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74 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 16 Rezensionen

roman, historisch, schneewittchen, märchenadaption, lilach mer

Winterkind

Lilach Mer
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Dryas Verlag, 01.09.2012
ISBN 9783940855367
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Winterkind" ist die Fortsetzung des berühmten "Schneewittchen"-Märchens der Gebrüder Grimm: Schneewittchen, in diesem Fall Blanka von Rapp, hat ihren Prinzen geheiratet und inzwischen eine eigene Tochter bekommen. Aus ihrem "Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage" ist bisher jedoch nichts geworden, da der Schatten ihrer grausamen Mutter noch immer über ihr zu liegen scheint. Den Roman nun als reine Märchenadaption zu bezeichnen, würde ihm allerdings nicht gerecht werden. Vielmehr handelt es sich um eine historisch äußerst präzisise und stimmig recherchierte Geschichte mit dem einen oder anderen märchenhaften Einfluss - in meinen Augen eine perfekte Mischung!

Das Geschehen wird abwechselnd aus der Sicht von Blanka von Rapp sowie von Sophie, der Gouvernante von Blankas Tochter, erzählt. Beide Charaktere sind mit viel Leben gefüllt: Sophie kommt äußerst sympathisch herüber und bietet in ihrer nüchternen und intelligenten Art viel Identifikationspotential für den Leser. Blanka dagegegen erscheint als ängstliche und gebrochene Frau, der man von Herzen ihr Happy End wünschen würde. Wenn sie sich mit ihrem "Haltung, Blanka" immer wieder selbst ermahnt und von den gesellschaftlichen Konventionen unter Druck setzen lässt, bekommt man eine Ahnung davon, wie hart das Leben auch für Frauen ihres Standes zu der damaligen Zeit gewesen sein mag.
An jedem Kapitelende wechselt die Perspektive des Romans außerdem kurz in die Kindheit von Blanka von Rapp und hier erkennt man das zugrundeliegende Märchen eindeutig wieder: Geschildert wird Blankas Leben von der Geburt an, wie sich die Eifersucht der Mutter immer weiter auf ihr Leben auswirkt und welche Rolle der geheimnisvolle Spiegel für die Mutter spielt. Die sieben Zwerge sucht man hier allerdings vergeblich, stattdessen wird das Märchen in einen wesentlich realistischeren Kontext gebracht - so wie die Autorin "Schneewittchen" neu erzählt, hätte es tatsächlich stattfinden können.
Zum Ende des Romans vermischen sich die einzelnen Ebenen immer weiter mit den märchenhaften Elementen und es wird sehr spannend und dramatisch. Ich habe regelrecht mit Blanka mitgefiebert, ob sie dem Schrecken ihrer Vergangenheit endlich entfliehen kann!

Das alltägliche Leben der Menschen im ausgehenden 19. Jahrhundert wird sehr gut herübergebracht: Da sind zunächst die gut betuchten Leute wie Blanka von Rapp, ihr Mann und die heranwachsende Tochter, die mit viel Personal auf ihrem eigenen Grundstück leben und denen es - eigentlich - gut gehen sollte. Aber auch das Leben der Arbeiter, die verpassten Chancen der Mägde oder das Schicksal der Gouvernante, die - in einer anderen Zeit geboren - sicherlich zu Höherem bestimmt gewesen wäre, werden aufgegriffen. Sehr gut hat Lilach Mer außerdem verdeutlicht, wie beschwerlich das Leben früher gerade im Winter war, wenn dringend Vorräte benötigt wurden, Ärzte mit Schneemassen zu kämpfen hatten (und daher nicht zu ihren Patienten kommen konnten), und das Geld langsam knapp wurde, weil jegliche Arbeit brachliegen musste.

Der Schreibstil von Lilach Mer ist wieder sehr detailverliebt und bildhaft gestaltet, ohne jedoch ins Kitschige abzudriften. War mir die Sprache bei ihrem Erstlingswerk Der siebte Schwan an manchen Stellen noch zu blumig, so dass ich mich zu sehr in ihr verloren habe und manchmal nicht auf die Geschichte konzentrieren konnte, so hält sich "Winterkind" zurück mit allzu ausschmückenden Beschreibungen. Die Atmosphäre wurde sprachlich sehr gut eingefangen und ich fühlte mich stimmig zurückversetzt in das Jahr 1880.
Sehr spannend empfand ich außerdem, wie Lilach Mer die märchenhaften Elemente immer mal wieder durch die Geschichte durchschimmern lässt - gerade das Geheimnis des unheimlichen Spiegels hat mich sehr fasziniert. Da es am Ende für alles auch eine logische Erklärung zu geben scheint, bleibt es aber jedem Leser selbst überlassen, wie man manche der phantastischen Elemente schlussendlich deuten mag.

Mein Fazit:

Auch das zweite Werk von Lilach Mer hat mich wieder auf ganzer Linie überzeugt! Atmosphärisch sehr dicht spielt sie mit dem bekannten "Schneewittchen"-Mythos und denkt das Märchen konsequent weiter. Wunderbar gefallen haben mir die realistischen Charaktere sowie der Ausflug in die Zeit des 19. Jahrhunderts. Ich freue mich schon auf das nächste Buch von Frau Mer

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341 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 77 Rezensionen

musik, liebe, band, freundschaft, schnee

Linna singt

Bettina Belitz
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei script5, 10.09.2012
ISBN 9783839001394
Genre: Romane

Rezension:

Bettina Belitz ist spätestens seit ihrer "Splitterherz"-Trilogie bekannt für ihren wunderbaren Schreibstil, der einen sofort gefangen nimmt und es schafft, den Leser an andere Orte zu entführen und ihm die Gefühlslage der Charaktere am eigenen Leib spüren zu lassen. Auch "Linna singt" ist wieder so realistisch geschrieben, dass ich direkt in eine andere Welt abtauchen konnte: An den heißesten Tagen des Jahres las ich von einer eingeschneiten Berghütte, von ausgefallenen Heizungen und der Kälte und Nässe, die den Protagonisten bald durch Mark und Bein geht - und auch mir Zuhause kam eine Gänsehaut!

Linna macht es dem Leser wieder nicht einfach, sie gern zu haben - und erinnert damit sicherlich viele Leser noch an Ellie aus "Splitterherz". Sie reagiert abweisend auf Menschen, die es eigentlich gut mit ihr meinen, und verletzt damit unweigerlich und permanent jeden, der ihr zu nahe kommt. Ihre direkte Art machte sie zwar schon sympathisch, doch manchmal reagierte sie auch so sprunghaft, dass ich sie nie ganz einzuschätzen vermochte.
Auch die anderen Charaktere sind nicht gerade einfach gestrickt. Hier hat ein jeder sein Päckchen zu tragen, schleppt Enttäuschungen mit sich herum und Geheimnisse, die besser nie ans Licht kommen sollten. Für den Leser ist es nun sehr spannend mitzuerleben, wie diese unterschiedlichen, vom Leben gezeichneten Charaktere auf kleinstem Raume miteinander agieren. Dass dabei bald ordentlich die Fetzen fliegen, liegt auf der Hand!

Psychologisch ist der Roman wirklich perfekt herausgearbeitet: Zwischendurch wusste ich oft nicht mehr, wem ich überhaupt noch vertrauen konnte. Auch wie ich die Gedanken der Ich-Erzählerin Linna einschätzen sollte, war mir nicht immer klar - was ich als besonders verwirrend, aber auch intensiv empfunden habe: Wenn man so sehr in die Gefühlswelt einer Person abtauchen, ihr aber doch nicht hundertprozentig vertrauen kann, fängt man an, sich als Leser selbst zu hinterfragen und jede noch so kleine Andeutung sehr genau zu analysieren. Richtig schlau geworden bin ich aus Linna und ihren alten Bandkollegen trotzdem lange Zeit nicht - doch ihre Geheimnisse langsam zu entlarven erhöhte für mich den Reiz an der Geschichte nur umso mehr!

Die Psychospielchen der einzelnen Personen gingen mir sehr nahe. Manchmal schwirrte mir wirklich der Kopf, so grausam gingen die Protagonisten teils miteinander um. Und so kam es auch, dass ich das Buch mehrmals etwas zur Seite legen musste, um ein bisschen "Luft zu schnappen" und wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. "Linna singt" ist sicherlich kein Buch, was man mal eben nebenbei lesen kann, sondern verlangt viel Konzentration - dessen sollte man sich bewusst sein, bevor man mit dem Lesen beginnt. Doch wenn man sich auf Linna und ihre Vergangenheit einlässt, erwartet einen als Leser ein unglaublich intensives Leseerlebnis, das einen hautnah an sämtlichen Stimmungsschwankungen seiner Protagonisten teilhaben lässt.

So intensiv die Psychospielchen der Charaktere allerdings waren, hätte ich mir ein noch furioseres Finale gewünscht. Ein, zwei Auflösungen gegen Ende des Buches kamen mir etwas zu banal vor, als dass sie ein Motiv für die teils wirklich beängstigenden Wendungen geliefert hätten. Meinen absolut positiven Gesamteindruck von "Linna singt" konnte dies jedoch nicht trüben und das sehr stimmige Ende hat mich vollends mit der Geschichte versöhnt.

Besonders gut hat mir außerdem gefallen, welch wichtige Rolle die Musik in dem Buch spielt: Sicherlich geht es um eine ehemalige Band, für deren Mitglieder Musik ein zentraler Bestandteil ihres Lebens darstellt(e). Doch wie wichtig die Musik wirklich für sie ist, spürt man hier förmlich auf jeder Seite: Das Buch ist gespickt mit den verschiedensten Songzitaten, die eine Rolle in Linnas Leben spielen, und die Kapitelanfänge bestehen allesamt aus Songtiteln von Mike Oldfield. Und selbst wenn mir nicht jedes dieser Lieder etwas gesagt hat, so vermittelen sie doch eine besondere Atmosphäre und zeigen, welchen Stellenwert die Musik im Leben von Linna einnimmt - und wie schwer ihr damit erst die Entscheidung fallen musste, nicht mehr zu singen.

Mein Fazit:

Ein psychologisch wahnsinnig dichter Roman - im Bereich Young Adult habe ich bisher kaum etwas vergleichbares gelesen. Ich war gleichzeitig gefesselt und mitgenommen von diesem Buch, so dass ich es öfter aus der Hand legen musste, es mich in Gedanken aber ständig weiterverfolgt. hat. Die Atmosphäre wurde von Bettina Belitz wunderbar beschrieben und die Charaktere absolut stimmig herausgearbeitet!

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157 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 50 Rezensionen

berlin, krieg, schatz, zweiter weltkrieg, friedrich

Schattenspieler

Michael Römling , Maximilian Meinzold
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, F, 01.06.2012
ISBN 9783815753071
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Historische Fakten in einem Roman unterzubringen kann mitunter eine ziemlich undankbare Aufgabe sein. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges dürfte noch dazu vielen Lesern aus der Schulzeit äußerst präsent sein, so dass manch einer freiwillig gar nicht mehr zu einem Buch greifen möchte, das in dieser Zeit spielt ... Mit solchen Voruteilen sollte man an "Schattenspieler" allerdings nicht herangehen! Denn Michael Römling ist es gelungen, eine ideale Mischung aus Realität und Fiktion zu finden und Geschichte direkt und spannend zu vermitteln!

Was mir dabei besonders gut gefallen hat, ist, dass er sich weniger auf den Krieg als auf die direkten Nachkriegstage bezieht, über die man in der heutigen Literatur im Verhältnis zu Judenverfolgung, Kriegserklärungen und Bombenangriffen eher wenig findet. Von der Kapitulation Hitlers, dem besetzen Berlin und dem ersten Wiederaufbau der Stadt wird hier so lebendig erzählt, als wäre man selbst dabei gewesen. Dabei beschönigt Michael Römling die Kriegsereignisse keineswegs, doch er bereitet sie so auf, dass sie auch für ein junges Publikum zugänglich sind. So wirken sie zwar nachdenklich, aber keinesfalls verstörend.
Ein spannendes Element der Geschichte sind dabei die Kunsträuber, die es wirklich gegeben hat und die die Wirren der Nachkriegszeit zu ihrem Vorteil genutzt haben, um wertvolle Schätze zu stehlen. Rund um einen solchen Kunstraub hat der Autor eine rasante Geschichte samt Verfolgungsjagden, Mord, Spionen und geheimen Verstecken gewoben.
Im Anhang des Buches gibt es dazu übrigens ein interessantes Nachwort sowie ein sehr hilfreiches Glossar mit allerlei Informationen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Hier wird noch einmal erklärt, welche Begebenheiten des Romans tatsächlich passiert sind und was es mit den sagenumwobenen Kunstdiebstählen während der Nachkriegszeit auf sich hat.

Der Schreibstil ließ sich sehr angenehm lesen und konnte bildhaft die Atmosphäre des zerstörten Berlins einfangen. Trotzdem fiel es mir zunächst etwas schwer, richtig in die Geschichte einzutauchen. Am Anfang beschreibt Michael Römling vielmehr Situationen, als dass er erklärt, mit wem genau wir es hier zu tun haben. Durch einen schnellen Perspektivwechsel lernt man die Charaktere so nur langsam kennen und muss sich innerhalb der Geschichte erst einmal orientieren.
Was mich am Anfang noch verwirrt hat, erweist sich später aber als echter Spannungsträger: Denn als Leser erfährt man nicht nur von den Ermittlungen durch Friedrich und Leo, sondern darf sich z.B. auch in die Perspektive der russischen Offiziere sowie der Kunsträuber hineinversetzen. Durch das Wissen, das man so erlangt, spitzen sich die Ereignisse gegen Ende immer mehr zu - und der Autor versteht es, mit einigen spannenden Wendungen und einem furiosen Finale auf den Leser zu warten!

Mit Leo, der als Jude in Deutschland Jahre des Versteckens hinter sich hat, und Friedrich, der verarbeiten muss, dass sein Vater ein bekennender Nationalsozialist war, hat Michael Römling zwei sehr unterschiedliche und zugleich sympathische Charaktere geschaffen. Ich habe sehr gerne mit ihnen mitfiebert - denn sie müssen nicht nur die schlimmen Kriegserlebnisse verdauen, sondern auch mit persönlichen Verlusten kämpfen.

