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Hetzjagd in London: Oscar Wilde & Mycroft Holmes - 05 (Sonderermittler der Krone)

Marc Freund
E-Buch Text: 112 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 12.12.2017
ISBN 9783732544806
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Was haben wir also? Wir haben einen ermordeten Adligen und nicht die Spur einer Spur, richtig? Es existieren keinerlei Hinweise auf irgendwelche Feinde. Jemand kommt daher, öffnet das Dachfenster und schüttet dem Ahnungslosen eine seltsame Substanz ins Badewasser, die ihm binnen kürzester Zeit das Fleisch von den … von den Knochen schält und in der Wanne einen trüben Brei zurücklässt.“

 

STORY
Am selben Abend, als Sir Hamish Urquard einen Empfang mit höchst adligen und höchst prominenten Gästen gegeben hatte, wird er in seinem eigenen Haus das Opfer eines perfiden Mordanschlags. Die einzig brauchbare Spur, die Inspektor James Frobisher gemeinsam mit Sonderermittler Oscar Wilde, verfolgt, ist die Kippe einer exklusiven Zigarette. Schon am nächsten Abend wird Richter Richard Godfrey, im Beisein von Mycroft Holmes, auf seiner eigenen Abendgesellschaft vergiftet. Am Tatort findet sich ein ebensolcher Zigarettenstummel wie bei Urquard, eine Marke, die unter anderem der an beiden Abenden anwesende Thronfolger, Prinz Albert „Bertie“ Eduard, raucht. Holmes weiß zu berichten, dass beide Mordopfer an einem Gerichtsprozess beteiligt waren, der den des Mordes verdächtigen Raymond Prescott ohne stichhaltige Beweise in die Todeszelle gebracht hat. Liegt hier das Motiv für die Morde begründet?

Ein anonymer Informant rückt Bertie in den Fokus der Presse. Zusätzlich zu seinen Verbindungen mit den beiden Morden will man wissen, dass der Thronfolger Verbindungen zu Londons Amüsierviertel unterhält. In der Hoffnung, etwas über den unbekannten Tippgeber und die Quelle seiner Informationen zu erfahren, folgt Wilde dem Reporter Joshua Gardener und gerät damit in Teufels Küche.

 

„Der Schriftsteller und Sonderermittler blickte auf eine scheinbar wahllos angeordnete Folge von mathematischen Formeln und hastig dahingekritzelt wirkenden Zeichen. Er schüttelte den Kopf, sodass ihm sein dunkles, leicht gelocktes Haar bis fast auf die Schultern herabfiel. »So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Ich meine, ich erkenne natürlich einige chemische Zeichen und Begriffe, allerdings erschließt sich mir ihr Sinn überhaupt nicht.«“

 

MEINUNG
Nachdem der Fall „Homunculus“ glimpflich beendet wurde, bietet HETZJAGD IN LONDON einen eher nüchtern gelagerten Kriminalfall ohne phantastische Elemente. Nach dem ersten skurrilen Todesfall im Säurebad, der einem Dr. Phibes zur Ehre gereichen würde, nimmt Oscar Wilde gemeinsam mit dem fähigen Yard-Beamten James Frobisher die Ermittlungen auf. Dass in der engeren Liste der Verdächtigen der englische Thronfolger auftaucht, macht den Fall zu einem heißen Eisen. Um einiges delikater erweist sich jedoch Bertis Verbindung zu Amanda Prescott, die als ehemalige Komplizin des Zirkels der Sieben schon einige Male Oscar Wildes Weg gekreuzt hat. Sehr geschickt baut Autor Marc Freund eine Verbindung zwischen Bertie, Amanda und deren Vater, eben jenem zum Tode verurteilten Raymond Prescott, auf, die weit in die Vergangenheit reicht. Außerdem gibt die „Affäre“ Gelegenheit, einige schöne Charaktermomente unterzubringen und mit den Lesererwartungen zu spielen. Grundsätzlich gefällt Amandas weitere Beteiligung am Geschehen, die sich zwar vom Zirkel der Sieben losgesagt hat aber immer noch auf eigene Rechnung arbeitet, auch wenn zwischen ihr und Wilde mehr als bloße Sympathie besteht.

Natürlich gehen auch die aktuellen Todesfälle wieder auf Konto des Zirkels, der hier, um die Monarchie zu destabilisieren, einen neuen Schergen ins Rennen geschickt hat. Im Rahmen einer ebook-(Romanheft-)Serie wiederholt sich dieses Schema natürlich zwangsläufig, doch versteht sich Marc Freund immerhin auf eine flotte, atmosphärische und treffsichere Inszenierung, was Dialoge und Figurendynamik angeht. Der Titel ist außerdem Programm, denn es werden gleich einige Verfolgungsjagden durch die Gassen Londons geboten. Die finale Hatz endet in einer starken Szene, die Amanda auf Augenhöhe mit Wilde präsentiert.

 

FAZIT
Überzeugend konstruierter Histo-Thriller, der gleichsam von Action- wie von Charaktermomenten lebt.

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Lovecraft Letters - VI

Christian Gailus
E-Buch Text: 138 Seiten
Erschienen bei beBEYOND by Bastei Entertainment, 13.02.2018
ISBN 9783732552573
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Es beginnt mit einem Computerspiel namens Final Battle und setzt sich als Rollenspiel mit Gesellschaftsspiel-Elementen fort. Sinn ist es, eine Invasion aus dem Inneren der Erde zu bekämpfen. In Höhlen und Katakomben lauert eine Welt voll lovecraftscher Ungeheuer, die zur Erdoberfläche drängen, um die Menschheit auszurotten.« Ray registrierte den skeptischen Blick seines Gegenübers und fügte rasch hinzu: »Es handelt sich um keine echte Invasion, Detective. Noch einmal: Es ist ein Spiel. Aber die Teilnehmer nehmen es so ernst, dass sie bereit sind, über Leichen zu gehen.“

 

STORY
Nach seiner halsbrecherischen Flucht aus Lynxworth beschließt Ray Berkeley, im Wohnsitz der Colemans nach Antworten zu suchen. Von einem Einheimischen erfährt er erschreckende Tatsachen über das Haus am Baxter Drive 42 in Seaford. Bereits 1890 soll dort eine Hexe von innen heraus verbrannt sein und bis zum Einzug der Colemans sind dort über 20 weitere Menschen gestorben. Außerdem lässt die Aussage eines Augenzeugen Margarethe Colemans Tod in einem anderen Licht als bisher erscheinen. In einem Tunnel unter dem Coleman-Haus findet Ray Anzeichen, wo die Digger und sonstigen Monster herkommen, die bisher nahezu unentdeckt im Untergrund gelebt hatten. Zurück in Burke weiht er Detective Legrasse in alles ein, was er bisher weiß.

Parallel beschließt der Sicherheitsexperte Traben, das geheimnisvolle Teufelsriff vor Lynxworth, über das Satellitenbilder und Messungen widersprüchliche Ergebnisse liefern, persönlich in Augenschein zu nehmen, um dort mehr über die Digger zu erfahren. Außerdem zeigen die Wesen aus der Tiefe ein auffälliges Interesse am amerikanischen Präsidenten.

 

„Einige dieser Fälle waren von einem belgischen Wissenschaftlerehepaar in den Achtzigerjahren untersucht worden. Ihre Ergebnisse förderten Erschreckendes zutage: Obwohl die von ihnen befragten Patienten über die ganze Welt verstreut waren und sie nachweislich keinen Kontakt untereinander hatten, ähnelten sich ihre wahnhaften Erzählungen in bestimmten Aspekten auf geradezu gespenstische Weise. Sie handelten von unheimlichen Kreaturen mit weißer Haut und gebogenen Krallen, die nachts aus Höhlen und Schächten gekrochen kamen und in Gebüschen auf ihre Opfer lauerten.“


MEINUNG
Mit Episode 6 machen die LOVECRAFT LETTERS nochmals einen deutlichen Schritt Richtung Ziel. Nachdem bereits erklärt wurde, dass Lovecrafts Kreaturen keineswegs reine Fantasiegestalten sind und in der letzten Folge das weltumspannende Spiel eingeführt wurde, das die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt, findet unser Held hier eine Erklärung über die Herkunft der „Monster“. Dazu baut Christian Gailus vermehrt Stellen ein, die weltweit zusammenhängende Aktivitäten aus dem Untergrund erahnen lassen, so dass sich langsam aber unmissverständlich das Bild eines Netzes ergibt, das den kompletten Erdball überspannt.

Zwar kommt Ray bei seinen Nachforschungen in eigener Sache doch deutlich der Zufall zuhilfe, doch ist damit auch die Erzählweise wieder angenehm abwechslungsreich und lebendig gestaltet. Einiges erfährt er selbst nur aus zweiter Hand – Lovecraft hat dieses Stilmittel auch genutzt, um eine Aura des Vagen und Geheimnisvollen zu erzeugen ­­–, anderes erlebt man beispielsweise als (Mit-)„Betrachter“ eines Handyvideos, das Ray in den Tunnel unter dem Coleman-Haus aufgenommen hat.

Anderswo, vor Lynxworth, wird das Teufelsriff genauer unter die Lupe genommen, bei dem es sich natürlich um das Riff aus Lovecrafts SCHATTEN ÜBER INNSMOUTH handelt.

 

FAZIT
Es geht spürbar auf die Zielgerade und bleibt weiterhin mysteriös und spannend.

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apokalypse, graphic novel, splitter verlag

Magdas Apokalypse

Chloé Vollmer-Lo , Carole Maurel
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 25.10.2017
ISBN 9783962190262
Genre: Comics

Rezension:

STORY
„Der Weltuntergang findet nicht statt!“ Eine Nachricht, die alle Menschen der Erde in frenetischen Jubel ausbrechen lässt, hat bei der 13jährigen Magda den gegenteiligen Effekt.

Ein Tag vor Magdas 13. Geburtstag wird der Weltuntergang verkündet, der ein Jahr darauf stattfinden soll. Eine Ankündigung, die die Menschen in Magdas Umgebung scheinbar in zwei Lager spaltet. Einmal diejenigen, die alles ausprobieren wollen, wozu sie bislang nie den Mut hatten. Dazu gehört auch ihr Vater, der seine Familie verlässt, um die ihm verbleibende Zeit mit seiner Geliebten zu leben. Zum Zweiten diejenigen, die in dem beginnenden Chaos ihr Leben wie bisher weiterleben so gut es geht, um nicht durchzudrehen. Schon alleine ihre einsetzende Pubertät empfiehlt Magda für die erste Gruppe. Zunächst noch zaghaft, wird Magda bald offensiv abenteuerlustig. Sie verliert ihre Unschuld, wirft ihre gesunde Vorsicht was ihren Umgang angeht über Bord und stößt Freunde und Familie vor den Kopf. Kompromisse ade, Fastenzeit vorbei.

MEINUNG
MAGDAS APOKALYPSE ist in vier Kapitel unterteilt, die sich an den Jahreszeiten dieses angeblich letzten Jahres der Menschheit orientieren. Und mit jedem Kapitel wandelt sich die Geschichte um Magdas Zeitraffer-Erwachsenwerden mehr und mehr zum eindringlichen Drama. Die Ankündigung, dass das Leben bald vorbei ist bringt das Beste und das Schlimmste in den Menschen zum Vorschein; die bisherigen Regeln gelten nicht mehr.

So stößt Autorin Chloé Vollmer-Lo mit MAGSAS APOKAPLYPSE ein Gedankenexperiment an, das noch während der Lektüre im Kopf des Lesers unweigerlich eine ganz persönliche Parallelhandlung lostritt, nämlich die Vorstellung was man selbst in einer solchen Situation tun würde. Dabei muss jeder selbst entscheiden, wie weit er gehen würde. Ob es wichtiger ist sich ohne Rücksicht auf Verluste zu verwirklichen, seine Grenzen auszutesten und dabei auch Erde zu verbrennen oder ob man die Flagge der Zivilisation, der Menschlichkeit und Brüderlichkeit hoch hält. In MAGDAS APOKALYPSE gibt es beide Fraktionen, die Chloé Vollmer-Lo jeweils nachvollziehbar schildert, ohne Partei zu ergreifen oder den moralischen Zeigefinger zu heben.

Gedankenexperimente, bei denen die Menschen keine Folgen für ihre unmoralischen oder gar ungesetzlichen Taten fürchten müssen, gibt es in der Fiktion einige. In MAGDAS APOKALYPSE passiert es allerdings, dass der Weltuntergang ausbleibt aber das Leben nicht wieder auf „Null“ gesetzt wird. Magdas Worte und Taten und auch deren Folgen bleiben bestehen, ihr Gewissen schaltet sich mit aller Macht wieder ein, die Story gipfelt in einem drastischen Finale.

Der Comic ist das Autorendebüt der Fotografin Chloé Vollmer-Lo, die hier mit selbstbewusstem Understatement eine beeindruckend vielschichtige Erzählung abgeliefert hat, die den Leser unaufdringlich fesselt. Der cartoon-hafte Zeichenstil von Carole Maurel beschwört ein wohliges Gefühl herauf, das die immer dramatischer werdende Story zunehmend konterkariert.

„Ohne den Weltuntergang wären mir Jahre geblieben, dich zu lieben. Sanft, ungeschickt, zärtlich. Aber mit genug Zeit, um daran zu glauben.“

FAZIT
Eine einfache Prämisse, die vielschichtige Folgen nach sich zieht. Beeindruckend intensives Comic-Debüt.

