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wichtel, weihnachten, weihnachtsbuch, warmherzig, schenken

Ein Junge namens Weihnacht

Matt Haig , Sophie Zeitz-Ventura , Chris Mould
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 14.10.2016
ISBN 9783423280884
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Inhalt:
Nikolas wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Die einzigen zwei Geschenke, die er in seinem Leben erhalten hat, sind ein Schlitten aus Holz auf dessen Lehne sein Spitzname, „Weihnacht“, eingraviert wurde und eine selbstgeschnitzte Steckrübenpuppe. Sein Vater ist betrübt: Bei Reisen in die nächste Stadt, drückt sich Nikolas die Nase am Schaufenster des Spielzeugladens platt. Doch eines Tages steht ein Jäger vor der Tür. Er macht dem Vater einen Vorschlag. Der König hat eine Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der beweisen kann, dass es die sagenumwogenen Wichtel tatsächlich gibt. Kurzerhand bricht der Vater mit dem Schlitten von Nikolas auf. Der Junge soll solange von der Tante gehütet werden. Doch bald stellt sich heraus, dass die Tante sehr böse ist. Nikolas empfindet einen Verbleib als nicht erträglich. Er sieht nur eine Möglichkeit: Er muss seinen Vater finden. Koste es, was es wolle. Es beginnt eine Reise, die das Leben des Jungen grundlegend verändern wird.


Aufmachung:
Bereits beim Aufklappen des Buchdeckels fällt die liebevolle Gestaltung ins Auge. In der Innenseite des Schutzumschlages befindet sich z. B. eine Ausgabe der Wichtelzeitung, „Der Tagesschnee“. Schlagzeilen wie „Der Weihnachtsmann: So fand ich meine wahre Berufung“ oder „Alles über seine schwere Kindheit, sein Lieblingsrentier, seine Zeit im Gefängnis, die wahre Geschichte des entführten Wichtels“ bereiten schon im Vorfeld Freude auf die folgende Geschichte. Die Innenseite des Buchdeckels nebst erster Seite zeigt einige Skizzen von Nikolas im übergroßen Mantel und dem Rentier „Blitz“ in verschiedenen Posen. Auch hier wird durch die Zeichnung die Vorfreude geschürt.
Wunderschöne schwarz-weiß Illustrationen des Zeichners Chris Mould verleihen dem Buch einen besonderen Charme. In den Bildern schwingt nicht selten eine eigene Portion Humor mit.


Wichtigste Charaktere:
Nikolas der kleine Junge, mit dem großen Herz
Miika der Mäuserich ist Nikolas einziger Freund. Er steht ihm treu zur Seite. Doch wenn er Käse riecht, dann hält ihn nichts mehr. Eigentlich denkt Miika an kaum etwas anderes als an Käse ...
Tante Carlotte ist eine garstige, egoistische alte Frau. Sie ist verbittert und freut sich daran, wenn sie Nikolas das Leben schwer machen kann.
Eines Tages stößt Nikolas im Wald auf ein durch einen Bogenpfeil verwundetes Rentier. Er hilft dem Tier den Pfeil aus der Flanke zu lösen und gibt ihm einen Namen: Blitz.
Die Wahrheitselfe Pixie liebt es, mithilfe von Sprengstoffblumen anderen Lebewesen den Kopf platzen zu lassen. Sie kann nichts dafür. Es macht sie einfach glücklich. Wahrheitselfen haben noch eine Angewohnheit: Sie können immer nur die Wahrheit sagen.
Viele legendäre Wichtel – Ob es sie wirklich gibt? Das müsst ihr schon selbst herausfinden :)


Schreibstil:
Matt Haig erzählt in seinem Buch „Ein Junge namens Weihnacht“ die Geschichte von Nikolas, einem armen Jungen, der eine große Reise beginnt. Gleich zu Anfang warnt Matt Haig seine Leser: Dem Jungen werden gute, schlechte, ja sogar unmögliche Dinge passieren. Man muss bereit sein, das Unmögliche zu glauben, sonst sollte man dieses Buch an dieser Stelle schließen und zu anderer Lektüre greifen. Mein Ratschlag an jeden, der dieses Buch in den Händen hält: Lasst euch auf die Geschichte ein. Sie ist zauberhaft, sie ist witzig und ein wenig skurril. Ihr werdet ein großes Abenteuer bestreiten, ihr werdet auf fantastische Wesen treffen und Freunde finden und letztlich werdet ihr wissen, warum es überhaupt einen Weihnachtsmann gibt und welche Geschichte er durchleben/durchleiden musste, bis er zu dem wurde, der heute noch durch eure Schornsteine fliegt und einen mit Geschenken prall gefüllten Strumpf am Kaminsims hinterlässt.
Doch beginnen wir von vorne: Die Geschichte beginnt mitten im Nirgendwo irgendwo in Finnland. Der kleine Nikolas hat weder Freunde noch besitzt er etwas, was ihm am Herzen liegt. Lediglich seine selbstgeschnitzte Steckrübenpuppe, sein Vater und sein einziger Freund, eine kleine Maus, die ständig nur an Käse denken muss, liegen ihm am Herzen. Als Nikolas Vater seine Chance auf eine großzügige monetäre Entlohnung des Königs sieht, begibt er sich auf eine Reise. Der Junge bleibt daheim bei der bösen Tante, die ihn kurzerhand vor die Tür setzt. Bald schon bietet sich Nikolas keine andere Möglichkeit: Er muss seinem Vater nachreisen. Auf seiner Reise begegnet Nikolas sehr unterschiedlichen Wesen. Er findet Freunde und trifft auf Feinde. Gruselige Situationen, wie der Moment, als die Wahrheitselfe Pixie einem Wesen den Kopf wegsprengt, wurden mit einer Menge Humor aufgelockert und dennoch fragte ich mich an zwei Stellen des Buches, ob die ganz jungen Leser solche erschreckenden Wendungen gut verarbeiten würden.
Matt Haig spricht mit der Stimme eines Erzählers, der jüngeren Zuhörern eine große Geschichte mitteilen möchte und dennoch eignet sich dieser Roman auch für die älteren Leser unter uns, die noch an das Fantastische glauben oder glauben wollen. Nach und nach ergibt die Geschichte, auf ihre eigene Art, einen Sinn: Man wird erfahren, wie der Weihnachtsmann zu seinem Namen gekommen ist, warum sein warmes Lachen wie ein „hohoho“ klingt, dass das Rentier an seiner Seite stets zu Scherzen aufgelegt ist und seinen Harndrang gerne so lange unterdrückt, bis ein Mensch unter ihm auftaucht, der dann - vermutlich - einfach nur denkt, dass es regnen würde, während über ihm ein Rentier voller Schadenfreude weiterfliegt. Vermutlich wird er auch ahnen, warum der Weihnachtsmann so einen dicken Bauch hat und wieso er stets ein alter Mann mit Bart bleiben wird. Er wird erfahren, ob es die Wichtel an seiner Seite wirklich gibt und warum er sich den Menschen, die er am Weihnachtstag besucht, lieber nicht zeigen möchte.


Fazit:
Ein Junge namens Weihnacht erzählt dem Leser die Geschichte vom Weihnachtsmann. Wie er von einem kleinen Jungen zu einem alten Mann mit dickem Bauch und dichtem Bart geworden ist. Nach dem Lesen des Buches wird der Leser das Gefühl haben, eine wahrhaft große und fantastische Reise unternommen zu haben. Er wird mit Nikolas lachen, fürchten und hoffen und letztlich wird er, ganz gewiss, an den Weihnachtsmann glauben wollen.
Ich kann dieses Buch aufgrund zwei etwas gruseliger Szenen nicht an die ganz kleinen Leser/innen empfehlen. Eine Altersempfehlung ab zehn Jahre halte ich für lebensnah. Auch Erwachsene werden mit dieser Geschichte jedoch ihre Freude haben. Dieses Buch gehört unter den Weihnachtsbaum oder zumindest als Gute-Nachtlektüre zur Weihnachtszeit auf das Nachttischchen und sollte jedes Jahr erneut gelesen werden, damit die „wahre“ Geschichte des Weihnachtsmannes nie in Vergessenheit geraten wird.


Buchzitate:
Wenn man jede Menge Fantasie besitzt, ist es egal, wie groß ein Haus ist. Und Nikolas träumte den ganzen Tag vor sich hin und dachte sich Geschichten von Zauberwesen wie Elfen und Wichteln aus.

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2017

Handlettering für alle! Das Übungsheft

Karin Luttenberg
Flexibler Einband: 96 Seiten
Erschienen bei mvg, 04.12.2017
ISBN 9783868828559
Genre: Sachbücher

Rezension:

Inhalt:
Handlettering für alle! - Das Übungsheft beginnt mit einer kurzen Vorstellung der Autorin nebst einem Vorwort. Es folgen Seiten mit einfachen Alphabeten und zwei Banner-Übungsseiten. Das Buch liefert Anregungen und lädt zum Ausprobieren ein: Hohlräume von Buchstaben kreativ gestalten, die „Falsche Kalligrafie“ erlernen, Zahlen in unterschiedlichen Schriftformen zu Papier bringen, eigene Rahmen für ein Handlettering entwerfen, Geschenkanhänger gestalten oder bereits vorgegebene Bilder durch einen passenden Text ergänzen. Hier finden sich zahlreiche kreative Ideen, die vom Zeichnen einer Speisekarte, bis hin zum Fertigen von Namensschildern reichen.


Eigene Meinung:
Handlettering für alle! - Das Übungsheft baut mit seinem Inhalt auf dem Vorgänger, „Handlettering für alle! - Schritt für Schritt zur schönen Schrift“, auf. Das Übungsheft kann meines Erachtens aber auch ohne Vorkenntnisse des Lehrbuches genutzt werden.
Auf den ersten Seiten des Buches stellt sich die Autorin dem Leser einmal kurz vor. Weiterhin erklärt sie in wenigen Worten, worum es in ihrem Übungsheft geht. Sie gibt einen kurzen Einblick in das zuvor veröffentlichte Lehrbuch und zeigt, welche Stifte der Leser für dieses Buch parat legen sollte. Diese ersten Seiten sind in einer kreativen Handletteringschrift verfasst, so dass der Betrachter bereits hier erste Inspirationen und Motivation zum Loslegen vermittelt bekommt.
Es folgen einige einfache Alphabete mit ausreichend Platz zum Üben. Hier unterscheidet die Autorin zwischen Schreibschrift, Serifenschrift und Curly Alphabet. Auch einfache, zierliche, geradlinige Ziffern und Ziffern mit verstärktem Strich laden zum Nachzeichnen ein. Dem Leser bietet sich die Möglichkeit Großbuchstaben mit Hohlraum in der Mitte zu üben. Auch lernt er, wie er einen Buchstaben am einfachsten verdickt.
Die Seite „vervollständige den Banner“ hilft den Aufbau eines Banners nachzuvollziehen.
Erst dann beginnen die kreativen Seiten. Auf der linken Buchseite zeigt die Autorin Beispiele, wie man einen Buchstaben mit Hohlraum füllen kann. Auf der rechten Seite befinden sich lediglich Konturen. Hier heißt es dann kreativ werden. Die Aufforderung, „ziehen Sie die Ränder der Buchstaben mit einem Fineliner nach“, und „legen Sie jetzt selbst los und füllen Sie die Buchstaben kreativ aus!“, sprechen für sich.
Auch die „Falsche Kalligrafie“ wird an einem Beispiel vorgestellt. Einige einfach geschriebene Worte müssen nun selbständig um den verstärkten Abstrich ergänzt werden. Es folgt auch hier eine kreative Seite, auf der man sich selbst Wörter mit dem Faux-Calligraphy-Effekt ausdenken darf.
Der Leser wird durch zahlreiche Aufgaben geführt. Er wird aufgefordert, eine Glückszahl in unterschiedlichen Formen zu Papier bringen, einen bereits vorgegebenes hübsches Handlettering mit einem passenden Rahmen zu versehen, vorgegebene Rahmen von Geschenkanhänger mit einem Handlettering zu beschriften, neben einer Zeichnung von Messer, Gabel, Teller und Becher mithilfe von schön gestalteten Worten zu zeigen, was er heute alles gegessen und getrunken hat, sich einfach mal umzusehen und in Wörtern alles zu zeichnen, was er gerade sieht. Die einzelnen Aufgaben sind sehr vielfältig und kreativ gestaltet. Es gibt Aufgaben, bei denen man einfach etwas nachzeichnen soll, andere reizvolle Aufträge helfen dabei spielerisch Zeichnungen zu entwickeln (Zeichnen Sie selbst Gegenstände mit Gesichtern und erfinden Sie lustige Namen dazu). 
Das Lehrbuch „Handlettering für alle! - Schritt für Schritt zur schönen Schrift“, stellte dem Leser einige Möglichkeiten vor, wie man ein Wort mit einem Schatten optisch noch „eins draufsetzen“ kann. Im Übungsheft findet sich eine Aufgabe, bei der man gelernte Kenntnisse in die Praxis umsetzen kann. 
Einige der Übungen zeigen dem Leser lediglich ein Bild in der Mitte. Dieses Bild liefert erste Anreize. Die Aufgaben sind oft sehr kreativ gestaltet. Ich hatte nicht selten Lust, gleich zum Stift zu greifen und das Bild zu vervollständigen. Auch an dieser Stelle möchte ich einige Beispiele nennen: Ein Hut in der Mitte eines Bildes mit dem Text, „zeichnen Sie hier ihre magischen Momente. Was haben sie erlebt?“, die Abbildung eines Fahrrades und dazu der Text „was möchten Sie noch sehen von der Welt? - Den Eiffelturm, den Grand Canyon, das Kolosseum“, der Umriss einer Toastscheibe mit dem Hinweis „füllen Sie diese Scheibe Toast mit einem lustigen Text aus“ oder ein Glas mit einem unbeschrifteten Etikett und einem leeren Anhänger; hier heißt es: „gestalten Sie ein schönes Etikett und einen Anhänger“.
Gelegentlich liefert die Autorin auf der linken Buchseite eine Anregung und fordert dem Leser dann auf, auf der gegenüberliegenden Seite eigene Ideen zu entwickeln. Auch diese Vorgehensweise motiviert und inspiriert durch einfache aber zugleich optisch sehr ansprechenden Beispiele.


Fazit:
Handlettering für alle! - Das Übungsheft beginnt mit den Grundaufgaben: Der Leser findet einfache Alphabete zum Nachmachen und lernt einen Banner zu zeichnen. Es folgen eine Vielzahl von kreativen Aufgaben. Gelegentlich demonstriert die Autorin am konkreten Beispiel und lädt den Betrachter ein, es ihr nachzumachen oder auf der gegenüberliegenden Seite eine ähnliche Zeichnung zu erschaffen, oft findet sich auf dem Blatt jedoch auch ein schönes Bild nebst einer passenden Aufgabe dazu. Hier heißt es dann zum Beispiel einen Gutschein zu ergänzen, einen Rahmen zu füllen oder aber ein Erlebnis mit einem Handlettering Ausdruck zu verleihen.
Der Leser lernt in diesem Buch eigene Ideen zu entwickeln. Spielerisch wird er an die Aufgaben verschiedene Schatten, Rahmen und eigene Buchstaben zu entwerfen, kleine Zeichnungen/Doodles aufs Papier zu bringen, das Handlettering in Form zu bringen und unterschiedliche Schriftarten miteinander zu kombinieren, herangeführt.
Ich kann „Handlettering für alle! - Das Übungsheft“ einfach nur weiterempfehlen. Die Aufgaben machen unglaublich viel Spaß. Wiedereinmal vermittelt die Autorin Freude am Hobby Handlettering, hilft dem Leser neue Inspirationen zu finden und selbst kreativ zu werden.
Das Übungsheft kann ich an Anfänger und fortgeschrittene Handletterer vermitteln. Die Vorkenntnisse des Lehrbuches sind meiner Meinung nach nicht zwingend erforderlich.

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Tags: 2017   (1)
 

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salafisten, terroranschäge, 2017, salafisten in deutschland, islamischer staat

Ich schwöre!

Marc Hudek
Flexibler Einband: 216 Seiten
Erschienen bei tredition, 24.10.2017
ISBN 9783743953178
Genre: Romane

Rezension:


Inhalt:
Lenny verbringt seine Freizeit gerne mit Laufen oder seinen Freunden Yussuf und Farik im Jugendtreff um die Ecke. Als eines Tages ein Mann namens Omar dort auftaucht und erst das Gespräch mit Yussuf und später auch mit Farik sucht, verändert sich einiges in Lennys Leben und dem seiner Freunde. Denn von einem Tag auf den anderen radikalisieren und militarisierten sich sind seine Freunde. Sollte es den islamischen „Hardlinern“ gelingen Yussuf und Farik zu indoktrinieren, wären sie für Lenny verloren.


Erweiterter Inhalt:
Lenny ist ein Junge, der nur wenig Freunde und kaum Ziele im Leben hat. Er liest ganz gerne mal ein Buch, auch sportlich betätigt er sich beim Laufen. Seine zwei Freunde Yussuf und Farik sind speziell. Er erträgt ihre Anwesenheit nicht täglich. Besonders Yussuf ist er aber nahe, weil der Junge ebenso wie Lenny keine wirklichen Lebensziele zu haben scheint. Zu Hause erwarten Lenny zwei Geschwister. Ein Bruder, der gerne dealt und sich freut, wenn er mal wieder zu einem Gefängnisaufenthalt verurteilt wird. Da gibt es immerhin gutes Essen und außerdem können Kontakte aufgefrischt werden. Die Schwester Jenny hingegen versucht gerade das zweite Mal ihren Schulabschluss zu machen. Lenny befürchtet jedoch, dass dieser Versuch aufgrund der mangelnden intellektuellen Fähigkeiten erneut scheitern wird. Lennys Mutter hat nur wenig Zeit, sich um die Kinder zu kümmern. Seit der alkoholkranke Vater verstorben ist, muss sie als Alleinerziehende hart arbeiten, um die Familie zu ernähren. Lennys große Liebe gilt der verheirateten Sportdozentin. Er hat also niemanden, zu dem er aufschauen kann. Seine zwei Freunde sind ihm da umso wichtiger.
Als eines Tage im Jugendtreff, in dem Yussuf, Faris und Lenny ihre Zeit verbringen, ein Mann namens Omar auftaucht, ändert sich für die drei Freunde einiges. Omar gelingt es Yussuf und Faris davon zu überzeugen, dass sie bloß Opfer der gottlosen gesellschaftlichen Verhältnisse seien, deren grundlegende ökonomische Strukturen verhindern würden, den Islam als politische und gesetzgeberische Richtschnur einzuführen.
Als Lenny bemerkt, dass Yussuf und Faris in die Islamistenszene abrutschen, ist es längst zu spät. Einzig ein Handel gibt ihm die Hoffnung diese noch retten zu können: Er wird Yussuf und Faris bei ihren ersten Prüfungen helfen, aber dafür müssen sie ihm versprechen eine Beratungsstelle aufzusuchen. Die Freunde sind sich einig: Ein Besuch bei einer Beratungsstelle ist schnell abgesessen. Lennys Hilfe ist für die Herausforderung jedoch unerlässlich. Sie lassen sich auf diesen Vorschlag ein.


