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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

feuer, mia, delia, smaragdgrüne, bernauer

Delia - Das smaragdgrüne Feuer

Mia Bernauer
E-Buch Text: 227 Seiten
Erschienen bei IRIS Line, 24.07.2014
ISBN B00M3WIF3W
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das Ende der Trilogie ist noch mal wesentlich temporeicher, als es die zwei gemächlich anfangenden Bände erwarten ließen – kaum angefangen, schon jagt ein Kampf den nächsten und für Delia gibt es kaum Ruhephasen. Cassian ist wieder da und er sorgt dafür, dass sich Delias Träume nach einem Leben als Jaguar nicht so leicht erfüllen lassen.
Sie ist umgeben von Intrigen und Problemen, nur Sebastian scheint noch an ihrer Seite zu sein und sie zu unterstützen…
Doch dann kommt alles völlig anders, als Delia denkt.

Die Trilogie wurde von Band zu Band besser und obwohl ich kein Fan von Romantasy bin und schon gar nicht zu denen gehöre, die bei einem Happy-End in einem Buch zu weinen beginnen, musste ich mir bei dieser Geschichte am Ende mühsam die Tränen verkneifen.
Die Liebesgeschichte ist hier kein Handlungskitt, die Gefühle der Personen werden authentisch beschrieben. Wenn Delia Zeit braucht, braucht sie Zeit und wenn sie verletzt wurde, schmeißt sie sich nicht sofort ihrem Liebsten an den Hals. Love-Interest Leander wird zunehmend sympathischer, weil er immer menschlichere Züge annimmt. Besonders im letzten Band ist es sein Verhalten und seine Veränderung, die viele Dinge herumreißt.
Zumindest bei dieser Autorin weiß ich, dass ich sogar bei Romantasy nichts falsch machen kann, denn die Liebesgeschichten sind authentisch, die Figuren intelligent und die Geschichten und Spannungsbögen gut durchdacht. Weder wirkte Band II wie ein Lückenfüller, noch Band I wie ein zu lang geratener Auftakt – jeder Band wirkte in sich geschlossen und hatte einen schönen Spannungsbogen, gleichzeitig zog sich ein roter Faden durch die ganze Trilogie.

Cover:

Nachdem das Cover für Band 2 ja nicht so ganz meinem Geschmack entsprochen hat, gefällt mir das für Band 3 wieder wesentlich besser. Statt eines Farbtons zwei, statt Katzentieren nun Adler – was hat das zu bedeuten?
Wer den Roman kennt, weiß es – wer nicht, kann hier bereits ein wenig rätseln und sich in die Romanhandlung hineinträumen.
Auch die schwebende Delia in dem schönen, blauen Kleid passt hier wieder perfekt.

Inhalt:

Eine Stärke der gesamten Reihe ist, wie ich bereits schrieb, dass jeder Band für sich stehen kann – auch wenn natürlich alle Bände nötig sind, um die ganze Handlung zu verstehen. Band 1 ist kein überlanger Prolog, Band 2 kein Lückenfüller, Band 3 wirkt nicht völlig unnötig – wie es vielen Trilogien angelastet wird.

Drei Monate – um sich zu verabschieden, um normal zu sein, um das alte Leben ein letztes Mal zu genießen. Mehr hatte Delia nicht verlangt und war das wirklich so viel?
Doch Leander hat keine Wahl und muss sie früher in die Welt der Halbwesen zurückholen, als beabsichtigt. Es herrscht praktisch Krieg, Cassian ist wieder auf freiem Fuß und nur die Auserwählte kann den Halbwesen wieder den verdienten Frieden bringen. Worüber Delia verständlicherweise alles andere als begeistert ist…
Als dann auch noch die Therion darauf bestehen, dass Delia in die Heilige Stadt Rijon gebracht werden soll, ist niemand damit glücklich.
Doch dann wird alles viel komplizierter, als gedacht…

Spannend, ereignisreich, mit einem aufregenden Showdown und einem schönen Ausklang.

Sprache:

Auch hier gab es wieder einige Lücken im Lektorat und Korrektorat – nicht immer wurde das perfekte Verb gewählt und so manches Verb aus dem Bereich „sagen, denken, meinen, rufen, meckern“ etc. war doch zu viel und für den Dialog eigentlich nicht nötig.
Ansonsten ist die Sprache aber sehr bildlich und schön. Einige Male nahmen längere Einschübe die Spannung aus der Handlung (wenn Delia schreit, weil ihr ein Leopard auf die Motorhaube springt, muss man NICHT einschieben, dass die Tiere in Kalifornien doch gar nicht vorkommen), aber auch das geschieht eigentlich sehr selten.
Wer nicht gerade selbst schreibt, dem werden diese Dinge vielleicht nicht einmal auffallen und abgesehen davon ist die Sprache schön und gut lesbar.

Fazit:

Ein gelungener Abschluss für eine sehr fantasievolle Trilogie – wie oben bereits erwähnt, stand jeder Band für sich und der Abschlussband bildete auch wirklich den krönenden Abschluss der ganzen Reihe. Ein Pluspunkt sind hier auf jeden Fall Charaktere, die bereits dem Teenagealter entwachsen sind – und somit nicht die Reihe an Klischeeproblemen mitbringen, auf die man im Romantasybereich so trifft.
Der Ausrichtung auf ein erwachseneres Zielpublikum ist auch zu verdanken, dass es nicht annähernd so glatt am Ende für alle verläuft, wie man es von einer Teeniegeschichte erwarten müsste. Und das hat die Spannung wesentlich erhöht.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Rönum

Jörg Karweick
Fester Einband: 180 Seiten
Erschienen bei O'Connell Press, 25.11.2015
ISBN 9783945227473
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Buch ist genial geschrieben – auf mehreren Zeit- und Ortsebenen wird die Erzählung in eine Rahmenhandlung eingebettet. Eine Touristin findet überraschend eine Leiche am Strand und informiert die Polizei.
Doch wie konnte es dazu kommen? In einer streng durchstrukturierten Binnenhandlung wird erzählt, was in dieser Zeit geschah – und die Frage gelöst, wieso eigentlich kein Tourist nach Rönum geht.

Beim Lesen hatte ich oft Gänsehaut – das Buch ist unterschwelliger Grusel vom Feinsten, mit gekonnt eingesetzten Symbolen und geschickten Cliffhangern.

Cover:

Schlicht und schön.
Die Sepiatöne, in denen das Cover gehalten ist, wirken ruhig und gediegen – gleichzeitig strahlt der von Nahem fotografierte Turm doch eine gewisse Bedrohung aus und die Titelschrift wirkt ein wenig wie verwitterter Stahl.
Selbst wenn man die Geschichte noch nicht kennt, weiß man im Prinzip, worauf man da eingestimmt wird – scheinbar ist alles gediegen, ein wenig altmodisch und sonst in Ordnung. Doch hinter der Fassade lauert eine düstere Gefahr.
(Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich so gut wie alle Cover aus diesem Verlag einfach schön finde?)

Inhalt:

Das Buch ist ziemlich kurz und entsprechend dicht geschrieben, es ist also nicht einfach, hier etwas zu schreiben, ohne zu viel zu verraten.
Die Touristin ist selbst früher öfter in die Gegend gekommen – doch aus irgendeinem Grunde haben ihre Eltern irgendwann aufgehört, mit ihr nach Rönum zu reisen. Mehr noch, sie überreden sie, nicht mehr darüber zu reden und wollen das Ganze am Besten vergessen. Dennoch macht sie selbst Urlaub in Rönum und… findet prompt eine Leiche.
Was ist da passiert?
Die Binnenhandlung soll hier Klarheit schaffen und erzählt die Ereignisse, die dem Leichenfund vorausgehen. Und rücken den Romanbeginn in ein anderes Licht.
Die Welt hinter dem Roman wird dabei nur angedeutet – man muss viel mitdenken und sich die Zusammenhänge nach und nach selbst zusammenpuzzeln.

Sprache:

Da gibt es nichts auszusetzen.
Ich fand die Sprache sehr schön – mystisch und poetisch, wo es mystisch und poetisch sein muss. Trocken und sachlich, wo es so sein muss und auch mal völlig wirr, wenn der Perspektiventräger gerade etwas wirr im Kopf ist. Mit anderen Worten: Wechsel der Erzählstimme bei Wechsel der Perspektive und Anpassung an die jeweilige Gegebenheit.
Mir persönlich gefällt das sehr gut – auch wenn ich weiß, dass manche Leser keine Freunde davon sind.

Fazit:

Das Buch habe ich schon beäugt, als es noch um 2014 herum nur mit Cover und Inhaltsangabe auf der Verlagshomepage beim Stöbern entdeckt habe. Und ich bereue auf jeden Fall nicht, es gelesen zu haben. Der Grusel kam auf leisen Sohlen, aber dafür ziemlich eindringlich und es wurde immer wieder spannend.
Das Buch hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen und ich empfehle es denen weiter, die gerne Thriller lesen – es aber nicht zwingend blutig brauchen.

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jugendbuch, jonathan stroud, burgruine, verlag cbt, eisfestung

Die Eisfestung

Jonathan Stroud , Bernadette Ott
Flexibler Einband: 281 Seiten
Erschienen bei cbt, 01.12.2008
ISBN 9783570305232
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Um ehrlich zu sein hat mich dieses Buch nicht so überzeugt.
Die Familiensituation der drei Kinder scheint recht klar umrissen – Emily ist ein von der Familie wenig beachtetes Einzelkind, Simon hat Probleme mit seinen vielen Geschwistern, Marcus ist Halbwaise. Angesichts dessen aber, dass Emily die Perspektivträgerin ist, erfährt man viel zu wenig über sie. Klar, einerseits weil der Fokus auf den Ereignissen und andererseits eher auf Marcus und seinen Geschichten liegt. Aber dadurch wurde für mich Emily zu einer Schablone, so wie die Figuren generell blass und schablonenhaft blieben.
Das Klischee-Mädchen aus gutem, konsumgütertechnisch gesättigtem aber reichlich gleichgültigem Hause, dem langweilig ist. Der Junge aus der typischen Arbeitslosen-Schläger-Verbrecherfamilie. Und der geheimnisvolle Unbekannte mit der großen Fantasie als Verführer zu allen möglichen Taten.
Da mir die Personen alle nicht so recht „echt“ erschienen, kam auch in Bezug auf ihr Schicksal keine Spannung auf und das Buch eierte für mich ein wenig hin- und her.

Rausgerissen hat es der grandiose Schreibstil von Stroud – er hat ein sehr ernstes Thema genommen und es sprachlich sensibel behandelt. Ich hätte mir aber mehr Mut gewünscht, mehr von seinem Humor und mehr Drama, besonders zum Ende hin.

Cover:

Da gibt es nichts zu meckern.
Ich liebe Hardcover. Und ich liebe erst Recht Hardcover, die irgendwie mit Fühlapplikationen, und Glanz und Silberfolien und so verziert sind – sofern dieser Zierrat zum Buch passt. Und das Geglitzer passt perfekt zu einer Eisfestung.
Optisch auf jeden Fall ein Hingucker und… Hardcover. Stabil, formschön… habe ich schön erwähnt, dass ich Hardcover mag?
Dargestellt ist ein Stück Mauer mit Blick auf eine altehrwürdige Burg. Ja, das gefällt mir.

Inhalt:

Die Geschichte an sich ist eigentlich gar nicht mal so unglaubwürdig – im ziemlich kleinen, ziemlich schnarchigen englischen Herkunftsort der Protagonistin gibt es eigentlich nur einen einzigen Ort, der auch nur ansatzweise Spannung verspricht. Und das ist die alte Burg, bewacht von einem bärbeißigen Hausmeister, im Sommer ein etwas ödes Museum und im Winter eigentlich geschlossen.
Klar, dass die Kinder aus dem Ort auf der Suche nach Abwechslung dort heimlich mit ihren Schlitten fahren wollen. Und klar, dass hier das Faustrecht regiert und Emily so ganz alleine keine Chance gegen eine Bande Kinder hat, die den Schnee rund um die Burg für sich allein haben wollen.

Und es ist für mich auch durchaus logisch, dass Marcus und sein Traum von einer Burgübernachtung so verlockend für die drei Kinder ist, wenn auch aus jeweils eigenen Gründen.
Das klingt eigentlich nach einem Konzept, das nicht schief gehen kann – und genau das ist das Problem. Auch wenn das Buch wichtige soziale Problematiken auch im Umgang mit Kindern anreißt und durchaus Potential hätte, es bleibt alles bei diesem theoretisch erfolgsversprechenden Standard. Fast, als hätte Stroud hier eine lineare Vorgabe für einen Roman eins zu eins umgesetzt.

Die Charaktere blieben für mich stereotyp, sodass bei mir für keinen der drei so rechte Sympathie aufkam. Und da ich mich keinen Augenblick für das Schicksal der drei so richtig erwärmen konnte, kam für mich auch die ganze Zeit über keine rechte Spannung auf.

Solides Handwerksbuch, keine Logikbrüche, keine Fehler, aber eben auch nichts Weltbewegendes.

Sprache:

Mir fehlte Jonathan Strouds Feuer, sein Humor, seine Art, sogar die dramatischsten und schwierigsten Dinge irgendwie so zu verkaufen, dass es nicht trivial ist.
Klar, die Ausgabe war sprachlich einwandfrei, ich habe keine Druckfehler gefunden und ich würde auch nicht sagen, dass irgendwas sprachlich nicht gepasst hätte.

