Elmar Huber

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47 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

hamburg, krimi, selbstjustiz, rache, korruption

Kanakenblues

David Gray
Flexibler Einband: 376 Seiten
Erschienen bei Pendragon, 16.02.2015
ISBN 9783865324542
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die alte Kaffeemaschine hatte sich ausgeröchelt. Boyle griff nach der Kanne und goss die dampfende Flüssigkeit in einen Porzellanbecher.
„Morgen, Arschloch“, prostete er durchs Küchenfenster dem Plakat auf dem Bauzaun gegenüber zu. Das Plakat zeigte ihn selbst, wie er breit lächelnd dem Betrachter eine Polizeimarke entgegenstreckte. Darunter stand in großen, vertrauenerweckend blauen Lettern: „EINER VON UNS.“

STORY
Hauptkommissar Lewis Boyle von der Pressestelle der Polizei Hamburg wird zum Tatort eines Mordes gerufen. Der Sohn des Polizeipräsidenten Carl Stiller wurde erschossen, regelrecht hingerichtet. Stiller will Boyle unbedingt bei der Soko dabei haben, und versetzt ihn dafür kurzerhand zur Mordkommission. Stiller hat Beweise dafür, dass Boyle ein Jahr zuvor nicht nur eine Festnahme der Drogenabteilung hat platzen lassen, sondern auch, dass er das Koks, das als Köder dienen sollte, direkt aus der Asservatenkammer an einen Dealer verkauft hat. So glaubt er, etwas gegen den Beamten in der Hand zu haben, um ihn kontrollieren und ggf. die Ermittlungen lenken zu können.

Zuvor am selben Tag erfährt der Bauarbeiter Younas davon, dass seine Tochter, die kurz vor dem Abitur steht, von vier jungen Männern vergewaltigt wurde. Auf den Druck seines Schwagers und seiner Ehefrau fasst er widerwillig den Plan, die vier Männer zu töten, die seiner Tochter eine vielversprechende Zukunft geraubt haben.

„Wer immer meinen Sohn erschossen hat, müsste schon sehr viel Pech haben, wenn er dafür mehr als die üblichen zwölf bis fünfzehn Jahre kassiert. Aber zwölf bis fünfzehn Jahre Knast sind mit zu wenig. Das hat mein Junge nicht verdient.“

MEINUNG
Bereits einige Jahre zuvor hat David Gray den vorliegenden Roman unter dem Titel GLASHAUS in Eigenregie veröffentlicht. Als es zur Zusammenarbeit mit dem Pendragon Verlag kam, wurde das Buch dann zusammen mit den Lektoren wesentlich erweitert und einige Veränderungen vorgenommen. Es ist also komplett überarbeitet worden.“ Und KANAKENBLUES macht sich sehr gut im Programm des Bielefelder Verlages, der dem geneigten Leser vor allem für sein ausgesuchtes Programm moderner Krimis, wie z.B. auch für seine Robert B. Parker-Edition bekannt ist.

Nach eigener Aussage wollte David Gray eine Geschichte schreiben, in der „jede Hauptfigur gute Gründe dafür hat, das strafrechtlich, bzw. moralisch verwerfliche zu tun“ (Interview auf http://wortgestalt-buchblog.blogspot.de). So wimmelt es in dem Roman von Grauzonen, keiner der Charaktere hat eine weiße Weste, jeder hat die eine oder andere Fehlbuchung auf seinem Konto. Sogar die Hauptfigur Lewis Boyle ist beileibe kein Saubermann, doch kommt man als normal tickender Leser mit ihm und dem, was ihn antreibt, noch am besten klar. So erklärt sich Boyles rechtliches Fehlverhalten immerhin aus Integrität zu denen, die ihm nahe stehen und richtet sich gegen jene, die ihm selbst ans Bein pissen wollen.

Die Stärke des Autors besteht darin, seine Charaktere, nachdem sie einmal aufgestellt sind, wie Spielfiguren durch das Geschehen zu treiben, die ihre Handlungen und Entscheidungen nahezu vollständig durch äußere Umstände bestimmt. Überdies gelingt es ihm nicht nur, die Motivationen der Figuren klar heraus zu arbeiten, sondern diese auch für den Leser nachvollziehbar aufzubauen. Hüben wie drüben auf dem schmalen Grat der Gesetzestreue. Ganz dicht ist Gray dabei an seinen Personen dran, so dass der Leser gemeinsam mit den Protagonisten in einen Ereignisstrudel gesaugt wird, der einen erst ganz am Ende und ordentlich durchgekaut wieder ausspuckt. „Irgendwie wenigstens den Kopf über Wasser halten“, lautet die Devise. So kann man KANAKENBLUES – nicht zuletzt wegen des Handlungsortes Hamburg – ganz treffend als adrenalingetriebene Mischung der TATORTe mit Mehmet Kurtuluş und seinem Nachfolger Till Schweiger beschreiben.

Im Groben besteht KANAKENBLUES aus zwei Handlungssträngen. Einerseits dem Weg des Soko-Ermittlers wider Willen, Lewis Boyle, der plötzlich unter dem enormen Druck steht, möglichst schnell den Mörder des Sohnes seines obersten Vorgesetzten zu finden und dabei auch noch mit seinem neuen Team klar kommen muss. Auf der anderen Seite dem Pfad des Rächers seiner Tochter Younas, der sein Handeln, zu dem ihn andere gedrängt haben, selbst nicht vollständig vor sich rechtfertigen kann. Doch einmal diesen Weg beschritten, gibt es für ihn auch kein Zurück mehr.

Beide „Kontrahenten“ sind also nicht mit voller Überzeugung bei ihrer jeweiligen Sache und man könnte sich die beiden gut zusammen in einer Kneipe bei einem gemeinsamen Bier vorstellen.

Im Gegensatz zur moralischen Unschärfe, die den Roman beherrscht, ist zu bemerken, dass der Handlungsverlauf sehr gut durchgeplant ist und die Geschichte zu keinem Zeitpunkt zu entgleisen droht. Möglicherweise kommt es KANAKENBLUES hier zugute, dass die Geschichte bereits einmal geschrieben und hierfür „nur“ professionell überarbeitet wurde.

Ein zweiter Fall mit Lewis Boyle ist bereits in Arbeit.

FAZIT
Brillanter Hard Boiled Thriller aus Hamburg. Eine Tour de Force durch alle möglichen Grauzonen, die von vorneherein kein gutes Ende nehmen kann.

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Tags: david gray, hamburg, hamburg krimi, krimi, lewis boyle, pendragon verlag, thriller   (7)
 

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festa verlag, thriller, splatter, festa extrem, horror

Buk und Jimmy ziehen nach Westen - Extrem

Brett McBean
E-Buch Text: 141 Seiten
Erschienen bei Festa, 24.01.2014
ISBN B00I1C27MI
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Menschen sind bloß die Hirngespinste Gottes, genau wie die Leute auf der Kinoleinwand die Hirngespinste von Drehbuchschreibern, Schauspielern und Regisseuren sind. Wir sind alle bloß Schauspieler, die das kranke Drehbuch von Gott umsetzen. Scheiße, sind die größten Regisseure wirklich Kubrick, Hitchcock, Kurosawa oder Bunuel? Nein! Gott ist der größte Regisseur von allen. Sein Film ist der längste, den es je gegeben hat und er bringt alles mit, was man sich von einem Film wünschen kann.“

STORY
Nach dem 20jährigen Treffen seiner Abschlussklasse beschließt der Filmfreak William „Buk“ Thompson, der stets der Schweigsame an der Schule war, nicht wieder nach Hause zu fahren, sondern mit seiner ehemaligen Mitschülerin Sue im Kofferraum nach Hollywood zu fahren, wo all die Stars aus Buks geliebten Filmen zuhause sind. Unterwegs macht er die Bekanntschaft des jungen Jimmy, den er vor einem Psychopathen rettet. Buk findet Gefallen an dem Jungen, in dem er langsam aber sicher die zweite Hauptrolle im ganz persönlichen Film seines Lebens sieht.

„Dieser junge Kerl war schon etwas Besonderes. Ein weinerlicher Feigling von einem Menschen, aber auch vollkommen naiv und unschuldig – wie ein großer Klumpen Knetmasse, der nur darauf wartet, bearbeitet und in irgendeine erkennbare Form gebracht zu werden.
Er erinnerte Buk ein wenig daran, wie er selbst in diesem Alter gewesen war, nur dass dieser Junge viel weiblicher war und Buk zudem um einiges besser aussah.“

MEINUNG
2010 tauchte der Australier Brett McBean mit dem hammerharten Roman DIE MUTTER dank Festa auf dem deutschen Markt auf. Dabei reihte er nicht einfach derbe Folterszenen aneinander, er hat dem Roman noch einen psychologischen Unterbau und eine schmerzhafte Dichte verpasst, der den Roman weit über die üblichen Hardcore-Thriller hinaus gehoben hat, was schließlich sogar zu einer nochmaligen Veröffentlichung in Heynes Hardcore-Label geführt hat. Die Nachfolger DIE BESTIEN und DAS MOTEL waren immer noch gut zu lesen, fielen gegen DIE MUTTER jedoch sehr viel flacher aus. BUK UND JIMMY ZIEHEN NACH WESTEN ist nun McBeans Einstand in der Festa Extrem-Reihe, wo gerne nochmal eine Schippe draufgelegt wird, so dass die Bände gleich gar nicht über den normalen Buchhandel zu beziehen sind. Irgendwie widerwillig, weil man Brett McBean im Grunde doch als Autor schätzt, muss man feststellen, dass die Qualitätskurve noch weiter nach unten geht. Zwar ist BUK UND JIMMY immer noch super – hardboiled-mäßig, knapp und schnell –  geschrieben, doch bleibt mam als Leser bei der Verfolgung dieses blutigen Road Trips teilnahmslos außen vor. Die Gewaltszenen geraten zum Selbstzweck und selbst die Augenblicke, die Buks von Hollywood geprägte Sicht der Welt spiegeln, wollen keinem richtigen Spaß machen. Da helfen auch die in Schreibmaschinenschrift eingeschobenen Drehbuchausschnitte und Storyboards nichts. So ist BUK UND JIMMY zu albern für einen dichten Thriller geraten und zu ernsthaft für eine schwarze Komödie.

Die Verarbeitung, Layout und Satz sind dagegen wieder erstklassig geraten. Gewohnt bewährte Festa-Qualität. Das Buch verfügt nicht über eine ISBN und ist nur direkt beim Verlag erhältlich.

FAZIT
Ansonsten darf Brett McBean gerne als Garant harter und dichter Thriller gelten, BUK UND JUMMY ZIEHEN NACH WESTEN ist dagegen alles andere als überzeugend geraten.

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Tags: brett mcbean, festa extrem, festa verlag, thriller   (4)
 

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ramon k. perez, jerry juhl, mystery, dani books, jim henso

Jim Henson's Tale of Sand

Jim Henson , Jerry Juhl , Ramón K. Pérez ,
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei dani books, 04.03.2014
ISBN 9783944077413
Genre: Comics

Rezension:

STORY

Auf seinem unbestimmten Weg durch die Wüste gerät Mac in ein kleines Wüstenkaff, in dem gerade ein Fest stattfindet. Die Einwohner benehmen sich, als hätten sie den Neuankömmling erwartet und auch der Sheriff begrüßt ihn wie einen alten Bekannten, für den er auch gleich einen Auftrag hat. Weiter durch die Wüste, bis nach Eagle Mountain soll Mac es „schaffen“. Dann wäre er „in Sicherheit“. Dazu erhält er einen Rucksack voller merkwürdiger Dinge, einen riesenhaften Schlüssel und zehn Minuten „Vorsprung“. Eigenartig, denn er ist sich weder einer Gefahr, noch irgendeiner Aufgabe bewusst. Doch tatsächlich bemerkt er auf seinem Weg bald einen Verfolger, der ihn offenbar töten will. So hat er gar keine andere Wahl, als seinen Weg nach Eagle Mountain fortzusetzen.

MEINUNG

Mit TALE OF SAND liegt beim jungen Verlag dani books ein absolutes Art-Highlight vor. Die Geschichte von Muppet-Erfinder Jim Henson und seines Autorenkollegen Jerry Juhl erblickte das Licht der Welt als Drehbuch für einen Film der nie realisiert wurde. Allerseits für ihre Kreativität gelobt, wollte doch niemand den beiden ein solches Projekt finanzieren. Offenbar tickten die Hollywood-Bosse schon in den 1970ern so wie heute und misstrauten Geschichten, die sich in keine Schublade fügen lassen.

In enger Zusammenarbeit mit Lisa und Brian Henson, den Nachlassverwaltern vin Jim Henson und Leitern der Jim Henson Company, setzte Archaia Entertainment dieses unverfilmte Drehbuch fast 40 Jahre nach seiner Fertigstellung als kunstvolle Graphic Novel um
Die Geschichte erzählt von Mac, einem jungen Mann, über den man nichts weiter erfährt, der quasi aus dem Nichts kommt und dem eine vage Aufgabe übertragen wird, für die er sich nicht verantwortlich fühlt, bis ihn ein Verfolger unter Lebensbedrohung förmlich drängt, seinen Auftrag zu erfüllen. Auf seiner Flucht durch die Wüste hat unser „Held“ zahlreiche surreale Begegnungen, die sich allesamt seinem Einfluss entziehen und die ihn immer wieder aufhalten und von seinem Weg abbringen. Und stets ist ihm sein Verfolger auf den Fersen, unermüdlich, allwissend und sogar immer einen Schritt voraus.

Natürlich ist von Anfang an klar, dass zwischen Mac und seinem Verfolger eine Verbindung besteht, doch welcher Art diese ist, enthüllt sich erst zum Schluss. Ein wunderbares Element, das viel Spielraum für Deutungen lässt und TALE OF SAND über einen reinen Cartoon hinaus hebt.

Sieht man sich die Geschichte an, so atmet TALE OF SAND zweifellos das psychedelische Odeur der späten 1960er Jahre und bildet ein wildes, pastellfarbenes Konglomerat aus Alejandro Jodorowskis EL TOPO, dem kafkaesken NUMMER SECHS, und einer ordentlichen Ladung Anarchohumor a la LOONEY TUNES.

Gerade unter diesem Aspekt war der Künstler Ramon K. Perez eine perfekte Wahl. Der cartoonhaft-überspitzte, doch auch sehr detaillierte Zeichenstil, spiegelt perfekt die Absurdität der Ereignisse wider, denen Mac hilflos ausgesetzt ist. Darüber hinaus, kommt der Comic über weite Strecken ohne Text und Dialoge aus, was ebenfalls für die Meisterschaft von Señor Perez spricht.

Die Surrealität wird noch dadurch unterstrichen dass der Künstler z.B. Bildteile in andere Panels hinein ragen lässt, Bild-im-Bild-Technik verwendet oder im Bildhintergrund die Original-Drehbuchseiten von Jim Henson einfügt sind und noch einige weitere grafische Überraschungen.

Ergänzt ist der Band mit einer detaillierten Einführung von Karen Falk (Archivleiterin der Jim Henson Company), die das gesamte kreative Schaffen von Jim Henson beleuchtet, einem Nachwort von Tochter Lisa Henson und einem Interview mit Zeichner Ramon Perez geführt von Comic-Profi Christian Endres.

Damit und mit der Präsentation als hochwertig gefertigtes Hardcover im Format 20,3 x 28,5 cm stellt TALE OF SAND ein uneingeschränkt sammelwürdiges Liebhaberstück dar.

FAZIT

Surreales Cartoon-Komödien-Drama nach einem unverfilmten Drehbuch von MUPPET-Erfinder Jim Henson in einer erstklassigen Präsentation.

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Tags: dani books, jerry juhl, jim henso, mystery, ramon k. perez, surreal   (6)
 

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Blutige Stille (Kate Burkholder 2)

Linda Castillo
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Argon Verlag, 27.03.2012
ISBN B0083JCJZY
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Er registriert sofort Planks ungefesselte Hände, die kurze Entfernung zwischen Waffe und Leiche, die Austrittswunde im Hinterkopf. Wie jeder gute Polizist zieht er Schlüsse daraus. […] Dem Augenschein nach ist Plank durchgedreht, hat seine Familie ermordet und sich dann den Pistolenlauf in den Mund gesteckt und abgedrückt. Der amische Teil meiner selbst, der fest in mir verwurzelt ist, auch wenn ich mich noch so weit vom Amischsein entfernt habe, kann sich nicht vorstellen, dass ein amischer Mann, ein amischer Vater, seiner Familie so etwas antut.“

Inhalt
Kate Burkholder, die Polizeichefin von Painters Mill, Ohio wird mit der bestialischen Ermordung der siebenköpfigen Amischfamilie Plank konfrontiert. Neben den Leichen gibt es eindeutige Anzeichen dafür, dass die beiden pubertierenden Töchter der Familie vor ihrem Tod brutal gefoltert wurden. Mary Plank, eine der Töchter, war darüber hinaus offenbar schwanger. Von dem Fötus fehlt jede Spur.

„Er hoffte, dass Zimmerman sich in der Anzahl der Opfer geirrt hatte und dort hinten auf dem Boden Wäsche zum Flicken lag; oder Futterbeutel, die jemand aus der Scheune hereingeholt hatte. Doch die Hoffnung wurde zunichtegemacht, als im Schein der Lampe zwei weitere leblose Körper sichtbar wurden. Ein Halbwüchsiger, der schwarze Hosen mit Hosenträgern trug. Und ein kleiner, rothaariger Junge, der in einer so großen Lache Blutes lag, dass sie unmöglich aus diesem schmächtigen Kinderkörper stammen konnte.“

MEINUNG
In Painters Mill, Ohio leben die Amischen, die sich unter anderem den Errungenschaften der modernen Technik verweigern, in nächster Nachbarschaft zu den „Englischen“. Der zweite spektakuläre Fall, den Kate Burkholder dort zu lösen hat, konfrontiert die Polizeichefin von Painters Mill nicht nur mit der bestialischen Auslöschung der amischen Familie Plank, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit. Denn auch sie wurde als Amische geboren, hat sich aber als Heranwachsende von dem Glauben und der einfachen Lebensweise losgelöst und ist aus dieser eingeschworenen Gemeinschaft ausgetreten. Eine Entscheidung, die allen heranwachsenden Amischen frei steht. Trotzdem lässt ihre Vergangenheit sie oft noch als Bindeglied zwischen den Amischen und den „Englischen“ funktionieren. Ein Umstand, der ihr bei diesem Fall sehr von Nutzen ist.

So weit, so gut, so absehbar. Leider gestaltet sich auch die Polizeiarbeit in Sachen Familienexekution alles andere als überraschend. Schon nach den ersten Ermittlungsschritten konzentrieren sich die Nachforschungen auf die 15-jährige Mary Plank und ihr Umfeld. Die Tatsache, dass Mary schwanger war und der oder die Mörder ihr den Embryo aus dem Leib geschnitten haben, lässt Kate Burkholder verständlicherweise nach einem möglichen Vater als dringend Tatverdächtigem suchen – nicht zuletzt auch aufgrund der Einträge in Marys Tagebuch. Ein anderes Mordmotiv wird ab da gar nicht mehr in Betracht gezogen. Vorhersehbar hangeln sich Kate Burkholder und ihre Kollegen bei ihren Befragungen an den Verdächtigen entlang. Das Ganze entspricht dabei der Standarddramaturgie einer Fernsehserie, nur wesentlich aufgeblähter.

Mit den bestialischen Morden und der angeschnittenen Snuff-Thematik will BLUTIGE STILLE irgendwie hart und modern sein; die Beteiligung der Amischen könnte das reizvoll kontrastieren. Stattdessen entwickelt sich die Geschichte vorhersehbar, langatmig und ohne erzählerische Kniffe. Unwichtige Details werden kleinlich aufgezählt, während andererseits ganze Ermittlungsschritte einfach übersprungen werden wie z.B. die Befragung eines Amischen, der jungen Mitgliedern hilft, die Gemeinschaft zu verlassen.

Das Wiedersehen von Kate Burkholder mit dem CIB-Agenten John Tomasetti, mit dem sie seit dem Vorgängerband DIE ZAHLEN DER TOTEN ein loses Verhältnis pflegt (nicht zuletzt durch den räumlichen Abstand bedingt) erweist sich  als absolut unnötig und bringt weder die Krimihandlung, noch die Figur Kate Burkholder am Ende weiter.

