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Garten, Baby!

Christine Zureich
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 23.02.2018
ISBN 9783961010158
Genre: Romane

Rezension:

Handlung
Das Mittdreißiger-Paar Doro und Rob lebt zwar in der Großstadt, ist der Natur aber sehr verbunden. Gemeinsam mit ihrem Nachbarn Fred haben Doro und Rob deshalb im Hinterhof ihres Mietshauses ein eigenes Gartenprojekt gestartet. Die ganze Wohngemeinschaft wird in das Projekt eingebunden und zwischen Zucchini Pflanzen und überzüchteten Katzen wird über das Leben philosophiert, Freundschaft geschlossen, geliebt und gestritten.

Thematik
Verschiedene Generationen und Charaktere von Menschen finden in diesem Buch zusammen und in kurzen Kapiteln wird aus ihrem Leben erzählt. Auch wenn die Geschichte aus Sicht von Doro erzählt wird, erfährt man doch viel über die anderen Hausbewohner, die ohne das gemeinsame Gartenprojekt wohl niemals miteinander in Kontakt gekommen wären.
Gerade in großen Mietshäusern ist Anonymität vorherrschend und die meisten Leute wissen nicht mal die Namen ihrer Nachbarn, außer diese nehmen regelmäßig ihre Zalando Pakete an…

Christine Zureich beschreibt, wie es auch anders sein kann. Da wird der alleinerziehenden Mutter geholfen, wenn sie kurzfristig eine Betreuung für ihr Kind braucht. Da bekommt man jeden Beziehungsstreit der Nachbarn mit und nimmt Rücksicht, wenn es mal wieder heftig gescheppert hat. Es wird über die Marotten der alten Frau Dittrich gelacht, die geradezu klischeehaft gelangweilte Rentnerin, für die es nicht spannenderes gibt, als das Leben ihrer Nachbarn.
Durch die kurzen Kapitel werden kleine Geschichten mitten aus dem Leben erzählt, die zwar aufeinander aufbauen, aber doch in sich geschlossene Kurzgeschichten sein könnten. Das macht den Lesefluss sehr angenehm.

Fazit
Ich brauchte einen Moment um in den Schreibstil der Autorin zu finden, der für mich neu und gewöhnungsbedürftig war. Ehrlicherweise war ich bei der Kürze des Romans davon ausgegangen, ihn flüchtig und locker weg lesen zu können. Der Schreibstil erforderte von mir aber doch ein gewisses Maß an Konzentration und Ruhe, um die Wörter ganz auf mich wirken lassen zu können. Dann war das Lesen aber ein Genuss.

Mir hat es sehr gut gefallen, dass durch das Projekt des gemeinsamen Gartens ein Rahmen geschaffen wurde, indem die verschiedenen Protagonisten zusammenkamen. Dadurch wirkte es stimmig, dass diese unterschiedlichen Charaktere so viel miteinander teilen. Es war schön zu lesen, wie die einzelnen Figuren Entwicklungen durchliefen. Bei einigen Situationen musste ich auch schmunzeln, denn gerade die Figur der neugierigen und meckernden Frau Dittrich kommt wohl jedem irgendwie bekannt vor.

Insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten und den Traum eines eigenen Gartens wieder größer werden lassen.



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386 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 100 Rezensionen

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Die Geschichte eines neuen Namens

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 623 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.01.2017
ISBN 9783518425749
Genre: Romane

Rezension:

Handlung
Der zweite Teil knüpft nahtlos an den ersten Band an und ich war schon nach den ersten Seiten wieder im Geschehen. Lila bemerkt noch während ihres Hochzeitsfestes, dass sie von ihrem Mann hintergangen wurde. Stefano sollte ihre Chance auf ein selbstbestimmtes Leben sein. Er sollte ihr zu der ersehnten Freiheit und Unabhängigkeit verhelfen. Aber er macht Geschäfte mit den Solaras, Mitglieder der Camorra, die von Lila verhasst sind. Zu allem Übel sind auch ihr Vater und ihr Bruder in deren Machenschaften verstrickt und Lila fühlt sich von allen Seiten verraten. Von da an ist die Liebe des jungen Paares erloschen und ein ständiger Kampf beginnt.
Lenù hingegen macht ihren Abschluss am Gymnasium und erlangt ein Stipendium für ein renommiertes Studium in Pisa. Sie steigt in der Gesellschaft auf und schafft es durch ihre Bildung, dem Rione zu entfliehen.
Den Hauptteil des Buches nimmt ein gemeinsamer Urlaub am Meer ein, den Lila und Lenù gemeinsam mit Lilas Mutter und ihrer Schwägerin am Meer verbringen. Dort verbringen sie viel Zeit mit Nino, für den Lenù noch immer heimlich schwärmt. Aber leider interessiert Nino sich nicht für sie, sondern für die verheiratete Lila…
Am Ende steht ein biografisches Buch, das Lenù geschrieben hat und welches ihr zu literarischem Durchbruch verhilft.

Thematik
Trotz räumlicher Entfernung und spärlichem Kontakt, bleibt die Freundschaft zwischen Lila und Lenù bestehen. Geprägt wird diese aber weiterhin durch Rivalität, Missgunst und geheimer Bewunderung der anderen. Vor allem Lenù fühlt sich von Lila noch immer in den Schatten gestellt, hat das Gefühl, dass alles was sie erreicht, eigentlich Lila gebührt. Sie hat Angst, dass ihr Fleiß neben Lilas Intelligenz nichts wert ist und gleichzeitig ist sie sich ihrer höheren Bildung und dem daraus resultierenden Ungleichgewicht doch bewusst.

„(…) Ich fürchtete, dass egal, was Lila anzog, ihre Schönheit explodieren würde wie einStern und jeder sich darum reißen würde, ein Stückchen davon zu erhaschen. Ich fürchtete, sie könnte Dialekt sprechen und anstößige Dinge sagen, fürchtete, es könnte herauskommen, dass für sie nach der Grundschule mit dem Lernen Schluss gewesen war. Ich fürchtete, dass alle fasziniert von ihrer Intelligenz sein würden, sobald sie den Mund auftat (…)“

(Elena Ferrante, Die Geschichte eines neuen Namens, S.195 f).

Lila hingegen sieht in Lenùs Möglichkeiten alles, was sie nie erreichen wird. Sie unterstützt ihre Freundin, indem sie ihre Schulbücher bezahlt und ihr einen Raum zum Lernen anbietet. Doch trotzdem kommt es ihrerseits immer wieder zu spitzen Hieben Lenù gegenüber, und sie wirft ihr vor, dass sie sich für etwas besseres hält und sich in lächerlicher Weise aufspielen würde.
Was im ersten Teil nur am Rande angedeutet wurde, rückt in diesem Band weiter in den Mittelpunkt: Die italienische Politik der 60er Jahre. Die Protagonisten sind jung und weltoffen. Es geht um den erstarkenden Kommunismus, den Aufstieg der Camorra und das starke Gefälle zwischen den gesellschaftlichen Schichten.
Zudem wird die Rolle der Frau thematisiert. Stefano, der im ersten Band noch einfühlsam und sanft erschien, entwickelt sich zunehmend zu einem gewalttätigen Choleriker, der seine sechzehnjährige Ehefrau regelrecht verprügelt und vergewaltigt, wenn sie ihm nicht „gefügig“ ist. Auch Lenù  ordnet sich Männern unter und versucht sich zu verstellen um beispielsweise Nino zu gefallen. Es wird deutlich, dass alle Frauen ihres heimatlichen Umfelds sich dem Willen und den Ausbrüchen ihrer Männer beugen und sich alleine wertlos fühlen.

