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usa

Am Ende einer Welt

Dennis Lehane ,
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.09.2015
ISBN 9783257069440
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Joe Coughlin hat sich vom aktiven Mafiageschäft verabschiedet und ist nun ein etablierter Bürger und so etwas wie ein Berater und Vermittler zwischen den Clans und Syndikaten, ein Mann also, der von allen geachtet wird und durch dessen geschicktes Lavieren auch alle eine Menge Geld verdienen. Unumstritten. Doch dann soll er aus dem Weg geräumt werden. Plötzlich tauchen alte Rivalitäten auf, die unterschiedlichsten Clans und ihre Interessen treffen aufeinander. Für Joe steht aber noch mehr auf dem Spiel: Es geht um den Schutz seines einzigen Sohnes, den er mehr liebt, als alles andere. Die Sache spitzt sich zu.
Lehane hat sein Buch in die Kriegszeit der frühen 40er Jahre verlegt und die "Krisenzeit" auch für das organisierte Verbrechen beschrieben. Diese Zeit ermöglicht es ihm auch, die einfache Brutatlität der damaligen Mafia-Kämpfe einfließen zu lassen. So geht es in dem Buch heftig zur Sache, manche Sequenzen sind brutal und vom Blut durchtränkt. Unter dem Strich die gewohnte Lehane-Qualtität mit dem notwendigen Maß an Psychologie und natürlich der unvergleichlichen Spannung, die der Mann in seinen Büchern aufbauen kann. Nichts für allzu schwache Nerven, man sollte schon ein paar Gehirnspritzer an der Wand aushalten können.

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Absurdes Glück

Stefan Slupetzky , any.way , Barbara Hanke , Cordula Schmidt
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.03.2012
ISBN 9783499258084
Genre: Romane

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reise, traumschif

Ein Traum von einem Schiff

Christoph Maria Herbst
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 20.02.2014
ISBN 9783596191130
Genre: Romane

Rezension:

Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Verlag mit einem bekannten Namen ein paar Euros macht. Nehmen wir einfach mal den äußerst talentierten Schauspieler Herbst, der sich ja auch als Humorist einen guten Ruf erspielt hat und lassen den ein Protokoll seiner Traumschiffreise schreiben. Es ist anzunehmen, dass man ihn nicht mit vorgehaltener Waffe zwingen musste, denn man merkt, dass ihm das wohl auch ansatzweise Spaß gemacht hat. Herbst versucht so manches Mal in Bandwurmsätzen viel von seiner Komik auf engstem Raum unterzubringen, doch leider scheitert er, denn er kann es einfach nicht, liest sich zu bemüht und konstruiert, scheitert am Anspruch, so etwas wie einen eigenen Stil zu entwickeln. Er ist eben Schauspieler, ein begnadeter Sprecher (das Hörbuch dürfte sicher interessanter sein) und hat als Komiker einen Status erreicht, den er selbst mit diesem Buch nicht demontieren kann. Da will man ihm gönnerhaft zurufen: "Schuster, bleib' bei Deinem Leisten", doch das wird er selbst herausgefunden haben. Ach ja, der Inhalt: Ein paar Gimmicks auf der Kreuzfahrt, Unwohlsein, bisschen Saufen, bisschen Leute-niedermachen, na, alles was Stromberg besser kann, aber Herbst ist ja nicht Sromberg, gibt sich aber Mühe, ein wenig wie Stromberg zu klingen und ... Ach, das Ganze ist zu belanglos, um sich darüber auszulassen, kurz vor dem Ärgerlichen, aber doch nicht ganz so schlimm und machen wir mal das, was das Beste ist: Decken wir den Mantel des Schweigens darüber.

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Kalte Macht

Jan Faber
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.12.2014
ISBN 9783442481460
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Natürlich hat dieses Buch alles, was ein Bestseller braucht. Einen Autoren, der unter Pseudonym schreibt (dessen richtigen Namen noch nicht mal der Verlag kennt, was eine sehr zweifelhafte Werbeaussage ist), ein Thema, das dem Volk sehr nahe geht, unzählige Möglichkeiten, auf diesem weiten Feld zu operieren und tatsächlich auch noch die Grenzen zwischen Fiktion und Relalität verschwimmen zu lassen. Dennoch funktioniert der Roman nicht richtig, oder vielleicht gerade deswegen.
Die Geschichte der jungen Staatssekretärin Eusterbeck, die unvorbereitet eine Arbeit übernehmen soll, die ihr von der Kanzlerin höchstpersönlich übertragen wird. Sie soll im Gewirr des Politbetriebes die Seilschaften aufstöbern, Querverbindungen und Netzwerke durchleuchten und die sich gegenseitig an den Karren fahrenden Interessengruppen identifizieren. Kurz: Sie soll das Kanzleramt nach Subjekten und Objekten durchleuchten, die der Macht der Kanzlerin gefährlich werden können. Dabei stößt sie auf einen Komplott, der gut dafür ist, ein komplettes Land und sein System in den Grundfesten zu erschüttern.
Der Autor, der sich Jan Faber nennt, spielt sein Insiderwissen aus, doch das ist beileibe nicht so viel, dass es ein Pseudonym verlangt. Die Verknüpfungen von Staat und RAF-Terrorismus ist ja beileibe kein Geheimnis mehr und hier nun einer Kanzlerin das Strippenziehen von damals unterstützen und ausnutzen zu lassen, ist dann schon sehr fiktiv.
Wie so vieles hier in einer Sackgasse endet, weil Faber kein richtiges Verhältnis von Realität und Fiktion zustande bringt. Entweder verzichtet er auf den Plot, wenn der zu unwahrscheinlich ist, oder er schreibt gleich einen Tatsachenbericht. Trotz aller Kenntnis des Politbetriebes würden dafür aber die Fakten fehlen. So taumelt das Buch zwischen halbgaren Tatsachen, die in die Romanhandlung eingebaut werden und den fiktiven Räuberpistolen des Thrillergenres (eine Vergewaltigung unter Drogen, Schwangerschaft durch den Geheimdienst ist ein wenig zu heftig des Guten), so richtig haften bleibt dann nur der Eindruck: "Seht ihr, ich habe das doch gleich gewusst, alle Politiker sind Schweine".
Es ist gut, wenn ein Insider seine Erkenntnisse nach außen trägt, wenn sie helfen, Straftaten und Missstände aufzudecken. Dieser Faber wird auch seine Quellen haben. Er berichtet aber nichts Neues, nichts, was man nicht schon weiß oder vermutet. Und nur für einen Thriller ist das Ergebnis zu mager. Erstens ist das Buch zu lang und zweitens die Handlung manchmal zu weit hergeholt. Dass der Autor schreiben kann ist unbestritten, aber dieses Buch kann man nur dem ganz Neugierigen empfehlen, der mit gesunder Distanz lesen sollte. Und Frau Merkel vielleicht gar nicht.