DAS HÖRBUCH
Schauspielerin, Sängerin, Sprecherin Tanja Geke (Synchronstimme von Zoe Saldana) gefällt als „Stimme“ von Kate Burkholder; der Roman ist in der „Ich-Form“ verfasst. Die weiteren Personen werden sehr gut unterscheidbar durch überzeugende Anpassungen ihrer Intonation. Lediglich John Tomasetti erscheint in Fr. Gekes Interpretation eher als durchgehend grummeliger Teddybär, denn als stets gut gekleideter ebenbürtiger Partner für Kate. Das stark verschliffene „Pennsylvaniadeutsch“ der Amischen und sogar der noch mehr verstümmelte Dialekt eines geistig zurückgebliebenen Jungen gelingt ihr dagegen ausgesprochen gut.

Das Hörbuch ist produziert vom Argon Verlag, doch nur als Download über Audible zu beziehen. Durch die Audible-Politik, vorwiegend ungekürzte Hörbücher anzubieten, muss der Hörer wieder einige verzichtbare Längen in Kauf nehmen.

FAZIT
BLUTIGE STILLE will mehr sein, als es eigentlich ist. Man wird das Gefühl nicht los, dass Linda Castillo gerne einen kompromisslosen Thriller mit Anspruch und Romantik geschrieben hätte und am eigenen Anspruch gescheitert ist.

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kommissar x-roman, a. f. morland, thriller, cassiopeiapress, hard boiled

N.Y.D. - Abserviert von zarter Hand (New York Detectives): Cassiopeiapress Spannung

A. F. Morland
E-Buch Text: 158 Seiten
Erschienen bei BookRix, 30.05.2016
ISBN 9783739616193
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Was Amanda ihm da anbot, war bestimmt kein leichter Job. Eine schwierige Aufgabe, Bilder im stolzen Wert von einer halben Million so zu sichern, dass es nicht einmal dem gerissensten Dieb in dieser Stadt möglich war, sich an ihnen zu vergreifen. New York war vollgeklebt mit netten Plakaten, die überall verkündeten, dass hier demnächst ein fantastischer Schatz zu holen sein würde. Eine schwierige Aufgabe. Sie reizte Bount Reiniger.“

STORY
Für den Millionär und Philanthropen Lui C. Carr soll der Privatdetektiv Bount Reiniger die New Yorker Etappe der Wanderausstellung seiner privaten Gemäldesammlung überwachen. Für den schwerreichen Geschäftsmann ist der Big Apple die sprichwörtliche Brutstätte des Verbrechens und da ihn, seit einer Rauschgiftaffäre, in die beide verwickelt waren,  eine private Freundschaft mit Reiniger verbindet, hält der diesen für geeignet, seine Kunstwerke gebührend zu beschützen.

Gleichzeitig kommt Dandy Moreno, ein Kleinganove, den Reiniger fünf Jahre zuvor hinter Gitter gebracht hatte, wieder aus dem Knast und wirft sofort ein Auge auf die bevorstehende Ausstellung. Der heroinabhängige Maler Bug Kadess soll ihm helfen, die besten, sprich wertvollsten Stücke auszusuchen und zu stehlen.

Reiniger erfährt von Morenos Vorbereitungen und macht sich auf die Suche nach dem Ganoven, um dem geplanten Einbruch zuvor zu kommen. Als Moreno von Reinigers Beteiligung erfährt, wird die Sache für ihn persönlich und er beschließt, den Detektiv aus dem Weg räumen zu lassen.

„Sie wissen, dass Reiniger für Sie ein ebenbürtiger Gegner ist, Mr. Doonan. Es muss Sie doch förmlich danach drängen, ihn zu jagen. Den gefürchteten Privatdetektiv aus dem Verkehr ziehen. Was für eine große Aufgabe. Den gerissensten Schnüffler der Ostküste über den Jordan schicken. Wie viele haben das wohl schon versucht und nicht geschafft. Wäre Bount Reiniger für Sie nicht eine Möglichkeit, sich selbst zu bestätigen? An ihm könnten Sie Ihre wahre Größe messen, Mr. Doonan. Wenn Sie Bount Reiniger über die  Klinge springen lassen, machen Sie Ihr Meisterstück.“

MEINUNG
ABSERVIERT VON ZARTER HAND erschien zuerst 1977 unter gleichem Titel als Nummer 352 der KOMMISSAR X Taschenbuch-Reihe (unter dem Pseudonym Brian Ford). Für sein ebook-Programm, das überwiegend aus Wiederauflagen alter Heftromane aller gängigen Genres (Western, Grusel, Krimi, Romantics) besteht, wurde der Roman bei Cassiopeia Press (in persona Alfred Bekker) mit neuen Rollennamen versehen, aus „Kommissar X“ Jo Walker wurde der Privatermittler Bount Reiniger – und in die dortige (lose) Reihe NEW YORK DETECTIVES eingegliedert. Diese ebooks sind meist für lau und oft sogar in Gratisaktionen zu haben. Das Vorgehen klingt zunächst dreist, doch sind die Autoren (z.B. auch Alfred Wallon, Peter Dubina und Alfred Bekker selbst unter seinen zahlreichen Pseudonymen) natürlich eingebunden und bestimmt nicht abgeneigt, mit ihren alten Romanen noch einige Cent zu verdienen. Als Leser sollte man sich klar sein, was man hier vor sich hat, und wer bei dem Titel hohe Literatur erwartet, dem ist wohl nicht zu helfen. So mutet die Schreibe aus heutiger Sicht fast karikaturistisch an, wird jedoch immer absolut ernsthaft serviert. Mit anderen Worten bekommt man hier einen Pulp-Kracher erster Kajüte geboten, der es absolut in sich hat und einen förmlich zurück katapultiert in eine Zeit, als Belmondo und Co. noch große Kinostars waren.

A.F. Morland schildert die Ereignisse dieses Reißers grob aus zwei Perspektiven. Einmal natürlich der des unbestechlichen Helden Bount Reiniger, der einen Plan zur Sicherung der Ausstellungsstücke seines Freundes entwirft und dann seine Kontakte spielen lässt um diese auch technisch umzusetzen. Plötzlich sieht er sich in Morenos Fadenkreuz und es entspinnt sich eine Duell auf Leben und Tod zwischen den „alten Bekannten“. Auch der labile Dandy Moreno nutzt seine alten Kontakte, um eine Crew zusammen zu stellen, die diesen nichts weniger als spektakulären Bruch begehen soll. Als er von der Beteiligung seines alten Gegners erfährt, stachelt dies nur seine Verbissenheit, seine Wut und sein Ego an. So wird Moreno selbst zu einem unberechenbaren Pulverfass für Reiniger und für seine eigene Crew.

So unwahrscheinlich es klingt, überzeugt ABSERVIERT nicht nur mit saloppen Kalauern („Okay. Dann mache ich mich jetzt auf die Selbstgestrickten“), einem wortkargen Helden, den gleich zwei Weibchen gerne in ihr Nest bekommen würden und einer guten Portion Old-School-Action, der Roman findet auch immer wieder Nischen, um die fragile Gruppendynamik der Einbrecherbande, sowie Morenos Besessenheit von seiner früheren Freundin greifbar zu machen, die ihm letztendlich das Genick bricht. Indem er diese zweite, menschliche Spannungsebene auf Seiten der Gangster eröffnet, muss man A. F. Morland zweifellos ein gewisses psychologisches Geschick bescheinigen und er schafft sich die Möglichkeit, gleich an mehreren Spannungsschrauben zu drehen.

FAZIT
Trocken, schnell, hart und salopp. ABSERVIERT ist ein purer Anachronismus, nicht ernstzunehmen, aber ein Volltreffer, wenn man weiß, worauf man sich einlässt.

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Tags: a. f. morland, cassiopeiapress, hard boiled, kommissar x-roman, thriller   (5)
 

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horror, contendo media, gesenster krimi, hörspiel, reihe

Gespenster-Krimi 3: Hollywood-Horror

Earl Warren , Markus Topf
Audio CD
Erschienen bei Contendo Media, 13.03.2015
ISBN 9783945757055
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Das Buch basiert immerhin auf einer wahren Begebenheit. Und die Geschichte dieses Gloom klingt doch unheimlich spannend. Ein Killer, der zur Zeit des Koreakriegs haufenweise hübsche Mädchen abmurkst. Wie viele Morde konnte man hm nachweisen? Zehn? Mann, das ist ein Hammerstoff sag ich dir.“

STORY
In Hollywood wird die Geschichte des Serienmörders Gordon Gloom verfilmt, der in den frühen 1950er Jahren mehrere Frauen bestialisch getötet hat. Der aufstrebende Schauspieler Ryan Swann, der Gloom im Film darstellt, traut seinen Augen nicht, als am Set plötzlich eine Gestalt in exakt derselben Maske auftaucht, die er gerade trägt, und den Maskenbildner tötet. Da der Täter schlecht der echte Gordon Gloom sein kann – dieser ist 1952 gestorben – gilt der maskierte Swann als Hauptverdächtiger. Dem Schauspieler gelingt es, aus der Untersuchungshaft zu fliehen und sich gemeinsam mit seiner Anwältin Sheila Larrigan, die aufgrund des fehlenden Motivs Zweifel an Swanns Schuld hat, auf die Suche nach dem wahren Täter zu machen. Dabei stößt Sheila in den alten Fallakten auf Aufzeichnungen, die Glooms Interesse am Okkulten bezeugen.

„Ihnen wird mit Sicherheit nicht gefallen, was ich jetzt erzähle. Aber ich schwöre Ihnen, jedes Wort davon ist wahr. […] Ich war das nicht, ich habe Rusty und Hatcher nichts getan. Da war dieser Kerl. Der trug dieselbe Maske, dasselbe Make-up, der perfekte Doppelgänger von mir. Beziehungsweise von Gordon Gloom, diesem Killer, den ich in Hatchers Streifen spielen sollte.“

MEINUNG
Nach MÖRDERBÄUME stellt Walter Appel hier gleich die zweite Vorlage für ein neues GESPENSTER-KRIMI Hörspiel. Unter dem Titel DER SATAN FÜHRT REGIE erschien der Roman als GK 271 (unter Brian Elliot) und später als GEISTER-SCHOCKER 85 (unter Earl Warren). Für das Hörspiel wurde der knackigere Titel HOLLYWOOD-HORROR gewählt (die letzte Szene des Hörspiels nimmt den alten Titel sogar auf die Schippe) und auch ein neues, zeitgemäßes Titelbild zusammengebastelt.

Spätestens mit dem Relaunch der GESPENSTER-KRIMI Hörspiele hat Contendo Media den Sprung vom Underdog in die erste Liga der Hörspielproduzenten geschafft und veröffentlicht durchweg verlässlich hochwertig produzierte Hörspiele. Beim GESPENSTER KRIMI haben die Macher noch den Vorteil, auf vorhandene Vorlagen zurückgreifen zu können und sich auf die Übersetzung in ein anderes Medium und vielleicht die ein oder andere Straffung und Glättung konzentrieren zu können. So fällt auch hier absolut positiv auf, dass die Story um den wiederbelebten Serienkiller Gordon Gloom tatsächlich „Hand und Fuß“ hat, spricht, die Motivationen der Figuren gut und nachvollziehbar ausgearbeitet sind, wie auch die schrittweise detektivische Aufdeckung der Ereignisse durch Ryan Swann und seine Anwältin. Es bleiben keine losen Handlungsfäden übrig und noch nicht einmal die obligatorische Romanze wirkt störend. Markus Topf hat hier bei der Umsetzung des Romans ins Hörspiel wirklich hervorragende Arbeit geleistet.

Auch die Sprecher wurden wieder, wenn vielleicht auch nicht alle aus der ersten Liga, so doch sehr passend ausgesucht. Perfekt harmonieren Tobias Schmidt als aufstrebender Schauspieler Ryan Swann und Eva Michaelis als Anwältin und Love-Interest Sheila Larrigan und Norbert Langer (Synchro George Clooney) ist als jovial-schmieriger Filmproduzent eine Wucht.

Wem der Vorgänger TEUFELSTOCHTER gefallen hat, der wird auch an HOLLYWOOD HORROR seine Freude haben.

FAZIT
Auch Teil 3 hält das hohe Niveau der Vorgänger und überzeugt mit einem geschliffenen Storyaufbau – nicht immer eine Selbstverständlichkeit im Genre.

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Tags: audionarchy, contendo media, earl warren, gesenster krimi, horror, markus topf   (6)
 

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john sinclair, horror, werwölfe, ian rolf hill, werwolf

John Sinclair - Folge 1914: Arena der Werwölfe

Ian Rolf Hill
E-Buch Text: 93 Seiten
Erschienen bei Bastei Entertainment, 17.03.2015
ISBN 9783732509911
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Francis Leech sah auf seine bewusstlosen Feinde hinab. Endlich. John Sinclair und Suko lagen vollkommen wehrlos zu seinen Füßen. Er konnte es jetzt zu Ende bringen. Ein für alle Mal. Zwei der größten Feinde von Luzifer beseitigen. Damit würde er in der Gunst des Höllenkaisers schlagartig nach oben steigen.“

STORY
Seit Monaten terrorisiert die bulgarische Familie Petrova die Bewohner des kleinen Ortes Todenham mit brutaler Gewalt. Als sie die Freundinnen Helen und Martha brutal entführen beschließen die Ehemänner der beiden, endlich etwas zu unternehmen und sich an die Polizei zu wenden. Die Frauen sollen zur Fortpflanzung dienen, denn die Petrovas sind zwar Werwölfe, noch dazu mit besonderen Fähigkeiten, können ihre Macht jedoch nicht über einen Biss weitergeben. Und ihr nächstes Ziel ist die Vernichtung von John Sinclair, der Spezialist von Scotland Yard für übernatürliche Fälle, der selbst Fenris, den Götterwolf in seine Schranken verwiesen hatte. Der einzige Mann, der ihren Plänen von einem neuen, mächtigen Werwolfimperium gefährlich werden kann.

„Wieder nickte der Pfarrer. Dann sagte er:“ Ja, aber es sind keine gewöhnlichen Werwölfe. Sie sind böse, absolut böse, nicht nur in ihrer Tiergestalt. Und sie verwandeln sich auch nicht nur bei Vollmond, sondern können sich auch tagsüber und in jede anderen Nacht des Jahres verwandeln, so wie es ihnen beliebt.“

MEINUNG
Schon längst verfasst nicht mehr Jason Dark alleine die Abenteuer des unermüdlichen Geisterjägers aus dem Bastei Verlag und mit Ian Rolf Hill bereichert diesmal ein ganz frischer Autor das John Sinclair-Schreiberteam. Der Neuautor kennt sich in der Historie des Geisterjägers merklich gut aus, was die zahlreichen Verweise auf frühere Fälle belegen.

Doch zum Roman: Alles beginnt ganz klassisch mit einem verschlafenen Dorf, das sich eine Familie von Werwölfen nicht nur als Nahrungsquelle sondern vor allem als Leihmutteragentur ausgesucht hat. Die Dörfler haben den Kreaturen der Finsternis wenig entgegen zu setzen und zwei Männer beschließen mit dem Mut der Verzweiflung, sich an Scotland Yard zu wenden, von wo aus der Ruf von Sir James Powells Abteilung für übernatürliche Verbrechen auch nach Todenham gedrungen ist. Die beiden Flüchtigen kommen zwar nicht in London an, doch wird eine der Leichen mit eindeutigen Verletzungen gefunden, was letztendlich doch John Sinclair und Suko auf den Plan, sprich nach Todenham ruft. So müssen die Werwölfe, die es ohnehin auf den Geisterjäger abgesehen haben nichts weiter tun, als die Ankunft der beiden Freunde abzuwarten. Und um tatsächlich ganz sicher zu gehen, dass Sinclair den Weg auch findet, meldet sich auch noch Morgana Layton bei Sinclairs Chef, um einen entsprechenden Hinweis auf dieses gemeine Rudel zu geben.

Man merkt schon, dass Subtilität nicht gerade die Stärke dieses Romans ist. Stattdessen punktet ARENA anfänglich mit guter Atmosphäre – das einsam gelegene Dorf im Wald und die nächtliche Flucht der beiden Dorfbewohner -, die in der zweiten Hälfte ausschweifenden Action-Einlagen Platz machen muss. Diese wechselt sich mit dem obligatorischen Kettengerassel des Oberwolfs ab, der von einer uneingeschränkten Herrschaft seines Clans träumt. Sobald John und Suko im Krisengebiet eingetroffen sind, geschieht alles sehr fieberhaft und actionlastig. Zwar gibt es einen wirkungsvollen Twist, doch überwiegt der Eindruck etlicher gezwungen wirkender Szenen, die die Handlung künstlich verlängern – z.B. dass Suko recht ungeschickt seine Dämonenpeitsche verliert -, doch irgendwie will die Romanheft-Normlänge ja erfüllt werden. Wie aus dem Nichts naht am Ende wenig elegant die Kavallerie um den Wölfen den Garaus zu machen und den Status Quo weitestgehend wieder herzustellen.

Das Covermotiv wurde von Timo Würz gestaltet und ist durchaus als Highlight zu bezeichnen. Tolle Farbgebung und Dynamik, wenn auch ein generelles Werwolfmotiv und nicht auf die Romanhandlung bezogen.

FAZIT
Alles in Allem präsentiert sich ARENA DER WERWÖLFE trotz einiger Redundanzen und Füllszenen sehr kurzweilig und punktet durch die gründliche Kenntnis der Figuren und der Sinclair-Historie.

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Tags: horror, ian rolf hill, john sinclair, werwolf, werwölfe   (5)
 

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sherlock holmes, historischer krimi, martin barkawitz, krim, blitz verlag

Sherlock Holmes jagt Hieronymus Bosch

Martin Barkawitz
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Blitz, 01.05.2014
ISBN 9783898403948
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

“ Der satanische Täter hatte sich nicht damit begnügt, die Gattin des Schuhmachermeisters einfach zu erstechen, was an sich schon entsetzliche genug gewesen wäre. Der Mörder hatte das Gesicht der Toten mit seinem Messer so bearbeitet, dass ihr Mund zu einem grotesken Grinsen verzerrt war, und ihr einen Nonnenschleier über den Kopf gestülpt, der ihr Haar verdeckte. Und neben der Leiche lag ein junger Birnbaum, der in einem Weinkeller garantiert fehl am Platz war.“

STORY
An einem Frühsommermorgen des Jahres 1895 spricht der Schuhmachermeister Tobias Merrick in der Baker Street 221b bei Sherlock Holms und John Watson vor. Er kommt direkt aus dem Weinkeller des Bloomsburry Hotels, wo man die verstümmelte und grotesk in Szene gesetzte Leiche seiner Ehefrau aufgefunden hat, die Merrick selbst an diesem Morgen auf dem Wochenmarkt wähnte. Laut Inspektor Lestrade von Scotland Yard ist dies bereits die dritte Leiche, die auf solch bizarre Art inszeniert wurde. Beim Anblick der Toten ist Sherlock Holmes sofort klar, dass es sich um Nachstellungen von Gemäldeszenen des flämischen Renaissancemalers Hieronymus Bosch handelt. Lestrade hat auch gleich einen Verdächtigen zur Hand. Archibald Hymer, der zwei Wochen zuvor aus einer Irrenanstalt ausgebrochen ist. Allein das Motiv der kunstvollen Morde liegt noch im Dunkeln und Sherlock Holmes glaubt, ob der Kunstfertigkeit der Morde, nicht an die Zufallstaten eines planlos agierenden Wahnsinnigen. Die Spur, der Holmes und Watson folgen, führt sie in Boschs Heimat, nach Amsterdam.

„Ihnen dürfte nicht entgangen sein, Watson, dass ich am Kiosk in Hoek van Holland die neuste Ausgabe des Telegraph erstehen konnte. Gleich auf Seite drei finden Sie einen ausführlichen Artikel, in dem die bisherigen Untaten des Mörders noch einmal rekapituliert werden. Inzwischen hat selbst der ungebildetste, englisch Journalist verstanden, dass die Leicheninszenierungen eine bizarre Hommage an den eigentlichen Hieronymus Bosch sind. Behalten sie die Tatsache im Hinterkopf, dass es sich bei unserem Mörder um einen glühenden Verehrer des holländischen Malers handelt. Ich denke, noch nie zuvor ist in der Presse so viel über das Lebenswerk dieses mittelalterlichen Künstlers geschrieben worden.“

MEINUNG
Natürlich ist es nicht der echte Hieronymus Bosch, den Sherlock Holmes hier jagt, wie es der Titel andeutet, liegen doch knapp 400 Jahre zwischen dem Tod des holländischen Künstlers und dem Jahr 1895, in dem der Roman spielt. Vielmehr geben Holmes und Watson dem Täter der Einfachheit halber diese Bezeichnung mangels eines tatsächlichen Namens.