Aber genauso wie der Rest des Buches wirkte auch die Sprache sehr standardmäßig. Eben genau das, was man von so einem Buch erwartet, aber weder mehr noch weniger.

Fazit:

Auch wenn ich quantitativ eigentlich vier Feuerflocken vergeben müsste – ich bleibe bei drei. Das Gesamtpaket hat mich trotz der wunderhübschen Hülle nicht überzeugen können.

Vielleicht liegt das daran, dass ich von Stroud einfach per se sehr viel erwarte und damit von vornherein mit überhöhten Erwartungen an das Buch herangegangen bin. Oder weil ich inzwischen so hungrig nach Innovationen beim Storytelling bin, dass mich solides Handwerk nur noch mittelmäßig bis gar nicht zu fesseln vermag.

Denn eigentlich ist das Buch grundsolide und alles andere als schlecht. Aber mich hat es leider nur mittelmäßig unterhalten.

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romantasy, mia, delia, 4 sterne, rubinrote

Delia - Das rubinrote Licht

Mia Bernauer
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 07.07.2014
ISBN 9781500413552
Genre: Fantasy

Rezension:

Mir gefiel der direkte Neueinstieg in Band II, der fast ohne Nacherzählungen von Band eins ausgekommen ist – die ich aber auch nicht gebraucht hätte, um ehrlich zu sein. Auch so war die Welt der Halbwesen noch präsent genug in meinem Kopf, um einen flüssigen Wiedereinstieg zu garantieren. Außerdem wurde ich gleich auf den ersten Seiten mit einem Fakt überrascht, mit dem ich nie im Leben gerechnet hätte – durch den aber das letzte Rätsel aus Band I endlich gelöst wird.
Das einzige kleine Problem, das ich mit dem Buch hatte – die Halbwesen neigten in diesem Band ein wenig dazu, zu mächtig zu werden. Zusätzlich zu den Kräften ihrer jeweiligen Elemente, der Unsterblichkeit und den daraus erwachsenen zahlreichen Fähigkeiten können sie Menschen mit Hilfe eines permanent blutenden Bisses manipulieren. Andererseits wird genau diese Kraft am Ende zu einem treibenden Faktor in der Story und sorgt dafür, dass der Showdown unfassbar spannend gerät und ich mir beim Lesen beinahe in den Finger gebissen hätte.
Schön auch, wie man schrittweise mehr über die Welt der Halbwesen erfährt und gemeinsam mit Delia versucht herauszufinden, wer Freund und wer Feind ist. Ich hatte schon sehr früh das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt – aber erst am Ende hat sich alles aufgelöst, sodass ich erleichtert aufseufzen konnte.
Und das Ende war natürlich DER Knall schlechthin, der mich sofort Band III kaufen ließ. Schließlich wollte ich wissen, was nach so einem Cliffhanger passiert!

Cover:

Das Cover fand ich persönlich nicht so schön, wie das von Band I – zum einen ist es sehr rosa, zum anderen im Vergleich zum ersten Cover nicht sehr kontrastreich. Die vielen hellen Flächen laufen ein wenig ineinander.
Abgesehen davon spiegelt es jedoch sehr schön die Romanhandlung – eine Großstadt und eine Delia, die permanent an einem Abgrund entlangbalanciert und dabei ein Lächeln zu bewahren versucht, dazu die zarten Blätter – das hat für mich gepasst.
Für das Rosa und die Kontrastarmut gibt es an dieser Stelle aber Abzug.


Inhalt:

Wie oben schon erwähnt – die Autorin steigt nahtlos wieder in die Handlung ein und wirft mich als Leserin mittten in einen wichtigen Dialog, statt – wie ich das häufig bei Fantasy angetroffen habe – erstmal den Plott des vorigen Bandes ausführlich wiederzugeben.
Generell macht Mia Bernauer nicht den häufigen Fehler, Band II einfach als notwendiges Brückenübel zwischen Auftakt und Ende einer Trilogie zu verwenden. Eine eigene, sehr spannende und abwechslungsreiche Story, sorgte dafür, dass ich das Smartphone kaum aus der Hand legen wollte.
Nach wunderschönen Ferien, in denen Delia sich von den schrecklichen Ereignissen rund um Cassian erholen kann, muss sie sich erneut damit befassen – Cassian wird der Prozess gemacht und natürlich muss auch Delia zu diesem Zweck nach Terceira, wo die geheimnisvollen Therion ihren Sitz haben, und aussagen. Doch der Prozess läuft nicht so, wie Delia es erwartet hätte.
Ausgerechnet jetzt beschließt sie außerdem, ihr Studium in einer anderen Stadt fortzusetzen, sodass Leander sie nicht permanent beschützen kann und sie von Verschwörern angegriffen wird. Ist Kira – ausgerechnet Leanders Exfreundin – wirklich in der Lage, sie vor den Angriffen von Aaron dem Teiler und seinen Komplizen zu beschützen? Und welche Geheimnisse hat Leander plötzlich Delia gegenüber?
Die Welt der Halbwesen bleibt sehr schlüssig und in keinem Band erfährt man so viel über ihr Wesen, wie hier – weltenbauerisch ist das Ganze also in sich logisch und schön gelöst. Wie oben bereits erwähnt, hatte ich höchstens ein wenig mit der scheinbaren Overpowerung durch eine neue Fähigkeit ein kleines Problemchen, aber letzten Endes war das so nötig und führte zu einem spannenden Showdown.

Sprache:

Auf jeden Fall um Welten besser lektoriert, als der erste Teil – aber es gab immer noch das eine oder andere Fehlerchen, die eine oder andere Formulierung und auch einige Formatierungsfehler, die so nicht unbedingt sein gemusst hätten.
Die Formulierungen selbst, den Ausdruck, die Wörter für all das Selbsterfundene fand ich nämlich sehr passend.

Fazit:

Insgesamt solide 4 Sterne, auch wenn es beinahe fünf geworden wären – für einen zweiten Band, der mich sehr gut unterhalten konnte und der sehr viele Stärken hatte – aber eben auch einige Schwächen.
Für alle, die mal ein wenig Abwechslung in ihr Lesebestiarium bringen wollen und dabei auch vor Romantasy nicht zurückschrecken (oder sich, wie ich, ausnahmsweise auch mal auf dieses Genre einlassen wollen), ist das auf jeden Fall eine gute Wahl.

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

psychothriller, familie, thrille, jugendbuch, th, alexandra kui

Stille Feindin

Alexandra Kui
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 23.06.2014
ISBN 9783570162750
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Als Tami und Farina sich begegnen, ist es Freundschaft auf den ersten Blick. Doch hinter der schönen Fassade verbirgt Farina eine düstere Vergangenheit und Tami eine komplizierte Familiengeschichte. Als Farinas Vergangenheit sie einzuholen droht, scheint eine Katastrophe unvermeidlich.
In diesem Buch werden die Dinge beim Namen genannt – Jugendkriminalität, falsche Freundschaften, Rachsucht, Einsamkeit und die erste große Liebe mal nicht aus der verklärt nostalgischen Erwachsenensicht, sondern mit aller Bedrohlichkeit, die ein Teenager erleben kann.
Das Wort „Jugend“ in der Genrebezeichnung „Jugendthriller“ steht hierbei vor allem dafür, dass es sich um jugendliche Protagonisten mit jugendlichen Problemen handelt. Doch diese sind keineswegs weniger heikel, gefährlich oder tödlich als die Probleme der „Erwachsenen“.

Cover:

Normalerweise ist pink nicht wirklich meine Farbe, aber das rosa Plastikmädchen mit dem Häschen inmitten der Blumenranken fand ich gut gewählt. Wer das Buch liest, stellt bald eine Verbindung zwischen dem Cover und den Protagonistinnen her und kann das Cover als Teil der Geschichte deuten. Farina hasst Rosa – doch sie muss das Mädchen mit dem Hasen sein. Tami mag Schlichtheit – und das Cover ist zwar dekorativ aufbereitet, bleibt dabei jedoch schlicht und wirkt nicht überladen. Für ein Taschenbuch war das Cover auch sehr hochwertig, die Blumenranken und das Mädchen sind mit Folie beschichtet, sodass das Büchlein griffiger wird und gut anzufassen ist.
So wirkt das Buch nach dem ersten Lesen nicht, als wäre es schon fünfzig mal durchgeblättert worden und ist eine Weile haltbar. Für mich ist das sehr wichtig, da ich Bücher gerne ein weiteres Mal lese oder auch mal innerhalb der Familie verleihe.

Inhalt:

Für mich ein sehr glaubwürdiges Buch. Die Protagonistinnen sind beide nicht perfekt, haben ihre Ecken und Kanten, ihre guten und schlechten Seiten. Auch die Umgebung wirkt lebensecht, Menschen statt Schablonen. Das wirkte sich maßgebend auf den Inhalt aus – sowohl Farinas Zerrissenheit und ihre daraus folgenden sprunghaften Handlungen als auch Tamis Naivität und Gutgläubigkeit stimmten innerhalb ihres Umfelds.
Dabei geschieht der Spannungsaufbau langsam, kaum merklich. Der Fokus liegt überwiegend auf den inneren Problemen und seelischen Nöten der Protagonistinnen. Doch die im Hintergrund aufgebaute Spannung macht sich im letzten Viertel des Buches bemerkbar und liefert einen Showdown, der es in sich hat.
Auch wenn immer wieder aus mehreren Perspektiven berichtet wird und die Handlungsstränge sich permanent kreuzen, empfand ich das Buch als gut lesbar und hatte keine Probleme, der Handlung zu folgen.
Besonders muss ich hervorheben, wie die Autorin mit Gefühlsräumen umgeht – die Landschaft als Abbild der Seele findet sich nur in wenigen modernen Romanen – in Jugendbüchern fast noch seltener als sonst. Ein gewagter Schritt, der bei mir gut angekommen ist.
Außerdem schafft sie es, das Thema „Kinder aus schwierigen Verhältnissen und Pflegefamilien“ auf eine nicht-kitschige Art anzugehen, die ich sehr erfrischend fand. Kein „wenn das Kind nur genug Liebe bekommt, wird alles gut“-Geseufze, sondern eine sehr einfühlsame Behandlung des Themas.

Sprache:

Hier muss ich erstmal Abzüge für Satzfehler geben, die mich immer wieder aus dem Lesefluss gehauen haben. In meiner Ausgabe waren an manchen Stellen Tami und Farina vertauscht und es fehlten immer wieder Präpositionen. Natürlich kann die Autorin nichts dafür, aber ein Buch ist für mich ein Gesamtprodukt von Autor und Verlag – wenn also von Verlagsseite Fehler gemacht wurden, muss ich das bei der Gesamtwertung berücksichtigen.
Darum kann ich leider hier keine fünf Flocken geben. Abgesehen davon jedoch besticht die Sprache für mich durch eine Mischung aus Schonungslosigkeit (es fallen einige für ein Jugendbuch sehr derbe Ausdrücke) und Poesie (mein Favorit ist hierbei die zartkalte Berührung). Die Sprache nahm mich schnell gefangen und erleichterte mir den Einstieg in das Buch auf jeden Fall maßgeblich.
Allein wegen der „Schreibe“ würde ich auf jeden Fall weitere Bücher der Autorin lesen.

Fazit:

Für mich ein toller Roman mit authentischen Figuren, einer deutlich spürbaren Charakterentwicklung und einer sehr schönen Sprache. Dabei kommt der Thrill keineswegs zu kurz – psychologisch hintergründig und hochspannend, zeigt Alexandra Kui, dass man nicht zwingend literweise Blut verspritzen muss, um ein Gänsehautbuch zu schreiben.

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142 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

fantasy, jonathan stroud, drachen, drache, england

Drachenglut

Jonathan Stroud , Nina Schindler
Flexibler Einband: 314 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 02.09.2010
ISBN 9783596809592
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Was mich von Anfang an einfing, war die teilwiese extrem poetische Sprache. Wann immer aus der Sicht des Drachen berichtet wurde, spürte ich regelrecht dieses Fremdartige, Böse und Uralte, das tief unter der Erde schlummerte und sich nun langsam regt. Stroud ist ein großartiger Erzähler und das merkt man.
Ein uraltes Kreuz wird vom neuen, enthusiastischen Pfarrer geborgen. Gleichzeitig passiert einem Jungen, der auf einer Sommerwiese einschläft, etwas sehr Seltsames. Und die alteingesessenen Einwohner des Dorfes mögen es gar nicht, wenn die alten Geheimnisse ans Licht gebracht werden. Denn sie alle fürchten die schrecklichen Konsequenzen.

Cover:

Das ist ziemlich minimalistisch – dunkelroter, fast schwarzer Grund und ein glühendes Drachenauge.
Angesichts dessen, dass „Drachenglut“ nach dem Erfolg von „Barthimäus“ wieder vermehrt nachgefragt und aufgelegt wurde, bin ich froh, dass das Cover minimalistisch blieb und man nicht versucht hat, eine optische Ähnlichkeit mit „Barthimäus“ zu erreichen. Machen Verlage ja teilweise sehr gern.
Und man sieht dem Buch sofort an, dass hier recht ernste und bisweilen düstere Fantasy auf den Leser zukommt. Finde ich gut gelöst.