Eigene Meinung:
Marc Hudek witmet sich mit seinem Roman einem wichtigen Thema: Wie kommt es dazu, dass Moslems in der Diaspora zu Terroristen werden. Er gibt mit seinem Buch einen kleinen Einblick in die Arbeit von radikalen Menschenfängern und ihren Fähigkeiten neue Mitglieder zu werben. Anhand von Lennys Freunden zeigt er, wie schwer es für Angehörige und Freunde sein kann, Zugang zu Betroffenen zu finden. Mit Lenny erschafft der Autor einen Charakter, der auf den ersten Blick ebenso ziellos durchs Leben geht, wie Yussuf und Faris, der aber bereit ist, für seine Freunde einiges auf sich zu nehmen.
Dadurch, dass Lenny in kritischen Situationen zynisch reagiert und dadurch, dass Farik und Yussuf einerseits hart wirken wollen und dann aber doch immer wieder an ihrer eigenen Tollpatschigkeit zu scheitern drohen, entwickelt sich ein subtiler Humor in dem Buch, der das schwere Thema ein wenig auflockert.
Auch eine Liebesgeschichte durchläuft der Protagonist im Laufe der Seiten. Seine unerwiderte Zuneigung zu der Sportdozentin macht Lenny zu schaffen. In einem Park entdeckt er die an den Rollstuhl gefesselte Basketballspielerin Anna, die im ersten Moment mit der Flasche Alkohol und der Zigarette in der Hand so erscheint, als hätte sie mit dem Leben abgeschlossen. Doch die in sich ruhende und lebenserfahrene Frau spricht mit klaren und klärenden Worten über das Leben; es gelingt ihr Lennys inneren Kompass neu einzuordnen.
Lenny beginnt als typischer Antiheld; der der zu betreuenden Kindergruppe beim Völkerball einen extra harten Ball zuteilt oder der im Kaufhaus an einem BH schnuppert. Lenny scheint jedoch mit dem Kampf, den er für seine Freunde auf sich nimmt, Größe zu entwickeln. Er wächst an seiner Aufgabe.


Fazit:
"Ich schwöre" ist ein Buch, welches sich einer sehr schwierigen und aktuellen Thematik widmet. Wie kommt es dazu, dass junge Männer, die die Vorzüge der westlichen Gesellschaft selbst genießen können, dieser den Kampf ansagen. Der Plot wird durch ein wenig Humor aufgelockert. Die Charaktere haben allesamt keine großen Ziele, die sie im Leben verfolgen. Gerade Lenny jedoch scheint an den Herausforderungen, die ihm das Leben stellt, zu wachsen.
Ich denke, dass dieses Buch eine gute Diskussionsgrundlage für das Thema Radikalisierung in Schulen bieten könnte.

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2017

Handlettering für alle!

Karin Luttenberg
Flexibler Einband: 96 Seiten
Erschienen bei mvg, 13.11.2017
ISBN 9783868828542
Genre: Sachbücher

Rezension:

Inhalt:
"Handlettering für alle!: Schritt für Schritt zur schönen Schrift" beginnt mit einem inspirierenden Vorwort. Sodann stellt die Autorin das notwendige Zubehör vor. Auf den Folgeseiten erfährt der Leser, auf welchen Wegen die Autorin Inspiration findet. Anschließend werden die Buchstaben in ihrem Aufbau erläutert. Der Leser erfährt den Unterschied zwischen Serifen, serifenlosen und dekorativen Buchstaben, Versalhöhe, Grundlinie, Mittellänge, Überlänge und Unterlänge. Einige einfache Alphabete werden vorgestellt.
Die Autorin beginnt mit einer einfachen Ausführung eines Letterings. Sie stellt die sogenannte „Falsche Kalligrafie“ an einem Beispiel vor, fügt noch eine einfache Art von Schatten und Schnörkeln hinzu und schon zeigt sich dem Betrachter ein sehr schönes und vorzeigbares Lettering. Es folgen einige Beispiele, wie man den einzelnen Buchstaben Tiefe verleihen kann. Auf den nächsten Seiten werden verschiedene Banner und Rahmen vorgestellt. Die Autorin verrät, wie ein Handlettering mit ein wenig Farbe und durch eine ausgewogene Verteilung der Worte im Bild harmonisch wirkt.
Texte kann man hervorragend in Form bringen, indem man zuvor ein passendes Bild als Hintergrund zeichnet und erst dann das Lettering hineinsetzt. Der Hintergrund kann entweder per Fineliner fixiert oder aber auch im Anschluss wegradiert werden. Er hat seine Pflicht erfüllt.
In einem relativ kurzen Abschnitt werden weitere Materialien vorgestellt, die man fürs Handlettering nutzen kann. Der Schriftzug einer Feder, eines Kalligrafie-Stiftes sowie eines Federstiftes wird ohne viel Worte anhand von Beispielen gezeigt. Mehr Raum nimmt hingegen das Schreiben mit Kreide ein.
Das Buch endet mit einigen einfachen Do-it-yourself-Ideen.


Eigene Meinung:
Karin Luttenberg legt ihren Fokus in ihrem Buch, „Handlettering für alle!: Schritt für Schritt zur schönen Schrift“, darauf dem Leser Hilfsmittel an die Hand zu geben, wie er eigene Inspirationen für neue Texte und auch für grafische Umsetzungen entwickeln kann. Das Buch zeigt auf den ersten Seiten einige einfache Alphabete. Jedoch findet man innerhalb der Bilder, ja alleine schon auf dem Buchdeckel, viele weitere Ideen, wie man Buchstaben in Szene setzen kann. Immer wieder gibt die Autorin dem Leser Anregungen mit auf dem Weg, wie er sich Inspirationen verschaffen kann. Ein alter Fotoapparat dient auf einem Bild als Beispiel. Hier hat Karin Luttenberg einige Schriftarten für sich entdeckt. Schnell wird klar, dass wir immer wieder Produkte im Alltag finden, auf denen interessante Schriftzüge zum Nachmachen einladen.
Wie findet man eine gute Idee für einen Text innerhalb des Letterings? Hier führt nun der Weg in das Reich der Mittel, aus denen Inspiration geboren wird. In der Natur, aber auch im Alltag, in Filmen, ja sogar in der Musik findet Karin Luttenberg Ideen.
Nach den Grundkenntnissen beginnt die Autorin mit einem Beispiel für ein einfaches Lettering. Sie stellt die „falsche Kalligrafie“ an einem Beispiel vor und zeigt dann einige Beispiele, wie man Buchstaben mit einem Schatten verzieren und somit Tiefe verleihen kann. Die Autorin bevorzugt auf ihren folgenden Bildern die „Pünktchenschattierung“.
Banner und Rahmen werden vorgestellt. Auch hier können ein paar Striche oder Punkte an den richtigen Stellen und/oder ein Schatten im Hintergrund wahre Wunder vollbringen. Aber auch mit ein wenig Farbe an der richtigen Stelle können schöne Akzente geschaffen werden. Auch auf eine harmonischen Anordnung der Worte innerhalb des Letterings sollte man unbedingt achten. Ab der Mitte des Buches widmet sich Karin Luttenberg den Zeichnungen innerhalb eines Handletterings. So kann man zum Beispiel einen Text direkt in ein Bild hineinsetzen oder aber den Text mit Hilfe einer vorherigen Bleistiftzeichnung in eine entsprechende Form bringen. Diese Methode sorgt für einen regelrechten Eyecatcher. Überhaupt arbeitet die Autorin sehr gerne mit Handlettering in Verbindung mit Zeichnungen. Schritt-für-Schritt-Anleitungen und einige fertige Ideen bieten dem Leser Hilfestellungen für eigene Letteringversuche.
Weitere Materialien wie Feder, Kreidemarker u.ä. werden eher kurz vorgestellt. Auch hier gilt, dass die Autorin weniger Hilfestellung mit Worten als durch Visualisierung gibt.
Das Buch endet mit einigen Do-it-yourself-Ideen, die sich leicht umsetzen lassen. Eine eigene Karte zum Geburtstag, selbstgemachtes Geschenkpapier, selbstbeletterte Eier zu Ostern oder Weihnachtskugeln für den Christbaum, Geschenkanhänger, ein selbstgestaltetes Notizbuch oder ein beletterter Tisch als Geschenk für eine Party, Tischdeko und beletterte Sägen für die Wand sind Ideen, die sich gut verschenken lassen oder die auch in der eigenen Wohnung einiges hermachen.
Ich selbst habe bereits einige Bücher gelesen und auch schon das ein oder andere Handlettering ins Werk gesetzt. Aus Erfahrung weiß ich, dass man irgendwann in einer kreative Krise zu stecken scheint. An diesem Punkt hat man sich meist noch gar nicht mit der Ausführung des eigentlichen Letterings befasst. Karin Luttenberg schafft mit ihrem Buch Abhilfe. Allgemein gehaltene Ideen helfen aus jedem „künstlerischen Tief“ und motivieren gleich zum Stift zu greifen und ein neues Lettering aufs Papier zu bringen.


Fazit:
"Handlettering für alle!: Schritt für Schritt zur schönen Schrift" bietet anhand vieler Bilder und einiger Ausführungen der Autorin eine Quelle der Inspiration. Einfache Do-it-your-self-Ideen motivieren zum Nachmachen. Da auch Grundkenntnisse zum Lettering grob vermittelt werden, finden sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Leser/innen in diesem Buch eine wertvolle Hilfe für ihren Handletteringerfolg. Motivationstiefs sollte es nach dem Lesen dieses Buches nicht mehr geben.

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Tags: 2017   (1)
 

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dystopie, mord, kerry drewery, todesstrafe, jugendbuch

Marthas Widerstand

Kerry Drewery , Sabine Bhose
Fester Einband: 426 Seiten
Erschienen bei ONE, 16.03.2017
ISBN 9783846600436
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Martha wurde des Mordes an Jackson Paige beschuldigt. Mit einer Waffe in der Hand wurde sie vor der Leiche des vom Volk geliebten Wohltäters vorgefunden. Auch hat sie die Tat umgehend gestanden. Sieben Tage wird Martha nun in sechs verschiedenen Zellen verbringen, bis sie letztlich in der Todeszelle Nummer sieben auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden soll. In der Fernsehshow „Death is Justice“ wird jeden Abend über diesen Fall gesprochen. Das Publikum wird nach einer ausgiebigen Analyse aufgefordert per SMS, Internetvoting oder Telefonanruf abzustimmen, ob Martha leben oder sterben soll. Dieses „demokratische Urteil“ soll über Schuld oder Unschuld der Verurteilten entscheiden. Nur wenige stellen sich die Frage, ob das Mädchen nicht vielleicht doch unschuldig sein könnte.


Schreibstil:
In Marthas Widerstand findet sich der Leser in einem zukunftsorientierten Szenario wieder. Gerichte, nebst Richter wurden abgeschafft, auch eine Beweiserhebung wird in einem Strafverfahren nicht mehr als notwendig erachtet. Stattdessen soll das Volk per Voting darüber bestimmen, ob ein Verurteilter für die ihm vorgeworfene Tat hingerichtet oder doch freigesprochen werden soll. Als Hilfestellung dient dem Bürger hierbei ein Livestream, den er per Zusatzkosten mieten und bei dem er täglich einen Blick in die Zelle des Verurteilten werfen kann. Außerdem wird in der Fernsehsendung „Death is Justice“ ausgiebig über den aktuellen Fall gesprochen. Hierzu werden Verwandte des Opfers, Zeugen oder aber sonstige Studiogäste, wie in Marthas Fall ein ehemaliger Richter oder aber auch der Reporter, der mit dem Fall betraut ist, geladen und von den Moderatoren der Fernsehsendung interviewt. Leichtere Fälle werden in einer weiteren Fernsehshow abgehandelt, bei der eine Jury von fünf ausgewählten Personen mittels Buzzer eine Entscheidung über die Verurteilung trifft. Dieses neue System wird als sehr demokratisch und somit gerecht empfunden. Nur erfährt man anhand von Marthas Geschichte nach und nach von den Nachteilen, die das Verfahren mit sich bringt und gerade die ärmeren Teile der Gesellschaft des Landes benachteiligt, die sich zum Beispiel ständige Anrufe für das Voting oder ein Abonnement des Livestreams nicht leisten können.
Gerade der Voyeurismus, aber auch die reißerische Präsentation der Moderatoren ist es, die die Spannung beim Volk schürt und die für Unterhaltung sorgt. Das Gefühl live dabei zu sein und einmal Richter spielen zu dürfen, verschafft der Fernsehshow zudem gute Einschaltquoten.
Martha wechselt jeden Tag ihre Zelle. Nach und nach stellt sich heraus, dass verschiedene Methoden eingesetzt wurden, um die Inhaftierten der Zelle zu foltern. Diese Methoden sind nicht offensichtlich und erschließen sich für den vor dem Monitor sitzenden Zuschauer nicht. Auch Kontakt zur Außenwelt, ist Martha strengstens untersagt. Lediglich die Psychologin Eve darf gelegentlich die Zelle besuchen und mit der Verurteilten sprechen. Dieses Gespräche werden nicht von den Kameras in dem Todestrakt aufgezeichnet. Der Leser, der das Geschehen sowohl aus der Perspektive der Protagonistin als auch der Psychologin verfolgen darf, wird nach und nach Zeuge von einem sehr maroden neuen Rechtssystem und von Korruption.
Neben den Perspektiven der Psychologin Eve und der Inhaftierten Protagonistin liefern einige Kapitel einen Einblick direkt in die Fernsehsendung "Death or Justice". Diese Kapitel sind wie ein Interview aufgebaut. Der Leser verfolgt die Diskussion der Moderatoren und ihrer Gäste. Außerdem wird beschrieben, was der Zuschauer auf seinem Fernseher sieht (zum Beispiel das Logo der Serie). Dieser Schreibstil ist ungewohnt, aber zugleich auch sehr innovativ.


Fazit:    Das Prinzip Brot und Spiele, das schon im alten Rom erfunden wurde, ist hier tragend, wie in „Hunger Games“ oder ,„Running Man“. Gemeint ist die Tatsache, dass eine Bevölkerung durch öffentlichen Veranstaltungen bei Laune gehalten wird. Mehr ist in Marthas Widerstand aber nicht klar. Schon auf den ersten Seiten stellen sich dem Leser einige Fragen.

Ziemlich schnell wird die Neugierde auf Marthas Geschichte geweckt. Warum hat das Mädchen eine Waffe auf den geliebten Wohltäter ihrer Wohnsiedlung gerichtet? Ist sie wirklich so schuldig, wie es alle denken? 
Das dystopische Rechtssystem in Verbindung mit einer reißerischen Fernsehshow führt zu einer allgemeinen „Theatralisierung des Lebens“. Bald schon wird klar, dass nicht alles so demokratisch und gerecht erscheint, wie es die Moderatoren den Bürgern glaubhaft machen wollen.
Spannung wird hier durch das zeitliche Limit geschaffen, das Martha und ihren Freunden gesetzt ist, um eine eventuelle Unschuld zu beweisen. Aber auch das Geheimnis, welches das Mädchen wahrt, schürt die Neugierde.

Marthas Widerstand ist ein spannendes und sehr fesselndes Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt.

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bilderbuch, einsamkeit, sternennacht, china, illustrationen

Die Sternennacht

Jimmy Liao , Marc Hermann
Flexibler Einband: 70 Seiten
Erschienen bei Chinabooks E. Wolf, 01.11.2017
ISBN 9783905816693
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Ein einsames kleines Mädchen verliert sich in ihrer Fantasie. Die Eltern sind mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, der geliebte Großvater wohnt auf dem Land weit weg. In der Schule wird sie gemobbt und bedroht, zu Hause hört das Mädchen ständig die Eltern streiten. Doch in ihrer eigenen Welt gibt es riesige Elefanten, große Katzen und Monster, die sie beschützen. Zum Zeitvertreib beobachtet das Mädchen die Nachbarin durch das Fenster. Sie ist froh, dass dort endlich Mieter eingezogen sind, denn so ist die alte Frau wenigstens nicht mehr alleine. Und dann liegt dort plötzlich ein Junge auf dem Dach. Mitten im Schnee und schaut in den Himmel. Auf den ersten Blick scheint der Jungen ebenso einsam zu sein wie das Mädchen. In der Schule ist er der Neue. Auch er wird von den Mitschülern geärgert. Wenn es regnet geht er ohne Schirm, als hätte der Regen nichts mit ihm zu tun. Er scheint auch einsam, doch er scheint keine Angst zu haben. Er scheint angekommen zu sein.
Das Mädchen sucht die Nähe des Jungen. Sie reden nicht viel und doch sind sie sich sehr nahe. Bald schon sind beide zusammen einsam und bald schon beschließen sie auszubrechen. Sie ziehen in ein Abenteuer und erleben die Freiheit und die Schönheit, nach denen sich ihr Herz im Stillen gesehnt hat.


Zeichenstil:
Um einen ungefähren Eindruck von Jimmy Liaos Zeichenstil zu gewinnen, muss man nur einen Blick auf das Cover werfen. Teilweise durch starke Farben aber auch durch das Hervorheben bestimmter Bildteile weckt der Zeichner das Interesse des Betrachters. Immer wieder lässt er fantastische und/oder surreale Elemente einfließen und wirft damit ein Schlaglicht auf das Seelenleben seiner Protagonistin.
Als Beispiel sei hier ein Bild genannt, in dem das Mädchen traurig ist. Grüne Ranken durchziehen das Bild. Das Mädchen steht in dem dahinterliegenden rosafarbenen Haus mit grünen Punkten und schaut durch das Fenster. Dieses Bild vermittelt Einsamkeit und Traurigkeit alleine durch den Gesichtsausdruck des Mädchens und durch die Ranken, die alles für sich einnehmen und dennoch entsteht dank des farbigen Hauses keine erdrückende Atmosphäre. Beim Betrachten wird klar, dass es die Fantasie des Mädchens ist, die ihre Seele vor dem Schmerz rettet.
Jimmy Liao gelingt es also alleine durch seine Zeichnungen eine starke Aussage zu erschaffen. Die kräftigen Farben aber auch das DIN-A4-Format des Buches verstärken die Wirkung der Bilder auf den Betrachter.
Die Sternennacht kommt mit wenig Worten aus. Ein Satz am Ende der Seite erzählt einen Teil der Geschichte. Einige Seiten kommen auch ganz ohne Text aus. Gerade diese Seiten sind es, die aufgrund der fehlenden Worte ganz besonders intensiv wirken. Zum Ende hin erwartet den Leser eine kleine optische Überraschung.
Die Botschaft dieses Buches lautet: Wo es Schatten gibt, da gibt es Licht. - Auch in der Einsamkeit soll man die Sehnsucht nicht verlieren. Diese Aussage unterstreicht der Autor/Zeichner in seinem Werk.


Fazit:
Die Sternennacht ist eine Geschichte über ein einsames Mädchen mit viel Fantasie. Die farbenfrohen und aussagekräftigen Bilder enthalten einige fantasiereiche/surreale Elemente, die die Botschaft des Buches „in der Einsamkeit soll man die Sehnsucht nicht verlieren“ zusätzlich unterstreichen. Die Geschichte kommt Dank des Talents des Zeichners ohne viele Worte aus. Jimmy Liao nimmt den Leser in „Die Sternennacht“ mit in das Leben eines einsamen, aber sehr fantasievollen Mädchens. Durch seine Bilder weckt er Gefühle und Emotionen. Die Bilder wollen gedeutet werden, die Geschichten hinter den Illustrationen, wollen von den Rezipient/innen auserzählt werden. Auch dort, wo das Buch wortkarg bleibt, ist es daher wirklich gut. Arrangement und Auswahl der Bilder regen die Phantasie an. Dieses Bilderbuch ist nicht nur für jüngere Leser, sondern auch für Erwachsene geeignet. Eine Reise, die man erlebt haben sollte.

