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dilemma, behinderung, gegenwartsliteratur, 2017, behinderun

Die Endlichkeit des Augenblicks

Jessica Koch
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 18.08.2017
ISBN 9783499274237
Genre: Liebesromane

Rezension:

Inhalt:
Als Sam im Biergarten den attraktiven Basti erblickt, merkt sie gleich, dass zwischen ihnen etwas funkt. Ein erster Flirt, das erste Gespräch. Beim Abschied jedoch bleibt Basti sitzen und steht nicht auf, um ihr die Hand zu geben oder sie gar zu umarmen. Das, was auf den ersten Blick unhöflich erscheint, ist seiner Behinderung geschuldet. Basti ist querschnittsgelähmt und sitzt in einem Rollstuhl. Sofort überkommen Sam Zweifel: Wäre eine eventuelle Beziehung nicht voll von Schwierigkeiten, die seine Behinderung ihnen auferlegt? Doch Sam schiebt diese Zweifel beiseite. Sie trifft sich erneut mit Basti und muss feststellen, dass das offensichtliche Handycap nicht der Rollstuhl, sondern eher der beste Freund Josh ist, der ständig an Bastis Seite auftaucht. Denn Josh steckt voller Missmut, düsterer Gedanken und innerer Kälte. Er ist depressiv. Sam begreift bald, dass sie den einen nicht lieben kann, ohne nicht auch den anderen in ihr Leben zu lassen.


Schreibstil:
Wer sich von „Die Endlichkeit des Augenblicks“ eine locker-leichte Liebesgeschichte erhofft, wird enttäuscht werden. Jessica Koch greift auch in ihrem neuen Roman eine sehr schwere Thematik auf und geht nicht zimperlich mit ihren Charakteren um.
Mit Basti lernt der Leser einen sehr lebensfrohen jungen Mann kennen. Auch, wenn ihm das Schicksal in der Vergangenheit nicht unbedingt gut gestellt war und ihn an den Rollstuhl gefesselt hat, lässt er sich nicht unterkriegen. An seiner Seite befindet sich stets sein bester Freund Josh, der mit einer sehr schweren Depression zu kämpfen hat. Schuld soll der Unfall sein, den beide bei einer Mutprobe erlitten haben. Doch auch Joshs familiäres Umfeld trägt stark dazu bei, dass er aus der seelischen Tiefphase nicht mehr heraus gelangen kann.
Während Basti sich mit seinem Schicksal abgefunden hat, ist es Josh, der gedanklich in der Vergangenheit lebt und dem das Ziel fehlt, um weiterzumachen. Er redet sich ein, dass er seinen besten Freund bis zu seinem Lebensende beschützen muss. Vor Verletzungen, nicht nur körperlicher, sondern auch seelischer Art. Das Mädchen aus dem Biergarten erscheint als eine Gefahr. Früher oder später wird sie Basti, ob seiner Behinderung und der damit verbundenen Schwierigkeiten verlassen.
Bald schon werden die Protagonisten, aber auch der Leser merken, dass sich die zwei besten Freunde oft selbst im Weg stehen. Das, was sie für den anderen zu tun bereit sind, schränkt ihre Freiheiten ein. Ihre gegenseitige Aufopferung lässt keinen Platz für eine dritte Person. Diese Tatsache begreift auch Samantha. Wenn sie mit Basti zusammen sein will, dann muss sie Josh an sich heranlassen und der macht es keinem Menschen in seinem Umfeld wirklich leicht ihn zu mögen.
Joshs Art war mir über die Seiten hinweg nicht sympathisch. Seine düstere Weltsicht ist gewiss seiner Depression zuzuschreiben. Einerseits beteuert er, dass er sein Leben für seinen Freund Basti geben würde und andererseits beschimpft er ihn aufs übelste. Er hält im seine Behinderung vor und sagt ihm, dass er niemals eine Freundin bekommen wird, dass er keine Familie gründen kann. An einem Abend trifft sich Sam mit Basti. Es ist eines der ersten Dates. Doch plötzlich steht Josh, mal wieder, vor der Tür. Es ist klar, dass Basti seinen besten Freund nicht der Tür verweisen kann und Sam weiß, dass sie sich in diesem Moment auch nicht zwischen die Freunde stellen kann. Josh wäre zu tiefst beleidigt und hätte das auch mit Worten und vermutlich Konsequenzen klargemacht. Die Drei verbringen also einen Abend miteinander. Als Josh nach Hause geht, ahnt er noch nicht, dass Sam länger da bleiben wird. Am nächsten Tag ist er erzürnt. Man möchte ihn nicht dabei haben. Man grenzt ihn aus. Basti tut sein bestes, um seinen Freund zu beschwichtigen.
Dieses Beispiel ist nur eines von vielen, das aufzeigt, dass das Leben mit Josh alles andere als einfach ist. Doch über die Seiten hinweg schafft der eh schon sehr missmutige und nicht gerade fair handelnde Freund sein Verhalten noch zu eskalieren. Mit seinem Verhalten riskiert er, dass sein „bester Freund“, für den er Anfangs bekundet hat, sein Leben aufzugeben, seinen eigenen Platz einnimmt und zusätzlich zu seiner körperlichen Behinderung auch noch einen seelischen Tiefpunkt erleidet, um selbst das zu bekommen, was ihn vielleicht retten könnte.
Sam hingegen versucht die Freundschaft zwischen Josh und Basti zu kitten und erleidet dann eine Enttäuschung, die ihren guten Willen untergräbt. Ihr guter Wille erst den einen und schließlich dem anderen zu helfen, sorgt dafür, dass sie auch stets jemanden verletzen muss. Auch sie handelt in einigen Situationen stellenweise bewusst zu Bastis Nachteil. Ich habe Basti bewundert für seine Lebensfreude, die die wichtigsten Menschen seines Lebens immer wieder zu zerstören drohen, für seinen inneren Kampf. Sam und vor allen Dingen Josh hingegen habe ich stellenweise verflucht.
Dieses Buch geht einem nahe, es wühlt emotional auf.
Wie auch bei der Danny-Reihe, zeigt die Autorin in ihrem neuen Werk, dass das Vordergründige hinterfragt werden sollte. Dass nicht immer alles so ist, wie es auf den ersten Blick vielleicht scheint. Sie führt den Leser hinter den Vorhang und ihm gefällt in der Regel nicht, was er dort sieht.


Fazit:
Die Endlichkeit des Augenblicks ist alles andere als eine locker-leichte Lektüre für zwischendurch. Vielmehr eine Geschichte, in deren Mittelpunkt eine fatale Ménage-à-trois rund um die Protagonistin Sam steht. Ein Buch das von äußeren wie inneren moralische Grenzerfahrungen erzählt und den Begriff Selbstwert hinterfragt. Es ist nicht leicht das Verhalten der Protagonisten zu verstehen, geschweige denn zu mögen.
Dieses Buch ist nichts für zartbesaitete Leser. Eher für die, die neugierig sind und immer einen zweiten Blick hinter die Beweggründe eines Menschen werfen wollen. Jessica Koch kennt die Welt und ihre Abgründe Sie erzählt aus der Nähe von den Bedingungen des Menschseins und der Natur des Menschen.

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Tags: 2017   (1)
 

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2017

Verzaubert - Gefürchtete Feinde

Anna-Sophie Caspar
E-Buch Text
Erschienen bei Impress, 03.08.2017
ISBN 9783646602937
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt:
Effie und ihre Freunde haben auf der Insel der Priesterinnen des Orakels von Delphi Schutz vor Nathaniel gefunden. Hier bereiten sie sich auf ein erneutes Zusammentreffen mit dem Anführer der Elementare vor. Doch so sicher, wie die Unterkunft auf der Insel scheint, ist sie nicht wirklich. Bald muss Effie feststellen, dass die Pythagoreer, die Priesterinnen und selbst die Phönix-Seele in ihr, ihre eigenen Ziele verfolgen.  

Wichtigste Charaktere:
Effie ist die Protagonistin dieses Romans. Sie ist ein Phönix-Elementar. Sie ist immun gegen die Kräfte anderer Elementare. Mit ihren Tränen kann sie Wunden heilen. Auch ist sie in der Lage Elementare wieder zurück in Menschen zu verwandeln.
Eden ist ein Pegasus-Elementar. Seine Aufgabe ist es Effie zu schützen. Er kann die Erinnerungen seines Gegenübers löschen und/oder verändern. Er trägt ein gefährliches Gift unter seinen Fingernägeln.
Choi ist Effies und Edens bester Freund. Er ist ein Affen-Elementar. Seine Fähigkeit: Er kann Gegenstände vervielfältigen und diese mit Gedankenkraft bewegen.


Aufmachung:
Neben der Geschichte findet der geneigte Leser am Ende des Buches noch ein sehr hilfreiches Glossar.


Schreibstil:
Im dritten Teil begleitet der Leser Effie und ihre Freunde, wie sie ihre Fähigkeiten auf der Insel der Priesterinnen von Delphie im Kampf schulen. Ihre Freizeit verbringen sie mit den Annehmlichkeiten des Insellebens. Sie genießen die Spaziergänge am Strand und köstliche tropische Früchte.
Doch diese Harmonie trügt. Bald muss Effie feststellen, dass die Priesterinnen ein Geheimnis und ihre ganz eigenen Pläne mit Effie und ihrer Elementar-Seele hegen. Egal, wie sie es dreht und wendet, jeder in ihrer Nähe scheint einen Plan zu haben und dieser endet meist darin, dass Effie den Tod finden soll. Als wäre das nicht alles schon schlimm genug, verhält sich auch Eden plötzlich so merkwürdig. Als dann auch noch eine der Priesterinnen beschließt, dass Eden der perfekte Ehemann für sie wäre, weiß Effie: Hier muss sich etwas ändern.
In ihrem dritten Teil der Verzaubert-Reihe trifft der Leser wieder auf die Charaktere, die er auch in Band 1 so lieb gewonnen hat. Effie bezaubert mit ihrer impulsiven, vielleicht etwas chaotischen aber auch zugleich unglaublich sympathischen Art. Zwar handelt die Protagonistin oft ohne über Konsequenzen nachgedacht zu haben, doch im Nachhinein ist sie auch nicht zu stolz, um ihre Entscheidungen/Worte zu hinterfragen. Auch ihre Neugierde trägt nicht selten dazu bei, dass sie in Situationen hineinstolpert, in die sie sonst vielleicht nie gekommen wäre.
Einen eher ruhigen Kontrast dazu bietet Eden, der es sich zum Ziel gemacht hat auf Effie aufzupassen. Er ist immer da, wenn sie mal wieder in einem Problem feststeckt, in das sie versehentlich hineingeraten ist.
Und dann gibt es dort noch Choi, den besten Freund von Eden und mittlerweile auch von Effie. Mit seiner coolen Art entschärft er jede noch so brenzliche Situation. Stets hat er einen lockeren Spruch auf den Lippen und sorgt für den ein oder anderen Schmunzler.
Überhaupt merkt man diesem dritten Band die Freude der Autorin an, die sie beim Verfassen ihrer Geschichte hatte. Nicht selten fließt ein wenig Humor mit in die Zeilen, der der Geschichte die letzte Würze verleiht.
Im zweiten Teil dieses dritten Bandes geht es dann zur Sache. Effie und ihre Freunde müssen sich ihrem Feind stellen. Viele Romane scheitern an so einem Endkampf. Nicht so Anna-Sophie Caspars. Auch hier bleibt es abenteuerlich und zugleich spannend.
Das Ende des Buches ist dann letztlich wie „nach Hause zu kommen“. Zwar müssen die Charaktere auch Opfer bringen, doch letztlich gibt es ein Ende, mit dem es sich gut abschließen lässt und dass die Erinnerungen an „die gute alte Zeit“ noch einmal Revue passieren lässt.


Fazit:
Anna-Sophie Caspar hat mit diesem dritten Band alles richtig gemacht. Verzaubert – Gefürchtete Feinde enthält ein Glossar, welches Lesern, die nach einer längeren Lesepause wieder in die Geschichte eintauchen, zur Hand geht.
Auch die bereits ins Herz geschlossenen Charaktere finden genügend Platz. Ein dramatischer Plot, in dem die Figuren sich weiterentwickeln, spart man hier nicht aus. Für mich war es, als würde ich alten Freunden wieder begegnen und mit ihnen eine schöne Zeit auf der Insel verbringen. Doch der Schein trügt. Bald wird die gute Laune und die Harmonie überschattet. Schnell stellt sich heraus, dass Effie auf den folgenden Metern mannigfaltige Gefahren zu überstehen haben wird.  
Spannung, gut inszenierte Dialoge, feinsinniger Humor und eine gekonnte Charakterzeichnung der Hauptfiguren machen jede Seite lesenswert.
Das Ende war, trotz der Opfer, die die Charaktere bringen mussten, für mich wie nach Hause zu kommen.
Eine Fantasyreihe, die ich sehr gerne an Leser dieses Genres weiterempfehlen möchte.

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Tags: 2017   (1)
 

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these broken stars, verrat, 2017, fremde welten, weltraum

These Broken Stars - Sofia und Gideon

Amie Kaufman , Meagan Spooner , Stefanie Frida Lemke
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.07.2017
ISBN 9783551583710
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Sofia, eine Hochstaplerin, deren Plan es ist den Tod ihres Vaters zu rächen und Gideon, ein begnadeter Hacker, lernen sich auf einer Party von LRI-Besitzer Roderick LaRoux kennen. Ein unglücklicher Zwischenfall sorgt für Aufruhr. Da sowohl Sofia als auch Gideon nicht mit ehrwerten Absichten als Gäste geladen waren, planen beide ihre Flucht. Jedoch fallen sie beim Versuch das Gebäude zu verlassen den Sicherheitskräften unangenehm auf. Gezwungenermaßen müssen beide zusammenarbeiten und begreifen schon bald, dass sie ähnliche Ziele verfolgen.


Die Welt:
These Broken Stars – Sofia und Gideon spielt auf dem Planeten Corinth. Dem Hauptsitz von LaRoux Industries. Verschiedene Wohnebenen zeugen vom Status der Bewohner. So findet sich z.B. im „Untergeschoss“ die Welt der Slums, in denen es an jeder Ecke nach Streetfood, aber auch Abgasen riecht und in denen man gut in einem verlassenen Gebäude Unterschlupf finden kann. In der „Uppercity“ hingegen kann sich ein Bewohner seinen Drink von einem durch die Luft fliegenden „Smartwaiter“ liefern und von dem Smartglas seines Penthouses einen der Stimmung angepassten Sternenhimmel vorgaukeln lassen.
Mit Hilfe von Hologrammen kann man in eine völlig andere Welt abtauchen. Das Verreisen erscheint nicht mehr notwendig.
Die Planeten dieser Welt befinden sich in einem unterschiedlichen Entwicklungsstatus. Einige davon werden derzeit terraformiert. Ein Prozess, der das selbstständige Leben auf ihrer Oberfläche möglich machen soll. Andere sind bereits so eingerichtet, dass ohne Hilfe von außen eine selbständige Zivilisation gegründet werden kann. Reisen werden nicht selten in Raumschiffen unternommen.


Schreibstil:
Roderick LaRoux, mächtigster Inhaber der Galaxie, veranstaltet unter anderem im Holopark des LRI-Gebäudes Veranstaltungen, die zum Entspannen und Spielen einladen. Hier können die Teilnehmer mithilfe der Hologramme in eine andere Welt abtauchen und das gratis.
Auf eben einer dieser Parties befindet sich Sofia, um ihre Kontaktfrau zu treffen. Sofia möchte den Tod ihres Vaters, für den Roderick LaRouxs verantwortlich zeichnet, rächen. Doch ihr Plan gerät ins Wanken, als ein junger Mann Blickkontakt zu ihr aufnimmt. Er arbeitet an einem Laptop und als er den Stecker aus der Ladestation zieht, verschwinden plötzlich die Bilder um sie herum. Zurück bleibt ein karger Raum. Bald schon haben Gideon und Sofia die Aufmerksamkeit des Sicherheitspersonals auf sich gezogen und eine rasante Verfolgungsjagd beginnt.
Diese Verfolgungsjagd ist es, die den Leser an die Seiten des Romans fesseln wird. Spannend und konfliktreich versuchen Gideon und Sofia, jeder für sich, ihre Pläne umzusetzen. Jedoch stehen zu viele Geheimnisse und Lügen zwischen ihnen.
Die Charakterentwicklung von Gideon und Sofia ist dem Autorenteam A. Kaufmann und M. Spooner sehr gut gelungen. Als Leser begleiten wir hier einen Computernerd, der sein Handwerk bis zur Perfektion beherrscht. Alleine mit seiner technischen Fähigkeit und nicht mit strategischem Geschick, wie es z. B. Jubilee und Tarver in den Vorbänden genutzt haben, stellt er sich Konflikten. Sofia hingegen ist eine begnadete Lügnerin. Mithilfe ihrer Menschenkenntnis gelingt es ihr oft Situationen vorherzusehen. Sie zieht nicht selten sehr geistreiche Schlussfolgerungen und überrascht damit den Leser und auch ihr Gegenüber mit ihrer Intelligenz.
Ab der Hälfte des Romanes werden die altbekannten Charaktere aus den Vorbänden mit den Geschehnissen verwoben. Tarver und Lilac sowie Flynn und Jubilee geraten an dieser Stelle ebenso in den Fokus wie Gideon und Sofia. Ihre Beweggründe werden dem Leser näher gebracht, ihre Rolle in der Geschichte wird noch einmal fokussiert. Auch die Motivation, die jeden antreibt sowie die Konflikte, mit denen jeder für sich zu kämpfen hat, werden näher betrachtet.
Letztlich wird es ein Ende geben, welches die drei Geschichten, die die Leser bislang mitverfolgen durften, zu einem schlüssigen Ende führt.


Fazit:
Der Abschlussband der These Broken Stars-Reihe „Sofia und Gideon“ überzeugte mich mit dem rasanten und spannenden Einstieg. Auch taucht wieder Personal mit realem, lebensweltlichem Hintergrund auf (Computernerd trifft auf Hochstaplerin). Jede der Figuren bildet ein menschliches Extrem. Interessant ist auch die Entwicklung des wackligen Vertrauensverhältnisses zwischen ihnen.
Ab der Hälfte des Romans verliert die Handlung jedoch an Schnelligkeit. Auch die Einführung der bereits aus Band eins und Band zwei bekannten Protagonisten als Nebencharaktere sorgt dafür, dass der Fokus nicht mehr nur auf Gideon und Sofia liegt.
Das Pläne schmieden, aber auch die einzelnen Beweggründe der Charaktere nehmen der Handlung die Geschwindigkeit. Die Auflösung wird zu einem schlüssigen Ende geführt, welches große Fragen wie „gibt es einen freien Willen?“ zu klären versucht.


Buchzitate:
Ich sollte vorschlagen, dass wir für heute Abend aufhören – dass wir die Decken wieder aufteilen und uns beide in unserer jeweiligen Ecke schlafen legen, das Licht ausschalten und diesen Ort wieder dem Staub und der Dunkelheit überlassen. Aber ich tue es nicht.
Also nehme ich die Brechstange aus dem Rucksack – ich frage mich, was normale Menschen eigentlich stattdessen im Rucksack haben – und hebele die Tür auf.

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Tags: 2017   (1)
 

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fantasy, königin, tearling, krieg, geschichte

Die Königin der Schatten - Verbannt

Erika Johansen
E-Buch Text: 600 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 13.06.2017
ISBN 9783641165284
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt:
Kelsea befindet sich in der Gefangenschaft der roten Königin. Im Kerker fristet sie ihr Dasein, während der Anführer ihrer Wache Mace sich seiner übertragenen Aufgabe als Regent und Interimsherrscher über Tearling stellt. Mace Gedanken drehen sich ständig um die Frage, wie er seine Königin befreien kann. Nebenher muss er die verschiedensten Herausforderungen meistern. Weiterhin verschwinden spurlos Kinder. Daran Schuld ist ein Mann namens Row Finn, auch genannt „die Waise“, die im Hintergrund seine Pläne schmiedet und eine Legion aus eben diesen Kindern heranzüchtet. Der Avath integriert und versucht Steuerfreiheit für die Kirche durchzusetzen. Hierfür ist ihm jedes Mittel recht. Auch möchte Mace sich dringend um das Problem der Unterwelt von Tearling kümmern. Die Ernte droht auszubleiben und zu allem Überfluss gelang der gefährlichen Hexe Brenna auch noch die Flucht aus den königlichen Kerkern.
Kelsea muss sich erneut mit der Vergangenheit ihres Königreiches auseinandersetzen. Erneut gerät sie an ihre körperlichen und seelischen Grenzen. Hat sie die richtigen Entscheidungen getroffen, als sie den Handel mit der roten Königin eingegangen ist? Was kann sie tun, um ihr geliebtes Tearling vor den Gefahren, die sich erneut anbahnen, zu retten?