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Streamliner. Band 2

Fane , Fane
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 06.12.2017
ISBN 9783962190088
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Es sind noch drei Tage bis zum großen Rennen. Evel O’Neill schwelgt in Erinnerungen an den Krieg und warum er einst diese gottverlassene Parzelle mitten in der Zentralwüste gekauft hat. Auf eben dieser finden währenddessen die Qualifizierungsrennen statt und der ein und andere Teilnehmer findet sich noch ein. So wie Calamity, Rocksängerin und Ex von Billy Joe, die gleich ordentlich in die Saiten haut und am Rennplatz ein Konzert gibt, was noch mehr Fremde anlockt. O‘Neills Tankstelle entwickelt sich mit Riesenschritten zu einem Woodstock der Rennsportbegeisterten (wenn im Jahr 1963 auch 6 Jahre vor „Woodstock“) und auch die Medien wittern schon eine werbewirksame Veranstaltung in Super-Bowl-Dimensionen, die alle Quotenrekorde zu sprengen verspricht.

MEINUNG
Man hätte es kaum für möglich gehalten, doch das von Billy Joe und seinen Red Noses geplante „intime“ Streamliner-Rennen zieht immer weitere Kreise. Für die Ottonormalbürger werden diese Outlaws und dieses Rennen zu einem Symbol des Amerikanischen Traums von Freiheit und Abenteuer. Auf dem Rennplatz herrscht derweil buntes Treiben. Die verschiedenen Parteien beäugen sich mit neugierigem Misstrauen und mit dem Auftauchen seiner Verflossenen Calamity beginnen Billy Joe mehr und mehr die Fäden aus der Hand zu gleiten. Als schließlich ein Fernseh-Zeppelin auftaucht ist klar, dass die Veranstaltung endgültig eine Eigendynamik erreicht hat, die nicht mehr zu bremsen ist.

Die anfänglichen Kriegserinnerungen von Evel O’Neill kontrastieren die ausufernde Jahrmarktstimmung und verdeutlichen endlich, was dem Tankstellenbesitzer dieses verlassene Stück Land bedeutet. Die Handlung gewinnt damit insgesamt an Substanz, doch ohne, dass dies als Spaßverderber wirkt.

Fanes legere Zeichnungen transportieren perfekt die leidenschaftliche und ungezwungene Stimmung, die an und um O’Neills Tanke herrscht. Die Kerle sind megalässig, die weiblichen Rennpiloten ziemlich sexy und die durchgehend warmen und erdigen Farbtöne sorgen für ein großartiges Wohlfühlklima.

FAZIT
Die Turbulenz der Handlung legt noch deutlich zu und das bevorstehende Streamliner-Rennen entwickelt sich zu einem nationalen Großereignis.

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Die Erektion. Band 1

Jim , Lounis Chabane
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 22.02.2018
ISBN 9783962190248
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Samstagabend, einige Tage vor Weihnachten im Paris: Lea und Florent haben das befreundete Pärchen Andrea und Jean-Fabrice zum Abendessen eingeladen, um in dieser gemütlichen und vertrauten Runde Leas 48. Geburtstag zu feiern. Als Andrea damit herausrückt, dass sie und Jean-Fabrice sich trennen werden, ist der Abend gelaufen. Noch bevor sich das Ex-Paar kurz darauf verabschiedet, bemerkt Lea, dass Florent einen beachtlichen Ständer hat, für den sie zunächst Andrea und deren luftiges Outfit verantwortlich macht. Erst nach einigem Hin und Her beichtet Florent, dass er sich zum Jux und als Geburtstagsüberraschung für Lea eine Viagra eingeworfen hat. Doch statt dass sich der Streit damit in Lachen und Wohlgefallen auflöst und endlich die Privatparty losgeht, die sich Florent erhofft hatte, eskaliert der Streit weiter.

MEINUNG
Mit DIE EREKTION hat Jim (Thierry Terrasson) einen Comic für Erwachsene geschrieben, der mit seinen Dialogen, Wendungen und Entwicklungen Woody Allen zur Ehre gereichen würde. Aus einer vermeintlich harmlosen und sogar witzigen Situation entspinnt sich ein Wortgefecht, das an den Grundfesten von Leas und Florents langjähriger Beziehung rüttelt. Die Argumente reichen von „Was findest du an der blöden Schlampe von Andrea, dass du hier mit einem Dauerständer rumläufst?“ über „Mach ich dich nicht mehr an, dass du chemische Hilfe brauchst?“ bis zum schwerwiegenden Vorwurf des Vertrauensbruchs. Da wirkt dieser als Jux gedachter Fauxpas wie Wasser auf Leas Mühlen, die ihre Jugend und Attraktivität mit Riesenschritten schwinden sieht. Eine erhitzte Situation, in der Florents Argumente überhaupt nicht zu ihr durchdringen, der nichts anderes tun kann, als zu versuchen, sie zu beschwichtigen und die Harmlosigkeit seiner Absicht zu erklären. Dinge, die vermutlich jeder, der in einer Beziehung lebt, in der ein oder anderen Weise und Ausprägung wiedererkennt.

Meisterhaft gelingt es Jim, die Argumente beider Seiten plausibel zu vermitteln und für keinen seiner Charaktere Partei zu ergreifen. Weder steht Lea als hysterische und überempfindliche Zicke da, noch Florent als gefühlloser und notgeiler Spinner. Auch das Umfeld ist fantastisch gestaltet, das indirekt ebenfalls Einfluss auf die Dynamik des Zwiegesprächs hat. Plötzlich spürt Lea förmlich den Spießermief aus den Wänden der gemeinsamen Wohnung dringen, in der vorher Florents Eltern lebten. Und ein Stock über dem streitenden Paar ist eine Eltern-außer-Haus-Party im Gange, bei der schon mal ein Höschen über das Balkongeländer segelt.

So pendelt DIE EREKTION meisterhaft auf einem schmalen Grat zwischen Drama und Komödie. Der Disput erfolgt noch vergleichsweise kultiviert und keine der Figuren und Sichtweisen werden ins Lächerliche gezogen.

Zeichner Lounis Chabane hat bereits Jims HELENA illustriert und überzeugt auch hier mit einem sehr eleganten Strich, der Jims ebensolche Erzählweise perfekt illustriert. Auch die warme Farbgebung sorgt dafür, dass man sich in dem Szenario wohl fühlt. Nicht zu unterschätzen ist außerdem natürlich die Mimik aber auch wie sich die Figuren während ihres Dialogs in der Wohnung bewegen, wie und wo sie stehen oder sitzen, die Non-verbale-Kommunikation. Auch dies hat einen immensen Einfluss auf die Dynamik der jeweiligen Situation und ist von Lounis Chabane brillant umgesetzt.

FAZIT
Ein harmloser Jux entwickelt sich zu einem ausgewachsenen Beziehungsdisput. Elegant gestaltete und fantastisch ausbalancierte Anatomie eines Streitgesprächs.

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comic, steampunk, experimente, luftschiffe, mechanisch

Lady Mechanika. Band 1

Joe Benitez , Joe Benitez
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.07.2017
ISBN 9783958395206
Genre: Comics

Rezension:

STORY
1878: Eine angeblich halbmechanische Kreatur macht die Satan’s Alley in Mechanika City unsicher. Eine Meldung, die nicht nur Lady Mechanika, ebenfalls halb Mensch und halb Maschine, auf den Plan ruft, sondern auch den Rüstungsmagnaten Lord Nathaniel Blackpool, der das Wesen und dessen mechanische Modifikationen für Rüstungszwecke studieren will. Gerade noch erkennt Lady Mechanika, dass es sich bei der Kreatur um ein vernunftbegabtes Wesen handelt, das ihr sogar einige Antworten zu ihrer eigenen Vergangenheit liefern könnte, bevor es von einem übereifrigen Jäger Blackpools erschossen wird.

Ein Jahr darauf gelangt ein totes Mädchen, das ebenfalls mechanische Körpermodifikationen aufweist, auf dem Dach eines Zuges nach Mechanika City. Dr. Littleton, der ein Jahr zuvor noch für Lord Blackpool tätig war, wird zufällig Zeuge dieses Ereignisses. Grund genug für Lady Mechanika, den Doktor aufzusuchen. Und tatsächlich stoßen sie, Dr. Littleton und ihr brüderlicher Freund Lewis auf Spuren, die es zu verfolgen lohnt, will Lady Mechanika das Geheimnis ihrer eigenen Herkunft aufdecken.

MEINUNG
Ältere Comicleser werden das Gefühl haben, dass sich mit der Veröffentlichung von LADY MECHANIKA im Splitter Verlag ein Kreis schließt: Der “alte” Splitter-Verlag brachte mit WEAPON ZERO und THE DARKNESS seinerzeit einige Top Cow-Serien nach Deutschland, in denen bereits der Name Joe Benitez auftauchte; nun veröffentlicht der neue Splitter Verlag einen weiteren Benitez-Titel. Doch wo früher, bei Top Cow, oftmals die Optik über den Inhalt gesiegt hat, kann man sich hier beruhigt – oder besser gespannt – zurück lehnen. Denn Joe Benitez bringt hier ganz gepflegt eine Steampunk-Mystery-Story ins Rollen, die zwar mit bekannten Elementen arbeitet aber so flott und flüssig erzählt wird, dass keine Langeweile aufkommt. Die alten Tugenden hat der Künstler natürlich beibehalten, so dass nicht nur die Lady herself ein totaler Hingucker geworden ist. „Mechanika“, wie sie kurz genannt wird, überzeugt als sehr coole und geheimnisumgebene Hauptfigur, lässt aber auch genug Verletzlichkeit erkennen, um beim Leser Sympathie zu erzeugen. Dass die Gute sich nicht an ihre Vergangenheit erinnern kann – Mechanika wurde einst in einem unterirdischen Labor, inmitten von Leichenteilen gefunden -, geschweige denn an die Person, die sie zu einem „Cyborg“ gemacht hat, bringt ein bewährtes Mystery-Element ein und bildet das Herzstück ihrer Motivation, mehr über das tote Halbmädchen herauszufinden. Flankiert wird die kämpferische Lady von dem Gentleman-Doktor Littleton samt vorlautem Töchterlein und ihrem schwulen Vertrauten Lewis. Ein Erfinder, der eine gelungene Mischung von spitzzüngigem Humor, gepflegtem Dandytum und einer Portion Weltschmerz einbringt. Auf der Gegenseite tummeln sich der sinistere Lord Blackpool, der nach seinem ersten Zusammentreffen mit Mechanika ebenfalls technisch aufgerüstet werden musste, Commander Katherine de Winter, mit der Mechanika eine gemeinsame Vergangenheit teilt und der ominöse „Ingenieur“, ein Chirurg der offenbar für die bizarren Umbauten an Menschen verantwortlich ist. Zudem sind Gerüchte über schwarze Magie in Mechanika City in Umlauf.

Personen- und Handlungsmuster sind also nicht gerade neu, doch ist alles dermaßen temporeich, bildstark und mit dem passenden Quäntchen Pathos erzählt, dass man sich gerne darauf einlässt. Und alle, die eine Schwäche für gutgebaute Frauen in Uniform haben, werden sich ebenfalls gut bedient fühlen. Dass Joe Benitez auch der Humor nicht zu kurz kommen lässt, macht LADY MECHNAIKA sogar noch sympathischer.

Das Ende dieses ersten Bandes entlässt den Leser gespannt wie einen Flitzebogen. Das Team „Mechanika“ hat endlich eine vielversprechende Spur und ist um einige Verbündete reicher.

Zeichnerisch fühlt man sich deutlich an die Top Cow-Titel erinnert. Design und Darstellung von Kleidung, Rüstungen und Uniformen sind ausgesprochen detailliert und eine Mischung aus viktorianischer Mode und BDSM-Fetisch-Elementen; Bildhintergründe spielen kaum eine Rolle.

Zusätzlich zu den Nummern 1-5 der Serie enthält der Band noch den Prolog Der Dämon von Satan’s Alley, der die weitere Handlung vorbereitet, ein sehr sympathisches Vorwort von Joe Benitez und zum Abschluss eine Covergalerie, die Mechanika noch mehrmals brillant in Szene zeigt.

FAZIT
Fantastisches Steampunk-Mystery-Action-Abenteuer mit einer überragenden Titelheldin.

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Der Fall Homunculus: Oscar Wilde & Mycroft Holmes - 04 (Sonderermittler der Krone)

Marc Freund
E-Buch Text: 116 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 14.11.2017
ISBN 9783732544790
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Der Zirkel ist in der Lage, künstliche Menschen zu erschaffen. Wir wissen das seit dem Fall des Todesrichters. Diese künstlich gesteuerten Geschöpfe sind in der Lage, wie ein Mensch zu denken und zu handeln. Was sie zudem so gefährlich macht ist die Tatsache, dass sie mit bloßem Auge nicht mehr von echten Menschen zu unterscheiden sind.“


STORY
Eingedenk ihres letzten Abenteuers ist Mycroft Holmes überzeugt, dass der Zirkel der Sieben bald wieder einen oder gar mehrere künstliche Menschen zum Einsatz bringen wird. Als wahrscheinliches Ziel sieht er einen bevorstehenden Kongress in Paris, zu dem die politischen Oberhäupter aller europäischen Länder anreisen werden. Doch zuvor erteilt er Wilde den Auftrag, den jungen Peter Ferguson im geheimen zurück in dessen Heimatdorf zu verfolgen. In der Schreinerwerkstatt von Fergusons Vater, die einst dem verschwundenen Puppenmacher Owen Cuthbrick gehört hatte, hofft Wilde auf Hinweise zum Verbleib des Erbauers der mechanischen Menschen. Holmes ist davon überzeugt, dass nur er es sein kann, der den Zirkel der Sieben – freiwillig oder unter Zwang – mit künstlichen Menschen versorgt. Nach einem bedeutsamen Fund in der Werkstatt reisen Wilde und Ferguson weiter nach Paris, während Holmes in London nur knapp einem Giftanschlag entkommt.