Mein Fazit:

Geschichtsunterricht einmal spannend verpackt - wer mehr über die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs und der direkten Nachkriegszeit lesen, dabei aber nicht auf eine spannende Geschichte verzichten möchte, der ist bei "Schattenspieler" goldrichtig aufgehoben! Zwei sympathische Protagonisten, realistisch gezeichnete Schauplätze und ein fieser Bösewicht runden das ganze ab zu einem Abenteuer, auf das man gerne mitgenommen wird.

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609 Bibliotheken, 10 Leser, 3 Gruppen, 28 Rezensionen

engel, daniel, luce, liebe, vergangenheit

Engelsflammen

Lauren Kate , Michaela Link
Fester Einband: 410 Seiten
Erschienen bei cbt, 23.07.2012
ISBN 9783570160794
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Lauren Kates Reihe rund um den Engel Daniel und seine unsterbliche Liebe zu Luce übt schon eine merkwürdige Faszination auf mich aus: Einerseits weiß ich, dass hier keine besonders innovative oder spektakuläre Geschichte erzählt wird, andererseits habe ich die beiden Protagonisten so lieb gewonnen, dass ich sie nicht mehr in meinen Bücherregal missen möchte! Und so habe ich auch dem dritten Band wieder entgegengefiebert und mich gefreut, endlich das Geheimnis ihres schrecklichen Fluchs zu entdecken. Die Zeitreisen, die im Vorgängerband schon angedeutet wurden, nehmen dabei den Großteil von "Engelsflammen" ein: Luce begibt sich auf ihren Weg quer durch die Jahrhunderte und macht dabei an vielen Stationen Halt, an denen sie auf ihre früheren Leben trifft - und natürlich auf die früheren Versionen Daniels.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, Luce auf diesem Weg zu begleiten und zu sehen, welche Schwierigkeiten sie und Daniel in der Vergangenheit bereits gemeistert haben. Die Epochen, die Luce dabei zurücklegt, könnten unterschiedlicher nicht sein: Sie macht Station in beiden Weltkriegen, am Hof von Versailles, trifft William Shakespeare in London und reist bis hin zu den Zeiten der Maya und der alten Ägypter. Beobachtet Luce diese Szenen zu Anfang nur aus der Ferne, so lernt sie später sogar - mittels "3D" - in ihre früheren Ichs hineinzuschlüpfen und wie sie zu denken und zu fühlen. Leider wiederholt sich auf diesen Zeitreisen auch einiges und - so spannend ich die Erzählungen aus den verschiedenen Epochen auch fand - man hätte diese sicherlich um einiges kürzer fassen können, da manche kaum neue Erkenntnisse mit sich bringen.
Das Ende bringt dagegen ein furioses Finale mit sich - und klärt uns endlich über den mysteriösen Fluch auf, der auf Luce und Daniel lastet. Damit ist auch das Ziel des letzten Bandes eindeutig definiert: Der Fluch muss endlich gebrochen werden!

Neuen Schwung in die Geschichte bringt außerdem Gargoyle Bill, der Luce auf ihrer Zeitreise begleitet und sie mit allerhand Tipps und Wissen über die alten Zeiten versorgt. Wenn er wie die Fantasy-Variante eines Bruce Darnell um Luce herumschwebt und verzweifelt versucht, sie in die Kleidung des aktuellen Jahrhunderts zu stecken, sorgt dies für einige Lacher. Doch natürlich birgt auch er noch ein Geheimnis und handelt nicht aus purer Freundlichkeit ...

Der Schreibstil von Lauren Kate liest sich, wie von den Vorgängerbänden gewohnt, sehr flüssig und erzeugt eine stimmige Atmosphäre. Gerade die Beschreibungen der verschiedenen Umgebungen, die sich durch die Zeitreise ergeben, sind ihr sehr gut gelungen und ich konnte mir die jeweiligen historischen Ereignisse sehr gut bildlich vorstellen.
Das Geschehen wird wieder hauptsächlich mit Blick auf Luce erzählt, doch nach jeder Zeitreise schwenkt die Perspektive kurz um und berichtet von Daniel, der Luce stets auf den Fersen bleibt und verzweifelt versucht, sie auf ihrer Reise aufzuhalten und vor Schlimmeren zu bewahren.

Viele Nebendarsteller aus "Engelsnacht" und "Engelsmorgen" verschwinden in "Engelsflammen" fast vollständig von der Bildfläche, so dass sich das Geschehen hauptsächlich um Luce und Daniel dreht. Ich fand diese Begrenzung auf das "Wesentliche" gut gewählt, doch blieben so natürlich viele Fragen offen: Zum Beispiel ist man Cams Geheimnis und seinem Interesse an Luce und Daniel bisher kein Stück näher gekommen. Ich hoffe, dass sich Lauren Kate im Abschlussband genügend Zeit für diese offenen Fragen lassen und die Reihe zu einem würdigen Abschluss bringen wird.

Mein Fazit:

Luces und Daniels ewige Liebe hat mich mal wieder überzeugt! Auch wenn die Geschichte ein paar kleine Längen aufweist, so habe ich das ungewöhnliche Liebespaar doch gerne auf seiner Reise durch die Jahrhunderte begleitet. Das spektakuläre Ende von "Engelsflammen" lässt noch viel Potential für den Abschlussband und ich freue mich schon darauf, Luce und Daniel ein letztes Mal zu begegnen und (hoffentlich) mit ihnen den Fluch zu brechen!

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

Rückenwind - Eine Liebesgeschichte

Max Urlacher
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 05.06.2012
ISBN 9783426512210
Genre: Romane

Rezension:

Max Urlachers Roman trägt den Untertitel "Eine Liebesgeschichte", doch das ist meiner Meinung nach nicht ganz richtig. Denn der Autor erzählt uns von so vielen "Lieben", dass sein Roman einer ganzen Ode an die Liebe gleichkommt. Vor allem geht es in "Rückenwind" um eine große Freundschaft, die einer Liebe in vielen Punkten ähnlich ist. Im Kindergartenalter treffen Anton und Tobias aufeinander und werden schnell zu besten Freunden. Viele Jahre lang begleitet der Leser nun die beiden auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden: Über die Schulzeit, erste Verliebtheiten, den gemeinsamen Urlaub auf Korfu, Ausbildung und Studium bis hin zu den ersten großen Herausforderungen und Schicksalsschlägen ihres Lebens bleiben sich Anton und Tobias doch immer treu.
Und es gibt noch mehr Liebe in diesem Buch: die bedingungslose Liebe eines Großvaters zu seinem Enkel, die schwierige Liebe einer Mutter zu ihrem Sohn, die sexuelle Liebe, die verflossene Liebe eines alten Ehepaars, die Liebe zum Fußball (Tobias) bzw. zum Theater (Anton), die Trauer um eine vergangene Liebe und - natürlich - die einzig wahre Liebe (die aber leider auch von vielen Komplikationen begleitet wird).

Die Handlung fasziniert vor allem aufgrund ihrer Schlichtheit: In kleinen alltäglichen und doch besonderen Situationen erfährt man mehr über das Leben der beiden Protagonisten. Der Roman spannt einen Bogen über mehr als 25 Jahre, und während man Anton und Tobias auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden begleitet, macht die Geschichte auch Halt an einigen historischen Situationen, z. B. dem Fall der Berliner Mauer und dem deutschen Fußball-Sommer 2006 - oder eher banalen Ereignissen wie der ersten Fernsehausstrahlung von Winnetous Tod. Dies füllte die Geschichte gleich mit noch mehr Leben, da ich sie teilweise mit eigenen Erinnerungen in Verbindung bringen konnte.

Anton und Tobias sind zwei absolut greifbare Charaktere, die man über die Seiten hinweg sehr gut kennenlernen darf und mit denen man gerne mitfült. Die vielen Episoden aus ihrem Leben haben mich abwechselnd mit ihnen lachen und weinen, bangen und hoffen lassen. Doch auch die Nebencharaktere konnten mich von sich überzeugen: Ganz vorne stand für mich dabei Antons Opa Fitz, der den beiden Jungs die Vaterfigur ersetzt und sie liebevoll durch alle Fahrwasser des Erwachsenwerdens lenkt. Da er selbst seinem einst besten Freund hinterhertrauert, macht er den beiden schon früh klar, wie wichtig es ist, eine Freundschaft zu pflegen. Doch auch die Großmutter wirkt still aus dem Hintergrund immer wieder auf das Geschehen ein, die Schulfreundin Emilie hat Lacher und Sympathien schnell auf ihrer Seite, der schwule Barbesitzer Röbi, der das Herz am rechten Fleck trägt, bringt den Jungs seine Lebensweisheiten und schweizer Schokolade näher und die unabhängige Samar - Antons große Liebe - ist (wie sie mit eigenen Worten sagen würde) schlicht "zauberhaft".

Die gesamte Geschichte wird aus einer allwissenden Erzählperspektive heraus geschildert. Finde ich es sonst in Büchern oft abschreckend, wenn der Autor sich zu sehr ins Geschehen einmischt, so passte dieser Erzählstil hier perfekt zu der Lebensgeschichte der beiden Protagonisten: Gerade in der ersten Hälfte des Buches wurden oft Hinweise gegeben, wie sich eine bestimmte Begebenheit auf die Zukunft auswirkt - und was sich im ersten Moment noch nach einer witzigen Anekdote anhörte, verkehrte sich manchmal ins Gegenteil und ließ mir nicht selten das Lachen im Halse stecken bleiben. Wurde dann in der zweiten Hälfte des Buches die Geschichte auf eines dieser Ereignisse zurückgelenkt, erhöhte sich die Spannung nur umso mehr, da man in etwa schon wusste, was passieren würde, die richtigen Zusammenhänge aber erst jetzt greifen und verstehen konnte.
Dadurch, dass man in verschiedene Charaktere hineinschlüpfen und die Geschichte so aus verschiedenen Blickwinkeln wahrnehmen konnte, wurden manche Zusammenhänge - und viele Missverständnisse zwischen den einzelnen Personen - erst so richtig deutlich. Auf diese Art verlor ich beim Lesen nie den Überblick über das "große Ganze" der Geschichte: die Liebe.

Mein Fazit:

"Rückenwind" erzählt eine bezaubernde Geschichte über Freundschaft und über Liebe, die mich tief berührt hat. Durch authentische Charaktere und einen bewegenden Schreibstil hat mich das Buch schnell für sich eingenommen - und als ich den Buchdeckel zugeklappt hatte, wollte ich eigentlich direkt wieder von vorne beginnen, so ungern habe ich die beiden Protagonisten ziehen lassen. Der Roman ist gespickt mit vielen kleinen Weisheiten; witzige Episoden stehen neben sehr ernsthaften Themen und lassen es zu keinem Zeitpunkt in Kitsch abgleiten. Für mich DAS Sommerbuch schlechthin!

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558 Bibliotheken, 9 Leser, 4 Gruppen, 76 Rezensionen

dystopie, wüste, jugendbuch, tod, virus

Die Auserwählten - In der Brandwüste

James Dashner , Anke Caroline Burger
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 26.06.2012
ISBN 9783551520357
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mit zweiten Teilen von Trilogien habe ich mich in letzter Zeit eher schwer getan. Da gab es zum Beispiel Ally Condies "Die Flucht", das kaum an seinen Vorgänger "Die Auswahl" heranreichen konnte, oder Robin Wassermans "Crashed", das mich mit seiner langatmigen Handlung wenig überzeugte. Da beides zusätzlich Vertreter aus dem aktuellen Genre der Dystopien waren, bin ich entsprechend skeptisch auch an den zweiten Teil von James Dashners "Auserwählten" herangegangen - doch wurde ich diesmal alles andere als enttäuscht!

Der erste Teil "Im Labyrinth" konnte mich im vergangenen Sommer - trotz einiger Kritikpunkte - aufgrund seiner sogartigen Spannung schnell überzeugen. Das Ende lieferte nur bedingt Antworten und machte mit seiner Aufbruchsstimmung viel Lust auf den zweiten Teil. Und tatsächlich: "In der Brandwüste" knüpft genau da an, wo "Im Labyrinth" endete und es geht sogar noch spannender weiter!
Nur eine Nacht ist vergangen, seit die "Lichter" dem todbringenden Labyrinth entkommen sind, doch Zeit zum Durchatmen wird ihnen kaum gegeben: Es stehen neue Prüfungen an, die noch härter erscheinen als z.B. die schrecklichen Griewer aus dem ersten Band. Auf ihrem Weg durch die verbrannte Wüste spürt der Leser förmlich die sengende Hitze und die Qualen, denen die Jugendlichen ausgesetzt sind. Hinzu kommen auch hier wieder einige tödliche Fallen und - noch schlimmer als jede greifbare Gefahr - ein todbringender Virus, der vor niemandem Halt zu machen scheint...

Was mir im Gegensatz zu Band eins hier noch deutlich besser gefallen hat, ist, dass es nun erste Antworten darauf gibt, wozu Thomas und seine Kameraden die ganzen Prüfungen überhaupt bestehen müssen und welcher "große Plan" dahinter steckt. In Träumen, in denen Thomas langsam seine Erinnerung wiedererlangt (die ihm "Im Labyrinth" komplett ausgelöscht vorkam), erfährt man außerdem einiges über seine und Theresas Vergangenheit, wodurch weitere Geheimnisse enthüllt werden - aber natürlich auch neue Fragen aufgeworfen werden. Geklärt ist nach diesem Band nämlich längst noch nicht alles, und auch, wenn ich nun eine etwas genauere Vorstellung als nach dem Lesen von "Im Labyrinth" habe, in welche Richtung es gehen wird, so bin ich doch neugierig, wie sich die Jungs im letzten Teil noch machen werden.

Was ich außerdem sehr interessant fand, ist, dass es noch eine weitere Gruppe gibt, die komplett aus Mädchen besteht und die bisher genau das Gleiche durchmachen musste wie Thomas und seine Kameraden. Diese zwei Gruppen treffen nun erstmals aufeinander, was einiges an Konfliktpotential, aber auch neue spannende Erkenntnisse mit sich bringt. Die Idee dahinter, das ganze langangelegte Konzept der Prüfungen, mit denen die Jugendlichen hier "trainiert" werden, fand ich einerseits unfassbar grausam, andererseits genial durchdacht. Diese Skrupellosigkeit der Organisation ANGST, den Erfindern der tödlichen Prüfungen, ließ mich beim Lesen oft erschaudern.

