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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

1974, portugal, generationen, angola, diktatur

Wohin der Wind uns weht

João Ricardo Pedro , Marianne Gareis , João Ricardo Pedro
Flexibler Einband: 228 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.06.2015
ISBN 9783518465974
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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1.227 Bibliotheken, 25 Leser, 5 Gruppen, 54 Rezensionen

klassiker, lübeck, familie, familiensaga, 19. jahrhundert

Buddenbrooks

Thomas Mann
Flexibler Einband: 768 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.11.1989
ISBN 9783596294312
Genre: Klassiker

Rezension:

Die "Buddenbrooks" kannte ich bereits als Verfilmung. Die von 2008, die relativ nah an der Romanvorlage ist und eine schwarzweiße von 1959, die relativ stark davon abweicht. Beide haben mir aber sehr gefallen. Ich begeistere mich für Geschichten, die zwischen 1800 und 1930 spielen, womit Buddenbrooks perfekt in diese Zeitspanne hinein passt.
Da ich schon einige Kurzgeschichten von Thomas Mann gelesen hatte und sein Werk „Felix Krull“ zu meinen Lieblingsbüchern gehört, dachte ich, dass ich es mir zur Aufgabe machen müsse, „Buddenbrooks“ zu lesen. Dabei spielte auch eine Rolle, dass Thomas Mann für „Buddenbrooks“ den Nobelpreis für Literatur bekam. Ich habe mir das Buch also vor über einem Jahr angeschafft, mich aber immer drum herum gewunden, da ich dachte, dass es zähe, langweilige Literatur sei. Auch aufgrund seines Umfangs (ca. 760 Seiten). Lustigerweise war es dann doch nicht so schlimm, wie gedacht, im Gegenteil… Aber lest selbst.

Inhalt
Die Geschichte beginnt in den 1830ern und endet in den 1870ern. Während dieser Zeitspanne begleitet man die Lübecker Kaufmannsfamilie „Buddenbrook“ bei ihren Höhen und Tiefen und letztendlich bei ihrem „Verfall“.
Während der Geschichte lernt man 4 Generationen der Familie und die einzelnen Familienmitglieder mit ihren Sorgen und Eigenarten kennen.

Meine Meinung
Es ist gar nicht so einfach, etwas über ein so literarisch bedeutsames zu schreiben. Thomas Mann gehört zu den Größen der deutschen Schriftsteller und hat den Nobelpreis für Literatur für dieses Werk erhalten. Zum Glück habe ich aber nichts zu kritisieren, denn negative Kritik zu üben, ist meist schwieriger, als positive und bei so einem Werk würde es sich ganz komisch anfühlen, ein schlechtes Wort darüber zu verlieren. Nicht, dass ein großer Schriftsteller nicht kritisiert werden darf…
Aber ich war positiv überrascht. Wie ich ja eingangs sagte, hatte ich etwas Angst, dass „Buddenbrooks“ zäh und langweilig sein wird, auch aufgrund seines Umfanges. Dem war aber überhaupt nicht so. Ich habe jede Seite genossen!

Ich konnte mich richtig in die Familiengeschichte hinein fühlen, konnte alle möglichen Personen kennen lernen und hatte nie das Gefühl, durcheinander zu kommen und mich zu fragen „Wer war hier nochmal wer?“
Während des Lesens bin ich eine enge Freundin von Tony geworden, habe aber auch mit den anderen mitfühlen können, selbst Christian wurde mir sympathisch.

Auch mochte ich den Stil von Thomas Mann. Sein „Verschachtelte-Sätze“-Stil, für den er bekannt ist, war bei „Buddenbrooks“ noch nicht so arg zu beobachten. Vielleicht, weil Thomas Mann während der Entstehung erst in seinen 20ern und „Buddenbrooks“ eines seiner ersten großen Werke war. Oftmals musste ich auch etwas kichern, in vielen Abschnitten herrscht, wenn es passt, ein humoristischer, vielleicht sarkastischer Unterton und Thomas Mann benutzt für seine Charaktere immer wieder dieselben Wörter, wodurch sie einen Wiedererkennungswert erhalten und manchmal auch sympathisch-schrullig wirken. So „kraust“ Christian Buddenbrook stets seine Nase, wenn er von seinen Leiden erzählt, Gerda Buddenbrook besitzt die „eng zusammenstehenden Augen mit blauen Schatten“, die Thomas Mann immer wieder erwähnt und Sesemi Weichbrodt sagt zu jedem Familienereignis „Sei glöcklich du gutes Kend“ und verteilt laut knallende Küsse auf die Stirn.
Trotzdem hat man gemerkt: Thomas Mann ist, auch mit Anfang 20, ein Meister der deutschen Sprache, was das Lesen zu etwas besonderem gemacht hat.

Auch spannend: Die Buddenbrooks basieren auf der Kaufmannsfamilie "Mann", in die Thomas Mann hinein geboren wurde. Viele Personen, die im Roman vorkommen, haben reale Vorbilder, was damals auch auf Empörung gestoßen ist. Die Hintergründe dazu und welche Person welchem Charakter Modell stand, kann man auf Wikipedia nachlesen.


Fazit
Eine humorvolle und doch dramatische Familiensaga einer Lübecker Kaufmannsfamilie auf sprachlich höchstem Niveau und ein absolutes Must-Read!

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Tags: buddenbrook, familie, familiensaga, großbürgerliche kaufmanns-familie, norddeutschland, thomas mann   (6)
 

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96 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

psychiatrie, borderline, freundschaft, psychologie, schizophrenie

Durchgeknallt

Susanna Kaysen , Sabine Schulte
Flexibler Einband: 221 Seiten
Erschienen bei btb Verlag (TB), 01.06.2000
ISBN 9783442726592
Genre: Romane

Rezension:

Ich liebe Psychiatrie-Filme und deshalb gehört der Film „Durchgeknallt“ mit Angelina Jolie und Winona Ryder schon länger zu meinen Lieblingsfilmen. 

In der Flohmarkt-Kiste meiner Bücherei fand ich das autobiografische Buch zum Film und las es innerhalb von 24 Stunden durch.


Inhalt:

Susanna Kaysen wird mit der Diagnose „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ in die Psychiatrie eingewiesen. Anfangs kann sie sich mit der Diagnose und der Einweisung kaum identifizieren, hält sie sich doch kaum für krank und hilfebedürftig.

Während ihres Aufenthalts begleiten wir die Ich-Erzählerin auf ihrem Weg zur Entlassung und lernen nicht nur sie, sondern ihre Mitpatientinnen näher kennen.


Meine Meinung:

Ich muss zugeben, dass vor allem der kleine Voyeur in mir an solchen Büchern interessiert ist. Mich interessieren die besonderen Charaktere und Schicksale, die in einer Psychiatrie aufeinander treffen und Susanna Kaysen ist es meiner Meinung nach sehr gut gelungen, diese Charaktere lebhaft darzustellen und sich in das Krankenhaus-Geschehen einzufühlen zu lassen.

Zunächst ist einem nicht völlig klar, weshalb die Autorin in der Psychiatrie ist. Im Gegensatz zu den anderen Patientinnen scheint sie ziemlich „normal“ zu sein, bis auf, dass sie in ihrer Jugend schon öfter versucht hat, sich umzubringen. 

Mit der Zeit merkt man als Leser aber, dass Susanna Kaysen sich nicht grundlos in der Psychiatrie befindet, sondern auch Depressionen, Zwangsgedanken und Psychosen zu haben scheint, die behandelt werden müssen. 