Inhalt:

Das Buch fängt surreal-poetisch an. Da ist dieser unbekannte Junge, der auf der Wiese liegt und träumt. Und da sind die seltsamen Vorgänge, die mit ihm geschehen, während er es gar nicht so richtig wahrnimmt. Dazu in einer bildhaft-poetischen, wunderschönen Sprache, die einen sofort ins Buch hineinzieht, obwohl eigentlich noch gar nichts passiert ist.
Und dann ein heftiger Cut in eine Welt der Normalität und der Alltagssorgen eines jungen Pfarrers, der irgendwie nicht so richtig bei den Einheimischen ankommen kann.
Als Leser fragt man sich natürlich, wie diese zwei Ereignisse zusammenhängen können – und bekommt die Antwort in unendlich kleinen Häppchen nacheinander geliefert. Die Verbindung alter christlicher und vorchristlicher Legenden mit der typischen Problematik eines kleinen „Jeder-kennt-jeden“-Dorfes schafft eine für mich spannende Atmosphäre – und eine schlüssige Erklärung für all die merkwürdigen Ereignisse, die im Laufe dieses Buches auftreten.

Sprache:

Die Sprache… Schade, dass ich nur einmal und nur fünf Sterne dafür vergeben kann.
Stroud zeigt sich hier von seiner poetischen Seite und erzeugt mit einigen wohlplatzierten und ungewöhnlichen Metaphern immer die passende Atmosphäre. Ich kann hier schwer mehr schreiben, ohne zu spoilern – aber hier steht jedes einzelne Wort, jede Silbe genau da, wo sie hingehört.

Fazit:

Wer sprachlich wundervoll verpackte All-Age-Fantasy sucht, ist mit „Drachenglut“ bestens bedient. Schön geschriebene, sehr intelligente Geschichte über Mut, Freundschaft, Machthunger und Vetternwirtschaft. Und was mit einem Menschen passiert, der sich die falschen Freunde sucht.
Ein Buch, das ich vermutlich immer mal wieder lesen werde, um tiefer in die moralischen Aspekte eintauchen zu können, die beim ersten Spannungslesen oft übersehen werden.

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Tags: 5 stern, drachenglut, einzelband, jonathan stroud   (4)
 

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53 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 3 Rezensionen

manga, kaori yuki, science fiction, zukunft, scifi

Neji

Kaori Yuki
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 01.03.2000
ISBN 9783551768230
Genre: Comics

Rezension:

Die Welt im Jahre 2033 – ein exotischer Ort. Während es völlig normal ist, dass Roboter unter den Menschen weilen und man zwischen Planeten hin- und herreisen kann, gibt es auch Unbekanntes. Woher haben die Menschen, die aus dem Kryoschlaf erwachen, auf einmal diese merkwürdigen Psi-Kräfte? Und was, wenn diese in die falschen Hände geraten?
Wieso besitzen Roboter einen Mechanismus, der sie in Monster verwandelt?
Wer hat diese seltsamen Drogen in Umlauf gebracht, denen immer mehr Menschen zum Opfer fallen?
„Neji“ erzählt in drei lose zusammenhängenden Kurzgeschichten, wie unsere Welt auf keinen Fall werden darf.
Dabei entstanden die ersten zwei 1992, die dritte Geschichte entstand etwa 10 Jahre später.

Cover:

Zugegeben, ein bisschen trashig ist das Cover schon, vor allem mit modernen Mangacovern verglichen. Ein monochromer junger Mann – Neji – der in martialischer Pose auf blutrotem Grund mit der Waffe auf den Leser zielt.
Wenn ich nicht genau wüsste, dass der Manga zehn Jahre alt ist und somit ein trashiges Actionmotiv nicht automatisch auch eine seichte Rambostory bedeutet, hätte ich wohl nicht zu „Neji“ gegriffen. Ich bin aber auch nicht ganz die Zielgruppe, die vermutlich eher männlich ist und solche Bilder cool fand – vor zehn Jahren.
Aber ich würde nicht sagen, es gefällt mir nicht. Nur trashig ist es halt.

Inhalt:

Akt 1 erzählt die Geschichte von Neji und Snow White – wie sie sich kennenlernen, viele Jahre später wiederfinden und einem skrupellosen Plan auf die Schliche kommen.
Akt 2 setzt die Geschichte fort – Neji ist für G.E.R.A. zu einer echten Gefahr geworden und diese setzen Cross – einen weiteren Jungen mit gewaltigen Kräften – auf ihn an. Doch auch Cross ist nicht ganz freiwillig bei G.E.R.A. und als er die Wahrheit erfährt, wird alles anders.
Akt 3 wurde zehn Jahre später gezeichnet und erzählt eine von den ersten Teilen losgelöste Geschichte. Neji und Cross leben inzwischen zusammen und befinden sich gerade in einer Bar, als ein Mädchenroboter durchs Dach kommt und alles zerlegt. Als ein Kommando die Bar stürmt und das Mädchen vernichten will, greifen die Beiden ein – denn der Roboter flehte um sein Leben…

Ich glaube, mir ist nur ein einziger Lokigfehler aufgefallen – wieso friert G.E.R.A. jahrelang nicht nur die Leute ein, bei denen sie wissen, dass sie interessante Kräfte haben – sondern auch die Leute, die sie am Ende zu welchem Zweck auch immer sezieren wollen? Ich meine, klar – das war nötig, damit die Handlung in Akt 1 in Gang kommt und Screw sein Mädchen wiedersieht. Und da es ursprünglich eine Kurzgeschichte war, konnte Kaori Yuki sich auch nicht seitenlang darüber auslassen und es entstand dadurch auch die nötige Portion Drama – aber ein wenig unlogisch war es doch.

Abgesehen davon jedoch eine sehr schlüssige Welt und interessante Geschichten.

Zeichenstil:

Der Zeichenstil gefällt mir insgesamt ganz gut, auch wenn in den ersten zwei Akten (die zehn Jahre vor Akt drei entstanden) die Kompositionen teilweise noch etwas chaotisch sind und gerade für ungeübte Mangaleser darum nicht immer leicht durchschaubar.
Wenn mehrere Personen im Bild waren und etwas explodiert ist, musste ich die Panels doch etliche Male betrachten, ehe ich ganz genau wusste, was nun wem passiert ist.
Im dritten Akt hatte ich damit jedoch keinerlei Probleme.
Die Figuren waren gut zu unterscheiden und hatten alle ihre Eigenheiten, sodass ich nicht dauernd nachschauen musste, wer wer ist.

Sprache:

An der Sprache habe ich persönlich nichts auszusetzen.
Sie war gut ausbalanciert, keine zu schnulzige Ausdrucksweise oder übertriebener Pathos – alles wunderschön, klar und wortgewaltig.
In meiner Ausgabe gab es auch keine Druckfehler.

Aufbau:

Der Manga ist in drei Akte unterschiedlicher Länge geteilt, die jeweils auch separat lesbare Kurzgeschichten ergeben.
Die deutsche Ausgabe bei Carlsen hat die japanische Leserichtung und es sind jeweils mehr als vier Panels auf jeder Seite.

Fazit:

Mir hat die futuristische Story sehr gut gefallen – auch wenn man aus jedem der drei „Akte“ des Mangas vermutlich einen eigenen Manga machen könnte vom Umfang und den angerissenen ethischen Themen her. Ursprünglich handelte es sich um drei grob zusammenhängende Kurzgeschichten.
In Akt 1 hätte ich gerne mehr über die Vergangenheit von Screw/Neji und Snow White erfahren und auch mehr über die Menschen, die sie entführen ließen. Ich hätte gern gewusst, wie Screw wirklich zu G.E.R.A. gekommen ist und wieso sie Snow White vierzig Jahre lang eingefroren hielten, wenn sie mit ihr eigentlich nichts vorhatten. Da weiß ich nicht, ob das ein Logikfehler war oder einfach den Raum einer Kurzgeschichte gesprengt hätte – vielleicht weiß jemand was dazu?
Akt 2 fand ich schön, der hat sehr Vieles aus Akt 1 noch mal aufgeklärt – dabei aber widerum Andeutungen hinterlassen, bei denen ich gern nachgehakt hätte. Ich sage nur „Luther und Sonia“, falls jemand den Manga schon kennt. Wie gesagt, auch aus der Story hätte man einen eigenen Manga machen können, so mussten einige Teile der Geschichte etwas zu schnell und zu hektisch abgehandelt werden.
Akt 3 erzählt letztendlich eine relativ unabhängige Geschichte, die ein bisschen an „I, Robot“ erinnert, in Teilen aber noch darüber hinausgeht. Die Androiden dort sind nicht einfach Putzkolonnen, sondern sollen explizit Gefühle entwickeln – und das aus einem ziemlich perfiden Grund.
Insgesamt staune ich immer wieder über den Einfallsreichtum der vielen Mangaka da draußen – weil sie Geschichten zeichnen, die Vielen in Europa im Traum nicht einfallen würden und somit zusätzliche Perspektiven auf alte Motive und Geschichten ermöglichen.

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Tags: 4 sterne, kaori yuki, manga   (3)
 

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

mia, delia, saphirblauen, bernauer, augen

Delia - Die saphirblauen Augen

Mia Bernauer
Flexibler Einband: 492 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 30.04.2014
ISBN 9781499137798
Genre: Fantasy

Rezension:

Ich könnte meine Reader-App um ehrlich zu sein einfach nur schreddern (nur ist das bei einer App leider nicht möglich), denn die hat bei diesem – und aus komischen Gründen nur bei diesem – E-Book gemeint, nach jeder einzelnen Seite beim Umblättern abstürzen zu dürfen.
Gerade an spannenden Stellen war es einfach nur nervig, erstmal darauf warten zu können, bis es umblättert (und Murphy sei dank blätterte die App dann auch noch gerne rückwärts -.- ).
Deswegen hat sich die Lektüre auch fast über einen Monat hingezogen, ich war oft genug zu genervt von meinem Handy, um weiterlesen zu können. Dafür konnte natürlich das arme Buch nichts.

Im Buch selbst geht es um Delia Winter, angehende Architektin, die ein völlig normales Leben führt: Tagsüber studieren, abends mit ihren Freunden abhängen und am Wochenende Shopping oder Party. Wenn sie nicht gerade mit ihrem Hund Ella Gassi geht oder der Schönling Leander ihr einfach nur auf die Nerven geht. Doch dann erfährt sie, dass sie in Wahrheit alles andere als ein normaler Mensch ist und muss sich entscheiden – will sie das Leben der Halbwesen mit all seinen Verlockungen und Gefahren oder will sie zurück in ihr altes Leben und ihr anderes Ich für immer vergessen?

Es ist für mich der erste Roman mit Halbwesen, die eine menschliche Gestalt aufweisen und ich war natürlich absolut neugierig auf das, was mich erwartet. Würde mir die geschaffene Welt gefallen? Würde ich die mythologischen Hintergründe und Erklärungen plausibel finden? Ich bin ja ein wenig pingelig, was das angeht.

Cover:

Ein wunderschönes, sehr verträumtes Cover – eine junge blonde Frau, die in einem lichtdurchfluteten Wald schwebt.
So habe ich mir Delia vorgestellt und gerade weil der Anfang noch nicht so stark fantasylastig ist, bringt das Cover den Leser hier auf den richtigen Weg – Fantasy wird kommen, man muss nur ein wenig darauf warten.
Außerdem fand ich sehr, sehr positiv, dass anders als ich bei Romantasycovern gesehen habe, kein schmachtendes Mädchen/sich anschmachtendes Pärchen/der geheimnisvolle Fremde oder sonstwas abgebildet ist.
Die Protagonistin und eine verträumte Umgebung. Perfekt.

Inhalt:

Delia ist keineswegs das dumme und naive Blödchen, das man aus Romantasy-Romanen so kennt und zum Glück auch kein Schulmädchen. Und dass die mächtigen Halbwesen an ihrer Uni sind, kann die Autorin leicht damit erklären, dass einige von ihnen nicht älter sind als Delia und es somit normal ist, wenn sie studieren.
Delia ist klug, auch wenn sie nicht immer die größte Blitzmerkerin in Sachen Gefühle ist, wirkt gebildet und durchaus vielfältig – sie reitet gern, studiert Architektur, liest Shakespeare. Und sie beweist an vielen Stellen Mut und Kraft, um die man sie beneiden muss. Besonders ihre Duldungsfähigkeit erstaunte mich immer wieder aufs Neue.
Auch die anderen Figuren fand ich plausibel – einziger kleiner Minuspunkt hier: Dass alle Kinder ihre Mutter einfach beim Vornamen angeredet haben. Dadurch verschwamm bei mir gelegentlich, wer jetzt die Töchter sind und wer die Mutter, da „Leonie“ neben Selina und Romina ein wenig untergegangen ist und ich mich dauernd daran erinnern musste, dass das die Mutter ist und ich sie mir irgendwie erwachsener vorzustellen habe.
Aber wenn man die Natur der Halbwesen bedenkt, ergibt das wiederum Sinn.

Sprache:

Einen weiteren kleinen Abzug gibt es, weil zumindest mir das Buch nicht perfekt lektoriert schien. Es gab einige Stellen, an denen Lektorin und Korrektorin kleine Formulierungsprobleme und Holprigkeiten übersehen haben. Da konnte ich irgendwann nicht mehr wegsehen.
Die Vergleiche an sich sind sehr schön und poetisch und der Roman sehr anschaulich geschrieben. Die Figuren und ihre Umgebung standen durch die Sprache immer klar hervor, besonders toll war hier eine gewisse Eisfestung.

