Elmar Huber

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ian rolf hill, john sinclair, horror, bastei verlag

John Sinclair - Folge 1984: Der Schrecken aus der Tiefe

Ian Rolf Hill
E-Buch Text: 100 Seiten
Erschienen bei Bastei Entertainment, 19.07.2016
ISBN 9783732533831
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Der Mond spiegelte sich als zitternde Reflexion in seinen großen, dunklen Augen. Die Nacht war hereingebrochen. Das Wasser des Sees umschloss seinen Leib mit undurchdringlicher Schwärze. Nur weiter oben bekam es durch das Licht des Erdtrabanten einen silbrigen Schein. Doch es war etwas Anderes, was das Ungeheuer innerlich frohlocken ließ. Es waren die Stimmen und das Gelächter ausgelassener Menschen. Menschen, die beim flackenden Schein eines Lagerfeuers am Ufer des Sees zusammensaßen. Das Ungeheuer öffnete das Maul und ein blubberndes Grollen drang aus seinem gierigen Schlund. Geschmeidig glitt es an die Oberfläche.“

STORY
Entgegen der ausdrücklichen Warnungen der Einheimischen campieren die Londoner Studenten Sandra, Carl, Frank und Bernie am Ufer des idyllischen und versteckt gelegenen Badesees nahe des schottischen Dörfchens Killin. Doch in der Nacht steigt Etwas aus dem See und tötet Frank und Bernie. Sandra verliert darüber den Verstand und verschwindet in den Wald. Carl, der sich retten konnte, beschließt, seinen Kommilitonen, den „affektierten Spinner“ und „Grusel-Geek“ Johnny Conolly anzurufen, der in dem Ruf steht, schon des Öfteren dem Übernatürlichen gegenüber gestanden zu haben. So erfahren John Sinclair und Suko von dem Fall und machen sich eilends auf den Weg nach Killin.

„Die Soldaten ergriffen den Mann, der aber nur lachte und sich im Griff der Männer in das schreckliche Ungeheuer verwandelte. Es kostete viele das Leben, doch mit Äxten und versilberten Pfeilen konnten sie das Biest in Schach halten. Zum Glück verstand der Bischof etwas von Dämonologie und der heiligen Inquisition. Er war auch als Exorzist tätig. Und so kannte er Bannsprüche und die entsprechenden Symbole, mit denen der Satan gebändigt werden konnte. Nur töten konnten sie das Untier nicht, das in eine tiefe Senke floh. Dort umstellten die Männer das Ungeheuer und banden es mit einer silbernen Kette fest. Der Bischof brachte rund um die Senke Kreuze und Symbole an, die das Monster bannten. Danach leiteten sie einen Teil des River Dorchart um und fluteten die Senke.“

MEINING
Die Einheimischen, die den geheimnisvollen Stausee bei Anbruch der Dämmerung fluchtartig verlassen, die rätselhaften Bannsymbole im umliegenden Wald, eine alte Legende und die Dorfgemeinschaft, die das Geheimnis des Sees hütet. Mit DER SCHRECKEN AUS DER TIEFE hat Ian Rolf Hill wieder ein schönes Monster-der-Woche-Abenteuer für John Sinclair und seinen Partner Suko in bester GESPENSTER-KRIMI-Tradition verfasst. Soll heißen, weder das Rezept noch die Zutaten sind besonders neu, doch kann man damit auch kaum etwas falsch machen. Zu begrüßen ist auch, dass den Nebenfiguren mehr sind als nur das obligatorische Kanonenfutter, und dem Roman auch ein Quäntchen Romantik verleihen. Doch keine Sorge, noch sind wir bei JOHN SINCLAIR und nicht bei CORA MYSTERY. Seine hauptsächliche Spannung bezieht der Roman noch nicht einmal aus den blutigen Monsterattacken – die geschehen nur zu Anfang und am Ende – sondern aus der Tatsache, dass die Dorfbewohner, allen voran der Bürgermeister, alles daran setzen, das Geheimnis des Sees zu wahren. Auch mit der Gewissheit, dass es nach den jüngsten Ereignissen nur eine Frage der Zeit ist, bis das Monster stark genug ist, den Bannkreis um den See zu verlassen. Dabei ist das Dorfoberhaupt kein gewissenloser Killer, sondern zwischen „Pflicht“ und Hoffnung auf Rettung hin und her gerissen.

Ohne den schier unüberschaubaren sinclair‘schen Gegner-Pantheon im Hintergrund präsnetiert sich DER SCHRECKEN IN DER TIEFE angenehm altmodisch und ballastfrei. So wird dem Monster am Ende auch ganz in Old-School-Manier die Hölle heiß gemacht.

FAZIT
Souverän verfasster Monster-der-Woche-Schocker. Gut ausbalanciert und auch für Gelegenheitsleser bestens geeignet.

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Tags: bastei verlag, horror, ian rolf hill, john sinclair   (4)
 

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toby litt, dc vertigo, horror, mystery, mark buckingham

Dead Boy Detectives

Toby Litt , Mark Buckingham , Gary Erskine , Mark Buckingham
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Panini, 13.10.2014
ISBN 9783957981127
Genre: Comics

Rezension:

Die Lumpenschule
Mitten in den Ermittlungen zum Fall der verschwundenen Katze Twinkle werden die „Dead Boy Detectives“, Charles Rowland (gestorben 1916) und Edwin Paine (gestorben 1990), vom Geist des Schulleiters Locke in die Lumpenschule auf der Isle of Dogs entführt, wo Locke seit 1844 ununterbrochen Unterricht hält. Und wer nicht aufpasst oder versucht zu fliehen, der macht Bekanntschaft mit Lockes hungrigen Hunden.

Die Ängste von Schuljungen (#1-4)
Charles und Edwin observieren einen als Kunstraub inszeniertes Event des Künstlerpaares Maddy Surname und Seth von Hovercraft. Im Schutz dieser Aktion schlagen echte Diebe zu. Es gelingt den Geisterdetektiven, den Raub zu vereiteln und dazu noch Crystal Palace, der Tochter des Künstlerpaares, das Leben zu retten mit dem Nebeneffekt, dass Crystal die beiden toten Jungen nun sehen kann. Sie beschließt, nach St. Hilarion‘s zu gehen, die Schule, in der Charles und Edwin getötet wurden. Aus Sorge um Crystal, und weil Charles sich in das Mädchen verliebt hat, folgen ihr die Detektive nach St. Hilarion’s, wo sich seit ihrer eigenen Schulzeit offenbar nichts verändert hat. Gemeinsam mit Crystal finden sie heraus, dass in der Einrichtung ein Schüleraustausch der besonderen Art im Gange ist. Und auch die Rowdies, die für Edwins Tod verantwortlich sind, sind noch auf der Schule – ebenfalls als Geister.

Das Haus auf halbem Wege (#5+6)
Nachdem die Detektive ihr neues Heim, ein Baumhaus im Garten der Surname von Hovercrafts, bezogen haben, wird Edwin auf ein heruntergekommenes Haus in der Nähe aufmerksam. Von Neugier gepackt sieht er sich dort um und trifft auf die junge Beatrice, in deren Zimmer die Schwerkraft aufgehoben zu sein scheint, sowie auf ihre treue Dienerin Persephone, die halb in einem afrikanischen Spiegel gefangen ist. Edwin verspricht Beatrice zu helfen, doch dafür benötigen die Detektive selbst Unterstützung.

MEINUNG
Ihre Karriere begannen die „Dead Boy Detectives“ als Nebenfiguren in Neil Gaimans SANDMAN (im Band DIE ZEIT DES NEBELS), ein erstes Wiedersehen gab es im Vertigo-Crossover DER KINDERKREUZZUG. Es folgten Auftritte in DIE BÜCHER DER MAGIE und diversen Vertigo-Annuals und -Miniserien, bevor Charles und Edwin 2014 ihre eigene, fortlaufende Serie erhielten. Man kann die beiden Geisterdetektive also durchaus als „Vertigo“-Veteranen der ersten Stunden bezeichnen, als Gaiman & Co das Label mit ihren neuartigen Märchen für Erwachsene (SANDMAN, DIE BÜCHER DER MAGIE) definiert haben. Nicht selten wurden damals Figuren zwischen den Serien und Miniserien hin- und her getauscht und alles schien in seiner eigenen, absonderlichen Logik stimmig zu sein, so dass der Eindruck eines phantastischen Konglomerats, quer durch Zeiten und (T)Räume entstand. Und auch die Serie von Toby Litt vermittelt den Eindruck, ein Teil dieses Gemenges zu sein. Die skurrilen Ideen, die sich hier finden, könnten genauso gut aus der ersten Generation von Vertigo-Heften stammen. Auf beinahe jeder Seite finden sich neue Ideen und Wendungen, Überraschungen in Form und Inhalt, die man nie kommen sieht. Und stets pflegt Toby Litt auf der ersten Ebene den naiven Tonfall, den tapsigen Humor und die wilden Gedankensprünge, die die Kindlichkeit seine Hauptfiguren wiederspiegeln. Freilich gibt es noch eine zweite, dunklere Ebene. Natürlich sorgen auch die Bilder von SANDMAN- und FABLES-Zeichner Mark Buckingham für das angenehm zeitlose Look-and-Feel. Damit stellt DEAD BOY DETECTIVES einen angenehmen Anachronismus in der zeitgenössischen Comiclandschaft dar, vor allem da viele Vertigo-Veteranen (CONSTANTINE, SWAMP THING) mit „New 52“ ins reguläre DC-Universum eingegliedert wurden.

Das vorliegende erste Paperback enthält die Bände 1-6 der regulären Serie, sowie die dreiteilige Kurzgeschichte DIE LUMPENSCHULE aus den Vertigo-Anthologien GHOSTS #1, TIME-WARP #1 und THE WITCHING HOUR #1.

FAZIT
Toller Auftakt der eigenen DEAD BOY DETECTIVES-Serie. Eine unbedingte Empfehlung für alle Vertigo-Fans der ersten Stunde.

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Tags: dc comics, dc vertigo, horror, mark buckingham, mystery, paninicomics, toby litt   (7)
 

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horror, grusel, voodoo press, haunted house, geister

Haunted

Bentley Little , Verena Hacker
Buch: 300 Seiten
Erschienen bei Voodoo Press, 01.01.2013
ISBN 9783902802552
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Seit dem ersten Tag, als sie in dieses Haus gezogen waren, hatte sie den Keller gruselig gefunden. Das meiste war wahrscheinlich kulturelle Akkumulation: diese ganzen Horrorfilme über Monster, die in Kellern hausten, diese ganzen Nachrichten über alte Damen die ihre Mieter umbrachten und die Leichen im Keller vergruben, oder diese geistesgestörten Männer, die ihre eigenen Töchter schwängerten und sie jahrelang angekettet unter ihren Häusern hielten.“

STORY
Schon kurz nach dem Einzug in ihr neues Heim, entwickeln die Mitglieder der Familie Perry unabhängig voneinander eine Abneigung gegen den kleinen Keller, der sich unter der Küche befindet.

Albträume, Sexuell-bedrohliche SMS, Gegenstände, die plötzlich woanders stehen, etc pp. sowie die ablehnende Haltung der Nachbarn, die plötzlich doch – von Neugier getrieben – bei der verspäteten Einweihungsparty auftauchen, verheißen nichts Gutes. An einen erneuten Umzug ist aufgrund der finanziellen Lage der Perrys nicht zu denken. So bleibt Julian Perry nichts Anderes übrig, als sich der Präsenz zu stellen.

„Das ist ja das Seltsame. Es war nicht leer. Das Ehepaar war zu Hause. […] Die Tür war nicht abgeschlossen … Er hat ein Fenster zerbrochen. … Ich kann mich nicht genau erinnern, wie er hineingekommen ist. Aber die Gentrys sind nicht wach geworden, und er ist einfach in den Keller hinuntergegangen und … gestorben. […] Er hat seine ganzen Klamotten ausgezogen, sich in eine Ecke gesetzt, und als sie ihn am Morgen gefunden haben, war er tot. […] Es war, als wäre er in dieser Nacht gestorben und aus irgendeinem Grund wollte er in Ihrem Keller sterben.“

MEINUNG
Da muss ein Autor schon einen ausgereiften Plan in der Tasche oder eine wirklich frische Idee in der Schublade haben, um im Jahr 2011 mit einem ernsthaften Haunted-House-Gruselroman anzukommen. Was nun Bentley Little geritten hat, diesen Beitrag zu dem bereits reich beackerten Genre zu liefern, steht in den Sternen, denn von beidem ist hier weit und breit nichts zu spüren. Viel eher hat man das Gefühl, alles schon mal gelesen oder gesehen zu haben. Weder gibt es Ausreißer im Figurenarsenal, noch in den Situationen, die hier herbei geschrieben sind. Alles Durschnitt, alles Standard, alles gepflegte Langeweile. Der vermutlich als schleichend gedachte Spannungsaufbau wird realisiert, indem nach und nach alle alten und löchrigen Fetzen aus der Genre-Mottenkiste geholt werden. Und dass der Einfluss des Bösen zu sexueller Zügellosigkeit und schmutzigen Bett-Spielchen reizt, über die sich das Ehepaar Perry im post-koitalen Innehalten selbst schämt, das geht vielleicht 2011, doch so neu ist das nun auch nicht. Eddie Lee baut ganze Romane darauf auf.

Doch dies ist nur ein Punkt von Littles Checkliste, der abgehakt und wieder fallen gelassen wird. Stattdessen reiht der Autor immer weiter die No-Gos ernstzunehmender Horrorliteratur aus seiner Ramschkiste und reiht sie ohne erkennbare Steigerung oder Entwicklung willkürlich aneinander.

Die Geistesblitze, dass ein Geist oder Dämon SMS verschickt, Nachrichten auf dem Computerbildschirm erscheinen lassen kann oder der Tochter des Hauses unter den Rock kucken will, könnte aus dem übelsten Groschenroman respektive C-Movie stammen. Ebenso nimmt die Präsenz verschiedene Formen an, wie sie gerade lustig ist, mal als bedrohlich grinsender Mann im Schatten, mal als unförmiger dunkler Nebel, mal begnügt sie sich mit dem Verstecken von Wäschekörbe oder dem anhören von Dads alten Platten. Alles willkürlich und motivationslos. Die Krönung der peinlichen Ideen ist tatsächlich ein Gesicht, das Claire Perry in den Kalkflecken der Kloschüssel zu sehen glaubt und das sich nicht weg zu putzen lässt. Echt jetzt, Mr. Little?

Normalerweise kommt wenigstens Spannung auf, wenn die Historie eines verfluchten Objekts ergründet wird. Diesen Aspekt gibt es zwar, doch bleibt er ohne Verbindung in die Gegenwart.

Ganz passend ist das Finale dermaßen schwammig und hirnrissig, dass sich wenigstens ein komplett stimmiges Bild der Überflüssigkeit ergibt.

Ein Gutes hat der Roman immerhin. Bentley Littles Schreibe ist derart flüssig, dass sich das Ganze grade so weg liest. Ne, sorry, zwei gute Sachen gibt es. Das Covermotiv von Michael Schubert ist auch ziemlich klasse und sehr schön bedrohlich geraten. Ein echter Blickfang.

FAZIT
Willkürlich und wirkungslos aneinander gepappte Haunted-House-Versatzstücke. So ausgelutscht wie nur etwas. Originell sieht anders aus.

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Tags: bentley little, haunted house, horror, voodoo press   (4)
 

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rodolphe, splitter verlag, mystery, abenteuer, science fiction

Amazonia. Band 1

Leo , Rodolphe , Bertrand Marchal
Fester Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.07.2017
ISBN 9783958395503
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Amazonas, 1949, etwa 100 Kilometer von der Hauptstadt Manaus entfernt. Auf der Krankenstation, die Pater Laughton mitten im Dschungel betreibt, taucht gemeinsam mit einem im Sterben liegenden Journalisten ein seltsames Foto auf. Kaum hat Laughton das Bild dem englischen Botschafter übergeben, befindet sich die englische Regierung sowie eine Gruppe aus Deutschland geflohener Nazis in höchster Alarmbereitschaft. Im Auftrag der englischen Regierung reist Kathy Austin nach Brasilien, um festzustellen, ob das Bild tatsächlich einen Außerirdischen zeigt, der bei den feindseligen Yanomani-Indianern mitten im Amazonasgebiet lebt.

MEINUNG
Nachdem schon NAMIBIA komplett im Splitter Verlag erschienen ist (nach Ankündigung bei Leos ehemaligem „Stammverlag“ Epsilon), folgt dort nun mit AMAZONIA auch Leos dritter KENYA-Zyklus. Aufgezogen ist AMAZONIA wie ein Agententhriller und lange Zeit bleibt für den Leser im Dunkeln, was auf dem ominösen Bild zu sehen ist, für das offenbar schon ein Mensch sterben musste und das so viele Menschen in fieberhafte Aufregung versetzt.

Statt dessen werden in diesem Band 1 die Figuren vorgestellt und gekonnt positioniert, allen voran die Hauptfigur Kathy Austin, die erst einmal einem Verkupplungsversuch ihrer Eltern entkommen muss. Es geht also auch nicht ohne Humor ab. Doch täuscht dies nicht über die Gefährlichkeit des Auftrags hinweg, der sich zuerst einmal aus dem fremden zivilisationsfeindlichen Gebiet ergibt, in das Kathy,auf sich alleine gestellt, zu reisen gezwungen ist. Des Weiteren geht auch von den Deutschen eine unterschwellige Gefahr aus, die sich ebenfalls auf den Weg zur Quelle des Fotos machen. Und es besteht kein Zweifel, dass sie über Leichen gehen, sollte sich ihnen jemand in den Weg stellen.

Ansonsten lebt AMAZONIA 1 von seinem Abenteuer- und Mysteryflair, denn einige Panels und Gespräche deuten an, dass das fremdartige Wesen, das auf dem Foto zu sehen ist, für einige Personen kein ganz Unbekannter ist. Von der fremdartigen Umgebung des Amazonas einmal ganz abgesehen, die 1949 lange nicht so erforscht war, wie das heute der Fall ist. So hat man hier das Gefühl, eine Ruhe vor dem Sturm zu erleben. Unter der glatten Oberfläche beginnt es bereits leise zu köcheln. Gut strukturiert und trotz mehrerer Parallelhandlungen nicht überladen.