Was mir aufgefallen ist, ist der Klappentext, der irgendwie nicht mit dem Inhalt des Buches zu übereinstimmen scheint: „Mehr und mehr verliert sie sich in einer imaginären Welt. Doch mit der Hilfe der leitenden Psychologin und einer handfesten Krankenschwester findet sie zurück in die Wirklichkeit.“

Ich habe beim Lesen gar nicht feststellen können, dass es in dem Buch um die Heilung/Behandlung ihrer Krankheit geht, was sie mithilfe einer Psychologin und einer Krankenschwester schafft. Eher waren diese Nebenfiguren und auch ihre eigene Krankheit schien nebensächlich zu sein. 

Ich hatte beim Lesen eher das Gefühl, als beobachte man vor allem die anderen Patientinnen und bekomme einen Einblick in das Psychiatrie-Geschehen. Eine „Das ist der ultimative Weg zu Heilung und Entlassung“-Entwicklung konnte ich nicht erkennen, was ich auch nicht weiter schlimm fand.

Susanna Kaysen hinterfragt sich und ihre Krankheit vielmehr, zweifelt an einigen Punkten, die in der offiziellen Definition der Borderline-Persönlichkeitsstörung zu finden sind und somit auch an dem gesellschaftlichen Umgang mit Menschen, die einen anderen Lebensstil führen, anders denken und anders fühlen. 


Fazit: Ein unterhaltsames Buch, das Einblick in eine fremde Lebenswelt mit außergewöhnlichen Schicksalen gebietet.



3 von 5 Sternen

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Tags: durchgeknallt, krankenhaus, susanna kaysen, usa   (4)
 

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417 Bibliotheken, 10 Leser, 3 Gruppen, 31 Rezensionen

punk, jugend, musik, dorf, rocko schamoni

Dorfpunks

Rocko Schamoni , any.way , Cordula Schmidt , Notburga Stelzer
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.11.2005
ISBN 9783499241161
Genre: Romane

Rezension:

Wer ist eigentlich Rocko Schamoni? Rocko Schamoni war mir nur bekannt als Betreiber des „Golden Pudel Clubs“ in der Hafenstraße in Hamburg, ein Club, den ich vor ein paar Jahren auch ab und zu mal besuchte. Dass er schreibt und darüber hinaus noch musiziert, schauspielert und so weiter und so fort, war mir bis vor kurzem nicht bekannt.

Auf das Buch wurde ich vor allem aufmerksam, weil ich Schamonis Namen als Clubbetreiber kannte. Außerdem habe ich ein kleines Faible für autobiografische Bücher, die den Lebensabschnitt der Jugend in den Mittelpunkt stellen.

Inhalt:
Im autobiografischen Roman „Dorfpunks“ verarbeitet Rocko Schamoni seine Erinnerungen an seine Jugend, die er Ende der siebziger auf dem Dorf in Schleswig-Holstein verbringt. Dabei sind vor allem die typischen Themen, die jeden Jugendlichen bewegen, im Mittelpunkt: Freunde, Parties, Schule, Alkohol, Drogen, der erste Sex, die erste Liebe. Diesem übergeordnet ist für Schamoni und seinen Freundeskreis die Jugendbewegung des Punk mit seiner Musik, seiner Lebenseinstellung, seiner Ästhetik und der Sauferei.

Meine Meinung:
„Dorfpunks“ von Rocko Schamoni ist literarisch eher leichte Kost und inhaltlich ein sehr unterhaltsamer und interessanter Roman, der schnell durch gelesen ist. Als Leser kann man sich sehr in die Dorfjugend Ende der Siebziger hinein fühlen, auch wenn einige Charaktere ziemlich krass erscheinen.
Die einzelnen Kapitel sind teilweise eher Nacherzählungen von bestimmten Erlebnissen oder Anekdoten, die einem der Autor näher bringen will. Diese scheinen chronologisch aufgebaut zu sein.
Weniger Platz in „Dorfpunks“ ist jedoch für Emotionen. Der Roman scheint eher der Unterhaltung zu dienen. Es gibt kaum Stellen, die einen berühren, oder Stellen die einen mitfühlen lassen. Vielmehr ist man erstaunt, geschockt, muss schmunzeln über einige Dinge, die der Ich-Erzähler in seiner Jugend als Dorfpunk so erlebt hat.

Fazit:
"Dorfpunks" ist ein unterhaltsames Werk, was Einblick in eine bestimmte Jugendkultur und in das Leben eines jungen Menschen gibt, aber auf Emotionen und Tiefgang verzichtet.

3 Sterne

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Tags: dorf, musik, punk, punkrock, rocko schamoni, schleswig-holstein, subkultur   (7)
 

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

tomek tryzna, polen, kommunismus, familie, nachkriegszeit

Zauberer

Tomek Tryzna , Agnieszka Grzybkowska
Flexibler Einband: 253 Seiten
Erschienen bei btb Verlag (TB), 03.03.2008
ISBN 9783442736966
Genre: Romane

Rezension:

Von Tomek Tryzna habe ich bereits den beeindruckenden Roman „Fräulein Niemand“ gelesen und musste mir „Zauberer“ von ihm bestellen, um zu schauen, was Herr Tryzna noch so auf dem Kasten hat.

Inhalt:

Romek Stratos lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester im kommunistischen Nachkriegspolen und glaubt, dass er verantwortlich für das Unglück seiner Familie ist: Lala, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, bietet ihm an, mit ihrem Tretauto zu fahren und Romek lässt die elterliche Wohnung unbeaufsichtigt. Einbrecher nehmen in diesem Moment alles, was wertvoll ist, und zurück bleibt eine Familie, die dadurch in Schulden getrieben wird und von der gut situierten Gesellschaft in ärmliche Verhältnisse rutscht. Romek versucht, obwohl er selber noch zur Schule geht, alles, was er kann, dass es seiner Familie besser geht, doch muss immer wieder die Erfahrung von Verlust machen.


Eigene Meinung:

„Zauberer“ von Tomek Tryzna hatte ich schnell durchgelesen, es hat mir vom Stil und von der Thematik her gut gefallen.
Die Geschichte um Romek und seine Familie war für mich sehr fesselnd, da ich immer gehofft hatte, dass es der Familie bald wieder besser gehen würde, dass sein Vater aufhört, zu trinken, dass seine Eltern aufhören, zu streiten und dass sie es schaffen, wieder erfolgreich als selbstständige Schneider arbeiten zu können.
Tryzna hat eine Vorliebe für Gedankengänge und Fantasien seiner Protagonisten, die er sehr bildlich und manchmal traumartig verworren niederschreibt. Bereits bei „Fräulein Niemand“ konnte man erkennen, dass Tomek Tryzna die Grenzen zwischen der Realität und der Fantasie der Protagonisten verwischt, sodass an einigen Stellen nicht ganz klar ist, ob hier nun fantasiert wird oder etwas wirklich in der Geschichte geschieht. Dies scheint aber immer zu passen, da die Hauptperson in „Zauberer“ sowie in „Fräulein Niemand“ ein nicht ganz einfaches Schicksal haben, aus dem sie sich mit diesen Tagträumen wegzudenken scheinen. Tryzna scheint diese kindliche Fantasterei als Stilmittel zu nutzen. Vielleicht, um die nicht ausgesprochene Hilflosigkeit seiner Protagonisten darzustellen?
Romek wirkt während der Versuche, seine Mutter zu schützen und seine Familie zu unterstützen immer sehr reif und verantwortungsbewusst, obwohl er noch ein Kind ist. Er scheint nie wirklich überfordert mit der Situation zu sein und träumt davon, den Menschen, die er liebt, zu helfen und für sie sorgen zu können, doch dabei verlieren sich seine Träume manchmal.
Der Roman „Zauberer“ von Tomek Tryzna ist eine kleine Reise in das Leben einer Familie im kommunistischen Polen mitsamt ihren Träumen, Glücksmomenten und Verlusten.

