Leserpreis 2018

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Auerhaus

Bov Bjerg
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 17.07.2015
ISBN 9783351050238
Genre: Romane

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Selbstporträt mit Flusspferd

Arno Geiger
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 14.10.2016
ISBN 9783423145268
Genre: Romane

Rezension:

22 Jahre und man geht durch das Tor zum Erwachsenenleben. So empfindet es Julian, Student der Veterinärmedizin, als seine erste große Beziehung endet. Er entdeckt eine neue Unordnung in seinem Leben, eine Richtungslosigkeit und die Öffnung neuer Qualitäten. Da sich das allerdings nicht so schnell in den Griff bekommen lässt, übernimmt er erst mal einen Job bei Professor Beham und kümmert sich um das Wohlergehen eines Zwergnashorns. Er verliebt sich in die Tochter des Professors, Aiko, eine ebenfalls nicht gerade einfache Persönlichkeit. Aber nicht nur die neue Beziehung stellt ihn vor Herausforderungen, beunruhigt muss er auch zusehen, wie der Rest der Welt aus den Fugen gerät, auch wenn er das nur über die Nachrichten erfährt.

Wenn man sich durch das erste Drittel des Buches gelesen hat, kann man schon klar die Handschrift des Autors Geiger erkennen, aber noch nicht, wo die Reise hingehen soll. Doch im weiteren Verlauf wird der Leser gepackt, noch einmal an seine Jugend erinnert und zum Reflektieren gebracht, wie das wohl war, die eigene Grenzüberschreitung zum Erwachsensein. Bis zum Schluss versorgt uns der Roman mit einer Menge kleiner Schritte, die wir nachvollziehen können, mit Fragen ohne Antworten und Gefühle ohne Herkunft.

Arno Geiger ist ein wundervolles Buch gelungen, mit viel Wärme und Herz geschrieben, mit kleinen Erkenntnnissen, die wie Weisheiten klingen, aber doch nur Schritte auf dem Weg in die „weite Welt“. Wäre das hier ein Musikstück, könnte man sagen: Bis zum Finale hervorragend durchkomponiert. Ein Buch des Trostes, der Hoffnung und der Erkenntnisse. Und – mit einem Happy-End. Irgendwie.

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160 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

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Ein Buchladen zum Verlieben

Katarina Bivald , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 13.06.2016
ISBN 9783442713929
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die Brieffreundschaft zwischen Sarah, 28 in Schweden und Amy, 65 in Iowa, USA ist ein Produkt ihrer Bücherliebe, die dazu führt, dass Sarah die Ältere in ihrem Heimatort Broken Wheels besucht. Doch als sie dort eintrifft, ist Amy bereits tot und Sarah befindet sich im Niemandsland zwischen Fremden. Sie zieht für die Dauer von drei Monaten in Amys Haus und bekommt langsam Kontakt zu einer kleinen Bevölkerung, die die üblichen Absonderlichkeiten in einer vor sich hin sterbenden Kleinstadt entwickelt. Sarah, ebenfalls arbeitslos geworden, geht eine Verbindung mit dem Ort und seinen Bewohnern ein, indem sie aus dem Riesenfundus von Büchern, die sie bei Amy gefunden hat, einen Buchladen etabliert. Das, was eigentlich zum Scheitern verurteilt ist, haucht dem Ort auf abenteuerliche Weise neues Leben ein. In jeder Beziehung.

Dass dieser Roman so viele Leser gefunden hat und ein Erfolg geworden ist, kann nicht verwundern. Es ist eine „Schmonzette“, mit allen Zutaten, die es braucht, um erfolgreich zu werden. Alles dabei und so könnte man das einfach abhaken, doch man muss sagen, dass dieses Buch wunderbar und warmherzig geschrieben ist, dass es rührend und wunderbar leicht auf die Seele wirkt und man sich schon sehr bald in dem kleinen Ort Broken Wheels zuhause fühlt. Dass dies mithilfe von Literatur geschieht, verstärkt den Gesamteindruck. Da kann man die Nase rümpfen, wie man will, aber es ist doch gut, wenn man auch mal Schönes zu lesen bekommt, mit dem man nichts weiter tun muss, als sich wohlzufühlen. Das können nicht viele. Erfolg verdient.

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98 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 25 Rezensionen

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Die Hungrigen und die Satten

Timur Vermes
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Eichborn, 27.08.2018
ISBN 9783847906605
Genre: Romane

Rezension:

Nadeche Hackenbusch ist der Superstar der „Reality“- Show „Engel im „Elend“. Der Besuch eines der großen Flüchtlingslager in Nordafrika bringt sie und den Sender auf die Idee, ein großes Feature zu bringen. Dieses Lager ist eines derjenigen, die entstanden, als sich Europa gegen Flüchtlinge abgeschottet hat. Die Moderatorin trifft dort auf Lionel, einen jungen Flüchtling, der die Chance sieht, mithilfe des Fernsehens einen großen Coup zu landen und nach Deutschland zu kommen. Mit 150.000 Flüchtlingen bricht er zum Fußmarsch nach Deutschland auf. Die Moderatorin springt auf den Zug auf, sodass sich die Menge unter teilweise 24stündiger Liveschaltung auf den Weg macht. Die Berichterstattung wird zum Live-Event auf der ganzen Welt und für den Fernsehsender zur Goldgrube. Doch je weiter der Zug kommt, desto mehr Flüchtlinge schließen sich an und als die deutsche Regierung die massive Bedrohung, die auch Reaktionen im Inneren hervorruft, bemerkt, ist es zu spät. Das Problem hat sich verselbstständigt und die Lösungen sind allesamt inakzeptabel.

