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5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Toscana mia

Robert Gernhardt , Kristina Maidt-Zinke
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 12.05.2011
ISBN 9783100255129
Genre: Romane

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Der Abgrund des Endlichen

Hartmut Lange
Fester Einband: 125 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 22.09.2009
ISBN 9783257067156
Genre: Romane

Rezension:

Hartmut Lange bleibt sich treu. Seine Novellen haben nur selten etwas Revolutionäres oder Experimentelles und das ist durchaus positiv gemeint, denn auf diesem Gebiet ist der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller wohl eine Ausnahmeerscheinung. In immer gleich guter Qualität schreibt er über die Suche der Menschen nach ihrer Bestimmung oder ihrem Standort. Vielleicht auch nach dem Glück in ihrem kleinen privaten Kosmos. Manchmal wirkt das ein wenig mystisch, doch immer klar und nachvollziehbar. Das liegt auch an dem Stilisten  Lange, der es schafft, den Eindruck zu erwecken, gerade in Einzelheiten ausufernd zu schreiben, wo man dann aber am Ende der Geschichte feststellen muss, dass es kein Wort zu viel gab. Lange ist der Meister des verbalen Gleichgewichts, seine Faszination erreicht er durch die Inhalte und deren Verarbeitung.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

hermann hesse, literaturnobelpreisträger/in, themenband

Mit der Reife wird man immer jünger

Hermann Hesse , Volker Michels , Volker Michels , Volker Michels
Flexibler Einband: 148 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 12.03.2002
ISBN 9783458345572
Genre: Romane

Rezension:


In der schön aufgemachten Reihe der Insel-Taschenbücher mit Hesse-Texten zu Schwerpunktthemen, sticht dieser Band heraus. Denn das Publikum wird zweigeteilt sein. Zum einen die Jüngeren, die sich für den Komplex des Älterwerdens interessieren und ihn, und das liegt in der Natur der Sache, nicht nachvollziehen können, zum anderen werden sich die älteren Semester an der Literatur erfreuen können, denn kein anderer wie Hesse verstand es, dem Prozess des Älterwerdens nicht nur die Würde zu verschaffen, der ihm innewohnt, er spricht auch in klaren Worten das aus, was viele Ältere empfinden oder auch gerne in dieser Form wahrnehmen möchten. Dass das Alter kein Feind ist, genauso wenig wie der Tod und dass die Gelassenheit, sich aus der immer schneller werdenden Lebensmühle langsam herauszuwinden, nicht nur die letzte Lebenszeit als gleichwertige Etappe erleben lässt, sondern auch mithilfe der Erinnerungen ein großes Reservoir von Gefühlen bereithält. Hesses Anmerkungen, Texte und vor allem die Gedichte zeigen ihn als Angekommenen, als jemanden, der Erfahrungen zulässt, um sich nicht in die große Leere der letzten Tage zu begeben. Deshalb sind seine Texte auch für die jüngeren Leser ein Gewinn. Es geht nicht um die Weisheit, die man im Alter erlangt, es geht um den Weg und die Entscheidungen, die man im Laufe des Lebens treffen muss.
Der gebundenen Ausgabe dieses Buches liegt eine CD bei, von Hesse selbst gesprochen. Wer das Glück hat, Buch und CD noch zusammenzusehen, der sollte unbedingt zugreifen.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der gute Ton

Loriot ,
Fester Einband: 89 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 22.02.2005
ISBN 9783257510096
Genre: Humor

Rezension:

Dass Loriot unvergessen bleibt, ist ein guter Fakt. Was hat uns dieser Mann nicht alles geschenkt. Und was konnten und können wir nicht alles von ihm lernen. Gutes Benehmen zum Beispiel. Die wichtigsten Regeln hier zusammengefasst in einem kleinen Büchlein, dass in jede Westentasche passt (nein, meine Herren, nicht in den Ausschnitt Ihrer Tischdame) und bei Bedarf benutzt werden kann und sollte. Denn, die Regeln sind allgemeingültig und zeitlos. Das werden Sie feststellen, wenn Sie mal auf das Datum des Erscheinens schauen: 1957. Wenn Sie die Lektüre nachschlagen, dann wird Ihnen auffallen, dass die Beispiele, die mit "falsch", also schlechtem Benehmen, ausgezeichnet sind, auch heute noch in einer fast penetranten Weise auftreten. Es hat sich also nichts geändert, im Gegenteil, man wird sehen, dass schlechtes Benehmen in diesen Tagen sogar schon der kulturelle Normalfall geworden ist. also lesen Sie aufmerksam und versuchen Sie das zu retten, was noch übrig ist, von einem guten und angemessenen Benehmen in der Gesellschaft. Sie können aber auch gerne ein paar Trockenübungen zu Hause vor dem Spiegel machen. Loriot hat mit seinen ausgezeichneten visuellen Darstellungen dafür gesorgt, dass die Phrase "Ich hab' das nicht verstanden" keine Ausrede mehr sein kann.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das Lavendelzimmer

Nina George
Fester Einband
Erschienen bei Knaur, 01.02.2017
ISBN 9783426654224
Genre: Romane

Rezension:


Der Buchhändler Jean Perdu, der auf seinem Bücherschiff eine "Literaturapotheke" betreibt, ist nur in seinen Büchern verhaftet. Vor 21 Jahren verließ ihn seine große Liebe Manon. Alles was blieb, war ein verschlossenes Zimmer in seiner Wohnung. Dort drin ein Brief, den er nie zu lesen wagte. Bis zu diesem Sommer, in dem er Hals über Kopf die Leinen seines Schiffes losmachte, um eine Reise in die Vergangenheit zu machen.
"Das Lavendelzimmer" ist ein riesiger Publikumserfolg geworden und wenn man es gelesen hat, dann weiß man warum, denn George hat genau die Zutaten angerührt, die der Leser haben will. Liebe, Gefühl, Natur, blühendes Land und türkisfarbenes Meer, Freundschaft und wenn möglich noch das Happy-End. Damit könnte man es hier bewenden lassen, doch man muss erwähnen, dass George schreiben kann und genau aus diesen Zutaten genau so ein Stück macht, dass den Leser fesselt, ihn hält und zu Gefühlsregungen verführt. Sei es die Tränen der Rührung, die Spannung der wieder jung Gewordenen oder einfach nur die Neugier des Weisheiten Suchenden. Um diese Komposition hinzubekommen, muss man Talent haben und Georges Erfolg mit weiteren Werken bestätigen dies.
Selbst wenn sie manchmal dann doch ganz massiv in die Kitschkiste greift, sei ihr das vergeben, denn was kann Literatur schöneres bewirken als aktive Teilnahme? Und - Hand aufs Herz - inmitten der vielen Betroffenheitsliteratur und Bergen von komplizierten Romanen, wollen wir nicht ab und zu mal genau so etwas lesen? Wenn dann ein Geschichtenerzähler mit genauso einer Geschichte kommt, dann sind wir doch auch mal so richtig froh.