Etwas schade fand ich, dass viele Charaktere eher schwach gezeichnet blieben. Im ersten Teil wohnten auf der Lichtung noch 50 Jungs, die ich mir sicherlich nicht alle mit Namen merken wollte, aber da nur circa 20 von ihnen überlebt haben, hätte ich doch gerne mehr über die einzelnen Helden erfahren. Selbst Thomas konnte einige von ihnen noch nicht einmal mit Namen ansprechen, so dass es manchmal nur um einen unbestimmten Jungen aus der Gruppe ging oder - wenn einer der Jungen mit Namen angesprochen wurde - ich mir oft kein genaues Bild davon machen konnte, um wen es gerade geht. Mehr Mitgefühl hätte ich auf jeden Fall beim Lesen gehabt, wenn ich die Jungen noch besser kennengelernt hätte.
Da "In der Brandwüste" den Fokus jedoch eindeutig auf die Handlung legt - und mich diese mit ihrer Spannung komplett überzeugen konnte - fielen die eher schwach gezeichneten Nebencharaktere nicht so sehr ins Gewicht. Thomas ist in jedem Fall wieder ein sehr sympathischer Held - und auch wenn ich noch immer der Meinung bin, dass er als Stärkster der Gruppe etwas zu sehr heraussticht, so gab es doch auch für diese Eigenschaft eine erste Erklärung...

Mein Fazit:

Wer schon den ersten Band gelesen hat, sollte sich "In der Brandwüste" auf keinen Fall entgehen lassen! Spannung, Gefahren, Verleumdungen und ein ungewöhnliches Setting machen ihn zu einem Pageturner erster Klasse, der mich jetzt schon gebannt auf das Finale der Reihe warten lässt! Allen, die die Trilogie noch nicht kennen, rate ich daher, sie dringend genauer unter die Lupe zu nehmen.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

frankreich, liebe, tod, trauerbewältigung, schmerz

Nathalie küsst

David Foenkinos
E-Buch Text: 239 Seiten
Erschienen bei C. H. Beck, 09.03.2012
ISBN 9783406635861
Genre: Sonstiges

Rezension:

Was mir an "Nathalie küsst" sofort absolut positiv aufgefallen ist, ist der unverwechselbare Schreibstil. Man möge mir den Vergleich verzeihen, doch bei Audrey Tautou auf dem Cover liegt er wirklich nah: Jeder, der mal den Film "Die fabelhafte Welt der Amélie" gesehen hat, hat bestimmt noch den Erzähler im Ohr, der uns in Amélies Welt hineinführt und auch später das Geschehen ab und an kommentiert - immer etwas distanziert, fast märchenhaft, mit Blick auf die besonderen Kleinigkeiten im Alltag. Und genau diesen Erzähler hatte ich im Ohr, sobald ich "Nathalie küsst" in die Hand genommen habe!

Mit einer kleinen Vorgeschichte beginnt das Buch recht gemächlich, David Foenkinos stellt uns zunächst das Paar Nathalie und François vor, berichtet in etwas überspitzt-ironischer Weise vom Alltag der beiden Protagonisten und bringt uns in ganz zauberhaften Episoden näher, was die beiden verbindet. Gespickt ist das Buch dabei mit vielen kleinen Kapiteln und Fußnoten, die dem Leser - eingeschoben in den Fluss der Geschichte - besondere Ereignisse oder Zusammenhänge näher bringen.

Als nach dieser gelungenen Einführung François plötzlich stirbt, bricht für Nathalie eine Welt zusammen und der Leser kann auf jeder Seite ihre bedrückende Trauer nachempfinden. Fortan konzentriert sie sich nur noch auf ihren Job, und bald geht es in der Welt dieser kleinen schwedischen Firma sehr turbulent und unterhaltsam zu: Der Chef will etwas von Nathalie, Nathalie küsst aus einer Laune heraus den wenig attraktiven Markus, die Kolleginnen reden hinter ihrem Rücken - kurz gesagt: die für französische Geschichten ebenso berühmten wie berüchtigten verworrenen Verhältnisse sowie das Pariser Flair lassen sich ab sofort auf jeder Seite spüren!

Doch ganz allmählich entwickeln sich auch die leisen Töne in diesem Buch - denn Nathalie beginnt sich ernsthaft aufs Neue zu verlieben, ganz vorsichtig, unkitschig und sehr authentisch. Und da die beiden Liebenden oft etwas unbeholfen einander gegenüberstehen und sich so wirklich absurde Situationen ergeben, kommt auch der Humor in diesem Buch nicht zu kurz. Das Ende lies mich aufseufzen und zufrieden über den Buchdeckel streicheln - und genau sowas wünsche ich mir von einem bewegenden Liebesroman!

Mein Fazit:
Eine zarte Liebesgeschichte mit unverwechselbarem Erzählstil, Humor, Trauer, tollen Charakteren und dem gewissen "Etwas". Von David Foenkinos werde ich sicher bald wieder ein Buch in die Hand nehmen!

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424 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 71 Rezensionen

liebe, hochzeit, london, flugzeug, flughafen

Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick

Jennifer E. Smith , Ingo Herzke , Jennifer Smith
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 22.02.2012
ISBN 9783551582737
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich bin mit nicht allzu großen Erwartungen an dieses Buch herangegangen, waren die bisherigen Rezensionen doch eher durchschnittlich und ließ der Klappentext bloß eine charmante Liebesgeschichte mit wenig Tiefgang vermuten. Aber da ich gerade Lust auf so eine locker-leichte Romanze hatte, griff ich trotzdem zu - und bin nun restlos begeistert von dem, was alles in diesem schmalen Büchlein steckt!

Die Charaktere der beiden Protagonisten - Hadley und Oliver - sind wie aus dem Leben gegriffen; sie sind sympathisch, haben ihre kleinen Macken und sicherlich einige Ecken und Kanten - aber genau das hat sie unglaublich lebendig gemacht und ich konnte mir die beiden Protagonisten sehr gut bildlich vorstellen. Hadley ist in ihrer etwas verträumten, verletztlichen Art eine unglaublich süße Protagonistin und der charmante Oliver, ein echter englischer Gentlemen, der perfekte Gegenpart dazu. Die beiden wirken so real, dass man gerne mit ihnen befreundet wäre.

Die Geschichte bietet so viel mehr, als der Klappentext zunächst vermuten lässt. Denn es geht nicht nur darum, dass sich zwei Jugendliche ineinander verlieben - vielmehr stehen deren jeweilige (Lebens-)Geschichten im Vordergrund. Hadley hat ein sichtliches Problem damit, dass ihre Eltern sich getrennt haben und der Vater Amerika verlassen hat und für seine neue Liebe nach England gezogen ist. So viel Ungesagtes steht zwischen den beiden, dass es nur verständlich ist, dass Hadley am liebsten gar nicht zu seiner Hochzeit erscheinen würde. Doch auch Oliver schleppt einige Sorgen mit sich herum, die er sich nicht eingestehen kann, und die später im Buch noch zum Tragen kommen.

Neben diesen dramatischen Momenten bleiben aber auch der Witz und die Romantik in diesem Buch nicht auf der Strecke. Oliver ist äußerst wortgewandt und bringt Hadley - und auch den Leser - in den abstrusesten Situationen immer wieder zum Lächeln. Dass die beiden füreinander geschaffen sind, merkt man recht schnell und so fiebert man mit ihnen mit, ob es zwischen all der Hektik und den familiären Problemen ein Happy End für sie geben kann.

Der Erzählstil (ein allwissender Erzähler und dazu noch Präsens) wirkt etwas distanziert, aber dies empfand ich für die Geschichte dennoch angemessen. Die Autorin ermöglicht es ihren Lesern so, einige Hintergrundinformationen über die Charaktere zu erhalten; z.B. werden immer wieder Passagen aus Hadleys Vergangenheit erzählt, die für das Verständnis der Geschichte wichtig sind. Durch den Abstand zu den Protagonisten fällt es außerdem leichter, das "große Ganze" der Geschichte - eben die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick - im Auge zu behalten, aber das ist sicherlich Geschmackssache und der ein oder andere Leser würde bestimmt mit einem personalen Erzählstil besser zurechtkommen. Mir hat es jedoch genau so gefallen, wie Jennifer E. Smith es gelöst hat!

Das einzige Manko, was ich an "Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick" finden kann, ist der Preis. 16,90 Euro sind für ein so dünnes Buch sicherlich recht happig und jeder muss für sich entscheiden, ob er bereit ist, für ein eher kurzes Lesevergnügen so viel Geld auszugeben. Die Geschichte, die in diesem Buch steckt, ist es meiner Meinung nach definitiv wert! Und vielleicht ist auch die englische Taschenbuchausgabe, die etwa zum halben Preis zu haben ist, für manche von euch eine Alternative?!

Das Buch hat mich nach dem Lesen noch längere Zeit nachdenklich zurückgelassen - zeigt es doch, dass auch aus den schrecklichen Tagen, an denen alles schief zu gehen scheint, etwas Schönes werden kann, wenn man die Ereignisse nur aus einem anderen Licht betrachtet. seufz Für mich definitiv eine Geschichte zum Träumen über Zufälle und "Wahrscheinlichkeiten"!

Mein Fazit:
Ich bin absolut überrascht und begeistert, wie viel Wahrheit in diesem kleinen Buch steckt, und wie sehr mich die Charaktere für sich einnehmen konnten! So eine authentische Geschichte mit so viel Witz, Charme und Tiefgang habe ich lange nicht gelesen!

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280 Bibliotheken, 4 Leser, 4 Gruppen, 32 Rezensionen

zigeuner, schwäne, fantasy, tater, spieluhr

Der siebte Schwan

Lilach Mer
Flexibler Einband: 555 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 05.01.2011
ISBN 9783453527492
Genre: Fantasy

Rezension:

Zu Beginn des Romans treffen wir auf die alte Dame Mina, die uns von ihrer - im wahrsten Sinne des Wortes - magischen Kindheit berichtet: Im Jahre 1913 ist Mina ein ruhiges 14jähriges Mädchen, dessen liebste Beschäftigung es ist, stundenlang allein auf dem Dachboden zu spielen, zu träumen und zur Melodie einer alten Spieluhr zu tanzen. Vom Leid der Welt hat sie noch nicht viel mitbekommen, als sie eines Tages den Arzt der Familie belauscht, der sie aufgrund ihrer zurückgezogenen und verträumten Art in seine Irrenanstalt einweisen will. Kurzentschlossen reißt Mina von zuhause aus; sie folgt einem geheimnisvollen Drehorgelspieler, der sie zu den Tatern bringt, einem Volk, das ähnlich den Zigeunern frei durch die Lande zieht und im Einklang mit der Natur lebt. Auf der Suche nach ihren Brüdern, an die sie sich kaum noch erinnern kann, die sie aber ebenfalls in der Anstalt des Doktor vermutet, muss Mina viele Gefahren meistern - so trifft sie unter anderem auf einen grausamen Schlangenkönig, hilft einem verbitterten Pug, muss mit dem Teufel persönlich tanzen und schließlich das Geheimnis der Schwäne ergründen. Doch der Doktor ist ihr ständig einen Schritt voraus und verfolgt ihren Weg, auf dem Mina langsam erwachsen wird...

Lilach Mer entführt uns in "Der siebte Schwan" in eine fantasievolle Welt, in der Märchen und Sagen auf geschickte Art mit der Realität des frühen 20. Jahrhunderts verknüpft werden. Anschaulich wird uns sowohl die gutbürgerliche Welt präsentiert als auch das Leben der Zigeuner. In dieser normalen Welt existieren aber auch einige magische Elemente, die z.B. durch den sprechenden Kater Tausendschön (der mir übrigens sehr ans Herz gewachsen ist und für einige lustige Szenen sorgt) oder die magische Kraft des Waldes vertreten sind. Die Autorin selbst nennt das Genre ihres Buches "magischen Realismus" und das beschreibt "Den siebten Schwan" vielleicht am besten: Gezeigt wird das tägliche Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts, kurz bevor die Weltkriege über Deutschland hereinbrechen; dieses reale Leben wird aber immer wieder mit den magischen Elementen aus alten nordischen Sagen und Märchen vermischt, die ganz natürlich ebenfalls in Minas Welt auftauchen. Die Geschichte um das Mädchen auf der Suche nach den verschwundenen Brüdern ist dabei traurig, mitreissend, herzergreifend und besticht durch ihre wunderschöne Melancholie. Immer lässt sich das märchenhafte an ihr erkennen (die Geschichte basiert lose auf dem Grimmschen Märchen "Die sieben Schwäne"), mischen sich typische Ansichten von Gut und Böse, zeigen sich mitunter auch brutale und traurige Stellen, wie sie nun einmal in allen Märchen vorkommen. Doch Mina beweist, dass sie mehr ist als nur das schwache kleine Mädchen und durchbricht diese Märchenstruktur, indem sie sich und allen anderen ihren Mut und ihren starken Willen beweist.

Was aus dem Buch besonders positiv herausragt, ist die poetische Sprache. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass so sehr mit Worten spielt, eine so dichte Atmosphäre erzeugt und den Leser so glaubhaft in eine vergangene Welt entführt. Als ein besonderes Beispiel für Lilach Mers mitreissenden Schreibstil sei etwa eine Szene erwähnt, in der die kleine Mina mit dem Teufel persönlich tanzt: Die Autorin schafft es hier allein mit ihrer Sprache, ein unheimliches Tempo aufzubauen, das den Leser diesen Tanz förmlich spüren lässt - fast wäre mir selbst schwindelig dabei geworden, so ein Sog wird hier erzeugt.
In der Sprache liegt aber auch ein kleiner - übrigens mein einziger - Kritikpunkt an dem Buch: Manchmal ist sie so ausschweifend formuliert, dass man sich etwas in ihr verliert, dabei aber nur noch wenig vom Inhalt mitbekommt und sich zwingen muss, wieder "aufzupassen". Mir ist auf diese Weise die Charakterisierung zweier nicht ganz unwichtiger Personen entgangen, weswegen ich sie leider bis zum Ende nicht ganz "greifen" konnte. Da das Buch seinen Leser aber - hat man einmal die feste Erzählstruktur durchblickt - sonst gut an die Hand nimmt, war dies nicht so schlimm und ich wurde jedesmal auch wieder vom Buch eingefangen, wenn ich mal wieder zu sehr über die Sprache ins Staunen geraten bin.