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italien, sizilien, krimi

Das Ritual der Rache

Andrea Camilleri , Moshe Kahn
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.02.2014
ISBN 9783404169108
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Toter in einem Plastiksack. Dazu noch Genickschuss und dann in 30 Teile zerstückelt. Die Mafia, deren alte Sprache die Rache für Verrat erkennen lässt. Dazu noch der Hinweis mit den 30 Silberlingen. Es könnte leichter werden für Montalbano, wenn da nicht ein paar Dinge wären, die nicht ins Bild passen. Der verdächtigte Mafioso etwa, für den das Opfer so etwas wie ein Sohn war. Dessen Frau, die vor Liebe fast verrückt wird. Und dann macht auch noch Mimi, Monatalbanos Vizekommissar, einen sehr labilen bis verzweifelten Eindruck. Und nach einer Weile stellt sich heraus, dass alles irgendwie zusammenhängt.
Camilleri ist wohl auch jemand, der keine schlechten Bücher mehr schreiben kann. Sein Montalbano ist genauso etabliert wie Leons Brunetti und seine Fähigkeit, immer wieder neue und spannende Geschichten zu erzählen scheint nie zu ermüden. So ist auch dieser Fall wieder interessant und spannend bis zur letzten Seite und den Grantler Montalbano und seine etwas ungewöhnlichen Methoden und Launen kennen die Leser ja schon. Gewohnte, gleichbleibend gute Krimiqualität.

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Zu guter Letzt

Edward St. Aubyn ,
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Piper, 17.09.2013
ISBN 9783492303224
Genre: Romane

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Mississippi Orangeneis Blues

Tobias Premper
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Steidl, 17.10.2016
ISBN 9783958292079
Genre: Romane

Rezension:

Nach einem Romanausflug kehrt Premper zurück zur Kurzform und entzieht sich wieder jeder Kategorie. Sind das nun Kurzgeschichten, Miniaturen, sind das Grotesken oder doch eher surreale Szenen, ist das Lyrik oder Prosa, sicher ist von allem etwas dabei und dieses Ungreifbare scheint bei dem Autor Programm zu sein, mit dem er sich der Inanspruchnahme eines Genres geschickt und sicher auch aus Selbstschutz entzieht. Man kann es gerne Großstadtlyrik nennen, das trifft es genauso gut wie alles andere. Der Blues zieht sich wie ein roter Faden durch teilweise skurile Geschichten oder Situationen, manchmal sind es kleine Meditationen, manchmal wird auch eher unscheinbar Alltägliches einfach nur durch gekonntes Beobachten und Deuten offenbart.
Premper ist kein Wortjongleur oder -akrobat, er ist ein Wortkünstler, benutzt sie wie Farben, um seine Kompositionen sichtbar zu machen. Er ist Wortkünstler, seine Einlassungen sind überlegt und pointiert, Schattierungen sind ihm genauso wichtig wie ab und an grelle Überzeichnungen. Die Kurzform gibt ihm die Gelegenheit, den Leser in den Prozess der Gestaltung seiner Geschichten mit einzubinden, jeder darf sich die Stimmung zum Text selbst aussuchen.
Das ist keine Massenware, das ist in der deutschen Literatur schon fast experimentell zu nennen, und es ist konsequent. Da hilft es sicher, dass Premper mit Steidl einen Verlag gefunden hat, der diese Schreibkunst mitträgt, denn immerhin ist es schon sein viertes Buch dort. Wer mit einem Buch, das nur aus Notizen besteht, seinen Einstand gibt, dessen Akzeptanz muss beim Verlag schon sehr groß sein.
Premper ist ein Schreiber zum Entdecken. Alle vier Bücher sind unterschiedlich. Inhalt, Stil, Ausdruck und Form veränderten sich im Laufe der Zeit. Das ist spannend und fordert breitere Ankennung. "Mississippi ..." ist zum Kennenlernen genauso geeignet wie seine drei Vorgänger. Mein persönlicher Tipp wäre allerdings "Das ist eigentlich alles", aber unter dem Strich ist es dann doch egal, interessant ist das Kennenlernen an sich.

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krimi, frankreich, satanismus, mord, perigord

