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319 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

universität, liebe, literatur, ehe, professor

Stoner

John Williams , Bernhard Robben
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.12.2014
ISBN 9783423143950
Genre: Romane

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41 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

freundschaft, alter, geschichte, liebe, selbstmord

The Sense of an Ending

Julian Barnes
Flexibler Einband: 150 Seiten
Erschienen bei Vintage, London, 13.02.2012
ISBN 9780099570332
Genre: Romane

Rezension:

Im Jahr 2011 erschien eines meiner liebsten Bücher und wurde zugleich mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet- einem Preis, dem ich sehr vertraue, da mich bislang keiner seiner Preisträger enttäuscht hat. In diesem Monat kommt nun endlich die Verfilmung des Romans in unsere Kinos. Grund genug, finde ich, den Roman erneut zu lesen und wirklich jeden ans Herz zu legen.
Vom Ende einer Geschichte ist für mich ein kleines Kunstwerk. Es zeigt sehr gekonnt, wie gut Literatur das Leben widerspiegeln kann und auch was ein Autor, mit viel Fingerspitzengefühl, in der Lage ist zu erschaffen. Es handelt sich um eine fiktive Autobiografie von Tony Webster, einem Rentner, der vielleicht aus Resignation heraus, die Geheimnisse der Vergangenheit aufklären möchte.
 Im ersten Teil des Romans erzählt Tony von seiner Jugend in den 60’er Jahren. Von seiner Freundschaft zu drei Mitschülern, einer kleinen Clique, die sich für intelligenter und besonderer hielt als die anderen, wobei einer wirklich herausstach: Adrian. Er war der klügste der Freunde und zeichnete sich durch Schlagfertigkeit und seiner stetigen Suche nach philosophischen Antworten auf das Leben heraus.

Auch die Liebe war ein wichtiges Thema der Heranwachsenden. An der Universität lernte Tony seine Freundin Veronika kennen. Die Beziehung schien jedoch für beide nicht das perfekt zu sein. Sie scheiterte (nach einer gefühlten Ewigkeit des Lesers) und Veronika kam schließlich mit Adrian zusammen. Tony brach daraufhin den Kontakt zu den beiden ab und berichtet in diesem Buch (nur 3 Seiten weiter) von Adrians Suizid, den er kaum mit seinem Brief und seiner Absage an die Freundschaft in Verbindung bringen kann.

Alles, was nach seiner Schul- und Universitätszeit passiert, erzählt Tony in einer Art Schaukelstuhlmanier: Ehe, Kind, Scheidung, Ruhestand. Alles scheint dahingeplätschert zu sein, so als hätte er in seinem gesamten Erwachsenenalter nicht mehr gelebt. Diese friedliche Ereignislosigkeit wird durch einen Brief einer Anwaltskanzlei gestört. Ihm wird eine Erbschaft versprochen: das Tagebuch seines verstorbenen Freundes, Adrian. Plötzlich ist Tony wie ausgewechselt. Er hat Feuer gefangen und möchte nun allen Rätseln der Vergangenheit auf den Grund gehen. Dies gestaltet sich jedoch als schwieriges Unterfangen, was nicht nur an der mangelnden Hilfe von Veronika liegt sondern vielmehr an Tonys Charakter, seinem Urteilsvermögen und Gedächtnis.