Fazit:

Ein wunderbarer Reihenauftakt, der einerseits eine abgeschlossene Geschichte erzählt, andererseits jedoch definitiv Lust auf die Folgebände macht.
Delia ist eine sehr sympathische junge Frau und die Welt der Halbwesen ist für mich mindestens genauso faszinierend wie für sie. Auch Leander ist alles andere als perfekt – auch wenn er auf den ersten Blick natürlich so wirkt und Delia damit ein wenig auf den Keks geht.
Wenn nicht die technischen Schwierigkeiten wären, hätte ich das Buch in einem Ruck durchgelesen.

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fantasy, nette kleine geschichte um den traum vom fliegen., lisa tuttle, fantasiewelt, traum vom fliegen

Sturm über Windhaven

George R. R. Martin , Lisa Tuttle
Flexibler Einband: 447 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 01.01.2005
ISBN 9783442243044
Genre: Fantasy

Rezension:

m Gegensatz zu den Meisten, die dieses Buch gelesen und rezensiert haben, kannte ich „A Game of Thrones“ nicht, bevor ich begonnen habe, „Sturm über Windhaven“ zu lesen. Eher handelte es sich um eine Empfehlung – mir war der mitgebrachte Lesestoff zumindest in gedruckter Form ausgegangen, ich wollte nicht nur E-Books lesen und die Privatbibliothek meines Gastgebers wartete mit diesem Buch auf.
Und – ich gebe es schon bei der Einleitung zu – so ganz hat mich das Buch nicht überzeugt.
Maris von Amberly ist eine Landgeborene, doch seit sie denken kann, träumt sie vom Fliegen. Ihr Traum, zu der kleinen und elitären Gruppe von Fliegern zu gehören, muss jedoch hart umkämpft werden. Sollen nur die fliegen dürfen, denen die Flügel vererbt wurden? Oder sollen diejenigen fliegen, die am Begabtesten sind?
Eine Frage, die sich durch das ganze Buch zieht…

Cover:

Ich empfand die oberkörperfreien, düster schauenden Engel mit Metallflügeln als sehr unpassend, um es gelinde auszudrücken. Vielleicht bin ich von zu viel Nachdenken über Weltenbau verdorben, aber es gibt nichts Dämlicheres, als oberkörperfrei zu fliegen. Schon mal daran gedacht, wie kalt das ist und was für Winde das sind? Die düsteren Engel hätten eine Nierenentzündung sicher, ehe sie auch nur die halbe Fläche von A nach B geflogen wären…
Falls sie die Flieger aus der Mythologie darstellen sollten – nun, die kamen auf fliegenden Schiffen, nicht auf Engelsflügeln. Macht also auch keinen Sinn.
Generell passt für mich das Cover einfach nicht zum Buch, da es mit seiner rotschwarzen Färbung und düsteren Fliegern sehr nach „Endzeitschlacht, Feuer und Blut“ aussieht – dabei geht es um Buch um ganz andere Dinge. Hätte ich das Buch nicht leihweise empfohlen bekommen, wäre es für mich auf Grund des Covers nicht sehr anheimelnd gewesen.
Für ein Taschenbuch, das schon mindestens drei-viermal gelesen wurde, ist es aber bemerkenswert in Schuss.

Inhalt:

Hier bin ich zwiegespalten.
Die Welt an sich ist echt, echt toll gebaut. Eigene Mythologie, eigene Wertvorstellungen, verschiedene Kulturen innerhalb einer vergleichsweise kleinen Welt bis hin zu solchen Details, auf die wohl nur ich achte und die unter anderem schlüssige Rohstoffe und eine der Welt angepasste Währung beinhaltet. Das ist eine Welt, in der ich mich sehr gerne noch weitaus länger aufgehalten hätte, als 447 Seiten lang, wenn ich ehrlich bin. Schade, dass es nirgends mehr davon gibt…
Die Geschichte selbst… Nun ja, einerseits ist die Idee nicht schlecht, durch große Zeitsprünge ein ganzes Leben schlaglichtartig zu beleuchten – aber es war einfach nicht meins. Kaum hatte ich mich eingelesen in die aktuelle Zeitschicht und konnte mitfiebern, kam auch schon ein Schnitt und man war wieder viele Jahre später. Dadurch musste ich mich in jedem Zeitabschnitt neu einlesen und mich neu orientieren: Wie alt ist Maris? Wer gehört zu ihrer Umgebung? Kenne ich die bereits oder sind das alles neue Leute?
Vielleicht ist das der Grund, aus dem für mich Maris die ganze Zeit eine nicht sehr sympathische Bezugsperson war. Sie wirkte auf mich naiv, weltfremd und so aufs Fliegen und ihre Träume fixiert, dass die Welt quasi an ihr vorbeizugehen schien. Ein längerer Roman, der sie vielleicht auch bei praktischen Alltagsgeschichten im Zusammenhang mit ihrem Beruf oder ihrem späteren Leben gezeigt hätte, hätte die Chance gehabt, mir vielleicht ihre guten Instinkte, praktische Klugheit und andere positive Eigenschaften vorzuführen.
So hatte ich aber oft das Gefühl, dass sie nicht immer völlig intelligent durch die Story taumelt. Viele Nebenfiguren wie beispielsweise Val Einflügler fand ich wesentlich aufregender, runder und interessanter als Maris.
Entsprechend muss ich Abzüge geben.

Sprache:

Auch hier bin ich zwiegespalten.
Natürlich handelt es sich um ein professionell lektoriertes und später professionell übersetztes Buch, mir fielen auch keine Setz- oder Druckfehler auf. Und vielleicht bin ich hier ein wenig übertrieben erbsenzählerisch, aber teilweise hatte der Roman für mich nicht die Sprache, die eine selbstgebaute Welt gebraucht hätte.
Wörter wie „Snobismus“ im Zusammenhang mit einer Versammlung oder teilweise umgangssprachliche Wendungen aus der tatsächlichen Gegenwart rissen mich immer wieder aus Windhaven zurück in unsere Welt und in die Realität. Besonders im ersten Drittel hat mich das sehr gestört.
Später wurde es besser oder ich habe mich daran gewöhnt, aber dieser Punkt nahm mir doch ein bisschen Lesevergnügen.

Fazit:

Insgesamt also eine für mich sehr gespaltene Lektüre – ich fand die Welt wundervoll und sehr gut ausgearbeitet. Das Fliegen, die logischen Folgen daraus, dass kaum Schiffsverkehr zwischen den Inseln herrscht, die ethischen Dimensionen der ganzen Geschichte um den Boten und seine Botschafft… das alles fand ich toll.
Aber die Zeitsprünge, Maris als Protagonistin und die Sprache, die mich oft aus der Welt rausgerissen hat, fand ich nicht wirklich gut. Vermutlich ist das Geschmackssache, denn ich habe auf Amazon auch Rezensionen gelesen, die genau diese Punkte gelobt haben, sodass ich schwer nur deswegen vom Buch abraten könnte.
Ich weiß nur: Meins war es nur so halbwegs.

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anne rice, werwolf, fantasy, werwölfe, biss

Das Geschenk der Wölfe

Anne Rice , Edith Beleites ,
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.07.2013
ISBN 9783499238604
Genre: Fantasy

Rezension:

Eigentlich ist Reuben Journalist, kein Immobilienmakler. Doch nun soll er für seine Zeitung einen Bericht über ein altes Haus schreiben, damit die Besitzerin es verkaufen kann. Doch kaum ist Reuben dort, verliebt er sich in das Gebäude – das aber birgt ein dunkles und uraltes Geheimnis.
Ich muss ehrlich zugeben, ich hatte sehr hohe Erwartungen. Die Bücher von Anne Rice haben meine Teenage-Jahre geprägt und zeigten mir, worüber ich schreiben will. Nur stammen die Bücher, die ich kenne und liebe teilweise aus den Siebzigern und die neueren Werke von Anne Rice habe ich noch nicht gelesen. Die Jesus-Romane entsprechen um ehrlich zu sein auch nicht ganz meinem Beuteschema beim Lesen.
Als ich dann das Buch in der Buchhandlung sah – sollte ich oder sollte ich nicht? Die Angst vor einer Enttäuschung war groß. Gerade weil die Vampirchroniken für mich so bedeutsam waren, hatte ich Angst, dass „Das Geschenk der Wölfe“ nicht an sie herankommt.
Zum Glück habe ich mich geirrt.

Cover:

Tut mir leid, aber das geht gar nicht.
Der schmachtende junge Mann mit dem blassen Gesicht und den schwarzen Augen sieht eher wie ein Vampir aus, weniger wie ein vitaler, die Natur liebender Werwolf. Zu blass, zu düster. Wenn man schon den Protagonisten auf dem Cover haben will als Verlag: Lest das Buch. Oder schlagt wenigstens die erste Seite mit Romantext auf, denn dort steht eindeutig braune Locken und tiefliegende blaue Augen. Nicht leicht hervorstehende schwarze Augen und glatte schwarze Haare.
Ich mag ja generell keine schmachtenden Männer auf Covern – wenn ich nicht wüsste, was mich im Buch erwartet, hätte ich an eins dieser Romantasy-Schulmädchenbücher gedacht und auf diese Weise greifen die richtigen Leute gar nicht erst nach dem Buch, es sei denn, sie kennen Anne Rice bereits und wissen, dass sie für Erwachsene schreibt.
Auch das Haus auf der Anhöhe sieht nicht aus wie die halbe Burg, die im Roman beschrieben wird. Dazu sehen die Krähen, die sie umflattern, verdächtig nach Fledermäusen aus. Einzig der Vollmond und der Titel deutet auf Werwolf hin – sonst hätte man es für ein 0815-Vampirbuch halten mögen.
Schön fand ich die folierte Schrift – die Innenklappe hatte dagegen keinerlei praktischen Wert und die darauf gedruckten Stimmen zum Buch bestanden überwiegend aus Ein-Wort-Ausrufen. Da hätte ich mir mehr gewünscht.
Dazu kommt, dass man so ein dickes Buch einfach stabiler binden müsste – schon nach einem Mal lesen ist der Buchrücken stark gewellt und verknickt, obwohl ich schonend damit umgegangen bin. Wie oft kann ich es also noch lesen, bis die Farbe abblättert und das Buch letztendlich aus dem Leim geht?
Schade.

Inhalt:

Das Buch war so spannend, dass ich es mit mir herumgetragen habe. Wo ich war, war auch das Buch nie weit entfernt.
Klar, das Buch beginnt ganz ricetypisch damit, dass erstmal ein ungewöhnlich hochgewachsener, gutaussehender junger Mann als Protagonist eingeführt wird. Dennoch würde ich nicht behaupten, dass Reuben ein Abklatsch beispielsweise von Lestat wäre – hier hat Rice gekonnt einen jungen Mann mit Neigung zum Altmodischen inmitten moderner Technik geschaffen, mit dem ich mich sehr gut identifizieren konnte. Seine Liebe zum sorgfältig zum Leben erweckten alten Gebäude konnte ich nachvollziehen, wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, wäre ich schnurstracks selbst dort eingezogen.
Besonders gespannt war ich auf das Werwolfskonzept. Toll fand ich vor allem das Intertextuelle – nicht nur tauchten eine Menge Bücher auf und wurden diskutiert, Anne Rice hat auf Werwolfsgeschichten aller möglichen Zeitalter aufgebaut und diese fein in den Roman eingewoben. Für ihre Facebookfollower ein kleines Easteregg, wenn eine der Romanfiguren über ein Buch stolperte, über das sie immer wieder auf ihrer Seite berichtet. Für mich persönlich war außerdem sehr wichtig, dass sie im Ursprung ihrer Werwölfe keinen Abklatsch von Akashas Ursprung aus den Vampirchroniken liefert – das ist ihr in meinen Augen gelungen. Die Herkunftsmythen könnten kaum unterschiedlicher sein, auch wenn natürlich ihre Handschrift durchschimmert.
Den Aufbau fand ich… größtenteils sehr gut. Actionreiche Szenen mit viel Gerenne und zerfetzten Gedärmen wechselte sich mit ruhigen, fast poetischen Passagen ab, in denen der Protagonist genug Zeit hat, um seine neuen Fähigkeiten zu erkunden oder sein Schicksal zu reflektieren. Einzig die Entscheidung, das Buch gegen Ende sanft ausklingen zu lassen, fand ich nicht so toll. Zwischen Showdown und Ende vergingen mir zu viele Seiten, auf denen gegen Ende einfach nicht mehr wirklich etwas Substantielles passiert ist. Hier hätte man kürzen können.

Sprache:

Ich fand Anne Rice‘ Schreibstil schon in ihren alten Vampirromanen sehr schön und poetisch, verglichen mit moderneren Romanen wirkten aber einige Formulierungen teilweise eingestaubt. Nichts davon bei „Das Geschenk der Wölfe“. Die Sprache ist immer noch voller Poesie, die Beschreibungen sehr lebendig und anschaulich, aber das Angestaubte und teilweise (Fangirling hin, Fangirling her, das ist nicht von der Hand zu weisen) Trashige ist weg.
Natürlich sind auch jetzt die meisten guten Werwölfe ungewöhnlich gutaussehend, weise, gütig und der Protagonist ist selbstredend ein schöner Blauäugiger mit einer Körpergröße von 1,90m – dennoch hat sich etwas verändert. Ich kann nicht genau sagen, was – aber der Schreibstil ist jetzt wesentlich ausbalancierter und die ungewöhnliche Schönheit sämtlicher positiver Figuren sticht nicht so sehr als kitschig hervor. Teilweise erklärt sie sich einfach aus der verklärenden Wahrnehmung des Protas.