Femme fatale

Martin Walker
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.04.2013
ISBN 9783257068627
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Fünfter Bruno-Fall. Mittlerweile ist der französische Ermittler des schottischen Autors angekommen und scheint sich ein wenig zum Brunetti Farnkreichs zu mausern, jemand, der in jeder Lage ruhig und besonnen an Probleme herangeht und sich daher auch allgemeiner Wertschätzung erfreut. So ist dann auch aktuell eine auf dem Fluss in einem Kahn treibende Leiche der Auslöser, um sich an vielen Verwicklungen abzuarbeiten. Satanismus, Finanzjongleure, Betrüger, eine komplizierte Familie, ein großes Ferienhausprojekt und fragwürdige Transaktionen in einer Nachbargemeinde füllen die 420 Seiten, in denen natürlich auch gut und oft gegessen wird und jeder Hausfrau/mann noch ein paar Rezepte zum Sammeln mitgeliefert werden. Zudem sorgt Bruno, der ja nicht nur allgemein beliebt ist, sondern bei den Frauen ganz besonders, noch für Begehrlichkeiten und da blitzt der kleine Weiberhled in ihm auf, denn auch hier ist er kein Kostverächter.
Bruno ist eine Figur, die mehr an Komareks Polt als an James Bond erinnert, deswegen kann die Besonnenheit manchmal auch ein  wenig zäh und einschläfernd wirken, doch das tut der Gesamtwirkung auf den Leser nichts, denn ähnlich wie bei Brunetti hat sich Bruno mit seinem Charakter längst in den Herzen der Leser eingenistet. Doch trotzdem sind die Längen nun mal da und Walker täte gut daran, das Ganze ein wenig mehr aufzupeppen. Dass er das kann, beweist er auf den letzten vierzig, fünfzig Seiten, zum Showdown geht es plötzlich mit Hochspannung und atemberaubender Schnelligkeit, sodass man froh ist, bis hierhin gelesen zu haben.
Bruno wird auch in Zukunft seine Fans haben, Walker wird mit seinem Lokalcholorit die ständig täumenden Leser bei der Stange halten, die von der typisch französischen Lebensweise träumen. Es ist wie nach Hause kommen, man kennt alles, fühlt sich aber trotzdem wohl.

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antónio lobo antunes, erzählungen, portugal, biographie, antonio lobo antunes

Drittes Buch der Chroniken

António Lobo Antunes , Maralde Meyer-Minnemann , António Lobo Antunes
Flexibler Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Sammlung Luchterhand, 18.10.2010
ISBN 9783630621678
Genre: Romane

Rezension:

Antunes, den man zu Recht als einen der bedeutendsten Gegenwartsliteraten Portugals bezeichnet, hat neben seinen zahlreichen Romanen auch immer kleine Chroniken geschrieben und diese veröffentlicht. Diese Chroniken waren nicht nur kleine Wegesrandgeschichten sondern auch immer Reflexionen seines Lebens. Die hat er mit sensiblem Gespür für die Feinheiten verfasst, die ihnen diese Einmaligkeit verleiht. Es sind nicht nur die Belege seiner großen Kunst mit dem Wort umzugehen, sondern teilweise tiefgehende Einsichten und Wahrheiten, die sich aus dem großen Erfahrungsschatz des Menschen Antunes speisen.
Aus diesem Fundus ist die "Chroniken"-Reihe entstanden, eine Sammlung aller für eine Tageszeitung verfassten Beiträge. Der hier vorliegende dritte Band zeugt von Antunes gewachsener Reife, mit den alltäglichen Dingen und Erinnerungen so umzugehen, dass sie sich für ihn im Alter als Gewinn erweisen. Und vielleicht könnte man es so formulieren, obwohl sich der Kitsch darin förmlich aufdrängt, aber es ist auch immer ein Stück Wahrheit in diesem Begriff: Altersweisheit ist das, was man mit ihm bei der Lektüre dieses Bandes teilen kann und das ist wirklich ein Mehrwert, den nicht viele Bücher vermitteln.
Man kann, ohne etwas von Antunes gelesen zu haben, auch mit den Chroniken beginnen und diesen Schriftsteller kennenlernen. Vielleicht sogar der beste Weg, ihm näher zu kommen. Enttäuscht wird man von keinem seiner Bücher, ein so wortgewandter und begnadeter Schreiber ist in diesen Zeiten selten geworden. Nur Mut, liebe Leser, gönnen Sie sich eine Neuentdeckung.

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Wachsen Ananas auf Bäumen?

Harald Martenstein , Jörn Kaspuhl
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei btb, 11.11.2013
ISBN 9783442746873
Genre: Romane

Rezension:

Ach nö, jeder schreibt was über seine Kinder. Muss man nicht lesen. Doch, wenn der Autor Martenstein heißt, dann lohnt sich der Blick ins Buch und - man bleibt natürlich dabei. Es sind Geschichten, jede einzelne eine Station vom Baby zum Erwachsenen und vor allem sind es Geschichten, die sich um das Elternsein drehen. Mit dem üblichen Humor, aber auch feinem Gespür für die sensiblen Zwischentöne erzählt Martenstein Episoden aus dem Leben mit dem "Kind" und was es aus ihm, dem Vater gemacht hat. Das ist teilweise rührend, aber auch ein wenig weise und durchdacht, es ist ein Denkanstoß, wohin eine Gedankenreise um die Erziehung und Entwicklung der lieben Kleinen gehen kann.
Es ist auch ein nachdenkliches Buch, denn Martenstein profitiert von der Entwicklung seines Kindes genauso viel, wie umgekehrt und das sollte schon fast ein Idealzustand sein.
Der Autor macht fast Lust auf die Elternschaft. In jedem Fall hat er seinem Werk wieder ein schönes Buch hinzugefügt, eines, das man in bestimmten Situationen vielleicht gerne zur Hand nimmt und seufzt: "Ach ja, eigentlich alles ganz normal ...."

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213 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

thriller, insel, psychiatrie, schizophrenie, wahnsinn

Shutter Island

Dennis Lehane , Andrea Fischer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.02.2010
ISBN 9783548281247
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Geschichte von Shutter Island, der Insel für die Betreuung und Verwahrung schwerer psychischer Fälle, ist hinlänglich bekannt und auch verfilmt worden. Das Buch zeigt Lehanes ganze Klasse, eine Spannung zu schaffen, die bis zum Ende buchstäblich zum Zerreißen ist. Vor allem dieses Ende und die Auflösung ist ein Geniestreich und katapultierte den Autor an die Spitze der Krimiliga.
Diogenes wirbt bei seiner Neuauflage mit neuer Übersetzung. Das lässt sich natürlich nur im direkten Vergleich bewerten und dürfte auch nur für die Hardcore-Fans von Interesse sein. In meiner Ausgabe habe ich allerdings mindestens drei Druckfehler entdeckt, die meiner Meinung nach aufgefallen sein müssten.