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383 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 86 Rezensionen

fantasy, magie, liebe, worte, amy harmon

Bird and Sword

Amy Harmon , Corinna Wieja
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei LYX, 26.10.2017
ISBN 9783736305489
Genre: Fantasy

Rezension:

Inhalt:
Die kleine Lark beherrscht die Gabe der Magie der Worte. Eines Tages formt sie einen Spruch, der die Puppen ihres Zimmers tanzen und durch die Luft schweben lässt. Voller Freude verfolgt sie das Spiel gemeinsam mit ihrer Mutter, als ein Freund und Diener der Familie den Raum betritt und die Ankunft des Königs ankündigt. Schnell versucht Lark auf den Rat der Mutter, die Puppen zum Stillstand zu bewegen, zu hören, doch eine schwirrt durch das Fenster.
Der König ist gekommen, um seinem Sohn das Königreich zu zeigen, über welches er irgendwann einmal herrschen wird. Seine Präsenz ist furchteinflößend und das mit Recht, denn Magie ist ihm zuwider und wird hart bestraft. Mitten im Gespräch erblickt er die Puppe, die zurück zu der kleinen Lark fliegt. Doch bevor ein Missgeschick passiert, greift die Mutter ein. Sie sorgt dafür, dass der König nicht erkennt, wer die Magie gewirkt hat und spricht im letzten Moment einen Fluch, der ihrer Tochter die Stimme und damit ihre Fähigkeiten raubt.
Jahre später taucht Prinz Tiras mit seiner Gefolgschaft erneut am Hof von Larks Vater auf. Er fordert die Männer, die der Lord ihm schuldet, ein. Als Pfand und damit sein Wille gehört wird, verlangt er, dass Lark ihn auf den königlichen Hof begleitet.
Bald sind die fehlenden Worte und die Magie im Land nicht mehr die einzigen Probleme, die Lark und Tiras beschäftigen, denn es gibt Feinde, die alles zerstören möchten, was dem jungen Prinzen am Herzen liegt.


Die Welt:
Amy Harmon erschafft eine Welt, in der Magie nicht geduldet wird und doch gibt es einige Menschen, die eine der vier Gaben beherrschen. So gibt es Gestaltwandler, Heiler, Spinner und Weissager. Und es gibt Kreaturen, halb Mensch halb Vogel mit rasiermesserscharfen Schwingen und Hörnern am Kopf, die eine große Gefahr für die Bewohner des Landes darstellen. Die Volgar, so nennen die Menschen diese Kreaturen, ernähren sich von dem Fleisch ihrer Opfer. Sie glauben daran, dass die Kräfte der Toten so auf sie selbst übergehen.
Jedes der Länder der Welt wird von einem Lord regiert. Über den einzelnen Lokalherrschern thront der König.  Eine Karte im Klappenteil des Buches zeigt die Lande von Jeru und verschafft dem Leser im Bedarfsfalle einen schönen Überblick.


Schreibstil:
Nachdem der Prinz Lark als Pfand für seine Forderungen mit in sein Königreich genommen hat, beginnt für das Mädchen ein neues Leben. In ihrem Heim war es der Vater, der das Mädchen nicht aus den Augen gelassen und hart bestraft hat. Jedoch nicht, weil er Lark liebte, sondern stets aus reinem Eigennutz. Im Schloss wird sie erneut in ein Zimmer gesperrt, doch dort lebt sie im Luxus. Sie bekommt ein Bad mit Rosenblüten, drei Frauen kümmern sich um ihr Wohlbefinden.
Lark sehnt sich nach ihrer Freiheit. Sie möchte frei entscheiden und auch wieder sprechen können. Doch zugleich hat sie auch Angst davor mit ihren Worten erneut Schaden anzurichten. Ihre Statur ist eher zierlich, mit ihrem Aussehen fällt sie nicht weiter auf. Auf den ersten Blick wirkt das Mädchen gegenüber dem dominanten Auftreten und den zielorientierten Worten des Prinzen verletzlich und schwach. Doch Lark ist alles andere als das, denn in ihr tobt ein Feuer.
Amy Harmon gelingt es mit ihren Worten Bilder zu zaubern. Sie erschafft eine spannende und fesselnde und zugleich magische Geschichte. Lark und Tiras scheinen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich und doch haben sie einiges miteinander gemein. Lark steckt voller Gefühle und Leidenschaft, die sie mit aller Macht zurückhält. Der Prinz hingegen wirkt oft barsch und kalt. Doch gegenüber seiner Gefangenen zeigt er des öfteren Nachsicht.
Die Liebe zum gesprochenen und geschriebenen Wort spielt in diesem Buch eine ganz besondere Rolle. Lark sehnt sich danach zu sprechen, sie möchte nichts lieber als Lesen und Schreiben zu können. Die Szene, als der König ihr ein Buch gibt und ihr etwas daraus vorliest, könnte nicht schöner sein, als hätte er ihr einen Kuss gegeben.
Neben diesen leidenschaftlichen Momenten, die mitten ins Herz treffen, erzählt Bird & Sword auch eine Geschichte über Macht, Krieg, Intrigen und Gefahren. Der Prinz muss sich stets darum sorgen, dass ihm jemand seinen Thron streitig macht. Zugleich droht Unheil von Seiten der harpienartigen Volgar, die sich immer mehr vermehren und das Land bedrohen. Aber auch die Angelegenheiten des Volkes müssen geklärt werden. Das Gesetz, dass Magie nicht geduldet wird, wird von den Magischen gefürchtet und zugleich drängen die, die keine Fähigkeiten besitzen auf dessen Durchsetzung. Und dann gibt es noch ein Geheimnis, welches schwer auf den Schultern von Tiras lastet.


Fazit:
Bird & Sword ist eine Liebesgeschichte voller Leidenschaft für das gesprochene und geschriebene Wort und zugleich zwischen zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedlich wirkenden Charakteren. Die Charaktere müssen nicht nur für ihre Ziele und Wünsche kämpfen, sondern sich auch gegen ihre Feinde behaupten, die sowohl Lark, aber auch dem König nach dem Leben trachten. Ein weiterer Konflikt untermalt die Handlung: Die Magie ist stets präsent und doch wird sie von den Bewohnern nicht geduldet.
Bird & Sword ist eine Geschichte über Magie, über Liebe, voller Intrigen und Zauber. Dieses Buch ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Amy Harmon gelingt es ihre Worte zu Bildern werden zu lassen. Fantasyliteratur der feinsten Sorte.


Buchzitate:
Ihm hatte man jedes Wort gegeben, das er brauchte, mir aber hatte man jedes Wort genommen. Ich wollte sie wiederhaben. Alle.
Er schien zu wissen, was ich wollte, und legte seine Hand über meine. Während er las, zog er sie weiter, damit ich ihm folgen konnte.

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kreativbuch, handlettering, kalligrafie, norbert pautner, bassermann verlag

Handlettering. Die 33 schönsten Alphabete mit Rahmen, Ornamenten und Bordüren

Norbert Pautner
Flexibler Einband
Erschienen bei Bassermann, 02.10.2017
ISBN 9783809438038
Genre: Sachbücher

Rezension:

Inhalt:
Handlettering. Die 33 schönsten Alphabete stellt dem Leser, wie der Titel schon verrät, 33 Alphabete vor, mit denen er sein Handlettering kreativ gestalten kann. Jede Doppelseite setzt sich aus Alphabet (rechts) und Anleitung, Tipps und Tricks (links) sowie vielen Bildern, die die Beispiele untermalen zusammen. Das Buch schließt mit einigen Inspirationen für Verzierungen, Rahmen und Bordüren, Illustrationen, Schwüngen und Vignetten, Banderolen und Etiketten.


Eigene Meinung:
Als mittlerweile nicht mehr ganz so blutiger Anfänger, waren mir die Grundkenntnisse des Handletterings schon bekannt. Ich erhoffte mir von Norbert Pautners Werk „Handlettering. Die 33 schönsten Alphabete“ ein Buch, welches mir bei der kreativen Gestaltung meines Letterings behilflich sein würde. Diese Anforderungen hat das DinA4 große Buch, welches für 7,99 Euro nicht nur kostengünstig ist, sondern zugleich auch einige Informationen vermittelt, durchaus erfüllt.
Norbert Pautner beginnt sein Buch mit einer Einleitung, in der er an Beispielen zeigt, dass die Aussage eines Satzes alleine durch die Wahl der Schriftart, aber auch der Farbe bei einem Lettering vom Betrachter völlig anders interpretiert werden kann. Dieser Hinweis war mir nicht neu, jedoch wurde der Kern der Aussage durch die gezeigten Bilder noch einmal mehr als deutlich gemacht. Mir wurde durch diese Beispiele bewusst, wie wichtig es ist, dass Lettering schon im Vorfeld gut zu durchdenken.
„Handlettering. Die 33 schönsten Alphabete“, verspricht dem Leser schon alleine auf dem Cover, eine gute Auswahl verschiedener Alphabete. Dieses Versprechen hält der Autor. Von Jugendstil-Versalien, der Zirkusschrift, einer Westernvariante, bishin zur eleganten Pinselschrift, findet man hier alles, was das Herz begehrt. Das Buch ist so aufgebaut, dass der Leser auf der rechten Seite ein Alphabet, gezeichnet auf Karopapier, zum Üben findet. Auf der linken Seite erfährt er einige Tipps und Tricks, wie man die Schrift am besten umsetzt und im Nachhinein auch noch gut in Szene setzen kann. Auch verrät der Autor, worauf der Zeichner achten muss, damit das Schriftbild stimmig wirkt. Die Informationen sind knapp, aber genauso informativ gehalten und werden mit vielen Bildern aufgelockert.
Das Buch schließt mit fünf Seiten auf denen Anregungen für Verzierungen, Rahmen und Bordüren, Illustrationen, Schwüngen und Vignetten, Banderolen und Etiketten gezeigt werden. Die Auswahl genügt, um einige Inspirationen zu finden und Handletterings schön in Szene zu setzen.


Fazit:
Handlettering. Die 33 schönsten Alphabete ist vom Preis-Leistungsverhältnis kaum zu toppen. Anfängern würde ich empfehlen, sich zumindest noch ein weiteres detaillierteres Handletteringwerk zu kaufen, in dem die Basics ein wenig ausführlicher erklärt werden. Für Letterer, die bereits einige Grundkenntnisse besitzen, bietet Norbert Pautners Werk viele interessante Alphabete, mit denen neue Anreize und kreative Letterings erschaffen werden können.

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2017, pferd

Ein weiter Weg

Dan Gemeinhart , Annette von der Weppen
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2017
ISBN 9783551560391
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Im Jahr 1890 macht sich der dreizehnjährige Joseph auf den Weg sein geliebtes Pferd Sarah wiederzufinden, welches sein Vormund in einer Nacht- und Nebelaktion an einen vorbeiziehenden Pferdehändler namens Ezra Bishop verkauft hat. Immer wieder erhascht Joseph einen kleinen Hinweis, in welche Richtung Ezra Bishop mit seiner Herde weitergezogen ist. Immer deutlicher wird ihm bewusst, dass der Pferdehändler dazu neigt, Gewalt anzuwenden und seine Vertragspartner über den Tisch zu ziehen. Doch gleichgültig, welche Hindernisse sich Joseph entgegenstellen, er geht seinen Weg. Egal, wie unfair ihm andere Menschen begegnen, Joseph hält sich an die Grundwerte, die ihm seine Eltern vermittelt haben: Er handelt stets gerecht. Und so kommt es, dass er neben der gefährlichen Begegnung mit einem Bären, einem Besuch im Indianerdorf, einer wilden Flussfahrt, der Begegnung mit einem gefährlichen Betrüger auch einen besten Freund fürs Leben und fast ein neues Zuhause findet.


Schreibstil:
„Ein weiter Weg“ erinnerte mich in einigen Aspekten sehr an das weitere von Dan Gemeinhart erschienene Buch, „Die wirkliche Wahrheit“. Auch hier liegt dem noch jungen Protagonisten ein Tier ganz besonders am Herzen. Auch hier wagt der Held sich auf eine Reise und erlebt ein großes Abenteuer. Auch das Thema Freundschaft ist erneut ein sehr wichtiger Aspekt dieses Romans.
Die Geschichte von Joseph und seiner Suche nach dem Pferd Sarah spielt im Jahr 1890. Der Flair dieser Zeit wird deutlich, wenn man die kleinen Details der Geschichte betrachtet. Für Ordnung sorgt zum Beispiel noch ein Sheriff mit einem Stern an der Weste, die Charaktere reden sich mit Bursche oder Sir an. Eine Pistole funktioniert noch auf altmodische Weise, indem man zuvor noch den Hahn spannen muss. Autos oder Fahrräder findet man hier nicht, als Fortbewegungsmittel dient noch das gute alte Pferd.
Wir verfolgen die Geschichte aus der Sicht eines dreizehnjährige Jungen namens Joseph, der jedoch mit seinem Verhalten oft viel älter wirkt. Sehr oft habe ich mich dabei ertappt, dass ich mir vor dem inneren Auge einen dreißigjährigen Mann vorgestellt habe. Josephs Eltern und auch die jüngere Schwester sind an Krankheit sowie einem Unfall verstorben. Alles, was er noch hat, ist Sarah, das Pferd, das ihm bislang treu zur Seite stand. Ein Freund in guten und schlechten Zeiten. Joseph zieht los um dieses Pferd zu finden. Wenn ihm Unrecht widerfährt, dann handelt er nicht aus Rache oder Wut, sondern besinnt sich der Worte seiner Eltern und versucht so gerecht wie möglich zu handeln. Seine Entscheidungen sind immer gut durchdacht, vorbildlich und sehr weise gefasst.
Auf seiner Reise begegnet Joseph bald einem einsamen und traurig wirkenden chinesischen Jungen. Seit Tagen hat A-Kih, der vor einem Kaufsmannsladen sitzt, angeblich nichts gegessen. Joseph kauft ihm Brot und Wasser und versucht ein Gespräch. Doch A-Kih kennt nur seine eigene Sprache. Bald schon befinden sich die beiden Jungen gemeinsam auf ihrem Weg. Trotz Verständigungsprobleme entspinnt sich schon bald eine wundervolle und enge Freundschaft, die ohne Worte funktioniert.
Joseph und A-Kih werden dem Leser bald schon ans Herz wachsen. Die Abenteuer, die sie auf ihrer Reise erleben sind spannend und immer wieder fragt man sich, was wohl den chinesischen Jungen antreibt. Ein kleiner schwarzer Vogel scheint sein Talisman zu sein. Immer wieder zeigt er ihn vor, immer wieder spricht er andere Menschen auf seiner Reise in seiner seltsam fremden Sprache an. Seine Worte klingen mal beruhigend, mal drängend.


Fazit:
Ein weiter Weg ist die Geschichte von Joseph, einem dreizehnjährigen Jungen, der auf der Suche nach seinem Pferd von einem Abenteuer ins nächste gerät. Im Fokus des Buchs steht das Thema Freundschaft, die, so lernt der Leser aus Dan Gemeinharts Worten, nicht immer auf Gemeinsamkeiten beruhen muss. Der Protagonist wirkt mit seinem erwachsenen und ehrenwerten Ansichten, mit seinem Mut und seiner Entschlossenheit wie jemand, den man sich gerne zum Vorbild nehmen möchte.
Ein weiter Weg ist das zweite Buch von Dan Gemeinhart, welches mich restlos von sich überzeugen konnte. Empfehlen möchte ich diese Geschichte Lesern, die ein Abenteuer suchen, die das Thema Freundschaft interessiert und die einen ganz besonderen Autor für sich entdecken wollen.


Buchzitate:
Meine Mutter hat immer gesagt, wenn jemand etwas Hässliches tut, soll man nicht einfach genauso hässlich sein, sondern lieber ein bisschen Sonnenschein verbreiten, zum Ausgleich.
Wenn man nichts hat, wohin man gehen kann, bleibt man wohl am liebsten einfach da, wo man ist – und sei es noch so schrecklich.
Meine Stimme brach, aber wenn etwas getan werden muss, dann bleibt einem nichts anderes, als sich reinzuknien und die Sache so gut wie möglich zu erledigen.

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freundschaft, mut, berg, mark, ziel

Die wirkliche Wahrheit

Dan Gemeinhart ,
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 02.10.2015
ISBN 9783551560155
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Marks großer Traum ist es, einmal in seinem Leben den Mount Rainier zu besteigen. Kurzerhand schnappt er sich seinen treuesten Freund und Begleiter, einen Hund namens Beau, packt seine Sachen und zieht die Haustür hinter sich zu. Zu Fuß, mit einem gefüllten Rucksack, einer leeren Reisetasche und einer Kamera, begeben sich die beiden Freunde auf das wohl größte Abenteuer ihres Lebens.


Erweiterter Inhalt:
Ohne einen Blick zurück zu werfen begibt sich Mark gemeinsam mit seinem Freund, einem kleinen aber treuen Hund namens Beau, auf einen Roadtrip. Sein Ziel ist der Gipfel des Berges Mount Rainier. Mark weiß, dass er vielleicht nie mehr wieder heimkehren wird. Er ist sehr krank. Weder seine Eltern noch seine beste Freundin weiht er in sein Vorhaben ein. Ihm ist klar, dass seine besorgten Eltern einen Suchtrupp losschicken werden. Um das Scheitern seines Plans zu verhindern, legt Mark daher eine falsche Fährte.
Auf der Reise erleben die beiden Freunde viele Abenteuer. Sie treffen auf Menschen, die ihre eigenen Geschichten mit sich herumtragen und diese mit den Reisenden teilen. Sie geraten in gefährliche Situationen und müssen sich nicht nur einmal fragen, ob ihr Gegenüber es gut oder schlecht mit ihnen meint. Bald schon erblickt Mark in einer heruntergekommenen Bar auf einem der Fernseher eine ihn betreffende Suchmeldung. Die Zeit, sein großes Ziel zu erreichen, rinnt ihm davon. Nicht nur, weil jemand auf sie aufmerksam werden könnte, sondern auch, weil Mark krank ist und diese Krankheit macht ihm zusehends zu schaffen.