Kernaussage:
Erika Johansen stellt sich und dem Leser in ihrem Roman „Die Königin der Schatten“ die Frage, ob der Mensch letztendlich immer nur an sich selbst und seine Nächsten denkt oder ob eine bessere Welt möglich ist. Auch in Band drei erfährt der Leser mehr über den Konflikt der Königreiche Tearling und Mortmesme sowie dessen Wurzeln. Zugleich taucht er mit Kelsea in die Geschichte ihres geliebten Landes ab. Er erfährt mehr über die Geschichte ihrer Vorfahren und darf sich bald fragen, ob der Weg in eine bessere Zukunft durch individuelle oder kollektive Katastrophen führen muss. Der Text zeigt den Schmetterlingseffekt, auf den auch explizit anhand der Verstrickung der Lebensgeschichten der Protagonisten hingewiesen wird.


Schreibstil:
Band zwei von Erika Johansens Trilogie „Die Königin der Schatten“ endete bereits mit einem Cliffhanger. Kelsea hat sich freiwillig der roten Königin ausgeliefert und das Schicksal von Tearling in die Hände ihrer treuesten Wache Mace gelegt.
Band drei beginnt der Leser aus der Sicht des Fetches. Eines geheimnisvollen und interessanten Charakters, der sich hinter einer Maske versteckt und sich immer wieder auf die Seite der Tearlingkönigin gestellt hat. Ja sogar eine kleine Liebesgeschichte konnte man durch zaghafte Andeutungen in Band zwei vermuten. Wieder einmal scheint der Fetch bereits einiges über die Hintergründe der Geschehnisse zu wissen und wieder einmal scheint er seine Fäden zu spinnen.
Währenddessen befindet sich Kelsea in der Gefangenschaft der roten Königin. Im Kerker kämpft sie um ihr Wohlergehen, während Mace an der Heimatfront kaum Zeit hat Pläne zu schmieden, wie er seiner Königin zur Hilfe eilen kann. Denn Tearling hat mit neuen und alten Feinden zu kämpfen und dieser Kampf droht erneut zu eskalieren.
Dieser Anfang des Buches klingt vielversprechend. Für mich galt es in diesem Roman viele Fragen zu klären. Allen voran: Was wird aus Kelsea, was wird aus Tearling? Aber auch die Geheimnisse rund um den Fetch wollte ich geklärt wissen. Hinzu kamen neue Fragen: Wer ist eigentlich Row Finn? Welche Rolle übt er in Band drei aus. Zugleich erfährt der Leser schon zu Anfang, dass auch die königliche Krone wieder aufgetaucht zu sein scheint. In wessen Händen befindet sie sich und welche Macht geht von ihr aus und wer wird diesen Kopfschmuck letztlich tragen?
Über die Seiten des Buches hinweg musste ich feststellen, dass die Autorin ihre Geschichte gemächlich erzählt. Viele Handlungsstränge wurden in eine Richtung geführt, die ich nicht erwartet hätte und die meinen Erwartungen auch nicht gerecht wurden. Gerade zum Ende des Romans empfand ich einige der „Lösungen“ als zu erzwungen, Entscheidungen und Handlungen der Protagonisten als zu konstruiert.
Wie auch in Band zwei taucht der Leser in dem Abschlussband mit Kelsea in die Vergangenheit ab. Dieses Mal verfolgt er die Geschehnisse nicht aus der Perspektive von Lily, sondern aus dem Gesichtskreis eines neuen Charakters namens Katie. Während der Zweitplot rund um Tearlings Geschichte sich im Vorgänger als durchweg spannend gestaltete, verlor er in Band drei für mich ein wenig an Reiz. Auch hier entwickeln sich die Geschehnisse gemächlich. Jedoch trugen sie letztlich dazu bei den Handlungsstrang zu einem schlüssigen Ende zu führen.
Offene Fragen hat die Autorin zum Ende hin (teils sehr rasch) geklärt. Die einzige Frage, die letztlich noch bleibt, ist die, ob wir nicht alle Opfer und Täter zugleich sind. Ist es die Vergangenheit, die die Zukunft prägt? Ist ein Leben in Frieden und Harmonie überhaupt möglich?


Fazit:
Die Königin der Schatten gehört für mich zu den besten Fantasytrilogien, die ich bislang gelesen habe. Somit freute ich mich sehr auf den dritten Band, auf Antworten auf all die offenen Fragen. Band drei klärte zwar alle Fragen, jedoch werden die viele Stränge manchmal nicht überzeugend zusammenführt. Die feinen Charaktermomente, welche die Vorbände dominierten, kommen hier oft zu kurz. Das etwas überstürzte Ende, eine Spur Vorhersehbarkeit und hier und da etwas zu wenig Tiefe, verhindern daher eine absolute Topbewertung.
Dennoch möchte ich diese Reihe weiterempfehlen. Denn sie überzeugt mit einer Botschaft. Ein Buch für alle, die Romane begeistern können, die nicht gerade von Fantasielosigkeit strotzen, aber trotzdem Inhalte transportieren, über die es sich auch in unser Welt nachzudenken lohnt.

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familie, contemporary, 2017, freundschaft, pubertä

Hier stirbt keiner

Lola Renn
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 22.06.2017
ISBN 9783733503253
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Annikas Bruder Marek zieht nach Amerika. Sie selbst bleibt zurück mit ihren ständig streitenden Eltern, der besten Freundin, die bei Jungs und auch im Leben allgemein viel besser ankommt und mit Chris, Mareks bestem Freund, der demnächst auf die Filmhochschule in München gehen möchte. Annika fühlt sich unsagbar alleine. Die Eltern, der Bruder und auch die Freundin sind jeweils mit ihrem eigenen Leben beschäftigt. Nur Chris nimmt sich Zeit, er versteht sie, wenn beide nur schweigen und plötzlich ist da dieses Gefühl ihn küssen zu wollen.

Schreibstil:
Die Geschichte von Annika spielt in der Hochsommerzeit. Flirrende Hitze, die Sehnsucht nach ein wenig Kühle und eine leichte Trägheit, die sich im Schreibstil wiederspiegelt, erwarten den Leser. Lola Renn arbeitet mit kurzen Sätzen und knappen Dialogen. Oft wird nur mit einem „Mhm“ geantwortet.
Annika selbst befindet sich im Teenageralter. Ihr Bruder Marek, eine bislang sehr enge Bezugsperson, verlässt die Familie und zieht nach Amerika. Dort beginnt er ein neues eigenes Leben und meldet sich nur noch sporadisch via Videochat. Von einem auf den anderen Tag wird Annika mehr oder weniger aus seinem Leben ausgeschlossen. Auch der ständige Streit zwischen den Eltern erreicht eine neue Eskalationsstufe. Das schwierige Alter, aber auch die Situation zu Hause, sorgen dafür, dass Annika oft unzufrieden wirkt. Auch in der Schule erwartet das Mädchen nicht viel Freude. Die Lehrerin geht mit den Jugendlichen eher rücksichtslos um. Sie hat an jedem etwas zu meckern. Und dann gibt es da noch Annikas beste Freundin Theresa, die im Leben viel mehr Erfolg hat als sie. Bei ihr scheint alles rund zu laufen. Sie ist selbstbewusst, so kann sie sich den Jungen aussuchen, mit dem sie gerne eine Beziehung haben will. Sie zeichnet bewundernswerte Zeichnungen und hat sogar eine eigene Sparte in einer Onlinezeitung bekommen, die sehr gut läuft.
Lediglich Chris, der beste Freund von Annikas Bruder, bietet Annika einen Ruhepol. Bei ihm kann sie einfach sein wie sie ist. Mit ihm ist alles unkompliziert. Er scheint sie zu verstehen, er fragt nicht nach, wenn Annika über eine Situation nicht sprechen möchte, hört ihr jedoch zu, wenn sie ihm von Problemen berichtet. Mit Chris kann Annika „abhängen“ und für einige Zeit das schwierige Leben vergessen.
In Annikas Leben geschieht einiges. Jedoch wirkt es auf den Leser oft alltäglich. Gerade zu Anfang fällt es schwer einen roten Faden zu erkennen und auszumachen, wohin die Geschichte geht. So verfolgt man Annika und ihren Vater bei der Gartenarbeit, liest von der Notenverteilung in der Schule und verbringt einen Abend mit ihr und der besten Freundin. Die Randcharaktere bleiben gerade zu Anfang blass.
Im Laufe der Seiten kristallisiert sich jedoch die ein oder andere Aussage heraus. So gibt es dort zum Beispiel die beste Freundin von Annikas Mutter, die Annikas Gefühle stets mit einem Lächeln und einem Schulterzucken abtut. Annika ist halt ein Teenager. Die sind schwierig und oft nicht zu verstehen. Ist das so? Als Leser weiß man es besser, denn man liest die Geschichte ja aus Annikas Gesichtskreis und hier wird die äußere Handlung zur Innenperspektive. Auch der ein oder andere kleine Funken an Eifersucht, den Annika verspürt, wenn sie sieht, wie einfach andere Menschen durchs Leben gehen, weil sie sich einfach nehmen, was ihnen beliebt, ist für den Leser durchaus nachvollziehbar.
Lola Renn zeigt mit ihrem Roman auf, wie sich das Leben eines Jugendlichen von einem auf den anderen Tag verändern kann, wenn plötzlich um ihn herum neue Lebensabschnitte begonnen werden. Mit ihrem Schreibstil, allein durch ihre Worte, vermittelt sie eine besondere Stimmung. Trägheit, Wut und Unzufriedenheit, die erste Liebe, Hormone, die verrückt spielen, aber auch die Leichtigkeit der Jugend, die auch mal ungezwungen die Schönheit des Lebens kosten kann, gibt sie in diesem Roman wieder.

Fazit:
Hier stirbt keiner ist eine Geschichte auf die man sich einlassen muss. Ein träger Erzählton, in dem alltägliche Unterhaltungen wiedergegeben werden, durchzieht die Geschichte. Der Roman scheint jedoch nur auf den ersten Blick trivial, es handelt es sich vielmehr um einen Coming-of-Age-Roman, der in vielerlei Hinsicht überrascht.
Über die Seiten hinweg kristallisiert sich die Aussage der Geschichte heraus. Lola Renns Talent besteht besonders darin, auf scheinbar banalem Weg die Abgründe, die sich unterhalb der Oberfläche einer Teenager-Existenz auftun, zu beleuchten.
Annika ist mitten drin: In der Zeit des Erwachsenwerdens. Da, wo man die erste Liebe findet, wo es aber auch heißt von alten Gewohnheiten Abschied zu nehmen und einfach nur nach vorne zu blicken.
Ich empfehle dieses Buch Lesern, die nicht unbedingt eine fesselnde und spannende Geschichte suchen, sondern sich in eine sommerlich heiße Welt katapultieren lassen wollen und zugleich das Gefühl der Jugend mit all ihren Schwierigkeiten und Veränderungen verspüren möchten.


Buchzitate:
„Meine Kleine ist auch so ein Monster“, sagt der Kerl. „Guckt immer nur missbilligend und redet kein Wort.“ „Die Pupertät“, trällert Lisa. „Verdirbt die liebsten Kinder.“ Wie ich diese Frau hasse.

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mona kasten, liebe, feel again, monakasten, feelagain

Feel Again

Mona Kasten
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 26.05.2017
ISBN 9783736304451
Genre: Liebesromane

Rezension:

Inhalt:
An einem Abend mit Freunden fängt Sawyer an sich zu langweilen. Mit den meisten der anwesenden Jungs hat sie bereits eine Nacht verbracht. Der Ruf, der ihr hinterher eilt, ist nicht der beste. Doch Sawyer steht über den Sprüchen der Mädchen – zumindest vordergründig. Als sie sich umschaut, erblickt sie den schüchternen Isaac, der sich gerne in Jeanshemden und bunten Fliegen mit Punkten darauf kleidet. Sawyer gesellt sich zu ihm und erfreut sich daran, wie dieser im Gespräch schüchtern rot wird. Erst als einige Mädchen über ihn spotten, wird sie zornig. Dieser Moment sorgt dafür, dass sich beide im Gespräch näher kommen.
Wenige Tage später muss sich Sawyer in der Schule die Frage stellen, welche Fotomontage sie für ihre Abschlussarbeit im Studienfach Fotografie präsentieren wird. Da kommt ihr eine Idee. Sie schlägt Isaac einen Deal vor. Sie wird ihm dabei helfen, eine äußerliche und auch innerliche Verwandlung zu durchlaufen. Isaac wird danach jedes x-beliebige Mädchen daten können. Dafür darf Sawyer wiederum Vorher-Nachher-Fotos von ihm machen und diese für ihr Schulprojekt verwenden.


Wichtigste Charaktere:
Isaac ist ein typischer Nerd. Er arbeitet in einem Computerfachhandel, trägt Brille, Hemden und dazu eine farbenfrohe Fliege am Hals. Bei Gesprächen mit Frauen wird er schnell unsicher.
Sawyer hat neben ihrer Schwester und ihrer Mitbewohnerin und Freundin Dawn keine Bezugspersonen. Sie ist ein Einzelgänger. Ihr Auftreten ist selbstbewusst. Stets hat sie einen passenden Spruch auf den Lippen oder kann sich mit bösen Blicken zur Wehr setzen.


Schreibstil:
Mit den Charakteren Isaac und Sawyer hat die Autorin in diesem Buch zwei sehr gegensätzliche Figuren erschaffen. Während Isaac eher schüchtern und zurückhaltend ist, weiß Sawyer sich durchzusetzen. Isaac hatte bislang nur eine Freundin, Sawyer hingegen bringt stets einen anderen Jungen mit ins Wohnheim.
Über die Seiten hinweg, ermöglicht die Autorin dem Leser einen Blick hinter die Fassade ihrer Figuren. Es stellt sich heraus, dass Sawyer in Wahrheit sehr unsicher ist. Ihr Verhalten ist eine Fassade, um nicht verletzt zu werden. Isaac hingegen ist sehr wählerisch bei der Wahl seiner Bekanntschaften. Sawyer gegenüber lernt er sich zu öffnen. Sie verleiht ihm die mentale Stärke, die ihm zuvor gefehlt hat. Beide Figuren unterlaufen eine bemerkenswerte individuelle Persönlichkeits- und Charakterentwicklung.
Auch in Feel Again schreibt die Autorin wieder im gewohnt locker-leichtem und fesselnden Schreibstil. Ihr gelingt es die Erlebnisse von Sawyer und Isaac so bildlich darzustellen, dass der Leser direkt in die Geschichte gezogen wird.
Die kleinen Marotten der Charaktere sind es, die für eine Prise Humor sorgen. Wenn Sawyer z. B. Isaac in seiner Wohnung besucht und seinen Mitbewohner trifft, ist bald schon klar: Isaac ist nicht der einzige Nerd in der Geschichte. Beim Kleiderschrank Entrümpeln findet sich nicht nur die „klassische Garderobe“ wieder sondern auch das ein oder andere Kostüm. Eine rote Zipfelmütze und ein Schwert hat doch jeder Nerd im Schrank, oder? Mag der Leser denken, dass nur Frauen bei Liebeskummer laut vor sich hin singen, auf dem Tisch tanzen und die Sachen des Ex-Freundes durch die Wohnung werfen, dann hat er noch nicht Isaacs Mitbewohner kennengelernt.
Während der erste Teil des Romans sich mit dem Kennenlernen der beiden Protagonisten sowie dem Fotoprojekt von Sawyer beschäftigt, witmet sich der zweite Teil des Romans der familiären Situation beider Charaktere. Hier lernt man Isaac und seine Großfamilie kennen und begleitet Sawyer bei den Vorbereitungen für die Hochzeit ihrer Schwester. Beide Figuren werden in diesem zweiten Teil mit Konflikten innerhalb ihrer Familie konfrontiert. In erster Linie ist es jedoch Sawyer, die sich mit ihren Ängsten auseinandersetzen muss.
Auch im dritten Teil ist es so, dass die Autorin ihre Randcharaktere sehr detail- und facettenreich erschaffen hat. Sie alle wirken mit ihren kleinen Spleens und Liebenswürdigkeiten sehr sympathisch. Erneut trifft der Leser hier auf alte Bekannte aus den Vorbänden. Gerade Dawn erhält als beste Freundin eine starke Randcharakterrolle. Der Aufbau des Romans ist jedoch so gestaltet, dass auch dieser Roman unabhängig von den Vorgängern gelesen werden kann.


Fazit:
Feel Again punktet mit zwei sehr interessanten Charakteren. Die Kombination Bad Girl trifft auf Nerd habe ich bislang noch nicht so häufig lesen dürfen. Es machte mir viel Spaß das emotionale und äußerliche Makeover der beiden Protagonisten zu beobachten, in ihren Alltag einzutauchen und auch die Randcharaktere genauer kennenzulernen.
Wiedereinmal gelingt es Mona Kasten mit ihrem dritten Band Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt und Lebensfreude an den Leser weiterzugeben.
Ich empfehle Feel Again an Fans dieser Buchreihe, gleichermaßen aber auch an Leser, die einen schönen Liebesroman wider der klassischen Rollenverteilung suchen.

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haitianer, totenkult, puerto ricanisc, heidnische religionen, urbane magie

Stadt der tanzenden Schatten

Daniel José Older , Sophie Zeitz
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 26.05.2017
ISBN 9783551583604
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Auf dem verlassenen Rohbau eines fünfstöckigen Turms vervollständigt Sierra in jeder freien Minute ihre Graffiti-Zeichnung. Neben einer perfekten Zeichnung von Papa Acevedos, einem guten Freund ihres Großvaters, prangt dieses gigantische Bildnis ihres Drachen. An einem dieser Tage jedoch bemerkt Sierra eine Veränderung. Papa Acevedos Bild scheint zu verblassen. Seine Lippen hängen herab und eine Träne rinnt über seine Wange. Kann das sein?
Seit seinem Schlaganfall sitzt Sierras Großvater Lázaro nur noch in seinem Zimmer. Kein zusammenhängendes Wort kommt mehr über seine Lippen. Dennoch besucht ihn die Enkelin regelmäßig. An einem der guten Tage spricht Lázaro eine Warnung aus. Sierra ist überrascht. Deutlich gibt er zu verstehen, dass sich das Mädchen mit dem stillen Zeichner und Klassenkameraden Robbie zusammentun soll, um ihre Zeichnung zu vervollständigen. Denn wenn nicht, sind bald alle verloren.


Die Welt:
Daniel José Older siedelt seine Geschichte in Brooklyn an. Eine soziale Umgebung, die von gewalttätigen Mitteln geprägt ist. Die Protagonistin Sierra ist puertoricanischer Abstammung. Sie trägt einen Afro, dazu Faltenrock, Springerstiefel und ein T-Shirt mit abgerissenen Ärmeln. Ihre beste Freundin Benni hingegen hüllt sich in eine Bügelfaltenhose, Button-Down-Hemd und Hornbrille. Dennoch wirken beide Protagonisten ziemlich cool. Sie besuchen in ihrer Freizeit Partys, auf denen Emo-Rock und Hiphop gespielt wird und Beatbox- und Freestylebattles die Zeit vertreiben.
Ihre Zeit verbringt Sierra gerne in der Nähe eines alten Schrottplatzes. Hier sitzen die Freunde von ihrem Großvater an einem Tisch und spielen Domino. Sierra hingegen witmet sich gerne ihrer Graffiti-Zeichnung am verlassenen Rohbau des nahestehenden fünfstöckigen Turms.
Überhaupt vermittelt Daniel José Olders Geschichte einen so ganz anderen Flair als handelsübliche Jugendbücher. Hier achtet die Jugend die Alten und ihre Ahnen. Die Freunde von Sierras Großvater sind keineswegs gebrechlich, sondern haben es stattdessen faustdick hinter den Ohren. Sie nennen sich die Domino-Krieger. An ihrem Stammtisch bleibt stets ein freier Platz für die ausgeschiedenen Teilnehmer der Runde erhalten. Auch Ermittlungen unternimmt Sierra im weiteren Verlauf gerne mit einem von Großvaters Freunden. Während das junge Mädchen eher planlos voranschreitet, scheut der Alte vor schnellen Autofahren, Lügen und Ideen, die die Polizei in die Irre führen, nicht zurück.