Die Geschichte ist es definitiv wert, mehr als einmal gelesen zu werden. Lilach Mer hat so viele (kleinere und größere) Anspielungen auf nordische Sagen und alte Märchen versteckt, die man bei einem ersten Lesen gar nicht alle entdecken kann. Auch aufgrund seiner Sprache, in die man sicherlich gerne wieder versinken wird, lohnt sich ein zweiter Blick in den "Siebten Schwan". Im Übrigen darf man gespannt sein, was man von der jungen Autorin, die hier ihren Debütroman veröffentlicht hat, noch hören wird - ich bin fest davon überzeugt, dass es nicht ihr letztes (gutes!) Buch war!

Fazit: Ein wunderbar poetisches Buch mit einer verzaubernden Sprache!

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188 Bibliotheken, 1 Leser, 6 Gruppen, 53 Rezensionen

blumen, liebe, einsamkeit, familie, sprache

Die verborgene Sprache der Blumen

Vanessa Diffenbaugh , Karin Dufner
Fester Einband: 410 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 10.03.2011
ISBN 9783426199046
Genre: Romane

Rezension:

Mit "Die verborgene Sprache der Blumen" hat Vanessa Diffenbaugh eine melancholische und tieftraurige Erzählung geschrieben, die mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat. Die junge Victoria ist eine sehr eigensinnige und verstörte Protagonistin, die es einem schwer macht, sie gern zu haben. Da man jedoch ihren Leidensweg durch Waisenhäuser und Pflegefamilien direkt mitbekommt, liegt auch der Grund für ihr Verhalten auf der Hand - und man hofft gleichzeitig, dass sie nun, da sie erwachsen ist und ihre Passion in der Sprache der Blumen gefunden hat, sich von der Vergangenheit lösen kann ... Dass dies jedoch leichter gesagt als getan ist, stellt man schon auf den ersten Seiten dieser besonderen Lektüre fest.

Erzählt wird die Geschichte in zwei Zeitebenen, die sich miteinander abwechseln. Zunächst lernen wir Victoria am Tag ihres 18. Geburtstags (und somit dem Tag der endgültigen Entlassung aus dem Waisenheim) kennen. Auf sich allein gestellt wird sie quasi auf die Straße gesetzt und muss von nun an alleine klarkommen - da trifft es sich nur zu gut, dass Renata, die Besitzerin eines kleinen Blumenladens, gerade viel Arbeit hat, wenig Fragen stellt und Victoria schnell unter ihre Fittiche nimmt.
Aber wir treffen Victoria auch schon knapp 10 Jahre vor dieser Zeit, als die Behörden ein letztes Mal versuchen, sie bei einer Pflegemutter unterzubringen. Schon deutlich gezeichnet von einer wahren Odyssee durch Pflegefamilien zeigt sie sich in diesem Alter nicht weniger kratzbürstig und lässt keinen Menschen mehr an sich heran. Als sie nun bei Elisabeth, einer alleinstehenden und fürsorglichen Dame, unterkommt, trifft sie tatsächlich auf einen Menschen, der es gut mit ihr meint und ihr Raum und Zeit lässt, ihre Gefühle auszuleben. Doch da man als Leser ja schon weiß, dass sie früher oder später ihren Weg zurück ins Waisenhaus (aus dem sie ja dann 10 Jahre später entlassen wird) antreten muss, spürt man unweigerlich die Tragödie hinter dieser Idylle auf Victoria zukommen.
Beim Lesen hatte ich sehr oft Mitleid mit diesem Mädchen, das in seinen jungen achtzehn Jahren schon so viele Enttäuschungen wegstecken musste und nie seine leibliche Mutter kennen lernen durfte. Doch oft war ich auch richtig wütend auf sie, weil sie immer wieder die Menschen, die es gut mit ihr meinen, verletzt und von sich wegstößt. Da das Buch mich emotional so mitgenommen hat, musste ich es beim Lesen öfter mal zur Seite legen und das Gelesene erst einmal "verdauen".

Die Sprache der Blumen nimmt einen großen Teil des Buches ein. Nur durch Blumen scheint sich die sonst so wortkarge Victoria richtig ausdrücken zu können. Leider bleiben ihre Botschaften, die sie so übermittelt, oft unverstanden - auch ich wusste vor dem Lesen dieses Buches nicht, dass neben dem typischen "eine rote Rose steht für Liebe" im Grunde jeder Blume eine Bedeutung zugeordnet werden kann. Damit der Leser besser in Victorias Gedanken eintauchen kann, gibt es am Ende des Buches ein sehr hilfreiches Lexikon, dass die verschiedenen Bedeutungen sämtlicher Blumen "übersetzt". Victorias eigenwillige "blumige" Ausdrucksweise verleiht dem Buch eine besondere Poesie, die mir sehr gefallen hat, sowie einen ständigen Subtext, den man selbst interpretieren muss. Wer hätte etwa gewusst, dass z.B. eine Akazie für "Heimliche Liebe" steht?

Als Victoria auf dem Blumenmarkt Grant kennenlernt, scheint sie endlich jemanden gefunden zu haben, der ebenfalls ihre Sprache der Blumen beherrscht. Doch ein Happy End ist dadurch natürlich längst nicht in Sicht - vielmehr fangen die Probleme erst richtig an, als sich die beiden näher kommen - denn Nähe hat Victoria bisher nie zugelassen und kann sie auch jetzt nur schwer ertragen. Über 400 Seiten fiebert man mit ihr mit, ob sie endlich die Schrecken ihrer Vergangenheit vergessen und ihr selbstzerstörerisches Verhalten ablegen kann - und ob sie es endlich schafft, einer Person Vertrauen entgegenzubringen. Und man möchte sie auch verfluchen für ihr oftmals egoistisches Verhalten und sie anschreien, dass sie ihr Leben endlich in die Hand nehmen soll.
Damit ist "Die verborgene Sprache der Blumen" beileibe kein einfaches Buch: Über weite Strecken wird man konfrontiert mit Victorias tiefer Traurigkeit und fühlt sich als Leser machtlos. Doch was mir besonders gefallen hat, ist, dass es auf diesen trüben Seiten auch immer wieder Lichtblicke gibt und die Hoffnung nie ganz verloren scheint!

Fazit:
Ein poetisches und emotionales Buch mit einer besonderen Sprache - für mich ein wahrer Schatz im Bücherregal.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

Nicht jetzt, niemals

Ursula Dubosarsky , Silvia Schröer
Fester Einband: 143 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter, 17.01.2012
ISBN 9783800056767
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zunächst einmal muss ich gestehen, dass ich mit etwas falschen Erwartungen an das Buch herangegangen bin, die wohl der Klappentext in mir ausgelöst hat: Es geht in "Nicht jetzt, niemals" keineswegs um eine Hinrichtung, generell Meinungen zur Todesstrafe oder wie damit umgegangen werden kann. Der Tag dieser Hinrichtung wird von der Lehrerin Miss Renshaw zu ganz eigenen Zwecken genutzt, die eine unabhängige Geschichte erzählen. Erst dadurch, dass sie ihren Schülerinnen das Versprechen abnimmt, für immer über diesen Tag zu schweigen, nimmt die Katastrophe schließlich ihren Lauf...

Lange Zeit wird man darüber im Unklaren gelassen, was nun wirklich auf diesem Schulausflug passiert ist, und man kommt als Leser nicht umhin, seine eigenen Vermutungen anzustellen. Wenn man die "kleinen Mädchen" auf den letzten Seiten des Buches schließlich acht Jahre später wiedertrifft, erhält das Buch nochmal eine neue Wendung, die aber auch nicht bei der Klärung des tatsächlichen Geschehens hilft. Einerseits finde ich es schade, dass so wenig im Buch erklärt wurde, andererseits macht aber auch gerade dies einen besonderen Reiz für den Leser aus - zwingt es doch dazu, noch lange über das Gelesene nachzudenken. Doch irgendwie nagt an mir auch die Frage, ob ich evtl. einen kleinen Hinweis, der zur besseren Auflösung beigetragen hätte, übersehen habe - und vielleicht werde ich es aus genau diesem Grund irgendwann nochmal lesen. Denn überzeugt hat mich die Geschichte und das bedrückende Schweigen der Schülerinnen auf jeden Fall!

Zu den Schülerinnen selbst bleibt immer ein gewisser Abstand bestehen, da sie oft mehr durch ihr Aussehen oder andere Auffälligkeiten als durch ihr Verhalten und ihre Empfindungen charakterisiert werden (die große und die kleine Elisabeth, die stille Deidre, die ständig weinende Bethany...). Dies passt aber meiner Meinung nach gut zum Stil des Buches, in dem über die Schülerinnen oft nur verallgemeinernd mit "die kleinen Mädchen" gesprochen wird, und die so wirklich wie eine in sich geschlossene Gemeinschaft daherkommen. Vielmehr geht es ja auch darum zu zeigen, wie sich die Klasse verändert, wie alle unter dem bedrückenden Schweigen leiden und wie die Erwachsenen nun mit der Situation umgehen. Und von dieser 'Verhaltensstudie' hat Ursula Dubosarsky eine ganze Menge auf den gerade mal 143 Seiten untergebracht!

Sehr interessant fand ich darüber hinaus, dass alle 20 Kapitelüberschriften die Namen von Bildern des australischen Künstlers Charles Bukowski tragen. In diesen Bildern aus der "school girls"-Serie, die allesamt sehr bedrückend auf mich wirken, kann man gut die triste Atmosphäre des Buches wiedererkennen und sieht, woher Frau Dubosarsky einen Teil ihrer Inspiration genommen hat. Toll wäre es natürlich gewesen, wenn man diese Bilder direkt in das Buch integriert hätte. (aber wofür gibt es Google?)

Mein Fazit: Ein interessantes Büchlein über die Frage, ob und wann man ein Versprechen auch brechen darf. Vor allem die bedrückende Grundstimmung des Buches hat mich überzeugt, aber ein paar mehr Hinweise zum Ausgang der Geschichte hätte es geben dürfen.

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103 Bibliotheken, 0 Leser, 7 Gruppen, 18 Rezensionen

tagebuch, schule, freiheit, tod, mina

Mina

David Almond , Alexandra Ernst
Fester Einband: 254 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 12.01.2011
ISBN 9783473368204
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Das (Kinder-)Buch "Mina" hat mich von der ersten Seite an tief bewegt. Dieses sicherlich etwas verrückte Mädchen, das im Mittelpunkt der Geschichte steht, besitzt einen ganz außergewöhnlichen Blick auf die Welt, an dem sie uns in ihrem Tagebuch teilhaben lässt. Dabei schreibt sie nie einfach nur über die erlebten Dinge, sondern lässt uns anhand "Außergewöhnlicher Aktivitäten", "Erstaunlicher Tatsachen" und vieler kleiner Randgeschichten an all ihren wirren Gedankengängen teilhaben. Mina ist stets nachdenklich und stellt sich sehr viele Fragen, die den Erwachsenen - vor allem ihren Lehrern, die stets zu wissen meinen, was sich gehört und was nicht - zu unbequem erscheinen. Selten erhält Mina Antworten auf ihre oft philosophisch angehauchte Neugier; einzig von ihrer Mutter bekommt sie den nötigen Rückhalt und ein offenes Ohr für ihre vielen Fragen.

Dass das neugierige Mädchen auch bei den gleichaltrigen Schulkameraden auf wenig Verständnis stößt, liegt auf der Hand - will sich doch keiner mit einer "Verrückten" sehen lassen. Daher lebt sie relativ zurückgezogen, was ihre Fantasie nur noch mehr zum Blühen bringt... sehr zur Freude des Lesers! So ist "Mina" vor allem auch ein Buch zum Nachdenken. Zunächst geht es darum: Wie ist mein Blick auf die Welt? Wie würde ich die vielen Fragen, die Mina sich stellt, beantworten? Dann fragt man sich aber auch: Wie würde ich auf so ein "verrücktes" Mädchen wie Mina reagieren? Würde ich sie vielleicht auch komisch finden und Abstand von ihr halten, eben weil sie anders ist?

Minas ungewöhnlicher Blick auf die Welt spiegelt sich gleichzeitig auch in einer sehr besonderen Schreibweise in ihrem Tagebuch wider. Obwohl das Buch in vielen Passagen erzählende Texte (und somit auch eine vollständige Geschichte) enthält, werden diese immer wieder gebrochen von Minas Gedanken, die im Buch durch ganz unterschiedliche Schriftbilder umgesetzt werden. Mir hat diese episodenartige Schreibweise ganz wunderbar gefallen - fühlt es sich doch so an, als könnte man direkt in das Wirrwarr in Minas Kopf hineinschauen...

So ist "Mina" ein Buch, das aufgrund des kindlichen Tagebuchstils und des durchaus tiefsinnigen Hintergrunds sicher ganz unterschiedlichen Lesern gefallen wird. Empfohlen wird es für Kinder ab 10 Jahren, doch kann auch jeder Erwachsene noch etwas von Minas aufgeschlossener und neugieriger Weltsicht lernen! Wenn man sich einmal auf die ungewohnte Schreibweise eingelassen hat, kann man sehr viel Weisheit aus diesem Buch ziehen: über die Sprache, über das Leben und natürlich über das "Anderssein". Und sicher werde ich demnächst mal die ein oder andere "Außergewöhnliche Aktivität" ausprobieren und wieder etwas Neugier fühlen ;-)

Fazit: Ein ganz besonderes Buch, das nicht nur Kindern Spaß machen wird und gleichzeitig wunderbar zum Nachdenken über die eigene "Merkwürdigkeit" anregt.

