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Lovecraft Letters - II

Christian Gailus
E-Buch Text: 135 Seiten
Erschienen bei beBEYOND by Bastei Entertainment, 10.10.2017
ISBN 9783732552535
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Molly öffnete die Augen und erschrak. Eine Art Schlauch führte von ihrem Mund weg und mündete in einem dunklen Korpus, der sich schlangengleich durchs Wasser bewegte. Der Anblick erinnerte Molly an einen Oktopus, aber der konnte sie mit seinen Tentakeln ja nicht mit Sauerstoff versorgen.
Was noch merkwürdiger war: Die unbekannte Kreatur zog Molly immer tiefer, wie sie am abnehmenden Sonnenlicht erkennen konnte. Betrachtete das unbekannte Wesen sie als Beute und hielt sie deshalb am Leben, um sie später frisch geschlachtet zu verzehren? Molly kam kein Tier in den Sinn, das zu so etwas fähig wäre. Jedenfalls nicht in dieser Größenordnung. Und nicht in einem Bergsee in Neuengland.“


STORY
Der zuständige Richter entzieht Ray den Fall Coleman, von seinem Arbeitgeber wird er zwangsbeurlaubt. Unter den Eindrücken von Colemans Schilderungen über Lovecraft nutzt Ray die neugewonnene Freizeit und sucht seine alten Bücher des Autors zusammen. Bei der Suchaktion fällt ihm auch eine Zeitung und ein Bild in die Hände. Die Zeitung berichtet von einem Landstrich nahe Boston, der über keinerlei Vegetation verfügt. Das Bild, die Fotografie einer abgelegenen Waldhütte, erinnert ihn daran, dass Ray selbst der Besitzer dieser Hütte ist. Die Erbschaft seines ihm unbekannten Großonkel Weston Carter, die er aufgrund der Bedeutungslosigkeit für ihn, völlig vergessen hatte. In Colemans Lagerhalle, wo die Lovecraft Memorabilien lagern, hat Ray außerdem ein befremdliches Erlebnis; es scheint, als hätte Coleman schon lange vor seinem Treffen mit Ray gewusst, dass dieser eines Tages dieses Lager aufsucht.

Timon Fisher, ein ehemaliger kleiner Rauchgifthändler erlangt nach Wochen in den Händen eines Drogenclans und ebenso langer Polizeihaft auf wundersame Weise seine Freiheit wieder. Ein Erlebnis, das ihn zu Gott finden und die „New Church of The Holy Spirit“ gründen lässt, die zu einem gewaltigen Magneten für Gestrandete aller Art wird. Als seine Frau Elsbeth an Brustkrebs erkrankt, erfährt er von einem Wunderpulver, einem angeblichen neuen Krebsmedikament in der Testphase, das Elsbeth tatsächlich heilt, solange sie es regelmäßig einnimmt. In Wahrheit stammt das Pulver aus einem gefährlichen Tauschhandel mit Wesen, die in Tunneln unter der Wüste Mexikos leben. Die Gier der Verkäufer erregt den Unmut der Wesen, von denen eines an die Oberfläche kommt.


„Ray konnte sich nicht daran erinnern, wie er an diese Zeitung gekommen war. Rasch überflog er den Inhalt und blieb bei einem Bericht über ein Gebiet südwestlich von Boston hängen. Dort gab es einen Landstrich, auf dem es seit Jahren keinerlei Vegetation mehr gab. Stattdessen war der Boden mit feinem Staub bedeckt. Die umstehenden Bäume waren krank und verkrüppelt. Der Grund für das Phänomen war bislang nicht gefunden worden. Die Wissenschaftler standen vor einem Rätsel.“


MEINUNG
Bevor es mit der Handlung um Hauptfigur Ray weitergeht, holt Autor Christian Gailus etwas aus, um seine Leser an einen einsam gelegenen neuenglischen See zu holen, in dem eine junge Studentin zu ertrinken droht, bevor sie von einem seltsamen Wesen nicht nur gerettet, sondern auch gleich geschwängert wird. Eine Begebenheit die kurz darauf einen Kreis eröffnet, der am Ende der Episode wieder brutal geschlossen wird.

Der zwangsbeurlaubte Ray Berkeley frönt derweil dem Müßiggang und stößt beim Schwelgen in der Vergangenheit auf längst vergessene Spuren, die ihn fast unmerklich immer mehr in Beschlag nehmen. Auch sein Umfeld bemerkt die schrittweise Wesensänderung des Psychologen, der plötzlich seine sexuellen Triebe massiv im Zaum halten muss und einige Male mit Blackouts zu kämpfen hat, so dass möglicherweise auch der Leser nicht alles mitbekommt. Dazu werden die Ereignisse in Rays Umfeld immer beunruhigender: Staatsanwältin Hattfield, seine Gegenspielerin im Fall Coleman, wird brutal ermordet und rund um das Haus der Berkeleys geschehen ebenfalls einige schockierende Dinge. Damit spinnt sich aus verschiedenen Richtungen ein immer dichter werdendes Netz um Ray und Colemans Andeutung, dass er, Ray, ein Auserwählter im Kampf gegen das Böse sei, klingt immer weniger grotesk.

Der Sub-Plot handelt von Wesen, die in Höhlen unterhalb der Wüste von Tijuana leben und offenbar Lieferanten eines – im wahrsten Wortsinne – Allheilmittels sind, doch auch brutale Raubtiere, die sich am Schmerz ihrer Opfer weiden. Eine Szene hier lässt eine leichte Anlehnung an Lovecrafts DAS DING AUF DER SCHWELLE erkennen, während sich die Haupthandlung mit der „Entdeckung“ von Rays Hütte, in Richtung DIE FARBE AUS DEM ALL bewegt.

Vieles bleibt natürlich auch hier offen und man darf gespannt sein, wie Christian Gailus alles miteinander verknüpft.


FAZIT
Es ist zu früh um schon Antworten zu liefern. Statt dessen zeichnet Christian Gailus weiterhin in hohem Tempo an einem großen Gesamtbild. Auf jeden Fall spannend und geschickt genug, um auch den Lovecraft-Kenner mit vertrauten Motiven weiter anzufüttern.

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zidrou, franko-belgisch, splitter verlag

SHI. Band 1

Zidrou , Homs
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.10.2017
ISBN 9783958395251
Genre: Comics

Rezension:

STORY
London 1851: Bei einem Besuch der Weltausstellung macht die junge Miss Jennifer Winterfield eine erschreckende Entdeckung: Eine Japanerin hält den Leichnam eines Babys in den Armen. Kurzentschlossen wird die Asiatin mit dem Verdacht auf Geisteskrankheit in eine Anstalt eingewiesen, der tote Säugling wird ohne großes Aufsehen zu erregen nahe des Crystal Palace verscharrt. Am selben Tag feiert Jennifers Bruder William seinen 21. Geburtstag und wird nach dem Dinner von seinem Vater und dessen Freunden in die Geheimnisse ihrer privaten Loge, der „Eries“, eingeweiht. Die Gründungsmitglieder sind allesamt Kriegsveteranen, die während der Schlacht am Eriesee von den Indianern gefangen genommen wurden und die damals schworen, den Rest ihres Lebens der Machterhaltung des britischen Empire zu widmen. Zeitgleich überredet Jennifer ihren Onkel, dem Arzt Trevor Winterfield, seinen kollegialen Einfluss und seine Überredungskünste geltend zu machen und die Japanerin Kitamakura „Kita“ aus der Irrenanstalt zu befreien, wo sie von den Insassinnen wie eine Göttin verehrt wird. Bei dem anschließenden Vorhaben, den Leichnam von Kitas Baby wieder zu bergen, werden die Frauen entdeckt und die folgenden Ereignisse führen nahezu in eine Katastrophe.

Gegenwart: Der Tod eines zivilen Jungen durch eine Mine des Rüstungskonzerns S.V.P.P.B. sorgt für Schlagzeilen. Mehr noch, nachdem Lionel Barrington, Geschäftsführer von S.V.P.P.B. in allen Punkten davon entlastet wird. Am selben Tag wird Barringtons Sohn und seine schwangere Frau durch eine ebensolche Mine auf seinem eigenen Grundstück zerfetzt. Zu der Tat bekennt sich eine geheime Organisation namens SHI.

MEINUNG
Autor Zidrou (RICK MASTER – NEUE FÄLLE, DIE ADOPTION) liefert mit SHI 1 einen Pageturner erster Güte ab, der den Leser sofort in seinen Bann zieht und förmlich willenlos durch die Handlung katapultiert. Man gewinnt die eigensinnige und ebenso hübsche wie wortgewandte Jennifer Winterfield sofort lieb, die einen erfrischenden Kontrast zu dem hochnäsigen Dünkel der britischen Oberschicht bietet, der sie selbst entstammt. Später wird man erfahren, dass diese selbsternannten Bewahrer des Empire selbst einige düstere und hässliche Geheimnisse hüten. So dient der Zirkel der Eries hier noch in erster Linie dazu, Sex- und Drogenorgien abzuhalten, auch Geistliche nicht ausgenommen, die ihr Faible für die Unterwäsche junger Damen mittels Erpressung pflegen. Jennifers ausgeprägtes Moralempfinden und ihr Mitgefühl führt sie mit der geheimnisvollen Japanerin Kita zusammen. Ein Vorhaben, bei dem sie die Hilfe ihres Onkels Trevor regelrecht einfordert. Bei dessen Charakterisierung klingt durch, dass er, obschon er Mediziner ist, von seinem Bruder als schwarzes Schaf angesehen wird. So ist Trevor weder Pate seines Neffen, noch gehört er zum Kreis der Eries. Eher hat er, wie Jennifer selbst, den Status eines „Geduldeten“ inne. Dennoch, oder gerade deswegen, kann Jennifer nach anfänglichem Sträuben auf seine Hilfe zählen und die Befreiung Kitas aus der Irrenanstalt gerät zu einem wahren gemeinschaftlichen Husarenstück. Am Ende ist jedoch die großbürgerliche Übermacht zu stark für die beiden ungleichen Frauen und ihnen bleibt nichts, als sich in ein aufgezwungenes Schicksal zu fügen. Der Krieg scheint verloren für Jennifer und Kita, doch die kurze Gegenwartshandlung, die die Geschichte einschließt und die Aussicht auf mindestens drei Folgebände zeigen an, dass dies nur die erste Schlacht war.

Hier stimmt einfach alles. Die Story entwickelt sich rasant, die Dialoge sind geschliffen und die Charakterisierung, selbst der Nebenfiguren, ist punktgenau gelungen, was auch den ausdrucksstarken Zeichnungen zu verdanken ist, die die Mimik der Figuren brillant wiedergeben. Ferner bietet SHI 1 ein fieberhaftes Wechselbad der Gefühle. Humorvolle Szenen wechseln sich in rascher Folge mit Bildern unerwarteter Härte ab, für die ich persönlich ein „ab 16“ vergeben würde.

Der Künstler Jose Homs (MILLENNIUM-Trilogie) liefert für diese Non-Stop-Achterbahnfahrt prächtige Bilder, die Stimmung und Tempo der einzelnen Szenen perfekt unterstützen. Aufwändig, elegant und stellenweise auch verflucht sexy.

Am Ende bleiben noch einige unbeantwortete Fragen für die Fortsetzungen offen und man erhält gleichzeitig eine vage Ahnung des großen Bildes, das mit SHI gezeichnet wird.

FAZIT
Ein fantastisch geschriebener und emotional mitreißender Action-Mystery-Page-Turner in prächtigen Bildern.

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arunya verlag, barbara büchner, kriminal tango

Das Totenhaus in Gremlington Village (Kriminal Tango 1)

Barbara Büchner
E-Buch Text: 51 Seiten
Erschienen bei Arunya-Verlag, 19.07.2016
ISBN B01I6NDCES
Genre: Sonstiges

Rezension:

 „An zuverlässigen Fakten gab es nur einige wenige: Ein Dutzend Fotos, die die sechs wie ein Berg Hackfleisch zu Hauf liegenden Mordopfer zeigten, und einen Bericht des – viel zu spät verständigten – Polizeiarztes, demzufolge alle vor etwa einer Woche und etwa zur selben Zeit mit zahllosen wuchtigen Axthieben erschlagen worden waren – selbst das erst zweijährige Kind. Gefunden hatte man sie in der Milchkammer zwischen Stall und Küche, auf dem Boden nebeneinander und übereinander liegend, mit Stroh bedeckt, die Köpfe in Tücher gewickelt.“

 

STORY
Inspector Stephen Bedloe wird von einem Vorgesetzten aus London in den Norden Englands abkommandiert, wo nun, nach Ende des ersten Weltkriegs, Räuberbanden die Gegend unsicher machen und die örtlichen Polizeikräfte nicht mehr Herren der Lage werden. Auf dem Bauernhof Woody-End waren alle Bewohner, der Altbauer, dessen zweite Frau, die Jungbäuerin Genoveva, ihre zwei Kinder sowie eine Magd, brutal mit einer Axt zerstückelt worden. Die Rawlings waren als geizige und rohe Leute bekannt, so dass es niemanden wundert, dass die Leichen erst eine ganze Woche nach der Tat entdeckt wurden. Merkwürdig ist jedoch, dass sich in der ganzen Zeit offenbar jemand um den Wachhund, der keinen Alarm geschlagen hat, und das Vieh gekümmert haben muss. Ein simpler Raubmord kann bald ausgeschlossen werden und die Aufzeichnungen des örtlichen Constables beinhalten noch weitere Ungereimtheiten.

 

„Ein ranziger Geruch hing in der Luft, gemischt mit den Ausdünstungen des nebenan liegenden Stalles. Gewiss, bei so wenig Personal konnte man keinen blitzblanken Haushalt erwarten, aber es war nicht allein die Unreinlichkeit, die Bedloe zutiefst zuwider war. In dem Haus hatte sich etwas eingenistet, das es schon lange vor der schrecklichen Mordtat zu einem üblen Ort gemacht hatte. Er spürte, welche bösartige Spannung zwischen den in Streit, Neid und Habgier verstrickten Bewohnern geherrscht hatte.“

 

MEINUNG
Dass sich Barbara Bücher von dem wahren Fall „Hinterkaifeck“ zu ihrer Novelle „inspirieren“ ließ, scheint anhand der zahlreichen Parallelen deutlich untertrieben, doch schmälert dies in keiner Weise das Lesevergnügen. Wie es bei unaufgeklärten Verbrechen eher die Regel ist, birgt der Fall von 1922 auch heute noch genügend Mystery-Potential, das Fr. Büchner mustergültig zu nutzen weiß. Für die anhaltende Aktualität des Falls sprechen auch Andrea Maria Schenkels Roman TANNÖD von 2006, inkl. der gleichnamigen Verfilmung von 2009, sowie der Film HINTERKAIFECK aus dem selben Jahr.

Um keinen nackten Polizeibericht abzuliefern hat Barbara Büchner den Fall nach England versetzt und dem fiktiven Ermittler Stephen Bedloe übertragen, der nach Auswertung aller Beweise, Aussagen und Indizien eine Lösung präsentiert, wie die Mordnacht und die folgenden Tage abgelaufen sein könnte.

Die angenehme Kürze der büchnerschen Novelle trägt außerdem dazu bei, eine dichte und unruhige Intensität zu erzeugen, die von der Unerklärbarkeit einzelner Indizien noch befeuert wird. So soll z.B. der Inzest zwischen Vater und Tochter einvernehmlich und keinesfalls nur einmalig gewesen sein. Für mysteriöse Spannung sorgt auch die Vorstellung, dass sich jemand zusammen mit sechs Leichen über Tage alleine auf dem Bauernhof aufgehalten haben soll und einem geregelten Tagwerk nachging. Wie eine mysteriöse Glocke schwebt über allem noch die Tatsache, dass niemand genau weiß, was auf dem abgelegenen Hof der einsiedlerischen Rawlings so vor sich ging.

 

FAZIT
Mit dieser knackige Prosabearbeitung des Falls „Hinterkaifeck“ spielt Barbara Büchner einmal mehr ihre Stärke aus, in kurzer Zeit eine spannungsgeladene Atmosphäre aufzubauen.

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sherlock holmes, viktorianisches england, detektivgeschichte, krimi, baker street tale

Sherlock Holmes und der Fall 666 (Baker Street Tales 4)

Marion Minks
E-Buch Text: 57 Seiten
Erschienen bei Arunya-Verlag, 26.11.2016
ISBN B01MYSKBI9
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Viele Jahre hatte ich heimlich davon geträumt, Seite an Seite mit meinem berühmten Bruder ein Verbrechen aufzuklären. Auch wenn mich der Gedanke an Felix Masons Leichnam bis ins Mark erschauern ließ, diese einmalige Gelegenheit würde ich mir um nichts in der Welt entgehen lassen.“


STORY
Bereits über 60jährig trat der Witwer Holmes senior, Vater von Mycroft und Sherlock, noch einmal, mit einer sehr viel jüngeren Frau in den Stand der Ehe, aus der ein weiterer Sohn, Sherrinford Holmes, hervorging. Mehrere unglückliche Umstände, Missverständnisse und unterschiedliche Wesensarten führten nach dem Tod des Vaters zur Entfremdung der Siefmutter und der älteren Söhne. Doch gerade diese Abneigung und der strikte Ausschluss der Stiefbrüder aus seinem weiterem Leben führt zu einem gesteigerten Interesse des jungen Sherrinford besonders für seinen berühmten Stiefbruder Sherlock. Mycrofts Beileidsbekundung zum Tod seiner Mutter ist schließlich der Auslöser für den inzwischen studierten Sherrinford, aktiv den Kontakt zu seinen Halbbrüdern zu suchen.

Ein erstes Zusammentreffen in den Räumen Mycrofts in der Pall Mall, gestaltet sich letztendlich für beide Seiten sehr angenehm.

Plötzlich erhält Sherrinford, der als Psychoanalytiker tätig ist, den postalischen Hilferuf seines Patienten Felix Mason, in dem von Erpressung die Rede ist. Sherrinford vermutet hinter Masons Schwierigkeiten den Okkultisten Aleister Crowley, mit dessen Orden Felix bereits einige Zeit sympathisiert. An Masons Haus in Chichester angekommen, finden die Brüder Holmes nur noch seine Leiche vor. Ein Selbstmord, wie es scheint.