Wenn jemandem so ein Debüt gelungen ist wie Vermes, dann hat es ein zweites Buch schwer. Doch der Autor hat alles richtig gemacht und sich Zeit gelassen. Was dabei herauskam, ist keinesfalls nur eine Satire, wie es manche Kritiker bezeichnen, sondern erschreckend an der Realität grenzende Fiktion. Während im ersten Teil sehr eindringlich die rein kommerzielle Ausrichtung des privaten Fernsehens, die Gepflogenheiten der Politik und die Geringschätzung der Konsummasse Mensch beschrieben werden, nimmt das eigentliche Geschehen, das den Roman ausmacht, im zweiten Teil erst richtig Fahrt auf. Das ist zwar Fiktion, aber eine beklemmend realistische, weil der Autor mit seinem Flüchtlingszug eine Szenerie schildert, die jederzeit hätte passieren können (und vielleicht, unter anderen Bedingungen) passieren könnte. Dass die Realität hier in jeder Szene steckt, wird durch den Umgang mit den Menschen, die aus verschiedenen Gründen auf der Flucht sind, jeden Tag aufs Neue zum Thema der Nachrichten aus aller Welt. Dass das alles passieren könnte, beweist auch die Politik, die allen Herausforderungen mit einer unglaublichen Ignoranz entgegentritt. Die Welt ist eine andere geworden und Timur Vermes hat dem Rechnung getragen. Wie weit das Satire sein soll, bleibt dem Rezensenten ein Rätsel, es ist eine falsche Plakatierung des Buches. Hier handelt es sich um einen Roman, der eine Möglichkeit, die Flüchtlingen bleibt, bis zum Ende durchgespielt hat. Das Ende des Buches ist schlüssig, aber beklemmend und besorgniserregend. Vermes hat sich mehr als nur unsere Aufmerksamkeit, nämlich den Respekt für Weitsicht und Anerkennung für den Mut, so ein Szenarium zu Ende zu denken, verdient. Ein Buch, dessen inhaltliches Gewicht man vielleicht erst in einigen Jahren einzuschätzen weiß.

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Wieso Bücher?

Klaus Wagenbach
Fester Einband: 141 Seiten
Erschienen bei Wagenbach
ISBN 9783803135766
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es gibt Verlage, die man am Layout erkennt, Diogenes etwa. Genauso ist es mit dem Wagenbach- Verlag und seiner länglichen Buchform mit rotem Leinenumschlag. So kommt auch die "Festschrift" zum 30jährigen Jubiläum daher, die leider nur noch antiquarisch zu bekommen ist, allerdings ohne große Schwierigkeiten im Netz.
Die Geschichte eines der wichtigsten Verlage Deutschlands wird hier nachgezeichnet, denn der gründete sich 1964, mitten im Aufbruch der Linken und aus dieser Richtung rekrutierte sich ein Stamm von Schreibern, die den Verlag mittrugen. Der hatte es nicht leicht, denn die "Systemkritik" war Neuland, das Denken der Jugend nahm eine andere Richtung als das Establishment. So hatte Wagenbach selbst in den 70ern wegen einiger Veröffentlichungen einige Begegnungen mit der Justiz. Doch er antwortete darauf mit einer gewissen verlegerischen Sturheit und so blieb es nicht aus, dass es innerhalb des Verlages zu Richtungsstreits und Neuorientierungen kam. Doch der Verlag überlebte und das Auf und Ab bescherte den Lesern, u.a. auch in der DDR, wohin die Bücher teilweise geschmuggelt und kostenfrei verteilt wurden, das wohl ehrlichste und informativste politische Material, was in diesen Zeiten gedruckt wurde. Dass damit niemand reich wurde, muss nicht erwähnt werden.
Nicht nur die Geschihte des Verlags bis dahin wird hier in keinesfalls ausuferndem Format vorgestellt, sondern es melden sich auch einige der namhaften Autoren der ersten Stunde zu Wort, um mit Beiträgen über die Lesekultur in Deutschland Grundsätzliches zu sagen.
Klaus Wagenbach kann man nicht genug danken und Respekt zeugen, dass er mit dem Verlag einen der wichtigsten Beiträge zur deutschen Nachkriegsliteratur geliefert hat. Ohne sein kleines Unternehmen sähe es heute im Verlagswesen anders aus. Und die Qualität der ersten 30 jahre setzt sich weiter durch. Die Ecke in den Buchhandlungen mit den roten Büchern ist eine feste Größe. Das ist in der augenblicklichen Literaturszene wie eine kleine Insel im Meer der Banalitäten. Möge es diesen Verlag noch recht lange geben.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Lektüre zwischen den Jahren 2018

Gesine Dammel
Fester Einband: 153 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 21.10.2018
ISBN 9783458363606
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein kleines Schmankerl für die Bücherfreunde brachte der Insel-Verlag in einer Miniausführung heraus und der Inhalt kann sich durchaus sehen (lesen) lassen. Rund ums Buch und deren Protagonisten gibt es Auszüge aus wErken von Zafon, Flaubert, Proust aber auch Gegenwartsliteraten wie Tim Krohn oder Hanns-Josef Ortheil, allesamt von hoher Qualität und gerade richtig, um isch Appetit zu holen, das eine oder andere Buch vollständig zu lesen. Besonders gilt das für den Auszug aus "84, Charing Cross Road" von Helene Hanff, ein Klassiker, und das wohl unterhaltsamste Buch, was man über einen Büchernarren lesen kann. Sehr gelungen.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

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Die Liebe

Elke Heidenreich , any.way , Cathrin Günther
Fester Einband: 64 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.08.2008
ISBN 9783499247828
Genre: Romane

Rezension:

