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entwicklungsroman, erotischer roman, kulturthemen: sexualität/medialität

Äpfel der Lust

Henriette Jade
E-Buch Text: 192 Seiten
Erschienen bei null, 14.02.2017
ISBN B06X6HPCPB
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Ich habe (die) „Äpfel der Lust“ gekauft und verschlungen. Denn dieser Roman (offenbar das Debüt der Autorin!) ist ein echter Pageturner. Zusammen mit der Heldin Jette erkundet die Leserin/der Leser nach und nach ein erotisches Erfahrungsfeld, in das sich die Protagonistin langsam und tastend hineinbewegt. Das emotionale Kostüm, das die Heldin ausmacht – eine feine Mischung aus Neugier, Zweifel, Scham, (Lebens-)Lust, Begehren – bewirkt, dass nahezu unmittelbar ein Kontakt zu dieser Figur entsteht. Gerade weil die Heldin keine ‚abgezockte’ Erotik-Queen ist, die bereits alles kennt, wird es möglich, eine Entwicklung der Heldin zu verfolgen, die auch den Leser dazu einlädt, über verschiedene Themen des erotischen Spiels zu reflektieren. Was zum Beispiel ist ‚Scham’? Welche Funktionen hat dieses Gefühl, wie wird es hergestellt und was bewirkt, dass sich Schamgrenzen verschieben?
Jette ist von Beruf Kunsthistorikerin, die damit beauftragt ist, Restaurationsarbeiten in einer Kirche vorzunehmen, die zeitgleich in einen Sex-Club umgebaut wird. Dieses Setting bringt allein schon einen gewissen Reiz mit sich: Zum einen wird daran erinnert, wie häufig sakrale Kunstwerke körperlichen Genuss thematisieren. Zum anderen wird dadurch bereits auf ein anderes Thema – nämlich die Medialität von Sexualität – verwiesen. Dieses Thema zieht sich dann auch wie ein roter Faden durch den ganzen Roman. Schließlich gehört zu der Erkundung sexueller Praktiken, die Jette mit ihrer Internetbekanntschaft Henri lebt, auch, dass sie fortlaufend neue Erfahrungen des ‚Sich-Sehens’ macht. In dieser Ökonomie der Blicke wechseln dabei immer wieder die Standpunkte und Perspektiven, die Jette einnimmt und die ihren Erfahrungsraum sukzessive erweitern.
Der Stil der Autorin ist sensibel und gerade dann besonders facettenreich, wenn es darum geht, eine ‚Sprache der Erotik’ auszuloten. Am Besten gefällt mir, dass „Äpfel der Lust“ ein kompromissloser Text ist, der nicht (wie z. B. Fifty Shades of Grey) ein sadomasochistisches Begehren nur vorführen darf, wenn es mit einer ‚backstory wound’ motiviert und an eine ‚Läuterung’ des Helden gebunden wird. Meines Erachtens besetzt dieser neue Roman eine ganz eigene Nische. Wer Literatur mit zugleich erotischem und intellektuellem Reiz mag, dem werden die „Äpfel der Lust“ zweifellos schmecken.

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Tags: entwicklungsroman, erotischer roman, kulturthemen: sexualität/medialität   (3)
 
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