„Die Straße war staubig und die tiefen Spuren, die verschiedene Fahrzeuge und Fußgänger zuletzt auf dem lehmig weichen Boden hinterlassen hatten, lagen wie getrocknete Gipsabdrücke auf der Fahrbahn, So genau ich auch hinsah, für mich war es nichts als ein Wirrwarr von Linien und einander überlagernder Fußabdrücke. Deshalb begnügte ich mich damit, meinem Bruder zu beobachten, an dessen Zügen ich sehr wohl erkannte, dass zumindest er diese Spuren deuten konnte.“


MEINUNG
Marion Minks siedelt ihre Sherlock Holmes-Novelle in der Spätphase des Detektivs an, als er die Räume der Baker Street 221b – dort wohnt nun Sherrinford Holmes – bereits gegen einen Wohnsitz auf dem Land eingetauscht hat. Auch Watson hat sich ins Privatleben zurückgezogen und spielt lediglich eine Gastrolle; die Aufgabe des Chronisten hat Sherrinford übernommen. Hauptverdächtig im Fall des Mordes an Felix Mason, an einen Selbstmord will von Anfang an niemand glauben, ist zuerst natürlich der berüchtigte Okkultist Aleister Crowley, der möglicherweise seine Geldquelle versiegen sah. Auch dieser Verdacht zerschlägt sich und des Rätsels Lösung erweist sich, nachdem Sherlock und Sherrinford im Umfeld des Toten einige Befragungen durchgeführt haben, als sehr viel als ganz und gar nicht-okkult. So zeigt sich der Fall 666 am Ende als recht simpel und die Beteiligung des prominenten Okkultisten Aleister Crowley, als völlig bedeutungslos. Viel interessanter gestaltet sich dagegen die Schilderung der holmes’schen Familienverhältnisse, die Fr. Minks auf sympathische Art porträtiert und so auch den Namen Sherrinford Holmes (A. C. Doyle wollte den Detektiv zunächst so benennen, bevor er sich für Sherlock entschied, entsprechend taucht der Name in vielen Holmes-Geschichten für die verschiedensten Personen oder Orte auf) ins Spiel bringt. Dass dieses Vorspiel nahezu ein Drittel der Novelle einnimmt, bevor sich ein Fall überhaupt erst abzeichnet, fällt angesichts der angenehmen und stilvollen Schreibe von Marion Minks gar nicht weiter ins Gewicht.


FAZIT
Der Fall 666 überzeugt mehr durch die gelungene Familienzusammenführung als durch den vergleichsweise unspektakulären Fall. Trotzdem wunderbar angenehm zu lesen.

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graphic novel, krieg der welten, klassiker, splitter verlag, comic

H.G. Wells. Band 3: Der Krieg der Welten, Teil 2

Dobbs , Vicente Cifuentes
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.10.2017
ISBN 9783958395046
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Einige Tage nach der Landung der Marsianer in Surrey erreichen die Außerirdischen die Hauptstadt London, wo die imperiale Überheblichkeit schnell in nackte Panik umschlägt und eine Massenflucht beginnt. Gleichzeitig haben sich der junge Philosoph (siehe DER KRIEG DER WELTEN 1) und ein Geistlicher in einer Hütte versteckt und müssen hilflos mit ansehen, wie die Marsianer zahlreiche Menschen regelrecht „ernten“, aussaugen und danach wie Müll entsorgen. Auch die Fauna der Erde verändert sich; rotes Unkraut beginnt allerorten zu wuchern, Doch mit dem Blut der Menschen haben die Invasoren auch Bakterien aufgenommen, denen ihre Körper nichts entgegen zu setzen haben.

 

MEINUNG

Nach der anfänglichen Invasion Lodons durch die „Dreibeine“, ist der zweite Teil von DER KRIEG DER WELTEN von einer bedrückenden Endzeitstimmung geprägt, in der sich die Hoffnungslosigkeit der Figuren spiegelt. Tief erschüttert von seiner grauenhaften Beobachtung, dass die Menschen den Außerirdischen als Nahrungsvieh dienen, macht sich der Philosoph auf den Weg in die Hauptstadt, wo sich seine Frau aufhalten sollte. Auf seiner Reise erkennt er, dass selbst die Pflanzenwelt dabei ist, radikal schnell zu verändern; alles wird von einer rot wuchernden Masse überdeckt, die an menschliche Blutadern erinnert. Standhaft versucht er, die drohende Verrohung seiner selbst hinauszuzögern, doch der Hunger wird für Mensch und Tier übermächtig und es geht ums nackte Überleben.

Die Trostlosigkeit der Situation wurde von Dodds hervorragend eingefangen. Man fühlt förmlich, wie der Philosoph am Rand seiner Menschlichkeit wandelt, widerwillig tut, was zum Überleben getan werden muss und nur vom Gedanken an seine Familie am Leben gehalten wird. In London angekommen bietet sich ihm ein Bild des Grauens. Die Stadt scheint menschenleer, die Straßen sind von verlassenen Dreibeinen und sterbenden Marsianern gesäumt. Der kraftlose Angriff eines Außerirdischen ist das letzte Aufbäumen eines Sterbenden. Doch die Vorstellung, dass die übermächtige Gefahr so plötzlich beendet sein soll ist schlicht unvorstellbar, so dass es noch einige Seiten dauert, bis die Menschen sich aus ihren Verstecken trauen und wieder Hoffnung einkehrt. Mit dieser gelungenen emotionalen Auslotung der Geschichte ist Teil 2 seinem hastig erzählten Vorgänger überlegen.

Zeichner Vicente Cifuentes (BATGIRL, aktuell MURDERVALE bei Erko) findet wieder großartige Bilder für die Geschichte, die auf moderne Art das historische Ambiente bedienen und vor allem auch die Gefühlslage der Figuren gut widerspiegeln.

 

FAZIT

Der zweite KRIEG DER WELTEN-Teil kann in erster Linie mit den emotionalen Auswirkungen der Invasion vom Mars wuchern, die großartig eingefangen wurden.

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Bob Morane Reloaded. Band 2

Luc Brunschwig , Aurélien Ducoudray , Henri Vernes , Dimitri Armand
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.10.2017
ISBN 9783958395343
Genre: Comics

Rezension:

STORY
In Zanosha angekommen wird Bob Moranes schwer verletzter Sekretär Victor in dem hochmodernen Krankenhaus der Stadt versorgt. Als Verbündeter Frankreichs ist Morane für Ming der Feind, der ihm nun freiwillig in die Falle gegangen ist. Doch sein Mut und seine Selbstlosigkeit bei Victors Rettung lassen Tanja, Mings Nichte und das offizielle Oberhaupt Zanoshas, zweifeln und zögern. Nach einem Fluchtversuch findet sich Morane in Mings Villa wieder und muss erkennen, dass er von Präsident Oussman und Belfon nur benutzt wurde. Als Vermittler, dem die einfache Bevölkerung Nigerias vertraut, sollte er den Glauben an die Wirksamkeit von Belfons Lernhelmen stärken und der Firma damit die Exklusivrechte an den seltenen Bodenschätzen des Landes sichern.

MEINUNG
Teil 2 konzentriert sich auf Bob Moranes Aufenthalt in Zamosha, wo er sich quasi in den Händen des dubiosen Chinesen Ming befindet. Dieser sieht in dem Franzosen zunächst nur den Erfüllungsgehilfen der High-Tech-Firma Belfon, die das Land unter dem Deckmantel der Hilfsbereitschaft förmlich ausplündert. Mings Nichte, die Zeuge von Moranes Hilfsbereitschaft wurde, gelingt es, ihren Onkel zum Umdenken zu bewegen und Morane das Leben zu retten. Umgekehrt muss dieser erkennen, dass ihn Oussman und Belfon als ahnungslosen und verzichtbaren Erfüllungsgehilfen ohne Skrupel vor ihren Karren gespannt haben.

Schon durch die Konzentration der (Haupt-)Handlung an einem Ort ist Teil 2 des ersten Storybogens kompakter geraten ohne die moralische Ambivalenz des Vorgängers vermissen zu lassen; Kenntnis von Band 1 ist natürlich Voraussetzung. Jede Fraktion hat für ihre Entscheidungen und Taten nachvollziehbare und durchaus auch hehre Motive, die hier vertieft werden. Dies spitzt sich sogar noch zu, indem Ming als dritte Partei mit eigener Agenda ins Spiel kommt und Morane den „Verrat“ Oussmans vor Augen führt. Oussman will Bildung für sein Volk, Belfon die Schätze, die in Nigerias Erde schlummern, Ming tut alles, sein Volk schützen, und es ist unmöglich zu bewerten, was nun gut oder schlecht, ehrenhaft oder verwerflich ist. In einer beeindruckenden Szenenfolge wird gezeigt, wie Ming das armselige Hüttendorf Zamosha durch seinen Intellekt, die richtigen Entscheidungen und nahezu unbemerkt von der Welt, zu einer zukunftsweisenden Megacity aufgebaut hat, eben DER ORT, DEN ES NICHT GAB. Zusätzlich steuert die Geschichte auf ein gigantisches Finale zu, das großartige Schauwerte liefert und damit noch einmal die Science-Fiction streift.

In einer Parallelhandlung erfährt man etwas über das Schicksal von Moranes ehemaligem Kameraden William Ballantine, der nach den Anfangsszenen aus BOB MORANE RELOADED 1 dank seines eigenen Vaters im Gefängnis gelandet ist. Am Ende des Bandes ist Morane vogelfrei, um einige mächtige Feinde reicher und auf dem Weg, Ballantine zu Hilfe zu kommen. Eine Steilvorlage für die Folgebände.

FAZIT
Grandioser Abschluss des ersten neuen BOB MORANE-Storybogens. Gleichzeitig hat man das Gefühl, dass es jetzt erst richtig losgeht.

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Bob Morane Reloaded. Band 1

Luc Brunschwig , Aurélien Ducoudray , Henri Vernes , Dimitri Armand
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.10.2017
ISBN 9783958395336
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Das unautorisierte Eingreifen in einen lokalen Zwischenfall in Nigeria, sorgt dafür, dass Leutnant Robert „Bob“ Morane sich vor dem Militärgericht verantworten muss. Der Mann, dem er dabei das Leben rettet, Kanem Oussman, wird zum Präsidenten des Landes gewählt und es ist seiner Intervention zu verdanken, dass Morane „nur“ unehrenhaft aus der Armee entlassen wird. Im Gegenzug bietet Oussman ihm – im Hinblick auf die künftigen Handelsbeziehungen zwischen Nigeria und Frankreich – eine Stelle als Berater an.

Sechs Jahre später feiern Nigeria und Frankreich den Startschuss der Initiative „Bildung gegen Mineralien“, an der vor allem das französische Unternehmen Belfon beteiligt ist. Die Neurotech-Firma hat einen Helm entwickelt, mit dem Lerninhalte direkt in das Gehirn eines Menschen eingespeist werden können; Belfon würde den Helm Nigeria flächendeckend zur Verfügung stellen. Selbst Moranes Verlobte, eine nigerianische Lehrerein, sieht darin eine Revolution des Bildungssystems. Die Gala wird von mehreren parallel verlaufenden Attentaten gestört, denen unter anderem der französische Präsident zum Opfer fällt, bevor Morane den Täter ausschalten kann. Ein brutales Statement der Gruppe Wal Jihad gegen den Einsatz der Lernhelme und ihrer noch unbekannten Wirkung auf das Gehirn.

Im Dorf Zamosho, im Norden Nigerias, werden die Helme gar in einer medienwirksamen Aktion verbrannt. Gemeinsam mit seinem Sekretär Victor und einer Eskorte macht sich Morane auf den Weg dorthin, um die Bevölkerung vom Nutzen der Helme zu überzeugen. Auf dem Weg geraten sie in einen Hinterhalt und nur Morane erreicht mit dem schwer verletzten Victor Zamosho, das sich als ultramoderne Stadt entpuppt, die unter der Herrschaft des undurchsichtigen Chinesen Ming steht, dem Kopf hinter Wal Jihad.

MEINUNG
Bob Morane ist ursprünglich ein Romanheld, des Autors Henri Verne (Charles-Henri-Jean Dewisme), erst später adaptierte Verne seine Geschichten zu einer Comicreihe; es existiert außerdem eine Fernsehserie aus den 1960er Jahren. Nun ergeht es dem Abenteurer wie jüngst einigen seinen Kollegen (Perry Rhodan, John Sinclair, Jerry Cotton, Rick Master) und es steht ein modernisierter Neustart auf dem Programm.

Ganz zeitgemäß wird Bob Morane in einer dramatischen Anfangssequenz eingeführt und durch sein eigenmächtiges Eingreifen in Oussmans drohende Hinrichtung als Mann der Tat charakterisiert, dem ein Menschenleben wichtiger ist als Befehlstreue. Und eben diese unerschütterliche moralische Integrität und seine Menschlichkeit ist es, die Morane – anders als z.B. Befehlsempfänger James Bond – immer wieder bei den Mächtigen anecken lässt und in gefährliche Situationen bringt.

Die Charakterisierung passt also, die Story jedoch holpert noch an einigen Stellen, da viele Dinge in dem Genre-Mix aus Thriller, Abenteuer und Science-Fiction unter einen Hut zu bringen sind. So wurde, um die Geschichte nicht vorzeitig auszubremsen, einigen Personen eine gewisse Blauäugigkeit und Naivität auf den Leib geschrieben, was die fraglose Akzeptanz der Lernhelme angeht, die doch offensichtlich direkt ins menschliche Gehirn greifen. Das Hauptziel ist es offenbar, Morane am Ende des Bandes nach Zamosho, das eher nach Dubai als nach dem erwarteten afrikanischen Hüttendorf aussieht, und in Mings Hände zu bringen, so dass man hier mit Band 2 ansetzen kann.

Für den, der die „alten“ Abenteuer kennt, tut sich in SELTENE ERDEN, , noch eine weitere Ebene auf, denn dann bemerkt man erst, wie geschmeidig die bekannten Personen, die Reporterin Sophia Paramount, Moranes Kamerad und Freund William „Bill“ Ballantine und sein Gegenspieler, der „Gelbe Schatten“ Ming, in diese neue Version eingeführt wurden. Der Titel des Bandes spielt übrigens auf die wertvollen Metalle an, die Belfon im Gegenzug für das „Bildungsprogramm“, aus Nigeria erhält. Die Fortsetzung, DER ORT, DEN ES NICHT GAB, erscheint zeitglich und schließt dieses erste neue Abenteuer ab.

Die satten Zeichnungen von Dimitri Armand (ANGOR), inklusive der großartigen Kolorierung, lassen keine Wünsche offen und erinnern mit ihren tiefen und harten Schatten an die Bilder von Pat Gleason (BATMAN & ROBIN).

FAZIT
Frisch und modern erzählter Thriller-SF-Action-Mix. Das Tempo stimmt und die Optik gefällt, so dass einige Stolperstellen nicht weiter ins Gewicht fallen.

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jessica jones, brian michael bendis, marvel comics, luke cage, superhelden

Jessica Jones: Alias

Brian Michael Bendis , Michael Gaydos
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Panini, 25.07.2016
ISBN 9783957989550
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Jessica Jones, einst als Superheldin Jewel bei den Avengers, hat das Heldenleben aufgegeben und ist inzwischen als Privatdetektivin mit der One-Woman-Agentur „Alias Investigations“ in New York City tätig. Eine neue Klientin erteilt ihr den Auftrag, nach ihrer verschwundenen Schwester zu suchen. Ein langweiliger Routinefall, der keine große Mühe erfordert, würde Jessicas Beschattungsvideo nicht die Geheimidentität eines der einflussreichsten Männer Amerikas enthüllen und wäre nicht das Objekt ihrer Ermittlungen plötzlich tot und ihre Auftraggeberin ebenso plötzlich nicht mehr erreichbar. Ihre verzweifelten Nachforschungen, nun in eigener Sache, führen die Detektivin in höchste politischen Kreise (#1-5, Alias Investigations)

Völlig verzweifelt stolpert eine Frau namens Jane Jones ins Büro von Alias Investigations. Ihr Mann, Rick Jones, sei ein Verwandter von Jessica und verschwunden. Sehr bald gelingt es Jessica, Rick aufzuspüren. Ein Verwandter ist er nicht, doch er behauptet, bereits der Sidekick mehrerer Helden gewesen zu sein, eine entscheidende Rolle im Kree/Skrull-Krieg gespielt zu haben und dass ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt ist (#6-9, Sehnsucht)

J. Jonah Jameson engagiert Jessica Jones, um endlich herauszufinden, wer sich unter Spider-Mans Maske verbirgt. Ein Bugle-Reporter soll die Detektivin begleiten, um am besten gleich eine ganze Artikelserie über Jessicas Ermittlungen zu schreiben. (#10)

Jessica wird engagiert, um die 16jährige Rebecca Cross zu finden, die aus dem Vorortkaff Lago verschwunden ist. Erste Ermittlungen zeigen, dass Rebecca ein sehr talentiertes Mädchen ist, das nicht recht in dieses Umfeld passen will. Laut ihrem Tagebuch hält sie sich für eine Mutantin. Etwas, das in Lagos Kirche nicht gerne gesehen ist (#11-14).

Nach einer Aussprache mit Luke Cage kommt es endlich zum Date mit Scott „Ant-Man“ Lang, das Caron Denvers für Jessica eingefädelt hat (#15)


MEINUNG
Gleich zu Anfang macht Brian Michael Bendis klar, dass es Jessica Jones nicht gerade schätzt, auf ihre Vergangenheit als Superheldin angesprochen zu werden, auch wenn sie noch ein Kostüm-Bild aus alten Zeiten mit den Avengers in ihrem Büro hängen hat. Auch folgt sie ihrem eigenen Moralkompass und wirft schon mal einen unzufriedenen Klienten durch die geschlossene Bürotür. Eine Szene, die ihre Entsprechung in Folge 1 der JESSICA JONES Netflix-Serie hat, basiert diese doch grundsätzlich auf den vorliegenden Bendis-Comics, die im Original bereits 2001 erschienen sind. Dennoch wurden für die Serie nur die „Eckdaten“ aus den Coimics übernommen, wie etwa Jessicas charakterliche Ausprägung mit harter, spröder Schale und ansonsten äußerst widersprüchlich, wütend, unberechenbar und bisweilen regelrecht besessen. Ferner hat es das Alkoholproblem der Detektivin, das sie gerne mal unkontrolliert abstürzen lässt, und die Liaison mit Luke Cage auf die Mattscheibe geschafft. Außenrum wurde für Netflix jedoch eine gänzlich andere Storyline gebastelt, was daran liegen könnte, dass z.B. Captain America fürs Kino reserviert ist und im Fernsehen gar nicht auftauchen darf.

