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Deutschenkind

Herbjørg Wassmo , Gabriele Haefs
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Argument Verlag mit Ariadne, 01.04.2012
ISBN 9783886194902
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt:
Nachkriegszeit auf einer kleinen Fischerinsel im Norden Norwegens. Tora wächst mit dem Stigma heran, Kind eines Soldaten der verhassten Besatzungsmacht zu sein. Das macht aus ihr praktisch Freiwild.

Kurzkritik:
„Deutschenkind“ ist ein erschütternder Roman über eine Welt, in die man sonst keinen Einblick bekommen würde. Und über ein Kind, das man liebend gern beschützen würde, das man ohne zu zögern bei sich aufnehmen würde, um ihm zu zeigen: Die Welt ist nicht immer und überall ein gefährlicher Ort.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

Nach dir, Max

Leena Parkkinen , Gabriele Schrey-Vasara
Buch: 416 Seiten
Erschienen bei Osburg Verlag, 27.02.2012
ISBN 9783940731760
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt:

Max und Isaak kommen 1899 in Deutschland als siamesische Zwillinge auf die Welt. Sie sind an der Hüfte miteinander verwachsen. Ihre Familie verkauft sie an einen Zirkus. Ein Glücksfall für die Zwillinge! Denn dort treffen Max und Isaak auf andere Menschen mit Handicaps und fühlen sich als Gleiche unter Gleichen. Darüber hinaus finden sie – später im Cabaret und Varieté – als Artisten Anerkennung und Wertschätzung. Schließlich gelangen die Zwillinge nach Helsinki. Dort begegnen sie Iris, einer Frau, der die Männer nicht nur zu Füßen liegen, sondern die sie auch skrupellos ausnutzt. In sie verliebt sich Isaak Hals über Kopf. Eine Geschichte voller Dramatik und Sinnlichkeit. (Pressetext)

Kurzkritik:

„Nach dir, Max“ ist ein tragikomisches Buch. Man liest es wahrscheinlich mit einem Lächeln auf den Lippen, während man ergriffen ist. Alle Figuren sind ebenso sympathisch wie unsympathisch, sind liebevoll beschrieben und liebenswert. Wir erfahren, was es wirklich heißt, Außenseiter zu sein, und wie es sein muss, auf Gedeih und Verderb mit jemand anderem verbunden zu sein.

Doch der Roman hat keine Moral und keine verbindliche Aussage. Leena Parkkinen erzählt „einfach“ ein ungewöhnliche Geschichte mit ungewöhnlichen Menschen, in denen man sich selbst wiederfindet. Wie man damit umgeht, ist wohl Sache jeder und jedes Einzelnen. Doch ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand von „Nach dir, Max“ nicht fasziniert und angetan ist.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Die Irritation - 21 Stories

Anke Laufer , Enrico Keydel
Flexibler Einband: 298 Seiten
Erschienen bei worthandel, 12.05.2012
ISBN 9783935259309
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt:

Anke Laufers 21 Stories handeln von Liebe, Tod und dem Einbruch des Unergründlichen und Verstörenden in den Alltag. Die Geschichten entführen den Leser in ein englisches Seebad, in ein süddeutsches Dorf, in die Straßen von Madrid oder in eine fiktive südamerikanische Großstadt, berichten aus der scheinbar wohlvertrauten Gegenwart oder führen uns die gar nicht so weit entfernte, deshalb aber umso unheimlicher erscheinende Zukunft vor Augen. (Pressetext)

Kurzkritik:

„Lesen ist Abenteuer im Kopf“ lautete einmal ein Slogan, der die Lesekultur ankurbeln sollte. Wenn dieser Slogan auf ein Buch zutrifft, dann auf dieses.