„Wie aufs Stichwort drehte sich der künstliche Mensch zu Wilde um. Sein Gesicht war kaum noch als solches zu erkennen. Es war eine verzogene Grimasse, aus der das linke Auge nutzlos an zwei Drähten herunterbaumelte. Oberhalb der Augenbrauen war die Stirn aufgerissen, und an der Stelle, an der sich normalerweise das Gehirn hätte befinden müssen, lugten die nach kaum erkennbaren Gesetzen der Physik verknüpften feinen Kupferdrähte hervor.“


MEINUNG
Natürlich bleiben Oscar Wilde und Peter Ferguson in Paris nicht lange unentdeckt. Ihr Quartier wird durchsucht und sie müssen sich bald gegen einen der antiken Terminatoren wehren, dessen Spur sie weiter ins Kloster Saint D’Auvril verfolgen, wo der politischen Kongress stattfinden soll. Die dortigen Ereignisse lassen vermuten, dass dort bereits eine ganze Truppe von Homunculi auf ihren Einsatz wartet. Dies wurde von Marc Freund gewohnt actionreich inszeniert und als wäre der Kampf gegen die künstlichen Menschen, den Wilde sehr einfallsreich für sich entscheidet, nicht genug, tritt auch die rätselhafte Amanda indirekt wieder in die Handlung ein. Eine gelungene Figur, von der man immer noch nicht weiß, auf welcher Seite sie (gerade) steht und gegen deren weibliche Reize Wilde alles andere als gefeit ist.

In London ist Mycroft Holmes derweil empfindlich mitgenommen und beinahe zur Untätigkeit verdammt. In einem fremden Haus gefangen kann er sich nicht sicher sein, ob er sich möglicherweise gerade in den Händen seiner Feinde befindet und wem er noch trauen kann. Besonders nachdem eine der sonst noch anwesende Personen sich als der Todesrichter des Zirkels der Sieben zu erkennen gibt (siehe WILDE & HOLMES ebook 3, DER TODESRICHTER). So ist es schon die Regel, dass in der Serie zwei Handlungsstränge bedient werden, da die beiden Titelhelden nur selten gemeinsam agieren. Immerhin wird auch Mycroft Holmes aus seiner Komfortzone gezwungen, da der Zirkel der Sieben bereit sein allernächstes Umfeld infiltriert hat.

Nachdem die Episoden 2-4 nahtlos aneinander angeschlossen haben, erfolgt hier ein zumindest vorläufiger Abschluss, der den Helden etwas Ruhe verspricht. Was nicht heißt, dass nicht noch genügend Fäden vorhanden sind, um die Handlung weiter zu spinnen.

Die ganze Thematik um die künstlichen Menschen spielt auch in den Hörspielen der Serie eine Rolle (siehe WILDE & HOLMES Hörspiel 4, TOD DER KÖNIGIN), wobei dort ein Anderer als Schöpfer der antiken Terminatoren in Erscheinung tritt.


FAZIT
Der Kampf gegen die künstlichen Menschen bietet einen vorläufigen Höhepunkt der historischen Mystery-Serie.

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Rückkehr nach Belzagor. Band 1

Robert Silverberg , Philippe Thirault , Laura Zuccheri
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 06.12.2017
ISBN 9783962190156
Genre: Comics

Rezension:

STORY
In den Zeiten der Kolonisierung durch die Erde, war der Planet Belzagor unter dem Namen Terra Holman bekannt. Als man erkannte, dass mindestens zwei der einheimischen Spezies, die elefantenähnlichen Nildoror und die menschenartigen Sulidoror, als intelligent einzustufen sind, wurde die Kolonisierung gestoppt und der Planet wieder seinen ursprünglichen Bewohnern überlassen. Vereinzelt leben noch Menschen in den mehr oder weniger heruntergekommenen Gebäuden aus der Kolonisierungszeit. 10 Jahre nachdem der Planet „aufgegeben“ wurde kommt das Ethnologenpaar Dorothy und Ray Wingate nach Bezagor, um das „Ritual der Wiedergeburt“ der Nildoror zu dokumentieren, das für Außenstehende streng verboten ist. Begleitet werden sie von Edmund „Eddy“ Gunderson, der einst als Soldat auf Belzagor stationiert war. Seine Kontakte und sein Wissen um Land und Gepflogenheiten der Einheimischen sollen es den beiden ermöglichen, in das Gebiet der Nildoror vorzudringen und das verbotene Ritual zu beobachten. Doch die Nildoror fordern eine Gegenleistung für diesen Gefallen. So holt Gunderson seine Vergangenheit und seine Erinnerung auf unangenehme Weise wieder ein.


MEINUNG
Mit RÜCKKEHR NACH BELZAGOR liegt die Adaption des beinahe philosophisch-religiösen Romans DIE MYSTERIEN VON BELZAGOR (OT: DOWNWARD TO THE EARTH) von Robert Silverberg vor, der gerne als SF-Variante von Joseph Conrads HERZ DER FINSTERNIS bezeichnet wird. Mit dieser Ausrichtung ist die Erzählung ganz eindeutig ein Kind ihrer Zeit, nämlich der ausgehenden 1960er Jahre, was sich auch in einigen andere Motiven der Geschichte niederschlägt, wie etwa die ganz selbstverständlich gelebte sexuelle Freiheit, die Ablehnung bzw. die Verrohung des Establishments und Experimente mit bewusstseinsverändernden Drogen. Dies wird auch optisch irre gut aufgefangen und spiegelt sich im Retro-Future-Design von Kleidung, Gebäuden und Raumschiffen. Als Rahmen dient eine ganz und gar fantastisch-exotische Fauna und Flora, die die Künstlerin Laura Zucceri (DIE GLÄSERNEN SCHWERTER) fast schon schwelgerisch umgesetzt hat und die ebenso der Fantasie Richard Corbens entsprungen sein könnte. Surreale Höhepunkte inklusive.

Die Geschichte von Eddy Gunderson dagegen ist zeitlos. Ein Mann wird gedrängt, sich mit seiner Vergangenheit zu beschäftigen, die er gerne hinter sich lassen würde. Nicht alles war schlecht damals aber einiges hat ihn nachhaltig entsetzt und geprägt, was er gerne vergessen würde. Nun wird er erneut in diese unbequeme und angsteinflößende Position gezwungen. Ohne übereilt zu wirken ist die Story konsequent auf das Ziel hin ausgerichtet, das das geheimnisvolle religiöse Ritual der Nildoror darstellt. Man ahnt schon, ohne dass dies explizit angedeutet wird, dass der Ritus auch für Eddy Gunderson eine ganz spezielle Bedeutung erlangen wird. Dass die Figur moralisch nicht ganz hasenrein ist und ihre Vergangenheit erst nach und nach aufgedeckt wird, sorgt für zusätzlichen Reiz.


FAZIT
Philosophische SF mit moralischen Grauzonen in grandios-exotischen Bildern.

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Die Ausgestossenen von Orion. Band 1

Eric Corbeyran , Jorge Miguel
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 06.12.2017
ISBN 9783962190170
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Der Planet Orion-XB12577 in einer fernen Zukunft: Korhen von der Kriegerkaste wird in eine Falle der Geistlichen gelockt, verurteilt und damit zu einem Ausgestoßenen. In der Gefangenschaft lernt der Krieger die Künstlerin Tryana kennen, die ihm von einer seltsamen Beobachtung erzählt. Angeblich hat sie gesehen, wie ein blonder Mann in einem fliegenden Wagen vom Himmel kam und mit einer Gruppe Priester davon geritten ist. Der Fremde hatte eine Strahlenwaffe bei sich, die in der Lege ist, Lebewesen verschwinden zu lassen und die er bei den Priestern gegen Mondeisen eintauschen will. Korhen und Tryana gelingt die Flucht und auf ihrem Weg sehen sie den Fremden wieder, bevor sie unfreiwillig getrennt werden. Während Tryana in die Sklaverei verkauft wird, landet Korhen bei einer Piratenbande, die einen ungewöhnlichen Gast beherbergt. Eine Frau, ebenso blond und ebenso gekleidet wie der seltsame Fremde. Sie kennt den Mann sogar und wurde geschickt, ihn zu finden und aufzuhalten. Gemeinsam mit Korhen macht sie sich an die Verfolgung des Blonden.


MEINUNG
Erst am Ende dieses ersten Bandes erfolgt eine Erklärung, warum in dieser fernen Zukunft mittelalterliche Zustände herrschen. Bereits Generationen zuvor haben die Menschen von der Erde fremde Planeten besiedelt. Auf Orion-XB12577 haben die Menschen ihre Herkunft vergessen und auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind offenbar verschütt gegangen. So befindet man sich dort auf einer Welt, deren Entwicklungsstand dem irdischen Mittelalter entspricht und die zusätzlich von einigen exotischen Kreaturen bewohnt wird, so dass man im Grunde eine Fantasy-Welt vor sich hat, die bestens für ein Sword & Sorcery-Abenteuer geeignet ist. Die Magie wird hier durch das SF-Element ersetzt, ansonsten könnte man Korhen auch gut durch Conan ersetzen. Auch dass Korhen eher zufällig in dieses Abenteuer stolpert, die Flucht aus der Gefangenschaft und die verschiedenen Stationen des Helden (Schaustellertruppe, Sklaverei, Piraten) könnten gut aus den Abenteuern des Cimmeriers stammen, ebenso wie seine weibliche Begleitung, die durchaus auf Augenhöhe des Helden agiert. Fans von Heroic Fantasy werden auf jeden Fall bestens bedient, der Pulp-Charakter tut ein Übriges, DIE AUSSGESTOSSENEN VON ORION sehr sympathisch zu machen.

Die Geschichte adaptiert den Roman LA CROIX DES DÉCASTÉS von Julia Verlanger (Pseudonym der 1985 verstorbenen Éliane Taïeb), der offenbar nie auf Deutsch erschienen ist. Immerhin wird dies jetzt für die Comicadaption von Éric Corbeyran (DOPPELGÄNGER, ELFEN, BADLANDS, ASASSIN’S CREED) nachgeholt.

Die Zeichnungen von Jorge Miguel (ALS DIE ZOMBIES DIE WELT AUFFRASSEN) wirken zum Thema passend wenig subtil und ohne viel Schnickschnack. Besonders gefallen die Wrackteile verschiedener Raumschiffe, die überall über das Land verteilt sind und die von der mittelalterlichen Kultur nicht als solche erkannt werden. Nur Mimik und Gestik der Figuren sind stellenweise übertrieben dargestellt.


FAZIT
Obwohl in einer zukünftigen SF-Welt angesiedelt, bietet die Story ein klassisches Heroic Fantasy-Abenteuer mit Pulp-Charakter.

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Amazonia. Band 2

Leo , Rodolphe , Bertrand Marchal
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 06.12.2017
ISBN 9783958395510
Genre: Comics

Rezension:

STORY
London/Rumänien, 1947: Die Bram Stoker-Gesellschaft beschließt, den Zusammenhang zwischen einem heftigen Meteoritenschauer im Gebiet der Karpaten Ende des 15. Jahrhunderts und den zeitlich damit einhergehenden ersten Berichten über lebende, blutsaugende Tote zu untersuchen. Die Mitglieder Clyde und Oscar beschließen, ihren gemeinsamen Urlaub mit dahingehenden Nachforschungen zu verknüpfen und stoßen vor Ort auf eine Geschichte, nach der ein armer Bauer in den 1920ern einen der Meteoritensteine gefunden hat, was ihn und seine Familie das Leben kostete.

Amazonien, 1949: Nach der britischen Regierungsbeamtin Kathy Austin trifft an der Krankenstation von Pater Albert Laughton auch die Yacht der Deutschen ein. So wird das Dschungel-Lazarett zum zufälligen Treffpunkt der verschiedenen Parteien, die auf der Suche nach dem hellhäutigen Außerirdischen sind, der bei den gefährlichen Yanomani-Indianern im Amazonas-Gebiet leben soll (siehe AMAZONIA 1). Es entbrennt ein regelrechtes Wettrennen flussabwärts in die tieferen Dschungelregionen, bei dem es zu ersten Todesopfern kommt. Mit Hilfe von Kapitän Delio von der brasilianischen Marine kann Kathy die Verfolgung der Deutschen aufnehmen. Im Gebiet der Yanomani angekommen sind beide Parteien unabhängig voneinander gezwungen, ihre Boote zu verlassen und ihren weiteren Weg an Land zurückzulegen. Kathy und Delio werden dabei von der bleichen Kreatur beobachtet, die sie zu finden hoffen.


MEINUNG
Das unterschwellige Gefühl einer sich anbahnenden Entladung, dass sich in Teil 1 aufgebaut hat, wird hier bestätigt. Nach einer improvisierten und skurrilen Abendveranstaltung, auf der eine deutsche Operndiva im tiefsten Dschungel Wagner-Arien schmettert und der Anschein der Zivilisation noch mühsam aufrecht erhalten wird, fallen schon früh am nächsten Morgen die Masken. Der Weg ins Unbekannte wird beschritten, Nervosität, Unsicherheit und die Furcht vor dem Unbekannten steigen und brechen sich auf Kosten einiger Menschenleben bahn. Zusätzlich entsteht eine tödliche Bedrohung von außen, denn auch die Yanomani sind alles andere als erfreut über die Eindringlinge. So verdichten die Autoren Leo und Rodolphe die Spannung nochmals deutlich, wobei der Leser als Höhepunkt gezeigt bekommt, dass ausgerechnet das Objekt dieser Suche von den Vorgängen weiß. Eine Szene, die auch auf dem Covermotiv wiedergegeben ist.

Ganz neu eröffnen die Autoren einen zweiten Handlungsstrang, der zwei Jahre früher spielt und von London in die Karpaten führt. Vampirglaube und geheimnisvolle Steine aus dem Weltall spielen hier eine Rolle. Auch dies endet in einem wirkungsvollen Cliffhanger. Die Frage, wie das mit der Hauptstory zusammenhängt, heizt das Mysterium von AMAZONIA weiter kräftig an.