Fazit:

Ich würde das Buch auf jeden Fall für alle weiterempfehlen, die eine Werwolfgeschichte weitab der gängigen „Vampir vs. Werwolf“-Pfade lesen wollen und nach einer Geschichte suchen, in der die Werwölfe den aktiven Part übernehmen und man aus ihrer Sicht die Welt betrachtet.
Leider wird das Buch im deutschsprachigen Raum nach wie vor als Einzelband behandelt, dabei gäbe es schon seit einem Jahr eine Fortsetzung. Diese ist bisher nicht im deutschsprachigen Raum erschienen. Wer also wissen will, wie es mit Reuben, Laura und Co. weitergeht, muss sich gedulden oder das englische Original zur Hand nehmen.

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wissenschaft, abenteuer, südamerika, preußen, gauß

Die Vermessung der Welt

Daniel Kehlmann , any.way , Walter Hellmann , Cathrin Günther
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.05.2009
ISBN 9783499332708
Genre: Romane

Rezension:

Kann man die Welt vermessen, ohne sie bereist zu haben? Gauß vermisst auf diese Weise sogar den Kosmos, während Humboldt selbst Flüsse überquert und jeden einzelnen Hügel vermisst, der ihm über den Weg läuft. Jahrelang haben sie voneinander nur gehört – bis sie sich irgendwann treffen. Ob sich die Frage klären lässt, wie man die Welt richtig vermessen soll? Und gibt es da überhaupt ein Richtig oder Falsch?

Cover:

Das Cover finde ich schön – es basiert auf einer Zeichnung Alexander von Humboldts, die den Querschnitt von Südamerika darstellen soll – die „Geographie des Plantes Equinoxiales. Tableaux physique des Andes et pays„. Dazu kommt, dass ein Hardcover mit Lesebändchen natürlich auch entsprechend hochwertig wirkt und das Buch sehr stabil ist.

Inhalt:

Heutige Leser kennen mit Sicherheit „The Big Bang Theorie“ und ich konnte nicht aufhören, diese Serie beim Lesen im Hinterkopf zu behalten. Denn sieht man in der Serie den Genies beim Interagieren zu, kann man im Buch direkt in ihre Köpfe hineinschauen.
Zumindest für Gauß gilt das in hohem Maße, auf Humboldt bekommt man meist eine Draufsicht aus der Perspektive anderer Menschen.
Die zwei genialen Köpfe träumen jeweils davon, auf ihre Weise die Welt zu vermessen. Der eine reist um die ganze Welt, der andere berechnet sie von seinem Schreibtisch aus. Doch beide müssen immer wieder feststellen, dass die Realität ihnen Steine in den Weg legt.
Sowohl Gauß als auch Humboldt müssen immer wieder die bürokratischen Hürden einer Welt überwinden, die nicht glauben kann und will, dass man ganz unpolitisch einfach forschen um des Forschens möchte. Oder dass es einem relativ egal ist, ob eine Stadt mit einer tollen Universität gerade zu einem der deutschen Kleinstaaten oder zu Frankreich gehört.
Gegen Ende dann wird das Buch regelrecht metaphysisch-philosophisch und das hat mir insgesamt sehr gut gefallen.

Sprache:

Schon mal einen Roman gelesen, der poetisch, fesselnd, sprachlich eindrucksvoll, wortgewaltig ist und… dabei keine einzige wörtliche Rede enthält?
Vermutlich nicht – diese Besonderheit kenne ich bisher nur von „Die Vermessung der Welt“ und dort wird sie so gekonnt eingesetzt, dass ich die wörtliche Rede an keiner Stelle wirklich vermisst habe und mir ihr Fehlen erst im Nachhinein wirklich bewusst wurde.
Dadurch ergab sich aber ein ganz eigener Humor im Buch, der sich schwer beschreiben lässt. Man muss so einen indirekten Dialog erlesen haben um zu wissen, was dieser Umstand mit der Sprache macht.

Fazit:

Eine recht kurze Review, da das Buch nicht besonders lang ist und es schwer ist, mehr zu berichten, ohne permanent zu spoilern.
Fakt ist: Es hat mir sehr gut gefallen und ich hätte gern mehr davon gelesen. Das Buch wird im Laufe der Zeit immer philosophischer und das gefällt mir sehr gut – es wirkt einerseits sehr leicht und unbeschwert zu lesen, ist jedoch andererseits alles andere als seichte oder gar leichte Kost.
Das Buch wird auf jeden Fall irgendwann erneut gelesen, denn gerade bei komplexerer Literatur offenbart ein Reread offenbar mehr, als man glaubt.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

abenteuerroman, 4 sterne, karl ma

Karl May: Der Schatz im Silbersee


Sonstige Formate
Erschienen bei null
ISBN B00ZHTZNU6
Genre: Sonstiges

Rezension:

Auf einem Dampfschiff treffen Persönlichkeiten aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein können – der verbrecherische Cornel Brinkley und seine Bande, ein Ingenieur mit seiner Tochter, Old Shatterhand höchstpersönlich, die tapferen und ehrenhaften Indianer „Großer Bär“ und „Kleiner Bär“ und die Tante Droll, die eigentlich ein Mann ist. Eine höchst gemischte Gesellschaft, doch insgeheim folgen sie alle einer einzigen Spur – und die führt die Helden dieser Geschichte an die Ufer des Silbersees.Ein klassischer Abenteuerroman jenseits der Klischees von „Cowboys-und-Indianer“-Schwarzweißmalerei und auch heute noch lesenswert.
Cover:
Das Cover meiner Ausgabe ziert ein Ausschnitt aus dem Ölgemälde „Augusta Natural Bridge“ von Henry Culmer aus dem Jahre 1910. Der verwendete Ausschnitt umfasst einen Großteil der linken Seite des Gemäldes. Leider ist die Auflösung auf dem Cover jedoch nicht die Beste, sodass einige Stellen etwas pixelig wirken. Das Originalbild hängt in Salt Lake City im „Utah Arts Council“, bei dem Bild handelt es sich um Public Domain, das heißt, jeder darf es frei verwenden, ohne Lizenzgebühren zahlen zu müssen.Der Buchtitel ist zusätzlich mit einer Folie unterlegt und eingeprägt.Die Grundfarbe für Cover, Klappentext und allgemeine Beschreibung ist ein schönes, dunkles Blau.

Inhalt:


Nicht Körpergewandheit und Treffsicherheit – wobei auch die nicht unwichtig sind – sondern vor allem List und Klugheit entscheiden in diesem Abenteuerroman immer wieder darüber, ob und wie die Helden aus schwierigen Situationen entkommen können. Schon zu Beginn wird es spannend, denn der Bösewicht intrigiert von Anfang an gegen die künftigen Helden des Buches, um seiner gerechten Strafe zu entkommen.
Zahlreiche Helden geben sich im Laufe des Abenteuers die Klinke in die Hand, nicht nur Winnetou, Old Firehand und Old Shatterhand – auch skurille Männer wie „Tante Droll“, der eigentlich deutscher Einwanderer ist und in dem weitaus mehr steckt als man vermuten mag – sorgen für spannende Buchmomente ebenso wie für den einen oder anderen Schmunzler.
Dennoch führt die Handlung recht stringend zu einem Höhepunkt, Nebenhandlungen und Nebenschauplätze tauchen zwar auf, fließen jedoch im Laufe des Romans immer in einen Handlungsstrang zusammen.


Das Buch ist ungemein neueinsteigfreudig – es ist auf eine Art und Weise geschrieben, dass man jederzeit wieder einsteigen konnte, auch nach drei Wochen. In regelmäßigen Abständen wird die Handlung aus der Sicht anderer Figuren noch mal von hinten aufgerollt, sodass wichtige Ereignisse dem Leser regelmäßig neu in Erinnerung gerufen werden. Auf diese Weise hatte ich bei keinem meiner zahllosen Wiedereinstiege das geringste Problem, mich in die Handlung einzufügen.
Das liegt daran, dass das Buch ursprünglich in Etappen in einer Zeitschrift erschien, sodass dem Leser nach längerer Pause (oder einem verpassten Teil) wieder in die Handlung geholfen werden musste. Solche Ellipsen und Rückblicke nicht langatmig zu gestalten, ist eine Kunst für sich, finde ich.


Außerdem überraschte mich das Buch immer wieder positiv mit den antirassistischen, teilweise sehr modern anmutenden Äußerungen, die Karl May einigen Figuren in den Mund gelegt hat. Er machte auf sehr sensible Weise darauf aufmerksam, dass alle Menschen – egal welcher Hautfarbe und welcher Religion – die gleichen Rechte haben und Respekt verdienen und kritisierte, wie dies zu seiner Zeit gehandhabt wurde. Er machte auf den schwindenden Lebensraum der Indianer und auf den ihnen auferlegten Zwang kritisch aufmerksam, ohne sie dabei zu idealisieren.
Das hätte ich um ehrlich zu sein nicht von einem Buch aus dem späten neunzehnten Jahrhundert erwartet – ich bin es da eher gewöhnt, bei einigen Aussagen ein wenig Bauchweh zu kriegen und mich mit „naja, so dachte man halt damals“ notdürftig zu trösten. Hier war das nicht nötig.
Höchstens die Rolle der Frau war ganz unmodern noch etwas dürftig ausgefüllt, aber damit konnte ich um ehrlich zu sein leben. Die vorkommenden Damen waren keinesfalls hilflose Wesen, die gerettet werden mussten, sondern handelten klug und besonnen. Besonders die Geistesgegenwart der jungen Ellen, die ich bereits weiter oben erwähnt habe, trug zu einer wichtigen Wendung bei.
Ansonsten muss natürlich im Auge behalten werden, dass die damalige Zielgruppe für Abenteuerromane überwiegend Jungs und junge Männer waren.


Es gab einige Passagen, mit denen ich unzufrieden war – ohne dies jedoch konkret benennen zu können. Teilweise schien es mir, als würden sich Handlungselemente wiederholen oder sich immer nach dem gleichen Muster abspielen. Die Handlung selbst empfand ich dagegen durchaus als abwechslungsreich.



Sprache:


Obwohl das Buch schon älter ist und meine Ausgabe nichts modernisiert hat, war das Buch größtenteils leicht lesbar und gut verständlich. Der Schreibstil außerhalb der Dialoge war oft sachlich, teils pädagogisch erklärend, jedoch nie ausufernd kompliziert.
Außerdem hat sich der Autor bemüht, die verschiedenen Gruppen innerhalb des Romans sprachlich voneinander abzugrenzen. Er legte einzelnen Figuren oder Angehörigen bestimmer Sprachgruppen immer wieder kleine Wörtchen in den Mund, die sie sprachlich voneinander abhoben.
Schwierig waren für mich höchstens die Stellen, an denen der Autor unbedingt verschriftlichten sächsischen Dialekt einfügen musste, wie er ihn aus seiner Jugend von vor 150 Jahren kannte. Womit mir mal wieder vor Augen geführt wurde, dass lange Dialoge in Dialekt in Büchern beim Lesen ein No-Go sind. Die Stellen, in denen sich mehrere Sachsen unterhalten und das über Seiten hinweg waren einfach nur anstrengend… Zum Glück kam das nicht so oft vor – aber ich glaube das waren die anstrengendsten drei bis vier Seiten im ganzen Buch und sowas muss eigentlich nicht sein.
Dafür überzeugten mich die sehr lebendigen Landschaftsbeschreibungen immer wieder aufs Neue, ich würde zu gern eine Verfilmung sehen und vergleichen, ob sie mit meiner Fantasie mithalten kann – im Kopf hatte ich beim Lesen die tollsten Landschaften und das kann nicht jeder.



Fazit:


Ein schöner, klassischer Abenteuerroman der alten Schule. Obwohl ich sehr skeptisch gegenüber Karl May war – als Kind und Teenager bevorzugte ich immer Jack London, James Fennymore Cooper und Jules Verne, wenn mir nach Abenteuerbüchern war – konnte mich „Der Schatz am Silbersee“ weitestgehend überzeugen.
Dass meine Ausgabe zusätzlich mit sämtlichen Illustrationen der Erstausgabe und einem informativen Nachwort daherkam, wertete das Gesamtpaket zumindest für mich zusätzlich auf – ich gehöre tatsächlich zu den Leuten, die wissenschaftliche Kommentare, Nachwörter etc. ganz gerne lesen.
Einen Stern Abzug gibt es wegen der in den Einzelkategorien bemängelten Kleinigkeiten, ansonsten empfehle ich das Buch allen, die klassische Abenteuerromane lieben und Nachschub mögen: Karl May hat ungefähr 70 Bücher geschrieben ;-).