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204 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

mord, provinzkrimi, krimi, franz eberhofer, rita falk

Dampfnudelblues

Rita Falk
Flexibler Einband: 360 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.10.2014
ISBN 9783423219112
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Sogenannte "Regionalkrimis" oder wie hier "Provinzkrimi", erfreuen sich, warum auch immer, einer stetigen Beliebtheit. Der Markt wurde damit überschwemmt, kein Kaff, das nicht einen eigenen Ermittler hätte. So existiert auch viel Treibgut dabei, so richtige Gewinner gab es nur am Anfang, als die Idee, zumindest hier in Deutschland, neu war. Die Engländer hatten natürlich die Nase vorn, auch die Italiener konnten punkten.
Rita Falk hat schon reichlich Erfahrung und ihr Ermittler Eberhofer ist der Prototyp des Dorfermittlers (Niederkaltenkirchen mit Mittelstadtanschluss), der seine Schäfchen alle kennt, auch schon mal eine Kleinigkeit durchgehen lässt und die Oma im Stau zum Lidl fährt und dabei die Schusswaffe sehen lässt. Eine kleine Romanze hat der gelegentliche Knurrer auch am Laufen, die sich dann wegen seines eigenbrödlerischen Charakters von selbst erledigt. Ein bisschen ist die Figur Komareks Polt angelehnt, ohne allerdings dessen Menschlichkeit, Wärme und Weisheit zu vermitteln. Eberhofer isst auch gern, vorzugsweise Leberkäs, aber auch alles andere, Hauptsache von Oma.
Die Ermittlungen, die er anlässlich des Todes eines ungeliebten Schuldirektors führt, geraten so manches Mal in den Hintergrund, wenn der kiffende Papa oder der cholerische Bruder samt neuer Thai-Frau und Baby auftauchen, auch ansonsten ist das alles nicht so wichtig, natürlich wird der Mord fast nebenbei aufgeklärt und alles ist so, wie erwartet.
Georges Stil ist gewollt kurz, knackig, provinziell eben, alle sind kurz angebunden, alle so dörflich, alles eigentlich so friedlich, man fühlt sich an die Zeiten des Königlich-Bayerischen Amtsgerichts erinnert.
Das ich mich nun "vor Lachen nicht mehr ruhig halten konnte", kann ich nicht behaupten. Das alles ist routiniert geschrieben mit einer humoresken Grundstimmung, die allerdings nicht zum herzlichen Lachen führt, sondern dazu, immer schneller zu lesen.
Federleichte Kost, nicht schlecht (in diesem Genre gibt es sehr viel böseres), aber vollkommen harmlos und nach dem Zuklappen des Buches schon vergessen. Eine Fortsetzung kann man sich sparen. Aber der Erfolg gibt der Autorin recht und das sei ihr gegönnt. Zur rechten Zeit mit dem rechten Buch anzukommen, das muss man auch erst mal schaffen.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Alles im Griff

Martin Suter
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.03.2016
ISBN 9783257243420
Genre: Romane

Rezension:

Mit seinen Business-Class Geschichten hat es Suter zu einigem Ruhm gebracht und es ist ja auch eine gute Idee gewesen, die Managerszene der Schweiz mit ihren Eigenarten mal satirisch aufs Korn zu nehmen. Mittlerweile gibt es gefühlte hundert Bücher, die die kleinen Geschichten bündeln und das Ganze hat sich totgelaufen. So ist auch dieses Büchlein schon des Themas zu viel. Suter schreibt die Geschichten routiniert und auf den Punkt herunter. Das macht er gut und entlockt selbst dem, der alle seine Business-Geschichten kennt, auch ab und zu ein Lächeln. doch irgendwann ist auch gut. Der Unterschied zu den bisherigen Sammlungen ist die Struktur dieses Bandes. Das Personal bleibt nämlich dasselbe (zahlreich) und das Ganze ist wie eine Soap im Vorabendprogramm aufgebaut. Doch ansonsten alles wie gehabt. Der Business-Class Fan wird es lesen und für den Neueinsteiger ist es sogar ein Leckerli, der wird sich sicher auf die vielen anderen Bände stürzen. Aber - wie schon erwähnt: Nun ist auch genug.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

italien, erzählungen, antonio tabucchi, engel

Der schwarze Engel

Antonio Tabucchi , Karin Fleischanderl
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.08.2001
ISBN 9783423129039
Genre: Romane

Rezension:

Tabucci ist ein Spieler mit Worten. Seine Fähigkeit, Gedanken und Seelenzustände in Sätze zu formen ist beeindruckend. Die kleineren Geschichten von ihm sind wie eine Spielwiese, auf der sich der Autor austobt, dabei schießt er manchmal über das Ziel hinaus, wenn er nämlich seine Übergänge von Realität in die Fiktion gestaltet, die dem Leser einiges abverlangen. Nun war Tabucci noch nie der Schreiber, den man nebenbei lesen kann, doch die Konzentration, die hier aufzubringen ist, um ihm so zu folgen, dass man auch in den vollen Genuss der Lektüre kommt, ist schon groß. Dabei geht es auch ganz konkret zur Sache, wie z.B. mit der Konfrontation Jugendlicher während der Salazar-Zeit mit der Gewalt oder die Bewältigung der Vergangenheit seines Vaters, der sich ein Junge aussetzt. Doch Tabuccis Stilmittel ist auch gerade das Loslösen von der Realität hinein in etwas Traumhaftes. Grenzbereiche werden betreten und hier könnte es, wenn man sich nicht darauf einlassen kann oder will, zu Missverständnissen kommen. Für den Liebhaber der klaren Strukturen ist das eher nichts, doch wer Tabucci kennt und schätzt, kommt hier voll auf seine Kosten. Wegen dieser Zwiespältigkeit der objektive Versuch von nur drei Sternen. Und das von einem Fan.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Mit Goethe der Leidenschaft des Herzens folgen

Johann Wolfgang von Goethe , Ulla Bohn
Flexibler Einband: 158 Seiten
Erschienen bei Herder, Freiburg, 01.05.2007
ISBN 9783451058578
Genre: Sonstiges

Rezension:

Es ist immer so eine Sache, wenn man Anthologien von Schriftstellern herausbringt, die einen Überblick verschaffen oder einen Eindruck des Schreibers vermitteln sollen. Das ist sinnvoll bei Autoren, die noch nicht so bekannt sind oder deren Werk überschaubar ist. Aber bei einem Denkmal wie Goethe mit einem riesigen Materialfundus ein kleines 150 Seiten Buch mit Liebestexten/gedichten herausbringen, deren Auswahl nicht nachvollziehbar und nicht repräsentativ ist  - das ist einfach nur zusammengestoppelt und bringt gar nichts. Lieber nicht.