Die Comicserie ist vor allem durch unterschiedlich lange Einzelfälle getrieben, die den Motor der Handlung darstellen. So erweist sich Brian Michael Bendis JESSICA JONES (im Original hieß die Serie übrigens ALIAS) seiner Eigenschöpfung POWERS gar nicht unähnlich. Hier wie da geht es um „normale“ Kriminalfälle, die während der Ermittlungen immer wieder eine Superhelden/Metawesen/Mutanten-Komponente erhalten. Im Fall Jessica Jones wird dadurch immer wieder die Vergangenheit der Heldin aufwühlt, mit der sie gerne abschließen würde. Natürlich gibt es zusätzlich eine horizontale Erzählebene, die sich jedoch angenehm im Hintergrund hält. So entwickelt JESSICA JONES im Comic ein angenehmes Tempo, wo die Netflix-Serie sich öfter mal unnötig im Kreis dreht. Ein direkter Vergleich ist durchaus empfehlenswert. Gemeinsam ist beiden, dass sie sich an ein erwachsenes Publikum richten, ist doch ALIAS im Original unter dem Marvel Adult-Label MAX erschienen.

Die Bilder von Hauptzeichner Michael Gaydos und der nachlässig wirkende Einsatz des breiten Tuschestifts erinnern stark an Sean Phillips (CRIMINAL, FATALE, HELLBLAZER). Teilweise wird Gaydos unterstützt von Comic-Veteran Bill Sienkiewicz (ELEKTRA: ASSASSIN), der ebenfalls für seinen nervösen Strich bekannt ist, so dass hier kein Stilbruch zu bemerken ist. Band 10 wurde komplett von David Mack groß bebildert und pflegt in den Dialogen eine drehbuchartige Struktur ohne klassische Sprechblasen.

Ansonsten findet sich oft der Rhythmus der Bendis-typischen Ping-Pong-Dialoge in der Panelanordnung wieder. Dort gibt es entweder lange Sprechblasenketten oder zeilenweise Schnitt-Gegenschnitt-Darstellungen ohne dass sich die jeweiligen Motive ändern.

Auch das Panini-Megaband-Konzept greift hier wieder sehr schön, da man tatsächlich eine abgeschlossene, runde Einheit bekommt, die sogar noch einigermaßen unbeschwert abgeschlossen wird, geht es in der Abschlussgeschichte doch um ein romantisches Date mit Scott Lang. Wer z.B. die HAWKEYE-Megabände mochte, kann auch hier bedenkenlos zugreifen. Als kleinen Bonus gibt es noch eine Galerie mit den Einzelcovern von David Mack.


FAZIT
Rundum gelungener Megaband und der etwas andere Superhelden-Comic, nicht nur für Fans der Netflix-Serie. Man merkt zu keinem Moment, dass die Hefte schon 15 Jahre auf dem Buckel haben.

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Tags: brian michael bendis, jessica jones, marvel comics, thriller   (4)
 

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die liga der außergewöhnlichen gentlemen, abenteuer, alan moore, paninicomics

Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen

Alan Moore , Kevin O`Neil
Buch
Erschienen bei Panini, 16.11.2015
ISBN 9783957985620
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Lincoln Island, 1975: 34 Jahre, nachdem Janni Nemo Ayesha in Berlin getötet hat (siehe DIE LIGA DER AUSSERGEWÖHNLICHEN GENTLEMEN: NEMO – DIE ROSEN VON BERLIN), soll sie angeblich erneut im Südatlantik gesehen worden sein. Die gealterte Janni fackelt nicht lange und nimmt, gemeinsam mit alten und neuen Verbündeten, die Spur ihrer Feindin auf. Mit der Nautilus folgt sie Ayesha, die keinen Tag gealtert zu sein scheint, den Amazonas hinauf bis zu einer Enklave überlebender Nazis.


MEINUNG
NEMO: FLUSS DER GEISTER, der dritte und letzte Teil von Alan Moores LXG-Spin Off-Trilogie, steht ganz im Zeichen der Pulp-Romane und B-Movies vergangener Zeiten, angefangen von den phantastischen Abenteuerromanen der viktorianischen Ära über das „Golden Age“ der Comics bis zu Jack Arnolds DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS. Von jeher sind diese Pop-Kultur-Verweise ein fester Bestandteil der LXG-Serie, nur muss man schon ein ausgesprochener Experte sein, um diese auch alle zu finden. Da die Story relativ überschaubar ausgefallen ist, drängt sich der Eindruck auf, dass diese Referenzen oft lediglich dem Selbstzweck dienen, vor allem, da sich der Aha-Effekt nach diversen Bänden LXG merklich abgenutzt hat. Konnte man über die Gastauftritte von „M“ oder Mycroft Holmes im ersten Band noch schmunzeln, wirken die Besuche von Familie Mabuse und den Schwestern Scaramanga (aus JAMES BOND: DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT) hier kaum noch aufsehenerregend. Eigentlich eine Zwickmühle, die sich Alan Moore selbst eröffnet hat. Der Leser erwartet diese Referenzen, kann jedoch nicht mehr darüber staunen bzw. benötigt einiges an Vorwissen, um diese zu goutieren. So geht die Reise der Nautilus vorbei an den zerfallenen Ruinen von Yu-Atlnachi (aus Abraham Merrits DAS GESICHT IM ABGRUND) und Maple White Land (aus Arthur Conan Doyles DIE VERGESSENE WELT).

Dennoch hat man das Gefühl, dass die dünne Story nur als Kleber für Alan Moores Beutestücke aus diversen Quellen dient. Auch könnte es an der Kürze der Geschichte liegen, dass das Ganze insgesamt wenig elegant wirkt. Lediglich Neuzugang Hugo Coghlan (nach „Hugo Hercules“, der als Vorläufer von Superman gilt) hat mit seinen Riesenkräften und seinem unverblümten Sexangebot an Janni Nemo das Zeug dazu, einige Fans zu gewinnen.

Ein neuer Aspekt verleiht immerhin Janni Nemo eine gewisse Tragik und erklärt ihr impulsives Vorgehen. Denn Jannis Tage sind beinahe gezählt. Die Nemo-Tochter leidest an einem Hirntumor, der ihren baldigen Tod bedeutet, der ihr aber auch die Anwesenheit und die Unterstützung ihrer verstorbenen Verbündeten ermöglicht. Freilich sind diese nur für sie sichtbar. Damit erklärt sich auch der Titel der Geschichte.

Für die Bilder zeichnet erneut Alan Moores LXG-Langzeitkollaborateur Kevin O’Neill verantwortlich, was bedeutet: einfache, comichafte Zeichnungen, die jedoch in ihrer Wirkung und Ausdruckskraft immer ins Schwarze treffen.


FAZIT
Die Story strotzt vor Verweisen auf klassische Abenteuerstoffe, hat jedoch kaum Gelegenheit, sich angemessen zu entwickeln.

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Tags: abenteuer, alan moore, die liga der außergewöhnlichen gentlemen, paninicomics   (4)
 

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psychothriller, atlantis verlag, arno endler, science-fiction

Paracelsus

Arno Endler , Timo Kümmel
Flexibler Einband: 246 Seiten
Erschienen bei Atlantis Verlag, 28.02.2015
ISBN 9783864021992
Genre: Science-Fiction

Rezension:

“Im Traum funkeln die Sterne. Wie Glitzersteine am Himmel, wenn du im Gras liegst und in die Unendlichkeit hinaufschaust. Bleierne Schwere in allen Gliedern, sodass du dich nicht rühren möchtest. Bewege dich nicht, genieße den Trip. Es ist nur ein Moment, doch er könnte auch für die Ewigkeit sein.
Im Weltall hingegen sind es Sonnen, unermesslich weit entfernt. Diese Punkte, die nach dir rufen, gleißen in hundert Farben und tausend Größen. Aber sie sind unerreichbar. Das All ist ein einsamer Platz, selbst auf einem Raumschiff. Denn im All hört niemand deine Schreie.“


STORY
Julian Egopartes, Kapitän der „Paracelsus“, erwacht ohne Erinnerung an Bord des offenbar schwer defekten Raumschiffes. Mit Hilfe der Künstlichen Bordintelligenz „Else“ und seiner Ein-Mann-Besatzung, dem „Koch“, gelangt er zur Brücke, wo er erfährt, dass die „Paracelsus“ antriebslos auf ein schwarzes Loch zutreibt. Ihm bleiben höchstens 60 Stunden, um den Antrieb wieder zu aktivieren und dem tödlichen Sog zu entkommen. Leichter gesagt als getan, ohne Erinnerung an die Vorkommnisse an Bord, geschweige denn an seine Systempasswörter. Julians einzige Hoffnung ist, dass sich unter den acht Passagieren, die die „Paracelsus“ transportiert, jemand befindet, der ihm helfen kann. Doch außer ihm, dem Koch und den Passagieren befindet sich noch etwas Anderes an Bord. Etwas, das einen nach dem anderen tötet.


„Ich hätte nicht geglaubt, dass es Bereiche des Schiffes geben könnte, die mir noch größeres Unbehagen verursachen würden als die mir bereits bekannten. Wie sehr täuschte ich mich. Ebene vier wirkte wie der Vorhof zur Hölle. Stockfinstere Korridore, in denen ich meinen Kopf einziehen musste, um mich nicht ständig zu stoßen. Ein Labyrinth von minotaurischen Ausmaßen. Kaum einmal die Gelegenheit, mehr als zehn Meter geradeaus zu gehen, schon verzweigten die Gänge. Ich verlor beinahe umgehend die Orientierung.“


MEINUNG
Ohne Vorwarnung wird der Leser gemeinsam mit Kapitän Egopartes ins kalte Wasser geworfen, muss sich mit ihm den Weg durch das havarierte Raumschiff zur Brücke erkämpfen und Hinweise darüber sammeln, was genau an Bord der Paracelsus passiert ist. Immer in der Hoffnung, zumindest Bruchstücke seines Gedächtnisses wieder zu erlangen. So baut Autor Arno Endler von Beginn an eine dichte Atmosphäre von Unsicherheit und Desorientierung auf und verpasste dem Helden mit der Kapitänsrolle gleichzeitig die Verantwortungslast, die „Paracelsus“ irgendwie aus dem Sog des Schwarzen Lochs zu befreien. Die extrem dichte und stressige Situation wird nochmals angefeuert durch einen unbekannten Mörder, dem „Mann ohne Hals“, der sich scheinbar völlig frei durch das Schiff bewegt, Egopartes immer einen Schritt voraus ist und die Passagiere nacheinander tötet.

Mit immer neuen Wendungen und rätselhaften Andeutungen hält Arno Endler die Spannung stets am Kochen und die Aufmerksamkeit des Lesers hoch. Sehr gut passt es da auch, dass man sich sehr gut mit dem erinnerungslosen Julian Egopartes identifizieren kann, obwohl man kaum etwas über den Kapitän erfährt. Ein Übriges tut die fast spürbare Enge der „Paracelsus“, für die sich Arno Endler von der „Nostromo“ aus ALIEN inspirieren ließ. Die Nebenfiguren sind alle ihrem Zweck entsprechend ausreichend ausgearbeitet und bereichern den Roman mit einigen skurrilen Momenten, ohne dass der Spannungsbogen abbricht.

Insgesamt ist dem Roman die vorhergehende Planung deutlich anzumerken. In Verbindung mit dem durchgehend hohen Erzähltempo (bedingt auch durch die angenehm kurzen Kapitel), die gelungene klaustrophobische und unsichere Atmosphäre also jede Menge Pluspunkte, so dass einige Unebenheiten nicht weiter ins Gewicht fallen. Zwar ist die Auflösung des Rätsels ist nicht neu und erfahrene Thriller-Konsumenten ahnen bestimmt schon vorher, worauf die Geschichte hinausläuft, doch in sich funktioniert der Roman ausgesprochen gut.

Sehr sympathisch auch, dass der Autor noch ein erklärendes Nachwort verfasst hat, in dem er seine Motivation und Herangehensweise näher beleuchtet.

Unbedingt zu erwähnen ist noch das schmuck komponierte Cover von Atlantis-StammgrafikerTimo Kümmel, das mit geringen Mitteln sehr viel her macht. Zusätzlich zu der regulären Paperback-Ausgabe ist für ein paar Euro mehr eine gebundene Hardcover-Ausgabe zu haben, die direkt beim Verlag bestellt werden kann.


FAZIT
Der temporeich und dicht erzählte Psycho-Thriller im SF-Gewand packt den Leser von der ersten Seite an und punktet mit toller Atmosphäre und überraschenden Wendungen.

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Tags: arno endler, atlantis verlag, psychothriller, science-fiction   (4)
 

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splitter verlag, science-fiction, jean-luc istin, action, thriller

Androiden. Band 1

Jean-Luc Istin , Jesus Hervas
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.09.2017
ISBN 9783958395688
Genre: Comics

Rezension:

STORY
New York in einigen hundert Jahren: Die Menschheit ist unfruchtbar, hat jedoch dank der „Mischung“, blaue Kapseln, die von der Regierung zur Verfügung gestellt werden, das ewige Leben erlangt und jede Art von Krankheit ausgelöscht.
Der Direktor eines Museums für Comic-Kunst wurde ermordet. Ein zweitklassiger Roman-Autor, mit dem er sich einige Male getroffen hat, flieht vom Tatort. Kurz darauf soll der Tatverdächtige ebenfalls ermordet werden.
Ein Roboter tötet entgegen seine Programmierung und gegen die Gesetze der Robotik einen Menschen.
Ein in Green Beach abgestürzter Teil einer Raumstation verschwindet von einem Tag auf den anderen.
Ein Geiselnehmer behauptet, dass die Regierung Lügen streut und ein Leben ohne die blauen Pillen durchaus möglich ist, bevor er regelrecht exekutiert wird.
Eine Kunstrestauratorin leidet unter unerklärbaren Übelkeitsanfällen und findet heraus, dass sie schwanger ist. Damit ist sie die erste Frau seit 500 Jahren, die ein Kind in sich trägt.
Die Polizistin Liv findet während ihrer Ermittlungen heraus, dass alle diese Ereignisse zusammenhängen und zu einem Geheimnis führen, dass das Leben auf der Erde für immer verändern wird.


MEINUNG
Mit AUFERSTEHUNG startet bei Splitter die Konzeptreihe ANDROIDEN, in der bisher vier Bände geplant sind. Jeder Band erzählt dabei eine eigene Geschichte, umgesetzt von einem eigenen Kreativteam. Und schon der vorliegende Band 1 überzeugt auf ganzer Linie. Im Grunde „nur“ ein Krimi, der in der Zukunft spielt, geht die Auflösung des Falles doch in eine Richtung, die in der Gegenwart nicht möglich wäre. Doch zuvor ist es an Liv, die Einzelteile des Falles, die lange nur mehr Rätsel aufwerfen als Antworten liefern, zusammen zu setzen. Das ist deswegen nicht einfach, weil das Gesamtbild, dass sich am Ende ergibt, alles sprengt, was Liv je für möglich hielt.

Die Struktur entspricht der eines klassischen Thrillers, der aus mehreren Erzählsträngen gefüttert wird. Dabei holt Autor Jean-Luc Istin (ALICE MATHESON, DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN) den Leser immer ausreichend gut ab, stellt knapp die jeweiligen Personen vor, ohne die Handlung zu vernachlässigen oder das angenehm straffe und flüssige Erzähltempo auszubremsen. Optisch, mit der Darstellung der zukünftigen Millionenstadt New York inklusive der fliegenden „Autos“, erinnert AUFERSTEHUNG stark an Jean-Luc Bessons DAS FÜNFTE ELEMENT, ebenso die unterschiedliche Gesichtsbemalung der Protagonisten. Handlungsbedingt hat die Story natürlich noch eine ordentliche Portion BLADE RUNNER-Noir-Flair im Gepäck. Überhaupt sind deutliche Parallelen zu der Philip K. Dick-Verfilmung zu erkennen, auch wenn AUFERSTEHUNG keineswegs als Kopie bezeichnet werden kann.

Die Zeichnungen von Jesús Hervás Millán (SINTFLUT) sind angenehm dicht, die Farbgebung satt und das Design der Roboter, Gebäude und Fahrzeuge ist absolut Hollywood-reif.


FAZIT
Clever gestrickter SF-Krimi, der mit einigen unvorhersehbaren Überraschungsmomenten aufwartet. AUFERSTEHUNG überzeugt außerdem durch einen ausgeprägten Spannungsbogen, hohes Tempo, eine großartige Atmosphäre und fantastische Bilder.

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Tags: action, jean-luc istin, science-fiction, splitter verlag, thriller   (5)
 

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sherlock holmes, viktorianisches england, detektivgeschichte, krimi, arunya verla

Sherlock Holmes und das Geheimnis der Narrenkappe

Sophie Oliver
E-Buch Text: 61 Seiten
Erschienen bei Arunya-Verlag, 01.02.2016
ISBN B01BE7L6B4
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Wussten Sie, dass der Narr im Mittelalter keineswegs nur ein drolliger Spaßmacher für den Adel war? Als Narren bezeichnete man auch geistig Zurückgebliebene, Fehlgebildete, Kleinwüchsige sowie jene, die dem Teufel näherstanden als Gott. Verruchte, träge, lüsterne Menschen. Die Ohren und der Hahnenkamm symbolisieren dies. Die Schellen implizieren Geschwätzigkeit und leere Worte.“


STORY
London, Januar 1989: Einigermaßen geheimnistuerisch bittet ein neuer Klient, der zwergwüchsige Tobias Ervinson, Holmes und Watson um ihre Dienste. Schon zuvor wurde er wegen seines abnormen Körperbaus das Opfer allgemeiner Anfeindungen, doch nun, wenige Wochen vor seiner bevorstehenden Hochzeit, wird ihm unmissverständlich gedroht. Auf seinem Kopfkissen wurde eine Narrenkappe mit einer toten Amsel darin platziert. Holmes und Watson begeben sich unverzüglich nach Northmoor, wo sich Ervinsons Anwesen befindet und wo schon bald nach ihrer Ankunft das Dienstmädchen, welches einige Tage zuvor die Narrenkappe auf Ervinsons Bett fand, ermordet wird. Nachdem Holmes Ervisons Verlobte und weitere, ihm nahestehenden Personen kennen gelernt hat und sich auch im nahegelegenen Dorf umhören konnte, bezweifelt er, dass das Ervinsons Leben tatsächlich in Gefahr ist. Doch welcher Zweck wird mit der geheimnisvollen Narrenkappe verfolgt.