Meine Meinung:
Die Wirkliche Wahrheit ist ein Buch über eine ganz wundervolle Freundschaft zwischen einem Hund und einem kleinen Jungen. Besonders gut ist dem Autor die Darstellung von Beau und seinem Besitzer gelungen. Kleine Details, wie der treue Blick aus zwei verschiedenfarbigen Augen, das fröhliche Schwanzwedeln, das Mark in schlimmen Situationen Mut spendet oder aber auch ein herzzerreißendes Winseln, hauchen Beau Leben ein. Wie ein kleiner Held stellt er sich trotz seiner Größe Marks Feinden mutig entgegen und folgt seinem Freund selbst dorthin, wo er selbst vielleicht den Tod finden könnte.
Mark hingegen geht seinen Weg. Ihm scheinen die Sorgen der Daheimgebliebenen nahezu egal. Nicht mal eine Postkarte oder einen Anruf sind sie ihm wert. Statt Zweifeln überkommt ihn gelegentlich sogar Wut gegenüber seiner Umwelt. Wut, die ihm hilft seine Angst zu überwinden, die ihn aber auch mal ungerecht wirken lässt. Doch trotz dieser Schwäche kann man diesen Jungen auch bewundern. Egal, wie hart ihm das Schicksal mitspielt, er lässt sich von seinem Traum und seinem großen Ziel nicht abbringen.
Sehr schön zu entdecken waren die kleinen künstlerischen Kniffe, die der Autor in seinen Roman gewoben hat. So besteht die Aufgliederung des Buches aus ganzen und halben Kapiteln. In den halben Kapiteln liest man von Jessie, Marks bester Freundin und seinen Eltern, die sich zu Hause sorgen. Jedes dieser Kapitel beginnt und endet mit einem Haiku, einer Art Gedicht, die sich aus einer bestimmten Anzahl von Silben zusammensetzt. Jessie und Mark lieben Haikus. Sie waren schon immer ein kleiner Insider ihrer Freundschaft. Die „ganzen“ Kapitel hingegen zeigen stets den Teil eines Bergbildes. Nach und nach vervollständigt sich die Zeichnung und zeigt mit der Kilometerangabe in der Überschrift an, wie nahe Mark seinem Ziel kommt.
Dieser Roman baut nicht nur auf einer wundervollen Freundschaft auf und vermittelt zugleich eine Botschaft an den Leser. Das Abenteuer, welches man hier gemeinsam mit Mark und Beau erlebt, wird auch spätestens auf den letzten Seiten hin richtig spannend. Ich habe geflucht und geschimpft. Ich habe mit dem Schicksal gehadert und an den Seiten geklebt. Ich habe gebetet und gehofft. - Für Mark und für Beau, den besten Freund, den man sich nur wünschen kann.


Fazit:
Die Wirkliche Wahrheit ist eine Geschichte über bedingungslose Freundschaft, aber auch eine, die von Träumen und Opfern, die zu deren Erfüllung gebracht werden müssen, handelt. Es ist ein Roadtrip und ein großes Abenteuer. Noch nie habe ich in einem Buch einen Hund kennengelernt, der mir so ans Herz gewachsen ist. Meiner Meinung nach ist Beau der wahre Held der Geschichte und ein Freund, wie ihn sich wohl jeder wünscht.
Ich empfehle dieses Buch an Leser, die Lust verspüren, sich gemeinsam mit einem Jungen, der nicht zurückschaut, einem Abenteuer voller Gefahren zu stellen. Denen, die eine Freundschaft erleben möchten, die über alle Grenzen hinaus geht. Und denen, die eine kleine Reise erleben wollen, die sie so schnell nicht vergessen werden.

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2017

Handlettering with Love


Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Edition Michael Fischer, 21.09.2017
ISBN 9783863558208
Genre: Sachbücher

Rezension:

Inhalt:
Handlettering with love beginnt mit einer kurzen Vorstellung der Autorinnen. Im Anschluss werden die Grundlagen des Handletterings - dazu gehören die Schriftarten, Techniken sowie die Materialkunde - kurz erläutert. Es folgen einige Seiten mit Spruchempfehlungen für Glückwunschkarten und allerhand Fotos von geletterten Werken. Das Buch schließt mit einer guten Auswahl an Schmuckelementen ab.


Eigene Meinung:
Auf den ersten Seiten des Buches stellen die Autorinnen in kurzen Worten die Grundlagen des Handletterings dar. Hier erfährt man über zwei Seiten den Unterschied zwischen Serifenlosen Schriften, Serifenschriften und der Schreibschrift. In dem folgenden Unterkapitel Techniken werden die Unterschiede zwischen Handlettering, Kalligrafie und Brushlettering herausgearbeitet. Die Erläuterungen werden mit Beispielbildern untermalt. Die „Kleine Materialkunde“ stellt die verschiedenen Stiftarten vor und verrät, dass man für den Start nicht auf Geodreieck, Bleistift und Radierer und bei Aquarellfarben auf spezielles Papier verzichten sollte. Die Ausführungen sind allesamt kurz und knackig und vermitteln dem Leser einen ersten Eindruck.
Ab Seite zwanzig bis Seite neunundsiebzig folgen Rubriken wie Familie & Feste, Liebe und Freundschaft sowie Feiertage. Jede Rubrik beginnt mit einer Seite, die Anregungen für Sprüche liefert, die man auf eine Karte zaubern kann. Beispiel zum Thema „Zur Taufe“: Glückwunsch zur Taufe, Einladung zur Taufe, Meinem lieben Patenkind, Zur Taufe alles Gute.
Nach den zum Thema passenden Spruchempfehlungen folgen Fotos von geletterten Karten, Gutscheinen, bzw. Bildern. Die Bilder sind gelegentlich mit einem kleinen Tipp am Rand versehen. Gefehlt hat mir oft eine genaue Anleitung. Ich hätte mir z.B. mehr Hinweise dazu gewünscht, worauf man achten muss (Beispiel: Wie muss man die Stifte halten, wie gelingt ein guter Abstrich beim Brushlettering, wie gelingt das Blending so wie es auf dem Bild gezeigt wird?). Die Bilder liefern mit den unterschiedlichen Schriftarten und Hintergrundmotiven viele interessante Anregungen zum Nachmachen. Unter jedem Bild werden die verwendeten Stifte benannt.
Auf den letzten vierzehn Seiten befinden sich einige Schmuckelemente zum Abzeichnen oder Inspirationen holen. Neben Blumen und Blättern, Bannern und Pfeilen, Zierleisten und Schnörkeln, Rahmen, Herzen und Sternen werden Bilder für jede Jahreszeit, Weihnachten, Partys, Hochzeit, fürs neugeborene Baby, aber auch zum Thema Küche und Rezepte gezeigt. Die Auswahl ist sehr üppig.


Fazit:
Handlettering with love ist ein Buch, das mit einer Vielzahl von Letteringfotografien und Schmuckelementen einige Anregungen bietet und Lust macht, diese Kunstfertigkeit zu erlernen. Anwender, die detaillierte Anleitungen suchen, werden hier aber nicht fündig werden.

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new york, anna pfeffer, liebe, chatroman, cbj verlag

New York zu verschenken

Anna Pfeffer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei cbj, 28.08.2017
ISBN 9783570173978
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Nachdem seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hat, sucht Anton per Instagram eine neue Reisebegleitung für einen Trip zu zweit nach New York. Da die Buchung bereits vollzogen ist, kommt jedoch noch jemand in Frage, der den gleichen Namen wie seine Exfreundin trägt. Kurze Zeit später meldet sich auf die Annonce tatsächlich eine Olivia Lindmann. Olivias Leben ist so ganz anders als das von Anton und sie ist auch nicht gewillt, ihm stets nach dem Mund zu reden. Bald schon entspinnt sich eine Internetfreundschaft der ganz besonderen Art.


Wichtigste Charaktere:
Anton ist das Glück stets hold. Seine Eltern verdienen eine Menge Geld, dem Sohn soll es an nichts fehlen. Seinen Alltag verbringt Anton gerne auf Partys oder in Gesellschaft seiner Freunde. Wichtig ist ihm nur eins: Spaß zu haben.
Liv musste schon früh lernen Verantwortung zu tragen. Die Mutter ist oft unterwegs, einer muss sich um die Schwester kümmern. Liv besitzt nicht so viel Geld wie Anton. Ihr größter Wunsch ist es, New York zu besuchen und für eine Weile vom Alltag abzuschalten.


Schreibstil:
Bei New York zu verschenken handelt es sich um einen reinen Chatroman. Die Protagonisten führen ihre Diskussion anfangs über Instagram, später über Whatsapp. Schon beim Erstkontakt liefern sich Anton und Liv ein wahres Wortgefecht. Hierbei beweisen beide eine unglaubliche Schlagfähigkeit. Die Unterhaltung führt zu einem harschen, detailverliebten aber lockeren Umgangston. So nennt Liv Anton ziemlich bald Oberflächlich-Anton und Anton verwendet für Olivia den Begriff Psycho-Liv.
Anton stellt sich ziemlich bald als jemand dar, der es im Leben gut getroffen hat. Er lebt sein Leben und muss sich keine Sorge darum machen, was seine Aktivitäten so kosten. Fast bekommt man Mitleid, wenn er behauptet, dass seine Freunde alle einen Maserati, er hingegen nur einen Porsche zum Geburtstag bekommt. Liv weist Anton ziemlich direkt darauf hin, dass er ein verwöhnter Junge ist, dem alles zufliegt. Anton hingegen ist von sich überzeugt und möchte auch nichts an sich ändern.
Liv ist jemand, der schon sehr früh Verantwortung im Haushalt übernehmen musste. Wenn die Mutter wieder einmal lange auf der Arbeit war, betrunken heim kam oder eine ihrer vielen Bettbekanntschaften sie versetzt hat, dann muss Liv diese Probleme ausbaden. Halt bietet ihr die kleine Schwester, für die Liv alles tun würde, deren Betreuung ihr aber auch zugleich die Möglichkeiten nimmt, einfach mal unbeschwert durchs Leben zu gehen.
Liv und Anton unterhalten sich bald schon über alles Mögliche. Zugleich ergänzen sie sich aber auch. Anton motiviert Liv einmal spontan zu sein, Liv hingegen holt Anton mehr schlecht als recht wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Das Buch verzaubert und irritiert. Das eigenartige Benehmen der Hauptfiguren wurde für mich auch mal zum Störfall. Liv kann schon mal übersensibel und unreflektiert sein, während Anton ein Hauch von Arroganz anhaftet. Und dann gab es wieder Stellen an denen beide eine sehr wertvolle Stütze für den jeweils anderen geboten haben. Die Geschichte war für mich sehr authentisch. Anton und Liv sind zwei Charaktere mit Ecken und Kanten und mit einigen Fehlern. Gerade das hat sie jedoch menschlich wirken lassen.
Das Ende hat mich eiskalt erwischt. Ich hatte große Schwierigkeiten es so einfach zu verarbeiten. Und dennoch ist es ein Happy End.


Fazit:
New York zu verschenken ist ein reiner Chatroman. Die Dialoge der Protagonisten wirken sehr lebendig. Dies fängt bei der Sprache an, die sich nicht zwischen Umgangston und einem philosophischen  Klang entscheiden will und setzt sich bei den schlagfertigen Wortduellen fort. Der humorvolle und teilweise auch verrückte Austausch garantiert Lesespaß von der ersten bis zur letzten Seite. Die Charaktere werden nicht als reine Schablonenfiguren präsentiert, sondern provozieren und polarisieren, gehen an Grenzen – und zum Teil darüber hinaus. Es ist nicht immer einfach Anton und Liv ihre Fehler zu verzeihen. Wem dies gelingt, der wird sehr viel Freude mit dieser Geschichte haben.

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

2017

Familie Grace, der Tod und ich

Laure Eve , Christiane Steen
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 21.09.2017
ISBN 9783841422446
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt:
Jeder an der Schule kennt die Geschwister Grace, jeder bewundert sie und jeder möchte zu ihrem engsten Kreis dazugehören. Keiner an der Schule spricht es aus, doch alle wissen es: Die Graces sind Hexen, allesamt. Genau wie alle anderen möchte auch River am Tisch der Graces sitzen und einen von ihnen ihren Freund nennen. Besonders Fenrin hat es ihr angetan. Der einzige männliche Spross der Familie Grace zeichnet sich durch unkonventionellen Lebenswandel mit wechselnden Partnerschaften und durch seine Zugehörigkeit zur prominenten Familienclique aus. Jeden Monat sucht er sich eine neue Partnerin. Keine davon scheint ihm wirklich viel zu bedeuten. Doch River gibt nicht auf. Sie legt sich einen Plan zurecht. Sie muss einfach nur genauso geheimnisvoll wirken wie die Geschwister, dann wird sie schon ihre Aufmerksamkeit für sich gewinnen. Das Spiel ist nicht einfach und doch scheint es zu funktionieren.


Wichtigste Charaktere:
Fenrin ist der Zwillingsbruder von Thalia. Er wirkt oft innerlich zerrissen und ein wenig missmutig. Monatlich wechselt er seine Freundin. Jedes Mädchen an der Schule wünscht sich die Eine zu sein, die er als feste Partnerin für sich erwählt.
Thalia ist Fenrins Zwillingsschwester. Man sagt ihr nach, dass sie durch und durch wie ihre Mutter sei. Sie wirkt wie die Anführerin der Gracefamilie. Ihre Schönheit und ihre Ausstrahlung lassen sie unnahbar wirken.
Summer trägt gerne schwarze Kleidung. Sie wirkt rebellisch und auch ein wenig instabil. Sie ist die Erste, die River an sich heranlässt.
River behauptet von sich selbst ängstlich zu sein. Bevor sie scheitert, handelt sie lieber gar nicht erst. Doch schon bald legt sich das Mädchen eine raue Schale zu und kämpft gegen ihre innere Prädisposition an. Sie wird zu einem Charakter, der nach außen hin stark und mutig wirkt; einem Mädchen voller Geheimnisse, die es zu wahren gilt.


Erweiterter Inhalt:
River fühlt sich einsam. Sie fühlt sich, als würde sie nicht wirklich dazugehören, möchte dies aber unbedingt. Nicht zu diesen belanglosen Mitschülern, die nur über die anstehenden Partys, Fernsehserien und wer mit wem geschlafen hat, sprechen. Nein, sie möchte, wie so viele anderen der Schule, in den Kreis der Graces aufgenommen werden.
Wenn die Geschwister einen Raum betreten, dann scheint sich sämtliche Aufmerksamkeit auf ihnen zu fokussieren. Wenn einer der Graces etwas sagt, dann gibt es keine zweite Meinung. Wenn sie einen Gang langgehen, dann teilt sich die Menge, um ihnen Platz zu machen. Man munkelt die Grace-Familie würde aus Hexen bestehen. Hexen fürchten sich vor nichts und haben den Mut sie selbst zu sein. Sie kümmern sich nicht darum, was andere denken. Genauso sind die Graces. Genauso möchte auch River sein.
River legt sich einen Plan zurecht: Sie muss einfach ebenso geheimnisvoll und ebenso undurchschaubar wirken, dann wird sie schon die Aufmerksamkeit von Fenrin gewinnen. Mit ihm möchte sie, genau wie alle anderen Mädchen der Schule, zusammen sein. Sie darf die Angst, die in ihrem Herzen wohnt und die Unsicherheit, die sie so oft empfindet, nicht zeigen. Sie muss sich eine unnahbare Ausstrahlung zulegen. River gelingt es, diesen Plan umzusetzen und bald schon wird einer der Graces auf sie aufmerksam. Jedoch ist es nicht Fenrin.
Es beginnt mit kleinen Ritualen, an denen River teilnehmen darf. Nach und nach entwickelt sich zaghaft eine Bindung zwischen Summer und ihr und damit eröffnet sich River eine völlig neue Welt. Sie wird in das Haus der Graces eingeladen und zieht den Neid sämtlicher Mitschüler auf sich. Doch bald schon erhält sie eine Warnung von einem, der bereits da stand, wo sie sich nun befindet: Wenn einer der Familie beschließen sollte, dass sie nicht mehr dazugehören solle, dann würden auch die anderen sie fallen lassen und dieser Fall würde durchaus schmerzhaft enden.


Eigene Meinung:
Familie Grace, der Tod und ich ist eine Geschichte voller düsterer Magie. Auf jeder Seite spürt man die Geheimnisse, die sich wie ein Netz um die Familie Grace weben. Auf jeder Seite spürt man die Macht, die die Mitglieder der Familie auf ihr Umfeld ausstrahlt.
Die Geschwister, aber auch ihre Eltern setzen ihre Willen um, indem sie mit magischen Ritualen arbeiten. Auch ist gewiss, dass ein Fluch über der Familie hängt. Ein Fluch, der dafür sorgt, dass Fenrin sich an keine feste Partnerin binden darf. Ein Fluch, der dafür sorgt, dass keiner von ihnen wirklich frei sein kann.
Der Fluch, die Geheimnisse und die Magie sorgen dafür, dass über der ganzen Geschichte stets eine unterschwellige Spannung liegt.
River ist ein Mädchen, das unbedingt dazugehören möchte. Dieser Wunsch ist so stark, dass es ihr gelingt, ihre unsichere und ängstliche Art abzustreifen und fortan ebenso kalt und berechnend wie die Grace-Geschwister zu wirken. Bald schon muss man sich als Leser fragen, welcher der Charaktere nun wirklich der Stärkste ist. Denn eines ist sicher: Jeder von ihnen verschließt seine verletzliche Seite vor der Außenwelt und bald schon scheint es in einen Wettstreit darin auszuarten, wer seine Geheimnisse am besten zu hüten weiß.
Zum Ende hin erwartete mich eine überraschende Wendung, die ich so nicht hatte kommen sehen.
Geneigte Leser, die bei der Erwähnung von Fenrin eine Liebesgeschichte vermuten, werden ein wenig enttäuscht sein. In diesem Roman geht es nicht um eine Romanze, vielmehr geht es um Magie, Geheimnisse, aber auch um Freundschaft und um das gute Gefühl dazuzugehören.


Fazit:
Familie Grace, der Tod und ich ist ein magischer Roman. Man wird von der ersten Seite an in den Alltag einer Familie geführt, aus welcher nach und nach immer mehr dunkle Geheimnisse ans Tageslicht geraten. Auf jeder Seite spürt man eine unterschwellig Spannung. Nach und nach fällt der sprichwörtliche Vorhang und das wahre Ich der Figuren kommt zum Vorschein. Die Leitfragen, die das Buch durchziehen, lauten: Gibt es Magie wirklich? Wie wirkt sie? Was ist wahr und was verschweigen die Charaktere. Die überraschende Wendung am Ende hat mir sehr gut gefallen.
Ich würde dieses Buch Lesern empfehlen, die ein magisches und geheimnisvolles Buch mit einer unterschwelligen Spannung suchen. Eine Geschichte über Hexen, die mir sehr gefallen hat.


Buchzitate:
Die einzige Möglichkeit, das zu sein, was man sein wollte, war so zu tun, als wäre man es schon. Eines Tages hatte man nicht mehr das Gefühl zu schauspielern. Eines Tages gab es keinen Grund mehr dafür, und dann endlich, endlich konnte man sich entspannen.
„Du liebst die Bibliothek mit all ihrem grüblerischen, raschelnden Papier. Du wirst vom Ruf der Bücher angezogen, so wie vom fernen Heulen der Wölfe.“ Er zog mich auf.

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83 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

liebesroman, hauptperson ist rollstuhlfahrer, heike wanner, querschnittsgelämt, ich

Du + Ich = Liebe

Heike Wanner
E-Buch Text
Erschienen bei Edel Elements, 07.09.2017
ISBN 9783955309596
Genre: Liebesromane

Rezension:


Aufmachung:
Im hinteren Teil des Buches befindet sich eine Playlist zum Buch, die auch über Spotify abrufbar ist sowie ein Interview mit einer Bekannten der Autorin, die sich mit dem Thema Querschnittlähmung auskennt.

Inhalt:
Nach ihrer Rückkehr an die alte Schule lernt Nika den querschnittgelähmten und verschlossenen Ben kennen. Ein erstes Gespräch verläuft eher zäh. Doch Nika gibt nicht auf. Aus einer gemeinsamen Teamarbeit im Fach Physik entwickelt sich nach und nach eine Freundschaft und irgendwann auch ein wenig mehr. Bald schon stehen Nika und Ben für einander ein. Doch das Schicksal schlägt erbarmungslos zu und stellt die Liebe von Nika und Ben auf eine harte Probe.