Auch wenn diese Erzählungen nicht angenehm zu lesen sind, so ist es doch lohnend. Sei es, um sich mit den eigenen Schattenseiten auseinanderzusetzen, sei es, um sich zu fragen, ob man nicht oft zu vorschnell ist bei der Beurteilung anderer. Denn was hätte geschehen müssen, damit die Vergangenheit jenen Mann in „Die Zuflucht des Vito Laquasto“ nicht einholt, der seine Familie bei einem Hauseinsturz verloren hat? Hätte man von seinem Schicksal gewusst, hätte man ihn vielleicht nicht in den Selbstmord getrieben. Oder sei es, um sich gerne Übersehenes wie Ausbeutung und Gefährdung von Arbeitenden oder den sorglosen Umgang mit der Umwelt wieder einmal zu vergegenwärtigen („Kilphire Hoe“) – ohne mit der Nase drauf gestoßen zu werden.

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adelbert von chamisso

Peter Schlemihls wundersame Geschichte

Adelbert von Chamisso , Franziska Walther
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Kunstanstifter Verlag, 01.03.2011
ISBN 9783942795005
Genre: Romane

Rezension:

Franziska Walther versetzt dieses Märchen mit ihren (auf mich) bedrohlich wirkenden Illustrationen ins Heute. Auf jeden Fall gelingt es diesem Buch, dass man sich mit einer 200 Jahre alten Erzählung beschäftigt, die Märchenmotive (Pakt mit dem Teufel, Glückssäckchen, fehlender Schatten, Siebenmeilenstiefel) zu einer ohnedies schon traurig-tragischen Geschichte verbindet, welche noch dazu kein glückliches Ende aufweist.

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1992 - 1995, auswandern, belagerung, bosnienkrieg, ethnien, flucht, gefahr, granaten, heckenschützen, hoffnung, hunger, intervention, jugoslawien, krieg, logavina

Die Rosen von Sarajevo

Barbara Demick , Maria Zybak , Gabriele Gockel , John Costello
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.03.2012
ISBN 9783426275870
Genre: Sachbücher

Rezension:

Sich an den Krieg gewöhnen

Was wissen wir (noch) von den Jugoslawienkriegen? Haben wir je verstanden, worum es dabei ging? Auch Barbara Demick kann die Ursachen nicht vollends erklären, doch darum geht es in ihrem Buch ja auch nicht. Sie schildert vor allem, was (dieser) Krieg für die Zivilbevölkerung bedeutet hat. Genauer gesagt: für die Bevölkerung von Sarajevo. Noch genauer gesagt: für die BewohnerInnen einer Straße, der Logovina.

Anhand dieser Menschen kann sie anschaulich machen, was es bedeutet, unter ständigem Beschuss zu leben, von der Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Strom abgeschnitten zu sein. Aber kann man sich deswegen tatsächlich vorstellen, wie es sein muss, sich in Lebensgefahr zu begeben, bloß weil man Wasser holen geht? („Die Rosen von Sarajevo“ nennt man übrigens die zahllosen Granateneinschläge, die als Mahnmale für die Opfer des Kriegs mit rotem Kunstharz ausgegossen wurden.)

126.000 Tonnen Lebensmittel waren zu wenig

In der Logovina haben vor dem Krieg weder Arme noch Reiche gewohnt, alle haben geglaubt, dass die Belagerung durch die Serben bald vorbei sein würde. Allmählich verzogen sich die BewohnerInnen immer mehr in ihre Häuser und dort einen in vor Granaten sicheren Raum, in dem man mit improvisierten Öfen kochte und heizte. Obwohl es rings um Sarajevo viel Wald gibt, war man gezwungen, die Wohnungseinrichtungen zu verheizen.

Nahrungsmittel waren knapp, man trank „Kaffee“, der aus Trockenlinsen bestand, aß „Schnitzel“, die aus altbackenem Brot bestanden. Weil auf den Markt zu gehen den Tod bedeuten konnte, baute man an geschützten Orten Gemüse an. Dennoch hungerte man – trotz der internationalen Luftbrücke, mittels derer von Juli 1992 bis Jänner 1995 fast 126.000 Tonnen Lebensmittel und 14.000 Tonnen medizinische Hilfsgüter nach Sarajevo gebracht wurden.

