Leserpreis 2018

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Olympus Mons. Band 1

Christophe Bec , Stefano Raffaele
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 22.01.2018
ISBN 9783962190200
Genre: Comics

Rezension:

STORY
2026 werden in der Barentssee drei unbekannte Objekte entdeckt, die Anomalie 1 – 3 genannt werden. Die Taucher der Bergungsfirma „Oceans Pathfinder“ bestätigen den Fund und die unnatürlich regelmäßige Form der Objekte, die auf den Sonarbildern zu sehen ist. Zur gleichen Zeit hat ein Hellseher in Iowa Visionen, in denen er zu Anomalie 1 hinabtaucht, und im Inneren des Objekts schlafende Außerirdische vorfindet, wie auch eine friedliche Nachricht an die Menschheit.

In der Türkei macht sich die Filmcrew einer sensationswissenschaftlichen Sendung an die Besteigung des Berges Ararat zwischen der Türkei und der Sowjetunion, wo gemäß geheimen Fotografien ein Teil der Arche Noah liegen soll. Eine mehr als sensationelle Entdeckung macht derweil die erste russische Marsmission. Auf dem Olympus Mons, dem höchsten Berg im Sonnensystem, entdeckt die dreiköpfige Crew gigantische Wrackteile unbekannten Ursprungs.

 

MEINUNG
Schon in diesem ersten Auftaktband brennt Maestro Bec Schlag auf Schlag ein beachtliches Mystery-Feuerwerk ab, das es in sich hat. Und wer jetzt noch nicht sabbert, dem kann verraten werden, dass auch Kolumbus‘ Landung in Amerika noch irgendwie in der Story mit drin hängt, wie auch eine groß angelegte, geheime Militäroperation aus den 1950er-Jahren. Denn es steht wohl außer Frage, dass all diese Ereignisse, die sich hier noch größtenteils zusammenhanglos entwickeln, irgendwie in Verbindung stehen.

In kurzen eindrucksvollen Szenen etabliert Vielschreiber Christophe Bec souverän Strang für Strang seiner Erzählung, stellt in aller Kürze die Charaktere vor und saugt den Leser schnell immer tiefer in den Strudel der geheimnisvollen Ereignisse. Erzählfluss und -tempo sind angenehm stabil, so dass man trotz der Fülle der noch ungeordneten Informationen nie den Überblick verliert.

Die eindringlichen Bilder von Bec-Kollaborateur Stefano Raffaele (PROMETHEUS, DEEPWATER PRISON) könnten 1:1 auf die große Kinoleinwand übertragen werden, was ein Material-Spektakel Marke James Cameron oder Ridley Scott bedeuten würde. Zumal sich die Herren schon einer sehr filmhaften Erzählweise bedienen. Besonders die Szenenwechsel sind außerordentlich gut realisiert.

 

FAZIT
Plastische Charaktere und ein ganzer Sack voller unerklärlicher Phänomene. OLYMPUS MONS ist ein must-read für alle SF-Mystery-Fans.

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Nach der Apokalypse

Laurent Queyssi , Juzhen
Fester Einband: 88 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 20.03.2018
ISBN 9783962190279
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Fast 100 Jahre nach der Apokalypse haben sich die Nachkommen der Überlebenden - ähnlich Steinzeitmenschen - in einzelnen kleinen Stämmen zusammen getan. Eines Nachts wird der Stamm von Giala von brutalen Sklavenhändlern überfallen, die die Männer töten und die Frauen mitnehmen. Lediglich die Kinder können noch in den Trümmern eines Gebäudes in Sicherheit gebracht werden, sind dort aber einer tödlichen Gefahr ausgesetzt. Der Angriff einer riesenhaften Echse ermöglicht Giala die Flucht, doch hat sie keine Ahnung, wie sie zu den Kindern zurück kommen soll. Auf ihrem Weg trifft sie auf eine Gruppe Mutanten, die ihr helfen wollen, den Ort wieder zu finden. Doch dazu benötigen sie die Hilfe des Hexers, der im höchsten Turm der Stadt wohnt.

 

MEINUNG
Unter dem SF-Gewand bietet NACH DER APOKALYPSE eine nahezu klassische Fantasy-Geschichte mit allen Genre-Elementen, die man erwartet. Giala ist auf einer Queste, um ihren Stamm zu retten und gerät an einen bunten Haufen Mitstreiter mit verschiedenen Fähigkeiten. Gemeinsam müssen sie sich auf ihrem Weg noch einiger „Monster“ erwehren.

Das mittelalterliche Setting wurde mit der Verlegung in eine postapokalyptische Ära gegen die Endzeit-Ruinen einer Großstadt getauscht, was der Story schon mal optisch einigen Pfiff verleiht. In der Kleidung, den Frisuren und den Waffen der Figuren finden sich allerdings immer noch eindeutige Fantasy-Elemente.

Die Story beginnt dramatisch und blutig, doch schleicht sich, nachdem Giala einigermaßen sicher ist, ein liebenswert-skurriler Humor in die Story, der vorwiegend daraus resultiert, dass Autor Laurent Queyssi die Erwartungshaltung des Lesers immer wieder auf launige Art zu „enttäuschen“ weiß. Queyssi ist sich also bewusst, dass er hier eine bekannte Geschichte erzählt und frischt diese auf, indem er mit den Klischees spielt damit ein ums andere Mal in neue Bahnen lenkt.

Doch nicht nur das. Nach dem Happy End hat Autor Queyssi noch eine Überraschung auf Lager, denn es gibt noch eine Vorgeschichte zur Apokalypse, in der einige der Protagonisten eine nicht unwesentliche Rolle spielen und die der Story noch eine zusätzlichem sehr viel größere Ebene verleiht.

Die Zeichnungen von Juzhen sorgen im Zusammenspiel mit der plastischen Kolorierung für eine positiv eigenwillige Optik, die schon auf dem Cover erkennbar ist. In der Mimik und Gestik der Figuren sind einige Manga-Anleihen erkennbar.

 

FAZIT
Insgesamt bietet NACH DER APOKALYPSE also eine altbekannte Geschichte, die mit einigen frischen Ideen deutlich aufgepeppt wurde.

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Tee? Kaffee? Mord! - Die letzten Worte des Ian O'Shelley (Nathalie Ames ermittelt 2)

Ellen Barksdale
E-Buch Text: 163 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 13.02.2018
ISBN 9783732551279
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Vor dem großen Wohnzimmerfenster blieb Nathalie gleich wieder stehen, da sie das Gefühl hatte, aus dem Augenwinkel etwas bemerkt zu haben. Mit einer Hand schirmte sie die Sonne ab, die durch das rückwärtige Fenster fiel und sie blendete.

Im ersten Moment ergaben die Konturen keinen Sinn, die sie als Silhouette erkennen konnte. Sie legte den Kopf zur einen, dann zur anderen Seite und grübelte über das nach, was sie da sah. Instinktiv wusste sie, dass etwas an diesem Anblick nicht stimmte, aber sie kam nicht dahinter, was es war …“

 

STORY
Eine Theateraufführung in Nathalie Ames‘ Pub/Cafe „Black Feather“ zieht sogar den Autor des gezeigten Stückes, Ian O'Shelley, persönlich an, der ein kleines Urlaubscottage in Earlsraven besitzt. Nathalie, ihre Köchin Louise und die Hauptdarstellerin des Stücks kommen mit dem Schriftsteller ins Gespräch und machen ihm, nach anfänglichem Protest, die Idee einer Improvisations-Lesung seiner Werke schmackhaft, die in nächster Zukunft stattfinden soll. Als sich O’Shelley nach einigen Tagen nicht wieder gemeldet hat, fahren Nathalie und Louise zu seinem Cottage, um seine verbindliche Zusage einzuholen und finden den Autor tot an seinem Schreibtisch, inklusive einer knappen Abschiedsbotschaft auf dem Computerbildschirm vor ihm. Schnell wird deutlich, dass nicht O’Shelley diese Worte getippt hat und es sich damit eher um einen Mord als um einen Selbstmord handelt. Aus dem Mailprogramm des Autors ergibt sich zudem der Verdacht, dass er eine Affäre hatte.

 

„Es war dieser ganz spezielle Moment, wenn sich die ersten Puzzlestücke zusammenzufügen begannen, die als Gesamtbild die Wahrheit hinter der scheinbaren Tat zeigen würden. […] Was letztlich die Lösung sein würde, ließ sich jetzt noch nicht erkennen, aber dass es überhaupt solche Puzzleteile gab, war ein klares Zeichen dafür, dass bei dem Fall etwas nicht stimmte.“

 

MEINUNG
Nathalie Ames hat sich entschieden, das Erbe ihrer Tante, das „Black Feather“ im ländlichen Earlsraven zu behalten und weiter zu führen. Eine Idee, die ihr Freund Glenn unausgesprochen für eine eher dämliche Schnapsidee hält und mehr mit wachsendem Desinteresse glänzt als sie zu unterstützen. So spitzt sich, zusätzlich zu dem Kriminalfall, die Lage zwischen den beiden deutlich zu und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Beziehung beendet wird. Deutlich weißt Ellen Barksdale die Leser darauf hin, dass Nathalies Unterbewusstsein Earlsraven schon längst als neues Zuhause akzeptiert hat. Zumal diese gleich noch in einen Mordfall stolpert, der ihren Einsatz und ihre Aufmerksamkeit fordert, um dem offiziellen und ebenso liebenswerten wie geistig trägen Auge des Gesetzes, Constable Strutner, gemeinsam mit Louise in die richtige Richtung zu lenken, wie es schon ihre Tante zu Lebzeiten getan hatte.

Alles in Allem ist die komplette Story ganz geschickt aufgebaut, hat einige originelle Ideen im Gepäck (Stichwort: verschlüsselte email-Sexnachrichten) und hinreichend kurzweilig, so dass man gerne entspannt folgt, ohne sich zu langweilen. Mindestens gleichwertig zu dem Mordfall spielt auch Nathalies Privatleben eine große Rolle. Unter anderem besucht sie ihre Eltern in Liverpool und es kommt nach portionsweise aufgestautem Ärger zu einer Art Aussprache mit Glenn, nachdem einige Personen sie bereits auf die merklich kriselnde Beziehung angesprochen haben.

 

FAZIT
Nathalie Ames ist endgültig in Earlsraven angekommen und wird durch einen Mordfall förmlich dazu gedrängt, auch den „Zweitjob“ ihrer Tante als Detektivin weiter zu führen. Kurzweilige und entspannende Feierabendlektüre.

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Sieben Gesichter des Todes: Oscar Wilde & Mycroft Holmes - 06 (Sonderermittler der Krone)

Marc Freund
E-Buch Text: 119 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 09.01.2018
ISBN 9783732544813
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Thorn zuckte heftig zusammen, als er die sieben Gestalten erkannte, die auf hohen Stühlen hinter Tischen saßen, die zu einem Halbkreis formiert worden waren. Sieben Augenpaare starrten ihn an. Die Blicke lasteten schwer auf ihm. Thorn konnte nicht erkennen, um wen es sich bei den Gestalten handelte. Sie alle trugen lange Kapuzenmäntel, den Kutten von Mönchen nicht unähnlich.“

 

STORY
Innerhalb weniger Wochen gelingt es gleich drei Verbrechern, aus verschiedenen Haftanstalten zu fliehen. Mycroft Holmes hegt den Verdacht, dass die Männer bei ihrer Flucht die Hilfe des Zirkels der Sieben hatten, der damit zu einem endgültigen Vernichtungsschlag gegen England ausholt. Doch Holmes hat auch einen starken Verdacht, wer als Nächstes befreit werden soll. Kate Irving, die zu ihrer Zeit in Freiheit über zwanzig Verbrecher befehligte. Dazu hat Holmes einen Trumpf in der Hand, von dem seine Gegner nichts ahnen. Sein neues Hausmädchen Lindsay Coolidge hat unübersehbare Ähnlichkeit mit Kate Irving. Während Miss Coolidge als Kate Irving in den inneren Kreis des Zirkels vordringt, macht Inspektor Frobisher im Scotland Yard Gebäude eine alarmierende Entdeckung. Offenbar hat der Zirkel in nächster Nähe der Beamten einen Informanten. Dann gelingt auch noch der echten Kate Irving die Flucht, was Lindsay Coolidge in allerhöchste Lebensgefahr bringt.

 

„Wilde lockerte den obersten Kopf seines Hemds. Schweiß stand ihm auf der Stirn. Wieder waren seine Gedanken bei Lindsay, die der Bande auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war. Sie hätten sich nie auf diesen Wahnsinn einlassen sollen. Der Dichter wünschte Mycroft Holmes zum Teufel. Dann bemühte er sich, seine morbiden Gedanken beiseitezuschieben.“

 

MEINUNG
Mit dem letzten Band ebook-Serie liefert Marc Freund noch einmal ein Highlight, das sich ganz auf den Thrilleraspekt konzentriert und (beinahe) ganz ohne phantastische Elemente funktioniert. Der Aufbau, die Schritte und Aktionen des Zirkels, sowie auch die Aktionen auf der Seite des Gesetzes sind stringent durchgeplant bis hin zum finalen großen Coup als Höhepunkt. Den aktiven Part muss Oscar Wilde dieses Mal mit der sympathischen Lindsay Coolidge teilen, was eine schöne Abwechslung innerhalb der Serie bedeutet. Und trotz einiger Situationen, in denen es gefährlich eng wird, erweist sich das Hausmädchen als veritable Agentin der Krone, die sich den patriotischen Schneid nicht so einfach abkaufen lässt. Autor Marc Freund, der inzwischen auch für JOHN SINCLAIR und DARK LAND schreibt, präsentiert dies einmal mehr als ausgewogene Mischung aus Spannungsmomenten und der grauen Atmosphäre des nebelverhangenen viktorianischen London, gemischt mit einigen humorigen Momenten, die sich aus den gegensätzlichen Charakteren von Mycroft Holmes und Oscar Wilde ergeben.