Vom Ende einer Geschichte zeigt, dass uns das Gedächtnis Streiche spielen kann.
«...am Ende ist das, was man in Erinnerung behält, nicht immer dasselbe, was man beobachtet.»
Wir glauben das, was wir glauben wollen; als würde uns unser Kopf vor schmerzenden Wahrheiten und Erinnerungen beschützen wollen. Am Ende stellt sich die Frage, was wir als Leser glauben können und vor allem ob die Wahrheit für Tony wichtig ist. Ich glaube nicht, dass es die Wahrheit ist, die ihm am Ende doch ein wenig verändert hat. Es war viel mehr die Suche danach, die ihn immer wieder unsicher werden ließ. Ein stetiges Hinterfragen scheint ein guter Rat fürs Leben zu sein; ein Training, das den Kopf wach und den Geist rein halten mag.
«Wenn man jung ist – als ich jung war – will man, dass die Empfindungen so sind wie die, von denen man in Büchern liest. Man will, dass sie das ganze Leben umkrempeln, dass sie eine neue Realität schaffen und bestimmen. Später will man, glaube ich, dass sie etwas Sanfteres tun, etwas Praktischeres, sie sollen das Leben unterstützen, so wie es ist und geworden ist. Sie sollen dir sagen, dass alles in Ordnung ist.» In diesem Roman werden kleinste Fäden miteinander verknüpft. Das geschieht natürlich auch in Krimis, hier jedoch wirkt es viel authentischer. „Genau so spielt das Leben manchmal“, ist das Gefühl, das man während des Lesens hat und dabei ist es so gar nicht langweilig. Ganz im Gegenteil: Man möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, da immer wieder neue Puzzleteile aufgedeckt werden und man das Bild nun endlich zusammensetzen will.

Auch die philosophische Frage nach Schicksal und Determination kann dieser Roman auf mehreren Ebenen beantworten. Wie ihr seht, ist dies ein kleiner aber reicher Roman. Er wird euch dazu bringen, den Stift zu nehmen und Zeilen in euer Notizbuch zu kopieren, was nicht nur an den tollen Gedanken sondern auch an der schwingenden Sprache von Julian Barnes liegt.
Ich habe den Roman auf Deutsch und in der englischen Originalsprache gelesen und würde euch die englische Ausgabe ans Herz legen. Bereits mit Blick auf den deutschen Titel, Vom Ende einer Geschichte, zweifle ich ein wenig daran, dass der Übersetzer die eigentliche Bedeutung des Romans und des Originaltitels, The Sense of an Ending, richtig erfasst hat.

Viele Leser waren vom Ende des Romans enttäuscht, so ging es mir überhaupt nicht. Ich habe das Gefühl, dass das, was ans Tageslicht kommt, glaubhaft erzählt, authentisch sowie überraschend ist. Ebenso lässt der Roman einiges offen, was ich großartig finde, da es Raum für eigene Interpretation und wilde Gedankengänge schafft.
Dieses Buch wird euch begeistern, wenn ihr gerne um 8 Ecken denkt und lest sowie fordernde zugleich aber auch amüsante Romane wert schätzt. Natürlich muss es sich aber auch mit euch verbinden- ihr müsst zusammen passen wie ein altes Ehepaar.

Ich freue mich sehr auf den Kinofilm, der mit großartigen Schauspielern wie Jim Broadbent und Michelle Dockery besetzt ist.
Neben meiner absoluten Lesempfehlung, möchte ich euch auch den Film ans Herz legen. Vielleicht bin ich etwas vorschnell aber ich wette, das Buch wurde brilliant umgesetzt!

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410 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 114 Rezensionen

liebe, anne freytag, homosexualität, jugendbuch, freundschaft

Den Mund voll ungesagter Dinge

Anne Freytag
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 06.03.2017
ISBN 9783453271036
Genre: Jugendbuch

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409 Bibliotheken, 5 Leser, 6 Gruppen, 38 Rezensionen

kunst, musik, künstler, leid, medien

Vincent

Joey Goebel , ,
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 27.03.2007
ISBN 9783257236477
Genre: Romane

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91 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

robert gwisdek, selbstfindung, 100 tage, schuld, gwisdek

Der unsichtbare Apfel

Robert Gwisdek
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.03.2014
ISBN 9783462046410
Genre: Romane

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

england, selbstmord, erinnerung, jugend, eifersucht

Vom Ende einer Geschichte

Julian Barnes , Gertraude Krueger
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei btb, 11.05.2015
ISBN 9783442748747
Genre: Romane

Rezension:

Im Jahr 2011 erschien eines meiner liebsten Bücher und wurde zugleich mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet- einem Preis, dem ich sehr vertraue, da mich bislang keiner seiner Preisträger enttäuscht hat. In diesem Monat kommt nun endlich die Verfilmung des Romans in unsere Kinos. Grund genug, finde ich, den Roman erneut zu lesen und wirklich jeden ans Herz zu legen.
Vom Ende einer Geschichte ist für mich ein kleines Kunstwerk. Es zeigt sehr gekonnt, wie gut Literatur das Leben widerspiegeln kann und auch was ein Autor, mit viel Fingerspitzengefühl, in der Lage ist zu erschaffen. Es handelt sich um eine fiktive Autobiografie von Tony Webster, einem Rentner, der vielleicht aus Resignation heraus, die Geheimnisse der Vergangenheit aufklären möchte.
 Im ersten Teil des Romans erzählt Tony von seiner Jugend in den 60’er Jahren. Von seiner Freundschaft zu drei Mitschülern, einer kleinen Clique, die sich für intelligenter und besonderer hielt als die anderen, wobei einer wirklich herausstach: Adrian. Er war der klügste der Freunde und zeichnete sich durch Schlagfertigkeit und seiner stetigen Suche nach philosophischen Antworten auf das Leben heraus.

Auch die Liebe war ein wichtiges Thema der Heranwachsenden. An der Universität lernte Tony seine Freundin Veronika kennen. Die Beziehung schien jedoch für beide nicht das perfekt zu sein. Sie scheiterte (nach einer gefühlten Ewigkeit des Lesers) und Veronika kam schließlich mit Adrian zusammen. Tony brach daraufhin den Kontakt zu den beiden ab und berichtet in diesem Buch (nur 3 Seiten weiter) von Adrians Suizid, den er kaum mit seinem Brief und seiner Absage an die Freundschaft in Verbindung bringen kann.

Alles, was nach seiner Schul- und Universitätszeit passiert, erzählt Tony in einer Art Schaukelstuhlmanier: Ehe, Kind, Scheidung, Ruhestand. Alles scheint dahingeplätschert zu sein, so als hätte er in seinem gesamten Erwachsenenalter nicht mehr gelebt. Diese friedliche Ereignislosigkeit wird durch einen Brief einer Anwaltskanzlei gestört. Ihm wird eine Erbschaft versprochen: das Tagebuch seines verstorbenen Freundes, Adrian. Plötzlich ist Tony wie ausgewechselt. Er hat Feuer gefangen und möchte nun allen Rätseln der Vergangenheit auf den Grund gehen. Dies gestaltet sich jedoch als schwieriges Unterfangen, was nicht nur an der mangelnden Hilfe von Veronika liegt sondern vielmehr an Tonys Charakter, seinem Urteilsvermögen und Gedächtnis.

Vom Ende einer Geschichte zeigt, dass uns das Gedächtnis Streiche spielen kann.
«...am Ende ist das, was man in Erinnerung behält, nicht immer dasselbe, was man beobachtet.»
Wir glauben das, was wir glauben wollen; als würde uns unser Kopf vor schmerzenden Wahrheiten und Erinnerungen beschützen wollen. Am Ende stellt sich die Frage, was wir als Leser glauben können und vor allem ob die Wahrheit für Tony wichtig ist. Ich glaube nicht, dass es die Wahrheit ist, die ihm am Ende doch ein wenig verändert hat. Es war viel mehr die Suche danach, die ihn immer wieder unsicher werden ließ. Ein stetiges Hinterfragen scheint ein guter Rat fürs Leben zu sein; ein Training, das den Kopf wach und den Geist rein halten mag.
«Wenn man jung ist – als ich jung war – will man, dass die Empfindungen so sind wie die, von denen man in Büchern liest. Man will, dass sie das ganze Leben umkrempeln, dass sie eine neue Realität schaffen und bestimmen. Später will man, glaube ich, dass sie etwas Sanfteres tun, etwas Praktischeres, sie sollen das Leben unterstützen, so wie es ist und geworden ist. Sie sollen dir sagen, dass alles in Ordnung ist.» In diesem Roman werden kleinste Fäden miteinander verknüpft. Das geschieht natürlich auch in Krimis, hier jedoch wirkt es viel authentischer. „Genau so spielt das Leben manchmal“, ist das Gefühl, das man während des Lesens hat und dabei ist es so gar nicht langweilig. Ganz im Gegenteil: Man möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, da immer wieder neue Puzzleteile aufgedeckt werden und man das Bild nun endlich zusammensetzen will.

