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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Was uns schmeckt und was dahinter steckt

Nikola Schwarzer
Fester Einband: 184 Seiten
Erschienen bei Hirzel, S., Verlag , 20.09.2018
ISBN 9783777627243
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Für Muffins zuerst die trockenen Zutaten vermengen, dann kurz mit der Flüssigkeit verrühren, bis keine trockenen Stellen zu sehen sind" - das lese ich oft in Rezepten. Aber: Warum? Warum nicht alles zusammen verrühren? Um diese Frage zu beantworten, habe ich das Buch gelesen.

Ich habe das Rezensionsexemplar als Datei bekommen, der Verlag vertreibt das Buch als E-Book und in der Papierversion.

Inhalt im Groben


Das Buch erklärt die wissenschaftlichen Zusammenhänge zu den Themen Mehl, Eier, Zucker, Fett, Schokolade, Gelatine, Milch und Backtriebmittel.

Das Niveau


Das Buch zeigt viele Fakten und geht dabei sehr in die Tiefe - zu tief für mich. Die Autorin verwendet u.a. Haworth-Formeln , also eine vereinfachte Darstellung von Zuckermolekülen einschließlich chemischer Zeichen. Auch elektrische Ladungen spielen entfernt eine Rolle, obwohl es um Kuchen geht. Kräfte, die wirken und Eiweiße, die sich verketten, konnte ich mir gut vorstellen. Aber manchmal war es zuviel. Möchte das Buch hier eine sehr breite Zielgruppe abdecken? Ich fand das nach der Hälfte anstrengend.

Die Fakten sind sehr interessant, aber manches hätte man schneller und einfacher erklären können.

Gestaltung und Schreibstil


Der zweispaltige Buchsatz wirkt gut und durch viele Unterabschnitte ist das Buch gut lesbar. Einfache Grafiken lockern auf, Infokästchen und Experimente waren vorhanden.

Der Schreibstil ist fokussiert, aber nicht trocken. Obwohl er locker klingen will, habe ich keine Erzählerin gefunden, die mich durch das Buch führt. An einigen Stellen gibt es Humor. Es ist ein Stil, der in Ordnung ist, aber nicht einnehmend.

Besonders gestört hat mich, dass ständig betont wird, wie kompliziert die Hintergründe hinter einfachen Phänomenen sind. Wahrscheinlich soll das die Spannung fördern, mich hat das das demotiviert. Wie soll ich etwas verstehen, wenn es zu "kompliziert" ist.

Auf ihrem Blog und im Buch betont die Autorin, dass es keine Rezepte gibt - vielleicht wäre das gut gewesen, um all die komplexen Vorgänge in der Praxis zu zeigen.

Mein Buch endete sehr aprupt nach dem Ende des Gelatine-Abschnitts - es gibt kein Nachwort.

Was habe ich gelernt?


Viele Geheimnisse des Backens wurden gelüftet, was ich gut finde. Und ich habe ein stärkeres Bewusstsein für Lebensmittel entwickelt. Das ist ein beruhigendes Gefühl!

Fazit


Ich hatte mich auf das Buch gefreut, hatte aber wenig Spaß damit. Die Fakten sind interessant, aber sie werden schleppend vermittelt. Ich hätte mir das Buch konzentrierter gewünscht.

Das Buch enthält schöne Fotos, die mein E-Book-Reader auch in Graustufen sehr schön dargestellt hat. Aber 36 EUR finde ich, verglichen mit dem Wissenszuwachs, zu hoch.

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47 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

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Die Kunst, einfache Lösungen zu finden

Christian Ankowitsch
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 24.07.2018
ISBN 9783737100106
Genre: Sachbücher

Rezension:

Mein Weg mit diesem Buch war sehr lang. Denn es ist kein Ratgeber. Ich war sehr enttäuscht, dass es keine Lösungen zu Problemen im Buch gibt - aber indem der Autor um das Thema kreist, lernt man, seine Probleme zu akzeptieren. Ich glaube, das Buch ist für Leute geeignet, die um Probleme kreisen, bei denen das Problem-Denken das Problem ist.

Worum geht es?


Techniken, um Probleme einfach zu lösen.

Schreibstil bzw. Darstellung?


Ich empfinde das Buch eher als philosophische Betrachtung denn als Ratgeber. Es ist nicht schwer zu lesen, wirkt aber manchmal trocken. Ich glaube, der Autor beschäftigt sich gern mit dem Thema, er redet und redet. Obwohl er den Leser anspricht, scheint er in einer eigenen Welt zu reden.

Das große Thema ist "Reframing", also das Problem unter anderen Voraussetzungen zu betrachten, seine Sichtweise zu ändern. Diesen Gedankengang führt der Autor in unterschiedlichen Facetten aus. Das Buch wirkt nicht langatmig, aber viele Fakten habe ich nicht gelernt.

Was hat mir gefallen?


Verständnis. Manchmal kreist die Welt nur darum, die bösen Probleme zu lösen. Das Buch vermittelt, dass es mehr Möglichkeiten gibt, als man sieht. Man muss nicht immer in direkte Konfrontation gehen, es reicht, die Umstände zu ändern. Manchmal reicht ein kleiner Schritt.

Mir hat das Buch gezeigt, dass ich ein Problem nicht lösen muss - aber ich muss es ansehen, ernst nehmen. Und mich für einen Umgang damit zu entscheiden. Ich denke, der Grundgedanke ist, Probleme nicht zu ertragen bzw. wenn man sie erträgt, das bewusst zu tun.

Gut fand ich auch die Technik, nicht über das Problem zu reden, sondern über die Lösungen.

Außerdem ist der Tonfall im Buch nicht drängend, sondern relativ neutral.


Was hat mir nicht gefallen?


Es gibt sehr wenige praktische Ratschläge. Sehr prägnant war eine Situation, in der eine Mutter von ihrer pubertierenden Tochter geärgert wird. Ratschlag: eine Wasserpistole nutzen, um die Situation zu durchbrechen. Ich denke, das hilft, aber es löst die tiefen Ängste dahinter nicht.

Wer in diesem Buch konkrete Hilfe erwartet, wird enttäuscht.


Fazit


Das Buch hilft, ein passendes Mindset zu erstellen, um mit Problemen umzugehen. Ich fand das sehr hilfreich. Ich denke aber, dass es weniger für Leute geeignet ist, die sich konkrete Lösungen erhoffen.


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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Love Hard!

Marcel Althaus , Sonny Loops
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Plötz & Betzholz , 12.10.2018
ISBN 9783960170129
Genre: Sachbücher

Rezension:

Youtube - Ort schlechter Produktplatzierungen, moralisch fragwürdiger Gags und Menschen, die mit dem Filmen ihres Alltags Geld und Anerkennung verdienen. Kann man von ihnen etwas lernen? Andererseits: Kann man nicht immer etwas dazu lernen, besonders im Bereich Beziehungen? Am Anfang des Buches war ich gespannt, aber ein bisschen skeptisch.

Spoiler: Youtube spielt eine sehr geringe Rolle.


Worum geht es?


"Love Hard" beschäftigt sich mit den Themen Anmachen, Selbstbewusstsein und Beziehung gestalten. Die Erzähler sind MarcelScorpion und seine Freundin Sonny. Abschnittsweise erzählen sie einzeln oder zu zweit.

Dazwischen und besonders am Ende gibt es Pärchen-Fotos, die einer Foto-Love-Story ähneln - sie wirken sehr gestellt und besonders Marcel merkt man an, dass ihm das keinen Spaß macht.

Wie fand ich die Inhalte?


Viele Tipps erinnerten mich an die "Bravo" - wie man das andere Geschlecht anmacht, in welchen Situationen man jemanden (nicht) anmachen sollte, beim Thema Selbstbewusstsein. Ich finde die Tipps nicht neu, aber sie werden nicht langweilig erzählt und nicht zu kumpelhaft. Im Gegensatz zum dritten Teil erzählen die beiden nur wenig von ihren Erfahrungen.

Interessant war der Abschnitt, in dem die beiden über ihre Beziehung reden z.B. über Konflikte, Zusammenziehen usw. Und auch wenn sie stetig betonen, dass ihr Alltag nicht alltäglich ist, weil sie zuhause (und oft getrennt) arbeiten, zeigt das dem Leser, dass eine Beziehung nicht perfekt sein muss. Ich fand das Buch an diesen Stellen sehr anschaulich.


Was hat mir nicht gefallen?


Leider kämpft das Buch mit Klischees. Beim Thema "Anmache" wird oft vom Mann ausgegangen, der die Frau anmacht, weil es sein "Job" ist (S. 14) - das finde ich sehr schade. Das Buch ist sich dieses Konflikts bewusst, aber es löst ihn nicht auf. Ich wünsche mir, dass auch die männliche Sicht geschildert wird - nicht nur Frauen benehmen sich daneben, weil sie sich beim Flirten unwohl fühlen, auch Männern passiert das. Was sind die größten Ängste und wie kann man als Flirt-Partner damit umgehen?

Nicht gut finde ich, dass "zickig" als Adjektiv für Frauen verwendet wird, u.a. als es darum geht, wie Frauen NICHT auf Anmachen reagieren sollten: "Andererseits solltest du nicht ohne Grund rumzicken. Wenn dir der Kontakt nicht unangenehm ist, sei freundlich, höflich und offen." (S. 18) Ich verstehe, dass man als Nicht-Flirtpartner manchmal überreagiert, weil man gerade nicht flirten will oder schlechte Laune hat. Und es ist ein wichtiger Hinweis, höfich zu bleiben. Die andere Seite ist: Der Ton macht die Musik. Wenn Anmachen plump und unkreativ sind, nervt das. Weil manche erwarten, dass der Flirtpartner den Ball zurückspielt. Das kann unangenehm sein und ist ein "Grund" Außerdem: Wie definiert man "zicken"? Im weiteren Text erkärt das Buch, man solle sich über Komplimente freuen und dass man Anmachen ablehnen darf, notfalls deutlich, wenn sie penetrant werden. Ich denke, das ist gut gedacht, aber unglücklich ausgedrückt.

Ähnliches für eine Stelle zum Thema Selbstbewusstsein, in der es darum geht, dass bei Frauen das nähere Umfeld Komplexe zum Aussehen verstärkt: "Mädchen, die keine magersüchtige Modelfigur haben, kennen die abschätzigen Blicke gerade von »Konkurrentinnen«, also Mitschülerinnen, Kolleginnen, Kommilitoninnen, Klamottenverkäuferinnen, Lehrerinnen, anderen Müttern und so weiter und so weiter. " - ein Pluspunkt für die Alliteration, aber zwei Klischees in einer Wortgruppe? Es gib viele schlanke (!) Menschen, die sich nicht wie Models fühlen.  Auch wenn die Botschaft gut ist, wird nur Bekanntes erwähnt.

Gut fand ich aber Marcels Abschnitt, in dem er erklärt, er habe mit "Fake it, till you make it" Selbstbewusstsein vorgetäuscht, bis er an Sicherheit gewann.

Schreibstil und Aufbau


Das Buch klingt etwas umgangssprachlich, aber nicht zu jugendlich. Daher können es auch Leser lesen, die Jugendsprache nicht mögen. Der Leser wird direkt angesprochen, eine tiefe Bindung wurde nicht aufgebaut - mir kam das entgegen, weil ich es nicht mag, wenn Bücher zu kumpelhaft werden.

Die kurzen Abschnitte ließen sich gut lesen und das Buch kam mir im positiven Sinne länger vor.

Fazit


Mich hat der Text überrascht. Bis auf ein paar Stolperstellen war es gut zu lesen und ich habe manches mitgenommen. Die beiden wirken authentisch und oftmals nahe. Für mich ein "Youtuber-Buch", das man kaufen kann.

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35 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

Selfie mit Zuckerguss

Emma Simon
E-Buch Text: 240 Seiten
Erschienen bei dp DIGITAL PUBLISHERS, 03.09.2018
ISBN 9783960874317
Genre: Liebesromane

Rezension:

Dieses Buch hat innerhalb der Leserunde für Irritationen gesorgt - denn Klappentext und Cover verheißen anderes, als das Buch tatsächlich ist. Es ist keine lustige Liebesgeschichte, sondern eine Diät-Parodie mit sehr sarkastischen Zügen. Stellenweise wusste ich nicht, ob es eine Parodie oder die bittere Wahrheit ist.

Übrigens erschien das Buch bereits 2017 unter dem Titel "Fitnessbitch".

Inhalt


Luise ist Studentin und hat im letzten Jahr viel zugenommen. Und ohnehin findet sie viele Mitmenschen doof - was sich bis zum Schluss nicht ändern wird. Als Luise auf einer Party Johannes trifft, der ähnlich schlagfertig ist wie sie, verliebt sie sich - doch Johannes geht für ein Jahr nach Amerika - für Luise, neben ihrer Lieblingshose, der Startschuss für ein Diätprogramm, denn wer will mit einem dicken Mädchen ausgehen?