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251 Bibliotheken, 2 Leser, 4 Gruppen, 44 Rezensionen

pinocchio, trauer, tod, familie, leben

Der Junge mit dem Herz aus Holz

John Boyne , Adelheid Zöfel , Oliver Jeffers
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 08.03.2012
ISBN 9783596854776
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich habe etwas gebraucht, mich in diese phantastische Geschichte einzufinden. Warum der 8jährige Noah wirklich von Zuhause wegläuft, wird einem erst gegen Ende des Buches klar - denn auch wenn man schon früh ein paar traurige Vermutungen anstellen kann, so habe zumindest ich die offensichtliche Wahrheit erst spät bemerkt. Bis dahin ist man beschäftigt mit den vielen wundersamen Dingen, die auf Noahs kleiner Reise passieren: Sicherlich versteht man nicht alle Stationen seines Weges (und vielleicht haben manche Dinge auch gar keinen tieferen Sinn...), aber man wird sofort hineingesogen in die Welt dieser sagenhaften Personen und Ereignisse. John Boyne hat es mit der Kraft seiner Worte geschafft, mich als Leser in dieser absurden Welt gefangenzunehmen!

Wenn Noah nach einem kleinen Umweg auf den alten Spielzeugmacher trifft, erzählt dieser ihm eine ganz besondere Geschichte aus seiner Jugend, die zwar wiederum vor Absurditäten nur so wimmelt, aber auch einen sehr wahren Kern enthält. Genauso gespannt wie Noah habe ich den Ausgang dieser Erzählung erwartet, die ganz am Ende nochmal eine überraschende Wendung parat hält.

Mit "Der Junge mit dem Herz aus Holz" erhält man ein wunderbares Märchen über Mut, Vertrauen, Freundschaft und Zusammenhalt in der Familie. Die Geschichten von Noah und dem alten Spielzeugmacher haben mich sehr berührt, aber sie regen auch wunderbar zum Nachdenken über das eigene Verhalten an - ohne moralisierend zu wirken. Und auch wenn der Hintergrund des Buches mehr als traurig ist, macht es doch Mut, nach vorne zu blicken.

Gespickt ist das Buch mit 14 "Abbildungen" von Oliver Jeffers, die in ihrer Banalität schon wieder großartig sind. Gezeigt werden z.B. Äpfel, ein Baum, eine Holzkiste oder eine Axt - alles ganz alltägliche Dinge, die aber eine besondere Bedeutung für die Geschichte haben. Was mich ganz besonders an diesen Zeichnungen gefreut hat, ist, dass sie dem Leser nicht die Phantasie rauben: So werden weder Personen gezeigt noch Ereignisse stumpf nachgemalt, vielmehr wird dem Leser ein kleiner Stups gegeben, sich selbst die Geschichte zu den Gegenständen auszumalen.

Fazit: Eine Mischung aus "Alice im Wunderland", "Sieben Minuten nach Mitternacht" und den weisen Worten aus dem "Kleinen Prinzen". Alle Kinder (und Kindgebliebenen) sollten zu diesem Buch greifen!

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121 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

dystopie, science fiction, zukunft, robin wasserman, liebe

Wired

Robin Wasserman , Claudia Max
Fester Einband: 379 Seiten
Erschienen bei script5, 01.09.2011
ISBN 9783839001158
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Idee von "Skinned" fand ich grandios, die Umsetzung in "Crashed" dagegen hat mir gar nicht gefallen - der dritte Band "Wired" hat mich nun mit der Geschichte rund um Lia Kahn wieder einigermaßen versöhnen können. Der wichtigste Punkt dabei war für mich, dass Lia endlich mit dem Gejammere aufgehört hat. Die Stimmung von "Crashed" war für mich vor allem dadurch getrübt, dass Lia wieder und wieder betont hat, wie schrecklich ihr Leben als Mech - also als Maschine - doch ist. Auf Dauer fand ich diese egozentrische Protagonistin und die stetigen Wiederholungen doch sehr anstrengend und nervig, auch wenn ich ihre Probleme natürlich verstehen konnte. In "Wired" hatte ich gleich von Beginn an das Gefühl, einer gänzlich veränderten Lia wiederzubegegnen. Natürlich hat sie ihre Probleme (und das Selbstmitleid) nicht komplett abgelegt, aber sie tut endlich etwas statt sich dauernd zu beklagen!!!

Der Einstieg in "Wired" fiel mir um einiges leichter als in "Crashed", da entscheidende Szenen aus den Vorgängern wiederaufgenommen und erläutert wurden. So hatte ich außerdem das Gefühl, dass die Vorgänge aus "Crashed", die ich nicht mehr richtig zuordnen konnte, wieder Sinn gemacht haben. Ihr glaubt nicht, wie erleichtert ich darüber war, hatte ich doch befürchtet, der dritte Teil würde direkt an "Crashed" anschließen und so noch mehr Verwirrung bei mir stiften!

Die Handlung in "Wired" ist durchweg rasant, es passieren viele Dinge, auch zwischenmenschlich, mit denen man so nicht gerechnet hätte. Auch tauchen viele Charaktere aus dem ersten Teil "Skinned" wieder auf und bringen neuen Schwung in die Geschichte. Nur Auden, Lias Freund aus "Skinned" (und Feind aus "Crashed") kam mir hier leider wieder zu kurz; ich hätte sehr gerne mehr über sein Schicksal erfahren und wie er mit der Situation umgeht - doch dies wird im gesamten Buch leider nicht einmal angedeutet.

Der Schreibstil ist wie in den Vorgängern sehr nüchtern gehalten und besteht zu großen Teilen aus kurzen und bedeutungsschwangeren Hauptsätzen. Mir blieben dabei leider die Gefühle der Charaktere auf der Strecke, stattdessen wurde mehr Wert auf die Handlung gelegt. Die essentiellen Fragen darum, was das Menschsein ausmacht (die vor allem beim Lesen von "Skinned" aufgeworfen wurden) standen daher auch leider wieder im Hintergrund.

Das Ende des Buches fand ich sehr abrupt, aber trotzdem gelungen. Es ist sehr offen gehalten und ich wusste erst nicht so richtig etwas damit anzufangen, aber je mehr ich über das Gelesene nachgedacht habe, desto mehr Interpretationsmöglichkeiten sind mir eingefallen - und diese verschiedenen Möglichkeiten machten den Schluss für mich wiederum sehr interessant. So richtig "zufrieden" wird man nach der Lektüre der Trilogie leider nicht zurückgelassen, doch ein Märchenende hätte dieser düsteren Dystopie auch nicht gut getan.

Fazit: Ein würdiger Abschluss der Trilogie - zwar konnten nicht alle Fehler des Vorgängers wiedergutgemacht werden, doch wurde die Geschichte zu einem "runden" Ende geführt.

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316 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 45 Rezensionen

dystopie, tattoo, zukunft, liebe, sal

The Sign - Nur zu deiner Sicherheit

Julia Karr , Bettina Spangler
Flexibler Einband: 477 Seiten
Erschienen bei cbt, 12.12.2011
ISBN 9783570307724
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Grundidee dieser Dystopie hat mich von Anfang an sehr interessiert: Knapp 150 Jahre in der Zukunft werden Mädchen gebrandmarkt, sobald sie legal Sex haben dürfen - ob sie das wollen oder nicht, steht dabei im Hintergrund. Es liegt auf der Hand, dass in dieser Welt Sex schnell als Ware deklariert wird und wir uns in einer schrecklichen Umgebung befinden, in der alles von den Mächtigen (in diesem Fall den Männern und der männlichen Regierung) bestimmt wird. Stellenweise ist das Buch dabei sehr grausam; die Passagen über die Gewalt gegen Ninas Mutter konnte ich nur schwer lesen und auch das Schicksal einiger "Sex-Teens" hat mich stark berührt. Empfehlen würde ich das Buch daher erst ab etwa 15/16 Jahren.

In dieser Welt wächst Protagonistin Nina auf, die sich so gar nicht auf ihren 16. Geburtstag und damit ihr Tattoo freuen kann. Mit ihren Sorgen konnte ich mich schnell identifizieren, auch wenn ihr Charakter insgesamt etwas blass blieb. Absolut charmant fand ich aber die vielen Nebencharaktere: Ninas Großeltern sind sehr sympathisch, gerade der Großvater kommt sehr schrullig herüber und sorgte bei mir für einige Lacher. Ninas kleine Schwester Dee ist mir in ihrer liebenswürdigen Art sehr schnell ans Herz gewachsen und auch mit Ninas Freunden habe ich mitgefiebert. Anhand der alten Freundin Sandy bekommt man sogar die Sicht eines verrückten "Sex-Teens" dargestellt. Bloß Ed, Ninas Stiefvater und damit (natürlich) einer von den "Bösen", war mir definitiv zu übertrieben dargestellt - er handelt wirklich nur aus niederen Beweggründen und war ein extrem eindimensionaler Charakter. Aus ihm hätte man sicher mehr herausholen können.

Die Liebe zu Sal wird in diesem ganzen Trubel sehr behutsam erzählt. Nina ist zunächst so manipuliert von den vielen Geschichten rund um die "Sex-Teens", dass sie sich überhaupt nicht vorstellen kann, dass es Sex nicht nur aus Machtgründen, sondern auch aus Liebe geben kann. So verändert sich ihr Bild von der Beziehung zwischen Mann und Frau nur ganz langsam im Laufe des Buches - doch das ist genau das richtige Tempo für diese Dystopie! Ninas zunehmende Verliebtheit und die wachsenden Schmetterlinge in ihrem Bauch werden so glaubhaft herübergebracht, dass man gerne mitverfolgt, wie sich Nina und Sal umschwärmen.

Die elektronischen Neuerungen dieser Welt wurden dagegen leider nur unzureichend erklärt. Immerhin befinden wir uns im Jahre 2150 und die Technik ist weit fortgeschritten, doch was genau ich mir zum Beispiel unter einem "PAV" - einer Art elektronischem Sender, mit dem man telefonieren, Bilder verschicken und Daten speichern kann (also doch eher ein veraltetes Handy?) - vorstellen soll, wurde mir bis zum Ende des Buches nicht ganz klar.

Das Rätsel um Ninas Vater war sehr spannend dargestellt, nur häppchenweise bekam man weitere Informationen über ihn. Allerdings wollte ich hier Nina auch manchmal in den Hintern treten, weil sie einfach nicht aus den Puschen kommt: Da besitzt sie ein Buch, in dem sie versteckte Informationen über ihren Vater vermutet, und hat nie Zeit, es sich genauer anzusehen... Ich an ihrer Stelle hätte es doch vor Neugier kaum noch ausgehalten und wäre mitten in der Nacht aufgestanden, um darin unbemerkt blättern zu können - diese Lethargie, die auch noch in anderen Punkten zum Tragen kommt, habe ich nicht verstanden. Gegen Ende des Buches hat die Autorin meiner Meinung nach dann etwas zu künstlich versucht, mehr Spannung zu konstruieren. So wurden einige dramatische Ereignisse, die für Nina sicherlich viel wichtiger gewesen wären, einfach so abgehakt, während sich die Lage auf einen typischen "Endkampf" zuspitzte - dieser hätte so aber gar nicht sein müssen, besitzt die Geschichte an sich doch eigentlich genug Potential.

Ich bin gespannt, was Julia Karr für die kommenden Teile der Trilogie "The Sign" noch bereithält, und freue mich auf ein Wiedersehen mit Nina, Dee, Sal und Co. in ihrem Kampf gegen dieses schreckliche System! Auf Englisch ist der nächste Teil "Truth" übrigens gerade erschienen - die deutschen Leser müssen sich allerdings noch etwas gedulden...

Fazit: Interessanter Auftakt einer Reihe, die noch viel Potential birgt - die paar kleinen Makel kann man dabei leicht verschmerzen.

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1.074 Bibliotheken, 15 Leser, 5 Gruppen, 152 Rezensionen

glas, liebe, fantasy, ida, insel

Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

Ali Shaw , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 397 Seiten
Erschienen bei script5, 09.01.2012
ISBN 9783839001318
Genre: Fantasy

Rezension:

"Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" ist durchzogen von einer fortwährenden Melancholie. Alle Charaktere haben mit harten Schicksalsschlägen zu kämpfen und auch die Insel St. Hauda's Land selbst ist ein trostloser Ort. Während des Lesens spürt man die ganze Zeit, dass es hier kein Glück geben kann. Trotzdem ist es kein vollständig deprimierendes Buch, handelt es doch hauptsächlich von der Liebe, von Geborgenheit und Fürsorge. Wer dagegen Action und Spannung sucht, ist hier fehl am Platz, denn die Geschichte entwickelt sich nur langsam. In Rückblenden werden Episoden aus dem Leben verschiedener Charaktere erzählt, deren Gefühle und Entwicklungen man so gut nachvollziehen kann.

Die Handlung in der Gegenwart ist allerdings auf ein Minimum beschränkt. Erzählt wird abwechselnd mit Fokus auf die verschiedenen Personen. Nicht nur Ida und Midas stehen im Vordergrund, sondern auch einige wichtige Nebencharaktere wie der einsame Henry Fuwa, Midas kranke Mutter Evaline oder sein verwitweter Freund Gustav. Mir hat dieser Fokus auf die Charakterentwicklung sehr gut gefallen, allerdings kann ich ebenso die Rezensenten verstehen, denen es im "Mädchen mit den gläsernen Füßen" an Handlung gefehlt hat, und die es daher negativ bewertet haben.

Im Buch kommen einige fantastische (fast märchenhafte) Elemente vor, die sich nahtlos in die Geschichte einfügen. Da gibt es faszinierende kleine fliegende Kühe, das merkwürdige Abendleuchten des Meeres, natürlich Idas Füße, die langsam zu Glas werden, und noch viel mehr. Leider gibt es jedoch kaum Erklärungen dazu - das Ende hat mich demnach auch etwas ratlos zurückgelassen. Doch im Grunde zeigt auch dies nur das wahre Leben: Für manche Dinge gibt es eben keine Erklärungen. Damit umzugehen fiel mir jedoch nicht ganz leicht und ich hätte mir zumindest ein paar Antworten gewünscht. Damit meine ich nicht, dass ich eine logische Erklärung der fantastischen Elemente erwartet hätte, aber ich war etwas enttäuscht, dass so gar keine Zusammenhänge zwischen Fantasie und Wirklichkeit deutlich wurden.

Die Sprache des Buches ist wunderschön: Ruhig, verschnörkelt und voll von Metaphern kommt sie daher und unterstreicht so die melancholische Grundstimmung. Vor allem dieser Sprache ist es zu verdanken, dass "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" einen so intensiven Eindruck bei mir hinterlassen hat - die Geschichte und ihre besonderen Charaktere wirken sehr lange nach und lassen mich noch immer über das Buch nachdenken. Ich bin sehr gespannt, mit welchen Büchern uns Ali Shaw demnächst noch verzaubern wird!