1.601 Kinder

Der Belagerung, die schließlich 1.425 Tage dauern sollte, und den Kämpfen fielen nach Angaben der Regierung Bosnien-Herzegowinas 10.615 Menschen aller Volksgruppen zum Opfer, unter ihnen 1.601 Kinder. Durch Granaten, Minen oder Scharfschützen wurden rund 50.000 Menschen verletzt, teilweise schwer. Auch im Krankenhaus war man vor Granaten nicht sicher.

Demick geht in ihrem Buch auch auf andere Aspekte der Belagerung ein, die man hier nicht alle aufführen kann. Vielleicht noch dieser: Für die Autorin ist es nicht plausibel, den Bosnienkrieg als „ethnischen Krieg“ zu bezeichnen, weil „alle Beteiligten dieselben ethnischen Wurzeln haben. … Man kann vom Aussehen her nicht sagen, wer Serbe, Kroate oder Muslim ist. … Der Unterschied zwischen den Menschen besteht hauptsächlich in der Religion, die sie ausüben“. Allerdings ist sie der Meinung, dass man die Konflikte zum „Religionskrieg“ erklären könnte, „denn die Jugoslawen waren nicht besonders religiös“.

Lauert im Hintergrund

Fazit: „Kein Wunder also, dass der Bosnienkrieg die Amerikaner vor ein Rätsel stellte. Den Bosniern ging es nicht anders.“

Ein Rätsel bleibt wohl auch, wie Menschen nach diesem Krieg weiterhin gemeinsam in derselben Stadt leben können. Sie versuchen es, weil Sarajevo ihre Heimat ist. Doch „die Frage, wer Serbe, wer Kroate und wer Muslim ist, lauert stets im Hintergrund“.

Bosnischer Eintopf

Allerdings fragt sich zum Beispiel Alma, wo in der Gesellschaft Sarajevos ihre Familie eingeordnet würde. „Ihr Vorname ist ein traditionell muslimischer Name, sie hat jedoch durch ihre Mutter einen kroatischen Pass und durch ihren Ehemann einen serbischen Nachnamen. Ihre Töchter sind ein echter bosnischer Eintopf“.

„Die Rosen von Sarajevo“ sind also nicht „nur“ ein schrecklich anschauliches Buch über das Leben im Krieg, sondern auch darüber, dass es nicht allein an den „normalen“ Menschen liegt, ob sie miteinander auskommen.

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The Hood

Gavin Knight , Jürgen Bürger
Flexibler Einband: 297 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 08.03.2012
ISBN 9783550088988
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das ist kein Film. Das ist kein Roman. Das ist die Realität. – Ich hatte noch nicht davon gehört, wie es in Teilen von Englands Großstädten zugeht, und dachte, solche (Drogen-)Bandenkriege, wie sie Gavin Knight in „The Hood“ beschreibt, gäbe es in Europa nicht.

Jetzt weiß ich: zumindest in Großbritannien gibt es eine unfassbare Form von Gewaltbereitschaft (vor allem) unter Jugendlichen. Diese wachsen auf mit Massenarbeitslosigkeit und in sozialem Elend, gehen in Schulen, in denen Gewalt vorherrscht, und werden als Dealer angeheuert und süchtig gemacht. Von hier ist der Weg nicht weit in die (Beschaffungs-)Kriminalität.

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journalismus, liebe, medien, menschlic, paris, perfek, print, rom, roman, tom rachman, unperfekt, usa, verlag, wuli highlights, zeitung

Die Unperfekten

Tom Rachman , Pieke Biermann
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.04.2012
ISBN 9783423140973
Genre: Romane

Rezension:

Kaum zu glauben, dass wir es hier mit einem Debüt zu tun haben. Mit sicherer und anscheinend leichter Hand hat Tom Rachman in „Die Unperfekten“ faszinierende Alltags-Charaktere in die stimmige Story einer fiktiven Zeitschrift gebettet – von den Anfängen bis zum Untergang.