Auch die philosophische Frage nach Schicksal und Determination kann dieser Roman auf mehreren Ebenen beantworten. Wie ihr seht, ist dies ein kleiner aber reicher Roman. Er wird euch dazu bringen, den Stift zu nehmen und Zeilen in euer Notizbuch zu kopieren, was nicht nur an den tollen Gedanken sondern auch an der schwingenden Sprache von Julian Barnes liegt.
Ich habe den Roman auf Deutsch und in der englischen Originalsprache gelesen und würde euch die englische Ausgabe ans Herz legen. Bereits mit Blick auf den deutschen Titel, Vom Ende einer Geschichte, zweifle ich ein wenig daran, dass der Übersetzer die eigentliche Bedeutung des Romans und des Originaltitels, The Sense of an Ending, richtig erfasst hat.

Viele Leser waren vom Ende des Romans enttäuscht, so ging es mir überhaupt nicht. Ich habe das Gefühl, dass das, was ans Tageslicht kommt, glaubhaft erzählt, authentisch sowie überraschend ist. Ebenso lässt der Roman einiges offen, was ich großartig finde, da es Raum für eigene Interpretation und wilde Gedankengänge schafft.
Dieses Buch wird euch begeistern, wenn ihr gerne um 8 Ecken denkt und lest sowie fordernde zugleich aber auch amüsante Romane wert schätzt. Natürlich muss es sich aber auch mit euch verbinden- ihr müsst zusammen passen wie ein altes Ehepaar.

Ich freue mich sehr auf den Kinofilm, der mit großartigen Schauspielern wie Jim Broadbent und Michelle Dockery besetzt ist.
Neben meiner absoluten Lesempfehlung, möchte ich euch auch den Film ans Herz legen. Vielleicht bin ich etwas vorschnell aber ich wette, das Buch wurde brilliant umgesetzt!

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Tags: gedächtnis, postmodernismus, roman   (3)
 

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348 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 93 Rezensionen

freundschaft, roman, gail honeyman, ich eleanor oliphant, liebe

Ich, Eleanor Oliphant

Gail Honeyman , Alexandra Kranefeld
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 24.04.2017
ISBN 9783431039788
Genre: Romane

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(243)

375 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 182 Rezensionen

mord, psychologie, krimi, manuskript, erinnerungen

Das Buch der Spiegel

E.O. Chirovici , Werner Schmitz , Silvia Morawetz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.02.2017
ISBN 9783442314492
Genre: Romane

Rezension:

Es kommt vor, dass sich Kunden im Laden am mich wenden, um mich nach einem richtig guten Buch zu fragen. Manche geben mir vor, was ein wirklich gutes Buch für sie sei; was es haben müsste (Spannung, Witz, Liebe, wenig Seiten) und was nicht (Mord, Traurigkeit, viele Seiten). Andere lassen mir freien Lauf. Sie wollen schauen, ob ich ihnen eine völlig neue Welt voller guter Bücher zeigen könne, die ihnen zuvor unbekannt war. Streife ich daheim durch mein Bücherregal, entdecke ich gute Bücher, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ich wertschätze die großartige Sprache des einen Romans und denke, in der nächsten Sekunde, an die liebevoll gezeichneten Charaktere des Buches gleich daneben zurück. Das Buch der Spiegel vereint eine Vielzahl von Attributen, die ich einem guten Buch zuschreibe. Einmal angelesen, kann ich versprechen, dass jeder es in einem Rutsch durchlesen möchte. Es zieht den Leser hinein; doch wohin eigentlich?


