DoreenGehrkes Bibliothek

25 Bücher, 8 Rezensionen

Zu DoreenGehrkes Profil Zur Autorenseite
Filtern nach
25 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

brian selznick

The Invention of Hugo Cabret

Brian Selznick
Fester Einband: 533 Seiten
Erschienen bei Scholastic, 25.08.2009
ISBN 9781407103488
Genre: Kinderbuch

Rezension:

»Die Entdeckung des Hugo Cabret« – ein Buch über Träume, Magie und einem mechanischen Mann, der das Leben des Waisenjungen Hugo Cabret rettet. Ein Buch, das uns ans Träumen erinnert.

Paris im Jahr 1931. Der 11-jährige Junge Hugo Cabret lebt zusammen mit seinem Vater, einem Uhrmacher, ein bescheidenes, aber behütetes Leben. Ein kleines Uhrengeschäft und die Arbeit des Vaters halbtags in einem Museum sichern das Einkommen der kleinen Familie. Das Kino und das Tüfteln an kaputten Uhren und anderen kleinen Geräten verbinden Vater und Sohn zu mehr als nur zu einem gemeinsamen Hobby. Hugo möchte wie sein Vater werden – ein Uhrmacher, ein Mechaniker. Reparaturen machen ihn glücklich. Noch bevor der mechanische Mann in sein Leben trat, war sich Hugo sicher, Dinge zu reparieren sei seine Bestimmung, der Grund seiner Existenz.

Eines Tages erzählt ihm sein Vater, er habe ein fantastisches Spielzeug im Keller des Museums gefunden. Eine Puppe zum Aufziehen – der mechanische Mann. Hugo ist fasziniert von diesem Automaten und möchte ihn unbedingt sehen. Einmal nimmt ihn sein Vater mit ins Museum, erklärt Hugo die Mechanik, zeigt ihm seine vielen Notizbücher, die er mit Zeichnungen vom mechanischen Mann gefüllt hat und hofft, ihn reparieren zu können. Der Vater ist sich sicher, dass der Automat etwas schreiben oder zeichnen kann, wenn man ihn aufgezogen hat. Zu Hugos zwölftem Geburtstag schenkt ihm sein Vater eines seiner Notizbücher. Beide sind enttäuscht, dass man diesen wunderbaren Apparat nicht im Museum ausstellt, sondern im Keller zwischen Kisten und Gerümpel verstaut und vergessen hat.

Der Vater sitzt nächtelang im Keller des Museums und arbeitet am mechanischen Mann. Eines Nachts wird er von einem der Wachmänner vergessen und eingeschlossen, und gerade in dieser Nacht bricht im Museum ein Feuer aus. Bei diesem Unglück kommt der Vater ums Leben. Hugo wird von seinem alkoholkranken Onkel abgeholt und muss fortan für ihn arbeiten. Während andere Kinder zur Schule gehen, zieht Hugo im großen Gebäude des Pariser Hauptbahnhofs die Uhren nach. Insgesamt 27 Uhren. Zudem zwingt ihn sein Onkel, auf dem Fussboden zu schlafen und sich sein Essen zu stehlen. Hugo ist verzweifelt und hat große Angst vor seinem Onkel.

Eines Tages ist dieser aber verschwunden und Hugo ergreift die Gelegenheit zur Flucht. Sein Irrweg führt ihn zum abgebrannten Museum, in dem sein Vater gestorben ist. Hugo betrachtet die Trümmer und macht eine Entdeckung. Zwischen verkohltem Holz und verrußtem Stein liegt der mechanische Mann. Die einzige Verbindung zu seinem Vater, denkt sich Hugo und zieht den Automaten aus der Ruine. Da er keine andere Bleibe hat, als das Zimmer im Bahnhofsgebäude, läuft er zurück und versteckt sein Geheimnis in einer der Wände. Sein Onkel lässt sich auch die folgenden Tage nicht sehen und Hugo versteht, dass wenn er sich um die Uhren kümmert, niemand seinen verschwundenen Onkel suchen würde. Hugo bliebe ein Geist im Bahnhof und müsse nicht ins Waisenhaus.

Von da an verlaufen Hugos Tage so – er zieht die Uhren nach, stiehlt Essen und Trinken und den wöchentlichen Check an seinen Onkel, damit niemand mitkriegt, dass dieser verschwunden ist. Außerdem klaut er mechanisches Spielzeug vom Spielzeugstand eines alten Mannes. Die Einzelteile der kleinen Aufziehpuppen verwendet Hugo als Ersatzteile für den Automaten. Anleitungen dazu findet er im Notizbuch, das ihm sein Vater schenkte. An einem Nachmittag erwischt ihn der alte Mann beim Stehlen und nimmt ihm sein Notizbuch weg. Hugo ist verzweifelt, braucht er das Buch doch für die Reparatur des mechanischen Mannes – für seine Entdeckung. Aber der Automat und die Zeichnung, die der Apparat erstellen kann, ist nicht die einzige Entdeckung, die Hugo Cabret macht. Er entdeckt die Magie und wie man aus Träumen Wirklichkeit macht. Aber lest die Geschichte doch selbst …

Der alte Mann ist Georges Méliès, ein Filmemacher aus dem 20. Jahrhundert. Der erste Filmemacher, der nicht, wie damals üblich, Alltagssituationen filmte, sondern Fiktion produzierte – Fantasie. „A Trip To The Moon“ zum Beispiel – der Lieblingsfilm von Hugos Vater und der vielleicht bekannteste von Georges Méliès. Dabei fliegt eine Rakete zum Mond und trifft ein Auge des Mannes im Mond. Dieses Bild habe ich mit meinem Gesicht, quasi als Frau im Mond, zu einer kleinen Fan Art gemacht; findet ihr auf meiner Website.