Fazit
Mir hat schon der erste Teil sehr gut gefallen, aber gerade die Fortsetzung hat mich vollends in das „FerranteFever“ versetzt. Die Geschichte hat sehr an Fahrt aufgenommen und da die Hauptfiguren inzwischen älter sind, sind auch ihre Sorgen und Probleme vielschichtiger und weitreichender. Vor allem das letzte Drittel habe ich verschlungen und mir gleich einen Tag später die Fortsetzung gekauft. Ich muss gestehen, dass ich für keine der beiden Protagonistinnen wirkliche Sympathie empfinde. Lenù ist mir häufig zu zurückhaltend und brav, immer von der Angst verfolgt, anzuecken. Lila besitzt in der Hinsicht zwar eine bewundernswerte Stärke, verfügt aber über eine bösartige uns selbstsüchtige Seite, mit der sie wiederholt die Gefühle ihrer engsten Freundin verletzt.
Ich weiß von einigen, dass ihnen manche Beschreibungen zu ausführlich waren. Mir allerdings gefällt der Schreibstil so gut, dass ich gerne in die alltäglichen Schilderungen eingetaucht bin, ohne jemals das Gefühl von Langatmigkeit verspürt zu haben.
Die gesellschaftskritische und politische Betrachtung der damaligen Zeit, die komplizierte und rivalisierende Freundschaft der beiden Mädchen, die mitreißende Beschreibung des alltäglichen Lebens. Mich hat das Buch überzeugt!

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246 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 73 Rezensionen

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Die Geschichte der getrennten Wege

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 540 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 27.08.2017
ISBN 9783518425756
Genre: Romane

Rezension:

Handlung
Wie schon der Name vermuten lässt, gehen Lenù und Lila inzwischen getrennte Wege. Lenù, zuvor als erfolgreiche Schriftstellerin gefeiert, verbringt ihre Tage nun als Hausfrau und Mutter. Gelangweilt von ihrem Alltag und frustriert von dem mangelnden Interesse an ihrer Person, bemüht sie sich weiterhin um Anerkennung. Dabei versinkt sie immer mehr in einer melancholischen und teilweise depressiven Stimmung.
Lila hat sich von ihrem Mann Stefano, sowie ihrem Liebhaber Nino getrennt und lebt nun mit ihrem Sohn bei Enzo. Dieser ist ein alter Jugendfreund der Mädchen und schon seit Schultagen in Lila verliebt. Zusammen meistern sie ihren Alltag eher schlecht als recht, gehen Knochenjobs nach und lernen bis spät in die Nacht gemeinsam für Enzos Studium. Doch trotz der Nähe zwischen den beiden, bleibt ihre Beziehung rein platonisch.
Die beiden Freundinnen halten lose Kontakt und telefonieren unregelmäßig.
Im Laufe der Geschichte wird Lila in die politischen Wirren der damaligen Zeit hineingezogen, schafft es es jedoch, sich schlussendlich ein neues Leben mit einer erfolgreichen Karriere aufzubauen. Lenù hingegen scheitert an weiteren Versuchen, einen Roman zu verfassen und langweilt sich in ihrer Ehe, bis plötzlich eine alte Liebe wieder in ihr Leben tritt.

Thematik
Der Grund, dass mich dieser Roman so mitgerissen hat, liegt an den gesellschaftspolitischen Aspekten, die den Roman thematisch beherrschen. Italien wird von blutigen Unruhen erschüttert. Faschisten und Kommunisten liefern sich einen heftigen Kampf, es kommt zu Studentenrevolten und die Rufe nach Reformen werden immer lauter. Auch die Frauenbewegung nimmt an Fahrt auf und vor allem Lenù beschäftigt sich intensiv mit dem herrschenden Frauenbild und ihrer eigenen Rolle in der Gesellschaft.
In Zwischentönen werden auch immer wieder die Machenschaften der Camorra thematisiert, zu welchen ich mir gerne noch mehr Details gewünscht hätte.