Zudem schaffen es die Autoren, ihre Geschichte mit teils sogar humorigen Charaktermomenten und -entwicklungen aufzufüttern, ohne dass die Spannung darunter leidet.


FAZIT
Die großartig ausbalancierte Geschichte entwickelt sich deutlich weiter und wird sogar noch größer aufgezogen. Der Mystery-Faktor bleibt hoch.

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Lovecraft Letters - V

Christian Gailus
E-Buch Text: 154 Seiten
Erschienen bei beBEYOND by Bastei Entertainment, 09.01.2018
ISBN 9783732552566
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Webster entwickelte eine Legende, nach der Wesen von fernen Planeten oder Sternen einst durch den Weltraum zur Erde reisten, um sie zu beherrschen. Aus irgendwelchen nicht näher genannten Gründen wurde ihre Macht beschnitten, und sie zogen sich in Höhlen und andere dunkle Gegenden der Welt zurück, wo sie seitdem schlafen und darauf warten, erweckt zu werden, um die Erde erneut zu bevölkern.“


STORY
Gerade muss Ray feststellen, dass Karen und die Kinder das gemeinsame Haus auf unbestimmte Zeit verlassen haben, da sind ihm bereits weitere Verfolger auf den Fersen. Nur Dank er Warnung eines Unbekannten, der sich „Trance“ nennt, kann er ihnen entkommen. Seine Flucht führt ihn in das Küstenstädtchen Newburyport und weiter nach Lynxworth, wo er sich mit „Trance“ trifft. Der Hacker erzählt Ray von dem Darknet-Spiel „Final Battle“, das für seinen dynamischen Spielverlauf eine Mischung aus Fiktion und realen Fakten nutzt. Und einige der nahezu besessenen Spieler tun Dinge in der Realität, um damit den Spielverlauf zu beeinflussen. Das Spiel handelt von einer Invasion der Erde durch die Monster von H. P. Lovecrafts, die aus dem Erdinneren an die Oberfläche drängen.


„Ray trat zurück und betrachtete sein Werk. Es gab deutliche Parallelen zwischen Lovecrafts Geschichten und der Realität – als wären die Erfindungen des Schriftstellers in die Wirklichkeit herübergeschwappt. Allerdings nur in Teilen, wie Puzzlestücke, die Ray zusammensetzen musste. Noch einmal vertiefte er sich in das Netzwerk an der Wand.“


MEINUNG
Mit dem fünften Teil der LOVECRAFT LETTERS geht es in die zweite Halbzeit der auf acht Bände angelegten Serie. Und tatsächlich tut Autor Christian Gailus hier schon einiges, um die bisher noch relativ autonom erscheinenden Ereignisse, die in den letzten Wochen über Ray Berkeley hereingebrochen sind, zusammenzuführen. Ein geheimes online-Spiel soll für dies alles verantwortlich sein, in dem verhindert werden muss, dass Monster aus den Geschichten H. P. Lovecrafts aus dem Inneren der Erde an die Oberfläche kommen. Um einen möglichst hohen Grad an Realismus zu erreichen zieht sich das Spiel angeblich Daten aktueller realer Ereignisse und bindet diese in den Spielverlauf ein. Und irgendwelche Spinner bringen im Umkehrschluss in der Realität Menschen um, um das Spielgeschehen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Auch fällt es Ray schwer zu glauben, das Lovecrafts Monster tatsächlich existieren und wahrhaftig dabei sind, sich Wege an die Erdoberfläche zu bahnen. Der Leser ist dank der Parallelhandlung schon weiter, in der eine geheime Militäreinheit die Aufgabe hat, diese Durchbrüche auf die Erdoberfläche, „Outbursts“ genannt mit allen Mitteln zu verhindern, ebenso, dass etwas darüber bekannt wird, was sich unter den Füßen der Menschen abspielt.

Ein Schlüsselelement der Ereignisse scheint auch die Sekte zu sein, die in den 1940ern nahe von Rays Haus ihr Domizil hatten und über ein regelrechtes Wunderpulver aus einer unbekannten Quelle verfügt hat. Die Rückblenden ins Jahr 1948 weisen einen beträchtlichen Ekelfaktor auf. Außerdem bringen Rays Recherchen einiges ans Licht, was seine Blackouts und Visionen erklären könnte. Hier scheint es, als würde der Handlungsverlauf wirklich sehr gut die Kurve kriegen und sich nicht immer weiter verzetteln. Überhaupt wirkt dieser Teil, trotz der Einführung eines weiteren, neuen Storyelements, insgesamt sehr viel straffer und emotional eindringlicher als die Vorgänger. Rays Reise an die Küste und seine damit verbundenen Gefühle und nicht zuletzt das Lynxworth vorgelagerte Riff im Meer wecken unter Lovecraft-Kennern weitere Vermutungen. Pate stand dieses Mal natürlich SCHATTEN ÜBER INNSMOUTH.


FAZIT
Der bisherige Höhepunkt der Serie. Ereignisse werden zusammen geführt und ein Ziel wird langsam erkennbar.

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zombies, comic

Die Nacht der lebenden Toten. Band 3

Jean-Luc Istin , Elia Bonetti
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 16.11.2017
ISBN 9783962190651
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Im Hotel taucht ein gewisser Stan mit zwei Schlägertypen auf, der noch eine Rechnung mit dem Hotelchef Hodge offen hat. Währenddessen haben die Stimmen in Mandys Kopfe eine Idee, wie es ihr möglich ist, sich unerkannt zwischen den Untoten zu bewegen, so dass sie unbemerkt ihre Flucht und die Vernichtung des Hotels vorbereiten kann. Parallel dazu wird Lizbeths Ehemann John und ihre Kinder vom Illeness Korp. Sicherheitsdienst gerettet und in ein sicheres Gebäude gebracht.

 

MEINUNG
Nach dem grandiosen Auftakt ist es Jean-Luc Istin gelungen, in Kapitel 2 noch einmal eine Schippe drauf zu legen. Zwar spitzt sich die Situation der im Hotel eingeschlossenen dank Mandys Plan, den Zombies die Türen zu öffnen und das Hotel danach abzufackeln, immer weiter zu, doch sind hier auch einige Längen zu bemerken. Mit dem plötzlichen Auftauchen von Stan und seinen Gorillas und Hodges Geschäftsführer, der sich die ganz Zeit auf dem Dachboden versteckt gehalten hat, tauchen gleich zwei Figuren auf, die sich zwar wichtig tun, doch kurz darauf wieder abserviert werden, ohne dass sich für Lizbeth, Leland & Co. irgend etwas ändert. Auch Stans Motiv, im Angesicht dieser Ausnahmesituation noch unter Lebensgefahr sein Geld eintreiben zu wollen, statt sich einfach in Sicherheit zu bringen, scheint reichlich dünn und nur dazu da, noch einige Seiten zu füllen.

Johns Rettung hingegen durch den Sicherheitsdienst seines Arbeitgebers zeigt deutlich, dass er kein normaler Angestellter ist, sondern dass seine Arbeit auch mit der Zombieepidemie in Verbindung steht. Mit der unerwartet plötzlichen Familienzusammenführung erfolgt auch die Auflösung dieses Rätsels, das trotz aller Vorbereitung doch recht hastig um die Ecke kommt. So mogelt sich der Autor auch um die Pflicht herum, die Ereignisse im Hotel vollständig aufzulösen.

 

FAZIT
Der Abschlussband von Istins Untoten-Thriller bietet noch einmal einige eindringliche Momente, die vor allem Mandys Spießrutenlauf durch die Zombies zu verdanken sind, setzt jedoch keinen erneuten Höhepunkt.

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Lovecraft Letters - IV

Christian Gailus
E-Buch Text: 130 Seiten
Erschienen bei beBEYOND by Bastei Entertainment, 12.12.2017
ISBN 9783732552559
Genre: Fantasy

Rezension:

„Ich meine, es gibt Menschen, in deren Umfeld sich verstörende Dinge ereignen. Dinge, die im Zusammenhang mit dem Werk eines Schriftstellers stehen. Das ist das Verbindende. Manche dieser Vorkommnisse erwecken den Eindruck, als hätten sich die Betroffenen an Lovecrafts Geschichten orientiert. Einige Taten sind so monströs, dass sie nicht einmal mit den hemmungslosen Gewaltorgien gefühlloser Killer in Einklang zu bringen sind. Sie gehen darüber hinaus. Als läge ihr Ursprungs außerhalb unseres Wahrnehmungshorizonts.“

 

STORY
Wieder zurück aus dem ländlichen Maine holen Ray Berkeley die seltsamen Ereignisse wieder ein, die mit seinem Zusammentreffen mit dem Historiker Henry Coleman ihren Anfang genommen hatten und die mit dem Werk H. P. Lovecrafts im Zusammenhang stehen. Detective Legrasse stellt eine Verbindung zwischen Ray, der ermordeten Staatsanwältin Hattfield und einem toten Mexikaner her, der übel zugerichtet in Tijuana aufgefunden wurde. Unterdessen verliert der Psychologe immer mehr den Boden unter den Füßen. Albträume, Wahnvorstellungen und Phasen animalischer Triebhaftigkeit wechseln sich ab. Seine Ehefrau begegnet ihm außergewöhnlich abweisend und er vermutet eine Affäre, die sich zu bestätigen scheint, als er ihr zu einem Treffen mit seinem Freund und Mentor Ken Sturman folgt. Karen beteuert, ihm mit Kens Unterstützung nur helfen zu wollen, denn auch ihr ist Rays Wesensveränderung nicht verborgen geblieben. Zur Aussprache bleibt jedoch keine Zeit, denn Ray wird von Unbekannten entführt und auf eine Reise ins niederländische Leimen geschickt, wo er auf ein Skizzenbuch Lovecrafts stößt, in dem er selbst abgebildet ist.

Gleichzeitig im Golf von Aden zwischen Somalia und dem Jemen: Die Fregatte Bayern der deutschen Marine, die zum Schutz der Handelsschifffahrt und zur Bekämpfung der Piraterie abgestellt ist, stößt auf das Geisterschiff „Emma“. Eine Videoaufzeichnung des Ersten Offiziers der „Emma“ berichtet von einem Zusammentreffen mit einer gigantischen Kreatur aus den Tiefen des Meeres.

 

„Ich werde meinen Namen nicht nennen«, fuhr der Mann auf der Videoaufnahme fort. „Und ich habe sämtliche Hinweise auf das Schiff getilgt. Ich habe den Namen übermalt und die Rettungsringe über Bord geworfen. Ich habe die Bordbücher, Karten und Unterlagen der Crew vernichtet. Nichts soll auf die Herkunft dieses Schiffes hinweisen, nichts soll die dunklen Götter ans Licht locken; die finsteren Mächte, die tief unten im Verborgenen lauern, auf dem Grund des Ozeans, wo sie schlafend lauern und darauf warten, zum Leben erweckt zu werden und die Welt zu vernichten.  Ich habe in den Abgrund geblickt.  Er ist nicht das Ende – er ist der Anfang. Der Beginn der Finsternis.“

 

MEINUNG
Nachdem Christian Gailus in der letzten Folge einige Elemente aus den vergangenen Episoden in Beziehung gesetzt hat (die Mammut-Cave und der geheimnisvolle Bergsee nahe Rays geerbter Waldhütte) und man als Leser Landluft atmen konnte, konzentriert sich Folge 4 wieder hauptsächlich auf Rays schleichende Wesensveränderung. Der Autor lenkt den Verdacht des Lesers sogar dahin, dass Ray Phasen der Gier und der Geilheit durchlebt, in denen er keine Kontrolle über seinen Körper und Geist hat und für einige bestialische Morde verantwortlich sein soll. Jedenfalls zieht sich die Schlinge um Rays Hals immer schneller zu, und er ist immer weniger in der Lage, die Ereignisse selbst zu steuern. So gerät die Folge gegen Ende auch etwas ins Straucheln.

 

Was die Lovecraft-Connection angeht, kommt in dieser Folge eine Sekte ins Spiel, die in den 1940ern in der Nähe von Rays Haus aktiv war und angeblich ein Exemplar des Necronomicon besaß. Außerdem ist in diesem Zusammenhang von einem weißen Wunderpulver die Rede, dass der Leser ebenfalls schon kennt. Losgelöst von der Handlung um Ray Berkeley wird eine Schiffsmannschaft am Horn von Afrika mit der Existenz eines riesenhaften tentakelbewehren Meeresbewohners konfrontiert.

So werden in dieser Folge wenigstens so viele Fragen aufgeworfen, wie zuvor beantwortet wurden und man darf gespannt sein, wie Christian Gailus dies alles in einen gemeinsamen Kontext setzt.

 

FAZIT
Ray Berkeley muss nicht nur zunehmend mit der Ungewissheit, was sich selbst und seine Handlungen angeht, kämpfen. Auch Mächte von außen dringen immer stärker in sein Leben ein.

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Der Todesrichter: Oscar Wilde & Mycroft Holmes - 03 (Sonderermittler der Krone)

Marc Freund
E-Buch Text: 119 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 10.10.2017
ISBN 9783732544745
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der Todesrichter übergab dem Entführer eine Schriftrolle, die dieser sogleich auseinanderfaltete. Durch eine weitere Geste bedeutete die Gestalt in der roten Kutte ihm, laut vorzulesen. Kenneth Albridge nickte dem anderen ehrfürchtig zu, räusperte sich und begann: „Im Namen des

Zirkels der Sieben ergeht folgendes Urteil: Der Angeklagte Mycroft Holmes wird aufgrund seines wiederholten und noch immer andauernden Widerstands gegen die Interessen des Zirkels zum Tode verurteilt. Das Urteil wird an Ort und Stelle durch seine Eminenz, den Todesrichter, vollstreckt.“

 

STORY
Nachdem er bei seinem beherzten Sprung in die See bewusstlos wurde (siehe WILDE & HOLMES 2: DER NEBEL DES UNHEILS), erwacht Oscar Wilde im Verlies des geheimnisvollen „Todesrichters“, wie er von seinem Zellengenossen Peter Ferguson erfährt. Schon die bloße Anwesenheit in dem Kerker käme einem Todesurteil gleich. Offenbar beschert Wildes‘ Ruf als Literat ihm immerhin einen Aufschub, denn er erhält Stift, Papier und die Aufforderung „Schreib!“ in seine Zelle. Und Wilde schreibt buchstäblich um sein Leben.