Brian Selznick, der Autor und Illustrator  von „Die Entdeckung des Hugo Cabret“, hat zu den Filmen des Georges Méliès umfangreich recherchiert. Dazu werden im Buch viele Bildaufnahmen gezeigt. Zudem hat Brian Selznick viele Illustrationen angefertigt, die wunderbar in die Geschichte um Hugo Cabret integriert sind. Es ist keine Graphic Novel und kein Comic. Die Bilder erzählen ohne Text und der Text schließt sich den Bildern an. Eine überaus gute Idee, eine Geschichte zu erzählen, die ich vielleicht selbst einmal aufgreifen werde. „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ wurde 2011 von Martin Scorsese filmisch adaptiert. Starbesetzung durch Sir Ben Kingsley, der Georges Méliès darstellt. Ein sehr gelungener Film, wegen dem ich mir dann irgendwann die Vorlage gekauft habe. Buch und Film gefallen mir beide gleichermaßen sehr gut. Aber allein die Illustrationen auf immerhin 284 Seiten des 534 Seiten starken Buches sind es wert, das Buch in die eigene Sammlung aufzunehmen.

Brian Selznick, »Die Entdeckung des Hugo Cabret«, 2007 Scholastic Press, ISBN-13: 978-0-439-81378-5

  (16)
Tags: brian selznick   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

ceauseascu-diktatur, herta müller, rumänien, securitate, sprache, zwangsarbeit

Mein Vaterland war ein Apfelkern

Herta Müller , Angelika Klammer
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 25.05.2016
ISBN 9783596033652
Genre: Romane

Rezension:

»Nein, man hat mich nicht erwischt. Man sah mir überhaupt nichts an. Niemandem sah man etwas an. Wenn es draußen Nacht wurde, kamen alle zum Nachtessen an den Esstisch. Wir aßen und niemand fragte den anderen, wie der Tag für ihn war. An jedem hingen die Geheimnisse. Ich war mir sicher, jeder ist von der Stirn bis zu den Zehen traurig, jeder hat Krallen im Herzen und wehrt sich, aber nur von innen, damit man es nicht sieht. Ich glaubte, diese Dorftrauer hat jeden im Griff, sie ist gleichmäßig über alles verteilt. Man kann ihr nicht entkommen. Ich war oft traurig als Kind, weil ich zu viel allein war.«, erzählt Herta Müller über ihre Kindheit im rumänischen Nitzkydorf. »Mein Vaterland war ein Apfelkern« ist autobiografisch und bibliografisch zugleich, aber werden Lebensereignisse und Publikationen nicht einfach nur aufgezählt. Es ist ein Gespräch zwischen Herta Müller und Angelika Klammer, das uns Leser auf Herta Müllers Leben blicken lässt und uns erklärt, warum diese zahlreich ausgezeichnete Schriftstellerin gerade die Geschichten geschrieben hat, die sie geschrieben hat und wie sehr Schilderungen in ihren Büchern mit ihrem eigenem Leben verflochten sind und vielleicht auch, weshalb Herta Müllers so wunderbar poetische Sprache ihre Leser fasziniert. Die Publizistin und freie Lektorin Angelika Klammer zitiert aus Essays und Büchern Herta Müllers, fragt nach, kommentiert. So liest der Leser kein Interview, sondern ist vertieft in ein Gespräch. Dabei antwortet und erklärt Herta Müller nahezu wie sie schreibt – ausdrucksstark, nackt, fesselnd.

Aufgewachsen in einem rumänischen Dorf prägten harte Arbeit, Religion und Aberglaube, Einsamkeit und Schläge ihre persönliche Entwicklung. Herta Müllers Mutter war für fünf Jahre in einem Arbeitslager deportiert worden. Die Erlebnisse dort hatten Einfluss auf ihr Wesen und auf die Erziehung der Tochter. Herta Müller erzählt, dass ihre Mutter sie schlug, wenn sie beim Schälen einer Kartoffel zu tief hinein schnitt. Nach qualvollem Hunger im Arbeitslager war die Kartoffel der Mutter ihr größter Schatz. Sie beschreibt das Wesen der Dorfbewohner. »Ich glaube, in diesem Dorf war überall etwas ein bisschen gefälscht. Was so dastand wie immer, wie seine öden dreihundert Jahre, war doch in Wahrheit längst aus den Angeln gehoben durch die Katastrophen der Geschichte. Die innere Verstörung wurde zugedeckt durch äußere Sturheit. Fleiß, Sauberkeit, Ausdauer und vor allem dieses Gemisch aus Arroganz und Minderwertigkeitsgefühl.« Die empfundene Heuchelei der Dorfbewohner wird in Herta Müllers ersten Roman »Niederungen« thematisiert, wenngleich dies nicht der Grund war, warum sie mit dem Schreiben begann. »Ich hielt mich nicht für eine Schriftstellerin. Ich hatte angefangen zu schreiben, weil mein Vater gestorben war, weil die Schikanen des Geheimdienstes immer unerträglicher wurden. Ich musste mich meiner selbst vergewissern, die Ausweglosigkeit um mich herum machte mir so eine Angst.«