Fazit: Man muss sich Zeit für dieses traurige Buch nehmen und wird dann mit einer wunderbaren fantasie- und geheimnisvollen Geschichte belohnt.

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2.891 Bibliotheken, 44 Leser, 14 Gruppen, 239 Rezensionen

dystopie, liebe, flucht, ky, cassia

Die Flucht

Ally Condie , Stefanie Schäfer
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 20.01.2012
ISBN 9783841421449
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es ist ein knappes Jahr her, dass ich "Die Auswahl" gelesen habe und zunächst fiel es mir ziemlich schwer, wieder in die Geschichte rund um Cassia, Ky und Xander hineinzufinden. Es gibt wenig Wiederholungen, was zuletzt in "Die Auswahl" passiert ist, stattdessen wird man gleich damit konfrontiert, was Cassia während ihres Arbeitseinsatzes, der ihr vom System auferlegt wurde, erdulden muss. Mit der Zeit legt sich dies aber und man findet wieder besser in das Geschehen hinein.

Die Geschichte wird diesmal nicht nur aus der Sicht von Cassia erzählt, sondern wechselt sich ab mit Kys Erlebnissen. Da die beiden lange Zeit getrennt unterwegs sind, ist dies eine gute Lösung, dem Leser beide Charaktere nahe zu bringen. Leider hat dies aber auch zur Folge, dass beide Figuren eher blass bleiben. Durch den ständigen Wechsel konnte ich weder in Cassias noch in Kys Gedankenwelt richtig eintauchen. Die geistige Entwicklung Cassias von einer treuen Bürgerin hin zur Rebellin, die für mich den Reiz von "Die Auswahl" ausgemacht habt, sucht man hier vergeblich. Auch Ky wirkt - sogar in den Kapiteln, die aus seiner Sicht geschildert werden - wieder sehr verschlossen und offenbart dem Leser kaum Gefühle.

Gerne hätte ich in "Die Flucht" auch noch mehr über die Gesellschaft erfahren, so wie es im ersten Band der Fall war. Die Schilderungen des alltäglichen Lebens, wie beschränkt die Welt durch das System ist, und damit die ganze beklemmende Atmosphäre fehlten mir in "Die Flucht". Auch über die Rebellion, das erklärte Ziel, zu dem sich Cassia und Ky aufmachen, erfährt man leider kaum etwas. Stattdessen bekommt man eine Odyssee quer durch die wüste Landschaft der Canyons geboten; Spannung kommt dabei leider kaum auf. Auch wenn es die eine oder andere brenzlige Situation für Cassia und Ky gibt, hatte ich als Leser nie wirklich Angst um die beiden - zu schnell lösten sich die Gefahren wieder in Luft auf. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Cassia und Ky lange Zeit nicht treffen, sondern jeder für sich planlos durch die öden Weiten irren - das war für mich als Leser eher anstrengend mitzuverfolgen. Wenn sie sich schließlich doch treffen, kommt zumindest für eine kurze Weile die Romantik des ersten Bandes hoch.

Einige Hinweise bekommt man aber auf das System geboten, die ich als durchaus spannend empfand. So gibt es weitere Kapitel zu den drei Tabletten, die ein jeder Bürger verpflichtet ist, bei sich zu tragen, und die Protagonisten entdecken eine geheimnisvolle Höhle, die vom System offensichtlich dazu angelegt wurde, Informationen über die Gesellschaft zu speichern. An diesen rar gesäten Stellen konnte ich den Schrecken des totalitären Systems wieder fühlen und mir bildlich vorstellen, wie furchtbar das Leben in einem solchen Staat sein muss - und eben auch, wie ausgeprägt der Wunsch zu einer Rebellion sein kann.

Es gibt einige neue Nebencharaktere, die mit den beiden Protagonisten zusammen auf der Flucht sind, doch von ihnen konnte mich leider keiner so recht überzeugen. Indie, ein mürrisches Mädchen, das Cassia gleich zu Beginn im Arbeitslager kennenlernt, fand ich sogar durchweg unsympathisch und ihre Motive blieben mir bis zum Schluss unklar. Xander dagegen tritt in "Die Flucht" fast gar nicht in Erscheinung, und wird in späteren Kapiteln nur noch am Rande erwähnt - ich hoffe stark, dass er im abschließenden Teil wieder eine größere Rolle spielt, ist er doch immer noch Cassias "Auserwählter"...

Durchweg positiv ist mir wieder Ally Condies Schreibstil aufgefallen. Ein bisschen melancholisch, mit vielen leisen Tönen und mancher Metapher kommt er sehr gefühlvoll daher. Die immer wieder auftauchenden Referenzen zu dem Gedicht "Geh nicht gelassen in die gute Nacht" von Dylan Thomas tun dazu ihr Übriges und unterstreichen die poetische Sprache.

Das Buch ist in meinen Augen der typische Mittelteil einer Trilogie. Die Handlung wirkt an einigen Stellen künstlich in die Länge gezogen und man bekommt insgesamt zu wenig Hintergrundinformationen. Ich hoffe sehr, dass die Autorin sich noch einiges an Potential für den letzten Teil aufgehoben hat, um den guten Start der Trilogie zu einem würdigen Abschluss zu bringen.

Fazit: Insgesamt eine eher enttäuschende Fortsetzung, die weder mit Charakterentwicklung noch mit Spannung so richtig überzeugen kann.

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111 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 17 Rezensionen

familie, essen, gefühle, rose, gabe

Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen

Aimee Bender , Christiane Buchner , Martina Tichy
Fester Einband: 299 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury, 11.05.2011
ISBN 9783827009869
Genre: Romane

Rezension:

"Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen" ist ein sehr leises Buch mit gefühlvollen Tönen. Wer eine actionreiche Story erwartet, ist hier leider an der falschen Adresse, alle anderen sollten definitiv mal einen Blick wagen und können sich auf eine zu Herzen gehende Geschichte freuen!

Die Idee, dass ein Mädchen am Essen schmecken kann, mit welchen Gefühlen dieses gekocht wurde, ist so ungewöhnlich wie innovativ und hat mich von der ersten Seite an überzeugt. Wie gut lässt sich doch beim Kochen oder Backen, während man Lebensmittel zerkleinert, auf die richtige Kochtemperatur wartet oder die Zutaten vermischt, über die eigene Gefühlswelt und das Leben nachdenken! Warum sollte es also nicht jemanden geben, der den Ärger, die Liebe oder eben die Traurigkeit spüren kann, mit der eine Mahlzeit mühevoll hergestellt wurde?

Diese besondere Gabe wird für Rose allerdings schnell zur Last, da sie in etwas so Normalem wie den täglichen Mahlzeiten plötzlich feststellen muss, dass ihre gesamte Familie in einer tiefen Traurigkeit gefangen gehalten ist, aus der es scheinbar keinen Ausweg gibt. Zu lesen, wie viel diesem gerade erst neunjährigen Mädchen damit zugemutet wird, wenn es von der verblühten Liebe seiner Eltern oder der Einsamkeit seines Bruders erfahren muss, hat mich tief bewegt. Erschwerend hinzu kommt noch, dass natürlich kein Erwachsener an den ungewöhnlichen Geschmackssinn von Rose glaubt und sie somit lange Zeit auf sich allein gestellt bleibt. Erst von George, dem einzigen Freund ihres Bruders, erhält sie Zuspruch und es bahnt sich über die Jahre eine zarte Liebesgeschichte an - die aber, wie sollte es anders sein, ebenfalls nicht nur von glücklichen Momenten geprägt ist.

Eigentlich erzählt Aimee Bender die ganze Zeit über nur von dem Leben einer relativ normalen Familie, die über mehrere Jahre hinweg in ihrem eigenen Alltag gefangen wurde und sich nun nicht mehr von ihren Problemen lösen kann. Das schreckliche daran ist erst, dass alles Geschehen im Buch (eben aufgrund dieser Alltäglichkeit) so normal erscheint, dass man nach dem Lesen fast Angst davor hat, dass einen selbst dieses Schicksal - die unabwendbare Normalität - ereilen könnte. Und dadurch, dass man durch Rose von all den überwältigenden Gefühlen und Gedanken der Familie so direkt eine Ahnung bekommt, enthüllt sich erst die ganze Traurigkeit der Protagonisten - weit über den Tag des Zitronenkuchens hinaus.

Unbedingt sagen möchte ich allen an dem Buch Interessierten noch, dass die Herkunft der besonderen Gabe während der gesamten Geschichte nie geklärt wird - und diese bleibt bei weitem nicht das einzige übersinnliche Phänomen. Mich hat dies keineswegs beim Lesen gestört, geht es doch vielmehr um die Bedeutung dieser Gabe als um die Herkunft, doch wer lieber Erklärungen erhält, der sollte am Ende nicht enttäuscht sein, wenn er keine solche bekommt. Ganz im Gegenteil werden im späteren Verlauf noch weitere Fragen aufgeworfen, die man sich nach dem Lesen erst selbst beantworten muss. Doch gerade dies macht in meinen Augen den Reiz des Buches aus, denn mich hat es nach der Lektüre noch lange nicht losgelassen.

Fazit: Ein trauriges Buch, auf das man sich erst einlassen muss, das dann aber schnell seinen ganzen Zauber entfaltet!

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203 Bibliotheken, 2 Leser, 4 Gruppen, 26 Rezensionen

science fiction, zukunft, liebe, leben, verrat

Crashed

Robin Wasserman , Claudia Max , Robin Wassermann
Fester Einband: 431 Seiten
Erschienen bei script5, 01.09.2010
ISBN 9783839001141
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mit "Crashed" hatte ich leider so meine Probleme. Immer wieder habe ich das Buch zur Seite gelegt, sogar andere Bücher dazwischen geschoben, und wurde doch nicht mehr warm mit ihm, da es mich nicht zu fesseln vermochte. Auch meinen Ärger über den Verlauf der Handlung für diese Rezension in Worte zu fassen, fällt mir nicht leicht. "Skinned" konnte mich für sich überzeugen und machte mit seinem spektakulären Ende Lust auf mehr - doch mit diesem Nachfolgeband konnte ich mich gar nicht anfreunden. Vielleicht wird der abschließende Band ja einiges wieder wettmachen (wäre ja nicht die erste Trilogie, bei der das der Fall ist...), aber an den traue ich mich vorerst (noch) nicht heran. Hier nun aber meine Rezension:

Schon im ersten Band war mir Lia Kahn mit ihrem permanenten Selbstmitleid nicht besonders sympathisch. In "Crashed" wird dies noch weiter auf die Spitze getrieben. Das Schlimme an der Situation ist, dass es keinen Gegenpart für Lias Trauer mehr gibt. In "Skinned" hat ihr Freund Auden für mich die Situation komplett gerettet und konnte mir durch die Augen eines Menschen Lias Probleme näherbringen. Doch nach dem schrecklichen Unfall im ersten Teil hat er sich von Lia - verständlicherweise - abgewandt und ist nun nicht mehr da, um mir, dem Leser, die Situation aus einem neutralen Blickwinkel begreiflich zu machen. Mit Lia konnte ich nicht mitfühlen, was wohl das größte Problem für mich an "Crashed" war. Die Protagonistin ist mir mit ihrem Gejammer von Seite zu Seite mehr auf die Nerven gegangen.
Dazu kam noch, dass sich das Geschehen über lange Zeit hinweg kaum von der Stelle bewegt - viele Szenen haben in meinen Augen weder zur Atmosphäre noch zum Lauf der Geschichte etwas beigetragen. Die Geschichte hätte somit um bestimmt 100 Seiten gekürzt werden können.

Dazu kam noch eine ständige Verwirrung, die sich bei mir breit machte, was die Charaktere des Buches betraf. Es ist noch nicht allzu lange her, dass ich "Skinned" gelesen habe, und trotzdem hatte ich Probleme, mir die vielen Nebencharaktere zu merken - die meisten wirkten auf mich eher blass und kaum herausgearbeitet, so dass ich schlecht zwischen ihnen und ihren Motiven differenzieren konnte. Wer ist Mech? Wer Mensch? Wer ist reich? Wer arm? Und auf welcher Seite steht wer?
Es kann sehr gut sein, dass ich aufgrund meiner Frustration beim Lesen auch etwas unaufmerksamer geworden bin und mir deswegen vieles entgangen ist, doch Robin Wasserman konnte mich mit der weiteren Handlung von "Crashed" auch nicht wieder aus diesem Tief herausholen.

Einziger Grund, warum ich weitergelesen habe, war Auden und die Seite der "Bösen", auf die er sich geschlagen hat. Was sind seine Motive? Wie kann er nun so grausam sein, wo er Lia doch einst geliebt hat? Diese Fragen haben mich weiterlesen lassen, doch werden sie wohl erst in "Wired", dem finalen Band der Reihe, geklärt werden. Zum Schluss des Buches kam bei mir dann etwas Neugier auf, wie es wohl mit der Beziehung zwischen Auden und Lia weitergehen wird, und ob Lia eine Mech bleiben oder lieber sterben möchte... aber ob diese Motivation noch für den dritten Teil "Wired" ausreichen wird, kann ich leider nicht mit Bestimmtheit sagen.

Fazit: Schade - eine ziemlich unüberzeugende Fortsetzung einer gut begonnenen Reihe.

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63 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

bibliothek, bücher, usa, entführung, freundschaft

Ausgeliehen

Rebecca Makkai , Mirjam Pressler
Fester Einband: 367 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 06.10.2011
ISBN 9783550088483
Genre: Romane

Rezension:

Die junge Bibliothekarin Lucy war mir sofort sehr sympathisch - konnte ich mich doch gut in ihre Lage und in ihre (bibliophilen) Eigenheiten hineinversetzen. Auch der kleine büchersüchtige Ian, der von seiner Mutter sein liebstes Hobby verboten bekommt, konnte sofort mein Herz erobern. Doch je weiter die Geschichte voranschritt, desto langatmiger und abstruser wurde sie leider - und auch die Marotten der beiden Protagonisten zeichneten sich immer mehr ab und begannen, mir auf die Nerven zu gehen.