Schreibstil:
An Daniel Josés Schreibstil musste ich mich gewöhnen. Des Öfteren liest man spanische Sätze, die die puerto-ricanische Abstammung der Protagonistin und ihrer Verwandtschaft vergegenwärtigen. Die Art, wie die Charaktere miteinander umgehen, war interessant zu beobachten. Ganz besonderen Wert legt man in Sierras Umfeld auf die verstorbenen Ahnen. Alt und Jung bringen sich gegenseitig Respekt entgegen. Dass Manny, ein Freund ihres Großvaters gemeinsam mit den Jugendlichen „abhängt“ und ein Graffiti vervollständigt, ist normal. Am Küchentisch werden intergenerationell Themen wie Patriarchat, Rassenidentität und moralische Dilemmata behandelt.
In "Stadt der tanzenden Schatten" erwachen die gezeichneten Graffiti zaghaft zum Leben. Ihre Farben verblassen, die Mundwinkel ziehen sich nach unten, sogar eine Träne löst sich aus dem Auge eines Bildnisses. Erst fragt sich Sierra, ob sie sich diese Veränderung einbildet. Doch nach und nach stellt sich heraus, dass mehr hinter den Geschehnissen steckt. Auf Ratschlag des Großvaters unterhält sich das Mädchen mit dem stillen Mitschüler Robbie. Gemeinsam mit ihm soll sie die Zeichnungen am Turm vervollständigen. Robbie und Sierra kommen sich näher. Eine zaghafte Freundschaft entspinnt sich. Eine Liebesgeschichte wird angedeutet. Auch, wenn Sierra bald den Drang verspürt Robbie zu küssen, so werden Leser, die sich nach einer emotionalen Geschichte sehnen, hier eher enttäuscht werden. Im Fokus der Geschichte steht eher das Lösen von Rätseln, Ahnenforschung und ein Abenteuer. Weniger fesselnde Gefühle.
Mit einer Äußerung ihres aufgrund eines Schlaganfalls verstummten Großvaters beginnt für Sierra ein großes Rätsel. Sie erblickt ein mysteriöses Foto, auf dem sie jemanden wieder entdeckt, der ihr zuvor in einer ziemlich furchteinflößenden Erscheinung begegnet ist. Einige der Gesichter sind merkwürdig verschmiert. Sierra hört von den Schattenbildnern und außerdem verspricht der Großvater, dass „Lucera“ Sierra helfen wird. Wer oder was ist Lucera, was sind die Schattenbildner? All das wird Sierra über die Geschichte hinweg erforschen. Auch scheinen es die bösen Kreaturen, die plötzlich vermehrt auftauchen auf sie und Robbie abgesehen zu haben.


Fazit:
Mit der Protagonistin Sierra und dem Setting in der puertoricanischen Gemeinde fügt Daniel José Older dem Genre Jugendbuch interessante neue Facetten hinzu. Ahnenforschung, Rassenidentität, aber auch zwischenmenschliche sowie intergenerationelle Solidarität werden hier behandelt. Die fantastische Komponente lebt von der Idee, dass Graffiti-Zeichnung zum Leben erwachen. Ein Großteil der Handlung wird durch die Ermittlungen von Sierra bestimmt, die zu begreifen versucht, warum sich ihre Welt von einem Tag auf den anderen so verändert.
Ich empfehle dieses Buch Leser/innen, die in eine etwas andere Welt abtauchen möchten und sich nach Neuem auf dem Jugend-Fantasy-Markt sehnen.

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magie, spiel, caraval, fantasy, liebe

Caraval

Stephanie Garber , Diana Bürgel
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.03.2017
ISBN 9783492704168
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt:
Das Festival Caraval verspricht die magische Erfüllung von Wünschen, Abenteuer und Freiheit. Es ist ein Spiel in einer magischen Welt. Dessen Protagonisten balancieren zwischen Zauber und Wirklichkeit, wobei die magische Welt absolut nicht ungefährlich ist. Illusion oder Realität? An mancher Stelle kann man als Spieler durchaus mal ins Wanken geraten: Ist es etwa doch Realität, was wir da sehen? Über Jahre hinweg bewirbt sich Scarlett vergebens. So gerne würde sie mit ihrer Schwester das legendäre Spiel besuchen. Doch nie erhält sie eine Antwort. Als Scarlett heiraten möchte, begräbt sie das Projekt. Doch zur Unzeit erhält sie doch noch eine Antwort. Drei Karten liegen einem Einladungsschreiben bei.


Wichtigste Charaktere:
Scarlett moralisch sehr gefestigt. Sie denkt nach, bevor sie handelt. Risiken geht sie ungern ein.
Tella ist das genaue Gegenteil ihrer Schwester. Sie ist wagemutig und hält sich nicht gerne mit irgendwelchen Skrupeln auf.
Scarlett erwischt eines Tages ihre Schwester Tella und den attraktiven Seemann Julian bei einem Techtelmechtel. Julian ist selbstbewusst, ruchlos und wirkt nicht gerade vertrauenswürdig.


Die Welt:
Mit dem Erreichen der Insel auf der Caraval dieses Jahr stattfinden soll, betritt der Leser gemeinsam mit Scarlett eine magische und zugleich geheimnisvolle Welt. Hier gibt es Läden, in denen man Brillen kaufen kann, mit denen ein Blick in die Zukunft gelingt. Es gibt Geschäfte, die Flaschen mit Träumen anbieten. Die schönsten Kleider kann man im Gegenzug für ein Geheimnis oder einen Tag seines Lebens erwerben.
Die Warnung, die Scarlett gleich zu Beginn von einem der Darsteller erhält ist eindringlich:
Ihr könnt Magie aus einer Tasse trinken und Träume in Flaschen kaufen. Doch bevor ihr ganz und gar in unsere Welt eintaucht, erinnert euch daran, dass alles nur ein Spiel ist.
Buchzitat Seite 80
Das Mädchen mit dem Einrad, weist darauf hin, dass Caraval aus Illusionen besteht. Es wird schwer werden Realität und Fiktion auseinanderzuhalten. Wie Recht sie damit hat, mögen Scarlett und der Leser anfangs nur erahnen und bald schon am eigenen Leib erfahren.


Schreibstil:
Kurz nachdem Scarlett einen Brief vom Caraval-Master Legend erhalten hat, in dem er ihr Einladungskarten für eines seiner Spiele zukommen lässt, erwischt Scarlett ihre Schwester Tella bei einem heimlichen Techtelmechtel mit dem Seemann Julian. Dieser ist attraktiv, selbstbewusst, ruchlos, fern jeder Moral und mit der geringsten Hemmschwelle. Kurz: Er ist das perfekte Abenteuer für die lebensbejahende und spontane Tella. Der hinzukommende Vater, der grausame Governor der Insel Trisda, fordert eine Antwort von den beiden Schwestern, wer von den beiden sich ausgerechnet diesen Mann als Liebhaber ausgesucht hat. Beide streiten die Wahl ab. Der cholerische Vater verteilt Schläge an Tella und weist Scarlett darauf hin, dass ihr Verlobter bald erscheinen wird und die Hochzeit in wenigen Tagen stattzufinden hat.
Für Scarlett ist klar, dass die Reise nach Caraval nicht stattfinden darf. Sie verschenkt ihre Karten an Julian und ihre Schwester für eine Flucht vom Vater. Doch der Plan geht so ganz anders auf, als Scarlett sich das gedacht hat.
Scarlett ist ein Mädchen, das im Gegensatz zu ihrer Schwester viel überlegter handelt. Sie ist moralisch gefestigt, glaubt an die große Liebe zu dem Grafen, dem sie versprochen ist und den sie bislang nur durch Briefe kennenlernen durfte. Jeden Schritt, den sie geht, durchdenkt sie gut. Risiken geht sie nicht gerne ein. Scarlett wird schon bald gezwungen sein, gegen ihre Natur zu handeln. Ob sie will oder nicht, sie ist plötzlich Teil des Spiels. Plötzlich jagt ein Ultimatum das nächste. Wie bei einem Krimi begleitet man als Leser Scarlett durch das Spiel. An jeder Ecke erwartet man ein Geheimnis und Magie, aber zugleich auch eine weitere Gefahr. Kryptische Andeutung hier, geheimnisvolles Lächeln dort. Die Implikationen und Andeutungen, die mit dem Handlungsstrang um die Wette laufen, sorgen für Spannung.


Fazit:
Caraval ist eine Geschichte voller Abenteuer und Magie und zugleich auch voll von Gefahren. Mit Scarlett begleitet man als Leser eine widerwillige Abenteurerin. Sie, ja die Figuren der Erzählung, sind Getriebene des Spiels. Die sympathische Protagonistin, die virtuose Phantasie Stephanie Garbers und die atemberaubende Spannung treiben den Leser quasi nur so durch die Buchseiten.
Ich empfehle dieses Buch allen Lesern, die gerne in eine magische, spannende und fantasievolle Geschichte abtauchen möchten.


Buchzitate:
Der trübe Schein der Laternen fing sich in den metallisch verzierten Rändern es Papiers und ließ sie golden schimmern, in der Farbe der Magie und der Wünsche und Verheißungen.
Er mochte ein Schurke und ein Lügner sein, doch bis sie ihre Schwester gefunden hatte, war er alles, was sie in diesem Spiel hatte. (Scarlett über Julian)

  (59)
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das päckchen, liebesroman, j. vellguth, päckchen, lieblingsplätze

Das Päckchen

J. Vellguth
E-Buch Text
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 19.04.2017
ISBN B06ZYV6KKP
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt:
Tagsüber arbeitet Emma in einer Bücherei, in ihrer Freizeit betreibt sie ihren kleinen Buchblog, dem gerade einmal ein paar Freundinnen folgen. Ihr Leben ist perfekt und eigentlich ganz normal. Bis zu dem einen Tag, an dem sie vor der verschlossenen Tür zur Bücherei steht. Ein Blick durchs Fenster verrät einen Wasserschaden. All die schönen Bücher scheinen vernichtet. Der Chef kündigt an: Die Bücherei wird vielleicht nie wieder geöffnet werden.
Emma entwickelt einen Plan: Eine Spendenaktion muss her, um die Bücherei zu retten. Über einen Hangout bespricht sie ihre Idee mit den Freundinnen und einem „anonymen Besucher“. Wenige Tage später erwartet das Mädchen eine Überraschung: Vor ihrer Tür steht ein großes Päckchen und bald erreicht Emma auch eine Botschaft dazu: Jeden Samstag soll sie ein Unpacking auf ihrem Blog starten und den Inhalt an Spender verlosen, dann wird es am Ende eine große Überraschung geben.


Schreibstil:
Als Emma nach dem ersten Schock, dass ihre Bibliothek Opfer eines Wasserschadens geworden ist, einen Hangout zur Lagebesprechung mit ihren Freundinnen startet, ahnt sie noch nicht, dass sich ein heimlicher Fan im Chat befindet. Erst einige Tage später findet sie ein Paket im Hausflur vor. Kurz darauf erfährt sie in einem Gespräch, dass es sich bei dem Spender um einen Mann namens Lukas handelt. Lukas möchte Emmas Blogaktion unterstützen. Das Päckchen besteht aus vielen kleinen Geschenken, die nach und nach von Emma in einem Videochat vor ihren Zuschauern ausgepackt werden sollen. Der Inhalt darf im Anschluss an diejenigen verlost werden, die sich mit einer Spende zum Wiederaufbau der Bücherei beteiligt haben.
Immer wieder treten Emma und Lukas über den Videochat in Kontakt, um das nächste Video zu besprechen. Nach und nach werden die Gespräche persönlicher. Doch Lukas ist ein sehr zurückhaltender Mensch und hält sich eher bedeckt. Auch sein Gesicht möchte er um keinen Preis zeigen.
J. Vellguth schafft auch mit „Das Päckchen“ wieder einen locker-leichten Liebesroman. Die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin. Spannung zieht die Geschichte anfänglich aus der Frage, was für ein Typ dieser geheimnisvolle Lukas ist, der sich kaum aus dem Haus traut. Schnell jedoch war für mich klar, in welche Richtung der Plot in etwa verlaufen wird.
Besonders gut konnte ich mich mit der Vloggerin Emma identifizieren, eben, weil ich selbst einen Buchblog betreibe. Die Leidenschaft und die Liebe zu dem Hobby Bücher wird in dieser Geschichte sehr schön ins Licht gesetzt. Emma würde alles tun, um die Bücherei weiterhin für die Leser ihres Ortes zu erhalten. Ein schöner Nebeneffekt ist es, dass sie die geplante Spendenaktion gemeinsam mit ihren Vlogzuschauern in Angriff nehmen kann. Das Auspacken der Geschenke vor der Kamera und die Freude über den Inhalt sind ansteckend. Auch ich war so neugierig, was Emma wohl als nächstes aus dem großen Paket hervorzaubern würde.


Fazit:
Das Päckchen ist ein locker-leichter Liebesroman, der von der ersten bis zur letzten Seite Spaß macht. Dass die Handlung in einigen Punkten vorhersehbar ist, schadet der Geschichte nicht. Leidenschaftliche Blogger,Vlogger und Buchliebhaber werden vermutlich sehr schnell in dieses Buch abtauchen und gar nicht merken wie schnell die Seiten dahinfliegen.
Von mir gibt es hier eine volle Fünf-Sterne-Bewertung.


Buchzitat:
Aber irgendwo dahinter, zwischen den Zeilen, da vibriert immer die Seele des Autors, schwingt mit den Buchstaben mit und bringt die Ideen hinter den Texten zum Leuchten.

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liebe, jugendbuch, rezension, ray, romance

Don't Kiss Ray

Susanne Mischke
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 07.04.2017
ISBN 9783423740265
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Jill ist voller Vorfreude, als sie gemeinsam mit ihren engsten Freunden auf dem Mixtape-Festival ihre Zelte aufschlägt. Gemeinsam bespricht die Gruppe, die Bands, die sie unbedingt sehen wollen. Einer ihrer Top Acts ist die Band Broken Biscuits, für deren Leadsinger Jills Freundinnen schwärmen. Der Festivalstart soll mit einer Runde Crepes beginnen. Im Losverfahren wird entschieden, wer das Gebäck besorgen soll. Natürlich trifft es die orientierungslose Jill.  Jill wandert los und findet sogar den Verkaufswagen. Sie stellt sich brav in der Schlange an und wartet. Plötzlich rempelt sie jemand von der Seite an. Jill reagiert mit einem Spruch. Der Junge mit der Sonnenbrille und dem Hoodie möchte ihr den Platz streitig machen. Wieder soll ein Spiel darüber entscheiden, wer als erstes bedient wird und erneut verliert Jill, jetzt beim Schnickschnackschnuck. Der Junge stellt sich als Ray vor und bietet der Verliererin einen Ausgleich an. Nebenan die Schlange beim Waffelstand ist kürzer. Sie könnten den Verkaufswagen wechseln und er würde sie dafür auf eine Waffel einladen. Gesagt getan. Jill ahnt nicht, dass sie mit diesem ersten „Date“ ihre Gefühle an einen Jungen verschenken wird, den zu lieben nicht einfach ist ...


Wichtigste Charaktere:
Jill ist selbstbewusst und geht ihren Weg. Sie genießt ihre Jugend, verbringt soviel Zeit, wie es geht, mit ihren Freundinnen.
Ray ist der Sänger einer Boyband. Mit Garagensongs haben sich die Jungs ihren Ruf erarbeitet. Nun befinden sie sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.
Katja ist die erste aus der Gruppe, die einen festen Freund hat. Sie ist die Zurückhaltende in der Gruppe. Die religiös erzogene Jungfrau geht die Beziehung mit Jonas eher ruhig an.
Fabienne schminkt sich gerne, sie flirtet gerne und sie liebt es im Mittelpunkt zu stehen. Auf den ersten Blick wirkt sie hochnäsig und wie die typische Zicke.
Linda ist Jills beste Freundin. Sie ist charakterlich eine gute Mischung aus Fabienne und Katja.


Schreibstil:
Die Geschichte von „Don't Kiss Ray“ beginnt mitten auf einem Festivalgelände. Die Stimmung, die auf solchen Veranstaltungen herrscht, wird perfekt vermittelt. Einige Besucher laufen mit Klappstühlen und Jogginghose umher und beginnen ihren Tag mit einer Flasche Bier, ein Wochenende nicht duschen ist zwar immer noch ekelig, wird aber wohlwollend geduldet, Cocktails wie „Wodka-Wurstwasser“ stehen auf dem Programm. Kurzum: Es herrscht eine lockere Stimmung, jeder kann für ein Wochenende tun und lassen, wonach ihm ist. Auch Jill, die mit ihren besten Freundinnen Fabienne, Linda und Katja sowie Katjas Freund Jonas und Fabiennes Bruder Paul angereist ist, genießt diese Zeit.
Als alle ihre Zelte aufgebaut haben, wird Jill von ihren Freundinnen losgeschickt, um für die Gruppe eine Runde Crepes zu holen. In der Verkaufsschlange trifft sie auf einen Jungen. Ein kleiner Flirt kommt zustande, es folgt sogar ein erster zarter Kuss. Jill ist verliebt. Sie möchte Ray wiedersehen und auch Ray geht es da nicht anders. Beide verabreden sich für später. Doch zuvor wird es noch eine Überraschung für Jill geben, denn Ray spielt in einer Band und zwar nicht in irgendeiner, sondern in genau der, für die auch Jills Freundinnen mit Leib und Seele schwärmen.
Don't Kiss Ray überzeugt mit einem locker-leichten Schreibstil und einer schönen Liebesgeschichte, die ihre Konflikte daraus zieht, dass die Protagonistin sich in einen Rockstar verliebt, an den auch unzählige andere Mädchen ihre Liebe verschenkt haben.
Wie es ist, wenn man in der Haut eines Jungstars steckt, der Schwierigkeiten hat, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen, wird anschaulich illustriert. Die Presse lauert an jeder Ecke und ist froh über Schlagzeilen, die Fans schwärmen auf den Internetseiten von ihrem geliebten Star, hoffen auf ein Treffen und stalken ihn, wo es nur geht. Ray und seine Band genießen den Ruhm einerseits, doch andererseits haben sie auch Angst vor dem Älterwerden.
Jill hingegen verliebt sich ausgerechnet in den Schwarm ihrer Freundinnen und gerät durch die Dates mit Ray in ein Dilemma , dessen Ausmaße sie zuvor nie erahnt hätte.
Dadurch, dass die Autorin Kapitel sowohl aus Jays als auch aus Jills Sicht schreibt, bekommt der Leser einen guten Einblick in die verschiedenen Perspektiven. Ray gibt sich auf seine Weise größte Mühe, um eine Beziehung mit Jill zu ermöglichen und dennoch den wirtschaftlichen Erfolg seiner Band nicht zu gefährden. Jill hingegen wird bald alles zu viel.
Die genaue Betrachtung einer solchen Beziehung, die Konflikte, die beide Parteien durchleben müssen, lässt Don't Kiss Ray zu einer fesselnden Geschichte werden. Gerade die ersten Seiten verfolgte ich mit Spannung. Jill ist es, die irgendwann den Absprung sucht. Verständlich, denn die Hasstiraden der eifersüchtigen Fans wachsen ihr über den Kopf. Doch die Liebe zu Ray lässt sich nicht so einfach verdrängen. Bald überkommt Jill eine innere Wut. Egal, was passiert, sie sucht ihr Ventil in Rays Verhalten. Sie verlangt alles von ihm. Ray könnte ja wohl zu ihr stehen, selbst wenn er dadurch seine Karriere aufs Spiel setzt und er soll sich zu ihr bekennen. Ray leidet mit Jill und versucht ihr entgegenzukommen. Er entschuldigt sich, wenn sie es verlangt, er steht zu ihr, soweit es eben möglich ist, und riskiert alles. Aber selbst, als Ray diese Schritte unternimmt, findet Jill etwas, was daran auch nicht okay ist. An einer Stelle begeht Jill selbst einen Fauxpas, der Folgen nach sich zieht. Eine persönliche Reflektion unterbleibt jedoch und sie bringt den „Fehlern“ von Ray nicht mehr Verständnis entgegen als zuvor.
Dieses Verhalten von Jill hat mich teilweise wütend werden lassen. Entschuldigen konnte ich es nur mit mangelnder Lebenserfahrung im Umgang mit seelischem Schmerz.