Die Arbeit des rumänischen Geheimdienstes Securitate ziehen sich durch Herta Müllers Publikationen wie ein nie enden wollendes Band. Sie hat es sich zum Thema gemacht, zu ihrem persönlichen Thema – aus der Not geboren, um mit der Angst fertig zu werden. »Niederungen« wird zensiert, es erscheint 1982 gekürzt und geändert. Auch die deutsche Ausgabe zwei Jahre später im Rotbuch Verlag ist stark gekürzt worden. Dennoch, Herta Müllers Buch wird seitens der Intellektuellen für ihre »innovative Sprache« gelobt. Es folgen die ersten Literaturpreise im Ausland. Dies bereitet Herta Müller noch mehr Ärger mit dem Geheimdienst. Sie berichtet, wie sie von der Securitate bedrängt wird, für sie als Spitzel zu arbeiten. Aber sie lehnt ab und wird deswegen mit dem Tod bedroht. Es folgen Schikanen.  Als Dolmetscherin in einer Fabrik muss sie ihr Büro verlassen und allein auf einer Treppe arbeiten. Es werden Gerüchte verbreitet. Sie solle für den Geheimdienst arbeiten, Kollegen meiden sie. Herta Müller ist wieder einsam. »Wenn man verfolgt wird, gehören Angst und Einsamkeit zusammen. Man wird gemieden, die Kollegen weichen einem aus, sie wollen nicht mit einem gesehen werden, aus Angst, dass auch sie ins Visier geraten. Das tut weh, man ist den anderen nicht mehr gut genug. Man wird von oben schikaniert und von unten diskriminiert. Kurz gesagt, je mehr Schikanen, umso mehr Einsamkeit. Ich habe aus Einsamkeit zu schreiben begonnen, es war die zweite große Einsamkeit.«

Zudem beschreibt Herta Müller den Alltag im Sozialismus. Die Hässlichkeit der forcierten Gleichheit mache apathisch und anspruchslos. Die Folge sei ein schweres Gemüt der Menschen. Sie vergleicht das Dorfleben ihrer Kindheit mit dem Leben in der Stadt und kommt zu dem Schluss: »Sozialismus bedeutet die Austreibung der Schönheit.« Dieser Ödnis im Alltag begegnet Herta Müller mit Ablenkung. Sie denkt in Bildern, sie beobachtet und seziert das Beobachtete, schreibt, um nicht dem Wahn zu verfallen. Aus der Fabrik wird Herta Müller schließlich entlassen. Sie gibt Schülern Nachhilfestunden, aber der Geheimdienst übt Druck auf die Familien aus, sodass Herta Müller sich ständig neue Jobs suchen muss. Zudem kommen immer wieder Verhöre, bei denen ihr unterstellt wird, sie sei Prostituierte und würde Schwarzhandel betreiben. »Alles voller kalter Gefühle« wie es heißt, der Vernehmer hatte seine Macht und sie hatte ihre Angst, und beide hassten sich. Zuletzt arbeitet sie als Deutschlehrerin in einer Schule. Dort wird sie nach ihrer dritten Auslandsreise auch entlassen. Herta Müllers Lage spitzt sich zu. Zusammen mit Freunden aus dem Schriftstellerkreis Schriftstellervereinigung Adam Müller-Guttenbrunn stellt sie Ausreiseanträge.

1987 kann Herta Müller zusammen mit ihrem damaligen Mann und ihrer Mutter, der nach Drängen der Securitate ihr Haus aufzugeben dem zustimmt, nach Deutschland ausreisen. Im Übergangsheim in Nürnberg wird Herta Müller vom BND der Spionage für die Securitate verdächtigt und tagelang verhört. Sie ist sich sicher, dass ihre Biografie fingiert wurde und ist enttäuscht vom BND, dass dieser nicht selbst recherchiert hat. Zudem verlangt man von Herta Müller, dass sie sich entscheidet, ob sie Deutsche sein möchte oder eine politisch Verfolgte. Beides ginge nicht, dafür hatten sie kein passendes Formular. Im Jahr 2008, zwanzig Jahre nach ihrer Ausreise, kann Herta Müller ihre Akte lesen bzw. das, was vorhanden ist. Sie ist erleichtert, dass ihre Freundin Jenny erst kurz vor deren Tod sie verraten und niemand aus ihrem Freundeskreis für die Securitate gearbeitet hat. Aber das Erlebte lastet schwer und Herta Müller denkt lange daran, darüber zu schreiben. Besonders über die Deportation, die sie zwar selbst nicht kannte, aber an der sie in ihrer Kindheit litt. Als sie mit Oskar Pastior zu einer Lesung reist, erklärt dieser sich bereit, über seine Deportation und sein Überleben im Arbeitslager zu berichten. Es entsteht der Roman »Atemschaukel«, 2009. Im gleichen Jahr erhält Herta Müller den Nobelpreis für Literatur.

Für Leser, die Herta Müllers Bücher kennen, ist es sicher interessant, über ihre Beweggründe des Schreibens und persönliche Erlebnisse zu erfahren, um die es in ihren Büchern letztendlich geht. Aber auch Interessierte, die nicht mit Herta Müllers Werken vertraut sind, dennoch etwas über das »Leben unter Beobachtung« in Rumänien zu Ceaușescu-Zeit erfahren möchten, empfehle ich dieses Buch.

  (16)
Tags: herta müller   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(20)

29 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

benno pludra, bootsmann, ddr, eisscholle, freundschaft, hund, kinderbuch, kinderliterartur, kutter, meer, minibuch, pflichtliteratur ddr, pludra, putt bräsing, rettung

Bootsmann auf der Scholle

Benno Pludra , Werner Klemke
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Kinderbuchverlag, Berlin, 01.01.2004
ISBN 9783358030196
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Der Schriftsteller Benno Pludra war Ende August 2014 verstorben. Ich hatte daraufhin den folgenden Text geschrieben, den ich hier heute noch einmal veröffentliche.

Benno Pludra war einer der erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren. In Gedenken an ihn und seine Werke, habe ich, über seine vielleicht bekannteste Geschichte »Bootsmann auf der Scholle« ein Gedicht verfasst.

 

Uwe und Bootsmann sind die besten Freunde

In kalter Luft, im kalten Wasser,

schwimmt eine Scholle aus Eis.