4 von 5 Sternen

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Tags: armut, drama, familie, familiendrama, kommunismus, nachkriegszeit, polen, tomek tryzna   (8)
 

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180 Bibliotheken, 2 Leser, 4 Gruppen, 17 Rezensionen

vergewaltigung, usa, jugend, roman, schicksal

Die Musik der Wale

Wally Lamb , Heinz Zwack
Flexibler Einband: 571 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.12.2005
ISBN 9783548605944
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch habe ich von einer guten Freundin zum Geburtstag bekommen. Sie hatte es mir wärmstens empfohlen und gemeint, dass es mir sehr gefallen würde.
Diese Behauptung musste ich sogleich überprüfen. ;)

Inhalt:
Dolores ist ein sensibles Mädchen und lebt im Connecticut der 50er Jahre. Sie wächst als einziges Kind bei ihrem gewalttätigen Vater und ihrer labilen Mutter auf, bis diese sich trennen und Dolores zu ihrer Großmutter ziehen muss, mit der sie in den ersten Jahren kaum zurecht kommt. Ihre Mutter kommt in die Psychiatrie und so ist Dolores vorerst, mit ihrer ungeliebten Großmutter, auf sich alleine gestellt, denn Kontakt zu ihrem Vater hat sie kaum noch.
Die einsame Dolores bleibt vor Schicksalsschlägen nicht verschont: Sie wird Opfer einer Vergewaltigung, ihre Mutter kommt bei einem Unfall ums Leben, sie bricht ein Studium ab, landet nach einem Selbstmordversuch in der Psychiatrie, heiratet und lässt sich scheiden.
Währenddessen wird dem Leser erzählt, wie Dolores von einem traurigen Mädchen zu einer selbstbewussten Frau heran reift, die sich letzten Endes mit sich selber und ihrem Lebenslauf versöhnt.

Persönliche Meinung:

„Die Musik der Wale“ war für mich von vorne bis hinten ein berührendes Buch. Wie man der Inhaltsbeschreibung entnehmen kann, muss man mit Dolores durch ganz schön viele Schwierigkeiten durch und dabei hat man teilweise das Gefühl „Langsam reicht’s! Das Mädchen hat doch schon genug durchgemacht! Wieviel kann ein Mensch ertragen?“
An einigen Stellen kamen mir wirklich die Tränen und ich habe sehr mit der Protagonistin mitgefühlt. Die Schauplätze, die Situationen und Dolores‘ Gefühlswelt sind sehr anschaulich und nachvollziehbar beschrieben.
Auch Dolores‘ persönliche Entwicklung war für mich immer nachvollziehbar, da viele Marotten und Eigenschaften, die sie erworben hat, ein Resultat ihrer negativen Erfahrungen waren.
Trotzdem war ich teilweise genervt von ihr und war von ihrem Verhalten angewidert. Auch scheint der Autor dabei manchmal etwas in die Klischeekiste gegriffen zu haben. So ist Dolores nämlich durch die traumatische Vergewaltigung und durch Frust übergewichtig geworden. Die meiste Zeit ihrer Jugend verbrachte sie mit Essen, oder eher gesagt Fressanfällen, vor dem Fernseher.
Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass hierbei eine klischeehafte Übergewichtige vom Autor konstruiert wurde. Klischeehaft, wie sie sich verhält, wie sie sich selber sieht und wie sie von anderen wahrgenommen wird.
Doch Gott sei Dank entwickelt sich Dolores in verschiedene Richtungen, bis sie letztendlich zu einer zufriedenen Frau wird, die sich mit sich selber und ihrem Leben vertragen hat und das Glück an anderer Stelle findet, als erwartet. Diese Reise durch Dolores‘ Leben wirkt wie ein Roadmovie durch ein schwieriges Leben, wie eine Fahrt, dessen Ziel unerreichbar scheint und glücklicherweise dann doch irgendwann über kurvige Straßen erreicht wird.

4 von 5 Sternen

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Tags: 50s, 60s, 70s, 80, außenseiter, drama, frau, frauen, schicksal, schicksale   (10)
 

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263 Bibliotheken, 1 Leser, 7 Gruppen, 52 Rezensionen

fantasy, vampire, schwarzwald, werwölfe, krimi

Die Alchemie der Unsterblichkeit

Kerstin Pflieger
Flexibler Einband: 349 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.06.2011
ISBN 9783442474837
Genre: Fantasy

Rezension:

Zum Inhalt: Anno Domini 1771: Icherios Ceihn ist ein junger Gelehrter aus Karlsruhe und wird von einem Geheimbund in den Schwarzwald geschickt, um dort eine Mordserie aufzuklären. In dem Dorf, in dem diese Morde passieren, trifft er auf alle möglichen Wesen, die er mit seiner wissenschaftlichen Einstellung nicht erklären kann: Irrlichter, Worge, Vampire, Wehrwölfe... Icherios beginnt, die grausamen Morde aufzudecken und stellt fest, dass der Mörder irgendwo unter ihnen sein muss...
Meine Meinung: "Die Alchemie der Unsterblichkeit" ist ein spannender Genre-Mix für zwischendurch. Historischer Roman, Fantasy, Horror und Krimi werden hier vereint. Die Theorien sind interessant und nachvollziehbar, die Mischung aus Tatsachen und fantastischen Elementen wirkt glaubhaft und die Erklärungen für diverse Wesen, die Icherios aus Karlsruhe so nicht kannte, sind nachvollziehbar. Wie in einem Krimi, werden viele Fragen aufgeworfen und nach und nach aufgeklärt. Pflieger versteht es, Spannung aufzubauen, sodass man gerne weiter liest. Offen bleiben allerdings einige Fragen zu Icherios und seiner Vergangenheit, doch ich bin mir sicher, dass diese in der Fortsetzung "Der Krähenturm" beantwortet werden. Das einzige, was ich bei dieser Ausgabe (1. Auflage) zu bemäkeln habe, sind die Komma- und Tippfehler. Ganz oft fehlten Kommata und ab und zu habe ich auch mal Tippfehler gesehen, was ich bei einem großen Verlag, dessen Romane doch durch zig Hände gehen, nicht wirklich nachvollziehen kann. Geschweige denn, warum Menschen, die keine perfekte Rechtschreibung beherrschen, im Lektorat oder Korrektorat arbeiten. Bezeichnet mich als kleinlich, aber bei sowas bin ich wirklich empfindlich. :/
Fazit: Nichtsdestotrotz hat mir das Lesen sehr viel Spaß bereitet und ich freue mich schon auf die Fortsetzung "Der Krähenturm". :)
4 Sterne! 

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627 Bibliotheken, 8 Leser, 5 Gruppen, 26 Rezensionen