Fazit:
Don't Kiss Ray ist ein locker-leichter Liebesroman für die Sommermonate. Festivalstimmung, erste große Liebe und Schwärmereien für den Sänger einer Boyband werden hier behandelt. Ein wenig Humor rundet die Erlebnisse ab. Einzig die beschränkte Perspektive der Protagonistin ist bei dieser Geschichte zu bemängeln. Kapitel aus Sicht von Ray, dem Sänger der Band und aus der Sicht von Jill, einem Mädchen, das sich zufällig in den „falschen“ Jungen verliebt hat, zeigen gekonnt die verschiedenen Seiten der Konflikte auf. 
Eine ungewöhnliche Liebesbeziehung, Freundschaften, die an der ersten Liebe zu zerbrechen drohen und das Thema Zusammenhalt sorgen für eine fesselnde Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite.

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2017, damaris liest, philosophische freundschaftsbetrachtungen, erste liebe, familienkonzepte

Das Glück hat vier Farben

Lisa Moore , Maren Illinger
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 27.04.2017
ISBN 9783737354806
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt:
Seit Flannery denken kann, ist sie in ihren Sandkastenfreund Tyrone verliebt. Doch Tyrone hat ganz andere Prioritäten. Als beide für ein Schulprojekt ein Zweierteam bilden, muss Flannery bald feststellen, dass ihre große Liebe stets nicht da ist, wenn sie ihn dringend braucht. Die Aufgabe des Projekts besteht darin, ein Angebot für ein Produkt zu machen, für welches kein Bedürfnis besteht. Bedarf und Nachfrage müssen also erst geschaffen werden. Flannerys erste Idee, der Entwurf eines Designerpümpels, wird von Tyrones Vorschlag abgelöst. Tyrone ist sich sicher: Herstellungsaufwand sowie geringe Herstellungskosten machen Liebestränke zu einer guten neuen Geschäftsidee. Bald schon beginnt Flannery mit den Vorbereitungen. Es stellen sich viele Fragen. Jedes Problem muss sie alleine angehen, denn Tyrone vertröstet die Freundin immer wieder von neuem. Irgendwie gelingt es Flannery ihr eigenes chaotisches Leben zu meistern und auch noch das Projekt voranzutreiben. Schließlich reicht ihr ein Wort oder ein Blick von Tyrone, wenn sie sich mal kurz auf dem Schulflur treffen. Die Hoffnung bleibt bestehen: Irgendwann wird Tyrone Zeit finden. Irgendwann werden beide zusammen ausgehen und irgendwann wird er sie bestimmt auch küssen ...


Schreibstil:
„Das Glück hat vier Farben“ ist eine unglaublich komplexe Geschichte. Sie besteht aus vielen kleinen wundervollen Erzählungen aus Flannerys Vergangenheit. Zugleich werden die einzelnen Charaktere liebevoll beschrieben. Hier gibt es zum Beispiel Miranda, Flannerys Mutter, die mit einer Tiara und Leopardenfellmantel durch das Einkaufszentrum läuft. Anstatt ihrer Tochter dabei zu helfen einen Badeanzug zu finden, spielt sie lieber mit einer Videodrohne und lässt sich selbst mit der eingebauten Kamera filmen. In ihrer Freizeit schreibt Miranda einen Erziehungsblog, in dem sie intime Details ihrer Tochter postet. Wenn Flannery anmerkt, dass sie diese Zurschaustellung ihres Lebens nicht billigt, dann steht ihr Argument, das ihrer Privatsphäre, gegen das ihrer Mutter: Meinungsfreiheit.
Flannery hat es nicht leicht. Die Mutter kann sich nicht mehr an den Erzeuger ihrer Tochter erinnern, dabei sehnt sich Flannery doch so sehr nach dem Vater, der ihr so ähnlich sein soll. Der Bruder, den Flannery nie haben wollte, bekommt die Drohne geschenkt, anstatt dass Miranda ihrer Tochter ein Biologiebuch kauft oder die längst fällige Stromrechnung bezahlt. Stattdessen soll Flannery ans Telefon gehen, wenn die Behörde anruft. Sie soll den Tod der Mutter vortäuschen und Mitleid erregen. So ist Flannerys Leben.
Als wäre das nicht schon genug, scheint sich mit Beginn des Schulprojekts auch die beste Freundin Amber zu verändern. Ihr Teampartner ist ein cooler Musiker. Von einem Tag auf den anderen verändert sich Amber. Sie spricht nur noch von Gary, hängt mit dessen Freunden ab und es gibt kein „ich“ mehr sondern nur noch ein „wir“. Und dieses Wir beinhaltet nicht Flannery.
Flannery ist bereit das Schulprojekt irgendwie in Angriff zu nehmen. Sie besorgt Flaschen, entwickelt eine Rezeptur. Sie interviewt sogar eine Wicca. Immer wieder versucht sie Kontakt zu Tyrone aufzunehmen. Doch dieser meldet sich entweder nicht oder er versetzt sie im letzten Moment. Und dann sieht sie ihn plötzlich, wie er ein wundervolles Gemälde an eine Mauer sprayt. Die Enttäuschung, ob seiner Versetzungen, verglüht im selben Moment, wo Flannery Tyrone erblickt. Es ist seine Art, sein Aussehen, sein lässiges Auftreten und seine stets verständnisvolle Art, die Flannery jeden Fehltritt sofort vergessen lässt.
Der Schreibstil dieser Geschichte ist außergewöhnlich. Viele kleine Geschichten ranken sich um die einzelnen Charaktere. Hierdurch entsteht nicht nur eine unglaubliche Figurentiefe, auch sorgt die Autorin für skurrile Lebenssituationen. Der Leser klebt an den Seiten und vergisst für einen Moment, dass er ja eigentlich ein Schulprojekt und eine schöne Liebesgeschichte verfolgen sollte. Stattdessen begreift er, dass keiner der einzelnen Charaktere es wirklich leicht hat. In einem Moment ist die Welt noch in Ordnung, im nächsten schlägt das Schicksal wieder erbarmungslos zu.
Neben schrulligen Charakteren, einem aufregenden und zugleich auch ein wenig verrücktem Handlungsstrang, gibt es auch noch diese zarte Liebesgeschichte. Flannery empfindet viel für Tyrone. Sie braucht ihn nur zu sehen, schon vergisst sie jeden seiner Fehltritte. Sie sieht ihn durch die sprichwörtliche „rosarote Brille“. Diese erste Liebe wird sehr glaubwürdig dargestellt. Es ist dieses Gefühl, was einen einfach alles tun lässt, was nicht hinterfragt, sondern einfach nur opfert. Es ist schön zu beobachten und zugleich auch traurig mit anzusehen, wie Flannerys Liebe alles übersteht, aber auch zugleich kaum eine Erwiderung erfährt.


Fazit:
„Das Glück hat vier Farben“ ist eine Geschichte, die mich von der ersten Seite an gepackt hat. Viele kleine Geschichten beleuchten das Leben der Protagonistin und stellen die Nebencharaktere im Detail vor. Die Lebendigkeit dieser Erzählungen, aber auch die Schrulligkeit der einzelnen Charaktere, die Weisheit, die hinter den Worten der Autorin steckt, sorgen für vollkommenen Lesegenuss. Hier erfährt der Leser, wie zerbrechlich das Leben sein kann, er wird Zeuge von Freundschaften, um die es zu kämpfen lohnt, die aber leider nicht für immer bestehen können und einer ersten Liebe, die bedingungslos gibt und nichts dafür fordert.
Dieses Buch möchte ich an Leser/innen weiterempfehlen, die eine vielschichtige und fesselnde Geschichte suchen und zugleich liebevoll gestaltete und schrullige Charaktere kennenlernen wollen.


Buchzitate:
Mütter können nicht die Freundinnen ihrer Töchter sein. Sie sind ihre Mütter. Höchstens später im Leben, wenn die Mutter eine alte Dame ist und ein kleines trübes Glas mit ihrem Gebiss auf dem Nachttisch hat und ihre Tochter selbst sechs Töchter hat, dann können sie vielleicht Freundinnen sein. - Miranda (Flannerys Mutter) zu ihrer Tochter -
Jetzt gerade sitzt sie mit krummen Schultern in ihrem Leopardenfell-Fummel und schmollt mit gerunzelter Stirn. „Tu das nicht mit deiner Stirn“, sage ich. „Sonst brauchst du Botox.“ - Flannery zu Miranda -

  (37)
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geneva lee, secret sins, secret sins - stärker als das schicksal, geheimnis, liebe

Secret Sins - Stärker als das Schicksal

Geneva Lee , Michelle Gyo
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.03.2017
ISBN 9783734104770
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Inhalt:
Judes erster Besuch einer Selbsthilfegruppe, die sich regelmäßig im örtlichen Kirchenkeller zum Austausch trifft, beginnt mit einem unerfreulichen Zusammentreffen. Faith hat geträumt und ihm prompt ihren Kaffee über das Shirt gegossen. Die Junge Frau ist sehr misstrauisch. Sie ahnt, dass Kerle wie Jude nur Ärger bedeuten. Einen Mann kann sie in ihrem Leben nicht gebrauchen. Sie hat einen tauben Sohn und weiß ganz genau, wie zerbrechlich das Leben ist. Judes Auftreten zeugt für sie davon, dass er nicht neu bei dieser Art von Treffen ist. Er sagt die richtigen Sachen und nickt in den richtigen Augenblicken mitfühlend. Doch verleugnen kann Faith das gute Aussehen des Neuen nicht. Außerdem taucht er immer wieder in ihrer Nähe auf. Er sorgt sich und müht sich um sie, obwohl sie ihm nicht nur einmal die kalte Schulter zeigt. Faith aufgestellte Regeln: Kein körperlicher Kontakt, kein Blickkontakt und stets Distanz wahren, werden auf eine harte Probe gestellt.


Schreibstil:
In "Secret Sins – Stärker als das Schicksal" geht es um Menschen, die mit diversen Arten von Süchten zu kämpfen haben. Dieses Buch zeigt die Machtlosigkeit von Angehörigen auf und wirft einen Blick auf die Opfer selbst. In dieser Geschichte geht es um Zerbrechlichkeit und Hoffnung. Ein kleiner Fehltritt, so begreift man, kann dazu führen, dass die Sucht einen wieder gefangen nimmt. Ein Herauskommen ist, wenn überhaupt, nur mit einem eigenen Willen und der Hilfe von Angehörigen/Freunden möglich.
Jude und Faith begegnen sich das erste Mal bei einem Selbsthilfetreffen für Süchtige. Faith, so ahnt der Leser bald, hat mit einer Vergangenheit und einem Problem zu kämpfen, welches sie gerade so in den Griff bekommen hat. Eine Stütze bietet ihr ihre beste Freundin Amie. Faith und ihr tauber Sohn Max dürfen bei ihr wohnen. Auch hat Amie dafür gesorgt, dass Faith bei ihr einen Job gefunden hat. Mit der lockeren Art sorgt Amie dafür, dass die Schwere, die auf den Schultern ihrer Freundin lastet, erträglicher wird. Sie schenkt dem Sohn ein Eis außer der Reihe, welches ansonsten finanziell nicht machbar wäre. Sie besorgt der Freundin einen Dildo, weil sie entgegen der Meinung von Faith der Meinung ist, dass da mehr im Bett laufen sollte. Auch ist Amie entzückt, als sie erfährt, dass es da nun diesen gutaussehenden tätowierten Mann in der Selbsthilfegruppe gibt, für den Faith mehr empfindet, als sie sich selbst gegenüber eingestehen will.
Jude hingegen ist vom ersten Moment an charmant. Er sagt stets das Richtige und müht sich um Faith. Es ist fast schon unheimlich, wie perfekt er wirkt. Die Haustür und das Auto sind kaputt? Auch hier steht Jude sofort parat und bietet seine Hilfe an. Faith meint zurecht, dass zu seinen Bad Boy-Look eigentlich nur noch ein Motorrad fehlen würde. Und das hat er neben einem Jeep und einem auf den Klippen gelegenen Häuschen auch. Außerdem zeichnet er gerne verträumte Motive und singt Lieder für eine Plattenfirma. Als Jude Max das erste Mal begegnet, widmet er sofort seine volle Aufmerksamkeit dem kleinen Jungen und gewinnt damit nicht nur Faiths, sondern auch Max Herz.
Kein Wunder also, dass Faith dem Charme von Jude nicht widerstehen kann. Es kommt zu prickelnden erotischen Momenten, die Faith eigentlich unbedingt vermeiden wollte. Es kommt zu schönen Essen und gemeinsamen Abenden. Beide müssen nicht über ihre Vergangenheit sprechen, sie wissen, dass es ein Geheimnis gibt und sie wissen, dass man die Vergangenheit manchmal besser ruhen lassen sollte. Doch leider lässt sich das, was geschehen ist, nicht verdrängen. Früher oder später holt einen die Geschichte wieder ein.
Der Leser begleitet Faith, ihren Sohn Max und auch die etwas verrückte und liebenswürdige Freundin sowie Jude in der Gegenwart. Allerdings wirft er auch immer einen kleinen Blick in die Zeit, als Faith noch eine Jugendliche war. Nach und nach kommt er hinter ihre Geschichte. Gerade diese Stellen sorgen für Spannung. Man möchte wissen, was Faith zu der Frau gemacht hat, die sie heute ist und warum sie solche Angst hat, sich auf andere Menschen einzulassen. Nebenher ahnt man, dass es im hinteren Teil des Buches noch zu einem Desaster kommen wird.
Hier wird der Leser nicht enttäuscht. Bei mir lösten diese Enthüllungen so starke Empfindungen aus, dass ich Distanz zu der Protagonistin aufbaute und Angst hatte sie nicht mehr mögen zu können. Doch die Autorin hat auch an dieser Stelle noch einmal – für mich – Geschick bewiesen. Ganz langsam lässt sie die Charaktere mit den Geschehnissen zu Recht kommen. Sie überstürzt nichts und diese Zeit ist es, die auch letztlich mich, als Leserin, wieder versöhnlich gestimmt hat.


Fazit:
"Secret Sins – Stärker als das Schicksal" greift ein schweres Thema auf. Hier haben alle auf die eine oder andere Weise mit Süchten und Abhängigkeiten zu kämpfen. Nicht nur der Blickwinkel von Opfern und Angehörigen wird beleuchtet. Anschließend folgt die Rekonstruktion der Fakten aus der Perspektive der Süchtigen.
In diesem Werk finden die Menschen Hoffnung durch Solidarität und Liebe.
Neben einer wundervollen Liebesgeschichte, ein wenig Erotik, Freundschaft und einer Mutter Kind-Beziehung, die über allem steht, sorgen gut geschliffene Charaktere und eine sehr ernste und zugleich bewegende Hintergrundgeschichte für eine sehr lesenswerte Geschichte.
Von mir gibt’s hier eine absolute Fünf-Sterne-Empfehlung.

Buchzitate:
Manchmal reicht ein einziger Augenblick, um das ganze Leben zu verändern. Und die Veränderung kommt so brutal und unerwartet, dass sie dir die Luft aus der Lunge presst.
„Ich könnte dich seit Jahren kennen, und du würdest doch nie all die Augenblicke kennen, die mich zu der Frau gemacht haben, die ich heute bin. Die mich zu der machen, die ich morgen sein werde, oder in fünf Jahren. Niemand kann je einen anderen Menschen wirklich kennen.“

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2017

Vis-à-Vis Reiseführer Kreta

Barbara Rusch
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Dorling Kindersley, 01.02.2017
ISBN 9783734201127
Genre: Sonstiges

Rezension:

Inhalt:
Die vergangene Woche verbrachte ich auf Kreta. Ob es nun die unglaublichen Ausblicke oder die frische Meeresbrise ist - dieser Ort ist wie geschaffen für einen Traumurlaub. Urlaub hat man nun aber bekanntlich nicht, Urlaub macht man. Um mit meinem Urlaub einen Mehrwert für euch zu schaffen, ließ ich mich erstmalig von einem vis-à-vis Reiseführer aus dem Hause Dorling Kindersley begleiten. Bei Reiseführern sind die Vorlieben ja ganz unterschiedlich. Der eine (ich zum Beispiel) war bei seinen Trips mit einem kleinen, handlichen Marco Polo Bändchen stets zufrieden, der andere muss unbedingt den Kunst-Führer mit sich schleppen, in dem jede finstere Kirchennische detailliert beschrieben ist. Der Vis-à-Vis-Reiseführer ist hier schon auf den ersten Blick eine interessante Publikation, die sich von den mir bis dato vertrauten Büchern von Marco Polo abhebt. Die wahren Stärken des vis-à-vis Reiseführers sind, das fiel mir schon vor der Abreise auf, die detaillierten Skizzen, Grundrisse und dreidimensionale Zeichnungen. Auch die vielen kleinen Bilder, welche jede Seite bereichern, verhelfen ungemein zum allgemeinen Verständnis der Beschreibungen der Attraktionen. Im Gegensatz zum sehr textlastigen,mir bereits bekannten Werken, bietet das Vis-à-Vis-Reisehandbuch eine große Liebe zum optischen Detail.
3D-Zeichnungen und eine Vielzahl von Farbfotos zeigen die schönsten Orte der Insel und machen Lust auf die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Insel, wie den Palast von Knossos. Es fehlt auch nicht an einer persönliche Ansprache der Autorin, Barbara Rusch. Diese gibt für jede Region der Insel Urlaubstipps. Zum Herausnehmen gibt es eine wetterfeste Karte und ein Minikochbuch. Kapitel zu Hotels, Restaurants, Shopping, Aktivurlaub, Wellness, Daten und Fakten, Historisches und Reiseinformationen gibt es hier, wie auch in den mir bereits bekannten Konkurrenzprodukten zu Hauf.
Meine Meinung:
Wie immer gilt Das Bessere ist der Feindes Guten! Ich sah bis vor kurzem keinen Anlass meine Reiseführerserie zu wechseln. Wie bei seinen Pendants finde ich auch hier kurze und informative Darstellungen und Beschreibungen. Es gibt viele Informationen über so ziemlich jede Sehenswürdigkeit, die Kreta zu bieten hat. Die Tipps bezüglich Hotels und Gastronomie habe ich zwar nicht befolgt, wäre damit aber sicher perfekt unterwegs gewesen.
Der vis-à-vis Reiseführer Kreta bringt aber vor allem einen Mehrwert, den ich künftig nicht mehr missen möchte. Das Format erinnert mich eher an ein Taschenbuch als an einen "üblichen" Reiseführer. Das soll nicht heißen, dass er groß und schwer ist. Er vermittelt viel mehr Lebensgefühl und Emotionen. Für die Reisevorbereitung ist er daher wärmstens zu empfehlen, da er wesentlich mehr als Informationen für Touristen bietet. Beispielhaft erwähnt seien die Einführungen in Kretas Baugeschichte oder die Einführungen in die Griechische Götterwelt. Die Aufmachung kann man schon als "liebevoll" bezeichnen. Vor allem die Illustrationen der Bauwerke (perspektivische Darstellung mit Teilaufbruch der Gebäude) ist besonders gelungen. Es werden darüber hinaus (ebenfalls grafisch unterstützt) Vorschläge für Stadtrundgänge gemacht. So sorgt eine erneute Lektüre nach Rückkehr für ein waschechtes Déjà-vu. Kurz und gut: Wer Geschichte und Kultur der Insel inhalieren möchte, ist mit diesem Reiseführer perfekt ausgestattet.

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cavaliersreise, jugendbuch, mackenzi lee, homosexualität, 18. jahrhundert

Cavaliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans

Mackenzi Lee
E-Buch Text: 496 Seiten
Erschienen bei Königskinder, 24.03.2017
ISBN 9783646929591
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt:
Der junge Sir Henry Montague ist ein Lebemann. Er liebt den Alkohol, die Frauen und die Männer gleichermaßen. Gerne ergibt er sich dem Glücksspiel und genießt dabei eine Pfeife. Als sein strenger Vater beschließt, ihn auf eine Bildungsreise zu schicken, ist Monty zwiegespaltener Meinung: Einerseits ist es der Sinn einer Cavaliersreise sich die Hörner abzustoßen und sich genügend Auslauf zu verschaffen. Andererseits hofft sein Vater ihn durch die Auswahl der Ziele irgend möglich zu sozialisieren, sprich, das Partymonster zu zähmen. Die Worte des Vaters zerstören Montys Träume bald: Sollte diesem zu Ohren kommen, dass sich der Junge ungebührlich verhält, wird das Erbe und damit auch das elterliche Anwesen an den Neugeborenen gehen. Diese Reise ist seine letzte Chance. Gemeinsam mit einem Hofmeister, der Schwester und dem besten Freund Percy besteigt Monty die Kutsche und macht sich auf die Reise. Von England, nach Frankreich, über Paris bis nach Deutschland und in die Alpen. Die Schwester soll auf dem Rückweg in einem Internat in Marseille abgegeben werden. Doch bereits in Versaille fällt Monty unangenehm auf, in dem er die gesellschaftliche Etikette bricht und bald schon befindet er sich gemeinsam mit seiner Schwester und Percy mitten in einem Abenteuer, das so nie geplant war.