Darauf ein schwarzer Fleck,

der sich wie wild hin und her bewegt.

 

In kalter Luft, im kalten Wasser,

schwimmt ein Boot aus altem Holz.

Darin sitzt Uwe, ein kleiner Junge,

der wie wild mit seiner Jacke winkt.

 

Die Augen zu Schlitzen geformt,

guckt Kapitän Feodor ungläubig durch sein Glas

und fragt sich, was ist denn das?

Donnerwetter – er lässt die Motoren stoppen,

schickt seine Männer, die zur Barkasse robben.

 

Ein schnelles Gefährt ist diese Barkasse,

schwimmt schnittig durchs dunkle, kalte Wasser.

Sie erreichen den Jungen, nehmen ihn an Bord.

Fahren weiter zur Scholle, Uwes unerreichter Ort,

Dort, wo vor lauter Aufregung der schwarze Fleck zu tanzen beginnt.

 

Er ist gerettet, der schwarze, tanzende Fleck.

Bootsmann heißt er, ein kleiner schwarzer Hund und ist eigentlich ganz keck.

Nur vor kaltem Wasser, davor hat er Angst.

 

Bootsmann gehört zu einem Schlepper, zu Putt Bräsings Schlepper.

Gewartet hat der, gewartet und gewartet.

Aber Bootsmann kam nicht, der war ja auf der Scholle,

in kalter Luft, im kalten Wasser.

Aber vor kaltem Wasser, davor hat Bootsmann Angst.

So ist Putt Bräsing ohne ihn gefahren, zum Dampfer, zu Kapitän Feodors Dampfer.

 

Auf dem Dampfer ist Kapitän Feodor zufrieden,

Uwe und Bootsmann sind gerettet.

Uwe nimmt Bootsmann auf den Arm und beide schauen Richtung Schlepper, zu Putt Bräsings Schlepper.

 

In kalter Luft, im kalten Wasser,

schwimmt ein Schlepper zu einem Dampfer.

Putt Bräsing und sein Heizer Jan sind ganz erschrocken,

als sie Uwe mit Bootsmann auf dem Dampfer stehen sehen,

fragen sich – Wie kommen die beiden denn nur auf den Dampfer?

 

Ich verfüge über eine Ausgabe von 1984 aus dem Kinderbuchverlag Berlin. Es ist der dritte Band der kleinen Trompetenbücher, die es früher zu kaufen gab und die in jede Hosentasche passen. Die Geschichte gewann 1959 bei einem Preisausschreiben des Ministeriums für Kultur eine Auszeichnung in der Kategorie Kinder- und Jugendliteratur.

Und die Geschichte geht so …

Putt Bräsing ist Kapitän auf einem Schlepper. Sein kleiner, schwarzer Hund Bootsmann ist bei den Kindern sehr beliebt. Oft dürfen sie mit ihm spielen, so wie auch an diesem Tag, als Bootsmann in Schwierigkeiten gerät. Es ist ein kalter Wintertag. Die Kinder Uwe, Jochen und Katrinchen spielen im Schilf und laufen aufs Eisfeld. Jochen und Bootsmann tasten sich auf eine Scholle vor, dort hüpfen sie, bis sich die Scholle vom Eisfeld löst. Panik! Jochen schafft es aufs Eisfeld zu springen, aber der kleine Hund Bootsmann hat zu viel Angst und bleibt zurück. Die beiden Jungen versuchen, mit einem Stock die Scholle zum Eisfeld zu holen, aber es gelingt ihnen nicht. Die Scholle treibt davon. Der sonst so mutige Jochen verliert dann die Fassung und läuft weg. Uwe schickt Katrinchen zu Putt Bräsing, er soll mit seinem Schlepper Bootsmann von der Scholle retten. Aber das kleine Katrinchen ist erst fünf Jahre alt und lenkt sich mit anderen Kindern ab, die einen Schneemann bauen. Die Zeit verstreicht und als Katrinchen den Hafen erreicht, ist Putt Bräsing mit seinem Schlepper schon auf dem Weg zu einen großen Dampfer, der rein geschleppt werden muss. Uwe wartet verzweifelt auf Putt Bräsing, der aber nicht kommt, weil er ja keine Ahnung hat, was mit seinem Hund geschehen ist. Bootsmann kauert auf der Scholle und ist ganz still. Dann kann Uwe ihn von der Küste aus nicht mehr folgen, denn die Küste endet und die Scholle mit Bootsmann drauf schwimmt aufs offene Meer. Als Uwe ein herrenloses Ruderboot entdeckt, springt er hinein und rudert mutig der Scholle hinterher. Uwe hat Angst. Er ist ja auch erst sieben Jahre alt und ganz alleine in einem großen Ruderboot über dem eiskalten, dunklen Wasser. Das Rudern fällt Uwe schwer, bald tun ihm die Arme weh. Bootsmann aber freut sich, hüpft auf der Scholle hin und her und wartet ungeduldig auf seine Rettung. Bis Uwe irgendwann die Richtung ändert. Ängstlich läuft Bootsmann die Kante der Scholle entlang. Er versteht nicht, warum sein Freund plötzlich woanders hinfährt. Uwe hat derweil seine Jacke ausgezogen und winkt damit aufgeregt hin und her. Und er hat Glück, seine Hoffnung auf Rettung vom großen Dampfer erfüllt sich. Kapitän Feodor hat Uwe in seinem Ruderboot entdeckt und auch den kleinen, schwarzen Hund auf der Eisscholle durch sein Fernglas gesehen. Schnell lässt er ein Beiboot zu Wasser, die beiden aus ihrer Seenot retten und auf den Dampfer bringen. Dort bekommen sie etwas Warmes zu essen und zu trinken. Uwe erzählt, was passiert ist. Die gesamte Mannschaft staunt über Uwes Heldenmut und lobt ihn dafür. Aber sie hatten beide Glück, denn wäre der Dampfer pünktlich gewesen und schon lange im Hafen, hätte niemand Uwe und Bootsmann retten können. Derweil hat Putt Bräsing mit seinem Schlepper das Dampfschiff erreicht und schaut ungläubig zum Bug des Dampfers, als er dort Uwe und Bootsmann sieht. Zurück im Hafen warten frierend das kleine Katrinchen und Jochen auf die Heimkehr ihrer Freunde und freuen sich, als sie beide auf dem Dampfer sehen. Glücklich wiedervereint!