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67 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

paris, terroranschlag, bataclan, trauer, anschlag

Meinen Hass bekommt ihr nicht

Antoine Leiris , Doris Heinemann
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 09.05.2016
ISBN 9783764506025
Genre: Biografien

Rezension:

Antoine Leiris war einer derjenigen, die beim Anschlag vom 13.November 2015 auf das Pariser Bataclan einen engen Angehörigen verloren hat, seine Frau und die Mutter des 17 Monate alten Sohnes. In einer aufwühlenden Facebook-Mitteilung hat er sich an die Verantwortlichen gewandt mit einer bewegenden Mitteilung: "Meinen Hass bekommt ihr nicht" und er hat damit das Einzige getan, was man dieser verabscheuungswürdigen Tat entgegensetzen kann, nämlich die Verweigerung des Erfolges für die Attentäter.
Seinen Schmerz, seine Ohnmacht, seinen Verlust und die Sorge um seinen Sohn hat er in einer Art Tagebuch der darauffolgenden zwölf Tage niedergeschrieben. Noch nie habe ich ein derartig tiefgehendes und menschliches Plädoyer für die Liebe und die Loylaität nach dem Tod gelesen. Diese enorme Willensstärke, die richtigen Worte zu finden und die Kraft zu haben, diese dann niederzuschreiben, eigentlich alles zwei, drei- oder mehrmals nachzuerleben, kann keinem noch so versierten Schriftsteller gelingen. Hier beweist sich wieder die unbändige Kraft, die Worte haben können, wenn sie tief aus dem Inneren kommen, ohne Kalkül und ohne Tricks. Dieses schmale Büchlein hat das Leben geschrieben, so dramatisch es auch ist, so be- und anrührend, so zutiefst emtional, dass es wohl jeden betroffen macht.
Es ist der schönste Grabschmuck, dem man einem geliebten Menschen schenken kann, es ist der Ausdruck all dessen, was man an Positivem entwickeln kann und das genaue Gegenteil von dem Gift, das die menschenverachtenden Wesen versprühen, die alles versuchen, um diese Stützpfeiler der gemeinsamen Existenz zum Einsturz zu bringen.
Dieses Buch sollten so viel wie möglich von denen lesen, die sich  teilnahmslos von der negativen Entwicklung der Menschen einfach aus ihren Verpflichtungen stehlen, nämlich die Welt zu einem Platz zu machen, auf dem die Rohheit, die Gewalt und die Ignoranz keine Chance haben.
Ich wünsche dem Autoren vom ganzen Herzen einen immer angemessenen Umgang mit dem Erlebten, wie immer das auch aussehen mag. Ich wünsche dem Sohn Melville, dass er das Gedankengut von seinem Vater erbt und ich wünsche mir, dass die Menschen die wenigen Chancen, die sie noch haben, um sich nicht weiterhin selbst zu zerstören, nutzen würden.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Paradise Ost

Jo McMillan , Susanne Höbel
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.03.2016
ISBN 9783550081071
Genre: Romane

Rezension:

Ende der 70er erfüllt sich für die überzeugte Kommunistin Eleonore der Wunsch, in die DDR, das Land mit dem ihrer Meinung nach überzeugenden Sozialismus zu reisen. Zusammen mit ihrer Tochter Jess führt sie im beschaulichen englischen Tamworth ein Schattendasein, weil sie die Einzige mit einer so ausgeprägten politschen Meinung ist. Ihre Aktivitäten können sich nur auf das Verkaufen des kommunistischen Blattes "Morning Star", sowie der Betreuung einer Mikrogemeinde beschränken. In der DDR blüht Eleonore auf, während Jess im Laufe der Jahre, in denen sie regelmäßig an Sommercamps teilnehmen, schon bald die Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis erfährt. Nicht zuletzt auch durch eine Liebesaffäre zwischen ihrer Mutter und einem ostdeutschen Lehrer.
Jo McMillan hat in diesem Buch wohl auch biografische Erfahrungen verarbeitet. Was anfangs sehr interessant scheint, die Umsiedlung in die "andere Richtung" , von West nach Ost, verliert im Laufe des Romans den Hauptaspekt dieser Geschichte, denn die Autorin verliert sich in Nebensächlichkeiten, hält sich zu lange an Nebenschauplätzen auf und scheint sich nicht ganz darüber im Klaren zu sein, was ihr wichtiger ist, die Schwierigkeiten auf der politischen Bühne mit seinen Differenzen zwischen Theorie und Praxis, oder die Beziehung von Mutter und Tochter. Dadurch entstehen Längen, die den Leser immer wieder davon abhalten, selbst Stellung zu beziehen. Viel zu wenig geht McMilan auf die damalige Realität des "Arbeiter- und Bauernstaats" ein, viel zu selten nennt sie die Dinge beim Namen, schildert Repressalien und die wirklichen Probleme. Alles wird teilweise nur angedeutet, vieles bleibt in einem Nebel. Der Wechsel zwischen englischer Heimat und dem begehrten Leben im Sozialismus erfährt keinesfalls eine Spannung, die zu irgendwelchen Entscheidungen führt. Alles bleibt ein wenig schwammig und verliert sich in zu deutende Abschnitte.
Das Ende, das eigentlich beide Hauptpersonen mit ihren Entscheidungen und den daraus folgenden Konsequenzen herausarbeiten soll, gerät zu oberflächlich, zu wenig hinterfragt, als dass es für einen versöhnlichen Abschluss reicht. Schade, denn der Stoff wurde noch nicht häufig für einen Roman verwendet, hier ist er nicht kräftig und nachdrücklich genug verarbeitet.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