Mit HIERONYMUS BOSCH liegt der erste Sherlock Holmes-Roman des Vielschreibers Martin Barkawitz im Blitz Verlag vor, wo einen Monat zuvor auch sein Hamburg-Thriller KEHRWIEDER erschienen ist. Ebenso wie Holmes-Autorenkollege J. J. Preyer schreibt Barkawitz für JERRY COTTON sowie (unter einigen Pseudonymen) Spannungsromane verschiedenster Couleur. So darf man im Vorfeld zumindest schriftstellerische Routine unterstellen und wird damit auch nicht enttäuscht. Wie zu erwarten, ist die Geschichte um dem „Hieronymus Bosch-Killer“ in erster Linie plotgetrieben und bietet Dienst nach Vorschrift ohne Gefahr zu laufen, sich in Sachen Charakter… zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Da ein gewisser Mystery-Faktor in einer Sherlock Holmes-Geschichte nie fehl am Platz ist, schickt der Autor den Detektiv an einige sehr schön geheimnisvolle Plätze, wie z.B. ein düsteres und mit Fallen gespicktes Wasserschloss als Residenz des Täters. Der atmosphärische Höhepunkt einer Mörderjagd, die vom „Blutkeller“ des ersten Tatorts über die Opiumhöhlen des Londoner East Ends bis ins Amsterdam der Jahrhundertwende führt. Das Motiv für die Morde rundet den Fall sehr schön ab, kommt jedoch am Ende relativ plötzlich um die Ecke.

FAZIT
Interessantes Sujet, souverän, atmosphärisch und flott geschrieben. Eine Empfehlung für alle Holmes-Fans, denen auch die Romane von J. J. Preyer gefallen.

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Tags: blitz verlag, historischer krimi, martin barkawitz, sherlock holmes   (4)
 

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luzifer verlag, horror, bestseller, tim curran, thriller

Leviathan / Kopfjäger

Tim Curran , Nicole Lischewski
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 25.09.2014
ISBN 9783958350090
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

“Scheiße auch, das gottverdammte Land ist voll mit Geistern und Gespenstern, Mac. Man bringt die Jungs zum Reden und schnell erzählen seinem einem von etwas, das die Toten wegschleift, um sie zu fressen – Sie haben ja nicht gedacht, dass Charlie alle seinen Toten wegholt, oder? -, und von anderen Dingen, die in den Baumwipfeln leben und in Höhlen und so. Vögel, die Menschen wegtragen und Schlangen, die einen ganzen Mann verschlucken können … seltsame Wesen, die nachts aus den Sümpfen kriechen. Vietnamesische Hexen und Teufel und Armeekompanien, die rumlaufen, obwohl sie seit Monaten tot sind.“
(Kopfjäger)

Kopfjäger
Mike „Mac“ McKinney begleitet 1970 als Kriegsberichterstatter einen Trupp Soldaten bei ihrem Einsatz in Vietnam. Tagtäglich wird er Zeuge, zu welchen Grausamkeiten die Menschen fähig sind. In einem kleinen Dorf hört er zum ersten Mal vom „Kopfjäger“, einem Wesen, das durch den Dschungel streifen, Menschen töten und die Köpfe seiner Opfer als Trophäen sammeln soll. Eine vietnamesische Legende, wie dutzende andere auch. Doch auch von den Soldaten hört Mac immer wieder seltsame Geschichten über dieses Wesen und aufgespießte Menschenköpfe mitten im Dschungel. Und plötzlich ist sich Mac sicher, dass der „Kopfjäger“ hinter ihm her ist.

Leviathan
Der Fotojournalist Johnny Horowitz ist befremdlich überrascht, als er auf den abgesperrten und menschenleeren Nordstrand von Seagull Island in Carolina stößt, den offenbar sogar die Tiere meiden. Zwar wurde vorhergesagt, dass der Hurrikan Amelia hier die Küste der USA erreichen soll, doch soll dieses Ereignis erst in einigen Tagen stattfinden. Als er im Sand menschliche Knochen entdeckt ist seine Neugier endgültig geweckt. Bei seinem nächsten Besuch dort, wird er schließlich Zeuge, wie sich die Realität dieses Landstrichs verändert und wie sich im Meer vor ihm zwei prähistorische Wesen bekämpfen. Horowitz hat Blut geleckt und sucht fieberhaft nach einer Möglichkeit aus diesem Phänomen Kapital zu schlagen. Doch die Wesen auf der anderen Seite dieses Zeitlochs sind Killermaschinen, denen nichts entgegen zu setzen ist.

„Obwohl er seinen Lebensunterhalt mit dem fotografieren von Stars verdiente, bedeutet das nicht, dass Johnny dumm war. Er wusste, was er gesehen hatte. Es gab keine Wale oder Meeressäuger oder verdammte Haie, die wie diese Viecher aussahen. Was er gesehen … gesehen, gehört und gerochen hatte, war eine Szene wie vor siebzig oder achtzig Millionen Jahren.“
(Leviathan)

MEINUNG
Mit dem Novellendoppel KOPFJÄGER/LEVIATHAN liegt die erste Veröffentlichung von Festa-Stammautor Tim Curran (ZERFLEISCHT, VERSEUCHT, DEAD SEA) in Steffen Janssens Luzifer-Verlag vor. Und vielleicht sind diese beiden Novellen nicht die schlechteste Wahl, musste man bei Currans Romanen doch stets bemerken, dass sich über die Romanlänge inhaltliche Wiederholungserscheinungen einstellen.

Hier spielt Curran seine Stärken aus, präsentiert in beiden Fällen etwas abgerissene Protagonisten, Einzelgänger und moralisch nicht so sehr sattelfest, doch mit hohem Identifikationspotenzial. Beide sind übrigens Journalisten im weiteren Sinne, die mit etwas Unerklärlichem konfrontiert werden. Von daher ist die Kombination der beiden Geschichten auch ganz passend. Sehr schön versteht es der Autor außerdem, eine latent bedrohliche Atmosphäre des Unbekannten aufzubauen, indem er vage Andeutungen, geflüsterte Gerüchte und Legenden die Runde machen lässt. Im feindlichen Kriegsgebiet des vietnamesischen Dschungels, umgeben von fiebrigen, halb wahnsinnigen Soldaten auf beiden Seiten, kann dies eine noch viel intensivere Wirkung entfalten als an einem vermeintlich sicheren, wenn auch aus unerfindlichen Gründen gesperrten Strand in Carolina. Doch auch hier lenkt Curran die Geschichte so, dass man einen beeindruckenden Sense-of-Wonder wahrnimmt, der sich am Ende zu einem mörderischen Albtraum entwickelt.

Was den Hintergrund oder eine Erklärung für den Kopfjäger, respektive das Zeitloch angeht, macht es sich Tim Curran in beiden Fällen einfach, indem er dies großzügig übergeht. In Vietnam schleicht eben ein Monster durch den Dschungel, das menschliche Köpfe aufspießt und den Rest der Körper kocht, an einem Strand in Carolina tut sich plötzlich ein Zeittunnel auf, durch den ein Dino in die Gegenwart trampelt. End of Message. So tun sich immerhin keine unliebsamen Längen auf. Zum Finale zieht sich Curran in beiden Fällen wieder auf die Schilderung von Brutalitäten zurück, so dass die Spannungsbögen in sich zusammen fallen.

Dass es auch ohne den zwangsläufigen Einsatz von Gekröse geht,  hat Curran mit den klassisch ausgerichteten Werken BISS DASS DIE ZEIT DEN TOD BESIEGT (Festa Verlag, 2011) (hier schreib Curran Lovecraft-Geschichten weiter) und DER LECIHENKÖNIG (Atlantis Verlag, 2011) bewiesen.

KOPFJÄGER/LEVIATHAN kommt als Doppelband dergestalt daher, dass die beiden Novellen nicht nacheinander abgedruckt sind, sondern dass man jede Geschichten von einer Seite aus lesen kann. Entsprechend haben beide Buchteile je ein eigenes, sehr gut gelungene Coverbilder, für die Michael Schubert verantwortlich zeichnet.

FAZIT
Sehr schön passende Novellenkombi von Extrem-Autor Tim Curran. In der eingeschränkten Länge kann der Autor seine Stärken ausspielen ohne Gefahr zu laufen, sich zu wiederholen.

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Tags: horror, luzifer verlag, tim curran   (3)
 

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thriller, festa verlag, joe kurtz, privat detektiv, dan simmon

Eiskalt erwischt

Dan Simmons
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 06.11.2012
ISBN 9783865521866
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Kurtz fuhr etwa drei Meilen, bis er zu der Erkenntnis gelangte, dass der Typ hinter dem Steuer des Hondas ein verfickter Idiot sein musste. Der Fahrer hielt sich so weit hinter ihm, dass Kurtz ein paar Mal nach einer Ampel oder einer Abzweigung langsamer fahren musste, damit sein Verfolger wieder zu ihm aufschließen konnte.“

STORY
Nach zwölf Jahren Knast wegen Totschlags versucht sich Joe Kurtz wieder als Privatdetektiv. Dass er mit seiner Vorgeschichte nie mehr eine entsprechende Lizenz bekommen wird, belastet ihn nicht weiter. Er sucht sich seine Mandanten kurzerhand selbst. Wie den Mafiaboss Byron Farino, dem – wie Kurtz im Gefängnis zu Ohren kam – sein Buchalter Buell Richardson ohne eine Spur zu hinterlassen abhanden gekommen ist. Kurtz soll nun herausfinden, ob Richardson gerade sein Insiderwissen verkauft oder – was besser für ihn wäre – tot ist.

„Kurtz wusste, dass es kein angenehmes Verhör würde, als Hathaway, der Kerl von der Mordkommission, die Jalousie vor den Einwegspiegel an einer Wand zog und dann das Kabel des Aufnahmemikrofons aus der Buchse im Fußboden riss, Ein zweites schlechtes Vorzeichen war, dass er Kurtz mit Handschellen hinter dem Rücken an einen Metallstuhl mit gerader Lehne fesselte, der fest mit den Fußboden verschraubt war.“

MEINUNG
Kurzerhand prügelt Joe Kurtz den Mörder seiner Partnerin durch ein geschlossenes Fenster auf die wesentlich tiefer liegende Straße, dazu landet dieser noch direkt auf einem Polizeiwagen, und fährt für Totschlag 12 Jahre in den Bau ein. Kaum wieder auf freiem Fuß verschwendet er auch weiterhin keinen Gedanken an Reue, besinnt sich auf seine Stärken und auf Arlene Demarco, die er kurzerhand für sein neues Detektivbüro ohne Lizenz, dafür im Keller unter einem Pornoladen gelegen, erneut als Sekretärin rekrutiert. Auch wenn Kurtz nicht in den Gelben Seiten steht, bleibt er nicht lange arbeitslos. Er verlässt sich auf die Gerüchte, die im Knast die Runde gemacht haben und bietet sich einer Mafiafamilie als unbürokratischer Problemlöser in einer prekären Lage an.

Kaum hat er mit der Suche nach dem verschwundenen Buchhalter der Farinos begonnen, sieht sich Kurtz eingekeilt zwischen verschiedenen Interessengruppen, denen gar nicht so unbedingt etwas am Wiederauftauchen des unerwünschten Geheimnisträgers Richardson liegt. Kurtz selbst wäre da nur ein Kollateralschaden. Unter anderem ist ihm ein Killerduo auf den Fersen, wie es aus einem Roger Moore-James Bond stammen könnte, ganz zu schweigen natürlich von der Polizei, die Kurtz grundsätzlich auf dem Kieker hat.

Dan Simmons ist in erster Linie für seine Horror- (GÖTTIN DES TODES/SONG OF KALI, SOMMER DER NACHT) und Science-Fiction-Werke (ENDYMION, HYPERION, OLYMPOS) bekannt. Seine letzten prominenten Romane waren die historischen Mystery-Thriller TERROR und DROOD. EISKALT ERWISCHT, sein erster Beitrag in Sachen Hard Boiled-Thriller wurde im Original bereits im Jahr 2001 veröffentlicht und kann mit Fug und Recht als ordentlicher Genrebeitrag gewertet werden. Simmons bedient die bekannten Klischees, die bereits durch zahllose prinzipientreuer, wortkarger und einer körperlichen Auseinandersetzung nicht abgeneigter Zyniker vor ihm festgelegt wurden. Das geht soweit, dass Kurtz sogar – ganz den Genrekonventionen folgend – von der Tochter seines Auftraggebers verführt wird, die im Hintergrund ganz eigene Pläne verfolgt. So gibt die Geschichte dem Genre keine neuen Impulse mit, doch bedient Simmons die bekannten Klischees so satt, dass der Roman auch nicht enttäuscht.

Dass das Buch im Festa Verlag erschienen ist, sagt eigentlich schon alles über die Qualität der Präsentation aus. Einwandfreie Verarbeitung, Umschlag in exklusiver Lederoptik, auch nach dem normalen Lesen gibt es keine Gebrauchsspuren. Das Format ist mit 20×12,5 cm etwas größer, als man es von den Festa Taschenbüchern kennt und hat damit eher Paperbackcharakter. Titelbild und –layout sind wirkungsvoll zusammengestellt, wenn auch ohne Handlungsbezug.

FAZIT
Joe Kurtz erweist sich als Klon zahlloser Hard Boiled-Kollegen, wie z.B. Mickey Spillanes Mike Hammer, die stoisch, kompromiss- und skrupellos ihren Weg im Dienst der Sache verfolgen.

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Tags: dan simmon, festa verlag, hard boiled, thriller   (4)
 

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jeff strand, bernhard reicher, paul finch, visionarium, thomas ballhausen

VISIONARIUM 5: Träume und Schatten

Bernhard Reicher , Jeff Strand , R. C. Doege , Paul Finch
Flexibler Einband: 172 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 04.05.2015
ISBN 9781511834094
Genre: Sonstiges

Rezension:

“Begreifen Sie doch, mein Arbeitgeber wird Ihnen keine Menschenfleischbratwurst verkaufen, und damit hat sich’s!“ sagte Stephan. „Sie können etwas von unserem bestehenden Vorrat kaufen oder gehen! Ich will nicht unhöflich sein, aber die meisten Kunden hätten den Hinweis darauf, dass wir keine Gelegenheiten zum Kannibalismus bieten, schon vor Minuten verstanden.“
(
Jeff Strand: Bad Bratwurst)

STORIES

Jeff Strand: Bad Bratwurst
Obwohl „Prechtels Bratwurst“ bekanntermaßen die beste Bratwurst in ganz Deutschland herstellt, sind die Geschäfte des Wurstherstellers stark rückläufig. Da schlägt ihm sein Angestellter vor, etwas an dem Rezept zu ändern, möglicherweise anderes Fleisch zu verwenden, das billiger zu heben ist. Vielleicht Menschenfleisch. Schockiert weist der Eigentümer diese Möglichkeit von sich, als kurz darauf ein vermeintlicher Kunde den Laden betritt und ihm hervorragendes Fleisch ungenannter Herkunft anbietet um Prechtels Bratwurst zu neuen Höhen zu führen.

R. C. Doege: Leere Häuser
Es ist sein 37. Geburtstag, als Leo in einer Bar seinen Vater trifft. Sein Vater, der in dieser Bar gerade 30 ist, Leo mit nach Hause nimmt, zu sich und seiner Mutter, in ein Leben, das so nie gewesen ist. Dann eine Erinnerung an seine Jugendfreundinnen. Und an ein seltsames Ritual. Dann das Erwachen.

Thomas Ballhausen: Kleine Zeichenkunde
Der ungenannte Erzähler betritt den Platz inmitten der Stadt, um den sich die verschiedenartigen Häuser aus allen Teilen des Reiches gruppieren. Heute soll der Komet über der Stadt zu sehen sein. Und tatsächlich ziehen die Kometen gut sichtbar über den Himmel. Ein Schauspiel, das Erinnerungen in dem namenlosen Zuschauer weckt.

Paul Finch: Tok
Drei Frauen wurden in ebensolvielen Nächten in der Wohnsiedlung „The Graces“ erdrosselt. Grund genug für Don Presswick, gemeinsam mit seiner Frau Bernadette, nach seiner Mutter zu sehen, die dort alleine in ihrem Haus lebt.

„Vielleicht war es ein Scherz. Vielleicht gab es solch komische Erzeugnisse wie dieses an jedem Marktstand von Banjul bis Johannesburg zu kaufen. Doch in Wahrheit war nichts Komisches am Halsband, das die Puppe trug, die aus menschlichen Zähnen zu bestehen schien, während ihr ledernerer Tanga, dessen frontaler Beutel offensichtlich eine kleine Garnitur männlicher Genitalien beherbergte, eine Spur Realität zu viel war.“
(Paul Finch: Tok)

MEINUNG
Auch die inzwischen fünfte Ausgabe des österreichischen Visionarium-Journals – ein kleines Jubiläum – besticht zunächst wieder mit dem bekannten, schmucken Jugendstil-Layout in das Grafiker Jörg Vogeltanz diesmal einen in Ehren ergrauten Gentleman einmontiert hat, um den sich von hinten bedrohlich wirkende Krabbenarme schlingen um diesen möglicherweise mit unvergesslichen Träumen zu versorgen. Ganz dem Motto der Ausgabe entsprechend.

Wie stets konnte Herausgeber Dr. Nachtstrom wieder ganz unterschiedliche namhafte, sowie noch zu entdeckende AutorInnen gewinnen, die den Geschichtenanteil bestreiten. Als da wären der hinreichend bekannte Autor Jeff Strand (GRABRÄUBER GESUCHT, SARG ZU VERKAUFEN, BENJAMINS PARASIT, FANGBOYS ABENTEUER), der Thrillerautor Paul Finch (Mark-Heckenburg-Reihe), der bekennende Philip K. Dick-Fan R. C. Doege und der Literaturwissenschaftler Thomas Ballhausen. Letzterer knüpft mit seiner – zugegeben herausfordernden – Geschichte an seine Geschichtensammlung IN DUNKLEN GEGENDEN (Edition Atelier, 2014) an, von der es im Heft auch zwei Exemplare zu gewinnen gibt. Eigenständig dagegen präsentiert sich Jeff Strands skurrile Mär vom Metzgermeister, den offenbar jeder überreden möchte, auf Menschenfleisch als Bratwurstfüllung zurück zu greifen. R. C. Doege spielt, ganz in Anlehnung an sein Vorbild Dick, mit dem schleichenden Realitätsverlust seiner Hauptfigur. Als Kontrast bietet Paul Finch eine geradlinige urbane Monstergeschichte klassischer Couleur. Das macht Spaß und man könnte sich TOK auch sehr gut als Film vorstellen. Wie es schon Tradition ist, wird jeder der Geschichten von einer exklusiven Grafik begleitet, die diesmal Anna-Maria Jung, Johann Peterka und Axel Weiß beisteuerten. Die Übersetzungen (BAD BRATWURST, TOK) von Bernhard Reicher wirken etwas gestelzt, doch immer noch angenehm zu lesen und dieser Stil passt sehr gut zu den skurrilen Sujets.

Im Magazinteil unterhält sich Bernhard Reicher mit dem Autor Thomas Ballhausen über Entstehung, Stil und Hintergründe von dessen Kurzgeschichtenband IN DUNKLEN GEGENDEN (siehe oben). Als Ergänzung zu dem Buch absolut empfehlenswert.

Interview Nummer 2 führt Hr, Reicher mit einem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter, der lieber ungenannt bleibt, über dessen Werdegang bei der Bundeswehr und beim Geheimdienst sowie seine durch ein Nahtoderlebnis ausgelöste Hinwendung zum Schamanismus.

Dazwischen ein Essay von Dr. Nachtstrom über die Wirkung der (eigenen kindlichen) Fantasie und Vorstellungskraft und der Erfahrungen mit dem Werk des selbsternannten Gurus. Kultführers und Autors und Carlos Castaneda (DIE LEHREN DES DON JUAN), der in den 1970er und -80er Jahren fragwürdige Popularität erlangte.

FAZIT
Die deutliche Affinität der Artikel zu parawissenschaftlichen Themen ist natürlich Geschmackssache, doch kann das jeder Leser für sich entscheiden. Fakt ist, dass auch Band 5 der Reihe nicht enttäuscht und das hohe Niveau – inhaltlich wie optisch – gehalten werden kann.