Ein tolles Abenteuer, spannend und kurzweilig erzählt. Für eine längere Gutenachtgeschichte sehr gut geeignet, als auch ein erster, schöner Lesespaß für kleine Forscher.

  (16)
Tags: benno pludra   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

michael cunningham

Die Stunden

Michael Cunningham
E-Buch Text: 317 Seiten
Erschienen bei btb Verlag, 30.04.2014
ISBN 9783641146900
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: michael cunningham   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

5 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

belletristik, juli zeh, roman

Unterleuten

Juli Zeh
E-Buch Text: 641 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 08.03.2016
ISBN 9783641167295
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: juli zeh   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

herman melville

Moby-Dick; oder: Der Wal

Herman Melville , Friedhelm Rathjen , Raymond Bishop , Alexander Pechmann
Fester Einband: 950 Seiten
Erschienen bei Jung u. Jung, 29.08.2016
ISBN 9783990270875
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags: herman melville   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Anjas Tagebuch: Neverland

Doreen Gehrke
E-Buch Text: 135 Seiten
Erschienen bei Doreen Gehrke Verlag, 24.07.2017
ISBN 9783981690682
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Anjas Tagebuch

Doreen Gehrke
E-Buch Text: 56 Seiten
Erschienen bei 9783981690668, 09.01.2017
ISBN B01N0ZH15U
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Don`t let it get to you, Jane!

Doreen Gehrke , Doreen Gehrke
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Gehrke, Doreen, 02.10.2014
ISBN 9783981594546
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

casting, jugendbuch

Don`t let it get to you, Ben!

Doreen Gehrke , Doreen Gehrke
Flexibler Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Gehrke, Doreen, 05.03.2014
ISBN 9783981594539
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

casting, castingshow, casting show, jugendbuch, jugendroman, liebe, musik

Don't let it get to you, Ben!

Doreen Gehrke ,
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei Gehrke, Doreen, 02.10.2013
ISBN 9783981594522
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

ratgeber/sachbuch, www.die-rezensentin.de

simplify your life

Werner Tiki Küstenmacher , Lothar Seiwert , Werner Tiki Küstenmacher
Fester Einband: 388 Seiten
Erschienen bei Campus, 01.10.2016
ISBN 9783593394497
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: ratgeber/sachbuch   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

nicholas sparks

The Lucky One - Für immer der Deine


Sonstige Formate
Erschienen bei null
ISBN B00J2WP55C
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: nicholas sparks   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Gefährliche Liebschaften (»Les Liaisons Dangereuses«) (Vollständige deutsche Ausgabe)

Laclos , Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos
E-Buch Text: 404 Seiten
Erschienen bei eClassica, 02.02.2013
ISBN B00BAFKG30
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(275)

541 Bibliotheken, 20 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

ehe, ehebruch, ehekrise, eheprobleme, entführung, fassade, gillian flynn, gone girl, krimi, mississippi, mord, psychothriller, tagebuch, thriller, verfilmung

Gone Girl - Das perfekte Opfer

Gillian Flynn , Christine Strüh
Fester Einband: 832 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.07.2015
ISBN 9783596520725
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Buch aus der Fischer
Taschenbibliothek hatte ich zuvor noch nicht in der Hand gehabt, deshalb
war ich auch ganz verblüfft, als mir auffiel, dass es von der Größe her
tatsächlich in eine Hosentasche passen könnte – handlich klein, mit so dünnen
Seiten, durch die man zwar durchgucken, aber gut blättern kann.



Gone Girl - Das perfekte Opfer
kannte ich zuerst nur als Film mit Ben Affleck und Rosamund Pike in den
Hauptrollen. Mir gefiel die Idee der betrogenen und vernachlässigten Ehefrau,
Amy Dunne, wie sie ihren teuflischen und von langer Hand ausgeklügelten Plan,
ihren Ehemann, Nick Dunne, zu verlassen und ihn zudem als ihren Mörder hinter
Gitter zu bringen, in die Tat umsetzt - bis auf die Stelle im Handlungsplot,
als Amy Dunne dann zu ihrem Mann zurückkehrt. Da es sich um eine Verfilmung
handelt, wollte ich wissen, inwieweit die im Film gezeigten Szenen mit denen im
Buch übereinstimmen. Man möge mir verzeihen, dass mir die Autorin, Gillian
Flynn, bis vor ein paar Wochen noch völlig unbekannt war.