Ende der 50er Jahre ist Sonja eine von Vielen in westdeutschen Städten: Ein Backfisch, der nicht nur die große Liebe sucht, sondern auch verstehen will. Das ist nicht so einfach. Die Kusslisten, die sie führt, sagen nichts über die Qualität der Beziehungen aus. Die Vorbilder in der Familie sind auch nicht gerade dazu geeignet, den großen Coup zu landen. Bleibt der Traum, den sie mit ihrer besten Freundin träumt. Dann kommt "Jenseits von Eden" und da ist James Dean. Für beide die Erfüllung.
Eine kurze Geschichte, in der kein Wort zu viel ist, die sensibel und ohne Umwege von Sehnsucht, vom Älterwerden, von ersten Kontakten mit "the crazy little thing called love" und gebrochenem Herzen erzählt. Ein kleines Meisterwerk, das mit ganz wenig Platz auskommt. In der hier vorliegenden Rowohlt-Ausgabe angereichert mit wunderbaren Fotos aus den 50ern, einem Szenarium aus einer Stadt irgendwo im Pott wahrscheinlich, der dem Ganzen noch eine spezielle Intimität gibt.
Ein kleines Schatzkästchen, diese Ausgabe, vielerorts wahrscheinlich nur noch antiquarisch zu bekommen.

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50 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Der Schneesturm

Vladimir Sorokin , Andreas Tretner
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 06.11.2014
ISBN 9783462046823
Genre: Romane

Rezension:

Zeitenlos beginnt der Roman, man kann sich das 19. Jahrhundert vorstellen, doch ist es keinesfalls eine Geschichte aus der fernen Vergangenheit, sondern ein Kunstgriff des Autors, um das ländliche Russland irgendwo in der Zukunft abzubilden.
Der Landarzt Garin ist auf dem Weg zu einem Dorf, um die Menschen, die einer Epidemie zum Opfer gefallen sind, zu impfen. Auf dem Weg dorthin macht ihm das Wetter einen Strich durch die Rechnung und er strandet in einer Station ohne Ersatzpferde. Lediglich der Brotfahrer Kosma besitzt ein Schneemobil, dass von einer großen Zahl Mini-Pferde gezogen wird und so macht sich der Doktor mit ihm auf den Weg durch den Schneesturm. Es folgt eine aufregende Fahrt durch die Nacht, in der sie von einem Hindernis zum nächsten und von einer grotesken Begegnung nach der anderen aufgehalten werden.
Fast schon Science Fiction-Züge trägt diese Geschichte, in die der Autor unglaubliche Zukunftsvisionen mit alten Gegebenheiten kombiniert. Sieht man von der versteckten Kritik, die der Autor hintergründig anbringt, einmal ab, bleibt ein spannendes Buch mit eindringlichen Naturbeschreibungen und der Schilderung menschlicher Charaktere, die so genau ausgelotet werden, dass die Diskrepanz einzelner Figuren fast fühlbar wird.
Ein großes Buch von einem Erzähler, dessen Sprachgewalt imstande ist, Bilder zu zeichnen, die dem Leser beim Genuß der Lektüre präsent vor Augen stehen.

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Couchsurfing im Iran

Stephan Orth
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.10.2017
ISBN 9783492310833
Genre: Biografien

Rezension:

Stephan Orth ist so einer wie Timmermann, ein passionierter Reisender, der sich treiben lässt und die Regionen, die er aufsucht, immer unter dem Aspekt des ganzheitlichen Kennenlernens sieht. Zugang zu den Ländern über die Bewohner und da ist natürlich das Couchsurfing, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut, eine adäquate Form. Die auch ein paar Nachteile hat, wie er selbst schreibt, denn man ist nie länger an einem Ort, es kommen zwar jede Menge Bekanntschaften zustande, aber nichts tiefergehendes oder längerfristiges.
Dieses Mal ist er also in den Iran gefahren, ein Land, was ähnlich wie alle anderen Diktaturen, einen besonderen Reiz ausübt, denn immer schwebt besteht die Gefahr, unbewusst etwas Verbotenes zu tun und mit einer Staatsmacht konfrontiert zu werden, die nicht allzu viel Spaß versteht. Doch das dürfte natürlich zum Konzept dieser Reiseform gehören, no risk no fun. Das Couchsurfing im Iran ist natürlich besonders schwierig, denn die medialen Kontakte sind in diesem Land eingeschränkt, social media ist zum großen Teil illegal und nur begrenzt verwendbar. Trotzdem gelingt es, die "Host"-Stationen auch hier zu organisieren und manches Mal ist schon die Verabredung mit dem Gastgeber ein Abenteuer für sich.
Orth trifft im Iran viele Menschen. Ein Staat, der zwischen Mittelalter und Moderne viele Reibungsflächen bietet, wird von außerhalb mit vielen Klischees belegt, die zumindest, was die Menschen angeht, vom Autor widerlegt werden. Er trifft auf eine überwältigende Gastfreundschaft und Wärme. Das liest sich so, dass man gleich die Koffer packen und all diese Menschen ebenfalls kennenlernen will. Es gibt genug Erlebnisse, die für uns unvorstellbar sind, weil wir nicht die interne Kenntnis von diesem Land haben, das eine Reise dorthin vermitteln kann. Dieses Buch erzählt zwar viel über die Mensche, es fehlen aber die komplexeren Zusammenhänge zwischen Alltag und Präsentation nach außen. Wenn man es zusammenfasst, könnte man annehmen, dass ein großer Teil des Lebens im Iran darin besteht, die Vorschriften zu umgehen. Das mag vielleicht zum Teil sogar stimmen, doch hier ist es zu stark in den Focus gerückt, ganz so einfach kann das wohl doch nicht sein.
Ein lockerer und amüsanter Reisebericht  mit ernsten Zwischentönen, aber das Entertainment und der Humor überwiegen. Das Urteil, dies wäre ein Buch ohne Tiefgang ist vielleicht zu hart, aber irgendwie hat man nach dem Lesen den Eindruck, dass das Leben im Iran eigentlich ganz erträglich ist, weil alle so nett sind. Die Realität des Alltags dürfte dann doch etwas komplexer sein.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Vierundzwanzig Türen