So bietet SIEBEN GESICHTER DES TODES einen schönen Abschluss der ebook-Serie, auch wenn am Ende offensichtlich nicht die Vernichtung des Zirkels der Sieben steht. Für die gleichnamige Hörspielserie muss dieser doch erhalten bleiben.

 

FAZIT
Der Abschluss der Serie bietet noch einmal ein sauber konstruiertes Abenteuer, das sich beim Agententhriller bedient. Da die ebook-Serie als Nebenzweig der Hörspielhandlung gelesen werden kann, bleiben am Ende einige Punkte offen.

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ControNatura - Tierisch menschlich

Mirka Andolfo , Michael Georg Bregel
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Panini, 22.05.2017
ISBN 9783741602511
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Die üppige Schweinedame Leslie hat Nacht für Nacht einen Traum, in dem sie es mit einem weißen Wolfmann treibt. Dabei ist eine Partnerschaft und auch nur der sexuelle Kontakt zwischen verschiedenen Spezies streng verboten, geschweige denn zwischen Vertretern des selben Geschlechts. Mit ihrem 25. Geburtstag wird Leslie automatisch ins Reproduktions-Programm der Regierung aufgenommen, das ihr noch am selben Abend einen passenden Partner vorschlägt. Und während Leslie auf das Blind Date mit ihrem möglichen Gefährten vorbereitet wird, stößt ihre Freundin, die Rattendame Trish, auf ein obskures Buch, dessen Inhalt deutliche Parallelen zu Leslies Träumen aufzeigt. Einem unguten Bauchgefühl folgend lässt Leslie ihr Date platzen, nur um tags darauf zu erfahren, dass Trish ermordet wurde und sie als Tatverdächtige Nummer 1 gilt. Denn angeblich ist Leslie nie bei dem Treffen des Reproduktions-Programms aufgetaucht.

 

MEINUNG
Auf den ersten Seiten von ControNatura weiß man nicht recht, was einen erwartet. Ein versautes Fantasy-Märchen vielleicht, in dem sich Schweine und Wölfe gemeinsam in den Laken wälzen? Erst einmal aus diesem Traum aufgewacht, findet man sich mit Leslie und anderen anthropomorphen Tieren verschiedenster Arten in einer deutlich autoritär geführten Gesellschaft wieder, die ihren gemischtrassigen erotischen Traum als böse und „Wider die Natur“ abstempelt. Eine „reine Natur“, die offenbar nur in den Köpfen der Machthaber existiert, die sogar eine staatliche Partnerbörse betreibt, um „passende“ Paare zur rechten Zeit zusammen zu bringen. Traurige Worte wie „Rassenhygiene“ und „Umerziehung“ spucken dabei durch den Kopf des Lesers. Gleichzeitig kann man sich aber das Lachen kaum verbeißen, wenn man Zeuge wird, wie sich Leslie während ihres feuchten Traums an ihrem Kopfkissen abgearbeitet hat. Also eine komisch-erotische Dystopie-Fabel? Mysteriös wird es, als Leslies Mitbewohnerin und Vertraute Trish Nachforschungen zu den wiederkehrenden Träumen ihrer Freundin anstellt und herausfindet, dass eben die Geschichte von einem weißen Wolf und einer Schweinefrau Gegenstand einer alten Legende ist. Ein Wissen, das Trish mit ihrem Leben bezahlt, so dass sich Leslie plötzlich als ahnungslos gejagte Hauptfigur in einem hitchcock’schen Thriller wiederfindet und nicht sicher sein kann, wem sie jetzt noch vertrauen kann. Eine Story also, die mit Überraschungen nicht gerade geizt.

 

ControNatura lebt in erster Linie von der drallen und von Mirka Andolfo (BOMBSHELLS, WONDER WOMAN, HARLEY QUINN) wirklich verflucht sexy in Szene gesetzten Lesley, die man sich vielleicht als Enkelin im Geiste von Miss Piggy vorstellen kann. Vielleicht weniger damenhaft aber mit viel Gefühl und dem Herz am rechten Fleck, so dass man diese Schweinedame einfach lieben muss. Und auch als Autorin muss man den Hut vor Signora Andolfo ziehen, die es hier versteht, die unterschiedlichsten Genres wie selbstverständlich zu vermischen, eine gelungene Balance von Dramatik und Humor zu finden und das alles so frisch und flott zu erzählen, dass man den Band kaum zur Seite legen mag.

 

Zusätzlich zu der normalen Alben-Ausgabe ist noch eine auf 333 Exemplare limitierte Variantausgebe mit Milo Manara-Cover erhältich.

 

FAZIT
Ein wilder Genre-Bastard, frisch, sexy und mit viel Humor erzählt, ohne dabei den dramatischen Blickwinkel zu schwächen.

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Tee? Kaffee? Mord! - Der doppelte Monet (Nathalie Ames ermittelt 1)

Ellen Barksdale
E-Buch Text: 157 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 12.12.2017
ISBN 9783732547654
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Der besondere Reiz dieser hügeligen Landschaft lag für Nathalie darin, dass man immer das Gefühl von Ruhe und Abgeschiedenheit hatte, auch wenn das nächste Dorf gleich hinter der Hügelkuppe lag, die einem auf angenehme Weise die Sicht versperrte. Wenn man mit dem Auto oder auch nur mit dem Fahrrad unterwegs war, konnte man den Nachbarort innerhalb von wenigen Minuten erreichen, und selbst zu Fuß waren die meisten Strecken nicht sehr lang, wenn man ausgiebige Spaziergänge gewöhnt war. Man befand sich also nie wirklich am Ende der Welt, aber wenn man wollte, konnte man sich so fühlen.“

 

STORY
Aus heiterem Himmel erhält die junge Nathalie Ames, Statistikerin in einer Werbeagantur in Liverpool, einen notariellen Brief, der sie über den Unfalltod ihrer Tante Henrietta informiert und dass sie, Nathalie, neben Henriettas Hang zu klassischen Kriminalromanen, nun auch das „Black Feather“ geerbt hat, eine Mischung aus Pension, Pub, Café und Imbiss im beschaulichen Earlsraven. Etwa drei Autostunden von Liverpool entfernt. Gleich bei ihrem Antrittsbesuch im „Black Feather“, bei dem sie vor Ort den allgemeinen und finanziellen Zustand ihres Erbes prüfen möchte, läuft Nathalie der schrulligen Cecily Beresford in die Arme, die ihr eine wirre Geschichte von einen Monet erzählt, der gar nicht ihr Monet ist.

Schnell bemerkt Nathalie, dass ihre Tante nicht nur eine kluge, ehrliche und vorausschauende Wirtschafterin war und bei jedermann in Earlsraven geschätzt und beliebt, sondern in einem versteckten Raum auch eine Tradition fortführte, die bereits die Vorbesitzerin des Gebäudes, Miss Appleby, pflegte. Nämlich alles zu notieren und zu sortieren, was sie in Earlsraven so beobachtete und mitbekam. Hatte Miss Appleby dieses Wissen noch benutzt, um sich kleine Gefälligkeiten zu erlisten, konnte Henrietta mit Hilfe einiger dieser Notizen und ihrer Köchin Louise Cartham schon bald einen Mörder überführen.

Und auch Cecily Beresfords augenscheinlich verwirrtes Gerede über vertauschte Bilder scheint ein Fall zu sein, der sich mit Hilfe dieser umfangreichen Informationssammlung lösen lässt.

 

„Sie wusste von Geheimgängen und Korridoren in alten Herrenhäusern, die hinter den Kulissen verliefen und meistens dem Personal gedient hatten, damit die hohen Herrschaften dem einfachen Volk nicht begegnen mussten. Nur waren das schmale Korridore und enge Wendeltreppen, die so wenig Platz beanspruchten, dass man schon genauer hinsehen musste, um sie überhaupt zu bemerken. Das hier dagegen war von einer ganz anderen Größenordnung, da die Existenz eines kompletten Zimmers von bestimmt fünfzehn Quadratmetern Größe verschwiegen werden sollte.“

 

MEINUNG
Neben der Flaggschiff-Serie CHERRINGHAM – LANDLUFT KANN TÖDLICH SEIN hat das Bastei Lübbe ebook-Label be mit TEE? KAFFEE? MORD! – EIN FALL FÜR NATHALIE AMES eine weitere Cozy-Crime Serie am Start, die in eine ganz ähnliche Kerbe schlägt und doch mit eigenständigen Ideen überzeugen kann. Sobald Nathalie die Nachricht vom Tod ihrer Tante und ihrem überraschenden Erbe verdaut hat, läuft es schon sehr bald darauf hinaus, dass sie ihr Erbe, entgegen den Bemühungen ihres Freundes Glenn, auch annehmen wird. Alles andere würde im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Serie auch keinen Sinn machen. Zumal Nathalie das „Black Feather“ von zahlreichen Besuchen kennt und dort ein familiäres Miteinander von Gästen und Angestellten herrscht, dass es ein Verbrechen wäre, diese gemütliche und ökologisch einwandfrei geführte Goldgrube auszuschlagen oder weiter zu veräußern. Dennoch muss sich die rationale Seite Nathalies natürlich über einige Tage mit den Büchern und den Abläufen beschäftigen, während der die Angestellten um ihre Zukunft bangen und hoffen. Während dieser Tage lernt auch der Leser den ein und anderen Angestellten und Stammgast kennen und natürlich die vermeintlich meschuggene Cecily Beresford.

Weniger freiwillig wird Nathalie von Louise, der Köchin und Vertraute ihrer Tante, in das Geheimnis des verborgenen Zimmers eingeweiht, das sie mit ihrem detektivischen Spürsinn entdeckt. Hier hat Autorin Ellen Barksdale ihrer Figur ihre eigene Begeisterung für die Romane von Agatha Christie und Georges Simenon auf den Leib geschrieben. Zuerst ist Nathalie geschockt, doch lässt sie sich von Louise vom Nutzen der dort gelagerten Informationssammlung überzeugen, nicht zuletzt, da sich damit der Gemäldefall aufklären lässt.

 

Insgesamt hat man TEE? KAFFEE? MORD! eine sympathische (Kurz-)Krimireihe am Start, die vor allem von der heimeligen, liebenswerten und dörflichen Wohlfühlstimmung lebt, die im und um das „Black Feather“ herrscht. Die Figuren sind gut und sympathisch bodenständig gezeichnet, ohne naiv zu wirken. Der Roman gestaltet sich aufgrund der Kürze angenehm kompakt und lässt sich locker runterlesen. Dass der eigentliche Fall des doppelten Monets beinahe beiläufig abgehandelt wird, lässt sich verschmerzen, immerhin müssen in diesem ersten Teil ein Großteil der Figuren eingeführt und die Situation an sich skizziert werden. Einige Anmerkungen können bereits als Anknüpfpunkte für weitere Fälle und eine beginnende horizontale Erzählebene interpretiert werden, so dass für Nachschub von Nathalie Ames ausreichend gesorgt sein dürfte. Bisher exklusiv als ebook.

 

FAZIT
Sympathischer Einstieg in eine weitere Cozy-Crime Serie, der in angenehmer Kürze alles hat, was man von Genre erwartet.

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(3)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

H.G. Wells. Band 6: Der Unsichtbare, Teil 2

Dobbs , Christophe Regnault
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 20.03.2018
ISBN 9783958395022
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Der unsichtbare Griffin hat Unterschlupf im Haus seines ehemaligen Kommilitonen Kemp gefunden. Im Gegenzug erzählt er dem Arzt seine Geschichte. Wie er die Medizin zugunsten der Physik aufgegeben hat und wie sich seine Experimente zur Lichtbrechung entwickelt haben. Doch forderte der Wissensdrang seinen Preis und Griffin war gezwungen, seine Theorie zur Unsichtbar-machung am eigenen Leib auszuprobieren. Das Experiment gelang, doch wurde Griffin zur Flucht gezwungen, bis er schließlich in Iping landete. Doch das Experiment hat auch seinen Geisteszustand verändert und er träumt davon, mit Kemps Hilfe ein Regime des Schreckens aufzubauen. Als Kemp hinter seinem Rücken die Behörden informiert, schwört der Unsichtbare Rache.

 

MEINUNG
Nachdem Teil 1 recht actionreich zu Ende ging, kehrt hier zunächst etwas Ruhe ein. Kemp erweist sich seinem ehemaligen Studienfreund gegenüber als integrer Gastgeber, was gewiss auch seiner Neugier geschuldet ist. So wird eine weite Strecke des Albums von einer farbreduzierten Rückblende bestritten, die von Griffins wissenschaftlichem Ehrgeiz und seinen ersten geheimen Forschungen und Experimenten berichtet. Auch damals haben seine unorthodoxen Methoden bereits die Aufmerksamkeit seiner näheren Umgebung auf sich gezogen, so dass er gezwungen war, in aller Eile einen abschließenden Versuch in aller Eile an sich selbst durchzuführen, um dann als unsichtbarer Mann aus seinen Räumlichkeiten zu fliehen. Griffins Flucht und die Anstrengungen, sich mit dem Nötigsten zu versorgen, während ihm die Polizei auf den Fersen ist, werden relativ ausführlich geschildert, so dass die Geschichte die Chance hat, sich voll zu entfalten. Ein deutlicher Pluspunkt des Doppelbandes gegenüber den H. G. Wells-Adaptionen der Reihe, die in einen Band gepresst wurden. Dort blieb die Stimmung oft auf der Strecke.