fantasy, der dunkle turm, revolvermann, stephen king, horror

Schwarz

Stephen King , Joachim Körber
Fester Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 23.02.2005
ISBN 9783453012134
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Er war etwas wie aus einem Märchen oder einem Mythos, der Letzte seiner Art in einer Welt, die die letzte Seite ihres Buches schrieb."
Ich wollte mal wieder etwas episches lesen. Eine Reihe, die mich fesselt und in ihren Bann zieht. Eine Reihe, die man gar nicht wieder aus den Händen legen mag. Ich hörte und las einiges über Stephen Kings Reihe "Der Dunkle Turm", konnte mir aber nicht viel darunter vorstellen. Bei Amazon fand ich auch geteilte Meinungen. Trotzdem bestellte ich mir zunächst den ersten Teil der Reihe, Steven Kings "Schwarz".
"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm." ist der Auftakt dieser Reihe und des ersten Bandes. Steven King beschreibt diesen Satz als den besten, den sein künstlerisches Schaffen je hervorgebracht hat. Damit wären wir auch beim Inhalt dieses Buches, der grob mit diesem Satz zusammen gefasst wäre.
Als Leser ist man mit diesem Buch und dieser erschaffenen Sci-Fi-, Western-, Fantasy-, Horror-Welt vielleicht etwas überfordert und fühlt sich gar allein gelassen darin. "Um was geht es hier eigentlich", "Was ist das für eine Welt?" und "Was ist hier eigentlich passiert?" waren unter anderem die Fragen, die mich beim Lesen fast quälten. Es werden viele Informationen, die man nicht zuordnen kann eingeworfen und viele, die wichtig wären, um das Große und Ganze zu verstehen, dem Leser vorenthalten. Trotz allem hat mich die Geschichte gefesselt. Während des Lesens begleitet man den Revolvermann auf seiner Reise durch die Wüste, mit dem Ziel, den Mann in Schwarz einzuholen und zu treffen. Dabei geschehen allerlei Dinge und es werden auch viele Dinge gesagt, die einem nicht wirklich etwas sagen. Der Roman wirkt oftmals wie ein düsterer Traum, oder ein ein einziger Drogentrip, umso erstaunter war ich, als der Revolvermann an einer Stelle wirklich Drogen nimmt, um mit dem Orakel in Kontakt zu treten, denn manchmal hatte ich das Gefühl, die Personen in diesem Roman oder der Roman an sich sind doch schon unendlich berauscht! Auch ich fühlte mich bei und nach dem Lesen wie auf einem kafkaesken LSD-Trip: Ich träumte von dem Buch, ich sah die Bilder in wachem Zustand vor mir, ich hatte das Gefühl, von diesem Buch ging ein Zauber aus.
Das, was einem beim Lesen hält, sind wohl all die nicht vorhandenen Informationen, die man sucht, um die Geschichte zu verstehen. Langsam und Stück für Stück, kommt man dahinter oder zumindest denkt man, dass man dahinter kommt. Ich bin sehr fasziniert davon, wie Stephen King es schafft, den Leser (also mich) zu fesseln und zu berauschen, obwohl er einen mit dem großen Unbekannten konfrontiert lässt. Ich habe mir bereits den zweiten Band der Reihe, der sich "Drei" nennt, bestellt und kann es kaum abwarten, ihn zu lesen. Werden dann meine Fragen beantwortet? Fragen wie: "Was war mit der Welt, bevor sie so war, wie sie jetzt ist?", "Was sind die Motive des Revolvermannes?", "Was sind die Motive des Mannes in Schwarz?", "Warum ist dieses geschehen und warum jenes?"
Inspiriert wurde King von einem Gedicht, "Childe Roland To The Dark Tower Came" und von allen möglichen Motiven und Stoffen der Weltliteratur. 
Teilweise wirkt das Buch ziemlich esoterisch und mystisch angehaucht, was ich persönlich aber sehr interessant finde.

"Schwarz" war mein erster Stephen King. Umso gespannter war ich auf seinen Stil und seine Art zu Schreiben und dazu muss ich sagen: Die erste Hälfte des Buches ist mir stilistisch komisch aufgefallen. King benutzt seltsame Vergleiche und Metaphern, die sich beim Lesen ganz seltsam anfühlten. So gestelzt und gewollt und auch irgendwie unpassend. Das nimmt jedoch zum Glück ab. Aber ich habe gelesen, dass King in seiner frühen Schaffensphase stilistisch noch etwas holpriger schrieb und "Schwarz" ist eines seiner ersten Werke. 
Auch die Dialoge wirken teilweise eigenartig. Ich hatte manchmal das Gefühl, als reden die Personen aneinander vorbei und gehen gar nicht auf das Gesagte ein.
Ich denke und hoffe aber, dass sich das ab dem zweiten Band, der einige Jahre später erschien, bessert.

Ich bin ch schon sehr gespannt auf den zweiten Teil dieses Epos!

Fazit: Ungewöhnliches, anderes Genre-Mix-Epos, das tausend Fragen aufwirft und trotzdem von Anfang bis Ende fesselt. 4 Sterne!

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Tags: der dunkle turm, fantasy, horror, maine, revolvermann, roland deschain, schwarz, sci-f, stephen king, western   (10)
 

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80 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

liebe, reise, jugend, skandinavien, amsterda

Kannst du

Benjamin Lebert
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 19.05.2008
ISBN 9783442467280
Genre: Romane

Rezension:

"Zwei Leute sitzen nebeneinander im Kinosaal. Sie kennen sich nicht, sie haben nichts miteinander zu tun. Doch beide können sich mit einer bestimmten Figur des Filmes, den sie gerade ansehen, identifizieren. Würden die beiden jeweils mit mindestens drei Paketen beladen in einer Deutsche-Post-Filiale in der Schlange stehen, würden sie sich höchstwahrscheinlich anmaulen, gegenseitig fertig machen und empört denken: Es gibt schon schlimme Menschen auf dieser Welt!, nur um dann am Abend wieder, jeder für sich, ins Kino zu gehen oder ein Buch aufzuschlagen und voller Begeisterung bei zwei ganz ähnlich beschaffenen Figuren oder gar bei ein und derselben Figur zu denken: Das bin ich!"
Benjamin Lebert ist den meisten (so auch mir) bekannt durch seinen verfilmten autobiografischen Roman "Crazy". Ich habe das Buch damals im Deutschunterricht lesen müssen und wie vielen anderen ist mir vor allem die Szene im Kopf hängen geblieben, in der die Jungs auf einen Keks onanieren.
Ich wollte schon immer mal was neues von ihm lesen, sehen wie sich sein Stil entwickelt hat und heraus finden, über was für Themen er so schreibt. Auf meinem Wunschzettel hatte ich lange seinen Roman "Der Vogel ist ein Rabe" stehen. Nun fiel mir aber sein Roman "Kannst du" in die Hände, von dem ich bis dahin noch nichts gehört hatte und las ihn jetzt in ein paar Tagen durch.
Zum Inhalt:  Tim und Tanja lernen sich in Berlin kennen und haben eine zwanglose Affäre miteinander. Weil ihr eine Freundin abgesagt hat, fragt Tanja Tim, ob er sie auf eine Rucksackreise nach Skandinavien begleiten will. Tim sagt zu und auf ihrer Reise erlebt der Leser eine Berg- und Talfahrt durch kleine Erlebnisse und vor allem durch die Welt der Gefühle.
Eine interessante Geschichte. Sie ist leserlich geschrieben und spannend aufgebaut. Es werden viele Informationen und Tatsachen eingestreut: So erfährt man zum Beispiel, dass sich Tims Bruder das Leben genommen hat, dass Tanja ihren Vater nicht einmal als einen Menschen bezeichnen würde, dass ihre Mutter sie ständig dazu nötigt, ihren Lebenslauf mit Auslandsaufenthalten und Praktika aufzupimpen, dass Tim einmal eine Affäre mit einer Russin hatte und sie ihm sagte, dass sie schwanger von ihm ist, dass Tim gerne zu Prostituierten ging und geht, dass Tanja einen an der Waffel zu haben scheint und so weiter und so fort.Am Ende des Lesens stand ich jedoch mit diesem Haufen an Informationen alleine gelassen da. Nichts klärte sich auf. Die ganze Geschichte schien ziellos ins Leere zu laufen. Ich las lauter Sachen, von denen ich dachte, dass sie bedeutungsschwanger seien und am Ende zu einem großen Ganzen führen würden. Taten sie aber nicht. Während des Lesens dachte ich mir oft: "Tolle Idee, das wird bestimmt so und so enden! Der und der hat bestimmt damit was zu tun!" Die Geschichte endete aber leider ziemlich abgehackt. Hatte Benjamin Lebert keine Lust mehr, ein vernünftiges Ende zu konstruieren? Hatte er keine Zeit mehr, da er eine Deadline einhalten musste?Zu Gute halten muss ich dem Buch jedoch den Stil, der mir sehr gefiel und die beiläufigen Vergleiche, Zitate und Verweise auf Größen aus Kunst und Kultur. Sowas lese ich immer ganz gerne, vor allem wenn es passt und nicht geklugscheißert wirkt, was bei Lebert überhaupt nicht der Fall war.Doch was war das jetzt für ein Roman? Was war das Ziel dessen? Was war die Aussage?Da hätte ich wirklich gerne eine Antwort drauf.
Fazit: Guter Anfang, gute Ideen, lockerer und jugendlicher Stil und irgendwie poetisch, aber insgesamt ein Buch, das im Nichts endet.
3 Sterne!