Die Atmosphäre, die man zunächst von dem Buch erwartet - eine Reise quer durch die Literatur, ausgehend von einer fantastischen Bibliothek - bekommt man hier leider nicht geboten. Stattdessen erwartet den Leser ein Roadtrip quer durch Lucys Vergangenheit, der viel zu unglaubwürdig geschildert wird, als dass man der Autorin die ganzen Verwicklungen noch abnehmen würde. Sehr gestört hat mich auch, wie bereitwillig Lucy auf Ians Kommandos reagiert, ihn ohne Gewissen und ohne Gedanken an die Konsequenzen fern von seiner Familie durch das Land fährt. Als dann noch die russische Mafia mit von der Partie ist, fragt man sich als Leser, ob und wo denn der Bezug zum eigentlichen Thema des Buches noch vorhanden ist.
Zwar erfährt man einiges über Land und Leute Amerikas - darunter durchaus ein paar lesenswerte oder humorvolle Anekdoten - aber leider bleiben diese oberflächlich und konnten mich nie so richtig berühren. Schade, denn ich hätte mir deutlich mehr von dem Buch erhofft!

Sprachlich finde ich "Ausgeliehen" sehr interessant und durchaus einen Blick wert: Es gibt immer wieder Kapitel, die den Erzählfluss des Buches verlassen und stattdessen weitere Informationen über Lucy, Ian oder ihre Reise bereithalten. Diese sind jedesmal in einem anderen Erzählstil gehalten, z.B. gibt es sehr skurille Listen, einen Part, in dem man selbst über den Verlauf der Geschichte entscheiden kann (...lies weiter bei Punkt 4...), kleine Märcheneinschübe und noch so einiges mehr. Dass diese Passagen trotzdem immer zur Geschichte passen, sie aber auf recht sarkastische Weise von einer allwissenden Ebene betrachten, hat mir sehr gut gefallen! Genial sind ebenfalls die Kapitelüberschriften; so trägt beispielsweise gleich der Prolog den Titel "Ian war nie glücklich, es sei denn, es gab einen Prolog" - auch über diese selbstironischen Referenzen musste ich jedesmal schmunzeln.

Fazit: Ein sprachlich überzeugendes Debüt mit einem interessanten Thema - leider kommt die Autorin aber mehr und mehr vom Wege ab und verliert die eigentliche Geschichte aus den Augen.

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189 Bibliotheken, 5 Leser, 6 Gruppen, 75 Rezensionen

schatten, fantasy, magie, engel, jonas

Der letzte Schattenschnitzer

Christian von Aster
Fester Einband: 312 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 01.09.2011
ISBN 9783608939170
Genre: Fantasy

Rezension:

Zuerst einmal: Ich finde die Idee der Geschichte absolut genial. Über Schatten, die ihr Eigenleben führen, habe ich bisher noch in keinem Buch gelesen, geschweige denn von einer ganzen Schattenwelt und einer Magie, die nur Schatten beherrschen. Dieses Thema hat mich sehr neugierig gemacht und ich war super-gespannt auf das Buch!

Die Geschichte besteht aus drei Erzählebenen. Einmal wird das Leben der Kinder geschildert, angefangen bei Jonas' Babyjahren und seiner Kindheit; später schwenkt die Erzählung auch zu Maria, dem Kind ohne Schatten. Dieser Erzählstrang hat mir aufgrund der einfachen, aber eindringlichen Beschreibungen gut gefallen und ich habe das Leben der beiden Kinder gerne verfolgt.
Mit dieser Ebene eng verbunden ist außerdem die Erzählung von Jonas' Schatten, der uns aus der Ich-Perspektive über einige Hintergründe der Schattenwelt aufklärt. Auch diese - leider recht kurzen Einschübe - haben mir gefallen. Sie waren so voller Mystik und konnten die finstere Schattenstimmung gut herüberbringen. Gleichzeitig zeigten sie auch, wie allmächtig die Schatten sind - Jonas' Schatten kann seinem Schützling alles über die Schattenmagie beibringen und verfügt über ein Jahrhunderte altes Wissen.
Auf einer dritten Ebene wird vom Rat der Schatten berichtet. Mit dieser Erzählung konnte ich allerdings überhaupt nicht warm werden und sie hat mir leider auch den Rest des Buches ziemlich vermiest. Der Rat der Schatten und sein Umfeld bestand aus lauter undurchsichtigen Personen, die teilweise gar keine Namen hatten (und nur mit "der Alte", "der Ruhige", "der Energische", "die scharfe Stimme" usw. angesprochen wurden). Das hat mich wirklich an den Rand der Verzweiflung gebracht, da ich diese Personen nie zuordnen, geschweige denn wiedererkennen konnte. Auch die Themen, die sie besprochen haben, waren wirr, so dass ich der Handlung des Schattenrats bald überhaupt nicht mehr folgen konnte - die ganze Magie dahinter blieb so für mich ein Buch mit sieben Siegeln.

Gegen Ende des Buches fließen diese verschiedenen Erzählstränge zusammen und es herrscht wieder etwas mehr Klarheit - ich hatte die richtige Abfahrt für diese Geschichte aber längts verpasst und konnte mir nie richtig etwas unter den ganzen Mysterien vorstellen. Gerade, da die Art der Schattenfantasy so ein neues Gebiet ist, hätte es hier in meinen Augen viel mehr Erklärungen geben müssen, damit man diese Welt richtig verstehen und sich vorstellen kann - für mich blieb sie so aber leider unnahbar und schwammig. Es werden wahnsinnig viele Andeutungen gemacht, oft wird beschrieben, dass Jonas (mal wieder) im Dunkeln tappt und die großen Zusammenhänge (noch) nicht erkennen kann. Dem Leser werden so aber auch keine großen Erkenntnisse gewährt - oft ist man genauso ahnungslos wie Jonas und das kann zeitweise ganz schön frustrieren. Am Ende von "Der letzte Schattenschnitzer" gab es einige überraschende Wendungen, die mich doch noch länger über das Buch nachdenken ließen. Aber ganz retten konnte es die verworrene Geschichte leider nicht mehr.

Eine weitere Ebene gibt es noch in dem Buch, und zwar werden aus dem Buch "Alchimia Umbrarum" von John Dee einige Kapitel zitiert, die Hintergründe zu den Mysterien der Schatten liefern - so wirkte für mich diese alte Magie ein bisschen realer. Die Kapitel waren kurz und beeinhalteten gute Erklärungen, so dass man etwas hinterher kam mit den ganzen Geheimnissen dieses Buches. Die Idee, aus einem fiktiven Buch zu ziteren, fand ich - genauso wie die gesamte Idee der Schattenmagie - wieder überaus genial.

Fazit: Eine faszinierende neue Fantasy-Idee, die aber stellenweise so wirr wirkt, dass man weder alle Geheimnisse versteht noch richtig in die Welt eintauchen kann.

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204 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

liebe, beziehung, berlin, trennung, erwachsen werden

Wachstumsschmerz

Sarah Kuttner
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 23.11.2011
ISBN 9783100422064
Genre: Romane

Rezension:

Mit "Wachstumsschmerz", ihrem zweiten Buch nach "Mängelexemplar", beschreibt Sarah Kuttner das Dilemma einer Generation (meiner Generation!), der es eigentlich an nichts fehlt, die sogar unbegrenzte Wahlmöglichkeiten hat - die aber mit dieser Freiheit auch überfordert ist und sich schlicht etwas mehr Orientierung im Leben wünscht. In vielen Situationen im Leben von Luise und Flo konnte ich mich sehr gut wiedererkennen; die Unsicherheit der beiden - über allem kreist die ständige Frage: "Muss ich alles wollen, bloß weil ich es kann?" - war mir zugleich sympathisch und vertraut. Fast ist man beim Lesen von "Wachstumsschmerz" erleichtert, dass man gar nicht allein mit diesem Problem dasteht - und dass Sarah Kuttner es nun endlich einmal so eindeutig formuliert hat. Großartig zum Beispiel, wie die Autorin das Verhältnis zwischen "uns" und den "älteren Generationen" in einem Absatz zugleich humorvoll und prägnant beschreibt:

"Andererseits ist es dieser Tage wirklich schwer, noch gegen einen Strom zu schwimmen, wenn doch in alle Richtungen geströmt wird. Man kann ja gar nicht mehr gegen das Establishment sein, wenn besetzte Häuser als nonchalant gelten, die eigenen Eltern sich bei uns Gras ausleihen, um abends bei einem Weinchen mit Freunden zu kiffen, Nena penetrant Chucks und Charlotte Roche Schluppenbluse und Gretchenfrisur trägt. In welche Richtung soll man sich denn noch wenden, um anders zu sein?"

Bloß ein Problem konnte ich nicht so ganz nachvollziehen: Luise und Flo haben eine fast panische Angst vor dem nächsten Schritt ihrer Beziehung - dem Zusammenziehen. Zwar kann ich schon die Ängste verstehen, die mit dem Teilen einer gemeinsamen Wohnung einhergehen, doch übertreibt gerade Luise in diesem Punkt meiner Meinung nach viel zu sehr, so dass ich gegen Ende des Buches sogar etwas genervt davon war. Vielleicht bin ich mit meinen 26 Jahren noch zwei, drei Jahre zu jung, um diese ganz "Torschlusspanik" zu verstehen, die in "Wachstumsschmerz" thematisiert wird, doch aus eigener Erfahrung kann ich zumindest dieses Problem nicht nachvollziehen und verstehe auch nicht, warum gerade dieser Schritt so hochstilisiert wird.

Entschädigt haben mich dafür aber die vielen anderen klugen Gedanken im Buch, zum Beispiel zum Thema "Kinderkriegen", über das ich mir selbst gern schonmal den Kopf zerbreche. Folgende Passage ist wieder so treffend formuliert, dass ich sie direkt unterschreiben könnte:

"Ich möchte keine Kinder. Nicht jetzt. Keinesfalls. Die Frage ist aber: Wie lange kann ich noch warten? Ist es wirklich schlau, erst dann ein Kind zu bekommen, wenn man nichts auf der Welt dringender möchte? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Zeitpunkt irgendwann kommt? Ist es nicht vernünftiger, meine immer weniger werdenden Jahre zu nutzen und einfach demnächst ein Kind zu machen und zu hoffen, dass man es schon irgendwie gut leiden kann, wenn es erst mal da ist? Ich kenne nur wenige Menschen in meinem Alter, deren Kinder Wunschkinder sind. Aber geliebt werden sie alle wie Sau. Ist das nicht besser, als mit fünfundvierzig Jahren endlich dringend Nachwuchs zu wollen und dann nicht mehr zu können?"

Natürlich besteht das Buch nicht nur aus diesen Weisheiten, sondern erzählt ganz nebenbei die sehr einfühlsame Geschichte zwei junger Leute, die ihren Lebenssinn noch nicht gefunden haben. Sehr interessant wird das Buch dabei durch die sogenannten "Memos", die sich immer wieder zwischen den einzelnen Kapiteln finden. In diesen treffen wir Luise ein paar Monate nach Beginn der Handlung wieder, traurig und verlassen sitzt sie nun in der neuen (eigentlich doch gemeinsamen) Wohnung. Unweigerlich fragt man sich natürlich, wie es zu dieser Situation kommen konnte, sind Luise und Flo doch - trotz aller Unsicherheiten - zu Beginn der Geschichte ein glückliches Pärchen. Diese Memos sorgten für die leisen Töne im Buch, ließen mich oft nachdenklich zurück und trugen natürlich gleichzeitig zu der Spannung bei, ob es für die beiden noch ein glückliches Ende geben kann.

Doch auch der Humor kommt im Buch nicht zu kurz. Sarah Kuttner schreibt wie sie spricht: geradeheraus, schnörkellos, manchmal in Umgangssprache, manchmal mit Schimpfworten. Literarisch anspruchsvoll ist das nicht, doch es gibt einem beim Lesen das sehr authentische Gefühl, dass man dies alles doch selbst schon so erlebt hat. Die Sprache lässt sich flott lesen und vermittelt einem den Eindruck, Sarah Kuttner persönlich würde neben einem sitzen und die Geschichte erzählen.
Etwas vermisst habe ich allerdings die kuttnertypischen Wortspiele und Wortneukreationen, die mir in den früheren Kolumnen und auch in "Mängelexemplar" so gefallen haben. Man kann Sarah Kuttner noch immer auf jeder Seite fühlen, was für sich genommen schon eine große Leistung der Autorin ist, doch an die früheren Werke kommt "Wachstumsschmerz" damit nicht heran. Aber vielleicht merkt man daran bloß, dass auch Sarah Kuttner ein bisschen erwachsener geworden ist.

Fazit: Ein persönliches Buch mit sehr authentischen Charakteren, das das Lebensgefühl der "um die 30-Jährigen" humorvoll und nachdenklich auf den Punkt bringt.

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1.747 Bibliotheken, 32 Leser, 12 Gruppen, 253 Rezensionen

liebe, dystopie, krankheit, zukunft, lena

Delirium

Lauren Oliver , Katharina Diestelmeier
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 26.10.2011
ISBN 9783551582324
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Delirium" stellt uns eine interessante und gleichzeitig schreckliche Welt vor: Die Liebe wird als gefährliche Krankheit betrachtet, die es gilt, für immer und ewig auszurotten. Vielleicht hat sich jeder, der unter Liebeskummer litt, schon einmal kurzzeitig gewünscht, dass ihm die Liebe nie wieder begegnet, doch "Delirium" zeigt, wie eine solche Welt ganz ohne Liebe wirklich aussähe: Gefühlskälte, Starre, Ignoranz, Menschen ohne Mitgefühl für ihre Nächsten. Kurz: In so einer Welt möchte niemand leben. Die 17jährige Lena jedoch ist in einer solchen Welt aufgewachsen und kennt es gar nicht anders.

Das Buch beginnt sehr ruhig, und schildert zunächst Lenas Alltag, die Beziehungen zu den anderen Familienmitgliedern sowie ihre Vergangenheit. Denn Lenas Eltern sind beide an der "Krankheit" Liebe gestorben, weswegen sich Lena selbst nichts sehnlicher wünscht, als endlich 18 zu werden und die Operation zu erhalten, mit der sie endgültig geheilt wird. Sie hält sich streng an die Regeln der Gesellschaft und durch ihre Augen (die gesamte Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt) muss sich der Leser zunächst mit dieser Weltanschauung abfinden. Mir ist es erst etwas schwer gefallen, mich mit dieser fremden und gehorsamen Ideologie zu identifizieren, doch wenn Lena nach und nach die Fehler des Systems kennenlernt und beginnt, es zu hinterfragen, fiebert man umso mehr mit ihr mit.