Das alles kommt so mühelos rüber, als ob das jede/r könnte: aus einer im Grunde simplen Idee eine unaufdringlich reichhaltige Romanhandlung zu machen, in diesem Fall auch noch mit sicherem Gestaltungswillen und einer spürbaren Lust am Fabulieren und Formulieren.

„Die Unperfekten“ liest man, so glaube ich, auch gerne, selbst wenn einen Zeitungsredaktionen gar nicht interessieren.

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 6 Rezensionen

attentat, kommunismus, kuba, kubanische revolution, kunst, leo trotzki, lew dawidowitsch, marxismus, massenmord, mexiko, mord, politische säuberung, spanischer bürgerkrieg, stalin, stalinismus

Der Mann, der Hunde liebte

Leonardo Padura , Hans-Joachim Hartstein
Fester Einband: 730 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 01.03.2011
ISBN 9783293004252
Genre: Romane

Rezension:

Was wissen wir schon von Lew Dawidowitsch, besser bekannt als Leo Trotzki? Vielleicht, dass er „der Henker von Kronstadt“ gewesen ist. Wurde der nicht mit einem Eispickel erschlagen?

Leonardo Padura stellt Trotzki in seinem großartigen Roman „Der Mann, der Hunde liebte“ als sympathischen Flüchtling dar (auch wenn er dieses Bild im Schlusskapitel korrigiert). Der kubanische Schriftsteller hat 1989 das Haus in Mexiko-Stadt besichtigt, in dem Trotzki zuletzt gelebt hatte und in dem er gestorben war. „Der bloße Anblick jenes Ortes, (…) der zu einem wahrhaften Monument für das Scheitern, die Angst und den Sieg des Hasses geworden war“, wurde zum Samen für die Idee seines Romans.

Mehr als 15 Jahre später nahm Padura das Projekt in Angriff. Drei Handlungsstränge laufen parallel: Zum einen berichtet der kubanische Schriftsteller Iván von sich und seiner Begegnung mit dem Mann, der Hunde liebte. Zum anderen erzählt ihm dieser die Geschichte des Sowjetagenten und Trotzki-Mörders Ramón Mercader. Weiters wird Trotzkis Leben ab der Verbannung aus der Sowjetunion bis zu seinem Tod geschildert.

Dies erlaubt Padura, einen Überblick über den „real existierenden Sozialismus“ zu geben: Vor allem erfährt man, welche mörderische Diktatur Josef Stalin aus der Sowjetunion gemacht hat. Wir begleiten Ramón Mercader vom Spanischen Bürgerkrieg über seine Agentenausbildung in Moskau nach Mexiko, wo er auf seinen Einsatzbefehl wartete, bis in die Sowjetunion der Chruschtschow- und Breschnew-Zeit.

Außerdem schildert Padura die verzweifelte Opposition des verbannten Trotzki gegen Stalin (und seine Lage als kurzfristig geduldeter, ständig von der Ermordung bedrohter Flüchtling in der Türkei, in Frankreich, Norwegen und schließlich Mexiko). Und er lässt uns auch Einblick nehmen in das Leben des idealistischen Agenten, der nach seiner Tat 20 Jahre Haft überlebte und danach in eine Sowjetunion kam, die sich von Stalins Politik distanzierte und Mercader – hoch dekoriert – in Vergessenheit geraten ließ.

Padura hat genau das Buch geschrieben, das er wollte. Er hat die Geschichte des Mordes an Trotzki dazu benutzt, um „über die Pervertierung der großen Utopie des 20. Jahrhunderts nachzudenken“. Man mag sich fragen, ob das „Experiment“ Kommunismus nicht auch besser ausgehen hätte können, hätte Trotzki (der allerdings auch gewaltsam und militant gegen politische Gegner vorgegangen ist) den Machtkampf mit Stalin gewonnen. Oder ob es, wie Trotzki laut Padura dachte, „der erste Fehler der Bolschewiken gewesen (war), die gegnerischen politischen Strömungen radikal zu unterdrücken. (…) Hätten sie die Freiheit der Rede in der Gesellschaft zugelassen, hätte sich der Terror niemals durchsetzen können.“ Oder ob die Utopie vielleicht niemals eine Chance gehabt hätte, Wirklichkeit zu werden.