Wichtigste Charaktere:
Monty ist ein Charmeur. Er weiß wie er Frauen und Männer gleichermaßen mit seinem Aussehen aber auch mit seinen Worten um den Finger wickeln kann. Lediglich die höfische Etikette ist ihm fremd. Auch, wenn der Junge promiskuitiv ist, so ist er doch einem Menschen zumindest in Gedanken treu ergeben. Seinem besten Freund und heimlichen Geliebten Percy.
Percy ist ein sehr ruhiger Typ. Nie erhebt er die Stimme. Auch nicht gegen die, die ihm Unrecht getan haben. Seine heimliche Liebe gilt seinem Freund Monty. Stets befindet er sich an dessen Seite. Doch Percy plagt ein Geheimnis und auch seine dunkle Hautfarbe stellt ihn im Leben vor einige Hürden.
Felicity steckt ihre Nase wann es geht in ein Buch. Ihrem Bruder begegnet sie mit einer eigenwilligen und störrischen Art. Seine Lebensweise toleriert sie nur widerwillig und gerne auch mal mit einem bissigen Kommentar auf der Zunge.


Schreibstil:
Die Geschichte beginnt mit einer Szene in der Monty und Percy ein Bett teilen. Sie haben Spaß und genießen ihr Leben. Der Gedanke, dass hier mehr als eine Freundschaft im Gange ist, liegt nahe.
Percy und Monty begeben sich auf Wunsch von Henrys Vater gemeinsam mit einem Hofmeister und Montys Schwester Felicity auf ihre Cavaliersreise, die gerade dem jungen Monty die Flausen austreiben soll. Die Regeln sind bald gefasst: Kein Glücksspiel, wenig Tabak, keine Zigarren, keine Besuche in Lasterhöhlen, keine Techtelmechtel und unziemliche Annäherungen, keine Unzucht, keine Trägheit und kein übermäßig langer Schlaf. Dafür höfische Besuche, Kultur und Bildung. Ein vollständiger U-Turn für Monty also. Dass dem jungen Lebemann diese Regeln zuwider sind, mag man sich denken, dass diese Regeln auch schon innerhalb kürzester Zeit gebrochen werden müssen, liegt ebenfalls sehr nahe. Doch gerade am königlichen Hof von Versaille scheitert Monty an den ersten höfischen Gesprächen und bald schon teilt er sich das Zimmer mit einer der dort anwesenden Damen. Wäre das nicht schon genug, handelt es sich hierbei auch noch um die Räumlichkeiten des Herzogs von Bourbon. Der weitere Verlauf treibt Monty von einem Desaster ins nächste und letztlich beschließt der Hofmeister der Reise ein vorzeitiges Ende zu bereiten. Doch das Schicksal will es anders und bald schon beginnt ein Abenteuer, welches Monty für immer prägen wird.
Mackenzi Lee siedelt ihre Geschichte im 18. Jahrhundert an. Ihr gelingt es durch die Beschreibung der Mode/Einrichtung der Häuser, dem Flair der Städte, aber auch durch die Ausführung der damaligen Ansichten (Menschen mit schwarzer Hautfarbe sind weniger Wert, gleichgeschlechtliche Liebe ist verpönt) diese Zeit an den Leser weiterzugeben. Hier wandert man mit den Protagonisten durch ein Paris der damaligen Zeit, in der frei herumstreunende Hunde durch die Straßen wandern, Nachttöpfe aus den Fenstern entleert werden und dreckige vielbefahrene Straßen sowie schmutziges Mauerwerk das Landschaftsbild prägen. Krankheiten werden nicht durch Medikamente geheilt. Ein Aderlass soll Erlösung schaffen oder ein in den Schädel gebohrtes Loch die Dämonen vertreiben. Es ist jedoch nicht nur der bildliche und gut recherchierte Schreibstil der Autorin der den Leser an die Seiten fesselt. Auch die klugen Dialoge machen Spaß. War ich mir zu Anfang noch nicht sicher, ob der Plot über den Roman hinweg genügend Spannungspotential bieten würde, musste ich meine Meinung ab den Geschehnissen in Versailles ändern. Hier begeht Monty nicht nur einen Fehltritt. Eine einzige Tat ist es, die die Wendung der Reise herbeiruft und Cavaliersreise in einen spannenden Abenteuerroman transformiert.


Fazit:
Cavaliersreise ist ein Abenteuerroman, der mit einem sehr bildlichen Schreibstil, klugen Dialogen und einem gut recherchierten gesellschaftlichen/historischen Kontext aufwartet. Hier folgt der Leser dem Lebemann Monty dabei, wie er versucht,die Liebe seines Lebens zu finden, dies im Kampf gegen gesellschaftliche Zwänge und spießbürgerliche Rücksichten. Ob es Monty gelingen wird, seine inneren Konflikte zu lösen und seinen eigenen Weg zu finden, das muss der Leser selbst herausfinden. Versprochen sei an dieser Stelle eine abenteuerliche Reise durch das 18. Jahrhundert mit Piraten, viel Liebe und einigen Hindernissen.

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weizenfrei, backen, 2017, vegan, kochen

Deliciously Ella mit Freunden

Ella Mills (Woodward) , Franka Reinhart , Cornelia Stoll
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 03.04.2017
ISBN 9783827013552
Genre: Sachbücher

Rezension:


Inhalt:
Das neue Kochbuch der Autorin Ella Mills präsentiert allerhand natürliche, pflanzliche, milch- und glutenfreie Rezepte, die sowohl party- als auch alltagstauglich sind. Neben Anregungen fürs Frühstück findet man hier unter anderem Partysnacks, Getränke, Ideen fürs Mittagessen, Desserts und sogar ein Rezept für eine Geburtstagstorte. Der Autorin liegt gesunde Ernährung sehr am Herzen. Sie ist jedoch auch davon überzeugt, dass man seine Mitmenschen nicht dazu drängen sollte ihren Lebensstil zu ändern. Mit klassischen Rezeptnamen wie „Blaubeerpfannkuchen“ möchte sie ihren Lesern die Schwellenangst nehmen, während Namen wie Toffee-Mandel-Pudding, Pistazien-Orangen-Trüffel und Schmand aus Cashewkernen die Neugierde wecken.


Schreibstil und Aufmachung:
Am Anfang des Buches findet der Leser eine kurze Einleitung der Autorin. Hier teilt Ella dem Leser mit, warum sie ich selbst gesund ernährt und dass jeder für sich entscheiden sollte, inwieweit er eine Ernährungsumstellung wagt. Auch plaudert sie aus dem Nähkästchen, wie es ihr gelungen ist ihre Freunde von ihren Rezepten zu überzeugen und auch „militante“ Nicht-Vegetarier an pflanzliche Nahrung heranzuführen.
Jedes Rezept ist mit einem kleinen Vortext versehen, in welchem Ella Kombinationsvorschläge mit anderen Gerichten oder Servierempfehlungen verrät. Ansprechende Bilder und kurz gehaltene Rezepte verleiten zum Ausprobieren.


Eigene Meinung:
Einige der Rezepte verlangen spezielle Küchengeräte. Ein Hochleistungsmixer ist von Vorteil, ein handelsüblicher Pürierstab tut es aber auch. Für einige Rezepte wird ein Entsafter benötigt, auch ein Spiralschneider ist für Gemüsenudeln empfehlenswert.
Bevor Deliciously Ella mit Freunden bei mir eingezogen ist, war ich skeptisch: Würde dieses Kochbuch auch für Leser/innen interessant sein, die keine große Partygesellschaft erwarten? Ich wurde hier positiv überrascht. Alle Rezepte sind absolut alltagstauglich. Die Mengenangaben sind oft für etwa drei Personen ausgelegt, so dass man hier ggf. einfach die Menge verdoppeln oder halbieren kann. Besonders gefiel mir die Auswahl der Rezepte. Ich bin ein Freund von Frühstück und Desserts und möchte dabei auch gerne nicht allzu viel Fett und Zucker verwenden. Ellas Kochbuch kam mir in dieser Hinsicht sehr entgegen. Auch Ideen für fruchtige Getränke waren mir sehr willkommen. Snacks fürs Sofa findet man hier genauso wie Ideen für die Gartenparty.
Nach dem Ausprobieren der Rezepte habe ich festgestellt, dass die verarbeiteten Lebensmittel gut sind für Körper und Geist. Konsistenz und Geschmack waren etwas gewöhnungsbedürftig, aber der Geschmack alles andere als übel. So hatte ich mich doch sehr schnell an den fehlenden Zuckerzusatz und das Fehlen von Fleisch/Kuhmilch gewöhnt.


Umsetzung:
Einige wenige Rezepte sind von der Zubereitung her etwas aufwendiger. Die meisten jedoch kann man „mal eben schnell“ zubereiten. Die Zutatenliste ist oft nicht allzu lang, jedoch sind einige der Lebensmittel nicht ganz so leicht zu beschaffen. Ein gut sortierter Supermarkt- oder aber auch ein Reformhausbesuch, empfiehlt sich. Viele Läden bieten Kokosöl mittlerweile an. Bei Macapulver, Vollkornreismehl, Pfeilwurzelmehl, Flohsamenschalen, Buchweizenschrot, Kakaonibs oder geröstetem Sesamöl wird es dann vielleicht schon etwas schwieriger.


Ausprobiert habe ich (bislang) folgende Gerichte:
Blaubeerpfannkuchen Pistazien-Aprikosen-Quinoa Kokos-Himbeer-Minze-Mix Mandelmusriegel Süßkartoffeln mit Ahornsirup und Pekannüssen Buchweizen-Kokos-Müsli Chana Masala in Kombination mit dem Kokosreis Gebratene Zimt-Honig-Äpfel
Wie hat's denn nun geschmeckt?
Die Zubereitung verlief bei allen Gerichten leicht und relativ zügig. Bei der Auswahl der Rezepte habe ich versucht unterschiedliche Sparten des Kochbuchs abzudecken. Wir haben die Rezepte zu zweit ausgetestet. Beide Tester ernähren sich normalerweise nicht vegetarisch. Wir haben jedoch schon einige Erfahrungen aus einem vorigen Werk der Autorin sammeln können.
Der Blaubeerpfannkuchen bestand zum größten Teil aus Haferflocken und nicht aus einer Mehlmischung. Ich war skeptisch, weil die klassischen Zutaten hier durch völlig andere ausgewechselt wurden. Es gab keine Eier und keine Milch. Stattdessen wurde Banane, Kokosöl und Blaubeeren hinzugefügt. Beide Tester kamen hier zu dem Ergebnis: Gewöhnungsbedürftig. Der erste Bissen erschien uns etwas fad, weil wir zuckerhaltige Speisen gewöhnt sind. Bald schon hatten wir das Gefühl, dass wir unbedingt mehr von diesen Pfannkuchen essen müssen. Sie schmeckten nicht nur gesund, sondern auch fruchtig durch die Beigabe von Banane und Blaubeere.
Das Pistazien-Aprikosen-Quinoa überzeugte uns durch die geschmackliche Vielfalt und das schmackhafte Aussehen. Eine leicht säuerliche Note wurde von einer fruchtigen Komponente abgelöst. Auch hier war es so, dass wir nach den ersten Bissen noch einmal kräftig zulangen wollten.
Gar nicht geschmeckt hat uns der Kokos-Himbeer-Minze-Mix. Wir haben beide zuvor noch kein Kokoswasser gekostet. Das Getränk schmeckte sehr danach. Da half auch die Zitrone, die Datteln und die Himbeeren sowie Minze nicht drüber hinweg. Kokoswasser war nicht unsers.
Die Mandelmusriegel waren perfekt. Sowohl von der Konsistenz, als auch vom Geschmack. Die Kokosnuss konnte man hier gut rausschmecken. Eine leichte Süße schwang mit. Nicht zu intensiv aber auch nicht zu wenig.
Die Süßkartoffeln mit Ahornsirup und Pekannüssen haben wir als Beilage genossen. Der angenehme süße Geschmack der Kartoffeln wurde durch den Ahornsirup verstärkt. Die Pekannüsse stellten für uns eine köstliche und zugleich knusprige Ergänzung dar. Diese Beilage werde ich in Zukunft öfters servieren.
Das Buchweizen-Kokos-Müsli roch schon im Backofen absolut lecker. Ein wenig nach Ingwer. Geschmacklich hat uns beiden das Müsli sehr zugesagt. Es war nicht zu süß und sehr knusprig. Auch konnte man bei der Menge noch ein paar Tage danach davon naschen. Auf den Bildern im Kochbuch ist mir aufgefallen, dass hier ganze Buchweizenkörner verwendet wurden. Im Rezept wurde jedoch Buchweizenschrot aufgeführt. Mein Buchweizenschrot war schon fast ein wenig mehlig. Die Konsistenz war okay, aber ich könnte mir vorstellen, dass ganze Körner hier noch einen Mehrwert gebracht hätten.
Last but not least haben wir für diese Rezension das Chana Masala in Kombination mit dem Kokosreis ausgetestet. Die beiden Gerichte harmonierten perfekt miteinander. Der Kokosreis hatte eine sehr cremige und leicht nach Kokosnuss schmeckende Substanz. Er hat uns sehr gut geschmeckt. Wenn Ella in ihrem Kochbuch schreibt, „ihr werdet den Reis nie mehr anders zubereiten wollen“, dann übertreibt sie an dieser Stelle keineswegs. Das Chana Masala enthielt viele scharfe Zutaten wie Chilipulver, Chilischoten, Knoblauch, Zwiebeln, Pfeffer und Ingwer. Die Vermutung lag nahe, dass das Gericht nichts für zartbesaitete Esser ist. Ich kann Schärfe nicht so gut im Essen leiden. Hier wurde ich positiv überrascht. Zwar war das Gericht keineswegs mild, aber auch nicht zu scharf im Geschmack. Ella empfiehlt eine großzügige Würzung mit Salz und Pfeffer. Ich habe mich hier etwas zurückgehalten, was auch gut war. Ich könnte mir vorstellen, dass Chana Masala ein sehr gutes Essen ist, um Nichtvegetarier an pflanzliche Nahrung zu gewöhnen. Hier vermisst man keineswegs fehlendes Fleisch und/oder Würze.
Die gebratenen Zimt-Honig-Äpfel sind sehr schnell zubereitet und schmecken einfach köstlich. Ich habe die Äpfel nach der Verkostung zusammen mit Kokos-Joghurt und zwei Esslöffel des Buchweizen-Kokos-Müslis serviert. Der cremige Geschmack des Joghurts und das crunchige Müsli passten unglaublich gut zu den noch leicht säuerlichen und perfekt gewürzten Äpfeln. Die Kombination war unglaublich lecker.


Fazit:
„Deliciously Ella mit Freunden“ enthält sowohl party- als auch alltagstaugliche Rezepte. Die Mengenangaben sind oft für drei oder sechs Personen ausgelegt und können dementsprechend gut für mehr oder weniger Gäste adaptiert werden. Hier findet man neben leckeren Partysnacks auch Ideen fürs Frühstück, süße Desserts, Kuchen, Kekse, Drinks, Mittagessen, Snacks to go und Salate. Dieses Kochbuch enthält ausschließlich vegane und glutenfreie Rezepte, die frei von raffiniertem Zucker sind. Einige Zutaten sind kostenintensiv und nicht im Supermarkt um die Ecke erhältlich. Der Weg zum Reformhaus oder/und gut sortiertem Supermarkt lohnt sich.
Dieses Kochbuch ist für Vegetarier, Veganer und auch Fleischesser gleichermaßen geeignet. Es überzeugt mit ansprechenden Rezeptnamen und gelungenen Bildern. Fleischesser und Liebhaber von zuckerhaltigem Essen müssen sich hier vielleicht erst einmal ein wenig an den Geschmack gewöhnen. Eine Kombination mit „gewohnter Nahrung“ bietet sich an.
Von mir gibt es eine Empfehlung für Köche/Köchinnen, die sich an pflanzlicher Nahrung probieren wollen. Als Mainstream-Esser kann man den eigenen Horizont erweitern und sich viele Anregungen holen.

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jugendbuch, liebe, amnesie, familie, freundschaft

Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden

Emily Barr , Maria Poets
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 23.03.2017
ISBN 9783841440075
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Alles an das sich Flora erinnern kann, ist ihre Kindheit und daran, dass sie Drake am Strand geküsst hat. Es war der schönste Kuss überhaupt. Flora ist verliebt. Dieser eine Gedanke ist es, der sie vorantreibt, denn jede andere Erinnerung, verschwindet innerhalb einiger Stunden. Als Floras Eltern erfahren, dass Jacob, Floras Bruder, sehr krank ist, müssen sie eine Entscheidung treffen: Sie verlassen sich darauf, dass ihre Tochter gemeinsam mit der besten Freundin Paige über einige Tage alleine klarkommen wird und reisen zu dem zweiten Kind nach Paris. Was sie jedoch nicht geahnt haben ist, dass Paige keineswegs vor hat, ihrer Freundin in dieser Zeit beizustehen. Denn Drake war ihr Freund und der Kuss passierte auf seiner Abschiedsparty. Paige weiß von Floras Verrat, denn auf deren Armen, Händen und in ihrem Notizbuch stehen Stichworte, die sie an das erinnern sollen, was passiert ist. Doch diese eine kostbare Erinnerung an den Abend ist es wert, dass Flora das Risiko auf sich nimmt. Denn eine der Botschaften ist auf ihrem Arm eintätowiert und sie lautet: Flora – Sei mutig! Flora beabsichtigt Drake zu finden, um die Erinnerung, die sie an ihn hat zu vertiefen. Auch wenn das bedeuten mag ganz alleine an den Nordpol zu reisen.


Wichtigste Charaktere:
Flora trägt überall auf ihrem Körper handgeschriebene Notizen. Diese Notizen helfen ihr sich im Alltag zu orientieren und Regeln aufzustellen, die sie einhalten sollte. Flora ist durch ihr Leben ohne Erinnerungen dazu gezwungen jede Minute zu leben wie sie kommt.
Drake wird durch Floras eine Erinnerung zu einem ganz besonderen Menschen. Er ist es, den Flora unbedingt finden will und für den sie eine Reise auf sich nimmt, die abenteuerlich und gefährlich anmutet. Durch Drake erhält Floras Leben eine Bedeutung, die es ohne sie vermutlich nie bekommen hätte.
Jacob ist Floras Bruder. Er ist sehr krank und wird vermutlich bald sterben. Jacob ist ein wundervoller Mensch, der auch über die Ferne hinweg stets für seine Schwester da war.
Paige ist Floras beste Freundin. Der Verrat an der Freundschaft, durch den Kuss zwischen Paige und Drake sitzt tief.
Floras Eltern wollen die eigenen Kinder auf jede erdenkliche Art schützen. Dabei behandeln sie Flora immer noch wie das Kind, das sie vor vielen Jahren einmal war und vergessen, dass sie mittlerweile siebzehn und fast erwachsen ist.