Griffins Flucht endet schließlich in einem Laden für Theaterbedarf, den Griffin als der ikonisch verhüllte Unsichtbare verlässt, als den man ihn vor allem aus den klassischen Universal-Verfilmungen kennt.

Als Griffin seine weiteren Pläne vor Kemp ausbreitet, muss der Arzt erkennen, dass auch der Geisteszustand seines ehemaligen Mitstudenten unter seinen Experimenten gelitten hat. Einen Teil seiner zunehmend misanthropischen Züge kann man jedoch sicherlich der Tatsache zuschreiben, dass er stets nur Ablehnung, Misstrauen und Spott erfahren hat und als Unsichtbarer schließlich sogar wie ein Tier gejagt wurde. So wundert es nicht, dass er sich mit Rachegedanken trägt, die er, nun, da er das Mittel dazu hat, in die Tat umsetzen will. Schon das Cover zeigt Griffin gefühllos-kalt und überlegen über dem Chaos „schweben“, für das er verantwortlich ist. Das weckt direkt Erinnerungen an „Dr. Mabuse“.

Das Finale – erneut ist Griffin gezwungen zu fliehen – gestaltet sich wieder sehr actionreich und auch tragisch, da Griffin nun auch vor kaltblütigem Mord nicht mehr zurück schreckt und er auch Menschen aus Kemps Umfeld ins Visier nimmt.

Optisch ist die Geschichte von Christophe Regnault weiterhin in atmosphärischen und pointiert gestalteten Bildern umgesetzt, die lässig und gleichzeitig elegant wirken. Auch das Spiel mit verschiedenen Panelgrößen gefällt sehr gut.

 

FAZIT
Dramatischer Abschluss der Ereignisse, der den Unsichtbaren als tragische Figur zeigt. Großartig erzählt und überragend gezeichnet.

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H.G. Wells. Band 5: Der Unsichtbare, Teil 1

Dobbs , Christophe Regnault
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 22.01.2018
ISBN 9783958395015
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Ein geheimnisvoller Fremder namens Griffin nimmt an einem stürmischen Februartag Quartier in einer Pension im ländlichen Iping. Den Körper komplett verhüllt, das Gesicht von Bandagen und einer Brille verdeckt, weckt der kontaktscheue Fremde das Misstrauen und die Neugier der Wirtsleute und der Dorfbewohner, die ihn schließlich derart in die Enge drängen, dass die Situation eskaliert und er gezwungen ist, sein Geheimnis preiszugeben. Unter Kleidung und Verbänden ist Griffin komplett unsichtbar. Hass und Zorn übermannen ihn, er flieht und ist nun gezwungen, als unsichtbares Phantom durch die Gegend zu streifen. Mit der Unterstützung eines Obdachlosen versucht er, seine Laborgeräte, die in der Pension verbleiben sind, wieder zu beschaffen, doch Griffin stößt überall nur auf Angst und Wut.

MEINUNG
Für die abschließende Adaption der H. G. Wells-Reihe hat Autor Dobbs nochmal in die Vollen gegriffen und ein ungeheuer stimmungsvolles und düsteres Spektakel vorgelegt, dass sich optisch unverkennbar beim expressionistischen Film bedient. Schon das erste Panel, in dem Griffin von einer nahen Anhöhe aus auf das verschneite Iping mit seinen windschiefen Häusern heruntersieht, ist an dunkler Vorahnung kaum zu überbieten. Weiterhin ist es von deutlichem Vorteil, dass die Geschichte über zwei Bände erzählt wird und der Autor den Raum hat, erst einmal eine mysteriöse und auch bedrohliche Stimmung aufzubauen und die Geschichte in einem gemäßigten Tempo zu entwickeln. Als Leser ist man hin und her gerissen, ob man Griffin Mitgefühl entgegen bringen soll, dessen „Gabe“ ihm offensichtlich kein Glück, sondern nur Misstrauen und Ablehnung einbringt, oder ob doch eine Gefahr von dem Fremden ausgeht, der nächtens heimlich die Bettdecke vom Körper der jungen Wirtshausmagd zieht, um sich stumm am Anblick der strammen Brüste zu ergötzen.

Das Klima der Unsicherheit schaukelt sich mit kleinen, rätselhaften Ereignissen weiter auf, so dass Griffin regelrecht aus der Stadt gejagt wird und seine Wut damit wieder neue Nahrung findet. Als Freund in der Not, deutet sich der Gemeindearzt Kemp an, der in Teil 2 der Geschichte eine größere Rolle spielen wird.

Für Zeichner Christophe Regnault ist dies offenbar die erste Veröffentlichung und man kann nur hoffen, dass von dem Mann bald wieder zu hören ist. Dank der erstklassigen Bilder verfügt DER UNSICHTBARE über eine unfassbar dichte und beunruhigende Stimmung. Wem kürzlich SHI (aus dem Splitter Verlag) gefallen hat, der wird auch hier begeistert sein.

FAZIT
Stimmungsvolle, dichte Adaption mit großartigen Szenen in grandios düsterer Optik.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Black Hammer. Band 1

Jeff Lemire , Dean Ormston
Fester Einband: 184 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 20.03.2018
ISBN 9783962190811
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Unmittelbar nachdem Black Hammer, Abe Slam, Golden Gail, Barbalien, Colonel Weird, Talky-Walky und Madame Dragonfly Spiral City vor dem schier übermächtigen Anti-Gott gerettet haben, sind sie von der Bildfläche der Menschheit verschwunden. Black Hammer hat bei dem Kampf sein Leben verloren, die anderen fanden sich von einem Augenblick auf den anderen auf einer Farm im provinziellen Nirgendwo wieder, innerhalb eines begrenzten Areals, das sie nicht verlassen können. Rudimentäre „menschliche“ Kontakte bestehen nur zur nahen Kleinstadt. Während sich Abe Slam in den 10 Jahren, die sie nun hier schon fest sitzen, mit der Situation arrangiert hat und nach Außen die Rolle des Farmers und Familienoberhaupts spielt, leiden die anderen unter der Eintönigkeit und der Nutzlosigkeit, zu der sie verdammt sind.

MEINUNG
Die Situation, mit der BLACK HAMMER in das Geschehen einsteigt, klingt zunächst relativ unspektakulär, doch Superstarautor Jeff Lemire (SWEET TOOTH, GREEN ARROW, OLD MAN LOGAN) schafft es ziemlich schnell, den Leser für die Figuren zu interessieren, hinter denen spürbar mehr steckt, als es zunächst den Anschein hat. Die ganze Situation dieser Superhelden-Waltons scheint ein einziges Rätsel zu sein, der augenscheinliche ländliche Friede täuscht gewaltig. Golden Gail ist eine gestandene Frau, gefangen im Körper einer Neunjährigen; der in Rätseln dauerbrabbelnde Zausel Colonel Weird taucht, in seinem Raumanzug schwebend, mal hier, mal dort auf der Farm auf; sein Roboter Talky-Walky baut unermüdlich Sonden, um mit ihnen einen Kontakt mit der „Außenwelt“ herzustellen; Barbalien ist ein Krieger vom Mars, der unter seiner Einsamkeit leidet und auf dem Scheunendach sitzend gerne seinen Gedanken nachhängt und Madame Dragonfly ist durch einen Fluch mit der Hütte verbunden, in der sie alleine, einige Meter entfernt vom Farmhaus, lebt. Und Abe Slam versucht in der Rolle eines Familienoberhauptes Verantwortung zu übernehmen, den Anschein von Normalität zu vermitteln und diesen Haufen zusammenzuhalten. Dass er sich Sheriff Trueheart zum Feind macht, weil dessen Exfrau Abe im Diner schöne Augen macht, ist dabei nicht hilfreich. Ebenso wenig wie Gails Trotz-Aktionen, die regelmäßig ihren Schulbesuch torpedieren.

In kleinen Portionen, mit gezielten Andeutungen, unterfüttert Jeff Lemire diese Seifenoper mit Infoschnipseln und Rückblenden in die Vergangenheit der Helden, so dass nach und nach ein immer größeres Bild entsteht. Abenteuer, Tragik und Dramatik halten Einzug ins Geschehen und die Figuren werden regelrecht mit Leben aufpumpt. In jedem Kapitel (= jede US-Nummer) rückt dabei eine der Figuren in den Mittelpunkt, inklusive der jeweils passenden Origin-Story, wie es der US-Titel SECRET ORIGINS schon andeutet.

Parallel dazu werden nach und nach verschiedene Spannungsfelder aufgebaut, mit denen Lemire ebenfalls gekonnt jongliert. So deuten einige Szenen bereits an, dass sich für unsere Heldenwohngemeinschaft bald etwas ändern wird. Einmal sind er die zunehmenden Interaktionen mit den Stadtbewohnern, die plötzlich für ungeahnte Entwicklungen sorgen aber auch die jüngste einer Reihe von Sonden, die Talky-Walky beharrlich konstruiert, in der Hoffnung, mit ihnen die „Grenze“ zu durchbrechen und Kontakt mit der „echten Welt“ aufzunehmen. Tatsächlich kann die Sonde die Barriere überwinden und wird von den richtigen Leuten entdeckt. Nach 10 Jahren das erste Lebenszeichen der „größten Helden eines verlorenen Zeitalters“. Ein Fund, an dem die Reporterin Lucy Weber, Tochter von Joseph „Black Hammer“ Weber, ganz besonders interessiert ist.

Wie Jeff Lemire dies aufzieht und realisiert ist schon ganz großes Erzählkino. Hier sitzen jeder Dialog, jeder Schnitt und jede Szene. Zwar sind alle Elemente bekannt und Aufbau und Struktur bieten für Serienjunkies auch keine Überraschungen, doch greifen die Elemente so großartig ineinander und alles läuft so geschmiert, wie man es selten gelesen hat.

Dass BLACK HAMMER noch eine deutliche Meta-Ebene im Gepäck hat ist dabei nur noch ein zusätzliches Schmankerl. Die Vielzahl „neuer“ Helden, die unübersehbar dem „Golden Age“ angelehnt sind, ergibt im Zusammenspiel mit der komplexen Story eine Mischung aus AMERICAS BEST COMICS und WATCHMEN. Auch die Ähnlichkeit der Figuren mit „existierenden“ DC- und Marvel-Helden (Captain America, Thor, Shazam, Martian Manhunter, Adam Strange, Galactus, Swamp Thing) erinnert stark an die Werke von Allan Moore.

Zu allem Glück liefert Splitter – außer dem ohnehin größeren Albenformat – noch ein pralles Bonus-Paket. Neben einem Nachwort des Autors, der über die Ursprünge und die Entwicklung von BLACK HAMMER aufklärt, finden sich noch Jeff Lemires kunstvolle Steckbriefe der Helden (auch derer, die es (noch) nicht in die fertige Geschichte geschafft haben) und ein Sketchbook inkl. Notizen von Zeichner Dean Ormston.

FAZIT
Großartig konstruierte Mystery-Helden-Soap mit fantastischen Charakteren, großen Gefühlen und schier unendlichem Erzählpotenzial.

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Mermaid Project. Band 1

Leo , Corine Jamar , Fred Simon
Fester Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 21.05.2018
ISBN 9783962191252
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Paris in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. Die Polizeiinspektorin Romane Pennac erhält auf dem Kommissariat Besuch von Ehepaar Maubert, das ihr eine anonyme Nachricht aushändigt, in der ihr Name genannt ist. Die Nachricht besagt weiterhin, dass es nicht die Leiche ihrer Tochter Angeline war, die kürzlich in einem versiegelten Sarg von New York nach Paris überführt wurde. Angeline Maubert soll bei einem Unfall in der Fabrik ihres Arbeitgebers Algapower gestorben sein. Pennacs erster Gedanke gilt ihrem Zwillingsbruder Roger, der als Genetiker bei Algapower arbeitet und die Exhumierung der Leiche ergibt tatsächlich, dass in dem Sarg der jungen Frau ein Mann liegt. Gemeinsam mit dem Agenten El Malik fliegt Pennac nach New York, um zusammen mit dem New Yorker Polizeikollegen Diego Molinos direkt bei Algapower nach einer Erklärung für den Vorfall zu suchen. Von einer peinlichen Verwechslung im Leichenschauhaus ist die Rede und selbstverständlich hat Algapower, die aus genveränderten Algen Methan als Treibstoff der Zukunft gewinnen, nichts zu verbergen. Doch eine Bemerkung ihres Bruders, mit dem sie auf Hinweis auf den Schutz geheimer Projektdaten nur hinter einer Trennwand sprechen darf, macht Pennac stutzig. Auch Kollege Molinos eröffnet ihr beim Abendessen im Vertrauen, dass mehrere seiner ungeklärten Fälle zu Algapower und einem Projekt namens „Mermaid“ führen, bevor er getötet wird.