Während des Lesens habe ich mich oft gefragt, wer von den Eheleuten
Dunnes das perfekte Opfer sein soll – Amy oder Nick? Mit Bezug zum Titel Gone Girl denke ich schon, dass die
Autorin Amy als perfektes Opfer darstellen möchte. Ich finde, das gelingt ihr
aber nicht. Amy als Opfer ist nicht perfekt, weil sich die Protagonistin in
ihrem Versteck - diesem Hüttenareal, wo sich nur Loser aufhalten - zu sehr
entspannt, Freunde sucht und findet und leider leichtsinnig wird. Hier hätte
ich die Figur der rachsüchtigen Ehefrau anders entwickelt, damit sie tatsächlich
für die nichtsahnende Öffentlichkeit zu einem perfekten Opfer werden kann. Auch
Nick Dunne sehe ich nicht als perfektes Opfer. Es sei denn, er wäre in seinem
Wesen wirklich ein langweiliger Mann, so wie er sich selber sieht, und der außerdem
keine Affäre mit einer viel jüngeren Frau hätte. Er sei Amy überdrüssig
geworden, sie habe sich beengt gefühlt, er habe ihr ihre Freiheit genommen,
weil er mit ihr nach North Carthage in Missouri gezogen ist, weit weg von ihrem
geliebten New York. Wenn bei diesem Hintergrund Amy ihre Show dann so wie im
Buch abgezogen hätte, dann hätte ich Nick Dunne als das perfekte Opfer
verstehen können, weil er, nach der ganzen Demütigung und Bloßstellung in der
Öffentlichkeit, in die Todeszelle gehen müsste, aber auch nur, wenn Amy nicht
zurückkommen würde.



Gillian Flynn entschied, dass Amy zurückkehren muss, weil Desi
Collings - dessen Hilfe sie braucht, nachdem man ihre gesamten Ersparnisse
gestohlen hat – sie für sich einnehmen und manipulieren will, und von dem sich
Amy nicht anders befreien kann, als ihn umzubringen. Desi Collings als
Entführer und Vergewaltiger darzustellen, ist Amys Möglichkeit, ihr
Verschwinden zu erklären.



Durch Amys Rückkehr fällt der Spannungsbogen der Geschichte aber runter
bis in den Keller und mit Blick zum Ende sehe ich nun wirklich kein perfektes
Opfer mehr. Vielmehr sind die Eheleute Dunne beide Opfer ihrer Hassliebe und
zerstören sich durch ihren unter Zwang gemeißeltes Zusammenleben selbst.



Laut meiner Recherche hat die Autorin, Gillian Flynn, am Drehbuch
mitgearbeitet – dies tut einer Verfilmung immer gut und erübrigt die Frage, ob
man sich am Handlungsverlauf im Buch gehalten hat.

  (7)
Tags: gillian flynn   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

charles dickens

Oliver Twist - Vollständige deutsche Ausgabe

Charles Dickens
E-Buch Text: 354 Seiten
Erschienen bei e-artnow, 29.03.2014
ISBN 9788026808749
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags: charles dickens   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

15 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Jane Austen über die Liebe

Jane Austen , Angelika Beck , Margarete Rauchenberger , Felicitas von Lovenberg
Flexibler Einband: 135 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.04.2017
ISBN 9783458362722
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1.320)

2.057 Bibliotheken, 16 Leser, 8 Gruppen, 86 Rezensionen

alter, alzheimer, briefe, krankheit, liebe, liebesroman, nicholas sparks, roman, romantik, sehnsucht, sparks, tagebuch, trennung, usa, verfilmt

Wie ein einziger Tag

Nicholas Sparks , Bettina Runge
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Heyne, 15.08.2011
ISBN 9783453408708
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Reclam Taschenbuch: Jane Austens Romane: Ein literarischer Führer

Christian Grawe
Flexibler Einband: 231 Seiten
Erschienen bei Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag, 10.02.2017
ISBN 9783150204788
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(22)

55 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

19. jahrhundert, bath, england, familie, jane austen, klassiker, konventionen, liebe, roman, überredung

Überredung: Roman (Reclam Taschenbuch)

Jane Austen
E-Buch Text: 348 Seiten
Erschienen bei Reclam Verlag, 04.02.2016
ISBN 9783159609782
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

10 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

belletristik, erzählung, roadtrip, suche

Wer ist Mr Satoshi?

Jonathan Lee , Cornelia Holfelder-von der Tann
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei btb, 12.12.2016
ISBN 9783442714544
Genre: Romane

Rezension:

Der Autor, Jonathan Lee, beschreibt Ereignisse und Eindrücke des Protagonisten, Robert Fossick, detailreich und mitunter in einer neu entdeckten Sprache. Dabei ist die "neu entdeckte Sprache" nicht unbedingt ein Segen für das Erzählen. Die Wortwahl sowie das Zusammensetzen von Wörtern ist zwar gut gemeint, da der Autor versucht, eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Aber ich finde, dass es das Erzählen erschwert, und ich fühle mich im Lesefluss gestört: „ein feiner Lichtstrahl laserte durch die Scheibe, fiel in das Glas in meiner Hand und brachte die Eiswürfel zum Vibrieren“, „das Gebrummel anderer Bewohner“, „das Wort Mutter, das sich in meiner Kehle staute und ins Zimmer ergoss“, „Stakkato von Schwarz-Weiß-Bildern“, „nur dieses Alien-Wesen, runzlig und pockennarbig, das sie noch hält“, „ließ gerade Eiswürfel in ein Glas klimpern“, „Ich ging in Habachtstellung, aber die Scheibe hielt“, „in dieser leeren Sekunden, dieser Blanko-Stelle der Zeit, wusste ich, dass ich Aktionsmöglichkeiten hatte“, „Zeitlupenmundbewegungen“. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte interessant. Es stellt sich für mich aber die Frage, warum Robert Fossicks Mutter sich gerade einen japanischen "Decknamen" für ihre englische Jugendliebe Reggie ausgedacht hatte. Und ich habe mich zudem immer gefragt, ob der eine oder andere es überhaupt aushalten kann, wenn man beim Lesen mit sich kämpfen muss. So heißt es z. B. „grazil gedrehter Hals“, als der Ich-Erzähler das Stürzen seiner Mutter beschreibt – kann der Hals einer Sterbenden noch grazil sein? oder „verunkrautete Alice-Fossick-Gedächtnisloch“, als der Sohn von weitem dem Begräbnis seiner Mutter beiwohnt - für das frisch ausgehobene Grab seiner Mutter? Allein ein einziger Satz hat mir gefallen, der mich von seinem nachgesagten Talent aber nicht überzeugen konnte: „Jeder zurückgelegte Meter fühlte sich an wie ein Sieg des Willens über die Materie.“