Klaus Modick
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 04.10.2018
ISBN 9783462051063
Genre: Romane

Rezension:

Eine ganz normale Familie. Vater, Mutter und zwei Töchter, die in dem Alter sind, in dem Weihnachtsgeschenke teurer werden. Der Erzähler, ein Schriftsteller, merkt, dass die alten Gebräuche und Geschichten seiner Kindheit nicht mehr vollständig auf die Gegenwart anzuwenden sind. Seine Frau bekommt jedoch von einem alten Mann einen Adventskalender geschenkt, der auf 24 Bildern eine Geschichte aus der Nachkriegszeit erzählt, bei dem es um einen Kunstraub aus Not und die Relation von möglichem Reichtum und Grundbedürfnissen geht.
Eigentlich sind es zwei Bücher, in denen Modick die Vergangenheit und die Gegenwart erzählt, doch es ist ein zusammenhängendes Bild, das vielschichtig und mit den Stilmitteln des Kontrastes entsteht. Der Autor ist sensibel, auch mit sich selbst, denn alles, was in dieser Zeit so prägend war, hat auch ihn ausgemacht. Die Gegensätze sind markant, man könnte glauben, dass sie aus völlig verschiedenen Epochen kommen, dabei sind nur zwei Generationen vergangen und das macht das Werk so eindrucksvoll, denn Modick überwindet die zeitliche Linie und führt die kleinsten gemeinsamen Nenner in eine Gegenwart, die noch Einflüsse aus der Vergangenheit aufnehmen kann.
Ein schönes, besinnliches, manchmal aufrüttelndes Buch, aber immer wohlwollend und mit einer Distanz geschrieben, die nicht unüberwindbar ist. Damit hat sich Klaus Modick mal wieder in die Herzen seiner Anhänger geschrieben und auch gleich noch einmal nachdrücklich seine ganze Klasse bewiesen.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Der Club der Weihnachtshasser

Michael Curtin , Friederike Zeininger
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.10.2009
ISBN 9783423211741
Genre: Romane

Rezension:

Wer wissen will, was der Roman mit Weihnachten zu tun hat, der muss das Buch bis zur Hälfte lesen. Es spielt in den 80er Jahren in England und die Protagonisten sind eine "Solorunde" (ein Kartenspiel) bestehend aus fünf Mitgliedern, die sich in einem Pub um die Ecke jede Woche zum Spielen treffen. Vier Herren und eine Dame, die unterschiedlicher nicht sein können und jede Figur wird in ihrem Umfeld ausgeleuchtet. Und das nicht zu knapp, die Biografien sind gespickt mit Material aus den einzelen Leben, als Leser muss man schon höllisch aufpassen, dass man die Fülle im weiteren Verlauf kanalisieren kann. Das Weihnachtsfest wird neben dem Kartenspiel als gemeinsamer Nenner ausgemacht, vielmehr die Antipathie. Nun soll eine Aktion stattfinden, um diese Antihaltung zu dokumentieren. Eines der Rundenmitglieder bringt den Sparverein seines Vaters ins Spiel und so zieht die ganze Gruppe nach Irland, um die Auszahlungen zu Weihnachten zu verhindern. Dabei passieren auch einige Dinge, die nicht vorhersehbar waren und genau so durcheinander, wie sich diese Inhaltsangabe liest, ist das ganze Buch, das einige schöne Stellen hat, aber zu langatmig, zäh und voller Wiederholungen ist. Teilweise mit verwirrenden Effekten, stellenweise sehr ermüdend und man ist geneigt, immer ein paar Seiten vorzublättern, um festzustellen, ob es in dem Stil weitergeht.
Ganz sicher ist es nicht das Buch, das man erwartet, wenn man den Titel liest, denn als Aufhänger hätte man auch einen Trupp Gummibärhasser losschicken können. Unterstützend irreführend ist  das deutsche Cover dazu. Wer also eine heitere Lektüre erwartet, wird enttäuscht, wer nach 50 Seiten das Gefühl hat, nicht weiterlesen zu wollen, sollte das Buch wirklich zuklappen.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Jetzt küss mich endlich!

Patrick Hutsch
Flexibler Einband: 187 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 17.04.2011
ISBN 9783458357162
Genre: Sonstiges

Rezension:

Zusammen mit Diogenes darf sich der Insel-Verlag rühmen, die besten Anthologien herauszugeben. Nicht zusammengestoppeltes Material zu einem Thema mit den gewohnt zugkräftigen Namen, um noch die schnelle Mark zu machen, sondern sorgfältig editerte Ausgaben, die Lust auf mehr machen und gute Empfehlungen für die Autoren sind. Natürlich kommen auch hier bekannte Schreiber zum Einsatz wie Walser, Hesse und Carver, aber auch ocoh nicht so populäre Autoren wie Bolano, Trevor oder Brodowsky steuern sehr schöne Geschichten bei. Die etwas andere Liebesgeschichte, so könnte man die Sammlung beschreiben, denn nicht nur alles, was mit dem Rausch der Liebe zu tun hat, ist interessant, auch die Nuancen und thematischen Zwischenräume sind nicht weniger lesenswert. Ein Füllhorn verschiedener Stile machen das Buch zu einem erfüllenden Leseerlebnis.