MEINUNG
Wieder einmal schafft es Leo, zusammen mit Co-Autorin Corine Jamar, mit wenigen Szenen eine plausible und lebendige Umgebung zu schaffen. Diesmal eine nahe Zukunft, in der der Eiffelturm eine abgebrochene Ruine ist (das Cover zeigt es schon), es überall in Paris von Grün nur so sprießt – der Einsatz alternativer Energien treibt (im wahrsten Wortsinne) sichtbare Blüten – und Romane Pennac in ihrem Revier als Quotenweiße gilt. Dennoch ist der zunächst chaotisch erscheinenden Ermittlerin eine gehörige Portion Beobachtungsgabe und Scharfsinn nicht abzusprechen. Und als das Ehepaar Maubert mit dem geheimnisvollen Brief in ihrem Büro auftaucht ist sie schon so gut wie mitten drin in einem Eco-Fiction-Thriller, der bald sehr viel weitere Kreise ziehen wird, als es den Anschein hat. Ihr „Kollege“ El Malik wirkt zunächst überheblich, weiß jedoch, dass er mit ihr, deren Bruder bei Algapower angestellt ist, einen unschätzbaren Trumpf in der Hand hat. Unterschwellig aber bereits unmissverständlich wird deutlich, dass das „weltweit führende Unternehmen in puncto Gentechnik“ sehr wohl etwas zu verbergen hat, was Roger ihr nicht offen sagen kann. Der öffentliche Mord an Molinos spricht dagegen eine deutliche Sprache und die Luft wird plötzlich merklich dünner für das ungleiche Ermittlerteam, so dass Malik beschließt, sein Wissen endlich mit der einfachen Polizistin zu teilen, denn auch er wurde nicht zufällig für den Einsatz bei Algapower ausgewählt.

Optisch pflegt MERMAID PROJECT eine Mischung aus klassischer Ligne claire und Manga. Vor allem die männlichen Figuren wirken holzschnittartig, klischeehaft überzeichnet mit teils übertriebener Mimik, Romane Pennac selbst ist eher mädchenhaft als fraulich dargestellt. Alles in Allem eine ungewöhnliche Optik für eine Euro-Thriller-Serie.

Nichtsdestoweniger baut sich während der Lektüre bald eine geheimnisvolle Spannung auf, die sich zum Ende (des ersten Bandes) hin immer mehr zuspitzt. Was Pennac hier erfährt, kann man getrost als Höhepunkt des Bandes bezeichnen; die Story nimmt plötzlich eine ganz neue Dimension an.

FAZIT
SF-Eco-Thriller, der nach einer kurzen Einleitung bald einen hohen Spannungsbogen aufbaut. Unvorhersehbare Storyentwicklungen inklusive.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Scotland Yard

Dobbs , Stéphane Perger
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.12.2014
ISBN 9783958390331
Genre: Comics

Rezension:

STORY
London, Dezember 1889: Der Schatten der Ripper-Morde liegt noch immer über der britischen Hauptstadt. Unter der Aufsicht von Inspektor Tobias Gregson von Scotland Yard sollen die beiden geisteskranken Mörder Renfield und Carfax aus dem Newgate-Gefängnis zu Forschungszwecken an den Psychiater Dr. Seward überstellt werden. Gemeinsam mit ihnen wird in der selben Kutsche der Fälscher Murdstone transportiert. Um diesen zu befreien ordnet der Unterweltboss Sebastian Moran einen Überfall auf den Gefangenentransport an, der komplett aus dem Ruder läuft. Murdstone und ein Yard-Beamter werden getötet, Renfield und Carfax entkommen.

Inspektor Lestrade macht den jungen Gregson für den Zwischenfall und damit für das Entkommen der beiden Irren verantwortlich. Vom „Schwarze Museum“ im Keller von Scotland Yard aus soll er gemeinsam mit Dr. Seward und dessen Assistentin Faustine Clerval die entflohenen Gefangenen wieder aufspüren und dingfest machen. Gemeinsam mit dem Straßenjungen Wiggins, dessen Bruder ebenfalls bei dem Überfall getötet wurde, verfolgen sie die dürftigen Spuren und Gregson ist gezwungen, ein Zweckbündnis mit dem kriminellen Moran einzugehen, um dieses Ziel zu erreichen. Gleichzeitig beginnt das Morden; im Hyde Park werden Frauen mit Hilfe einer klingenbewehrten mechanischen Halsmanschette geköpft. Das Werk des Sadisten Carfax. Alleine verfolgt Faustine eine eigene Spur und gerät in die die Gewalt des Irren.

Nachdem Carfax tot ist machen sich Gregson und Seward auf den Weg in das Haus, in dem Renfield bei seinen beiden Tanten aufgewachsen ist und wo nun eine ausgeblutete Leiche gefunden wurde, der ehemalige Hausarzt der Renfields. Der Mörder ist an den Ort seiner Kindheit zurückgekehrt, wo er selbst unter dem Einfluss seiner sadistischen Tanten zum Monster wurde. Doch er macht sich die Kenntnis der örtlichen Abwasserkanäle zunutze, so dass ihm immer wieder die Flucht vor seinen Verfolgern gelingt. 

MEINUNG
Mit SCOTLAND YARD reiht sich Olivier „Dobbs“ Dobremel in die Riege der Autoren ein, die auf Alan Moores (DIE LIGA DER AUSSERGEWÖHNLICHEN GENTLEMEN) Spuren Prominente der viktorianischen Ära - literarische, wie auch reale - in neue Abenteuer verstricken. Inzwischen ist das schon fast ein eigenes Genre. Zuallererst bedient sich Dobbs fast schon selbstverständlich bei den Figuren um Meisterdetektiv Sherlock Holmes. Sein Held ist der aufrechte Inspektor Tobias Gregson, der bei Conan Doyle nach Lestrade eine eher untergeordnete Rolle im Londoner Polizeiapparat spielt. Auch hier ist Gregson Lestrades Untergebener, der nicht mehr als der begriffsstutzige Staatsdiener, sondern als hochnäsiger Kotzbrocken charakterisiert wird, der nur verächtlich auf seinen Mitarbeiter herabsieht. Die offene Feindschaft zwischen den beiden und Gregsons Wut entladen sich schließlich in einem altmodischen Faustkampf, in dem Lestrade den Kürzeren zieht. Weitere Figuren aus dem Holmes-Kanon sind der Straßenjunge Wiggins von den „Baker Street Irregulars“ und Professor Moriartys rechte Hand Sebastian Moran. Der Leser trifft außerdem auf Joseph „Der Elefantenmensch“ Merrick, dessen Arzt Dr. Frederick Treves, sowie Bram Stoker und die Mörder Carfax und Renfield. In einer kleinen Binnenhandlung ist Bram Stoker bei seinem Freund Commissioner Fix auf der Suche nach Anregungen für einen neuen Roman zu Besuch und wird so quasi zum Beobachter der Ereignisse, die er dann in seinem Roman DRACULA verwendet. Stoker verwendet die Figur Renfield in seinem Schauerroman als Draculas Erfüllungsgehilfe und benennt den Ort, wo der Vampir in England wohnt, „Carfax“. Die letzten Panels IN SCOTLAND YARD zeigen dann auch die Uraufführung von DRACULA (mit Henry Irving in der Titelrolle), die es so in Wirklichkeit nie gab. Erwähnung finden außerdem Jack the Ripper und Frederick Abberline, Charles Dickens und Phileas Fogg. Die Grenzen zwischen Historie und Fiktion sind dabei für den unbelesenen nicht auszumachen.

Die Story von SCOTLAND YARD ist im Grunde sehr einfach gehalten: Zwei gefährlichen Psychopathen gelingt die Flucht aus dem Polizeigewahrsam und eine (hier unfreiwillige) Spezialtruppe muss sie wieder dingfest machen; ein Plot, der grob auf beinahe jede x-beliebige Folge CRMINAL MINDS passt. Doch SCOTLAND YARD lebt vor allem von seinen organisch entwickelten Charakteren und der großartigen Figurendynamik, im Kleinen wie im Großen. Gregsons Motivation und sein Vorgehen ist absolut nachvollziehbar. Stets das Ziel im Auge geht er sogar einen Handel mit dem Verbrecher Moran ein, für den er spürbar mehr Sympathie empfindet als für seinen Vorgesetzten. Das macht Gregson innerhalb des Yard natürlich angreifbar aber für den Leser auch hochgradig sympathisch. Der Joker in der Geschichte ist Dr. Sewards schöne Assistentin Faustine Clerval, die durch ihre freiwillige soziale Arbeit in den Slums auch unter den wenig zimperlichen Gaunern der Gegend den Status einer Unberührbaren und den Beinamen „Der Engel“ hat. Außerdem funkt es kräftig zwischen ihr und Gregson. Auf der anderen Seite des Spektrums finden sich die beiden teuflischen Wahnsinnigen Carfax und Renfield, die für ihre Morde beinahe SAW-ähnliche Methoden anwenden. Sie werden eine „neue Art Monster“ genannt, wie Jack the Ripper eines war. Dobbs schafft es sogar, zumindest Renfield zu einem Opfer (seiner beiden Tanten) zu machen; sein Wahnsinn resultiert aus seiner unerfreulichen Kindheit. So wird auch der Leser sehr schnell gepackt und förmlich in die Geschichte eingesaugt. Zusätzlich macht natürlich die Metaebene Spaß, nämlich zu entdecken, welche realen oder literarischen Persönlichkeiten Autor Dobbs in SCOTLAND YARD verwurstet hat.

Der Künstler Stéphane Perger packt dies alles in fantastisch-detaillierte Bilder mit Aquarellcharakter. Mit ungewöhnlichen Perspektiven und „Nahaufnahmen“ schafft er, wo nötig, eine düstere bedrohliche Atmosphäre. Zusätzlich spielt er mit der Anordnung seiner Bilder, legt Panels übereinander, auch mehrfach, und verziert die Bildränder bei den Rückblicken in Renfields Kindheit mit Spinnweben und Pilzgeflecht. Ganz großartig!

Die deutsche Veröffentlichung im Splitter Verlag erfolgt als „Splitter Double“, was bedeutet, dass die zwei Originalbände als ein Hardcover-Album veröffentlicht wurden. Dabei gingen leider die Titel der Einzelbände AU COEUR DES TÉNÊBRES („Das Herz der Finsternis“) und POUPÉES DE SANG („Blut-Puppen“) über Bord.

FAZIT
Dicht, packend und düster präsentiert sich SCOTLAND YARD, dabei mit großartig-plastischen Charakteren. Auch zeichnerisch auf höchstem Niveau.

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Androiden. Band 2

Jean-Luc Istin , Jesus Hérvas Millán , Olivier Héban
Fester Einband: 52 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 22.02.2018
ISBN 9783958395695
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Im Jahr 2426 verlässt die ISS Oxygen mit einer Besatzung von 3600 Personen die Erde, um als Generationenschiff in einer 600 Jahre dauernden Reise die benachbarten Sonnensysteme zu besuchen. Während der Großteil der Mannschaft im Kälteschlaf liegt, in dem die Menschen pro 10 Jahre Reisezeit nur 1 Jahr altern, wird das Schiff von einer kleinen, wechselnden Crew betreut. Relativ schnell entwickelt dieser Mikrokosmos eine eigene Dynamik und an Bord wird ein Kind geboren, das den Namen Odysseus erhält. Als ein Meteoritenschauer nicht nur erhebliche Beschädigungen am Schiff, sondern auch den Tod von 97% der Passagiere verursacht, ist das Schicksal der ISS Oxygen besiegelt. Eine Rückkehr nach Hause mit eingeschränktem Antrieb dauert mehrere 100 Jahre, so dass theoretisch Odysseus als Einziger in der Lage wäre, die Erde zu erreichen. Man entschließt sich für eine Rückkehr der ISS Oxygen zur Erde und überlässt Odysseus‘ Wohl dem Erziehungsandroiden AC7+ und der Schiffsintelligenz Isabella.

Über 900 Jahre später landet die ISS Oxygen tatsächlich wieder auf der Erde. Eine Erde, auf der ein Großteil der Menschheit von einer Krankheit ausgerottet wurde, die nur einige Kinder überlebt haben, so dass sich der Entwicklungsstand der Menschheit rapide zurück entwickelt hat. Diejenigen, die die Landung des Raumschiffs beobachtet haben, halten AC7+ für einen Gott, dem sie wohlgesonnen sind. Doch es gibt auch noch einen Clan feindlicher Krieger, der von einem beschädigten Kriegsandroiden angeführt wird und der ebenfalls die Landung der ISS Oxygen beobachtet hat.

MEINUNG
Olivier Perus ANDROIDEN-Beitrag GLÜCKLICH WIE ODYSSEUS geht in eine unverkennbar andere Richtung als der BLADE RUNNER-artige Vorgänger von Jean-Luc Istin. Und doch bezieht auch ODYSSEUS seine größte Stärke daraus, dass die Maschinen auf einer emotionalen Ebene menschlich handeln und sogar das „Menschsein“ erst ermöglichen. So kristallisiert sich erst allmählich der Android AC7+, den man zunächst als Nebenrolle abstempelt, als die eigentliche Hauptfigur der Erzählung heraus. Paradox mutet dabei die Tatsache an, dass nur eine Maschine in der Lage ist, nach 1000 Jahren die Erde wiederzusehen und dass den einzigen echten Menschen an Bord gar nichts mit der Erde verbindet. So wird ein künstlich geschaffenes Wesen zum Erzieher und Beschützer eines seiner Erschaffer und später sogar zum „Entwicklungshelfer“ einer neuen Menschheit. Ein Rollentausch und eine philosophische Ebene, die glücklicherweise nicht überstrapaziert, sondern des Öfteren durch die Kabbeleien zwischen AC7+ und der eher nüchtern geprägten Bordintelligenz Isabella gebrochen wird. Auch die menschlich gestaltete Mimik von AC7+ trägt dazu bei, dass man den Androiden mehr und mehr als Mensch wahrnimmt.