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Tags: 4 sterne, abenteuerroman, karl ma   (3)
 

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Zarin Saltan: Band 8 der Märchenspinnerei (Maerchenspinnerei)

Katherina Ushachov
E-Buch Text
Erschienen bei null, 12.09.2017
ISBN B075L6J5YQ
Genre: Sonstiges

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migration, phantastik

Arbeitsbericht des Bundesamtes für magische Wesen: Migration, Heimat und Herkunft

Alpha O'Droma , Hagen Ulrich , Angelika Monkberg , Antonia Günder-Freytag
Flexibler Einband: 152 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 01.04.2016
ISBN 9783839103807
Genre: Science-Fiction

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Ætherseelen

Anja Bagus
Flexibler Einband
Erschienen bei Edition Roter Drache, 06.12.2016
ISBN 9783946425267
Genre: Sonstiges

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einhorn, märchen, fantasy, london, jagd

Nacht aus Schatten und Saphiren: Einhorn-Geschichten

Kerstin Arbogast
E-Buch Text: 128 Seiten
Erschienen bei Independently Published, 27.04.2017
ISBN B0713TND28
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Bisweilen ecke ich damit an, dass ich bei Kurzgeschichten die bevorzuge, die mich mit einer gewissen Wehmut, einem gewissen Schmerz und einem Gefühl der Unvollständigkeit zurücklassen. Das sind für mich die besten Geschichten.
Die Geschichten von Kerstin Arbogast haben ziemlich fiese Stacheln und wenn ich eine ausgelesen hatte, musste ich erstmal eine mehrtägige Pause machen, um mich von den Geschichtenstacheln im Kopf wieder zu befreien und für die nächste Geschichte aufnahmefähig zu sein. Pausen, die sich gelohnt haben, denn so konnte ich mich auf jede der drei sehr unterschiedlichen Kurzgeschichten voll einlassen. Und das muss man – diese Geschichten sind nicht für ein flüchtiges, unaufmerksames Vorbeilesen gedacht, sie wollen, dass man hineintaucht und verweilt. Sonst entgehen einem wichtige Details, die für Verständnis und Atmosphäre essentiell sind.

Die Anthologie enthält insgesamt drei längere Kurzgeschichten:

1. Nacht aus Schatten und Saphiren
2. Das kalte Herz der Sterne
3. Jagdherz

In „Nacht aus Schatten und Saphiren“ folgen wir der Protagonistin durch das viktorianische London. Die Beschreibungen der Kinder erinnern sofort an „Oliver Twist“, doch etwas ist anders – ein Virus, eine Art Geisterapokalypse hat sich ausgebreitet und das Leben in London nahezu zum Verlöschen gebracht. Doch da gibt es dieses Einhorn in der Geschichte, das ist… besonders.
Ich liebe die Atmosphäre dieser Geschichte – eine Mischung aus Charles Dickens, Lockwood und Co. und eine Prise Harry Potter (weil mich einige Details an das Zusammenspiel von Dementor und Patronus erinnert haben). Eine Atmosphäre der Hoffnung. Und das, was sich hier dem Bösen entgegenstellt, ist einfach nur wunderschön.
Hier wird eine wunderschöne Story mit Tiefgang erzählt, aber die Metaphorik ist recht klar und eindeutig. Man weiß, was passiert ist und in Ansätzen auch, wieso.

In „Das kalte Herz der Sterne“ hat Kerstin Arbogast etwas getan, das ich persönlich ziemlich genial finde. Die Geschichte ist anfangs nämlich noch etwas kalt und sperrig, aber… das soll so und wieso das so soll, entfaltet sich im Laufe der Geschichte. Genauso, wie das Wieso, Weshalb und Warum.
Hier findet sich neben einer magisch-mystischen Story und einem – trotz Fantasy – in einigen Dingen schmerzhaft realistischem Plot auch ein ungewöhnliches Einhorn. Es hat mir sehr gut gefallen, dass es sich dieses Mal NICHT um ein Pferd handelt, was genau es ist, lasse ich aber offen und als Überraschung 🙂 . Die Geschichte ist schön frostig-winterlich und bot mir zumindest eine geistige Abkühlung angesichts einer Sommerhitze, die das Hirn zum Schmelzen brachte.
Trotz meiner Anfangsschwierigkeiten mit dieser Story lässt sie mich mit genau der Wehmut und Leere zurück, die bei mir am Nachhaltigsten nachwirkt und die ich an Kurzgeschichten sehr liebe.

Wo die vorige Geschichte eine sehr gute Synthese von Form und Inhalt eingeht, ist „Jagdherz“ deutlich fragmentarischer und metaphorischer gestaltet. Wie in der ersten Geschichte ist auch hier das Setting historisch, wir sind allerdings in einem barocken Frankreich und begleiten einen Adeligen auf der Jagd, der eine Menge unbewältigte Vergangenheit im Gepäck hat. Mutet die Handlung anfangs noch linear an, ändert sich das spätestens, als der Protagonist eine geheimnisvolle Lichtung findet. Von da an zersplittert die Handlung, wird zu einem bunten Webteppich aus klar erzählten Episoden, Rückblenden und Metaphern, aus Klarheit und Schatten.
Ich bin mir sicher, dass ich nicht alles verstanden habe, was dort passiert und warum, aber das tat – jedenfalls für mich – dem Genuss keinen Abbruch. Auch hier: ICH stehe darauf, wenn ich in einer Kurzgeschichte verwirrt werde und erstmal mit ein paar Fragezeichen und viel Wehmut zurückgelassen werde. Wem es genauso geht, wird „Jagdherz“ lieben. Aber das Ganze ist sehr individuell.
Auch hier spielt ein Einhorn eine zentrale Rolle, aber ich kann nichts davon erzählen, ohne zu spoilern. Auch nicht zum Ende oder zu dem, was ich besonders daran mochte, weil es sonst die Spannung raubt. Die Geschichte ist aber glaube ich mein persönlicher Favorit.

Jede der drei Geschichten ist in sich geschossen, auch wenn ich zu 1 und 3 – wie oben schon erwähnt – zu gerne noch Fortsetzungen lesen würde. Sie teilen sich kein gemeinsames Universum und gehen jeweils von einem anderen Einhorn aus. Dabei ist keine von ihnen kitschig, auch wenn Nummer 2 eine Liebesgeschichte erzählt (und Nummer 3 die Geschichte – unter anderem – von Verlangen).
Die Metapherndichte steigert sich von der ersten zur letzten Geschichte durchgehend und sie unterscheiden sich so deutlich von einander, dass eine Verwechslung ausgeschlossen werden muss.
Mir hat jede einzelne von ihnen sehr gut gefallen und ich habe jetzt den eindrücklichen Wunsch, tiefer in die Fantasywelten von Kerstin Arbogast einzutauchen. Hoffentlich gibt es welche. Mit Einhörnern, die kann sie definitiv.

Sprachlich gab es winzige Kritikpünktchen: Gerade bei der zweiten Geschichte, die sehr auf die Einheit von Form und Inhalt ausgelegt war, war der Bogen zu „überkandidelt“ oft hart an der Grenze dazu, überspannt zu werden. Klar, es passt perfekt zur Geschichte, aber manchmal war es mir trotz meiner Liebe zur Geschichte und zur Hochsprache fast etwas zu viel. Oder ein Wort ist dann doch ins falsche Register gehopst und hat nicht zu 100% zum Rest gepasst.
Bei der dritten schien mir manchmal eine Formulierung zu modern für die doch eindeutig historische Verortung der Geschichte.
Wer an dieser Stelle allerdings sich davon abschrecken lässt: Hier schreibt eine Lektorin, die damit Geld verdient, selbst kleinste Formulierungsfehlerchen zu finden und vermutlich über Sachen stolpert, die die meisten Leser*innen gar nicht bemerken. Gerade was die historische Sache angeht, bin ich manchmal geradezu lächerlich penibel und weiß selbst, dass mein Maßstab bisweilen völlig überhöht ist.
Und abgesehen von den kleinen Stolperchen war die Sprache sehr passend – der jeweiligen Geschichte und Erzählstimme gemäß in jeder Geschichte anders und zu 98% auch immer angemessen.
Außerdem flüssig und fehlerfrei. Wem der Inhalt zusagt: Bitte nicht von meinem Gemecker auf hohem Niveau abschrecken lassen.

Fazit:

Kurzgeschichten, die direkt für mich geschrieben wurden. Sie erwecken genau das Gefühl, mit dem ich sehr gerne aus Kurzgeschichten rausgehe. Das einer gewissen Wehmut und Unvollständigkeit. Und mit dem Wunsch, die Fäden der Geschichte im Kopf weiterzuspinnen und ordentlich zu verbinden.
Kerstin Arbogast kann definitiv schreiben und sie kann es ziemlich gut. Ich werde auf alle Fälle ihre Veröffentlichungen mitverfolgen und schauen, ob etwas Ähnliches wie diese wundervollen Einhorngeschichten in Romanform aus ihrer Feder erscheinen werden.
Man muss sich auf die Geschichten aber auch einlassen. Sie sind nicht dafür geeignet, einfach „mal eben“ weggelesen zu werden – es handelt sich um intelligente Literatur, die auch zwischen den Zeilen und nach dem Lesen noch verstanden werden will. Wer aber bereit ist, genau das zu tun, erhält drei wundervolle Kurzgeschichten, die noch lange nach dem Lesen im Kopf nachhallen werden.

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Tags: einhorn, einhörner, kerstin arbogast, selfpublishing   (4)
 

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18 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

magie, jugendbuch, irland, freundschaft, freunde

Julia Jäger und die Legende des Lichts

Andrea Tillmanns
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei O'Connell Press, 26.08.2016
ISBN 9783945227558
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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(12.558)

15.270 Bibliotheken, 105 Leser, 32 Gruppen, 445 Rezensionen

dystopie, liebe, panem, hungerspiele, jugendbuch

Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele

Suzanne Collins , Sylke Hachmeister , Peter Klöss , Werbeagentur Hauptmann & Kompanie
Buch: 416 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 01.10.2012
ISBN 9783841501349
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich habe zufällig vor einigen Monaten den Film gesehen – davor hatte ich wegen des Hypes einfach kein Interesse an dem Buch – und fand ihn unglaublich gut. Die ganze Zeit fragte ich mich, wie das wohl als Buch aussehen mag… und als ich die Möglichkeit bekam, mir das Buch in der Bücherei auszuleihen, musste ich es mir einfach schnappen. Das ist also einer der wenigen Fälle, in denen ich zuerst den Film gesehen und dann das Buch gelesen habe.
Ironischerweise habe ich diesen seltenen Ausrutschern bisher meine wertvollsten Leseerfahrungen zu verdanken und „Panem“ gehört definitiv dazu.
Ich wusste bereits, was (grob) passiert. Entsprechend habe ich nicht auf Spannung gelesen. Aber ich hatte an sehr vielen Stellen im Film Fragen – wie ist der Hintergrund zu X? Woher weiß Katniss, dass Y? Wieso sehen die Menschen im Kapitol alle so schräg aus? Und die wurden für mich im Buch sehr zufriedenstellend gelöst und obwohl ich wusste, wie es ausgeht, fand ich es unglaublich spannend, es zu lesen, statt es einfach nur zu sehen. Der Mitfühleffekt war wesentlich stärker.
Und zum Glück lag der Film lang genug zurück, sodass ich den Leuten beim Lesen größtenteils meine eigenen Gesichter geben konnte, statt mit den Filmgesichtern zu leben.
Die von Vielen bemängelte Liebesgeschichte fand ich in dem Zusammenhang nicht störend oder übertrieben, sondern im Figurenkontext interessant aufgelöst.

Cover:

Ich liebe die deutschen Buchcover der Reihe, da bin ich ehrlich. Das Grün, das Auge halb zwischen den Blättern verborgen, hat etwas Geheimnisvolles und passt sehr gut zum Inhalt, da Katniss sich ja sehr viel zwischen den Blättern versteckt in diesem Band.
Der Kontrast, den die knallroten Bluttropfen auf den Blättern bilden, ist sehr eindringlich und signalisiert sofort Gefahr. Wer den Inhalt kennt, kann all diese Bildsymbole der Handlung zuordnen.
Mein Exemplar stammt aus einer Bibliothek und war ein Hardcover, das sehr oft ausgeliehen wird. Man sieht dem Buch die Beanspruchung allerdings kaum an.

Inhalt:

In diesem Band erfährt man noch nicht so viel über die Romanwelt an sich – in den Grundzügen weiß man, dass Kriege und Naturkatastrophen dazu geführt haben, dass aus der heutigen USA der wesentlich kleinere und ärmere Staat Panem wurde –  und wie sich nach einem Aufstand das Kapitol an den Distrikten gerächt hat.
Als besonders grausame Strafe für die Distrikte wurden die Hungerspiele eingeführt, für die die Distrikte jeweils einen männlichen und einen weiblichen Jugendlichen stellen müssen. Wer noch keine 12 ist, ist fein raus – wer bereits 18 ist und nicht gezogen wurde, hat Glück gehabt, denn je älter man wird, desto mehr Lose werden in den Topf geworfen.
Außerdem kann man sich – da in den Distrikten permanent Hunger und Not herrscht – gegen zusätzliche Lose einige knapp bemessene zusätzliche Lebensmittel leisten.
Panem ist dazu auch noch eine streng durchstrukturierte Diktatur, sodass jedes Verhalten außer der Norm – vom Fernbleiben bei den Fernsehübertragungen bis hin zum Wildern – drakonisch bestraft wird. Das Leben ist gefährlich.
Dennoch, es passt alles überraschend gut zusammen und nichts wird beschönigt. Gewalt ist grausam, Gewalt ist tödlich, Verwundungen sind sehr gefährlich und ein Terrorregime ist ungerecht und niederdrückend.
Ich fand das System der Hungerspiele auch sehr gut und plausibel erklärt – und durch die sachlichen Welterklärungen, durch die man weiß, dass Katniss gefühlte 500 Lose in der Trommel hat und Prim nur ein Einziges, erhalten die Ereignisse eine besondere Tragik.
Es tut regelrecht weh, zu lesen, wie dieses kleine, tapfere Mädchen so viel Pech hat, bei nur einem Los gleich bei der ersten Ernte gezogen zu werden.
Doch, der Inhalt und die gesamte Welt drumherum gefielen mir wirklich sehr gut – ich fand keine Logikfehler (die mich gewaltig aus dem Lesefluss zu bringen pflegen, da ich dann erstmal ein paar Stunden grübeln muss) und die Atmosphäre passte zum Inhalt.