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 4 Gruppen, 1 Rezension

John Lennon

Peter Kemper
Flexibler Einband: 159 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 28.05.2007
ISBN 9783518182239
Genre: Biografien

Rezension:

Man kann mit den Büchern, die über Lennon und Co geschrieben wurden, sicher eine ganze Bibliothek füllen. Ist es sinnvoll, dem noch eine weitere hinzuzufügen? Das kommt auf die Form an. In seiner Reihe "Basisbiographie" fügt der Suhrkamp-Verlag also noch eine Lennon-Biographie hinzu. Peter Kemper macht das, wie es die Reihe vorsieht, kompetent, sehr komprimiert und mit einer großartigen Auswahl an Informationen, die zur Verfügung stehen. Dabei konzentriert er sich auch nur auf Lennon und lässt ihn im Beatles-Kontext seiner Position gemäß im richtigen Licht erscheinen. Der Verdienst des Autors ist, aus den vielen Schaffensphasen des Künstlers das Wichtigste herauszufiltern und in einen Gesamtzusammenhang zu stellen. Das gelingt ihn sehr gut und so ist man knapp, aber umfassend informiert.
Die kurze Analyse aus verschiedensten Schaffensbereichen Lennons wird hier ebenso kompetent dokumentiert, wie auch Platz für subjektive Einschätzungen von Zeitgenossen und Weggefährten ist. Kurz: eine lohnende Ausgabe der Suhrkamp-Reihe und jeder, der Biographien nicht mag, die spekulativ oder einfach nur peinlich sind, ist hier gut bedient. Weiterführendes kann dann noch ergänzt werden, natürlich gibt es auch im Dschungel der Veröffentlichungen um Lennon und den Beatles einige Bücher, die lesenswert sind.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das böse Buch zu Weihnachten

Comedy-Autoren-Trio Höke, Gitzinger & Schmelzer , Ari Plikat , Peter Gitzinger , Ari Plikat
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Lappan, 28.09.2018
ISBN 9783830344322
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nein, das Buch ist nicht böse, es ist amüsant und ein wenig scharfzüngig, die Gags sind vielleicht "Böse light" aber keineswegs so, dass sich ein überzeugter Weihnachtshasser vor Jubel die nasskalten Händchen reiben würde. Der weihnachtliche Amoklauf einer Hausfrau, Trumps Version der Weihnachtsgeschichte, ein Öko-Adventskalender und noch einige nette Einfälle mehr sind in leichter Form satirisch aufbereitet, zaubern so dann und wann ein Wiedererkennungslächeln auf den Mund, aber so richtig herzhaft lachen kann man nur ein oder zwei Mal, wenn  die Autoren ein wenig mehr Mut zum Risiko hatten und übertrieben haben. Ansonsten gibt es gute und treffsichere Illustrationen und das Ganze kann man großartig häppchenweise in kurzen Pausen lesen und mehr soll es ja auch nicht sein. Das Ziel ist erreicht, aber böse ... Böse ist anders.

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Das Fest

John Grisham , Michelle Pyka
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.10.2013
ISBN 9783453412866
Genre: Romane

Rezension:

Tochter Blair verlässt das Haus, um nach Peru zu gehen und sich bildend zu engagieren. Eine gute Gelegenheit für die Eltern, Nora und Luther, dem Weihnachtsstress zu entkommen, der im Übrigen auch immer recht kostspielig ist. Aber sie haben die Ankündigung "Weihnachten fällt für uns aus, wir machen stattdessen eine Kreuzfahrt" gemacht, ohne an die Nachbarn in der Straße zu denken, denn da wird das Fest gefeiert. Von Spenden über uniformes Schmücken der Häuser bis zur Party. Der Weihnachtsboykott macht die beiden zu Außenseitern. Und dann kommt, ein paar Stunden vor dem Fest, noch eine Nachricht von Blair, die die ohnehin komplizierte Situation ohnehin noch verschärft.
Grisham hat eine Klamotte zum Fest geschrieben, unkompliziert,  vorhersehbar, mit viel Humor und harmlosem Geplänkel. Das ist genau der Stoff, aus dem die Filme sind, die aus Amerika zu uns zum Fest herüberschwappen und für Festtagsstimmung sorgen sollen. Das "Höher, Schneller, Mehr" beim Konsum ist genauso drin wie die kalkulierten Emotionen. Das liest sich schnell, leicht und flockig, macht Spaß und lässt den Leser lächeln, weil er natürlich all das aus seiner unmittelbaren Umgebung auch kennt. Harmloses und lustiges Vergnügen zwischen Glühwein und Tannenbaumschmücken.

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Bibliothek

Gerhard Polt , Hanns Chr. Müller
Fester Einband
Erschienen bei Kein & Aber, 01.04.2012
ISBN 9783036956305
Genre: Humor

Rezension:

Was ist denn der Polt nun?  Satiriker, Humorist, Schauspieler, Regisseur, Humorist oder Schreiber? Und kann man ihn als bayerisches Urgestein bezeichnen? Ist er gar Kult? Eine Legende? Wahrscheinlich ist er alles und vielleicht mag er die Bezeichnung Kabarettist am liebsten. In jedem Fall ist er einer, der einer aussterbenden Spezies angehört, der kritisches Kabarett nicht vorrangig politisch versteht, sondern seine Stoffe immer aus dem Leben und von den ganz normalen Durchschnittsmenschen gezogen hat. Er ist auch einer, der angeeckt hat und obwohl er ein Bayer aus „echtem Schrot und Korn“ ist, dies auch in seiner Sprache, dem oft unzugänglichen Bajuwarisch, immer auch in der Öffentlichkeit und auf der Bühne zu Gehör bringt, erfreut sich er überregional im ganzen Land sehr großer Beliebtheit. Wobei ihm wohl bewusst ist, dass er immer auch das Klischee des Bayern bedient, darin aber seine Kunst liegt, dem Schein knallhartes Contra entgegenzusetzen.