Nachdem die ISS Oxygen wieder auf der Erde gelandet ist, wendet sich das Szenario in eine Richtung, die deutlich abgegriffener wirkt. Die Auseinandersetzung der beiden der beiden Menschenstämme wirkt reichlich unmotiviert und ist auch recht schnell wieder vom Tisch.

Die Zeichungen von Geyser (42 – INTERGALAKTISCHE AGENTEN) gehen ok, ein Wow-Effekt bleibt aus. Auch Farbgebung ist sehr flach geraten.

FAZIT
Auch Folge 2 der Anthologie-Serie lebt von der Frage, ob sich die Grenze zwischen Mensch und Maschine tatsächlich nur auf technische Aspekte reduzieren lässt.

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Streamliner. Band 4

Fane , Fane
Fester Einband: 88 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 20.03.2018
ISBN 9783962190101
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Für viele Zuschauer ist das „Runaway Rebel Race“ kein Wettkampf mehr sondern nur noch ein Gemetzel. Die meisten Teilnehmer sind Unfällen zum Opfer gefallen oder haben das Rennen abgebrochen, als sich die ersten Fahrzeuge dem Eingang des Canyons nähern, wo nun mehr Geschicklichkeit als Geschwindigkeit gefragt ist. Kurz vor dem Nadelöhr zieht Cristal O’Neil mit der „Black Widow“ ihres Vaters an Calamity vorbei, die gar nicht daran denk, sich die Führung streitig machen zu lassen. Im Labyrinth des Canyons kommt es zum erbitterten Zweikampf der beiden Pilotinnen.

MEINUNG
Nach Band 3 ist es kaum möglich, in Sachen Action noch zuzulegen. So konzentriert sich das Finale ganz auf den entscheidenden Zweikampf zwischen Cristal und Calamity der ein fatalistisches Ende findet, bevor dem als letztes gestarteten Billy Joe noch eine liebenswerte Jokerrolle zukommt. Doch bewahrt ihn auch seine gute Tat nicht davor, dass Cristal ihn „vom Hof“ jagt; das FBI tut ein Übriges, ihn aus dem Verkehr zu ziehen. 10 Jahre später hat Cristal mit Hilfe der Black Panies aus dem Scherbenhaufen „Lisa Dora“ eine Goldgrube mit neuen Spielregeln gemacht. Damit schlägt das Ende von STREAMLINER doch deutlich versöhnliche Töne an.

Im Original erschien STREAMLINER in 2 Bänden, die der Splitter Verlag in 4 Bände geteilt hat. So kommt das Finale doch deutlich kürzer daher als die vorigen drei Teile. Dafür ist noch ein ordentliches Paket an liebevoll gestaltetem Bonusmaterial enthalten; fiktive Zeitungsmeldungen über Streamliner Rennen und einige der Personen sowie Steckbriefe von Fahrern und Fahrzeugen. Dazu noch zwei „Deleted Scenes“, die von ´Fane kommentiert werden. Hier erwähnt der Autor und Zeichner auch seine Affinität zum Kino und dass er STREAMLINER von Anfang an wie einen Film konzipiert hat, was dem fertigen Produkt deutlich anzusehen ist.

FAZIT
Ein passender Abschluss voller Dramatik und Gefühle, der am Ende noch einige Überraschungen und einen (fast märchenhaften) Hoffnungsschimmer bereit hält.

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Streamliner. Band 3

Fane , Fane
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 22.02.2018
ISBN 9783962190095
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Der Tag des „größten illegalen illegale Autorennens, das die Welt je gesehen hat“, des „Runaway Rebel Race“, ist endlich da. Die fieberhafte Spannung entlädt sich endlich mit dem Startschuss, doch bereits nach wenigen Kilometern endet die Jagd für einige Teilnehmer in einer absichtlich verursachten Massenkarambolage. Angesichts dieser Kaltblütigkeit geht es für die meisten der Fahrerinnen und Fahrer nun nur noch ums nackte Überleben. Für Cristal O’Neil gilt es außerdem im legendären Auto ihres Vaters die Familienehre zu verteidigen und ihre Existenzgrundlage zu erhalten.

MEINUNG
Autor `Fane macht das Unmögliche möglich und heizt die Spannung auf den ersten Seiten nochmals an. Das Rennen wird schon im Vorfeld zum Medienereignis, der Übertragungszeppelin eines TV-Senders schwebt über der Strecke und ein Streamliner-Veteran wird als Kommentator eingeflogen. Spezialisten analysieren die Rennstrecke – eine 10km-Gerade, gefolgt von einem Nadelöhr und einem Labyrinth aus Felsgestein – und einige der prominentesten Fahrerinnen und Fahrer werden steckbriefhaft vorgestellt, womit auch nochmals die Skrupellosigkeit einiger Teilnehmer betont wird. Das dies kein leeres Gerede ist, wird sich wenige Kilometer nach dem Start zeigen.

Man spürt förmlich, wie sich der Druck und die Energie, die sich in den letzten Tagen in und um O’Neils ehemals einsame Tankstelle aufgestaut hat, beim Start plötzlich und unaufhaltbar entlädt. Mit einfachsten Strichen skizziert `Fane eine gigantische Staubwolke, die sich hinter der Führungsriege auftürmt und aus der sich nach und nach die Fahrzeuge schälen, die sich wie aggressive Insekten gebärden. Was folgt ist von einer unfassbaren zeichnerischen Dynamik geprägt, die einem modernen Action-Film in nichts nachsteht. Als Leser wird man förmlich eingesaugt und befindet sich plötzlich mitten zwischen (vor, hinter, über) den Autos und Motorrädern auf der Rennstrecke. Die Motoren dröhnen in den Ohren und die Stimme des Kommentators erklingt im Kopf.

Wie ein Film ist das Rennen auch inszeniert. Immer wieder „schneidet“ `Fane von der Rennstrecke zu den Zuschauern oder Kommentatoren, in eine Totale, nur um den Leser unversehens wieder auf den Parcours zu schleudern und damit die Stimmung zum Sieden zu bringen. Zumal der tödliche Unfall, der relativ früh passiert, das Rennen plötzlich zu einer Angelegenheit auf Leben und Tod macht. Nach einigen Schicksalsschlägen auf der Strecke, die man in dieser Härte nicht erwartet hätte, entlässt der Autor die Leser noch mit einigen Fahrerinterviews. Gelegenheit zum Luftholen für den zweiten Teil dieses Höllenrennens, der zweifellos im Abschlussband kommt.

FAZIT
Erst einmal gestartet, entwickelt das illegale Streamliner-Rennen ein unfassbares Tempo, so dass man mit dem Umblättern gar nicht hinterher kommt.

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Sorceline - Band 1: Kryptozoologie für Anfänger

Sylvia Douyé , Jano Rohleder , Jano Rohleder , Paola Antista
Fester Einband: 48 Seiten
Erschienen bei dani books, 12.06.2018
ISBN 9783959561105
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Schon gleich, nachdem Sorceline ihr Sommerstudium bei Archibald Belzar, einem absoluten Experten auf dem Gebiet der Kryptozoologie, angetreten hat, werden die Kursteilnehmer mit einem Ernstfall konfrontiert. Die Assistentin des Professors findet auf dem Anwesen eine entkräftete Gorgone, der es nun mit gemessener Eile zu helfen gilt. Bei der Suche nach einem Heilmittel machen die Kursteilnehmer weitere merkwürdige Entdeckungen in der näheren Umgebung: Feen, die völlig apathisch scheinen, Lebewesen, die sich plötzlich in gläserne Statuen verwandeln und Vogeleier, aus denen Schlangen schlüpfen. Zu allem Überfluss ist auch eine der Kursteilnehmerinnen verschwunden. Sorceline erweist sich als Naturtalent in der Bestimmung und im Umgang mit magischen Lebewesen und kann einen Teil der Rätsel lösen. Doch keimt in ihr auch der Verdacht, dass sie selbst für einige der merkwürdigen Vorgänge verantwortlich ist.

MEINUNG
In Grundzügen erinnert SORCELINE natürlich an unser aller Lieblingszauberer HARRY POTTER: Die Ausbildung einer Halbwüchsigen in Sachen Magie und die immer deutlicheren Hinweise darauf, dass es mit der Titelheldin etwas Besonders auf sich hat, kennen wir schon von Fr. Rowlings Zauberlehrling. Leider fehlt bei Sorcelines Abenteuer eine einleitende Vorgeschichte, die den Leser auch ausreichend abholt; auf Seite 1 ist Sorceline bereit sauf dem Weg zu ihrem Sommerkurs, über den man ebenso wenig erfährt. Mir nichts dir nichts findet man sich in Belzars Anwesen wieder, wo man auch schon gleich über die kranke Gorgone stolpert. Auch weiter gestaltet Autorin Sylvia Douyé (DIE LEGENDE DES KRISTALLSCHWERTS) die Story reichlich sprunghaft. Ein ums andere Mal muss man sich davon überzeugen, keine Seiten überblättert zu haben. Einige Erläuterungen aus dem Off hätten das Ganze sehr viel geschmeidiger machen können. So dauert es, bis man das ganze Szenario ungefähr überblickt und mit den Figuren einigermaßen warm wird. Erst gegen Ende wird der Erzählfluss gleichmäßiger, so dass der Cliffhanger die Neugier auf Band 2 weckt. Ferner verfügt SORCELINE über eine unterschwellig skurrile Note, die man so nicht erwartet und die richtig Spaß macht.

Optisch bietet SORCELINE eine Mischung aus franko-belgischem Stil und Disney mit deutlichen Manga-Anleihen.

FAZIT
Magisches Fantasy-Abenteuer, dem eine nachvollziehbare Einführung fehlt und das etwas unter der holprigen Erzählweise leidet.

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Lovecraft Letters - I

Christian Gailus
E-Buch Text: 127 Seiten
Erschienen bei beBEYOND by Bastei Entertainment, 10.10.2017
ISBN 9783732531622
Genre: Fantasy

Rezension:

„Ja, wir würden Lovecrafts Vermächtnis aus der Dunkelheit ans Licht zerren. Wir würden uns nicht mit der Interpretation seiner Werke zufriedengeben, sondern in seine Gedanken- und Erlebniswelt eintauchen. Mit Artefakten aus seiner Zeit und seinem Leben würden wir eine Atmosphäre erschaffen, die der von Lovecraft ähnelte. Wir wollten nicht nur in seinen Kopf, sondern auch in seine Träume. Die Albträume, die Dagon und Cthulhu hervorgebracht hatten und die furchtbaren Fischwesen aus Schatten über Innsmouth. Wir waren bereit für eine Reise in die Finsternis.“

STORY
Ray Berkeley ist als Psychologe bei Beratungsfirma Henderson & Remington angestellt. Als Sachverständiger der Verteidigung im Fall eines Geiselnehmers/Mörders beruft er sich auf ein windiges Experiment, das von der Staatsanwaltschaft gnadenlos zerpflückt wird. Als Exempel wird Ray von dem Fall abgezogen und er soll sich fortan mit einem der Junganwälte der Firma um den Ehe-Mord „Coleman“ kümmern. Henry Coleman soll seine Ehefrau vom Balkon des gemeinsamen Hauses gestoßen und danach brutal ausgeweidet haben. Rays Aufgabe ist es, ein psychologisches Gutachten des Verdächtigen anzufertigen. Während des Gespräches mit dem Historiker tischt ihm dieser eine wilde Geschichte auf: Er und sein Jugendfreund St. John haben es sich zum „Ruhestandshobby“ gemacht, die Geschichten H. P. Lovecrafts auf bisher nie dagewesene Art und Ausführlichkeit mit dem Leben des Schriftstellers in Beziehung zu setzen und so den wahren Kern hinter den Horrorgeschichten aufzudecken. Dazu stellten sie ihr ganz eigenes Lovecraft-Kabinett mit persönlichen Gegenständen des Schriftstellers, private Korrespondenz, Tagebücher, etc. zusammen. St. Johns Tätigkeit und Verbindungen als Reeder bescherten den Freunden sogar einige ganz außergewöhnliche Stücke. Die Aussicht auf einen Siegelring Lovecrafts, führte Coleman in die Niederlande, wo er den Besitzer des Rings nur noch brutal zerstückelt vorfand. Er konnte zwar vom Tatort fliehen, doch das hundeartige Monster, das für den Mord verantwortlich war, folgte ihm nach Amerika und tötete dort Colemans Ehefrau. Auch St. John starb zwischenzeitlich unter mysteriösen Umständen.

„Auch ich hörte Personen vor der Abteiltür herumschleichen und war mir plötzlich nicht mehr sicher, ob es sich um Freund oder Feind handelte. Mein Gefühl für die Realität kam mir zunehmend abhanden. Meine Fantasie schlug Haken. Mir kam der Gedanke, dass es sich gar nicht um mein Experiment handeln könnte, sondern ich in Wirklichkeit der Proband eines ganz anderen Versuchs war.“

MEINUNG
Mit LOVECRAFT LETTERS startet Lübbes ebook-Imprint be eine Romanreihe, die sich auf das Werk des allseits bekannten und immer noch immens beliebten Horrorschriftsteller H. P. Lovecraft bezieht. Das hat vor über 20 Jahren bereits mit Wolfgang Hohlbeins DER HEXER-Serie funktioniert und sollte auch heute klappen, erscheint doch regelmäßig in den verschiedensten Verlagen eine erkleckliche Anzahl an Lovecraft-Pastiches.