Während Mycroft Holmes noch die fieberhafte Suche nach seinem Mitarbeiter befehligt, wird er entführt und ebenfalls ins Haus des Todesrichters gebracht, wo den Staatsmann der Tod unter dem Fallbeil erwartet.

 

„Der Kerkermeister begann zu lesen, und während er das tat, versank er vollkommen in einer anderen Welt. Er registrierte diesen Vorgang nicht einmal. Nach zwei Zeilen des Gedichts legte sich seine Stirn bereits in Falten. Er riss die Augen auf, schüttelte verwirrt den Kopf, setzte neu an und las von vorne. In der Mitte des Werkes bildete sich in seinem rechten Augenwinkel eine Träne. Wasser, das sich an einer Stelle sammelte, die seit über dreißig Jahren ein Ort der Dürre gewesen war.“

 

MEINUNG
Zwar schließt DER TODESRICHTER direkt an den Fall NEBEL DES UNHEILS an, doch wird über den Nebel und die U-Boote, die der Zirkel der Sieben befehligt, kaum noch ein Wort verloren. Auch der titelgebende Todesrichter, der, wie sich herausstellt, ein Vollstrecker des Zirkels der Sieben ist, erweist sich eher als recht konturloser Buhmann, der kaum in Erscheinung tritt. Immerhin keimt in Mycroft Holmes ob der Maskerade des Richters der Verdacht, dass es sich um einen Bekannten handelt. Viel Interessanter erweist sich die Flucht von Wilde und Ferguson in dessen Heimatdorf Glaton Mill, wo sie in der Schreinerwerkstatt von Fergusons Vater auf die Hinterlassenschaften des Vorbesitzers Cuthbrick stoßen: Lebensecht aussehende, mechanische Menschen, die in der Serie noch eine größere Rolle spielen werden. Da man sich am Ende doch wieder im Haus des Todesrichters trifft, wirkt dieser Ausflug etwas grob in die Story hineingezwungen. Immerhin erhalten Wilde, Holmes und auch Ferguson Hilfe von unerwarteter Seite, womit auch wieder eine Brücke zum letzten Fall der Sonderermittler geschlagen und ein eigenes Arsenal an Nebenfiguren aufgebaut wird, das von dem der Hörspielserie abweicht.

 

FAZIT
Eine uneinheitlich geratene Episode mit einem blassen Antagonisten, deren stimmungsvollste Momente schon die nächste Folge vorbereiten.

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zombies, comic

Die Nacht der lebenden Toten. Band 2

Jean-Luc Istin , Elia Bonetti
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.03.2016
ISBN 9783958391321
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Wie jedes Jahr an Halloween besuchen Lizbeth und ihr Bruder Leland an Halloween das Grab ihrer leiblichen Eltern. Am selben Tag häufen sich überall im Land seltsame Ereignisse. Regelrechte Wellen von Zombies überfluten die Städte. Das Militär riegelt binnen kürzester Zeit betroffene Gebiete ab. Erst auf dem Friedhof, wo sie von einem Untoten angegriffen werden, bemerken die Geschwister, dass etwas nicht stimmt. Auf ihrer Flucht begreifen sie erst das gewaltige Ausmaß des überall herrschenden Chaos. Unterwegs treffen die beiden auf Dante und dessen Sohn Teo, mit denen sie gemeinsam ein nahegelegenes, von Untoten belagerte Hotel erreichen, von wo aus ein Gewehrschütze auf alles schießt, was sich außerhalb des Gebäudes bewegt. Gleichzeitig macht sich Lizbeths Ehemann gemeinsam mit ihren zwei kleinen Kindern auf die Suche nach seiner Frau.


MEINUNG
Jean-Luc Istins DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN wird sogar auf der Verlagswebseite als Adaption von George Romeros gleichnamigem Kultfilm bezeichnet, was schlicht überhaupt nicht zutrifft. Am ehesten könnte man sich noch denken, dass beide Geschichten parallel spielen, wogegen jedoch das eindeutig zeitgemäße Setting des Comics spricht.

Jedenfalls legt Istin einen packenden Zombie-Thriller hin, bei dem einem schier die Luft weg bleibt. Bei dem vorgelegten Tempo, stellt sich die Frage gar nicht, wie denn so schnell so viele Zombies, die einen unbändigen Appetit auf Menschenfleisch entwickeln, das Land überschwemmen konnten. Die Handlung spielt innerhalb eines Tages; Lizbeth und Leland brechen im Lauf des Tages gemeinsam auf und bereits hier gibt es einige Untote zu sehen. Einige Stunden später hat das Militär bereits innerstädtische Sperrzonen eingerichtet um die Massen an Zombies in Schach zu halten, New Yorks Ausfallstraßen sind blockiert. Was der Auslöser der weitgreifenden Zombiefizierung ist, wird auf den ersten Seiten vage angedeutet.

Doch wie schon in Romeros Klassiker wird auch hier sehr bald deutlich, dass der Mensch des Menschen schlimmster Feind ist. Hubert Hodge, der Geschäftsführer des Hotels, hat sich mit einem Präzisionsgewehr in einem der oberen Räume des Gebäudes verschanzt und duldet keine Eindringlinge, ob untot oder lebendig.

Neu ist hingegen die rätselhafte Vergangenheitsebene, die vor allem von Lizbeths verschüttetem Kindheitserinnerungen bestritten wird, die, ausgehend von einigen psychotherapeutischen Hypnosesitzungen, nach und nach wieder an die Oberfläche kommen. En passant erfährt der Leser, dass die Geschwister so gut wie keine Erinnerungen an ihre leiblichen Eltern haben, doch Lisbeths beunruhigende Flashbacks machen mehr als deutlich, dass sie als kleines Mädchen bereits einmal einem Untoten gegenüber gestanden hat.

In Zeiten von THE WALKING DEAD ist Istins Zombiegeschichte vielleicht nicht mehr so originell, doch immer noch eine absolute Empfehlung und zwar nicht nur für Genre-Fans. Die Umsetzung punktet mit einigen supercoolen Szenen - beispielsweise rasen Lizbeth und Leland zu Beginn ihres Weges an einem Zombie vorbei während im Autoradio Led Zeppelins „Stairway to Heaven“ läuft - und einem insgesamt sehr ordentlichen Tempo. Einige gut platzierte Andeutungen legen nahe, dass die Geschichte schon weit früher ihren Anfang nahm und Lizbeth sehr viel enger mit den Ereignissen verbunden ist, als man zunächst annimmt. Mit diesem Mystery-Faktor packt der Autor auch die Leser, die mit einem reinen Zombie-Szenario nur wenig anfangen können.

Die Zeichnungen von Elia Bonetti wirken nüchtern und sind mit ihren tiefen Schatten sehr stimmungsvoll geraten. Die Optik erinnert an die Arbeiten von Christophe Bec, hinter dem sich Hr. Bonetti keineswegs verstecken muss.


FAZIT
Packend inszenierter Zombie-Thriller, der neben den zu erwartenden Standard-Elementen des Genres auch über eine unerwartete Portion „Sense-of-Mystery“ verfügt.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

zombies, comic

Die Nacht der lebenden Toten. Band 1

Jean-Luc Istin , Elia Bonetti
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.04.2015
ISBN 9783958391314
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Wie jedes Jahr an Halloween besuchen Lizbeth und ihr Bruder Leland an Halloween das Grab ihrer leiblichen Eltern. Am selben Tag häufen sich überall im Land seltsame Ereignisse. Regelrechte Wellen von Zombies überfluten die Städte. Das Militär riegelt binnen kürzester Zeit betroffene Gebiete ab. Erst auf dem Friedhof, wo sie von einem Untoten angegriffen werden, bemerken die Geschwister, dass etwas nicht stimmt. Auf ihrer Flucht begreifen sie erst das gewaltige Ausmaß des überall herrschenden Chaos. Unterwegs treffen die beiden auf Dante und dessen Sohn Teo, mit denen sie gemeinsam ein nahegelegenes, von Untoten belagerte Hotel erreichen, von wo aus ein Gewehrschütze auf alles schießt, was sich außerhalb des Gebäudes bewegt. Gleichzeitig macht sich Lizbeths Ehemann gemeinsam mit ihren zwei kleinen Kindern auf die Suche nach seiner Frau.


MEINUNG
Jean-Luc Istins DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN wird sogar auf der Verlagswebseite als Adaption von George Romeros gleichnamigem Kultfilm bezeichnet, was schlicht überhaupt nicht zutrifft. Am ehesten könnte man sich noch denken, dass beide Geschichten parallel spielen, wogegen jedoch das eindeutig zeitgemäße Setting des Comics spricht.

Jedenfalls legt Istin einen packenden Zombie-Thriller hin, bei dem einem schier die Luft weg bleibt. Bei dem vorgelegten Tempo, stellt sich die Frage gar nicht, wie denn so schnell so viele Zombies, die einen unbändigen Appetit auf Menschenfleisch entwickeln, das Land überschwemmen konnten. Die Handlung spielt innerhalb eines Tages; Lizbeth und Leland brechen im Lauf des Tages gemeinsam auf und bereits hier gibt es einige Untote zu sehen. Einige Stunden später hat das Militär bereits innerstädtische Sperrzonen eingerichtet um die Massen an Zombies in Schach zu halten, New Yorks Ausfallstraßen sind blockiert. Was der Auslöser der weitgreifenden Zombiefizierung ist, wird auf den ersten Seiten vage angedeutet.

Doch wie schon in Romeros Klassiker wird auch hier sehr bald deutlich, dass der Mensch des Menschen schlimmster Feind ist. Hubert Hodge, der Geschäftsführer des Hotels, hat sich mit einem Präzisionsgewehr in einem der oberen Räume des Gebäudes verschanzt und duldet keine Eindringlinge, ob untot oder lebendig.

Neu ist hingegen die rätselhafte Vergangenheitsebene, die vor allem von Lizbeths verschüttetem Kindheitserinnerungen bestritten wird, die, ausgehend von einigen psychotherapeutischen Hypnosesitzungen, nach und nach wieder an die Oberfläche kommen. En passant erfährt der Leser, dass die Geschwister so gut wie keine Erinnerungen an ihre leiblichen Eltern haben, doch Lisbeths beunruhigende Flashbacks machen mehr als deutlich, dass sie als kleines Mädchen bereits einmal einem Untoten gegenüber gestanden hat.

In Zeiten von THE WALKING DEAD ist Istins Zombiegeschichte vielleicht nicht mehr so originell, doch immer noch eine absolute Empfehlung und zwar nicht nur für Genre-Fans. Die Umsetzung punktet mit einigen supercoolen Szenen - beispielsweise rasen Lizbeth und Leland zu Beginn ihres Weges an einem Zombie vorbei während im Autoradio Led Zeppelins „Stairway to Heaven“ läuft - und einem insgesamt sehr ordentlichen Tempo. Einige gut platzierte Andeutungen legen nahe, dass die Geschichte schon weit früher ihren Anfang nahm und Lizbeth sehr viel enger mit den Ereignissen verbunden ist, als man zunächst annimmt. Mit diesem Mystery-Faktor packt der Autor auch die Leser, die mit einem reinen Zombie-Szenario nur wenig anfangen können.

Die Zeichnungen von Elia Bonetti wirken nüchtern und sind mit ihren tiefen Schatten sehr stimmungsvoll geraten. Die Optik erinnert an die Arbeiten von Christophe Bec, hinter dem sich Hr. Bonetti keineswegs verstecken muss.


FAZIT
Packend inszenierter Zombie-Thriller, der neben den zu erwartenden Standard-Elementen des Genres auch über eine unerwartete Portion „Sense-of-Mystery“ verfügt.

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H.G. Wells. Band 4: Die Insel des Dr. Moreau

Dobbs , Fabrizio Fiorentino
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 16.11.2017
ISBN 9783958395053
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Edward Prendick, der letzte Überlebende der im Südpazifik gesunkenen Lady Vain, gerät durch einen Zufall auf ein Schiff, das eine Ladung verschiedenster Tiere zu einer Insel bringt, die abseits aller Schifffahrtsrouten liegt. Obwohl der Besitzer des Eilands, ein Dr. Moreau, zunächst gegen die Aufnahme des Schiffbrüchigen auf der Insel ist, hat dieser in Moreaus Vorarbeiter Montgomery einen Fürsprecher, so dass er, nicht zuletzt auch wegen seiner Kenntnisse im Bereich der Biologie, mit Moreaus Einverständnis auf der Insel bleiben kann. Die Tatsache, dass es ihm untersagt wurde, sich frei auf der Insel zu bewegen, weckt Prendicks Misstrauen und grausame tierische Schmerzensschreie, die über die Insel schallen, lassen ihn zu dem Schluss kommen, dass Moreau die angelieferten Tiere als Versuchskaninchen für grausame Operationen verwendet. Im Dschungel der Insel stößt Prendick tatsächlich auf Tiere, die durch Vivisektionen in die Lage versetzt wurden, auf zwei Beinen zu gehen und sogar ihre Stimme in menschlicher Weise zu gebrauchen. Zusätzlich wurde den Tiermenschen mit Hilfe der Hypnose Moreaus „Gesetz“ eingetrichtert, das sie davon abhalten soll, in ihren tierischen Verhaltensweisen zurück zu fallen. Doch der Widerstand in den Reihen der Tiermenschen regt sich und sie nutzen eine sich bietende Gelegenheit, an ihrem Peiniger Rache zu nehmen.