Polts Kreativität ist ungehemmt, seine Produktion auf allen Medien umfangreich verbreitet, sodass der Verlag Kein & Aber schon eine zehnbändige Ausgabe brauchte, um nur die wichtigsten Texte aus den Anfangszeiten mit Christian Müller bis zum Jahr 2012 zusammenzustellen. Die liegt hier vor, eine schöne, kleine Kassette mit zehn Büchern, nach Themen geordnet, und mit einem Begleitbuch, das mit einem informativen Karriereabriss sowie einem ausführlichen Register seiner Veröffentlichungen aufwartet. Das alles ist heute noch erhältlich und genauso herrlich wie vor sieben Jahren, als es veröffentlicht wurde. Zu einem kleinen Preis.

Wer also Polt kennenlernen will, ist hier genauso gut bedient wie seine Fans, die noch einmal ein „Best of“ bekommen. In einer wirklich sehr schönen Aufmachung.

Und wer dann noch unbedingt etwas zu der Frage sagen will, was Polt denn nun ist, der könnte den Künstler selbst zitieren, denn der sagte: „Ich bin keine lineare Existenz“. Wohl wahr, besser kann man das nicht ausdrücken. 1800 Seiten Kabarettgeschichte.

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Der träumende Delphin

Sergio Bambaren , Sabine Schwenk , Heinke Both , Gabriele Wurster
Fester Einband: 93 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.02.2010
ISBN 9783492053877
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Daniel Delphin macht sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Dahin kommt er auf der perfekten Welle und das ist sein Traum, den er auf der Suche verwirklichen will. Das ist dann auch die kleine, kurze Geschichte, die das 90 Seiten-Buch mit schönen Illustrationen geschmückt und in Großschrift niedergeschrieben, beinhaltet. Man kriegt das auch in einem Satz unter, indem man sagt, dass man sich seine Träume erfüllen kann, indem man an sie glaubt.
Bambaren macht diese kleine Story daraus, die es in dieser Form, nur mit anderen Protagonisten, schon oft gegeben hat. Fast könnte man meinen, dass es ein Kinderbuch ist. Natürlich ist das alles irgendwie zauberhaft, Geschichten mmit Delphinen, die zudem ein wenig fabelhaftes haben, kommen auch sehr gut an und die Symbolik, auf jeden Menschen übertragbar, ist  ja dann auch Weg und Ziel. Wobei Bamberen kein Dogma unterstellen kann. Es ist einfach nette Lektüre und erfolgreich, genauso gestrickt wie "Das Café am Ende der Welt" und es verwundert niemanden, dass es so beliebt geworden ist.
Neues gibt es nicht. Reduziert man es auf die Kernaussage, bleibt es bei Slogans, die aber gut verpackt und ansprechend geschrieben und mit schönen Bildern veredelt sind. Trotzdem, mehr als drei Sterne sind da nicht drin.

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Absolute Freunde

John le Carré , Sabine Roth (Übers.)
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.08.2005
ISBN 9783548605470
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ted Mundy und Sascha sind Freunde und diese Freundschaft begründete sich zu Zeiten der Studentenbewegung in Berlin. Ted ist ein Reisender des Britsh Council geworden und verbindet seine kulturellen Betreuungen englischer Künstler in Osteuropa mit einem Engagement für den Geheimdienst. Sascha ist als Aktivist in die DDR ausgewandert und vom dortigen Dogmatismus enttäsucht worden. Der Fall der Mauer führt die Freunde zusammen, doch die ideologischen Gräben stellen nicht nur die Freundschaft auf die Probe, sondern lösen noch ganz andere Probleme aus.
John Le Carré, dessen Agentenromane nicht nur weitsichtig und spannend, sondern aus eigenen Anschauungen der Materie im Diplomatischen Dienst mit vielen Fakten unterfüttert sind, liefert auch hier wieder hervorragende Arbeit ab. Nicht nur die Verstrickungen von Macht und Politik werden hier verwendet, sondern auch der ideologische Unterbau, der sich in den unteren Reihen der Spionagetätigen als Antrieb geriert. Wie eine Spinne webt Le Carré sein Netz und genauso vielschichtig wie die Mechanismen des Agentenbetriebes schildert er die Verstrickungen von Interessen auf allen Seiten, ausgetragen auf dem Rücken der beiden Protagonisten. Dass der Autor in der Realität sein bestes Material findet, verwundert nicht. Beklemmend ist die Deutlichkeit, in der er operiert und dass die Wirklichkeit fast noch unglaublicher als die Fikiton sein kann. Ein weiteres atemberaubendes Werk vom Meister des Spionageromans.

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Das wirklich wahre Leben

Olli Dittrich , Anne Ameri-Siemens
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.12.2012
ISBN 9783492300100
Genre: Biografien

Rezension:

Olli Dittrich wäre nicht Olli Dittrich, wenn er eine schnöde Biografie vorlegen würde, die sich auf Fakten und ein paar Interviews mit Weggefährten beschränkt. Stattdessen hat er mit der Journalistin Ameri-Siemens ein Plauderbuch vorgelegt, in dem er zwanglos in Interviewform einige seiner vielen Stationen erörtert. Das mag für den faktenhungrigen und sensationslüsternen Leser einige Lücken aufweisen, doch Dittrich hat sich genau die Themen ausgesucht, die so viel wie möglich von seiner Persönlichkeit preisgeben. Wobei er immer die Kontrolle hat und nur das ausplaudert, was er will. Daraus entstand ein recht sensibles Buch, das auch die Schwächen des Menschen Dittrich offenbart, aber auch viel über seine Arbeitsweise und -moral publik macht. Das alles in einem sehr entspannten Plauderton, dort lustig, wo es komisch und ernst, wo es angebracht ist. Interessant ist die Gewichtung seiner Künstlerstationen, so nimmt einen großen Platz sein Mitwirken bei den Doofen ein, was allerdings auch am besonderen Freundschaftsverhältnis zu Wigald Boning liegt. Angereichert wird das Buch durch seltene Fotos aus dem Archiv und ein paar sehr interessanten Schriftstücken. Eine sehr empfehlenswerte Biografie, weil sie das enge Korsett der Lebensläufe im Buch sprengt und sich auf das konzentriert, was den Menschen Dittrich ausmacht. Durch diese Form bleibt er nah bei seinem Publikum, was für ihn auch immer ein Kriterium seiner künstlerischen Arbeit ist. Leseempfehlung, nicht nur für Fans.