Geschrieben ist „Der Mann, der Hunde liebte“ in drei unterschiedlichen Stilen: Neben der Ich-Erzählung Iváns wechseln sich die personale Erzählperspektive bei den Mercader-Kapiteln und die neutrale bei denen über Trotzki ab. Keine der Figuren ist unsympathisch gezeichnet, ja, eigentlich hat man sowohl Mitleid mit Trotzki als auch mit Mercader.

Es ist ein anspruchsvolles, aber nicht schwer zu lesendes Buch. Nahezu jeder längere Absatz entspricht einem Gedankengang, dem man allerdings konzentriert folgen muss (oder sollte). Andererseits lässt einen Padura wie bei einem Thriller auf die kunstvoll hinausgezögerte Mordszene hinzittern (wiewohl man sich davon keine filmreife Action-Szene erwarten sollte).

Dann ist „Der Mann, der Hunde liebte“ gewiss ein Thesenroman, doch werden diese Thesen anhand von zwar außergewöhnlichen, doch lebensnahen Geschichten abgehandelt. Dabei lernt man wiederum viel Geschichte: Wer weiß schon (noch), wie es zur Oktoberrevolution kam, dass die Sowjetunion – während Hitler Westeuropa überfiel – Osteuropa annektierte oder wie viele Millionen Menschen der „Stalinistischen Säuberung“ zum Opfer gefallen sind?

Gleichzeitig erfährt man viel darüber, wie es war und ist, in einer linken Diktatur zu leben, wie auch Kuba eine ist. Denn dort lässt Padura sein fulminantes Werk beginnen und – mit einem erstaunlichen Schluss – in der jüngsten Vergangenheit enden.

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Kant für die Hand -

Hanno Depner
Fester Einband: 71 Seiten
Erschienen bei Knaus, 22.03.2011
ISBN 9783813503890
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich kenne nur zwei Reaktionen auf dieses Buch: Begeisterung und Unverständnis. Ich gehöre zu den Begeisterten.

Denn ich habe mich bisher gescheut, gewissermaßen in die Nähe von Immanuel Kant zu kommen. Sicher habe ich in der Schule von transzendentaler Logik, synthetischen Urteilen a priori und von Phänomena und Noumena gehört, wahrscheinlich wurde mir das als etwas präsentiert, das ich niemals auch nur annähernd verstehen könnte.

Vielleicht sollte man Depners Buch ab sofort im Unterricht verwenden. Ich zumindest habe innerhalb von sechs Stunden in etwa begriffen, warum Kant die Vernunft „kritisiert“ hat (mit „Kritik“ ist eine kritische Untersuchung gemeint) und was dabei herausgekommen ist.

„Kant für die Hand“ besteht aus einem leicht verständlichen theoretischen Teil – und einem Bastelbogen. Ja! Mit diesem Buch kann man sich einen Würfel basteln, der die „Kritik der reinen Vernunft“ veranschaulicht.

Beides hat mich fasziniert: Zum einen endlich über ein grundlegendes Werk grundsätzlich Bescheid zu wissen (bis heute unterscheidet man, so Depner, „mit ,vorkantianisch‘ und ,nachkantianisch‘ zwei geistesgeschichtliche Epochen“), zum anderen der aberwitzige Versuch, Philosophie mittels Bastelarbeit begreifbar zu machen.

Depner „übersetzt“ die Fachbegriffe und Wörter, deren Bedeutung vom alltäglichen Sprachgebrauch abweicht, und gibt erläuternde Beispiele (worauf Kant in seinem über 850 Seiten langen Buch verzichtet hat). Man bekommt so eine jeweils kurze Einführung in die transzendentaler Ästhetik, Analytik, Dialektik und so weiter und eine – für Ungeübte – schwierig zu bewerkstelligende Aufgabe für Hirn und Feinmotorik.