Schreibstil:
„Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben“ werden ist eine Geschichte, der man die Zeit geben muss sich zu entfalten. Auf den ersten Seiten lernt man eine Protagonistin kennen, die sich jeden Tag erneut an ihrer Umgebung orientieren muss. Denn Flora verliert innerhalb weniger Stunden alle Erinnerungen, die sie kürzlich noch gesammelt hat.
Die Autorin hat sich hier an ein sehr schwieriges Thema herangewagt. Denn einerseits soll der Leser sich in die Charakterin hineinversetzen können, andererseits darf er auch nicht genervt sein, von den Wiederholungen, denen sich Flora jeden Tag erneut aussetzen muss, um zu begreifen, wer sie ist, wo sie sich befindet und was sie tun muss, um ihre Pläne umzusetzen. Immer wieder klammert sich das Mädchen an die Notizen auf ihren Armen und an die eine Erinnerung, die ihr neben denen aus der frühen Vergangenheit noch bleibt. Nämlich der, dass sie einen Jungen am Strand geküsst hat, der der Freund ihrer besten Freundin war und dass sie alles tun muss, um ihn zu finden. Gerade diese Wiederholungen sind es jedoch, die man als Leser irgendwann auswendig weiß. Flora ist siebzehn, sie hat einen Jungen geküsst. Am Strand. Dieser Junge heißt Drake und lebt nun am Nordpol.
Nicht nur das ist es, was zum Einstieg die Geduld des Lesers ein wenig fordert. Auch die Tatsache, dass die Charaktere in Floras Leben nicht alle Sympathieträger sind. Da wäre Drake, der Junge, in den sich Flora so sehr verliebt hat und der direkt nach dem Kuss bei der Erwähnung von Floras Mutter in Panik ausbricht. Er verlangt, dass Flora sich keine Notizen von dem Abend macht, dass sie keinem davon erzählt. Wenigstens ist er so mutig und fragt, ob er das Mädchen, welches offensichtlich schnell vergisst, wo es sich überhaupt befindet, noch nach Hause bringen soll. Als Flora verneint, lässt er sie aber auch ohne zu zögern am Strand zurück. Dann gibt es dort noch Paige, die mit Recht erzürnt ist, dass Flora Drake geküsst hat. Sie kündigt ihrer besten Freundin kurzer Hand die Freundschaft. Als Floras Eltern aufbrechen, um den Bruder in Paris aufzusuchen, in dem Glauben, dass Paige sich um ihre Tochter kümmern wird, reißt sie sich jedoch nicht zusammen. Sie lässt Flora alleine. Das mag man unter Berücksichtigung der Geschehnisse einerseits verstehen, andererseits ist dieses Verhalten mehr als rücksichts- und verantwortungslos. Natürlich ist auch Flora nicht frei von Schuld. Denn in dem Moment, wo sie die Erinnerung an den Kuss für sich entdeckt hat, ist es ihr egal, ob sie ihre beste Freundin betrogen hat. In diesem Moment handelt sie egoistisch.
Am Anfang empfand ich Mitleid mit Flora. Sie ist ziemlich alleine und sie wird oft nicht wie ein vollwertiger Mensch behandelt. Sie ist anders und damit muss sie leben. Doch muss sie das wirklich? Nein, muss sie nicht. Doch um sich zu verändern muss Flora auch einmal eigennützig handeln und riskieren, dass der Leser sie für egoistisch hält.
Über die Seiten hinweg entfaltet sich dieses Buch zu einer wundervollen Geschichte. Man begegnet hier einer unglaublich mutigen Protagonistin, die ihre Ängste ignoriert, um ihr Ziel zu erreichen. Man trifft auf viele wundervolle fremde Menschen, die Flora auf ihrem Weg helfen und begreift, dass alles machbar ist, wenn man es nur versucht.
Die Entwicklung, die die Flora und auch die Personen in ihrem Umfeld durchleben, ist gravierend. Es gab Stellen, an denen ich vor Hilflosigkeit fast mit Flora geweint hätte. Ich habe die Protagonistin für ihren Mut und ihre Kraft bewundert. Ich habe gebangt, dass Floras Hoffnungen nicht zerstört werden mögen. Und ich war von Herzen froh, dass es diese Menschen gab, die Flora nie verlassen haben und die zu ihr standen, als sie sie gebraucht hat.


Fazit:
Emily Barr wagt hier etwas Neues. Man muss dem Roman Zeit geben, damit er sich entwickeln kann, um richtig gut zu werden. Gibt man diesem Buch eine Chance, wird man mit einer Erzählung belohnt, die zu berühren weiß. Dadurch, dass Flora jede Erinnerung sofort vergisst, stolpert sie von einer Schwierigkeit in die nächste - und bewegt sich durch diesen Sumpf doch wie ein Stehaufmännchen, dass viel Kraft und Mut aufwenden muss, um Träume zu verwirklichen. Die Botschaft des Buches ist klar: Trau dich deine Wünsche anzugehen. Schau nicht zurück. Sei stark und du hast die Möglichkeit alles zu schaffen. "Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden" zeigt, dass die Vergangenheit nicht die Gegenwart verschlingen muss. Da wir es für selbstverständlich halten, dass die Vergangenheit in die Zukunft wirkt, eröffnet Floras Geschichte interessante neue Perspektiven und Denkansätze.
Diese Geschichte verleiht Mut und gibt Hoffnung. Hier erlebt man ein Abenteuer der ganz besonderen Art.

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all ag, schule, 2017, freundschaft, jugendbuch

All die verborgenen Dinge

Sarah Moore Fitzgerald
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 23.03.2017
ISBN 9783737351973
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Als Ned Buckley auf die Nettleborg Secondary School kommt, fällt er auf. Sein Auftreten ist selbstbewusst, er sieht gut aus und dennoch bleibt er ein Außenseiter. Ned sucht keinen Kontakt zu Mitschülern. Minty hingegen hat einige Freunde in ihrer Klasse. Sie ist eine Mitläuferin. Als sie eines Tages mit ihren Freunden die Landschaft am Fluss zwischen den Bäumen erkundet, die so verlassen wirkt, stößt sie auf einen Wohnwagen. Und auf Ned. Bald schon kommen erst die Freunde und später auch immer mehr Minty alleine an diesen ruhigen Ort und beobachten den Jungen, wie er sich eine Schaukel aus alten Autoreifen baut und seine zwei Pferde pflegt.
Ned hat all das, was Minty in ihrem Leben vermisst: Er denkt nicht daran sich anzupassen. Er genießt die wilde, freie Natur in vollen Zügen. Und er hat keine Eltern, die sich jeden Tag streiten und die kurz vor der Scheidung stehen. Minty bewundert Ned und sucht Trost in der Nähe des schweigsamen Jungen.


Schreibstil:
All die verborgenen Dinge wird aus Mintys Perspektive erzählt, so als würde sie dem Leser von einer Geschichte berichten, die sie vor geraumer Zeit erlebt hat. Durch die Wahl dieses auch lange Zeit ohne wörtliche Rede auskommenden Erzählstils fiel es mir Anfangs schwer in die Geschichte abzutauchen. Im Laufe der Seiten legt sich die distanzierte Sichtweise. Die Charaktere, die gerade zum Anfang nicht so greifbar waren, gewannen an Kontur, die Geschichte rund um Ned und Minty wurde durch das Vorstellen ihrer jeweiligen Lebensverhältnisse fesselnd.
Die Autorin beginnt ihr Buch, indem sie die beiden neuen Mitschüler Ned Buckley und Martin Cassidy in die Klasse kommen lässt. Beide sind in ihrem Aussehen sehr unterschiedlich. Doch beide scheint etwas zu verbinden.
Erster Satz (Buchzitat): Ned Buckley und Martin Cassidy kamen mitten im Winterhalbjahr in unsere Klasse, und am Anfang hingen die beiden immer zusammen.
Dieser Anfang indizierte mir, dass ich eine Geschichte über zwei Jungen lesen würde, die vermutlich in einen Konflikt geraten oder zumindest irgendwie in Verbindung mit Minty gebracht werden würden. Dem war nicht so. Martin wurde anfangs erwähnt, doch bald geriet er aus dem Fokus der Autorin. Er tauchte später auch noch einmal auf, doch nie bekam er eine tragende Rolle in der Geschichte. Das verwirrte mich. Auch im weiteren Verlauf wurden Konflikte aufgeworfen, die viel zu schnell zu einer Lösung kamen. Beispiel: Ned verrät Minty ein Geheimnis und bittet sie um Stillschweigen. Dieses Anliegen erscheint ihm dringend. Minty missbraucht sein Vertrauen vor Neds Augen. Dieser ist sauer, doch nur für den Hauch eines Moments. Danach verbringen beide wieder Zeit miteinander, als wäre nie etwas geschehen.
Der Charakterentwurf ist in diesem Buch sehr gut gelungen. Minty und Ned sind zwei sehr gegensätzliche Personen. Mintys Leben scheint zusehens zu zerbrechen. Der Vater distanziert sich von der Familie, die Mutter flüchtet sich in Lügen und sieht alles durch eine rosarote Brille. Minty hingegen ist die, die realistisch bleibt und die mit den Geschehnissen zu kämpfen hat. Doch keiner nimmt sie wahr, weil keiner das sehen möchte, was das Mädchen sieht. Als Leser fühlt man mit Minty und bittet im Stillen um Gehör ihres Umfelds.
Für Minty gibt es eine sehr naheliegende Lösung. Sie sucht die Nähe des ruhigen und scheinbar ohne Probleme lebenden Jungen, der im Wald lebt und sein Glück in der Natur mit seinen zwei Pferden findet. Es dauert, bis Minty seine Aufmerksamkeit für sich gewinnen kann. Doch gerade dieser „kleine Kampf“ und diese Distanziertheit von Ned, machen die Erzählung so glaubhaft und sorgen dafür, dass der Leser direkt in die Gefühlswelt der Protagonistin eintauchen kann. Auch Ned hat seine Probleme, doch er geht ganz anders damit um als Minty. Minty bewundert und beneidet den Jungen und versucht sich bei ihm abzuschauen, wie man Lebensfreude gewinnt, die ehrlich und echt ist.


Fazit:
All die verborgenen Dinge ist eine schöne Geschichte über das Anderssein mit einer Simplify your life Moral. Die Botschaft, die hier mitschwingt ist, dass Identitäten nicht zwingend fremdbestimmt und dem Zwang der „permanenten Selbstdarstellung“ unterworfen sein müssen. Mit Ned und Minty begleitet man zwei völlig unterschiedliche Charaktere, die beide ein sehr ähnliches Ziel verfolgen. Beide wollen frei sein von den Zwängen ihres Umfelds. Auf 240 Seiten verfolgt der Leser hier eine Geschichte, der zwar an Stellen eine Konfliktvertiefung gutgetan hätte, die sich aber durch eine abenteuerliche und ganz besondere Freundschaft ins Herz des Lesers schreibt.
Meine Empfehlung für Pferde- und Naturfreunde und Leser, die eine schöne Botschaft in einer Geschichte lieben.


Buchzitate:
Das Mondlicht schien in mein Fenster, als ich meine Leggins und meine Kapuzenjacke anzog und aus dem Haus ging. Auf Zehenspitzen schlich ich an meiner schlafenden Mom vorbei, zur Tür hinaus - und dann in Richtung Nettlebog.
Ned hat mir sehr viel beigebracht. Zum Beispiel, dass man selbst entscheidet, wie man die Welt sieht. Du allein entscheidest, welche Version der Welt du haben möchtest.

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liebe, morgen lieb ich dich für immer, jennifer l. armentrout, vergangenheit, rezension

Morgen lieb ich dich für immer

Jennifer L. Armentrout , Anja Hansen-Schmidt
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei cbt, 13.03.2017
ISBN 9783570311417
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Mallory und Rider haben eine gemeinsame Vergangenheit. Als Kinder sind sie in einer Pflegefamilie aufgewachsen, von ihren Pflegeeltern vernachlässigt und misshandelt. Immer wieder hat sich der junge Rider vor Mallory gestellt, um jeglichen Schaden von ihr abzuwenden. Vier Jahre später treffen sich beide auf den Fluren ihrer Highschool wieder. Beide haben ein neues Leben begonnen, was unterschiedlicher kaum sein könnte. Beide sind erwachsen geworden, doch die langen Schatten der Vergangenheit liegen noch über ihnen. Mallory ist immer noch das zurückhaltende, ängstliche und stille Mädchen von damals. Und Rider? Er wirkt selbstbewusst und scheint alles im Griff zu haben, auch hat er hat mittlerweile eine gutaussehende und selbstbewusste Freundin. Seine Beschützerinstinkte für Mallory sind aber immer noch wach. Nur ist Mallory mittlerweile auf einem guten Weg und ihre neuen Adoptiveltern sorgen sich um sie. Auf keinen Fall wollen sie, dass Riders Rückkehr ihr Kind im schlimmsten Fall retraumatisiert.


Wichtigste Charaktere:
Mallory hat die traumatischen Ängste, die aus ihrer Vergangenheit resultieren längst noch nicht überwunden. Laute Geräusche verbindet sie mit Gefahr. Blicke, Gesten und Worte können unangenehme Assoziationen erregen. Sie ist daher sehr introvertiert und lässt niemanden zu nah an sich herankommen, um sich nicht angreifbar zu machen.    Rider hat schon früh gelernt sich und die Menschen, die er liebt beschützen zu müssen. Er zögert keine Sekunde, um sich für andere einzusetzen. Er tritt den Fahrnissen des Lebens stets mutig entgegen. Rider lebt nun in Jaydens und Hectors Familie. Sie sind für ihn wie seine Brüder.
Jayden redet gerne wie ihm der Mund gewachsen ist. Ihm ist es wichtig, dass es den Menschen in seiner Umgebung gut geht, dass sie glücklich sind. Stets hat er einen coolen Spruch parat oder flirtet mit den Mädchen in seiner Umgebung.
Hector wirkt distanziert und stark. Als Jaydens großer Bruder sorgt er sich um dessen unbeschwerte Entscheidungen und versucht ihn vor Schaden zu bewahren.
Paige stammt wie Mallory aus einem schlechten Elternhaus, doch im Gegensatz zu Mallory geht sie mit ihrem Schicksal ganz anders um. Sie sagt, was sie denkt, sie kämpft Tag für Tag. Ihr selbstbewusstes Auftreten verleiht ihr eine gewisse Erotik.
Ainsley ist Mallorys beste Freundin. Zu jeder Tageszeit ist sie bereit Mallory über das Chatprogramm oder auch in einem Treffen Ratschläge zu geben. Den Ängsten ihrer Freundin begegnet sie mit Verständnis.


Schreibstil:
Der Prolog beginnt mit einem Rückblick in die Zeit, in der Mallory und Rider noch als Kinder bei ihren Pflegeeltern gewohnt haben. Als Leser erhält man hier einen Einblick in ein Zuhause, bei dem jeder Schritt überlegt sein muss. Mallory möchte sich nur einen Keks nehmen, dabei zerstört sie aus Versehen einen Aschenbecher und dann nimmt das Schicksal seinen Lauf. Der Pflegevater rastet aus, Rider stellt sich schützend vor die Schwester und nimmt die brutale Strafe auf sich.
Der Leser erfährt in diesem Roman, anders als bei vielen anderen Geschichten, bereits vorweg einiges über die Vergangenheit der Protagonisten. Durch dieses Wissen fällt es leichter, das Verhalten und die Gedanken der Protagonisten auch über die Geschichte hinweg einzuordnen.
Erst vier Jahre nach einem schweren Vorfall in der Familie, welcher dazu führte, dass beide sich aus den Augen verloren haben, treffen sich Mallory und Rider wieder. Es passiert auf den Fluren der neuen Highschool. Erst sieht Mallory Rider nur von hinten und hat eine wage Ahnung. Später fällt ihr Blick in dem neuen Klassenzimmer auf diesen einen Jungen, der stets an ihrer Seite gestanden hat und den sie über die Jahre hinweg nie vergessen konnte. Er flirtet unbekümmert mit einem selbstbewussten Mädchen, er sieht gut aus und er ist so selbstbewusst. Ganz anders als Mallory, die in Gegenwart anderer Menschen keinen einzigen Satz hervorbekommt, die ständig darüber nachdenken muss, was andere über sie denken und die ständig Angst hat, einen Schritt in eine neue Richtung zu machen.
Als Rider jedoch Mallory erblickt, steht er sofort wieder an ihrer Seite. Wie damals. Er nennt sie bei ihrem Spitznamen von einst „Maus“ und schert sich nicht um die Blicke seiner Klassenkameraden oder seiner Freundin. Doch gerade das scheint ein Problem zu sein. Denn mit Riders Auftauchen kommt die Vergangenheit zurück.
Mallorys neue Pflegeeltern sind wohlhabend. Nach dem Verlust ihrer leiblichen Tochter richten sie ihre Liebe und Fürsorge vollkommen auf Mallory. Sie wollen nur das Beste für das Mädchen. Sie sehen die Fortschritte, die Mallory sich erarbeitet hat und wissen, wie schnell der Zusammenbruch drohen kann. Und Rider ist der beste Weg Erinnerungen zu schüren, die lieber begraben bleiben sollten.
Jennifer L. Armentrout siedelt die Geschehnisse ihres Romans in der Stadt Baltimore an, in der Verbrechen, Drogenhandel und Morde auf der Tagesordnung stehen. Diese Wahl des Setting ist perfekt gewählt. Nach und nach bekommt der Leser einen Einblick in die verschiedenen Welten einer Stadt. Er begreift, wie schnell das Schicksal kippen kann und er versteht, was es bedeutet, wenn Mallory und Rider bei der Betrachtung ihres jetzigen Lebens über „Glück“ reden.
Jeder der Charaktere ist unglaublich gut gezeichnet und wird dem Leser bald ans Herz wachsen. Jeder von ihnen hat ein großes Herz und jeder ist in seinem Handeln nachvollziehbar. Sei es der charmante und etwas zurück gebliebende Jasper, der stets flirtet und sich überhaupt nicht an dem wortkargen Verhalten von Mallory stört oder Mallorys beste Freundin Ainsley, die auf jede von Mallorys Ängsten mit ruhigen verständnisvollen Worten reagiert und sie dann doch ganz zaghaft in die richtige Richtung schubst. Selbst die oftmals durch ihre Worte verletzend wirkende Freundin von Rider wirkt in ihrem Handeln und Denken nachvollziehbar.
Sollte der ein oder andere Leser Bedenken haben, dass über fünfhundert Seiten nicht für eine fesselnde Story reichen, so sind diese nicht begründet. Nicht eine dieser Seiten lässt Langeweile aufkommen. Spätestens am Ende sorgt auch eine sehr überraschende Wendung noch für das ein oder andere Tränchen in den Augen.


Fazit:
Morgen lieb ich dich für immer überzeugt mit einer sehr glaubhaften und wunderschönen Liebesgeschichte, die mitten ins Herz geht. Baltimore in Maryland – die gefährlichste Stadt der USA – ist der ideale Schauplatz für die Geschichte. Man begreift die prägende Kraft frühester Lebenserlebnisse, von Lebensumständen und letztlich des Zufalls. Man begreift, welche Schlucht ein unterschiedlicher familiärer Background zwischen zwei Menschen schlagen kann. Die Botschaft, die hier mitschwingt ist klar: Das Leben kann dich zerstören, aber nur, wenn du es zulässt. Stehe auf und kämpfe und genieße jeden Tag und jede Minute des Glücks, denn sie sind kostbar.
Ich konnte dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe mich vollkommen darin verloren. Dieses Buch gehört in jedes Buchregal.


Buchzitate:
„Deshalb will ich es dir noch mal so erklären, dass du es auch wirklich kapiert. Er ist mein Freund. Tu nicht mehr so, als wäre er deiner!“ - Paige zu Mallory -
„Du und ich, wir passen zusammen wie Zitrone und Tequila. Ich rede dauernd und du schweigst - wir ergänzen uns perfekt. findest du nicht?“ - Jayden zu Mallory -
„Aber manchmal bist du so in dich selbst verstrickt, dass du nicht … Na ja, du vergisst dabei zu leben.“ - Ainsley über Mallory -

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400 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 101 Rezensionen

1001 nacht, liebe, magie, orient, fluch

Rache und Rosenblüte

Renée Ahdieh , Martina M. Oepping
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ONE ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 16.03.2017
ISBN 9783846600405
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:

Während Chalid den Bewohnern seines Reiches dabei hilft, die Schäden, die durch das Unwetter entstanden sind, zu reparieren, befindet sich Shahrzad in der Obhut ihrer Schwester und ihres ehemaligen Geliebten Tarik.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem Shahrzad nicht darüber nachsinnt, wie sie den Fluch, der über Chalid liegt, brechen und zudem auch ihrem Vater helfen kann, dem es zusehens schlechter geht. Shahrzad verlangt es nach Chalids Nähe, auch muss sie Tarik früher oder später ihre wahren Gefühle offenbaren, doch wie wird er reagieren? Tariks Leute begegnen der zurückgekehrten Königin von Chorasan mit Misstrauen und bald schon entdeckt Shahrzad auch in den eigenen Reihen Feinde. Es wird Zeit zu handeln. Eine Lösung bietet sich an, doch für diese muss Shahrzad sich in Gefahr begeben und die verraten, die sie liebt.