Erweiterter Inhalt:
Nach einem Auslandsjahr kehrt Nika wieder an ihre alte Schule zurück. Sie möchte wieder Schul- und auch Klassensprecherin werden. Was sie jedoch nicht möchte, ist die Beziehung mit ihrem Ex-Freund wieder aufleben lassen. Als dieser sie an ihrem ersten Tag gleich in ein Gespräch verwickelt, weicht sie aus. Ihre Ausrede kommt spontan: Sie wäre verabredet. Mit dem Jungen, der so einsam an einem der Tische sitzt. Schnell stellt sich heraus, dass der Junge Ben heißt und dass er keinerlei Interesse hat, andere Menschen kennenzulernen.
Nika jedoch ist niemand, der sich schnell abwimmeln lässt. Hartnäckig bleibt sie am Ball und irgendwann hat sie auch Ben soweit, dass er sich ihr öffnet. Erst verspätet bemerkt sie, dass Ben querschnittgelähmt ist und da hat Nika schon einen ersten Blick hinter Bens Fassade geworfen. Sie ist fest gewillt, ein Schulprojekt mit ihm in Angriff zu nehmen und ihn besser kennenzulernen.
Aus einem Schulprojekt entwickelt sich zaghaft eine Freundschaft und irgendwann tiefere Gefühle. Bei Besuchen in Bens Wohnung bleibt es nicht aus, dass Nika irgendwann im Badezimmerschrank Windeln und Einweg-Katheter entdeckt. Sie beobachtet, wie Ben, wenn er aufgeregt ist, Spasmen erleidet. Doch Nika lässt sich nicht abschrecken. Sie recherchiert im Internet, nimmt die Herausforderungen, die sich ihr stellen, an und ist bereit, den Alltag mit Ben gemeinsam zu bestreiten.
Hinzu kommt, dass sowohl Ben, als auch Nika, Mütter haben, die es den Kindern nicht leicht machen. Nikas Mutter ist nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr die lebenstaugliche Frau von früher. Sie zieht sich tagsüber fast nur in den Keller zurück, um dort zu arbeiten. Ihren Kindern gegenüber wirkt sie oft gleichgültig. Die drei jungen Brüder von Nika haben längst gelernt, auf ihre Schwester zu hören. Nika ist nur froh, dass ihre Großmutter ihr eine wertvolle Stütze im Alltag bietet. Doch was ist, wenn ihre Oma irgendwann verstirbt? Wer wird ihnen dann helfen?
Bens Mutter hingegen hat sich daran gewöhnt, ihren Jungen zu pflegen und ihm alles Denkbare zu ermöglichen. Oft fühlt sich Ben in ihrer Gegenwart wie ein Kleinkind. Bens Mutter ist nicht begeistert, als sie erfährt, dass Ben eine Freundin hat. Sie fürchtet den Kontrollverlust.
Diese Schwierigkeiten prägen den Alltag von Ben und Nika und doch sind beide bereit zu kämpfen. Doch eines Tages passiert etwas, was beide nicht geplant haben und was selbst die starke Nika zum Einknicken zwingt.


Eigene Meinung:
Die Geschichte wird aus der Perspektive von Ben und Nika geschrieben. Beide Charaktere sind mir sehr ans Herz gewachsen. Nika habe ich für ihren Kampfgeist und für ihre Hartnäckigkeit bewundert. Bens Behinderung begegnet sie mit Offenheit. Weder bemitleidet sie Ben noch beschönigt sie seine Probleme. Bald schon steht sie bedingungslos für ihn ein. Aber auch Ben ist bald schon bereit zu kämpfen. Sein Alltag gewinnt durch Nikas Anwesenheit. Er flüchtet sich nicht in Trübsal, sondern nimmt sein Schicksal an. Die Art, wie beide Charaktere mit Bens Lebensumständen, aber auch mit Nikas Problemen im Alltag, mit den jüngeren Brüdern und der depressiven Mutter umgehen, hat mir sehr gefallen.
Auch hat die Autorin gut recherchiert. Sie beschreibt, mit welchen Problemen sich ein querschnittgelähmter Mensch im Alltag auseinandersetzen muss. Einweg-Katheter, versehentliches Urinieren beim Geschlechtsverkehr, Windeln tragen, weil es ansonsten im Alltag zum Malheur kommen kann oder auch Spasmen in den ungünstigsten Momenten, thematisiert sie in ihrer Geschichte. Hinzu kommen die Probleme des Alltags. Nicht nur die Mütter stellen ein Hindernis dar, auch das erweiterte Umfeld, wie die Mitschüler, betrachten die Beziehung von Nika und Ben mit kritischem Blick. Und dennoch wirkt das Buch auf keiner Seite düster oder deprimierend. Es wirkt eher lebensbejahend und mutmachend.
Auch die Liebesgeschichte, die sich zwischen Nika und Ben entspinnt, hat mir unglaublich gut gefallen. Zu Anfang sorgte gerade Nikas Hartnäckigkeit für den ein oder anderen Schmunzler bei mir. Trotz Bens Bemühen, sie abzuwimmeln, bleibt sie am Ball. Nicht umsonst hat sie einen Kurs in Communication Skills belegt. Im weiteren Verlauf imponierte mir Bens Schlagfertigkeit. Er lässt sich nicht durch Sprüche, ob seiner Behinderung runterziehen. Er kontert geschickt. Nach und nach kommen sich Nika und Ben sehr viel näher. Langsam, ja nahezu zaghaft, entwickelt sich ihre Beziehung. Die Art, wie beide miteinander umgehen, war sehr schön zu beobachten.
Im hinteren Teil des Romans gibt es einen Tiefschlag, der für eine Menge Spannung sorgt. Ich habe mit beiden Protagonisten sehr gelitten und für ihre Beziehung gehofft. Ob es ein Happy End gab oder nicht, das möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht verraten.


Fazit:
Du + ich = Liebe ist eine Liebesgeschichte zwischen einem querschnittsgelähmten Jungen und einem Mädchen, das den tägliche Kampf gegen Überforderung und Hilflosigkeit aus ihrer Familie gewohnt ist. Mehr und mehr erfahren sie so über das Leben des anderen und die Schicksalsschläge, die sie beide erlitten haben. Die Geschichte beider Protagonisten zeigt, wie man mit Krankheit oder Schicksalsschlägen fertig wird. Eine Abhandlung über Lebenseinstellungen und Wertvorstellungen.
Die Geschichte zwischen Ben und Nika kommt auf keiner der Buchseiten düster daher. Vielmehr wird durch die Erzählung eine lebensbejahende Stimmung vermittelt.
Du + Ich = Liebe ist eine wundervolle und mutmachende Geschichte, die ich jedem Leser empfehlen möchte, der eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art sucht.


Buchzitate:
„Kann ich dich mal was fragen?“, sage ich, während ich ein paar Kissen zur Seite räume und mich aufs Sofa lege. „Noch was?“, stöhnt er. „Hast du kein Erbarmen mit mit? Ich glaube, ich bin völlig ausgefragt.“

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mona kasten, coldworth city, fantasy, mutanten, roman

Coldworth City

Mona Kasten
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2017
ISBN 9783426520413
Genre: Fantasy

Rezension:

Inhalt:
Raven lebt gemeinsam mit ihrem Bruder Knox in einer heruntergekommenen Gegend von Coldworth City. Abends jobbt sie als Kellnerin in einer Bar, danach geht sie auf die Jagd nach Verbrechern. Mit ihren telekinetischen Fähigkeiten ist Raven in der Lage sich zu verteidigen und auch den ein oder anderen Bösewicht dingfest zu machen. Stets achtet sie darauf, ihre wahre Identität nicht preiszugeben, denn zu groß ist die Angst, dass die Organisation AID, die sie damals in einem Forschungslabor festgehalten und Versuche an ihr durchgeführt hat, erneut auf sie aufmerksam wird. Doch an einem Abend erwartet Raven in ihrer Wohnung, die zuvor ein sicherer und geheimer Zufluchtsort für sie und ihren Bruder war, ein ungebetener Gast.
Der durch eine Gesichtsnarbe entstellte Wade, der einen Tag zuvor Raven an ihrem Arbeitsplatz das Angebot unterbreitet hat, sich ihm und einer Organisation, die für die Gleichberechtigung zwischen Mutanten und Menschen einsteht, anzuschließen kommt Raven unerwartet zu Hilfe. Raven muss sich entscheiden, ob sie in ihrer Unterkunft bleiben möchte, die nun nicht mehr sicher erscheint oder ob sie Wade vertrauen und sein Angebot annehmen möchte. Irgendwie klingt das alles viel zu einfach und zu gut, um wahr zu sein ...


Schreibstil:
Coldworth City beginnt mit vielen Action-Elementen. Der Leser verfolgt die Protagonistin bei ihrer nächtlichen Jagd nach Verbrechern und beobachtet sie dabei, wie sie mit ihrer Fähigkeit der Telekinese durchaus in der Lage ist, sich durchzusetzen. Überhaupt ist Raven jemand, der sich nicht so schnell geschlagen gibt. Ihr impulsives Talent, aber auch die Fähigkeit Schmerzen, die zum Beispiel durch eine angebrochene Rippe verursacht wurden, einzustecken, zeichnen sie als einen sehr robusten und mental starken Charakter aus. Einzig ihr Bruder Knox, der für sein Alter schon sehr erwachsen wirkt, ist Ravens geheime Schwäche.
Als einer der Verbrecher, die Raven in einer Nacht dingfest gemacht hat, ihren geheimen Zufluchtsort findet und auch noch einiges über ihre wahre Identität zu wissen scheint, bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich auf den Vorschlag einzulassen, den der nicht gerade vertrauenswürdig aussehende spontane Helfer, Wade, ihr schon am Abend zuvor in der Bar gemacht hat: Sie soll sich der Organisation anschließen für die er arbeitet und die sich für die Gleichberechtigung von Mutanten und Menschen einsetzt. Geboten wird ihr eine Gemeinschaft, die für ihren Schutz und den ihres Bruders sorgt, eine Unterkunft und Verpflegung. Jedoch muss sich Raven einem Training stellen, um ihre Fähigkeiten zu schulen und zugleich für die Verwirklichung der Ziele der Organisation eintreten.
Raven und Knox sind sehr skeptisch und dem Vorschlag abgeneigt, doch was bleibt ihnen anderes übrig, als sich zu fügen? Schließlich ist ihre bisherige Wohnung nicht mehr sicher und irgendwer scheint auch auch Informationen über sie zu besitzen. Nichts möchten Raven und Knox weniger, als dass sie die Vergangenheit wieder einholt. Und somit gilt es sich dem Risiko zu stellen.
Der Anfang, der so spannend begonnen hat, verliert sich über die Seiten hinweg in einem Plot, der sich auf das Leben in der neuen Organisation konzentriert. Wade stellt sich als ein sehr verschlossener Charakter dar, der nicht zimperlich mit seinen Mitmenschen umgeht. Bald schon ist er dafür zuständig Raven zu trainieren und dabei kann es auch schon zu schmerzhaften Verletzungen kommen, für die er keinerlei Reue zeigt.
Ab der Mitte des Romans kann sich der Leser dann wieder auf einen explosiven und actionlastigen Plot freuen. Es wird spannend. Raven muss sich ihrer Vergangenheit stellen und zugleich gerät sie in Gefahr.
Von Mona Kasten hatte ich zuvor die Again-Reihe gelesen. Hier bewies die Autorin ihr Geschick interessante Charaktere darzustellen, die man als Leser bald ins Herz geschlossen hat. Auch bei Coldworth City kann man sich auf gut geschliffene Helden freuen, mit denen man sehr gerne ein Abenteuer verbringen möchte.
Das Ende der Geschichte ist zwar actionreich, bricht aber ein bisschen überstürzt über den Leser herein.


Fazit:
Coldworth City ist ein Roman über Helden mit Superkräften. Der anfangs actionreiche Plot verläuft sich bis zum Mittelteil in Schilderungen über das Leben in der Organisation und dem Training, welches Raven dort mit dem mysteriösen und verschlossen wirkenden Wade absolvieren muss. Ab der Mitte wird es dann aber wieder spannend. Die Charaktere sind, wie man es von Mona Kasten kennt, gut ausgearbeitet. Schnell schließt man sie ins Herz und verbringt gerne seine Zeit mit ihnen in der Geschichte. Nur das etwas überstürzte Ende, eine Spur Vorhersehbarkeit und hier und da etwas zu wenig Tiefe verhindern eine absolute Topbewertung.


Buchzitate:
Fassungslos sah sie ihn an. Dann brach ein Lachen aus ihr heraus. „Ich brauche keine Waffen, Wade. Ich bin eine.“

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wesley king, zwangsstörung, daniel is different, zwangsstörungen, krankheit

Daniel is different

Wesley King , Claudia Max
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Magellan, 18.01.2017
ISBN 9783734847103
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Daniel ist eigentlich ein ganz normaler Junge. Er mag kein Football, liebt es Geschichten zu schreiben und findet Mathe richtig doof. Er hat einen besten Freund, mit dem er seine Pausen in der Schule verbringt und ist ein wenig in Raya, ein Mädchen aus seiner Klasse, verliebt. Doch Daniel belastet etwas: Zwangsstörungen und deren Symptome. In den ungünstigsten Momenten überkommt ihn der Drang einen Lichtschalter drücken zu müssen, um ein drohendes Unheil abzuwehren. Am Abend muss er ein langes Ritual durchführen, damit er sich sicher sein kann, am nächsten Morgen wieder aufzuwachen. Diese Last liegt schwer auf seinen Schultern. Er fühlt sich oft sehr einsam. Doch an einem Tag verändert sich sein Leben schlagartig. Es passiert in dem Moment, als er auf dem Schulflur der Außenseiterin Sara begegnet. Einem Mädchen, dass mit niemandem spricht. Bis zu diesem einem Moment ...


Zum Hintergrund:
Daniel liebt es Geschichten zu schreiben, er mag Football überhaupt nicht und er hasst Zahlen. Gut, mag man im ersten Moment denken, jeder hat Vorlieben und Schwächen. Doch bei Daniel ist das ein wenig anders. Im Schulfach Mathematik machen ihm die Zahlen das Leben schwer. Er kann eine Vier oder eine Neun weder niederschreiben noch sie aussprechen. Danach, so ist er sich sicher, wird etwas ganz Schlimmes passieren. Jeden Abend, wenn Daniel zu Bett geht oder an Tagen, an denen ihn etwas sehr belastet, muss er ein Ritual durchführen. Das Abendritual ist festgelegt. Am Tage kann es aus einzelnen Handlungen bestehen, wie zum Beispiel den Lichtschalter einmal oder fünf Mal drücken. Danach stellt sich, wenn alles gut geht, ein besseres Gefühl ein. Wenn dem nicht so ist oder wenn Daniel sich verzählt hat, dann muss er erneut mit dem jeweiligen Ritual beginnen. So lange, bis alles wieder in Ordnung erscheint. Für diesen Drang etwas zu verändern hat Daniel auch einen Namen: Zaps.
Manchmal gelingt es Daniel die Zaps zeitweilig zu vergessen. Das passiert, wenn er an einer Geschichte schreibt. Football hingegen ist eher kontraproduktiv. Denn die Zaps werden oft durch Ängste ausgelöst und Daniel weiß, dass er eigentlich viel besser auf der Ersatzbank aufgehoben ist, wo er in Ruhe die Trinkbecher seiner Mitspieler in einer ordentlichen Reihe aufstellen kann.
Daniel fühlt sich mit seinem Problem alleine. Zwar hat er einen besten Freund und liebevolle Eltern, ja sogar eine Schwester, die ähnlich wie er eher eine Außenseiterin ist und der er sehr nahe steht, doch keiner dieser Bezugspersonen weiß etwas von der Last, die Daniel jeden Tag mit sich trägt.
Daniel ist ein Charakter, der ein großes Herz hat. Er ist auch sehr intelligent und in Wirklichkeit gar nicht so unbeliebt. Sogar das Mädchen, das er ganz süß findet, geht auf ihn zu. Doch Daniel hat ein sehr schlechtes Selbstwertgefühl. Er hat viele Ängste und sieht sich gerade bei der größten Leidenschaft seines besten Freundes und auch seines Vaters, dem Football, ständig scheitern. Der Leistungsdruck, der durch die Wünsche seiner engsten Vertrauten entsteht, macht es nicht besser.
Eines Tages passiert etwas Merkwürdiges. Daniel erhascht einen Blick von einem Mädchen namens Sara, die ihn aus heiterem Himmel grüßt. Eigentlich nichts besonderes, doch „Psycho-Sara“ ist dafür bekannt mit niemandem zu sprechen. Ihr glasiger Blick schaut durch andere Menschen hindurch. Sie erhält separaten Unterricht und wird, selbst in den Pausen, von einer Aufsichtsperson begleitet. Dieser eine Moment soll Daniels Leben nachhaltig verändern, denn dieser Moment ist der Beginn eines großen Abenteuers ...


Eigene Meinung:
Wesley King hat mit Daniel is different einen Roman geschrieben, der berührt. Daniel ist ein Protagonist mit Ecken und Kanten. Er ist aufgeschlossen und denkt viel nach und dennoch ist er ein Außenseiter. Ein Außenseiter, den der Leser jedoch bald ins Herz schließen wird. Mit Sara erschafft er eine Figur, die Daniel in einigen Punkten ähnlich ist. Auch sie ist eine Außenseiterin, doch zugleich ist Sara ein sehr starker Charakter, jemand, der genau weiß, was er will. Die weiteren Nebencharaktere überzeugen mit ihren Eigenheiten. Jeden davon wird man im Laufe des Romans auf seine Art mögen. Da gibt es zum Beispiel Emma, die kleine Schwester von Daniel, die stets mit einem Buch unter dem Arm unterwegs ist und die mehr in ihrer Fantasiewelt, als in der Realität lebt oder Steve, den großen Bruder, der gerne PC spielt und so cool und damit auch sehr schwer greifbar für Daniel wirkt. Oder Max, Daniels besten Freund, der immer an Daniels Seite steht, aber einfach an nichts anderes als Football denken kann.
Sehr gut nachvollziehbar hat der Autor die „Zaps“ seines Protagonisten dargestellt. Als Leser spürt man über die Seiten hinweg, die Last, die auf Daniel liegt, man begreift, dass es manchmal für ihn keine andere Möglichkeit gibt, als sich seinen Ritualen zu stellen. Die gelungene Umsetzung dieses Themas ist vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass Wesley King selbst bis zum Alter von dreißig Jahren durch Zwangshandlungen beeinflusst wurde. Im Nachwort spricht er das Thema noch einmal an, macht Betroffenen Mut und gibt ihnen ein paar Tipps an die Hand.
Daniels selbstgeschriebene Geschichte wird in diesem Roman parallel aufgeführt. Sie steht jedoch in Verbindung zum Hauptplot und überlagert die Haupthandlung nicht. Vielmehr zeigt sie, wie Daniel seine Ängste verarbeitet.