Und jetzt bilde ich mir nicht nur ein, endlich auch persönlich in die nachkantianische Epoche eingetreten zu sein, – ich habe sogar den Würfel ziemlich gut hinbekommen. Und ich hatte dabei viel Spaß.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 5 Rezensionen

bogota, drogen, drogenmafia, drogensüchtig, exil, fliehen, flucht, gewalt, jugend, kolumbien, kommune, kommunismus, revolution, südamerika, verlust

35 Tote

Sergio Álvarez , Marianne Gareis
Flexibler Einband: 546 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 14.03.2011
ISBN 9783518462508
Genre: Romane

Rezension:

Neun Jahre hat Sergio Álvarez an diesem Roman gearbeitet, ist durch Kolumbien gereist und hat mit den Menschen gesprochen, um „die einzelnen Geschichten zu rekonstruieren“. Geschrieben hat er dann eine Mischung aus tragikomischem Schelmen- und Zeitroman.

Wir begleiten die Hauptfigur ab ihrer Zeugung durch das Kolumbien der Gegenwart: früh sterben Mutter und Vater, er lebt bei Verwandten am Land, wird dann von seiner Tante Cristinita nach Bogotá geholt, wo sie in revolutionäre Kreise geraten und eine marxistische Kommune gründen. Er wird Kleinkrimineller, Student, landet abwechselnd bei der Armee und beim Widerstand, bis er keine andere Möglichkeit mehr sieht als nach Spanien zu flüchten.

Abwechselnd lässt Àlvarez diese Hauptfigur und verschiedene Nebenfiguren zumeist schreckliche Erlebnisse in der Ich-Form erzählen – in einer kraftvollen Sprach mit bösem Witz. Die vielen Episoden wirken realistisch, was durch die Unmöglichkeit, dass ein Mensch all das erleben kann, gebrochen wird.

Dadurch, dass so viele Schicksale in der Hauptfigur zusammengeführt werden, wird diese zum Brennspiegel kolumbianischen Zustände, das seit mehr als 40 Jahren von bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Polizei, Militär, Paramilitär und Guerillagruppen bestimmt werden.

Es gibt keinen Rückzugsort, auch im Privaten nicht, auch nicht in der Sexualität. Die Hauptfigur sagt: „Genausowenig wie ich die Frauen verstehe, die mir immer nur Unglück bringen, begreife ich, wie dieses Land funktioniert, wer auf welcher Seite steht und wo mein Platz ist.“ Auch im Exil findet ihn diese nicht. Dort herrscht nur mehr Tristesse – nach dem ununterbrochenen Terror im Geburtsland.

Ein ausuferndes Buch, dessen Schrecken man sich nicht entziehen kann und das lehrt, was es bedeutet, im Bürgerkrieg zu überleben.

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88 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

amok, amoklauf, familie, gefängnisbesuche, gegenwartsliteratur, gewalt, hass, liebe, mord, mutter, roman, schuld, schule, schulmassaker, usa

Wir müssen über Kevin reden

Lionel Shriver , Christine Frick-Gerke , Gesine Strempel
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei List, Paul, 01.02.2006
ISBN 9783471786796
Genre: Romane

Rezension:

Was ist stärker: Charakter oder Erziehung? Im Prinzip läuft das 550-Seiten-Buch in Briefform auf diese Frage hinaus. Und beantwortet sie nicht. Sondern wartet – nach einem vielleicht etwas langatmig geratenen Mittelteil – mit einem Schluss auf, der einem gewissermaßen den Boden unter den Füßen wegzieht.