Die Hauptfigur


Luise ist ein motziges Mädchen, wie man es aus Romanen kennt. Allerdings bleibt sie das bis zum Schluss. Dieses negative Denken geht einher mit Sarkasmus, der durch viele verschachtelte Sätze ausgedrückt wird. Die Idee ist gut, die Umsetzung mau, weil ich oft den Überblick verloren habe. Manchmal habe ich Absätze überflogen, weil er nur eine Aneinanderreihung vom Wortspielen beiinhaltete. Ich fand das witzig, aber oft unnötig - es hat den Roman nicht vorangebracht, sondern mit Kleinigkeiten aufgehalten.

Worin sich Luise von anderen Figuren unterscheidet, ist die Konsequenz. Sie möchte gesund abnehmen und ihr Programm klingt sinnvoll - sie macht regelmäßig Sport, überlastet sich nicht. Sie stellt ihre Ernährung um und lebt konsequent vegetarisch - selbst, wenn die einzige Alternative auf einem Festival Pommes mit Mayo ist. Das habe ich an ihr bewundert - sie hat recherchiert und sie weiß, was sie tut. Sie ist keine Figur, die schnell aufgibt und feststellt, dass das Leben mit mehr Kilos leichter ist. Leider entwickelt sie einen Tunnelblick, was dadurch gefördert wird, dass sie kaum Freunde hat - keiner  unterstützt sie, keiner sagt ihr, wenn sie zu weit geht. Luise ist ein einsames Mädchen.

Dass sie zu weit geht, zeigt der Cheat-Day, der zur Fressattacke wird. Luise glaubt, dass ein Cheat-Day (einmal pro Woche isst man nur das, was man will, auch Ungesundes) zu einer guten Diät dazugehört und zwingt sich dazu, in wenig Zeit viele Kalorien zu essen. Das geht nicht gut.

Der Schluss (Spoiler)


Zum Schluss des Buches kommt Johannes zurück und zeigt ihr nach erfolgreichem Akt sehr deutlich, dass er das dünne Mädchen nicht mag. Das hat mich nachdenklich zurück gelassen - einerseits hat er recht: Sie hätte nicht für ihn abnehmen müssen. Andererseits drückt er das sehr verletzend aus und auch während der Zeit in Amerika hat er sich nicht für Luise interessiert, sondern die Gespräche blieben oberflächlich.

In dem Moment wurde mir bewusst, dass sie nicht für die Gesellschaft oder Johannes abgenommen hat, sondern das zum Selbstläufer wurde.

Fazit


"Selfie mit Zuckerguss" hat mich mit einem dumpfen, negativen Gefühl zurückgelassen. Zuviele Dinge sind real, der Schreibstil zu füllig und stellenweise unübersichtlich, und nur wenige Stellen sind witzig. Andererseits hat mir gefallen, dass die Figur zeigt, dass man durchaus gesund abnehmen kann. Trotzdem ist es oft bitter.


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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

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The Hang Up (First Impressions 2)

Tawna Fenske
E-Buch Text: 204 Seiten
Erschienen bei LYX.digital, 06.09.2018
ISBN 9783736308039
Genre: Liebesromane

Rezension:

Nach "Kiss. ..." ist das mein zweites Buch der Autorin. Ich habe ein rundes, positiv routiniertes Buch erwartet und das auch bekommen. Trotzdem war ich des Natur-Themas irgendwann überdrüssig und die Geschichte wirkte konstruiert.

Worum geht es?


Miriam hat ihren Vater bei einem Bergunglück verloren und betreibt mit ihrer Freundin Holly die Agentur "First Impressions" Jason ist in die Stadt gezogen, um näher bei seinem krebs-kranken Neffen zu sein, den seine Schwester allein erzieht. Er ist ein Naturbursche. Im Laufe der Geschichte müssen beide lernen, ihre Ängste loszulassen.

Wie fand ich den Text?


Es hat mir gefallen, dass Jason weder der arrogante Firmenchef noch der fiese Badboy ist, sondern bodenständig. Natürlich wird er durch Miriam zu einem reiferen Menschen gemacht, aber das wirkte auf mich schlüssig. Der Konflikt, seine Familie loszulassen, ist nachvollziehbar.

Mit Miriam hatte ich Probleme, weil das Schema der vollig überraschten Frau, die durch den Tod ihres Vater Angst vor Erlebnis-Tripps hat,nicht stimmig war. Zu oft muss der Roman betonen, dass Miriam Schmutz nicht mag.

Trotzdem hat mir der Konflikt gefallen - die Figuren umkreisen sich, entwickeln sich und das sehr entspannt.

Leider wird zu spät erklärt, was "partielelle Remission" ist, sodass ich lange nicht verstand, ob Jasons Neffe eher krank oder eher gesund ist. Das hat das Gesamtbild etwas gestört.

Die kindliche Sprache des Neffen wirkt authentisch, was ich in Texten selten erlebe. Auch wenn ich nicht weiß, ob der Ausdruck eines 5-Jährigen perfekt getroffen ist.

Jason und Miriam machen viele Ausflüge, die sich gut lesen lassen. Man merkt, dass die Autorin Ahnung von der Materie hat und es ist erfrischend, das in einem Liebesroman zu lesen. Trotzdem hat mich das irgendwann gestört, weil die Liebesgeschichte wenige im Mittelpunkt stand.

Ich habe im Buch nur eine Erotik-Szene finden können - ich fand das einerseits gut, weil Erotik-Szenen nicht immer nötig sind, andererseits hätte ich mich über eine Szene mehr gefreut.

Der Text lässt sich leicht und flott lesen, ich habe keine Stolpersteine gefunden.

Fazit


Ich mag das Buch. Es stellt Erotik nicht in den Mittelpunkt, bespricht ein interessantes Thema und liest sich gut. Auch wenn die Autorin nicht alle Klischees umschifft, hat sie einen stimmigen Roman geschaffen.





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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Kornblumensommer

Sara Pearson
E-Buch Text: 372 Seiten
Erschienen bei null, 27.07.2018
ISBN B07FT7Y43Y
Genre: Sonstiges

Rezension:

Es ist ein Buch, das kraftvoll ist. Das sich an zwei Themen abarbeitet. Und das zu oft auf der Stelle tritt. Mit dem harmonischen "Kornblumensommer" hat es wenig zu tun, aber es ist ein Krimi, den ich als solches reizvoll findet.

Spoiler: Häusliche Gewalt kommt vor, die Autorin setzt aber nicht mehr Gewalt als nötig ein.

Inhalt


Jonathans Beziehung zu Linus kriselt. Linus wird abweisen, sogar handgreiflich. Hinzu kommt Mr Newman, der Jonathan mit brennenden Hundehaufen nervt. Und als Jonathans Ex-Freund Michael auftaucht, gibt es nicht nur ein Problem zu lösen. Und: Nicht immer ist die einfachste Lösung die beste.

Charaktere


Jonathan ist Besitzer ein Farm und man spürt, dass er gern draußen ist. Trotzdem sieht man ihn selten arbeiten. Auch der Freigeist, als der er charakterisiert wird, wird selten spürbar. Jonathan ist naiv und defensiv, er überlässt den Bürokram Linus und wäre am liesten ständig bei seiner Arbeit. Ich mochte, dass er naturverbunden und bodenständig ist. Aber Jonathan wirkt wie eine Figur, die oft nichts tut und trotzdem bekommt, was sie will. Er trifft einige wichtige Entscheidungen, aber ich hatte das Gefühl, dass er selten für sich einsteht. Außerdem ist er sehr verkopft.

Nicht so gut fand ich, dass seine Familie, obwohl sie den positiven Teil verkörpert, passiv gegenüber Linus ist. Als die Eltern erklären, dass sie Linus nie mochten und klar wird, wie weit er Jon manipuliert hat, tun sie nichts. Sie bieten ihm keinen Ausweg.

Michael ist Jonathans Ex-Freund. Er hat Jon verlassen, weil er sich nicht bereit für eine langfristige Beziehung fühlte. Micheal ist ein Anwalt, der sich noch nicht geoutet hat. Micheal deutet an, dass er gern mit anderen Männern schläft, man sieht das aber nicht. Micheal stellt hohe Anforderungen an sich und im Buch wird erklärt, warum.Interessant fand ich Micheal an den Stellen, an denen er klar seine Meinung vertritt. Oft hatte ich das Gefühl, dass er Anforderungen erfüllen möchte, aber das nicht kann. Ich glaube, er möchte eine glückliche Beziehung mit Jon führen. Aber wahrscheinlich würde er immer weglaufen.

Linus hatte das Potenital, ein fieser Bösewicht, ein guter Gegenpol, zu sein. Leider ist er sehr einfach gezeichnet. Zu Beginn des Textes ist Linus abweisend, kantig. Später wird er plötzlich fordernd. Linus manipuliert sehr offensichtlich, hat aber das Glück, dass er die Bedürfnisse seiner Mitmenschen erkennen und ausnutzen kann. Für mich war sein Handeln nicht immer logisch - sein Ziel hätte er mit anderen Mitteln schneller erreichen können. Spannend innerhalb der Leserunde fand ich die Frage, ob Linus wieder nett werden könnte. Und ob man ihm verzeihen würde.

Dramaturgie und Schreibstil



Die Autorin versteht es, die beiden Handlungsstränge (die Liebe zu Micheal und die Demütigung Linus) aufzubauen und so die Spannung zu erhalten. Während in der ersten Hälfte Linus dominiert, wird in der zweiten Hälfte Micheal betont, was den Linus-Teil nur mäßig ausklingen lässt.

Einige Szenen im Buch waren sehr spannend und Micheals Monolog am Ende hat mir gefallen. Im letzten Drittel gewinnt der Roman an Tiefe und ich habe mitgelitten.

Leider mildert der Schreibstil die Spannung stark. Denn sowohl Micheal als auch Jon durchdenken alles. Für mich war schon nach dem erste Drittel die Situation völlig klar, aber die Figuren merken es nicht. Sie wachsen nicht - Jon ist nicht verblendet, er redet sich Linus nicht schön, er weiß sogar, warum er sich nicht von ihm lösen kann und er weiß, warum Micheal ihn verlassen hat. Nichts passiert. Man kann argumentieren, dass das real ist. Aber mir fehlten die Höhen und Tiefen.

Sprachlich waren viele Füllwörter drin und der Text wirkte manchmal hölzern.

Die Erotikszenen waren an kreativen Orten, aber mir zu ausführlich. War nett zu lesen, aber für mich unnötig.

Fazit


"Kornblumensommer" ist keine locker-leichte Lektüre, sondern eine dramatischen Liebesgeschichte mit Tendenz zum Krimi. Die Figuren sind interessant angelegt, aber klischeehaft und oberflächlich ausgeführt. Auch die Probleme fand ich spannend, aber es ist schade, dass sovieles nicht zu Ende gedacht wurde. Ingesamt eine etwas andere Liebesgeschichte mit Luft nach oben.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Zeige dich, begehre mich! | Erotischer Roman

Carol Stroke
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei blue panther books, 31.08.2018
ISBN 9783862773664
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Mit Büchern des Verlages habe ich gemischte Erfahrungen gemacht, aber Klappentext hat mich geködert - zwei Frauen, die der Liebe verfallen sind und sich auf abenteuerliche Entdeckungen begeben, das klang interessant. Leider ist nicht alles Gold, was nach Gold klingt.

Immerhin: Das neue Design der Bücher gefällt mir sehr, allerdings erinnert es mich an Cover von Ravensburger - die Einzigartigkeit ist verloren gegangen.

Inhalt


Das Buch besteht aus zwei Geschichten. Während Jane auf einer Party verführt wird, begegnet Lily einem Fremden im Chat.

Beiden gemein sind die Techniken: Akte finden oft von hinten bzw. mit verbundenen Augen statt und oft wird es oral.

Die Texte


Jane ist sehr spießig und bildet einen guten Gegensatz zur lebendigen Lily. Allerdings meckert sie ständig über sie, ist aber ihre beste Freundin und beide wirken sehr vertraut. Auch Lily muss sich, obwohl sie offen ist, erst mit Chats beschäftigen. Ich fand die Figuren in sich nicht stimmig.

Im ersten Text hat mich genervt, dass die konservative Jane in einem freizügigen Catsuit zur Firmenparty geht. Außerdem wirkte das Ende sehr, sehr konstruiert und so, als müsste man für all die Ereignisse eine logische Erklärung finden. [Spoiler] Warum bekommt man es nicht mit, dass der nette Firmenchef plötzlich eine Stiefsohn hat, der die Firma übernimmt und der rein zufällig des Love-Interest ist?[/Spoiler]

Der zweite Text war spannender, weil man mit der Protagonistin fiebert, wer der Unbekannte aus dem Chat ist. Ich fand das über weite Strecken gut und den Text unterhaltsam. Leider verliert sich das, als dem Leser die Lösung klar wird, die Figur jedoch völlig im Dunklen tappt. [Spoiler]Warum erkennt sie nicht, dass die potentiellen Paarungspartner dieselben Stimmen haben? [/Spoiler] Mir gefielen aber die Metaphern - ich fand den Text ziemlich poetisch und gut gestaltet. Ich habe nicht verstanden, warum man als Sponsor für einen Krankenhausflügel auch bei den Plänen mitreden kann und warum wenige Wochen nachdem die Idee entstand, bereits die Grundsteinlegung ist, aber ...