Der Künstler Bertrand Marchal (KENYA, NAMIBIA) ist weniger der Ligne claire verpflichtet, so dass die Zeichnungen deutlich lebendiger wirken als z.B. Leos eigene Bilder (z.B. im ALDEBARAN-Zyklus) und z.B. an Ronald Putzkers ANNA STEIN erinnern.

FAZIT
AMAZONIA beginnt langsam aber um so eindringlicher und hat schon gleich einen fesselnden Mystery- und Abenteuerfaktor im Gepäck.

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Tags: abenteuer, leo, mystery, rodolphe, science fiction, splitter verlag, thriller   (7)
 

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dominique monféry, splitter verlag, horror, action, thriller

Evil Road

Dominique Monféry , Dominique Monféry
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.07.2017
ISBN 9783958395442
Genre: Comics

Rezension:

STORY
Als im See nahe der Autowerkstatt der Zwillingsbrüder Helis und Helias zufällig ein Ford-T-Modell (setzte Dominic Monféry schon in TIN LIZZIE liebevoll in Szene) entdeckt wird, bergen sie das Autowrack und machen es sich zur Aufgabe, den Oldtimer wieder in einen ansehnlichen und fahrtüchtigen Zustand zu bringen. Gesagt, getan. Die Belohnung für die Mühen ist schließlich eine Überlandfahrt von der amerikanischen Westküste quer durchs Land nach New York. Doch schon die erste Pinkelpause, für dich sich Helis den Schatten eines der Wüste überlassenen Ward Lafrance G116-Abschleppwagens am Straßenrand ausgesucht hat, erweist sich als fatal. Denn der Abschleppwagen war nicht verlassen und der Fahrer schätzt es überhaupt nicht, „angepinkelt“ zu werden. Eine gnadenlose Verfolgungsjagd beginnt und der Oldtimer der beiden Rentner hat dem stählernen Ungeheuer kaum etwas entgegen zu setzen. Nach mehreren lebensgefährlichen Situationen beschließen die Brüder mit dem Mut der Verzweiflung, den Spieß umzudrehen.

MEINUNG
Fast könnte man meinen, mit EVIL ROAD eine Comic-Adaption von Steven Spielbergs Frühwerk DUELL oder dem ganz ordentlichen Highway-Reißer JOYRIDE in den Händen zu halten. Den meisten Vertretern dieses Sub-Genres ist der Umstand gemein, dass trotz des grundsätzlich weitläufigen Umfeldes stets eine klaustrophobische Atmosphäre der Bedrohung aufgebaut wird. Denn die Ungleichheit der Konkurrenten ist augenfällig und vermeintliche Sicherheit rechts und links des Highways ist bestenfalls trügerisch. Das bemerken auch Helis und Helias, die sich unversehens in eine Senke voller Treibsand geraten und ausgerechnet von dem Abschleppwagenfahrer gerettet werden, der noch einen Plan mit ihnen hat. Was folgt, bedient sich aus dem Standardrepertoire des Genres, außer natürlich, dass die Protagonisten zwei schon stark betagte Grantler vor dem Herrn sind, was natürlich zu der ein und anderen komödiantischen Einlage führt. Doch wird die Gefahr, die von dem gesichtslosen Verfolger ausgeht, dadurch nicht abgemildert. Der Höhepunkt ist, als die beiden Ü60er entdecken müssen, dass sie keineswegs die ersten und einzigen Opfer des vermeintlich wahnsinnigen Abschleppwagenfahrers sind. Am Ende schließt Autor und Zeichner Dominique Monféry den irrwitzigen Road Trip mit einer kleinen Überraschung ab, die die Geschichte insgesamt rund macht.

Was Bildkomposition, Perspektiven und den Einsatz von Licht und Schatten angeht, ist EVIL ROAD erste Sahne und man merkt, dass Dominique Monféry ein ehemaliger Disney-Mitarbeiter ist, wo er als Trickfilmzeichner/Animator zuerst an DUCK TALES und später an großen Kinofilmen (DER GLÖCKNER VON NOTRE-DAME, HERKULES, TARZAN) beteiligt war.

Die Farbgebung und die harten, tiefschwarzen Schatten erinnern außerdem frappierend an den dieses Jahr verstorbenen Künstler Bernie Wrightson (SWAMP THING, FREAKSHOW), was ebenfalls sehr schön zur Stimmung des Bandes passt.

FAZIT
Unterhaltsam-irrwitziger Ü60-Road-Trip des Terrors. Steven Spielbergs DUELL lässt grüßen.

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Tags: action, dominique monféry, horror, splitter verlag, thriller   (5)
 

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kurzgeschichten, horror, andreas zwengel, science fiction, action

Phantastische Storys 06: Bio Punke'd: Erzählungen

Andreas Zwengel
E-Buch Text
Erschienen bei BLITZ-Verlag, 01.04.2016
ISBN 9783957196064
Genre: Sonstiges

Rezension:

„In den ersten Stunden waren sie ziemlich bedrückt von den Ereignissen, aber den Fluch wollte natürlich niemand ernst nehmen. Polaski machte schließlich den ersten Scherz darüber und brach damit den Damm. Sie begannen zu scherzen, erfanden eigene Flüche und belegten sich gegenseitig damit. Die Anspannung fiel von ihnen ab und nach zwei Tagen war das Thema schon fast vergessen. Dann begann das Sterben.“
(Bedrohte Art)

So gut wie tot
Nach dem Bankraub gelingt es den Outlaws, sich auf ihrer Flucht nach und nach ihrer Verfolger komplett zu entledigen. Auf ihrem Weg zur mexikanischen Grenze gönnen sich die Männer eine Rast und etwas Spaß auf einer Farm, wo ein Ehepaar mit seinen beiden Töchtern lebt. Doch in der Nacht tauchen ihre Verfolger vor der Hütte auf, besessen von indianischen Geistern, die von den toten, zerschossenen Leibern Besitz ergriffen haben. Und die Wiedergänger bieten den Banditen einen Deal an. Vier neue, unversehrte Körper bis zum Morgengrauen, ansonsten müssen alle im Farmhaus sterben.

Invasion
Der Kurator hatte wahrlich sein Bestes gegeben für die kurz bevorstehende Ausstellungeröffnung, doch der Museumsdirektor hält mit seiner Meinung immer noch hinter dem Berg. Dabei waren hier nur die besten Beispiele erfolgloser außerirdischer Invasionsversuche ausgestellt. Die Fehler ihrer Vorgänger, aus denen sie gelernt haben.

Vollmond über Venedig
Zur Aufklärung einer Diebstahlserie fordert die venezianische Polizei den Deutschen Walter Seyferd um Amtshilfe an. Mithilfe von Dampfbooten gelingt es der Diebesbande auf den venezianischen Kanälen stets zu entkommen. Das besondere Interesse der Verbrecher gilt einem Artefakt, das einen besonderen Wert für Werwölfe darstellt.

Bedrohte Art
Die ersten Todesfälle in Doyles Einheit konnten noch als Unfälle oder Pech durchgehen, immerhin befand man sich im Krieg, auch wenn dieser in den letzten Zügen lag. Doch bald, nach weiteren Leichen, begannen die Männer die letzten Worte der alten Zigeunerin einen Fluch zu nennen. „Nur einer von euch wird den Krieg lebend verlassen.“, hatte sie verkündete sie noch, bevor ihr eine Kugel aus Doyles Waffe das Licht ausgeblasen hatte. Nun gut, der Erfüllung dieser Prophezeiung konnte nachgeholfen werden.

Souljacker
Nachdem ihr kranker Vater dem Teufel seine Seele für einige zusätzliche Lebensjahre verkauft hat, macht sich Cayce mit ihrer Mannschaft auf die unautorisierte Mission, diese zurück zu holen. Im Tausch will sie ihm die Seelensammlerin anbieten, mit der sie zusammenarbeitet. Doch bei erster Gelegenheit ergreift ihr Vater die Flucht, der Teufel selbst findet unerwarteten Gefallen an der kämpferischen Cayce und überhaupt mangelt es an Absprache innerhalb des Teams. 

Was übrig bleibt
Fiona Bader ist auf der Suche nach den Spuren einer versteckten Hippiekommune, wo ihrer Eltern vor 30 Jahren gelebt haben. Fionas Mutter hatte danach ihren Namen geändert und ihrer Tochter erzählt, dass ihr Vater fort sein. Der Brief einer ehemaligen Mitbewohnerin erklärt jedoch, dass Piet Bader dort geblieben ist. Tatsächlich findet Fiona ihren Vater, doch anders als sie angenommen hat.

Das Objekt der Begierde
Zeit ihres Lebens waren Fred Subzeks Eltern hinter dem geheimnisvollen und mächtigen Buch her. Die Jagd war ihr ganzer Lebenszweck, viel mehr als ihr Sohn. Als ihn die Nachricht vom Tod seines Vaters erreicht, macht sich Fred selbst auf die Suche nach dem Band, den er schließlich in Casablanca findet. Doch der Erfolg ist von kurzer Dauer. Weitere Parteien sind hinter dem Buch her und um sich selbst zu schützen, muss das Buch Fred auf ihrer gemeinsamen Flucht zu seinem Träger ausbilden.

BioPunk‘d
Der ehemalige Militär Coolidge rettet Bob Bueller, Moderator der brutalen Gameshow BioPunk’d, vor einem Attentäter. Bueller bietet ihm gleich einen Job als Leibwächter an, denn die Gegner der Show schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. Bei der Show geht darum, dass die Teilnehmer operativen Eingriffen unterzogen werden, die ihnen bestimmte Fähigkeiten verleihen, Kiemen, Augen im Hinterkopf oder Nachtsicht, oder die sie auf besondere Weise behindern, wie etwa durch die Erhöhung des Körpergewichts. Nach dem Erwachen aus der Narkose, live, vor laufenden Kameras versteht sich, müssen die Kandidaten in einer Arena in aller Härte gegeneinander antreten. Als Coolidge das Geheimnis hinter BioPunk’d und Bueller aufdeckt, findet er sich plötzlich selbst als Kandidat in der Arena wieder.

„Die unteren Stockwerke der Wolkenkratzer waren schon lange nicht mehr bewohnt. Auf den Straßen herrschten desolate Zustände. Marodierende Banden, Menschenfresser und Serienkiller trieben sich dort herum. Man schien keine Gefängnisse mehr zu brauchen, sondern fuhr Verbrecher mit dem Aufzug ins Erdgeschoss und schubste sie aus der Kabine.“
(Souljacker)

MEINUNG
Zwar ist Andreas Zwengel schon mehrere Jahre als Autor aktiv – 2009 erschien bereits DIE WELT AM ABGRUND – doch hat er seit rund zwei Jahren mehrere Gänge hochgeschaltet und sich mit mehr als zwei Händen voller Veröffentlichungen förmlich aufs Parkett der fantastischen Pulp-Literatur gedrängt. Zu seinen regelmäßigen Beiträgen für die SF-Serie REN DHARK (HJB-Verlag) gesellen sich gleich mehrere Veröffentlichungen im Blitz-Verlag (Beiträge zu den Serien SCHATTENCHRONIK, RAUMSCHIFF PROMET – DIE ABENTEUER DER SHALYN SHAN, LARRY BRENT – NEUE FÄLLE, DER BUTLER und als Quentin Lee STAHLWÖLFE). Dazu kommen Einzelromane im Thriller- (BÖSER CLOWN), Heimatkrimi- (WESPENNEST) Western- (SIEBEN STÄDTE AUS GOLD) und SF-Bereich (MEIN BABYLON), sowie einige Anthologiebeiträge, Kurzgeschichtensammlungen und ganz aktuell die H. G. Wells-Fortsetzung DER ZWEITE KRIEG DER WELTEN. Ganz ordentlich für einen Autor, der neben der Schreiberei noch einen Brotjob zu bestreiten hat.

Die Aufzählung zeigt schon die starke Affinität des Autors zu den klassischen Pulp-Genres, „zu Schundliteratur und B-Filmen“, wie der Internetauftritt des Autors verrät, und die vorliegende Sammlung bestätigt diesen Eindruck voll und ganz. Geistercowboys, Werwolf-Diebe, Seelenhändler, Alieninvasoren, lebende Bücher, verfluchte Soldaten und biomodifizierte Menschen geben sich in BIOPUNK‘D die Klinke in die Hand.

Gemeinsam ist den Geschichten, dass sich Andreas Zwengel nie lange mit einer Exposition aufhält, sondern lieber gleich seinen erzählerischen Dampfkessel mit galoppierender Action unter Druck setzt. In den meisten Fällen geraten die Charaktere dabei ins Hintertreffen und die Stories rauschen relativ berührungslos am Leser vorbei ohne diesen emotional zu packen, meist fühlt man sich sogar regelrecht überfahren. Jeweils ein paar Absätze mehr, die dem Leser die Chance geben, in die Story und den Handlungsrahmen einzutauchen, bevor es richtig los geht, würden die Erzählungen deutlich greifbarer machen. Zumal Andreas Zwengel nicht gerade an Ideenmangel leidet und immer einige fiese Storytwists im Ärmel hat.

Die Titelgeschichte, der der Autor deutlich mehr Platz zum Atmen und zur Entwicklung einräumt, bestätigt dies noch, ist sie doch der formal gelungenste Beitrag der Sammlung.

Das Covermotiv von Mark Freier ist wieder ein großartiger und stimmungsvoller Hingucker, das das Thema der Körpermodifikationen aus der Titelgeschichte aufnimmt. Das Buch hat keine ISBN und ist nur direkt beim Blitz Verlag erhältlich.

FAZIT
Andreas Zwengel legt ein halsbrecherisches Tempo vor, sprudelt vor Ideen und hat nicht wenige fiese Twists im Gepäck, womit er sich als Pulp-Schreiber par excellence empfiehlt.

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Tags: action, andreas zwengel, blitz verlag, horror, kurzgeschichten, science fiction   (6)
 

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peter straub, horror, edition phantasia, haunted house

Esswood House

Peter Straub , Joachim Körber
Flexibler Einband: 165 Seiten
Erschienen bei Edition Phantasia, 01.03.2005
ISBN 9783937897073
Genre: Fantasy

Rezension:

„Es gibt nichts Vergleichbares“, hatte ein anderes, damals noch als Freund angesehenes Fakultätsmitglied zu Standish – dem gutgläubigen, jungen Standish – gesagt. „Der Ort ist trotz allem, was die Bibliothek beherbergen soll, praktisch ein Geheimnis. Er ist noch in Privatbesitz, und die Seneschals akzeptieren nur einen oder zwei Forscher pro Jahr. Offenbar hat sich seit den Ruhmestagen, als Edith Seneschal uneingeschränkt herrschte und Künstler im Westflügel, ganz zu schweigen vom Heuschober, Lustbarkeiten nachgingen, viel verändert. Die Familie lebt noch dort, aber in geregelten – und recht seltsamen – Verhältnissen, munkelt man.“ Er war ein in jeder Hinsicht guter Munkler, dieser vorgebliche Freund.

STORY
Der junge Englisch-Professor William Standish fliegt New York nach England, um dort, in der berühmten Bibliothek von Esswood House, Recherchen über Leben und Werk von Isobel Standish anzustellen, die selbst eine beträchtliche Zeit auf dem Anwesen verbracht hatte. Insgeheim träumt er davon eine Biographie zu verfassen, möglicherweise sogar eine Gesamtausgabe ihres literarischen Werkes vorzubereiten. Wahrhaft ein besonderer literarischer Coup, handelt es sich bei Isobel doch um Williams „Beinahe-Großmutter“, nämlich die Schwester seine Großmutter und die erste Ehefrau seines Großvaters. Die Besitzer von Esswood House, die Seneschals, gelten als unberechenbar, was die Vergabe und den Rückzug ihrer Stipendien angeht, sollte sich ein Bewerber, aus welchen Gründen auch immer, des Gastrechts als nicht würdig erweisen. So bedeutet die Einladung für Standish eine einmalige Chance, sich einen akademischen Satus zu erwerben und sich einen Namen im Literaturbetrieb zu machen. Mit widerstreitenden Gefühlen lässt William also seine schwangere Frau in New York zurück, und tritt seine Reise an. Schon der Weg vom Flugplatz nach Esswood House wird für Standish zu einer Nervenprobe; nirgends scheint eine vernünftige Ausschilderung und Wegbeschreibung vorhanden. Endlich im Haus angekommen, wird er von einer unbekannten Schönheit empfangen, die ihn an den Verwalter Robert Wall weiterreicht; die Seneschals selbst bekommt Standish nie zu Gesicht. Auf viele, teils skurrile Ereignisse im Haus kann er sich keinen Reim machen und auch Isobels Werke und persönliche Aufzeichnungen geben Rätsel auf. Und auch der Vikar des nahen Ortes ergeht sich in vagen und beunruhigende Andeutungen: Wenn Standish tatsächlich auf Esswood House wohnen würde, dann wäre er wohl alleine dort.

„Auf der anderen Seite befanden sich ein kahler Treppenabsatz aus glanzlosem Holz und eine Flucht schmaler Stufen, die an einem Fenster in einem Erker vorbei nach unten führten und dann auf eine Weise, die Standish fast heimlichtuerisch erschien, weiter abwärts gewendelt verliefen. […] Nach der dritten oder vierten Krümmung der Treppe sah er hinauf, von wo er gekommen war, konnte aber nur die glatte Haut der Wände und die nackte, steile Spirale der Stufen erkennen. Er fragte sich, ob er den Ausgang zum ersten Stock irgendwie übersehen hatte und in die Waschküche oder das Verließ, oder was immer sie hier im Keller hatten, hinabstieg.“

MEINUNG
Der Amerikaner Peter Straub gilt als Meister der Form, was er nicht zuletzt durch seinen „Blaue Rose“-Zyklus (KOKO, MYSTERY, DER SCHLUND) untermauert hat, der auf hohem sprachlichem Niveau zwischen Thriller, Drama und Mystery balanciert. Seine Novelle ESSWOOD HOUSE beginnt – ebenso redegewandt – wie klassisches Gruselgarn mit einem Protagonisten, der alleine und unsicher auf fremden Terrain agieren muss und dieses Abenteuer schon mit einer grundsätzlichen inneren Unruhe angeht. Die merkwürdigen Geschichten über Esswood House, die an seiner Universität im Umlauf sind, verfehlen nicht ihre Wirkung. Nervös deswegen, doch gleichzeitig aufgekratzt, seinen akademischen Status mit einem Schlag festigen und gleichzeitig seine eigenen Wurzeln erkunden zu können, entscheidet sich Standish, diese einmalige Chance für seinen akademischen Aufstieg zu nutzen. Im Gegenzug muss er seine schwangere Frau quasi schutzlos in New York zurück zu lassen und es besteht die Möglichkeit, dass er bei der Geburt seines Kindes gar nicht anwesend sein wird.