Der bodenständige und nachdenkliche Freidenker Alex war mir direkt sympathisch. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Lena beginnt sehr langsam - was kein Wunder ist, da Lena zunächst nicht wahrhaben will, dass sie auf diese Weise empfinden kann und so gegen das Gesetz verstößt. Doch Gefühle lassen sich nicht aufhalten und bald ist klar, dass Lena sich hoffnungslos in Alex verliebt hat und sich eine Zukunft ohne die Liebe gar nicht mehr vorstellen will. Alex zeigt ihr, wie wunderschön die Liebe sein kann und ließ in einigen sehr romantischen Passagen auch das Herz des Lesers höher schlagen.

Ein wenig schade fand ich es, dass man so wenig Informationen erhält, wie es zu dieser schrecklichen Welt kommen konnte. Zwar wird ein paar mal erwähnt, wann das Heilmittel eingeführt wurde und welches "Glück" es den Menschen seither gebracht hat, doch zu keinem Zeitpunkt wird erklärt, wie genau sich eine Operation gegen die Liebe - die doch als höchstes zu erstrebendes Glück angesehen wird - innerhalb weniger Jahrzehnte durchsetzen konnte. Ich zähle hier sehr auf die beiden Folgebände, die hoffentlich noch mehr Informationen darüber bereithalten - doch ein paar erste Hinweise hätten auch "Delirium" nicht geschadet.

Interessant gemacht finde ich die jeweiligen Kapitelanfänge des Buches. So startet jedes Kapitel mit einem - natürlich fiktionalen - Zitat, z.B. aus dem "Buch Psst" (dem Regelwerk über die amor deliria nervosa), Kinderreimen, die den Schrecken der deliria thematisieren, oder kleinen Warnungen vor der Krankheit, wie sie im Alltag der Menschen immer wieder vorkommen. So wird einmal mehr deutlich, wie sich die Angst vor der amor deliria nervosa in den Köpfen der Menschen über die Jahre hinweg festgesetzt hat.

So ruhig, wie das Buch auch beginnt, so furios und unvorhersehbar ist doch sein Ende, das ich mit angehaltenem Atem gelesen habe. Auch wenn der Cliffhanger ziemlich gemein und sehr dramatisch ist, so machte das Buch doch einen "runden" Eindruck auf mich, da nach "Delirium" wohl ein neuer Abschnitt in Lenas Leben beginnen wird. Ich freue mich schon, mehr davon zu lesen! (wenn es doch bloß nicht mehr so lange bis zum nächsten Teil dauern würde...)

Fazit: Ein ruhiger Auftakt einer neuen, vielversprechenden Trilogie, der mit seinem spannenden Ende definitiv Lust auf mehr macht!

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113 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

weihnachten, liebe, new york, jugendbuch, notizbuch

Dash & Lilys Winterwunder

Rachel Cohn , David Levithan , Bernadette Ott
Fester Einband: 318 Seiten
Erschienen bei cbt, 03.10.2011
ISBN 9783570161166
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Dash & Lilys Winterwunder" ist eine zauberhafte Liebesgeschichte, die mich beim Lesen direkt in vorweihnachtliche Stimmung versetzt hat. Dabei werden gar keine typischen "besinnlichen" Ereignisse geschildert, sondern vielmehr die Großstadtatmosphäre New Yorks und die damit verbundene Hektik und Jagd nach Weihnachtsgeschenken in den überfüllten Kaufhäusern. Trotzdem konnte ich mir beim Lesen (mitten im tristen November) die vielen bunten Lichter, die allgegenwärtigen Weihnachtslieder, den Plätzchengeruch und die vielen Weihnachtsmänner schon so gut vorstellen, dass ich fast traurig war, noch so lange auf die Festtage warten zu müssen und nicht direkt zusammen mit Dash und Lily in ihr Winterwunder eintauchen zu können.

Die Erzählperspektive wechselt von Kapitel zu Kapitel ab zwischen Dash und Lilys Beschreibungen, die durch Rachel Cohn (der romantische Blick auf Weihnachten: Lily) und Daniel Levithan (die "Ich hab mit Weihnachten nichts am Hut"-Einstellung: Dash) treffend wiedergegeben werden. Auch wenn sich Dash und Lily zunächst noch gar nicht kennen, so kommen sie sich über das Notizbuch, das in schnellen Rhythmus den Besitzer wechselt, doch immer näher und zeigen so dem jeweils anderen ihre Sicht auf das weihnachtliche New York: Die Geschichte beginnt am 21. Dezember und wird im Tagesrhythmus jeweils von beiden Protagonisten erzählt, wobei sich ihre Erlebnisse stets aufeinander beziehen und manche Begebenheiten erst aus Sicht der anderen Person wirklich Sinn machen. Auch muss man den beiden öfter dabei zuschauen, wie sie sich immer wieder an den gleichen Orten aufhalten, sich vielleicht sogar in der Menge sehen könnten, aber doch ständig knapp verpassen... Man darf also bis zum Ende mitfiebern!

Zu Beginn liefern sich die beiden eine regelrechte "Schnitzeljagd" und schicken sich gegenseitig anhand ziemlich verzwickter Rätsel quer durch New York. Den beiden bei diesen Verwicklungen zuzuschauen, selbst etwas mitzurätseln und nebenbei einen absolut untypischen Einblick auf den "Big Apple" zu bekommen, hat mir sehr viel Spaß gemacht!
Leider besteht - obwohl der Klappentext meiner Meinung nach anderes vermittelt - nicht das gesamte Buch aus den Rätseleien der beiden, von denen ich gerne noch mehr gelesen hätte: Nach den ersten 100 der gut 300 Seiten wandelt sich die Geschichte etwas und das Notizbuch bekommt eine zunehmend andere Bedeutung. Auch diesen Teil der Geschichte fand ich durchaus spannend zu verfolgen, doch ganz konnte er den Charme des ersten Drittels leider nicht mehr versprühen. Aber das stimmige Ende konnte mich wieder versöhnen.

Der Humor des Buches ist wirklich unverwechselbar! So viel absurdem Witz und skuriller Alltagskomik bin ich selten in einem Buch begegnet. Die anderen Bücher des Autorenduos - "Nick & Norah - Soundtrack einer Nacht" sowie "Naomi & Ely - Die Liebe, die Freundschaft und alles dazwischen" kenne ich bisher leider noch nicht - da sie aber ähnlich geschrieben sein sollen, werde ich sie mir demnächst definitiv näher anschauen! Von ersterem kannte ich zumindest die Verfilmung - und konnte mir bisher überhaupt nicht vorstellen, wie die Situationskomik daraus in einem Buch funktionieren könnte. Dank "Dash & Lily" weiß ich nun: Es funktioniert definitiv und macht wirklich Spaß!

Fazit: Eine weihnachtliche Liebesgeschichte, die romantisch, witzig, stimmungsvoll und doch ganz anders daher kommt als viele typische "Weihnachtsbücher".

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952 Bibliotheken, 13 Leser, 4 Gruppen, 67 Rezensionen

liebe, italien, fantasy, colin, mahre

Dornenkuss

Bettina Belitz
Fester Einband: 816 Seiten
Erschienen bei script5, 02.11.2011
ISBN 9783839001233
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Elisabeth Sturm hat am eigenen Leib erfahren, welche Gier, welche zerstörerische Kraft und welches Grauen in der Welt der Mahre lauern und doch hält sie an ihrer Liebe zu Colin fest. Erschöpft und bis ins Mark verletzt, fürchtet und ersehnt sie den Tag, an dem er zurückkehrt und sie sich auf die Jagd nach Tessa machen, der uralten Mahrin, die ihr Glück bedroht. In Italien hoffen sie, Tessa auf die Spur zu kommen und Hinweise auf Ellies verschollenen Vater zu erhalten. Fast gegen ihren Willen findet Ellie in der Hitze, dem Meer und der Kargheit des Landes die Ruhe, nach der sie sich seit Monaten sehnt, und dankbar gibt sie sich diesem neuen, freien Leben hin. Als von unerwarteter Seite ein Verbündeter auftaucht, scheinen die Antworten auf Ellies Fragen plötzlich greifbar. Aber je tiefer sie in das Geheimnis der Mahre eindringt, desto größer werden Ellies Zweifel: Ist selbst ihre Liebe nicht stark genug, um gegen Colins Hunger zu bestehen?

Um eins vorwegzunehmen: In meinen Augen konnte Bettina Belitz mit "Dornenkuss" kaum noch etwas falsch machen. Die Geschichte um Ellie und Colin hat mich in "Splitterherz" und "Scherbenmond" bereits dermaßen begeistern können, dass ich mich voller Freude auf die gut 800 Seiten des letzten Teils gestürzt habe. Endlich gab es ein Wiedersehen (wenn auch leider ein letztes) mit den liebgewonnen Charakteren! Und darauf, dass am Ende alle Erzählstränge schlüssig zusammengeführt werden, habe ich - auf Rat der Autorin bei youtube - einfach mal vertraut... und wurde nicht enttäuscht!

Die Atmosphäre von "Dornenkuss" ist um einiges düsterer und hoffnungsloser als noch in "Scherbenmond": Colin spürt zunehmend die Bedrohung durch Tessa und verschwindet immer öfter zum "Jagen", Paul ist von den Folgen seines Mahrbefalls noch sichtlich geschwächt und von Ellies Vater fehlt weiterhin jede Spur. Diese Stimmung überträgt sich natürlich auf die sensible Ellie, die dringend eine Pause zum Verschnaufen bräuchte, was ihr aber während des gesamten Buches nicht vergönnt wird. Trotz dieser trostlosen Grundstimmung besitzt das Buch wie gewohnt seine witzigen Momente inklusive der von mir so geliebten "Twilight"-Verweise; z.B. fasst Gianna die trostlose Situation zu Beginn des Buches folgendermaßen zusammen:

"Mich nervt, dass wir alle drei offenbar auf unsere Männer warten. Drei Frauen sitzen in einem Haus und warten auf ihre Männer, weil sie ohne ihre Männer handlungsunfähig sind. Das ist nicht zeitgemäß und sehr unemanzipiert. Es ist mir zu edwardesk."

Der erneute Schauplatzwechsel - fast die gesamte Handlung spielt diesmal in Italien - tut der Geschichte sehr gut. Die drückende, schwüle Atmosphäre wird so anschaulich beschrieben, dass sie sich auch bei kaltem Wetter auf dem heimischen Sofa jederzeit nachfühlen lässt. Mit dem beliebten Urlaubsland hat dies allerdings kaum noch etwas gemein, vielmehr lernen wir die abgelegenen Regionen Italiens kennen, die von Armut und Schmutz gezeichnet sind.

In den Rezensionen zu "Splitterherz" und "Scherbenmond" habe ich jedesmal kritisiert, dass mir der Konflikt zwischen den Mahren nicht ganz stimmig erschien - irgendeine logische Verknüpfung fehlte mir dabei, sodass ich bei beiden Büchern am Ende das Gefühl hatte, nicht ganz mit der Geschichte "hinterherzukommen" - auch wenn dies nie für einen Punktabzug gereicht hat ;-) Mit "Dornenkuss" habe ich nun ein tieferes Verständnis für die beiden Vorgängerromane erlangen können, da sich hier viel Zeit genommen wird, die vergangenen Ereignisse zu erklären. Auch erfährt man nun genauere Details über die Welt der Mahre und begegnet sogar einigen, die man vorher noch nicht kannte, und die weitere Erklärungen geben. Schon jetzt freue ich mich darauf, mit diesem Hintergrundwissen irgendwann noch einmal zu den Büchern greifen zu können - ich bin mir sicher, dass ich dort viele Anspielungen finden werde, die ich so beim ersten Lesen übersehen habe.

Die Erzählperspektive ist erneut auf die Sicht von Ellie beschränkt, so dass der Leser zu keiner Zeit mehr als Ellie selbst weiß. Dies führt in einer längeren und sehr geheimnisvollen Passage, in der Ellie sichtlich durcheinander ist, dazu, dass der Leser diese Verwirrung am eigenen Leib spüren muss und schließlich nicht mehr weiß, wem man nun vertrauen kann und wem nicht. Viele Dinge, über die man eine feste Meinung zu haben glaubte, werden hier infrage gestellt, und Bettina Belitz schafft es, uns lange über die Wahrheit im Unklaren zu lassen - während sich die Lage mehr und mehr zuspitzt. Genial!
Auch sonst passieren in "Dornenkuss" einige unvorhergesehene Wendungen, die die Spannung konstant aufrecht erhalten. So geschah beispielsweise schon in der Mitte des Buches etwas, bei dem ich fest davon ausgegangen war, dass es erst ganz am Ende aufgelöst wird... doch diese Lösung warf nur neue Probleme auf, ließ meine Neugier noch größer werden und mich weiter mit Colin und Ellie mitfiebern.

Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Falls ihr die Trilogie bisher nicht kennt - bitte lest diese drei wunderbaren Bücher! Ich hätte vor dem Lesen nie geglaubt, dass ich mich in einem Buch des Genre Romantasy jemals so "Zuhause" fühlen würde. Doch der ausdrucksstarke und stimmungsvolle Schreibstil von Bettina Belitz sowie die absolut liebenswerten Charaktere, die eben nicht perfekt sind, sondern teils sehr ausgeprägte (in meinen Augen aber dennoch sympathische) Macken aufweisen, haben mich vom Gegenteil überzeugt! An die fantastischen Elemente wird man so behutsam herangeführt, dass auch Neulinge in der Welt der Fantasy ihren Spaß haben sollten - nicht zuletzt, weil selbst die Mahre manchmal ganz menschliche Probleme haben ;-)

Fazit: Wunderschöner Abschluss einer zauberhaften Trilogie! Bis zur letzten Seite habe ich wieder mit Colin und Ellie mitgefiebert - und so vergebe ich ein drittes Mal die Höchstwertung.

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