Schreibstil


Der Stil hat mich geschockt, weil viele Stolpersteine enthalten waren -  das kenne ich besser. Oft gibt es inhaltliche Dopplungen durch Vorsilben und Füllwörter z.B. auf S. 71 "Als er vor mir stand, verrollte ich gespielt genervt meine Augen [...]" oder das Tempo ist nicht stimmig z.B. S. 90 "Nun musste ein Masterplan her. Dieser war sofort gefunden."

Der Stil wirkt gekünstelt und verkrampft. Auch wenn er sich gut lesen lässt.

Fazit


Wer die Bücher des Verlages liest, bekommt hier das bekannte Niveau. Die Ideen sind nett und besonders der zweite Text liest sich gut. Trotzdem keine Perle.

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52 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

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Scharfstellung

Heike Melzer
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Tropen, 30.08.2018
ISBN 9783608503562
Genre: Sachbücher

Rezension:

Nach dem Ende des Buches habe ich meine Welt mit anderen Augen gesehen: Die Jugendlichen, welche Zahnspangen-tragend und Handy-nutzend an der Bushaltestelle stehen, sich über Schminktipps oder die letzten Fußballergebnisse austauschen, werden irgendwann süchtig nach Akten sein und vielleicht eine Therapie machen. Süchtig nach immer bessern, immer ausgefalleneren Filmen und der Unfähigkeit, Beziehungen mit Menschen zu führen. Ein Szenario, das übertrieben wirkt.

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar angefordert, weil ich "Sex - die wahre Geschichte" gut fand und weil mich der positive Titel ansprach. Leider war das Buch nicht gut.

Inhalt


Das Buch beginnt mit einer witzigen Anekdote (Stichwort: Zoophilie - was im ganzen Buch als Akzent auftaucht) und beschreibt dann die Geschichte der Pornografie. Danach geht es um die Gefahren für Jugendliche und Erwachsene und um Folgen des Konsums der Eltern für die Kinder. Und es gibt ein versöhnliches Nachwort.

Wäre dieses Buch ein Musikstück, würde ich es gut komponiert finden. Aber es war einseitig.

Wie erging es mir?


Was Sie schon immer über Pornos wissen wollten, aber sich nicht zu googlen getraut haben ... mehr ist das Buch nicht. Besonders in den ersten 2/5 notiert es allgemeine Fakten zum Thema, die nicht neu sind. Ich habe an diesen Stellen das Vertrauen zum Erzähler verloren. Übrigens heißt Gina Wilde nicht Manuela, sondern Michaela.

Später beschreibt die Autorin ausführlich die Entwicklungen der Spielzeugbranche und notiert Seiten. Einerseits fand ich das interessant, andererseits wirkte es wie eine Werbeveranstaltung.

Der Abschnitt über Prostitution ist relativ ausgeglichen, die Autorin beleuchtet gut die Motive von Damen und Freiern. Leider offenbahrt sich hier eine Schwäche im Stil: Sobald es ins Fachliche geht, wird die Sprache über-korrekt und sehr ausführlich. Es sind weniger die Fachtermini als die Grammatik. Besonders deutlich wird das in Kapitel 8, in der die Autorin die neurologischen Vorgänge schildert, die eine Sucht auslöst. Interessant, aber unnnötig komplex geschildert.

Im Laufe der Seiten steuert der Text auf ein Schreckensszenario zu, aus dem es scheinbar nur wenige Ausweg gibt.

Gut ist das Buch an den Stellen, an denen die Autorin Fallbeispiele aus ihrem Praxisalltag zeigt. Oder von Wellensittichen mit Beziehungsstörung erzählt. Für mich macht das die Fakten greifbar und das Buch einzigartig. Leider gibt es zuwenige davon. Ich denke, auch fiktive Bespiele wären in Ordnung.

Was mich am meisten gestört hat, neben der Fakten-Armut, war der negative Unterton. Obwohl die Autorin auf S. 14 betont "Mir ist dabei wichtig, nicht zu werten. Vielmehr möchte ich neue Phänomene beschreiben und strukturieren.", wertet sie durch das, was sie NICHT erzählt. Dass es Menschen gibt, die nicht süchtig werden. Dass es Menschen gibt, die den offenen Umgang mit Sexualität als bereichernd empfinden. Dass sich Pornografie nicht nur in Filmen verändert hat, sondern auch in Literatur. Welche Auswirkungen hat z.B. der Trend, dass in New Adult vermehrt erotische Szene vorkommen? Andererseits scheint die Faktenlage dünn zu sein?

Auch wenn das Buch ein versöhnliches und neutrales Nachwort hat, war ich ziemlich enttäuscht.

Ich finde das Buch nicht plakativ, nicht treibend, aber es kann eine Blase verstärken, in der man sich befindet.

Fazit


Ich hatte eine neutrale Auseinandersetzung erwartet, aber das war es nicht. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn man den Text als Erfahrungen einer Therapeutin geschrieben hatte, weil dort extreme Subjektivität erwartet wird. Hier kauft man die Katze im Sack. Wenn man Pornos ohnehin als Bedrohung sieht, wird im Buch bestätigt. Auch wenn es einige nette Fakten gibt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist negativ.

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69 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

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Die Hochhausspringerin

Julia von Lucadou
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 23.07.2018
ISBN 9783446260399
Genre: Romane

Rezension:

Viel wurde über dieses Buch gesagt - viele Zeitungen haben darüber geschrieben und auch innerhalb der Leserunde haben wir ausführlich diskutiert. Was bleibt? Ein Roman, der viele emotional anspricht und der auch mich betroffen gemacht hat. Der aber letztlich eine Dystopie nutzt, um Kritik an der Jetzt-Zeit zu üben und einige Fehlstellen hat. Als Film kann ich ihn mir besser vorstellen.


Worum geht es?


Hitomi ist Wirtschaftspsychologin und soll die Hochhausspringerin Riva wieder zum Springen bringen, indem sie sie auf Schritt und tritt heimlich beobachtet. Denn Riva weigert sich seit Wochen und bringt damit den Plan durcheinander. Und das Leben Hitomis.

Die Figuren


Riva ist Ende 20 und springt seit 15 Jahren. Sie ist ein Medienstar, der sogar ein eigenes Getränk hat. Da wir Riva nur als Hitomis Sicht sehen und sie nur wenig tut, erfahren wir nur wenig. Riva bleibt ein Phantom.

Hitomi ist die Hauptfigur, weil Erzählerin. Sie ist eine privelegierte Frau, die als Kind in ein Aufzuchtheim gesteckt wurde und ihre Eltern nur selten sah. Während die Menschen aus den Peripherien darum kämpfen, in der Stadt zu leben, hat Hitomi dort angefangen - und hat ständig Angst, diesen Status zu verlieren. Hitomi kämpft gegen einen Feind, um immer bessere Zahlen, verkörpert durch ihren Chef Hugo.

[Spoiler] Doch obwohl sie Gutes bewirken will, gerät Hitomi in eine Abwärtsspirale. Sie will es allein schaffen und kämpft verbissen. Hitomi hat in der "Schule" die besten Anpassungswerte - am Ende scheitert sie daran, dass sie zu gut an die Werte der Gesellschaft angepasst ist. Denn sie ekelt sich vor den Peripherien - ein Ausstieg wäre für sie nie möglich. Gut veranschaulicht das eine Szene, in der die Kinder ans Meer fahren - Hitomie mag das Rauschen, ekelt sich aber vor dem Geruch und dem Wasser.[/Spoiler]

Die Welt


Die Welt im Roman ist grob gezeichnet - die Peripherien werden wenig beschrieben und wer in hohen Stockwerken wohnt, hat einen hohen Status.

Interessant finde ich, dass viele Dinge einen positive Sinn haben, im Kontext aber ins Gegenteil verkehrt werden: Hitomis gesundheitliche Parameter werden überwacht, aber sie bekommt nur den Tipp, sich  mehr dem Optimum anzunähern. Sie soll Mindflussness-Übungen machen, die jedoch nicht fruchten. Wenn Entspannung zum Muss wird, verpufft der Effekt - ein toller Hinweis auf die heutige Welt. [Spoiler] Wenn Menschen aus der Gesellschaft ausscheiden, weil sie keinen Sinn für die Gesellschaft haben, werden sie dabei begleitet, damit sie angstfrei und ohne negative Gedanken sterben. Ein guter Gedanke. Aber da die Menschen zum Suizid gedrängt werden, nicht so gut. [/Spoiler]

Jeder ist für sich selbst verantwortlich - wenn er die Anforderungen nicht erfüllt, liegt das an ihm. Jeder soll das Optimum für die Gesellschaft leisten, auch wenn unklar ist, worin das Optimum besteht. Es ist krass, wie leicht Menschen manipulierbar sind.

Gut gefallen hat mir, dass es Blogs aus den Peripherien gibt, die das Leben in der Biofamilie schildern - die Sehnsucht nach einer "normalen" Familie ist da, selbst wenn man in einer künstlichen Familie aufgewachsen ist. Sie erinnern mich an Videos, in denen Leute vor anderen essen, damit sie das Gefühl der Einsamkeit vertreiben.

Das Hochhausspringen finde ich faszinierend. Es ist leicht vorstellbar - Hochhäuser kennt jeder - aber sehr gefährlich. Wenn man zuviel riskiert, stirbt man. Gleichzeitig hat es etwas Majäistätisches, wenn die Sonne über den Springern scheint und sie sich in die Tiefe stürzen. Man erfährt nur wenig über das Springen, aber es dient dazu, die Bevölkerung zu unterhalten und den Menschen in den Peripherien vorzugaukeln, sie hätten mit genügend Talent die Chance, in die Stadt zu ziehen, also aufzusteigen.


Dramaturgie und Schreibstil


Die Spannung steigt langsam, aber stetig, weil man sich fragt, ob Riva wieder springen wird und welche Persönlichkeit sich dahinter verbirgt. Parallel dazu sehen wir Hitomi. Der Höhepunkt hat mich überrascht, weil mich die Autorin erfolgreich in die Irre geführt hat :-) Auch die Nebenhandlungen waren schön. Mich hat das Buch an "Unterm Rad" erinnert.

Den Schreibstil fanden einige Leser trocken, mir ist er wenig aufgefallen. Ich finde ihn etwas berichtend, aber erzählend. Die Erzählerstimme ist klar erkennbar. Dialoge sind mit einem Bindestrich angeführt, wirken aber erzählend. Für mich zu einfache Stilmittel waren das Trademark-Zeichen über Welt-spezifischen Begriffen (viele haben sich aus dem Zusammenhang erklärt) und die englischen/japanischen Namen.

Fazit


"Die Hochhausspringern" hat mir als Buch gut gefallen. Die Thematik ist aktuell, die Hauptfigur mit ihrer Mischung aus Leistung und Sehnsucht sympatisch und die Dramaturgie stimmt. Verglichen mit anderen Dystopien finde ich aber, dass es nix Neues ist: Eine grob geschilderte Welt, der Mensch als leistungsoptimiertes Wesen, eine Welt, die sich selbst entlarvt, der hilflose Held. Es ist ein starkes Buch. Aber für mich kein Muss.

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"alkohol":w=1

Weder geschüttelt noch gerührt

Timm Kruse
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Verlag Herder, 20.08.2018
ISBN 9783451600562
Genre: Sachbücher

Rezension:

Am Anfang des Buches habe ich geschwärmt, dass das Buch lebensnah ist und kein Buch, dass einem erzählt, wie toll und schön das Leben ohne Alkohol ist. Am Ende einer netten Reise war es genau das.

Inhalt


Das Buch erzählt von einem Jahr (versuchter) Abstinenz des Autors. Es zeigt den Weg in die Alkoholsucht und wieder heraus. Einschließlich der Rückschläge. Im letzten Viertel gibt es die Ergebnisse der Recherchen des Autors - die Alkohol-Lobby ist schuld.

Eine weitere Rolle spielen Timms Bald-Freundin Anna (dient nur als Stilmittel, um Spannung reinzubringen und später nichtmehr relevant) und der Tod eines Freundes (interessant, aber einseitig)


Was hat mir gefallen?


Die Lebensnähe: Anfangs erzählt der Autor, dass ihm Alkohol nicht schmeckt und dass er das nur tut, weil es gesellschaftlich geläufig ist. Außerdem berichtet er vom Versuchen und Scheitern und wirkt dabei durchdacht und nett. Auch der Gedanke, dass man ohne Alkohol sehr, sehr viel Zeit hat, fand ich nett. Und mir war sehr sympatisch, dass er deutlich sagt, dass manches fiktiv ist. Diese Ehrlichkeit hat mich beeindruckt.