 

MEINUNG
Trotz aller Grausamkeit ist H. G. Wells‘ DIE INSEL DES DR. MOREAU ein komplexes und exakt austariertes Werk, dass an vielen Stellen „fabel-haft“ als Allegorie auf die menschliche Gesellschaft und gegen Ende sogar auf Religion und Gottesfürchtigkeit gelesen werden kann. Was die vorliegende Adaption angeht, muss man jedoch feststellen, dass die Platzbeschränkung auf 56 Comicseiten die kraftvolle Allegorie dieser Geschichte erheblich schwächt.

Wie schon in DIE ZEITASCHINE hat man den Eindruck, dass Autor Dobbs unbedingt alle Schlüsselszenen des Romans hier unterbringen wollte, ohne dass diese zahlreichen starken Momente ausreichend Raum haben, ihre Wirkung zu entfalten. So stolpert der Leser gemeinsam mit der Hauptfigur Edward Prendick im Schweinsgalopp durch ein nur noch rudimentär vorhandenes Handlungsgerüst. Der Zusammenhalt und die Dichte der Erzählung gehen verloren, die einschneidenden Bedeutungen einiger wichtiger Schlüsselmomente, wie z. B. das Auffinden eines gerissenen Kaninchens oder das mutwillige Verabreichen von Alkohol an die Tiermenschen, werden komplett entkräftet. Erst gegen Ende, als Prendick widerwillig gezwungen ist, brutal durchzugreifen und die Tiermenschen glauben zu machen, dass der Geist des toten Moreau noch präsent ist, erhält die Erzählung andeutungsweise etwas mehr Tiefe.

Den Adaptionen von DER KRIEG DER WELTEN und DER UNSICHTBARE aus der selben Reihe hat man jeweils 2 Bände spendiert, das wäre hier ebenfalls das Mindeste gewesen, was die Geschichte benötigt, sich gebührend zu entfalten.

Als Zeichner fungiert diesmal Fabrizio Fiorentino, der für Crossgen MYSTIC gezeichnet hat und derzeit überwiegend für den Branchenriesen DC tätig ist. Die Zeichnungen lassen keine Wünsche offen. Ausnehmend gut gefällt auch die stimmungsvolle Kolorierung, die den Abenteueraspekt und die Exotik der Geschichte sehr gut unterstreicht.

 

FAZIT
Durch die Platzbeschränkung büßt die Comicadaption dieser außerordentlich vielschichtigen Geschichte einen erheblichen Anteil ihrer Wirkung ein.

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(2)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

behinderung, freundschaft, comic

Unterm Sternenzelt

Aurélien Ducoudray , Anlor
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 25.10.2017
ISBN 9783962190149
Genre: Comics

Rezension:

STORY

Gerade als der Obdachlose Jean-Pierre „Amédée“ Rousseau und seine Freunde ihre Brücke im Dienst der Stadtverschönerung räumen müssen, erfährt er vom Tod seiner Tanta Adleide, die ihm ihr schmuckes Häuschen vererbt hat. Glück im Unglück und der ideale Landeplatz für Amédée und seine Freunde Prie-Dieu und Merguez. Doch an das Erbe ist eine Bedingung geknüpft: Amédée muss sich bereit erklären, die Vormundschaft für Adeleides Sohn Nicolas zu übernehmen, der die sgn. Trisomie 21, besser bekannt als Down-Syndrom, aufweist und der ein glühender Fan des ersten Kosmonauten Juri Gagarin ist.

 

MEINUNG

UNTERM STERNENZELT entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Perce-Neige“ (Schneeglöckchen), die der Schauspieler Lino Ventura gemeinsam mit seiner Frau Mitte der 1960 Jahre gründete und deren Zweck das Sammeln von Spenden für die Einrichtung von Behindertenheimen ist.

Trotz der Doppelspitze aus Obdachlosen und einem „Behinderten“ ist UNTERM STERNENZELT kein sentimentales Rührstück geworden. Viel mehr macht Autor Aurélien Ducoudray aus dem vermeintlich schweren Stoff eine lockere und mitreißende Dramödie. Dabei wird die Ernsthaftigkeit der Situation auch nicht gänzlich umschifft oder heruntergespielt doch auch nicht überdramatisiert. Eine Eigenart, die die Franzosen – von DREI MÄNNER UND EIN BABY bis ZIEMLICH BESTE FREUNDE – meisterhaft beherrschen.

Mit Verständnis, Humor und der richtigen Portion Anarchie gelingt es der ungleichen Bande von Außenseitern auch brenzlige Situationen zu meistern, wie etwa Nicolas‘ spontaner „Ausflug“ in den „Astro Parc“ – bei der gemeinsamen Rettungsaktion von Amédée und Nicolas‘ häuslicher Pflegerin bleibt kein Auge trocken - oder der Versuch, von der Plattform des örtlichen Wasserturms aus seinem Idol Gagarin nachzueifern. Dazwischen gibt es noch einige wohldosierte Enthüllungen, Verwicklungen und Charaktermomente und man erfährt, dass der brummig-cholerische Amédée eigentlich gar nicht die Verpflichtung hätte, sich um sein Mündel zu kümmern. Doch da ist Nicolas natürlich schon längst ein vollwertiger Teil dieser bunten Multikulti- und multireligiösen Gemeinschaft.

So wird dieses „Drama“ mit typisch französischer Leichtigkeit serviert und trägt hoffentlich sein Scherflein dazu bei, „Behinderte“ als ganz alltäglichen Teil der Gesellschaft wahrzunehmen.

 

Laut Verlagsinfo ist UNTERM STERNENZELT die erste Veröffentlichung der Zeichnerin Anlor, die hier fantastische Arbeit abgeliefert hat. Ausdrucksstark in Gestik und Mimik; die tiefen Schatten erinnern an BOB MORANE RELOADED (für das Aurélien Ducoudray ebenfalls als Autor tätig war), dabei typisch franko-belgische Schule. Und das Schlusspanel erinnert tatsächlich etwas an die Feiern nach einem bestandenen Abenteuer in einem kleinen gallischen Dorf. Ganz groß!

Der Band ist ein „Splitter Double“, d.h. es wurden zwei Originalbände zu einem abgeschlossenen Album zusammengefasst.

 

FAZIT

Kitschfrei und ohne erhobenen Zeigefinger oder falsches Mitleid präsentiert sich dieses hervorragend gezeichnete Plädoyer für Außenseiter.

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Streamliner. Band 1

Fane , Fane
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 25.10.2017
ISBN 9783962190071
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Zentralwüste 1963: Eines Tages betritt Billy Joe, Anführer der „Red Noses“, die gottverlassene Tankstelle des alten Evel O’Neill, einst erfolgreicher Underdog-Rennfahrer, und dessen Tochter Cristal. Der einsame Ort mitten in der Wüste ist perfekt geeignet für das diesjährige Streamliner-Rennen der Noses und die O’Neills könnten in wenigen Tagen den Umsatz ihres Lebens machen. Die Veranstaltung wächst sich mit der Ankunft der weiblichen Motorradklubs „Black Panties“ weiter aus und zieht auch sonst alle möglichen weiteren illustren Gestalten an. Ein Pokerspiel, bei dem Evel O’Neill seine Tankstelle einsetzt zwingt Cristal im alten Auto ihres Vaters ebenfalls an dem bevorstehenden Rennen teilzunehmen. Auch das FBI interessiert sich für das sich anbahnende Spektakel.


MEINUNG
Wie die Heuschrecken fallen die Rennfahrer über die einsame Tankstelle her, wo der ehemalige Rennfahrer Evel O‘Neill dem Alkohol zuspricht und seine Tochter den Laden schmeißt. In den 1950ern war O‘Neill ein Underdog, der in den 1950er Jahren die Streamliner-Szene aufgemischt hat bis ein tragischer Unfall seine Karriere beendet hat. Er lässt sich von dem Enthusiasmus und der Energie der jungen Draufgänger anstecken, fühlt sich an seine erfolgreichen Zeiten als Rennfahrer erinnert, und vergisst in dem aktuellen Trubel seinen Weltschmerz für ein Weilchen. Cristal sieht den Auflauf an Testosteronschleudern dagegen skeptisch und begrüßt die Ankunft der „Black Panties“ als Gegengewicht zu der versammelten Männlichkeit.

Zwar startet `Fane seine Geschichte in der Gegenwart, doch bleibt die Erklärung für diese Szenen hier noch aus. Sehr schnell befinden wir uns im Jahr 1963. Mit wenigen Szenen gelingt es den Charakteren, die Sympathie des Lesers zu gewinnen, auch wenn die Charakterisierungen noch nicht zu sehr ins Detail gehen. In erster Linie werden hier die Figuren platziert.

In erster Linie lebt STREAMLINER 1 also von der Absurdität der Situation, dass Evel und Cristal beinahe im wahrsten Wortsinne einfach überfahren werden und ihnen die Kontrolle über ihr bisheriges Leben jählings aus den Händen gleitet. Dass die Kombination aus jungem Draufgänger und gealtertem Sport-As, die sich hier anbahnt, in jedem zweiten Sportfilm zu sehen ist, fällt nicht weiter ins Gewicht. Als Salz in der Suppe beginnt `Fane noch einige Handlungsstränge, die sich innerhalb dieser großen Blase anbahnen, wie die Ankunft des flüchtigen Mörders William Bonny, der in dem Trubel der Rennvorbereitungen unterzutauchen hofft.

Dass von den Kerlen, besonders von dem ultracoolen Tollenträger Billy Joe doch eine gewisse Anziehungskraft ausgeht, wird spätestens klar, als Cristal und er sich endlich heftig näherkommen.

Die Zeichnungen sind relativ simpel gehalten, nimmt man die erdfarbene Kolorierung weg, kann man schon von Skizzen reden. Und doch gelingt es `Fane mit diesen wenigen, lockeren Strichen, nicht zuletzt durch den treffenden Einsatz von Mimik und Gestik, die Charaktere förmlich zu modellieren. Mit heißen Öfen hat `Fane auch Erfahrung, hat er doch schon das JOE BAR TEAM geschrieben und gezeichnet (zusammen mit Christian Debarre). Den Slapstick-Humor des Motorrad-Comics hat sich `Fane bei STREAMLINER jedoch gespart.


FAZIT
Hier bahnt sich eine coole Story in warmen Farben an, die in den Folgebänden noch einige Überraschungen in Petto haben dürfte.

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Der Nebel des Unheils: Oscar Wilde & Mycroft Holmes - 02 (Sonderermittler der Krone)

Marc Freund
E-Buch Text: 118 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 12.09.2017
ISBN 9783732544738
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Niemand konnte später mehr sagen, woher der Nebel gekommen war. Er war plötzlich aufgezogen, wie von Geisterhand und wider jegliche Naturgewalten. […] Zunächst war eine nahezu vollkommene Windstille eingetreten, die nach Ansicht der Mannschaft auf die aktuelle Wetterlage zurückzuführen war. Dann allerdings waren die ersten Nebelbänke über das Wasser gekrochen. Und das taten sie noch immer, bis sie das Segelschiff der englischen Handelsflotte nahezu vollkommen eingehüllt hatten wie ein gigantisches Leinentuch.“


STORY
Nachdem drei britische Schiffe innerhalb kurzer Zeit unter seltsamen Umständen gesunken sind, zitiert Mycroft Holmes seinen frischgebackenen Sonderermittler Oscar Wilde zu sich, um ihn mit einer entsprechenden Mission zu betrauen. Miles Hamilton, ein überlebender Matrose des zuletzt gesunkenen Schiffes, berichtet von einer undurchdringlichen Nebelwand, die das Schiff einhüllte, bevor es von einem Seeungeheuer angegriffen und versenkt wurde. Gemeinsam mit Hamilton soll Wilde die Hintergründe der Unglücke aufdecken, hinter denen Holmes einen erneuten Angriff des „Zirkels der Sieben“ (siehe Band 1, ZEITENWECHSEL) auf das britische Empire vermutet.

Der Zufall will es, dass Wilde und Hamilton auf den Straßen Londons der jungen Darcie Abrcrombie zu Hilfe kommen müssen, die Holmes einen Brief ihres Vaters, des U-Boot-Konstrukteurs Irving Abercrombie, übergeben sollte, der ihr jedoch gestohlen wurde. Zu dritt machen Sie sich auf dem Weg zum Anwesen der Abercrombies in Durham, wo sie feststellen, dass der Ingenieur entführt wurde. Doch sie entdecken auch einen Zusammenhang zwischen den drei gesunkenen Schiffen.

Auf dem Gelände eines Zirkus stoßen die drei nicht nur auf einige im Bau befindliche U-Boote, sondern erhalten auch die Information über das nächste Ziel des Zirkels: Das neu erbaute gigantische Passagierschiff „Lady of London“, das kurz darauf mit Wilde, Holmes, ihren zeitweisen Verbündeten Miles Hamilton und Darcie Abercrombie und knapp 1000 weitern Passagieren von Liverpool aus in Richtung New York ausläuft.


„Es kann kein Ungeheuer gewesen sein. Mit dem Nebel wollte man lediglich den Eindruck erwecken, merken Sie sich das. Man wollte Sie gezielt in die Irre führen. Sie alle sollten glauben, es handle sich um ein Monster. Aber wer verfolgte diesen Plan? Und wer oder was hat diesen Nebel verursacht, der offenbar die Eigenschaft hat, genau im passenden Augenblick aufzutauchen?“


MEINUNG
Die ebook-Serie um die beiden „Sonderermittler der Krone“ Oscar Wilde und Mycroft Holmes stellt eine Ergänzung zu der gleichnamigen Hörspielserie des Maritim-Labels (im Vertrieb von Lübbe Audio) dar. Damit auch die ebook-Fans dieselbe Grundlage haben, wurde in Band 1, ZEITENWECHSEL, die Handlung der ersten Hörspielfolge niedergeschrieben, während es sich ab Band 2 um eigenständige Geschichten handelt, die nicht nennenswert in den horizontalen Erzählstrang eingreifen. Während die Hörspielserie von Jonas Maas geschrieben wird, konnte be als Autor der ebook-Serie Marc Freund verpflichten, der selbst umtriebiger Hörspielautor (SHERLOCK HOLMES – DIE NEUEN FÄLLE, DIE NEUEN ABENTEUER VON PHILEAS FOGG, u.v.m.) ist und seit kurzem auch zum JOHN SINCLAIR-Autorenstab gehört. Beste Voraussetzungen also für eine historische Krimiserie mit reichlich Mystery-Flair, das Marc Freund auch wirkungsvoll eingefangen hat.