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57 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

liebe, paris, frankreich, rezept, eiffelturm

Menu d'amour

Nicolas Barreau , Sophie Scherrer
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Piper, 19.01.2015
ISBN 9783492305839
Genre: Liebesromane

Rezension:


Nicolas Barreaus Bücher sind wunderbarer Kitsch, den er genauso wunderbar schreiben kann. Deswegen greift man gerne zu einem Roman von ihm und ist dann immer auch ein wenig verzaubert.
Anlass dieses Buches war wohl "public demand" nach den Kochrezepten, die er in "Das Lächeln der Frauen" verwendet hat. Also hat er ein Buch mit Liebesrezepten vorgelegt und da das ein wenig dünn gewesen wäre, noch eine Geschichte, in der das Essen und ein Liebestrank die Hauptrolle spielen, hinzugefügt. Beides zusammen in ein Buch gepackt und dann los. Leider hat die Geschichte trotz der üblichen Zutaten nicht die gewohnte Magie und macht den Eindruck eines Seitenfüllers. Vielleicht hätte Barreau doch ein etwas ausführlicheres Kochbuch veröffentlichen sollen. Der Verlag hätte bestimmt mitgespielt, schließlich hat er am Autor genug verdient. so aber - weder Fisch noch Fleisch und auch die Geschichte selbst bleibt unter dem Niveau des Schriftstellers. Die Kochrezepte bringen einem Nichtkoch natürlich gar nichts. Auch hier wäre es fair gewesen, auf dem Cover zu vermerken, dass 50% eben keine Story ist.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

literatur vor 1945, frühling, gedanken, gedichte, briefe

Frühling

Hermann Hesse , Ulrike Anders , Ulrike Anders
Flexibler Einband: 116 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 13.02.2012
ISBN 9783458358176
Genre: Romane

Rezension:


Der Insel-Taschenbuch Verlag hat eine sehr schön aufgemachte Serie aufgelegt, in der Auswahltexte von Hesse zu bestimmten Themen zusammengefasst werden. Hier ist es der Frühling und in einer Reihenfolge, die schlüssig und harmonisch zusammenpasst, können wir einige der schönsten Gedichte und Texte, bzw. Briefpassagen von Hesse lesen, die dieser zum Frühling verfasst hat. Wobei die sehr sorgfältige Auswahl von Ulrike Anders sowohl den Analysten, als auch den Poeten, wie auch den Autoren in verschiedenen Lebensphasen erfasst. Am intensivsten ist Hesse in den späten Texten, schon gereift und mit der nötigen Distanz einer späten Spiritualität folgend, die zwar mit dem weltlich propagierten Gott nichts zu tun hat, aber eine höhere Instanz nicht ausschließt, ja, er bekennt sich sogar zu einer "Frömmigkeit", die ihm im Alter eine große Erleichterung verschafft. Im Mittelpunkt jedoch steht sein Verhältnis zur Natur und die Demut, mit der er ihr begegnet. Dass er das dazu noch mit klaren und sensiblen Worten zu vermitteln versteht, macht ihn wirklich zu einem der ganz Großen seiner Zunft. So ist ein Auszug aus "Peter Camenzind" von 1904 sehr gut fast am Ende dieses kleinen Bandes platziert (S.110), denn hier fasst er auf einer Seite zusammen, wobei es ihm bei seinen Schriften über den Frühling und die Natur generell geht.
Ein wunderbares Buch, dass man Stück für Stück genießen sollte und was man immer wieder zu Hand nehmen kann. Ergänzt durch einige Aquarelle vom Meister selbst, die er während seiner Zeit in Montagnola erschaffen hat.

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108 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 2 Rezensionen

blog, tagebuch, krankheit, sterben, glioblastom

Arbeit und Struktur

Wolfgang Herrndorf , ,
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 27.03.2015
ISBN 9783499268519
Genre: Romane

Rezension:


Alle, die erwarten, hier Kerniges vom "Tschick"-Autoren zu lesen, sollten das Buch wieder aus der Hand legen. Die, die im Moment in ihrer Umgebung aktiv mit der Krebskrankheit zu tun haben, sollten sich überlegen, ob sie das Buch wirklich jetzt lesen sollten. Die, die meinen, Herrndorf hätte als "Todeskandidat" den Stein der Weisen gefunden, müssen sich eine andere Lektüre suchen. Dieses Buch ist für alle, die sich eine Vorstellung davon machen wollen, wie man mit dem Unvermeidlichen unter schweren Bedingungen umgehen kann. Also nichts für Voyeure und Theoretiker.
Als Herrndorf 2010 seine Tumor-Diagnose bekam, nahm der den Kampf gegen die Krankheit insofern auf, als das er sich Therapiemaßnahmen unterzog. Dass er zu denjenigen gehörte, die bei dem Verlauf der Krankheit länger als der Durchschnitt lebte, hat mit seiner Entscheidung zu tun, die restliche Zeit mit Arbeit zu verbringen. Er vollendete "Tschick" und "Sand" und begann sogar noch einen weiteren Roman. Er tat das mit Konsequenz und Energie, ähnlich wie es seinerzeit der Singer/Songwriter Warren Zevon ebenfalls hinbekam. außerdem schrieb er einen Blog, der nun hier in Buchform vorliegt und seine Zeit nach der Diagnose ausführlich beschreibt. Herrndorf konnte sich immer auf einige gute Freunde verlassen, die seine Aussetzer und Schwachstellen kompensierten. es gelang ihm trotz aller Widrigkeiten, diesen Blog zu einer literarischen Vorlage zu machen, für etwas, das nachdrücklich  Gedanken und Prozesse zu dieser Krankheit deutlich machen kann. Er verwob es mit Stationen seines Lebens in teilweise ganz genauen Erinnerungen und mit Standortbestimmungen, die sich in seiner Laufbahn bis zu diesem Punkt immer wieder verändert haben. Was im Einzelnen die Faszination dieses Werks ausmacht, muss jeder selbst herauslesen. Herrndorfs Positionen sind immer relevant und dazu geeignet, den Leser in jeder Phase einer Selbstkontrolle zu unterziehen. Sicher ein nicht gewollter, aber dennoch existenter Fakt dieser Aufzeichnungen. Der Ton ist nie depressiv, er bleibt sachlich, wo er sachlich bleiben muss und er ist polemisch, manchmal sarkastisch, unterlegt mit einem stillen Humor, der ihm sicher sehr locker von der Hand ging, denn eines hat er immer gewusst: was er nicht wollte. So konnte er sich früh von den Zwängen einer Kunst befreien, die nicht die seine war, weil sie nicht zielführend für sein Schaffen war.
Das Buch ist nicht nebenbei zu lesen. Wenn man sich darauf einlassen will, dann sollte man sich Zeit nehmen, weil es fordert. Und es verursacht Emotionen, denen man sich nicht entziehen kann und die man für sich auswerten muss, sonst macht es keinen Sinn.
Es ist in dieser Form einmalig, was uns Herrndorf da hinterlassen hat, und es ist schwer, eine Bewertung abzugeben. Aber schon alleine die Wichtigkeit der Existenz machen jede Höchstwertung zwingend. Es ist eines dieser Bücher, wo Stil und Aufbau keine Rolle spielen. Beides ist vorhanden, das macht es doppelt wertvoll.