Fazit:
Daniel is different ist eine Geschichte über einen Jungen, dessen Leben durch Zwangshandlungen stark beeinträchtigt wird. Es wird nicht erklärt oder psychologisiert, sondern einfach nur erzählt. Es ist eine Geschichte über Außenseiter und einen Protagonisten mit Ängsten und einem geringen Selbstwertgefühl.
Wesley Kings Worte machen auch Mut. Der Autor motiviert sich seinen Ängsten zu stellen, nicht aufzugeben und zugleich einen Blick hinter die Fassade der Menschen zu werfen, die auf den ersten Blick „anders“ erscheinen.
Daniel is different ist eine abenteuerliche und zugleich sehr bewegende Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Die liebevoll gestalteten Charaktere wird der Leser ins Herz schließen müssen. Das Thema Zwangshandlungen wurde hier nachvollziehbar behandelt.
Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung an Leser gleich welcher Altersstufe.


Buchzitate:
Ich hatte bloß einen Zap, dieses Mal mit dem Lichtschalter im Bad. Lichtschalter machen mich echt fertig – keine Ahnung warum.
Ich liebe Wörter sowieso. Ihre Bedeutung ist zwar festgelegt, lässt sich aber variieren, je nachdem, wie oder von wem sie benutzt werden.
„Sternenkind“, flüsterte sie. „Man zahlt einen Preis dafür, besonders zu sein.“
Ich weiß nicht, ob ich das Konzept Schicksal sympathisch finde. Es schließt aus, dass man eine Wahl hat.

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68 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

handlettering, brushlettering, frau hölle, kalligrafie, selbstgemacht

Handlettering Alphabete

Tanja Cappell
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Edition Michael Fischer, 17.08.2017
ISBN 9783863557683
Genre: Sachbücher

Rezension:

Inhalt:

"Handlettering Alphabete – Schritt für Schritt zur eigenen Schönschrift" beginnt mit einem Vorwort in der die Autorin erklärt, wie sie von ihrem Beruf als Webdesignerin nach und nach zu ihrem eigenen Handletteringstudio gekommen ist.

Es folgt eine Einleitung, in der die verschiedenen Schriftarten nebst Schriftfamilien und die richtige Schreibtechnik kurz vorgestellt werden. Der Leser erfährt den Unterschied zwischen Sans Serif, Serif und Script, Hand Lettering, Brush Lettering, Kalligrafie und Digital Lettering. Die Autorin erklärt, worauf man beim Schreiben der Buchstaben achten muss, damit sich ein Erfolg einstellt. Akribie, Geduld und Gleichmäßigkeit sind wichtige Faktoren.

Die unterschiedlichen Schriftarten (Hand Lettering, Brush Lettering, Kalligrafie und Digital Lettering) werden in folgenden Kapiteln im Detail beschrieben. Auch hier werden wieder hilfreiche Tipps gegeben, worauf man beim Schreiben der Buchstaben achten sollte. Wie trainiert man sein Muskelgedächtnis für die einzigen Bewegungen? Wie gelangt man zu einer schöneren Handschrift? Auch gibt Tanja Cappell dem Leser stets Materialempfehlungen mit auf den Weg. Welche Stifte haben sich bewährt? Welches Papier eignet sich am besten? Wie muss man welchen Stift halten, damit das Lettering gelingt?

Einige Alphabete werden dem Leser vorgestellt. Abänderungen in der Laufweite der Buchstaben, Breite, Änderung der Gestaltung der Grundlinie (z.B. Punkte anstatt einer durchgezogenen Linie verwenden) oder Hinzufügen von Schatten und Effekten können für wahre optische Wunder sorgen.

Auf den weiteren Buchseiten stellt die Autorin eine kleine Auswahl an Schmuckelementen vor, sie erklärt Begriffe wie Faux-Calligraphy und Bounce Lettering, um diese Themen dann zu vertiefen. Sie widmet vier Seiten den Schnörkeln, und dem Blending.

Zum Schluss erfährt man als Leser auf einigen Seiten, wie sich das fertige Lettering am PC oder aber auch am Smartphone digitalisieren lässt. Mit vierzehn Do-it-yourself-Ideen schließt die Autorin ihr Werk ab.



Aufmachung:

"Handlettering Alphabete – Schritt für Schritt zur eigenen Schönschrift" überzeugt mit einer optisch sehr ansprechenden Aufmachung. In übersichtlichen Abschnitten erklärt die Autorin alles Wesentliche, was man zum Thema „Handlettering – die Basics“ wissen sollte. Tipps am Rand werden mit einem zartrosafarbenen Aquarellhintergrund hervorgehoben. Auf jeder Seite runden Bilder und Fotos den Text ab, so dass das Buch kleinteilig und nicht erschlagend wirkt.

Zwei DIN-A3 Poster im vorderen und hinteren Teil des Buches können zum Abpausen genutzt und/oder kopiert werden. Hier findet der Leser Alphabete, Vorlagen für DIY-Projekte und ein Liniensystem zum Üben.



Eigene Meinung:

Tanja Cappells Ansprache wirkt schon von der Einleitung her sehr motivierend auf den Leser. Immer wieder betont die Autorin, dass man sich nicht an anderen Handletterern messen sollte und dass sich Fortschritte nach und nach einstellen. Sie betont, dass die Basics geübt werden müssen um ein einheitliches Schriftbild zu erzielen und macht Mut, dass jeder dieses Hobby lernen kann.

An den Rändern des Buches findet man immer wieder kleine Tipps und Tricks, die helfen sollen das Ziel, eine schöne Handletteringschrift aufs Papier zu bringen, zu erreichen. Regeln wie diese: Jeder Buchstabe, jeder Schnörkel, jedes Dekoelement erhält unsere volle Aufmerksamkeit, mögen zwar auf den ersten Blick wie selbstverständlich wirken, doch ich habe mich schon oft dabei erwischt, dass ich gerade die kleinen Füllwörter oft sträflichst vernachlässige und ein „Lieblingswort“ viel mehr Zeit widme, als dem Rest des Satzes.

Gerade die Regeln und Tipps sind es, die dem Leser helfen nicht zu schnell aufzugeben. Wenn man liest, dass es eigentlich nur notwendig ist die Grundelemente zu beherrschen und immer wieder zu üben, dann fällt es doch schon viel einfacher, den Fokus vom Gesamtbild wieder auf diese kleinen Details zu verlagern und diese zu trainieren. Das Gefühl ,„ich werde nie so eine wunderschöne Handschrift haben, wie andere Letterer“, wird durch Tanja Cappells Worte zerstreut. Stattdessen helfen ihre kleinen Tipps, die eigenen Fehler zu finden und daran zu arbeiten.

Sehr gut gefallen haben mir die Materialtipps vor jedem einzelnen Kapitel. So erfährt man zum Beispiel, welcher Bleistift für Linien sorgt, die sich im Anschluss rückstandslos entfernen lassen, welcher Stift eher für feinere Schriftzüge geeignet ist und welcher Brushpen – beispielsweise - bei einer größeren Schrift für einen schönen breiten Abstrich sorgt.

Jedes Kapitel beginnt mit einer Aufwärmübung, die die Autorin vor jedem Lettering empfiehlt, um das Handgelenk zu lockern, die aber gewiss auch dazu dienen, um Anfänger an eine regelmäßige Strichführung zu gewöhnen. Auch die Haltung des Stiftes spielt eine Rolle und wird in einem eigenen Abschnitt erläutert.

Einige Erläuterungen, wie z.B. die, wie man durch kleine Veränderungen einen Buchstaben optisch verändern kann (künstliches Fetten bestimmter Teile, Ausfüllen des Hohlraums), waren mir schon geläufig. Für Neulinge gibt es hier einige Tipps, wie man aus dem Standartbuchstaben noch einiges herausholen kann. Auch hier zeigt die Autorin einfache aber doch sehr wirkungsvolle Effekte, die ich demnächst unbedingt ausprobieren möchte.

In dem Buch findet der Leser einige wenige und einfache Alphabete vor (die ja, wie oben beschrieben durch Effekte und kleine Veränderungen sehr schön in Szene gesetzt werden können). Mir gefiel, dass an jedem Alphabet auch wieder eine Stiftempfehlung zu finden war, so dass der Anwender genau weiß, mit welchem Stift welches Alphabet gut gelingt. Auch werden bei einigen Alphabeten die Strichfolgen beziffert und mit kleinen Pfeilen versehen, so dass der unsichere Zeichner weiß, wo sich ein Abstrich- und wo sich ein Aufstrich befindet.

Die Schmuckelemente, die die Autorin dem Leser in dem Buch vorstellt, sind überschaubar. Die kleine Auswahl hilft, ein Füllwort hervorzuheben, mehr aber nicht.

Als sehr interessant empfand ich die Hinweise, worauf man bei Schnörkeln achten muss und das Kapitel über Blending. Verschiedene Möglichkeiten, wie man einen bunten Buchstabenverlauf zu Papier bekommt, werden von der Autorin kurz und knapp, mit Stiftempfehlung und Beispielbild vorgestellt.

Handletterer, die sich gerne einmal mit dem Thema Kalligrafie beschäftigen wollen, erhalten auch hier ein paar gute Tipps. Material und Haltung, aber auch, wie die Feder gepflegt werden möchte und wie man sie für die Zeichnung vorbereitet, werden nicht ausgelassen.

Bislang habe ich um das Thema Digitalisierung am PC immer einen großen Bogen gemacht. Grafikprogramme wie Gimp und Ink-Scape beherrsche ich nicht wirklich im Detail. Auch überlege ich, ob sich die Anschaffung von Adobe-Photoshop für mich lohnt. Für die Leser, denen es ähnlich ergeht wie mir: Zwar zeigt die Autorin die Digitalisierung anhand von Beispielen mit dem Programm Adobe-Photoshop, sie verwendet hierfür jedoch eine Erklärung, die kurzgehalten und mit Bildern belegt ist. Als Leser bekommt man das Gefühl: Okay, ich bin vielleicht technisch nicht so sehr begabt, aber das könnte ich auch hinkriegen.

Sehr interessant fand ich persönlich die Digitalisierung am Smartphone, die mir noch einfacher erschien. Auch hier arbeitet die Autorin mit Screenshots und kurzer Anleitung sowie App-Empfehlungen.

Für diejenigen, die das Handlettering irgendwie doch lieber an einem technischen Gerät und nicht mit Pinsel, Stift und Papier umsetzen mögen, schließt sich noch ein Kapitel über Tablet Lettering an. Zwei von mehreren Vorteilen: Man kann Fehler im Nachhinein leichter Korrigieren und kann sein Lettering gleich weiterverwenden.

Die letzten Seiten des Buches beschäftigen sich mit Do-it-yourself-Ideen. Eine kurze Materialauflistung eignet sich für die Einkaufsliste. Die Ideen haben mir allesamt gefallen und stellen sehr schöne Vorschläge für Geschenk dar. Sie motivieren zusätzlich das Handlettering zu perfektionieren.



Fazit:

"Handlettering Alphabete – Schritt für Schritt zur eigenen Schönschrift" setzt seinen Fokus, wie der Titel schon sagt, in erster Linie darauf, wie man durch Übung zu einer schöneren und vorzeigbaren Handletteringschrift gelangt. Hilfreiche Tipps und Tricks sowie Erfahrungen der Autorin, aber auch eine optisch ansprechende Aufmachung, motivieren sich mit den Basics ausführlich auseinanderzusetzen.

Dieses Buch bietet sowohl für Neulinge, aber auch für Fortgeschrittene wertvolle Informationen. Von mir bekommt "Handlettering Alphabete – Schritt für Schritt zur eigenen Schönschrift" eine volle Leseempfehlung.

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

single, playboy, 2017, chef, boss

Love me now: Jetzt oder nie

Cassie Love
E-Buch Text: 191 Seiten
Erschienen bei Fine Line Verlag, 16.08.2017
ISBN B074W41TGD
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Inhalt:
Lola steckt mitten im Trennungsschmerz. Jüngst hat sie ihren Verlobten Darren dabei erwischt, wie er in ihrem gemeinsamen Bett den Geschlechtsakt mit einer gemeinsamen Freundin inszenierte. Seit diesem Tag möchte Lola, dass Darren die gemeinsame Wohnung verlässt. Die Möbel, die Kleidung ihres Verlobten erinnern sie schmerzhaft an den Vorfall.
Christopher, Lolas Kollege und Vorgesetzter in der Marketingabteilung bemerkt, dass Lola seit geraumer Zeit nicht mehr die fröhliche Frau ist, die er kannte. Er harkt nach und lädt sie zu einem gemeinsamen Essen ein. Als er von ihrem Schicksalsschlag erfährt, stellt sich verhaltene Freude ein, denn er weiß, dass Lola eine Frau ist, für die es sich zu kämpfen lohnt.


Schreibstil:
Mit Lola und Christopher hat die Autorin zwei interessante Charaktere erschaffen. Lola ist ein sehr gutmütige Frau, die von ihrem Verlobten betrogen wurde. Christopher ist einerseits ein Playboy, der sich jeden Wunsch, den er hat mit seinem Geld kaufen kann, andererseits auch schon einige Erfahrungen mit anderen Frauen gesammelt hat. Lola ist für ihn die große Liebe, für die er alles tun würde. Jetzt, wo sie frei ist, möchte er um sie kämpfen.
Christopher schenkt Lola wieder Freude am Leben. Gemeinsam gehen sie Essen und sogar auf eine kleine Reise. Doch bald schon muss Lola erfahren, dass auch Christopher ein kleines Geheimnis hütet und dass seine Vergangenheit ihn stark geprägt hat.
Die Liebesgeschichte in diesem Roman ist glaubhaft und schön dargestellt, auch einige erotische Szenen wird der Leser in dieser Geschichte finden, die jedoch die Haupthandlung nicht überlagern. Auch sorgt eine kleine Wendung am Ende für Spannung.
An einigen Stellen im Roman spricht die Autorin den Leser direkt an. Beispiel:

Nicht, dass Lola an mir interessiert war, aber du wirst verstehen, dass es deutlich einfacher ist, das Interesse einer nicht vergebenen Frau zu erwecken …
Diese Stellen sorgten bei mir dafür, dass ich kurzzeitig aus dem Lesefluss gerissen wurde, da ich erst einmal einordnen musste, an wen diese Worte gerichtet waren.


Fazit:
Love me now ist ein schöner Liebesroman für zwischendurch. Die Geschichte beinhaltet einige erotische Szenen, die die Haupthandlung jedoch nicht überlagern. Eine überraschende Wendung am Ende sorgt für die nötige Spannung. Kleiner Kritikpunkt: Die Ansprachen direkt an den Leser sorgten bei mir oft für Verwirrung.
Love me now ist mit seinen 0,99 Euro ein sehr günstiges Ebook, welches eine unterhaltsame Liebesgeschichte liefert. Perfekt für einen Abend auf der Couch.

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Tags: 2017   (1)
 

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

2017, liebe, bikerclub

Outlaw

Amelia Gates , Cassie Love
E-Buch Text: 235 Seiten
Erschienen bei Fine Line Verlag, 26.07.2017
ISBN B074BBD11L
Genre: Sonstiges

Rezension:

Inhalt:
Brynn ist Buchhalterin. An einem Abend sitzt sie über den Rechnungen und stellt fest, dass die ihr vorliegenden Zahlen nicht zu stimmen scheinen. Gerade, als sie begreift, dass ihr Chef ihr etwas verschwiegen haben muss, hört sie ein Geräusch. Brynn geht dem nach und wird Zeuge eines Gesprächs. Es geht um Drogen und dann ertönt plötzlich ein Schuss. Unerwartet wird die junge Frau Zeugin eines Mordes. Um die Geschehnisse erst einmal zu verarbeiten, begibt sie sich in die nächste Kneipe. Dort trifft sie auf den Biker Ryker. Es ergibt sich ein kurzes Gespräch. Schnell erliegt sie seiner Anziehung. Eine heiße Nacht folgt, die beide nicht so schnell vergessen können. Doch so besonders diese Nacht mit Riker auch war, die Geschehnisse holen Brynn bald wieder ein. Brynn entschließt sich die illegalen Machenschaften aufzudecken und anzuzeigen. Der Vorfall setzt eine wendungsreiche Geschichte in Gang, bald schon muss Brynn erkennen, dass Ryker nicht der Mann ist, für den sie ihn gehalten hat.


Schreibstil:
Brynn liebt ihre Arbeit als Buchhalterin. Mit Zahlen kann sie umgehen, Zahlen versteht sie. Schwieriger sieht es da mit dem eigenen Privatleben aus. Oft verpasst sie ihre Dates oder empfindet bald schon kein Interesse mehr an ihrem Gegenüber. Als sie auf Ryker trifft, merkt sie sofort, dass dies etwas anders ist. Dieser Mann ist nicht wie die anderen. Er rennt ihr nicht hinterher, er weiß, was er will und hat diesen gewissen Bad-Boy-Charme.
Ryker hingegen ist definitiv ein Alpha-Mann. Als charismatischer Anführer eines Motorradclubs namens Outlaw mit einem exzentrischen Leben hat die Figur ein gutes Herz, aber auch eine richtig raue Schale und kann bisweilen sogar gewalttätig werden. Seiner rechten Hand Drew schenkt er Vertrauen. Seinen Prospects gegenüber lässt er oft den Anführer raushängen, um sie in ihre Grenzen zu weisen. Als er auf Brynn trifft, ist er angetan von ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Attitüde.
Als Brynn und Ryker aufeinandertreffen funkt es sofort zwischen den beiden. Die Attraktivität des Äußeren steht hier nur anfangs im Vordergrund. Brynn ist erstaunlicherweise ähnlich robust wie Ryker. Sie hat keine Angst. Sie steht über den Dingen. Auch an einer Schießerei nimmt sie beiläufig teil, ohne dass sich Schock oder Mitleid einstellen.
Dem Staatsanwaltschaft, der das Verfahren leitet, fehlt es hingegen an galanten und geschliffenen Umgangsformen. Er stört sich auch nicht daran, wenn Brynns Freundin es sich in seinem Büro in seinem Stuhl gemütlich macht und sogar die Füße auf den Tisch legt.
Das Verhalten der Charaktere und ihre Reaktion auf Situationen war nicht immer glaubwürdig. Allerdings trug es auch dazu bei, um ihre Stärke zu demonstrieren und einen aktiongeladenen Plot herbeizuführen.
In Outlaw gibt es einige wenige erotische Szenen und ein des öfteren eine erotische Anspielung. Diese Szenen überlagern den Plot jedoch nicht.


Fazit:
Outlaw ist die Geschichte einer Augenzeugin.Die Szenerie des Romans könnte aus einem Hollywood-Actionfilm stammen. Die Charaktere sind nicht immer glaubwürdig, dafür aber stets lebendig. Es gibt explizite erotischen Szenen, der Roman ist aber nicht mit Erotik überfrachtet.
Ich empfehle Outlaw an Leser/innen, die eine locker-leichte Geschichte, ähnlich einem Actionfilm suchen.


Buchzitate:
Ich spiele mit dem Feuer. Und wir alle wissen, was mit Mädchen passiert, die mit dem Feuer spielen: Sie verbrennen sich.

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218 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

hitler, john boyne, verrat, nationalsozialismus, der junge auf dem berg

Der Junge auf dem Berg

John Boyne , Ilse Layer
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 24.08.2017
ISBN 9783737340625
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt:
Nach dem Tod beider Eltern muss Pierrot erst seine Freunde und sodann seine Heimat verlassen. Sein Weg führt ihn in ein Waisenhaus in Frankreich. Kurze Zeit später meldet sich seine Tante und holt den Jungen nach Deutschland auf den Berchtesgadener Berghof – Adolf Hitlers Sommerresidenz. Als Hauswirtschafterin für Hitler, bekleidet diese eine gute Position. Pierrot soll sich in Gegenwart des Hausherrn ruhig verhalten und seine eigene Vergangenheit nicht erwähnen. Bald schon findet der „Führer“ Gefallen an dem Jungen, der sich so gut mit seinem Schäferhund versteht. Bald gerät der Junge unter den Einfluss des charismatischen Despoten. Pierrot ist es wichtig sich dem Hausherren als würdig und treu zu beweisen.


