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451 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

wald, jäger, mord, liebe, antonia michaelis

Solange die Nachtigall singt

Antonia Michaelis , Kathrin Schüler
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.09.2013
ISBN 9783789142932
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Krass. Dieses Buch ist krass. Empfindliche sollten sich lieber überlegen, ob sie es lesen. Ungeduldige auch. Das große Rätsel löst sich erst ganz gegen Ende, man muss lange warten, bis man die Wahrheit erfährt (es sei denn, man ist ein Interpretationstalent).
Es beginnt damit, dass der Tischlergeselle Jari Cizek, geflüchtet aus der Welt von Holzspänen und Spitzendeckchen, gerade achtzehn geworden, eine Wandertour in den Wald der Lausitz machen will. Eher durch Zufall ergibt es sich, dass ihn ein Mädchen begleitet. Jascha. Das schönste Mädchen der Welt. Er folgt ihr in ihr Haus im Wald. Dort wird er eine lange Zeit bleiben...
Die Handlung erzählt aus Jaris Perspektive, zwischendurch werden Rückblenden in Jaschas Vergangenheit eingeschoben. Antonia Michaelis gelingt es, von Anfang an Spannung aufzubauen. Später entwickelt das Buch eine bestimmte Faszination, eine Art Sog, der den Leser in die Tiefe zieht (alternativ: reißt), der berauscht und verwirrt (was auch an den Fliegenpilzen liegen kann, die Jari von Zeit zu Zeit schnabuliert). Die Grenze zwischen greifbarer, wirklicher Handlung und Unterbewusstem verschwimmen, fließen ineinander. Die Autorin offenbart die Abgründe der menschlichen Seele, das, was in jedem von uns lauert. Das ist für den Leser nicht immer angenehm, daher hagelt es Kritik, wie zuvor beim "Märchenerzähler". Das Buch mutet zeitweise sehr märchenhaft an, manchmal fast schon kitschig, wenn auf dem Hirsch durch den goldenen Herbstwald geritten wird, doch dann wird der Leser wieder mit der knallharten Realität konfrontiert. Dieses Wechselspiel aus zartem Kitsch und brutaler Härte ist, zumindest für mich, sehr reizvoll. An dieser Stelle möchte ich auch den Schreibstil der Autorin loben, denn der ist wirklich unübertrefflich! Poetisch, in kurzen Aussagesätzen fesselt Antonia Michaelis ihre Leser und versucht sich (sehr erfolgreich) an Wortneuschöpfungen ("winterglitzernd"), die die Atmosphäre ganz toll (welch ein Wortschatz) veranschaulichen. Im Mittelteil hat das Buch Längen, die aber notwendig sind, damit der Leser sich ganz in das Geschehen und die Situation hineinversetzen kann, damit man Jari (wenigstens ansatzweise) verstehen kann. Hätte man hier gekürzt, hätte die darauffolgende Handlung an Aussagekraft und Faszination verloren. Manchmal verliert sich die Autorin ein wenig in den Beschreibungen des Waldes, der Kleidung. Aber auch das hat seinen Sinn, denn eines der Hauptthemen des Buches ist die Schönheit. Die Geschichte wurde recht kräftig mit Erotik gewürzt, und das auf sehr andere Art als in konventionelleren Büchern. Verlangen wird ausgereizt, um hörig zu machen, Sex zur Manipulation genutzt. Also, liebe Kinder, achtet bitte auf die Altersfreigabe! Die Autorin bricht auch hier sämtliche ungeschriebene Regeln. Die Figuren drehen sich um sich selbst und stürzen sich ins Verderben, morden und lieben, die unterschiedlichsten Facetten der menschlichen Psyche werden ausgeleuchtet.
Das Ende ist bezaubernd und eher "unkonventionell", aber so berührend, dass mir die Tränchen kamen. Ein unglaublich düsteres, blutiges Buch, märchenhaft und schrecklich zugleich, vielschichtig, "sousreal":eine ganz klare Leseempfehlung und auch für Interpretationsfaule einen Versuch wert!

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