„Wenn die Narrenkappe bewusst gewählt wurde – wovon ich ausgehe – was wirft man unserem Mister Ervinson eigentlich vor? Weshalb soll er sterben? Weil er ein Zwerg ist? Oder ein Gotteslästerer? Weil er sexuell lasterhaft ist? Weil er üble Nachrede übt? Oder, weil man ihm sein Glück nicht gönnt? Die Amsel gxilt nämlich seit jeher als Glücksmagnet. Was bei einem toten Tier selbstredend nicht mehr zutrifft.“


MEINUNG
Mit Band 3 der Novellenreihe BAKTER STREET TALES legt die Autorin Sophie Oliver einen nahezu klassischen Sherlock Holmes-Fall vor, der angenehm geradlinig, ohne eigennützige Sperenzchen und doch alles andere als langweilig daherkommt. Die Figuren Holmes und Watson folgen in ihren Aktionen dem bewährten Vorbild, das Conan Doyle gezeichnet hat. Das Zeitkolorit stimmt und mit dem Auftritt eines „Freaks“ erhält der Fall noch ein zurückhaltendes Quäntchen Skurrilität, wie es auch der Holmes-Erfinder selbst in einigen Geschichten pflegte. Auch die Struktur folgt im Großen und Ganzen den klassischen Fällen: Ein neuer Klient spricht vor, es folgt ein Ausflug auf Land, das Kennenlernen der Beteiligten, parallel Holmes Ermittlungen, die – zurück in der Hauptstadt – vertieft werden. Als abschließende Kür folgt in den Räumen der Baker Street 221B die unvorhersehbare Aufklärung des Falls, die jedoch nicht aufgesetzt wirkt, sondern sich elegant und folgerichtig in die zuvor gesetzten Eckpfeiler der Handlung einfügt. Ein Punkt an dem viele moderne Holmes-Geschichten scheitern. Fr. Olivers Erzählung fällt dagegen eher durch gepflegtes Understatement und das wohlgeplante Gesamtbild auf.


FAZIT
Sehr schön bodenständige Sherlock Holmes-Novelle, die sich des klassischen Strickmusters der Originale bedient und damit vollauf überzeugt.

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Tags: arunya verla, baker street tales, sherlock holmes, sophie oliver   (4)
 

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kaiserkrieger, dirk van den boom, atlantis verlag, science-firction

Kaiserkrieger - Aufgehende Sonne

Dirk van den Boom ,
Flexibler Einband: 282 Seiten
Erschienen bei Atlantis Verlag, 31.08.2014
ISBN 9783864021091
Genre: Fantasy

Rezension:

„Er hörte sich die verschiedenen Schilderungen eine Weile an. Von einer Erscheinung war die Rede, einem Boot der Götter, von Männern, die aus einem großen Fisch gestiegen seien, und von zertrümmerten Tempeln, unsichtbaren Waffen, die lautlos und sicher töteten. Normalerweise wäre diese letzte Nachricht etwas gewesen, das ihn beunruhigt hätte – aber diese Geschichten waren so hanebüchen und klangen dermaßen absurd, dass der König sie einfach nicht richtig ernst nehmen konnte.“


STORY
Japan 1914: eine kleine Mannschaft macht sich für die Jungfernfahrt mit dem neuartigen U-Boot Nr. 8 bereit. Zur Überraschung der Mannschaft, nimmt auch Isamu, der zweitgeborene Prinz Japans, mit einem Lehrer und zwei Leibwächtern an der Fahrt teil. Der Plan einer gefahrlosen Spazierfahrt für den jungen Prinzen löst sich in Wohlgefallen auf, als das Boot in eine mysteriöse Nebelbank gerät und alle Bord ohnmächtig werden.

Mittelamerika, 5. Jahrhundert.: K’an Chitam, Herrscher über die Stadt Mutal, erwacht nach einer ausschweifenden nächtlichen Feier außergewöhnlich früh. So wird er Zeuge, wie sich im wahrsten Sinne des Wortes der Himmel auftut und ein riesiges Objekt durch den Riss fällt das direkt auf der Spitze der Grabmalpyramide seines Vaters zu liegen kommt. Die aufsehenerregende „Ankunft“ des japanischen U-Bootes wird von den Bewohnern Mutals als Zeichen der Götter gewertet.

Nachdem die Japaner realisiert haben, was passiert ist, wo sie sich befinden und dass sie sich wohl oder übel auf lange Sicht mit der Situation und den Einheimischen arrangieren müssen, erfolgt nach und nach eine zunächst zaghafte gegenseitige Annäherung der beiden Parteien. Während einige der Japaner einen freundschaftlichen Austausch der Kulturen auf Augenhöhe vorziehen, nutzt U-Boot-Kapitän Inugami seinen Status als vermeintlicher „Götterbote“ um im Sinne Japans langfristig auf den lokalen Herrscher einzuwirken und damit auch seine eigene Macht zu stärken. Zu einer ersten Belastungsprobe für das neue, noch fragile Gemeinschaftsgefüge kommt es, als Tatb’u, König der Nachbarstadt Yaxchilan, Mutal mit der Kampfmacht dreier Städte, die er hinter sich vereinigt hat, angreift.

Dank der modernen japanischen Waffen, und nahezu ohne Opfer in den eigenen Reihen, kann der übermächtige Feind besiegt werden. Damit festigt sich der überlegene Status der Japaner in Mutal. Kapitän Inugami sieht den japanischen Prinzen schon als seine Marionette auf dem Herrscherthron und schmiedet Pläne, Chitam aus dem Weg zu räumen und ein japanisches Imperium aufzubauen, indem er die Gefangenen zu einer Armee unter seinem Kommando macht.


„Es würde unweigerlich zu Spannungen kommen, und egal, wie überlegen ihre Waffen waren, die Maya waren viel, viel mehr, sie waren keine primitiven Idioten und sie mochten nicht verstehen, wie die Technik der Götterboten funktionierte, wussten aber mit Selbstbewusstsein, was sie zu erreichen imstande waren. Die Kriegsgefangenen waren demoralisiert und geschockt, sie stellten diese Fragen nicht. Die Bewohner Mutals aber würden irgendwann erkennen, wie gering die Götterboten sie schätzten, was sie sich über Jahrhunderte mit Intelligenz, Kenntnis und Fertigkeit aufgebaut hatten. So würde man auf Dauer nicht mit ihnen umgehen können.“


MEINUNG
Mit AUFGEHENDE SONNE starte der zweite Zyklus aus Dirk van den Booms Zeitreise-Abenteuerreihe KAISERKRIEGER. War es in den Bänden 1-6 der deutsche Kreuzer „Saarbrücken“, der kurz vor Beginn des ersten Weltkriegs auf eine Reise ins Mittelmeer des 4. Jahrhunderts ging, ist es nun ein japanisches U-Boot, das sich unversehens ca. 1500 Jahre in der Vergangenheit und eine halbe Weltreise entfernt auf dem Trockenen wieder findet. Vorkenntnisse sind für AUFGEHENDE SONNE also nicht notwendig.

Bereits auf den ersten Seiten merkt man deutlich, dass Dirk van den Boom ein geübter Autor gefälliger Abenteuerromane ist, der mit einer inzwischen erklecklichen Anzahl an Romanen eine fühlbare schriftstellerische Souveränität erworben hat. Gleich zu Beginn werden die Hauptfiguren deutlich und unmissverständlich definiert und charakterisiert. So verwundert es später kaum, dass der ehrgeizige Kapitän Inugami seinen göttlichen Status nicht nur dankbar annimmt, sondern gleich auch ausbauen will – zum Wohle des japanischen Volkes und wenn nötig mit Waffengewalt -, während der erste Offizier Arotomo Hara und der Bordälteste Yuto Sarukazaki ein eher freundschaftliches Verhältnis anstreben. Eine ausbaufähige Exotenrolle kommt dem Briten Robert Lengsley zu, der als Ingenieur mit an Bord ist, da das U-Boot auf britischen Bauplänen basiert.

Schnell wird die Notwendigkeit erkannt, in jedem Fall mit den Eingeborenen „auszukommen“; die zwangsläufige Annährung erfolgt und über einige Wochen entwickelt sich, begleitet von gegenseitigen Sprachunterricht, eine gegenseitige Freundschaft und sogar Vertrautheit zwischen Aritomo und Chitam. Ein Ende dieser ungewöhnlichen Zwangslage ist nicht erkennbar, so dass die Japaner bald immer mehr und immer selbstverständlicher in das Stadtleben integriert sind. Der Sprachunterricht und zwanglose Zusammenkünfte werden zu festen Bestandteilen des Alltags und auch romantische Beziehungen bleiben nicht aus. Exemplarisch beschränkt sich Dirk van den Boom natürlich auf die Erlebnisse seiner Hauptfiguren. Ganz abgesehen von den kriegerischen Handlungen, die Spannung in den Roman bringen, baut der Autor durch die verschiedenen Überzeugungen, wie mit der Situation zu verfahren ist, noch eine zweite, subtilere Spannungsebene auf, die noch weiter zugespitzt werden könnte. Mit Inugamis Plänen von einer gut geführten und trainierten Armee, die er dazu einsetzen kann, Mutals Herrschaftsbereich nach und nach auszudehnen, ist bereits ein Grundstein für den Folgeroman gelegt.

Dirk van den Boom gibt selbst zu, dass er sich in erster Linie als Unterhaltungsschriftsteller sieht und seine Romane der kurzweiligen Zerstreuung dienen sollen. So sind nicht unerhebliche Teile des Romans der schriftstellerischen Fantasie entsprungen, auch wenn der Rahmen von eingehender Recherche zeugt (im Autoren-Vlog nachzuschauen, zum Beispiel auf dem Kaiserkrieger-Blog). Entsprechend sind auch die Figuren reichlich klischeehaft entworfen, doch jede für sich auch sehr schön greifbar und individuell gestaltet.

Absolut eindrucksvoll ist das Covermotiv von Timo Kümmel ausgefallen, das als Blickfang U-Boot Nr. 8 auf der Spitze einer Maya-Pyramide hängend zeigt und damit einen Schlüsselmoment des Romans bildlich wiedergibt, während die Hintergrundgestaltung ein sehr urtümliches Look-and-Feel vermittelt.


FAZIT
Sympathischer und origineller Histo-Culture-Clash, der gar nicht mehr sein will als ein unterhaltsamer Abenteuerroman. Mission erfüllt!

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mörderische puppe, helen von troja, saphir im stahl, rotkäppchen, seele

Zwielicht 4

Michael Schmidt
Flexibler Einband: 348 Seiten
Erschienen bei Saphir im Stahl, 14.04.2014
ISBN 9783943948240
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Unserer Freundin kniete neben der Blutlache nieder. Sie benetzte ihre Finger mit der roten Flüssigkeit und malte damit das Symbol der ineinander verschlungenen Kreise auf ihre Stirn. Aus welchem Grund sie dies tat, konnte ebenfalls niemand erklären, außer dass es sich unter diesen Umständen richtig anfühlte, dass es sogar das einzig vernünftige war, das jemand tun konnte, wenn mit der Geste und dem seltsamen Laut eine Kröte aus einem Tümpel gerufen worden war.“
(Daniel Schenkel: Herr Winzig)


 Vincent Voss: Rotkäppchen und Dr. Wolf
Als Rotkäppchen tot im Wald aufgefunden wird, ist für die Dorfbewohner sofort klar, dass Dr. Wolf der Täter sein muss. So macht sich eine Gruppe Männer bei Anbruch der Dämmerung auf den Weg zum Haus der Großmutter. Doch ohne es zu wissen stehen die Dorfbewohner bereits unter Dr. Wolfs Einfluss.

Iven Einszehn: Der Arztbesuch
Obwohl der Patient behauptet hat, seine Finger wären gebrochen, zeigt das Röntgenbild zeigt eine völlig unversehrte Hand. Den Patienten so unversehrt zum Doktor vorzulassen verbietet die Pflichtauffassung der Arzthelferin. Damit der Arztbesuch nicht gänzlich umsonst war, könnte sie etwas nachhelfen.

Jens Schumacher: Dr. Leinensack
Zuerst hält er das unfrankierte Päckchen Tabletten samt dem Anschreiben für einen Scherz. Eine Pille, die auch Männern den normalerweise Frauen vorbehaltenen „Grünen Daumen“ und ein ganz neues Verständnis für Pflanzen bescheren soll. Und seit der Einnahme, und besonders seit der eigenmächtigen Erhöhung der Dosis, entwickelt er zu seinen Zimmerpflanzen tatsächlich eine ganz neue Beziehung.

Josef Helmreich: Tattoo
Auf den Stuhl des Tätowierers ist John entspannter als er gedacht hat. Ist er vielleicht sogar eingeschlafen und träumt womöglich? Denn plötzlich hat seine untreue Ex-Freundin den Platz des Tätowierers eingenommen.

Dominik Grittner: Master Carvats Geheimnis, Leichen verschwinden zu lassen
Eine unschöne Nebenerscheinung von Le Blancs Geschäften sind die Leichen, die es hier und da zu entsorgen gibt. Mit Master Carvat hat er jedoch einen Kontaktmann, der es versteht, unliebsame Überreste ohne jede Spur verschwinden zu lassen. So wie die jüngste Lieferung, die Omar und Neuling Karl an Carvat übergeben sollen. Doch Le Blanc will sich zukünftig Carvats teure Dienste sparen und so lautet Karls Auftrag herauszufinden, wie genau der Master die sterblichen Überreste beseitigt.

Carsten Zehn: Vom wahren Namen eines Baumes
Kein Argument scheint den Friedhofsverwaltungsbeamten davon abbringen zu können, den alten Friedhof zu schließen, den Gabhan Canmores schon seit Ewigkeiten als Gärtner betreut. Selbst der freiwillige Verzicht auf sein ohnehin mickriges Gehalt könne an der Situation nichts ändern. Erst die Demonstration der Macht des alten Baumes, der das Zentrum des Totenackers dominiert, bringt die Wendung.

Regina Schleheck: Cristal von der Post
In naher Zukunft bietet die Post die Möglichkeit, seinen Hinterbliebenen sofort nach dem Ableben eine Nachricht zukommen zu lassen. Zum Beispiel die Erkenntnis von seinem Ehemann und dessen Liebhaberin aus dem Weg geräumt worden zu sein.

Verena Gehle: Carlotta
Ein Wanderurlaub in der Einsamkeit des Nunmatals: nur Yuri und sein Hund Pim. Das perfekte Vorhaben, um über Carlotta hinwegzukommen, die ihm gerade den Laufpass gegeben hat. Doch während seiner Wanderung glaubt Yuri seinen Ohren nicht zu trauen, als er in der Nähe plötzlich Carlottas Stimme vernimmt. Und kurz darauf seine eigene. Doch das ist unmöglich. Dafür hat er doch selbst gesorgt.

Andreas Flögel: Der Hauch einer Berührung
Bevor er den kalten Arm ihrer Leiche neben sich ertastet, sieht er Linas Geist auf seiner Bettkante sitzen und in dieser Form ist sie immer bei ihm. So führen sie – mit einigen Einschränkungen – auch nach Linas Tod noch immer eine einigermaßen normale Beziehung. Das einzige, was er vermisst, sind die alltäglichen zärtlichen Berührungen zwischen ihnen. Da zeigt ihnen der Zufall einen Weg, wie es ihnen gelingen kann, die Grenzen aufzuheben.

Erik Hauser: Mein Onkel Stanislaus
Onkel Stanislaus ist ein unangenehmer und undankbarer Zeitgenosse, der ein hartes Familienregiment führt und seiner Umgebung und auch seiner Ehefrau Rose das Leben zur Hölle macht. Eines Tages bildet sich eine Nekrose, die auf seinen unmäßigen Tabakgenuss zurück zu führen ist. Dies ist nur der Auftakt zu mehreren Amputationen, die ihn schließlich komplett ans Bett fesseln. So wird das Leben für Tante Rose noch anstrengender und demütigender, was sie alles ohne Wehklagen erträgt. Selbst nach Stanislaus Beerdigung trauert Rose ihrem Mann noch nach.

Max Pechmann: Ein seltsamer, kühler Ort
Um sich von seiner Ideenarmut abzulenken und der hochsommerlichen Hitze seines Apartments zu entkommen, besucht ein Drehbuchautor ein unscheinbares Kino in der Nachbarschaft, wo sich nach dem Verlöschen des Lichts seltsame Dinge tun.

Daniel Schenkel: Herr Winzig
Die Kinder entdecken den Puppenmann Hr. Winzig in einer verlassenen Villa, die sie als Spielplatz gebrauchen. Zuerst bringt er ihnen einige Rituale und Zaubersprüche bei, dann beginnen die Träume. Doch das alles war erst der Anfang. Als einen von Ihnen stirbt, beginnt der wahre Schrecken. 

Michael Böhnhardt: Die Flammen von Troja
Durch seinen Vertrag mit Faust ist Mephistopheles daran gebunden, dessen Wünsche zu erfüllen, bis dieser stirbt und seine Seele dann endlich dem Herrn der Hölle gehört. Faust als Diener des Kaisers nutzt dieser Arrangement, sich von seinem Vertragspartner die Wünsche seines Herrn erfüllen zu lassen, bis hin zur Wiedererweckung der Toten. Ein Problem gibt es jedoch als es den Kaiser gelüstet, Homers Helden von Troja zu sehen, gehören die doch ins Reich der Legenden und haben nie wirklich existiert. Doch während es recht einfach ist irgendwelche Männer aus dem Totenreich als antike Krieger zu verkleiden, stellt sich die Suche nach Helena – einer Frau von solcher Schönheit, dass deswegen ein Krieg ausbrach – als schwieriger und auch sehr viel gefährlicher dar.