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rohde verlag, richard castle, david nathan, nikki heat, cros cult

Heat Wave: Hitzewelle (Nikki Heat 1)

Richard Castle
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Rohde Verlag, 13.05.2016
ISBN B01FMAATXK
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Die Hitze, die ihr entgegenschlug, hätte sie beinahe wieder zurück in den Wagen taumeln lassen. Draußen herrschten fast vierzig Grad. New York war ein Schmelzofen, und der weiche Asphalt auf der Siebenundsechzigsten Straße West gab unter ihren Füßen nach, wodurch es sich anfühlte, als liefe sie über nassen Sand. Heat hätte es sich einfach machen und näher am Tatort parken können, doch das war ein weiteres ihrer Rituale: der Weg zu Ort des Geschehenes. An jedem Tatort fand man eine gewisse Art von Chaos vor, und diese sechzig Meter Fußweg boten ihr die einzige Gelegenheit, einen eigenen, unverfälschten Eindruck von der Situation zu gewinnen.“

STORY
Während der Big Apple unter einer rekordverdächtigen Hitzewelle leidet, stürzt der New Yorker Immobilienmogul Matthew Starr vom Balkon seiner Wohnung in den Tod. Kampfspuren deuten darauf hin, dass es sich nicht um einen Selbstmord handelt. Je weiter die Ermittlungen von Detektive Nikki Heat und ihrem Team, gemeinsam mit dem Journalisten Jameson Rook, führen, desto mehr bröckelt Starrs öffentliche Fassade des angesehen und integren Geschäftsmanns.

„Rook kniete sich neben Heat, um das winzige Stoffstück anzusehen. „Sie meinen, jemand der ihn über das Geländer gestoßen hat.“ Heat nickte und Rook tat es ihr nach. Sie sahen einander an, und die Nähe zu ihm brachte sie ein wenig aus dem Konzept, doch sie wich nicht zurück. Fast Nase an Nase hockte sie mit ihm in der Hitze, hielt seinem Blick stand und beobachtete, wie das Sonnenlicht in seinen Augen tanzte. Und dann blinzelte sie. „Oh verdammt“, dachte sie, „was war das denn? Ich kann mich doch nicht wirklich zu diesem Kern hingezogen fühlen. Völlig unmöglich.“

MEINUNG
Mit HEAT WAVE liegt der erste Roman um den weiblichen Detective Nikki Heat vor, für den der fiktive Autor Richard Castle verantwortlich zeichnet. Und in dieser Metaebene liegt auch der eigentliche Witz des Romans, bei dem es sich um ein – wenn auch sehr eigenständiges – Merchandisingprodukt zur Fernsehserie CASTLE handelt. Die Hauptfigur der Serie ist der Bestsellerautor und Bürgermeisterspezi Richard Castle, der als Beobachter dem Team von Detective Katherine „Kate“ Beckett der New Yorker Mordkommission zugeteilt wird, um für seine geplante Romanserie um die Mordermittlerin Nikki Heat zu recherchieren. Nach anfänglichem Beschnuppern erweist sich der zunächst selbstherrliche und  gönnerhafte Kindskopf Castle mit seinen ungewöhnlichen Denkansätzen bald als echte Bereicherung für das Team und auch die toughe Beckett selbst kann sich seinem Charme letztendlich nicht entziehen. Auch die Veröffentlichung seiner Romane kommt in der Serie immer wieder zur Sprache. Mit HEAT WAVE schwappt die Serienrealität nun erstmals in die echte Welt und der erste Nikki Heat-Roman des fiktiven Autors liegt in den Buchläden der realen Welt. Das Spiel mit Realität und Fiktion geht soweit, dass es z.B. einen Wikipedia-Eintrag zu Richard Castle gibt der einen kompletten Lebenslauf inkl. Bibliografie aufweist. Das Autorenfoto (auch auf den Büchern und den Autoren- und Verlagswebseiten) ist das von Castle-Darsteller Nathan Fillion. Wer die Bücher tatsächlich schreibt, wurde bis heute nicht verraten.

Im Grunde handelt es sich bei NIKKI HEAT um eine kaum veränderte Kopie des CASTLE-Settings. Die konzentrierte und zunächst unnahbare Nikki Heat ist unschwer als Kate Beckett zu erkennen und der für einen Artikel recherchierende Journalist Jameson Rook, der auf du und du mit Rockstars, Richtern und Mafiaschlägern ist, natürlich als Richard Castle himself; nur dass beide wesentlich schneller im Bett landen, als in der Fernsehserie. Auch Becketts Kollegen Kevin Ryan und Javier Esposito finden ihre 1:1-Entsprechung in den Detectives Raley und Ochoa – gemeinsam „Roach“ genannt.

Der Fall „Matthew Starr“ taugt ebenfalls eher als Fersehepisode, denn als cleverer Thrillerbestseller. Hat man schon einige Folgen CASTLE gesehen, kennt man die Schritte und Vorgehensweisen der Figuren. Einer nach dem Anderen werden die Verdächtigen abgeklappert, Rook gibt einige abenteuerliche Theorien zum Besten und häppchenweise hangelt man sich, unterbrochen von 1-2 überraschenden Wendungen, der Lösung des Falls entgegen. Dass das trotzdem nicht langweilig wird liegt an der großartigen Figurenzeichnung, dem Esprit und den liebevoll-frotzeligen Gesten, die hier brillant aus der Serie in das Medium Buch übertragen wurden. So verfügt auch NIKKI HEAT über die wohldosierte Mischung aus Screwball-Comedy und Krimi, die auch CASTLE auszeichnet. Der Verdacht liegt also nahe, dass für die NIKKI HEAT-Romane tatschlich eine/r der DrehbuchautorInnen der Serie verantwortlich ist, wie teilweise spekuliert wird.

In erster Linie richtet sich die Buchreihe natürlich an CASTLE-Fans, die hier ihre Fernsehhelden unschwer wieder erkennen und ihren Spaß an den zahlreichen Parallelen von Roman und Serie haben werden. Allerdings sind keine Vorkenntnisse notwendig, so dass das Buch ohne Verständnisprobleme auch von „Neulesern“ gelesen werden kann.

DAS HÖRBUCH
Wenn schon ein männlicher Interpret, so ist es schade, dass hier nicht Nathan Fillion-Synchronsprecher Tobias Kluckert genommen wurde. Doch natürlich macht auch die deutsche Johnny Depp-Stimme David Nathan seinen Job, wie immer, brillant. Nicht umsonst gehört er zu den derzeit begehrtesten Hörspiel- und Hörbuchsprechern. Ohne die Stimme zwanghaft verstellen zu müssen, macht er die Charaktere unterscheidbar und ermöglicht es so, sehr gut in die Szenen einzutauchen. Gerade NIKKI HEAT funktioniert als Hörbuch sehr gut, da das Medium noch eine Stufe näher am Fernsehen ist, als ein Buch.

FAZIT
Unterm Strich bekommt der CASTLE-Fan hier „nur“ eine Serienepisode in einem anderen Medium vorgesetzt, doch ist dies so großartig und souverän adaptiert, dass HEAT WAVE einfach nur Spaß und Lust auf weitere Romane macht.

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geisterspiegel, romantruhe, phantastik

Dark Crime II. Geisterspiegel-Anthologie 5

Anne Brandt , Wolfgang Brandt
Geheftet: 232 Seiten
Erschienen bei Romantruhe, 01.02.2014
ISBN 9783864731051
Genre: Sonstiges

Rezension:

»Den Rest des Tages verbrachte ich damit, Beermanns Aufzeichnungen zu studieren. Auch ihm war die Sauberkeit an den Tatorten aufgefallen. Das hatte ihn zu der Spekulation veranlasst, es könne sich um mehrere Täter handeln, von denen einer den Tatort reinigte, während der andere das Herz herausschnitt. Er hatte die Theorie allerdings schnell wieder verworfen.
Zum Ende hin wurden seine Notizen zunehmend verworrenere. Er fabulierte von einer Verschw
örung in höchsten Kreisen, von notwendigen Blutopfern und anderes wirres Zeug mehr.«
(Gerd Ruebenstrunk: Das letzte Opfer)

Gerd Ruebenstrunk: Das letzte Opfer
Warum der Abteilungsleiter ausgerechnet ihn schickte, die Mordserie in der Stadt am Meer zu untersuchen, war ihm nicht klar. 12 Menschen ohne erkennbare Verbindung waren innerhalb von drei Monaten der die Schädel eingeschlagen worden. Bei der Besichtigung der Tatorte sieht es so aus, als wären aus großer Höhe Backsteine oder Ziegel auf die das Opfer geworfen worden. Und nicht nur das. Alle 100 Jahre scheint sich eine solche Mordserie in der Stadt am Meer zu wiederholen.

Michael Kirchschlager: Der Crako und der Ascheturm
Die Einladung des Königs von Westerhausen zu einem Takabskollegium gibt dem Crako (Criminalkommissarius) seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelm I., Freiherr Friedrich von Krosigk, reichlich Gelegenheit von den tödlichen Bestrafungsmethoden zu referieren, die er auf seinen Reisen gesehen hat. Unter anderem vom Ascheturm.

Rafael Hoppe: Spieglein, Spieglein
Immer häufiger auftretende Gedächtnislücken zwingen Detective Inspector Joey Kendall in den verfrühten Ruhestand: (hier befindet sich ein falscher Doppelpunkt). Ausgerechnet den Mord an seinem besten Freund konnte er nie aufklären. So ermittelt Kendall auf eigene Faust weiter, doch  gerade als er neue Zeugen verhört, hat er einen seiner Aussetzer. Kurz nachdem er wieder zu sich kommt erfährt er von der Ermordung seiner Zeugen

Andreas Zwengel: Vollmond über Venedig
Zur Aufklärung einer Diebstahlserie fordert die venezianische Polizei den Deutschen Walter Seyferd um Amtshilfe an. Mithilfe von Dampfbooten gelingt es der Diebesbande auf den venezianischen Kanälen stets zu entkommen. Das besondere Interesse der  Verbrecher gilt einem Artefakt, das einen besonderen Wert für Werwölfe darstellt.

Regina Schleheck: Kopf in den Sternen
Das russische Astronomenpaar Grigori Abramowitsch und Pelageja Fjodorowna Schain sind sich nicht bewusst, dass ihre Verbindung aus weiter Ferne argwöhnisch beäugt wird. Doch der Beobachterin entgeht nichts. Nicht die periodischen Schwankungen in Pelagejas Stimmung und nicht ihr verdächtiges Verhalten nach Grigoris vermeintlichem Unfalltod, das nur einen Schluss zulässt: Pelageja hat ihren Mann umgebracht und muss dafür bestraft werden.

Katja Zucchetti: Stummes Herz
Nachdem Kriminalkommissarin Delia Porte auf einen telefonischen Hilferuf ihres Freundes Dr. Zadkiel »Zak« Gruzzo reagiert hat, findet sie in seinem Haus ein Monster vor, das behauptet Zak zu sein. Doch dies und der Fund von 25 Frauenherzen im Trevi-Brunnen sind für die Kommissarin nur der Auftakt einer Nacht voller Überraschungen.

Carsten Thomas: Kopfsache
Jakowsky ist einer der besten in seinem Job und er glaubt, bei seinen Aufträgen schon alles gesehen und erlebt zu haben. Doch sein aktueller Auftrag, die Ermordung des Baumagnaten Albert Baader verläuft anders als geplant und Jakowsky sieht sich plötzlich als Teil einer ganz besonderen Sammlung wieder.

Mara Laue: Beaking Point
Auf einer Segeljacht werden sieben Menschen regelrecht zerrissen. Nun sitzt der Psychiater Erik der einzigen Überlebenden des Massakers und damit der Tatverdächtigen gegenüber. Ein zartes Geschöpf namens Irina. Nur die Vulkanasche, die am Tatort gefunden wurde, wie auch die verbrannten Fußabdrücke lassen sich nicht einordnen.

Thomas Backus: Fünf tote Huren
Der vermeintliche Gentleman, der Lizzie Strode in eindeutiger Ansicht anspricht, erkennt die Dirne erst im letzten Augenblick als ihre Schicksalsgenossin Mary Kelly. Doch Lizzie kehrt nach ihrer Ermordung als Geist zurück und verfolgt Marys weiteres Treiben.

Gerold Schulz: Tödliche Gedanken
Als die Anwaltstochter Andrea Burg nach Tübingen zurückkehrt um ihren Freund, den Studenten Wilhelm Gmelin zu sehen, erwartet sie eine böse Überraschung. Gmelin liegt schwer verletzt im Hospital, seine Wohnung ist total verwüstet. Die Spur führt zu Gmelins Professor Albert Kugelmann, der eine besondere Form der Hirnforschung betreibt.

Torsten Scheib: Mr. Smith
In nur einer einzigen Nacht veranstaltet Mr. Smith eine ganze Reihe Blutbäder unter dem Abschaum der Stadt, an den die Polizei normalerweise nicht herankommt. Und eben jener Mr. Smith sitzt nun im Verhörzimmer Detective Kowalski gegenüber. Doch Smith ist nicht nur ein kaltblütiger und gewissenloser Killer, er weiß auch Dinge, die er gar nicht wissen kann und er wird geschützt von den höchsten Hierarchen der Polizei.

Michael Kirchschlager: Der Crako und die Totengräber
Auf ihrem Weg nach Leipzig werden der Criminalkommissarius Freiherr Friedrich von Krosigk und sein Adjutant Kosemaul von einem Unwetter überrascht und müssen im Haus eines Lerchenfängers Unterstand suchen. Unterwegs werden sie Zeuge einer seltsamen Prozession, die sich beeilt, verschnürte Leichname unter die Erde zu bringen. Nicht das letzte Mal, dass die beiden Edelmänner auf diese speziellen Totengräber treffen.

»Als der Rachegeist sein Werk vollendet hatte, war von Mary Kelly nicht mehr viel übrig. Ein kaum mehr erkennbarer Haufen Fleisch auf einem blutgetränkten Bett. Das Gesicht zerschnitten, Ohren und Nase abgerissen, ebenso die ehemals so ansehnlichen Brüste. Die Organe herausgenommen und lustlos auf den Nachttisch geworfen, die Därme wie eine leuchtend rote Weihnachtsdekoration an den Bilderhaken aufgehängt.«
(Thomas Backus: F
ünf tote Huren)

MEINUNG
Nach »Dark Vampire«, »Dark Future« und »Dark History« war »Dark Crime« die vierte und erfolgreichste Anthologie, die Anke und Wolfgang Brandt, die Betreiber des Literatur- und Medienportals http://www.geisterspiegel.de, federführend zusammengestellt hatten. Erfolgreich genug jedenfalls, um ihr nun eine zweite Ausgabe folgen zu lassen. Und dass Krimi und Phantastik auch vor und nach dem Gespenster-Krimi gut zusammen funktionieren, davon zeugen unzählige Beispiele von Auguste Dupin bis Harry Dresden.

Geheimnisvolle Morde, mysteriöse Diebstähle und unerklärliche Tatortspuren, das sind die Zutaten der hier geschilderten Kriminalfälle, die alle nicht mit herkömmlichen, sprich rationalen Mitteln zu begreifen sind. Flüche, Geister, Werwesen, skrupellose Wissenschaftler und sogar die Gestirne selbst drängen die Ermittler an den Rand der Rationalität und darüber hinaus. Die Motive indes unterscheiden sich gar nicht so sehr von denen realistischer Verbrechen. Habgier, Eifersucht und Rache stehen auch bei übernatürlichen Tätern hoch im Kurs. Und ein Jack the Ripper-Beitrag, um dessen Taten noch immer der Nimbus des Geheimnisvollen wirkt, gehört schon fast zum guten Ton (»Fünf tote Huren).

Herausgekommen ist eine schöne Mischung die stilistisch von einer Fluchgeschichte mit Lovecraft-Atmosphäre (»Das letzte Opfer«) bis zu einer rotzigen Verhörschilderung (»Mr. Smith«) reicht. Auch thematisch wird einiges geboten: Eine Werwolf-Diebesbande (»Vollmond über Venedig«), einen Ermittler mit Erinnerungslücken (»Spieglein, Spieglein«), eine skurrile Sammelleidenschaft (»Kopfsache«), Telekinetische Experimente (»Tödliche Gedanken«) und noch etliches andere verursachen neben Spannung noch die Gänsehaut.

Etwas aus der Rolle fallen die Beiträge des Historikers Michael Kirchschlager, bei denen es sich um Tatsachenberichte und Beschreibungen von Folter- und Tötungsmethoden handelt, die Teil seiner wissenschaftlichen Forschungen sind. Für diese Anthologie hat er die Schilderungen je in eine kleine Rahmenhandlung um seinen »Helden« Criminalkommissarius »Crako« Freiherr Friedrich von Krosigk verpackt. Zwei Romane um den Crako und seine geheimnisvollen Fälle sind 2006 und 2007 im Festa-Verlag erschienen.

Das Cover wurde von Wolfgang Brandt gestaltet. Dazu wurde ein Bild der Sammlung Kirchschlager (die Szene findet sich wieder in »Der Crako und der Feuerturm«) in den schwarzen Rahmen gesetzt, den alle Geisterspiegel-Anthologien bisher gemein haben. Der Titelschriftzug »Dark Crime II« verschwindet in dem unruhigen Bild auf den ersten Blick. Das Auge muss sich erst orientieren, um den Schriftzug auszumachen.

FAZIT

Auch die zweite Sammlung phantastischer Kriminalfälle aus dem Hause Geisterspiegel beweist, dass die Mischung aus Rationalität und dem Unerklärlichen vielfältige Möglichkeiten bietet, die immer wieder gut funktionieren.

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grotesque verlag, zoe angel, morbus, wien, charly blood

MORBUS 2: Im Prater tanzt der Sensenmann

Charly Blood , Zoë Angel
E-Buch Text: 119 Seiten
Erschienen bei Evolver Books Verlag, 16.05.2016
ISBN 9783902910271
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Ach wie wunderbar ist es doch, ein Clown zu sein,. Er würde sich Zeit lassen, er hatte einfach viel zu lange nicht mehr richtig gespielt. Die meisten seiner Opfer warne zu langweilig gewesen. Er hatte sich an ihrem Lachen und kindlichen Gemüt gelabt, nur um danach festzustellen, dass da nichts mehr übriggeblieben war, was sich zu zerstören lohnte.“

STORY
Da Bernd Waidmann nicht zu seiner Verabredung mit Petra Jesselmaier erscheint, führt Harald „Harry“ Teufel das Gruftimädchen alleine ins unterirdische Hautquartier der Basilisk-Gruppe, den auf dem Kopf stehenden, unterirdischen Ketzerdom von Wien. Dort erfährt Petra, dass Basilisk nur eine von zahlreichen weltweit agierenden Partnerorganisationen ist, die sich mit paranormalen Fällen beschäftigen.

Alarmiert von Waidmanns andauernder Abwesenheit nimmt sich das Basilisk-Team als Ansatzpunkt seiner Suche den aktuellen Fall des Privatdetektivs vor: Ein Junge ist bei einem, Praterbesuch verschwunden und 24 Stunden später wieder aufgetaucht. In der kurzen Zeit seines Verschwindens wurde aus dem fröhlichen Bub ein in sich gekehrter, melancholischer und unzugänglicher Junge. Das Basilisk-Team recherchiert, dass es schon seit den 1960er-Jahren ähnliche Fälle auf dem Pratergelände gegeben hat. Derweil erwacht Waidmann in den hinteren Räumen der Prater-Geisterbahn. Auge in Auge mit einem lebenden Skelett.

„Grimm liebte Musik – und besonders einen Künstler, der gerade dabei war, sein zweites Album auf den Markt zu bringen. Dank guter Kontakte konnte es der Knochenmann schon jetzt genießen. Als die ersten Takte erklangen, begann sich das bleich Gerippe immer rhythmischer zu bewegen. […] Er liebte das Lied „Junge Römer“ einfach unglaublich. Da gingen bei Grimm alle Pferde durch. Oder wie man es auch ausdrücken könnte: Da blieb kein Knochen auf dem anderen. Alte Skelette tanzen einfach anders.“

MEINUNG
Teil 2 einer Serie ist grundsätzlich eine ziemlich undankbare Platzierung, da die Folge stets im Zugzwang steht, die vom meist überdurchschnittlichen Auftaktband gesetzten Erwartungen mindestens zu erfüllen. Im vorliegenden Fall muss man bescheinigen, dass Band 2 sogar noch besser geworden ist als Teil 1. Mussten in BLUTSCHWUR DER DONAULEICHEN zwangsläufig noch die Hauptpersonen eingeführt werden, können sich die Autoren nun voll auf das Geschehen konzentrieren, die ohne Vorrede sofort mit zwei Handlungssträngen einsetzt. Einerseits wird die Basilisk-Gruppe genauer beleuchtet, weitere Personen werden vorgestellt, andererseits muss das Rätsel um Waidmanns Verschwinden gelöst werden, das weiter führt zum Fall der der verschwundenen Kinder auf dem Pratergelände. Souverän gelingt es den Autoren, nicht nur ein wohltuendes Gleichgewicht zwischen beiden Handlungssträngen, sondern auch ein insgesamt hohes Erzähltempo zu halten. Sogar in Sachen Skurrilität legt SENSENMANN gegenüber dem Vorgänger noch eine Schippe drauf. Schon alleine die Figur des lebenden Skeletts Grimm, der sein Tagewerk in der Geisterbahn des Praters verrichtet und nebenher Basilisk seine Erfahrung als Insider zur Verfügung stellt (und zu Falco tanzt), wäre mindestens einen Grimm One-Shot wert.