  (6)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

24 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

fälschungen, geld, größenwahn, ikonen, krimi, kriminalität, kunst, kunstfälschung, kunstgeschicht, kunstgeschichte, kunstkriminalität, kunstwerk, meisterfälscher, methoden, ruhm

Original Meisterfälscher - Ego, Geld & Größenwahn

Noah Charney
Fester Einband: 296 Seiten
Erschienen bei Brandstätter Verlag, 31.08.2015
ISBN 9783850339216
Genre: Sachbücher

Rezension:

Noah Charney ist ein Experte für Kunstkriminalität und vermittelt mit seinem Buch „Original Meisterfälscher – Ego, Geld & Größenwahn“ dem kunstinteressierten Leser aufschlussreiche Informationen zur Geschichte der Kunstfälschung. Beispielhaft beschreibt er die Beweggründe von Kunstfälschern aus dem Mittelalter bis in die Gegenwart, Kunst zu fälschen. Deren kriminelle Lebensläufe und wie sie letztendlich entlarvt wurden, wird detailliert geschildert. Zudem gibt der Autor Auskunft über Methoden, Fälschungen forensisch zu entdecken bzw. Originale zu schützen und für die Nachwelt zu erhalten. Dieses Sachbuch ist in Kapiteln unterteilt, die sich auf die verschiedenen Beweggründe von Künstlern beziehen, Kunst zu fälschen. Nicht immer war Geldgier der Grund zum Fälschen. Zumeist begannen Künstler Werke zu kopieren oder nachzuahmen, weil sie mit ihrer eigenen Kunst keinen Erfolg hatten und sich von Mitspielern aus der Kunstwelt gedemütigt fühlten – wie es heute sicher noch sein wird. Welch ein Gefühl der Genugtuung muss es da sein, dann zu sehen, wie leicht es ist, die Kunstwelt an der Nase herumzuführen? Denn die Vergangenheit hat gezeigt, wie einfach es zum Teil war, die Welt zu täuschen, da sie getäuscht werden wollte. Ebenso, wie es Noah Charney in seinen Kapiteln „Zu Beginn“ und „Fazit“ sagt: „Die Welt möchte getäuscht werden … also sei sie getäuscht.“ Hinzu kommt, dass Kunstfälscher, sollten sie denn entlarvt werden, wenig zu befürchten hatten und noch haben. Geringe Gefängnisstrafen und danach möglicherweise sogar der große Profit. Wolfgang Beltracchi zum Beispiel, über dessen kriminelle Karriere 2014 ein Film in die Kinos kam. Ruhm und Bewunderung wird Fälschern zuteil und man vergisst, dass es Kriminelle sind, die nach ihrer Entlarvung eigentlich nicht mehr von ihren kriminellen Hinterlassenschaften profitieren sollten. Dem stimme ich Noah Charney zu und meine, wie er, dass es Gesetze braucht, die genau das verhindern.

  (6)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(86)

158 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 68 Rezensionen

drogen, drogensucht, familie, familiendrama, geschwister, jugendbuch, jugendroman, junkie, kelly fiore, oxycodon, schuld, sucht, tod, urteil, verzweiflung

Der tiefe Fall der Cecelia Price

Kelly Fiore , ,
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 01.06.2015
ISBN 9783649619185
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Cyrus Price war ein Opfer – und jeder andere in seinem Leben auch“, so der Richter bei der Urteilsverkündung im Prozess um Cecelia Price, die wegen Drogendealens für neun Monate Haft in der Justizvollzugsanstalt für Jugendliche in Piedmont Abteilung für Verhaltenstherapie verurteilt wird. Eine Mitschuld an den Drogentod ihres Bruders ist nicht bewiesen. Ihr Geständnis wird vom Richter nicht anerkannt, er sieht eher darin den verzweifelten Versuch eines psychisch labilen Mädchens, die Alleinschuld dieser Tragödie auf sich zu nehmen, um Angehörige, Freunde und Bekannte zu entlasten. Kelly Fiores Jugendroman „Der tiefe Fall der Cecelia Price“ hat nicht meine Erwartungen aus der Leseprobe erfüllen können. Die gewählte Erzählform aus Blick der Protagonistin Cecelia Price mit gut dosierten Rückblicken bis zum Tod des Bruders hat mich nicht gestört. Die Aufteilung der Geschichte in den Aufenthalt in der Justizvollzugsanstalt für Jugendliche in Piedmont mit anschließendem Gerichtsprozess und in Cecelias Vergangenheit mit früher Kindheit bis zum letzten Schuljahr und dem Versuch, auf ein College gehen zu können, war von der Autorin eine gute Idee, die auch gut umgesetzt worden ist. Schlecht fand ich die dann und wann auftretenden psychologischen Erklärungen, ja, psychoanalytischen Versuche der Autorin, die eher in ein Sachbuch, als in ein Jugendbuch gehören. Zudem aus der Perspektive eines Ich-Erzählers, d. h. von einer Schülerin erzählt. Das war mir etwas zu viel, bei sicher gut gemeinter Intention von Kelly Fiore. Weiter fielen mir einige Stellen im Text auf, die in mir Unverständnis aufkommen ließen und vielleicht sogar als Fehler in der logischen Abfolge dieser Geschichte zu sehen sind. Warum wurde Cecelias College-Wunsch nicht in der Therapie, Monate vor Prozessbeginn, herangezogen und diskutiert? Das wäre eine Möglichkeit gewesen, Cecelia zu stärken und zu motivieren, vor Gericht zu kämpfen. Warum wurde im Prozess nicht klargestellt, dass Jason die Kernspinaufnahme seiner Cousine gefälscht hatte? Nur mit der gefälschten Aufnahme hat Cecelia die Schmerzmittel vom Arzt bekommen. Warum wurde nicht darauf eingegangen, warum Cecelia überhaupt Drogen verkauft hatte? Laborgebühren für den Chemieunterricht der High-School, Collegekurse etc.. Warum wurde der Vater erst gar nicht in den Zeugenstand gerufen? Er hätte aussagen müssen, dass er immer wieder seinen Sohn Cyrus finanziell unterstützte und von seiner Drogensucht wusste. Das hätte Cecelia sehr entlastet. Möglicherweise wäre sie mit einer Bewährungsstrafe und ambulanter Therapie gut davongekommen. Beim Lesen der letzten Kapitel hatte ich immer wieder den Eindruck, dass das Ende schnell fertig geschrieben werden sollte. Mir fehlt hier die intensive Recherche, die für einen soliden Prozessverlauf nötig gewesen wäre. Von der Autorin wurden von 2013 bis 2015 drei Bücher veröffentlicht. Offensichtlich hat sie sich nicht genügend Zeit gelassen. Schade!