Im Gegensatz zu Hohlbeins Epos ist LOVECRAFT LETTERS in der Gegenwart angesiedelt und bedient sich absolut moderner Erzähltechniken. Direkt nach einem actionreichen Prolog führt Autor Christian Gailus die Hauptfigur Ray Berkeley während der laufenden Handlung im Turbomodus ein. Erst nachdem Ray den psychologischen Dämpfer von seinem Vorgesetzten versetzt bekommt, schaltet das Tempo einen Gang zurück und der Autor lässt den vermeintlichen Ehefrauenmörder Coleman mit seiner bizarren Geschichte die Basis für den Fortgang der Handlung schaffen. Garniert wird das Ganze mit mehreren Zeit- und Ortswechseln. Der Autor blendet aus der Gegenwart immer wieder zurück in Colemans Geschichte, sowie parallel – noch völlig autonom - zu einer Gruppe Studenten, die bei einer Höhlenexkursion eine grauenerregende Entdeckung machen. Die nicht ganz Lovecraft-unbeschlagenen Leser wissen anhand diverser Andeutungen - Ray hat merkwürdige Visionen und Träume – hier bereits wie der Hund grundsätzlich weiter läuft.

Es sollte also irgendwie mit den großen Cthulhu zugehen, wenn nicht herauskäme, dass Ray in Sachen Lovecraft und/oder Große Alte irgendwie vorbelastet ist und er sich plötzlich, ganz Robert Langdon-like, in einer Story wieder findet, die er gar nicht mehr unter Kontrolle hat. In diesen Grundzügen erinnert LOVECRAFT LETTERS doch wieder an Hohlbeins DER HEXER und auch ein wenig an Alan Moores PROVIDENCE.

Insgesamt ist LOVECRAFT LETTERS in seinen Grundzügen vorhersehbar, doch absolut professionell, modern und temporeich geschrieben und vor allem mit einer eigenständigen Basis versehen, auf die nun aufgebaut werden kann. Das Gesetz der Serie muss natürlich auch bedient werden, indem einige Handlungsfäden begonnen werden, an die die Folgebände anknüpfen können. Hier merkt man Christian Gailus die (Thriller)Serien-Erfahrung deutlich an; unter anderem hat der Autor für Audible die Thriller-Serie GLASHAUS geschrieben.

Mit einer Titelillustration von Timo Würz ist natürlich auch optisch für die passende Horrorstimmung gesorgt. Ein sehr gelungener Eye-Catcher, dessen Hauptmotiv für die Folgeteile immer etwas variiert wird.

FAZIT
Entgegen vieler anderer Autoren, die oft mehr schlecht als recht versuchen, die besondere Lovecraft-Stimmung zu kopieren, liefert Christian Gailus einen regelrechten Lovecraft-Thriller ab, der neugierig auf die weitere Entwicklung macht.

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Hetzjagd in London: Oscar Wilde & Mycroft Holmes - 05 (Sonderermittler der Krone)

Marc Freund
E-Buch Text: 112 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 12.12.2017
ISBN 9783732544806
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Was haben wir also? Wir haben einen ermordeten Adligen und nicht die Spur einer Spur, richtig? Es existieren keinerlei Hinweise auf irgendwelche Feinde. Jemand kommt daher, öffnet das Dachfenster und schüttet dem Ahnungslosen eine seltsame Substanz ins Badewasser, die ihm binnen kürzester Zeit das Fleisch von den … von den Knochen schält und in der Wanne einen trüben Brei zurücklässt.“

 

STORY
Am selben Abend, als Sir Hamish Urquard einen Empfang mit höchst adligen und höchst prominenten Gästen gegeben hatte, wird er in seinem eigenen Haus das Opfer eines perfiden Mordanschlags. Die einzig brauchbare Spur, die Inspektor James Frobisher gemeinsam mit Sonderermittler Oscar Wilde, verfolgt, ist die Kippe einer exklusiven Zigarette. Schon am nächsten Abend wird Richter Richard Godfrey, im Beisein von Mycroft Holmes, auf seiner eigenen Abendgesellschaft vergiftet. Am Tatort findet sich ein ebensolcher Zigarettenstummel wie bei Urquard, eine Marke, die unter anderem der an beiden Abenden anwesende Thronfolger, Prinz Albert „Bertie“ Eduard, raucht. Holmes weiß zu berichten, dass beide Mordopfer an einem Gerichtsprozess beteiligt waren, der den des Mordes verdächtigen Raymond Prescott ohne stichhaltige Beweise in die Todeszelle gebracht hat. Liegt hier das Motiv für die Morde begründet?

Ein anonymer Informant rückt Bertie in den Fokus der Presse. Zusätzlich zu seinen Verbindungen mit den beiden Morden will man wissen, dass der Thronfolger Verbindungen zu Londons Amüsierviertel unterhält. In der Hoffnung, etwas über den unbekannten Tippgeber und die Quelle seiner Informationen zu erfahren, folgt Wilde dem Reporter Joshua Gardener und gerät damit in Teufels Küche.

 

„Der Schriftsteller und Sonderermittler blickte auf eine scheinbar wahllos angeordnete Folge von mathematischen Formeln und hastig dahingekritzelt wirkenden Zeichen. Er schüttelte den Kopf, sodass ihm sein dunkles, leicht gelocktes Haar bis fast auf die Schultern herabfiel. »So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Ich meine, ich erkenne natürlich einige chemische Zeichen und Begriffe, allerdings erschließt sich mir ihr Sinn überhaupt nicht.«“

 

MEINUNG
Nachdem der Fall „Homunculus“ glimpflich beendet wurde, bietet HETZJAGD IN LONDON einen eher nüchtern gelagerten Kriminalfall ohne phantastische Elemente. Nach dem ersten skurrilen Todesfall im Säurebad, der einem Dr. Phibes zur Ehre gereichen würde, nimmt Oscar Wilde gemeinsam mit dem fähigen Yard-Beamten James Frobisher die Ermittlungen auf. Dass in der engeren Liste der Verdächtigen der englische Thronfolger auftaucht, macht den Fall zu einem heißen Eisen. Um einiges delikater erweist sich jedoch Bertis Verbindung zu Amanda Prescott, die als ehemalige Komplizin des Zirkels der Sieben schon einige Male Oscar Wildes Weg gekreuzt hat. Sehr geschickt baut Autor Marc Freund eine Verbindung zwischen Bertie, Amanda und deren Vater, eben jenem zum Tode verurteilten Raymond Prescott, auf, die weit in die Vergangenheit reicht. Außerdem gibt die „Affäre“ Gelegenheit, einige schöne Charaktermomente unterzubringen und mit den Lesererwartungen zu spielen. Grundsätzlich gefällt Amandas weitere Beteiligung am Geschehen, die sich zwar vom Zirkel der Sieben losgesagt hat aber immer noch auf eigene Rechnung arbeitet, auch wenn zwischen ihr und Wilde mehr als bloße Sympathie besteht.

Natürlich gehen auch die aktuellen Todesfälle wieder auf Konto des Zirkels, der hier, um die Monarchie zu destabilisieren, einen neuen Schergen ins Rennen geschickt hat. Im Rahmen einer ebook-(Romanheft-)Serie wiederholt sich dieses Schema natürlich zwangsläufig, doch versteht sich Marc Freund immerhin auf eine flotte, atmosphärische und treffsichere Inszenierung, was Dialoge und Figurendynamik angeht. Der Titel ist außerdem Programm, denn es werden gleich einige Verfolgungsjagden durch die Gassen Londons geboten. Die finale Hatz endet in einer starken Szene, die Amanda auf Augenhöhe mit Wilde präsentiert.

 

FAZIT
Überzeugend konstruierter Histo-Thriller, der gleichsam von Action- wie von Charaktermomenten lebt.

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Lovecraft Letters - VI

Christian Gailus
E-Buch Text: 138 Seiten
Erschienen bei beBEYOND by Bastei Entertainment, 13.02.2018
ISBN 9783732552573
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Es beginnt mit einem Computerspiel namens Final Battle und setzt sich als Rollenspiel mit Gesellschaftsspiel-Elementen fort. Sinn ist es, eine Invasion aus dem Inneren der Erde zu bekämpfen. In Höhlen und Katakomben lauert eine Welt voll lovecraftscher Ungeheuer, die zur Erdoberfläche drängen, um die Menschheit auszurotten.« Ray registrierte den skeptischen Blick seines Gegenübers und fügte rasch hinzu: »Es handelt sich um keine echte Invasion, Detective. Noch einmal: Es ist ein Spiel. Aber die Teilnehmer nehmen es so ernst, dass sie bereit sind, über Leichen zu gehen.“

 

STORY
Nach seiner halsbrecherischen Flucht aus Lynxworth beschließt Ray Berkeley, im Wohnsitz der Colemans nach Antworten zu suchen. Von einem Einheimischen erfährt er erschreckende Tatsachen über das Haus am Baxter Drive 42 in Seaford. Bereits 1890 soll dort eine Hexe von innen heraus verbrannt sein und bis zum Einzug der Colemans sind dort über 20 weitere Menschen gestorben. Außerdem lässt die Aussage eines Augenzeugen Margarethe Colemans Tod in einem anderen Licht als bisher erscheinen. In einem Tunnel unter dem Coleman-Haus findet Ray Anzeichen, wo die Digger und sonstigen Monster herkommen, die bisher nahezu unentdeckt im Untergrund gelebt hatten. Zurück in Burke weiht er Detective Legrasse in alles ein, was er bisher weiß.

Parallel beschließt der Sicherheitsexperte Traben, das geheimnisvolle Teufelsriff vor Lynxworth, über das Satellitenbilder und Messungen widersprüchliche Ergebnisse liefern, persönlich in Augenschein zu nehmen, um dort mehr über die Digger zu erfahren. Außerdem zeigen die Wesen aus der Tiefe ein auffälliges Interesse am amerikanischen Präsidenten.

 

„Einige dieser Fälle waren von einem belgischen Wissenschaftlerehepaar in den Achtzigerjahren untersucht worden. Ihre Ergebnisse förderten Erschreckendes zutage: Obwohl die von ihnen befragten Patienten über die ganze Welt verstreut waren und sie nachweislich keinen Kontakt untereinander hatten, ähnelten sich ihre wahnhaften Erzählungen in bestimmten Aspekten auf geradezu gespenstische Weise. Sie handelten von unheimlichen Kreaturen mit weißer Haut und gebogenen Krallen, die nachts aus Höhlen und Schächten gekrochen kamen und in Gebüschen auf ihre Opfer lauerten.“


MEINUNG
Mit Episode 6 machen die LOVECRAFT LETTERS nochmals einen deutlichen Schritt Richtung Ziel. Nachdem bereits erklärt wurde, dass Lovecrafts Kreaturen keineswegs reine Fantasiegestalten sind und in der letzten Folge das weltumspannende Spiel eingeführt wurde, das die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt, findet unser Held hier eine Erklärung über die Herkunft der „Monster“. Dazu baut Christian Gailus vermehrt Stellen ein, die weltweit zusammenhängende Aktivitäten aus dem Untergrund erahnen lassen, so dass sich langsam aber unmissverständlich das Bild eines Netzes ergibt, das den kompletten Erdball überspannt.

Zwar kommt Ray bei seinen Nachforschungen in eigener Sache doch deutlich der Zufall zuhilfe, doch ist damit auch die Erzählweise wieder angenehm abwechslungsreich und lebendig gestaltet. Einiges erfährt er selbst nur aus zweiter Hand – Lovecraft hat dieses Stilmittel auch genutzt, um eine Aura des Vagen und Geheimnisvollen zu erzeugen ­­–, anderes erlebt man beispielsweise als (Mit-)„Betrachter“ eines Handyvideos, das Ray in den Tunnel unter dem Coleman-Haus aufgenommen hat.

Anderswo, vor Lynxworth, wird das Teufelsriff genauer unter die Lupe genommen, bei dem es sich natürlich um das Riff aus Lovecrafts SCHATTEN ÜBER INNSMOUTH handelt.

 

FAZIT
Es geht spürbar auf die Zielgerade und bleibt weiterhin mysteriös und spannend.

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Magdas Apokalypse

Chloé Vollmer-Lo , Carole Maurel
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 25.10.2017
ISBN 9783962190262
Genre: Comics

Rezension:

STORY
„Der Weltuntergang findet nicht statt!“ Eine Nachricht, die alle Menschen der Erde in frenetischen Jubel ausbrechen lässt, hat bei der 13jährigen Magda den gegenteiligen Effekt.

Ein Tag vor Magdas 13. Geburtstag wird der Weltuntergang verkündet, der ein Jahr darauf stattfinden soll. Eine Ankündigung, die die Menschen in Magdas Umgebung scheinbar in zwei Lager spaltet. Einmal diejenigen, die alles ausprobieren wollen, wozu sie bislang nie den Mut hatten. Dazu gehört auch ihr Vater, der seine Familie verlässt, um die ihm verbleibende Zeit mit seiner Geliebten zu leben. Zum Zweiten diejenigen, die in dem beginnenden Chaos ihr Leben wie bisher weiterleben so gut es geht, um nicht durchzudrehen. Schon alleine ihre einsetzende Pubertät empfiehlt Magda für die erste Gruppe. Zunächst noch zaghaft, wird Magda bald offensiv abenteuerlustig. Sie verliert ihre Unschuld, wirft ihre gesunde Vorsicht was ihren Umgang angeht über Bord und stößt Freunde und Familie vor den Kopf. Kompromisse ade, Fastenzeit vorbei.