Werbung: Während andere Drogen und Sexualkrankheiten mit Kampagnen bekämpft werden, gibt es zu Alkohl nur wenig. Abgesehen von der Kampagne "Kenn dein Limit" - die sich an Jugendliche richtet. Dass Alkohol auch für Erwachsene ein Problem sein kann, wird bei solchen Maßnahmen wenig betrachtet. Die Kritik an der Alkohollobby war mir zu einseitig und zu einfach, aber mir wird bewusst, wie wenig vor den Gefahren gewarnt wird. Gleichzeitig macht das Buch deutlich, dass das Sponsoring z.B. im Sport sehr wichtig ist - keine Formel 1 ohne Bierwerbung. Leider erläutert das Buch nicht, wie man es kompensieren könnte, wenn die Förderung durch Alkoholmarken wegfällt ... Ein Gedanke im Text ist, dass der Preis für Alkohol erhöht wird und damit Suchtprävention unterstützt wird.

Generationenkonflikt: Der Erzähler ist bei seinen Eltern zu Gast und erntet harte Worte, weil er keinen Champagner trinkt. Ähnliches habe ich von Veganern gehört, die auf einer Familienfeier Fleisch essen sollten, weil Fleisch für die ältere Generation etwas Wertvolles ist, das man nicht ablehnt. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde. Ob ich aus Höflichkeit und um einen Machtkonflikt zu vermeiden, der sich nicht lösen lässt, trinken würde oder ob ich ablehnen würde. Vielleicht braucht so etwas Zeit?

Definition: Als der Erzähler bei den Anonymen Alkoholikern ist, fällt es im schwer, sich als "Alkoholiker" zu bezeichnen, weil er nicht dem Klischee des verwahrlosten Trinkers entspricht - und die anderen Mitglieder der Runde auch nicht. Muss man sich in eine Schublade einordnen, damit einem geholfen wird? Umgekehrt: Ist man nicht krank, wenn man nicht krank aussieht? Es hat mir gefallen, dass sich das Buch gegen starre Definitionen ausspricht und die eigene Sicht in den Vordergrund rückt.

Was hat mir nicht gefallen?


Die Beschränkung: Es ist ein Erfahrungsbericht eines Menschen, der sich als alkohol-kontroll-unfähig bezeichnet. Der in einer Welt lebt, in der viel getrunken wird und in der man verachtet wird, wenn man nicht trinkt. Ob alle Journalisten trinken? Der Protagonist mag den Geschmack von Alkohol nicht, er bekommt Angstattacken, wenn er Alkohol trinkt und er erträgt Partys schwer, wenn er nüchtern ist. Es gibt viele Gründe nicht zu trinken - trotzdem tut er es. Ich denke, damit können sich einige Leser identifizieren.

Für mich fehlen jedoch Zwischentöne und das andere Extrem. Zwischentöne, weil es Leute gibt, denen Alkohol schmeckt. Und Umgebungen, in denen niemand doof guckt, wenn man keinen Alkohol trinkt. Und ob Alkohol "der Feind" ist oder nur ein Mittel ist, um innerliche Leere zu kompensieren - ob sich das auf etwas anderes überträgt, wenn der Alkohol wegfällt. Das andere "Extrem" sind Leute, die noch nie Alkohol getrunken haben. Haben sie ein besseres Leben, weil sie nicht trinken? Wie fühlt man sich, wenn man Freundeskreise nicht vermeiden will?

Hinterfragen und eine einfache Lösung: Die Anonymen Alkohliker werden ein bisschen hinterfragt, der Abstinenz-Kurs, den die Figur macht, nicht. Die Figur ist glücklich mit dem, was sie erreicht hat, aber ... das war einseitig. Des Rätsels Lösung sind übrigens Meditation und Zeit für sich.

Ich denke, das gesteigerte Wohlbefinden liegt weniger am Alkohol, als daran, dass die Figur gelernt hat, die Kontrolle über ihr Leben zu gewinnen. Indem sie bewusst an einem Problem gearbeitet hat und anstatt Betäubung etwas für sich getan hat.

Aber ich mag den Gedanken, inne zu halten und sich bewusst zu machen, wieviel man bewirken kann.

Fazit


Ich mag am Buch die Ehrlichkeit. Dass es nicht pseudo-wissenschaftlich tut und in Gerede versinkt. Es ist ein offenes Bekenntnis und das war spaßig. Trotzdem finde ich den Text einseitig, zu geradlinig. Und der Versuch, eine Spannungskurve zu erzeugen, ist oft gescheitert.

Das Buch hat mein Bewusstsein für Alkohol in der Gesellschaft gestärkt und ich betrachte das Thema kritischer.

Trotzdem: Für mich ist es nicht einzigartig genug. Das Gleichgewicht aus Persönlichkeit und Kritik am Alkohol stimmt für mich nicht.

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Hören wird überbewertet

Cindy Klink
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Hirnkost, 01.08.2018
ISBN 9783947380107
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe dieses Buch als Rezi-Exemplar angefordert, weil ich die tolle Artikel-Serie einer sehbehinderten Buchbloggerin gelesen habe und dachte, dass das Buch ähnlich sympatisch und aufklärend wird. Leider nicht. Es handelt sich um die Biografie einer 20-jährigen, schwerhörigen Youtuberin, die u.a. Songs in Gebärdensprache zeigt und eine Einführung in die Sprache gibt. Für mich hat das Buch starke Schwächen in der Struktur und es verallgemeinert oft. Ich fand zur Erzählerin keinen Zugang. Und ohne ein bisschen Vorwissen wäre ich aufgeschmissen.

Inhalt


Cindy Klink hat, ursprünglich auf Facebook, Videos hochgeladen, in denen sie Lieder gebärdet. Derzeit hat sie auf Youtube ca. 517 000 Aufrufe und rund 6700 Follower. Da sie dort nur wenig private Videos zeigt, stellt das Buch eine gute Ergänzung dar. Der Text erzählt sehr grob von ihrer Kindheit, stärker von ihrer Jugend, die von Mobbing geprägt ist, hin zum Wendepunkt mit der Musik und einem Auftritt. Später erzählt sie von ihren Hobbys und zeigt Vorurteile. Einen kurzen Abschnitt zum Identitätskonflikt, weil sie weder der hörenden, noch der tauben Gemeinschaft angehört, fand ich gut.

Inhalt im Groben und Kritik


Ich habe das Buch inhaltlich in folgende Abschnitt unterteilt:

1. Kindheit und Jugend: Dieser Abschnitt ist der erste Berührungspunkt mit der Erzählerin - und das Potential wird verschenkt. Denn so witzig die Anekdote ist, dass sie das erste Mädchen innerhalb der jungenreichen Familie ist - man erfährt zu spät, dass auch Cindys Eltern gehörlos sind. Außerdem bekommt der Leser keine Vorstellung davon, wieviel bzw. wie die Erzählerin hört. Ich finde das wichtig, damit ich mir die Figur vorstellen kann. Damit ich emotional mitgehen kann. Stattdessen erfahren wir von zahlreichen Mobbingattacken und einem weiteren unschönen Erlebnis. Traurig und beklemmend. Irritiert hat mich, dass nichts über die Familie erzählt wird. Denn auch wenn man sich in solchen Situationen allein fühlt, bleiben die Eltern wichtige Bezugspunkte.

Erst im zweiten Abschnitt erfährt man, dass die Mutter unterstützt und immer für sie da war, dass sie zur Therapie ging (wegen des Mobbings?), Freunde hat und Beziehungen führte. Besonders dieser Weg wäre interessant gewesen, aber es fehlt vieles. Dass man nicht sein Privatleben vor 500 000 Menschen darlegen will, verstehe ich. Aber es wirkt, als wäre die Erzählerin vom traurigen Kind zum super-mutigen Teenager binnen weniger Seiten geworden.

2. Die Songs:
Hier wird anhand von Songs erzählt, wie Cindy stärker wurde und sich alles entwickelte. Dieser Abschnitt hat mir sehr gut gefallen, weil sie Songs eine Chronologie erschaffen, in die ich mich gut lesen konnte. Vielleicht, weil es vordergründig um Musik geht und was sie einem bedeutet. Und erst an zweiter Stelle die Lebensabschnitte, die sie begleiteten.

3. Ausbildung und Allgemeines: Nach der Schule beginnt Cindy eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte, muss aber die Berufsschule wechseln, weil sie auf einer "normalen" Schule trotz Dolmeterschin wenig versteht. Hier zeigt sich, dass Inklusion manchmal nicht funktioniert, was ich interessant fand. Später gibt es bekannte oder unbekannte Irrtümer über gehörlose Menschen. Manche Leute finden sowas witzig, mich hat hier aber der sehr negative Tonfall gestört. Außerdem wird ausführlich erzählt, welche Hobbys Cindy hat. Und am Ende gibt es versöhnliche Worte und Verhaltenstipps. Ein paar.

Ich denke, hier wurde mehrere Ansätze verfolgt, aber nicht konsequent durchgezogen.

Und mir fehlte Cindys Erfahrung mit Social Media. Und ein allgemeiner Abschnitt darüber, wie unsere Welt auf Gehörlose einstellt ist bzw. welche Hilfsmittel sie nutzen. Wie leben Gehörlose und Schwerhörige in Deutschland, welche Möglichkeiten haben sie?

Schreibstil und Tonfall


Der Stil selbst ist so, wie ich ihn von meiner Jugend kenne: Manchmal gerafft, selten bildlich, eininges Umgangssprachliches in der Grammatik, aber meistens in Ordnung. An einigen Stellen gefühlvoll. Nicht meins, aber passend für eine Autobiografie.

Der Tonfall ist relativ einseitig, was zu einer Autobiografie passt, aber ... leider setzt die Erzählerin genau das um, was sie kritisiert: Sie unterstellt ihren Mitmenschen Vorurteile und dass die meisten nicht auf sie zugehen wollen. So wird zum Beispiel der Irrtum aufgegriffen, dass Gehörlose nicht Autofahren können - garniert mit "Ich weiß nicht, wie oft ich diesen dummen Satz gehört habe." (S. 77) Für mich ist das eine verständliche Frage. Denn als "Normalhörende" weiß ich nicht, welche Hilfsmittel Gehörlosen zur Verfügung stehen und dass das Gesetz das erlaubt.

Ein weiteres Beispiel ist der Inklusions-Version an der Berufsschule: Cindy ärgert sich, weil ihre Mitschüler reden, Lärm machen oder sich die Hand vor den Mund halten, wenn sie reden. Sodass auch die Dolmeterscherin nichts versteht. Ich verstehe das. Aber als Hörende ist es schwer, sich darauf einzustellen. Besonders in einer Umbruch-Situation wie der Ausbildung, in der alles aufregend ist. Immer darauf zu achten, dass die Lippen gut sichtbar sind, das stelle ich mir schwer vor.

Anderseits wird nicht zwischen Individuum und System unterschieden. Was kann der Einzelne tun und was müssen Staat/Kommunen usw. tun?

Ich habe im Buch selten ein Aufeinanderzugehen gespürt.


Versöhnliches (?) Fazit


Ich finde es toll, dass es Youtuber und Blogger wie Cindy gibt, die Menschen das Thema Behinderung näher bringen. Mir zeigt das vor allem, dass Menschen mit Behinderung darauf eingestellt sind und nicht ständig auf Hilfe angewiesen sind. Dass es völlig in Ordnung ist, sie als Menschen zu sehen und keine Angst zu haben, dass man etwas falsch machen könnte. Cindy hat viel Schlechtes erlebt und sehr viel Gutes für sich und andere getan. Ich finde sie auch auf ihrem Kanal sympatisch und gut verständlich.

Aber als Buch funktioniert das für mich nicht. Es fehlen grundsätzliche Fakten für das Verständnis und die Struktur ist verworren. Am besten wäre es gewesen, man hätte Cindy nur über ihre Lieder sprechen lassen. Vielleicht ist es für eine Autobiografie mit 20 einfach zu früh?


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307 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 133 Rezensionen

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Dream Maker - Sehnsucht

Audrey Carlan , Christiane Sipeer , Friederike Ails
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.07.2018
ISBN 9783548290478
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Ja, ich habe dieses Buch nur gelesen, weil das Cover soooooo schön war. Und weil es nach einer leichten Sommerlektüre klang. Leider hat das Konzept die Spannung bereits nach der Hälfte vernichtet. Ich finde den Protagonist interessant, aber er ist so oberflächlich, dass ich dahinter Tiefe vermute - aber ich möchte nicht drei weitere Bände bzw. insgesamt 1300 Seiten warten, bis sich das aufklärt.

Inhalt und Konzept


Die Hauptfigur Parker Ellis betreibt mit zwei Freunden die Agentur "International Guy", die sich auf das Lösen von Frauen-Problemen spezialisiert hat. Parker liebt Frauen, was den Job erleichtert. In jedem Band lesen wir drei Geschichten, die nach den Handlungsorten benannt sind, hier also Paris, New York und Kopenhagen. Die Probleme sind abwechslungsreich, aber leicht zu lösen.

Die Autorin folgt hier dem Konzept, das bereits in Trinity und Calendar Girl funktionierte: Einer Fortsetzungsgeschichte gleich gibt es in jedem Monat eine 150-Seiten-Geschichte (die Seitenzahl wird sehr genau eingehalten). Daher verkauft der Verlag die Geschichten auch einzeln. Da Parker Frauen mag, trägt er das über 12 Geschichten gut. Wenn die Spannung nicht wäre ...