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Tags: amsterda, benjamin lebert, berli, jugend, kannst du, liebe, skandinavien   (7)
 

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herr der fliegen, william golding, gesellschaft, rivalität, kulturpessimismus

Herr der Fliegen

William Golding , Hermann Stiehl
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.08.2012
ISBN 9783596903238
Genre: Klassiker

Rezension:

Obwohl der Roman "Herr der Fliegen" ja schon so etwas wie ein Klassiker und William Golding ein Nobelpreisträger ist, muss ich zugeben, dass ich bis vor ein paar Wochen nichts über diesen Roman wusste.
"Herr der Fliegen" ist eine Mischung aus Robinsonade, Kulturkritik und auch ein wenig Dystopie.
Zum Inhalt: Eine Gruppe von englischen Schülern wird wegen eines Krieges evakuiert. Jedoch stürzt das Flugzeug ab und die Kinder landen auf einer einsamen Insel. Von Anfang an herrscht eine Rivalität zwischen zwei Gruppen der Kinder: Dem "Chor" einer Eliteschule, die Jack als Anführer hat und der restlichen Gruppe, die Ralph zum Anführer gewählt hat. Vor allem Ralph versucht eine gewisse Ordnung in das Leben auf der Insel ohne Erwachsene zu bringen, wohingegen Jack nur auf Spaß und einer fast sadistischen Jagd auf Schweine aus ist. Als unter den Kindern das Gerücht aufkommt, dass auf der Insel ein gefährliches Monster lebt, spaltet sich die Gruppe der Kinder immer deutlicher in die der "Jäger" von Jack, zu dem immer mehr übertreten und in die "demokratische", ordentliche Gruppe von Ralph...
Der Roman "Herr der Fliegen" thematisiert mehrere "Probleme" des Menschen und Golding macht sich dabei mehrerer Symbole zunutze.Das herausstechende Thema, ist wohl das Böse im Menschen, das früher oder später, selbst beim vermeintlich unschuldigem Kinde, ans Tageslicht tritt. Die Frage, die ich mir hierbei aber gestellt habe: Will Golding deutlich machen, dass Kinder ohne die Erwachsenen böse Wesen sind oder wären oder dass Menschen ohne ihre Sozialisation, ohne ihr Gerüst von Regeln und Gesetzen böse sind, egal ob groß oder klein? Jedenfalls wird hier deutlich am Menschen und der menschlichen Kultur geübt.
Die aggressive Jägergruppe im Roman ist ein Sinnbild für totalitäre und diktatorische Herrschafts- und Politiksysteme, denen sich die Schwächeren kritiklos anschließen und derer Grausamkeiten von dein meisten geduldet werden.Der "Herr der Fliegen" ist eine andere Bezeichnung für den Teufel. Im Roman ist dieser als Symbol zu finden als aufgespießter Schweinekopf, der voller Fliegen ist. Der Herr der Fliegen ist das Monster, vor dem die Kinder Angst haben, der Schweinekopf eine Opfergabe um dieses zu besänftigen. Im Grunde genommen ist das Tier, vor dem sich die Kinder fürchten, in den Kindern selber: Der böse Teil in ihnen, der gewaltbereit und grausam ist.
Meine Meinung: Wie man meinem letzten Post entnehmen kann, war ich ziemlich froh, als ich das Buch nach viel zu langer Zeit ausgelesen hatte. Ich bin viel zu lange zwischen den Seiten herum gestolpert und kann nicht mal direkt sagen, warum. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass der Stil, ich weiß nicht ob es an der Übersetzung liegt, oder ob das Original auch so merkwürdig ist, überhaupt nicht mein Fall war. Ich fand den Roman nicht flüssig geschrieben und oftmals traf ich auf Redewendungen und Ausdrücke, die ich so noch nie gehört oder gelesen habe und dabei habe ich doch schon einiges gelesen. Ich glaube also nicht, dass es daran liegen kann, dass der Roman schon etwas älter ist. Teilweise waren die Dialoge auch ganz merkwürdig, so merkwürdig, dass ich manchmal dachte, ich habe es wirklich mit einem Übersetzungsfehler zu tun.Die Geschichte an sich fand ich gut, wenn auch manchmal etwas grausam. Sie hat mich beschäftigt und nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, träumte ich sogar davon, war mitten im Geschehen, musste mich vor den Feinden im Dschungel verstecken und hatte eine solche Angst wie Ralph auf den letzten Seiten. Auch wenn mich die Geschichte sehr bewegt hat, war ich nicht ganz zufrieden mit ihr. Ich hätte mir mehr Erklärungen um das Drumherum gewünscht: Was für ein Krieg hat dort stattgefunden, dass die Jungen evakuiert werden mussten? Wie sah ihr voriges Leben in etwa aus? Auch tiefere Beziehungen und Charakterentwicklungen der Jungen habe ich vermisst. Das Ende war vorhersehbar, überraschend, abrupt und ein Ende des Typs "Deus ex machina", was ich eigentlich gar nicht gerne mag.
Fazit: Der Roman "Herr der Fliegen" ist ein bewegender Fingerzeig auf das Böse im Menschen und seiner Kultur, auf den Krieg und auf Totalitäre Regimes, der wohl zum Standardprogramm eines jeden Lesers gehören sollte.

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Tags: herr der fliegen, kulturkritik, kulturpessimismus, nobelpreisträger, pessimistische robinsonade, robinsonade, william golding   (7)
 

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55 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 1 Rezension

frauen, belletristik, faguas, südamerika, lavinia

Bewohnte Frau

Gioconda Belli , Lutz Kliche
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.06.2007
ISBN 9783423210119
Genre: Romane

Rezension:

Erzählt wird die Geschichte der Mittzwanzigerin Lavinia Alarcón, die in den 70er Jahren in der fiktiven Stadt "Faguas" in Nicaragua lebt. Sie gehört zur aristokratischen, wohlhabenden Oberschicht, hat Architektur in Italien studiert und fängt bei ihrer ersten Arbeitsstelle in einem Architekturbüro in Faguas an.Dort lernt sie ihren Arbeitskollegen Felipe Iturbe kennen und lieben, durch den sie ein Teil des geheimen Widerstandes gegen des Regimes des "Großen Generals" wird.
Erzählt wird dabei nicht nur der Widerstand gegen das 70er Jahre Regime des "Großen Generals", sondern auch der Widerstand der Ureinwohner gegen die spanischen Konquisitadoren im 16. Jahrhundert. Itzá, ist als Orangenbaum in Lavinias Garten wiedergeboren und beseelt Lavinia von ihrem Geist, der ja ebenfalls im Widerstand gekämpft hat, als Lavinia sich von den Orangen des Baumes Saft zubereitet und trinkt. Itzá, die nun ein Orangenbaum ist, erzählt dabei nicht nur von ihrem damaligen Widerstand gegen die Spanier, sondern auch davon, was sie fühlt, als ihr Orangensaft von Lavinia aufgenommen wird und wie Lavinia in tiefstem Innern fühlt. Daher auch der Titel "Bewohnte Frau". Lavinia wird, nachdem sie von dem Baum Orangensaft getrunken hatte, von dessen Geist "bewohnt".
Die Autorin Gioconda Belli thematisiert in ihrem Buch mehrere Dinge: Ein totalitäres Regime, eine Kluft zwischen Arm und Reich, die gesellschaftliche Stellung der Frau, der Widerstand Nicaraguas Ureinwohner gegen die Spanier.Angelehnt ist die Geschichte an den sandinistischen Widerstand gegen das Somoza-Regime der 70er Jahre.
"Es schlug neun. Nun war es offensichtlich, daß er nicht kommen würde. Tante Inés pflegte zu sagen, daß die Männer unberechenbar und undurchschaubar waren, stockfinstere Nächte mit ein paar Sternen. Die Männer waren die Höhle, das Feuer unter Dinosauriern, die Sicherheit einer breiten Brust, Hände, die die Frau beim Lieben hielten, Wesen, die den Vorteil genossen, keine unverrückbaren Horizonte, keine Räume mit festen Begrenzungen zu haben. Die ewig Privilegierten. Obwohl sie alle aus dem Bauch einer Frau kamen, von ihr abhingen, um zu atmen und um zu wachsen, um sich zu ernähren und Kontakt mit der Welt aufzunehmen, schienen sie sich später mit ungewöhnlicher Wildheit gegen diese Abhängigkeit aufzulehnen, um das weibliche Element zu unterwerfen, denen die Macht zu entreißen, die ihnen durch den Schmerz gespreizter Beine das Leben geschenkt hatten."
Auf dem Buchrücken steht "Ein Buch zum Verschlingen in einer Nacht." (Marianne Kröger). Nun, das kann ich nicht wirklich bestätigen, denn ich habe etwas länger an dem Buch gesessen. Was jedoch nicht heißen soll, dass das Buch nicht spannend war - Im Gegenteil. War ich erst mal in der Geschichte drin, so war das Buch sehr spannend und ich wollte unbedingt wissen wie es weitergeht. Ungewohnt war vielleicht der Schreibstil der Autorin. Dabei kann ich nicht mal sagen, warum. Die Geschichte aber hat mir sehr gefallen und absolut lesenswert. Auch die ganzen Themen, die dort behandelt werden, wurden nachvollziehbar miteinander verwoben.Manchmal konnte ich nur nicht nachvollziehen, warum Lavinia und Felipe nun ein Paar wurden. Da ging irgendwie alles zu schnell. Ich hätte gerne mehr über die beiden, auch über Felipe selbst erfahren, um nachvollziehen zu können, warum sich die beiden verliebt haben.
Fazit: Für mich war das Buch ein sehr guter und fesselnder Einstieg in die Geschichte Südamerikas und ich werde bestimmt noch mehr aus dieser Richtung lesen!

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

verrat, sklaverei, spionage, liebe, bürgerkrieg

Vor allen Nächten

Dara Horn , Christiane Buchner , Martina Tichy
Flexibler Einband: 477 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 08.01.2011
ISBN 9783833306952
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch kam als Mängelexemplar über den Grabbeltisch zu mir. Ich nahm es, vor allem wegen des Covers, in die Hand. Ich fand es schlicht und doch irgendwie schick und stilvoll. Der Klappentext verriet mir, dass es sich um einen historischen Roman handelt, dessen Handlung im amerikanischen Sezessionskrieg spielt. Von der Autorin hatte ich auch noch nie etwas gehört, ich hatte schon fast Angst, dass ich es bei diesem Buch mit einem kitschigen Schundroman zu tun haben werde, doch ich wurde positiv überrascht. 
In diesem Roman geht es vor allem um den jungen Jacob Rappaport, Sohn jüdisch-deutscher Einwanderer, der sich 1861 freiwillig meldet, um für die Nordstaaten in den Bürgerkrieg zu ziehen. Dabei wird er Teil des Kriegsgeschehens, von Intrigen, Spionage, Verrat, vom Kampf gegen die Sklaverei und trifft mittendrin auf vier junge Schwestern, die sein Leben komplett verändern.
Zur Handlung würde ich an dieser Stelle nicht unbedingt mehr verraten wollen, um nichts vorweg zu nehmen. 
Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und angenehm zu lesen. Sie schweift nicht aus, schreibt keine ellenlangen Sätze und bedient sich einer teilweise gehobeneren, aber nicht fordernden Sprache. Auch ist das Vokabular passend zur Zeit gewählt und die Charaktere sagen Dinge, die zu ihnen passen.Für mich vereint der Roman mehrere Dinge, die ich interessant finde: Das 19. Jahrhundert, die jüdische Kultur und den amerikanischen Bürgerkrieg. Vor allem, da Dara Horn auch reale Personen mit eingebaut hat, merkt man, dass sie auf dem Themengebiet "Amerikanischer Bürgerkrieg" sehr bewandert ist und gut recherchiert hat. Alles hat zueinander gepasst und war authentisch. Das Jüdische spielt in dem Roman eine große Rolle. Die Versklavung, die Verfolgung, die Feiertage, die Bräuche, die Stellung in der amerikanischen Gesellschaft - alles wird angerissen und Hinweise werden dazu eingestreut. Man erfährt einiges, was man nicht unbedingt weiß und stößt aber schnell auf einen moralischen Widerspruch: Können sich Juden von schwarzen Sklaven bedienen lassen und gleichzeitig den Auszug aus Ägypten, also die Befreiung der Israeliten aus ägyptischer Sklaverei feiern?Doch nicht nur hier werden moralische Fragen gestellt. Jacob landet ständig in Situationen, in denen er sich entscheiden muss, ob eine bestimmte Handlung moralisch gut oder nicht gut ist, ob er nein sagen kann oder nicht, ob er ausnahmslos seinem Land dienen muss, oder nicht. Als Leser weiß man manchmal selber nicht, ob seine Entscheidungen denn nun richtig oder falsch waren, was er eigentlich will und was er nicht will.Auch ist die Geschichte manchmal etwas verwirrend, wenn man nicht allzu sehr mit dem amerikanischen Bürgerkrieg vertraut ist. Beim Lesen kam ich manchmal etwas durcheinander und wusste gar nicht, auf welcher Seite er und die anderen nun sind.Aber auch Jacob war ein relativ kühler Protagonist. Ich hatte oft das Gefühl, dass er zu vielen Dingen keine Meinung hat, keine richtigen Emotionen, dass er keinen Schmerz empfindet, keine Trauer und keine Freude. Natürlich wurden seine Gedanken beschrieben, aber teilweise hat Dara Horn es nicht geschafft, dass ich seine Gefühle richtig mit erlebe.Die moralischen Konflikte, die in dem Roman auftreten, scheinen auch spurlos an ihm vorbei zu ziehen. "Jacob, was denkst du über deine Entscheidung? Über dein Handeln? Was denkst du über Sklaverei und wo siehst du dich als Juden in der amerikanischen Gesellschaft?" hätte ich ihn gerne gefragt, wenn ich könnte, denn Jacob befand sich zwar in Situationen, die man als Leser so und so bewerten kann, jedoch bezog er oftmals keine richtige Stellung dazu. Deshalb wirkte Jacob auf mich nicht wie ein Protagonist mit Tiefgang.Vielleicht war das aber auch Absicht. Vielleicht wollte Dara Horn den Leser zum Denken anregen, dass wir uns die Fragen über die Moralität gewisser Situationen stellen und für uns eine Antwort finden, ohne, dass Jacob uns die vorweg nimmt.Trotzdem kann ich diesen Roman wärmstens empfehlen. Ich vermute, dass Geschichten wie diese auf dem deutschen Markt kaum zu finden sind und dieser Roman somit einen Glücksgriff darstellt. Ich habe mich an keiner Stelle gelangweilt und fand jede Seite lesenswert und spannend.
Mein Fazit: Eine schöne Mischung aus Spionage, Historie, Krieg und Liebe, die bis zur letzten Seite fesselt!
4 Sterne! 