MEINUNG
MAGDAS APOKALYPSE ist in vier Kapitel unterteilt, die sich an den Jahreszeiten dieses angeblich letzten Jahres der Menschheit orientieren. Und mit jedem Kapitel wandelt sich die Geschichte um Magdas Zeitraffer-Erwachsenwerden mehr und mehr zum eindringlichen Drama. Die Ankündigung, dass das Leben bald vorbei ist bringt das Beste und das Schlimmste in den Menschen zum Vorschein; die bisherigen Regeln gelten nicht mehr.

So stößt Autorin Chloé Vollmer-Lo mit MAGSAS APOKAPLYPSE ein Gedankenexperiment an, das noch während der Lektüre im Kopf des Lesers unweigerlich eine ganz persönliche Parallelhandlung lostritt, nämlich die Vorstellung was man selbst in einer solchen Situation tun würde. Dabei muss jeder selbst entscheiden, wie weit er gehen würde. Ob es wichtiger ist sich ohne Rücksicht auf Verluste zu verwirklichen, seine Grenzen auszutesten und dabei auch Erde zu verbrennen oder ob man die Flagge der Zivilisation, der Menschlichkeit und Brüderlichkeit hoch hält. In MAGDAS APOKALYPSE gibt es beide Fraktionen, die Chloé Vollmer-Lo jeweils nachvollziehbar schildert, ohne Partei zu ergreifen oder den moralischen Zeigefinger zu heben.

Gedankenexperimente, bei denen die Menschen keine Folgen für ihre unmoralischen oder gar ungesetzlichen Taten fürchten müssen, gibt es in der Fiktion einige. In MAGDAS APOKALYPSE passiert es allerdings, dass der Weltuntergang ausbleibt aber das Leben nicht wieder auf „Null“ gesetzt wird. Magdas Worte und Taten und auch deren Folgen bleiben bestehen, ihr Gewissen schaltet sich mit aller Macht wieder ein, die Story gipfelt in einem drastischen Finale.

Der Comic ist das Autorendebüt der Fotografin Chloé Vollmer-Lo, die hier mit selbstbewusstem Understatement eine beeindruckend vielschichtige Erzählung abgeliefert hat, die den Leser unaufdringlich fesselt. Der cartoon-hafte Zeichenstil von Carole Maurel beschwört ein wohliges Gefühl herauf, das die immer dramatischer werdende Story zunehmend konterkariert.

„Ohne den Weltuntergang wären mir Jahre geblieben, dich zu lieben. Sanft, ungeschickt, zärtlich. Aber mit genug Zeit, um daran zu glauben.“

FAZIT
Eine einfache Prämisse, die vielschichtige Folgen nach sich zieht. Beeindruckend intensives Comic-Debüt.

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Streamliner. Band 2

Fane , Fane
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 06.12.2017
ISBN 9783962190088
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Es sind noch drei Tage bis zum großen Rennen. Evel O’Neill schwelgt in Erinnerungen an den Krieg und warum er einst diese gottverlassene Parzelle mitten in der Zentralwüste gekauft hat. Auf eben dieser finden währenddessen die Qualifizierungsrennen statt und der ein und andere Teilnehmer findet sich noch ein. So wie Calamity, Rocksängerin und Ex von Billy Joe, die gleich ordentlich in die Saiten haut und am Rennplatz ein Konzert gibt, was noch mehr Fremde anlockt. O‘Neills Tankstelle entwickelt sich mit Riesenschritten zu einem Woodstock der Rennsportbegeisterten (wenn im Jahr 1963 auch 6 Jahre vor „Woodstock“) und auch die Medien wittern schon eine werbewirksame Veranstaltung in Super-Bowl-Dimensionen, die alle Quotenrekorde zu sprengen verspricht.

MEINUNG
Man hätte es kaum für möglich gehalten, doch das von Billy Joe und seinen Red Noses geplante „intime“ Streamliner-Rennen zieht immer weitere Kreise. Für die Ottonormalbürger werden diese Outlaws und dieses Rennen zu einem Symbol des Amerikanischen Traums von Freiheit und Abenteuer. Auf dem Rennplatz herrscht derweil buntes Treiben. Die verschiedenen Parteien beäugen sich mit neugierigem Misstrauen und mit dem Auftauchen seiner Verflossenen Calamity beginnen Billy Joe mehr und mehr die Fäden aus der Hand zu gleiten. Als schließlich ein Fernseh-Zeppelin auftaucht ist klar, dass die Veranstaltung endgültig eine Eigendynamik erreicht hat, die nicht mehr zu bremsen ist.

Die anfänglichen Kriegserinnerungen von Evel O’Neill kontrastieren die ausufernde Jahrmarktstimmung und verdeutlichen endlich, was dem Tankstellenbesitzer dieses verlassene Stück Land bedeutet. Die Handlung gewinnt damit insgesamt an Substanz, doch ohne, dass dies als Spaßverderber wirkt.

Fanes legere Zeichnungen transportieren perfekt die leidenschaftliche und ungezwungene Stimmung, die an und um O’Neills Tanke herrscht. Die Kerle sind megalässig, die weiblichen Rennpiloten ziemlich sexy und die durchgehend warmen und erdigen Farbtöne sorgen für ein großartiges Wohlfühlklima.

FAZIT
Die Turbulenz der Handlung legt noch deutlich zu und das bevorstehende Streamliner-Rennen entwickelt sich zu einem nationalen Großereignis.

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Die Erektion. Band 1

Jim , Lounis Chabane
Fester Einband: 72 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 22.02.2018
ISBN 9783962190248
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Samstagabend, einige Tage vor Weihnachten im Paris: Lea und Florent haben das befreundete Pärchen Andrea und Jean-Fabrice zum Abendessen eingeladen, um in dieser gemütlichen und vertrauten Runde Leas 48. Geburtstag zu feiern. Als Andrea damit herausrückt, dass sie und Jean-Fabrice sich trennen werden, ist der Abend gelaufen. Noch bevor sich das Ex-Paar kurz darauf verabschiedet, bemerkt Lea, dass Florent einen beachtlichen Ständer hat, für den sie zunächst Andrea und deren luftiges Outfit verantwortlich macht. Erst nach einigem Hin und Her beichtet Florent, dass er sich zum Jux und als Geburtstagsüberraschung für Lea eine Viagra eingeworfen hat. Doch statt dass sich der Streit damit in Lachen und Wohlgefallen auflöst und endlich die Privatparty losgeht, die sich Florent erhofft hatte, eskaliert der Streit weiter.

MEINUNG
Mit DIE EREKTION hat Jim (Thierry Terrasson) einen Comic für Erwachsene geschrieben, der mit seinen Dialogen, Wendungen und Entwicklungen Woody Allen zur Ehre gereichen würde. Aus einer vermeintlich harmlosen und sogar witzigen Situation entspinnt sich ein Wortgefecht, das an den Grundfesten von Leas und Florents langjähriger Beziehung rüttelt. Die Argumente reichen von „Was findest du an der blöden Schlampe von Andrea, dass du hier mit einem Dauerständer rumläufst?“ über „Mach ich dich nicht mehr an, dass du chemische Hilfe brauchst?“ bis zum schwerwiegenden Vorwurf des Vertrauensbruchs. Da wirkt dieser als Jux gedachter Fauxpas wie Wasser auf Leas Mühlen, die ihre Jugend und Attraktivität mit Riesenschritten schwinden sieht. Eine erhitzte Situation, in der Florents Argumente überhaupt nicht zu ihr durchdringen, der nichts anderes tun kann, als zu versuchen, sie zu beschwichtigen und die Harmlosigkeit seiner Absicht zu erklären. Dinge, die vermutlich jeder, der in einer Beziehung lebt, in der ein oder anderen Weise und Ausprägung wiedererkennt.

Meisterhaft gelingt es Jim, die Argumente beider Seiten plausibel zu vermitteln und für keinen seiner Charaktere Partei zu ergreifen. Weder steht Lea als hysterische und überempfindliche Zicke da, noch Florent als gefühlloser und notgeiler Spinner. Auch das Umfeld ist fantastisch gestaltet, das indirekt ebenfalls Einfluss auf die Dynamik des Zwiegesprächs hat. Plötzlich spürt Lea förmlich den Spießermief aus den Wänden der gemeinsamen Wohnung dringen, in der vorher Florents Eltern lebten. Und ein Stock über dem streitenden Paar ist eine Eltern-außer-Haus-Party im Gange, bei der schon mal ein Höschen über das Balkongeländer segelt.

So pendelt DIE EREKTION meisterhaft auf einem schmalen Grat zwischen Drama und Komödie. Der Disput erfolgt noch vergleichsweise kultiviert und keine der Figuren und Sichtweisen werden ins Lächerliche gezogen.

Zeichner Lounis Chabane hat bereits Jims HELENA illustriert und überzeugt auch hier mit einem sehr eleganten Strich, der Jims ebensolche Erzählweise perfekt illustriert. Auch die warme Farbgebung sorgt dafür, dass man sich in dem Szenario wohl fühlt. Nicht zu unterschätzen ist außerdem natürlich die Mimik aber auch wie sich die Figuren während ihres Dialogs in der Wohnung bewegen, wie und wo sie stehen oder sitzen, die Non-verbale-Kommunikation. Auch dies hat einen immensen Einfluss auf die Dynamik der jeweiligen Situation und ist von Lounis Chabane brillant umgesetzt.

FAZIT
Ein harmloser Jux entwickelt sich zu einem ausgewachsenen Beziehungsdisput. Elegant gestaltete und fantastisch ausbalancierte Anatomie eines Streitgesprächs.

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Lady Mechanika. Band 1

Joe Benitez , Joe Benitez
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.07.2017
ISBN 9783958395206
Genre: Comics

Rezension:

STORY
1878: Eine angeblich halbmechanische Kreatur macht die Satan’s Alley in Mechanika City unsicher. Eine Meldung, die nicht nur Lady Mechanika, ebenfalls halb Mensch und halb Maschine, auf den Plan ruft, sondern auch den Rüstungsmagnaten Lord Nathaniel Blackpool, der das Wesen und dessen mechanische Modifikationen für Rüstungszwecke studieren will. Gerade noch erkennt Lady Mechanika, dass es sich bei der Kreatur um ein vernunftbegabtes Wesen handelt, das ihr sogar einige Antworten zu ihrer eigenen Vergangenheit liefern könnte, bevor es von einem übereifrigen Jäger Blackpools erschossen wird.

Ein Jahr darauf gelangt ein totes Mädchen, das ebenfalls mechanische Körpermodifikationen aufweist, auf dem Dach eines Zuges nach Mechanika City. Dr. Littleton, der ein Jahr zuvor noch für Lord Blackpool tätig war, wird zufällig Zeuge dieses Ereignisses. Grund genug für Lady Mechanika, den Doktor aufzusuchen. Und tatsächlich stoßen sie, Dr. Littleton und ihr brüderlicher Freund Lewis auf Spuren, die es zu verfolgen lohnt, will Lady Mechanika das Geheimnis ihrer eigenen Herkunft aufdecken.

MEINUNG
Ältere Comicleser werden das Gefühl haben, dass sich mit der Veröffentlichung von LADY MECHANIKA im Splitter Verlag ein Kreis schließt: Der “alte” Splitter-Verlag brachte mit WEAPON ZERO und THE DARKNESS seinerzeit einige Top Cow-Serien nach Deutschland, in denen bereits der Name Joe Benitez auftauchte; nun veröffentlicht der neue Splitter Verlag einen weiteren Benitez-Titel. Doch wo früher, bei Top Cow, oftmals die Optik über den Inhalt gesiegt hat, kann man sich hier beruhigt – oder besser gespannt – zurück lehnen. Denn Joe Benitez bringt hier ganz gepflegt eine Steampunk-Mystery-Story ins Rollen, die zwar mit bekannten Elementen arbeitet aber so flott und flüssig erzählt wird, dass keine Langeweile aufkommt. Die alten Tugenden hat der Künstler natürlich beibehalten, so dass nicht nur die Lady herself ein totaler Hingucker geworden ist. „Mechanika“, wie sie kurz genannt wird, überzeugt als sehr coole und geheimnisumgebene Hauptfigur, lässt aber auch genug Verletzlichkeit erkennen, um beim Leser Sympathie zu erzeugen. Dass die Gute sich nicht an ihre Vergangenheit erinnern kann – Mechanika wurde einst in einem unterirdischen Labor, inmitten von Leichenteilen gefunden -, geschweige denn an die Person, die sie zu einem „Cyborg“ gemacht hat, bringt ein bewährtes Mystery-Element ein und bildet das Herzstück ihrer Motivation, mehr über das tote Halbmädchen herauszufinden. Flankiert wird die kämpferische Lady von dem Gentleman-Doktor Littleton samt vorlautem Töchterlein und ihrem schwulen Vertrauten Lewis. Ein Erfinder, der eine gelungene Mischung von spitzzüngigem Humor, gepflegtem Dandytum und einer Portion Weltschmerz einbringt. Auf der Gegenseite tummeln sich der sinistere Lord Blackpool, der nach seinem ersten Zusammentreffen mit Mechanika ebenfalls technisch aufgerüstet werden musste, Commander Katherine de Winter, mit der Mechanika eine gemeinsame Vergangenheit teilt und der ominöse „Ingenieur“, ein Chirurg der offenbar für die bizarren Umbauten an Menschen verantwortlich ist. Zudem sind Gerüchte über schwarze Magie in Mechanika City in Umlauf.

Personen- und Handlungsmuster sind also nicht gerade neu, doch ist alles dermaßen temporeich, bildstark und mit dem passenden Quäntchen Pathos erzählt, dass man sich gerne darauf einlässt. Und alle, die eine Schwäche für gutgebaute Frauen in Uniform haben, werden sich ebenfalls gut bedient fühlen. Dass Joe Benitez auch der Humor nicht zu kurz kommen lässt, macht LADY MECHNAIKA sogar noch sympathischer.