Die Hauptfigur und der Erzähler- Parker Ellis


Parker war mir sehr sympatisch, weil es ihm nicht darum geht, Frauen flachzulegen, sondern weil die Liebe zu Frauen eine Lebenseinstellung ist. Er genießt sie, er genießt ihre Körper und er mag ihren Geruch. Dabei wirkt er meistens leicht. Ich habe das so in Romanen selten gelesen. Parker hat (noch?) kein tieferes Problem, aber ich fand es interessant, seine Tiefe zu ergründen. Als er in der zweiten Geschichte auf seine Nemisis (?) Skyler Paige trifft, wirkt der reflektierte, durchdachte Mann plötzlich sehr verliebt - und merkt nicht, dass er damit etwas kompensiert. Er ist am Ziel seiner Träume angekommen und feiert die Party seines Lebens. Aber er hat noch nicht realisiert, dass danach etwas kommen muss. Interessant finde ich auch, dass er den dritten Auftrag in Kopenhagen, der zu Konflikten im Sky führt, mit Geld rechtfertigt. Obwohl die Agentur für ihre Aufträge sehr viel Geld bekommt. Ich denke, er belügt sich selbst - oder die Autorin brauchte einen guten Grund.

Außerdem gefällt mir, dass Parker deutliche Worte nutzt - manchmal ist er zu sehr auf den Geschlecht fixiert, aber es mehrdeutig "das Biest" zu nennen, finde ich gut! Und er hinterlässt nach jedem Auftrag eine Botschaft auf einem Spiegel. Ein nette Gimmick.

Meine Faszination für Parker nahm ab, als mir in der zweiten Geschichte der Schreibstil aufgefallen ist. Parker beschreibt viel, seine Gesten, seine Gedanken, manchmal wird sogar etwas interpretiert, bevor es passiert. Er lässt den Leser nicht überlegen, er legt es in seinen Kopf, bevor der Leser die Situation erlebt. Ich vermute, dass die Autorin hier Figur und Erzähler zu deutlich vermischt hat. Es wirkt, als hätte der Erzähler Parkers Körper gekapert. Die vielen (unnötigen) Details machen das Buch langatmig und die Geschichten fühlen sich länger als 150 Seiten an.

Die Anderen


Bogart tritt relativ deutlich in Erscheinung. Er hat Humor und tritt manchmal ins Fettnäpfchen, er wirkt locker und hat einen Sinn für Mode. Außerdem ist er selbstbewusster als Parker.

Royce ist Finanzexperte und tritt nur selten auf.

Wendy wird Parkers Assistentin. Sie ist gewitzt und schlau und dreist. Dass sie und ihr Freund eine vermeintliche SM-Beziehung führen und nicht klar ist, wer wen dominiert, gibt der Reihe Würze.

Die Geschichten und die Spannung


Paris: In Paris müssen die drei Herren Sophie helfen, einer Firmenerbin, die sich in ihre Rolle finden muss. Mich hat nicht gestört, dass die Lösung für das Problem auch darin besteht, die "graue Maus" zur Sexbombe umzustylen. Ich denke, man darf entdecken, was möglich ist und seine Mitte damit finden. Aber als Sophie von einem Mann belästigt wird, während Parker E-Mails liest, kann die Situation nur durch einen Mann gerettet werden. Ich habe mich gefragt, ob das Sophies Autorität nicht untergräbt, weil sie nur stark ist, solange International Guy in der Nähe ist ... Als Parker Sophie in Geschichte 3 erneut begegnet, wurde mir bewusst, dass sie diese Entwicklung nicht benötigt hätte. Ich denke, man hätte um diese anmutige, interessante Frau eine Geschichte basteln können. Vielleicht ist Sophie eine guten Partnerin für Parker? Nett fand ich, dass Sophie zunehmend Worte falsch ausspricht und Parker sie korrigiert.

New York: Dort findet Parker seinen Schwarm - Skyler. Die Schauspielerin hat ein Problem mit ihrer Berühmtheit - nennen wir es Burn-Out, "fehlende Muse" etc. Skyler nervt, dass ihre Leben von ihrer Agentin bestimmt wird (in der dritten Geschichte erkennt Parker das ...) und dass die ganze Welt nur ihre berühmte Hülle sieht. Gut, dass sich das mit einem Museumsbesuch und ein paar Filmen lösen lässt! Ernsthaft: Die Autoren versucht, den Figuren Tiefe zu geben, denn beide mögen Kunst. Sie philosophieren sogar darüber. Aber mein Gefühl sagt mir, dass sich die Autorin nicht ausführlich mit dem Berühmt-Sein beschäftigt hat. Leistungsdruck spielt eine große Rolle, klar. Aber ich denke, es geht vor allem darum, dass man sich selbst als Berühmtheit sieht und andere Interessen in den Hintergrund geraten. Dass man die Kontrolle verliert. Parker übt nicht mit Skyler, er zeigt ihre keine neue Welt. Weil er "nur" ein Auftragnehmer ist und jemand, der gern mit ihr schläft. Vielleicht war es wichtig, das dem Leser zu zeigen: International Guy hat Grenzen. Die Herren tauchen in das Leben der Frauen ein, konzentrieren sich aber nur auf einen Aspekt. Sie sind keine Freunde.

Kopenhagen: Hier muss Parker Christina dazu bringen, den Prinzen von Dänemark zu heiraten. Doch aus ungeklärten Gründen will sie das nicht. Dieser Text hat mir die Spannung verdorben, denn anstatt eines düsteren Familiengeheimnisses ist die Lösung so einfach, wie sie nach den ersten Seiten scheint. Außerdem ist nicht klar, warum Christina soviele ehrenamtliche Tätigkeiten ausübt - und warum die Presse davon nichts mitbekommen hat. Die Autorin lässt Parker über richtigen Anreden straucheln, aber das wirkt gekünstelt.

Nur der Cliffhanger,
der Parker aus Skylers Perspektive zeigt, war spannend. Andererseits verheißt er viel, viel Drama.

Ich frage mich, ob Parker sich tatsächlich fest bindet?

Die Erotik


Besonders in der zweiten Geschichte gibt es viele erotische Szenen, die ich stellenweise erotisch fand. Dennoch ist auch Parker eine Figur, die Frauen gern stößt und dabei wirkt, als hätte sie einen Komplex. Leider wiederholen sich Floskeln und Techniken, was ich nach 450 Seiten nervig fand. Immerhin: In der dritten Geschichte gibt es nur wenige Akte, weil Parker nicht mit Christina schläft.

Fazit


Trotz tollen Covers und einer netten Hauptfigur versinkt der Roman in Spannungsarmut und Unkreativität. Die Klischees haben mich weniger gestört, weil Parker vieles kompensiert. Aber ... mich hat das enttäuscht.

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15 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

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Auf der anderen Seite der Sterne

Liv Modes
E-Buch Text
Erschienen bei neobooks, 01.06.2018
ISBN 9783742743237
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dieser Text ist eine schöne Gay-Romance mit einfacher Konstellation und einem guten Konflikt. Es ist eines der wenigen Bücher, deren Fortsetzung ich fordere :-)

Worum geht es?


Zwei Jungen auf einem Internat, die beste Freunde sind. Bis sich einer in den anderen verliebt. Und nicht weiß, ob es dem anderen genauso geht. Außerdem gibt's eine nette Fußballszene und die Frage "Wieviel Privatsphäre ist wichtig?"

Die Charaktere


Alex ist der Erzähler und ein bisschen schüchterner. Im Gegensatz dazu ist Yanik offener, witziger, aber eine Machtgefälle habe ich nicht erkannt. Yanik wird als Frauenschwarm beschrieben, aber ich empfand das nicht, weil die Geschichte stark auf beide fokussiert ist. Alex und Yanik gehen natürlich und unverkrampft miteinander um - sie wirken tatsächlich wie beste Freunde, weil es einige witzige Szenen gibt.

Andererseits fehlte mir bei beiden Figuren die Energie. Sie funktionieren gut zusammen, aber als Charaktere sind sie ziemlich blass.

Die Nebenfiguren, besonders die Clique im Internat, sind ein bisschen prägnant und verstärken den Spaß.


Themen (Spoiler)


Liebesbeziehungen im Internet:
Yanik postet ein Pärchenbild beider auf Instagram, was Alex so verärgert, dass er nichtmehr mit Yanik redet, was diesen so verärgert, dass die beiden einige Zeit brauchen, um wieder zueinander zu finden. Für manche Leute ist es selbstverständlich, ihre Liebe auf Social Media zu posten, ich mag das nicht. Daher fand ich es toll, dass der Roman das als Kernproblem einsetzt. Unabhängig von der sexuellen Orientierung sollten beide entscheiden, ob Pärchenfotos gepostet werden. Vor allem, weil es schwer und schmerzhaft ist, die Spuren zu löschen, wenn man sich trennt. Und weil man in dem Momment, in dem man gemeinsame Fotos postet, auch öffentlich Verantwortung füreinander trägt. Das kann schwierig werden, wenn einer Blödsinn macht. Natürlich reagiert in der Schule fast jeder vorbildlich.

Eltern: Yaniks Vater hat einen männlichen Partner, mit dem Yanik nicht klarkommt. Interessant fand ich, dass er erkennt, dass die Homosexualität des Vaters nicht das Problem ist, sondern sein Partner. Alex hatte vermutet, dass das Yanik kritisch gegenüber Schwulen macht.

Die Liebe:
Die Figuren finden zueinander, aber es bleibt auf einer sehr leichten Ebene. Das hat den Vorteil, dass es keine expliziten Szenen gibt, aber den Nachteil, das schöne, ausführliche Liebesszenen fehlen. Aber ich fand es witzig, dass Alex Yanik auf den Hintern starrt :-)

Schreibstil


Ich fand den Stil eher beobachtend, was nicht so gut war. Besonders in der Szene, als die Jungs Fußball gucken, nimmt der Stil viel vom Tempo und der Witzigkeit. Insgesamt lässt er sich gut lesen, aber er war nicht optimal.

Fazit


Der Text ist eine positive Geschichte mit wenig Drama und erstaunlich wenig Klischees. Eine Erzählung, deren Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt!

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98 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

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Königreich der Träume - Sequenz 1: Die schlafende Prinzessin

I. Reen Bow
E-Buch Text: 95 Seiten
Erschienen bei null, 25.02.2018
ISBN B079SDSY4J
Genre: Fantasy

Rezension:

Ich fand den Text sehr spannend, weil der Leser bis zum Schluss im Unklaren gelassen wird und weil das Thema Vergnügen-Ausnutzen reizvoll ist. Getragen wird der Text von zwei Figuren: Die Unbekannte ist die Hauptfigur und als Leser folgt man ihrer Sucher nach ihrer Identität. Der junge Bewacher, den sie im Bus trifft, wirkt als moralische Instanz. Er könnte als Beschützer fungieren. Mir stellte sich die Frage, was real ist - doch das Buch spielt gut mit dieser Frage, indem es die Protagonistin erklären lässt, dass sie weiß, dass das kein Traum ist, weil sie den Schmerz spürt. Der Schmerz gibt ihr die Gewissheit, real und sie selbst zu sein.

Der Identitätsverlust, die Unsicherheit, sind nicht so präsent. Und auch die Sprache ist oft beschreibend und etwas trocken. Und der Schluss wirkt zu plötzlich.

Fazit: Der erste Teil liest sich schnell und die Geschichte gefällt mir. An der Sprache holperte es.

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73 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

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Das Ende ist erst der Anfang

Chandler Baker , Gerda Bean , Vivien Heinz
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 17.07.2018
ISBN 9783522202480
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Spoiler am Anfang: Man sollte dieses Buch nicht lesen, wenn man in trauriger Stimmung ist. Bis zum ersten Drittel wird es stets deprimierender und auch wenn kleine Lichtblicke schließlich zu einem versöhnlichen Ende führen, fühlte ich mich zum Schluss nicht erlöst, sondern unbefriedigt.

Außerdem ist das Buch, trotz eines fantastischen Aufhängers, ein Drama - keine Utopie (?).

Worum geht es?


Lake ist 17 und verbringt den Sommer mit ihren besten Freunden Penny und Will. Doch ein Autounfall tötet Will und Penny und Lake steht vor der schweren Entscheidung, für wen sie ihre einmalige Wiederbelebungs-Möglichkeit einsetzt. Bald offenbart sich, dass es noch einen dritten "Kandidaten" gibt - Lakes älterer Bruder Matt, der seit einem Sturz querschnittsgelähmt ist und dem die Eltern das Versprechen abgerungen haben, dass er getötet und von Lake wiederbelebt wird, wenn er aufhört, sich umbringen zu wollen. Weder ihre Eltern noch die Eltern von Penny und Will erleichern die Entscheidung und eine Therapie soll helfen...