Schreibstil:

Reneé Ahdieh beginnt ihre Fortsetzung mit dem gewohnt bildhaften und fesselnden Schreibstil, die Leser ihres ersten Teils bereits kennenlernen durften.
Schnell taucht man auch hier in dem dörflichen orientalischen Setting ab, in dem sich die Protagonistin bewegt. Gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem ehemaligen Geliebten Tarik verbringt Shahrzad ihr Dasein in einer Zeltstadt. Ziegen laufen dort herum, Wasserschalen dienen dazu sich zu säubern, die Zahnreinigung erfolgt mit Minze, weißem Pfeffer und zerstoßenem Steinsalz. Aber auch die Anrede ihres Vaters mit dem Kosenamen „Baba“ oder Kleidungsstücke/Waffen, die Namen wie Shamshir, Tikka-Schärpe, Quamis und Scimitar tragen, sorgen für Kopfkino und einen entsprechenden Flair beim Leser.

Auch wenige magische Elemente baut die Autorin in Rache und Rosenblüte ein. Fliegende Teppiche und das magische Buch, dessen Inhalt sich der Vater von Shahrzad zu eigen machen möchte, seien als Beispiel genannt.

Rache und Rosenblüte bietet, genau wie der vorangegangene Teil, Lesefreude von der ersten bis zur letzten Seite. An keiner Stelle kommt Langeweile auf. Das liegt wohl unter anderem an den gut geschliffenen Charakteren, aber auch an der Gefahr, die allgegenwärtig ist und an den Fragen, die sich der Leser stellen wird. So möchte man wissen, was es mit dem magischen Buch auf sich hat, von dem Shahrzads Vater sich keine Sekunde trennen mag und welches ihm zusehends die Lebenskraft zu entziehen scheint. Im Fokus steht selbstverständlich die Frage, ob es Shahrzad gelingen wird den Fluch zu brechen, der über Chalid liegt. Auch tauchen in der Zeltstadt Wächter auf, die die gleiche Tätowierung tragen, wie die Mörder, die Shahrzad bereits in Ray töten wollten. Und dann ist da noch die allgegenwärtige Gefahr, der Chalid ausgesetzt ist. Der König hat nicht nur einen Feind und viele wollen ihn fallen sehen. Ganz an der Spitze Tarik, dem so viel an dem wilden Mädchen liegt, mit dem er aufgewachsen ist. Bald stellt sich auch die Frage: Wer ist Feind und wer ist Freund?

In Rache und Rosenblüte darf sich der Leser zudem nicht nur über eine Liebesgeschichte, sondern gleich über mehrere Verstrickungen dieser Art freuen. So leidet man mit Jalal, der seiner Liebe Despina nachtrauert, verfolgt die Dreiecksbeziehung Tarik-Chalid-Shahrzad und wird Zeuge einer zaghaften Romanze, die sich zwischen Tariks besten Freund und Shahrzads Schwester anbahnt. Jede dieser Liebesgeschichten ist fesselnd, wie der ganze Roman an sich.

Neben „alten“ Charakteren, die man wiedertrifft und die die Autorin bereits in Band 1 dem Leser ins Herz geschrieben hat, lernt man in diesem Buch auch neue Helden kennen. So begegnet man hier unter anderem dem skurrilen und in Rätseln sprechenden Jungen Artan. In seinem Auftreten mehr als merkwürdig und auf den ersten Blick gewiss nicht gerade sympathisch, versucht man ihn gemeinsam mit der Protagonistin einzuordnen. Auch mit diesem Stilelement erzeugt die Autorin Neugierde und Spannung beim Leser.

In Zorn und Morgenröte wurden unter anderem viele kleine Fabeln eingewoben, mit denen Shahrzad versucht hat Chalid von seinem Vorhaben, sie zu töten, abzubringen. Auch in Rache und Morgenröte werden kleine Märchen mit einer weisen Anekdote erzählt. Geschickt webt die Autorin diese Geschichten in der Geschichte in die Handlung ein, ohne, dass der Leser sich dadurch gelangweilt oder gestört fühlt. Ganz im Gegenteil. Diese Märchen wirken erfrischend und bleiben noch danach im Gedächtnis.



Fazit:

Rache und Rosenblüte ist die Fortsetzung von Zorn und Morgenröte und zugleich der Abschluss der von Reneé Ahdieh verfassten Fantasysaga. Mit der gewohnt eigenwilligen und impulsiven Protagonistin versucht man den Fluch zu brechen, der auf ihrem Ehemann Chalid liegt und der das Zusammensein der beiden Geliebten verhindert. Überraschende Wendungen, Gefahren, die an jeder Ecke lauern und Lösungen, die mit Opfern verbunden sind, sorgen für einen durchweg spannenden Plot. Mehrere Liebesgeschichten, gut geschliffene Charaktere, fantastische Elemente und ein orientalisches Setting runden die Geschichte ab. Mit kleinen Geschichten (weisen Fabeln), setzt die Autorin dem durchweg gelungenen Roman noch ein Sahnehäubchen auf.

Bei dieser Buchreihe kommen Fantasyfans auf ihre Kosten. Eine vollumfängliche Leseempfehlung von mir.



Buchzitate:

Shahrzad stand im Eingang, eine Hand auf dem juwelenbesetzten Dolch an ihrer Hüfte. Ihre äußere Erscheinung war unbewegt. Aber etwas Wildes lauerte tief in ihren Augen.

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631 Bibliotheken, 23 Leser, 0 Gruppen, 120 Rezensionen

liebe, brittainy c. cherry, trauer, wie die luft zum atmen, verlust

Wie die Luft zum Atmen

Brittainy C. Cherry , Katja Bendels
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 13.01.2017
ISBN 9783736303188
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt:
Nach dem Verlust ihres Ehemannes bei einem Autounfall ist Elisabeths Leben nicht mehr das, was es zuvor war. Die junge Frau zieht mit ihrer aufgeweckten Tochter bei ihrer Mutter ein und beobachtet dort Tag für Tag, wie diese immer wieder neue Männer mit nach Hause bringt. Kurzerhand fasst Elisabeth den Entschluss zurück in die alte Heimat, aus der sie nach Stevens Tod geflohen war, zu ziehen. Zurück zu ihren Freunden, zu ihren Schwiegereltern und zu den Erinnerungen.
Auf dem Weg dorthin fährt Elisabeth jedoch einen Hund an. Noch ganz verwirrt und damit beschäftigt, die Situation irgendwie unter Kontrolle zu bekommen, stürzt ihr auch schon ein missmutiger und erboster junger Mann entgegen. Dieses erste Treffen mit Tristan verläuft alles andere als harmonisch. Elisabeth lässt es sich nicht nehmen Hund und Halter in die Tierklinik zu bringen. Hier erkennt sie zum ersten Mal, dass der verbitterte Mann eine schwere Last auf seinen Schultern trägt.
Wenige Tage nach diesem Vorfall haben sich Elisabeth und ihre Tochter Emma gerade ein wenig in der alten Heimat eingefunden, als ein neuer Nachbar in das verwilderte Haus nebenan einzieht. Elisabeth traut ihren Augen kaum, als sie erkennt, um wen es sich dabei handelt. Es ist kein anderer, als der mürrische Hundehalter.
Tristan gibt sich größte Mühe Elisabeth vor den Kopf zu stoßen. Die Nachbarn munkeln, dass der Fremde ein Mörder ist oder zumindest einer Katze mit bloßen Händen den Hals umgedreht hat. Doch Elisabeth lässt sich von diesem oberflächlichen Eindruck nicht täuschen. Tristan trägt eine tiefe Trauer in sich, die sie selbst nur zu gut kennt ...


Schreibstil:
Elisabeth, wie auch Tristan haben beide ihnen sehr nahestehende Menschen durch Tod von sich gehen lassen müssen. Ein Zufall will es, dass Elisabeth auf der Fahrt mit ihrem Auto versehentlich den Hund von Tristan anfährt. Im weiteren Verlauf ist es genau dieser miesepetrige und düstere Hundehalter, der direkt in das Haus neben Elisabeth einzieht.
Ob diese Zufälle glaubhaft sind, mag dahingestellt bleiben. Was sicher ist, ist, dass Tristan Elisabeths Nähe weder sucht, noch schätzt. Elisabeth ist es, die den verbitterten Mann aus seiner Isolation holen möchte. Sie sieht, dass hinter der Fassade ein verletzter Mensch steckt und möchte zu ihm vordringen. Doch umso mehr Elisabeth Tristans Nähe sucht, umso barscher werden seine Worte. Erst als Tristan die junge Frau vor Wut von sich stößt und diese sich dabei leicht verletzt, wacht er aus seiner Starre auf. Nie wollte Tristan jemand anderen als sich selbst verletzen. Es ist Zeit für eine Entschuldigung und da Tristan nicht der Mensch für große Worte ist, zeigt er seine Reue mit Taten.
Nach und nach kommen sich Tristan und Elisabeth näher. Sie merken bald, dass sie einander helfen können die Vergangenheit ein Stück weit hinter sich zu lassen. In schweren Zeiten wissen sie, was der jeweils andere durchleidet. Sie ahnen, wie sie ihm helfen können. Gerade diese Trauerbewältigung ist es, was den Leser hier in den Bann zieht. Gemeinsam mit den Protagonisten erlebt er die verschiedenen Phasen des Schmerzes und die vielen kleinen wundervollen Momente des Alltags, die beide nach und nach durch die Gesellschaft des anderen wieder erkennen können.
Eine besondere Hilfe ist dabei die kleine und wirklich zauberhafte Tochter von Elisabeth. Mit ihren kindlichen Gedanken mit ihrer Art die Dinge anzunehmen, zeigt sie den Erwachsenen, wie man mit dem Schicksal umgehen muss. Nicht selten treibt sie Tristan, Elisabeth und auch dem Leser ein Lächeln auf die Lippen.
Der Schreibstil von Brittainy C. Cherry ist unglaublich intensiv. Sie vermittelt Gefühle direkt an den Leser. Spannung zieht dieser Roman aus der Frage, ob und wie Tristan und Elisabeth ihren Verlust bewältigen werden. Werden sie jemals in der Lage sein, die Vergangenheit ruhen zu lassen und sich auf einen neuen Partner einzulassen? Dieses Thema bietet genug Stoff für ein Buch, wenn man es richtig angeht und das tut die Autorin. Auf den letzten Seiten jedoch webt Brittainy C. Cherry einen weiteren Spannungsbogen ein. Ob man sich dieser etwas zu dramatischen und überraschenden Wendung hätte bedienen müssen, ist fraglich. An dieser Stelle ändert sich das gefühlvolle Buch und vermittelt fast den Anschein eines Thrillers.


Fazit:
In diesem Buch trifft man auf unglaublich traurige und einsame Menschen, die all ihre Träume verloren haben. Auf Menschen, deren Partner, die sie geliebt haben, viel zu früh von ihnen gegangen sind. Ein unglaublich gefühlvoller Schreibstil fesselt den Leser an die Seiten und sorgt dafür, dass er mit den Protagonisten liebt, trauert und kämpft - literarisch überwältigend und hochgradig emotional . Dieses Buch geht ans Herz.


Buchzitate:
Kein Seelenverwandter verlässt diese Welt allein, sie alle nehmen einen Teil ihrer anderen Hälfte mit sich.
Wenn ich nach Hause komme, baue ich dir deine Traumbibliothek. Mit hohen Leitern und allem Drum und Dran. Und dann werde ich dich lieben, irgendwo zwischen der Odyssee und Wer die Nachtigall stört.
Sie brach in wildes Lachen aus und warf den Kopf nach hinten. Wenn Faye lachte, dann spürte das ganze Universum ihr Glück.

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

uta reichardt, im wolfsland, 2017

Im Wolfsland

Uta Reichardt
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei fabulus Verlag, 03.02.2017
ISBN 9783944788487
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Eine Woche Schullandheim in Ostdeutschland. Louisa ist nicht erfreut über diese Perspektive. Die Klassenkameraden ziehen sie gerne wegen ihrem Aussehen auf und necken sie damit, dass sie ein ehemaliges Heimkind ist. Doch es hilft alles nicht. Louisa packt ihr Haustier, die Ratte namens Mister X, in die Tasche und stellt sich dem Abenteuer. Bald schon stellt sich heraus, dass es nicht nur die Schüler sein werden, die Louisa fordern. Bald gerät Louisa von einem Abenteuer ins andere. Denn der Herbergsvater erscheint nicht nur ruppig im Umgangston, sondern er hat wohl auch ein Geheimnis und das herumschleichende „Fellphantom“ ist wohl auch mehr als nur ein Gerücht. Louisa beginnt zu forschen.


Schreibstil:
Als ich dieses Buch zur Hand genommen habe, bin ich davon ausgegangen ziemlich schnell in der Wildnis zu landen und einen Roman über ein Mädchen zu lesen, welches sich mit Wölfen anfreundet. Das war ein Irrtum.
Louisa ist eine Außenseiterin. Sie kleidet sich in zerrissenen Jogginghosen und trägt ihr Haustier, eine Ratte, mit sich herum. Gerade der Klassenliebling Jonas neigt dazu sie zu schikanieren. Doch Louisa lässt sich nicht unterkriegen. Sie lässt sich nicht auf Provokationen ein, sondern reagiert tough und nicht emotional.
Nicht alle Mitschüler meiden das rebellische Mädchen. So lässt Ferdi-Nerdi Louisa gerne, ob gewollt oder nicht, an seinem reichhaltigen Wissenspool teilhaben und die neunmalkluge Hobbydetektivin Nase möchte sich gerne ein Zimmer mit ihr teilen.
Bald schon begreift man, dass im Schullandheim ein „rauer Wind“ weht. Der Herbergsvater Kosvik hat keine Lust auf Kinder und lässt sie das auch deutlich spüren. Louisas Aufmerksamkeit wird geweckt, als sie Kosvik dabei ertappt, wie er einen verdächtigen Leinensack zum Auto schleift. Außerdem möchte Nase unbedingt herausbekommen, wer sich heimlich durch die Gegend schleicht. In Fell gehüllt wirkt „das Phantom“ sehr unheimlich. Irgendwer klaut die Essensvorräte aus der Landheimküche. Und dann gelingt auch noch Mister X die Flucht. Louisa hat bald allerhand zu tun.
Mitten in den Ermittlungen gerät Louisa mal wieder in einen Streit mit Jonas und dieses Mal wird es ernst. Louisa soll nach Hause geschickt werden. Die Angst wieder ins Heim zu müssen und vielleicht auch von der Schule zu fliegen liegt über allem. Louisa flieht. Mitten in den Wald, in dem es vor Wölfen nur so wimmeln soll.
Die knapp zweihundert Seiten lange Geschichte baut sich gemächlich auf. Zwar ist auch der Anfang des Buches mit vielen kleinen Abenteuern gefüllt, doch der erwartete Handlungsstrang, ein Abenteuer in der Wildnis zwischen den Wölfen, blieb in der ersten Hälfte aus. Vielmehr muss sich Louisa behaupten und beschäftigt sich mit der Jagd nach ihrer entflohenen Ratte. Doch Geduld zahlt sich hier aus. Die Bedenken, dass gut hundert Seiten keine fesselnde und abenteuerliche Wildnisgeschichte mehr liefern können, waren unbegründet. Als Leser begegnet man den Wölfen mit Louisa noch hautnah und schließt sie ins Herz. Ein Abenteuer jagt das nächste und es wird nochmal richtig spannend. Auch das Ende wirkt nicht überstürzt, wie man es vielleicht mutmaßen könnte, sondern endet zufriedenstellend für den Leser.


Fazit:
Im Wolfsland ist ein spannender Jugendroman. Die rebellische Protagonistin weiß sich zu behaupten und schlägt sich von einem Abenteuer zum nächsten. Anfangs hofft man, dass die Handlung an Tempo gewinnen möge, dann nimmt diese aber tüchtig Fahrt auf. Gerade jüngere Leser ab zwölf (wie vom Verlag empfohlen) werden mit diesem Buch ein paar spannende Stunden verbringen können.

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36 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

liebe, beastly, biest, fantasy, märchen

Beastly

Alex Flinn , Sonja Häußler , Simon Jäger
Audio CD
Erschienen bei Baumhaus Verlag, 24.08.2010
ISBN 9783833952272
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt:
Der selbstbewusste Klassenschönling Kyle wurde bereits im Vorfeld des alljährlichen Frühlingsballs der Schule als Ballprinz nominiert. Für ihn steht fest, dass er mit dem schönsten Mädchen der Schule Sloan erscheinen muss. Doch als Kyle auf die nur leidlich attraktive Kendra trifft, die ihn auch noch auf seine ausgeprägte Oberflächlichkeit anspricht, schmiedet er einen neuen Plan. Unbezwingbar groß ist der Wunsch minder attraktive Menschen zu demütigen. Kurzerhand verabredet sich der Klassenschönling mit Kendra zum Ball und lässt sie letztendlich doch sitzen. Das hätte er nicht tun sollen, denn die Strafe ist hart und wird sein Leben von Grund auf ändern.


Wichtigste Charaktere:
Kendra ist „die Neue“ an der Schule. Mit ihren grünen Haaren fällt sie auf. Das Mädchen hinterfragt die Strukturen. Warum müssen die Schönen und Reichen immer herrschen? Warum dürfen nicht auch die äußerlich unscheinbaren und Hässlichen mal im Mittelpunkt stehen?
Sloan ist eines der hübschesten Mädchen der Schule. Sie ist ähnlich wie Kyle von Oberflächlichkeit und Bösartigkeit bestimmt.
Kyle sieht nicht nur gut aus, er weiß auch die Menschen in seiner Umgebung zu manipulieren. Seine Ziele erreicht er, indem er genau das sagt, was sein Gesprächspartner gerne hören möchte. Damit wickelt er ihn um den Finger und bekommt nicht selten seinen Willen. Kyles Perspektive ist stark eingeschränkt. Er sieht nur die Schönen und Reichen, wer nicht mithalten kann prallt auf eine Wand der Ignoranz und Hartherzigkeit.
Linda ist ein eher unscheinbares Mädchen. Sie lebt in einem prekären Umfeld und hat schwer mit ihrem Vater und seinen kriminellen Machenschaften zu kämpfen.


Zur Geschichte:
Wer die Geschichte „Die Schöne und das Biest“ kennt, wird durch den Verlauf dieser Märchenadaption nicht sonderlich überrascht sein. Der Handlungsstrang bleibt in den wesentlichen Grundzügen dem Original treu. Die Unterschiede bestehen in erster Linie darin, dass die Geschichte das Leben eines sehr von sich selbst überzeugten Jugendlichen in der heutigen Zeit widerspiegelt und darin, dass die Erzählung bereits vor der Verwandlung ansetzt.
Kyle ist ein überheblicher und von sich selbst überzeugter Jugendlicher. Er weiß, dass er gut aussieht und umgibt sich gerne mit seinesgleichen. Seine Streiche sind nicht besonders bösartig sondern bewegen sich im Rahmen eines Schülers seines Alters. So bereitet es ihm Freude dem Mädchen, welches sein Ego untergräbt, indem es ihn auf seine „innere Hässlichkeit“ anspricht, einen Streich zu spielen. Er verabredet sich mit ihr zum Ball und erniedrigt sie in aller Öffentlichkeit, indem er so tut, als wäre diese Verabredung nie getroffen worden. Stattdessen erscheint er mit der schönen Sloan und würdigt Kendra keines Blickes mehr.
Eine wesentliche Rolle in der Geschichte spielt auch das Ballsträußchen, welches man seiner Begleiterin an dem großen Tag der Feier überreicht. So wünscht sich Kendra eine weiße Rose und Sloan möchte gerne mit einer Orchidee überrascht werden. Kyle beauftragt sein Dienstmädchen damit eine Blume zu organisieren. Magda bringt den Auftrag durcheinander und besorgt anstatt der Orchidee die Rose. Die Rose schenkt er einem unscheinbaren und äußerlich nicht perfekten Mädchen. An dieser Stelle zeigt sich, dass Kyle kein von Grund auf schlechter Mensch ist. Denn er möchte der fremden Schülerin nichts Böses. Sie ist ihm eigentlich egal. Was er will, ist sich bei Kendra für ihre Worte rächen.
Sicherlich reagiert Kyle auch im weiteren Verlauf der Geschichte impulsiv und nicht immer fair gegenüber seinen Mitmenschen. Er wirkt aber auch nicht völlig unsympathisch. Vielmehr begreift man als Hörer bald, dass sein Verhalten auch seiner Erziehung geschuldet ist, denn der Vater ist reich und legt viel Wert auf das, was andere Menschen über ihn denken. Die äußere Wirkung ist ihm sogar mehr wert, als sein eigener Sohn.
Kyle lebt also eigentlich nur das nach, was ihm von seinem Vater vorgelebt wird. Durch Kendras Rache vollzieht Kyle einen radikalen Perspektivwechsel . Dieser Weg ist hart, aber auch notwendig, um sein Denken und Verhalten anderen Menschen gegenüber zu verändern.
Dadurch, dass die Autorin das Setting einer Schule gewählt hat und auch die Beweggründe der Charaktere, zum Beispiel das Ziel Kyles Ballprinz zu werden, entsprechend angepasst hat, wird mit diesem Hörbuch eine junge Zielgruppe angesprochen. Jüngere Leser werden sich in dieser Geschichte beheimatet fühlen. Aber auch für ältere Zuhörer bietet die Erzählung einen unterhaltsamen Plot.