Die befremdlichen Anekdoten, die William Standish auf seinem Weg passieren, die absonderlichen Gepflogenheiten, die in Esswood House herrschen, Gestalten, die nur aus der Ferne zu sehen sind, bis hin zu seinen Träumen, einer ungewohnten sexuellen Spannung und dem Unverständnis der Bevölkerung, wenn er sich als Bewohner von Esswood House zu erkennen gibt, deuten auf eine klassische Geisterhausgeschichte. Tatsächlich wollte Straub, wie er im Nachwort schreibt, eine „Geschichte, fünfzig Seiten oder so, über eine Gouvernante schreiben […], die ein entlegenes Landhaus besucht, um dort zwei sehr verstörte junge Menschen zu unterrichten und zu versorgen“, nur um festzustellen, dass dies bereits Henry James mit dem Geisterhauklassiker DIE DREHUNG DER SCHRAUBE erledigt hatte und zur Überzeugung kam, dass diesem unbestrittenen Meisterwerk nichts mehr hinzu zu fügen ist.

Unter dem Einfluss von Robert Aickman – Straub sollte zu der Zeit ein Vorwort für Aickmans THE WINE DARK SEA schreiben – legte Straub den Fokus der Geschichte auf Standishs malträtiertes Innenleben die Handlung von ESSWOOD HOUSE nahm einen eher ungeordneten, stimmungsgesteuerten Verlauf. Der Akademiker verliert dabei mehr und mehr den Boden unter den Füßen und zwar schon sehr viel früher, als dass man es eindeutig verorten könnte. So ist dies dem Leser lange Zeit nicht bewusst und er wähnt sich immer noch in einer Spukhausgeschichte, in der der Schrecken von außen kommt. Straub hinterlässt zwar einige Hinweise, doch sind diese schwer zu entdecken. Erst das langgestreckte und anstrengend zu lesende Finale macht deutlich, dass hier gar nichts mit konventionellen Dingen zugeht. Wie es oft bei Aickman passiert, bietet auch Straub hier kein „rundes“ Ende an. Ein literarisches Experiment, von dem Straubs Stammverleger wenig begeistert waren.

Dankenswerter Weise wurde das Nachwort in die deutsche Ausgabe übernommen, das Straubs dahingehende Intention und einige Dinge in ESSWOOD HOUSE erklärt, und den Roman auf diese Art doch noch angenehm abrundet.

Die ursprüngliche, sehr viel kürzere Version der Geschichte mit dem deutschen Titel FRAU GOTT (OT: MRS. GOD) ist in Peter Straubs Kurzgeschichtensammlung HAUS OHNE TÜREN enthalten.

FAZIT
Immer mehr verlässt ESSWOOD HOUSE die konventionellen Genre-Bahnen, unterläuft die Erwartungen an eine Geistergeschichte und endet in einem experimentellen Strudel.

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Tags: edition phantasia, haunted house, horror, peter straub   (4)
 

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splitter verlag, mathieu moreau, abenteuer, science-fiction, h. g. wells

H.G. Wells. Band 1: Die Zeitmaschine

H.G. Wells , Dobbs , Mathieu Moreau
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.06.2017
ISBN 9783958395008
Genre: Comics

Rezension:

STORY
London 1895: Ein ehrgeiziger Wissenschaftler, der sich bereits einige Jahre mit der Möglichkeit der Zeitreisen beschäftigt, lädt drei Kollegen zum Abendessen in sein Haus ein, auch um ihnen endlich die Frucht seiner Arbeit zu präsentieren. Eine kleine Zeitmaschine, die, in Betrieb genommen, vor den Augen der Anwesenden verschwindet. Die Gäste tun dies als Trick ab und konzentrieren sich lieber auf das Abendessen. Nachdem sich der Gastgeber kurz entschuldigt, kehrt er einige Minuten später, um Tage gealtert, unrasiert und sichtbar ramponiert, wieder an den Essenstisch zurück. Völlig perplex folgen seine Gäste ihm in den Keller, wo sie eine größere Version der Zeitmaschine erwartet und wo ihnen ihr Kollege eine unglaubliche Geschichte aus der Zukunft erzählt.

MEINUNG
Mit DIE ZEITMASCHINE eröffnet Autor Dobbs, eine sechsbändige Reihe von H.G. Wells-Adaptionen, die er mit wechselnden Künstlern realisiert hat. Dass er sich im viktorianischen London wohl fühlt, hat er bereits mit SCOTLAND YARD und MISTER HYDE VS. FRANKENSTEIN (beide erschienen bei Splitter) bewiesen, wo er bereits einige wilde Mischungen aus historischen und literarischen Figuren aus dem Hut gezaubert hat. Im vorliegenden Band legt er dagegen eine fast sklavische Werktreue an den Tag. So folgt die grafische Erzählung den vorgegebenen Pfaden, die die meisten wohl aus der fantastischen George Pal-Verfilmung kennen. Auch diese war bereits relativ vorlagentreu, so dass sich dem Kenner keine großartigen Überraschungen bieten. Der namenlose Zeitreisende – damit hält sich Dobbs an den Roman – landet im Jahr 802701 in einer offenbar friedlichen Zukunft, die jedoch dem Verfall preisgegeben scheint. Zunächst sitzt er hier fest, da seine Maschine während eines Erkundungsgangs in einen wieder verschlossenen Bunker verschleppt wurde. Die Menschen, die er trifft, die Eloy, gehen dem Müßiggang nach und leben in dem vermeintlichen Paradies unbeschwert aber auch ziel- und nutzlos in den Tag. Erst im weiteren Umkreis seines Ankunftsortes erkennt er teils schon wieder überwachsene Ruinen von unterirdischen Industrieanlagen, in denen sich noch anderes Leben tummelt: Die lichtempfindlichen Morlocks, die bei Nacht aus dem Untergrund kommen und sich unter den Eloy ihre Nahrung holen. Offenbar haben sich beide Arten aus den Menschen entwickelt und die Eloy, die die Morlocks zunächst als Arbeiter hielten verweichlichten zunehmend und sind inzwischen nur mehr ergebenes Futtervieh für die Morlocks. Nach einem finalen Schlag gegen die Morlocks gelingt es dem Zeitreisenden, seine Maschine zu erreichen und in seine Gegenwart zurück zu kehren.

Soweit funktioniert die Geschichte vorzüglich als schmissig-exotische SF-Abenteuergeschichte mit Horrorelementen, die Mathieu Moreau in fantastische, satte und doch auch elegante Bilder kleidet, weitab von der Patina sonstiger illustrierter Klassiker. Besonders gefällt auch die Panelanordnung, die zwar nur ganz selten von der rechtwinkligen Anordnung abweicht, diese aber in Größe und Ausrichtung der einzelnen Panels sehr frei nutzt. Die Nutzung ganz unterschiedlicher Perspektiven sorgt für ein filmreifes „Look-and-Feel“.

Das einzige Manko, wenn man es denn so nennen kann, ist das fulminante Tempo, das Autor Dobbs vorlegt. Das ist einerseits packend und mitreißend, andererseits hätten einige leise und bedächtigere Szenen nicht geschadet um das Ganze zu entschleunigen. Die unterschwelligen Aspekte der Geschichte werden schlicht überfahren, die emotionalen Höhepunkte können durch die schnelle Taktung gar nicht ihre volle Wirkung entfalten.

Grundsätzlich besitzt DIE ZEITMASCHINE neben dem oberflächlichen SF-Abenteueraspekt noch eine Ebene zwischen den Zeilen, besonders, wenn man die sozialen Zustände der Entstehungszeit bedenkt. So führte das aufkommende Industriezeitalter in eine Art moderner Sklaverei, in der viele Lohnarbeiter für wenige (reiche) Industrielle tätig waren, was sein weitergedachtes Spiegelbild in den Morlocks und Eloy findet. Außerdem ist DIE ZEITMASCHINE auch ein Plädoyer wider das Vergessen. Unvergessen die großartige (Film-)Szene, in der dem Zeitreisenden die unzähligen Bücher zwischen den Fingern zu Staub zerfallen. In der Comicadaption kommt dies überhaupt nicht zum Tragen.

Die Folgeausgaben der Reihe, KRIEG DER WELTEN und DER UNSICHTBARE, sind jeweils als zwei Bände angelegt. Allein von der Fülle her hätte dies hier auch nicht geschadet.

FAZIT
Moderne Comicadaption eines absoluten Klassikers, die mit Werktreue und fantastischen Bildern punktet, der aber zeitweise der notwendige Raum zum Atmen fehlt.

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Tags: abenteuer, dobbs, h. g. wells, mathieu moreau, science-fiction, splitter verlag   (6)
 

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hamburg, krimi, selbstjustiz, rache, korruption

Kanakenblues

David Gray
Flexibler Einband: 376 Seiten
Erschienen bei Pendragon, 16.02.2015
ISBN 9783865324542
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die alte Kaffeemaschine hatte sich ausgeröchelt. Boyle griff nach der Kanne und goss die dampfende Flüssigkeit in einen Porzellanbecher.
„Morgen, Arschloch“, prostete er durchs Küchenfenster dem Plakat auf dem Bauzaun gegenüber zu. Das Plakat zeigte ihn selbst, wie er breit lächelnd dem Betrachter eine Polizeimarke entgegenstreckte. Darunter stand in großen, vertrauenerweckend blauen Lettern: „EINER VON UNS.“

STORY
Hauptkommissar Lewis Boyle von der Pressestelle der Polizei Hamburg wird zum Tatort eines Mordes gerufen. Der Sohn des Polizeipräsidenten Carl Stiller wurde erschossen, regelrecht hingerichtet. Stiller will Boyle unbedingt bei der Soko dabei haben, und versetzt ihn dafür kurzerhand zur Mordkommission. Stiller hat Beweise dafür, dass Boyle ein Jahr zuvor nicht nur eine Festnahme der Drogenabteilung hat platzen lassen, sondern auch, dass er das Koks, das als Köder dienen sollte, direkt aus der Asservatenkammer an einen Dealer verkauft hat. So glaubt er, etwas gegen den Beamten in der Hand zu haben, um ihn kontrollieren und ggf. die Ermittlungen lenken zu können.

Zuvor am selben Tag erfährt der Bauarbeiter Younas davon, dass seine Tochter, die kurz vor dem Abitur steht, von vier jungen Männern vergewaltigt wurde. Auf den Druck seines Schwagers und seiner Ehefrau fasst er widerwillig den Plan, die vier Männer zu töten, die seiner Tochter eine vielversprechende Zukunft geraubt haben.

„Wer immer meinen Sohn erschossen hat, müsste schon sehr viel Pech haben, wenn er dafür mehr als die üblichen zwölf bis fünfzehn Jahre kassiert. Aber zwölf bis fünfzehn Jahre Knast sind mit zu wenig. Das hat mein Junge nicht verdient.“

MEINUNG
Bereits einige Jahre zuvor hat David Gray den vorliegenden Roman unter dem Titel GLASHAUS in Eigenregie veröffentlicht. Als es zur Zusammenarbeit mit dem Pendragon Verlag kam, wurde das Buch dann zusammen mit den Lektoren wesentlich erweitert und einige Veränderungen vorgenommen. Es ist also komplett überarbeitet worden.“ Und KANAKENBLUES macht sich sehr gut im Programm des Bielefelder Verlages, der dem geneigten Leser vor allem für sein ausgesuchtes Programm moderner Krimis, wie z.B. auch für seine Robert B. Parker-Edition bekannt ist.

Nach eigener Aussage wollte David Gray eine Geschichte schreiben, in der „jede Hauptfigur gute Gründe dafür hat, das strafrechtlich, bzw. moralisch verwerfliche zu tun“ (Interview auf http://wortgestalt-buchblog.blogspot.de). So wimmelt es in dem Roman von Grauzonen, keiner der Charaktere hat eine weiße Weste, jeder hat die eine oder andere Fehlbuchung auf seinem Konto. Sogar die Hauptfigur Lewis Boyle ist beileibe kein Saubermann, doch kommt man als normal tickender Leser mit ihm und dem, was ihn antreibt, noch am besten klar. So erklärt sich Boyles rechtliches Fehlverhalten immerhin aus Integrität zu denen, die ihm nahe stehen und richtet sich gegen jene, die ihm selbst ans Bein pissen wollen.

Die Stärke des Autors besteht darin, seine Charaktere, nachdem sie einmal aufgestellt sind, wie Spielfiguren durch das Geschehen zu treiben, die ihre Handlungen und Entscheidungen nahezu vollständig durch äußere Umstände bestimmt. Überdies gelingt es ihm nicht nur, die Motivationen der Figuren klar heraus zu arbeiten, sondern diese auch für den Leser nachvollziehbar aufzubauen. Hüben wie drüben auf dem schmalen Grat der Gesetzestreue. Ganz dicht ist Gray dabei an seinen Personen dran, so dass der Leser gemeinsam mit den Protagonisten in einen Ereignisstrudel gesaugt wird, der einen erst ganz am Ende und ordentlich durchgekaut wieder ausspuckt. „Irgendwie wenigstens den Kopf über Wasser halten“, lautet die Devise. So kann man KANAKENBLUES – nicht zuletzt wegen des Handlungsortes Hamburg – ganz treffend als adrenalingetriebene Mischung der TATORTe mit Mehmet Kurtuluş und seinem Nachfolger Till Schweiger beschreiben.

Im Groben besteht KANAKENBLUES aus zwei Handlungssträngen. Einerseits dem Weg des Soko-Ermittlers wider Willen, Lewis Boyle, der plötzlich unter dem enormen Druck steht, möglichst schnell den Mörder des Sohnes seines obersten Vorgesetzten zu finden und dabei auch noch mit seinem neuen Team klar kommen muss. Auf der anderen Seite dem Pfad des Rächers seiner Tochter Younas, der sein Handeln, zu dem ihn andere gedrängt haben, selbst nicht vollständig vor sich rechtfertigen kann. Doch einmal diesen Weg beschritten, gibt es für ihn auch kein Zurück mehr.

Beide „Kontrahenten“ sind also nicht mit voller Überzeugung bei ihrer jeweiligen Sache und man könnte sich die beiden gut zusammen in einer Kneipe bei einem gemeinsamen Bier vorstellen.

Im Gegensatz zur moralischen Unschärfe, die den Roman beherrscht, ist zu bemerken, dass der Handlungsverlauf sehr gut durchgeplant ist und die Geschichte zu keinem Zeitpunkt zu entgleisen droht. Möglicherweise kommt es KANAKENBLUES hier zugute, dass die Geschichte bereits einmal geschrieben und hierfür „nur“ professionell überarbeitet wurde.

Ein zweiter Fall mit Lewis Boyle ist bereits in Arbeit.

FAZIT
Brillanter Hard Boiled Thriller aus Hamburg. Eine Tour de Force durch alle möglichen Grauzonen, die von vorneherein kein gutes Ende nehmen kann.

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Tags: david gray, hamburg, hamburg krimi, krimi, lewis boyle, pendragon verlag, thriller   (7)
 

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festa verlag, thriller, splatter, festa extrem, horror

Buk und Jimmy ziehen nach Westen - Extrem

Brett McBean
E-Buch Text: 141 Seiten
Erschienen bei Festa, 24.01.2014
ISBN B00I1C27MI
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Menschen sind bloß die Hirngespinste Gottes, genau wie die Leute auf der Kinoleinwand die Hirngespinste von Drehbuchschreibern, Schauspielern und Regisseuren sind. Wir sind alle bloß Schauspieler, die das kranke Drehbuch von Gott umsetzen. Scheiße, sind die größten Regisseure wirklich Kubrick, Hitchcock, Kurosawa oder Bunuel? Nein! Gott ist der größte Regisseur von allen. Sein Film ist der längste, den es je gegeben hat und er bringt alles mit, was man sich von einem Film wünschen kann.“

STORY
Nach dem 20jährigen Treffen seiner Abschlussklasse beschließt der Filmfreak William „Buk“ Thompson, der stets der Schweigsame an der Schule war, nicht wieder nach Hause zu fahren, sondern mit seiner ehemaligen Mitschülerin Sue im Kofferraum nach Hollywood zu fahren, wo all die Stars aus Buks geliebten Filmen zuhause sind. Unterwegs macht er die Bekanntschaft des jungen Jimmy, den er vor einem Psychopathen rettet. Buk findet Gefallen an dem Jungen, in dem er langsam aber sicher die zweite Hauptrolle im ganz persönlichen Film seines Lebens sieht.

„Dieser junge Kerl war schon etwas Besonderes. Ein weinerlicher Feigling von einem Menschen, aber auch vollkommen naiv und unschuldig – wie ein großer Klumpen Knetmasse, der nur darauf wartet, bearbeitet und in irgendeine erkennbare Form gebracht zu werden.
Er erinnerte Buk ein wenig daran, wie er selbst in diesem Alter gewesen war, nur dass dieser Junge viel weiblicher war und Buk zudem um einiges besser aussah.“

MEINUNG
2010 tauchte der Australier Brett McBean mit dem hammerharten Roman DIE MUTTER dank Festa auf dem deutschen Markt auf. Dabei reihte er nicht einfach derbe Folterszenen aneinander, er hat dem Roman noch einen psychologischen Unterbau und eine schmerzhafte Dichte verpasst, der den Roman weit über die üblichen Hardcore-Thriller hinaus gehoben hat, was schließlich sogar zu einer nochmaligen Veröffentlichung in Heynes Hardcore-Label geführt hat. Die Nachfolger DIE BESTIEN und DAS MOTEL waren immer noch gut zu lesen, fielen gegen DIE MUTTER jedoch sehr viel flacher aus. BUK UND JIMMY ZIEHEN NACH WESTEN ist nun McBeans Einstand in der Festa Extrem-Reihe, wo gerne nochmal eine Schippe draufgelegt wird, so dass die Bände gleich gar nicht über den normalen Buchhandel zu beziehen sind. Irgendwie widerwillig, weil man Brett McBean im Grunde doch als Autor schätzt, muss man feststellen, dass die Qualitätskurve noch weiter nach unten geht. Zwar ist BUK UND JIMMY immer noch super – hardboiled-mäßig, knapp und schnell –  geschrieben, doch bleibt mam als Leser bei der Verfolgung dieses blutigen Road Trips teilnahmslos außen vor. Die Gewaltszenen geraten zum Selbstzweck und selbst die Augenblicke, die Buks von Hollywood geprägte Sicht der Welt spiegeln, wollen keinem richtigen Spaß machen. Da helfen auch die in Schreibmaschinenschrift eingeschobenen Drehbuchausschnitte und Storyboards nichts. So ist BUK UND JIMMY zu albern für einen dichten Thriller geraten und zu ernsthaft für eine schwarze Komödie.