Harald A. Weissen: Am Ende eines Sommers
Als er seine ehemalige Mitschülerin Kim zufällig an der Supermarktkasse neben sich sieht, kehren seine Erinnerungen an die Schulzeit zurück. Die Zeit, in der er Kim bis über beide Ohren verknallt, gefolgt ist. An ihre geheimen Orte in der Hoffnung, sie zu treffen und doch unwissend, was dann zu tun sei. An die seltsamen Ereignisse, deren Zeuge er damit wurde. Und dann ergibt sich plötzlich doch die Gelegenheit, Kim wieder zu treffen.


„Ein pfeifender Windstrom wehte von der Treppe raschelnde Blätter und Fäulnisgestank hinter mir her, unter meinen Schuhen knirschte Glas, einige blutbesudelte Spritzen, leere Flaschen und etwas, das wie ein verwester Tierkadaver aussah, lagen am Rand, und von irgendwo vernahm ich ein leises, seltsames Geräusch, das ich nicht einordnen konnte. Doch mit jedem Meter, den ich hinter mich brachte und mich der Mitte des Tunnels näherte, wurde es lauter und ich begriff bestürzt, was es in Wirklichkeit war: Eine Person, die eine Kindermelodie sang und sich gleichzeitig würgend übergab.“
(Harald A. Weissen: Am Ende eines Sommers)


MEINUNG
Mit seiner Magazinreihe ZWIELICHT, die inzwischen die Nummer 9 erreicht hat, kann Michael Schmidt als Vorreiter einer kleinen Welle deutscher Horror-Anthologiereihen gesehen werden, was es vorher jahrelang nicht gab. Die Kollegen heißen HORROR LEGIONEN (bisher 3 Ausgaben), MÄNGELEXEMPLARE (bisher 4 Ausgaben und einen Roman) und DIABOLUS (2 Ausgaben). Schmidt selbst hat noch die ZWIELICHT CLASSIC-Reihe nachgeschossen, die er in Eigenregie als ebook und als print über Amazon CreateSpace herausbringt.

Zwar ist ZWIELICHT als Magazin mit Sekundärbeiträgen konzipiert, doch liegt der Fokus auf den Kurzgeschichten. Auch das Taschenbuchformat vermittelt eher das Look & Feel einer Anthologie als das eines klassischen Magazins.

Wie man den Herausgeber kennt, erwarten den Leser im Geschichtenteil moderne Phantastik-Stories, die einen willkommenen Bogen um überstrapazierte Mode-Horrorthemen und -gestalten machen. Wie in jeder Anthologie wird jeder Leser seine ganz persönlichen Favoriten finden. Öde Vorhersehbarkeit kann man den Beiträgen in ZWIELICHT 4 auf jeden Fall nicht vorwerfen. Schon die Autorenmischung, von denen jeder seine eigene Stimme einbringt, spricht wieder für sich. Zwar finden sich keine der ganz großen Namen, die einem breiten Publikum bekannt sind, in der Liste, doch ist das für Michael Schmidt auch zweitrangig. Jens Schumacher, Vincent Voss und Dominik Grittner veröffentlichen immer wieder in Publikumsverlagen (Bastei Lübbe, Loewe, Egmont). Erik Hauser, Daniel Schenkel und Harald A. Weissen zählen zu geschätzten „Szene“-Lieblingen und auch die Übrigen müssen sich keinesfalls verstecken. Alle punkten mit durchweg originellen Beiträgen, die ihre Wurzeln in klassischen Fanatstikthemen haben, diese aber in ein modernes Gewand kleiden.

Den Sekundärteil eröffnet Achim Hildebrand, der kurz das Leben von ALGERNON BLACKWOOD beleuchtet, den Lovecraft als „absoluten und unbestrittenen Meister der unheimlichen Stimmung“ bezeichnete und der in seinen Geschichten weit subtiler zu Werke ging als der Erfinder des Cthulhu-Mythos. Eine Kurzvorstellung ausgewählter Blackwood-Geschichten ergänzt die Biografie.

Mirko Stauch und Daniel Neugebauer berichten mit beeindruckender Detailfülle über H.P. LOVECRAFT UND DIE WEIRD TALES. War es doch diese Zeitschrift, die Lovecraft nicht nur lückenlos las, sondern in der er auch die meisten seiner Kurzgeschichten veröffentlicht wurden. Nicht ohne den ein und anderen Rückschlag und so manchen Kampf mit dem jeweiligen Verleger, für die es immer noch galt, ein Magazin zu verkaufen und nicht die Kunst zu fördern.

Eric Hantsch nimmt sich des norddeutschen Theodor Storm an, der ebenfalls einige phantastische Geschichten in seinem Oeuvre hat. Eine Kurzbiografie Storms, gefolgt von sachkundigen Vorstellungen vier gespenstischer Werke des POETISCHEN SPOEKENKIEKERS, die da wären: BULEMANNS HAUS, RENATE, EINE FRAGE DES GEFÜHLS und wohl Storms bekannteste Gespenstererzählung DER SCHIMMELREITER.

Meine Wenigkeit trägt eine Vorstellung der bis dahin fünf Romane bei, die in den Jahren 2008 – 2012 den VINCENT PREIS gewonnen haben. Weiterhin sind die Ergebnisse des VINCENT PREIS 2011 und 2012 abgedruckt.

Seit ZWIELICHT im Verlag Saphir im Stahl erscheint und die Cover von dem Schweizer Künstler Björn Ian Craig gestaltet werden hat die Reihe auch optisch ihr eigenes, sehr ansprechendes Profil gefunden. Neben den mehr als gelungenen Titelbildern beeindruckt jedes mal, wie kunstvoll Craig die jeweilige Nummer der Ausgabe in den Magazinnamen einflicht.


UPDATE
ZWIELICHT 4 ist inzwischen beim Verlag vergriffen aber als Kindle-Book und Create Space-Druck über Amazon zu beziehen.


FAZIT
Absolut empfehlenswerte Sammlung deutscher Horror-Kurzgeschichten, die sich nicht am aktuellen Strömungen (Zombies, Torture-Porn, etc.) anbiedert, sondern klassische Horrorthemen in moderne Geschichten verpackt liefert.

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splitter verlag, graphic novel, h.g. wells, science fiction, h. g. wells

H.G. Wells. Band 2: Der Krieg der Welten, Teil 1

Dobbs , Vicente Cifuentes
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.08.2017
ISBN 9783958395039
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Mit Sorge beobachtet der Astronom Professor Ogilvy das gehäufte Aufkommen von Meteoriten, die aus Richtung Mars auf die Erde zusteuern. Als einer der Flugkörper ganz in der Nähe von Maybury einschlägt, und Ogilvy den metallischen Zylinder inmitten des Kraters erblickt, glaubt der Wissenschaftler noch, dass mit dieser, seiner Entdeckung sein Name in die Annalen der Astronomie eingeht. Aus der Kapsel entsteigen jedoch riesenhafte, dreibeinige Maschinen, die alles im Umkreis mit Strahlenkanonen in Brand setzen. Ein junger Freund von Ogilvy wird Zeuge des Vorfalls und flieht nach Hause um seine Familie zu Verwandten in Sicherheit zu bringen. Er selbst kehrt nach Maybury zurück und wird Zeuge, wie weitere marsianische Kampfmaschinen das Land verwüsten. Militärische Einheiten haben dem übergelegenen Feind nichts entgegen zu setzen, provisorische Lager für die Evakuierten werden zu Todesfallen.

MEINUNG
DER KRIEG DER WELTEN dürfte zumindest der kraftvollste unter den großen H.G. Wells-Klassikern sein. Nicht umsonst die Adaption des Romans in andere Medien immer wieder sehr gut funktioniert; die B- und C-Gurken von Asylum (Filmproduktionsgesellschaft, die sich mit Mockbustern einen Namen gemacht hat, billig produzierte Filme, die sich die Namen von Großproduktionen „ausleihen“) jetzt einmal außen vor gelassen. Von Orson Welles‘ „Skandal“-Hörspiel - die Radiohörer hielten die fiktive Reportage über einen Angriff der Marsianier anno 1938 angeblich für echt und es kam vor den Radios zur Massenpanik - über die George Pal-Filmproduktion von 1953 und eine TV-Serie bis zum Steven Spielberg-Remake von 2005. Sogar ein erfolgreiches Musical wurde aus dem Stoff gemacht; Jeff Waynes Titelsong EVE OF THE WAR war 1978 ein veritabler Chart-Erfolg.

Nun liegt hierzulande mit DER KRIEG DER WELTEN 1 nach DIE ZEITMASCHINE die zweite H.G. Wells-Adaption von Dobbs (SCOTLAND YARD) vor. Wie im Vorgängerband hält sich der Autor mit der Adaption eng an der Vorlage, was bedeutet, dass die Landung und der Angriff der Marsianer schon relativ schnell erfolgt. Nur einige kurze Szenen stellen den namenlosen Philosophen vor, der zur Hauptfigur der Geschichte wird. So richtig warm wird man mit dem jungen Mann in der kurzen Zeit leider nicht. Für die Umsetzung des Romans sind dieses Mal gleich zwei Alben vorgesehen. Dennoch legt der Autor einen ordentlichen Galopp vor, der kaum Gelegenheit zum Innehalten und zur Verarbeitung des Gelesenen bietet. Es entsteht der Eindruck, dass Dobbs zwar unbedingt alle Elemente des Originals übernehmen wollte, gleichzeitig aber zu wenig Platz hat, diesen auch in voller Bedeutung gerecht zu werden. Ein schönes Beispiel ist die Begegnung des Philosophen mit dem Geistlichen, die im Original eine kraft- und bedeutungsvolle (und sehr viel längere) Sequenz darstellt, hier aber null und nichtig ist. Mut zur Straffung, zum freieren Umgang mit der Vorlage und zur Definition eigener Schwerpunkte hätte nicht geschadet.

Als Zeichner fungiert diesmal Vicente Cifuentes, den fleißige Panini-Leser z.B. von BATGIRL, GREEN ARROW oder BLACKEST NIGHT/BRIGHTEST DAY kennen. Meist, und hier auch, funktioniert es sehr gut, wenn solch dynamische Zeichner ein viktorianisches Setting kreieren. Die Zeichnungen sind sehr sauber und angenehm filigran geraten und überraschen mit ungewöhnlichen Perspektiven. Außerdem pflegt der Spanier auch hier sein Markenzeichen, die strudelartig verwirbelten Rauch- und Nebelschwaden.

Interessant dürfte der Vergleich des Bandes mit Thilo Krapps Graphic Novel DER KRIEG DER WELTEN sein, die Anfang des Jahres bei Egmont erschienen ist.

FAZIT
Dobbs‘ Comicadaption bleibt eng an der Vorlage, geht aber nur wenig in die Tiefe. Das Konzept der wechselnden Künstler geht auf; Vicente Cifuentes liefert elegante und doch dynamische Bilder.

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kurzgeschichten, arthur gordon wolf, barbara büchner, fabylon verlag, alisha bionda

Am Ende der Reise

Arthur Gordon Wolf , Barbara Büchner , Marc-Alastor E.-E. , Erik Hauser
Flexibler Einband: 244 Seiten
Erschienen bei Fabylon, 05.07.2017
ISBN 9783943570892
Genre: Fantasy

Rezension:

„Exmoor ist nicht weit“, sagte der Pastor. „Das Gebiet ist hier schon sehr sumpfig. Bleiben Sie unter allen Umständen auf der Straße! Achten Sie darauf, dass die Pferde nicht durchgehen. Fahren Sie zügig durch den Wald, nicht im Galopp, aber im guten Trab. Werden Sie erst langsamer, wenn sie die Lichter von Crossvalley Manor sehen und den Torbogen passiert haben.“
(Uschi Zietsch: Am Ende der Reise)

 Arthur Gordon Wolf: Die Adepten des Großen Bro

Als letzter Überlebender einer ganzen Gruppe zieht Lane durch das postapokalyptische Land. Bis ihn eine Gruppe Jugendlicher findet, die sich als die Adepten des Großen Bro vorstellen und ihn einladen, mit in ihr Lager zu kommen. Eine Entscheidung, die Lane bald bereut.

Barbara Büchner: Black Mill – Die Knochenmühle

Eine rumänische Legende besagt, dass der Teufel einst einen Handel mit einem Müller einging, um in jeder Neumondnacht einen Mühlgang in dessen Mühle benutzen zu dürfen. Als der Müller sah, dass der Teufel Gebeine und Pferdehufe zu Gold mahlte, zweigte er etwas von dem kostbaren Metall für sich ab. Als dies wiederum der Teufel bemerkte, hängte er den Müller und seine Frau an den Mühlflügeln auf.

Nun besuchen zwei Forscher und Geisterjäger die alte Mühle und finden den Bau erstaunlich gut erhalten vor. Sie finden sogar einige Goldkörnchen. Da beginnt das Mahlwerk der Mühle plötzlich von selbst wieder zu arbeiten.

Marc-Alastor E.-E.: Helle Welt in Pastell

Walt Bethwaite, der Universalbevollmächtigte der Transportfirma Hailand wurde ermordet. Akilina Hailand, die Geschäftsführerin der Firma, ist die Hauptverdächtige. Sie beauftragt den Privatdetektiv Eddy Munch um ihre Unschuld zu beweisen. Man sagt Bethwaite starkes Interesse am anderen Geschlecht nach, jedoch nur wenig Erfolge. So gab er sich den Anstrich eines Okkultisten um sich für die Damenwelt interessant zu machen. Tatsächlich wurde am Tatort eine Fotografie gefunden, die Bethwaite in einem okkultischen Ornat zeigt, gemeinsam mit der nackten und hingebungsvollen Ms. Hailand. Eine Szene, an die die Dame sich beim besten Willen nicht erinnert.

Erik Hauser: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Hässlichste im ganzen Land?

Mit dem neu erworbenen Trickspiegel muss es Christof doch endlich gelingen, seiner Freundin einen Schrecken einzujagen, wenn schon sein sonstiges „Arsenal“ an Scherz- und Karnevalsartikeln inzwischen keine Wirkung mehr zeigt. Blickt man in den Spiegel hinein, starrt ein Hybride aus Mensch und Schlange zum Betrachter zurück. Doch warum fühlt sich Christof am nächsten Morgen – nach einer ordentlichen Fete – nur so durch die Mangel gedreht und warum bekommt er kein vernünftiges Wort heraus, sondern nur ein unverständliches Zischen?

Tanja Bern: Des Teufels Haus

Immer wieder kehrt Sara in den Schnee zurück, der das geheimnisvolle Haus umgibt, das die Einheimischen nur „Das Teufelshaus“ nennen. Im Haus wiederum blickt Jules nach draußen in den Schnee, angezogen von dem Mädchen dort, doch unsicher ob seiner Entstellung. Und doch gibt es ein Band zwischen den beiden.

Florian Hilleberg: Erkenntnis

Seit sein Vater bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, geht es für Gerricks Familie den Bach hinunter. Seine Mutter Elise trinkt schon am helllichten Tag, so dass er selbst für seine kleine Schwester Tammy Bruder und Vater zugleich sein muss. Auch Onkel Gerd, der die Familie seit Vaters Tod regelmäßig besucht, und von  dessen Geld sie nun leben, ist mehr an Tammy als an Elise interessiert. Eine Wendung erfolgt erst, als Gerrick im Wald eine Schlange findet. Eine harmlose Königsnatter, die jedoch einer giftigen Korallenotter zum Verwechseln ähnlich sieht.

Uschi Zietsch: Am Ende der Reise

Da keiner der Dorfbewohner ihn nun, in der Nacht, noch zu seinem Ziel bringen will, mietet John Turtle kurzerhand eine Kutsche und macht sich alleine auf den Weg durch den Wald. Auf Crossvalley Manor würde er endlich Mary wieder sehen, die er auf einem Ball in London kennen gelernt hat. Er gibt weder etwas auf das Gerede von Moorländern und Swampern, die sich im Wald tummeln sollen, noch auf die Geschichten des verfluchten Kreuzwegs, von dem das Schloss seinen Namen hat.

Sophie Oliver: Das Auge des Betrachters

Der Dämon Aegir ist der Wächter des Stockholmer Höllentores. An seinem freien Tag, an Halloween, lernt er die bezaubernde Elin kennen, die sein Aussehen an diesem Abend natürlich für eine gruselige  Verkleidung hält. Trotz Aegirs Unsicherheit läuft der Abend gut. Nur sein Kollege Ty und dessen Hund Fenrir drohen, ihm sein Date zu verderben.

Tanya Carpenter: Das Karussell

Seltsame Geschichten ranken sich um das stillgelegte Karussell des alten Casper, vor dem Marc und Sebastian nun in Caspers Scheune stehen. Geschichten von verschwundenen Kindern und einem Todesfall, nach dem der Betreiber dem Alkohol verfallen ist. Und nun sind gleich zwei neue Opfer für das Karussell aufgetaucht.

Gabriele Ketterl: Der Höllenjob

Den Job als Wächter im Vorhof der Hölle ist die letzte Bewährungsprobe für den Dämonen Ezekiel, der sich bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Da entfleucht ihm auch noch ein Insasse aus der Hölle für Diktatoren und Massenmörder, den es nun wieder zurück zu holen gilt.

Lothar Nietsch: Die Baumeister des Schöpfers

Ohne Erinnerung kommt er zu sich, an seinen Händen aufgehängt. Und doch ist es, als ob er schwebt. Da erblickt er aus den Augenwinkeln eine Bewegung. Es ist einer der Baumeister, die ihn in diese Lage gebracht haben. Und ihm wird klar, dass er die Baumeister lenken kann. Denn er ist der Schöpfer.

Barbara Büchner: Der Kastellan von Huttenbrunn

Jenny Gröning und ihr Kollege Marten sind auf dem Weg, eine Immobilie zu besichtigen, die dem Krankenanstalten-Verband als Erbe hinterlassen wurde. Meist erweisen sich diese vermeintlich gut gemeinten Taten als absolut unrentabel, wie es auch bei diesem überladenen Schlösschen den Anschein hat. Die erste Überraschung aber erlebt Jenny, als ihr ein wahrer Adonis das Tor öffnet. Es soll nicht die letzte in dieser Nacht bleiben.