Wichtigste Charaktere:
Adolf Hitler wird aus der Sicht von Pierrot dargestellt. Dieser kann auf jeden Fall eine Orientierung in seinem Leben vertragen und findet schnell Gefallen an der dunklen Vaterfigur.
Pierrot wird Zeit seines Lebens immer von der Wahrheit abgeschottet. Er verliert schon früh beide Eltern und weitere Bezugspersonen. Um Hitler seine Treue zu beweisen, ist er zu allem bereit – auch zum Verrat. Die Abgründe, die sich in diesem Protagonistentyp verbergen und seine Verführbarkeit zum Bösen sind eine Parabel für die generelle Verführbarkeit des Menschen.


Schreibstil:
Der Junge auf dem Berg ist eine Geschichte, die wahre Tatsachen in eine fiktive Erzählung einwebt. Mit einem locker-leichtem und zugleich fesselndem Schreibstil gelingt es John Boyne den Leser an die Buchseiten zu binden.
Als Protagonist begleiten wir hier einen siebenjährigen Jungen, der in Paris aufgewachsen ist. Pierrot hat einen Großteil seiner Jugend in Gesellschaft seines besten Freundes Anshel verbracht. Einem tauben Jungen jüdischer Abstammung. Während die Mutter eine gebürtige Französin war, stammte der Vater ursprünglich aus Deutschland. Er hat im Krieg gekämpft und trug seinen Stolz auf sein Vaterland auf der Zunge. Die Ereignisse aus der damaligen Zeit, aber auch seine allgemeine Unzufriedenheit betäubte Pierrots Vater mit dem übermäßigen Konsum von Alkohol. Folge waren Streit in der Familie und Handgreiflichkeiten gegenüber der Ehefrau sowie der anschließende Selbstmord.
Pierrot, der zu dem Zeitpunkt noch recht jung war und den Vater anhimmelte, versuchte diesem stets gerecht zu werden. Gerne wollte er ihn mit Stolz erfüllen.
Nach dem Tod der Mutter durchläuft Pierrot einzelne Stationen. Er wird von seinem besten Freund getrennt, kommt in einem Waisenhaus unter und wird schließlich von seiner Tante nach Deutschland an den Berghof geholt. Hier lernt Pierrot im weiteren Verlauf Adolf Hitler kennen.
John Boyne gelingt es in seiner Geschichte einen Jungen zu zeigen, der durch die Geschehnisse, durch seine Naivität und auch die elterliche Prägung eine enorme Entwicklung durchlebt. Glaubhaft schildert der Autor den schleichenden Prozess und zeigt, wie ein Junge all die Menschen, die er einst geliebt hat, zum Teil verliert und zum anderen Teil verrät; wie er Teil eines großen Verbrechens wird. Zum Teil durch Nichtwissen, zum Teil durch Naivität, zum Teil weil er einfach nur dazugehören möchte.
Pierrot liebte seinen Vater und wollte diesem stets gerecht werden und mit Stolz erfüllen. Als er Adolf Hitler kennenlernt, erkennt er Parallelen zu seinem eigenen Vater. Auf der Fahrt von Frankreich nach Deutschland, aber auch in der Zeit davor, wird Pierrot oft für seine geringe Größe gehänselt. Er wird nicht nur einmal Opfer von Schikanen. Pierrot möchte aus diesem Schema ausbrechen. A. Hitler bietet dem Jungen das Ansehen und die Möglichkeiten, um gesehen und respektiert zu werden. Dafür jedoch muss Pierrot sich seinen Wünschen und Vorstellungen anpassen. Durch die Tante, die ihm einerseits verbietet, über die Vergangenheit zu sprechen und dem einzigen Freund in Frankreich, Anshel, Briefe zu schreiben, wird es Pierrot noch etwas leichter gemacht sich dem neuen Leben und den wenigen Möglichkeiten auf dem Berghof anzupassen.
Immer wieder durchlebt Pierrot Situationen, die er nicht zu deuten weiß. Hier ist ihm der Leser, der die geschichtlichen Ereignisse kennt, deutlich voraus. So versteht Pierrot nicht, warum die Mutter von Anshel ihn nach dem Tod der Eltern nicht aufnimmt sondern ihn in ein Heim abgibt. Auf einer Zugfahrt muss Pierrot zusehen, wie ein Mann aus seinem Abteil geschmissen wird, obwohl noch genügend Plätze frei sind. Einfach, weil eine Frau das verlangt. Auf dem Berghof muss Pierrot seine Vergangenheit verdrängen und sogar den Namen wechseln. Er möchte nicht Peter heißen und dennoch duldet die Tante hier keinen Widerspruch. Fast bekommt man als Leser Mitleid mit dem Jungen. Fast kann man verstehen, dass er mit Adolf Hitler, der zwar streng ist, aber ihm nach und nach Vertrauen schenkt, sympathisiert.
Über 320 Buchseiten deckt der Autor verschiedene Zeitspannen der Geschichte ab. Der erste Teil schildert die Ereignisse im Jahr 1936, der zweite Teil deckt die Zeit von 1937 bis 1940 ab und im letzten Teil begleiten wir Pierrot durch die Jahre 1941 bis 1945. Nun mag man denken, dass diese wenigen Seiten nicht ausgiebig die ganze geschichtlichen Hintergründe zu Genüge abdecken können. Diese Bedenken sind begründet. Da Pierrot jedoch den Großteil seiner Zeit auf dem Berghof, abgeschottet von den Erlebnissen außerhalb verbringt, reicht dieser Platz aus, um seine Sicht der Dinge zu schildern.


Fazit:
Der Junge auf dem Berg ist eine Geschichte über einen siebenjährigen Jungen, der durch verschiedene Schicksalsschläge in die Nähe von Adolf Hitler gelangt.
Wir erleben die Verführbarkeit des Jugendlichen für fundamentalistische Weltanschauungen. Die erschreckende Darstellung jugendlicher Verführbarkeit ist sehr lebensnah dargestellt. Die Suche nach einer neuen Vaterfigur, der Wille sich zu verändern und aus der Opferrolle auszubrechen, sind nur zwei der Faktoren, die dafür sorgen, dass die Entwicklung des Protagonisten für den Leser greifbar wird. Diese Geschichte zeigt, wie schnell eine Situation kippen und wie leicht man vom Opfer zum Täter werden kann. John Boynes locker-leichter und zugleich fesselnder Schreibstil mit zeitloser und zugleich bewegender Thematik macht dieses Buch zur perfekten Schullektüre.
Diesem Buch ist eine große, kritische und junge Leserschaft zu wünschen.

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119 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

liebe, jessica koch, schicksal, drama, behinderung

Die Endlichkeit des Augenblicks

Jessica Koch
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 18.08.2017
ISBN 9783499274237
Genre: Liebesromane

Rezension:

Inhalt:
Als Sam im Biergarten den attraktiven Basti erblickt, merkt sie gleich, dass zwischen ihnen etwas funkt. Ein erster Flirt, das erste Gespräch. Beim Abschied jedoch bleibt Basti sitzen und steht nicht auf, um ihr die Hand zu geben oder sie gar zu umarmen. Das, was auf den ersten Blick unhöflich erscheint, ist seiner Behinderung geschuldet. Basti ist querschnittsgelähmt und sitzt in einem Rollstuhl. Sofort überkommen Sam Zweifel: Wäre eine eventuelle Beziehung nicht voll von Schwierigkeiten, die seine Behinderung ihnen auferlegt? Doch Sam schiebt diese Zweifel beiseite. Sie trifft sich erneut mit Basti und muss feststellen, dass das offensichtliche Handycap nicht der Rollstuhl, sondern eher der beste Freund Josh ist, der ständig an Bastis Seite auftaucht. Denn Josh steckt voller Missmut, düsterer Gedanken und innerer Kälte. Er ist depressiv. Sam begreift bald, dass sie den einen nicht lieben kann, ohne nicht auch den anderen in ihr Leben zu lassen.


Schreibstil:
Wer sich von „Die Endlichkeit des Augenblicks“ eine locker-leichte Liebesgeschichte erhofft, wird enttäuscht werden. Jessica Koch greift auch in ihrem neuen Roman eine sehr schwere Thematik auf und geht nicht zimperlich mit ihren Charakteren um.
Mit Basti lernt der Leser einen sehr lebensfrohen jungen Mann kennen. Auch, wenn ihm das Schicksal in der Vergangenheit nicht unbedingt gut gestellt war und ihn an den Rollstuhl gefesselt hat, lässt er sich nicht unterkriegen. An seiner Seite befindet sich stets sein bester Freund Josh, der mit einer sehr schweren Depression zu kämpfen hat. Schuld soll der Unfall sein, den beide bei einer Mutprobe erlitten haben. Doch auch Joshs familiäres Umfeld trägt stark dazu bei, dass er aus der seelischen Tiefphase nicht mehr heraus gelangen kann.
Während Basti sich mit seinem Schicksal abgefunden hat, ist es Josh, der gedanklich in der Vergangenheit lebt und dem das Ziel fehlt, um weiterzumachen. Er redet sich ein, dass er seinen besten Freund bis zu seinem Lebensende beschützen muss. Vor Verletzungen, nicht nur körperlicher, sondern auch seelischer Art. Das Mädchen aus dem Biergarten erscheint als eine Gefahr. Früher oder später wird sie Basti, ob seiner Behinderung und der damit verbundenen Schwierigkeiten verlassen.
Bald schon werden die Protagonisten, aber auch der Leser merken, dass sich die zwei besten Freunde oft selbst im Weg stehen. Das, was sie für den anderen zu tun bereit sind, schränkt ihre Freiheiten ein. Ihre gegenseitige Aufopferung lässt keinen Platz für eine dritte Person. Diese Tatsache begreift auch Samantha. Wenn sie mit Basti zusammen sein will, dann muss sie Josh an sich heranlassen und der macht es keinem Menschen in seinem Umfeld wirklich leicht ihn zu mögen.
Joshs Art war mir über die Seiten hinweg nicht sympathisch. Seine düstere Weltsicht ist gewiss seiner Depression zuzuschreiben. Einerseits beteuert er, dass er sein Leben für seinen Freund Basti geben würde und andererseits beschimpft er ihn aufs übelste. Er hält im seine Behinderung vor und sagt ihm, dass er niemals eine Freundin bekommen wird, dass er keine Familie gründen kann. An einem Abend trifft sich Sam mit Basti. Es ist eines der ersten Dates. Doch plötzlich steht Josh, mal wieder, vor der Tür. Es ist klar, dass Basti seinen besten Freund nicht der Tür verweisen kann und Sam weiß, dass sie sich in diesem Moment auch nicht zwischen die Freunde stellen kann. Josh wäre zu tiefst beleidigt und hätte das auch mit Worten und vermutlich Konsequenzen klargemacht. Die Drei verbringen also einen Abend miteinander. Als Josh nach Hause geht, ahnt er noch nicht, dass Sam länger da bleiben wird. Am nächsten Tag ist er erzürnt. Man möchte ihn nicht dabei haben. Man grenzt ihn aus. Basti tut sein bestes, um seinen Freund zu beschwichtigen.
Dieses Beispiel ist nur eines von vielen, das aufzeigt, dass das Leben mit Josh alles andere als einfach ist. Doch über die Seiten hinweg schafft der eh schon sehr missmutige und nicht gerade fair handelnde Freund sein Verhalten noch zu eskalieren. Mit seinem Verhalten riskiert er, dass sein „bester Freund“, für den er Anfangs bekundet hat, sein Leben aufzugeben, seinen eigenen Platz einnimmt und zusätzlich zu seiner körperlichen Behinderung auch noch einen seelischen Tiefpunkt erleidet, um selbst das zu bekommen, was ihn vielleicht retten könnte.
Sam hingegen versucht die Freundschaft zwischen Josh und Basti zu kitten und erleidet dann eine Enttäuschung, die ihren guten Willen untergräbt. Ihr guter Wille erst den einen und schließlich dem anderen zu helfen, sorgt dafür, dass sie auch stets jemanden verletzen muss. Auch sie handelt in einigen Situationen stellenweise bewusst zu Bastis Nachteil. Ich habe Basti bewundert für seine Lebensfreude, die die wichtigsten Menschen seines Lebens immer wieder zu zerstören drohen, für seinen inneren Kampf. Sam und vor allen Dingen Josh hingegen habe ich stellenweise verflucht.
Dieses Buch geht einem nahe, es wühlt emotional auf.
Wie auch bei der Danny-Reihe, zeigt die Autorin in ihrem neuen Werk, dass das Vordergründige hinterfragt werden sollte. Dass nicht immer alles so ist, wie es auf den ersten Blick vielleicht scheint. Sie führt den Leser hinter den Vorhang und ihm gefällt in der Regel nicht, was er dort sieht.


Fazit:
Die Endlichkeit des Augenblicks ist alles andere als eine locker-leichte Lektüre für zwischendurch. Vielmehr eine Geschichte, in deren Mittelpunkt eine fatale Ménage-à-trois rund um die Protagonistin Sam steht. Ein Buch das von äußeren wie inneren moralische Grenzerfahrungen erzählt und den Begriff Selbstwert hinterfragt. Es ist nicht leicht das Verhalten der Protagonisten zu verstehen, geschweige denn zu mögen.
Dieses Buch ist nichts für zartbesaitete Leser. Eher für die, die neugierig sind und immer einen zweiten Blick hinter die Beweggründe eines Menschen werfen wollen. Jessica Koch kennt die Welt und ihre Abgründe Sie erzählt aus der Nähe von den Bedingungen des Menschseins und der Natur des Menschen.

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liebe, elementare, verzaubert, kampf, anna-sophie caspar

Verzaubert - Gefürchtete Feinde

Anna-Sophie Caspar
E-Buch Text
Erschienen bei Impress, 03.08.2017
ISBN 9783646602937
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt:
Effie und ihre Freunde haben auf der Insel der Priesterinnen des Orakels von Delphi Schutz vor Nathaniel gefunden. Hier bereiten sie sich auf ein erneutes Zusammentreffen mit dem Anführer der Elementare vor. Doch so sicher, wie die Unterkunft auf der Insel scheint, ist sie nicht wirklich. Bald muss Effie feststellen, dass die Pythagoreer, die Priesterinnen und selbst die Phönix-Seele in ihr, ihre eigenen Ziele verfolgen.  

Wichtigste Charaktere:
Effie ist die Protagonistin dieses Romans. Sie ist ein Phönix-Elementar. Sie ist immun gegen die Kräfte anderer Elementare. Mit ihren Tränen kann sie Wunden heilen. Auch ist sie in der Lage Elementare wieder zurück in Menschen zu verwandeln.
Eden ist ein Pegasus-Elementar. Seine Aufgabe ist es Effie zu schützen. Er kann die Erinnerungen seines Gegenübers löschen und/oder verändern. Er trägt ein gefährliches Gift unter seinen Fingernägeln.
Choi ist Effies und Edens bester Freund. Er ist ein Affen-Elementar. Seine Fähigkeit: Er kann Gegenstände vervielfältigen und diese mit Gedankenkraft bewegen.


Aufmachung:
Neben der Geschichte findet der geneigte Leser am Ende des Buches noch ein sehr hilfreiches Glossar.


Schreibstil:
Im dritten Teil begleitet der Leser Effie und ihre Freunde, wie sie ihre Fähigkeiten auf der Insel der Priesterinnen von Delphie im Kampf schulen. Ihre Freizeit verbringen sie mit den Annehmlichkeiten des Insellebens. Sie genießen die Spaziergänge am Strand und köstliche tropische Früchte.
Doch diese Harmonie trügt. Bald muss Effie feststellen, dass die Priesterinnen ein Geheimnis und ihre ganz eigenen Pläne mit Effie und ihrer Elementar-Seele hegen. Egal, wie sie es dreht und wendet, jeder in ihrer Nähe scheint einen Plan zu haben und dieser endet meist darin, dass Effie den Tod finden soll. Als wäre das nicht alles schon schlimm genug, verhält sich auch Eden plötzlich so merkwürdig. Als dann auch noch eine der Priesterinnen beschließt, dass Eden der perfekte Ehemann für sie wäre, weiß Effie: Hier muss sich etwas ändern.
In ihrem dritten Teil der Verzaubert-Reihe trifft der Leser wieder auf die Charaktere, die er auch in Band 1 so lieb gewonnen hat. Effie bezaubert mit ihrer impulsiven, vielleicht etwas chaotischen aber auch zugleich unglaublich sympathischen Art. Zwar handelt die Protagonistin oft ohne über Konsequenzen nachgedacht zu haben, doch im Nachhinein ist sie auch nicht zu stolz, um ihre Entscheidungen/Worte zu hinterfragen. Auch ihre Neugierde trägt nicht selten dazu bei, dass sie in Situationen hineinstolpert, in die sie sonst vielleicht nie gekommen wäre.
Einen eher ruhigen Kontrast dazu bietet Eden, der es sich zum Ziel gemacht hat auf Effie aufzupassen. Er ist immer da, wenn sie mal wieder in einem Problem feststeckt, in das sie versehentlich hineingeraten ist.
Und dann gibt es dort noch Choi, den besten Freund von Eden und mittlerweile auch von Effie. Mit seiner coolen Art entschärft er jede noch so brenzliche Situation. Stets hat er einen lockeren Spruch auf den Lippen und sorgt für den ein oder anderen Schmunzler.
Überhaupt merkt man diesem dritten Band die Freude der Autorin an, die sie beim Verfassen ihrer Geschichte hatte. Nicht selten fließt ein wenig Humor mit in die Zeilen, der der Geschichte die letzte Würze verleiht.
Im zweiten Teil dieses dritten Bandes geht es dann zur Sache. Effie und ihre Freunde müssen sich ihrem Feind stellen. Viele Romane scheitern an so einem Endkampf. Nicht so Anna-Sophie Caspars. Auch hier bleibt es abenteuerlich und zugleich spannend.
Das Ende des Buches ist dann letztlich wie „nach Hause zu kommen“. Zwar müssen die Charaktere auch Opfer bringen, doch letztlich gibt es ein Ende, mit dem es sich gut abschließen lässt und dass die Erinnerungen an „die gute alte Zeit“ noch einmal Revue passieren lässt.


Fazit:
Anna-Sophie Caspar hat mit diesem dritten Band alles richtig gemacht. Verzaubert – Gefürchtete Feinde enthält ein Glossar, welches Lesern, die nach einer längeren Lesepause wieder in die Geschichte eintauchen, zur Hand geht.
Auch die bereits ins Herz geschlossenen Charaktere finden genügend Platz. Ein dramatischer Plot, in dem die Figuren sich weiterentwickeln, spart man hier nicht aus. Für mich war es, als würde ich alten Freunden wieder begegnen und mit ihnen eine schöne Zeit auf der Insel verbringen. Doch der Schein trügt. Bald wird die gute Laune und die Harmonie überschattet. Schnell stellt sich heraus, dass Effie auf den folgenden Metern mannigfaltige Gefahren zu überstehen haben wird.  
Spannung, gut inszenierte Dialoge, feinsinniger Humor und eine gekonnte Charakterzeichnung der Hauptfiguren machen jede Seite lesenswert.
Das Ende war, trotz der Opfer, die die Charaktere bringen mussten, für mich wie nach Hause zu kommen.
Eine Fantasyreihe, die ich sehr gerne an Leser dieses Genres weiterempfehlen möchte.