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Finster

Richard Laymon , Marcel Häußler
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.12.2010
ISBN 9783453675834
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ed Logan ist verzeifelt, denn seine große Liebe Holly hat ihn verlassen, schlimmer noch, sie ist mit einem anderen durchgebrannt. Er geht durch die nächtlichen Straßen seiner Heimatstadt, sieht ein fremdes Mädchen und beschließt, ihr spontan zu folgen. Doch diese und nicht nur die nächste Nacht, in der er beschließt, nach dem Mädchen zu suchen, hat viele Geheimnisse. Auch Eds Liebesleben wird nicht nur von dieser Seite in Anspruch genommen. denn irgendwie verliebt er sich natürlich, eine Bekannte von Holly taucht auf und entpuppt sich wiederum als stark verliebt in Ed. Die Probleme entstehen auf vielen Ebenen.
Für den Rezensenten war es das erste Buch des Richard Laymon, der schon einiges auf dem Markt und den Ruf eines zweiten Stephen King hat. Gute Voraussetzungen also, um einen "neuen" Autoren kennenzulernen. Doch was am Anfang noch recht vielversprechend war, verwandelte sich in temporäre Langeweile mit nur wenigen Ausreißern im Spannungslevel. Die "Action" ist ziemlich platt, die Atmosphäre nicht so dicht, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte, der Plot recht zäh auf das Ende zentriert und auch da nicht mal besonders nachdrücklich, weil man sich schon ungefähr denken kann, was kommt. Für das alles braucht Laymon lange 540 Seiten und die berühmte Frage "Kommt da noch was und wenn ja, entschädigt es mich?" stellte sich mehr als einmal. Nur die Tatsache, dass der Stil des Autors ein schnelles Lesen möglich macht und auch ausgesprochen angenehm ist, lässt eine große Reue nicht aufkommen. Der Wunsch, ein zweites Werk zu lesen ist allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben. Dieses Buch ist verzichtbar, aber wer weiß, vielleicht hat der Rezensent nur Pech gehabt und das Schwächste erwischt.

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Wer einsam ist in der großen Stadt

Christian Futscher
Fester Einband: 168 Seiten
Erschienen bei Czernin, 23.08.2017
ISBN 9783707606140
Genre: Romane

Rezension:

Futscher ist einer derjenigen, die man nicht so leicht greifen kann. Und schon gar nicht in eine Schublade stecken. In seiner Vita findet man die üblichen Auszeichnngen für sein Werk genauso wie den Villacher Publikumspreis bei der "Nacht der schlechten Texte". Es ist anzunehmen, dass ihm das alles sehr viel Spaß macht, besonders die Tatsache, dass er sich vorbehaltlos austoben kann, Das macht er nicht nur in seinen Gedichten, sondern auch hier mit den kurzen Erzählungen. Querbeet geht sein inhaltliches Spektrum. Vom Nachruf bis zur Glorifizierung des Nagelzwickers ist alles dabei, was in Stadt und der Provinz die Menschen und ihr Umfeld ausmacht. Futschers ausgesprochen eigenwilliger Stil, manches Mal wüstes Gestammel, ein anderes Mal eine Geschichte, die der Erzähler für eine persönliche Bemerkung unterbricht, immer aber hintergründig und mit leichtem satirischen Einschlag garniert, könnte man vielleicht mit "skurril" umschreiben, doch das trifft es nicht richtig, denn bei allen Überraschungseffekten hat seine Sprache ihr System, das Futschersche nämlich, und das ist gar nicht so einfach, wie es manchmal ausschaut.
Der Autor traut sich die Pfade der berechenbaren Prosa zu verlassen und hat dasGglück, dass er dafür ein Publikum findet. Was wiederum für die Leser spricht, die durchaus bereit sind, etwas anderes zu lesen, als die glattgebügelte Belletristik der Bestenlisten.
Man kann sich in der Welt des Christian Futscher wohlfühlen und man will wiederkommen, weiß man doch, dass seine Bücher immer für eine Überraschung gut sind.

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Nummer 11

Jonathan Coe , Karin Fleischanderl
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Folio, 05.09.2017
ISBN 9783852567266
Genre: Romane

Rezension:  
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Kurzer Abstecher

Irvine Welsh , Stephan Glietsch
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.09.2017
ISBN 9783453271180
Genre: Romane

Rezension:

Welsh ist immer dann am besten, wenn er sich mit dem Trainspotting-Personal beschäftigt. In diesem Buch geht es um Frank Begbie, einem der härtesten Hunde dieser Zeit. Der hat eine Wandlung hinter sich, denn im Knast hat er die Kunsttherapeutin Melanie kennengelernt, ist nach Verbüßung seiner Strafe mit ihr nach Kalifornien gegangen, hat zwei kleine Mädchen, Erfolg als Bidlhauer und Maler und lebt abstinent. Ein vollkommen neues Leben, das er mit einer Namensänderung auf Jim Francis untermauert. Das geht gut, bis er die Nachricht bekommt, dass sein erstgeborener Sohn Sean, zu dem er nie Kontakt hatte, ermordet wurde. Jim (Frank) reist nach Schottland zur Beerdigung und will herausfinden, was dort wirklich vorgefallen ist. Er taucht wieder in die gewalttätige Welt von Leith ein.
Welsh hat seine Figuren perfekt im Griff. Franks Metamorphose vom berüchtigten Gangster zum friedlichen Familienvater ist glaubhaft und die langsame Wandlung von Jim Francis zurück zum Frank Begbie der alten Edinburgher Zeit ist gelungen. Gerade diese Dr.Jekyll und Mr.Hyde Szenerie bildet den Mittelpunkt dieses spannenden und mit Überraschungen gespickten Romans. Eindrücklich beschreibt der Autor die Kämpfe, die Frank gegen sich führt. Dass dabei auch der Slang der Straße nicht zu kurz kommt, ist ein notwendiges Stilmittel, genauso wie die Schilderung einiger Brutalitäten nur schlüssig ist. Bis zum letzten Moment hält Welsh die Spannung und führt den Leser durch die Traumata von Leith und der Seele des fast schon Entkommenen. Ein großartiger Thriller, so könnte man es schon fast nennen. Welsh at his best.