Zum Sprecher:
Simon Jäger wusste mich vom ersten Moment an mit dem Timbre seiner Stimme zu überzeugen.
Dem Sprecher gelang es Charaktertiefe allein durch die Betonung zu schaffen. Schnell war durch eine hochnäsige und leicht zickige Stimme klar, dass Sloan von Kyles Zuschnitt war. Die Worte von Kendra hingegen sprach er eher ruhig, durchdacht und ein wenig hintertrieben aus. Seine Stimme passte sich auch bei der unscheinbaren Lindy in einer zwar helleren (weiblicheren) aber durchweg „normalen“ Tonlage an, während bei Lehrern und Erziehungsberechtigten Autorität mitschwang.


Fazit:
Wer „Die Schöne und das Biest“ in seinen Grundzügen kennt, wird bereits wissen, welche Geschichte ihn hier erwartet. Dennoch weicht der Plot durch die Ansiedlung des Settings in der Gegenwart und kleine Feinheiten in der Storyline immer noch vom Original ab und weiß in Facetten zu überraschen. Die stimmliche Varianz von Simon Jäger sorgte für einen Hörgenuss. Charakterentwicklung, Charaktertiefe und soziologische Stimmigkeit verbucht das Werk auf der Habenseite. Die Leichtigkeit des Erzählens, die zeitlose Aktualität des Stoffes und eine emotional berührende, spannende Geschichte macht Beastly zu einer Empfehlung für jüngeres Publikum.

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1.109 Bibliotheken, 49 Leser, 2 Gruppen, 259 Rezensionen

prinz, fantasy, prinzessin, der kuss der lüge, attentäter

Die Chroniken der Verbliebenen - Der Kuss der Lüge

Mary E. Pearson ,
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ONE ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 16.02.2017
ISBN 9783846600368
Genre: Fantasy

Rezension:


Inhalt:
Lia ist entsetzt. Als erste Tochter von Morrighan soll sie mit einem Prinzen verheiratet werden, den sie zuvor noch nicht einmal in Augenschein genommen hat. Eine Zweckheirat, um die Macht ihrer Familie und des Königreiches zu erweitern. Sie möchte nicht mit einem hässlichen, alten Mann vermählt werden. Daher packt sie kurz vor der Abreise zu den Feierlichkeiten ihre Sachen, besteigt noch im Hochzeitsgewand eines der Pferde aus dem Stall und flüchtet gemeinsam mit ihrer treuen Begleiterin und Freundin Pauline in das Nachbarland Terravin. Hier möchte sie ein neues Leben in Freiheit beginnen. Wie ein ganz normaler Bürger, ohne die Privilegien, die eine Prinzessin üblicherweise genießt. Doch der Prinz hat längst von Lias Flucht gehört. Er reagiert weniger zornig als vielmehr amüsiert und neugierig. So macht er sich auf, um der Zukünftigen die Leviten zu lesen. Auch ein weiterer Mann begibt sich auf die Suche nach Lia, doch er nimmt die lange Reise aus einem ganz anderen Grund auf sich: Er hat einen Auftrag und zwar den, die Prinzessin zu töten.


Die Welt:
Die Autorin eröffnet dem Leser eine zwar völlig fremde, doch letztlich auch beeindruckende Welt. Es gibt hier die verfeindeten Königreiche Morrighan und Dalbreck, die jedoch bereit sind, eine zaghafte Allianz zu schmieden, um sich gegen ein weiteres Reich, Venda, zu schützen. Venda wird im Gegensatz zu den Nachbarländern nicht von einem König sondern von einem Komizar angeführt. Die Vendaner lassen niemanden überleben, wenn sie in den Krieg ziehen. Sie kennen keine Gnade. Sie sind als Barbarenvolk verschrien.
Es heißt, dass die erste Tochter eines Königreichs stets eine Gabe in sich trägt. Von Lia wird erwartet, dass sie die Zukunft deuten und eine Gefahr bereits aus weiter Ferne erkennen kann.
Von gefährlichen Waldlandschaften über Wüstenregionen und verschlafenen Dörfchen findet sich in dieser Welt alles wieder. Hier stößt man auf gefährliche Tiere wie zum Beispiel Tiger. Man begegnet Vagabunden auf der Straße.


Schreibstil:
Mary E. Pearson führt ihren Roman in einer sehr ruhigen und gemächlichen Tonlage voran. Ihr gelingt es ihre Welt so ausschmücken, dass der Leser bald Teil einer großen bildgewaltigen Reise wird.
Gemeinsam mit der Prinzessin Lia flieht man hier aus dem eigenen Königreich vor der geplanten Vermählung. Lia ist ein sehr starker und rebellischer Charakter. Sie geht ihren eigenen Weg und spricht frei von der Seele. Ihre Last eine erste Tochter zu sein, die mit einer Gabe, die sich bald entwickeln soll, beschenkt wurde, wiegt schwer. Denn Lia merkt bald, dass sich diese Gabe, von der alle sprechen, bei ihr nicht eingestellt hat. Doch gerade diese Fähigkeit ist es, die ihren Wert in den Augen der anderen ausmacht.
Auf der Reise nach Terravin gemeinsam mit ihrer Freundin Pauline fühlt Lia erstmals seit vielen Jahren wieder ein Gefühl von Freiheit. Ihr bereiten die Gefahren, die in den nahen Wäldern lauern kaum Sorge. Auch hat Lia keine Angst davor sich die Finger schmutzig zu machen. In Terravin treffen die beiden Mädchen auf die rustikale „Tante Berdi“, eine enge Vertraute von Pauline. Tante Berdi führt einen Gasthof, wo Lia und Pauline als Hilfe beim Waschen, Kochen und Bedienen gerne gesehen sind. Diese friedvolle und fast schon harmonische Zeit findet bald ihr Ende, als zwei merkwürdige Gestalten den Gasthof betreten. Beide Männer haben ein Auge auf Lia geworfen. Auch Lia ist dem Fischer und dem Händler schnell zugeneigt. Rafe und Kaden haben beschlossen sich ein Zimmer im Gasthof zu nehmen und beide werben schon bald um die hübsche „Schankmagd“. Doch die Harmonie ist tückisch, denn der Leser weiß schon bald, dass einer der beiden ein Prinz ist, der ausgezogen ist, um die Prinzessin an seine Seite zu holen und der andere, ein ausgesandter Attentäter, ihr nach dem Leben trachtet. Doch wer von beiden hat welchen Auftrag? Das weiß auch der Leser anfangs nicht.
Hier ist es die unterschwellige Spannung, die man auf jeder Seite spürt und der gekonnte Schreibstil der Autorin, der den Leser das Buch nicht aus der Hand legen lässt. Die Gefahr lauert im Hintergrund und doch spürt man, dass sich zwischen Lia, Kaden und Rafe zarte Bande schmieden. Rafe und Kaden sind Konkurrenten, die beide um Lias Zuneigung kämpfen und das mittlerweile nicht nur aus dem ursprünglichen Grund ihrer Reise. Was wird mit Lia geschehen, wenn die Wahrheit irgendwann ans Licht kommt?
Mary E. Pearson verwendet für ihren Roman drei verschiedene Perspektiven. Sie schreibt in erster Linie aus der Sicht von Lia, in wenigen Kapiteln aber auch in der Ich-Form aus den Augen des Prinzen und des Attentäters. Hierbei lässt sie geschickt Details weg, die den Leser auf die Spur führen könnten, bei wem es sich um Rafe und bei wem es sich um Kaden handelt, so dass er bei jeder romantischen Szene einerseits hofft, aber andererseits auch bangt.


Fazit:
Der Kuss der Lüge entwickelt sich eher gemächlich, dafür aber bildgewaltig. D ie Tiefe der Charaktere und der Geschichte ist der Beweis für das Talent von Mary E. Pearson. Im Kern ist „Der Kuss der Lüge“ die Liebesgeschichte ihrer Protagonisten. Darüber hinaus eine Mischung aus Abenteuer und "Krimi ". Spannung erhält dieser Roman nicht durch rasante Actionszenen, sondern eher durch eine unterschwellige Gefahr, die stets im Hintergrund präsent ist.
Dieser erste Band der Chroniken der Verbliebenen überzeugt mit einer bildgewaltigen Sprache, spannenden Charakteren und einer konfliktreichen Heldenreise. Absolute Leseempfehlung.


Buchzitate:
Pauline war einfallsreich, aber ich wusste, dass sie nicht furchtlos war, und das machte ihren Mut heute viel größer als meinen. Sie hatte alles zu verlieren. Ich hatte alles zu gewinnen.
Das war es, was ich an Rafe hasste und liebte. Er forderte mich bei allem, was ich sagte, heraus, aber er hörte auch aufmerksam zu. Er hörte zu, als wäre jedes Wort wichtig, das ich sagte.
Es kann Jahre dauern, bis ein Traum Gestalt annimmt. Es dauert nur einen Sekundenbruchteil, um ihn zu zerschmettern.

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sarina bowen, liebe, winter, erotik, new adult

Kalte Nächte Warme Herzen

Sarina Bowen
E-Buch Text
Erschienen bei Rennie Road Books, 31.01.2017
ISBN 9781942444329
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt:
Es ist Winter in Vermont. Der Wetterdienst hat einen Blizzard angekündigt, der dafür sorgen wird, dass die Einwohner durch die Schneeverwehungen geschätzte zwei Tage nicht mehr vor die Haustür gelangen werden. Willow hat an alles gedacht, was es für diese Zeit in ihrer einsamen Hütte benötigt. Nur eines hat sie vergessen: Das Futter für ihre Hühner. In Sorge, dass diese über die Tage verhungern könnten, begibt sie sich noch einmal auf den Weg. Auf der Rückfahrt begegnet sie einem Jeep vor sich auf der Straße. Sie verursacht einen Auffahrunfall . Ihr eigenes Auto steckt im Straßengraben fest. Der Fahrer des Jeeps ist über einen Baumstumpf gefahren und kommt ebenfalls nicht mehr frei. Es hilft nichts. Beide müssen wohl gemeinsam auf den Räumdienst warten. Die Zeit vergeht langsam und der Typ in dem Jeep sieht nicht nur heiß aus, es handelt sich auch um einen sehr berühmten Skispringer. Dane Hollister und Willow unterhalten sich bald angeregt. Sie spielen Wortspiele und irgendwann kommt es zu der ersten Berührung. Eine heiße Nacht in einem kalten Wagen steht ihnen bevor. Doch diese Nacht wird nicht ohne Folgen bleiben ...


Wichtigste Charaktere:
Dane ist ein berühmter Skispringer. Er erlangte Berühmtheit als Olympiasieger. Ist er wirklich so beziehungsunfähig , wie man glaubt?
Willow lebt, seitdem sie von ihrem Ex-Freund verlassen wurde, alleine in einer kleinen Hütte mitten im Nirgendwo. Lediglich ihre Hühner und ihre besten Freunde Callie und Travis leisten ihr Gesellschaft.


Schreibstil:
Die Seiten von Kalte Herzen warme Nächte, fliegen beim Lesen nur so vorüber. Dafür ist der locker-leichte Schreibstil der Autorin verantwortlich. Lockere Dialoge und eine gute Dosis Humor finden sich im Buch.

Willow und Dane stecken beide mitten im Nirgendwo mit ihrem Auto fest. Sie vertreiben sich die Warteze it auf den Schneeflug mit Gesprächen in Danes Jeep. Gerade diese erste Szene wirkt wie ein Kammerspiel auf den Leser. Wir erfahren etwas mehr über die Charaktere. Dane plagt ein Geheimnis. Er spricht von einer genetischen Zeitbombe und von einem kranken Bruder. Dieses Geheimnis sorgt für den Spannungsbogen im Roman.  Willow wurde von ihrem Ex-Freund verlassen. Wegen ihm ist sie in dieses verlassene Nest gezogen, hängt nun mit Hühnern und einem Kredit fest. Willow wurde im Leben schon oft von Pechsträhnen verfolgt. Jedoch geht sie auch sehr hart mich sich selbst ins Gericht. Sie gibt sich fast immer selbst die Schuld . Bald wird man als Leser merken, dass Willow ein sehr gutmütiger Charakter, aber weder selbstbewusst noch ambitioniert ist. Ganz im Gegensatz zu Dane. Dane ist innerlich verbittert und zornig auf die Welt. Er lässt seinen Frust an anderen aus und nimmt kein Blatt vor den Mund. Er ist verletzend. Eine Entschuldigung hat er vielleicht beim Kennenlernen noch auf den Lippen. Später verzichtet er ganz darauf. Hinter der unsympathischen Schale, so hofft man für die herzensgute Willow, soll ein exzellenter Mann stecken, dessen Seelenqualen sich in seinem Verhalten spiegeln.
In dieser Geschichte geht es heiß her. Es gibt einige erotische Szenen, die sehr detailreich ausgeführt werden. Willow und Dane finden sich sehr anziehend. Dane will aber keine Beziehung mehr, sondern nur noch Sex . Willow hingegen sucht eine Beziehung. Dies sorgt für Konflikte. Danes dunkles Geheimnis steht darüber hinaus zwischen ihnen.
Die Randcharaktere Callie und Travis wirken im Gegensatz zu den Protagonisten sehr ausgeglichen. Callie ist ein sehr lebendiger Mensch. Sie bringt Willow in schlechten Momenten wieder auf Kurs. Travis hingegen arbeitet in einer nahegelegenen Bar. Er hat schon seit längerem einen Blick auf Willow geworfen. Er sorgt sich um seine Freundin und erkennt, wenn es ihr schlecht geht. Beide sind stets für Willow da, wenn sie jemanden an ihrer Seite braucht.


Fazit:
In Kalte Nächte warme Herzen trifft der Leser auf zwei charakterlich sehr unterschiedliche Figuren. Die herzensgute Willow ist eine unwahrscheinlich sanftmütige, sensible und auf einer bestimmten Art auch verletzliche Frau. Dane hingegen ist mal aufbrausend , mal charmant, mal gefährlich, mal liebreizend, immer auf einem schmalen Grat zwischen Hochstimmung und Aggression. Der Roman lebt von Spannungen zwischen den Charakteren. Dieser Roman ist nichts für zartbesaitete Leser/innen. Das Buch kann eine ganze Achterbahnfahrt an Emotionen beim Leser auslösen. Die Charaktere wirken zum Teil aber überzeichnet und das Ganze kommt recht hektisch daher. Gerade die durchgestylte Sexualisierung der Charaktere ist zu oft "over the top". Ein Buch steht und fällt mit den Protagonisten, doch es gibt Charaktere, die uns den letzten Nerv rauben und uns das Lesevergnügen schmälern. Dane ist so ein Charakter.

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sexuelle belästigung, leserunde, mut, 2017, willichlesen!!!!!!

#fingerweg

Susanne Fülscher
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 22.12.2016
ISBN 9783551315434
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Endlich ist es soweit: Die Schulzeit ist vorbei. Ein anderer Lebensabschnitt beginnt. Lisa möchte die folgende freie Zeit genießen und sich dann einen Job in der Filmbranche suchen. Die Bewerbungen sind bereits raus, der Urlaub mit der besten Freundin geplant. Doch bevor die freie Zeit richtig beginnen kann, erhält Lisa einen Anruf von keinem geringeren als dem berühmten Produzenten Maxime Léon. Der Produzent bietet ihr eine Praktikumsstelle an. Lisa ist hin und weg. Natürlich sagt sie sofort zu. Lisas größter Traum wird Wirklichkeit. Sie darf sich Drehbücher anschauen, selbst ihre Vorschläge einbringen und sogar gemeinsam mit Maxime Filmpremieren besuchen. Doch die enge Zusammenarbeit hat auch ihre Tücken. Erst sind es nur die beiläufigen Berührungen, dann kommen obszöne Bemerkungen hinzu. Lisa muss sich entscheiden: Ihren Traum aufgeben oder gegen die ungewollte Intimität ankämpfen.


Schreibstil:
Susanne Fülscher schreibt in ihrem Buch #fingerweg über das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Ihr gelingt es, die einzelnen Stufen, die ein Opfer durchleben muss, zu vermitteln. Dabei zeigt sie so etwas wie eine Eskalationsspirale auf. Dieser Roman regt zum Nachdenken an.
Mit Lisa stellt die Autorin dem Leser eine Charakterin vor, die einerseits sehr mutig und stark ist, andererseits auch oft Entscheidungen trifft, die nicht immer bis zum Ende durchdacht wirken. Lisas Leben ist nahezu perfekt. Ihre Eltern sind für sie da, auch die Beziehung zu der kleinen Schwester ist harmonisch. In Marie hat Lisa eine beste Freundin gefunden, die sagt, was sie denkt und auch immer für sie da ist. Natürlich gibt es auch Auseinandersetzungen und nicht immer entscheidet der jeweils andere so, wie man es gerne hätte. Doch halten die beiden Freundinnen im Ernstfall stets zueinander. Lisa hat die Schulzeit hinter sich gebracht und erwartet voller Vorfreude einen neuen Lebensabschnitt. Ihr großer Traum ist es einen Job in der Filmbranche zu erhalten. Ein Anruf von einem bekannten Produzenten lässt diesen Traum wahr werden. Es könnte alles nicht besser sein.
Doch diese Phase des Glücks hält nicht lange an. Lisa muss sich schon bald fragen, ob die Welt der Filmbranche einfach eine etwas andere ist. Ob die ungewollte Nähe zum Chef - Anwesenheit zu einem späten Geschäftsessen oder einem Frühstück am Wochenende im Büro - normal ist. Ist es einfach so, dass die Leute beim Film offener sind? Schließlich nimmt Maxime öfters jemanden in den Arm und eine beiläufige Berührung ist vielleicht einfach nur ein Zeichen seiner herzlichen Art.
Lisa muss sich von ihren Freunden spitze Kommentare gefallen lassen, weil sie versucht dem Chef zu gefallen. Schließlich möchte sie eine gute Empfehlung und sie möchte nach dem Praktikum auch gerne ihren Weg in der Branche weitergehen.
Nach und nach wird Lisa klar, dass es ihr nicht gefällt, den von seiner Frau vor die Tür gesetzten Chef, morgens nur leicht bekleidet im Büro vorzufinden. Sie möchte nicht, dass er sie zu lange im Arm hält oder dass er sie „Hase“ nennt. Auch die Bemerkungen der Kollegen lassen Lisa aufhorchen. Doch so schnell ist Lisa nicht bereit ihren Traum aufzugeben.
Der Balanceakt zwischen Nachfühlen und Einfühlen in das Schicksal des Opfers ist geglückt. Alle Phasen erlebt der Leser hier mit Lisa. Man begreift, warum es nicht einfach ist, mit anderen zu sprechen. Man hofft, dass Lisa endlich geht, anstatt immer wieder zurückzukehren.
Auch der Charakter Maxime ist der Autorin perfekt gelungen. Der Produzent ist smart, er ist charismatisch und beliebt. Wenn man Maxime das erste Mal begegnet, dann ist es, als würde man einen Freund wiedersehen: Sofort kommt man mit ihm ins Gespräch, sofort spürt man seine Offenheit. Auch versteht es Maxime perfekt Fehltritte zu überspielen. Eine Sekunde in seiner Gegenwart und schon hat er sein Gegenüber mit Worten eingesponnen. Er ist ein charmanter, einfühlsamer, adäquater Gesprächspartner, der es versteht seine dunkle Seite zu verbergen.


Fazit:
Susanne Fülscher schreibt ihren Roman unaufgeregt, aber dabei immer aufrichtig und ehrlich, ohne zu beschönigen. Die Charaktere sind vielschichtig und glaubhaft. Zudem analysiert die Autorin die Eskalation einer Arbeitsbeziehung gekonnt. Sie zeigt eine soziale Spirale, deren Kreise immer enger werden und am Ende nur einen möglichen Ausweg kennt. Dieser Roman wirkt durch seine Lebensnähe nach: Unterhaltsam, lebendig, lebensnah und empfehlenswert.

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