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liebe, these broken stars, science fiction, gideon, galaxie

These Broken Stars - Sofia und Gideon

Amie Kaufman , Meagan Spooner , Stefanie Frida Lemke
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.07.2017
ISBN 9783551583710
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Sofia, eine Hochstaplerin, deren Plan es ist den Tod ihres Vaters zu rächen und Gideon, ein begnadeter Hacker, lernen sich auf einer Party von LRI-Besitzer Roderick LaRoux kennen. Ein unglücklicher Zwischenfall sorgt für Aufruhr. Da sowohl Sofia als auch Gideon nicht mit ehrwerten Absichten als Gäste geladen waren, planen beide ihre Flucht. Jedoch fallen sie beim Versuch das Gebäude zu verlassen den Sicherheitskräften unangenehm auf. Gezwungenermaßen müssen beide zusammenarbeiten und begreifen schon bald, dass sie ähnliche Ziele verfolgen.


Die Welt:
These Broken Stars – Sofia und Gideon spielt auf dem Planeten Corinth. Dem Hauptsitz von LaRoux Industries. Verschiedene Wohnebenen zeugen vom Status der Bewohner. So findet sich z.B. im „Untergeschoss“ die Welt der Slums, in denen es an jeder Ecke nach Streetfood, aber auch Abgasen riecht und in denen man gut in einem verlassenen Gebäude Unterschlupf finden kann. In der „Uppercity“ hingegen kann sich ein Bewohner seinen Drink von einem durch die Luft fliegenden „Smartwaiter“ liefern und von dem Smartglas seines Penthouses einen der Stimmung angepassten Sternenhimmel vorgaukeln lassen.
Mit Hilfe von Hologrammen kann man in eine völlig andere Welt abtauchen. Das Verreisen erscheint nicht mehr notwendig.
Die Planeten dieser Welt befinden sich in einem unterschiedlichen Entwicklungsstatus. Einige davon werden derzeit terraformiert. Ein Prozess, der das selbstständige Leben auf ihrer Oberfläche möglich machen soll. Andere sind bereits so eingerichtet, dass ohne Hilfe von außen eine selbständige Zivilisation gegründet werden kann. Reisen werden nicht selten in Raumschiffen unternommen.


Schreibstil:
Roderick LaRoux, mächtigster Inhaber der Galaxie, veranstaltet unter anderem im Holopark des LRI-Gebäudes Veranstaltungen, die zum Entspannen und Spielen einladen. Hier können die Teilnehmer mithilfe der Hologramme in eine andere Welt abtauchen und das gratis.
Auf eben einer dieser Parties befindet sich Sofia, um ihre Kontaktfrau zu treffen. Sofia möchte den Tod ihres Vaters, für den Roderick LaRouxs verantwortlich zeichnet, rächen. Doch ihr Plan gerät ins Wanken, als ein junger Mann Blickkontakt zu ihr aufnimmt. Er arbeitet an einem Laptop und als er den Stecker aus der Ladestation zieht, verschwinden plötzlich die Bilder um sie herum. Zurück bleibt ein karger Raum. Bald schon haben Gideon und Sofia die Aufmerksamkeit des Sicherheitspersonals auf sich gezogen und eine rasante Verfolgungsjagd beginnt.
Diese Verfolgungsjagd ist es, die den Leser an die Seiten des Romans fesseln wird. Spannend und konfliktreich versuchen Gideon und Sofia, jeder für sich, ihre Pläne umzusetzen. Jedoch stehen zu viele Geheimnisse und Lügen zwischen ihnen.
Die Charakterentwicklung von Gideon und Sofia ist dem Autorenteam A. Kaufmann und M. Spooner sehr gut gelungen. Als Leser begleiten wir hier einen Computernerd, der sein Handwerk bis zur Perfektion beherrscht. Alleine mit seiner technischen Fähigkeit und nicht mit strategischem Geschick, wie es z. B. Jubilee und Tarver in den Vorbänden genutzt haben, stellt er sich Konflikten. Sofia hingegen ist eine begnadete Lügnerin. Mithilfe ihrer Menschenkenntnis gelingt es ihr oft Situationen vorherzusehen. Sie zieht nicht selten sehr geistreiche Schlussfolgerungen und überrascht damit den Leser und auch ihr Gegenüber mit ihrer Intelligenz.
Ab der Hälfte des Romanes werden die altbekannten Charaktere aus den Vorbänden mit den Geschehnissen verwoben. Tarver und Lilac sowie Flynn und Jubilee geraten an dieser Stelle ebenso in den Fokus wie Gideon und Sofia. Ihre Beweggründe werden dem Leser näher gebracht, ihre Rolle in der Geschichte wird noch einmal fokussiert. Auch die Motivation, die jeden antreibt sowie die Konflikte, mit denen jeder für sich zu kämpfen hat, werden näher betrachtet.
Letztlich wird es ein Ende geben, welches die drei Geschichten, die die Leser bislang mitverfolgen durften, zu einem schlüssigen Ende führt.


Fazit:
Der Abschlussband der These Broken Stars-Reihe „Sofia und Gideon“ überzeugte mich mit dem rasanten und spannenden Einstieg. Auch taucht wieder Personal mit realem, lebensweltlichem Hintergrund auf (Computernerd trifft auf Hochstaplerin). Jede der Figuren bildet ein menschliches Extrem. Interessant ist auch die Entwicklung des wackligen Vertrauensverhältnisses zwischen ihnen.
Ab der Hälfte des Romans verliert die Handlung jedoch an Schnelligkeit. Auch die Einführung der bereits aus Band eins und Band zwei bekannten Protagonisten als Nebencharaktere sorgt dafür, dass der Fokus nicht mehr nur auf Gideon und Sofia liegt.
Das Pläne schmieden, aber auch die einzelnen Beweggründe der Charaktere nehmen der Handlung die Geschwindigkeit. Die Auflösung wird zu einem schlüssigen Ende geführt, welches große Fragen wie „gibt es einen freien Willen?“ zu klären versucht.


Buchzitate:
Ich sollte vorschlagen, dass wir für heute Abend aufhören – dass wir die Decken wieder aufteilen und uns beide in unserer jeweiligen Ecke schlafen legen, das Licht ausschalten und diesen Ort wieder dem Staub und der Dunkelheit überlassen. Aber ich tue es nicht.
Also nehme ich die Brechstange aus dem Rucksack – ich frage mich, was normale Menschen eigentlich stattdessen im Rucksack haben – und hebele die Tür auf.

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fantasy, königin, tearling, krieg, geschichte

Die Königin der Schatten - Verbannt

Erika Johansen
E-Buch Text: 600 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 13.06.2017
ISBN 9783641165284
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt:
Kelsea befindet sich in der Gefangenschaft der roten Königin. Im Kerker fristet sie ihr Dasein, während der Anführer ihrer Wache Mace sich seiner übertragenen Aufgabe als Regent und Interimsherrscher über Tearling stellt. Mace Gedanken drehen sich ständig um die Frage, wie er seine Königin befreien kann. Nebenher muss er die verschiedensten Herausforderungen meistern. Weiterhin verschwinden spurlos Kinder. Daran Schuld ist ein Mann namens Row Finn, auch genannt „die Waise“, die im Hintergrund seine Pläne schmiedet und eine Legion aus eben diesen Kindern heranzüchtet. Der Avath integriert und versucht Steuerfreiheit für die Kirche durchzusetzen. Hierfür ist ihm jedes Mittel recht. Auch möchte Mace sich dringend um das Problem der Unterwelt von Tearling kümmern. Die Ernte droht auszubleiben und zu allem Überfluss gelang der gefährlichen Hexe Brenna auch noch die Flucht aus den königlichen Kerkern.
Kelsea muss sich erneut mit der Vergangenheit ihres Königreiches auseinandersetzen. Erneut gerät sie an ihre körperlichen und seelischen Grenzen. Hat sie die richtigen Entscheidungen getroffen, als sie den Handel mit der roten Königin eingegangen ist? Was kann sie tun, um ihr geliebtes Tearling vor den Gefahren, die sich erneut anbahnen, zu retten?


Kernaussage:
Erika Johansen stellt sich und dem Leser in ihrem Roman „Die Königin der Schatten“ die Frage, ob der Mensch letztendlich immer nur an sich selbst und seine Nächsten denkt oder ob eine bessere Welt möglich ist. Auch in Band drei erfährt der Leser mehr über den Konflikt der Königreiche Tearling und Mortmesme sowie dessen Wurzeln. Zugleich taucht er mit Kelsea in die Geschichte ihres geliebten Landes ab. Er erfährt mehr über die Geschichte ihrer Vorfahren und darf sich bald fragen, ob der Weg in eine bessere Zukunft durch individuelle oder kollektive Katastrophen führen muss. Der Text zeigt den Schmetterlingseffekt, auf den auch explizit anhand der Verstrickung der Lebensgeschichten der Protagonisten hingewiesen wird.


Schreibstil:
Band zwei von Erika Johansens Trilogie „Die Königin der Schatten“ endete bereits mit einem Cliffhanger. Kelsea hat sich freiwillig der roten Königin ausgeliefert und das Schicksal von Tearling in die Hände ihrer treuesten Wache Mace gelegt.
Band drei beginnt der Leser aus der Sicht des Fetches. Eines geheimnisvollen und interessanten Charakters, der sich hinter einer Maske versteckt und sich immer wieder auf die Seite der Tearlingkönigin gestellt hat. Ja sogar eine kleine Liebesgeschichte konnte man durch zaghafte Andeutungen in Band zwei vermuten. Wieder einmal scheint der Fetch bereits einiges über die Hintergründe der Geschehnisse zu wissen und wieder einmal scheint er seine Fäden zu spinnen.
Währenddessen befindet sich Kelsea in der Gefangenschaft der roten Königin. Im Kerker kämpft sie um ihr Wohlergehen, während Mace an der Heimatfront kaum Zeit hat Pläne zu schmieden, wie er seiner Königin zur Hilfe eilen kann. Denn Tearling hat mit neuen und alten Feinden zu kämpfen und dieser Kampf droht erneut zu eskalieren.
Dieser Anfang des Buches klingt vielversprechend. Für mich galt es in diesem Roman viele Fragen zu klären. Allen voran: Was wird aus Kelsea, was wird aus Tearling? Aber auch die Geheimnisse rund um den Fetch wollte ich geklärt wissen. Hinzu kamen neue Fragen: Wer ist eigentlich Row Finn? Welche Rolle übt er in Band drei aus. Zugleich erfährt der Leser schon zu Anfang, dass auch die königliche Krone wieder aufgetaucht zu sein scheint. In wessen Händen befindet sie sich und welche Macht geht von ihr aus und wer wird diesen Kopfschmuck letztlich tragen?
Über die Seiten des Buches hinweg musste ich feststellen, dass die Autorin ihre Geschichte gemächlich erzählt. Viele Handlungsstränge wurden in eine Richtung geführt, die ich nicht erwartet hätte und die meinen Erwartungen auch nicht gerecht wurden. Gerade zum Ende des Romans empfand ich einige der „Lösungen“ als zu erzwungen, Entscheidungen und Handlungen der Protagonisten als zu konstruiert.
Wie auch in Band zwei taucht der Leser in dem Abschlussband mit Kelsea in die Vergangenheit ab. Dieses Mal verfolgt er die Geschehnisse nicht aus der Perspektive von Lily, sondern aus dem Gesichtskreis eines neuen Charakters namens Katie. Während der Zweitplot rund um Tearlings Geschichte sich im Vorgänger als durchweg spannend gestaltete, verlor er in Band drei für mich ein wenig an Reiz. Auch hier entwickeln sich die Geschehnisse gemächlich. Jedoch trugen sie letztlich dazu bei den Handlungsstrang zu einem schlüssigen Ende zu führen.
Offene Fragen hat die Autorin zum Ende hin (teils sehr rasch) geklärt. Die einzige Frage, die letztlich noch bleibt, ist die, ob wir nicht alle Opfer und Täter zugleich sind. Ist es die Vergangenheit, die die Zukunft prägt? Ist ein Leben in Frieden und Harmonie überhaupt möglich?


Fazit:
Die Königin der Schatten gehört für mich zu den besten Fantasytrilogien, die ich bislang gelesen habe. Somit freute ich mich sehr auf den dritten Band, auf Antworten auf all die offenen Fragen. Band drei klärte zwar alle Fragen, jedoch werden die viele Stränge manchmal nicht überzeugend zusammenführt. Die feinen Charaktermomente, welche die Vorbände dominierten, kommen hier oft zu kurz. Das etwas überstürzte Ende, eine Spur Vorhersehbarkeit und hier und da etwas zu wenig Tiefe, verhindern daher eine absolute Topbewertung.
Dennoch möchte ich diese Reihe weiterempfehlen. Denn sie überzeugt mit einer Botschaft. Ein Buch für alle, die Romane begeistern können, die nicht gerade von Fantasielosigkeit strotzen, aber trotzdem Inhalte transportieren, über die es sich auch in unser Welt nachzudenken lohnt.

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familie, contemporary, 2017, freundschaft, pubertä

Hier stirbt keiner

Lola Renn
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 22.06.2017
ISBN 9783733503253
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Annikas Bruder Marek zieht nach Amerika. Sie selbst bleibt zurück mit ihren ständig streitenden Eltern, der besten Freundin, die bei Jungs und auch im Leben allgemein viel besser ankommt und mit Chris, Mareks bestem Freund, der demnächst auf die Filmhochschule in München gehen möchte. Annika fühlt sich unsagbar alleine. Die Eltern, der Bruder und auch die Freundin sind jeweils mit ihrem eigenen Leben beschäftigt. Nur Chris nimmt sich Zeit, er versteht sie, wenn beide nur schweigen und plötzlich ist da dieses Gefühl ihn küssen zu wollen.

Schreibstil:
Die Geschichte von Annika spielt in der Hochsommerzeit. Flirrende Hitze, die Sehnsucht nach ein wenig Kühle und eine leichte Trägheit, die sich im Schreibstil wiederspiegelt, erwarten den Leser. Lola Renn arbeitet mit kurzen Sätzen und knappen Dialogen. Oft wird nur mit einem „Mhm“ geantwortet.
Annika selbst befindet sich im Teenageralter. Ihr Bruder Marek, eine bislang sehr enge Bezugsperson, verlässt die Familie und zieht nach Amerika. Dort beginnt er ein neues eigenes Leben und meldet sich nur noch sporadisch via Videochat. Von einem auf den anderen Tag wird Annika mehr oder weniger aus seinem Leben ausgeschlossen. Auch der ständige Streit zwischen den Eltern erreicht eine neue Eskalationsstufe. Das schwierige Alter, aber auch die Situation zu Hause, sorgen dafür, dass Annika oft unzufrieden wirkt. Auch in der Schule erwartet das Mädchen nicht viel Freude. Die Lehrerin geht mit den Jugendlichen eher rücksichtslos um. Sie hat an jedem etwas zu meckern. Und dann gibt es da noch Annikas beste Freundin Theresa, die im Leben viel mehr Erfolg hat als sie. Bei ihr scheint alles rund zu laufen. Sie ist selbstbewusst, so kann sie sich den Jungen aussuchen, mit dem sie gerne eine Beziehung haben will. Sie zeichnet bewundernswerte Zeichnungen und hat sogar eine eigene Sparte in einer Onlinezeitung bekommen, die sehr gut läuft.
Lediglich Chris, der beste Freund von Annikas Bruder, bietet Annika einen Ruhepol. Bei ihm kann sie einfach sein wie sie ist. Mit ihm ist alles unkompliziert. Er scheint sie zu verstehen, er fragt nicht nach, wenn Annika über eine Situation nicht sprechen möchte, hört ihr jedoch zu, wenn sie ihm von Problemen berichtet. Mit Chris kann Annika „abhängen“ und für einige Zeit das schwierige Leben vergessen.
In Annikas Leben geschieht einiges. Jedoch wirkt es auf den Leser oft alltäglich. Gerade zu Anfang fällt es schwer einen roten Faden zu erkennen und auszumachen, wohin die Geschichte geht. So verfolgt man Annika und ihren Vater bei der Gartenarbeit, liest von der Notenverteilung in der Schule und verbringt einen Abend mit ihr und der besten Freundin. Die Randcharaktere bleiben gerade zu Anfang blass.
Im Laufe der Seiten kristallisiert sich jedoch die ein oder andere Aussage heraus. So gibt es dort zum Beispiel die beste Freundin von Annikas Mutter, die Annikas Gefühle stets mit einem Lächeln und einem Schulterzucken abtut. Annika ist halt ein Teenager. Die sind schwierig und oft nicht zu verstehen. Ist das so? Als Leser weiß man es besser, denn man liest die Geschichte ja aus Annikas Gesichtskreis und hier wird die äußere Handlung zur Innenperspektive. Auch der ein oder andere kleine Funken an Eifersucht, den Annika verspürt, wenn sie sieht, wie einfach andere Menschen durchs Leben gehen, weil sie sich einfach nehmen, was ihnen beliebt, ist für den Leser durchaus nachvollziehbar.
Lola Renn zeigt mit ihrem Roman auf, wie sich das Leben eines Jugendlichen von einem auf den anderen Tag verändern kann, wenn plötzlich um ihn herum neue Lebensabschnitte begonnen werden. Mit ihrem Schreibstil, allein durch ihre Worte, vermittelt sie eine besondere Stimmung. Trägheit, Wut und Unzufriedenheit, die erste Liebe, Hormone, die verrückt spielen, aber auch die Leichtigkeit der Jugend, die auch mal ungezwungen die Schönheit des Lebens kosten kann, gibt sie in diesem Roman wieder.

Fazit:
Hier stirbt keiner ist eine Geschichte auf die man sich einlassen muss. Ein träger Erzählton, in dem alltägliche Unterhaltungen wiedergegeben werden, durchzieht die Geschichte. Der Roman scheint jedoch nur auf den ersten Blick trivial, es handelt es sich vielmehr um einen Coming-of-Age-Roman, der in vielerlei Hinsicht überrascht.
Über die Seiten hinweg kristallisiert sich die Aussage der Geschichte heraus. Lola Renns Talent besteht besonders darin, auf scheinbar banalem Weg die Abgründe, die sich unterhalb der Oberfläche einer Teenager-Existenz auftun, zu beleuchten.
Annika ist mitten drin: In der Zeit des Erwachsenwerdens. Da, wo man die erste Liebe findet, wo es aber auch heißt von alten Gewohnheiten Abschied zu nehmen und einfach nur nach vorne zu blicken.
Ich empfehle dieses Buch Lesern, die nicht unbedingt eine fesselnde und spannende Geschichte suchen, sondern sich in eine sommerlich heiße Welt katapultieren lassen wollen und zugleich das Gefühl der Jugend mit all ihren Schwierigkeiten und Veränderungen verspüren möchten.


Buchzitate:
„Meine Kleine ist auch so ein Monster“, sagt der Kerl. „Guckt immer nur missbilligend und redet kein Wort.“ „Die Pupertät“, trällert Lisa. „Verdirbt die liebsten Kinder.“ Wie ich diese Frau hasse.

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