Die Wiederbelebung

Mittels eines künstlichen Blutes kann jeder kürzlich Verstorbene wiederbelebt werden und erfreut sich danach bester Gesundheit - allerdings kann jeder Mensch diesen Wunsch nur einmal umsetzen. Suizid mit anschließender Wiederbelebung wird geahndet und führt im schlimmsten Fall zum Aberkennung des Resurrection-Rechtes. Auch der Verkauf des Resurrecation-Rechts ist verboten.

Komisch finde ich, dass niemand protestiert. Und niemand bestraft wird. Und dass niemand auf die idee kommt, das Recht zum umgehen und mehrere Menschen zu beleben. Und dass die Menschen keine Erklärung unterzeichnen, ob sie wiedererweckt werden wollen.

Die aufgezeigten Richtungen sind interessant: Es gibt Menschen, die die Wiedererweckung kultisch verehren. Leute, die sich "anders" fühlen und in einer Kommune leben. Und Leute, die bewusst den Tod ohne Wiedererweckung celebrieren, weil sie Resurrection moralisch fragwürdig finden. Die Beispiele sind meist negativ. Ich finde das gut, weil es ein guter Ausgleich zu Lakes Wunsch ist, ihr Recht für einen der Freunde einzusetzen. Andererseits fehlte mir die philosophische Tiefe an diesen Stellen.

Die Hauptfiguren

Lake und Matt
: Lake hat eine familäre Bindung zu Penny und Will, denn ihre eigene wurde fünf Jahre zuvor zerstört. Nach dem Sturz des Bruders hat dieser sich abgekapselt und die Eltern der beiden auch. Für mich war nicht klar, ob die Eltern das wollten oder Matt. Aber ich fand es sehr traurig, dass keiner etwas tut. Lake versucht, die Beziehung zu Matt aufrecht zu erhalten, doch er blockt ab. Fast ein Jahr war Lake allein. Und als Matt etwas mit ihr unternehmen will, ist sie zu eng mit Penny und Will verbunden. Sehr real fand ich aber die Vorgabe, dass der behinderte Matt geschont werden muss - obwohl jemand nur begrenzte Sonderrechte hat, wenn er behindert ist; jemandem zu helfen oder Rücksicht darauf zu nehmen, das ist selbstverständlich. Aber auch behinderte Menschen können unhöflich und verletzend sein.

Durch Matt wird Lake bewusst, dass Resurrection eine Hürde sein kann, weil sie den Menschen die Pflicht nimmt, sich um sich und ihr Wohlbefinden zu kümmern. Denn wenn sie wiederbelebt werden, sind sie gesund. In Matts Fall schadet eine Resurrection mehr als dass sie nützt.

Im letzten Drittel wird ein wichtiges Detail offenbart, das in mir Fragezeichen aufgeworfen hat: (Spoiler) Lake wurde von Matt wiedererweckt, nachdem sie ertrunken war. Doch er hat sich bei seiner Rettung schwer verletzt. Anstatt sich die Eltern freuen, dass Lake wieder lebt, bevorzugen sie den Bruder. Vielleicht wird die Wiederbelebung als Geschenk angesehen und andere Geschenke sind nebensächlich? Außerdem frage ich mich, warum Matt nicht froh ist, dass er seine Schwester gerettet hat, obwohl er zwei hohe Preise dafür zahlen musste.

Will und Penny:
Die beiden sind seit Kindheitstagen befreundet und Lake benötigt ein Jahr, bis sie von Penny angesprochen wird. Die beiden scheinen perfekt: Will ist ein Surfer-Typ, der sich bemüht, positiv und romantisch zu sein und für Lake eine Geburtstagsschnitzel-Jagd geplant hat. Aber er hat ein trauriges Geheimnis. [Spoiler] Sein Vater hat die Familie verlassen und mit der Sekretärin ein neues Leben inkl. Kind aufgebaut. [/Spoiler] Penny ist ein Hippiemädchen, das Angst hat, von einer Klippe zu springen und den Tod von Tieren beweint, in anderen Dingen aber sehr mutig ist. Penny ist immer freundlich, auch wenn sie innerlich leidet.

Die beiden werden perfekt dargestellt, was durch Lakes Ich-Perspektive noch verstärkt wird. Die drei bilden eine enge Gemeinschaft, aber keiner traut sich, über seine wahren Gefühle zu sprechen. Lake hat sich ein Idealbild erschaffen. Daher sind Penny und Will für mich schwer greifbar - man hört sie selten reden, man kann sich keine eigene Meinung bilden, die beiden wirken schwammig.

Ringo hat ein prägnantes Aussehen und fungiert als unperfektes Gegenstück zu Penny und Will. Ich kann gut verstehen, dass Lake Probleme hat, das Muttermal in seinem Gesicht zu übersehen. Ein wichtiger Hinweis für den Turning Point. Für mich war nicht klar, warum Ringo, den Lake in der Grundschule hänselte, plötzlich Kontakt will. Aber ich finde es gut, dass Lake zu seinen Freunden keine perfekte Bindung aufbaut. Sie sind sich sympatisch, sie helfen sich, aber das war es.

Mir gefallen die Beatles-Referenzen. Auch wenn das Motiv nicht neu ist, stimme ich Ringo zu: Der erste Verse aus "In my life" ist toll :-)

Schreibstil und Gestaltung

Ich bin gut durch das Buch gekommen, hatte aber Probleme mit der Chronologie. Das Buch erzählt ab Matts Unfall und parallel die Tage bis zu Lakes 18. Geburtstag. Da die Tage angegeben sind, bereitete mir das Schwierigkeiten, die Chronologie innerhalb des Vergangenheits-Erzählstranges nachzuvollziehen.

Das Meer spielt eine große Rolle, aber ich fand zum Motiv keinen Bezug.

Das Buch erzählt von vielen Kleinigkeiten - nicht meins, aber ich denke, andere Leser habe damit keine Probleme. Langatmig war's nicht.

Fazit

Emotional hat mich das Buch gepackt, aber ich frage mich, ob die Kombination zweier so starker Themen nicht dafür sorgt, dass beides sich behindert. Denn man erwartet, dass das Thema Wiedererweckung stärker ausgeführt wird. Für mich steht Lake im Vordergrund.

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King of New York

Louise Bay , Anja Mehrmann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei LYX, 29.06.2018
ISBN 9783736306929
Genre: Liebesromane

Rezension:


Stellt euch einen Jungen im Süßigkeitenladen vor. Er hat den anderen vorgeschwindelt, er sei ein fieser Kerl, aber komischerweise sieht man ihn nie bei bösen Taten. Stattdessen lebt der Junge in Nebelschwaden sein Leben. Und steht nun im Süßigkeitenladen. Und greift zu. Immer und immer wieder greift er tief in die Dosen mit den Köstlichkeiten, weil tief nie tief genug und eng nie eng genug ist. Er liebt die Frau, die ihm die Tür zum Süßigkeitenladen geöffnet hat, weil sie ihn nicht nur anhimmelt, sondern auch Probleme hat, unter denen er wenig leidet und die er nicht einmal lösen muss. Und so führt unser Junge ein wahres Wunderleben im Süßigkeitenladen. Und am Ende rettet der die Menschheit.


Worum geht es?


Harper mag Max, hat jedoch ein Problem mit ihrem Vater, der ihr nur Geld, aber keine Liebe gab. Max wiederum hat ein Problem mit seiner Tochter, die bisher bei ihrer Mutter lebte, welche nun mit ihrem Mann in die Schweiz zieht. Max muss daher zwischen seinem Arbeitsort New York und Conneticut pendeln, um sich um das pubertierende Mädchen zu kümmern. Die beiden treffen sich und aufeinander und ineinander.

Charaktere


Harper arbeitet als Analystin, aber leider erklärt die Autorin nicht, warum. Das Verhältnis zu ihrem Vater ist schlecht - er hat ihr Geld angeboten, das sie nicht wollte. Gleichzeitig wartet sie darauf, dass er ihr einen Job in seinem Unternehmen anbietet. Harper vermutet, dass es daran liegt, dass sie eine Frau ist. Harper nimmt viele Dinge sehr ernst und wenn ich Max wäre, hätte ich ständig Angst, etwas Falsches zu sagen. Sie ist fleißig und betrinkt sich gern aus Liebeskummer. Harper ist eine typische, oberflächliche Protagonistin in Liebesromanen.

Max ist ein Boss, den man haben will - er wird als fies beschrieben, ist es aber wenig. Meist beobachtet man ihn dabei, wie er versucht, gute Taten zu vollbringen und es Harper recht zu machen. Max hat etwas Eigenes, weil er seine Meinung vertritt. Aber er wirkt zu soft, um ein Bad Boy zu sein. Und er mag es, wenn Harper ihm beim Akt beim Namen nennt.

Themen


Verhältnis zur Tochter:
Im Klappentext wurde gepriesen, dass Max und Tochter Amanda im Mittelpunkt stehen und ich hatte erwartet, dass das enge Verhältnis beider deutlich wird. Dem war nicht so. Es gibt nur wenige Szenen mit beiden und bis zum Schluss bleibt das Verhältnis etwas distanziert. Ich kann das aus der Handlung gut ableiten, weil bisher die Mutter die Bezugsperson war. Trotzdem hätte es mich interessiert, weil die beiden ihre Beziehung aufbauen und Amanda mit der neuen Frau klarkommt. Ich hatte das Gefühl, dass Amanda Max nicht braucht, weil sie in Conneticut Max' Schwestern und ihre Großeltern hat. Die Thematik des Erwachsenwerdens fand ich jedoch witzig umgesetzt - Max möchte nicht, dass Amanda zu freizügung zum Schulball geht.

Verhältnis zum Vater: Dramaturgisch gut aufgebaut ist, dass Max/Amanda als positives Gegenstück zu Harpers Familie fungieren. Leider löst sich der Konflikt am Ende sehr schnell. [Spoiler] Harpers Vater handelt nicht aus Sexismus, sondern aus Schuldgefühlen. Seine Tochter hat ihn zurückgewiesen, hat den Kontakt abgebrochen, und er akzeptierte das. Ich fand das sehr interessant. Leider vertragen sich die beiden nach einem Gespräch relativ schnell. Wenn man über lange Zeit verletzt wurde, bleibt das negative Gefühl, auch wenn sich der andere entschuldigt hat ... [/Spoiler]

Erotik: Die Autoren-Biografie notiert, die Autorin schreibe "sexy und romantisch" - leider hat sie Quantität und Qualität verwechselt. Nachdem die Liebenden ineinander gefunden haben, schlafen sie häufig miteinander. Max liebt es, in Harper zu "stoßen", was ich nach einiger Zeit ab-stoßend fand. Selbst im Epilog ist die Erotik wichtiger als die Handlung. [Spoiler] Immerhin hat es einen "Sinn" - die beiden werden nach erfolgreicher Paarung zweimal in kurzer Zeit Eltern [/Spoiler] Unschön fand ich auch, dass die Szenen oft aus Max Perspektive gezeichnet sind und Harper wenig fühlt, bis auf die Genugtuung, dass sie mit Max schläft. In einige Szenen ergreift sie die Initiative, was ich nett fand. Aber mir war die Erotik zuviel. Allerdings notiert der Roman auch, dass sich beide noch in der Verliebtheits-Phase befinden. Dennoch: Sie reden nur wenig und worauf die Beziehung gründet, ist nicht klar.


Schreibstil und Spannung


Der Roman lässt sich gut lesen und ich habe keine Stolpersteine gefunden.

Fazit


"King of New York" ist ein klischeehafter Liebesroman, der weniger hält, als der Klappentext verspricht. Ich finde es schade, dass das interessante Grundthema untergeht und nur wenig anderes bleibt als Akte.

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352 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 151 Rezensionen

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Cat & Cole: Die letzte Generation

Emily Suvada , Vanessa Lamatsch , punchdesign Johannes Wiebel
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 19.06.2018
ISBN 9783522505598
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nach "Coherent" ist dieses das zweite Mädchen-gegen-die-Welt-Dystopie-Buch, das ich gelesen habe. Es war WOW! Ich weiß nicht, wie die Autorin das geschafft hat, aber das Buch ist durchgängig spannend. Und obwohl einige Klischees das Buch ein Stück vorhersehrbar machen und es für mich keine krassen Überraschungen gab, war es ein Pageturner, wie ich ihn lange nicht gelesen habe.

Worum geht es?


In einem unbekannten Zeitalter haben es die Menschen geschafft, sich mit der Technik zu vernetzen und ihre Zellen so zu umhüllen, dass sie sich optisch verändern und Krankheiten heilen können. Trotzdem bedroht das Virus "Hydra" die Menschheit. Denn Hydra tötet nicht nur. Es bringt die Menschen dazu, zu töten. Und es verbreitet sich schnell, da Infizierte explodieren.

Inmitten dieser Welt lebt Hackerin Cat abgeschieden im Wald. Ihr Vater, ein genialer Wissenschaftler, wurde von einem Konzern entführt, um einen Impfstoff zu entwickeln. Und als Cole vor ihrer Tür steht und ihre eine Botschaft ihres Vater überbringt, nimmt der Konflikt seinen Lauf ...