Sprache:

Hach ja, hier wurde man schon im Vorfeld ja lang und breit darauf hingewiesen, wie ungewöhnlich es ist, dass der Roman im Präsens geschrieben ist und diskutiert, ob das in Ordnung ist und überhaupt und sowieso.

Panem ist nicht mein erstes im Präsens geschriebenes Buch, aber in meinen Augen eins, bei dem ich das Gefühl hatte, dass der Stilbruch wirklich relevant ist (während ich bei einem im Präsens gehaltenen Krimi oft keinen Unterschied gemerkt hätte) und die Unmittelbarkeit sehr stark betont.

Das Buch wird auf diese Weise sehr, sehr eindringlich und dringt direkt bis unter die Haut vor. Mir persönlich hat das sehr gut gefallen und bei den Folgebänden sieht man auch, wie toll es sich mit diesem Stil weiterarbeiten lässt.

Fazit:

Ich bin wirklich, wirklich froh, dass ich mich vom Hype nicht abschrecken ließ und die Reihe für mich entdeckt habe. Ein Jugendbuch, bei dem ich glaube, dass es möglichst viele Jugendliche und Erwachsene lesen sollten – denn die Themen „Überwachungsstaat“, „Zensur“, „Gewalt“ sind heute aktueller denn je.

Auch als Twen kann man die Reihe genießen und sehr viel Erschreckendes über den aktuellen Zustand der Gesellschaft erfahren.

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Tags: 5 sterne, suzanne collins   (2)
 

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28 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

werwolf, vampir, rätsel, liebesbeziehungen, erotik

Blutsbande

Ally J. Stone
E-Buch Text: 235 Seiten
Erschienen bei null, 19.12.2015
ISBN B019LWLP6K
Genre: Fantasy

Rezension:

Es ist das erste CreateSpace-Taschenbuch, das ich in der Hand halten durfte und ich war sehr gespannt auf… so ziemlich alles. Wie wird es aussehen? Wie fühlt es sich an? Ist die Bindung gut?
Ich hatte die größte Freude daran, in diese Welt einzutauchen. Eine Welt, in der Vampire und Werwölfe mal ganz anders sind, als man es gewohnt ist und es einige Gesetzmäßigkeiten gibt, mit denen man nicht rechnen kann.

Ich liebe das Cover.

Amazon druckt auf recht festem Papier, das sich angenehm seidig anfühlt und die Faktur des Covers selbst ist sehr angenehm. Mattglänzend, wertig und irgendwie will ich es immerzu streicheln.
Außerdem gibt es keine Leserillen, das heißt, das Buch hält noch einige Male lesen aus. Und wiedergelesen wird es auf alle Fälle!

Ich mag Tristan. Ich mag die Jungs. Ich mag Robin.
Und ich mag den Weltenbau dahinter. Ein Prolog, der auf den ersten Blick nichts mit der Handlung zu tun hat, weist auf eine Ebene über das bloße Erzählen hinaus. Man fragt sich, wie er mit der Geschichte zusammenhängt und liest umso aufmerksamer.
Tristan will einfach nur sein Leben leben und glaubt, endlich bei der Frau seiner Träume gelandet zu sein. Aber sein Leben fängt an, sich schneller zu verändern, als er reagieren kann und als eine Fremde in seine Stadt zieht, bricht das Chaos über ihn herein. Er hat keine Wahl, als sich ihm zu stellen.
Ein Thema kristallisiert sich schon sehr schnell heraus. Familie. Wer ist die eigene Familie? Wie stark sind die titelgebenden Blutsbande wirklich?
Aber auch Liebe, Spannung und eigene Entscheidungen kommen hier nicht zu kurz.
Gerade bei großen Gruppen – und Tristans Freundeskreis ist recht groß – besteht immer die Gefahr, in die Beliebigkeit abzugleiten, Namedropping zu betreiben oder die Figuren nicht genug ausdifferenzieren zu können. Aber die Gruppe war wunderbar vielfältig. Ich konnte die Jungs immer gut auseinanderhalten.
Nun bin ich gespannt, ob mehr vom faszinierenden Weltenbau in den nächsten Bänden enthüllt wird.

Der Roman ist in Präsens geschrieben. Wenn man erstmal in dieser Art des Erzählens drin ist, dann liest sich der Roman wunderbar flüssig weg und man ist auf diese Weise immer im Text drin.
Die Autorin hat einen sehr lockeren, leichten Schreibstil. Sie schreibt nicht um den heißen Brei herum, sondern nennt die Dinge bei ihrem Namen, ohne ins Geschmacklose abzudriften.
Sie ist eine der Wenigen, die tatsächlich Liebesszenen schreiben kann, ohne dass ich vor Lachen über bescheuerte Formulierungen vom Stuhl falle oder mich frage, ob ich gerade eine sinnliche Szene oder eine Gebrauchsanweisung lese. Die im Buch vorkommenden Szenen sind vollkommen gegensätzlich und jeweils genau richtig umgesetzt.


Ich fühlte mich in einer Welt, in der es Vampire und Werwölfe gibt – diese aber erfrischend anders als üblich sind – gut aufgehoben und bestens unterhalten.
Ally J. Stones Fabelwesen sind keine glitzernde Glamourkids oder flauschige Schoßhündchen. Vampire und Werwölfe zeigen sich von ihrer wilden Seite mit allen daraus folgenden Konsequenzen und … das macht einfach großen Spaß beim Lesen.
Von den bereits erwähnten Liebesszenen bis hin zu gut choreografierten Kämpfen und rasanten Verfolgungsjagden ist alles dabei.
Ich freue mich auf den zweiten Band, der im Frühjahr erscheinen soll und bin gespannt wie ein Flitzebogen, wie es mit Tristan und Co. weitergeht.

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

fantasy, chaos, zum mitdenken, bargh, chara

Bargh Barrowson - Chaos

J. H. Praßl
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Acabus Verlag, 26.10.2015
ISBN 9783862823956
Genre: Fantasy

Rezension:

Bei diesem Buch lohnt es sich, es so lange – und intensiv – zu lesen. Amalea ist eine Welt, die von Band zu Band in ihrer Komplexität wächst und man muss nach wie vor permanent mitdenken, denn die Geschichte ist keine Einfache. Figuren wandeln sich, müssen neu eingeschätzt werden oder offenbaren Seiten an sich, die man so nicht vermutet hätte.
Freunde werden zu Feinden und umgekehrt – oder auch nicht. Gleichzeitig werden einige Zusammenhänge immer klarer, sodass das Miträtseln einfach immer mehr Spaß macht.

Die Truppe bekommt den Auftrag, einen heiligen Mann nach Billus zu holen.
Doch das erweist sich als schwieriger, als gedacht. Erst ist er nicht dort, wo man ihn eigentlich vermutet hätte und dann weigert er sich, mitzukommen. Das wiederum bringt Ereignisse ins Rollen, die aus den schlimmsten vorstellbaren Alpträumen stammen könnten und zieht bis zum Ende des Buches noch sehr weite Kreise.
Neben mehreren zum ersten Mal bereisten Regionen, neuen Freunden und neuen – mächtigen – Gegnern kristallisiert sich auch langsam heraus, wer die wirkliche Hauptfigur dieser Reihe ist. Jeder Charakter muss Änderungen hinnehmen und lernen, Kompromisse zwischen dem Auftrag und den persönlichen Wertevorstellungen zu schließen.
An keiner Stelle hatte ich das Gefühl, mich zu langweilen oder eine Lückenbüßerszene zu lesen. Ich habe mit den Figuren gelitten und mich gefreut, mir vor Ärger über so manche Entwicklungen die Hand gegen die Stirn geschlagen (und es dabei übertrieben) und eifrig mitgerätselt.

Als leidenschaftliche Conlangerin war es für mich eine schöne Überraschung, ein fiktionalisiertes Russisch in einigen Teilen des Buches vorzufinden. Ich musste herzhaft lachen, denn ich wusste anders als die Romanfiguren zu jedem Zeitpunkt, was genau die Einheimischen gesagt haben. Und das ist nicht immer gerade das Feinste, was man von sich geben kann.
Ein weiteres Highlight waren die Songtexte. Für einen Song erhielten die Autoren direkt die Erlaubnis, ihn zu nutzen. Bei einem anderen Song allerdings leider nicht – was sie prompt für eine Um- und Neudichtung nutzten, die besser zu den Ereignissen im Roman und der beschriebenen Szene gepasst hat. Die Worte entfalteten einen unglaublichen Sog und geisterten noch lange durch meinen Kopf.
Einige Sachen waren dagegen subtiler – wie beispielsweise, dass ich an der Sprache immer erkennen konnte, aus wessen Sicht gerade erzählt wird. Auch wenn ich nicht sagen könnte, woher ich es wusste, einige Figuren erhielten zum ersten Mal eigene Abschnitte aus deren Sicht. Trotzdem wusste ich sofort: “Ah, da spricht Bargh”.

Ich liebe diese Reihe und ich liebe Band 3.
Die Handlung spitzt sich immer mehr zu und es wird klarer, wie groß der epische Krieg ist, in den unsere Figuren da reingezogen wurden.
Gleichzeitig bleibe ich mit einem guten Gefühl zurück. Die allerwichtigsten Fragen wurden gelöst, die drängendsten Fäden miteinander versponnen.
Trotzdem bleiben viele Fragen offen und ich freue mich auf Band 4 und habe so manche Theorie dazu, wie es weitergehen könnte.

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Tags: fantasy, zum mitdenken   (2)
 

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

fantasy, chroniken von chaos und ordnung, krieger, intrigen, brutal

Thorn Gandir - Aufbruch

J. H. Praßl
Flexibler Einband: 548 Seiten
Erschienen bei Acabus Verlag, 21.10.2013
ISBN 9783862822102
Genre: Fantasy

Rezension:

Ja, es hat Elemente eines klassischen Questromans. Aber es lässt sich unglaublich viel Zeit, zu charakterisieren, die Welt zu zeigen und die Figuren interagieren zu lassen.
Es gibt viele bunte Schauplätze und auch zwischen den Zeilen Einiges zu entdecken.
Dadurch liest es sich besonders zu Beginn noch etwas langsam, weil Konzentration gefordert ist. Jede Kleinigkeit könnte einen doppelten Boden haben oder ein Hinweis für später sein. Gleichzeitig gibt es immer wieder überraschende und spannende Wendungen, an denen es teilweise ziemlich knapp wird... und vor allem muss man regelmäßig alles, was man über die Charaktere zu wissen glaubt, hinterfragen.
Mir hat der Reihenauftakt auf jeden Fall gut gefallen, die Reihe an sich ist für Fans anspruchsvoller High-Fantasy mit viel Zeit.

Inhalt:

Thorn Gandir verliert nicht nur eine Schlacht - er verliert auch die Frau, die er liebt. Von diesem Verlust und dem Gefühl des Verrats überwältigt, will er eigentlich nur noch seine Ruhe und sich nicht mehr mit den politischen Intrigen des valianischen Imperiums abgeben zu müssen.
Doch sowohl seine Rivalin Rosmerta als auch sein Gönner und Förderer Testaceus haben andere Pläne mit ihm - nachdem ein mächtiges magisches Artefakt entführt wurde, muss er zusammen mit drei Gefährten es aus den Fängen des Chaos wieder zurückbringen. Doch Telos Malakin, Bargh Barrowson und Chara haben alle ihre eigenen Pläne, Ziele und Absichten.
Kann die durchwachsene Gruppe es schaffen, einig genug zu sein, um am selben Strang zu ziehen? Und wer ist eigentlich wirklich der Feind in dieser Geschichte?
Amalea ist eine sehr bunte Welt - ich habe mir die Mühe gemacht und so oft wie möglich versucht, die Einflüsse auf die Welt nachzuvollziehen, die Vorbilder der fiktiven Sprachen zu rekonstruieren und andere Dinge herauszufinden, zu interpretieren, nachzuschlagen. Und ich bin mir immer noch sicher, dennoch etwas übersehen zu haben. Das Buch ist unglaublich dicht - es gibt eigentlich an so gut wie jeder Ecke etwas zu entdecken und zu deuten, keine einzige Seite vergeht, ohne dass irgendeine relevante Information im Text versteckt wäre.
Um die Logik der Gesamtwelt zu beurteilen, habe ich noch zu wenig von Amalea gesehen, bin aber gespannt auf das, was noch kommt. Die Geschichte selbst ist auf alle Fälle spannend und mehrschichtig erzählt.