mybooks2016, österreich, krimi

Polivka hat einen Traum

Stefan Slupetzky , , ,
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 19.12.2014
ISBN 9783499266546
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Slupetzky, eigentlich ja ein bekannter Kinder-und Jugendbuchautor, geht auch weiter ins Krimimilieu. Nachdem er den eigenwilligen und großartigen Lemming erschaffen hat, kommt nun Polivka, ein recht grantelnder und eigensinniger Ermittler aus Wien. Der hat es mit einem vermeintlichen Unfall im Zug zu tun, doch für ihn ist klar, dass es sich um Mord handelt. Es gibt auch eine Zeugin, die er im Bahnhof aufspürt, die jedoch die Flucht ergreift. Das ist für ihn Bestätigung seiner These und weitere Nachforschungen ergeben, dass das nicht der einzige "Unfall" mit diesem Muster in Europa war. Der starrköpfige Polivka macht sich trotz Verbot von oben auf die Reise durch Europa, um die Fälle zu untersuchen - und landet in einem Sumpf politischer und wirtschaftlicher Kriminalität.
Der typisch wienerische Charakter des Polivka ist sicher einer der Gründe, diesen Polizisten sofort irgendwie gerne zu haben. Es ist aber auch seine Aufrichtigkeit und Unbestechlichkeit, keineswegs mit Heiligenschein dargestellt, die überzeugen. Das Menschliche bekommt Slupetzky genauso nahe hin, wie die abstoßende Seite der Macht und den Charakter des "Fürsten", der hier die hässliche Fratze unserer turbokapitalistischen Grundhaltung verkörpert. Der Autor bringt fast spielerisch die Mechanismen des heute üblichen Machtmissbrauchs in den Roman mit ein, allerdings so nachdrücklich, dass es beim Lesen einen Schauer der Empörung über das geistige Rückgrat jagt. So hat denn Slupetzky nicht nur einen großartigen Krimi geschrieben, dem es an nichts fehlt, sondern er hat auch stellenweise dokumentarisch die Mechanismen der Macht offengelegt. Dadurch wird dieses Buch mehr als nur ein gelungener Krimi. Betroffenheit und Wut sind selten beim Lesen in diesem Genre. Der nicht ignorante Leser wird dem ausgesetzt und das ist eine große literarische Leistung.

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15 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

portugal, lissabon, antónio lobo antunes, angola, der judaskuß

Der Judaskuß

António Lobo Antunes , Ray-Güde Mertin , António Lobo Antunes
Flexibler Einband: 206 Seiten
Erschienen bei btb, 07.08.2006
ISBN 9783442733903
Genre: Romane

Rezension:

Lobo Antunes ist wohl Portugals sprachgewaltigster Schriftsteller, seine Wortkaskaden lassen dem Leser Bilder voller Vielfalt und Emotionen vor dem geistigen Auge erscheinen. Es ist sein Stil, der ihn unverwechselbar macht und der es immer wieder schafft, sein Publikum so nah wie nur möglich an Gefühlsebenen heranzuführen. Gerade wenn es um so sensible Themen geht wie in diesem Buch, das eigentlich nur ein Monolog ist, denn in einer Lissaboner Bar erzählt ein Betrunkener seiner zufällig von ihm zur Begleitung auserkorenen Herzensdame für eine Nacht seine Geschichte. Die Geschichte von 27 Monaten, die er in Angola im Krieg für Portugal verbracht hat, einem nutzlosen, grauenvollen und erniedrigenden Krieg für alle Seiten. Er stellt nicht nur das Kolonialsystem selbst in Frage, sondern klagt die unglaublichen Greueltaten an, die aus ihm und den Soldaten menschliches Treibgut gemacht haben. Er redet und redet ohne aufzuhören, alle Schattierungen der Emotionalität von wütend-aggressiv bis zärtlich-melancholisch durchläuft er, unversöhnlich gegen sich und auch gegen seine Begleiterin, die er letztendlich mit in seine Wohnung nimmt, um der Selbstzerstörung dieser Nacht auszuweichen, seiner Einsamkeit etwas entgegenzusetzen und mit oberflächlichem Sex und Alkohol Stunden der Erholung zu gewinnen. Dass es ihm auf keinen Fall gelingen wird, diesen Krieg aus sich herauszubekommen, weiß er, doch die Verzweiflung treibt ihn in die Situation, sich wenigstens für kurze Zeit daraus befreien zu können, um die Nacht zu überleben und nicht die Einsamkeit das tun zu lassen, was keine Kugel geschafft hat.
Dieses Werk machte Antunes in Portugal populär, es war in erster Linie ein Skandal in der einst so erfolgreichen Kolonialmacht, es war aber auch ein Plädoyer für die, die in diesem Krieg ihr Leben verloren haben und damit auch den Anfang für den Schlussstrich unter das gesamte Kapitel der Koloniamacht gezogen haben.
Antunes' Sprache ist einmalig, selten kann ein Autor offensichtlich so mühelos durch Worte so lebendge Bilder zeichnen. Ein großes Werk, denn es hat Bestand, die Kriege unserer Zeit und die damit verbundenen menschlichen Schicksale sind immer noch dieselben, nur das sie anderswo stattfinden. Man sollte mit der Empfehlung "Pflichtlektüre" vorsichtig sein, schaden kann diese Lektüre sicher  niemandem. Die Leute, für die es Pflicht sein sollte, Bücher wie dieses zu lesen, werden dann doch eher zu etwas "Hochgeistigem" greifen.

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87 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 42 Rezensionen