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70 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

tod, roman, familie, cooper, amerika

Cooper

Eberhard Rathgeb
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 25.07.2016
ISBN 9783446252813
Genre: Romane

Rezension:

Vorab: Rathgebs Schreibstil, der den Leser ab der ersten Seite ganz sicher überrascht und vielleicht ein wenig abschreckt, ist schnell zu verinnerlichen. Was ihn eher unüblich macht, ist die Verwendung von langen Sätzen, als würde ein Punkt nicht manchmal die bessere Option sein. Es ist nicht so schlimm wie beispielsweise Saramago, doch wenn man sofort damit konfrontiert wird, überlegt man sich schon mal, ob man weiterliest. Doch keine Angst, des Autors Sprache ist geschmeidig und leicht, sie lebt von Bildern und widerstandslosem Erzählen.
Es ist die Geschichte einer jungen Familie, die sich ein Haus auf dem Land gekauft hat und nun dort die Wochenenden und Ferien verbringen will. Doch schon beim ersten Aufenthalt gibt es ein Ereignis, das Folgen für Mutter Lisa hat, denn eine intensive Begegnung mit etwas Schrecklichem wird sie zu einem therapeutischen Genesungsaufenthalt zwingen. dennoch ist niemand bereit, das Haus aufzugeben und es wird nochmals für einen längeren Aufenthalt besucht. doch das Schicksal hält jetzt ein noch viel größeres Unheil bereit.
Das was wirklich wie ein Roman beginnt, hält einige seltsame Überraschungen bereit. Ein dramaturgisch vollkommen rätselhaftes und eigentlich nichtssagendes zweites Kapitel, im weiteren Verlauf ein zwar schlüssiger Handlungsablauf, dann aber, nachdem das Unglück geschehen ist, auf den der Spannungsaufbau hinläuft, nimmt das Buch eine weitere rätselhafte Wendung. Plötzlich, auf den letzten 30 Seiten, taucht plötzlich der ominöse Cooper auf, der dem Buch den Titel gegeben hat und mit dem man schon gar nicht mehr gerechnet hat. Was dann folgt, hat den Charakter eines philosophischen Exkurses, mehr essayistisch als belletristisch, um auf den letzten Seiten wieder auf eine Hauptfigur zu kommen, die den Roman auch beschließt, ein wenig vorhersehbar zwar, aber gut und mit der gebotenen Sanftheit, sodass es hier nicht auch noch zu einer Verwirrung des Lesers kommt.
Natürlich wird sich Rathgeb einiges bei diesem Buch gedacht haben. Es schimmert natürlich durch, dass hier viel von Ängsten die Rede ist, aber dennoch - ein schlüssiges Fazit muss für den Verfasser dieser Zeilen unterbleiben. Entweder fehlt ihm die Sensibilität, oder es ist dem Autor tatsächlich nicht gelungen, den Leser für sich einzunehmen. Wobei die Grundstimmung durch den Stil von Rathgeb, wie oben beschrieben, immer gleichbleibend angenehm und versiert bleibt. Es ist nur schade, dass es inhaltlich irgendwie nicht passt/zu passen scheint.

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Mit Geschichten durchs Jahr

Renate Orth-Guttmann , Patrick Süskind , Julia Stüssi , Marianne Frisch
Flexibler Einband: 820 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.10.2015
ISBN 9783257241556
Genre: Sonstiges

Rezension:


Kein Verlag bemüht sich so um die Qualität seiner Anthologien wie Diogenes. Im Laufe der Jahre gab es nur ganz wenige Ausfälle, bzw. ärgerliche Zusammenstellungen. Diese hier ist mal wieder ausgezeichnet gelungen, denn auf gleich 790 Seiten finden wir eine Menge Perlen von bekannten und unbekannten Autoren. Jeden Tag eine Geschichte zwischen drei Zeilen und fünf Seiten. Man kann dem Buch folgen und sich nur jeden Tag eine Geschichte gönnen, aber die Neugier siegt ja doch und nie war das Querlesen so angenehm und konsequenzlos wie hier. Liest man eben eine Geschichte zweimal, wenn man sie schon erwischt hat. 
Ein Füllhorn literarischer Leckerbissen, da fällt der eine oder andere Ausfall nicht auf. Nur die Tasche, in die man dieses Buch stecken will, muss schon ein wenig größer sein.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das Haus in der Dorotheenstraße

Hartmut Lange
Flexibler Einband
Erschienen bei Diogenes, 24.08.2016
ISBN 9783257243611
Genre: Romane

Rezension:

Es ist Langes Schreibstil, der seine Geschichten prägt. Auf der einen Seite das fast buchhalterisch genau Beschreibende, auf der anderen das Geheimnisvolle und nicht Greifbaren. Seine Figuren und vor allem seine Ortsbeschreibungen, diesmal vornehmlich im Berliner Südwesten, sind die Faktoren, die dem Leser die Möglichkeit geben, sich ganz in die Atmosphäre fallen zu lassen, um dann genauso überrascht und verunsichert den Gang der Dinge mitzuverfolgen. Dass am Ende seiner Geschichten fast nie etwas klar ist, immer ein wenig verschleiert bleibt oder die Auflösung nur in einem unvollendeten Ansatz erfahrbar ist, macht den Reiz der Lektüre aus. Das ist auch bei den fünf Novellen in diesem Buch nicht anders. Lange entführt uns in eine ganz normale Szenerie, in ganz normale und alltägliche Abläufe, die sich dann in mystische Momente auflösen. Wobei die jeweils aus dem Rahmen dieser Normalität fallenden Ereignisse überhaupt nicht spektakulär sind, sondern erst im Laufe der Erzälungen ihre dominierende Bedeutung erfahren.
Hartmut Lange zu lesen heißt, sich für eine gewisse Zeit ganz zu lösen, um die Inhalte in sich aufnehmen zu können. Dann stellt man die Meisterschaft des Schreibers fest, kein Wort zu viel gebraucht zu haben, um eine Geschichte so erzählen zu können.

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28 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

zukunft, mensch, bewusstsein, berührend

Wer wir waren

Roger Willemsen , Insa Wilke
Fester Einband: 64 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.11.2016
ISBN 9783103972856
Genre: Sachbücher

Rezension:

Willemsens früher Tod ist so oft und intensiv bedauert worden, dass man dem an dieser Stelle nichts mehr hinzufügen muss, außer, dass man ganz genau auf sein Vermächtnis schauen sollte, denn das hätte sich der Autor, Korrespondent, Moderator, aber vor allem der Mensch gewünscht.