Das Ende dieses ersten Bandes entlässt den Leser gespannt wie einen Flitzebogen. Das Team „Mechanika“ hat endlich eine vielversprechende Spur und ist um einige Verbündete reicher.

Zeichnerisch fühlt man sich deutlich an die Top Cow-Titel erinnert. Design und Darstellung von Kleidung, Rüstungen und Uniformen sind ausgesprochen detailliert und eine Mischung aus viktorianischer Mode und BDSM-Fetisch-Elementen; Bildhintergründe spielen kaum eine Rolle.

Zusätzlich zu den Nummern 1-5 der Serie enthält der Band noch den Prolog Der Dämon von Satan’s Alley, der die weitere Handlung vorbereitet, ein sehr sympathisches Vorwort von Joe Benitez und zum Abschluss eine Covergalerie, die Mechanika noch mehrmals brillant in Szene zeigt.

FAZIT
Fantastisches Steampunk-Mystery-Action-Abenteuer mit einer überragenden Titelheldin.

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Der Fall Homunculus: Oscar Wilde & Mycroft Holmes - 04 (Sonderermittler der Krone)

Marc Freund
E-Buch Text: 116 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 14.11.2017
ISBN 9783732544790
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Der Zirkel ist in der Lage, künstliche Menschen zu erschaffen. Wir wissen das seit dem Fall des Todesrichters. Diese künstlich gesteuerten Geschöpfe sind in der Lage, wie ein Mensch zu denken und zu handeln. Was sie zudem so gefährlich macht ist die Tatsache, dass sie mit bloßem Auge nicht mehr von echten Menschen zu unterscheiden sind.“


STORY
Eingedenk ihres letzten Abenteuers ist Mycroft Holmes überzeugt, dass der Zirkel der Sieben bald wieder einen oder gar mehrere künstliche Menschen zum Einsatz bringen wird. Als wahrscheinliches Ziel sieht er einen bevorstehenden Kongress in Paris, zu dem die politischen Oberhäupter aller europäischen Länder anreisen werden. Doch zuvor erteilt er Wilde den Auftrag, den jungen Peter Ferguson im geheimen zurück in dessen Heimatdorf zu verfolgen. In der Schreinerwerkstatt von Fergusons Vater, die einst dem verschwundenen Puppenmacher Owen Cuthbrick gehört hatte, hofft Wilde auf Hinweise zum Verbleib des Erbauers der mechanischen Menschen. Holmes ist davon überzeugt, dass nur er es sein kann, der den Zirkel der Sieben – freiwillig oder unter Zwang – mit künstlichen Menschen versorgt. Nach einem bedeutsamen Fund in der Werkstatt reisen Wilde und Ferguson weiter nach Paris, während Holmes in London nur knapp einem Giftanschlag entkommt.


„Wie aufs Stichwort drehte sich der künstliche Mensch zu Wilde um. Sein Gesicht war kaum noch als solches zu erkennen. Es war eine verzogene Grimasse, aus der das linke Auge nutzlos an zwei Drähten herunterbaumelte. Oberhalb der Augenbrauen war die Stirn aufgerissen, und an der Stelle, an der sich normalerweise das Gehirn hätte befinden müssen, lugten die nach kaum erkennbaren Gesetzen der Physik verknüpften feinen Kupferdrähte hervor.“


MEINUNG
Natürlich bleiben Oscar Wilde und Peter Ferguson in Paris nicht lange unentdeckt. Ihr Quartier wird durchsucht und sie müssen sich bald gegen einen der antiken Terminatoren wehren, dessen Spur sie weiter ins Kloster Saint D’Auvril verfolgen, wo der politischen Kongress stattfinden soll. Die dortigen Ereignisse lassen vermuten, dass dort bereits eine ganze Truppe von Homunculi auf ihren Einsatz wartet. Dies wurde von Marc Freund gewohnt actionreich inszeniert und als wäre der Kampf gegen die künstlichen Menschen, den Wilde sehr einfallsreich für sich entscheidet, nicht genug, tritt auch die rätselhafte Amanda indirekt wieder in die Handlung ein. Eine gelungene Figur, von der man immer noch nicht weiß, auf welcher Seite sie (gerade) steht und gegen deren weibliche Reize Wilde alles andere als gefeit ist.

In London ist Mycroft Holmes derweil empfindlich mitgenommen und beinahe zur Untätigkeit verdammt. In einem fremden Haus gefangen kann er sich nicht sicher sein, ob er sich möglicherweise gerade in den Händen seiner Feinde befindet und wem er noch trauen kann. Besonders nachdem eine der sonst noch anwesende Personen sich als der Todesrichter des Zirkels der Sieben zu erkennen gibt (siehe WILDE & HOLMES ebook 3, DER TODESRICHTER). So ist es schon die Regel, dass in der Serie zwei Handlungsstränge bedient werden, da die beiden Titelhelden nur selten gemeinsam agieren. Immerhin wird auch Mycroft Holmes aus seiner Komfortzone gezwungen, da der Zirkel der Sieben bereit sein allernächstes Umfeld infiltriert hat.

Nachdem die Episoden 2-4 nahtlos aneinander angeschlossen haben, erfolgt hier ein zumindest vorläufiger Abschluss, der den Helden etwas Ruhe verspricht. Was nicht heißt, dass nicht noch genügend Fäden vorhanden sind, um die Handlung weiter zu spinnen.

Die ganze Thematik um die künstlichen Menschen spielt auch in den Hörspielen der Serie eine Rolle (siehe WILDE & HOLMES Hörspiel 4, TOD DER KÖNIGIN), wobei dort ein Anderer als Schöpfer der antiken Terminatoren in Erscheinung tritt.


FAZIT
Der Kampf gegen die künstlichen Menschen bietet einen vorläufigen Höhepunkt der historischen Mystery-Serie.

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Rückkehr nach Belzagor. Band 1

Robert Silverberg , Philippe Thirault , Laura Zuccheri
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 06.12.2017
ISBN 9783962190156
Genre: Comics

Rezension:

STORY
In den Zeiten der Kolonisierung durch die Erde, war der Planet Belzagor unter dem Namen Terra Holman bekannt. Als man erkannte, dass mindestens zwei der einheimischen Spezies, die elefantenähnlichen Nildoror und die menschenartigen Sulidoror, als intelligent einzustufen sind, wurde die Kolonisierung gestoppt und der Planet wieder seinen ursprünglichen Bewohnern überlassen. Vereinzelt leben noch Menschen in den mehr oder weniger heruntergekommenen Gebäuden aus der Kolonisierungszeit. 10 Jahre nachdem der Planet „aufgegeben“ wurde kommt das Ethnologenpaar Dorothy und Ray Wingate nach Bezagor, um das „Ritual der Wiedergeburt“ der Nildoror zu dokumentieren, das für Außenstehende streng verboten ist. Begleitet werden sie von Edmund „Eddy“ Gunderson, der einst als Soldat auf Belzagor stationiert war. Seine Kontakte und sein Wissen um Land und Gepflogenheiten der Einheimischen sollen es den beiden ermöglichen, in das Gebiet der Nildoror vorzudringen und das verbotene Ritual zu beobachten. Doch die Nildoror fordern eine Gegenleistung für diesen Gefallen. So holt Gunderson seine Vergangenheit und seine Erinnerung auf unangenehme Weise wieder ein.


MEINUNG
Mit RÜCKKEHR NACH BELZAGOR liegt die Adaption des beinahe philosophisch-religiösen Romans DIE MYSTERIEN VON BELZAGOR (OT: DOWNWARD TO THE EARTH) von Robert Silverberg vor, der gerne als SF-Variante von Joseph Conrads HERZ DER FINSTERNIS bezeichnet wird. Mit dieser Ausrichtung ist die Erzählung ganz eindeutig ein Kind ihrer Zeit, nämlich der ausgehenden 1960er Jahre, was sich auch in einigen andere Motiven der Geschichte niederschlägt, wie etwa die ganz selbstverständlich gelebte sexuelle Freiheit, die Ablehnung bzw. die Verrohung des Establishments und Experimente mit bewusstseinsverändernden Drogen. Dies wird auch optisch irre gut aufgefangen und spiegelt sich im Retro-Future-Design von Kleidung, Gebäuden und Raumschiffen. Als Rahmen dient eine ganz und gar fantastisch-exotische Fauna und Flora, die die Künstlerin Laura Zucceri (DIE GLÄSERNEN SCHWERTER) fast schon schwelgerisch umgesetzt hat und die ebenso der Fantasie Richard Corbens entsprungen sein könnte. Surreale Höhepunkte inklusive.

Die Geschichte von Eddy Gunderson dagegen ist zeitlos. Ein Mann wird gedrängt, sich mit seiner Vergangenheit zu beschäftigen, die er gerne hinter sich lassen würde. Nicht alles war schlecht damals aber einiges hat ihn nachhaltig entsetzt und geprägt, was er gerne vergessen würde. Nun wird er erneut in diese unbequeme und angsteinflößende Position gezwungen. Ohne übereilt zu wirken ist die Story konsequent auf das Ziel hin ausgerichtet, das das geheimnisvolle religiöse Ritual der Nildoror darstellt. Man ahnt schon, ohne dass dies explizit angedeutet wird, dass der Ritus auch für Eddy Gunderson eine ganz spezielle Bedeutung erlangen wird. Dass die Figur moralisch nicht ganz hasenrein ist und ihre Vergangenheit erst nach und nach aufgedeckt wird, sorgt für zusätzlichen Reiz.


FAZIT
Philosophische SF mit moralischen Grauzonen in grandios-exotischen Bildern.

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Die Ausgestossenen von Orion. Band 1

Eric Corbeyran , Jorge Miguel
Fester Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 06.12.2017
ISBN 9783962190170
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Der Planet Orion-XB12577 in einer fernen Zukunft: Korhen von der Kriegerkaste wird in eine Falle der Geistlichen gelockt, verurteilt und damit zu einem Ausgestoßenen. In der Gefangenschaft lernt der Krieger die Künstlerin Tryana kennen, die ihm von einer seltsamen Beobachtung erzählt. Angeblich hat sie gesehen, wie ein blonder Mann in einem fliegenden Wagen vom Himmel kam und mit einer Gruppe Priester davon geritten ist. Der Fremde hatte eine Strahlenwaffe bei sich, die in der Lege ist, Lebewesen verschwinden zu lassen und die er bei den Priestern gegen Mondeisen eintauschen will. Korhen und Tryana gelingt die Flucht und auf ihrem Weg sehen sie den Fremden wieder, bevor sie unfreiwillig getrennt werden. Während Tryana in die Sklaverei verkauft wird, landet Korhen bei einer Piratenbande, die einen ungewöhnlichen Gast beherbergt. Eine Frau, ebenso blond und ebenso gekleidet wie der seltsame Fremde. Sie kennt den Mann sogar und wurde geschickt, ihn zu finden und aufzuhalten. Gemeinsam mit Korhen macht sie sich an die Verfolgung des Blonden.


MEINUNG
Erst am Ende dieses ersten Bandes erfolgt eine Erklärung, warum in dieser fernen Zukunft mittelalterliche Zustände herrschen. Bereits Generationen zuvor haben die Menschen von der Erde fremde Planeten besiedelt. Auf Orion-XB12577 haben die Menschen ihre Herkunft vergessen und auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind offenbar verschütt gegangen. So befindet man sich dort auf einer Welt, deren Entwicklungsstand dem irdischen Mittelalter entspricht und die zusätzlich von einigen exotischen Kreaturen bewohnt wird, so dass man im Grunde eine Fantasy-Welt vor sich hat, die bestens für ein Sword & Sorcery-Abenteuer geeignet ist. Die Magie wird hier durch das SF-Element ersetzt, ansonsten könnte man Korhen auch gut durch Conan ersetzen. Auch dass Korhen eher zufällig in dieses Abenteuer stolpert, die Flucht aus der Gefangenschaft und die verschiedenen Stationen des Helden (Schaustellertruppe, Sklaverei, Piraten) könnten gut aus den Abenteuern des Cimmeriers stammen, ebenso wie seine weibliche Begleitung, die durchaus auf Augenhöhe des Helden agiert. Fans von Heroic Fantasy werden auf jeden Fall bestens bedient, der Pulp-Charakter tut ein Übriges, DIE AUSSGESTOSSENEN VON ORION sehr sympathisch zu machen.

Die Geschichte adaptiert den Roman LA CROIX DES DÉCASTÉS von Julia Verlanger (Pseudonym der 1985 verstorbenen Éliane Taïeb), der offenbar nie auf Deutsch erschienen ist. Immerhin wird dies jetzt für die Comicadaption von Éric Corbeyran (DOPPELGÄNGER, ELFEN, BADLANDS, ASASSIN’S CREED) nachgeholt.

Die Zeichnungen von Jorge Miguel (ALS DIE ZOMBIES DIE WELT AUFFRASSEN) wirken zum Thema passend wenig subtil und ohne viel Schnickschnack. Besonders gefallen die Wrackteile verschiedener Raumschiffe, die überall über das Land verteilt sind und die von der mittelalterlichen Kultur nicht als solche erkannt werden. Nur Mimik und Gestik der Figuren sind stellenweise übertrieben dargestellt.


FAZIT
Obwohl in einer zukünftigen SF-Welt angesiedelt, bietet die Story ein klassisches Heroic Fantasy-Abenteuer mit Pulp-Charakter.

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