Die Verarbeitung, Layout und Satz sind dagegen wieder erstklassig geraten. Gewohnt bewährte Festa-Qualität. Das Buch verfügt nicht über eine ISBN und ist nur direkt beim Verlag erhältlich.

FAZIT
Ansonsten darf Brett McBean gerne als Garant harter und dichter Thriller gelten, BUK UND JUMMY ZIEHEN NACH WESTEN ist dagegen alles andere als überzeugend geraten.

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Tags: brett mcbean, festa extrem, festa verlag, thriller   (4)
 

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ramon k. perez, jerry juhl, mystery, dani books, jim henso

Jim Henson's Tale of Sand

Jim Henson , Jerry Juhl , Ramón K. Pérez ,
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei dani books, 04.03.2014
ISBN 9783944077413
Genre: Comics

Rezension:

STORY

Auf seinem unbestimmten Weg durch die Wüste gerät Mac in ein kleines Wüstenkaff, in dem gerade ein Fest stattfindet. Die Einwohner benehmen sich, als hätten sie den Neuankömmling erwartet und auch der Sheriff begrüßt ihn wie einen alten Bekannten, für den er auch gleich einen Auftrag hat. Weiter durch die Wüste, bis nach Eagle Mountain soll Mac es „schaffen“. Dann wäre er „in Sicherheit“. Dazu erhält er einen Rucksack voller merkwürdiger Dinge, einen riesenhaften Schlüssel und zehn Minuten „Vorsprung“. Eigenartig, denn er ist sich weder einer Gefahr, noch irgendeiner Aufgabe bewusst. Doch tatsächlich bemerkt er auf seinem Weg bald einen Verfolger, der ihn offenbar töten will. So hat er gar keine andere Wahl, als seinen Weg nach Eagle Mountain fortzusetzen.

MEINUNG

Mit TALE OF SAND liegt beim jungen Verlag dani books ein absolutes Art-Highlight vor. Die Geschichte von Muppet-Erfinder Jim Henson und seines Autorenkollegen Jerry Juhl erblickte das Licht der Welt als Drehbuch für einen Film der nie realisiert wurde. Allerseits für ihre Kreativität gelobt, wollte doch niemand den beiden ein solches Projekt finanzieren. Offenbar tickten die Hollywood-Bosse schon in den 1970ern so wie heute und misstrauten Geschichten, die sich in keine Schublade fügen lassen.

In enger Zusammenarbeit mit Lisa und Brian Henson, den Nachlassverwaltern vin Jim Henson und Leitern der Jim Henson Company, setzte Archaia Entertainment dieses unverfilmte Drehbuch fast 40 Jahre nach seiner Fertigstellung als kunstvolle Graphic Novel um
Die Geschichte erzählt von Mac, einem jungen Mann, über den man nichts weiter erfährt, der quasi aus dem Nichts kommt und dem eine vage Aufgabe übertragen wird, für die er sich nicht verantwortlich fühlt, bis ihn ein Verfolger unter Lebensbedrohung förmlich drängt, seinen Auftrag zu erfüllen. Auf seiner Flucht durch die Wüste hat unser „Held“ zahlreiche surreale Begegnungen, die sich allesamt seinem Einfluss entziehen und die ihn immer wieder aufhalten und von seinem Weg abbringen. Und stets ist ihm sein Verfolger auf den Fersen, unermüdlich, allwissend und sogar immer einen Schritt voraus.

Natürlich ist von Anfang an klar, dass zwischen Mac und seinem Verfolger eine Verbindung besteht, doch welcher Art diese ist, enthüllt sich erst zum Schluss. Ein wunderbares Element, das viel Spielraum für Deutungen lässt und TALE OF SAND über einen reinen Cartoon hinaus hebt.

Sieht man sich die Geschichte an, so atmet TALE OF SAND zweifellos das psychedelische Odeur der späten 1960er Jahre und bildet ein wildes, pastellfarbenes Konglomerat aus Alejandro Jodorowskis EL TOPO, dem kafkaesken NUMMER SECHS, und einer ordentlichen Ladung Anarchohumor a la LOONEY TUNES.

Gerade unter diesem Aspekt war der Künstler Ramon K. Perez eine perfekte Wahl. Der cartoonhaft-überspitzte, doch auch sehr detaillierte Zeichenstil, spiegelt perfekt die Absurdität der Ereignisse wider, denen Mac hilflos ausgesetzt ist. Darüber hinaus, kommt der Comic über weite Strecken ohne Text und Dialoge aus, was ebenfalls für die Meisterschaft von Señor Perez spricht.

Die Surrealität wird noch dadurch unterstrichen dass der Künstler z.B. Bildteile in andere Panels hinein ragen lässt, Bild-im-Bild-Technik verwendet oder im Bildhintergrund die Original-Drehbuchseiten von Jim Henson einfügt sind und noch einige weitere grafische Überraschungen.

Ergänzt ist der Band mit einer detaillierten Einführung von Karen Falk (Archivleiterin der Jim Henson Company), die das gesamte kreative Schaffen von Jim Henson beleuchtet, einem Nachwort von Tochter Lisa Henson und einem Interview mit Zeichner Ramon Perez geführt von Comic-Profi Christian Endres.

Damit und mit der Präsentation als hochwertig gefertigtes Hardcover im Format 20,3 x 28,5 cm stellt TALE OF SAND ein uneingeschränkt sammelwürdiges Liebhaberstück dar.

FAZIT

Surreales Cartoon-Komödien-Drama nach einem unverfilmten Drehbuch von MUPPET-Erfinder Jim Henson in einer erstklassigen Präsentation.

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Tags: dani books, jerry juhl, jim henso, mystery, ramon k. perez, surreal   (6)
 

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Blutige Stille

Linda Castillo
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Argon Verlag, 27.03.2012
ISBN B0083JCJZY
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Er registriert sofort Planks ungefesselte Hände, die kurze Entfernung zwischen Waffe und Leiche, die Austrittswunde im Hinterkopf. Wie jeder gute Polizist zieht er Schlüsse daraus. […] Dem Augenschein nach ist Plank durchgedreht, hat seine Familie ermordet und sich dann den Pistolenlauf in den Mund gesteckt und abgedrückt. Der amische Teil meiner selbst, der fest in mir verwurzelt ist, auch wenn ich mich noch so weit vom Amischsein entfernt habe, kann sich nicht vorstellen, dass ein amischer Mann, ein amischer Vater, seiner Familie so etwas antut.“

Inhalt
Kate Burkholder, die Polizeichefin von Painters Mill, Ohio wird mit der bestialischen Ermordung der siebenköpfigen Amischfamilie Plank konfrontiert. Neben den Leichen gibt es eindeutige Anzeichen dafür, dass die beiden pubertierenden Töchter der Familie vor ihrem Tod brutal gefoltert wurden. Mary Plank, eine der Töchter, war darüber hinaus offenbar schwanger. Von dem Fötus fehlt jede Spur.

„Er hoffte, dass Zimmerman sich in der Anzahl der Opfer geirrt hatte und dort hinten auf dem Boden Wäsche zum Flicken lag; oder Futterbeutel, die jemand aus der Scheune hereingeholt hatte. Doch die Hoffnung wurde zunichtegemacht, als im Schein der Lampe zwei weitere leblose Körper sichtbar wurden. Ein Halbwüchsiger, der schwarze Hosen mit Hosenträgern trug. Und ein kleiner, rothaariger Junge, der in einer so großen Lache Blutes lag, dass sie unmöglich aus diesem schmächtigen Kinderkörper stammen konnte.“

MEINUNG
In Painters Mill, Ohio leben die Amischen, die sich unter anderem den Errungenschaften der modernen Technik verweigern, in nächster Nachbarschaft zu den „Englischen“. Der zweite spektakuläre Fall, den Kate Burkholder dort zu lösen hat, konfrontiert die Polizeichefin von Painters Mill nicht nur mit der bestialischen Auslöschung der amischen Familie Plank, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit. Denn auch sie wurde als Amische geboren, hat sich aber als Heranwachsende von dem Glauben und der einfachen Lebensweise losgelöst und ist aus dieser eingeschworenen Gemeinschaft ausgetreten. Eine Entscheidung, die allen heranwachsenden Amischen frei steht. Trotzdem lässt ihre Vergangenheit sie oft noch als Bindeglied zwischen den Amischen und den „Englischen“ funktionieren. Ein Umstand, der ihr bei diesem Fall sehr von Nutzen ist.

So weit, so gut, so absehbar. Leider gestaltet sich auch die Polizeiarbeit in Sachen Familienexekution alles andere als überraschend. Schon nach den ersten Ermittlungsschritten konzentrieren sich die Nachforschungen auf die 15-jährige Mary Plank und ihr Umfeld. Die Tatsache, dass Mary schwanger war und der oder die Mörder ihr den Embryo aus dem Leib geschnitten haben, lässt Kate Burkholder verständlicherweise nach einem möglichen Vater als dringend Tatverdächtigem suchen – nicht zuletzt auch aufgrund der Einträge in Marys Tagebuch. Ein anderes Mordmotiv wird ab da gar nicht mehr in Betracht gezogen. Vorhersehbar hangeln sich Kate Burkholder und ihre Kollegen bei ihren Befragungen an den Verdächtigen entlang. Das Ganze entspricht dabei der Standarddramaturgie einer Fernsehserie, nur wesentlich aufgeblähter.

Mit den bestialischen Morden und der angeschnittenen Snuff-Thematik will BLUTIGE STILLE irgendwie hart und modern sein; die Beteiligung der Amischen könnte das reizvoll kontrastieren. Stattdessen entwickelt sich die Geschichte vorhersehbar, langatmig und ohne erzählerische Kniffe. Unwichtige Details werden kleinlich aufgezählt, während andererseits ganze Ermittlungsschritte einfach übersprungen werden wie z.B. die Befragung eines Amischen, der jungen Mitgliedern hilft, die Gemeinschaft zu verlassen.

Das Wiedersehen von Kate Burkholder mit dem CIB-Agenten John Tomasetti, mit dem sie seit dem Vorgängerband DIE ZAHLEN DER TOTEN ein loses Verhältnis pflegt (nicht zuletzt durch den räumlichen Abstand bedingt) erweist sich  als absolut unnötig und bringt weder die Krimihandlung, noch die Figur Kate Burkholder am Ende weiter.

DAS HÖRBUCH
Schauspielerin, Sängerin, Sprecherin Tanja Geke (Synchronstimme von Zoe Saldana) gefällt als „Stimme“ von Kate Burkholder; der Roman ist in der „Ich-Form“ verfasst. Die weiteren Personen werden sehr gut unterscheidbar durch überzeugende Anpassungen ihrer Intonation. Lediglich John Tomasetti erscheint in Fr. Gekes Interpretation eher als durchgehend grummeliger Teddybär, denn als stets gut gekleideter ebenbürtiger Partner für Kate. Das stark verschliffene „Pennsylvaniadeutsch“ der Amischen und sogar der noch mehr verstümmelte Dialekt eines geistig zurückgebliebenen Jungen gelingt ihr dagegen ausgesprochen gut.

Das Hörbuch ist produziert vom Argon Verlag, doch nur als Download über Audible zu beziehen. Durch die Audible-Politik, vorwiegend ungekürzte Hörbücher anzubieten, muss der Hörer wieder einige verzichtbare Längen in Kauf nehmen.

FAZIT
BLUTIGE STILLE will mehr sein, als es eigentlich ist. Man wird das Gefühl nicht los, dass Linda Castillo gerne einen kompromisslosen Thriller mit Anspruch und Romantik geschrieben hätte und am eigenen Anspruch gescheitert ist.

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kommissar x-roman, a. f. morland, thriller, cassiopeiapress, hard boiled

N.Y.D. - Abserviert von zarter Hand (New York Detectives): Cassiopeiapress Spannung

A. F. Morland
E-Buch Text: 158 Seiten
Erschienen bei BookRix, 30.05.2016
ISBN 9783739616193
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Was Amanda ihm da anbot, war bestimmt kein leichter Job. Eine schwierige Aufgabe, Bilder im stolzen Wert von einer halben Million so zu sichern, dass es nicht einmal dem gerissensten Dieb in dieser Stadt möglich war, sich an ihnen zu vergreifen. New York war vollgeklebt mit netten Plakaten, die überall verkündeten, dass hier demnächst ein fantastischer Schatz zu holen sein würde. Eine schwierige Aufgabe. Sie reizte Bount Reiniger.“

STORY
Für den Millionär und Philanthropen Lui C. Carr soll der Privatdetektiv Bount Reiniger die New Yorker Etappe der Wanderausstellung seiner privaten Gemäldesammlung überwachen. Für den schwerreichen Geschäftsmann ist der Big Apple die sprichwörtliche Brutstätte des Verbrechens und da ihn, seit einer Rauschgiftaffäre, in die beide verwickelt waren,  eine private Freundschaft mit Reiniger verbindet, hält der diesen für geeignet, seine Kunstwerke gebührend zu beschützen.

Gleichzeitig kommt Dandy Moreno, ein Kleinganove, den Reiniger fünf Jahre zuvor hinter Gitter gebracht hatte, wieder aus dem Knast und wirft sofort ein Auge auf die bevorstehende Ausstellung. Der heroinabhängige Maler Bug Kadess soll ihm helfen, die besten, sprich wertvollsten Stücke auszusuchen und zu stehlen.

Reiniger erfährt von Morenos Vorbereitungen und macht sich auf die Suche nach dem Ganoven, um dem geplanten Einbruch zuvor zu kommen. Als Moreno von Reinigers Beteiligung erfährt, wird die Sache für ihn persönlich und er beschließt, den Detektiv aus dem Weg räumen zu lassen.

„Sie wissen, dass Reiniger für Sie ein ebenbürtiger Gegner ist, Mr. Doonan. Es muss Sie doch förmlich danach drängen, ihn zu jagen. Den gefürchteten Privatdetektiv aus dem Verkehr ziehen. Was für eine große Aufgabe. Den gerissensten Schnüffler der Ostküste über den Jordan schicken. Wie viele haben das wohl schon versucht und nicht geschafft. Wäre Bount Reiniger für Sie nicht eine Möglichkeit, sich selbst zu bestätigen? An ihm könnten Sie Ihre wahre Größe messen, Mr. Doonan. Wenn Sie Bount Reiniger über die  Klinge springen lassen, machen Sie Ihr Meisterstück.“

MEINUNG
ABSERVIERT VON ZARTER HAND erschien zuerst 1977 unter gleichem Titel als Nummer 352 der KOMMISSAR X Taschenbuch-Reihe (unter dem Pseudonym Brian Ford). Für sein ebook-Programm, das überwiegend aus Wiederauflagen alter Heftromane aller gängigen Genres (Western, Grusel, Krimi, Romantics) besteht, wurde der Roman bei Cassiopeia Press (in persona Alfred Bekker) mit neuen Rollennamen versehen, aus „Kommissar X“ Jo Walker wurde der Privatermittler Bount Reiniger – und in die dortige (lose) Reihe NEW YORK DETECTIVES eingegliedert. Diese ebooks sind meist für lau und oft sogar in Gratisaktionen zu haben. Das Vorgehen klingt zunächst dreist, doch sind die Autoren (z.B. auch Alfred Wallon, Peter Dubina und Alfred Bekker selbst unter seinen zahlreichen Pseudonymen) natürlich eingebunden und bestimmt nicht abgeneigt, mit ihren alten Romanen noch einige Cent zu verdienen. Als Leser sollte man sich klar sein, was man hier vor sich hat, und wer bei dem Titel hohe Literatur erwartet, dem ist wohl nicht zu helfen. So mutet die Schreibe aus heutiger Sicht fast karikaturistisch an, wird jedoch immer absolut ernsthaft serviert. Mit anderen Worten bekommt man hier einen Pulp-Kracher erster Kajüte geboten, der es absolut in sich hat und einen förmlich zurück katapultiert in eine Zeit, als Belmondo und Co. noch große Kinostars waren.

A.F. Morland schildert die Ereignisse dieses Reißers grob aus zwei Perspektiven. Einmal natürlich der des unbestechlichen Helden Bount Reiniger, der einen Plan zur Sicherung der Ausstellungsstücke seines Freundes entwirft und dann seine Kontakte spielen lässt um diese auch technisch umzusetzen. Plötzlich sieht er sich in Morenos Fadenkreuz und es entspinnt sich eine Duell auf Leben und Tod zwischen den „alten Bekannten“. Auch der labile Dandy Moreno nutzt seine alten Kontakte, um eine Crew zusammen zu stellen, die diesen nichts weniger als spektakulären Bruch begehen soll. Als er von der Beteiligung seines alten Gegners erfährt, stachelt dies nur seine Verbissenheit, seine Wut und sein Ego an. So wird Moreno selbst zu einem unberechenbaren Pulverfass für Reiniger und für seine eigene Crew.

So unwahrscheinlich es klingt, überzeugt ABSERVIERT nicht nur mit saloppen Kalauern („Okay. Dann mache ich mich jetzt auf die Selbstgestrickten“), einem wortkargen Helden, den gleich zwei Weibchen gerne in ihr Nest bekommen würden und einer guten Portion Old-School-Action, der Roman findet auch immer wieder Nischen, um die fragile Gruppendynamik der Einbrecherbande, sowie Morenos Besessenheit von seiner früheren Freundin greifbar zu machen, die ihm letztendlich das Genick bricht. Indem er diese zweite, menschliche Spannungsebene auf Seiten der Gangster eröffnet, muss man A. F. Morland zweifellos ein gewisses psychologisches Geschick bescheinigen und er schafft sich die Möglichkeit, gleich an mehreren Spannungsschrauben zu drehen.

FAZIT
Trocken, schnell, hart und salopp. ABSERVIERT ist ein purer Anachronismus, nicht ernstzunehmen, aber ein Volltreffer, wenn man weiß, worauf man sich einlässt.