Fazit
Mich konnte dieser Roman vollends überzeugen, auch wenn ich schon andere Stimmen gehört habe, die den Erzählfluss langatmig und wenig anregend fanden. Dem kann ich ganz und gar nicht zustimmen. Für mich liegt Ferrantes Talent gerade darin, mit ihrer Sprache auch Alltagsgeschehnisse anschaulich und mitreißend zu schildern.
Zwar finde auch ich die Freundschaft der zwei Protagonistinnen teilweise schwer nachvollziehbar, aber unrealistisch ist diese Beziehung damit nicht. Ich habe tatsächlich schon öfter Menschen getroffen, die in für mich ungesunden Beziehungen steckten. Die sich gerade aufgrund der vermeintlichen Unterlegenheit, zu einer anderen Person hingezogen fühlten. Sowohl platonisch als auch romantisch. Und gerade Lenù hat mit Lila eine Freundin, die viele Kindheits- und Jugenderinnerungen mit ihr teilt, welche ihr aktuelles Umfeld nur teilweise bis gar nicht nachempfinden kann. Diese Verbundenheit sollte in einer Freundschaft nicht unterschätzt werden.
Der Roman hat für mich einige Spannungsbögen, die sich teilweise bis zum Ende durchziehen. Dies lässt auf ein fulminantes Finale im vierten und letzten Teil hoffen, der leider erst im Februar nächsten Jahres erscheinen soll.

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463 Bibliotheken, 7 Leser, 4 Gruppen, 89 Rezensionen

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Die Flut

Arno Strobel
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 21.01.2016
ISBN 9783596198351
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Handlung
Das junge Paar Michael und Julia macht Ferien auf der Insel Amrum. Dorthin wurden sie von Michaels Arbeitskollegen Andreas eingeladen, um die Zeit gemeinsam mit ihm und seiner Frau zu verbringen. Schnell wird klar, dass die vier nicht auf einer Wellenlänge sind und die Stimmung ist eher mäßig. Dann geschieht am Strand ein grausamer Mord, bei dem eine Frau stirbt, während ihr Partner dabei zusehen muss. Es scheint, als hätte es der Täter auf Pärchen abgesehen und zu allem Unglück gerät Michael in das Visier des leitenden Polizeibeamten. Die vier sind also gezwungen, auf der Insel auszuharren.

Thematik
Innerhalb der Geschichte kommt es immer wieder zu Perspektivwechseln zwischen den vier Protagonisten und den zwei ermittelnden Polizisten. Gelegentlich gibt es auch kurze Passagen aus Sicht des Täters. Gerade diese Passagen haben es in sich, da der Täter von enormer Intelligenz ist und Freude dabei empfindet, sein Spielchen mit der Polizei zu treiben. Der Täter ist ein absoluter Psychopath, was sehr deutlich wird, als er sich an Szenen aus seiner Kindheit erinnert.

Es war,als presse etwas Fremdartiges Gedanken aus seinem Verstand, die er nicht denken wollte, Sogar sein umfangreicher Wortschatz bot ihm keine Möglichkeit genauer zu beschreiben, was er empfand. Nicht einmal für sich selbst, Diese Unzulänglichkeit machte ihn wütend, so sehr, dass er aufsprang, zu Sarah lief und ihr ohne Zögern seine geballte Kinderfaust ins Gesicht schlug.

(Arno Strobel, Die Flut, S. 8)

Ich fand die Figur des Täters sehr interessant, aber leider ist diese etwas in den Hintergrund gerückt und die Motive spielten nur am Rande eine Rolle. Insgesamt erinnerte die Handlung eher an einen Kriminalroman denn an einen Thriller.

Die Konflikte innerhalb der Gruppe der Protagonisten hätten zur Spannung beitragen können. Denn zu der anfänglichen schlechten Laune sind dann auch noch Misstrauen und Stress hinzugekommen. Aber irgendwie liefen die Streitereien immer nach dem gleichen Schema ab und gerade die zwei Frauen gingen mir irgendwann nur noch auf die Nerven.