krimi, kopenhagen, dänemark, mord, autonome

Unruhe

Jesper Stein , Patrick Zöllner
Flexibler Einband
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.11.2013
ISBN 9783462045796
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Axel Steen, ein sehr eigenwilliger und wahrheitsliebender Ermittler in der Kopenhagener Mordkommission muss sich um einen Fall kümmern, der sich während innerer Unruhen im Autonomenviertel ereignet hat. Erst sieht es so aus, als wäre das Opfer von Polizisten ermordet worden, doch dann schalten sich Geheimdienst und höhere Ebenen ein. Die hartnäckige Art seiner Ermittlungen bringen Steen in Schwierigkeiten.
In Dänemark ein Bestseller, wurde auch hierzulande viel Wirbel um das Buch gemacht. Der Ermittler Steen ist aber beileibe nicht so ein "besonderer" Typ, natürlich ist auch er mit einigen kleinen Macken ausgestattet, getrennt von seiner Frau lebend und leidend, die geliebte Tochter nicht oft genug sehen zu können. Aber sonst eben ein kantiger Geradeaustyp, wie wir ihn oft im Ermittlungsmilieu antreffen.
Der Autor war Kriminalreporter und genauso schreibt er. Sehr dokumentarisch und methodisch, er betritt von Anfang an ein Spannungslevel, das er bis auf ein paar Ausreisser, wo das Weiterlesen zwingend wird, nicht verlässt. Das schafft Längen, obwohl unter dem Strich ein gelungenes Werk herauskommt, das in seiner Gesamtheit überzeugen kann. Wer Stein aber als den dänischen Ken Bruen bezeichnet hat (Werbung), dürfte von diesem noch keine Zeile gelesen haben. Schlüssig, aber verzichtbar und in der Werbung  und Kritik hoffnungslos überbewertet. Gesunder Durchschnitt.

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73 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

atombombe, südafrika, latrine, ingenieur, schweden

Die Analphabetin, die rechnen konnte

Jonas Jonasson , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Penguin, 01.08.2016
ISBN 9783328100157
Genre: Romane

Rezension:

... kommt einem Jonasson nach der Lektüre seines Zweitwerkes vor, denn er hat nichts an seinem Erfolgsrezept geändert. Das wird ihn hoffentlich nicht die Originalität kosten, wie etwa seinem Kollegen Paasilinna nach seinem etwa zehnten Buch.
Nombeka, eine Waise die im Slum von Südafrika aufegwachsen ist, stellt sich als kleines mathematisches Genie heraus. Als sie mit 15 überfahren wurde, kam sie in die Obhut eines Ingieneurs, der Südafrika zu einer Atombombennation machen soll. Nur das er nicht der Schlaueste war und da springt die wiedergenesene und nun in diesem Werkslager internierte Nombeka ein und entfaltet alle ihre Fähigkeiten. Das geht so weit, dass sie nach einigen Jahren unfreiwillig die Geschicke der Welt in ihren Händen hält. Jedoch nicht allein, denn im anderen Teil der Welt, in Schweden, wächst das Zwillingspärchen Holger und Holger heran, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Verirrungen und Verwirrungen führen Nombeka und die Zwillinge zusammen, eine gemeinsame Zeit der irrwitzigsten Verwicklungen und Ereignisse reihen sich aneinander.
Jonasson hat schon mit seinem Debut seinen eigenen Stil entwickelt und den führt er konsequent fort. Das ist immer noch originell und humorvoll, doch man spürt schon die Längen und die Vorhersehbarkeit einiger Sequenzen. Er hat es trotzdem geschafft, den Unterhaltungswert des Buches auf einem hohem Level zu halten.
Wie eingangs erwähnt, könnte auch Jonasson in dieselbe Falle laufen wie der Finne Paasilinna und auch der brilliante Sharpe war zum Schluss nicht mehr so frisch und überraschend wie in seiner Anfangsphase.
Doch das wird Jonasson nicht interessieren, denn wenn man seinen Büchern eines entnimmt, dann das, dass er Spaß am Schreiben hatte und es gibt noch nichts, was auf Ermüdung schließen lässt. In diesem Fall kann sich auch der Leser vorbehaltlos auf die Stories einlassen und sich, ja, grenzenlos amüsieren.

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Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen

Frank Schulz , any.way
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 22.07.2016
ISBN 9783499271694
Genre: Romane

Rezension:

Der sehr symphatische aber nicht gerade erfolgreichste Privatdetektiv Hamburgs wird von einem seiner besten Freunde als Leibwächter für dessen exzentrischen Vetter Donald für die Dauer einer einwöchigen Kreuzfahrt vorgeschlagen. Dass das kein psychologisch sinnvolles Dreamteam ergibt, liegt auf der Hand, denn Vetter Daniel bildet sich eine brennende Liebe zur Sängerin des Kulturprogramms ein und Onno leidet noch immer an einer posttraumatischen Belastungsstörung aus seinem letzten Fall. So ist das temporäre Zusammenleben auf dem Kreuzfahrtschiff eine Aneinanderreihung von extremen Stimmungsverläufen, denen auch noch einer kräftige Dosis Alkohol beigemischt wird. Das Ereignis, das die Reise und die Zweisamkeit ganz schnell beendet, ist der Beginn eines dramatischen Finales.
Frank Schulz hat ja nicht nur mit seiner Hagener Trilogie sein eigenes Genre geschaffen, sondern auch Onno wusste im ersten Band zu begeistern. Der pointensichere Wortakrobat Schulz überzeugt auch hier wieder mit dem verliebten Jonglieren von Worten und Sätzen, die so großartig und einmalig in der jüngeren deutschen Belletristik Stimmungen erzeugen können. Sein Onno wächst ans Herz und die Dramatik am Ende lässt den Leser vor Rührung und Spannung mitfühlend aufseufzen. Was ist das alles glaubhaft und menschlich! Erleichterung macht sich breit, denn dieser Tage erschien der dritte Band, Onnos Geschichte geht weiter.

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Die Lage des Landes

Richard Ford ,
Flexibler Einband: 688 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 18.12.2015
ISBN 9783423144438
Genre: Romane

Rezension:

Frank Bascombe begegnet uns im letzten Teil dieser Trilogie als etablierter Immobilienmakler. Von seiner zweiten Frau noch nicht geschieden und emotional alles andere als abgenabelt, ist er als 55jähriger mit einem behandelbaren Prostatakrebs und seinen zwei nicht gerade unkomplizierten Kindern beschäftigt. Auch seine erste Ehefrau und Mutter seiner Kinder taucht wieder auf und immer noch gehört er zu denen, die die Immobilienbranche als Dienstleistung für den Kunden verstehen.
Aber das ist nur die Rahmenhandlung, die, wie schon in den beiden Teilen davor, die Geschichte des Menschen Frank erzählt und ihm die Gelegenheit gibt, sein Leben zu reflektieren und zu hinterfragen, um das Beste für sich und vor allem für andere herauszuholen.
Es gibt fast keine Worte dafür, wie es Ford gelingt, so viel Klugheit, Inhalt, emotionale Weite und, nennen wir den Bastard beim Namen, Lebensweisheit zu vermitteln. In allen drei "Frank"-Phasen, als 35,45 und hier als 55jähriger findet man unzählige Gedanken und Erlebnisse, die man selbst in diesen Altersstufen durchlaufen hat, dass man fast jeden zweiten Absatz mit der roten Farbe des Erkennens anstreichen möchte. Doch im Gegensatz zum "Nur-Erkennen" denkt Ford all das zu Ende, was man vielleicht selbst als zu kompliziert oder umfassend bezeichnen würde. Er macht das immer im richtigen Tonfall, mal sarkastisch und humorvoll, dann sachlich nachfragend oder melancholisch, gibt auch zu, dass es nicht möglich ist, allem die richtige Wendung zu geben.
Mit dem Erreichen des letzten Lebensviertels, der Sorge um die Kinder und dem Umgang mit seiner Krebserkrankung lässt er Frank ein neues Lebensmodell erfinden, die Permanenzphase, in der mit der Vergangenheit abgeschlossen und nur für die Gegenwart gelebt wird. Dass das eine erstrebenswerte Variante ist, um "nächste Schritte" zu machen, beschreibt Ford genauso klug, wie er auch Frank wie selbstverständlich ab und zu in eine Falle laufen lässt, die diese ganze Phase auch in Frage stellen kann.
Es gibt in der Literatur der letzten 100 Jahre meines Wissens niemanden, dem es gelungen ist, in drei Werken so viele Fragen des Lebens so undogmatisch angegangen zu sein, wie es dieser Frank getan hat. Nicht nur deswegen, sondern auch wegen seinem unstreitbaren schriftstellerischen Könnens wäre eine Nobelpreisnominierung für diesen Autor eigentlich schon länger zu erwarten gewesen.
Mittlerweile gibt es sogar noch eine Fortsetzung der "Frank"-Reihe, eine Episodensammlung, die den nächsten Abschnitt in Franks Entwicklung erfasst. Auch darauf darf man sich wohl uneingeschränkt freuen.

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Das Umkehrspiel

Antonio Tabucchi , Karin Fleischanderl , Dagmar Türck-Wagner
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.2001
ISBN 9783423128513
Genre: Romane

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überschwemmung, new orleans, syrien, hurrikan katrina, katrina

Zeitoun

Dave Eggers , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2012
ISBN 9783462044195
Genre: Romane

Rezension:

Dave Eggers hat mit seinem letzten Buch "The Circle" weltweit einen Bestseller gelandet, aber sein Meisterwerk hat er schon mit "Zeitoun" abgeliefert. Mit diesem Roman wurde das Genre des Tatsachenromans um ein Werk bereichert, das alle Ingredienzen hat, um übergreifend die Leserschaft zu begeistern.
Es handelt sich um die Geschichte der Familie Zeitoun und das Leiden des Vaters und eingewanderten Syrers Abduhlraman vor und nach dem Wirbelsturm Katrina in New Orleans. Ausführlich und sorgfältig recherchiert und unter Mithilfe der gesamten Familie berichtet es vom Martyrium des Aduhlraman, der die Stadt während des Hurrikans nicht verlässt, seine Familie in Sicherheit weiß, auf seinen Besitz aufpasst und hilft, wo er nur kann. Als verdächtige Person mit islamischen Background wird er plötzlich verhaftet und unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten und misshandelt. So wie ihm ergeht es Hunderten von in der Stadt Verbliebenen, die ohne Grund, ohne rechtlichen Beistand, richterliche Verfügung oder Anhörung und Anklageerhebung in "Gewahrsam" genommen werden. Es beginnt ein nervenaufreibender Kampf der Familie um die Freilassung von Zeitoun.
So einen Plot könnte man gar nicht erfinden und die Tatsache, dass es sich hier um eine wahre Begebenheit handelt, lässt verzweifelte Wut und Ohnmacht aufkommen. Das also ist jederzeit möglich in den USA und es kommt einem bekannt vor, so und nicht anders spielt sich heute noch das Drama von Guantanamo ab. Die Staatsmacht als Vergewaltiger aller menschlichen Grundrechte.
Eggers muss sich nicht besonders um Spannung bemühen, die liegt in der Natur der Sache und der Kampf gegen Bürokratie und Missbrauch der Gesetze kann so auch überall in der sogenannten "freien Welt" stattfinden. Auch in diesem Land, wer hätte nicht schon einmal Bekanntschaft mit den trägen Mühlen des Gesetzes gemacht?
Doch im vorliegenden Buch geht es um mehr. es geht auch um den Kampf, an dieser Willkür nicht individuell zu zerbrechen. Da dürfte Zeitoun eher der Einzelfall sein, ein Einschnitt im Leben des Einzelnen von diesem Ausmaß ist kaum ohne langfristige Schäden zu ertragen. Aber auch in der Familie hinterlässt diese Zeit ihre Auswirkungen.
Dave Eggers kann man nur danken, dass er diese Schilderung des Falles gewählt hat, denn so erreicht er eine größere Öffentlichkeit als es eine gewöhnliche Dokumentation geschafft hätte. So beklemmend dieses Buch auch ist, so großartig ist seine schriftstellerische Leistung. Und seine Motivation. Denn sämtliche Erlöse dieses Buches gehen an eine Stiftung, die sich um den Aufbau von New Orleans unter sozialen Gesichtspunkten kümmert. Die einzelnen Hilfsorganisationen sind im Anhang mit ihren Funktionen genannt. Transparent und für jeden nachvollziehbar. So umfassend kann ein literarisches Projekt sein. Nicht nur inhaltlich eine großartige Angelegenheit, sondern auch ein Beweis dafür, was das geschriebene Wort alles bewegen kann.