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259 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

bild, böll, ehre, gesellschaftskritik, gewalt, heinrich böll, journalismus, klassiker, medien, mord, presse, raf, sensationsjournalismus, terrorismus, zeitung

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Heinrich Böll
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch GmbH, 01.01.1974
ISBN 9783462010336
Genre: Klassiker

Rezension:

(Relativ) unschuldig in die Fänge von solchen Medien und anderen Institutionen zu geraten, für die man bloß ein Objekt ist, mit dessen Hilfe sich die Auflage (oder die Klicks steigern) lassen, das kann uns heute noch genauso passieren wie Heinrich Böll und seiner Katharina Blum.

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469 Bibliotheken, 3 Leser, 7 Gruppen, 104 Rezensionen

draußen, entführung, familie, flucht, gefangenschaft, isolation, jack, kind, ma, missbrauch, mutter, old nick, raum, vergewaltigung, welt

Raum

Emma Donoghue , Armin Gontermann
Fester Einband: 409 Seiten
Erschienen bei Piper, 24.08.2011
ISBN 9783492054669
Genre: Romane

Rezension:

Eindringliche Lese-Empfehlung! Dieser Roman ist spannend, befremdend, rührend und bereichernd (aber nichts für Voyeuristen).

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298 Bibliotheken, 5 Leser, 4 Gruppen, 28 Rezensionen

einsamkeit, genie, gesellschaft, kunst, künstler, leben, leid, leiden, liebe, medien, musik, roman, satire, talent, usa

Vincent

Joey Goebel , Hans M. Herzog , Matthias Jendis
Fester Einband: 431 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.09.2005
ISBN 9783257064858
Genre: Romane

Rezension:

Torture the Artist

Der Originaltitel bezeichnet deutlich, worum es in diesem Buch geht: “Torture the Artist”. – Ein betagter Medientycoon sieht sich sein Lebenswerk an und stellt fest, dass in seinen Radio- und Fernsehstationen nur noch seichter Müll läuft. Und er gibt sich selbst die Schuld daran.

Als Wiedergutmachung ruft er die Akademie für hochbegabte Kinder „New Renaissance“ ins Leben, in der jedem/jeder KünstlerIn von einem persönlichen Manager betreut wird. Da der Tycoon der Ansicht ist, dass wahre Kunst nur von deprimierten, verzweifelten und unglücklichen Menschen geschaffen werden kann, machen diese Manager ihren Schützlingen das Leben zur Hölle.

In unserem Fall ist es Harlan Eiffler, der sich darum kümmert, dass Vincent leidet. Zuerst lässt er Vincents Hund verunglücken, dann brennt er sein Haus nieder, später bezahlt er seine Freundinnen, damit sie ihn verlassen. Und die “Kur” wirkt: Vincent schreibt hervorragende Drehbücher, Bücher und Liedtexte.

Doch dann … (sollte man wieder einmal nicht bei Wikipedia weiterlesen.) Jedenfalls hat Joey Goebel – Frontmann der Punkband “The Mullets” – einen herrlich bösen Roman geschrieben, der für einen (zum Erscheinungs-Zeitpunkt) 24-jährigen Autor vielleicht zu Alters-pessimistisch endet, aber, was Story, Aufbau und Sprache betrifft, von einem viel versprechenden Talent kündet.

Außerdem ist Goebel klug genug, um die These, dass sich Kunst und Leiden ausnahmslos bedingen, in Frage zu stellen. Dennoch hält er seine “Versuchsanordnung” durch. Und für mich macht einen Teil der Faszination dieses Buches aus, dass sich Vincents “Schicksalsschläge” nicht von denen unterscheiden, die sozusagen jeder und jedem passieren oder passieren können. Nur steht da wohl äußerst selten jemand mit Plan und Kalkül dahinter.

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145 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 13 Rezensionen

dea, drogen, drogenkrieg, drogenschmuggel, gewalt, kolumbien, korruption, krieg, mafia, mexiko, mord, politik, rache, thriller, usa

Tage der Toten

Don Winslow ,
Flexibler Einband: 689 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 20.09.2010
ISBN 9783518462003
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Tage der Toten“ ist ein unterhaltsames Meisterwerk.