Fazit
Ich muss leider sagen, dass mich das Buch enttäuscht hat. Durch die kurzen Kapitel war das Buch zwar schnell gelesen, aber der Plot und die Figuren konnten mich nicht überzeugen.
Die Protagonisten waren allesamt unsympathisch und haben sehr oft unlogisch gehandelt. Die Szenen aus der Sicht des Täters, sowie die Taten an sich waren sehr kurz gehalten und ein wirkliches Spannungsgefühl kam dabei nicht auf.
Insgesamt dümpelte die Geschichte dadurch ziemlich vor sich hin.

Sehr schade, aber wäre das mein erstes Buch von Strobel gewesen, hätte ich wohl kein anderes mehr gelesen.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

frankreich, meer

Schwimmen

Sina Pousset
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 08.09.2017
ISBN 9783961010073
Genre: Romane

Rezension:

Handlung
Erzählt wird zunächst der Alltag von Milla, die neben ihrem Job als Lektorin die kleine Emma aufzieht. Eigentlich ist es ein ganz normaler Tag, doch als Milla in der Jackentasche ihres besten Freundes Jan einen Zettel findet, scheint sich in ihr ein Knoten zu lösen. Schnell wird klar, dass Jan tot ist und Milla für eine lange Zeit in unterdrückter Trauer gelebt hat, gepaart mit dem Gefühl von Schuld.
Sie beschließt, Kristina zu besuchen und sich mit ihr gemeinsam der Vergangenheit zu stellen. Fast leise und vorsichtig nährt man sich dem Sommer, den Milla, Kristina und Jan gemeinsam am Meer verbracht haben und der mit Jans tragischem Tod geendet hat. Man erfährt etwas über die enge Freundschaft zwischen Milla und Jan, die seit Kindertagen besteht und warum Emma zu Milla nicht „Mama“ sagt.

Thematik
Freundschaft, Liebe, Familie. All das sind Themen, die im Roman eine wichtige Rolle spielen. Noch viel wichtiger ist aber das Gefühl, was die junge Autorin mit ihrer Sprache hervorruft.

„Milla erstarrt, ihre Worte hängen noch vor ihrem Mund und können nicht zurück. Schon lässt er los, schon ist er weg. Jan geht an ihr vorbei, so schnell, dass sie die Luft fühlt, die er mit sich nimmt, nach drinnen. Sie steht da, allein, einen Moment lang und hält die Finger an ihren Mund. Sie wartet, bis ihr das Blut langsam wieder aus den Wangen weicht. Dann folgt sie ihm.“

(Sina Pousset, Schwimmen, S. 141f)

Das Buch ist auf eine zarte Weise melancholisch und nachdenklich. Es erzählt die Geschichte von jungen Erwachsenen, die auf der Suche nach sich selbst und ihren Träumen sind.
Der Umgang mit und die Bewältigung von Trauer sind ein zentrales Thema und die Verzweiflung der Protagonisten ist spürbar.

Fazit
Sina Pousset hat mit ihrem Debutroman eine ganz besondere Geschichte geschaffen. Die Autorin lässt den Leser tief in die Gefühlswelt ihrer Figuren eintauchen. Obwohl die Geschichte sehr traurig und tragisch ist und der Roman von einem bedrückten Gefühl dominiert wird, schenkt die Geschichte schlussendlich Hoffnung. Und dieses Gefühl bleibt nach der letzten Seite in mir verankert. Durch die wunderschöne Sprache der Autorin hallt die Geschichte noch lange nach und bleibt im Gedächtnis. Teilweise ist der Roman sehr schmerzhaft, dabei aber immer auf eine zarte Weise, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag. Gerade während der aktuell kalten und grauen Jahreszeit lässt sich dieser Roman sehr gut lesen und man kann sich ganz in der Geschichte verlieren.
Ich hoffe, noch mehr von dieser talentierten jungen Frau lesen zu können.
Hier findet ihr noch ein lesenswertes Interview von Sina Pousset und ihrer Lektorin Aylin Salzmann, die neben ihrer beruflichen Zusammenarbeit auch eine Freundschaft verbindet.