Obwohl die akustische Ebene wegfällt und man Oscar Wildes spitze Bonmots (und Holmes verkniffene Reaktionen darauf) nur geschrieben vor sich sieht, kann man die ebook-Serie als geglückten Versuch des ohnehin experimentierfreudigen be-Labels bezeichnen. Die Story bietet alle Zutaten, die man von der Serie erwartet, ist flott und kurzweilig geschrieben und hat zudem einige wirkungsvolle Überraschungsmomente im Gepäck, die noch von einem fiesen Cliffhanger gekrönt werden. Darüber hinaus überzeugt das ebook mit einem angenehmen Schriftbild. Hier hat man sich wirklich Mühe gegeben. Abgerundet wird das Gesamtbild von dem exklusiven Mark Freier-Titelbild, das passend zur edlen Optik der Hörspielcover gestaltet ist.


FAZIT
Neue Abenteuer von Wilde & Holmes und eine gute Ergänzung zu der erstklassigen Hörspielserie. Ein flottes, historisches Action-Abenteuer mit Humor und Mystery-Touch, das zeitweise an Guy Ritchies SHERLOCK HOLMES-Filme erinnert.

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Lovecraft Letters - III

Christian Gailus
E-Buch Text: 117 Seiten
Erschienen bei beBEYOND by Bastei Entertainment, 14.11.2017
ISBN 9783732552542
Genre: Sonstiges

Rezension:

 „In den vergangenen Jahrzehnten ist es immer wieder zu mysteriösen Vorfällen in und um die Mammut-Cave gekommen. […] Man hat seltsame Kreaturen gesichtet. Immer wieder mal wurden Wanderer vermisst und nie mehr wiedergesehen. […] In den Siebzigern gab es eine Hippiegruppe, die in die Höhle einzog, um dort naturverbunden zu leben. Als die Ranger sie einige Tage später vertreiben wollten, waren sie spurlos verschwunden.“


STORY
Familie Berkeley erreicht die Hütte von Rays Großonkel im abgelegenen Teil Maines und Ray selbst spürt sofort eine unerklärliche Vertrautheit mit dem Ort, sogar eine vage Erinnerung die er sich nicht erklären kann. Als wäre er schon einmal dort gewesen. Beim Erkunden der nahegelegenen Mammut-Cave verirren sie sich in der Höhle und werden von Marvin Gardner gerettet, der in einer Hütte am See gegenüber der Mammut-Cave lebt. Von dem alten Mann erfahren sie, dass die nahe Stadt Gerryson wegen Boden- und Grundwasserverseuchung verlassen ist, so dass Familie Berkeley doch gezwungen ist, in der Hütte zu übernachten. Ray freundet sich mit dem Alten an, der ihm eine wilde Geschichte über seinen Großonkel erzählt und über die erschreckenden Ereignisse an der Mammut-Cave in den zurückliegenden Tagen.

Gleichzeitig am CERN-Forschungsinstitut in Bern: Der Wissenschaftler Daniel Brown [sic] (Anm. d. Red.: auch in ILLUMINATI hat das CERN eine Rolle gespielt) steht kurz vor dem Nachweis von Dunkler Materie. Doch kurz vor der heißen Phase erscheint plötzlich ein Fremdkörper in dem hermetisch abgeriegelten unterirdischen Tunnel, in dem die Teilchenbeschleunigung stattfindet. Ein Wesen ist nicht nur scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht, sondern auch halb mit einem Absperrungsgitter verschmolzen. Ein Wesen, das Brown noch verletzt, bevor es stirbt und damit eine seltsame Verwandlung des Wissenschaftlers einleitet.


„Was wäre, wenn einige Leute bei CERN Fantasy- und Horrorfans sind? Und die wollen mal cheken, ob was dran ist an den ganzen Märchen und Sagen, die es seit Jahrhunderten gibt. Würd’s dich da nicht auch in den Fingern kribbeln, nachzusehen, was sich hinter der Welt der sichtbaren Dinge verbirgt?“


MEINUNG
Mit LOVECRAFT LETTERS 3 verlässt Familie Berkeley – und damit der Leser – ihr gewohntes Umfeld und man scheint in der ländlichen Abgeschiedenheit tatsächlich die merkwürdigen Ereignisse und den „Lovecraft-Humbug“ der letzten Tage vergessen zu können. Der Leser weiß jedoch einiges mehr als Ray und sobald von der Mammut-Cave und dem angrenzenden See die Rede ist, klingeln natürlich alle Alarmglocken. Damit schlägt Christian Gailus eine Brücke zu den Teilen 1 und 2, wo in Höhle und See einige unerfreuliche Dinge passiert sind, und verwebt diese bisher losgelösten Handlungsstränge/-orte mit dem Weg der Hauptfigur. Neu im Geschehen ist das CERN-Forschungsinstitut, das immer wieder in der Kritik steht. Im Leben wie im Roman behaupten die CERN-Gegner, dass man dort regelmäßig Versuche anstößt, die nicht mehr zu kontrollieren sind. Mit dem Hinweis, man könne mit dem Teilchenbeschleuniger möglicherweise sogar ein Tor zu einer anderen Dimension öffnen, kommt eine weitere Lovecraft-Geschichte, nämlich AUS DEM JENSEITS, ins Spiel, wo ebenfalls der technisch herbei geführte Blick ins Jenseits nicht nur in eine Richtung funktioniert.

Auch Rays Veränderung und sein gesteigerter Sex-Trieb ist weiterhin ein Thema, ohne dass dies überstrapaziert oder pornografisch wird. Gleichzeitig ist klar, dass aus dieser Richtung noch etwas zu erwarten ist.


FAZIT
Das neue Umfeld bringt Abwechslung ins Geschehen, Nebenhandlungen werden in den Hauptstrang eingewoben und es gibt ein neues Rätsel. Folge 3 ist mehr AKTE X als Lovecraft doch kurzweilig wie gehabt.

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Lovecraft Letters - II

Christian Gailus
E-Buch Text: 135 Seiten
Erschienen bei beBEYOND by Bastei Entertainment, 10.10.2017
ISBN 9783732552535
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Molly öffnete die Augen und erschrak. Eine Art Schlauch führte von ihrem Mund weg und mündete in einem dunklen Korpus, der sich schlangengleich durchs Wasser bewegte. Der Anblick erinnerte Molly an einen Oktopus, aber der konnte sie mit seinen Tentakeln ja nicht mit Sauerstoff versorgen.
Was noch merkwürdiger war: Die unbekannte Kreatur zog Molly immer tiefer, wie sie am abnehmenden Sonnenlicht erkennen konnte. Betrachtete das unbekannte Wesen sie als Beute und hielt sie deshalb am Leben, um sie später frisch geschlachtet zu verzehren? Molly kam kein Tier in den Sinn, das zu so etwas fähig wäre. Jedenfalls nicht in dieser Größenordnung. Und nicht in einem Bergsee in Neuengland.“


STORY
Der zuständige Richter entzieht Ray den Fall Coleman, von seinem Arbeitgeber wird er zwangsbeurlaubt. Unter den Eindrücken von Colemans Schilderungen über Lovecraft nutzt Ray die neugewonnene Freizeit und sucht seine alten Bücher des Autors zusammen. Bei der Suchaktion fällt ihm auch eine Zeitung und ein Bild in die Hände. Die Zeitung berichtet von einem Landstrich nahe Boston, der über keinerlei Vegetation verfügt. Das Bild, die Fotografie einer abgelegenen Waldhütte, erinnert ihn daran, dass Ray selbst der Besitzer dieser Hütte ist. Die Erbschaft seines ihm unbekannten Großonkel Weston Carter, die er aufgrund der Bedeutungslosigkeit für ihn, völlig vergessen hatte. In Colemans Lagerhalle, wo die Lovecraft Memorabilien lagern, hat Ray außerdem ein befremdliches Erlebnis; es scheint, als hätte Coleman schon lange vor seinem Treffen mit Ray gewusst, dass dieser eines Tages dieses Lager aufsucht.

Timon Fisher, ein ehemaliger kleiner Rauchgifthändler erlangt nach Wochen in den Händen eines Drogenclans und ebenso langer Polizeihaft auf wundersame Weise seine Freiheit wieder. Ein Erlebnis, das ihn zu Gott finden und die „New Church of The Holy Spirit“ gründen lässt, die zu einem gewaltigen Magneten für Gestrandete aller Art wird. Als seine Frau Elsbeth an Brustkrebs erkrankt, erfährt er von einem Wunderpulver, einem angeblichen neuen Krebsmedikament in der Testphase, das Elsbeth tatsächlich heilt, solange sie es regelmäßig einnimmt. In Wahrheit stammt das Pulver aus einem gefährlichen Tauschhandel mit Wesen, die in Tunneln unter der Wüste Mexikos leben. Die Gier der Verkäufer erregt den Unmut der Wesen, von denen eines an die Oberfläche kommt.


„Ray konnte sich nicht daran erinnern, wie er an diese Zeitung gekommen war. Rasch überflog er den Inhalt und blieb bei einem Bericht über ein Gebiet südwestlich von Boston hängen. Dort gab es einen Landstrich, auf dem es seit Jahren keinerlei Vegetation mehr gab. Stattdessen war der Boden mit feinem Staub bedeckt. Die umstehenden Bäume waren krank und verkrüppelt. Der Grund für das Phänomen war bislang nicht gefunden worden. Die Wissenschaftler standen vor einem Rätsel.“


MEINUNG
Bevor es mit der Handlung um Hauptfigur Ray weitergeht, holt Autor Christian Gailus etwas aus, um seine Leser an einen einsam gelegenen neuenglischen See zu holen, in dem eine junge Studentin zu ertrinken droht, bevor sie von einem seltsamen Wesen nicht nur gerettet, sondern auch gleich geschwängert wird. Eine Begebenheit die kurz darauf einen Kreis eröffnet, der am Ende der Episode wieder brutal geschlossen wird.

Der zwangsbeurlaubte Ray Berkeley frönt derweil dem Müßiggang und stößt beim Schwelgen in der Vergangenheit auf längst vergessene Spuren, die ihn fast unmerklich immer mehr in Beschlag nehmen. Auch sein Umfeld bemerkt die schrittweise Wesensänderung des Psychologen, der plötzlich seine sexuellen Triebe massiv im Zaum halten muss und einige Male mit Blackouts zu kämpfen hat, so dass möglicherweise auch der Leser nicht alles mitbekommt. Dazu werden die Ereignisse in Rays Umfeld immer beunruhigender: Staatsanwältin Hattfield, seine Gegenspielerin im Fall Coleman, wird brutal ermordet und rund um das Haus der Berkeleys geschehen ebenfalls einige schockierende Dinge. Damit spinnt sich aus verschiedenen Richtungen ein immer dichter werdendes Netz um Ray und Colemans Andeutung, dass er, Ray, ein Auserwählter im Kampf gegen das Böse sei, klingt immer weniger grotesk.

Der Sub-Plot handelt von Wesen, die in Höhlen unterhalb der Wüste von Tijuana leben und offenbar Lieferanten eines – im wahrsten Wortsinne – Allheilmittels sind, doch auch brutale Raubtiere, die sich am Schmerz ihrer Opfer weiden. Eine Szene hier lässt eine leichte Anlehnung an Lovecrafts DAS DING AUF DER SCHWELLE erkennen, während sich die Haupthandlung mit der „Entdeckung“ von Rays Hütte, in Richtung DIE FARBE AUS DEM ALL bewegt.

Vieles bleibt natürlich auch hier offen und man darf gespannt sein, wie Christian Gailus alles miteinander verknüpft.


FAZIT
Es ist zu früh um schon Antworten zu liefern. Statt dessen zeichnet Christian Gailus weiterhin in hohem Tempo an einem großen Gesamtbild. Auf jeden Fall spannend und geschickt genug, um auch den Lovecraft-Kenner mit vertrauten Motiven weiter anzufüttern.

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zidrou, franko-belgisch, splitter verlag

SHI. Band 1

Zidrou , Homs
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.10.2017
ISBN 9783958395251
Genre: Comics

Rezension:

STORY
London 1851: Bei einem Besuch der Weltausstellung macht die junge Miss Jennifer Winterfield eine erschreckende Entdeckung: Eine Japanerin hält den Leichnam eines Babys in den Armen. Kurzentschlossen wird die Asiatin mit dem Verdacht auf Geisteskrankheit in eine Anstalt eingewiesen, der tote Säugling wird ohne großes Aufsehen zu erregen nahe des Crystal Palace verscharrt. Am selben Tag feiert Jennifers Bruder William seinen 21. Geburtstag und wird nach dem Dinner von seinem Vater und dessen Freunden in die Geheimnisse ihrer privaten Loge, der „Eries“, eingeweiht. Die Gründungsmitglieder sind allesamt Kriegsveteranen, die während der Schlacht am Eriesee von den Indianern gefangen genommen wurden und die damals schworen, den Rest ihres Lebens der Machterhaltung des britischen Empire zu widmen. Zeitgleich überredet Jennifer ihren Onkel, dem Arzt Trevor Winterfield, seinen kollegialen Einfluss und seine Überredungskünste geltend zu machen und die Japanerin Kitamakura „Kita“ aus der Irrenanstalt zu befreien, wo sie von den Insassinnen wie eine Göttin verehrt wird. Bei dem anschließenden Vorhaben, den Leichnam von Kitas Baby wieder zu bergen, werden die Frauen entdeckt und die folgenden Ereignisse führen nahezu in eine Katastrophe.