Erik Hauser: Die gerissene Saite

Jan-Philipp, VWL-Student kurz vor der Prüfung, könnte seinen Zimmernachbarn verfluchen, der zu den unmöglichsten Tages- und Nachtzeiten seine Geige malträtiert, so dass eine Konzentration auf seinen Lernstoff schier unmöglich wird. Als er bemerkt, dass der geheimnisvolle Geigenspieler eine offenbar hübsche Kommilitonin ist – und nicht ein Vogel namens Erich Zann, wie es das Namensschild glauben machen will – ist jedoch Jan-Philipps Interesse geweckt.

Desirée und Frank Hoese: Ketten aus Blut

Ein zufälliger Dachbodenfund und ein unbedacht und nur halbwegs ausgeführtes magisches Ritual kostet zwei Teenager das Leben, denn der Dämon, den sie beschworen haben kann entkommen und zieht nun eine Todesspur durch die Stadt. Doch auch dem Dämon selbst ist jemand auf der Spur. Jemand, der sein Handwerk versteht.

„Ich nahm das Foto und sah auf dem körnigen Schwarz-Weiß-Bild eine unbekleidete Frau, die sich vor einer geflügelten Gestalt rekelte. Guter Schuss, Schattenspiel, Nuancen, Details waren perfekt herausgearbeitet.“
(Marc-Alastor E.-E.: Helle Welt in Pastell)

MEINUNG

Am 20. Mai 2015 starb überraschend der Künstler Martin Schmidt, Phantastik-Fans besser bekannt als Crossvalley Smith. Nicht nur wegen seiner Bilder, die er für viele ihrer Veröffentlichungen und für das Literaturportal LITERRA angefertigt hat, stand Alisha Bionda in besonderer Verbundenheit zu dem Grafiker. In dem Gedenkband AM ENDE DER REISE vereint die Herausgeberin nun noch einmal einige Werke des Verstorbenen, zu denen ausgewählte Autorinnen und Autoren phantastische Erzählungen verfasst haben. Jede/r der Autorinnen und Autoren findet dabei seine eigene Art, die Grafiken in eine Erzählung einzuweben, sei es tatsächlich gegenständlich oder „nur“ mit Symbolcharakter. Die Bandbreite der Geschichten reicht dabei von der klassischen Gruselgeschichte (BLACK MILL, DAS KARUSSELL) über paranomale Romanzen (IM AUGE DES BETRACHTERS, DES TEUFELS HAUS) bis hin zu leicht experimentellen Beiträgen (DIE BAUMEISTER DES SCHÖPFERS, KETTEN AUS BLUT). Erik Hauser steuert außerdem eine Lovecraft-Hommage bei (DIE GERISSENE SAITE), Marc-Alastor E.-E. eine eigenwillige Detektivgeschichte (HELLE WELT IN PASTELL), Arthur Gordon Wolf ein Post-Apokalypse-Szenario (DIE ADEPTEN DES GROSSEN BRO) und Barbara Büchner ein erotisches SF-Schmankerl (DER KASTELLAN VON HUTTENBRUNN). Für Abwechslung in Stil und Stimmung ist also bestens gesorgt. Entsprechend wird jeder Leser in dem Band seine eigenen Favoriten finden. An einigen Stellen findet sich auch ein ergebener Verweis auf den Künstler, wie zum Beispiel das „Crossvalley Manor“ aus Uschi Zietschs Titelgeschichte.

Was den Band weit über eine normale Geschichtensammlung hinaus hebt und zu einer sehr besonderen Angelegenheit macht, sind - neben dem außergewöhnlich privaten Vorwort von Alisha Bionda selbst - die Abschiedsworte von Familienmitgliedern, Freunden, Weggefährten und Arbeitskollegen, teilweise mit privaten Bildern ergänzt, die sich zwischen den Story-Beiträgen finden. Außerdem sorgen die persönlichen Erinnerungsworte jedes Verfassers, die den jeweiligen Geschichten vorangestellt sind, sowie ein humorvoller Convention-Bericht (zur Feen-Con 2014) von Crossvalley Smith selbst, für eine sehr intime Stimmung, die die Anthologie zu dem außerordentlichen und emotionalen Abschiedsgeschenk macht, als das sie gedacht ist.

Die ausgewählte Titelgrafik hat selbstverständlich starken Symbolcharakter und wurde wie immer ausgezeichnet in das ARS LITTERAE-Reihenlayout integriert.

FAZIT

Ein mehr als gelungener Gedenkband für den verstorbenen Künstler Crossvalley Smith, den vor allem die persönlichen Worte und Erinnerungen zu etwas Besonderem machen.

UPDATE

Die Webseite von Crossvalley Smith ist inzwischen nicht mehr zu erreichen, doch auf www.literra.info

sind noch über 300 Grafiken des Künstlers zu sehen.

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endzeit, splitter verlag, dynamite entertainment, horror, science fiction

Devolution

Rick Remender , Jonathan Wayshak
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.08.2017
ISBN 9783958391390
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Gegenwart: Die Erde steuert dem ökologischen und gesellschaftlichen Kollaps entgegen, Meldungen von Krieg, Terroranschlägen und sonstigen menschlich verursachten Katastrophen sind an der Tagesordnung. Auf der Suche nach einer Lösung erklären die Politiker schließlich den religiösen Glauben zur Wurzel allen Übels und eine internationale Gruppe Wissenschaftler entwickelt den Wirkstoff DVO-8, der den „zum Glauben anfälligen“ Teil des menschlichen Gehirns schrumpfen lassen soll. Doch leider lässt DVO-8 noch mehr schrumpfen - Menschen entwickelten sich zurück auf die Evolutionsstufe von Neandertalern - und beschränkt sich auch nicht auf Spezies Mensch, so dass sich die wenigen Homo sapiens, die keine Rück-Evolution erfahren haben, von einer Fauna und Flora umgeben sehen, die es so höchstens in der Urzeit gegeben hat.

Zukunft: In diesem Umfeld bewegt sich Raja, eine der letzten normalen Menschen und ständigen Angriffen von Neandertalern, Mammuts, Säbelzahntigern und sonstigen Urviechern und Mutationen ausgesetzt, befindet sie sich, auf der Suche nach einem Gegenmittel gegen DVO-8, auf dem Weg nach San Francisco. Unterwegs stößt sie auf eine Enklave ebenfalls unveränderter Menschen, deren Anführer seine Männer und Frauen mit eiserner Hand und stahlhartem Schwanz regiert. Schnell muss Raja feststellen, dass die vermeintliche Rettung kaum besser und sicherer ist, als der Weg durch die urzeitliche Hölle außerhalb des Forts. Doch ihr Ziel hat oberste Priorität und vielleicht findet sie hier doch Hilfe.

MEINUNG
Ohne viel Federlesens gibt Autor Rick Remender (BLACK SCIENCE, LOW) sofort Vollgas. Eine Erklärung, was hier abgeht bzw. wie es dazu kam, dass sich eine junge Frau in den Ruinen von Las Vegas gegen Urmenschen und sonstiges prähistorische Geschmeiß wehren muss, folgt erst später. Doch die Erklärung erweist sich lediglich als Pflichtteil, um ausreichend plausibel zu machen, wieso wir uns gerade auf einer prähistorischen Endzeiterde bewegen und warum sich eine junge Frau dieser Gefahr freiwillig aussetzt. Das Hauptaugenmerk von DEVOLUTION liegt dagegen auf der teils absurden Action, die die Handlung dominiert und jedwede Art von Tiefgang gar nicht erst aufkommen lässt. Der Leser wird damit mehr überfahren als abgeholt.

Dass Raja mit der Ankunft in Nazi-Rednecks Lager vom Regen in die Traufe kommt, klingt theoretisch gar nicht so schlecht, scheitert aber daran, dass einem die Figur so schnuppe ist wie nur etwas. Dass die Figurenzeichnungen von Jonathan Wayshak (CALL OF DUTY: ZOMBIES) mit der übertrieben dargestellten Mimik nicht selten an Karikaturen grenzen und dieselben müden Gags respektive wüsten Beschimpfungen und Kraftausdrücke ständig wiederholt werden, gestaltet das Ganze nicht überzeugender.

Lassen wir DEVOLUTION jedoch als Hommage an die teils abstrusen SF-Fantasy-Action-Comics und die günstigeren (dreckigeren) Genre-Filme der 1980er durchgehen, macht die Chose wieder hinreichend Spaß um zumindest oberflächlich zu unterhalten. Die mutierten Viecher und riesenhaften Pflanzen, mit denen es unsere „Helden“ zu tun bekommen, wissen auf jeden Fall zu gefallen. Trotzdem muss man feststellen, dass es Remender bei der Kopie einzelner Versatzstücke belässt, ohne dem Ganzen eine ironische oder reflektierende Ebene zu geben.

Das Hardcover im Comicformat (ein sogenanntes SPLITTER-Book) enthält alle fünf Ausgaben der Miniserie und ist in gewohnter SPLITTER-Qualität ausgestattet ist. Das bedeutet, sehr hochwertiges, schweres Papier und einen ganzen Strauß an Bonusmaterial, wie Figurenentwürfe von Jonathan Wayshak, Seitenskizzen und einige Vergleiche von Skript und den gezeichneten Seiten. Enthalten sind außerdem die fantastischen Cover von Jae Lee (BATMAN/SUPERMAN, INHUMANS).

FAZIT
Das Spektakel kann insgesamt weder als besonders neuartig noch irgendwie clever, witzig oder gar zeichnerisch herausragend bezeichnet werden. Statt dessen hat man hier ein krude zusammengeschustertes SF-Endzeit-Monster-Terror-Splatter-Flickwerk vor sich, irgendwo zwischen MAD MAX und Tim Currans ZERFLEISCHT.

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ian rolf hill, john sinclair, horror, bastei verlag

John Sinclair - Folge 1984: Der Schrecken aus der Tiefe

Ian Rolf Hill
E-Buch Text: 100 Seiten
Erschienen bei Bastei Entertainment, 19.07.2016
ISBN 9783732533831
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Der Mond spiegelte sich als zitternde Reflexion in seinen großen, dunklen Augen. Die Nacht war hereingebrochen. Das Wasser des Sees umschloss seinen Leib mit undurchdringlicher Schwärze. Nur weiter oben bekam es durch das Licht des Erdtrabanten einen silbrigen Schein. Doch es war etwas Anderes, was das Ungeheuer innerlich frohlocken ließ. Es waren die Stimmen und das Gelächter ausgelassener Menschen. Menschen, die beim flackenden Schein eines Lagerfeuers am Ufer des Sees zusammensaßen. Das Ungeheuer öffnete das Maul und ein blubberndes Grollen drang aus seinem gierigen Schlund. Geschmeidig glitt es an die Oberfläche.“

STORY
Entgegen der ausdrücklichen Warnungen der Einheimischen campieren die Londoner Studenten Sandra, Carl, Frank und Bernie am Ufer des idyllischen und versteckt gelegenen Badesees nahe des schottischen Dörfchens Killin. Doch in der Nacht steigt Etwas aus dem See und tötet Frank und Bernie. Sandra verliert darüber den Verstand und verschwindet in den Wald. Carl, der sich retten konnte, beschließt, seinen Kommilitonen, den „affektierten Spinner“ und „Grusel-Geek“ Johnny Conolly anzurufen, der in dem Ruf steht, schon des Öfteren dem Übernatürlichen gegenüber gestanden zu haben. So erfahren John Sinclair und Suko von dem Fall und machen sich eilends auf den Weg nach Killin.

„Die Soldaten ergriffen den Mann, der aber nur lachte und sich im Griff der Männer in das schreckliche Ungeheuer verwandelte. Es kostete viele das Leben, doch mit Äxten und versilberten Pfeilen konnten sie das Biest in Schach halten. Zum Glück verstand der Bischof etwas von Dämonologie und der heiligen Inquisition. Er war auch als Exorzist tätig. Und so kannte er Bannsprüche und die entsprechenden Symbole, mit denen der Satan gebändigt werden konnte. Nur töten konnten sie das Untier nicht, das in eine tiefe Senke floh. Dort umstellten die Männer das Ungeheuer und banden es mit einer silbernen Kette fest. Der Bischof brachte rund um die Senke Kreuze und Symbole an, die das Monster bannten. Danach leiteten sie einen Teil des River Dorchart um und fluteten die Senke.“

MEINING
Die Einheimischen, die den geheimnisvollen Stausee bei Anbruch der Dämmerung fluchtartig verlassen, die rätselhaften Bannsymbole im umliegenden Wald, eine alte Legende und die Dorfgemeinschaft, die das Geheimnis des Sees hütet. Mit DER SCHRECKEN AUS DER TIEFE hat Ian Rolf Hill wieder ein schönes Monster-der-Woche-Abenteuer für John Sinclair und seinen Partner Suko in bester GESPENSTER-KRIMI-Tradition verfasst. Soll heißen, weder das Rezept noch die Zutaten sind besonders neu, doch kann man damit auch kaum etwas falsch machen. Zu begrüßen ist auch, dass den Nebenfiguren mehr sind als nur das obligatorische Kanonenfutter, und dem Roman auch ein Quäntchen Romantik verleihen. Doch keine Sorge, noch sind wir bei JOHN SINCLAIR und nicht bei CORA MYSTERY. Seine hauptsächliche Spannung bezieht der Roman noch nicht einmal aus den blutigen Monsterattacken – die geschehen nur zu Anfang und am Ende – sondern aus der Tatsache, dass die Dorfbewohner, allen voran der Bürgermeister, alles daran setzen, das Geheimnis des Sees zu wahren. Auch mit der Gewissheit, dass es nach den jüngsten Ereignissen nur eine Frage der Zeit ist, bis das Monster stark genug ist, den Bannkreis um den See zu verlassen. Dabei ist das Dorfoberhaupt kein gewissenloser Killer, sondern zwischen „Pflicht“ und Hoffnung auf Rettung hin und her gerissen.

Ohne den schier unüberschaubaren sinclair‘schen Gegner-Pantheon im Hintergrund präsnetiert sich DER SCHRECKEN IN DER TIEFE angenehm altmodisch und ballastfrei. So wird dem Monster am Ende auch ganz in Old-School-Manier die Hölle heiß gemacht.

FAZIT
Souverän verfasster Monster-der-Woche-Schocker. Gut ausbalanciert und auch für Gelegenheitsleser bestens geeignet.

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toby litt, dc vertigo, horror, mystery, mark buckingham

Dead Boy Detectives

Toby Litt , Mark Buckingham , Gary Erskine , Mark Buckingham
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Panini, 13.10.2014
ISBN 9783957981127
Genre: Comics

Rezension:

Die Lumpenschule
Mitten in den Ermittlungen zum Fall der verschwundenen Katze Twinkle werden die „Dead Boy Detectives“, Charles Rowland (gestorben 1916) und Edwin Paine (gestorben 1990), vom Geist des Schulleiters Locke in die Lumpenschule auf der Isle of Dogs entführt, wo Locke seit 1844 ununterbrochen Unterricht hält. Und wer nicht aufpasst oder versucht zu fliehen, der macht Bekanntschaft mit Lockes hungrigen Hunden.

Die Ängste von Schuljungen (#1-4)
Charles und Edwin observieren einen als Kunstraub inszeniertes Event des Künstlerpaares Maddy Surname und Seth von Hovercraft. Im Schutz dieser Aktion schlagen echte Diebe zu. Es gelingt den Geisterdetektiven, den Raub zu vereiteln und dazu noch Crystal Palace, der Tochter des Künstlerpaares, das Leben zu retten mit dem Nebeneffekt, dass Crystal die beiden toten Jungen nun sehen kann. Sie beschließt, nach St. Hilarion‘s zu gehen, die Schule, in der Charles und Edwin getötet wurden. Aus Sorge um Crystal, und weil Charles sich in das Mädchen verliebt hat, folgen ihr die Detektive nach St. Hilarion’s, wo sich seit ihrer eigenen Schulzeit offenbar nichts verändert hat. Gemeinsam mit Crystal finden sie heraus, dass in der Einrichtung ein Schüleraustausch der besonderen Art im Gange ist. Und auch die Rowdies, die für Edwins Tod verantwortlich sind, sind noch auf der Schule – ebenfalls als Geister.

Das Haus auf halbem Wege (#5+6)
Nachdem die Detektive ihr neues Heim, ein Baumhaus im Garten der Surname von Hovercrafts, bezogen haben, wird Edwin auf ein heruntergekommenes Haus in der Nähe aufmerksam. Von Neugier gepackt sieht er sich dort um und trifft auf die junge Beatrice, in deren Zimmer die Schwerkraft aufgehoben zu sein scheint, sowie auf ihre treue Dienerin Persephone, die halb in einem afrikanischen Spiegel gefangen ist. Edwin verspricht Beatrice zu helfen, doch dafür benötigen die Detektive selbst Unterstützung.

MEINUNG
Ihre Karriere begannen die „Dead Boy Detectives“ als Nebenfiguren in Neil Gaimans SANDMAN (im Band DIE ZEIT DES NEBELS), ein erstes Wiedersehen gab es im Vertigo-Crossover DER KINDERKREUZZUG. Es folgten Auftritte in DIE BÜCHER DER MAGIE und diversen Vertigo-Annuals und -Miniserien, bevor Charles und Edwin 2014 ihre eigene, fortlaufende Serie erhielten. Man kann die beiden Geisterdetektive also durchaus als „Vertigo“-Veteranen der ersten Stunden bezeichnen, als Gaiman & Co das Label mit ihren neuartigen Märchen für Erwachsene (SANDMAN, DIE BÜCHER DER MAGIE) definiert haben. Nicht selten wurden damals Figuren zwischen den Serien und Miniserien hin- und her getauscht und alles schien in seiner eigenen, absonderlichen Logik stimmig zu sein, so dass der Eindruck eines phantastischen Konglomerats, quer durch Zeiten und (T)Räume entstand. Und auch die Serie von Toby Litt vermittelt den Eindruck, ein Teil dieses Gemenges zu sein. Die skurrilen Ideen, die sich hier finden, könnten genauso gut aus der ersten Generation von Vertigo-Heften stammen. Auf beinahe jeder Seite finden sich neue Ideen und Wendungen, Überraschungen in Form und Inhalt, die man nie kommen sieht. Und stets pflegt Toby Litt auf der ersten Ebene den naiven Tonfall, den tapsigen Humor und die wilden Gedankensprünge, die die Kindlichkeit seine Hauptfiguren wiederspiegeln. Freilich gibt es noch eine zweite, dunklere Ebene. Natürlich sorgen auch die Bilder von SANDMAN- und FABLES-Zeichner Mark Buckingham für das angenehm zeitlose Look-and-Feel. Damit stellt DEAD BOY DETECTIVES einen angenehmen Anachronismus in der zeitgenössischen Comiclandschaft dar, vor allem da viele Vertigo-Veteranen (CONSTANTINE, SWAMP THING) mit „New 52“ ins reguläre DC-Universum eingegliedert wurden.