Willemsen war kein Philosoph, der war Denker und Macher. Er ist oft da hingegangen, wo es wehtat und hat berichtet, ohne zu beschönigen. Doch immer mit einer einer Empathie, die den Leser dazu brachte, ihm zu folgen und mit ihm Augenblicke der Einsicht in einer Welt der medialen Zerrbilder zu teilen.

Das wird auch die Idee gewesen sein, die ihn sein letztes Buchprojekt planen ließ. Den Zustand unserer Gegenwart aus der Zukunft zu betrachten. Eine geniale Idee, weil sie näher an allem ist, was sich Forscher aus der Gegenwart für die Zukunft einfallen lassen können. Und natürlich eine großartige Perspektive, um uns den Zustand der Welt nicht anhand willkürlich gewählter Beispiele zu erläutern, sondern mit dem einfachen Blick aus dem Fenster. Zu diesem Buch ist es leider nicht mehr gekommen, denn nachdem Willemsen seine Diagnose im Sommer 2015 bekam, stellte er jede Arbeit ein. Er blieb sich auch hier konsequent treu.

Es war allerdings schon reichlich Material zusammengetragen und die zentralen Gedanken dieses Buches nachvollziehbar niedergelegt. Mitte Juli 2005 hat er diese Gedanken in einer „Zukunftsrede“ formuliert und die ist Inhalt dieses kleinen Buches.

Willemsen verzichtet auf Pathos, beschwört keine Apokalypse herauf und unterlässt jede Schuldzuweisung. Er hat auch keinen Platz für philosophische Exkurse oder psychologisches Gelaber. Mit dem klaren Auge des Beobachters musste er den Zustand unseres Planeten nicht weitläufig analysieren, um zu seinen Schlüssen zu kommen. Die noch nicht mal subjektiv sind, denn die Fakten, mit denen wir es in der Gegenwart zu tun haben, sprechen eine objektive Sprache, die, wenn sie angewandt werden würde, sich nicht von der unterscheidet, die Willemsen mit seiner futuristischen Perspektive auf die Gegenwart benutzt.

Er führt uns unsere Gegenwart und ihre jüngste Entwicklung vor, die noch nicht beendet, aber so fürchterlich vorhersehbar ist. Unser Weg vom „Privatmenschen“ zum öffentlichen Träger dieser Privatheit, die wir häppchenweise bis zum totalen Verlust unserer Persönlichkeit auf die digitalen Märkte tragen, denen wir zur Sättigung bis zum Ausbluten unserer Individualität dienen. Willemsen nennt das die „Abspaltung aus der Rasanz der Zeit“, die nichts weiter ist als ein riesiger Aufmarsch der Lemminge.

Während man immer noch versucht, in kleinen Gruppen einen heute fast lächerlich wütenden Widerstand zu leisten, beschränkt sich Willemsen auf die einfache Dokumentation, wissend, dass es mehr als eine oder zwei gravierende Veränderungen braucht, um die Entwicklung aufzuhalten oder einen Aufschub zu erwirken. Dem Verfasser dieser Zeilen stellt sich nicht erst seit gestern die Frage: „Was kann den Niedergang dieser Menschheit überhaupt aufhalten?“. Da scheint doch nur eine neue Weltordnung die einzige Alternative zu sein. Doch dafür reicht die Zeit nicht mehr, also …

Das wird auch Willemsen vermutet haben. Jeder, der über den Tellerrand der täglichen Berichterstattung schaut und seine angelernte Ignoranz für eine Minute abschaltet, weiß das auch. Doch Willemsen wäre nicht Willemsen, wenn er diese negativen Schlussfolgerungen als die wahrscheinlichsten einfach stehenließe. So war dieser positive Menschenfreund nicht. Er appelliert an die nächste Generation! Nicht etwa auf die Barrikaden zu gehen, so angebracht es wahrscheinlich auch sein möge, und als globale Aktion sicher eine größere Wirkung haben würde als Nichtstun. Nein, Willemsen wirbt bei der nächsten Generation darum, „sich nicht einverstanden zu erklären“ und hält dabei genau die Reihenfolge ein, die einzuhalten wäre, um nicht in blindem Aktionismus wertvolle Energie zu verschwenden. Denn eine Einverständniserklärung setzt immer auch das Nachdenken über eine Entscheidung und das Abwägen von Inhalten voraus. Genau das ist Willemsens Anliegen, wenn er in diesem Buch die Perspektive aus der Zukunft gewählt hat. Nicht in hundert Jahren, sondern jetzt! Die nächste Generation! Sie soll verstehen, wo sie steht, wie es dazu gekommen ist, dass ihre Kinder bei unverändertem Status quo noch weniger Chancen haben, ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu führen. Willemsen wollte, dass die, die noch zur Erkenntnis und zum Handeln fähig sind, Verantwortung übernehmen. Deswegen war er auch verhalten optimistisch.

Wenn es ein Fazit dieses kleinen Büchleins gibt, dann muss es jeder für sich selbst finden. Willemsen hat uns dafür die besten Voraussetzungen geliefert. 65 Seiten, die mehr wert sind als dicke Wälzer und Theorien, von den Lippenbekenntnissen der Verantwortlichen, aus welchen Bereichen auch immer, ganz zu schweigen. Es ist ein Plädoyer für die Zukunft, von der wir wissen, dass sie wahrscheinlich in etwas mündet, was wir uns alle nicht vorstellen wollen: Das Ende „unserer“ Welt, wie wir sie selbstverständlich und ohne darüber nachzudenken, jeden Tag aufs Neue deformieren. Trotzdem bemühte sich Willemsen um Optimismus, ein wenig Hoffnung und machte sie an dem Glauben fest, dass die bisherige Entwicklung dem Menschen noch nicht alle seine außergewöhnlichen Fähigkeiten geraubt hat. Intellektuell und spirituell.

Für diese Sicht der Dinge gebührt ihm Dank und Anerkennung, denn er hat versucht, uns an unser Menschsein zu erinnern. Dank gilt auch dem Herausgeber dieses Buches, das man vielleicht mit dem Aufkleber „Pflichtlektüre“ versehen sollte.