Gegenwart: Der Tod eines zivilen Jungen durch eine Mine des Rüstungskonzerns S.V.P.P.B. sorgt für Schlagzeilen. Mehr noch, nachdem Lionel Barrington, Geschäftsführer von S.V.P.P.B. in allen Punkten davon entlastet wird. Am selben Tag wird Barringtons Sohn und seine schwangere Frau durch eine ebensolche Mine auf seinem eigenen Grundstück zerfetzt. Zu der Tat bekennt sich eine geheime Organisation namens SHI.

MEINUNG
Autor Zidrou (RICK MASTER – NEUE FÄLLE, DIE ADOPTION) liefert mit SHI 1 einen Pageturner erster Güte ab, der den Leser sofort in seinen Bann zieht und förmlich willenlos durch die Handlung katapultiert. Man gewinnt die eigensinnige und ebenso hübsche wie wortgewandte Jennifer Winterfield sofort lieb, die einen erfrischenden Kontrast zu dem hochnäsigen Dünkel der britischen Oberschicht bietet, der sie selbst entstammt. Später wird man erfahren, dass diese selbsternannten Bewahrer des Empire selbst einige düstere und hässliche Geheimnisse hüten. So dient der Zirkel der Eries hier noch in erster Linie dazu, Sex- und Drogenorgien abzuhalten, auch Geistliche nicht ausgenommen, die ihr Faible für die Unterwäsche junger Damen mittels Erpressung pflegen. Jennifers ausgeprägtes Moralempfinden und ihr Mitgefühl führt sie mit der geheimnisvollen Japanerin Kita zusammen. Ein Vorhaben, bei dem sie die Hilfe ihres Onkels Trevor regelrecht einfordert. Bei dessen Charakterisierung klingt durch, dass er, obschon er Mediziner ist, von seinem Bruder als schwarzes Schaf angesehen wird. So ist Trevor weder Pate seines Neffen, noch gehört er zum Kreis der Eries. Eher hat er, wie Jennifer selbst, den Status eines „Geduldeten“ inne. Dennoch, oder gerade deswegen, kann Jennifer nach anfänglichem Sträuben auf seine Hilfe zählen und die Befreiung Kitas aus der Irrenanstalt gerät zu einem wahren gemeinschaftlichen Husarenstück. Am Ende ist jedoch die großbürgerliche Übermacht zu stark für die beiden ungleichen Frauen und ihnen bleibt nichts, als sich in ein aufgezwungenes Schicksal zu fügen. Der Krieg scheint verloren für Jennifer und Kita, doch die kurze Gegenwartshandlung, die die Geschichte einschließt und die Aussicht auf mindestens drei Folgebände zeigen an, dass dies nur die erste Schlacht war.

Hier stimmt einfach alles. Die Story entwickelt sich rasant, die Dialoge sind geschliffen und die Charakterisierung, selbst der Nebenfiguren, ist punktgenau gelungen, was auch den ausdrucksstarken Zeichnungen zu verdanken ist, die die Mimik der Figuren brillant wiedergeben. Ferner bietet SHI 1 ein fieberhaftes Wechselbad der Gefühle. Humorvolle Szenen wechseln sich in rascher Folge mit Bildern unerwarteter Härte ab, für die ich persönlich ein „ab 16“ vergeben würde.

Der Künstler Jose Homs (MILLENNIUM-Trilogie) liefert für diese Non-Stop-Achterbahnfahrt prächtige Bilder, die Stimmung und Tempo der einzelnen Szenen perfekt unterstützen. Aufwändig, elegant und stellenweise auch verflucht sexy.

Am Ende bleiben noch einige unbeantwortete Fragen für die Fortsetzungen offen und man erhält gleichzeitig eine vage Ahnung des großen Bildes, das mit SHI gezeichnet wird.

FAZIT
Ein fantastisch geschriebener und emotional mitreißender Action-Mystery-Page-Turner in prächtigen Bildern.

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Tags: franko-belgisch, splitter verlag, zidrou   (3)
 

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arunya verlag, barbara büchner, kriminal tango

Das Totenhaus in Gremlington Village (Kriminal Tango 1)

Barbara Büchner
E-Buch Text: 51 Seiten
Erschienen bei Arunya-Verlag, 19.07.2016
ISBN B01I6NDCES
Genre: Sonstiges

Rezension:

 „An zuverlässigen Fakten gab es nur einige wenige: Ein Dutzend Fotos, die die sechs wie ein Berg Hackfleisch zu Hauf liegenden Mordopfer zeigten, und einen Bericht des – viel zu spät verständigten – Polizeiarztes, demzufolge alle vor etwa einer Woche und etwa zur selben Zeit mit zahllosen wuchtigen Axthieben erschlagen worden waren – selbst das erst zweijährige Kind. Gefunden hatte man sie in der Milchkammer zwischen Stall und Küche, auf dem Boden nebeneinander und übereinander liegend, mit Stroh bedeckt, die Köpfe in Tücher gewickelt.“

 

STORY
Inspector Stephen Bedloe wird von einem Vorgesetzten aus London in den Norden Englands abkommandiert, wo nun, nach Ende des ersten Weltkriegs, Räuberbanden die Gegend unsicher machen und die örtlichen Polizeikräfte nicht mehr Herren der Lage werden. Auf dem Bauernhof Woody-End waren alle Bewohner, der Altbauer, dessen zweite Frau, die Jungbäuerin Genoveva, ihre zwei Kinder sowie eine Magd, brutal mit einer Axt zerstückelt worden. Die Rawlings waren als geizige und rohe Leute bekannt, so dass es niemanden wundert, dass die Leichen erst eine ganze Woche nach der Tat entdeckt wurden. Merkwürdig ist jedoch, dass sich in der ganzen Zeit offenbar jemand um den Wachhund, der keinen Alarm geschlagen hat, und das Vieh gekümmert haben muss. Ein simpler Raubmord kann bald ausgeschlossen werden und die Aufzeichnungen des örtlichen Constables beinhalten noch weitere Ungereimtheiten.

 

„Ein ranziger Geruch hing in der Luft, gemischt mit den Ausdünstungen des nebenan liegenden Stalles. Gewiss, bei so wenig Personal konnte man keinen blitzblanken Haushalt erwarten, aber es war nicht allein die Unreinlichkeit, die Bedloe zutiefst zuwider war. In dem Haus hatte sich etwas eingenistet, das es schon lange vor der schrecklichen Mordtat zu einem üblen Ort gemacht hatte. Er spürte, welche bösartige Spannung zwischen den in Streit, Neid und Habgier verstrickten Bewohnern geherrscht hatte.“

 

MEINUNG
Dass sich Barbara Bücher von dem wahren Fall „Hinterkaifeck“ zu ihrer Novelle „inspirieren“ ließ, scheint anhand der zahlreichen Parallelen deutlich untertrieben, doch schmälert dies in keiner Weise das Lesevergnügen. Wie es bei unaufgeklärten Verbrechen eher die Regel ist, birgt der Fall von 1922 auch heute noch genügend Mystery-Potential, das Fr. Büchner mustergültig zu nutzen weiß. Für die anhaltende Aktualität des Falls sprechen auch Andrea Maria Schenkels Roman TANNÖD von 2006, inkl. der gleichnamigen Verfilmung von 2009, sowie der Film HINTERKAIFECK aus dem selben Jahr.

Um keinen nackten Polizeibericht abzuliefern hat Barbara Büchner den Fall nach England versetzt und dem fiktiven Ermittler Stephen Bedloe übertragen, der nach Auswertung aller Beweise, Aussagen und Indizien eine Lösung präsentiert, wie die Mordnacht und die folgenden Tage abgelaufen sein könnte.

Die angenehme Kürze der büchnerschen Novelle trägt außerdem dazu bei, eine dichte und unruhige Intensität zu erzeugen, die von der Unerklärbarkeit einzelner Indizien noch befeuert wird. So soll z.B. der Inzest zwischen Vater und Tochter einvernehmlich und keinesfalls nur einmalig gewesen sein. Für mysteriöse Spannung sorgt auch die Vorstellung, dass sich jemand zusammen mit sechs Leichen über Tage alleine auf dem Bauernhof aufgehalten haben soll und einem geregelten Tagwerk nachging. Wie eine mysteriöse Glocke schwebt über allem noch die Tatsache, dass niemand genau weiß, was auf dem abgelegenen Hof der einsiedlerischen Rawlings so vor sich ging.

 

FAZIT
Mit dieser knackige Prosabearbeitung des Falls „Hinterkaifeck“ spielt Barbara Büchner einmal mehr ihre Stärke aus, in kurzer Zeit eine spannungsgeladene Atmosphäre aufzubauen.

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Tags: arunya verlag, barbara büchner, kriminal tango   (3)
 

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sherlock holmes, viktorianisches england, detektivgeschichte, krimi, baker street tale

Sherlock Holmes und der Fall 666 (Baker Street Tales 4)

Marion Minks
E-Buch Text: 57 Seiten
Erschienen bei Arunya-Verlag, 26.11.2016
ISBN B01MYSKBI9
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Viele Jahre hatte ich heimlich davon geträumt, Seite an Seite mit meinem berühmten Bruder ein Verbrechen aufzuklären. Auch wenn mich der Gedanke an Felix Masons Leichnam bis ins Mark erschauern ließ, diese einmalige Gelegenheit würde ich mir um nichts in der Welt entgehen lassen.“


STORY
Bereits über 60jährig trat der Witwer Holmes senior, Vater von Mycroft und Sherlock, noch einmal, mit einer sehr viel jüngeren Frau in den Stand der Ehe, aus der ein weiterer Sohn, Sherrinford Holmes, hervorging. Mehrere unglückliche Umstände, Missverständnisse und unterschiedliche Wesensarten führten nach dem Tod des Vaters zur Entfremdung der Siefmutter und der älteren Söhne. Doch gerade diese Abneigung und der strikte Ausschluss der Stiefbrüder aus seinem weiterem Leben führt zu einem gesteigerten Interesse des jungen Sherrinford besonders für seinen berühmten Stiefbruder Sherlock. Mycrofts Beileidsbekundung zum Tod seiner Mutter ist schließlich der Auslöser für den inzwischen studierten Sherrinford, aktiv den Kontakt zu seinen Halbbrüdern zu suchen.

Ein erstes Zusammentreffen in den Räumen Mycrofts in der Pall Mall, gestaltet sich letztendlich für beide Seiten sehr angenehm.

Plötzlich erhält Sherrinford, der als Psychoanalytiker tätig ist, den postalischen Hilferuf seines Patienten Felix Mason, in dem von Erpressung die Rede ist. Sherrinford vermutet hinter Masons Schwierigkeiten den Okkultisten Aleister Crowley, mit dessen Orden Felix bereits einige Zeit sympathisiert. An Masons Haus in Chichester angekommen, finden die Brüder Holmes nur noch seine Leiche vor. Ein Selbstmord, wie es scheint.


„Die Straße war staubig und die tiefen Spuren, die verschiedene Fahrzeuge und Fußgänger zuletzt auf dem lehmig weichen Boden hinterlassen hatten, lagen wie getrocknete Gipsabdrücke auf der Fahrbahn, So genau ich auch hinsah, für mich war es nichts als ein Wirrwarr von Linien und einander überlagernder Fußabdrücke. Deshalb begnügte ich mich damit, meinem Bruder zu beobachten, an dessen Zügen ich sehr wohl erkannte, dass zumindest er diese Spuren deuten konnte.“


MEINUNG
Marion Minks siedelt ihre Sherlock Holmes-Novelle in der Spätphase des Detektivs an, als er die Räume der Baker Street 221b – dort wohnt nun Sherrinford Holmes – bereits gegen einen Wohnsitz auf dem Land eingetauscht hat. Auch Watson hat sich ins Privatleben zurückgezogen und spielt lediglich eine Gastrolle; die Aufgabe des Chronisten hat Sherrinford übernommen. Hauptverdächtig im Fall des Mordes an Felix Mason, an einen Selbstmord will von Anfang an niemand glauben, ist zuerst natürlich der berüchtigte Okkultist Aleister Crowley, der möglicherweise seine Geldquelle versiegen sah. Auch dieser Verdacht zerschlägt sich und des Rätsels Lösung erweist sich, nachdem Sherlock und Sherrinford im Umfeld des Toten einige Befragungen durchgeführt haben, als sehr viel als ganz und gar nicht-okkult. So zeigt sich der Fall 666 am Ende als recht simpel und die Beteiligung des prominenten Okkultisten Aleister Crowley, als völlig bedeutungslos. Viel interessanter gestaltet sich dagegen die Schilderung der holmes’schen Familienverhältnisse, die Fr. Minks auf sympathische Art porträtiert und so auch den Namen Sherrinford Holmes (A. C. Doyle wollte den Detektiv zunächst so benennen, bevor er sich für Sherlock entschied, entsprechend taucht der Name in vielen Holmes-Geschichten für die verschiedensten Personen oder Orte auf) ins Spiel bringt. Dass dieses Vorspiel nahezu ein Drittel der Novelle einnimmt, bevor sich ein Fall überhaupt erst abzeichnet, fällt angesichts der angenehmen und stilvollen Schreibe von Marion Minks gar nicht weiter ins Gewicht.


FAZIT
Der Fall 666 überzeugt mehr durch die gelungene Familienzusammenführung als durch den vergleichsweise unspektakulären Fall. Trotzdem wunderbar angenehm zu lesen.

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Tags: arunya verlag, baker street tale, marion minks, sherlock holmes   (4)
 
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