Das vorliegende erste Paperback enthält die Bände 1-6 der regulären Serie, sowie die dreiteilige Kurzgeschichte DIE LUMPENSCHULE aus den Vertigo-Anthologien GHOSTS #1, TIME-WARP #1 und THE WITCHING HOUR #1.

FAZIT
Toller Auftakt der eigenen DEAD BOY DETECTIVES-Serie. Eine unbedingte Empfehlung für alle Vertigo-Fans der ersten Stunde.

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horror, bentley little, voodoo press, grusel, haunted house

Haunted

Bentley Little , Verena Hacker
Buch: 300 Seiten
Erschienen bei Voodoo Press, 01.01.2013
ISBN 9783902802552
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Seit dem ersten Tag, als sie in dieses Haus gezogen waren, hatte sie den Keller gruselig gefunden. Das meiste war wahrscheinlich kulturelle Akkumulation: diese ganzen Horrorfilme über Monster, die in Kellern hausten, diese ganzen Nachrichten über alte Damen die ihre Mieter umbrachten und die Leichen im Keller vergruben, oder diese geistesgestörten Männer, die ihre eigenen Töchter schwängerten und sie jahrelang angekettet unter ihren Häusern hielten.“

STORY
Schon kurz nach dem Einzug in ihr neues Heim, entwickeln die Mitglieder der Familie Perry unabhängig voneinander eine Abneigung gegen den kleinen Keller, der sich unter der Küche befindet.

Albträume, Sexuell-bedrohliche SMS, Gegenstände, die plötzlich woanders stehen, etc pp. sowie die ablehnende Haltung der Nachbarn, die plötzlich doch – von Neugier getrieben – bei der verspäteten Einweihungsparty auftauchen, verheißen nichts Gutes. An einen erneuten Umzug ist aufgrund der finanziellen Lage der Perrys nicht zu denken. So bleibt Julian Perry nichts Anderes übrig, als sich der Präsenz zu stellen.

„Das ist ja das Seltsame. Es war nicht leer. Das Ehepaar war zu Hause. […] Die Tür war nicht abgeschlossen … Er hat ein Fenster zerbrochen. … Ich kann mich nicht genau erinnern, wie er hineingekommen ist. Aber die Gentrys sind nicht wach geworden, und er ist einfach in den Keller hinuntergegangen und … gestorben. […] Er hat seine ganzen Klamotten ausgezogen, sich in eine Ecke gesetzt, und als sie ihn am Morgen gefunden haben, war er tot. […] Es war, als wäre er in dieser Nacht gestorben und aus irgendeinem Grund wollte er in Ihrem Keller sterben.“

MEINUNG
Da muss ein Autor schon einen ausgereiften Plan in der Tasche oder eine wirklich frische Idee in der Schublade haben, um im Jahr 2011 mit einem ernsthaften Haunted-House-Gruselroman anzukommen. Was nun Bentley Little geritten hat, diesen Beitrag zu dem bereits reich beackerten Genre zu liefern, steht in den Sternen, denn von beidem ist hier weit und breit nichts zu spüren. Viel eher hat man das Gefühl, alles schon mal gelesen oder gesehen zu haben. Weder gibt es Ausreißer im Figurenarsenal, noch in den Situationen, die hier herbei geschrieben sind. Alles Durschnitt, alles Standard, alles gepflegte Langeweile. Der vermutlich als schleichend gedachte Spannungsaufbau wird realisiert, indem nach und nach alle alten und löchrigen Fetzen aus der Genre-Mottenkiste geholt werden. Und dass der Einfluss des Bösen zu sexueller Zügellosigkeit und schmutzigen Bett-Spielchen reizt, über die sich das Ehepaar Perry im post-koitalen Innehalten selbst schämt, das geht vielleicht 2011, doch so neu ist das nun auch nicht. Eddie Lee baut ganze Romane darauf auf.

Doch dies ist nur ein Punkt von Littles Checkliste, der abgehakt und wieder fallen gelassen wird. Stattdessen reiht der Autor immer weiter die No-Gos ernstzunehmender Horrorliteratur aus seiner Ramschkiste und reiht sie ohne erkennbare Steigerung oder Entwicklung willkürlich aneinander.

Die Geistesblitze, dass ein Geist oder Dämon SMS verschickt, Nachrichten auf dem Computerbildschirm erscheinen lassen kann oder der Tochter des Hauses unter den Rock kucken will, könnte aus dem übelsten Groschenroman respektive C-Movie stammen. Ebenso nimmt die Präsenz verschiedene Formen an, wie sie gerade lustig ist, mal als bedrohlich grinsender Mann im Schatten, mal als unförmiger dunkler Nebel, mal begnügt sie sich mit dem Verstecken von Wäschekörbe oder dem anhören von Dads alten Platten. Alles willkürlich und motivationslos. Die Krönung der peinlichen Ideen ist tatsächlich ein Gesicht, das Claire Perry in den Kalkflecken der Kloschüssel zu sehen glaubt und das sich nicht weg zu putzen lässt. Echt jetzt, Mr. Little?

Normalerweise kommt wenigstens Spannung auf, wenn die Historie eines verfluchten Objekts ergründet wird. Diesen Aspekt gibt es zwar, doch bleibt er ohne Verbindung in die Gegenwart.

Ganz passend ist das Finale dermaßen schwammig und hirnrissig, dass sich wenigstens ein komplett stimmiges Bild der Überflüssigkeit ergibt.

Ein Gutes hat der Roman immerhin. Bentley Littles Schreibe ist derart flüssig, dass sich das Ganze grade so weg liest. Ne, sorry, zwei gute Sachen gibt es. Das Covermotiv von Michael Schubert ist auch ziemlich klasse und sehr schön bedrohlich geraten. Ein echter Blickfang.

FAZIT
Willkürlich und wirkungslos aneinander gepappte Haunted-House-Versatzstücke. So ausgelutscht wie nur etwas. Originell sieht anders aus.

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Tags: bentley little, haunted house, horror, voodoo press   (4)
 

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rodolphe, splitter verlag, mystery, abenteuer, science fiction

Amazonia. Band 1

Leo , Rodolphe , Bertrand Marchal
Fester Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.07.2017
ISBN 9783958395503
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Amazonas, 1949, etwa 100 Kilometer von der Hauptstadt Manaus entfernt. Auf der Krankenstation, die Pater Laughton mitten im Dschungel betreibt, taucht gemeinsam mit einem im Sterben liegenden Journalisten ein seltsames Foto auf. Kaum hat Laughton das Bild dem englischen Botschafter übergeben, befindet sich die englische Regierung sowie eine Gruppe aus Deutschland geflohener Nazis in höchster Alarmbereitschaft. Im Auftrag der englischen Regierung reist Kathy Austin nach Brasilien, um festzustellen, ob das Bild tatsächlich einen Außerirdischen zeigt, der bei den feindseligen Yanomani-Indianern mitten im Amazonasgebiet lebt.

MEINUNG
Nachdem schon NAMIBIA komplett im Splitter Verlag erschienen ist (nach Ankündigung bei Leos ehemaligem „Stammverlag“ Epsilon), folgt dort nun mit AMAZONIA auch Leos dritter KENYA-Zyklus. Aufgezogen ist AMAZONIA wie ein Agententhriller und lange Zeit bleibt für den Leser im Dunkeln, was auf dem ominösen Bild zu sehen ist, für das offenbar schon ein Mensch sterben musste und das so viele Menschen in fieberhafte Aufregung versetzt.

Statt dessen werden in diesem Band 1 die Figuren vorgestellt und gekonnt positioniert, allen voran die Hauptfigur Kathy Austin, die erst einmal einem Verkupplungsversuch ihrer Eltern entkommen muss. Es geht also auch nicht ohne Humor ab. Doch täuscht dies nicht über die Gefährlichkeit des Auftrags hinweg, der sich zuerst einmal aus dem fremden zivilisationsfeindlichen Gebiet ergibt, in das Kathy,auf sich alleine gestellt, zu reisen gezwungen ist. Des Weiteren geht auch von den Deutschen eine unterschwellige Gefahr aus, die sich ebenfalls auf den Weg zur Quelle des Fotos machen. Und es besteht kein Zweifel, dass sie über Leichen gehen, sollte sich ihnen jemand in den Weg stellen.

Ansonsten lebt AMAZONIA 1 von seinem Abenteuer- und Mysteryflair, denn einige Panels und Gespräche deuten an, dass das fremdartige Wesen, das auf dem Foto zu sehen ist, für einige Personen kein ganz Unbekannter ist. Von der fremdartigen Umgebung des Amazonas einmal ganz abgesehen, die 1949 lange nicht so erforscht war, wie das heute der Fall ist. So hat man hier das Gefühl, eine Ruhe vor dem Sturm zu erleben. Unter der glatten Oberfläche beginnt es bereits leise zu köcheln. Gut strukturiert und trotz mehrerer Parallelhandlungen nicht überladen.

Der Künstler Bertrand Marchal (KENYA, NAMIBIA) ist weniger der Ligne claire verpflichtet, so dass die Zeichnungen deutlich lebendiger wirken als Leos eigene Bilder (z.B. im ALDEBARAN-Zyklus) und beispielsweise an Ronald Putzkers ANNA STEIN erinnern.

FAZIT
AMAZONIA beginnt langsam aber um so eindringlicher und hat schon gleich einen fesselnden Mystery- und Abenteuerfaktor im Gepäck.

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Tags: abenteuer, leo, mystery, rodolphe, science fiction, splitter verlag, thriller   (7)
 

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dominique monféry, splitter verlag, horror, action, thriller

Evil Road

Dominique Monféry , Dominique Monféry
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.07.2017
ISBN 9783958395442
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Als im See nahe der Autowerkstatt der Zwillingsbrüder Helis und Helias zufällig ein Ford-T-Modell (setzte Dominic Monféry schon in TIN LIZZIE liebevoll in Szene) entdeckt wird, bergen sie das Autowrack und machen es sich zur Aufgabe, den Oldtimer wieder in einen ansehnlichen und fahrtüchtigen Zustand zu bringen. Gesagt, getan. Die Belohnung für die Mühen ist schließlich eine Überlandfahrt von der amerikanischen Westküste quer durchs Land nach New York. Doch schon die erste Pinkelpause, für dich sich Helis den Schatten eines der Wüste überlassenen Ward Lafrance G116-Abschleppwagens am Straßenrand ausgesucht hat, erweist sich als fatal. Denn der Abschleppwagen war nicht verlassen und der Fahrer schätzt es überhaupt nicht, „angepinkelt“ zu werden. Eine gnadenlose Verfolgungsjagd beginnt und der Oldtimer der beiden Rentner hat dem stählernen Ungeheuer kaum etwas entgegen zu setzen. Nach mehreren lebensgefährlichen Situationen beschließen die Brüder mit dem Mut der Verzweiflung, den Spieß umzudrehen.

MEINUNG
Fast könnte man meinen, mit EVIL ROAD eine Comic-Adaption von Steven Spielbergs Frühwerk DUELL oder dem ganz ordentlichen Highway-Reißer JOYRIDE in den Händen zu halten. Den meisten Vertretern dieses Sub-Genres ist der Umstand gemein, dass trotz des grundsätzlich weitläufigen Umfeldes stets eine klaustrophobische Atmosphäre der Bedrohung aufgebaut wird. Denn die Ungleichheit der Konkurrenten ist augenfällig und vermeintliche Sicherheit rechts und links des Highways ist bestenfalls trügerisch. Das bemerken auch Helis und Helias, die sich unversehens in eine Senke voller Treibsand geraten und ausgerechnet von dem Abschleppwagenfahrer gerettet werden, der noch einen Plan mit ihnen hat. Was folgt, bedient sich aus dem Standardrepertoire des Genres, außer natürlich, dass die Protagonisten zwei schon stark betagte Grantler vor dem Herrn sind, was natürlich zu der ein und anderen komödiantischen Einlage führt. Doch wird die Gefahr, die von dem gesichtslosen Verfolger ausgeht, dadurch nicht abgemildert. Der Höhepunkt ist, als die beiden Ü60er entdecken müssen, dass sie keineswegs die ersten und einzigen Opfer des vermeintlich wahnsinnigen Abschleppwagenfahrers sind. Am Ende schließt Autor und Zeichner Dominique Monféry den irrwitzigen Road Trip mit einer kleinen Überraschung ab, die die Geschichte insgesamt rund macht.

Was Bildkomposition, Perspektiven und den Einsatz von Licht und Schatten angeht, ist EVIL ROAD erste Sahne und man merkt, dass Dominique Monféry ein ehemaliger Disney-Mitarbeiter ist, wo er als Trickfilmzeichner/Animator zuerst an DUCK TALES und später an großen Kinofilmen (DER GLÖCKNER VON NOTRE-DAME, HERKULES, TARZAN) beteiligt war.

Die Farbgebung und die harten, tiefschwarzen Schatten erinnern außerdem frappierend an den dieses Jahr verstorbenen Künstler Bernie Wrightson (SWAMP THING, FREAKSHOW), was ebenfalls sehr schön zur Stimmung des Bandes passt.

FAZIT
Unterhaltsam-irrwitziger Ü60-Road-Trip des Terrors. Steven Spielbergs DUELL lässt grüßen.

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Tags: action, dominique monféry, horror, splitter verlag, thriller   (5)
 

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kurzgeschichten, horror, andreas zwengel, science fiction, action

Phantastische Storys 06: Bio Punke'd: Erzählungen

Andreas Zwengel
E-Buch Text
Erschienen bei BLITZ-Verlag, 01.04.2016
ISBN 9783957196064
Genre: Sonstiges

Rezension:

„In den ersten Stunden waren sie ziemlich bedrückt von den Ereignissen, aber den Fluch wollte natürlich niemand ernst nehmen. Polaski machte schließlich den ersten Scherz darüber und brach damit den Damm. Sie begannen zu scherzen, erfanden eigene Flüche und belegten sich gegenseitig damit. Die Anspannung fiel von ihnen ab und nach zwei Tagen war das Thema schon fast vergessen. Dann begann das Sterben.“
(Bedrohte Art)

So gut wie tot
Nach dem Bankraub gelingt es den Outlaws, sich auf ihrer Flucht nach und nach ihrer Verfolger komplett zu entledigen. Auf ihrem Weg zur mexikanischen Grenze gönnen sich die Männer eine Rast und etwas Spaß auf einer Farm, wo ein Ehepaar mit seinen beiden Töchtern lebt. Doch in der Nacht tauchen ihre Verfolger vor der Hütte auf, besessen von indianischen Geistern, die von den toten, zerschossenen Leibern Besitz ergriffen haben. Und die Wiedergänger bieten den Banditen einen Deal an. Vier neue, unversehrte Körper bis zum Morgengrauen, ansonsten müssen alle im Farmhaus sterben.

Invasion
Der Kurator hatte wahrlich sein Bestes gegeben für die kurz bevorstehende Ausstellungeröffnung, doch der Museumsdirektor hält mit seiner Meinung immer noch hinter dem Berg. Dabei waren hier nur die besten Beispiele erfolgloser außerirdischer Invasionsversuche ausgestellt. Die Fehler ihrer Vorgänger, aus denen sie gelernt haben.

Vollmond über Venedig
Zur Aufklärung einer Diebstahlserie fordert die venezianische Polizei den Deutschen Walter Seyferd um Amtshilfe an. Mithilfe von Dampfbooten gelingt es der Diebesbande auf den venezianischen Kanälen stets zu entkommen. Das besondere Interesse der Verbrecher gilt einem Artefakt, das einen besonderen Wert für Werwölfe darstellt.

Bedrohte Art
Die ersten Todesfälle in Doyles Einheit konnten noch als Unfälle oder Pech durchgehen, immerhin befand man sich im Krieg, auch wenn dieser in den letzten Zügen lag. Doch bald, nach weiteren Leichen, begannen die Männer die letzten Worte der alten Zigeunerin einen Fluch zu nennen. „Nur einer von euch wird den Krieg lebend verlassen.“, hatte sie verkündete sie noch, bevor ihr eine Kugel aus Doyles Waffe das Licht ausgeblasen hatte. Nun gut, der Erfüllung dieser Prophezeiung konnte nachgeholfen werden.

Souljacker
Nachdem ihr kranker Vater dem Teufel seine Seele für einige zusätzliche Lebensjahre verkauft hat, macht sich Cayce mit ihrer Mannschaft auf die unautorisierte Mission, diese zurück zu holen. Im Tausch will sie ihm die Seelensammlerin anbieten, mit der sie zusammenarbeitet. Doch bei erster Gelegenheit ergreift ihr Vater die Flucht, der Teufel selbst findet unerwarteten Gefallen an der kämpferischen Cayce und überhaupt mangelt es an Absprache innerhalb des Teams. 

Was übrig bleibt
Fiona Bader ist auf der Suche nach den Spuren einer versteckten Hippiekommune, wo ihrer Eltern vor 30 Jahren gelebt haben. Fionas Mutter hatte danach ihren Namen geändert und ihrer Tochter erzählt, dass ihr Vater fort sein. Der Brief einer ehemaligen Mitbewohnerin erklärt jedoch, dass Piet Bader dort geblieben ist. Tatsächlich findet Fiona ihren Vater, doch anders als sie angenommen hat.

Das Objekt der Begierde
Zeit ihres Lebens waren Fred Subzeks Eltern hinter dem geheimnisvollen und mächtigen Buch her. Die Jagd war ihr ganzer Lebenszweck, viel mehr als ihr Sohn. Als ihn die Nachricht vom Tod seines Vaters erreicht, macht sich Fred selbst auf die Suche nach dem Band, den er schließlich in Casablanca findet. Doch der Erfolg ist von kurzer Dauer. Weitere Parteien sind hinter dem Buch her und um sich selbst zu schützen, muss das Buch Fred auf ihrer gemeinsamen Flucht zu seinem Träger ausbilden.