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Die Haischwimmerin

Heinrich Steinfest
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.03.2013
ISBN 9783492301534
Genre: Romane

Rezension:


Ivo Berg und Lilli Steinbeck waren ein Paar und ein Unfall machte der Beziehung ein Ende, denn auch ein erwartetes Baby wurde Opfer. Lilli wird eine allseits geschätzte und kompetente Polizistin und Ivo, durch diese Trennung aufs schwäbische Land gespült, entwickelt sich zum Baumpfleger, mit der Gabe, mit ihnen sprechen zu können. Nach Jahren treffen sie sich in Sibirien wieder. Ivo soll für ein Pharmaunternehmen einen ganz besonderen Baum nach Deutschland bringen und Lilli ist mit den Ermittlungen in einer Mordserie beschäftigt. Zufällig hängt beides zusammen und führt auch die beiden wieder dorthin, wo sie sich getrennt haben.
Steinfest ist ein sehr guter Erzähler und hat hier die Kulisse einer unterirdischen Verbrecherrepublik geschaffen, die ihre eigenen Regeln hat. Das ist so unwahrscheinlich wie auch schlüssig, denn der Autor hat die Gelegenheit, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Dazu punktet er noch mit lebensweisen Gedanken, die schon alleine für sich stehen könnten. Einziges Manko dieses Romans bleiben die starken Spannungsschwankungen, denn zwischendurch lässt es etwas nach, nimmt aber dann wieder Fahrt auf. Dennoch, trotz dieser kleinen Defizite ist Steinfest hier ein Roman gelungen, der von dem Plot lebt. Außergewöhnlich und mit dem üblichen guten und einnehmenden Stil an den Leser gebracht.

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76 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 9 Rezensionen

krimi, agatha christie, hercule poirot, morphium, kriminalroman

Morphium

Agatha Christie
Flexibler Einband: 205 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 08.04.2008
ISBN 9783596179558
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Katharine Carlisle steht vor Gericht und wird des Mordes an Mary Gerrard angeklagt. Katharine ist die Erbin eines stattlichen Vermögens ihrer Tante und hatte zusammen mit ihrem Verlobten Roddy schon ihre Zukunft in dem Anwesen ihrer Verwandten geplant. Doch der verliebte sich in die junge Mary Gerrard und nach dem Tod der Tante wurde die Verlobung aufgelöst. Für Katherine bricht eine Welt zusammen. Als sie das Anwesen auflöst und ihr bei der Sichtung der Sachen unter anderem auch Mary hilft, scheint sich eine Chance aufzutun, Rache an der jungen Nebenbuhlerin zu nehmen. Sie wird mit Morphium vergiftet aufgefunden. Dr. Lord, nicht nur der behandelnde Arzt der Familie, sondern auch Katherine sehr zugetan, beauftragt Poirot, den fast aussichtlslosen Fall zu überprüfen und Katherine vor dem Galgen zu retten.
Wie immer glänzt Agatha Christie mit einigen Verwicklungen, legt Spuren und konstruiert den Fall so, das alles ganz einfach zu sein scheint. Und tatsächlich scheint diesemal die Beweiskette so engmaschig zu sein, dass sogar ihr Superdetektiv keinen Ausweg finden soll. Doch wie immer gibt es die mikrokleinen Feinheiten, die Poirots Spürnase aktivieren und so kommt auch dieser Fall zu einem regulären Ende und natürlich zur Überraschung, wie es sich denn tatsächlich zugetragen hat. Die gewohnte Christie-Qualität und dazu noch sehr gut zu lesen.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die Komplizen

Georges Simenon , Stefanie Weiss
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.10.2012
ISBN 9783257241365
Genre: Romane

Rezension:

Als der Bauunternehmer Lambert mit dem Auto von einer Baustellenbesichtigung auf dem Heimweg ist, ereeignet sich durch sein Versuchulden ein furchtbarer Unfall, bei dem Kinder in einem vollbesetzten Bus verbrennen. Lambert, der durch die Anwesenheit seiner Sekretärin, die ihn begleitete, und mit der er ein eigenartiges erotisches Verhältnis pflegt, abgelenkt wird, begeht Fahrerflucht. In seiner kleinen Heimatstadt, in der er einer der bekanntesten Bürger ist, beginnt die Suche nach dem Täter, denn der Typ des Tatfahrzeugs konnte bestimmt werden. Lambert verbringt die folgende Zeit in einem Strudel sich widersprechender Gefühle.
Simenon hat hier einen Roman über die Zerrissenheit und das Verantwortungsbewussttsein eines Menschen geschrieben. Er verbindet das in der Person mit Lambert mit dessen Identitätssuche, denn schon längst hat er alle Verbindungen in seinem Leben in Frage gestellt. Bis zum Schluss wird der Leser im Unklaren gelassen, ob er die Verantwortung für diesen Fall übernimmt, die ihm nur einen Ausweg zu lassen scheint. Stilistisch einer der besten Romane von  Simenon, da er ein zwar absehbares Ende des Romans schon früh vorstellt, doch die tatsächliche Schlusssequenz dann doch noch ganz anders verläuft, als der Leser vermutet. Brillanter Einblick in die Psyche der Menschen.

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liebe, paris, alter, frankreich, familie

Die letzte Liebe des Monsieur Armand

Françoise Dorner , Christel Gersch
Flexibler Einband: 137 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 25.11.2008
ISBN 9783257239034
Genre: Romane

Rezension:

Monsieur Armand, pensionierter Philosophielehrer und Pauline, eine Verkäuferin, trennen 50 Jahre Lebenszeit. Der Pensionär, allein lebend und mit einer Familie, die verstreut lebt und sich nur noch zu bestimmten Feiertagen sieht, trifft zufällig Pauline, die sich von Beziehung zu Beziehung hangelt, ohne das zu finden, was ihr am wichtigsten erscheint: eine gewisse Grundgeborgenheit. Zusammen erleben sie eine Zeit, in der es weder um Sex, noch Beziehung oder um die Liebe im Grunde geht, sondern erkennen ihre wahren Bedürfnisse, ihre Fehler, die sie bisher im Leben machten und die Gründe ihres Scheiterns. Mit einer scheuen Distanz, aber engen geistigen Nähe finden sie jeder für sich Antworten auf Fragen, die sie sich vorher nicht in angemessener Form gestellt haben.
Francoise Dorner hat ihre Thematik so gut und sensibel angesprochen, wie man es nicht oft findet. Zart und Schritt für Schritt beschreibt sie die Gefühle der Protagonisten, nichts ist unschlüssig, nichts ist überflüssig und der Stil passt ganz hervorragend zu dieser einfühlsamen Geschichte: Zurückhaltend, ohne Lärm, die Zwischentöne ganz leise herausgearbeitet. Das Reslultat ist ein Roman, der direkt ins Herz geht, wenn man das so klischeebefrachtet formulieren darf, aber es trifft den Kern. Traurig nimmt man am Ende des Romans Abschied von Armand und Pauline, glücklich ist man, dass man diese kurze Zeit mit ihnen verbringen durfte.