Insgesamt verbreitet MORBUS 2 heimeliges Groschenheftflair mit einer großzügig bemessenen Portion Skurrilität, die den Österreichern offenbar besonders im Blut liegt und die die Serie von anderen Publikationen abhebt. So schickt sich MORBUS an, eine Art phantastisches KOTTAN ERMITTELT zu werden.

Grimm hat offenbar auch Jörg Vogeltanz zum Coverbild inspiriert, das unter Verwendung des Bildes „Selbstporträt mit fiedelndem Tod“ von Arnold Böcklin entstanden ist.

FAZIT
Morbus 2 hält sogar mehr als Teil 1 versprochen hat. Skurril, rasant und mit einem glücklichen Händchen für die Figuren. Weiter so!

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horror, vampire, southern gothic, audible, george r. r. martin

Fiebertraum

George R. R. Martin
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Audible GmbH, 25.01.2010
ISBN B0030GXL0C
Genre: Sonstiges

Rezension:

 „Fevre Dream? Halten sie diese Wahl nicht für ein wenig unheimlich? Für mich stecken in diesem Namen Krankheit, Fieber und Tod und Wahnvorstellungen. Träume, die man nicht träumen sollte.“

STORY
Der charismatische aber sonderbare Joshua York macht dem finanziell angeschlagenen Schifffahrtsbetreiber Abner Marsh ein überraschend großzügiges Angebot, um sich in dessen Schifffahrtslinie, die „Fevre River Packet Company“ einzukaufen, die nach einer Frostkatastrophe aus nur mehr einem mittelprächtigen Schiff besteht. Als Gegenleistung für seine Großzügigkeit stellt York einige befremdliche Forderungen. Marsh ist bereit, sich auf den Handel einzulassen, wenn York ihm den Bau eines prachtvollen und schnellen Raddampfers finanziert, der es mit den besten Schiffen seiner Konkurrenten aufnehmen kann. Die „Fevre Dream“ wird gebaut und Marsh und York beginnen ihre Reise den Fluss hinab.

Ungewöhnliche Umstände erfordern es, dass sich York schließlich durchringt, Marsh über seine wahre Natur aufzuklären. Er und seine Entourage sind Vampire, die jedoch ein friedliches Zusammenleben mit den Menschen anstreben. In jahrelangen Versuchen hat York ein Elixier entwickelt, das es den Vampiren erlaubt, den „roten Durst“ zu stillen ohne Menschen töten zu müssen. York möchte alle Vampire um sich scharen und von seiner Ideologie überzeugen. Aus diesem Grund ist er auf der Suche nach dem Blutmeister Damon Julian, der mit seinen Anhängern afu einer Plantage ein Louisiana lebt. Als sie Julian finden, willigt dieser ein, York auf der „Fevre Dream“ zu treffen und ihn anzuhören. Doch Julians Besuch auf dem Schiff gleicht einer Kriegserklärung.

„York blickte auf und ihre Augen trafen sich. Bis zum Ende seiner Tage würde sich Abner Marsh an diesem Moment erinnern, an diesen ersten Blick in Joshua Yorks Augen. Welche Gedanken er auch gehegt, welche Pläne er auch geschmiedet hatte, alles wurde von dem Mahlstrom in Joshua Marks Augen aufgesogen.“

MEINUNG
Leise und bedächtig wie das stetige Raunen des Mississippi entwickelt sich George R. R. Martins Vampirroman FIEBERTRAUM im Angesicht der schwülen Flusslandschaft des amerikanischen Südens, die den Rahmen dieser großartigen und ungewöhnlichen Vampirgeschichte bildet. Martin versetzt die gemeinhin aristrokratisch-unterkühlten Nosferati aus den eisigen Karpaten in die betäubende Schwüle des amerikanischen Südens und erschafft damit eine heißblütige und unberechenbare Art von Vampiren. Sicher war es auch 1982 kein Novum, klassische Horrorfiguren ihrem klischeehaft angestammten Umfeld zu entreißen und in ein anderes Umfeld zu pflanzen, doch selten hat das so gut funktioniert wie in hier.

Zuvor jedoch gibt sich George R. R. Martin erfolgreich alle erdenkliche Mühe mit der Charakterisierung und Entwicklung seiner Figuren. Weder York noch Marsh können hier als grundlegend gut oder böse bezeichnet werden. Die Beziehung der beiden Hauptpersonen ist komplex und erhält im Verlauf des Romans etwas von einer ambivalenten Symbiose. Obwohl sich beide ebenso gut als Feinde gegenüber stehen könnten, werden Abner March uns Joshua York im Angesicht eines gemeinsamen Feindes schließlich zu Männern, die trotz ihrer Verschiedenartigkeit eine seltsame und innige Kameradschaft verbindet. Als physische Metapher für die Entwicklung seiner Charaktere verwendet der Autor die Reise auf dem Mississippi, die von Unsicherheit geprägt ist. Mit der Ankunft auf Damon Julians Plantage schließlich erreichen die Männer das sprichwörtliche Herz der Finsternis. Parallelen zu Joseph Conrads gleichnamigem Roman sind durchaus vorhanden.

„In seinen Träumen gab sie während ihrer Fahrt keinen Laut von sich und weiße Gestalten huschten lautlos über die Decks und bevölkerten den großen Salon. Und in ihren Kabinen hockten angsterfüllt die Passagiere, bis sich die Türen eines Nachts öffneten und sie zu schreien begannen.“

Obschon auch in den 1970ern Vampirromane keine Seltenheit waren biedert sich George R. R. Martin mit seiner Geschichte nirgendwo an sondern erschafft hier eindrucksvoll eine bis heute ganz und gar eigenständige Variante des Genres. Behutsam ohne zu langweilen baut er Geschichte und Charaktere auf, scheut sich nicht vor Beiwerk und Zeitkolorit, ohne jedoch je den roten Faden zu verlieren. Wer die ersten beiden JUDAS-Bücher von Markus Heitz mochte, dem sei dieser Klassiker der Vampirliteratur wärmstens empfohlen.

DAS HÖRBUCH
Obwohl es sich um eine exklusive Eigenproduktion des Online-Anbieters Audible handelt, konnten die Hörbuch-Spezialisten mit Reinhard Kuhnert (Synchronsprecher von u.a. David Strathairn, Bruce Davison, William H. Macy) einen absoluten Profi gewinnen, dessen Vortrag jede Minute fesselt. Herausragend ist der fast einstündige hypnotische Monolog von Joshua York, in dem er Abner Marsh seinen Lebens- und Leidensweg als Vampir darlegt, seine Suche nach Artgenossen, sowie die Suche nach Erlösung vom „roten Durst“. Aktuell liest Reinhard Kuhnert für Audible auch die Hörbuchumsetzung von George R. R. Martins DAS LIED VON EIS UND FEUER.

FAZIT
Grandios-üppiger Vampirroman, der in allen Belangen überzeugt. Ebenso wie die herausragende Hörbuchumsetzung, die keine Minute langweilt.

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thriller, 7 tage der rache, patrick senéca, tod, horror

7 Tage der Rache

Patrick Senécal
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 07.04.2014
ISBN 9783865523006
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„In den kommenden sieben Tagen wirst du vor dem Zubettgehen jedes Mal sagen könne, dass hinter dem Monster, das unsere Tochter vergewaltigt und getötet hat, ein Tag des Leidens liegt. […] Er wird nie wieder dieses verdammt arrogante Lächeln auf den Lippen haben. Verstehst du? Bis zum nächsten Montag kannst du dir sicher sein, dass irgendwo der Mörder deiner Tochter vor Schmerzen laut brüllt.“

STORY
Jasmine, die siebenjährige Tochter von Bruno Hamel (Claude Legault) und Sylvie Bérubé (Fanny Mallette) kommt eines Tages nicht zur gewohnten Zeit von der Schule nach Hause. Nach einigen Stunden wird ihre Leiche aufgefunden. Vergewaltigt und ermordet. Vier Tage nimmt die Polizei den Täter Anthony Lemaire fest. Ab da reift ein Plan in Hamels Kopf. In einem abgelegenen Haus lässt sich der Arzt nach seinen eigenen Plänen eine Apparatur aus Ketten, Winden und einem Stahltisch bauen. Danach – während seiner Überführung ins Gericht – entführt er Lemaire, um ihn in eben jenem Haus sieben Tage lang für den Tod seiner Tochter leiden zu lassen. Danach will er sich der Polizei stellen. Doch Hamel unterschätzt die Auswirkungen dieser Extremsituation auf seinen eigenen Geist, der – unterstützt von steigendem Alkoholkonsum – immer mehr entgleist. Und während Hamel in der Bevölkerung Gegner wie auch Fürsprecher findet, setzt sich Detective Sergeant Hervé Mercure auf seine Spur, der selbst unter dem kaltblütigen Mord an seiner Frau leidet.

„Bruno spürte, wie etwas in ihm zersprang, sich sein Magen verengte. […] Vier Tage hatte ihn der Verlust von Jasmine so stark in Anspruch genommen, dass ihm, so verrückt das jetzt erschien, nie der Gedanke gekommen war, dass es einen Vergewaltiger, einen Mörder gab, der sich noch auf freiem Fuß befand, Zum ersten Mal verlagerten sich seine Gefühle von seinem Verlust hin zur Existenz dieses Mörders.“

BUCH & FILM
Zunächst sei gesagt, dass weder Roman noch Film besonders angenehm sind, geschweige denn, besonders viel Spaß machen. Beiden ist gemeinsam, dass Bruno Hamel nicht zu einem Sympathieträger aufgebaut wird und damit recht bald die Grenzen zwischen Opfer und Täter verschwimmen. Hamel ist besessen von seinen ganz persönlichen Rachegedanken, die er ohne Rücksicht auf Verluste auslebt und in die er nicht einmal seine Partnerin einbezieht.

Die Verfilmung von Patrick Senécals Roman hält sich nicht nur inhaltlich sehr eng an die Vorlage, sondern trifft den tristen Ton des Romans sehr gut, wenngleich einige Passagen stark gestrafft wurden und einzelne Szenen damit etwas in der Luft hängen. So fehlt im Film beispielsweise die akribischen Vorbereitungen Hamels auf Lemaires Entführung und Folterung. Man fragt sich mit Recht, wie denn ein einzelner Mann die Eskorte des Mörders einfach so ausschalten kann. Hier erweist sich der Roman in seine Ausführlichkeit als folgerichtiger.

Dort wird auch Hamels abdriften in den Wahnsinn – verstärkt durch aus dem Ruder laufenden Alkoholkonsum – sehr viel deutlicher. Er glaubt, um die Hütte herum immer wieder das Bellen eines Hundes zu hören. Das Echo eines prägenden Erlebnisses, das er einige Jahre zuvor hatte. Ein Detail, an dem Kommissar Mercure ansetzen kann um Hamel aus der Reserve zu locken. Dieser Aspekt fehlt im Film völlig. Stattdessen zieht es den Film-Hamel immer wieder zum angefressenen Kadaver eines Rehs nahe seiner Hütte.

Auch die Figur des Polizisten Mercure wurde für den Film angepasst. Während der Roman-Mercure immer wieder den Mörder seiner Frau – diese wurde bei einem Ladendiebstahl erschossen – im Gefängnis besucht, begnügt sich der Film-Mercure damit, sich immer wieder das Überwachungsvideo des Ladens anzusehen, auf dem die Erschießung seiner Frau festgehalten ist.

Was die Folterszenen angeht, gehen Buch und Film in ihrer Präsentation recht schonungslos zur Sache, auch wenn die Gewalt nie zum Selbstzweck verkommt. Die unterkühlte und triste Darbietung erlaubt es dem Zuschauer zudem, einen gewissen Abstand zum beschriebenen/gezeigten Geschehen zu wahren. Den Darstellern von Bruno Hamel (Claude Legault) und Anthony Lemaire (Martin Dubreuil) muss auf jeden Fall Mut für ihre überzeugende Darstellung attestiert werden..

Bereits 2002 erschienen, hat der Festa-Verlag – als der führende Verlag für harte Thriller und Horrorromane – Senécals Roman dieses Jahr in seine Horror-Taschenbuch-Reihe aufgenommen, wo er sich auch ohne phantastische Bestandteile gut eingliedert. So ist es durchaus denkbar, dass auch Senécals Romane 5150 RUE DES ORMES (5150 ELM’S WAY) und EVIL WORDS bald im Verlagsprogramm zu finden sind. Beide wurden auch bereits verfilmt und finden sich zusammen mit 7 DAYS in der „Störkanal“-Reihe des Labels I-On New Media.

FAZIT
Sowohl als Buch wie auch als Film ist 7 TAGE DER RACHE/7 DAYS ein trister und schwer zu ertragender Rache-Thriller, in dem das Täter-/Opferverhältnis zusehends verschwimmt und das auch die psychologischen Folgen von Hamels Racheaktion nicht ausspart.

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grotesque verlag, zoe angel, morbus, charly blood, edition gwydion

MORBUS 1: Blutschwur der Donauleichen

Charly Blood , Zoë Angel
E-Buch Text: 116 Seiten
Erschienen bei Evolver Books Verlag, 16.05.2016
ISBN 9783902910264
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Lach nicht, der Donaufürst ist ein mächtiges Wesen. Wehe denen, die ihm begegnen. Die werden von ihm in die Tiefen des Flusses gezerrt. Auch mit seinen Töchtern geht er grausam um […] Nur durch Schläue vermögen sie hin und wieder aus dem Palast zu fliehen. […] Du kannst sie in Tanzstuben antreffen, ohne dass du erkennst, dass du ein Donauweibchen vor dir hast. Doch wehe, ihr Vater kommt drauf.“

STORY
Touristenführer und Schwerenöter Christian Fischer lässt nichts anbrennen. Sein Beruf gibt ihm reichlich Gelegenheit, sich unter seinen „Kundinnen“ dankbare Gespielinnen für eine Nummer auszusuchen. Und sind diese mal nicht ganz so willig, haben ein paar Schläge schon immer nachgeholfen. Mit der blauhaarigen Schönheit Loreley ist er jedoch an die falsche geraten. Als er nach seinem Vergnügen mit ihr zu nahe an der Donau steht, wird er ins Wasser gezogen und stirbt. Seine Leiche wird von Goth-Girl Petra Jesselmaier und ihrer Clique gefunden, was Petra in Kontakt mit dem Privatdetektiv Bernd Waidmann bringt, der von Fischers Frau auf den Schürzenjäger angesetzt war. Petra kann Waidmann überzeugen, nichts mit dem Tod des Fremdenführers zu tun zu haben und beide machen sich gemeinsam auf die Tätersuche. Dabei ist es von Vorteil, dass Petra das zweite Gesicht hat, denn Fischers Mörder sind nicht von dieser Welt. Und Fischers Kollege und Mittäter Stephan Swoboda soll das nächste Opfer der Donauleichen werden.

„Etwas legte sich um seinen Kopf, ein Schwindel, gefolgt von einem stechenden Schmerz. Dann spürte er schon, wie sein Mageninhalt nach oben wanderte. Er erbrach sich zwischen all den Leuten. Und was da hochkam, war keineswegs ein halbverdautes Frühstück. Es war Wasser aus der majestätischen Donau, denn es kamen auch ein paar noch lebende Fische mit raus …“

MEINUNG
Mit MORBUS legt die Edition preQuel (seit Sommer 2013 Edition Gwydion) in ihrem Imprint „Grotesque“ einen Spin-Off zur „Groschenheftserie“ OMEN vor. Während OMEN die „Aufsehenerregendsten Fälle von Pantherion“ zum Inhalt hat, werden in MORBUS die Fälle der Wiener „Pantherion“-Partnerorganisation „Basilisk“ geschildert. Damit ist MORBUS ein weiterer Bestandteil des multimedialen PANTHERION-Universums der Österreicher um Bernherd Reicher und Dr. Nachtstrom. Während die Printversionen der OMEN-Bände jedoch als dünne Taschenbücher über Amazon CreateSpace produziert weerden, ist die MORBUS-Serie klassischer Heftchengrusel reinsten Wassers. Das fängt beim genial-reißerischen Titel an, geht über das klassische geklammerte Heftromanformat und das zweispaltige Textseitenlayout bis hin zum herrlich trashigen Inhalt.

Als Ermittler, die in einer Serie dieses Formats nicht fehlen dürfen, fungieren der erfahrene Ü40-Privatdetektiv Bernd Waidmann und die jugendliche und impulsive Goth-Göre Petra Jesselmaier, die mit einer visionären Begabung ausgestattet ist. Eine ungewöhnliche Kombination, die sich jedoch bald einschleifen dürfte. Denn in der mystischen Parallelwelt Wiens, in die das Duo stolpert, sind die gesellschaftlichen Vorzeichen umgekehrt: Dort ist die medial veranlagte Petra die Erfahrene und der Detektiv gilt als ihr ahnungsloses Anhängsel. Während ihrer Ermittlungen treffen Waidmann und Petra außerdem auf Harry Teufel (Nomen est Omen?), der beide zu manipulieren sucht und in Teil 2 für die Geheimorganisation „Basilisk“ anwerben wird, die paranormale Fälle in Wien und Umgebung untersucht. Im Zusammenspiel mit den skurrilen Ereignissen und einer ordentlichen Portion Wiener Schmäh im O-Ton gestaltet sich MORBUS so als eine Mischung aus JOHN SINCLAIR, LARRY BRENT und KOTTAN ERMITTELT. Und das nicht zuletzt wegen des Settings im Jahr 1984.

Als Gegenspieler von „Basilisk“ müssen zunächst Wesen und Legenden herhalten, die in der österreichischen Folklore angesiedelt sind, etwa so wie in Gunter Arntzens CHRISTOPH SCHWARZ-Serie, die sich deutschen Sagen widmet.

Was den Ton ihrer Geschichten angeht, so haben Waltraud Lengyel (alias Zoë Angel) und Werner Skibar (alias Charly Blood) den Esprit und die souveräne Schreibe der Heftromanautoren perfekt verinnerlicht, sind doch beide bekennende Fans des Genres und des Formats. Im Fall MORBUS gesellt sich zu dem oft aufgesetzten Ernst des Genres noch ein angenehm beiläufiger und teils morbider Humor.

Die ersten beiden MORBUS-Hefte sind als Druckversion exklusiv über den Verlag Evolver Books erhältlich, wo inzwischen auch überarbeitete Ebook-versionen der Romane zu haben sind. Teil 3 und 4 sind kürzlich zusammen in einem Band als Taschenbuch bei Evolver Books erschienen und auch ganz normal über den Buchhandel zu beziehen. Selbstredend auch als Ebooks, da auch einzeln.

Und wem das Coverbild bekannt vorkommt … dafür hat Grotesque-Stammgrafiker Jörg Vogeltanz John Everett Millais Gemälde „Ophelia“ verwendet.

FAZIT
Geniale Verbeugung vor und gleichzeitig Einreihung in die Reihe klassischer Gruselheft-Groschenromane. Präsentiert mit einer ordentlichen Portion Wiener Schmäh.