Wir lernen Peter Katz kennen, der als Agent für einen renommierten Verlag arbeitet. Unter all den ihm eingesandten Manuskripten sucht er stets nach dem einen Kleinod, der als Bestseller des Jahres gefeiert werden könnte. Und siehe da: eine E-Mail erreicht ihn samt dem Anfang einer Geschichte, die so einiges in Bewegung setzen wird. Es ist die Geschichte von Richard Flynn, ein gescheiterter Schriftsteller, der über Geschehnisse schreibt, die knapp dreißig Jahre zurückliegen. Damals wurde ein wichtiger Psychologieprofessor seiner Uni ermordet. Dieser Fall blieb weitestgehend ungelöst, doch der Anfang seines Manuskripts offenbart gleich mehrere Verdächtige und Richards Absicht, endlich eine Aussage zu machen. Leider endet das Manuskript abrupt und es ist zu spät für Peter,  Richard kennen zu lernen und ihn um den Rest des Manuskriptes zu bitten. Er ist verstorben und scheint sein Geheimnis mit ins Grab genommen zu haben. Peter beauftragt John Keller, einen Reporter, mehr Licht ins Dunkel zu bringen um die Geschichte doch noch rekonstruieren zu können.  Durch Johns Nachforschungen treffen wir auf die unterschiedlichsten Zeitzeugen; einzelne Erinnerungsfäden kommen zum Vorschein, die sich allesamt nicht zusammenweben lassen wollen. Im 3. Teil, nachdem Peter Katz (Teil 1) und John Keller (Teil 2) als Erzähler dienten, tritt nun Roy Freeman an ihre Stelle. Roy ist ein ehemaliger Cop, der sich an dem Mordfall vor dreißig Jahren die Zähne ausbiss. Die neugewonnenen Informationen, die Katz und Kellers Recherchen hergaben, lassen ihn nicht los. Er versucht  den Rest des Manuskripts ausfindig zu machen um das rätselhafte Puzzle endlich zusammensetzen zu können.
Das Buch der Spiegel ist als Roman klassifiziert, enthält aber ebenso wichtige Fingerabdrücke der Kriminalliteratur, was den Roman unglaublich spannend und packend macht. Ich muss gestehen, dass das Manuskript, welches der Leser gleich zu Beginn des Buches lesen darf, wahrscheinlich den interessantesten Teil des Romans darstellt. Doch ist man einmal in diesem Sog, kann man sich dem nicht mehr entziehen. Die drei Teile -und einhergehend ihre drei unterschiedlichen Erzählperspektiven- sorgen für Abwechslung und eine positive Verwirrung beim Leser. Sobald man denkt, auf der richtigen Fährte zu sein, kommt eine völlig neue Information daher, die ein ganz neues Fenster öffnet. Die Schreibstile unterscheiden sich leider nur minimal und auch die Charakterzüge der Erzähler bleiben recht  oberflächlich. Sie wurden eher nur grob skizziert. Ich hätte mir gewünscht, dass das Buch etwas länger wäre. Chirovici hätte die persönlichen Geschichten der Erzähler und den Einfluss des Falls auf ihr Privatleben noch detaillierter ausarbeiten können. Dennoch möchte ich dieses Buch empfehlen. Ich schrieb anfangs von Eigenschaften, die ein gutes Buch ausmachen können. An diesem Roman schätze ich die verschiedenen Ebenen der Erzählung, die unterschiedlichen Perspektiven und die immer wieder neu aufkommenden Ideen und Motive. Mir gefällt das Spiel, das mit dem Leser getrieben wird. Es ist voller Ironie, schaut mal:               Ein Psychologe, der dabei war, eine wichtige Studie über das beeinflussbare Erinnerungsvermögen seiner Probanden zu schreiben wird ermordet. Wie versuchen wir Leser mit Hilfe der Erzähler Licht ins Dunkle zu bringen? Wir lesen die Erinnerungen von Zeitzeugen! Wem glauben wir und wem nicht? Wer mag mit Absicht lügen und wer glaubt seine Erinnerungen seien wahr?
Das Buch der Spiegel ist ein toller Unterhaltungsroman, der so schnell erzählt ist, dass er dem Leser ein bis drei Tage nicht von der Seite weichen wird. Solche Romane sind goldwert und ich liebe sie. Literatur darf nicht nur sondern soll auch unterhalten. Sie darf den Leser gern für einige Zeit aus dem Alltag reißen- das kann dieser Roman sehr gut. Viel Freude dabei!

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Tags: erzählperspektiven, geheimni, krimi, roman   (4)
 
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