BioPunk‘d
Der ehemalige Militär Coolidge rettet Bob Bueller, Moderator der brutalen Gameshow BioPunk’d, vor einem Attentäter. Bueller bietet ihm gleich einen Job als Leibwächter an, denn die Gegner der Show schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. Bei der Show geht darum, dass die Teilnehmer operativen Eingriffen unterzogen werden, die ihnen bestimmte Fähigkeiten verleihen, Kiemen, Augen im Hinterkopf oder Nachtsicht, oder die sie auf besondere Weise behindern, wie etwa durch die Erhöhung des Körpergewichts. Nach dem Erwachen aus der Narkose, live, vor laufenden Kameras versteht sich, müssen die Kandidaten in einer Arena in aller Härte gegeneinander antreten. Als Coolidge das Geheimnis hinter BioPunk’d und Bueller aufdeckt, findet er sich plötzlich selbst als Kandidat in der Arena wieder.

„Die unteren Stockwerke der Wolkenkratzer waren schon lange nicht mehr bewohnt. Auf den Straßen herrschten desolate Zustände. Marodierende Banden, Menschenfresser und Serienkiller trieben sich dort herum. Man schien keine Gefängnisse mehr zu brauchen, sondern fuhr Verbrecher mit dem Aufzug ins Erdgeschoss und schubste sie aus der Kabine.“
(Souljacker)

MEINUNG
Zwar ist Andreas Zwengel schon mehrere Jahre als Autor aktiv – 2009 erschien bereits DIE WELT AM ABGRUND – doch hat er seit rund zwei Jahren mehrere Gänge hochgeschaltet und sich mit mehr als zwei Händen voller Veröffentlichungen förmlich aufs Parkett der fantastischen Pulp-Literatur gedrängt. Zu seinen regelmäßigen Beiträgen für die SF-Serie REN DHARK (HJB-Verlag) gesellen sich gleich mehrere Veröffentlichungen im Blitz-Verlag (Beiträge zu den Serien SCHATTENCHRONIK, RAUMSCHIFF PROMET – DIE ABENTEUER DER SHALYN SHAN, LARRY BRENT – NEUE FÄLLE, DER BUTLER und als Quentin Lee STAHLWÖLFE). Dazu kommen Einzelromane im Thriller- (BÖSER CLOWN), Heimatkrimi- (WESPENNEST) Western- (SIEBEN STÄDTE AUS GOLD) und SF-Bereich (MEIN BABYLON), sowie einige Anthologiebeiträge, Kurzgeschichtensammlungen und ganz aktuell die H. G. Wells-Fortsetzung DER ZWEITE KRIEG DER WELTEN. Ganz ordentlich für einen Autor, der neben der Schreiberei noch einen Brotjob zu bestreiten hat.

Die Aufzählung zeigt schon die starke Affinität des Autors zu den klassischen Pulp-Genres, „zu Schundliteratur und B-Filmen“, wie der Internetauftritt des Autors verrät, und die vorliegende Sammlung bestätigt diesen Eindruck voll und ganz. Geistercowboys, Werwolf-Diebe, Seelenhändler, Alieninvasoren, lebende Bücher, verfluchte Soldaten und biomodifizierte Menschen geben sich in BIOPUNK‘D die Klinke in die Hand.

Gemeinsam ist den Geschichten, dass sich Andreas Zwengel nie lange mit einer Exposition aufhält, sondern lieber gleich seinen erzählerischen Dampfkessel mit galoppierender Action unter Druck setzt. In den meisten Fällen geraten die Charaktere dabei ins Hintertreffen und die Stories rauschen relativ berührungslos am Leser vorbei ohne diesen emotional zu packen, meist fühlt man sich sogar regelrecht überfahren. Jeweils ein paar Absätze mehr, die dem Leser die Chance geben, in die Story und den Handlungsrahmen einzutauchen, bevor es richtig los geht, würden die Erzählungen deutlich greifbarer machen. Zumal Andreas Zwengel nicht gerade an Ideenmangel leidet und immer einige fiese Storytwists im Ärmel hat.

Die Titelgeschichte, der der Autor deutlich mehr Platz zum Atmen und zur Entwicklung einräumt, bestätigt dies noch, ist sie doch der formal gelungenste Beitrag der Sammlung.

Das Covermotiv von Mark Freier ist wieder ein großartiger und stimmungsvoller Hingucker, das das Thema der Körpermodifikationen aus der Titelgeschichte aufnimmt. Das Buch hat keine ISBN und ist nur direkt beim Blitz Verlag erhältlich.

FAZIT
Andreas Zwengel legt ein halsbrecherisches Tempo vor, sprudelt vor Ideen und hat nicht wenige fiese Twists im Gepäck, womit er sich als Pulp-Schreiber par excellence empfiehlt.

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Tags: action, andreas zwengel, blitz verlag, horror, kurzgeschichten, science fiction   (6)
 

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peter straub, horror, edition phantasia, haunted house

Esswood House

Peter Straub , Joachim Körber
Flexibler Einband: 165 Seiten
Erschienen bei Edition Phantasia, 01.03.2005
ISBN 9783937897073
Genre: Fantasy

Rezension:

„Es gibt nichts Vergleichbares“, hatte ein anderes, damals noch als Freund angesehenes Fakultätsmitglied zu Standish – dem gutgläubigen, jungen Standish – gesagt. „Der Ort ist trotz allem, was die Bibliothek beherbergen soll, praktisch ein Geheimnis. Er ist noch in Privatbesitz, und die Seneschals akzeptieren nur einen oder zwei Forscher pro Jahr. Offenbar hat sich seit den Ruhmestagen, als Edith Seneschal uneingeschränkt herrschte und Künstler im Westflügel, ganz zu schweigen vom Heuschober, Lustbarkeiten nachgingen, viel verändert. Die Familie lebt noch dort, aber in geregelten – und recht seltsamen – Verhältnissen, munkelt man.“ Er war ein in jeder Hinsicht guter Munkler, dieser vorgebliche Freund.

STORY
Der junge Englisch-Professor William Standish fliegt New York nach England, um dort, in der berühmten Bibliothek von Esswood House, Recherchen über Leben und Werk von Isobel Standish anzustellen, die selbst eine beträchtliche Zeit auf dem Anwesen verbracht hatte. Insgeheim träumt er davon eine Biographie zu verfassen, möglicherweise sogar eine Gesamtausgabe ihres literarischen Werkes vorzubereiten. Wahrhaft ein besonderer literarischer Coup, handelt es sich bei Isobel doch um Williams „Beinahe-Großmutter“, nämlich die Schwester seine Großmutter und die erste Ehefrau seines Großvaters. Die Besitzer von Esswood House, die Seneschals, gelten als unberechenbar, was die Vergabe und den Rückzug ihrer Stipendien angeht, sollte sich ein Bewerber, aus welchen Gründen auch immer, des Gastrechts als nicht würdig erweisen. So bedeutet die Einladung für Standish eine einmalige Chance, sich einen akademischen Satus zu erwerben und sich einen Namen im Literaturbetrieb zu machen. Mit widerstreitenden Gefühlen lässt William also seine schwangere Frau in New York zurück, und tritt seine Reise an. Schon der Weg vom Flugplatz nach Esswood House wird für Standish zu einer Nervenprobe; nirgends scheint eine vernünftige Ausschilderung und Wegbeschreibung vorhanden. Endlich im Haus angekommen, wird er von einer unbekannten Schönheit empfangen, die ihn an den Verwalter Robert Wall weiterreicht; die Seneschals selbst bekommt Standish nie zu Gesicht. Auf viele, teils skurrile Ereignisse im Haus kann er sich keinen Reim machen und auch Isobels Werke und persönliche Aufzeichnungen geben Rätsel auf. Und auch der Vikar des nahen Ortes ergeht sich in vagen und beunruhigende Andeutungen: Wenn Standish tatsächlich auf Esswood House wohnen würde, dann wäre er wohl alleine dort.

„Auf der anderen Seite befanden sich ein kahler Treppenabsatz aus glanzlosem Holz und eine Flucht schmaler Stufen, die an einem Fenster in einem Erker vorbei nach unten führten und dann auf eine Weise, die Standish fast heimlichtuerisch erschien, weiter abwärts gewendelt verliefen. […] Nach der dritten oder vierten Krümmung der Treppe sah er hinauf, von wo er gekommen war, konnte aber nur die glatte Haut der Wände und die nackte, steile Spirale der Stufen erkennen. Er fragte sich, ob er den Ausgang zum ersten Stock irgendwie übersehen hatte und in die Waschküche oder das Verließ, oder was immer sie hier im Keller hatten, hinabstieg.“

MEINUNG
Der Amerikaner Peter Straub gilt als Meister der Form, was er nicht zuletzt durch seinen „Blaue Rose“-Zyklus (KOKO, MYSTERY, DER SCHLUND) untermauert hat, der auf hohem sprachlichem Niveau zwischen Thriller, Drama und Mystery balanciert. Seine Novelle ESSWOOD HOUSE beginnt – ebenso redegewandt – wie klassisches Gruselgarn mit einem Protagonisten, der alleine und unsicher auf fremden Terrain agieren muss und dieses Abenteuer schon mit einer grundsätzlichen inneren Unruhe angeht. Die merkwürdigen Geschichten über Esswood House, die an seiner Universität im Umlauf sind, verfehlen nicht ihre Wirkung. Nervös deswegen, doch gleichzeitig aufgekratzt, seinen akademischen Status mit einem Schlag festigen und gleichzeitig seine eigenen Wurzeln erkunden zu können, entscheidet sich Standish, diese einmalige Chance für seinen akademischen Aufstieg zu nutzen. Im Gegenzug muss er seine schwangere Frau quasi schutzlos in New York zurück zu lassen und es besteht die Möglichkeit, dass er bei der Geburt seines Kindes gar nicht anwesend sein wird.

Die befremdlichen Anekdoten, die William Standish auf seinem Weg passieren, die absonderlichen Gepflogenheiten, die in Esswood House herrschen, Gestalten, die nur aus der Ferne zu sehen sind, bis hin zu seinen Träumen, einer ungewohnten sexuellen Spannung und dem Unverständnis der Bevölkerung, wenn er sich als Bewohner von Esswood House zu erkennen gibt, deuten auf eine klassische Geisterhausgeschichte. Tatsächlich wollte Straub, wie er im Nachwort schreibt, eine „Geschichte, fünfzig Seiten oder so, über eine Gouvernante schreiben […], die ein entlegenes Landhaus besucht, um dort zwei sehr verstörte junge Menschen zu unterrichten und zu versorgen“, nur um festzustellen, dass dies bereits Henry James mit dem Geisterhauklassiker DIE DREHUNG DER SCHRAUBE erledigt hatte und zur Überzeugung kam, dass diesem unbestrittenen Meisterwerk nichts mehr hinzu zu fügen ist.

Unter dem Einfluss von Robert Aickman – Straub sollte zu der Zeit ein Vorwort für Aickmans THE WINE DARK SEA schreiben – legte Straub den Fokus der Geschichte auf Standishs malträtiertes Innenleben die Handlung von ESSWOOD HOUSE nahm einen eher ungeordneten, stimmungsgesteuerten Verlauf. Der Akademiker verliert dabei mehr und mehr den Boden unter den Füßen und zwar schon sehr viel früher, als dass man es eindeutig verorten könnte. So ist dies dem Leser lange Zeit nicht bewusst und er wähnt sich immer noch in einer Spukhausgeschichte, in der der Schrecken von außen kommt. Straub hinterlässt zwar einige Hinweise, doch sind diese schwer zu entdecken. Erst das langgestreckte und anstrengend zu lesende Finale macht deutlich, dass hier gar nichts mit konventionellen Dingen zugeht. Wie es oft bei Aickman passiert, bietet auch Straub hier kein „rundes“ Ende an. Ein literarisches Experiment, von dem Straubs Stammverleger wenig begeistert waren.

Dankenswerter Weise wurde das Nachwort in die deutsche Ausgabe übernommen, das Straubs dahingehende Intention und einige Dinge in ESSWOOD HOUSE erklärt, und den Roman auf diese Art doch noch angenehm abrundet.

Die ursprüngliche, sehr viel kürzere Version der Geschichte mit dem deutschen Titel FRAU GOTT (OT: MRS. GOD) ist in Peter Straubs Kurzgeschichtensammlung HAUS OHNE TÜREN enthalten.

FAZIT
Immer mehr verlässt ESSWOOD HOUSE die konventionellen Genre-Bahnen, unterläuft die Erwartungen an eine Geistergeschichte und endet in einem experimentellen Strudel.

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splitter verlag, mathieu moreau, abenteuer, science-fiction, h. g. wells

H.G. Wells. Band 1: Die Zeitmaschine

H.G. Wells , Dobbs , Mathieu Moreau
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.06.2017
ISBN 9783958395008
Genre: Comics

Rezension:

STORY
London 1895: Ein ehrgeiziger Wissenschaftler, der sich bereits einige Jahre mit der Möglichkeit der Zeitreisen beschäftigt, lädt drei Kollegen zum Abendessen in sein Haus ein, auch um ihnen endlich die Frucht seiner Arbeit zu präsentieren. Eine kleine Zeitmaschine, die, in Betrieb genommen, vor den Augen der Anwesenden verschwindet. Die Gäste tun dies als Trick ab und konzentrieren sich lieber auf das Abendessen. Nachdem sich der Gastgeber kurz entschuldigt, kehrt er einige Minuten später, um Tage gealtert, unrasiert und sichtbar ramponiert, wieder an den Essenstisch zurück. Völlig perplex folgen seine Gäste ihm in den Keller, wo sie eine größere Version der Zeitmaschine erwartet und wo ihnen ihr Kollege eine unglaubliche Geschichte aus der Zukunft erzählt.

MEINUNG
Mit DIE ZEITMASCHINE eröffnet Autor Dobbs, eine sechsbändige Reihe von H.G. Wells-Adaptionen, die er mit wechselnden Künstlern realisiert hat. Dass er sich im viktorianischen London wohl fühlt, hat er bereits mit SCOTLAND YARD und MISTER HYDE VS. FRANKENSTEIN (beide erschienen bei Splitter) bewiesen, wo er bereits einige wilde Mischungen aus historischen und literarischen Figuren aus dem Hut gezaubert hat. Im vorliegenden Band legt er dagegen eine fast sklavische Werktreue an den Tag. So folgt die grafische Erzählung den vorgegebenen Pfaden, die die meisten wohl aus der fantastischen George Pal-Verfilmung kennen. Auch diese war bereits relativ vorlagentreu, so dass sich dem Kenner keine großartigen Überraschungen bieten. Der namenlose Zeitreisende – damit hält sich Dobbs an den Roman – landet im Jahr 802701 in einer offenbar friedlichen Zukunft, die jedoch dem Verfall preisgegeben scheint. Zunächst sitzt er hier fest, da seine Maschine während eines Erkundungsgangs in einen wieder verschlossenen Bunker verschleppt wurde. Die Menschen, die er trifft, die Eloy, gehen dem Müßiggang nach und leben in dem vermeintlichen Paradies unbeschwert aber auch ziel- und nutzlos in den Tag. Erst im weiteren Umkreis seines Ankunftsortes erkennt er teils schon wieder überwachsene Ruinen von unterirdischen Industrieanlagen, in denen sich noch anderes Leben tummelt: Die lichtempfindlichen Morlocks, die bei Nacht aus dem Untergrund kommen und sich unter den Eloy ihre Nahrung holen. Offenbar haben sich beide Arten aus den Menschen entwickelt und die Eloy, die die Morlocks zunächst als Arbeiter hielten verweichlichten zunehmend und sind inzwischen nur mehr ergebenes Futtervieh für die Morlocks. Nach einem finalen Schlag gegen die Morlocks gelingt es dem Zeitreisenden, seine Maschine zu erreichen und in seine Gegenwart zurück zu kehren.

Soweit funktioniert die Geschichte vorzüglich als schmissig-exotische SF-Abenteuergeschichte mit Horrorelementen, die Mathieu Moreau in fantastische, satte und doch auch elegante Bilder kleidet, weitab von der Patina sonstiger illustrierter Klassiker. Besonders gefällt auch die Panelanordnung, die zwar nur ganz selten von der rechtwinkligen Anordnung abweicht, diese aber in Größe und Ausrichtung der einzelnen Panels sehr frei nutzt. Die Nutzung ganz unterschiedlicher Perspektiven sorgt für ein filmreifes „Look-and-Feel“.

Das einzige Manko, wenn man es denn so nennen kann, ist das fulminante Tempo, das Autor Dobbs vorlegt. Das ist einerseits packend und mitreißend, andererseits hätten einige leise und bedächtigere Szenen nicht geschadet um das Ganze zu entschleunigen. Die unterschwelligen Aspekte der Geschichte werden schlicht überfahren, die emotionalen Höhepunkte können durch die schnelle Taktung gar nicht ihre volle Wirkung entfalten.

Grundsätzlich besitzt DIE ZEITMASCHINE neben dem oberflächlichen SF-Abenteueraspekt noch eine Ebene zwischen den Zeilen, besonders, wenn man die sozialen Zustände der Entstehungszeit bedenkt. So führte das aufkommende Industriezeitalter in eine Art moderner Sklaverei, in der viele Lohnarbeiter für wenige (reiche) Industrielle tätig waren, was sein weitergedachtes Spiegelbild in den Morlocks und Eloy findet. Außerdem ist DIE ZEITMASCHINE auch ein Plädoyer wider das Vergessen. Unvergessen die großartige (Film-)Szene, in der dem Zeitreisenden die unzähligen Bücher zwischen den Fingern zu Staub zerfallen. In der Comicadaption kommt dies überhaupt nicht zum Tragen.

Die Folgeausgaben der Reihe, KRIEG DER WELTEN und DER UNSICHTBARE, sind jeweils als zwei Bände angelegt. Allein von der Fülle her hätte dies hier auch nicht geschadet.

FAZIT
Moderne Comicadaption eines absoluten Klassikers, die mit Werktreue und fantastischen Bildern punktet, der aber zeitweise der notwendige Raum zum Atmen fehlt.

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Tags: abenteuer, dobbs, h. g. wells, mathieu moreau, science-fiction, splitter verlag   (6)
 
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