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anke kuhl, heiko wolz, kinderbuch, dtv, dtv-junior

Die Rache der Superhelden

Heiko Wolz , Anke Kuhl
Fester Einband: 152 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.10.2013
ISBN 9783423760812
Genre: Kinderbuch

Rezension:

„Schule. Für Eltern gibt es nichts Wichtigeres. Egal, um was es geht, am Ende kommen sie immer wieder damit an. Angeblich lernt man in der Schule für das Leben. Auch wenn der neue Nachbar ein oberschlimmer Verbrechner ist und man deshalb wahrscheinlich nicht mehr lange zu leben hat. Aber Hauptsache, man ist ausgeschlafen, wenn er einen mit seiner Strahlenkanone in kleine Stücke häckselt und damit seinen Garten düngt.“

STORY
Normalowochen im Hause Kopp. Aus Rücksicht auf Leon – das einzige Familienmitglied ohne Superkräfte – wollen Papa Ray, Mama IceMadam und Schwester Laura ihren heimischen Familienalltag komplett ohne den Einsatz von Superkräften bewerkstelligen. Das geht selten länger als zwei Minuten gut und Leon ist genervter als ohnehin schon. Zu allem Überfluss hat der Superschurke Dr. Schröder (siehe ALLEIN UNTER SUPERHELDEN, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2013) das Nachbarhaus bezogen – wenige Wochen nach seinem Versuch, alle Superhelden Mega-Citys zu töten wegen guter Führung aus dem Gefängnis entlassen – und macht einen auf netten Nachbar. Während offenbar jeder in Mega-City bereit ist, dem mörderischen Wissenschaftler eine zweite Chance zu geben, traut Leon dem Frieden nicht. Denn ausgerechnet Schröder hat den Meteoriten, der sich derzeit Mega-City aus dem Weltall nähert, offiziell als harmlos eingestuft und will die Stadtbewohner dazu bewegen, sich den Meteoritenregen – das Verglühen der Meteoritenbruchteile in der Erdatmosphäre – als gemeinsames Event uzusehen. Der perfekte Zeitpunkt, einen weiteren Schlag gegen die vereinten Superhelden von Mega-City zu führen.

„Gespräche mit Superschurken laufen meistens so ab, dass die lang und breit erklären, warum die Welt böse ist und zerstört werden muss oder nur dadurch gerettet werden kann, dass sie selbst die Herrschaft übernehmen. Selbst kommt man da kaum zu Wort.“

MEINUNG
Alles beim Alten in Mega-City. Alle supi aber ein bisschen naiv außer Leon, seinem kurzsichtigen Kumpel Paule und Doc Schröder. Der ist böse, wie schon in Teil 1 und sein kurzer Gefängnisaufenthalt hat ausgereicht, eine neue Schurkerei auszubrüten, wozu ihm der sich zielstrebig nähernde Meteorit gerade recht kommt. In seiner Siegesfantasie sieht er sich schon auf einem Feld geplätteter Superhelden tanzen, während er nach außen den fürsorglichen Nachbarn spielt.

Autor Heiko Wolz behält sowohl die Storykonstruktion wie auch den sympathischen Loser-Humor des ersten Teils bei, feuert seine bewährten kurzen Sätze ab und schickt Durchblicker Leon erneut in ein Duell gegen Fiesling Schröder. So gestaltet sich DIE RACHE DER SUPERHELDEN eher als Remake, denn als Fortsetzung. Das muss nicht schlecht sein, enttäuscht jedoch eine allzu anspruchsvolle Erwartungshaltung und macht das Ganze vorhersehbar. Etwas abgekoppelt von der Story ist immerhin eine dezente Charakterentwicklung auszumachen; im B-Plot der Geschichte entwickelt Leon ein verstörendes, pubertäres Interesse an Schulkameradin Marie/Solar.

Wie schon bei Teil 1 wurde auch DIE RACHE DER SUPERHELDEN mit Innengrafiken von Anke Kuhl versehen, die die Handlung witzig illustrieren. Auch die farbige Coverillustration hat Anke Kuhl eigens für das Buch angefertigt.

FAZIT
Mit dem gleichen Rezept kann man zwangsläufig kein neues Gericht kochen. Wem Teil 1 gefallen hat wird nicht enttäuscht, erlebt aber auch keine Überraschung.

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kurzgeschichten, horror, regional-phantastik, schwarzwald, phantastik

Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod

Daniel Mosmann
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei edition subkultur, 01.07.2015
ISBN 9783943412192
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Etwas Eigenartiges lag über den Feldern. Dachte Else Knoche, ohne jedoch in der Lage zu sein, den genauen Grund für ihr merkwürdiges Gefühl benennen zu können. Ihr Blick folgte einem der Sonnenflecken, der zügig über Haus, Garten, über das Krautland und schließlich über den Kartoffelacker wanderte. Dann sah sie die Vogelscheuche. Sie stand in der ihr zugedachten Beharrlichkeit am oberen Ende der Felder, doch etwas an ihr war seltsam. Sie schien sich verändert zu haben.“
(Zwischen Kraut und Kartoffeln)
 

Winterzauber
Als sie erwacht, wird ihr bewusst, dass wohl nur der Alkohol des vergangen Abends und der geringe Schutz einer Holzhütte, die an ihrem Fußweg nach Hause liegt, sie vor dem Kältetod gerettet haben. Während sie sich aufrafft, nun den Rest des Weges durch die verschneite Landschaft zurück zu legen, hängt sie ihren Erinnerungen nach. Gedanken an den Tod des Vaters, an ihren ersten Freund, den Schmerz des Erwachsen Werdens und an die letzte Nacht im Club, an die unscheinbare Klara. Und plötzlich erblickt sie einen Mann, den sie bereites lange tot wähnte. 

In einem Landhaus
Nach dem qualvollen, von langer Krankheit gezeichneten Tod des Hausherrn, bittet seine Witwe das Zimmermädchen Madeleine, das Bett des Verstorbenen wieder herzurichten und Bettzeug und Matratze zu entsorgen. Eine unbestimmbare Abscheu macht es Madeleine jedoch unmöglich und so geht ihr die Hausherrin zur Hand, die eine unangemessene Fröhlichkeit zur Schau trägt.

Oben auf dem Knochenberg
Erneut ist der namenlose Radfahrer unterwegs, mit seinem Fahrzeug auf eigene Faust den Schwarzwald zu erkunden (siehe DER NARRENBRUNNEN in VON KASTANIEN UND KNOCHEN, Edition Octopus, 2008). Eins seiner Ziele ist die Burgruine zu Zavelstein, wo er auch sein Nachtlager aufschlagen will, in der Überzeugung, die lokale Sage um das Gespenst eines Bauern, der hier einst lebendig eingemauert wurde, gehöre ins Reich der Legenden. Ein Unwetter lässt en nächtlichen Gast Schutz in den unterirdischen Gewölben der Ruine suchen. Da steigt plötzlich von oben eine weitere Gestalt in die Finsternis herab.

Biester
Der Sommer 1983 soll für Martin, Astrid und ihre Tochter Eileen alles verändern. Der Sommer, der durch eine ungewöhnlich hohe Anzahl, eine wahre Plage an Fröschen, gekennzeichnet war. Der Sommer, in dem die Regierung deswegen ein Experiment startete. Töne, die die Tiere dazu bringen sollten, ihren eigenen Nachwuchs zu verspeisen. Ein Experiment, das gründlich schief ging. 

Das sonderbare Begräbnis des William M. Roth
Eine Serie pietätloser Pannen ging 1984 mit dem Begräbnis des pingeligen und auf extremer Regelkonformität bedachten Schreinermeisters Roth einher, bis hin zur Bestattung seiner Überreste auf der falschen Seite des Grabes. Nun, als seine Witwe beerdigt werden soll, erleben die Totengräber eine makabre Überraschung. 

Das Exkrement Gottes
... im Volksmund auch „Gottes beschissene Scheiße“. Der richtige Kommentar zu einem Tag, an dem man die untreue Ehefrau samt Liebhaber umbringt und der Wagen, mit dem man die Leichen entsorgen will, eine Reifenpanne hat. Wenn just in diesem Moment zwei Polizisten zur Stelle sind oder der Wagen nicht gleich an der vorgesehen Stelle im Sumpf versinken will.

Zwischen Kraut und Kartoffeln
Seit dem Tod ihres Mannes vor über vor dreißig Jahren bestellt Else Knoche ihre Felder alleine. Mehr schlecht als Recht, wenn man ihren Nachbarn glauben möchte, die ein Auge auf das Land der Bäuerin geworfen haben. Unschlagbar sind jedoch Elses Kartoffeln, die ohne jegliche chemische Mittel gedeihen und ihr lukrativen Absatz in der Öko-Szene bescheren. Als sich nun eines Morgens Saatkrähen auf dem Feld mit den frisch gesetzten Kartoffeln tummeln, gilt es zu handeln. Aus den alten Kleidern ihres verstorbenen Mannes baut sie eine Vogelscheuche, die diensteifrig ihre Aufgabe erfüllt. Doch häufen sich seit dem auch unerklärliche Fußspuren, ausgerissene Triebe und ein denkbar ungutes Gefühl bei Else, jedes Mal, wenn sie die Vogelscheuche anblickt.

Die vergessenen Kinder
Dass sich ausgerechnet nahe des Friedhofs, noch dazu in direkter Nachbarschaft der alten Kindergräber ein kleiner Spielplatz befindet sorgt bei einigen verantwortungsvollen jungen Eltern für Unverständnis, dem sich der Ortsvorstand nicht verschließen kann. So entsteht – in ausreichender Entfernung zum Totenacker – ein großer moderner Spielplatz, der seinen Vorgänger schnell vergessen macht. Nur den alten Gerard Eickler sieht man bisweilen Dort sitzen. Mit einem verzückten Lächeln um die Mundwinkel und scheinbar in Selbstgespräche vertieft sieht er den Spielgeräten zu, die sich im auffrischenden Wind bewegen. Hier am alten Spielplatz, nahe des Grabes seiner kleinen Tochter.

„Man hatte angeblich herausgefunden, dass Frösche besonders in der frühen Wachstumsphase sehr stark auf bestimmte Töne reagieren. Laut Zeitungsbericht sollte dies sogar so weit gehen, dass diese Tiere eine Art übersteigerten Appetit entwickelten und dadurch alles fressen würden, was sich ihnen an adäquater Nahrung bot. Da sich nun den Kaulquappen und Jungfröschen vor allem die nächsten Artgenossen als reichhaltige Nahrungsquelle anboten, würden sich die Kaulquappen möglicherweise dezimieren, weil sie sich gegenseitig auffressen würden.“
(Biester)

MEINUNG
Sieben Jahre hat sich Daniel Mosmann mit dem Nachfolgeband zu seiner Geschichtensammlung VON KASTANIEN UND KNOCHEN Zeit gelassen. Völlig zu Unrecht ist der Autor aus dem Schwarzwald damals schon unter dem Radar selbst eingefleischter Fans deutscher Phantastik geflogen. Das mag zum einen daran liegen, dass Hr. Mosmann vorher noch nie als Autor in Erscheinung getreten ist, weder in Anthologien, Magazinen, etc., zum anderen, dass KASTANIEN in keinem der einschlägig bekannten Kleinverlage erschienen ist; von Amazon CreateSpace hatte damals noch niemand etwas gehört. Gepasst hätte das Buch ganz gut in Boris Kochs „Edition Medusenblut“ oder in Jörg Kleudgens „Goblin Press“, die jedoch zu der Zeit im Winterschlaf lag. Auch für sein zweites Werk wählte Daniel Mosmann nicht den inzwischen naheliegenden Weg des Self Publishings sondern brachte das Buch bei der Berliner Edition Subkultur unter, die  sich als „zeitgemäßes Label für unabhängige Literatur und Musik“ versteht, die „jungen und abseits des Mainstreams agierenden Künstlern eine einfache Möglichkeit bietet, ihre Werke zu veröffentlichen“.

Thematisch ist sich Daniel Mosmann weitestgehend treu geblieben. Geboten wird eine Art „Regional-Phantastik“, die trotz des düster-sperrigen Titels, über einen unerwartet hohen Humorgehalt verfügt. Freilich sind das keine Schenkelklopfer sondern eher erfrischende unterschwellige Spitzen, die sich gegen ungeschriebene Regeln, gewachsene dörfliche Gepflogenheiten und das Spießbürgertum im Allgemeinen richten. Der satirische Höhepunkt ist sicherlich DAS SONDERBARE BEGRÄBNIS DES WILLIAM M. ROTH, das man getrost als Groteske im Stil Gustave Meyrinks bezeichnen kann.

Die große Kunst die Daniel Mosmann beherrscht, besteht nun darin, den Schrecken der Geschichten damit nicht zu unterminieren. Mein persönlicher Favorit BIESTER oder ZWISCHEN KRAUT UND KARTOFFELN sind eindrucksvolle Beispiele, dass es einem auch mit einem Grinsen im Gesicht kalt den Rücken hinunter ziehen kann. So unerwartet wirkungsvoll und eiskalt kommen die Pointen hier am Ende um die Ecke. Selbst bekannte und oft gebrauchte Motive, wie das des ahnungslosen Toten (Ambrose Bierces EIN VORFALL AN OWL-CREEK BRÜKCE lässt grüßen) oder das Subgenre des Vogelscheuchen-Horrors macht sich Daniel Mosmann auf eine Art zu eigen, dass es innerhalb der Sammlung absolut stimmig wirkt. In Thematik und Tonart kann man die Geschichten irgendwo zwischen Uwe Voehls Kurzgeschichten und Markus K. Korb verorten. Deutlich gehoben – und bisweilen bewusst leicht antiquiert - ist auch die Sprache, die Mosmann verwendet; weit entfernt von der Mehrheit sonstiger Hobby-Horrorschreiber.

Ergänzt werden die acht Kurzgeschichten mit zwei Gedichten. ZUR ALTEN LINDE wandelt sich von einer elegischen Jugenderinnerung zu einem Mordgeständnis; das titelgebende AUF PILGERFAHRT MIT GEVATTER TOD beschreibt den letzten Weg eines Sterbenden, den in einer Winternacht unvermittelt der Sensenmann besucht.

FAZIT
Der Untertitel „Subtiler Horror aus dem finsteren Schwarzwald“ trifft es auf den Punkt. Empfehlenswerte Geschichtensammlung für alle Freunde deutscher Phantastik. Unheimlich, melancholisch, eiskalt, ausnehmend gut geschrieben und mit einer angenehmen Portion unterschwelligem Humor.

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horror, kurzgeschichten, fantasy, vampir, hot blood

Hot Blood 1 - Bis dass der Tod euch vereint

Jeff Gelb , Lonn Friend , Michael Plogmann ,
Flexibler Einband: 349 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 13.08.2007
ISBN 9783865520746
Genre: Fantasy

Rezension:

„… die beängstigende Erscheinung dieser Frau mit dem halben Totenschädel lächelt zu mir auf, wie es dieser Schädel bestimmt schon ein oder zwei Mal früher getan hat, und flüstert diese heißen, eisigen, von tiefer Verletzung geprägten Worte, Worte, die nicht zu dieser samtenen Stimme passen, einer Stimme, die dazu gemacht ist, Worte von Liebe und Schönheit und drängender Lust zu flüstern.“
(Rex Miller: Die Stimme)

Graham Masterton: Wechselbalg
Innerhalb von Sekunden verfällt der Geschäftsmann Gil Batchelor der betörenden Anna, die seinen Weg in der Hotellobby kreuzt. Als sie sich an der Bar schließlich in eindeutiger Absicht zu ihm gesellt, beginnen für ihr Tage vollkommenen Glücks und unbeschreiblicher Lust, bis die Verwandlung einsetzt.

Richard Matheson: Betörende Julie
Obwohl er sie zuvor nie bemerkt hat, drängt sich seine Kommilitonin Julie plötzlich unnachgiebig in Eddy Fosters Bewusstsein. Ihr Babyface und ihr erblühender Körper lassen ihn nicht wieder los. Und noch andere unbekannte und weit erschreckendere Regungen ergreifen Besitz von ihm.

Robert R. McCammon: Das Ding
Wenn man schon eine Voodoo-Priesterin aufsucht, die durch ihre Fähigkeiten und ihr Wissen eine Penisvergrößerung herbeiführen soll, sollte man sich tunlichst an die Anweisungen halten.

Richard Christian Matheson: Der Mann ihrer Träume
Mit immer neuen Zeichen von Misshandlungen besucht Miss Schubert regelmäßig die Praxis ihrer Psychologin. Gleichzeitig schwärmt sie von den Gefühlen, die sie bei den brutalen Spielen ihres Mannes empfindet. Die Ärztin hat eine Lösung parat, die gleich mehreren Parteien dient.

Chet Williamson: Blutige Nächte
Blutige Kratzer und eingetrocknetes Sperma auf Bells Bettlaken deuten darauf hin, dass sich seine wilden Träume auch auf die Wirklichkeit auswirken. Als es ihm zusätzlich gelingt, seine Träume zu beeinflussen, alle seine brutalen Fantasien wahr werden zu lassen, glaubt er sich am Ziel seiner Wünsche. Doch leider versagen seine erträumten Liebhaberqualitäten, wenn er mit einer echten Frau zusammen ist.

Mick Garris: Schokolade
Es beginnt mit dem plötzlichen Geschmack von Schokolade, den er unvermittelt in seinem Mund spürt. Doch immer mehr Eindrücke und Gefühle, die er sich nicht erklären kann, lassen ihn zu dem Schluss kommen, dass er Emotionen eines anderen Menschen empfängt. Emotionen einer Frau.

Ramsey Campbell: Noch mal
Verirrt in der Einöde eines sogenannten Naturpfades, trifft Bryant auf ein abgelegenes Haus, dessen gebrechliche Bewohnerin sich offensichtlich ausgesperrt hat. Er tut ihr den Gefallen, das Haus durch ein Fenster zu betreten und drinnen nach dem Schlüssel zu suchen. Doch er entdeckt weit mehr, als er es von einer hinfälligen alten Dame erwartet hat.

Lisa Tuttle: Das Haus des Käfers
Als Ellen nach einem Ehestreit ihre Tante May aufsucht, um dort ein paar Tage unterzutauchen, findet sie nicht nur deren Haus in einem desolaten Zustand vor, auch Tante May selbst scheint dem Tod näher als den Leben. Welches Geheimnis teilt May mit dem geheimnisvollen und wesentlich jüngeren Peter, der sich im Haus bewegt, wie es ihm beliebt.

Theodore Sturgeon: Rache ist
Die Brüder Grimme und Dave haben leichtes Spiel mit den Frauen aus ihrer Gegend. Die Ehemänner und Freunde sind als Holzfäller lange von zuhause weg. Die Brüder sind weder wählerisch noch zimperlich und vergehen sich auch gerne gemeinsam an Durchreisenden, die den Burschen meist ebenfalls keine Gegenwehr bieten können. Doch kann man sich bei einem solch wahllosen Lebenswandel auch schnell etwas Tödliches einfangen.

J. N. Williamson: Der Eingriff
Der Eingriff ist längst überfällig. Ein weiteres Mal wurde eine von Edmunsters Geliebten schwanger. Seine Freunde zerstreuen seine Bedenken. Ein kurzer, schmerzloser Eingriff, einige Tage Enthaltsamkeit und alle „Unfälle“ gehören der Vergangenheit an. Doch was, wenn eine seiner Gespielinnen die Ehefrau des behandelnden Arztes ist?

Michael Garrett: Wieder vereint
Jahrelang hat Jason nicht mehr an Carla, seine erste Freundin, seine erste „Bumsgeschichte“ gedacht, der er damals, selbst noch ein halbes Kind, die ewige Liebe versprochen hat. Seit kurzer Zeit jedoch hat er intensive Träume von ihr, die in ihm den Wunsch wecken, sie wieder zu sehen. So macht sich Jason auf die Suche nach ihr, ahnungslos, was ihn erwartet.

Harlan Ellison: Schritte
Auf ihrer Reise durch die Großstädte Europas, ist sie in Paris angekommen. Halb auf der Flucht vor Verfolgern, die zweifellos ihre Spur aufnehmen würden, würde sie zu lange an einem Ort bleiben und würden die blutigen Morde, die auf ihr Konto gehen, ein Muster erkennen lassen. Halb auch aus Neugierde, denn jede Stadt bringt neue Geschmäcker, neue Gaumenfreuden, die sie als die Letzte ihrer Art zu kosten imstande ist. Doch ist die tatsächlich die Letzte ihrer Art?

Mike Newton: Schönheit vergeht
Shelley Teasdale interessiert sich brennend für den Neuen, der aus einem dieser durchgeknallten Nahost-Staaten mit ihren jahrtausendealten Religionen stammt, um nun in den USA zu studieren. Das erste Date ist kein Problem, schließlich hat Shelley von Männern schon immer bekommen, was sie wollte, doch das Bad im Universitätspool, das den Abend abschließen soll, verläuft anders als geplant.