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Tags: machtmissbrauch, new orleans, staatsmacht, willkür   (4)
 

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musik, bruce springsteen, liebe, humor

Was würde der Boss tun?

Dominik Schütte
Flexibler Einband: 232 Seiten
Erschienen bei Piper, 22.02.2011
ISBN 9783492054133
Genre: Romane

Rezension:

Tom, schon leicht über 30, ist beinharter Springsteen-Fan. Mit allen Symptomen, die ein richtiger Fan haben muss. Und er hat Anna, da ist er auch Fan und weiß, dass es die Richtige ist, nur ob er sie heiraten muss, mit allen Konsequenzen, das ist noch die Frage. Also bleibt ihm nur eine Möglichkeit: Er muss nach New Jersey, seinen Bruder besuchen und ganz nebenbei den Boss zu diesem Thema befragen, denn der ist Spezialist, wie seine Texte unschwer beweisen. So macht sich Tom auf, um die Antwort zu bekommen, die sein Leben verändern kann.
Vom Fan für die Fans, leichte Kost mit einigem an Melancholie und einer gehörigen Roadmovie-Romantik. Schön zu lesen, flockig und leicht und - das sei vorweg verraten - ohne gemeuchelter Freundin oder drogengeschwängerten Endzeitstimmung. Wartezimmerlektüre.

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tod, griechenland, komponist, amsterdam, musik

Luzifer

Connie Palmen , Hanni Ehlers
Flexibler Einband: 413 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.02.2010
ISBN 9783257240153
Genre: Romane

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Der Blick aus dem Fenster

Hartmut Lange
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.08.2015
ISBN 9783257069532
Genre: Romane

Rezension:

Das Werk des Hartmut Lange ist umfangreich und er hat auch verdientermaßen zahlreiche Auszeichnungen dafür bekommen. Es gibt nicht viele deutsche Autoren, die es zu so einer Meisterschaft in der Kurzform, also der Erzählung, Novelle und Kurzgeschichte gebracht haben. Natürlich ist es ein Klischee, würde man Lange jetzt mit einem guten Wein vergleichen, der im Alter immer besser wird, aber trotzdem hat man den Eindruck, dass er sich von Buch zu Buch einer noch größeren Qualität verpflichtet fühlt. Es ist schon seit langem schwierig, von Lange eine misslungene Geschichte zu finden und noch schwieriger ist es, ihn beim Verfassen überflüssiger Sätze zu ertappen. Er beherrscht das Handwerk nicht nur, sondern was viel wichtiger ist, er weiß es kompetent einzusetzen.
So braucht er nur 100 Seiten, um acht Geschichten in Szene zu setzen, ohne dass man als Leser einmal das Gefühl hat, dass eine dieser Geschichten nicht richtig beendet oder ausgeschrieben wurde. Die Erzählungen enden eben da, wo der Autor sie enden lässt, ohne dass sich Fragen stellen. Denn Lange erzählt von den "unmöglichen" Dingen, von Sehnsüchten, von Begegnungen mit dem Bösen, von Seelenbefindlichkeiten, die so schwierig in Worte zu kleiden sind.
Dieses Mal führen ihn seine Episoden nach München, Hamburg, an die Ostsee und nach England, allerdings auch immer wieder nach Berlin, das sein Lebensmittelpunkt ist. Und immer hat man die Szenerien, die Orte und die Stimmungen vor dem geistigen Auge, in denen sich Langes Figuren bewegen, scheitern, verlaufen oder in einsamer Ratlosigkeit dem Schicksal ergeben.
Dieser Autor ist ein Ausnahmetalent, sein Gefühl für die Geschichte, seine Wortwahl und sein Stil, fast ein wenig konservativ, können immer wieder begeistern. Lieber eine seiner Geschichten als drei 800-Seiten Monster von sogenannten Jungliteraten, die außer ihrer manchmal rätselhaften Motivation zum Schreiben nichts Substantielles in die Waagschale werfen können.
Wer also bereit ist, sich auf die Welt des Hartmut Lange einzulassen und sich beim Lesen die Zeit nimmt, die er auch auf ein gutes Glas Wein verwenden würde, dem steht ein großartiges Lesevergnügen bevor.

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krimi, hercule poirot, england, mord, privatdetektiv

Das Eulenhaus

Agatha Christie , Pieke Bierman , Pieke Biermann
Flexibler Einband: 221 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 07.10.2011
ISBN 9783596167623
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auf dem Anwesen von den Angkatells findet man am Pool die Leiche des ebenfalls an einem Wochenendtreffen teilnehmenden Arztes Dr. Christow. Daneben steht seine Frau mit einem Revolver in der Hand. Aber auch Herucles Poirot kommt genau in diesem Moment dazu und soll nun seine Schlüsse daraus ziehen. Vorher muss er sich allerdings durch ein sehr kompliziertes Familiengefüge manövrieren.
Eigentlich ist das ein untypischer Christie. Zwar gibt es einen Mord, dessen Aufklärung natürlich oberstes Gebot ist, aber im Vordergrund stehen die Liebesgeschichten der Familie, ein munteres Hin und Her, die Vergangenheit und Erinnerungen an die Kindheit. Eigentlich mehr ein Liebesroman oder kleine Familiensaga als ein Krimi. Deswegen scheint so manches Mal auch Poirot ein wenig deplaziert, denn er fungiert in erster Linie als Zuhörer. Die Aufklärung des Falles entwickelt sich ganz gut alleine aus der Geschichte.
Sicher ein interessanter Roman aus dem Christie-Schaffen, denn hier sind menschliche Komponenten die Hauptzutaten. Fast romantisch, mit einem gewissen Pilcher-Flair, lesen sich die Herbstimpressionen vom Lande und auch die Tiefe der Liebesbeziehungen haben ihre eigene Dramatik.
Agatha Christie selbst gab zu, dass sie Poirot in diesem Werk als manchmal störend empfand und für die Londoner Theaterbearbeitung hat sie ihn komplett gestrichen.
Anders und gerade deshalb empfehlenswert.

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