Sprache:

Die Sprache fand ich in zweierlei Hinsicht faszinierend. Zum Einen die Sprache des Buches an sich. Geschrieben in einer tendentiell eher auktorielleren Art, mit vielen Fokuswechseln zwischen den Figuren, aber auch an den relevanten Stellen nah genug an der Figur, an die gerade "herangezoomt" wird, hatte ich viel Spaß und... natürlich kann man so sehr bewusst lenken, welche Figur gerade angeschaut und aus welcher gerade hinausgeschaut wird. Das ist auch sprachlich sehr schön umgesetzt.
Für mich mit meinem Hintergrund als Conlangerin und Hobby-Linguistin war aber auch spannend: Wie die Leute heißen bzw. aus welchen Sprachen sich Namen von Orten, Personen und Gottheiten ableiten, wie unterschiedliche Sprachen im Kontext der Erzählung dargestellt werden, wie Zaubersprüche gestaltet sind. Da hatte ich viel Vergnügen beim Deuten und Knobeln und bin gespannt, ob meine Vermutungen zu einigen Hintergründen der sprachlichen Eigenheiten aus Band 1 zu handfesten Erkenntnissen in Band 2 werden.

Fazit:
Wer einen ungewöhnlichen Fantasy-Roman in einem liebevoll ausgearbeiteten Setting lesen will, das mal nicht 0815-Pseudomittelalter heißt und voller ungewöhnlicher Figuren steckt, für den ist dieser Reihenauftakt genau das Richtige :).

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13 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

magie, jugendbuc, telekinese, fantasy, paranormal

Julia Jäger und die Macht der Magie

Andrea Tillmanns
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei O'Connell Press, 22.08.2015
ISBN 9783945227220
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Julia Jäger besitzt die Fähigkeit der Telekinese. Sie versetzt Julia in die Lage, Gegenstände wie von Geisterhand zu bewegen. Mit ihrer Begabung rettet Julia nicht nur dem Elftklässler Tim das Leben und zieht die Aufmerksamkeit des gutaussehenden Neuen in ihrer Klasse auf sich, sondern verstrickt sich auch noch in ein gefährliches Abenteuer. Tim ist im Besitz einer seltsamen Münze, die einen geheimnisvollen Mann auf den Plan ruft, der behauptet, dass man mit ihrer Hilfe die ganze Welt beherrschen könnte.

 

Das war wieder eins der Bücher, die ich in einem Rutsch gelesen habe – bei einer lockeren Sprache, einer sehr authentischen Protagonistin und einer spannenden Geschichte kein Problem.
Kurioserweise habe ich mich beim Klappentext verlesen und statt “geheimnisvolle Münze” blöderweise “geheimnisvolle Mütze” gelesen – und habe mich im Vorfeld halbtot gegrübelt darüber, wie eine Mütze geheimnisvoll sein soll und wie eine solche Mütze aussehen würde.
Erst als ich dann wirklich angefangen habe, zu lesen – und statt einer Mütze eine Münze auftauchte – habe ich meinen Fehler bemerkt.
So kann ein Verleser zu völlig falschen Erwartungen an ein Buch führen!

Das Buch selbst hat mir großen Spaß gemacht. Die Protagonistin ist unglaublich authentisch - eine echte morgenmufflige Teenagerin mit ganz normalen Sorgen - und die Sprache des Romans ist locker-leicht, ohne ins Lächerliche abzudriften. Und das, obwohl sie sehr nahe an der Protagonistin ist. Ein Spagat, der vielen Autoren nicht so recht gelingen möchte - aber hier gut geklappt hat :)

Auch der Weltenbau war soweit ich das bei einem Reihenauftakt beurteilen kann in sich schlüssig und macht neugierig auf mehr. Wo kommen Julias Kräfte her? Wie viele andere Menschen mit besonderen Kräften leben in dieser Welt? Welche Artefakte gibt es noch und was machen sie?

Ich freue mich auf Teil 2, der nächstes Jahr erscheinen soll und bin auf Julias Abenteuer gespannt.

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139 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

kernstaub, ngaja, a'en, marie graßhoff, ebook

Kernstaub

Marie Graßhoff
E-Buch Text: 1.098 Seiten
Erschienen bei null, 13.05.2014
ISBN B00KASLHA4
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Ich bin Fangirl geworden. Ernsthaft. Ja, der Roman ist ziemlich lang (das Taschenbuch ist 822 Seiten lang) und es handelt sich um ein Independent-Werk, das die Autorin - etwas mehr als einen Monat jünger, als ich - da selbst herausgebracht hat.
Und es ist eins der schönsten und tiefgreifendsten Bücher, die ich je gelesen habe. Vom Ranking würde ich das sofort mit zu meinen Favoriten tun und es völlig gleichwertig neben "Harry Potter", "ASOIAF" und Co. in mein gedankliches "Beste Reihen"-Rega stellen.

Hier wird eine Welt ausgebreitet, die sehr vielschichtig ist und ich bin mir immer noch sicher, dass wir noch gar nicht all ihre Facetten gesehen haben.
Mara lebt in einer Sphäre – einem abgespalteten Abbild der Welt zwischen dem 14ten und dem 22sten Jahrhundert, das sich immer und immer wiederholen wird – und weiß nicht, dass in der Wirklichkeit inzwischen mehrere Jahrhunderte vergangen sind und die Welt wie Mara sie kennt längst nicht mehr existiert.
Doch nicht nur die Welt ist anders als gedacht – so gut wie jeder Mensch aus Maras näherer Umgebung ist nicht der, der er oder sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Am Allerwenigsten aber Mara selbst.
Sie muss sich nicht nur mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass die Welt wie sie sie kennt eigentlich nur eine Illusion ist – sie muss auch lernen zu verstehen, dass sie die einzige Störung im System ist und seit acht Milliarden Jahren gejagt wird. Angeblich müsste sie nur sterben, damit alle Seelen der Welt irgendwann in der Lage sind, absolute Seeligkeit zu erlangen.
Doch was ist eigentlich der Kernstaub?

Ein sprachlich gelungener, poetisch dichter Reihenauftakt mit vielen gesellschaftskritischen Gedanken - wie wird unsere Welt sich verändern, wenn wir weitermachen, wie bisher? Welche Folgen wird die Umweltverschmutzung haben? Die Kriege? Was ist die Zukunft der Menschheit?

Ich freue mich auf Band 2!

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

kurzkrimis, ermitteln, originell, rsanter erzählstil, schwarzer humor

Mörderische Nachbarschaft

Ronny Rindler , HML-Media- Edition
Flexibler Einband: 212 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 16.04.2015
ISBN 9783734784989
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Von den 30 Krimis haben mir eigentlich 26 sehr gut gefallen, ein paar waren nicht ganz nach meinem Geschmack.
Da ich das Buch aber im Rahmen einer Leserunde gelesen habe, ist mir dann aufgefallen, dass einige meiner liebsten Krimis für andere Leserundenteilnehmer "gar nicht" gingen und einer, den ich blöd fand, bei jemand anders der Favorit war. Insofern... Geschmäcker sind verschieden und mit 30 Krimis den Geschmack aller Leser zu treffen ist sowieso unmöglich.
Diese hier sind aber auf alle Fälle schon mal so gut gemacht, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, möglichst viele Treffer zu landen. Ronny hat einen teilweise ziemlich makabren Humor und wer die Orte kennt, hat das Gefühl, dass er sie nicht einfach ergoogelt hat - das Lesen fühlt sich sehr ortskundig an.
Dabei sind einige der Fälle beim Mitdenken ziemlich knifflig und einige sind metaphorisch schön rund gestaltet. Ich hatte auf alle Fälle bei den meisten Krimis Spaß beim Lesen (und bei den paar, die ich nicht so besonders fand... naja, die einzelnen Krimis sind kurz!) und das als Nichtkennerin des Genres - ein Krimi verirrt sich eher selten auf meine Leseliste.

Ich denke, auch Gelegenheits-Krimileser werden hier Spaß am Lesen haben.

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93 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

angst, freundschaft, mut, jugendbuch, internet

Marias letzter Tag

Alexandra Kui
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei cbt, 02.03.2015
ISBN 9783570163177
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Das Buch ist sehr liebevoll gemacht. Mit verschiedenen Schriftarten für verschiedene Teile des Textes, mehreren Schwarzweiß-Fotos, kleinen Play-Zeichen an jedem Kapitelbeginn und eine Art Tagwolke mit unterschiedlichen Schriftgrößen.
Auch sonst ist an dem Buch so Einiges experementiell – es darf zur anspruchsvolleren Jugendlektüre gezählt werden, die auch mich gepackt und nicht mehr losgelassen hat.
Sehr gekonnt baut die Autorin hier nämlich zwei Parallelwelten auf – die Dorfwelt der Erwachsenen, in der jeder jeden kennt, jedes Jahr die gleichen Feste gefeiert werden und jedes Ereignis die Runde macht – und die Welt der Teenager im Internet, in der man sein Leben nicht mit ein paar hundert, sondern mit tausenden von Menschen teilt und in der Trends sich auf eine Weise hochschaukeln können, wie sich die Offliner es kaum vorstellen können. Offliner, die das Netz weder ernstnehmen noch wissen, was ihre Kinder in der Parallelwelt treiben, inklusive.
Was ich toll fand, war, dass das Netz nicht per se verteufelt oder verurteilt wird. Smartphones und Social Networks sind Teil des Lebens, gehen nicht mehr weg und sind aus dem Leben nicht mehr wegzudenken – aber während die Jugendsünden früher kaum Konsequenzen hatten, weil im Idealfall schlicht niemand von ihnen erfuhr, vergisst das Internet nie und Lou fehlt mit sechzehn der Weitblick für das, was sie losgetreten hat und nicht mehr eingedämmt bekommt.
Sehr realistisch auch, dass Jugend hier nicht mehr das gelobte Land ohne Sorgen ist. Die Probleme der Jugendlichen fühlen sich ernstgenommen und authentisch an.

Die Gestaltung des Buches an sich ist ja schon toll - Hardcover, typografische Spielereien und ein ruhiges, aber sehr schönes und passendes Cover. Hier ist einfach alles rund und zusammenpassend - das Beerenrot/Salatgrün-Farbschema findet sich auch auf der Rückseite und wenn man den Schutzumschlag abnimmt, ist das Buch darunter beerenrot.

Lou hat Sorgen, Lou hat Ängste, Lou ist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie nicht bemerkt, wie mit ihrer Freundin irgendetwas nicht stimmt – bis gemunkelt wird, Maria wäre vor den Zug gesprungen.
Sie beschließt, sich ihren Ängsten zu stellen und darüber YouTube-Videos zu drehen. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass ihre Botschaft völlig anders verstanden wird und ihre Idee außer Kontrolle gerät. In meinen Augen ein sehr aktuelles, wichtiges Thema. Was wir beabsichtigen und was dabei herauskommt, sind immer zwei Dinge. Egal wie alt und reif man ist, nicht immer kann man die Dynamik vorausahnen. Und für Lou ist die Tragweite des Unsinns, den andere Leute tun, unüberblickbar, weil sie selbst natürlich genau weiß, was sie tut, wieso und was sie damit aussaen will.
Und natürlich gibt es hier auch eine bittersüße Romane, eine Liebe, die sowohl Lou als auch dem Leser ein wenig wehtut, denn sie ist alles andere als sorglos und unbeschattet.

Mir hat der Aufbau hier sehr gut gefallen – Lou ist ein moderner Teenager und entsprechend laufen ihre Gedanken und Erinnerungen weder chronologisch noch sehr zielgerichtet ab. Diese natürliche, sprunghafte Erzählweise ermöglicht es, auf eine ganz andere Art und Weise Spannung aufzubauen. Das war für mich sehr authentisch gelöst und einer der Gründe, aus denen ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte.
Schließlich hat man beim Lesen immer Gedanken, spinnt die Geschichte weiter und fragt sich, ob am Ende auch wirklich das steht, was man als Leser vermutet hat.

Dieser Roman spielt sehr schön mit Sprache – vom bewussten Einsatz von Songtexten über typografische Unterschiede bei verschiedenen Textsorten, verschiedene Schriftgrößen und mal mehr, mal weniger fragmentarische Sätze wird sehr authentisch nachgezeichnet, wie ein permanent vernetztes Kind unserer Zeit denkt.
Erinnerung ist nicht chronologisch, sondern assoziativ. Und so wird sie hier auch gezeigt, was ich in Büchern immer schön finde.

Das Netz ist unerbittlich, vergisst nie und gleichzeitig sofort, will immer mehr und mehr – und irgendwann ist der Contentlieferer entmenschlicht und das Netz bricht wie eine Flutwelle über ihm zusammen. Es sei denn, man passt von Anfang an auf, was man in dieser virtuellen Welt macht – die, anders als es vielen vorkommt, eben keine Parallelwelt ist, sondern ein Teil unseres Lebens. Genauso, wie Angst ein Teil unseres Lebens ist, mit dem man den richtigen Umgang lernen muss.
Das ist die starke Botschaft eines starken Buches.
Von mir gibt es dennoch eine uneingeschränkte Leseempfehlung – für Jugendliche und internetaffine Jugendbuchleser jeden Alters.

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