Gary Brandner: Tante Edith
Als Skip die betörende Tante seiner Freundin Audrey kennenlernt, hat er nur noch einen Gedanken. Wie gut, dass Tantchen die kleine Audrey nochmal in den Supermarkt schickt. An die Gerüchte, dass Tante Edith eine Hexe sein soll, und an die seltsamen Kunstwerke in ihrem Haus, denkt Skip in diesem Moment als letztes.

Dennis Etchison: Tochter des goldenen Westens
Erst geraume Zeit, nachdem Bob verschwunden ist, tauchen seine grausam verstümmelten Überreste auf. Die letzte, mit der er gesehen wurde war Cathy Sparks, die kurz vor seinem Verschwinden neu an die Schule kam und nun, gleich nach dem Schulabschluss, schon wieder verschwunden ist. Bobs Freunden Don und David verfolgen Cathys Spur, machen sie ausfindig und suchen sie unter einem Vorwand auf.

John Skipp & Craig Spector: Fleischbeschau
Jerry beschließt, dass sein Freund Tom nach vier Wochen endlich über Doreeen hinweg sein sollte, und schleppt ihn wieder einmal ins Dios, den Laden, wo beide bisher schon oft ihre Gefährtinnen aufgerissen haben. Tatsächlich trifft Tom dort auf Linda und beiden ist sofort klar, dass sie dasselbe wollen.

Rex Miller: Die Stimme
Immer wieder ruft sie im Sender an. „Seine Lady“, die ihn alleine mit ihrer Stimme so scharf macht, dass er ihr alles versprechen würde. Alle Versuche, sie zu einem Treffen zu überreden sind bisher fehlgeschlagen. Doch heute bietet sie ihm an, dass er sie zuhause besuchen kann.

Robert Bloch: Das Model
Die ganze verdammte Kreuzfahrt lang, schleicht der Fotograf George um sein Model Wilma herum. Die Kleine hat einfach Klasse. Doch alle Annäherungsversuche seinerseits sind nutzlos, bis sie ihn am letzten Abend an Bord verführt.

Steve Rasnic Tem: Tote Liebe
Obwohl Jennie zu Hause immer kränker wird, und Gene bei ihr bleiben sollte, kann er sich nicht gegen Ruths Ruf wehren. Ruth braucht ihn bei sich. Auch wenn es immer schwerer wird, sie etwas fühlen zu lassen.

Les Daniels: Sie kommen dich holen
Als Hr. Selig seine Frau mit einem Liebhaber im heimischen Bett erwischt, macht er kurzen Prozess und vergräbt die Leichen im Garten. Doch die Toten kehren wieder.

Jeff Gelb: Suzie besorgt’s dir
Als Mike den Spruch an der Toilettenwand entdeckt – „Suzie besorgt’s dir“ – und darunter seine eigene Telefonnummer, glaubt er an einen blöden Scherz seines Freundes Joey. Schließlich ist seine Freundin Susan ein echtes Landei, das erst einige Wochen in der Stadt ist und so unschuldig wie der junge Morgen. Als Joey glaubhaft seine Unschuld beteuert beginnt Mike Susan heimlich zu folgen.

Ray Garton: Bestrafungen
Irgendwie ist es passiert, dass der junge Paul in Jayne Potters Wohnwagen gelandet ist. Die mausgraue Jayne, die jeden Sonntag die Kirchenorgel spielt und so viel für die Gemeinde tut, führt ihn in die körperliche Liebe ein. Doch es kursieren seltsame Gerüchte in der Gemeinde. Jayne wagt es schließlich, sich ihm zu öffnen und ihm ihre dunkelsten Begierden zu offenbaren. Etwas, das schließlich auch auf Paul abfärbt.

F. Paul Wilson: Ménage à Trois
Langsam aber sicher ist Jerry, der Hausmeister auf dem Gati-Anwesen, dabei sich in das neue Dienstmädchen Steph zu verlieben. Beide müssen vorsichtig sein, denn die entstellte Hausherrin würde ein Liebesverhältnis, unter dem die Arbeit leidet, nie tolerieren. Doch die alte Miss Gati zählt sogar darauf, dass sich beide ineinander verlieben, denn sie hat einen ganz besonderen Plan.

David J. Schow: Fotos
10 Jahre nachdem Tasha Vode sich in ihre Model- und Covergirlkarriere gestürzt hat, steht sie plötzlich wieder vor der Tür ihres ehemaligen Fotografen und Liebhabers. Diesmal könnte es für immer sein, denn Sie möchte das Business aufgeben. Denn Tasha ist von der Vorstellung besessen, dass jeder Mensch aus einer endlichen Anzahl Teilchen besteht und jedes Foto sie dem Verschwinden näher bringt.

„Er war erigiert, sein Penis war durch die brutal unterbrochene Leidenschaft hoch aufgereckt. Er lag auf dem Rücken und sie hatte ihm die Kleider vom Leib gerissen und setzte sich auf ihn. Er drang in sie ein, während der sein Leben aushauchte. Sie ritt au ihm und bäumte sich schwitzend auf, während sein Mund hilflos stumme Worte formte und sein Augen aus den Höhlen traten und das Feuer aus ihnen verschwand.“
(Harlan Ellison: Schritte)

MEINUNG
Mit HOT BLOOD – BIS DASS DER TOD EUCH VEREINT, legt der Festa Verlag die erste Ausgabe der erfolgreichen HOT BLOOD-Reihe vor, die es von 1989 bis 2003 auf insgesamt elf Bände gebracht hat.
Nach Deutschland haben es davon bislang nur drei Ausgaben geschafft, was anhand der namhaften Autoren verwundert. Bei Bastei Lübbe wurde Band 2 der Reihe, HOTTER BLOOD, 1992 als HEISSES BLUT veröffentlicht, HOT BLOOD 6 – STRANGERS BY NIGHT folgte 2008 bei Festa als HOT BLOOD 2 – FREMDER IN DER NACHT. Leider zu einer Zeit, als Horror nicht mehr so groß geschrieben wurde, wie in den 1980ern und Anthologien im Besonderen nur eine Nischenpublikum bedienten, so dass der Erfolg anscheinend nicht groß genug war, um weitere Bände übersetzen zu lassen. Schade.

Schon seit jeher ging der Horror eine enge Liaison mit Sex und Erotik ein. Nicht umsonst gelten gerade die klassischen Horror- und Märchenfiguren als regelrecht beladen mit erotischer Symbolik. Sei es er Vampir, dessen spitze Zähne als Phallussymbol gesehen werden oder die Verwandlung eines Menschen in einen Wolf als Metapher sich bahnbrechender tierischer Begierde. Die modernen Horrorautoren verzichten freilich auf den belehrend erhobenen Zeigefinger und gar nicht selten auch auf ein moralisch vertretbares Happy End. Sie zelebrieren die Lust an der jugendgefährdenden Verbindung von Sex, Angst
und Tod.
Dabei erweisen sich die Geschichten als weniger plump als erwartet und erschöpfen sich auch nicht in der heute gerne (über)strapazierten Kombination von Titten und Gekröse. Überraschend viele der Beiträge sind „echte“ übernatürliche Horrorgeschichten, die sich eben außerdem des Elements „Sex“ bedienen (CHOCOLATE, MENAGE A TROIS). Doch auch die Geschichten, die sexuelle Gewalt und S/M-Anleihen beinhalten, verstehen es größtenteils, dem Leser mit unvorhersehbaren Wendungen kalte Schauer zu bescheren (DER MANN IHRER TRÄUME, BESTRAFUNGEN). So kann HOT BLOOD ganz unabhängig von jedweder Sex Sells-Attitüde auch uneingeschränkt jedem Horrorfan empfohlen werden. Nicht umsonst liest sich die Liste der Beteiligten wie ein Who Is Who der englischsprachigen Horrorliteratur. „Einer vergangenen Ära“ müsste noch anhängen, denn immerhin hat die Sammlung über 25 Jahre auf dem Buckel. So stellt sich aus der Sicht des Jahres 2015 noch zusätzlich ein wohliger Nostalgiefaktor ein.

FAZIT
Großartige Sammlung erotischer Horrorgeschichten, die sich überraschend abwechslungsreich und subtil gestalten und gleichzeitig ein „Best of“ der englischsprachigen HorrorautorInnen.

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steampunk, mystery, dampfbetrieben, silber, fabylon verlag

Argentum Noctis

Guido Krain
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Fabylon, 01.05.2013
ISBN 9783927071711
Genre: Science-Fiction

Rezension:

“Charles war konzentriert in seine Arbeit vertieft. Sein Lichtverdichter nahm endlich Gestalt an und versprach, seine kühnsten Erwartungen in den Schatten zu stellen. Er stand kurz davor, Licht in einen quasiflüssigen Zustand zu überführen, Man würde es an einem Ort „einfangen“ und an einem nderen Ort buchstäblich „ausgießen“ können.. Auch wenn seine Erfindung keinen praktischen Nutzen zu haben schien, was er außerordentlich fasziniert.“

STORY
Der Erfinder Mortimer Fiddlebury macht seit kurzem durch bizarre Aktionen von sich reden. So entlässt er nicht nur quasi über Nacht alle seine Angestellten, man soll ihn auch auf dem Londoner Zentralfriedhof aufgegriffen haben, wo er versucht hat, eine Gruft aufzubrechen. Da mit der Entlassung des Dienstpersonals alle Hausarbeit an seiner Tochter Rachel hängen bleibt, bittet diese den befreundeten Erfinder Charles Eagleton, ihr ein mechanisches Hausmädchen, ganz so wie Eagletons eigene Bedienstete, Fifi, zu konstruieren. Mit diesem Freundschaftsdienst erhält Charles auch mehr oder weniger freiwillig Einblick in die rätselhaften Vorgänge im Haus Fiddlebury. So ist es dem Hausherrn gelungen, die Lebensenergie, die sogenannte Essenz, von Lebewesen von den Gegenständen, mit denen diese in Berührung kamen, zu extrahieren und sogar auf andere Geschöpfe zu übertragen. Besonders geeignet scheint dafür der Belag zu sein, der sich auf Silber bildet. Der Effekt beschleunigt sich noch, wenn das Silber de Mondlicht ausgesetzt war, da dieses die Essenz förmlich aus in der Nähe befindlichen Lebewesen abzuziehen vermag. So hat es Fiddleburry nicht nur geschafft, die Behinderung seiner Tochter zu heilen, sondern auch – als Krönung einiger weniger glücklich verlaufener Tierversuche – die intelligente Ratte Bradley zu erschaffen. Undenkbar also, was möglich wäre, wenn Fiddleburry den von Charles erfundenen Lichtverdichter für weitere Experimente verwenden könnte. Entgegen anfänglicher Antipathien beschließen die beiden Erfinder eine Zusammenarbeit, um dieses Phänomen systematisch zu erforschen. Als logische Fortführung ihrer Erkenntnisse, gelangen die Wissenschaftler übereinstimmend zu der Theorie, dass es sich auch bei Geistererscheinungen um die zurück gebliebene Essenz von Lebewesen handeln muss. Eine Hypothese, die es nun an entsprechenden Örtlichkeiten zu beweisen gilt.

„Die Fiddleburys hatten für ihre Konstruktion auf eine ausgediente Experimentaldruckkammer der Royal Navy zurückgegriffen. Sie war groß genug, um einen Menschen aufzunehmen, aber vollkommen schall- und luftdicht. Über ein kleines Bullauge konnte man jedoch hineinsehen und eine dampfbetriebene Pumpe versorgte eventuelle Insassen mit Atemluft. Eben diese Luftpumpe machte das Gerät zu einem laut lärmenden Ungeheuer.“

MEINUNG
Mit Guido Krains ARGENTUM NOCTIS liegt die Fortführung der Kurzgeschichte STEAM IS BEAUTIFUL (in ERINNERUNGEN AN MORGEN, Fabylon Verlag, 2012) vor, die eine Art Prolog zu dem vorliegenden Roman darstellt. Das heißt, der Leser trifft hier die Figuren der Kurzgeschichte wieder, zum Verständnis des Romans ist die Kenntnis der Geschichte jedoch nicht notwendig. Um nun über die volle Romanlänge zu tragen, stellt Autor Guido Krain dem sympathischen Jungerfinder Charles Eagleton und seinem Love Interest Rachel Fiddleburry eine Reihe schön gezeichneter Nebenfiguren zur Seite. Vor allem das dampfbetriebene Dienstmädchen Fifi (siehe Buchcover), das ebenfalls aus STEAM IS BEAUTIFUL bekannt ist, dürfte längst ihre treuen Fans haben. Als wenig sympathischer Zeitgenosse steht Rachels Vater Mortimer zur Verfügung, für den der wissenschaftliche Zweck die Mittel heiligt und der zunächst – im Rausch seiner bahnbrechenden Entdeckung – die Ethik aus den Augen verliert. Wichtigster Neuzugang ist jedoch die „menschliche“ Ratte Bradley, die für allerlei Situationskomik und Slapstickmomente sorgt. Außerdem fungiert das intelligente Tier als Ich-Erzähler der Geschichte. Meinem persönlichen Leseempfinden nach eine unglückliche Entscheidung des Autors, da man sich stets vor Augen halten muss, dass hier aus der Rattenperspektive erzählt wird. Verwirrend auch, da dem Leser zu Anfang des Romans Charles als primäre Bezugsperson angeboten wird. Insgesamt sind die Personen in ihren Handlungen leicht überspitzt gezeichnet, was dem Ganzen ein amüsantes Comic- oder Zeichentrick-Feeling verleiht.
Wie es sich für einen Steampunk-Geschichte gehört, muss natürlich die Technik ihren Platz haben. Das ist neben Fifi und ihrer neuen Kollegin Kinkin, vor allem die geniale Prämisse, dass sich menschliche Essenz auf Gegenständen ablagert und es möglich ist, diese mit entsprechenden technischen Mitteln quasi aus der Oberflächenpatina zu extrahieren und mit diesem Extrakt sogar Fähigkeiten des „Spenders“ auf einen neuen „Wirt“ zu übertragen. So verfügt ARGENTUM NOCTIS alles in allem schon einmal über einige Pfunde, mit denen sich wuchern lässt.

Leider gestaltet sich der Roman vor allem in der zweiten Hälfte sehr episodenhaft und lässt einen durchgehenden roten Faden, vermissen. Das wiederholte Liebesgeplänkel und gegenseitige schwülstige Anschmachten zwischen Bradley und seiner Liebsten untergräbt die Möglichkeit eines kontinuierlichen Spannungsaufbaus. In Maßen mag es amüsant sein, dass eine Ratte sich am Dekolletee seiner Liebsten (Menschin) verständlicherweise am wohlsten fühlt, wie auch der Eigensinn und der starke französische Akzent eines mechanischen Dienstmädchens, doch laufen sich auch noch so originelle und witzige Ideen durch ständige Wiederholung tot und hindern den Roman, auf ein durchgängiges Betriebstempo zu kommen. Zudem fehlt der Geschichte lange Zeit ein Ziel, auf das es für das Heldenteam hinzuarbeiten gilt und das die Neugier des Lesers aufrechterhält. Zu diesem Zweck lässt Guido Krain fast schon auf der Zielgeraden absolut übergangslos eine „Göttin“ auf der Bildfläche erscheinen, die es nun zu retten gilt. Eine sprichwörtliche Dea ex Machina, um den Roman zu einem Ende zu bringen.

ARGENTUM NOCTIS ist als Band 3 der von Alisha Bionda herausgegebenen Reihe „Steampunk“ im Fabylon Verlag erschienen. Das Covermotiv, das das mechanische Dienstmädchen Fifi zeigt sowie die Innenillustrationen, wurden von Crossvalley Smith erstellt; das schmucke Reihenlayout inkl. des fantastischen „Steampunk“-Reihenlogos von Atelier Bonzai.

FAZIT
Eine originelle Prämisse und ein liebenswertes Figurenarsenal stehen einer unrunden Story mit ungereimten Wendungen gegenüber.

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Tags: fabylon verlag, guido krain, mystery, science fiction, steampunk   (5)
 

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sherlock holmes, michael buttler, historischer krimi, krimi, sherlock holmes - neue fälle

Sherlock Holmes - Neue Fälle 11: Sherlock Holmes und die indische Kette

Michael Buttler
E-Buch Text: 265 Seiten
Erschienen bei BLITZ-Verlag, 10.04.2015
ISBN 9783957192103
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Holmes erzählte von der Begegnung mit den Schlägern, ließ aber den Ausgang des Kampfes, seine Entführung sowie die Rettung vom Schiff weg. Ich kannte meinen Freund in dieser Beziehung. Die Matrosen waren nur Handlanger gewesen, wie man sie an fast jeder dunklen Straßenecke zu sehen bekam. Es kam darauf an, die Verursacher des Übels zu finden und dingfest zu machen. Und darauf konzentrierte er seine Kraft.“

STORY

Nach einer dreiwöchigen Abwesenheit, findet John Watson die Wohnung in der Baker Street 221b, die er gemeinsam mit seinem Freund, dem Meisterdetektiv Sherlock Holmes bewohnt, verlassen vor. Die einzigen Zeichen auf Holmes momentanen Aufenthaltsort ist ein Schiffsticket nach Hamburg, Deutschland, ausgestellt auf Watsons Namen, so wie das Schreiben eines deutschen Brieffreundes von Holmes, Henry Jasper, dessen Tochter Alice offenbar entführt wurde. In Hamburg angekommen können Watson und Jasper gerade noch das Schlimmste verhindern, denn der Detektiv wurde bei seinen Nachforschungen von Gangstern überwältigt und verschleppt.

Die Entführung von Alice Jasper erweist sich jedoch bald als lediglich die Spitze eines Eisbergs. Weitere Indizien und Ermittlungen führen die Freunde auf die Spur mächtiger Männer, die sich an der verheerenden Choleraepidemie zwei Jahre zuvor, auf Kosten vieler Menschenleben bereichert hatten.

„Als ich den Matrosen nach vorn schob, sackte Jasper förmlich auf der Kiste zusammen. Die Enttäuschung war ihm anzumerken. Ich zog ihn beiseite und blickte auf ein blasses, verschwitztes Gesicht, das von der Lampe beleuchtet wurde. Ein falscher Bart hing quer über dem Kinn. Schminke war verlaufen und hatte das Antlitz zu einer unheimlichen Fratze gemacht. Die große Nase meines Freunds Sherlock Holmes warf einem nicht zu verachtenden Schatten auf seine zweite Gesichtshälfte.“

MEINUNG

Im Gegensatz zu unzähligen AutorenkollegInnen beginnt Michael Buttler seinen Roman nicht mit den (fast schon Standard)Szenario, dass ein neuer Fall in die Baker Street getragen wird, sondern er setzt eine Stufe später an. Holmes befindet sich bereits mitten in den Ermittlungen, Watson jedoch wird zum ersten Mal mit dem Fall konfrontiert. Gemeinsam mit dem Doktor wird der Leser also mitten ins Geschehen gestoßen, von dem er zunächst kaum eine Ahnung hat. Und nicht nur das. Watson ist auch gezwungen, auf fremdem Terrain alleine detektivisch zu ermitteln, um die Spuren seines Freundes zu finden. Schon mit dieser außergewöhnlichen Exposition hat DIE INDISCHE KETTE einige Pluspunkte auf dem Konto der eingefleischten Holmes-Leser. Natürlich übernimmt der Detektiv nach seiner Befreiung wieder das Ruder der Ermittlungen, die ihn und seine Freunde weit über den Fall der entführten Alice Jasper hinaus in eine ganz neue Richtung lenken. Damit erweist sich der anfängliche Freundschaftsdienst als MacGuffin, um eine weit größere Geschichte in Gang zu bringen. Innerhalb dieser ausgerechnet eine zweite Entführung nachzuschieben, provoziert jedoch auch ein gewisses Déjà-vu-Erlebnis und damit auch einen vermeidbaren Leerlauf. Auch an anderen Stellen hätte die Geschichte etwas straffer ausfallen dürfen. Positiv merkt man dem Roman die ausführliche Recherche des Autors an, was sich sowohl in den plastischen Beschreibungen der historischen Hamburger Örtlichkeiten spiegelt, als auch in der Schilderung des Wie und Warum der tatsächlich stattgefundenen Choleraepidemie von 1892. Ein Aspekt, der DIE INDISCHE KETTE über eine reine Detektivgeschichte hinaus hebt, besteht darin, dass Jasper seinem Freund Holmes nicht die volle Wahrheit erzählt hat. Ein Umstand, der für den Detektiv untragbar ist und den er auch – mit allen Konsequenzen – als persönlichen Affront wahrnimmt. Hier ist erkennbar, dass sich Michael Buttler auch eingehend Gedanken über die Charaktere und ihre Beziehung zueinander gemacht hat und was letztendlich das Salz in der Suppe ausmacht.