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307 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

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Während die Welt schlief

Susan Abulhawa , Stefanie Fahrner
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Diana, 09.04.2012
ISBN 9783453356627
Genre: Romane

Rezension:

Handlung
Erzählt wird der Verlauf des Nahost-Konflikts als Familiengeschichte, die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt. Zu Beginn lernt man die palästinensische Familie Abuhija kennen, die friedlich in einem kleinen Dorf lebt. Der Frieden nimmt jedoch jäh ein Ende, als die ganze Dorfgemeinschaft brutal aus ihren Wohnstätten vertrieben wird und Zuflucht in einem Flüchtlingslager finden muss.
Die Protagonistin Amal wird in eben diesem Lager geboren und lernt die wahre Heimat ihrer Eltern nie kennen. Stattdessen muss sie schon früh erfahren, was es heißt, in ständiger Angst zu leben. Obwohl Amal eine innige Beziehung zu ihrem Vater hat, bleibt ihre Mutter ihr immer fern. Während der Vertreibung aus dem Dorf verschwand ihr Bruder Ismael und diesen Verlust hat ihre Mutter nie ganz verkraftet.
Als Leser erfährt man, dass Ismael von einem jüdischen Mann geraubt wurde um seiner traumatisierten Frau ein Kind zu schenken. Der Junge wächst fortan als David auf und weiß nichts von seiner Herkunft.
Amals gesamtes Leben ist geprägt von Krieg, Gewalt und Leid und anhand ihres Einzelschicksals wird geschildert, was einer vertriebenen Familie auf der Flucht vor Krieg widerfahren kann.

Thematik
Die Figuren in diesem Roman sind fiktiv, aber die Geschehnisse sind es nicht. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde der Ruf nach einem selbstständigen jüdischen Staat lauter. Nach Ausrufung Israels als ebendiesem verschärfte sich der Nahost Konflikt noch weiter. Die Sehnsüchte, Ängste und die Verzweiflung der Familie Abuhija stehen stellvertretend für alle vertriebenen Palästinenser.
Das Buch hat einen autobiografischen Hintergrund und die Autorin prangert an, dass die Welt all die Jahre „geschlafen“ und die leidvolle Situation der Palästinenser nicht ausreichend wahrgenommen hat. Sie wirft den Medien und der Politik vor, die Situation nicht ausreichend oder sogar verzerrt dargestellt zu haben. Dadurch ergibt sich natürlich eine sehr subjektive Beschreibung der Geschehnisse, auch wenn durch Amals Bruder David (Ismael) die jüdische Seite berücksichtigt wird.
Auf beiden Seiten steht Hass, Gewalt und Angst. Es ist schwer, Partei für eine Seite zu ergreifen, denn zu tief und lange währt dieser Krieg. Solche Bücher helfen dabei, verschiedene Seiten zu beleuchten und eine differenzierte Meinung zu entwickeln.

Fazit
Diese Geschichte hat sich tief in mein Gedächtnis gebrannt und ist keine leichte Kost. Ich habe geweint und noch lange nach Ende der Geschichte viel Schmerz empfunden.
Der feine Schreibstil der Autorin zieht den Leser förmlich in die Geschichte hinein und man fühlt mit jeder einzelnen beschriebenen Figur.

Wir leben in einer relativ sicheren Welt und vergessen viel zu häufig, wie es anderen Menschen geht, die nicht das Glück hatten in unserer privilegierten Gesellschaft aufzuwachsen.
Dieses Buch hat mich gelehrt, dass es wichtig ist, die Augen nicht vor dem Rest der Welt zu verschließen. Jede Handlung obliegt einem Grund. Das sollte man nie vergessen.

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