Wenn ich mich jetzt auf eine Gegenüberstellung von Roman vs. Thriller einließe, würde ich mich in Teufels Küche begeben (– allerdings nicht in dem Ausmaß, in dem dies die Hauptfigur dieses Buches macht). Einigen wir uns auf anspruchsvoller Thriller, auch wenn jetzt Fans von Unterhaltungsromanen vielleicht ebenso die Nase rümpfen wie jene von literarischen – und „Tage der Toten“ unter Umständen gar nicht kaufen.

Ich bleibe dennoch dabei, auch wenn es folgendermaßen beginnt: „Sie hält ihr totes Baby in den Armen. Aus der Position der Leichen schließt Art Keller, dass die Mutter ihr Kind schützen wollte. Es muss ein Instinkt gewesen sein, denkt Keller, sie muss gewusst haben, dass sie die Kugeln einer Kalaschnikow nicht mit ihrem Köper aufhalten kann. – Zehn Männer, drei Frauen, sechs Kinder.“ Die Mörder haben in dieser Familie einen dedo vermutet, einen Zuträger. „Und ich habe sie zu dieser Annahme verführt. Gott vergib mir“, denkt der 47jährige Keller. Dann entdeckt er unter den Toten einen seiner Mitarbeiter.

Onkel

Wir schreiben das Jahr 1997 und haben gerade den Prolog gelesen. Art Keller arbeitet seit über zwanzig Jahren als Drogenfahnder, der kein Problem damit hat, Gesetze zu brechen, wenn er dies für berechtigt ansieht. Winslow führt uns dorthin, wo alles begann, im Jahr 1975. Keller gelingt es nicht nur, sich als Weißer bei Mexikanern beliebt zu machen, er bekommt auch einen „T√≠o“, einen Onkel, „eine Vaterfigur, einen großen Bruder, der einen unter seine Fittiche nimmt“.

Drogenbaron

Dieser T√≠o ist mächtig, sonst wäre der eigensinnige Keller längst nicht mehr bei der Drogenbehörde tätig. – Wir sind auf Seite 44 und wissen, woher Keller kommt, was ihn antreibt und wer seine Freundin ist. Bald wissen wir auch, dass der Onkel ein Drogenbaron ist. Wir lernen seinen Sohn kennen, der das Geschäft bald übernehmen wird, weiters ein Luxus-Callgirl, deren bester Freund ein Bischof ist, und einen ehemaligen Kleinkriminellen, der es über die Jahre zum eiskalten Killer bringen wird.

Sie hält ihr totes Baby in den Armen

Drei Jahrzehnte begleiten wir Keller, diese und andere Menschen, wir lernen das Drogengeschäft, seine Entwicklung und seine Bekämpfung auf unterster und auf höchster Ebene kennen. Auf Seite 616 sind wir wieder beim Prolog angelangt: „Sie hält ihr totes Baby in den Armen.“ Kellers Obsession wird noch persönlicher. Wir nähern uns dem Finale, zwei Jahre und bloß knapp 60 Seiten später erleben wir einen harten Showdown.

Epilog: „Etwa fünfzehn Minuten lang stockte der Drogenfluss.“ Dafür hat Keller sein Leben riskiert. Dafür hat er gelebt und sonst alles aufgegeben.

Unterhaltsam

John le Carré soll einmal von einem deutschen Journalisten gefragt worden sein, warum er bei seinen Fähigkeiten unterhaltsame Romane schreibe, und er soll geantwortet haben: „Warum: Will man sich bei Ihnen nicht unterhalten?“ – „Tage der Toten“ ist ein unterhaltsames Meisterwerk, das einen Teil unserer Welt beschreibt, wie er war und ist. Art Keller mag vielleicht eine unwahrscheinliche Figur sein, aber das sind die der sog. hohen Literatur auch. Und Winslows Roman wird man zu Ende lesen, sobald man mit der ersten Seite begonnen hat.

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