Jane Gardam , Isabel Bogdan
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 23.07.2018
ISBN 9783446260405
Genre: Romane

Rezension:

Weit weg von Verona – Jane Gardam

 

Dies ist der Debütroman der sehr bekannten englischen Autorin Jane Gardam aus dem Jahre 1971, in dem sie den wichtigen Zeitraum im Leben eines Mädchens zwischen Kindheit und Pubertät behandelt. 

Jessica ist 12 Jahre alt und eckt mit ihrer bedingungslos ehrlichen Art in dem kleinen englischen Küstenort ständig überall an, in der Schule, in der Familie, bei Freunden. Überschattet wird ihre späte Kindheit zudem durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges. Doch Jessica träumt davon Schriftstellerin zu werden. Und trotz Zweifeln von Anderen und sich selbst, verfolgt sie diesen Traum hartnäckig. Habe ich hier möglicherweise autobiographische Züge festgestellt?

 

Jane Gardam hat hier eine willensstarke Mädchenfigur geschaffen, die ihrer Zeit weit voraus ist und die sie einfühlsam begleitet auf einem kurzen Stück ihres Weges. Man erfährt viel über die damaligen gesellschaftlichen Konventionen und das Schulleben in England. Obwohl der Roman 1971 veröffentlicht wurde und zur Zeit des Krieges spielt, hatte ich oft den Eindruck, dass die Handlung noch wesentlich früher liegt. Für mich hatte das Ganze etwas recht altbackenes und erinnerte mich häufig an diverse englische Klassiker. Für diese knapp 240 Seiten habe ich ungewöhnlich lange gebraucht, was aber nicht an der Sprache lag.

 

Sprachlich hat mir dieses Werk gut gefallen, doch inhaltlich konnte es mich leider nicht mitreißen.  Jessica ist schon eine echt schwierige Person. Sie erzählt aus ihrer Perspektive und ist von daher, in dem Alter auch durchaus normal, sehr selbstbezogen. Gestört hat mich, dass sie sich im Verlauf dieser Geschichte auch nicht weiterentwickelt hat (ok, die Zeitspanne der Erzählung beträgt nur wenige Jahre).

Es ist ein sehr ruhiger Roman, ohne große Spannungsmomente. Insgesamt war es mir dann aber doch zu wenig. Zu wenig Handlung,  zu wenig Tiefe. Emotional war ich hier nicht beteiligt, bei mir ist keine Botschaft angekommen, sehr flüchtig. 

 

  (11)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(24)

31 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

"roman":w=1,"freundschaft":w=1,"kind":w=1,"vorurteile":w=1,"überfall":w=1,"roadtrip":w=1,"roadmovie":w=1,"tankstelle":w=1,"skurill":w=1,"verlag oetinger":w=1,"iraner":w=1

Tankstellenchips

Antonia Michaelis , Kathrin Schüler
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 23.07.2018
ISBN 9783789109188
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ein skurriles Heldenepos mit einer ungewöhnlichen Freundschaft für jugendliche Leser

Bei diesem Jugendroman hat mich der Klappentext neugierig gemacht, der klang nämlich recht vielversprechend und nach einem interessanten Konzept. Es handelt sich hierbei nämlich um einen Roadmovie, und um die Zufallsbekanntschaft eines jungen Iraners, ein Flüchtling, mit einem kleinen Jungen, die sich zur Freundschaft entwickelt. Beide beobachten zufällig einen Einbruch und befinden sich fortan auf der Flucht, vor der Polizei, vor ihren verkorksten Leben. Aber kann man ewig auf der Flucht sein?

Der Iraner Shayan ist vor einem Jahr aus seiner Heimat geflohen und hat eine lange Reise/Flucht hinter sich. Er spricht nur gebrochen deutsch, ebenso wie der kleine Junge, Davy, der aus einem Kinderheim ausgebüxt ist und an einem Sprachfehler leidet. Dies ist die Ausgangslage für viele Sprachspielereien, mit denen die Autorin arbeitet. Anfangs hat mir das sehr gut gefallen, irgendwann wurde es mir aber einfach zu viel.

Weitaus besser haben mir da die häufigen Gegenüberstellungen der Kulturen gefallen. Diesen Bereich fand ich durchaus gelungen und auch der Zielgruppe angemessen.

„Dieses Deutschland ist ein sehr schönes Land, wenn man es schafft, der allgemeinen deutschen Eile und Effektivität zu entrinnen.“ Seite 32

Hier muss ich kurz anmerken, dass Shayan genau wie Davy Christ ist und somit das schwierige Thema der Religionen zum Großteil ausgespart werden konnte.

Mit der Handlung, also der Reise/Flucht an sich hatte ich nun wieder so meine Probleme. Ein Abenteuer jagt das andere. Es ist wohl auch Absicht, dass vieles überspitzt dargestellt wird, mir persönlich kam einiges seeeehr unglaubwürdig und übertrieben vor. Auch Shayans Charakter war mir zu glatt und zu naiv.

Insgesamt konnte mich dieses Jugendbuch nicht wirklich packen, auch wenn viele gute Stellen zur Völkerverständigung dabei waren, doch selbst diese wirkten auf mich oft recht konstruiert. Doch vielleicht sollte man einfach mal die erwachsene Sicht der Dinge zur Seite schieben und einfach eine charmant erzählte, verrückte Geschichte mit ihren liebenswerten Protagonisten genießen.