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Marzipan aus Marseille

Christian Futscher
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Czernin, 01.01.2013
ISBN 9783707604450
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

"Was ist das denn?", wird sich der geneigte und lyrikinteressierte Leser fragen. Das sind doch keine Gedichte, das sind eher Momentaufnahmen, wirre Gedankenfetzen, unnötige Bemerkungen oder absurde (skurrile) Skizzen. Das soll ein Gedichtband sein? Das kommt wohl auf die Definition des Begriffs Gedicht an und da sind wir schon beim Kern von Futschers Lyrik. Denn das ist Lyrik, wenn man sich endlich mal von den starren Formen, die uns seit der Schule eingebleut werden, trennen kann. Futschers Texte sind erst recht Lyrik, wenn man sich den Sinn dieser Gattung vor Augen hält, denn die Lyrik ist nun mal untrennbar mit Augenblicken und kurzen Betrachtungen verbunden. Die Form, die uns in unserer Wahrnehmung so oft gefangenhält, ein festes Reimschema hier, eine bestimmte Silbenzahl dort, macht es uns auch so schwer, Gedichte richtig gut zu finden und vor allem - sie auch käuflich zu erwerben. Da kommt so einer wie Futscher gerade recht, der diese Regeln auf den Kopf stellt und ein scheinbar albernes und kurzes Stück Text ein Gedicht nennt. Und während man noch anderswo nachvollzieht, dass sich die "Nebelstränge der Tage neben der sterbenden Lilie" treffen, erfährt man bei Futscher: "Mit der Banane in der Hand fühle ich mich unsterblich". Wenn dazu der Titel noch länger ist als der Text, dann kann man sich beim Lesen schon mal wohlfühlen und amüsiert sein. Das kann man in diesem Band sehr oft, es ist manches Mal ein Gipfel der Absurdität erreicht, auf dem man gerne ein wenig verweilt, um festzustellen, dass man hier nicht auf den abgrundtiefen Sinn warten muss. Manches ist sogar erfrischend sinnlos.
Natürlich packt der Wiener Futscher auch ein wenig Lokalkolorit in seine Gedichte. Einen Wiener, der nicht ein wenig Schmäh verwendet, gibt es selten. doch auch das macht er mit einer Selbstverständlichkeit, dass es als fester Bestandteil seiner Lyrik gar nicht besonders auffällt. Sagen wir mal, im Dschungel der ernsten und tiefsinnigen deutschsprachigen Lyrik ist Futscher eine löbliche Ausnahme. Er traut sich was, schreibt, wie ihm der Stift in der Hand liegt. Und - Kompliment - der Czernin-Verlag druckt das. Danke dafür und noch viele weitere schöne Bücher von dem Autor, der ja auch im Roman und der Erzählung zuhause ist. Und natürlich in Wien.

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Bei Regen im Saal

Wilhelm Genazino
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 18.12.2015
ISBN 9783423144667
Genre: Romane

Rezension:

Reinhard, promovierter Philosoph in den Mittvierzigern, hangelt sich von einem Gelegenheitsjob zum anderen. Das ist bezeichnend für seine Unfähigkeit, sich festzulegen und dem Leben eine überschaubare Richtung zu geben. Obwohl er sich in der Rolle als „Überwinder“, in der er anderen, vorrangig alleinstehenden Damen bei der Bewältigung außerordentlicher Ereignisse zur Seite steht, am ehesten findet, kann er diesen Job bei sich nicht machen. Sehr zum Leidwesen seiner Freundin Sonja, die ihm diesen unsteten Stil so lange zum Vorwurf macht, bis die Beziehung scheitert. Reinhard muss also fortan seine Ausflüge ins Abseits der Gesellschaft alleine machen, setzt diesen Weg auch fort, muss aber Reflexionen ertragen, die ihn immer wieder bis an die Grenze führen, an der ein Umschwenken noch möglich ist.

In kurzer und prägnanter Sprache lässt Genazino seinen Protagonisten durch die Welt taumeln, ihn die Fassungslosigkeit formulieren, die ihn bei den einfachsten Beobachtungen im Griff hat. Aber auch die fulminanten Wahrheiten, oft nur in unscheinbaren Nebensätzen versteckt, geben dem Buch den Charakter einer „kalkulierten“ Unberechenbarkeit. Das ist hohes stilistisches Niveau, das man von diesem Autor gewohnt ist, gewürzt mit einem untergründigen Humor, den der Leser als Nebeneffekt so manches Mal erst beim zweiten Lesen bemerkt. Wie nahe das soziale Abseits den eigensinnigen Vorstellungen des Erzählers kommt, erstaunt immer wieder und so löst sich am Ende nicht alles auf, was sich die Hauptperson im Laufe des Buches fragt (oder nicht fragt). Seine Entscheidungen allerdings, die er treffen muss, um Richtungen zu finden, die liegen offen vor ihm. Das Buch endet zwischen Kompromiss und Hoffnung.

Ein weiteres Werk des genau beobachtenden Genazino, mit dem er seine Zugehörigkeit in die Liga der unverzichtbaren Literaten in diesem Land untermauert hat.

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