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Tags: a. f. morland, cassiopeiapress, hard boiled, kommissar x-roman, thriller   (5)
 

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contendo media, horror, hörspiel, gespenster krimi, reihe

Gespenster-Krimi 3: Hollywood-Horror

Earl Warren , Markus Topf
Audio CD
Erschienen bei Contendo Media, 13.03.2015
ISBN 9783945757055
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Das Buch basiert immerhin auf einer wahren Begebenheit. Und die Geschichte dieses Gloom klingt doch unheimlich spannend. Ein Killer, der zur Zeit des Koreakriegs haufenweise hübsche Mädchen abmurkst. Wie viele Morde konnte man hm nachweisen? Zehn? Mann, das ist ein Hammerstoff sag ich dir.“

STORY
In Hollywood wird die Geschichte des Serienmörders Gordon Gloom verfilmt, der in den frühen 1950er Jahren mehrere Frauen bestialisch getötet hat. Der aufstrebende Schauspieler Ryan Swann, der Gloom im Film darstellt, traut seinen Augen nicht, als am Set plötzlich eine Gestalt in exakt derselben Maske auftaucht, die er gerade trägt, und den Maskenbildner tötet. Da der Täter schlecht der echte Gordon Gloom sein kann – dieser ist 1952 gestorben – gilt der maskierte Swann als Hauptverdächtiger. Dem Schauspieler gelingt es, aus der Untersuchungshaft zu fliehen und sich gemeinsam mit seiner Anwältin Sheila Larrigan, die aufgrund des fehlenden Motivs Zweifel an Swanns Schuld hat, auf die Suche nach dem wahren Täter zu machen. Dabei stößt Sheila in den alten Fallakten auf Aufzeichnungen, die Glooms Interesse am Okkulten bezeugen.

„Ihnen wird mit Sicherheit nicht gefallen, was ich jetzt erzähle. Aber ich schwöre Ihnen, jedes Wort davon ist wahr. […] Ich war das nicht, ich habe Rusty und Hatcher nichts getan. Da war dieser Kerl. Der trug dieselbe Maske, dasselbe Make-up, der perfekte Doppelgänger von mir. Beziehungsweise von Gordon Gloom, diesem Killer, den ich in Hatchers Streifen spielen sollte.“

MEINUNG
Nach MÖRDERBÄUME stellt Walter Appel hier gleich die zweite Vorlage für ein neues GESPENSTER-KRIMI Hörspiel. Unter dem Titel DER SATAN FÜHRT REGIE erschien der Roman als GK 271 (unter Brian Elliot) und später als GEISTER-SCHOCKER 85 (unter Earl Warren). Für das Hörspiel wurde der knackigere Titel HOLLYWOOD-HORROR gewählt (die letzte Szene des Hörspiels nimmt den alten Titel sogar auf die Schippe) und auch ein neues, zeitgemäßes Titelbild zusammengebastelt.

Spätestens mit dem Relaunch der GESPENSTER-KRIMI Hörspiele hat Contendo Media den Sprung vom Underdog in die erste Liga der Hörspielproduzenten geschafft und veröffentlicht durchweg verlässlich hochwertig produzierte Hörspiele. Beim GESPENSTER KRIMI haben die Macher noch den Vorteil, auf vorhandene Vorlagen zurückgreifen zu können und sich auf die Übersetzung in ein anderes Medium und vielleicht die ein oder andere Straffung und Glättung konzentrieren zu können. So fällt auch hier absolut positiv auf, dass die Story um den wiederbelebten Serienkiller Gordon Gloom tatsächlich „Hand und Fuß“ hat, spricht, die Motivationen der Figuren gut und nachvollziehbar ausgearbeitet sind, wie auch die schrittweise detektivische Aufdeckung der Ereignisse durch Ryan Swann und seine Anwältin. Es bleiben keine losen Handlungsfäden übrig und noch nicht einmal die obligatorische Romanze wirkt störend. Markus Topf hat hier bei der Umsetzung des Romans ins Hörspiel wirklich hervorragende Arbeit geleistet.

Auch die Sprecher wurden wieder, wenn vielleicht auch nicht alle aus der ersten Liga, so doch sehr passend ausgesucht. Perfekt harmonieren Tobias Schmidt als aufstrebender Schauspieler Ryan Swann und Eva Michaelis als Anwältin und Love-Interest Sheila Larrigan und Norbert Langer (Synchro George Clooney) ist als jovial-schmieriger Filmproduzent eine Wucht.

Wem der Vorgänger TEUFELSTOCHTER gefallen hat, der wird auch an HOLLYWOOD HORROR seine Freude haben.

FAZIT
Auch Teil 3 hält das hohe Niveau der Vorgänger und überzeugt mit einem geschliffenen Storyaufbau – nicht immer eine Selbstverständlichkeit im Genre.

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Tags: audionarchy, contendo media, earl warren, gesenster krimi, horror, markus topf   (6)
 

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john sinclair, horror, werwölfe, ian rolf hill, werwolf

John Sinclair - Folge 1914: Arena der Werwölfe

Ian Rolf Hill
E-Buch Text: 93 Seiten
Erschienen bei Bastei Entertainment, 17.03.2015
ISBN 9783732509911
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Francis Leech sah auf seine bewusstlosen Feinde hinab. Endlich. John Sinclair und Suko lagen vollkommen wehrlos zu seinen Füßen. Er konnte es jetzt zu Ende bringen. Ein für alle Mal. Zwei der größten Feinde von Luzifer beseitigen. Damit würde er in der Gunst des Höllenkaisers schlagartig nach oben steigen.“

STORY
Seit Monaten terrorisiert die bulgarische Familie Petrova die Bewohner des kleinen Ortes Todenham mit brutaler Gewalt. Als sie die Freundinnen Helen und Martha brutal entführen beschließen die Ehemänner der beiden, endlich etwas zu unternehmen und sich an die Polizei zu wenden. Die Frauen sollen zur Fortpflanzung dienen, denn die Petrovas sind zwar Werwölfe, noch dazu mit besonderen Fähigkeiten, können ihre Macht jedoch nicht über einen Biss weitergeben. Und ihr nächstes Ziel ist die Vernichtung von John Sinclair, der Spezialist von Scotland Yard für übernatürliche Fälle, der selbst Fenris, den Götterwolf in seine Schranken verwiesen hatte. Der einzige Mann, der ihren Plänen von einem neuen, mächtigen Werwolfimperium gefährlich werden kann.

„Wieder nickte der Pfarrer. Dann sagte er:“ Ja, aber es sind keine gewöhnlichen Werwölfe. Sie sind böse, absolut böse, nicht nur in ihrer Tiergestalt. Und sie verwandeln sich auch nicht nur bei Vollmond, sondern können sich auch tagsüber und in jede anderen Nacht des Jahres verwandeln, so wie es ihnen beliebt.“

MEINUNG
Schon längst verfasst nicht mehr Jason Dark alleine die Abenteuer des unermüdlichen Geisterjägers aus dem Bastei Verlag und mit Ian Rolf Hill bereichert diesmal ein ganz frischer Autor das John Sinclair-Schreiberteam. Der Neuautor kennt sich in der Historie des Geisterjägers merklich gut aus, was die zahlreichen Verweise auf frühere Fälle belegen.

Doch zum Roman: Alles beginnt ganz klassisch mit einem verschlafenen Dorf, das sich eine Familie von Werwölfen nicht nur als Nahrungsquelle sondern vor allem als Leihmutteragentur ausgesucht hat. Die Dörfler haben den Kreaturen der Finsternis wenig entgegen zu setzen und zwei Männer beschließen mit dem Mut der Verzweiflung, sich an Scotland Yard zu wenden, von wo aus der Ruf von Sir James Powells Abteilung für übernatürliche Verbrechen auch nach Todenham gedrungen ist. Die beiden Flüchtigen kommen zwar nicht in London an, doch wird eine der Leichen mit eindeutigen Verletzungen gefunden, was letztendlich doch John Sinclair und Suko auf den Plan, sprich nach Todenham ruft. So müssen die Werwölfe, die es ohnehin auf den Geisterjäger abgesehen haben nichts weiter tun, als die Ankunft der beiden Freunde abzuwarten. Und um tatsächlich ganz sicher zu gehen, dass Sinclair den Weg auch findet, meldet sich auch noch Morgana Layton bei Sinclairs Chef, um einen entsprechenden Hinweis auf dieses gemeine Rudel zu geben.

Man merkt schon, dass Subtilität nicht gerade die Stärke dieses Romans ist. Stattdessen punktet ARENA anfänglich mit guter Atmosphäre – das einsam gelegene Dorf im Wald und die nächtliche Flucht der beiden Dorfbewohner -, die in der zweiten Hälfte ausschweifenden Action-Einlagen Platz machen muss. Diese wechselt sich mit dem obligatorischen Kettengerassel des Oberwolfs ab, der von einer uneingeschränkten Herrschaft seines Clans träumt. Sobald John und Suko im Krisengebiet eingetroffen sind, geschieht alles sehr fieberhaft und actionlastig. Zwar gibt es einen wirkungsvollen Twist, doch überwiegt der Eindruck etlicher gezwungen wirkender Szenen, die die Handlung künstlich verlängern – z.B. dass Suko recht ungeschickt seine Dämonenpeitsche verliert -, doch irgendwie will die Romanheft-Normlänge ja erfüllt werden. Wie aus dem Nichts naht am Ende wenig elegant die Kavallerie um den Wölfen den Garaus zu machen und den Status Quo weitestgehend wieder herzustellen.

Das Covermotiv wurde von Timo Würz gestaltet und ist durchaus als Highlight zu bezeichnen. Tolle Farbgebung und Dynamik, wenn auch ein generelles Werwolfmotiv und nicht auf die Romanhandlung bezogen.

FAZIT
Alles in Allem präsentiert sich ARENA DER WERWÖLFE trotz einiger Redundanzen und Füllszenen sehr kurzweilig und punktet durch die gründliche Kenntnis der Figuren und der Sinclair-Historie.

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Tags: horror, ian rolf hill, john sinclair, werwolf, werwölfe   (5)
 

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sherlock holmes, historischer krimi, martin barkawitz, krim, blitz verlag

Sherlock Holmes jagt Hieronymus Bosch

Martin Barkawitz
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Blitz, 01.05.2014
ISBN 9783898403948
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

“ Der satanische Täter hatte sich nicht damit begnügt, die Gattin des Schuhmachermeisters einfach zu erstechen, was an sich schon entsetzliche genug gewesen wäre. Der Mörder hatte das Gesicht der Toten mit seinem Messer so bearbeitet, dass ihr Mund zu einem grotesken Grinsen verzerrt war, und ihr einen Nonnenschleier über den Kopf gestülpt, der ihr Haar verdeckte. Und neben der Leiche lag ein junger Birnbaum, der in einem Weinkeller garantiert fehl am Platz war.“

STORY
An einem Frühsommermorgen des Jahres 1895 spricht der Schuhmachermeister Tobias Merrick in der Baker Street 221b bei Sherlock Holms und John Watson vor. Er kommt direkt aus dem Weinkeller des Bloomsburry Hotels, wo man die verstümmelte und grotesk in Szene gesetzte Leiche seiner Ehefrau aufgefunden hat, die Merrick selbst an diesem Morgen auf dem Wochenmarkt wähnte. Laut Inspektor Lestrade von Scotland Yard ist dies bereits die dritte Leiche, die auf solch bizarre Art inszeniert wurde. Beim Anblick der Toten ist Sherlock Holmes sofort klar, dass es sich um Nachstellungen von Gemäldeszenen des flämischen Renaissancemalers Hieronymus Bosch handelt. Lestrade hat auch gleich einen Verdächtigen zur Hand. Archibald Hymer, der zwei Wochen zuvor aus einer Irrenanstalt ausgebrochen ist. Allein das Motiv der kunstvollen Morde liegt noch im Dunkeln und Sherlock Holmes glaubt, ob der Kunstfertigkeit der Morde, nicht an die Zufallstaten eines planlos agierenden Wahnsinnigen. Die Spur, der Holmes und Watson folgen, führt sie in Boschs Heimat, nach Amsterdam.

„Ihnen dürfte nicht entgangen sein, Watson, dass ich am Kiosk in Hoek van Holland die neuste Ausgabe des Telegraph erstehen konnte. Gleich auf Seite drei finden Sie einen ausführlichen Artikel, in dem die bisherigen Untaten des Mörders noch einmal rekapituliert werden. Inzwischen hat selbst der ungebildetste, englisch Journalist verstanden, dass die Leicheninszenierungen eine bizarre Hommage an den eigentlichen Hieronymus Bosch sind. Behalten sie die Tatsache im Hinterkopf, dass es sich bei unserem Mörder um einen glühenden Verehrer des holländischen Malers handelt. Ich denke, noch nie zuvor ist in der Presse so viel über das Lebenswerk dieses mittelalterlichen Künstlers geschrieben worden.“

MEINUNG
Natürlich ist es nicht der echte Hieronymus Bosch, den Sherlock Holmes hier jagt, wie es der Titel andeutet, liegen doch knapp 400 Jahre zwischen dem Tod des holländischen Künstlers und dem Jahr 1895, in dem der Roman spielt. Vielmehr geben Holmes und Watson dem Täter der Einfachheit halber diese Bezeichnung mangels eines tatsächlichen Namens.

Mit HIERONYMUS BOSCH liegt der erste Sherlock Holmes-Roman des Vielschreibers Martin Barkawitz im Blitz Verlag vor, wo einen Monat zuvor auch sein Hamburg-Thriller KEHRWIEDER erschienen ist. Ebenso wie Holmes-Autorenkollege J. J. Preyer schreibt Barkawitz für JERRY COTTON sowie (unter einigen Pseudonymen) Spannungsromane verschiedenster Couleur. So darf man im Vorfeld zumindest schriftstellerische Routine unterstellen und wird damit auch nicht enttäuscht. Wie zu erwarten, ist die Geschichte um dem „Hieronymus Bosch-Killer“ in erster Linie plotgetrieben und bietet Dienst nach Vorschrift ohne Gefahr zu laufen, sich in Sachen Charakter… zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Da ein gewisser Mystery-Faktor in einer Sherlock Holmes-Geschichte nie fehl am Platz ist, schickt der Autor den Detektiv an einige sehr schön geheimnisvolle Plätze, wie z.B. ein düsteres und mit Fallen gespicktes Wasserschloss als Residenz des Täters. Der atmosphärische Höhepunkt einer Mörderjagd, die vom „Blutkeller“ des ersten Tatorts über die Opiumhöhlen des Londoner East Ends bis ins Amsterdam der Jahrhundertwende führt. Das Motiv für die Morde rundet den Fall sehr schön ab, kommt jedoch am Ende relativ plötzlich um die Ecke.

FAZIT
Interessantes Sujet, souverän, atmosphärisch und flott geschrieben. Eine Empfehlung für alle Holmes-Fans, denen auch die Romane von J. J. Preyer gefallen.

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Tags: blitz verlag, historischer krimi, martin barkawitz, sherlock holmes   (4)
 

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luzifer verlag, horror, bestseller, tim curran, thriller

Leviathan / Kopfjäger

Tim Curran , Nicole Lischewski
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 25.09.2014
ISBN 9783958350090
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

“Scheiße auch, das gottverdammte Land ist voll mit Geistern und Gespenstern, Mac. Man bringt die Jungs zum Reden und schnell erzählen seinem einem von etwas, das die Toten wegschleift, um sie zu fressen – Sie haben ja nicht gedacht, dass Charlie alle seinen Toten wegholt, oder? -, und von anderen Dingen, die in den Baumwipfeln leben und in Höhlen und so. Vögel, die Menschen wegtragen und Schlangen, die einen ganzen Mann verschlucken können … seltsame Wesen, die nachts aus den Sümpfen kriechen. Vietnamesische Hexen und Teufel und Armeekompanien, die rumlaufen, obwohl sie seit Monaten tot sind.“
(Kopfjäger)

Kopfjäger
Mike „Mac“ McKinney begleitet 1970 als Kriegsberichterstatter einen Trupp Soldaten bei ihrem Einsatz in Vietnam. Tagtäglich wird er Zeuge, zu welchen Grausamkeiten die Menschen fähig sind. In einem kleinen Dorf hört er zum ersten Mal vom „Kopfjäger“, einem Wesen, das durch den Dschungel streifen, Menschen töten und die Köpfe seiner Opfer als Trophäen sammeln soll. Eine vietnamesische Legende, wie dutzende andere auch. Doch auch von den Soldaten hört Mac immer wieder seltsame Geschichten über dieses Wesen und aufgespießte Menschenköpfe mitten im Dschungel. Und plötzlich ist sich Mac sicher, dass der „Kopfjäger“ hinter ihm her ist.

Leviathan
Der Fotojournalist Johnny Horowitz ist befremdlich überrascht, als er auf den abgesperrten und menschenleeren Nordstrand von Seagull Island in Carolina stößt, den offenbar sogar die Tiere meiden. Zwar wurde vorhergesagt, dass der Hurrikan Amelia hier die Küste der USA erreichen soll, doch soll dieses Ereignis erst in einigen Tagen stattfinden. Als er im Sand menschliche Knochen entdeckt ist seine Neugier endgültig geweckt. Bei seinem nächsten Besuch dort, wird er schließlich Zeuge, wie sich die Realität dieses Landstrichs verändert und wie sich im Meer vor ihm zwei prähistorische Wesen bekämpfen. Horowitz hat Blut geleckt und sucht fieberhaft nach einer Möglichkeit aus diesem Phänomen Kapital zu schlagen. Doch die Wesen auf der anderen Seite dieses Zeitlochs sind Killermaschinen, denen nichts entgegen zu setzen ist.

„Obwohl er seinen Lebensunterhalt mit dem fotografieren von Stars verdiente, bedeutet das nicht, dass Johnny dumm war. Er wusste, was er gesehen hatte. Es gab keine Wale oder Meeressäuger oder verdammte Haie, die wie diese Viecher aussahen. Was er gesehen … gesehen, gehört und gerochen hatte, war eine Szene wie vor siebzig oder achtzig Millionen Jahren.“
(Leviathan)

MEINUNG
Mit dem Novellendoppel KOPFJÄGER/LEVIATHAN liegt die erste Veröffentlichung von Festa-Stammautor Tim Curran (ZERFLEISCHT, VERSEUCHT, DEAD SEA) in Steffen Janssens Luzifer-Verlag vor. Und vielleicht sind diese beiden Novellen nicht die schlechteste Wahl, musste man bei Currans Romanen doch stets bemerken, dass sich über die Romanlänge inhaltliche Wiederholungserscheinungen einstellen.