  (6)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(20)

23 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 19 Rezensionen

"gartenzwerge":w=2,"liebe":w=1,"krimi":w=1,"roman":w=1,"rezension":w=1,"erpressung":w=1,"killer":w=1,"mafia":w=1,"autounfall":w=1,"prostituierte":w=1,"bauernhof":w=1,"schlüssel":w=1,"alpträume":w=1,"kneipe":w=1,"landwirtschaft":w=1

Monstratorem

Anja Gust
Flexibler Einband: 279 Seiten
Erschienen bei AAVAA Verlag, 01.07.2018
ISBN 9783845926544
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Geschichte einer unbeschreiblichen Liebe

Die Autorin Anja Gust hat sich mit diesem Debütroman viel vorgenommen. Es geht um ein Syndikat und um einen Schlüssel, den der Auftragskiller Tom unbedingt wiederfinden muss. Außerdem geht es um die Liebe Toms zu seinem Opfer Sina, die den Schlüssel zufällig in die Hände bekommen hat. Er muss sie töten, doch kann er seine Gefühle ausblenden, um seine Pflicht zu tun?

„Ich bin ein schlechter Mensch und habe viele böse Dinge getan. Aber wenn man von etwas besessen ist, hört man irgendwann auf zu denken und funktioniert nur noch. Und dieses Funktionieren schaltet alle Emotionen aus, fast alle“ Seite 296

Es ist eine nette Geschichte, die sich zügig lesen lässt. Die Autorin ist zu sehr ansprechender, fast poetischer Sprache fähig und liefert teils wunderbare Landschaftsbeschreibungen. Nur leider setzt sie diese Kunst nicht immer an passender Stelle ein und kann dies auch nicht bis zum Ende halten. Hier mache ich nicht zuletzt auch das zuständige Lektorat verantwortlich.

Es werden einige Personen aus einem Ort im ländlichen Schleswig-Holstein vorgestellt und verschiedene Handlungsstränge verfolgt. Teilweise hatte ich das Gefühl, die Autorin verzettelt sich irgendwo. Auf jeden Fall war dies, wie auch der zum Teil recht umständliche Erzählstil der Spannung abträglich.

Auch den Klappentext finde ich nicht optimal. Es passiert so viel mehr in dem Roman und auf die angekündigte Liebesgeschichte muss der Leser bis zum letzten Drittel des Romans warten.

Dieses Buch hat viele sehr gute Ansätze und es hat mich streckenweise wirklich gut unterhalten. Dennoch wirkt es insgesamt so, als müsste es erst noch überarbeitet und gestrafft werden, sowohl sprachlich als auch inhaltlich.

 

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(25)

28 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

"jugendbuch":w=2,"kinderbuch":w=2,"theater":w=2,"burg":w=2,"graf":w=2,"kostüme":w=2,"fantasy":w=1,"geheimnis":w=1,"vater":w=1,"mystery":w=1,"geschwister":w=1,"urban fantasy":w=1,"düster":w=1,"mobbing":w=1,"schloss":w=1

Agalstra

Anna Herzog
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 20.06.2018
ISBN 9783649624516
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ein Kinderbuch, empfohlen ab 10 Jahren, welches mir als erwachsener Leserin sehr gut gefallen hat. Einem 10jährigen würde ich es aber nicht in die Hand geben.

Erwähnenswert ist insbesondere das ganz tolle Cover. Der Coppenrath-Verlag hat sich hier augenscheinlich viel Mühe gemacht. Dunkel schimmernd, mit einer Aussparung vorne mittig, in der man schon die Thematik, nämlich Theater, erkennen kann, ist es wunderschön.

Die Geschwister Merle und Felix (7 Jahre) nehmen an einem Theater-Workshop in einer alten Burg teil. Sie und ihre Freunde finden in einem Eiskeller antike Kostüme, doch irgendetwas stimmt damit nicht. Ihr Theaterspiel scheint von fremder Hand gelenkt zu werden. Ist es wirklich noch ihr eigenes Spiel, oder ist es das uralte, grausame Spiel der Kostüme, und welche Geschichte steckt dahinter?

„Weit, weit leuchtete der Schnee im Mondlicht. Diese lange Winternacht, in der so viel Grausames geschah – sie lebt in mir, sie wird mich nie verlassen.“ Seite 90

Mir hat es besonders die unheimliche, etwas gruselige Grundstimmung angetan, welche die Autorin mit ihrer teils poetisch, atmosphärischen Sprache hervorragend vermittelt. Da mir Stimmung und Sprache bei einem Buch sehr wichtig sind, sehe ich dann gerne mal über kleinere logische Misstöne hinweg. So erfährt man beispielsweise kein Alter von Merle und den älteren Kindern. Da sich unter anderem auch eine sehr zarte Liebesgeschichte anbahnt, würde ich es aber mit 13 aufwärts schätzen. Sowohl Merle als auch die anderen Kinder entsprechen keinem Bild eines Kinderbuchhelden. Das macht sie authentisch und sympathisch. Gleichzeitig wird dadurch die Botschaft vermittelt: Bleib, wie du bist, du bist genau richtig so!

Der Erzählstil hat mir persönlich recht gut gefallen. Die Autorin wechselt zwischen poetisch-unheimlichen, schwarz hinterlegten Stellen, die meist mit der Vergangenheit zu tun haben und Passagen aus der Gegenwart. Da vor allem die Teile aus der Vergangenheit bis zum Schluss recht schwer einzuordnen sind, würde ich ein Lesealter frühestens ab 12 Jahren empfehlen.

  (8)
Tags:  
 
89 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.