Charaktere


Cat ist 18 (?) und hat ein gutes Gefühl für's Programmieren, sie kann Programme lesen und schreiben. Ich fand sie sympatisch, weil sie von Anfang an nicht perfekt ist. Sie hat gelernt, zu überleben, aber sie kann z.B. nicht gut mit Waffen umgehen. Manchmal ist sie trotzig und manchmal naiv, aber ich konnte das nachvollziehen. Sie glaubt, sehr lange, an das Gute. Und sie vertraut ihrem Vater blind. [Spoiler]Das war keine gute Idee ... [/Spoiler] Cat ist keine Heldin, die darauf wartet, dass ein Mann sie rettet. Ich glaube, sie ist nach der Entführung ihres Vaters in Resignation verfallen.

Cole ist wahrscheinlich ebenfalls 18, sieht aber älter aus. Er ist muskulös und hat einige Spezialfähigkeiten z.B. kann er schnell regenieren. Trotzdem ist er keine Kampfmaschine, die unverwundbar ist. Cole ist mit Technik ausgestattet, über die er nur bedingt die Kontrolle hat. Er ist darauf "programmiert" Cat zu beschützen. Ich hatte erwartet, dass er als Held besonders einfühlsam ist, das passende Gegenstück zu Cat. Aber er ist naiv und ihrer kraftvollen, mutigen (Schlüsselwort!) Art manchmal ausgeliefert. Amüsant fand ich die Szenen, in denen Cat Gutes will, es aber besser gewesen wäre, wenn sie auf Cole gehört hätte :-)

Dax, Lee, usw. sind Figuren aus unterschiedlichen Bereichen, aber ihnen ist gemein, dass sie Cat überwiegend positiv sehen. Eine wirkliche Überraschung gab es nur bei einer Figur. Ich fand das ein bisschen langweilig. Andererseits sorgt es dafür, dass man sich auf die Handlung gut konzentrieren kann.

Schwerpunkte


Cartaxus vs. Sky: Cartaxus ist der Konzern, der die Codes kontrolliert und den Menschen Schutz in Bunkern bietet. Als Gegenleistung müssen sie jedoch alle illegalen Apps (im Buch: Teks) löschen. Das bedeutet, dass selbst entwickelte Teks, die Krankheiten stoppen, nicht benutzt werden können. Sky ist eine Organisation, die die Codes (angeblich) frei zugänglich machen will. Beispielsweise hackt sich Cat in das System von Cartaxus, um Programme zu stehlen und frei nutzenbar zu machen. Beide Parteien treffen sich im Problem, das die Codes ursprünglich fehlerhaft waren, nicht funktionierten oder sogar Nebenwirkungen hatten z.B. Mutationen. Allerdings arbeitet auch Cartaxus nicht so sauber, wie sie vorgeben ...

Ich fand den Konflikt toll, weil er sich gut auf die Realität beziehen lässt: Konzerne stellen Produkte/Dienstleistungen/Informationen vermeintlich sicher und gut erreichbar zur Verfügung, gleichzeitig verstärken sie dadurch die Filterblase. Um Urheber- und Nutzungsrechte wird gestritten. Obwohl die Plattformen ursprünglich gegründet wurden, um möglichst viele Informationen zur Verfügung zu stellen ...

Außerdem ist interessant, dass die Menschen sich beliebig verändern können, aber auch Krankheiten nur mittels Codes bekämpft werden können. Die Menschen machen sich damit angereifbar. Wird das Panel (die Festplatte) entfernt, gehen die Veränderungen verloren.

Hydra: Ähnlich wie die Sagengestalt hat die Seuche mehrere Fascetten - sie lässt Menschen grausam sterben und verbreitet sich explosionsartig. Andererseits lässt sie den Menschen den Ausweg, ihre Menschlichkeit zu verlieren, indem sie Sterbende essen ("der Grimm") Menschen werden von den Erkrankten angezogen und können sich wenig wehren. Sie täuscht eine geringe Chance vor. "Hydra" lässt sich nicht mit Gen-Tech heilen. Cat vermutet, dass es ein neuroglogisches Problem ist, später wird sie eines Besseren belehrt. Wer die Bedeutung des "Grimms" kennt, ahnt, worum es geht. [Spoiler] "der Grimm" verkörpert die Wut, die einen Instinkt darstellt. Der Bereich, indem die "Wut" codiert ist, wurde trotz intensiver und menschenverachtender Forschungen nicht gefunden und kann daher nicht mittels Gentech augeschaltet werden. Ich denke, die Autorin stellt der technisch geprägten Welt etwas gegenüber, das man nicht begreifen kann und verweist auf die Gretchenfrage, warum die Menschen trotz aller gedanklichen Fortschritte gegeneinander kämpfen. Ein bekanntes Motiv, aber ich fand's gut [/Spoiler]


Erzählerische Gestaltung


Die Grundkonstellation ist fesselnd und ich folgte den Figuren gern, weil sie keine Helden sein wollen. Hydra steht als ständige Gefahr über allem. Die Frage, was mit Cats Vater passierte und ob die beiden den Impfstoff entwickeln können, treibt die Handlung voran. Außerdem wandelt sich der Schwerpunkt später und es gibt einen interessanten Wendepunkt.

Eine Stärke des Buches ist, dass es wenig Füllmaterial gibt. Es gibt viele technische Erklärungen, aber wenige unnötige Beschreibungen.

Andererseits erfährt man nur wenig über die Welt selbst. Hydra beherrscht das Geschehen und man spürt, wie abhängig die Menschen von Cartxus sind, aber ... mir fehlte ein bisschen die dystopische Stimmung, ein Gespür für die Welt. Vielleicht war dafür einfach kein Platz?

Ist die Technik zuviel?
Viele Rezensenten kritisieren, dass der Text zu technisch ist. Auch ich hatte das Problem, dass alles logisch erklärt wird, aber ich es mir nicht einprägen konnte. Einige wenige Dinge habe ich gar nicht verstanden, aber das war nicht so relevant für die Geschichte.

Das Problem sind die Fachwörter innerhalb des Buches. Viele Begriffe kann man durch Worte aus der Jetzt-Zeit ersetzen und den Bedeutungsunterschied mit einer Erklärung kompensieren z.B. Panel-Festplatte, Gentech-GenApps ... Es gehört zu Fantasy-Büchern, dass sie eigene Begriffe haben, aber hier war es zuviel, im Zusammenspiel mit der komplexen Handlung.

Als auf S. 5 beschrieben wird
, wie Hydra wirkt, hatte ich Bedenken, dass der Roman eine eklige Abfolge blutiger Szenen wird. So war es nicht. Es gibt manche Kampfszene und manches stelle ich mir nicht gern vor. Ich fand's aber in Ordnung.


Titel und Cover, deutsch und englisch


Das deutsche Cover gefällt mir, weil die Hydra-Wolke konzentrierter gestaltet ist und der Farbe, die im Buch beschrieben wird, näher kommt. Außerdem mag ich die Schrift. Übersetzungen des Original-Titels "This Mortal Coil" verweisen u. a. auf Shakesperes Hamlet (noch ein Interpretations-Ansatz!) oder, was ich treffend finde, "Die sterbliche Hülle" Während der Verlag den Schwerpunkt auf die Gemeinschaft und die (kleine) Liebesgeschichte lenkt, deutet der englische Titel bereits auf den Konflikt Mensch-Technik hin.

Fazit


"Cat und Cole" ist ein Buch, für dessen Fortsetzung ich mein letztes Hemd auf einer illegalen Tauschbörse geben würde, nur, um die unlektorierte Fassung lesen zu können. Der Roman ist fesselnd geschrieben, hat gute Bezüge zur Realität und sympatische Progatonisten. Ich hatte großen Spaß damit und war froh, nach langer Zeit ein Buch zu lesen, das dramaturgisch "fetzt".

Aber: Neues gibt es wenig. Der Roman schildert bekannte Konflikte, bekannte Motive und wirklich überraschen tut auch das Ende nicht. Trotzdem macht der Text das ziemlich, ziemlich gut.



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115 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

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Clean

Juno Dawson , Christel Kröning
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.06.2018
ISBN 9783551583826
Genre: Jugendbuch

Rezension:


"Clean" ist ein positives Buch, dass sich dem Thema Drogen einfach und eindrücklich nähert. Ich weiß nicht, ob es das "beste" Drogen-Buch ist, und manche Logik-Lücke hat es. Aber es wird getragen von einem sympatischen Hauptcharakter und einer zuversichtlichen Stimmung.

Worum geht es?


Lexie ist Drogen nicht abgeneigt, aber nach einem tragischen Ereignis verschlimmert sich ihre Sucht. Ihr Bruder bringt sie in eine Entzungsklinik auf einer einsamen Insel. Zuerst läuft alles gut, doch als Lexie nach 12 Wochen entlassen wird, tritt sie ihre wichtigste Prüfung an: das Leben.

Charaktere


Lexie ist die Tochter eines reichen Hoteliers, wird aber von ihren Eltern vernachlässigt. Ihr Vater versucht, sie mit Geld und Geschenken zu kaufen, ist jedoch nie da. Die Mutter möchte aus der Scheidung vom Vater viel herausholen und benutzt Lexie als Spoinin, um dem untreuen Ehemann nochmehr Untreue nachzuweisen. Sie darf nicht Kind sein, sie muss eine Erwachsene spielen. Lexie wirkt auf mich bodenständig, weil sie sich für's Schreiben begeistert und sehr reflektiert wirkt. Vielleicht liegt das daran, dass das Buch ihre Geschichte rückblickend nach der Therapie erzählt? Lexie legt Wert auf Markennamen und gute Kleidung, aber sie wirkte auf mich nicht arrogant.

Brady ist Lexies Schwarm und hat eine Sucht, die man nicht sofort erkennt. Er wirkt bescheiden und sehr schuldbewusst. Er ergänzt Lexie gut, weil er mit ihr das Bedürfnis nach Normalität teilt.

Kendall ist transsexuell und hat eine Esstörung. Ich fand es gut, dass ihr Charakter im Vordergrund steht, nicht die Tatsache, dass sie mal ein Mann war. Kendall braucht viel Zuneigung, muss bestärkt werden, aber sie hat etwas Eigenes.

Sascha ist zum wiederholten Mal in der Klinik und bis zum Schluss bleibt unklar, was sie quält. Sie lügt, man weiß nie, was der Wahrheit entspricht. Sie hat eine Abneigung gegen reiche Leute, aber vielleicht provoziert sie nur gern? Saschas Figur wirkte anfangs hoffnungslos, aber sie entwickelt sich. Ich denke, Sascha zeigt Lexie den Punkt, an den sie nie kommen möchte.

Die Anzahl der Charaktere ist überschaubar, trotzdem lernt man manche Charaktere besser kennen als andere. Ich finde das ein bisschen schade, weil gern mehr von ALLEN gelesen hätte.

Die Klinik


Die Klinik liegt auf einer einsamen Insel und bis auf Pferde und Landschaft gibt es wenig. Das Konzept fußt auf Einsamkeit und Erholung. Ich kann nicht beurteilen, wie realistisch die Bedinungen für einen Entzug sind, aber ich mochte, dass Lexie den Luxus bekommt, den sie gewohnt ist.

Irritiert hat mich, dass es nachts nur auf Knopfdruck Hilfe gibt, keinen Ansprechpartner, falls man nicht schlafen kann oder reden möchte.

Die Therapie besteht aus Gruppen- und Einzelgesprächen, was mir einleuchtet.

Leider werden die Jugendlichen nicht auf die Welt "da draußen" vorbereitet. Sie trainieren keine Abwehrstrategien, falls ihnen Drogen angeboten werden oder wie sie mit dem Verlangen danach umgehen.

Größter Kritikpunkt: Es gibt keine ausreichende Drogenkontrolle. Dramaturgisch sinnvoll, aber nicht realistisch.

Man kann argumentieren, dass Leiter Dr. Goldstein das Konzept selbst entwickelt hat, aber ... ich fand's nicht logisch.


Wie werden Drogen gezeigt?


Wer erwartet, dass Drogen in all ihrer Schrecklichkeit, Hässlichkeit dargestellt werden, irrt. Aber es zeigt gut, dass man (manchmal) selbst erkennen kann, wann es zuviel ist. Lexis Entzug ist hart und als Leser liest man von den Schmerzen, dem Körper, dem fehlenden Appetit. Das war gut. Beeindruckender fand ich jedoch, dass sie später erkennt, wann es genug ist. Und dabei nicht als moralische Instanz auftritt, sondern als das Mädchen, das sie ist.

Klar wurde auch: Drogen sind gesellschaftlich ein Stück akzeptiert. Selbst das Mädchen, das Lexie wie eine Göttin verehrt, nimmt selbstverständlich Drogen.

Dramaturgie


Das Buch beginnt mit einer Szene, in der  Lexi verkatert aufwacht, während ihr Bruder sie zur Klinik fährt. Eine einprägsame Szene. Im Verlauf der Geschichte freundet sie sich mit den anderen Insassen an, wird reifer, enthüllt jedoch noch nicht, was damals passierte. Dazwischen gibt es mehrere Ereignisse, die die Geschichte am Laufen halten, weil sie berühren oder schockieren. Nach dem Scheitern Lexis in ihrem alten Leben nimmt sie den zweiten Klinik-Aufenthalt bewusster wahr und stellt sich ihrem Problemen. Auf den letzten Seiten gibt es och einmal eine Liebesgeschichte.