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282 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

sex, tod, therapie, ehe, roman

Schoßgebete

Charlotte Roche
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.02.2013
ISBN 9783492301527
Genre: Romane

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6.537 Bibliotheken, 31 Leser, 10 Gruppen, 85 Rezensionen

mord, parfum, klassiker, frankreich, paris

Das Parfum

Patrick Süskind
Flexibler Einband: 319 Seiten
Erschienen bei Diogenes Verlag AG, 01.01.2006
ISBN 9783257016789
Genre: Klassiker

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102 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

hamburg, party, musik, drogen, liebe

So was von da

Tino Hanekamp
Flexibler Einband: 301 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 10.03.2011
ISBN 9783462042887
Genre: Romane

Rezension:

31. Januar, Hamburg St. Pauli: Oskar Wrobel wacht nach einer durchzechten Nacht verkatert in seiner Wohnung auf. Er betreibt mit einem Freund einen Club am Ende der Reeperbahn, in dem nicht nur eine Silvester-, sondern auch eine Abrissparty stattfinden soll, da der Club eben abgerissen wird.Doch Oskar und seine verrückten Freunde organisieren und feiern nicht nur diese Party, nebenbei muss er auch noch zusehen, dass er bis zum Ende dieser Partynacht 10000€ zusammen bekommt, da er beim Ex-Luden "Kiezkalle" Schulden hat und er ihm sonst die Finger brechen würde. Mindestens. Außerdem ist da noch seine große Liebe Martha, an die er stets denken muss...
Zu Beginn muss ich sagen, dass ich es liebe, wenn in Büchern bekannte, oder auch vertraute Orte beschrieben werden. Der Kiez, die Locations, die Straßen, die Leute, die Gepflogenheiten... Ich habe mich beim Lesen richtig zu Hause gefühlt. Doch auch für jemanden, der Hamburg nicht kennt, ist die Beschreibung gut nachzuvollziehen und man kann sich sehr schnell in die Szenerie einfühlen.In dem Roman ist man nur einen Tag an der Seite von "Oskar Wrobel" und doch kommt es einem vor, als sei man über einen viel längeren Zeitraum dabei. Es geschieht so viel, es werden einem viele interessante Charaktere vorgestellt und man erfährt viel über den Ich-Erzähler Oskar. Man will mitmachen, mitfeiern, ausrasten, lachen, weinen und einfach nur "so was von da" sein.Zwischen der lebhaften und temporeichen Nacherzählung dieser Party sind auch Oskars interessante Gedanken und Ansichten zu lesen.Mir besonders im Gedächtnis geblieben ist folgende Stelle:

"Der Alte geblieben. Mir ist schlecht. [...] Was daran gut sein soll, wenn man der Alte bleibt? Das ist doch nur für die anderen gut, damit sie nicht merken, dass in ihrem Leben nichts passiert. Nur die Verweser wollen, dass alles beim Alten bleibt. Die Gemütlichen, die Bequemen, die Jasager und Nachmacher wollen das Alte, immer nur das Alte, und nicht etwa alte Häuser, Musiken, Filme oder Bücher,sondern ihr Leben so, wie sie es kennen. Damit sie nicht merken, dass sie stillstehen. Weil sie Angst haben. Sie haben Angst, Angst vor allem, vor allem vor ihren Lügen und davor, eines Tages aufzuwachen und zu erkennen, dass sie alles verpasst haben, dass alles an ihnen vorbeigezogen ist, dass sie immer noch da sind, wo sie immer schon waren."
Dieses Buch ist ein Entwicklungsroman über Leidenschaft, Jugend, Freundschaft, Liebe und unkonventionelles Leben. Jeder der wichtigen Charaktere spielt eine besondere Rolle, hat ein besonderes Schicksal und repräsentiert seine eigene Form von Nonkonformität in einer starren, nach festgelegten Regeln lebenden Gesellschaft.
Die Geschichte scheint außerdem eine Anlehnung an Hanekamps eigenen Lebensweg zu sein, der tatsächlich Mitbegründer eines Clubs am westlichen Ende der Reeperbahn war, der letztendlich abgerissen werden musste. Vielleicht sind ja auch einige Charaktere dem wahren Leben entnommen und eine Frau hat Mathilda als Vorbild gedient.Tino Hanekamp ist heute nicht nur Schriftsteller, sondern auch Journalist und Mitbegründer des Clubs "Uebel&Gefährlich", der wohl einer der bekanntesten Clubs im Norden ist.
Mein Fazit: Temporeich, leidenschaftlich, realistisch und anders. So mag ich es. Lieblingsbuch!5 Sterne!

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Tags: hamburg, hanekamp, kiez, party, reeperbahn, so was von d   (6)
 

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3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

berlin, ddr, wende, robert ide, geteilte träume

Geteilte Träume

Robert Ide
Flexibler Einband: 231 Seiten
Erschienen bei btb Verlag (TB), 12.01.2009
ISBN 9783442738571
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der Journalist Robert Ide ist 14 als die Mauer fällt und mit diesem politischen Wandel kehrt nicht nur Euphorie in die Familien der "neuen Bundesländer" ein, sondern auch Ernüchterung, Verzweiflung und ein Gefühl von Heimatlosigkeit.Robert Ide erzählt viele private Anekdoten von sich, seinen Freunden und anderen Menschen aus Ost-Berlin und der sächsischen Heimatstadt seiner Eltern, die sich vor, während und nach der Wende abspielten. 
Interessant ist, dass man hier nicht auf ein Buch trifft, das vollgestopft ist mit Ostalgie à la "Ach wie gut waren unsere Spreewaldgurken!" oder Selbstbemitleidung à la "Wir hatten doch nüscht!" Eher ist es ein Bericht, der relativ gefühlsduselfrei widergibt, wie es einigen Menschen während dieser Zeit ergangen ist und welche Fakten dabei reinspielten.
Viele Anekdoten sind teilweise zum Schmunzeln und auch die Reflektion auf die DDR-Vergangenheit erfolgt irgendwie selbstironisch, aber auch kritisch. So fragt sich der Autor zum Beispiel, warum viele nichts getan haben, um Freiheit zu erlangen; wer wohl alles bei der Stasi war; wie das Verhältnis zwischen ost- und westdeutschen Bürgern ist usw.Man erfährt aber auch Kleinigkeiten über den DDR-Alltag: Man freute sich, wenn man mal kubanische Orangen ergatterte; Männer mussten sich 3 Jahre verpflichten, um problemlos zum Abitur und Studium zu gelangen; Ein Telefon im Haushalt war keine Selbstverständlichkeit; Die Stasi wurde liebevoll "Horch und Guck" genannt; Im eigenen Kleingarten hatte man seine Ruhe - wenn auch direkt an der Mauer und die Kinder machten Urlaub im Ferienlager oder im Kurheim Über den Autor und sein Umfeld erfährt man, was die Hürden in der DDR waren, was für Träume sie nach der Wende hatten und inwieweit jeder einzelne seinen Lebensweg dabei gemeistert hat. Es entstehen hier verschiedene Lebenseinstellungen, Ansichten und Lebenswege, die geprägt sind von Unsicherheit, Neugierde, Träumerei, Heimweh und innerlicher Zerrissenheit.
Kritisch wird natürlich auch die Wende betrachtet, zum Beispiel wenn es um die "Vernichtung" etlicher Arbeitsplätze geht.In der DDR wurden in der Schule die negativen Folgen des Kapitalismus und Imperialismus gelehrt: Wohnungsnot durch Spekulanten, Armut, Kinderarmut. Und es ist irgendwie erschreckend, wenn man liest, was für "Propaganda" damals dort gelehrt wurde, die sich dann aber doch in der BRD aktuell bewahrheitet. So sind Kinderarmut und Wohnungsnot in den Großstädten aktuell wie nie, wodurch man fast zwangsweise in die Position gerät, zu sagen: "Nicht alles an der DDR war schlecht." und "Die Wende hat nicht nur Gutes mit sich gebracht."Die DDR-Bürger mussten ihre Freiheit in vielen Dingen einbüßen. Doch wie sieht es im Westen aus? Ist Kinderarmut wirklich so viel besser?Viele Themen werden in diesem Buch zwar nicht ausführlich eruiert, regten mich aber zum Nachdenken an. 
Zusammenfassend könnte man sagen, dass dieses Buch ein unterhaltsamer und informativer Schmöker ist, der private Erfahrungen mit Fakten über die Zeit, rund um die Wende, verknüpft und somit Einblick in eine andere, vielleicht aufregende, vielleicht schwierige Zeit gebietet. Vor allem für mich als "Wessi" interessant, da ich keine Familienmitglieder habe, die mir von dieser Zeit berichten können. An einigen Stellen hätte ich mir aber mehr persönliche Anekdoten und weniger faktisches gewünscht.
Fazit: 3 Sterne!