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buddhismus, schreiben, selber schreiben, kreativität, re-read

Schreiben in Cafes

Natalie Goldberg , Kerstin Winter (Übers.)
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Autorenhaus-Verlag, 13.02.2017
ISBN 9783866710603
Genre: Sachbücher

Rezension:

Schreiben boomt! Kein anderer Freizeitbereich hat so viele "Berufene" wie das Schreiben, denn dank Amazon & Co und den vielen Bod-Anbietern kann heute jeder Talentfreie seine geistigen Höhenflüge veröffentlichen. Dass dabei auch viel Qualität außen vor bleibt, müssen wir nicht vertiefen. Mit den vielen "Schriftstellern" boomt auch der Markt der Ratgeber, der Schreibschulen (wobei diese Schreibschulen ja keine Schulen sind, denn diese setzen ja Kommunikation voraus) und der "Creative writing"- Seminare, Workshops und Schreibgruppen. Angeschlossen sind die "Bibeln" für Selbstverleger und Self-Publisher. Und wer dann noch nicht genug hat, der kann sich von Psychologen erklären lassen, warum er Schreibstörungen hat oder warum ausgerechnet sein Werk so unglaublich Scheiße ankommt. Alles in allem ist das eine Goldgrube für die, die schnell genug waren und sich in dieser Ecke eingerichtet haben.
Was auch dem Rezensenten irgendwann mal den Schwur abrang, keinen Schreibratgeber oder eine "Schule" mehr zu lesen, denn die Standardwerke wurden schon vor dem Digizeitalter geschrieben, Bickham, Stein, Carver, sie haben die ultimativen Werke über das Handwerk des Schreibens verfasst und ansonsten ist man gut beraten, wenn man sich die Einlassungen wirklich guter Autoren zum Thema zu Gemüte führt, Steinbeck, Lange oder Auster sind gute Beispiele, wie die Schreiber selbst über ihr Work in Progress referieren. Der Rest ist bis auf wenige löbliche Ausnahmen voneinander abgeschrieben oder so trocken, dass einem der Spaß an der seriösen Arbeit vergehen kann.
Keine Frage, der Schriftstellerberuf, der ja kein anerkannt zertifizierter ist, hat trotzdem Regeln, an die er sich zu halten hat. Ein ernsthafter Autor sollte schon den Unterschied von Sequenz und Szene kennen und auch die Grammatik muss nicht Glückssache sein. Aber leider hilft der beste theoretische Unterbau nichts, wenn dem Schreiber das Talent zum Geschichtenerzählen und die Begeisterung am Schreiben selbst fehlt. Wer sich nur aus kommerziellen Gründen hinsetzt, um ein Buch zu schreiben, der sollte lieber einen Töpferkurs besuchen. Da helfen auch die vielen Ratgeber nicht, die mantramäßig Aufbau, Struktur und Stringenz predigen. Wenn der Autor nicht um des Schreibens willen schreibt, aus Lustgewinn und Freude, dann hilft auch der schönste und beste Tipp nicht.
Und genau das ist der Ansatz von Goldings Buch, das mit Recht so erfolgreich geworden ist, denn sie klammert praktisch alle theoretischen Regeln erst mal aus und animiert den Leser (und potentiellen Schreiber), sich nur mit dem Schreiben selbst zu beschäftigen, mit dem Gefühl, mit der Freude und mit dem Herzen. Das Schreiben in den Fluss zu bringen, egal was man schreibt, den Gedanken freien Lauf und sich nicht von irgendwelchen Dingen ablenken zu lassen. Schreiben um des Schreibens willen, egal was, wann und wie etwas daraus wird. Das ist das Geheimnis, das ist nicht neu, findet aber in den Krimi-Liebes-Comedy-Kurzgeschichten-Lyrik-Psycho-Ratgebern keinen Platz. Weil es nicht professionell ist. Dabei wird jeder erfolgreiche Schriftsteller betonen, dass das Professionelle erst im Laufe der Entwicklung eines Werkes kommt. am Anfang steht die Idee, der Gedanke oder der Satz, dann kommen die Assoziationen und erst viel später, bei der Überarbeitung vielleicht, sollte das professionelle Lay-out eines Textes im Vordergrund stehen. Bis dahin ist das Schreiben auch sehr körperlich, denn unsere Gefühle und Empfindungen schlagen sich in Körperreaktionen nieder.
All das hat Goldberg in ihrem Buch anhand von kleinen alltäglichen Begebenheiten geschildert. Schreiben als Freude kann überall stattfinden, ist immer auch eine Zeit der Reflektion. Dafür kann man ihr nicht genug danken, so essentiell (und dann auch noch erfolgreich, kaum zu fassen) hat diese Einstellung noch niemand als "Creative writing" behandelt. Und dafür gibt's dann auch die Höchstwertung. Und den Aufruf, obwohl sie das nicht mehr nötig hat, an alle Autoren, die sich immer noch mit den zickigen "Ratgebern" quälen: Unbedingt lesen! Und alle anderen werden bei dieser kurzweiligen Lektüre vielleicht Lust bekommen, mal einfach ein paar Zeilen zu riskieren. Denn - wer schreibt, lebt.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

reportage, kommunismus, journalismus, nordkorea, soziologie

Nordkorea

Rüdiger Frank
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DVA, 22.09.2014
ISBN 9783421046413
Genre: Sachbücher

Rezension:

Was wir von Nordkorea wissen, ist eigentlich nichts weiter als eine Aneinanderreihung von Klischees. Letzte Bastion des Kommunismus, Zustände wie in der Steinzeit, Diktatur, Hunger, "Achse des Bösen" sind die Schlagwörter, die uns einfallen und dann sieht man auch immer die Satellitenbilder, auf denen Nordkorea eine schwarze Fläche ist. Gruselig die Geschichten, die man sich erzählt über Hungersnöte, unterdrückte Menschen, Straflager, abenteuerliche Fluchten und grausames  Dahinsiechen eines ganzen Volkes. In den letzten Jahren gab es zwar Bücher, die etwas weitergingen. Da kamen Zeitzeugen zu Wort oder Menschen, denen die Flucht gelang und die  Insiderwissen verbreiteten. Doch was steckt hinter all dem wirklich? Und wie tickt dieser Staat, der über die Atombombe verfügt und dessen Führung regelmäßig alle Abkommen bricht, bzw. furchtlos der Weltgemenschafft gegenübersteht und immer auch einen Weltkrieg auslösen könnte. Wie funktioniert Nordkorea, dass es immer noch besteht, aller Logik zum Trotz. Wie ist dieser Staat überhaupt auf der Landkarte geblieben, wie hat er sich entwickelt und was passiert wirklich nördlich des 38. Breitengrades? Alles Fragen, die man nicht hundertprozentig beantworten kann, denn Nordkoreas Abschottung funktioniert immer noch, allerdings werden die Löcher im Zaun größer, aber man ist noch weit davon entfernt, Teil dieser Welt zu werden, mit all seinen Bündnissen, Verträgen und Abkommen, die das Zusammenleben halbwegs regeln oder regeln sollten.
Rüdiger Frank ist einer der besten Kenner des Landes, hat selbst an der Uni Pjöngjang Anfang der Neunziger ein Jahr Koreanistik studiert und das Land immer wieder bereist. Seine Expertisen sind international gefragt und er hat in seinem Buch einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Landes und der Familie Kim gegeben, hat die Ideologie erklärt, den Fortschritt und kleine Reformen dokumentiert, hat auch Vermutungen angestellt, Theorien entwickelt und Prognosen gewagt. Kurz, er hat das beste und umfassendste Buch über Nordkorea verfasst, das bisher erschienen ist. Dass er dabei nicht alles belegen konnte, liegt in der Natur der Sache, denn vieles, was Nordkorea angeht, kann einfach solange nicht transparent werden, solange das System mit dieser Abschottung nach außen arbeitet. Dennoch, was an Fakten und haltbaren Prognosen zusammenzustellen war, hat Frank hier getan. Das liest sich teilweise wie ein großes Abenteuer, denn Frank verzichtet auf allzu wissenschaftstheoretisches Geschwurbel, sondern reiht Fakten und Erkenntisse mit seinen persönlichen Erfahrungen aneinander.
Man kann guten Gewissens sagen, dass er ein Standardwerk geschaffen hat, das sich so detailiert mit Nordkorea beschäftigt, wie kein anderes Buch davor. Und viele neue Kenntnisse vermittelt, damit dieses Land nicht ein weißer (bzw. schwarzer) Fleck auf der Landkarte bleibt. Die Geschichte und die Entwicklung des Landes ist spannend und interessant. Wenn man genug Geduld mit Nordkorea aufbringt, dann dürften sich dort die Dinge zum Besseren wenden. Das jedoch ist eine politische Frage und vielleicht täten einige der Entscheidungsträger gut daran, die Erkenntnisse des Rüdiger Frank zu verinnerlichen, denn im Umgang mit diesem Land gibt es nur eine Tugend, die den Fortschritt bringt: Fingerspitzengefühl.
Für alle, die sich ernsthaft mit diesem Land beschäftigen wollen und sich von den Slogans, die in den Medien herumgeistern, lösen können, ist Franks Buch die beste Alternative, die man sich wünschen kann.

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Letzter Sommertag

Ian McEwan , Harry Rowohlt , Michael Walter , Bernhard Robben
Flexibler Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.02.2010
ISBN 9783257240139
Genre: Romane

Rezension:


Neun Kurzgeschichten von McEwan, den man nicht mehr vorstellen muss. Diese Stories sind Büchern entnommen, die man zum Frühwerk des mittlerweile hoch dekorierten Autors rechnen muss. In seinen kurzen Texten ist McEwan noch ein Stück entfernt, von dem was er heute ist, nämlich ein glänzender und stilistisch großartiger Erzähler. Bei einigen der Geschichten hat man das Gefühl, als würde er experimentieren oder als ließen ihn die Sätze und die Wörter nicht in Ruhe, bis er sie auch noch aufs Äußerste ausgereizt hat. Eine gewisse Verspieltheit ist zu erkennen, ein wenig Überfluss und struktureller Überschwang, dafür sind allerdings Texte wie "Psychopolis" schon nahe dran an dem Romanschreiber, der uns heute so fesseln kann.
Da wären wir auch schon bei der Essenz dieser kleinen Anmerkung: McEwan ist ein Romanschreiber. Natürlich kann er auch Kurzgeschichte, doch als Romancier hat er seinen festen Platz gefunden. Müsste man zwischen einem Roman und einer Kurzgeschichte von ihm wählen, würde der Rezensent jederzeit zum Roman greifen.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die Blusen des Böhmen

Robert Gernhardt
Flexibler Einband
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 01.03.2006
ISBN 9783596132287
Genre: Romane

Rezension:

Was ist nicht alles über Gernhardt schon geschrieben worden, er ist zu einem der wichtigsten, satirischen Autoren dieses Landes aufgestiegen (schon zu Lebezeiten), doch es sind ja nicht nur seine Wortbeiträge, auch seine Zeichnungen und Karikaturen sind weithin bekannt und das ist gut so, denn kaum ein anderer war als Multitalent so umtriebig unterwegs wie er. Lobenswert, dass sein Werk der Öffentlichkeit immer noch zugänglich ist, es gibt zahlreiche Publikationen, die sein Können dokumentieren.
"Die Blusen des Böhmen" ist sogar etwas für Einsteiger, es handelt sich hier um eine Sammlung von Stories, Karikaturen, Fotoromane und die berühmten Bildergeschichten aus den Jahren 1962 bis 1977. Über die gleichbleibende Qualität der Beiträge muss man nicht streiten, auch die Aktualität und seine Treffsicherheit bei der Schilderung deutscher Befindlichkeiten haben die Zeit überdauert. Es ist immer wieder eine Freude, Gernhardt zu lesen und jeder noch so kleine Beitrag hat mehr versteckten Humor als eineinhalb Stunden mit irgendwelchen blubbernden Comedians der Gegenwart. Also, für alle die Gernhardt entdecken wollen (und natürlich süchtig werden), ist das eine geeignete Einstiegsdroge.

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Am Ende die Nacht

Michael Herzig
Fester Einband
Erschienen bei GRAFIT, 15.03.2016
ISBN 9783894256746
Genre: Romane

Rezension:

Zwölf Menschen und jeder kämpft mit den Tücken seiner Existenz. Am Rande der Möglichkeiten zwischen Recht und Unrecht, permanent auf dem Grat der Grauzone angesiedelt, hangeln sie sich manchmal an den letzten Strohhalm, der das Fallen auf die falsche Seite verhindern soll.
Michael Herzig, ein Autor mit einschlägigen beruflichen Erfahrungen im Milieu, über das er schreibt, gelingt es in einer teilweise atemberaubenden Achterbahnfahrt der Emotionen zwölf Schicksale ihren Kampf führen zu lassen und sie dabei so zusammenzuführen, dass sie wie Zahnrädchen ineinandergreifen. Das tut er stilistisch so indivduell und sicher, dass man gar nicht merkt, wie viel Stoff in diesem Buch eigentlich wirklich verarbeitet wird. Es scheint, als würde er bei der Vielzahl der Protagonisten nur Momentaufnahmen und Oberfläche beschreiben können, doch Herzigs Art, Sätze zu bauen, implizieren mehr Informationen, als man vordergründig annehmen kann.
So sind diese 200 Seiten auch genau das richtige Maß für die Stories, die er erzählen will. Kein Wort, keine Szene, kein Dialog ist überflüssig und das gibt dem Ganzen eine plausible Geschlossenheit.
Sehr anspruchsvolle und gut gemachte Thrillerliteratur mit soziostrukturellem Hintergrund. Unbedingt empfehlenswert.

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