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(29)

39 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 26 Rezensionen

1960er, 1968, 60er jahre, 60s, 68er jahre, beatles, drogen, england, hausbesetzer, hippies, korruption, krimi, londo, london, mord

Kings of London

William Shaw , Conny Lösch
Flexibler Einband: 472 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.07.2015
ISBN 9783518466100
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Als müssten sie ständig vögeln, um frei zu sein. … Ich finde das unheimlich, weißt du. Die machen das nicht, weil sie wollen. Jedenfalls nicht die Mädchen. Die müssen das machen, wenn nicht, sind sie spießig. Verstehst du, was ich meine? Ich könnte das nicht. Ich könnte mich selbst nie so gering schätzen. … Unheimlich daran ist nur, dass die alle denken, sie würden die Welt verändern. Dabei reden und streiten sie die ganze Zeit. Sitzen bis zwei Uhr früh zusammen und labern dummes Zeug. … Aber die glauben, wenn du möglichst viel Pot rauchst und vögelst, dann verschwindet alles Böse. Die sind wie … Kinder.“, erzählt Tozer ihrem Kollegen Detective Breen von ihren Erfahrungen mit den Hippies eines besetzten Hauses, das unter Verdacht steht, Umschlagplatz für Drogen zu sein. Für Breen ist diese Zeit des Londons im Jahre 1968 eine ganz andere Welt, ungreifbar und unwirklich. Hippies als die neuen Freigeister auf der einen Seite und korrupte Cops in Breens Abteilung auf der anderen Seite, die selbst über sich sagen: „ … D Devision 1968. Wir sind die verfluchten Könige von ganz London, jawohl, das sind wir.“ Breen ist der typische Antiheld, ein Eigenbrötler, skeptisch, kritisch und korrekt. Ohne seinen Job, weiß er nichts mit sich anzufangen. Aufgewachsen in einem „frauenlosen“ Haus, allein mit seinem Vater, fällt es ihm schwer, Kontakt mit Frauen zu finden, geschweige denn eine Beziehung zu führen. Seinen kranken Vater hat er bis zum Schluss gepflegt, ihn zu Letzt ins Krankenhaus gebracht und für sich gehofft, dass es mit ihm zu Ende geht. Was auch geschieht, mit Beginn des Buches und worüber Breen später selber sagt: „Mein Vater hat sich mit dem Sterben lange Zeit gelassen. … Ich habe mir gewünscht, er würde sich ein bisschen mehr beeilen.“ Immer wieder tauchen Rückblicke über das Zusammenleben mit seinem Vater auf, gut dosiert, niemals zu viel, man lernt William Shaws Protagonist kennen. Seine Entwicklung ist vielschichtig, er fühlt sich hin- und hergerissen. Zuletzt spielt er das gefährliche Spiel der Macht mit, sein Verhalten reflektiert sich so: „Teilweise war Breen schockiert, wie leicht ihm das alles fiel. Die nackte Angst in Creamers Blick. Sein eigenes Gefühl von Macht. Eigentlich müsste er sich selbst verachten. Das war der Stil von Oliver Tarpey, die Geheimnisse einer Person gegen diese selbst zu verwenden. … Langsam voranschreitende Korruption.“ Neben „Abbey Road Murder Song“ ist „Kings of London“ der zweite Band der Trilogie um Detective Breen und Constable Tozer. Ich habe das erste Buch nicht gelesen, habe aber nicht Eindruck gehabt, ich hätte den ersten Band lesen müssen. Die gesellschaftlichen Hintergründe in diesem Buch werden sehr gut geschildert und scheinen mir vom Autor intensiv recherchiert. Das sollte man von einem Journalisten auch erwarten können. Die Übersetzung scheint mir sehr gelungen. Der Text liest sich flüssig, der Spannungsbogen wird bis zum Schluss gehalten. Anders als die Leseprobe hat mich das Buch sehr gepackt. Ein gelungener Kriminalroman, den ich nur weiterempfehlen kann.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

23 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

beerdigungen, begräbnisse, einsamkeit, einzelgänger, familie, flunkern, handpuppe, hanser verlag, humor, jostein gaarder, lebenssinn, lügen, norwegen, roman, schweden

Ein treuer Freund

Jostein Gaarder , Gabriele Haefs
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 13.03.2017
ISBN 9783446254435
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: jostein gaarder   (1)
 
25 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.