Insgesamt gesehen hat Buttler einen Sherlock Holmes Roman verfasst, der zwar einige Längen aufweist, doch durch viele andere Aspekte – den Schauplatz Hamburg, die eingehende Beschäftigung mit den Charakteren, den ungewöhnlichen Aufbau – überzeugt. So sehr, dass er kürzlich „das Wort „Ende“, […] am Schluss seines zweiten Sherlock-Manuskriptes setzen konnte.“ (Zitat von http://www.michael-buttler.de). Dem vorliegenden Roman voraus gingen zwei weitere historische Kriminalromane, die im Verlag Saphir im Stahl (DIE BESTIE VON WEIMAR) und im Bookshouse Verlag (DER TEUFELSVERS) erscheinen sind, neben einer ganzen Reihe weiterer Romane und Anthologiebeiträge im Phantastikbereich

Titel und Coverbild sind hochgradig irreführend, denn weder spielt das titelgebende Schmuckstück eine tragende Rolle in der Geschichte, noch kommt hier eine orientalische Schönheit vor, wie sie auf dem Coverbild von Mark Freier zu sehen ist.

FAZIT

Gut recherchierte Geschichte mit einigen Längen, die Sherlock Holmes und Dr. Watson auf fremden Boden ins historische Hamburg verschlägt.

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snake, g. g. grandt, action, thriller, blitz verlag

SNAKE 01: Terror-Hölle Kenia

G.G. Grandt
E-Buch Text: 117 Seiten
Erschienen bei BLITZ-Verlag, 13.04.2015
ISBN 9783957193513
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Mohammed Abdirahman wollte das Satellitentelefon betätigen, hielt jedoch erneut inne. Dieses Mal war es nicht nur das Licht am Himmel, das sich schlagartig veränderte, sondern auch die Luft. Es war fast so, als würde sie erzittern. Und dann dieses seltsame, tief brummende Geräusch. Das hochfrequente Surren von Drohnenpropellern ...

Weiter kam der Milizenkommandeur in seinen Überlegungen nicht. Denn plötzlich explodierte alles um ihn herum in einem ohrenbetäubenden Krachen und gleißenden Flammenmeer.“

STORY

Nach einem Drohnenangriff der USA gilt der Terrorführer Mohammed Abdirahman als tot. In Wirklichkeit konnte er dem Angriff jedoch knapp entkommen und bereitet seine Vergeltung vor. Kurz darauf quartiert sich im beliebten und gut besuchten kenianischen Hotel Simba Gate am Diani Beach der deutsche Andreas Maier ein, auch bekannt als Ahmed Kalif. In seinem Gepäck befindet sich eine Bombe, die er in dem Hotel zündet. Ein Anschlag, dem auch der Hotelbesitzer Carsten Heininger zum Opfer fällt. Das „Global Diplomatic Bureau“ in Person seines besten Mannes, Prinz Silko von Nake, kurz SNAKE, wird eingeschaltet. Sein Auftrag lautet, in dieses politisch instabiles Pulverfass zu klettern um Abdirahman aufzuspüren und auszuschalten. SNAKE hat außerdem ein persönliches Interesse an dem Fall, denn Heininger war einer seiner besten Freunde.

„Alles trat in den Hintergrund: das schwache Rauschen des Meeres, das Zwitschern der Vögel in den Kronen der Palmen, die Schussdetonationen um ihn herum. Sogar seine Gedanken schienen stillzustehen. Es gab nur noch ihn und sein anvisiertes Ziel, das sich geradezu überdimensional vor seinem Blick abzeichnete.“

MEINUNG

Man traut sich was beim Blitz Verlag, einen „Erben“ von Gérard de Villiers MALKO ins Rennen zu schicken. Immerhin war die Serie ein großer internationaler Erfolg und lief in ihrem Heimatland durchgehend von 1965 – 2013, also selbst noch als die Themen Spionage und Terror den exotischen Anstrich der klassischen James Bond-Ära verloren hatten und mit einem weltweiten Schock ins Bewusstsein der Allgemeinheit eingefräst wurden. Damit haftet den Themen international operierender Terrorzellen, Remote Killing und Kollateralschäden, die auch von den „Guten“ mit einem Achselzucken hingenommen werden, nicht mehr der Hauch des „harmlosen“ Abenteuers an, das in sicherer Entfernung des Lesers stattfindet, wie es vielleicht vor dem Jahrtausendwechsel noch der Fall war. Die Welt rückt zusammen und das tödliche Spiel der Mächtigen und Skrupellosen findet inzwischen vor unser aller Haustür statt; die Nachrichten sind voll davon. Von daher ist die Entscheidung, eine solche Serie zu starten schon ein Schritt aufs verlegerische Glatteis. Zumal Präsentation und Tonart der Serie durchaus ernst, ohne jedes Augenzwinkern, ohne jede ironische Brechung daherkommen. Auch die kraftvolle Eleganz bekannter Filmagenten sucht man vergeblich. Stattdessen wird ein unmissverständliches gut/böse-Schema präsentiert, die die finale Liquidation der anders denkenden Bösewichte ohne zu Zögern rechtfertigt. Die Frage sollte also gestellt werden, ob man diesen realen Horror tatsächlich noch im Rahmen der Unterhaltungsliteratur braucht.

Abseits dieser Frage, die jeder potentielle Leser für sich selbst entscheiden muss, bietet TERRORHÖLLE KENIA Action pur, die auch des Öfteren mal dreckig, physisch und psychisch brutal wird. G. G. Grandt schreckt nicht davor zurück, zwischen Verfolgungsjagden, Schießereien und sogar Hubschrauberabstürzen im Stadtgebiet noch SNAKES Gefährtin und Bettgenossin Nadifa gleich im Rudel übel vergewaltigen zu lassen. Was wenigstens einen guten Ansatzpunkt für eine Racheepisode und damit für Nadifas Figurenentwicklung geboten hätte, bleibt jedoch ungenutzt und damit reiner Selbstzweck. Dass unser gutaussehender, potenter und integrer Titelheld der Gute in dieser Geschichte ist, muss man dem Autor unbesehen abnehmen, denn eine irgendwie geartete „Greifbarmachung“ der Figur fehlt völlig. Ein Umstand, den es auszumerzen gilt, soll SNAKE tatsächlich in den Folgeromanen einige Sympathiepunkte beim heutigen Leser ernten wollen. Dazu würde auch beitragen, SNAKE mehr zum Teamplayer zu machen. Zwar versammelt der Agent eine ansehnliche Entourage um sich, doch bleiben die Nebenfiguren letztendlich bloße Stichwortgeber, wahlweise Kanonenfutter.

Alles in Allem bleibt TERRORHÖLLE KENIA in allen Belangen zu sehr an der Oberfläche, um zu überzeugen. Gerade die literarische Beschäftigung mit den Themen Terror und Terrorbekämpfung würde es doch anbieten, unterschiedliche Überzeugungen vorzustellen, die Protagonisten in die moralische Defensive zu drängen, Grundsätze und Befehle zu hinterfragen, undundund. Dafür müssten jedoch einige Seite mehr angeboten werden. Innerhalb eines Romanumfangs von rund 150 Seiten ist das kaum zu bewerkstelligen. Es bleibt zu hoffen, dass dies nachgeholt wird, denn „SNAKE kehrt zurück“ in HEXENKESSEL UKRAINE.

Für das Coverdesign hat Blitz-Hausgrafiker Mark Freier kein eigenes Titelbild entworfen, doch immerhin ein gelungenes Serienlayout, das sich bewusst stark an den MALKO-Covern orientiert und in das ein Shutterstock-Bild eingefügt wurde. Wie beim seligen „Original“ ein Hingucker für die „Chicks’n’Guns“-Fraktion.

FAZIT

Eindimensionaler und oberflächlicher Terror-Action-Thriller, der wenig zimperlich die Klischees des Genres abfeiert.  

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Die Lebenden und die Toten

Nele Neuhaus
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Erschienen bei HörbucHHamburg HHV GmbH, 10.10.2014
ISBN B00O7MJ8I2
Genre: Sonstiges

Rezension:

“Warum wurde eine Frau zwischen sechzig und siebzig Jahren auf offener Straße erschossen? War sie ein Zufallsopfer, einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen? […] Pia blickte sich um und runzelte die Stirn. Leere Äcker und Wiesen. In der Ferne glitzerten der Fernsehturm und die Frankfurter Skyline in der blassen Wintersonne, die sich durch die dicke Wolkenschicht gekämpft hatte.”

STORY

Ein Scharfschütze macht die Umgebung von Frankfurt unsicher. Das Team von Pia Kirchhoff und ihrem Vorgesetzten Oliver von Bodenstein finden schon früh heraus, dass es zwischen den Opfern eine indirekte Verbindung gibt. 10 Jahre zuvor waren jeweils Familienangehörige der Sniper-Opfer auf verschiedene Art an der unautorisierten Organentnahme bei Kerstin Stadler beteiligt. Offenbar wurden damals vorgeschriebene Wartezeiten verkürzt und die Angehörigen von den Ärzten unter moralischen Druck gesetzt, der Spende zuzustimmen. Außerdem konnte die Klinik eine unterschriebene Einverständniserklärung von Kerstins Vater vorweisen, die dieser jedoch nie wissentlich unterzeichnet hatte. Um die Verantwortlichen seinen Schmerz nachfühlen zu lassen, müssen heute die Angehörigen derjenigen, die sich damals – in den Augen des Killers – des Mordes und der moralischen Unaufrichtigkeit schuldig gemacht hatten, sterben. Die Ermittlungen gestalten sich zäh, die zunächst scheinbare Wahllosigkeit der Morde versetzt die Umgebung von Frankfurt ausgerechnet in der herrschenden Vor- und Nachweihnachtszeit in einen empfindlichen Ausnahmezustand und das Team um Pia Kirchhoff reibt sich zunehmend selbst auf.

“Heute war er allein. Und heute Nacht würde er jemanden töten. Es gab genug Menschen die sich auf das neue Jahr freuten, es aber nicht mehr erleben würden. In der Silvesternacht gab es mehr Unfälle als sonst und alte Menschen starben wie sie dauernd sterben. Aber ein Mensch würde sterben, der eigentlich noch nicht an der Reihe war. Oder doch? War diesem Menschen schon mit der Geburt bestimmt, dass er am 31.12.2012 durch ein Teilmantelgeschoss Kaliber 308 Winchester aus einer Steyr SSG 69 sterben würde? Oder hatte sich das erst durch die verschiedenen Entscheidungen ergeben, die er in seinem Leben getroffen hatte und die ihn dort hingeführt hatten, wo er heute Nacht sterben würde.“

MEINUNG

Pia Kirchhoff ist dabei die Koffer für ihre Flitterwochen zu packen, die sie gemeinsam mit ihrem Neu-Ehemann Christoph über die Weihnachtsfeiertage und Neujahr nach Ecuador führen soll. Dass sie schließlich doch noch vor ihrem Abflug an einem Tatort landet und Weihnachten mit einer Mordermittlung in Frankfurt verbringen muss, ist keine große Überraschung. Es kommt wie es kommen muss: Die Vollblutermittlerin Kichhoff hängt sich voll in den Fall des Taunus-Snipers und Christoph begeht verständnisvoll seine Flitterwochen alleine als Reiseleiter auf einem Kreuzfahrtschiff. Nach einem missglückten Heiligen Abend im Kreis ihrer Familie, kann Pia immerhin ihre Schwester Kim – in weiterem Sinne ebenfalls eine Kriminalerin – zwischen den Feiertagen sowohl auf dem heimischen Birkenhof als Gast beherbergen, wie auch als Beraterin zu ihrem Fall hinzuziehen.

Während ihrer Ermittlungen stoßen die Polizisten auf eine ganze Wagenladung Verdächtiger, die zufällig alle gut schießen können. Da wird die Wahrscheinlichkeit schon sehr strapaziert. Doch Frau Neuhaus geht so schwungvoll darüber und über andere Plotuntiefen hinweg, dass diese kaum ins Gewicht fallen. Zusätzliche Spannung erhält der Roman durch eine clever konstruierte Parallelhandlung, in der eine Angehörige eines der Mordopfer ebenfalls recherchiert, was genau 10 Jahre zuvor passiert ist. So macht es die Autorin möglich, dass der Leser den Hauptermittlern teilweise einen Schritt voraus ist und eröffnet damit eine zusätzliche Spannungsebene. Einen beträchtlichen Teil des Romans nimmt überdies das Privatleben von Pia Kirchhoff ein, was der Figur und dem Roman insgesamt merklich gut tut.

Wie auch die vorigen Bände der Reihe bietet der siebente Taunus-Krimi von Nele Neuhaus angenehmen Realismus, der auch einem TATORT gut zu Gesicht stehen würde. In diesem Fall könnte man daraus sogar eine Doppelfolge inszenieren. Immerhin weißt das Hörbuch eine Länge von fast 18h (!) auf, die Buchausgabe immerhin 560 Seiten.

Kirchhoff-Bodenstein-Fans werden sich in DIE LEBENDEN UND DIE TOTEN ohnehin wohl fühlen, Neuleser kommen trotz zahlreicher privater Momente sehr schnell in die Geschichte hinein und werden mit den Figuren warm. Es festigt sich außerdem der Eindruck, dass Nele Neuhaus von Buch zu Buch souveräner im Erzählen wird. Zwar könnte DIE LEBENDEN UND DIE TOTEN ein gutes Stück kürzer sein, doch sind innerhalb der Erzählung keine störenden Schleifen oder Durchhänger bemerkbar. Stets rechtzeitig setzt die Autorin einen Schnitt und schwenkt auch gerne – und durchaus gleichwertig mit der Krimihandlung – ins absolut realistisch geschilderte Privatleben ihrer (Haupt-)Figuren. Und auch hier gibt es einiges zu erzählen, was die Figuren weiter bringt und die Stammleser danken werden. Lediglich die Figur des selbstherrlichen Profilers Neff funktioniert als reine Ermittlungsbremse für das Team und bleibt ansonsten für die Handlung wertlos. Die Abwesenheit dieses Unsympathen hätte niemand bemerkt.

DAS HÖRBUCH

Gegenüber der gekürzten CD-Version, die von Julia Nachtmann gelesen wird, wird die ungekürzte Audible-Version von Oliver Siebeck vorgetragen. Das mutet in den ersten Minuten seltsam an, ist die Hauptprotagonistin der Reihe doch eine Frau. Doch bald ist man der ruhigen und eindringlichen Stimme des Erzählers ausgeliefert, der neben seiner Synchrontätigkeiten bereits zahlreiche Hörbücher eingesprochen hat.

FAZIT

TATORT Taunus: Realitätsnaher Krimi mit lebensechten Ermittlern. Eine absolute Empfehlung für die Fans bodenständiger Thriller.

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krimi, markus winter, pater brown, gilbert keith chesterton, cozy mystery

Die rätselhaften Fälle des Pater Brown

G. K. (Gilbert Keith) Chesterton , James A Brett , Markus Winter , Markus Winter
Audio CD
Erschienen bei Winterzeit Verlag, 24.10.2014
ISBN 9783943732788
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

“Der kleine Pfarrer hatte ein Gesicht, so rund und nichtssagend wie ein Pudding, seine Augen wirkten so leer, wie die Nordsee. Er trug mehrere, in braunes Packpapier eingeschlagene Pakete bei dich, denen er kaum Herr wurde.
Der eucharistische Kongress hatte zweifellos viele solcher Geschöpfe, weltfremd und blind wie ausgegrabene Maulwürfe aus ihrer örtlichen Trägheit aufgescheucht.”

STORY
Aristide Valentin, der Chef der Pariser Polizei höchstpersönlich, befindet sich auf der Spur des Meisterverbrechers Hercule Flambeau auf dem Weg nach London. Dort – so vermutet Valentin – wird Flambeau das Durcheinander eines eucharistischen Kongresses nutzen, um erneut einen Raubzug zu begehen. Schon im Zug hält der Polizist Ausschau nach dem Verbrecher, der zwar ein Meister der Verkleidung, doch auch sehr hochgewachsen ist. Auffällig ist allerdings nur ein untersetzter Pfarrer, der eine unschätzbar wertvolle Reliquie mit sich führt, ein blaues Kreuz, und dies lautstark im Zug kund tut. Der Geistliche, nach Valentins Einschätzung ein ungeschickter Einfaltspinsel, stellt sich ihm als Jeremiah Brown aus Edenbridge vor.

Die Wege von Brown und Valentin trennen sich wieder und schon bald stößt der Polizist auf einen ersten Hinweis zu Flambeau. Offensichtlich befand sich der Verbrecher ausgerechnet in Browns Begleitung, der eine auffällige Spur skurriler Ereignisse hinterlässt.

“Als er [Valentin] die Viertel jenseits Victoria durchwanderte, hielt er plötzlich inne und blieb stehen. Er stoppte vor einem Restaurant, das aussah, als ob es sich von Soho hierher verirrt hätte. Das Gebäude übte eine geradezu unanständige Anziehung auf ihn aus. […] Er sagte sich: “Wenn dem Verfolger ein bestimmter Ort ins Auge fällt, warum sollte er dann nicht auch dem Verfolgten aufgefallen sein?”

MEINUNG

Auffällig an dieser ersten Folge ist zunächst, dass nicht der Titel“held“ die zentrale Person darstellt, sondern das Geschehen aus der Perspektive von Aristide Valentin geschildert wird, der sich auf Flambeaus und Browns Spur durch London bewegt. So ist es weit wirkungsvoller möglich, das abnorme, ja verrückte scheinende Verhalten von Pater Brown derart bizarr darzustellen, dass man mitunter am Verstand des Pfarrers zweifelt. Eine Meinung, die der intelligente Valentin allerdings schon im Lauf seiner Verfolgung revidiert.

Alles in Allem bildet DAS BLAUE KREUZ einen sehr guter Einstand in die Serie klassicher Pater Brown-Fälle, der einen harmlosen Kriminalfall mit bizarrer Komik verbindet und Pater Brown als scharfsinnigen Beobachter und schnellen Denker vorstellt, der von seiner Umgebung meist sträflich unterschätzt wird. Die Quittung für dieses Versäumnis folgt auf dem Fuße. Dass die Geschichte jedoch für das Hörbuch in die Gegenwart verlegt und entsprechend modernisiert wurde (z.B. hat Pater Brown seine Zugfahrkarten im Internet gekauft), wäre nicht notwendig gewesen und sorgt für einige Abstriche, was das Flair der Geschichte angeht.

Die einzige Erklärung, die dafür Sinn macht ist, dass man mit den „Neuen Fällen des Pater Brown“, die im gleichen Reihenlayout im Blitz Verlag erscheinen und die ebenfalls in der Gegenwart spielen, eine einheitliche Zeitlinie präsentieren will.

Das von Mark Freier gestaltete Covermotiv ist ohne Frage gut gelungen, hat jedoch keinerlei Bezug zur Geschichte und sieht eher wie ein nicht verwendetes Titelbild für DORIAN HUNTER aus, zumal es sich bei dem titelgebenden Kreuz um ein Schmuckstück handelt.

DAS HÖRBUCH

Wie eigentlich alle aktuellen Winterzeit-Produktionen erhält man auch hier wieder rundum perfekte Qualität. Die SprecherInnen sind Profis und sehr gut ausgewählt(Erich Räuker als Pater Brown, Tobias Kluckert als Hercule Flambeau), die Musik in wurde eigens für die Serie produziert und die Geräusche ziehen den Hörer förmlich in die Handlung hinein. Außergewöhnlich und sehr angenehm ist, dass mit Brigitte Carlsen zur Abwechslung einmal eine Erzählerin zum Einsatz kommt, die zuerst stimmungsvoll in die Handlung einführt und sich auch zwischenzeitlich immer wieder zu Wort meldet.

Ausgewiesen wir die Serie als inszenierte Lesungen, doch wie schon bei den SHERLOCK HOLMES CHRONICLES und LARRY BRENT, handelt es sich eher um Hörspiele. Die Länge ist mit knapp 50 Minuten absolut ausreichend bemessen. Positiv, dass die Geschichte nicht künstlich verlängert wurde.

FAZIT

Toller Serienstart in gewohnt guter Winterzeit-Qualität. Alle Fans der SHERLOCK HOLMES CHRONICLES können DIE RÄTSELHAFTEN FÄLLEN DES PATER BROWN uneingeschränkt empfohlen werden.

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