Hier spielt Curran seine Stärken aus, präsentiert in beiden Fällen etwas abgerissene Protagonisten, Einzelgänger und moralisch nicht so sehr sattelfest, doch mit hohem Identifikationspotenzial. Beide sind übrigens Journalisten im weiteren Sinne, die mit etwas Unerklärlichem konfrontiert werden. Von daher ist die Kombination der beiden Geschichten auch ganz passend. Sehr schön versteht es der Autor außerdem, eine latent bedrohliche Atmosphäre des Unbekannten aufzubauen, indem er vage Andeutungen, geflüsterte Gerüchte und Legenden die Runde machen lässt. Im feindlichen Kriegsgebiet des vietnamesischen Dschungels, umgeben von fiebrigen, halb wahnsinnigen Soldaten auf beiden Seiten, kann dies eine noch viel intensivere Wirkung entfalten als an einem vermeintlich sicheren, wenn auch aus unerfindlichen Gründen gesperrten Strand in Carolina. Doch auch hier lenkt Curran die Geschichte so, dass man einen beeindruckenden Sense-of-Wonder wahrnimmt, der sich am Ende zu einem mörderischen Albtraum entwickelt.

Was den Hintergrund oder eine Erklärung für den Kopfjäger, respektive das Zeitloch angeht, macht es sich Tim Curran in beiden Fällen einfach, indem er dies großzügig übergeht. In Vietnam schleicht eben ein Monster durch den Dschungel, das menschliche Köpfe aufspießt und den Rest der Körper kocht, an einem Strand in Carolina tut sich plötzlich ein Zeittunnel auf, durch den ein Dino in die Gegenwart trampelt. End of Message. So tun sich immerhin keine unliebsamen Längen auf. Zum Finale zieht sich Curran in beiden Fällen wieder auf die Schilderung von Brutalitäten zurück, so dass die Spannungsbögen in sich zusammen fallen.

Dass es auch ohne den zwangsläufigen Einsatz von Gekröse geht,  hat Curran mit den klassisch ausgerichteten Werken BISS DASS DIE ZEIT DEN TOD BESIEGT (Festa Verlag, 2011) (hier schreib Curran Lovecraft-Geschichten weiter) und DER LECIHENKÖNIG (Atlantis Verlag, 2011) bewiesen.

KOPFJÄGER/LEVIATHAN kommt als Doppelband dergestalt daher, dass die beiden Novellen nicht nacheinander abgedruckt sind, sondern dass man jede Geschichten von einer Seite aus lesen kann. Entsprechend haben beide Buchteile je ein eigenes, sehr gut gelungene Coverbilder, für die Michael Schubert verantwortlich zeichnet.

FAZIT
Sehr schön passende Novellenkombi von Extrem-Autor Tim Curran. In der eingeschränkten Länge kann der Autor seine Stärken ausspielen ohne Gefahr zu laufen, sich zu wiederholen.

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Tags: horror, luzifer verlag, tim curran   (3)
 

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thriller, festa verlag, joe kurtz, privat detektiv, dan simmon

Eiskalt erwischt

Dan Simmons
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 06.11.2012
ISBN 9783865521866
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Kurtz fuhr etwa drei Meilen, bis er zu der Erkenntnis gelangte, dass der Typ hinter dem Steuer des Hondas ein verfickter Idiot sein musste. Der Fahrer hielt sich so weit hinter ihm, dass Kurtz ein paar Mal nach einer Ampel oder einer Abzweigung langsamer fahren musste, damit sein Verfolger wieder zu ihm aufschließen konnte.“

STORY
Nach zwölf Jahren Knast wegen Totschlags versucht sich Joe Kurtz wieder als Privatdetektiv. Dass er mit seiner Vorgeschichte nie mehr eine entsprechende Lizenz bekommen wird, belastet ihn nicht weiter. Er sucht sich seine Mandanten kurzerhand selbst. Wie den Mafiaboss Byron Farino, dem – wie Kurtz im Gefängnis zu Ohren kam – sein Buchalter Buell Richardson ohne eine Spur zu hinterlassen abhanden gekommen ist. Kurtz soll nun herausfinden, ob Richardson gerade sein Insiderwissen verkauft oder – was besser für ihn wäre – tot ist.

„Kurtz wusste, dass es kein angenehmes Verhör würde, als Hathaway, der Kerl von der Mordkommission, die Jalousie vor den Einwegspiegel an einer Wand zog und dann das Kabel des Aufnahmemikrofons aus der Buchse im Fußboden riss, Ein zweites schlechtes Vorzeichen war, dass er Kurtz mit Handschellen hinter dem Rücken an einen Metallstuhl mit gerader Lehne fesselte, der fest mit den Fußboden verschraubt war.“

MEINUNG
Kurzerhand prügelt Joe Kurtz den Mörder seiner Partnerin durch ein geschlossenes Fenster auf die wesentlich tiefer liegende Straße, dazu landet dieser noch direkt auf einem Polizeiwagen, und fährt für Totschlag 12 Jahre in den Bau ein. Kaum wieder auf freiem Fuß verschwendet er auch weiterhin keinen Gedanken an Reue, besinnt sich auf seine Stärken und auf Arlene Demarco, die er kurzerhand für sein neues Detektivbüro ohne Lizenz, dafür im Keller unter einem Pornoladen gelegen, erneut als Sekretärin rekrutiert. Auch wenn Kurtz nicht in den Gelben Seiten steht, bleibt er nicht lange arbeitslos. Er verlässt sich auf die Gerüchte, die im Knast die Runde gemacht haben und bietet sich einer Mafiafamilie als unbürokratischer Problemlöser in einer prekären Lage an.

Kaum hat er mit der Suche nach dem verschwundenen Buchhalter der Farinos begonnen, sieht sich Kurtz eingekeilt zwischen verschiedenen Interessengruppen, denen gar nicht so unbedingt etwas am Wiederauftauchen des unerwünschten Geheimnisträgers Richardson liegt. Kurtz selbst wäre da nur ein Kollateralschaden. Unter anderem ist ihm ein Killerduo auf den Fersen, wie es aus einem Roger Moore-James Bond stammen könnte, ganz zu schweigen natürlich von der Polizei, die Kurtz grundsätzlich auf dem Kieker hat.

Dan Simmons ist in erster Linie für seine Horror- (GÖTTIN DES TODES/SONG OF KALI, SOMMER DER NACHT) und Science-Fiction-Werke (ENDYMION, HYPERION, OLYMPOS) bekannt. Seine letzten prominenten Romane waren die historischen Mystery-Thriller TERROR und DROOD. EISKALT ERWISCHT, sein erster Beitrag in Sachen Hard Boiled-Thriller wurde im Original bereits im Jahr 2001 veröffentlicht und kann mit Fug und Recht als ordentlicher Genrebeitrag gewertet werden. Simmons bedient die bekannten Klischees, die bereits durch zahllose prinzipientreuer, wortkarger und einer körperlichen Auseinandersetzung nicht abgeneigter Zyniker vor ihm festgelegt wurden. Das geht soweit, dass Kurtz sogar – ganz den Genrekonventionen folgend – von der Tochter seines Auftraggebers verführt wird, die im Hintergrund ganz eigene Pläne verfolgt. So gibt die Geschichte dem Genre keine neuen Impulse mit, doch bedient Simmons die bekannten Klischees so satt, dass der Roman auch nicht enttäuscht.

Dass das Buch im Festa Verlag erschienen ist, sagt eigentlich schon alles über die Qualität der Präsentation aus. Einwandfreie Verarbeitung, Umschlag in exklusiver Lederoptik, auch nach dem normalen Lesen gibt es keine Gebrauchsspuren. Das Format ist mit 20×12,5 cm etwas größer, als man es von den Festa Taschenbüchern kennt und hat damit eher Paperbackcharakter. Titelbild und –layout sind wirkungsvoll zusammengestellt, wenn auch ohne Handlungsbezug.

FAZIT
Joe Kurtz erweist sich als Klon zahlloser Hard Boiled-Kollegen, wie z.B. Mickey Spillanes Mike Hammer, die stoisch, kompromiss- und skrupellos ihren Weg im Dienst der Sache verfolgen.

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Tags: dan simmon, festa verlag, hard boiled, thriller   (4)
 

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jeff strand, bernhard reicher, paul finch, visionarium, thomas ballhausen

VISIONARIUM 5: Träume und Schatten

Bernhard Reicher , Jeff Strand , R. C. Doege , Paul Finch
Flexibler Einband: 172 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 04.05.2015
ISBN 9781511834094
Genre: Sonstiges

Rezension:

“Begreifen Sie doch, mein Arbeitgeber wird Ihnen keine Menschenfleischbratwurst verkaufen, und damit hat sich’s!“ sagte Stephan. „Sie können etwas von unserem bestehenden Vorrat kaufen oder gehen! Ich will nicht unhöflich sein, aber die meisten Kunden hätten den Hinweis darauf, dass wir keine Gelegenheiten zum Kannibalismus bieten, schon vor Minuten verstanden.“
(
Jeff Strand: Bad Bratwurst)

STORIES

Jeff Strand: Bad Bratwurst
Obwohl „Prechtels Bratwurst“ bekanntermaßen die beste Bratwurst in ganz Deutschland herstellt, sind die Geschäfte des Wurstherstellers stark rückläufig. Da schlägt ihm sein Angestellter vor, etwas an dem Rezept zu ändern, möglicherweise anderes Fleisch zu verwenden, das billiger zu heben ist. Vielleicht Menschenfleisch. Schockiert weist der Eigentümer diese Möglichkeit von sich, als kurz darauf ein vermeintlicher Kunde den Laden betritt und ihm hervorragendes Fleisch ungenannter Herkunft anbietet um Prechtels Bratwurst zu neuen Höhen zu führen.

R. C. Doege: Leere Häuser
Es ist sein 37. Geburtstag, als Leo in einer Bar seinen Vater trifft. Sein Vater, der in dieser Bar gerade 30 ist, Leo mit nach Hause nimmt, zu sich und seiner Mutter, in ein Leben, das so nie gewesen ist. Dann eine Erinnerung an seine Jugendfreundinnen. Und an ein seltsames Ritual. Dann das Erwachen.

Thomas Ballhausen: Kleine Zeichenkunde
Der ungenannte Erzähler betritt den Platz inmitten der Stadt, um den sich die verschiedenartigen Häuser aus allen Teilen des Reiches gruppieren. Heute soll der Komet über der Stadt zu sehen sein. Und tatsächlich ziehen die Kometen gut sichtbar über den Himmel. Ein Schauspiel, das Erinnerungen in dem namenlosen Zuschauer weckt.

Paul Finch: Tok
Drei Frauen wurden in ebensolvielen Nächten in der Wohnsiedlung „The Graces“ erdrosselt. Grund genug für Don Presswick, gemeinsam mit seiner Frau Bernadette, nach seiner Mutter zu sehen, die dort alleine in ihrem Haus lebt.

„Vielleicht war es ein Scherz. Vielleicht gab es solch komische Erzeugnisse wie dieses an jedem Marktstand von Banjul bis Johannesburg zu kaufen. Doch in Wahrheit war nichts Komisches am Halsband, das die Puppe trug, die aus menschlichen Zähnen zu bestehen schien, während ihr ledernerer Tanga, dessen frontaler Beutel offensichtlich eine kleine Garnitur männlicher Genitalien beherbergte, eine Spur Realität zu viel war.“
(Paul Finch: Tok)

MEINUNG
Auch die inzwischen fünfte Ausgabe des österreichischen Visionarium-Journals – ein kleines Jubiläum – besticht zunächst wieder mit dem bekannten, schmucken Jugendstil-Layout in das Grafiker Jörg Vogeltanz diesmal einen in Ehren ergrauten Gentleman einmontiert hat, um den sich von hinten bedrohlich wirkende Krabbenarme schlingen um diesen möglicherweise mit unvergesslichen Träumen zu versorgen. Ganz dem Motto der Ausgabe entsprechend.

Wie stets konnte Herausgeber Dr. Nachtstrom wieder ganz unterschiedliche namhafte, sowie noch zu entdeckende AutorInnen gewinnen, die den Geschichtenanteil bestreiten. Als da wären der hinreichend bekannte Autor Jeff Strand (GRABRÄUBER GESUCHT, SARG ZU VERKAUFEN, BENJAMINS PARASIT, FANGBOYS ABENTEUER), der Thrillerautor Paul Finch (Mark-Heckenburg-Reihe), der bekennende Philip K. Dick-Fan R. C. Doege und der Literaturwissenschaftler Thomas Ballhausen. Letzterer knüpft mit seiner – zugegeben herausfordernden – Geschichte an seine Geschichtensammlung IN DUNKLEN GEGENDEN (Edition Atelier, 2014) an, von der es im Heft auch zwei Exemplare zu gewinnen gibt. Eigenständig dagegen präsentiert sich Jeff Strands skurrile Mär vom Metzgermeister, den offenbar jeder überreden möchte, auf Menschenfleisch als Bratwurstfüllung zurück zu greifen. R. C. Doege spielt, ganz in Anlehnung an sein Vorbild Dick, mit dem schleichenden Realitätsverlust seiner Hauptfigur. Als Kontrast bietet Paul Finch eine geradlinige urbane Monstergeschichte klassischer Couleur. Das macht Spaß und man könnte sich TOK auch sehr gut als Film vorstellen. Wie es schon Tradition ist, wird jeder der Geschichten von einer exklusiven Grafik begleitet, die diesmal Anna-Maria Jung, Johann Peterka und Axel Weiß beisteuerten. Die Übersetzungen (BAD BRATWURST, TOK) von Bernhard Reicher wirken etwas gestelzt, doch immer noch angenehm zu lesen und dieser Stil passt sehr gut zu den skurrilen Sujets.

Im Magazinteil unterhält sich Bernhard Reicher mit dem Autor Thomas Ballhausen über Entstehung, Stil und Hintergründe von dessen Kurzgeschichtenband IN DUNKLEN GEGENDEN (siehe oben). Als Ergänzung zu dem Buch absolut empfehlenswert.

Interview Nummer 2 führt Hr, Reicher mit einem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter, der lieber ungenannt bleibt, über dessen Werdegang bei der Bundeswehr und beim Geheimdienst sowie seine durch ein Nahtoderlebnis ausgelöste Hinwendung zum Schamanismus.

Dazwischen ein Essay von Dr. Nachtstrom über die Wirkung der (eigenen kindlichen) Fantasie und Vorstellungskraft und der Erfahrungen mit dem Werk des selbsternannten Gurus. Kultführers und Autors und Carlos Castaneda (DIE LEHREN DES DON JUAN), der in den 1970er und -80er Jahren fragwürdige Popularität erlangte.

FAZIT
Die deutliche Affinität der Artikel zu parawissenschaftlichen Themen ist natürlich Geschmackssache, doch kann das jeder Leser für sich entscheiden. Fakt ist, dass auch Band 5 der Reihe nicht enttäuscht und das hohe Niveau – inhaltlich wie optisch – gehalten werden kann.

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rohde verlag, richard castle, david nathan, nikki heat, cros cult

Heat Wave: Hitzewelle (Nikki Heat 1)

Richard Castle
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Rohde Verlag, 13.05.2016
ISBN B01FMAATXK
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Die Hitze, die ihr entgegenschlug, hätte sie beinahe wieder zurück in den Wagen taumeln lassen. Draußen herrschten fast vierzig Grad. New York war ein Schmelzofen, und der weiche Asphalt auf der Siebenundsechzigsten Straße West gab unter ihren Füßen nach, wodurch es sich anfühlte, als liefe sie über nassen Sand. Heat hätte es sich einfach machen und näher am Tatort parken können, doch das war ein weiteres ihrer Rituale: der Weg zu Ort des Geschehenes. An jedem Tatort fand man eine gewisse Art von Chaos vor, und diese sechzig Meter Fußweg boten ihr die einzige Gelegenheit, einen eigenen, unverfälschten Eindruck von der Situation zu gewinnen.“

STORY
Während der Big Apple unter einer rekordverdächtigen Hitzewelle leidet, stürzt der New Yorker Immobilienmogul Matthew Starr vom Balkon seiner Wohnung in den Tod. Kampfspuren deuten darauf hin, dass es sich nicht um einen Selbstmord handelt. Je weiter die Ermittlungen von Detektive Nikki Heat und ihrem Team, gemeinsam mit dem Journalisten Jameson Rook, führen, desto mehr bröckelt Starrs öffentliche Fassade des angesehen und integren Geschäftsmanns.

„Rook kniete sich neben Heat, um das winzige Stoffstück anzusehen. „Sie meinen, jemand der ihn über das Geländer gestoßen hat.“ Heat nickte und Rook tat es ihr nach. Sie sahen einander an, und die Nähe zu ihm brachte sie ein wenig aus dem Konzept, doch sie wich nicht zurück. Fast Nase an Nase hockte sie mit ihm in der Hitze, hielt seinem Blick stand und beobachtete, wie das Sonnenlicht in seinen Augen tanzte. Und dann blinzelte sie. „Oh verdammt“, dachte sie, „was war das denn? Ich kann mich doch nicht wirklich zu diesem Kern hingezogen fühlen. Völlig unmöglich.“

MEINUNG
Mit HEAT WAVE liegt der erste Roman um den weiblichen Detective Nikki Heat vor, für den der fiktive Autor Richard Castle verantwortlich zeichnet. Und in dieser Metaebene liegt auch der eigentliche Witz des Romans, bei dem es sich um ein – wenn auch sehr eigenständiges – Merchandisingprodukt zur Fernsehserie CASTLE handelt. Die Hauptfigur der Serie ist der Bestsellerautor und Bürgermeisterspezi Richard Castle, der als Beobachter dem Team von Detective Katherine „Kate“ Beckett der New Yorker Mordkommission zugeteilt wird, um für seine geplante Romanserie um die Mordermittlerin Nikki Heat zu recherchieren. Nach anfänglichem Beschnuppern erweist sich der zunächst selbstherrliche und  gönnerhafte Kindskopf Castle mit seinen ungewöhnlichen Denkansätzen bald als echte Bereicherung für das Team und auch die toughe Beckett selbst kann sich seinem Charme letztendlich nicht entziehen. Auch die Veröffentlichung seiner Romane kommt in der Serie immer wieder zur Sprache. Mit HEAT WAVE schwappt die Serienrealität nun erstmals in die echte Welt und der erste Nikki Heat-Roman des fiktiven Autors liegt in den Buchläden der realen Welt. Das Spiel mit Realität und Fiktion geht soweit, dass es z.B. einen Wikipedia-Eintrag zu Richard Castle gibt der einen kompletten Lebenslauf inkl. Bibliografie aufweist. Das Autorenfoto (auch auf den Büchern und den Autoren- und Verlagswebseiten) ist das von Castle-Darsteller Nathan Fillion. Wer die Bücher tatsächlich schreibt, wurde bis heute nicht verraten.