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beatles, martha my dear, sebastian schwar, ballade

Martha My Dear

Sebastian Schwarz
Flexibler Einband: 107 Seiten
Erschienen bei Wagner Verlag, 01.03.2005
ISBN 9783935232609
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Ballade oder Erzählung? Gedicht oder Prosatext? Märchen oder sogar ein 107-Seiten langer Pop-Song? Manchmal scheint die Einordnung eines Textes gar nicht so einfach zu sein. Manchmal aber auch gar nicht nötig, wenn man ihn vor allem als eines betrachtet: Ein Kunstwerk.
Im Jahre 2005 erschien das dünne Heftchen mit einer verwobenen, poetischen Geschichte, des damals 21-Jährigen Sebastian Schwarz.
Im Prolog erfahren wir, dass ein Ich-Erzähler, ein "Geschichten-Erzähler", wie wir später heraus finden, eine Straße entlang geht und plötzlich auf eine bebrillte, anzugtragende Leiche stößt. Der Ich-Erzähler ist verwirrt, denn plötzlich hört er eine Stimme, die er nicht als seine eigene identifiziert. Die Leiche spricht mit ihm. Der Tote stellt sich als Hermann Harriot vor, einen Schriftsteller, der "die Macht der Idee unterschätzt hat" und gar nicht weiß, warum er da liegt, wie ihm geschehen ist.Hermann Harriot erzählt die Geschichte von Martha, seine wohl einzige, selbst erfahrene Geschichte. Denn einst, als er dreizehn Jahre alt war, schickte ihn seine Mutter nach draußen zum Spielen, da er schon die meiste Zeit in seinem Zimmer verbrachte. Am See traf er auf "die Martha der Welt", in die er sich sofort verliebte, die ihn aber nur an der Nase herum führte.Dieser erlebte Schmerz und die Scham trieben ihn wieder zurück in sein Zimmer, zu seiner Schreibmaschine, an der er "die Martha des Kopfes" entstehen ließ, ein tanzendes wunderschönes, Männer verschlingendes Wesen, im "Haus der Lichtfliegen". Hermann erzählt, dass er sich aufmachte, um diesen Ort zu finden, um die Geschichte beenden zu können. Doch dann war sein Plan schnell zu Ende und er kann sich nur noch daran erinnern, dass er pinkeln musste. Dem Schriftsteller Hermann Harriot und dem Geschichten-Erzähler fällt kein passendes Ende ein.
Szenenwechsel: Vier Kiffer-Freunde und allesamt große Beatles-Fans sitzen zu Hause auf ihrer grünen Couch und leben ihr alltägliches Leben. Sie ähneln vom Wesen den echten Beatles, weshalb sie deren Namen übernehmen und als Gruppe "die Beatles" genannt werden. Sie beschließen, etwas anders zu machen als sonst: Sie wollen ihr dunkles Kiffer-Zimmer und ihre platt gesessene gemütliche Couch verlassen und mal wieder etwas erleben. Nach einer Diskussion der Freunde machen sie sich mit einem gestohlenen Auto auf und überfahren aus Versehen einen pinkelnden Mann - Hermann Harriot.Die Beatles laden die Leiche in das Auto und suchen einen Ort, an dem sie sie verstecken können und finden auch alsbald ein altes Haus vor. Sie ahnen noch nicht, dass es das "Haus der Lichtfliegen" ist. Es folgt ein Endkampf zwischen Martha, Beatles, Zombies, Geschichtenerzählerei und der Liebe, dessen Ergebnis dem Geschichten-Erzähler und dem Schriftsteller ein Ende bietet...
Diese Erzählung ist auf diesen relativ wenigen Seiten recht schnell erzählt, aber kann sich als wortgewaltiges Textstück auf hohem Niveau sehen lassen. Trotz der Verworrenheit und der manchmal seltsamen Einfälle oder Wendungen, kann man sich sehr gut einfühlen in das Buch. Ich habe oftmals sehr staunen müssen über die Stilelemente, die wunderbar eingeflochten sind in diese Geschichte und auch die Verweise auf Beatles-Song, so zum Beispiel als passende Kapitel-Überschrift, sind sehr passend.Negativ anzumerken wäre, dass das Lektorat, sofern eines vorhanden war, es versäumt hat, einige Fehler in dem Text zu korrigieren. Denn das stört manchmal den Lesefluss und lässt einen wundern, da diese in der schönen, ausdrucksstarken Sprache umso mehr auffallen.
Fazit: Lieber Sebastian, mehr davon! 4 Sterne!

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2.672 Bibliotheken, 22 Leser, 6 Gruppen, 59 Rezensionen

japan, geisha, liebe, kultur, schicksal

Die Geisha

Arthur Golden ,
Flexibler Einband: 572 Seiten
Erschienen bei btb Verlag (TB), 05.12.2005
ISBN 9783442735228
Genre: Historische Romane

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Big Sur

Jack Kerouac
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Penguin Group USA, 22.07.2011
ISBN 0140168125
Genre: Romane

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(14)

27 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 1 Rezension

beatnic, london, paris, 60, american

Engel, Kif und neue Länder

Jack Kerouac , Otto Wilck , ,
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.03.1971
ISBN 9783499113918
Genre: Romane

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

roman, beat generation, city, town, the

The Town and The City

Jack Kerouac , Hans Hermann ,
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 06.09.1984
ISBN 9783499149719
Genre: Romane

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(295)

516 Bibliotheken, 4 Leser, 5 Gruppen, 35 Rezensionen

japan, liebe, selbstmord, sex, freundschaft

Naokos Lächeln

Haruki Murakami , Ursula Gräfe
Fester Einband
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 16.05.2013
ISBN 9783832156091
Genre: Romane

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(120)

232 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

japan, tod, liebe, trauer, jugend

Kitchen

Banana Yoshimoto , ,
Flexibler Einband: 202 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 15.03.1994
ISBN 9783257227000
Genre: Sonstiges

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108 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

japan, jugend, inzest, melancholie, suizid

N. P.

Banana Yoshimoto ,
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.04.1995
ISBN 9783257227901
Genre: Romane

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167 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 9 Rezensionen

klassiker, freundschaft, novelle, roman, wanderarbeiter

Von Mäusen und Menschen

John Steinbeck
Flexibler Einband: 139 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.01.2002
ISBN 9783423620727
Genre: Klassiker

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