Im Grunde handelt es sich bei NIKKI HEAT um eine kaum veränderte Kopie des CASTLE-Settings. Die konzentrierte und zunächst unnahbare Nikki Heat ist unschwer als Kate Beckett zu erkennen und der für einen Artikel recherchierende Journalist Jameson Rook, der auf du und du mit Rockstars, Richtern und Mafiaschlägern ist, natürlich als Richard Castle himself; nur dass beide wesentlich schneller im Bett landen, als in der Fernsehserie. Auch Becketts Kollegen Kevin Ryan und Javier Esposito finden ihre 1:1-Entsprechung in den Detectives Raley und Ochoa – gemeinsam „Roach“ genannt.

Der Fall „Matthew Starr“ taugt ebenfalls eher als Fersehepisode, denn als cleverer Thrillerbestseller. Hat man schon einige Folgen CASTLE gesehen, kennt man die Schritte und Vorgehensweisen der Figuren. Einer nach dem Anderen werden die Verdächtigen abgeklappert, Rook gibt einige abenteuerliche Theorien zum Besten und häppchenweise hangelt man sich, unterbrochen von 1-2 überraschenden Wendungen, der Lösung des Falls entgegen. Dass das trotzdem nicht langweilig wird liegt an der großartigen Figurenzeichnung, dem Esprit und den liebevoll-frotzeligen Gesten, die hier brillant aus der Serie in das Medium Buch übertragen wurden. So verfügt auch NIKKI HEAT über die wohldosierte Mischung aus Screwball-Comedy und Krimi, die auch CASTLE auszeichnet. Der Verdacht liegt also nahe, dass für die NIKKI HEAT-Romane tatschlich eine/r der DrehbuchautorInnen der Serie verantwortlich ist, wie teilweise spekuliert wird.

In erster Linie richtet sich die Buchreihe natürlich an CASTLE-Fans, die hier ihre Fernsehhelden unschwer wieder erkennen und ihren Spaß an den zahlreichen Parallelen von Roman und Serie haben werden. Allerdings sind keine Vorkenntnisse notwendig, so dass das Buch ohne Verständnisprobleme auch von „Neulesern“ gelesen werden kann.

DAS HÖRBUCH
Wenn schon ein männlicher Interpret, so ist es schade, dass hier nicht Nathan Fillion-Synchronsprecher Tobias Kluckert genommen wurde. Doch natürlich macht auch die deutsche Johnny Depp-Stimme David Nathan seinen Job, wie immer, brillant. Nicht umsonst gehört er zu den derzeit begehrtesten Hörspiel- und Hörbuchsprechern. Ohne die Stimme zwanghaft verstellen zu müssen, macht er die Charaktere unterscheidbar und ermöglicht es so, sehr gut in die Szenen einzutauchen. Gerade NIKKI HEAT funktioniert als Hörbuch sehr gut, da das Medium noch eine Stufe näher am Fernsehen ist, als ein Buch.

FAZIT
Unterm Strich bekommt der CASTLE-Fan hier „nur“ eine Serienepisode in einem anderen Medium vorgesetzt, doch ist dies so großartig und souverän adaptiert, dass HEAT WAVE einfach nur Spaß und Lust auf weitere Romane macht.

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geisterspiegel, romantruhe, phantastik

Dark Crime II. Geisterspiegel-Anthologie 5

Anne Brandt , Wolfgang Brandt
Geheftet: 232 Seiten
Erschienen bei Romantruhe, 01.02.2014
ISBN 9783864731051
Genre: Sonstiges

Rezension:

»Den Rest des Tages verbrachte ich damit, Beermanns Aufzeichnungen zu studieren. Auch ihm war die Sauberkeit an den Tatorten aufgefallen. Das hatte ihn zu der Spekulation veranlasst, es könne sich um mehrere Täter handeln, von denen einer den Tatort reinigte, während der andere das Herz herausschnitt. Er hatte die Theorie allerdings schnell wieder verworfen.
Zum Ende hin wurden seine Notizen zunehmend verworrenere. Er fabulierte von einer Verschw
örung in höchsten Kreisen, von notwendigen Blutopfern und anderes wirres Zeug mehr.«
(Gerd Ruebenstrunk: Das letzte Opfer)

Gerd Ruebenstrunk: Das letzte Opfer
Warum der Abteilungsleiter ausgerechnet ihn schickte, die Mordserie in der Stadt am Meer zu untersuchen, war ihm nicht klar. 12 Menschen ohne erkennbare Verbindung waren innerhalb von drei Monaten der die Schädel eingeschlagen worden. Bei der Besichtigung der Tatorte sieht es so aus, als wären aus großer Höhe Backsteine oder Ziegel auf die das Opfer geworfen worden. Und nicht nur das. Alle 100 Jahre scheint sich eine solche Mordserie in der Stadt am Meer zu wiederholen.

Michael Kirchschlager: Der Crako und der Ascheturm
Die Einladung des Königs von Westerhausen zu einem Takabskollegium gibt dem Crako (Criminalkommissarius) seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelm I., Freiherr Friedrich von Krosigk, reichlich Gelegenheit von den tödlichen Bestrafungsmethoden zu referieren, die er auf seinen Reisen gesehen hat. Unter anderem vom Ascheturm.

Rafael Hoppe: Spieglein, Spieglein
Immer häufiger auftretende Gedächtnislücken zwingen Detective Inspector Joey Kendall in den verfrühten Ruhestand: (hier befindet sich ein falscher Doppelpunkt). Ausgerechnet den Mord an seinem besten Freund konnte er nie aufklären. So ermittelt Kendall auf eigene Faust weiter, doch  gerade als er neue Zeugen verhört, hat er einen seiner Aussetzer. Kurz nachdem er wieder zu sich kommt erfährt er von der Ermordung seiner Zeugen

Andreas Zwengel: Vollmond über Venedig
Zur Aufklärung einer Diebstahlserie fordert die venezianische Polizei den Deutschen Walter Seyferd um Amtshilfe an. Mithilfe von Dampfbooten gelingt es der Diebesbande auf den venezianischen Kanälen stets zu entkommen. Das besondere Interesse der  Verbrecher gilt einem Artefakt, das einen besonderen Wert für Werwölfe darstellt.

Regina Schleheck: Kopf in den Sternen
Das russische Astronomenpaar Grigori Abramowitsch und Pelageja Fjodorowna Schain sind sich nicht bewusst, dass ihre Verbindung aus weiter Ferne argwöhnisch beäugt wird. Doch der Beobachterin entgeht nichts. Nicht die periodischen Schwankungen in Pelagejas Stimmung und nicht ihr verdächtiges Verhalten nach Grigoris vermeintlichem Unfalltod, das nur einen Schluss zulässt: Pelageja hat ihren Mann umgebracht und muss dafür bestraft werden.

Katja Zucchetti: Stummes Herz
Nachdem Kriminalkommissarin Delia Porte auf einen telefonischen Hilferuf ihres Freundes Dr. Zadkiel »Zak« Gruzzo reagiert hat, findet sie in seinem Haus ein Monster vor, das behauptet Zak zu sein. Doch dies und der Fund von 25 Frauenherzen im Trevi-Brunnen sind für die Kommissarin nur der Auftakt einer Nacht voller Überraschungen.

Carsten Thomas: Kopfsache
Jakowsky ist einer der besten in seinem Job und er glaubt, bei seinen Aufträgen schon alles gesehen und erlebt zu haben. Doch sein aktueller Auftrag, die Ermordung des Baumagnaten Albert Baader verläuft anders als geplant und Jakowsky sieht sich plötzlich als Teil einer ganz besonderen Sammlung wieder.

Mara Laue: Beaking Point
Auf einer Segeljacht werden sieben Menschen regelrecht zerrissen. Nun sitzt der Psychiater Erik der einzigen Überlebenden des Massakers und damit der Tatverdächtigen gegenüber. Ein zartes Geschöpf namens Irina. Nur die Vulkanasche, die am Tatort gefunden wurde, wie auch die verbrannten Fußabdrücke lassen sich nicht einordnen.

Thomas Backus: Fünf tote Huren
Der vermeintliche Gentleman, der Lizzie Strode in eindeutiger Ansicht anspricht, erkennt die Dirne erst im letzten Augenblick als ihre Schicksalsgenossin Mary Kelly. Doch Lizzie kehrt nach ihrer Ermordung als Geist zurück und verfolgt Marys weiteres Treiben.

Gerold Schulz: Tödliche Gedanken
Als die Anwaltstochter Andrea Burg nach Tübingen zurückkehrt um ihren Freund, den Studenten Wilhelm Gmelin zu sehen, erwartet sie eine böse Überraschung. Gmelin liegt schwer verletzt im Hospital, seine Wohnung ist total verwüstet. Die Spur führt zu Gmelins Professor Albert Kugelmann, der eine besondere Form der Hirnforschung betreibt.

Torsten Scheib: Mr. Smith
In nur einer einzigen Nacht veranstaltet Mr. Smith eine ganze Reihe Blutbäder unter dem Abschaum der Stadt, an den die Polizei normalerweise nicht herankommt. Und eben jener Mr. Smith sitzt nun im Verhörzimmer Detective Kowalski gegenüber. Doch Smith ist nicht nur ein kaltblütiger und gewissenloser Killer, er weiß auch Dinge, die er gar nicht wissen kann und er wird geschützt von den höchsten Hierarchen der Polizei.

Michael Kirchschlager: Der Crako und die Totengräber
Auf ihrem Weg nach Leipzig werden der Criminalkommissarius Freiherr Friedrich von Krosigk und sein Adjutant Kosemaul von einem Unwetter überrascht und müssen im Haus eines Lerchenfängers Unterstand suchen. Unterwegs werden sie Zeuge einer seltsamen Prozession, die sich beeilt, verschnürte Leichname unter die Erde zu bringen. Nicht das letzte Mal, dass die beiden Edelmänner auf diese speziellen Totengräber treffen.

»Als der Rachegeist sein Werk vollendet hatte, war von Mary Kelly nicht mehr viel übrig. Ein kaum mehr erkennbarer Haufen Fleisch auf einem blutgetränkten Bett. Das Gesicht zerschnitten, Ohren und Nase abgerissen, ebenso die ehemals so ansehnlichen Brüste. Die Organe herausgenommen und lustlos auf den Nachttisch geworfen, die Därme wie eine leuchtend rote Weihnachtsdekoration an den Bilderhaken aufgehängt.«
(Thomas Backus: F
ünf tote Huren)

MEINUNG
Nach »Dark Vampire«, »Dark Future« und »Dark History« war »Dark Crime« die vierte und erfolgreichste Anthologie, die Anke und Wolfgang Brandt, die Betreiber des Literatur- und Medienportals http://www.geisterspiegel.de, federführend zusammengestellt hatten. Erfolgreich genug jedenfalls, um ihr nun eine zweite Ausgabe folgen zu lassen. Und dass Krimi und Phantastik auch vor und nach dem Gespenster-Krimi gut zusammen funktionieren, davon zeugen unzählige Beispiele von Auguste Dupin bis Harry Dresden.

Geheimnisvolle Morde, mysteriöse Diebstähle und unerklärliche Tatortspuren, das sind die Zutaten der hier geschilderten Kriminalfälle, die alle nicht mit herkömmlichen, sprich rationalen Mitteln zu begreifen sind. Flüche, Geister, Werwesen, skrupellose Wissenschaftler und sogar die Gestirne selbst drängen die Ermittler an den Rand der Rationalität und darüber hinaus. Die Motive indes unterscheiden sich gar nicht so sehr von denen realistischer Verbrechen. Habgier, Eifersucht und Rache stehen auch bei übernatürlichen Tätern hoch im Kurs. Und ein Jack the Ripper-Beitrag, um dessen Taten noch immer der Nimbus des Geheimnisvollen wirkt, gehört schon fast zum guten Ton (»Fünf tote Huren).

Herausgekommen ist eine schöne Mischung die stilistisch von einer Fluchgeschichte mit Lovecraft-Atmosphäre (»Das letzte Opfer«) bis zu einer rotzigen Verhörschilderung (»Mr. Smith«) reicht. Auch thematisch wird einiges geboten: Eine Werwolf-Diebesbande (»Vollmond über Venedig«), einen Ermittler mit Erinnerungslücken (»Spieglein, Spieglein«), eine skurrile Sammelleidenschaft (»Kopfsache«), Telekinetische Experimente (»Tödliche Gedanken«) und noch etliches andere verursachen neben Spannung noch die Gänsehaut.

Etwas aus der Rolle fallen die Beiträge des Historikers Michael Kirchschlager, bei denen es sich um Tatsachenberichte und Beschreibungen von Folter- und Tötungsmethoden handelt, die Teil seiner wissenschaftlichen Forschungen sind. Für diese Anthologie hat er die Schilderungen je in eine kleine Rahmenhandlung um seinen »Helden« Criminalkommissarius »Crako« Freiherr Friedrich von Krosigk verpackt. Zwei Romane um den Crako und seine geheimnisvollen Fälle sind 2006 und 2007 im Festa-Verlag erschienen.

Das Cover wurde von Wolfgang Brandt gestaltet. Dazu wurde ein Bild der Sammlung Kirchschlager (die Szene findet sich wieder in »Der Crako und der Feuerturm«) in den schwarzen Rahmen gesetzt, den alle Geisterspiegel-Anthologien bisher gemein haben. Der Titelschriftzug »Dark Crime II« verschwindet in dem unruhigen Bild auf den ersten Blick. Das Auge muss sich erst orientieren, um den Schriftzug auszumachen.

FAZIT

Auch die zweite Sammlung phantastischer Kriminalfälle aus dem Hause Geisterspiegel beweist, dass die Mischung aus Rationalität und dem Unerklärlichen vielfältige Möglichkeiten bietet, die immer wieder gut funktionieren.

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grotesque verlag, zoe angel, morbus, wien, charly blood

MORBUS 2: Im Prater tanzt der Sensenmann

Charly Blood , Zoë Angel
E-Buch Text: 119 Seiten
Erschienen bei Evolver Books Verlag, 16.05.2016
ISBN 9783902910271
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Ach wie wunderbar ist es doch, ein Clown zu sein,. Er würde sich Zeit lassen, er hatte einfach viel zu lange nicht mehr richtig gespielt. Die meisten seiner Opfer warne zu langweilig gewesen. Er hatte sich an ihrem Lachen und kindlichen Gemüt gelabt, nur um danach festzustellen, dass da nichts mehr übriggeblieben war, was sich zu zerstören lohnte.“

STORY
Da Bernd Waidmann nicht zu seiner Verabredung mit Petra Jesselmaier erscheint, führt Harald „Harry“ Teufel das Gruftimädchen alleine ins unterirdische Hautquartier der Basilisk-Gruppe, den auf dem Kopf stehenden, unterirdischen Ketzerdom von Wien. Dort erfährt Petra, dass Basilisk nur eine von zahlreichen weltweit agierenden Partnerorganisationen ist, die sich mit paranormalen Fällen beschäftigen.

Alarmiert von Waidmanns andauernder Abwesenheit nimmt sich das Basilisk-Team als Ansatzpunkt seiner Suche den aktuellen Fall des Privatdetektivs vor: Ein Junge ist bei einem, Praterbesuch verschwunden und 24 Stunden später wieder aufgetaucht. In der kurzen Zeit seines Verschwindens wurde aus dem fröhlichen Bub ein in sich gekehrter, melancholischer und unzugänglicher Junge. Das Basilisk-Team recherchiert, dass es schon seit den 1960er-Jahren ähnliche Fälle auf dem Pratergelände gegeben hat. Derweil erwacht Waidmann in den hinteren Räumen der Prater-Geisterbahn. Auge in Auge mit einem lebenden Skelett.

„Grimm liebte Musik – und besonders einen Künstler, der gerade dabei war, sein zweites Album auf den Markt zu bringen. Dank guter Kontakte konnte es der Knochenmann schon jetzt genießen. Als die ersten Takte erklangen, begann sich das bleich Gerippe immer rhythmischer zu bewegen. […] Er liebte das Lied „Junge Römer“ einfach unglaublich. Da gingen bei Grimm alle Pferde durch. Oder wie man es auch ausdrücken könnte: Da blieb kein Knochen auf dem anderen. Alte Skelette tanzen einfach anders.“

MEINUNG
Teil 2 einer Serie ist grundsätzlich eine ziemlich undankbare Platzierung, da die Folge stets im Zugzwang steht, die vom meist überdurchschnittlichen Auftaktband gesetzten Erwartungen mindestens zu erfüllen. Im vorliegenden Fall muss man bescheinigen, dass Band 2 sogar noch besser geworden ist als Teil 1. Mussten in BLUTSCHWUR DER DONAULEICHEN zwangsläufig noch die Hauptpersonen eingeführt werden, können sich die Autoren nun voll auf das Geschehen konzentrieren, die ohne Vorrede sofort mit zwei Handlungssträngen einsetzt. Einerseits wird die Basilisk-Gruppe genauer beleuchtet, weitere Personen werden vorgestellt, andererseits muss das Rätsel um Waidmanns Verschwinden gelöst werden, das weiter führt zum Fall der der verschwundenen Kinder auf dem Pratergelände. Souverän gelingt es den Autoren, nicht nur ein wohltuendes Gleichgewicht zwischen beiden Handlungssträngen, sondern auch ein insgesamt hohes Erzähltempo zu halten. Sogar in Sachen Skurrilität legt SENSENMANN gegenüber dem Vorgänger noch eine Schippe drauf. Schon alleine die Figur des lebenden Skeletts Grimm, der sein Tagewerk in der Geisterbahn des Praters verrichtet und nebenher Basilisk seine Erfahrung als Insider zur Verfügung stellt (und zu Falco tanzt), wäre mindestens einen Grimm One-Shot wert.

Insgesamt verbreitet MORBUS 2 heimeliges Groschenheftflair mit einer großzügig bemessenen Portion Skurrilität, die den Österreichern offenbar besonders im Blut liegt und die die Serie von anderen Publikationen abhebt. So schickt sich MORBUS an, eine Art phantastisches KOTTAN ERMITTELT zu werden.

Grimm hat offenbar auch Jörg Vogeltanz zum Coverbild inspiriert, das unter Verwendung des Bildes „Selbstporträt mit fiedelndem Tod“ von Arnold Böcklin entstanden ist.

FAZIT
Morbus 2 hält sogar mehr als Teil 1 versprochen hat. Skurril, rasant und mit einem glücklichen Händchen für die Figuren. Weiter so!

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horror, vampire, southern gothic, audible, george r. r. martin

Fiebertraum

George R. R. Martin
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Audible GmbH, 25.01.2010
ISBN B0030GXL0C
Genre: Sonstiges

Rezension:

 „Fevre Dream? Halten sie diese Wahl nicht für ein wenig unheimlich? Für mich stecken in diesem Namen Krankheit, Fieber und Tod und Wahnvorstellungen. Träume, die man nicht träumen sollte.“

STORY
Der charismatische aber sonderbare Joshua York macht dem finanziell angeschlagenen Schifffahrtsbetreiber Abner Marsh ein überraschend großzügiges Angebot, um sich in dessen Schifffahrtslinie, die „Fevre River Packet Company“ einzukaufen, die nach einer Frostkatastrophe aus nur mehr einem mittelprächtigen Schiff besteht. Als Gegenleistung für seine Großzügigkeit stellt York einige befremdliche Forderungen. Marsh ist bereit, sich auf den Handel einzulassen, wenn York ihm den Bau eines prachtvollen und schnellen Raddampfers finanziert, der es mit den besten Schiffen seiner Konkurrenten aufnehmen kann. Die „Fevre Dream“ wird gebaut und Marsh und York beginnen ihre Reise den Fluss hinab.

Ungewöhnliche Umstände erfordern es, dass sich York schließlich durchringt, Marsh über seine wahre Natur aufzuklären. Er und seine Entourage sind Vampire, die jedoch ein friedliches Zusammenleben mit den Menschen anstreben. In jahrelangen Versuchen hat York ein Elixier entwickelt, das es den Vampiren erlaubt, den „roten Durst“ zu stillen ohne Menschen töten zu müssen. York möchte alle Vampire um sich scharen und von seiner Ideologie überzeugen. Aus diesem Grund ist er auf der Suche nach dem Blutmeister Damon Julian, der mit seinen Anhängern afu einer Plantage ein Louisiana lebt. Als sie Julian finden, willigt dieser ein, York auf der „Fevre Dream“ zu treffen und ihn anzuhören. Doch Julians Besuch auf dem Schiff gleicht einer Kriegserklärung.

„York blickte auf und ihre Augen trafen sich. Bis zum Ende seiner Tage würde sich Abner Marsh an diesem Moment erinnern, an diesen ersten Blick in Joshua Yorks Augen. Welche Gedanken er auch gehegt, welche Pläne er auch geschmiedet hatte, alles wurde von dem Mahlstrom in Joshua Marks Augen aufgesogen.“

MEINUNG
Leise und bedächtig wie das stetige Raunen des Mississippi entwickelt sich George R. R. Martins Vampirroman FIEBERTRAUM im Angesicht der schwülen Flusslandschaft des amerikanischen Südens, die den Rahmen dieser großartigen und ungewöhnlichen Vampirgeschichte bildet. Martin versetzt die gemeinhin aristrokratisch-unterkühlten Nosferati aus den eisigen Karpaten in die betäubende Schwüle des amerikanischen Südens und erschafft damit eine heißblütige und unberechenbare Art von Vampiren. Sicher war es auch 1982 kein Novum, klassische Horrorfiguren ihrem klischeehaft angestammten Umfeld zu entreißen und in ein anderes Umfeld zu pflanzen, doch selten hat das so gut funktioniert wie in hier.

Zuvor jedoch gibt sich George R. R. Martin erfolgreich alle erdenkliche Mühe mit der Charakterisierung und Entwicklung seiner Figuren. Weder York noch Marsh können hier als grundlegend gut oder böse bezeichnet werden. Die Beziehung der beiden Hauptpersonen ist komplex und erhält im Verlauf des Romans etwas von einer ambivalenten Symbiose. Obwohl sich beide ebenso gut als Feinde gegenüber stehen könnten, werden Abner March uns Joshua York im Angesicht eines gemeinsamen Feindes schließlich zu Männern, die trotz ihrer Verschiedenartigkeit eine seltsame und innige Kameradschaft verbindet. Als physische Metapher für die Entwicklung seiner Charaktere verwendet der Autor die Reise auf dem Mississippi, die von Unsicherheit geprägt ist. Mit der Ankunft auf Damon Julians Plantage schließlich erreichen die Männer das sprichwörtliche Herz der Finsternis. Parallelen zu Joseph Conrads gleichnamigem Roman sind durchaus vorhanden.

„In seinen Träumen gab sie während ihrer Fahrt keinen Laut von sich und weiße Gestalten huschten lautlos über die Decks und bevölkerten den großen Salon. Und in ihren Kabinen hockten angsterfüllt die Passagiere, bis sich die Türen eines Nachts öffneten und sie zu schreien begannen.“

Obschon auch in den 1970ern Vampirromane keine Seltenheit waren biedert sich George R. R. Martin mit seiner Geschichte nirgendwo an sondern erschafft hier eindrucksvoll eine bis heute ganz und gar eigenständige Variante des Genres. Behutsam ohne zu langweilen baut er Geschichte und Charaktere auf, scheut sich nicht vor Beiwerk und Zeitkolorit, ohne jedoch je den roten Faden zu verlieren. Wer die ersten beiden JUDAS-Bücher von Markus Heitz mochte, dem sei dieser Klassiker der Vampirliteratur wärmstens empfohlen.

DAS HÖRBUCH
Obwohl es sich um eine exklusive Eigenproduktion des Online-Anbieters Audible handelt, konnten die Hörbuch-Spezialisten mit Reinhard Kuhnert (Synchronsprecher von u.a. David Strathairn, Bruce Davison, William H. Macy) einen absoluten Profi gewinnen, dessen Vortrag jede Minute fesselt. Herausragend ist der fast einstündige hypnotische Monolog von Joshua York, in dem er Abner Marsh seinen Lebens- und Leidensweg als Vampir darlegt, seine Suche nach Artgenossen, sowie die Suche nach Erlösung vom „roten Durst“. Aktuell liest Reinhard Kuhnert für Audible auch die Hörbuchumsetzung von George R. R. Martins DAS LIED VON EIS UND FEUER.

FAZIT
Grandios-üppiger Vampirroman, der in allen Belangen überzeugt. Ebenso wie die herausragende Hörbuchumsetzung, die keine Minute langweilt.

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thriller, 7 tage der rache, patrick senéca, tod, horror

7 Tage der Rache

Patrick Senécal
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 07.04.2014
ISBN 9783865523006
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„In den kommenden sieben Tagen wirst du vor dem Zubettgehen jedes Mal sagen könne, dass hinter dem Monster, das unsere Tochter vergewaltigt und getötet hat, ein Tag des Leidens liegt. […] Er wird nie wieder dieses verdammt arrogante Lächeln auf den Lippen haben. Verstehst du? Bis zum nächsten Montag kannst du dir sicher sein, dass irgendwo der Mörder deiner Tochter vor Schmerzen laut brüllt.“

STORY
Jasmine, die siebenjährige Tochter von Bruno Hamel (Claude Legault) und Sylvie Bérubé (Fanny Mallette) kommt eines Tages nicht zur gewohnten Zeit von der Schule nach Hause. Nach einigen Stunden wird ihre Leiche aufgefunden. Vergewaltigt und ermordet. Vier Tage nimmt die Polizei den Täter Anthony Lemaire fest. Ab da reift ein Plan in Hamels Kopf. In einem abgelegenen Haus lässt sich der Arzt nach seinen eigenen Plänen eine Apparatur aus Ketten, Winden und einem Stahltisch bauen. Danach – während seiner Überführung ins Gericht – entführt er Lemaire, um ihn in eben jenem Haus sieben Tage lang für den Tod seiner Tochter leiden zu lassen. Danach will er sich der Polizei stellen. Doch Hamel unterschätzt die Auswirkungen dieser Extremsituation auf seinen eigenen Geist, der – unterstützt von steigendem Alkoholkonsum – immer mehr entgleist. Und während Hamel in der Bevölkerung Gegner wie auch Fürsprecher findet, setzt sich Detective Sergeant Hervé Mercure auf seine Spur, der selbst unter dem kaltblütigen Mord an seiner Frau leidet.

„Bruno spürte, wie etwas in ihm zersprang, sich sein Magen verengte. […] Vier Tage hatte ihn der Verlust von Jasmine so stark in Anspruch genommen, dass ihm, so verrückt das jetzt erschien, nie der Gedanke gekommen war, dass es einen Vergewaltiger, einen Mörder gab, der sich noch auf freiem Fuß befand, Zum ersten Mal verlagerten sich seine Gefühle von seinem Verlust hin zur Existenz dieses Mörders.“

BUCH & FILM
Zunächst sei gesagt, dass weder Roman noch Film besonders angenehm sind, geschweige denn, besonders viel Spaß machen. Beiden ist gemeinsam, dass Bruno Hamel nicht zu einem Sympathieträger aufgebaut wird und damit recht bald die Grenzen zwischen Opfer und Täter verschwimmen. Hamel ist besessen von seinen ganz persönlichen Rachegedanken, die er ohne Rücksicht auf Verluste auslebt und in die er nicht einmal seine Partnerin einbezieht.

Die Verfilmung von Patrick Senécals Roman hält sich nicht nur inhaltlich sehr eng an die Vorlage, sondern trifft den tristen Ton des Romans sehr gut, wenngleich einige Passagen stark gestrafft wurden und einzelne Szenen damit etwas in der Luft hängen. So fehlt im Film beispielsweise die akribischen Vorbereitungen Hamels auf Lemaires Entführung und Folterung. Man fragt sich mit Recht, wie denn ein einzelner Mann die Eskorte des Mörders einfach so ausschalten kann. Hier erweist sich der Roman in seine Ausführlichkeit als folgerichtiger.

Dort wird auch Hamels abdriften in den Wahnsinn – verstärkt durch aus dem Ruder laufenden Alkoholkonsum – sehr viel deutlicher. Er glaubt, um die Hütte herum immer wieder das Bellen eines Hundes zu hören. Das Echo eines prägenden Erlebnisses, das er einige Jahre zuvor hatte. Ein Detail, an dem Kommissar Mercure ansetzen kann um Hamel aus der Reserve zu locken. Dieser Aspekt fehlt im Film völlig. Stattdessen zieht es den Film-Hamel immer wieder zum angefressenen Kadaver eines Rehs nahe seiner Hütte.

Auch die Figur des Polizisten Mercure wurde für den Film angepasst. Während der Roman-Mercure immer wieder den Mörder seiner Frau – diese wurde bei einem Ladendiebstahl erschossen – im Gefängnis besucht, begnügt sich der Film-Mercure damit, sich immer wieder das Überwachungsvideo des Ladens anzusehen, auf dem die Erschießung seiner Frau festgehalten ist.

Was die Folterszenen angeht, gehen Buch und Film in ihrer Präsentation recht schonungslos zur Sache, auch wenn die Gewalt nie zum Selbstzweck verkommt. Die unterkühlte und triste Darbietung erlaubt es dem Zuschauer zudem, einen gewissen Abstand zum beschriebenen/gezeigten Geschehen zu wahren. Den Darstellern von Bruno Hamel (Claude Legault) und Anthony Lemaire (Martin Dubreuil) muss auf jeden Fall Mut für ihre überzeugende Darstellung attestiert werden..

Bereits 2002 erschienen, hat der Festa-Verlag – als der führende Verlag für harte Thriller und Horrorromane – Senécals Roman dieses Jahr in seine Horror-Taschenbuch-Reihe aufgenommen, wo er sich auch ohne phantastische Bestandteile gut eingliedert. So ist es durchaus denkbar, dass auch Senécals Romane 5150 RUE DES ORMES (5150 ELM’S WAY) und EVIL WORDS bald im Verlagsprogramm zu finden sind. Beide wurden auch bereits verfilmt und finden sich zusammen mit 7 DAYS in der „Störkanal“-Reihe des Labels I-On New Media.

FAZIT
Sowohl als Buch wie auch als Film ist 7 TAGE DER RACHE/7 DAYS ein trister und schwer zu ertragender Rache-Thriller, in dem das Täter-/Opferverhältnis zusehends verschwimmt und das auch die psychologischen Folgen von Hamels Racheaktion nicht ausspart.

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MORBUS 1: Blutschwur der Donauleichen

Charly Blood , Zoë Angel
E-Buch Text: 116 Seiten
Erschienen bei Evolver Books Verlag, 16.05.2016
ISBN 9783902910264
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Lach nicht, der Donaufürst ist ein mächtiges Wesen. Wehe denen, die ihm begegnen. Die werden von ihm in die Tiefen des Flusses gezerrt. Auch mit seinen Töchtern geht er grausam um […] Nur durch Schläue vermögen sie hin und wieder aus dem Palast zu fliehen. […] Du kannst sie in Tanzstuben antreffen, ohne dass du erkennst, dass du ein Donauweibchen vor dir hast. Doch wehe, ihr Vater kommt drauf.“

STORY
Touristenführer und Schwerenöter Christian Fischer lässt nichts anbrennen. Sein Beruf gibt ihm reichlich Gelegenheit, sich unter seinen „Kundinnen“ dankbare Gespielinnen für eine Nummer auszusuchen. Und sind diese mal nicht ganz so willig, haben ein paar Schläge schon immer nachgeholfen. Mit der blauhaarigen Schönheit Loreley ist er jedoch an die falsche geraten. Als er nach seinem Vergnügen mit ihr zu nahe an der Donau steht, wird er ins Wasser gezogen und stirbt. Seine Leiche wird von Goth-Girl Petra Jesselmaier und ihrer Clique gefunden, was Petra in Kontakt mit dem Privatdetektiv Bernd Waidmann bringt, der von Fischers Frau auf den Schürzenjäger angesetzt war. Petra kann Waidmann überzeugen, nichts mit dem Tod des Fremdenführers zu tun zu haben und beide machen sich gemeinsam auf die Tätersuche. Dabei ist es von Vorteil, dass Petra das zweite Gesicht hat, denn Fischers Mörder sind nicht von dieser Welt. Und Fischers Kollege und Mittäter Stephan Swoboda soll das nächste Opfer der Donauleichen werden.

„Etwas legte sich um seinen Kopf, ein Schwindel, gefolgt von einem stechenden Schmerz. Dann spürte er schon, wie sein Mageninhalt nach oben wanderte. Er erbrach sich zwischen all den Leuten. Und was da hochkam, war keineswegs ein halbverdautes Frühstück. Es war Wasser aus der majestätischen Donau, denn es kamen auch ein paar noch lebende Fische mit raus …“

MEINUNG
Mit MORBUS legt die Edition preQuel (seit Sommer 2013 Edition Gwydion) in ihrem Imprint „Grotesque“ einen Spin-Off zur „Groschenheftserie“ OMEN vor. Während OMEN die „Aufsehenerregendsten Fälle von Pantherion“ zum Inhalt hat, werden in MORBUS die Fälle der Wiener „Pantherion“-Partnerorganisation „Basilisk“ geschildert. Damit ist MORBUS ein weiterer Bestandteil des multimedialen PANTHERION-Universums der Österreicher um Bernherd Reicher und Dr. Nachtstrom. Während die Printversionen der OMEN-Bände jedoch als dünne Taschenbücher über Amazon CreateSpace produziert weerden, ist die MORBUS-Serie klassischer Heftchengrusel reinsten Wassers. Das fängt beim genial-reißerischen Titel an, geht über das klassische geklammerte Heftromanformat und das zweispaltige Textseitenlayout bis hin zum herrlich trashigen Inhalt.

Als Ermittler, die in einer Serie dieses Formats nicht fehlen dürfen, fungieren der erfahrene Ü40-Privatdetektiv Bernd Waidmann und die jugendliche und impulsive Goth-Göre Petra Jesselmaier, die mit einer visionären Begabung ausgestattet ist. Eine ungewöhnliche Kombination, die sich jedoch bald einschleifen dürfte. Denn in der mystischen Parallelwelt Wiens, in die das Duo stolpert, sind die gesellschaftlichen Vorzeichen umgekehrt: Dort ist die medial veranlagte Petra die Erfahrene und der Detektiv gilt als ihr ahnungsloses Anhängsel. Während ihrer Ermittlungen treffen Waidmann und Petra außerdem auf Harry Teufel (Nomen est Omen?), der beide zu manipulieren sucht und in Teil 2 für die Geheimorganisation „Basilisk“ anwerben wird, die paranormale Fälle in Wien und Umgebung untersucht. Im Zusammenspiel mit den skurrilen Ereignissen und einer ordentlichen Portion Wiener Schmäh im O-Ton gestaltet sich MORBUS so als eine Mischung aus JOHN SINCLAIR, LARRY BRENT und KOTTAN ERMITTELT. Und das nicht zuletzt wegen des Settings im Jahr 1984.

Als Gegenspieler von „Basilisk“ müssen zunächst Wesen und Legenden herhalten, die in der österreichischen Folklore angesiedelt sind, etwa so wie in Gunter Arntzens CHRISTOPH SCHWARZ-Serie, die sich deutschen Sagen widmet.

Was den Ton ihrer Geschichten angeht, so haben Waltraud Lengyel (alias Zoë Angel) und Werner Skibar (alias Charly Blood) den Esprit und die souveräne Schreibe der Heftromanautoren perfekt verinnerlicht, sind doch beide bekennende Fans des Genres und des Formats. Im Fall MORBUS gesellt sich zu dem oft aufgesetzten Ernst des Genres noch ein angenehm beiläufiger und teils morbider Humor.

Die ersten beiden MORBUS-Hefte sind als Druckversion exklusiv über den Verlag Evolver Books erhältlich, wo inzwischen auch überarbeitete Ebook-versionen der Romane zu haben sind. Teil 3 und 4 sind kürzlich zusammen in einem Band als Taschenbuch bei Evolver Books erschienen und auch ganz normal über den Buchhandel zu beziehen. Selbstredend auch als Ebooks, da auch einzeln.

Und wem das Coverbild bekannt vorkommt … dafür hat Grotesque-Stammgrafiker Jörg Vogeltanz John Everett Millais Gemälde „Ophelia“ verwendet.

FAZIT
Geniale Verbeugung vor und gleichzeitig Einreihung in die Reihe klassischer Gruselheft-Groschenromane. Präsentiert mit einer ordentlichen Portion Wiener Schmäh.

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