Ich finde das Buch gut gestaltet und mitreißend.

Sprache


Das Buch lässt sich leicht lesen, ist aber nicht zu jugendlich geschrieben. Bis auf "basic", das Lexi als Synonym für "gewöhnlich" nutzt, gibt es wenige spezifische Wörter. Mir gefällt das sehr.

Fazit


Ob "Clean" das beste Drogen-Buch ist, das jemals geschrieben wurde, weiß ich nicht. Aber es wird getragen von einer bodenständigen Hauptfigur, interessanten Charakteren und einer stimmigen Dramaturgie. Gut für Zugfahrten :-)

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das Casting

Verena Rank
E-Buch Text: 14 Seiten
Erschienen bei null, 09.08.2012
ISBN B008VU6GWC
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der Text schildert ein Casting, bei dem sich die Protagonisten treffen, einer dem anderen einen Job vermittelt und man nach erfolgreichem Flirt das Sofa bespielt.

Den Klappentext fand ich interessant, aber die Figuren haben wenige Charakterzüge, was ich von Kurzgeschichten besser kenne. Der Ansatz ist interessant, aber die Geschichte schreitet sehr schnell voran. Selbst der Casting-Direktor mit franz. Akzent, aber deutscher Grammatik war nicht so schlimm wie die Tatsache, dass dieser Text nichts Besonders hat. Immerhin ist die erotische Szene sehr ausführlich und nett und spielt mit Dominanz.

Außerdem sind keine Tippfehler enthalten und das Cover passt nicht zur Geschichte. Und der Stil ist gut lesbar.

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58 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

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Die Nacht der fallenden Sterne

Jennifer Alice Jager
E-Buch Text
Erschienen bei Impress, 07.06.2018
ISBN 9783646604146
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Dass Bücher langsam anlaufen und sich auf den letzten Seiten steigern, passiert derzeit häufig. Bei diesem Buch war die Überraschung RIESIG. In der ersten Hälfte nervte mich das Buch mit einer über-präsenten Ich-Erzählerin, aber im zweiten Teil wurde das Tempo angezogen, alles fügte sich zusammen und es war sehr spannend. Dennoch sind die Action-Szenen neben der Sprache die Schwäche des Buches.

Inhalt


Luna ist Tochter eines reichen Magnaten in einer Welt, in der zwölf Familien die Macht haben und das restliche Volk als "die Thrall" bezeichnet werden. Macauly, Oberhaupt einer der Familien, versucht die Macht in einem Putsch an sich zu reißen, doch Luna entkommt. Aber: Wem kann sie vertrauen? Und was wird aus ihrem Volk? Gleichzeitig taucht ein mysteriöse Mann auf, der Angst und Dunkelheit zeichnet und Lunas Seelensplitter haben möchte. Der Kampf an zwei Fronten treibt die Figur durch die Geschichte und den Leser durch die Seiten.

Charaktere


Luna ist ca. 16 (?) und wirkt anfangs träumerisch und naiv. Für mich zu schnell wächst sie in die Rolle der Regentin und muss sich mit der Frage auseinandersetzen, ob sie im Kampf um den Thron nicht ähnliche Mittel wie Macauly einsetzt. Das fand ich sehr interessant!

Macauly ist Lunas Gegenspieler und ein geradliniger Antagonist. Er würgt Leute gern und ist intrigant.

Hayes ist die männliche Hauptfigur, aber für mich schwer greifbar. Trotz Love-Interest-Status war er nicht zu "weich", aber er zeigt wenig Präsenz. Hayes zeichnet sich durch seine innere Wand aus - er erträgt Macaulys Spielchen, will ihm keinen Sieg gönnen. Aber besonders beim Showdonw bleibt er blass.

Raven ist ein Antagonist (?), der seine eigenen Ziele verfolgt. Ich hatte Mitleid mit ihm, weil er Gutes will und Schlechtes auslöst. Er passt gut ins Kollektiv und ich fand ihn greifbar.

Das Kollektiv
wird ergänzt zum einige Nebenfiguren wie Diener und Freude. Ich habe nie den Überblick verloren, aber eine Beziehung habe ich zu keinem von ihnen aufbauen können. Gut gefallen hat mir, dass viele Figuren mehrmals erwähnt wurden und ich das Gefühl hatte, dass sie wichtig sind.


Das Märchen-Motiv


Das Buch ist ein Märchen und das spürte ich oft. Die Geschichte spielt an einem Hof, die Einteilung in Gut & Böse ist klar und die Atmosphäre ist mayestätisch. Ich habe mich wohlgefühlt.

Besonders gefallen hat mir, dass das Thema "Macht" und "Liebe" interessant aufgearbeitet wird und ich mitfühlen konnte. Für mich war das ein Highlight.

Allerdings sprechen die Figuren manchmal umgangssprachlich, sodass ich nicht wusste, ob die Umgebung modern oder alt ist.

Schreibstil


Von der Sprache hatte ich mehr erwartet. Sie ist sehr erzählend und an einigen Stellen war mir die Hauptfigur zu viel. Zuviel erzählt, zuviel erlebt. Ich fand's nicht rund und nicht mitreißend.

Auffällig ist, dass STÄNDIG jemand am Handgelenk gepackt wird. Und Macauly hat eine Vorliebe dafür, Menschen zu würgen.

Die Actionszenen waren ausführlich geschildert, aber das Tempo fehlte. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Fazit


Ich hatte viel von der Reihe gehört, aber das Buch zündete nicht. Die interessante Grundidee kommt erst im zweiten Teil zum Tragen und die Figuren sind leider sehr klischeehaft. Die Hauptfigur war blass gestaltet und als Erzählerin zu präsent. Und die Sprache war nicht so gut fließend, sie kam nicht so gut auf den Punkt.

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14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

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Liebessprung

Christiane Bößel
Flexibler Einband: 298 Seiten
Erschienen bei Feelings , 30.05.2018
ISBN 9783426216606
Genre: Romane

Rezension:

Ich haben manchen Klassiker der SF-Literatur gelesen. Aber noch nie eine New-Adult-Geschichte. Ein erstes Mal, das ich ungern wiederholen würde. Eigentlich geht es um Dimensionen und Utopien. Un-Eigentlich geht es um schöne Körper, die große Liebe & ewige Verbundenheit nach wochenlangem Koma, einigen Akten und ein paar Sätzen. Und um schöne Körper. Ernsthaft: Auf den letzten 50 Seiten fand ich das Buch interessant und tiefgründig, davor leider unglaubwürdig und klischeehaft.

"Liebessprung" ist eine Neuauflage des selbstveröffentlichten Debuts aus dem Jahre 2015. Damals hieß der männliche Herzensbrecher Helmut statt Dan. Das fand ich witzig und besser.

Worum geht es?


Protagonistin Elisabeth ist ca. 30 (?) und Krankenschwester. Unsterblich ist sie OP-Pfleger Dan verliebt, welcher nicht nur tätowiert ist, sondern auch alle Herzen des Krankenhauses bricht. Nach 70 Seiten hat die Hauptfigur das ebenfalls verstanden. Als ihre Mitbewohnerin Paula einen festen Freund bekommt, ist sie einsam. Gut, dass Dans Doppelgänger Vincent auftaucht, dessen Körper unsere Protagonistin begehrt. Und sich verliebt. Auch Wächter Vincent geht es so. Aber wie funktioniert Liebe, wenn man in zwei Dimensionen lebt?

Die Charaktere


Liz ist Krankenschwester und hat große Brüste. Zu ersterem gibt es viele Details, was ich sehr gut und einzigartig finde. Manche Begriffe habe ich leider nicht verstanden, aber ich fand die Idee gut. Ansonsten ist Liz taff und im letzten Drittel ironisch, aber ist blind gegenüber Dan. Auch die Tatsache, dass sie sich tief und über-irdisch in Vincent verliebt, obwohl man nur weinge Gespräche zwischen beiden liest, fand ich komisch. Und sie liest Fantasy-Literatur, kann aber mit Vincents Erzählungen nichts anfangen z.B. mit  Majahona, der Quelle. Obwohl das ein bekanntes Element in Fantasy-Büchern ist. Auf mich wirkt Liz unstimmig.

Vincent ist ein Wächter. Ich fand ihn anfangs interessant, weil ich den Kontrast der Positionen spannend fand. Leider wird aus dem pflichtbewussten Vincent nach der Begegnung mit Liz ein Schoßhündchen, das der Story dienlich ist. Er will unbedingt zu Liz zurück. Gut fand ich, dass seine Dominanz an einigen Stellen spürbar ist z.B. indem er erwartet, dass Liz kocht oder davon träumt, dass sie seine Kinder austrägt. Der Humor hat mir gefallen. Das größte Manko für mich war: Er hat keinen eigenen Sprachstil. Auf S. 143 wundert sich Liz, dass er "gestelzt" spricht - Vincent spricht völlig normal. Das nimmt der Figur vieles.

Die Welt


Kern von Vincents Dimension ist Majahona, die Quelle, Göttin (?), die Energie spendet. Majahona urteilt nicht und unterstützt das Glück der Bewohner. Im Gegensatz dazu steht das System, das, "Brave new world" ähnlich, in Kasten unterteilt und stark strukturiert ist. Gut gefällt mir, dass Künstler und Krankenschwestern angesehen sind und dass die Hautfarbe keine Rolle spielt. Vor einiger Zeit gab es Dimensionssprünge und Mischehen, aber das wurde eingeschränkt. Ich finde das System interessant, weil ich nicht weiß, warum Menschen aus dieser (perfekten) Dimension flüchten wollen. Das trieb mich beim Lesen voran.

Irritiert hat mich ein Satz auf S. 181, auf der Vincent sagt: "Alle veränderlichen Dinge können verschieden sein: Beruf, Frisur, Kleidungsstil, Familienstruktur, sexuelle Vorlieben, Hobbys, Wohnort, Peergroups und das alles." - Ich glaube, auf seine sexuellen Vorlieben hat man nur wenig Einfluss. Vielleicht glaubt Vincent, dass es so ist und es ist Teil der Figur?

Schreibstil und Spannung


Die ersten Seiten fand ich gut, weil Liz frech und mutig wirkt. Aber da es sehr lange dauert, bis Dan abserviert ist, schwand die Spannung. Danach schwankt die Geschichte zwischen Sex und tiefer Liebe, beides für mich emotional nicht hergeleitet genug - die Szenen ware nicht explizit (oder kreativ), aber warum es soviele sein mussten, wusste ich nicht. Auch die Bindung beider Figuren war nicht spürbar. Später liest man mehr von Vincent und seiner Welt. An diesem Stellen wird der Roman philosophisch, was mir gut gefallen hat und die Autorin baut Spannung auf. Der Wendungpunkt ist so einfach, dass er eine Finte ist, vermute ich :-)

Ein Problem, das mir in vielen Romanen begegnet: Warum nennt man die Perspektive, wenn mehrere Kapitel nacheinander aus einer Sicht erzählt sind?

Der Text war fließend zu lesen, aber kein Pageturner. Durch den Inhalt war er ziemlich schleppend. Ich hätte gern mehr vom knackigen Humor gehabt.

Fazit


Ich fand es schade, dass das Buch so klischeehaft und flach geworden ist. Die Grundgeschichte der enttäuschten Krankenschwester fand ich toll, aber die Elemente der Geschichte, besonders die Fantasy-Stücke, waren nicht gut verknüpft. Auch wenn das Buch sprachlich gut ist, fehlt Das Eigene.

Ich habe überlegt, ob ich die Serie wegen Vincents Dimension weiterlese. Aber es reichte nicht.

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Verliebtsein macht kurzsichtig 1

Jasmin Whiscy
E-Buch Text: 162 Seiten
Erschienen bei BookRix, 01.03.2018
ISBN 9783743853737
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ich habe manche Jugendbücher gelesen, dieses war das mit dem kindlichsten Schreibstil. Es gibt viele Stolpersteine und eine Sprache, die dem Leser das Denken abnimmt. Obwohl das Buch nur wenige Tippfehler hat und gut lektoriert ist. Schade.

Übrigens handelt es sich um die zweite Version des Buches.

Inhalt


Charlotte wird von (fast) allen Teenager-Probleme getroffen, die man haben kann: Ihre Mutter arbeitet viel, fordert aber gute Noten, der Vater hat die Famiie verlassen und will sie nicht, in der Schule fühlte sich sich wegen ihrer kupferroten (welligen?) Haare ausgeschlossen, und sie macht sich dumm, weil sie als Streberin verspottet wurde. Außerdem ist sie in Tassilo, den Schulschwarm, verliebt. Und sie mag Klaus nicht. Klaus trägt eine Brille. Das wird schwierig, weil sie selbst eine Brille bekommen soll ...

Die Idee gefällt mir gut, weil das Thema "Hänseleien" niemals an Aktualität verliert. Leider bedient sich die Autorin sämtlichen Klischees und die Handlung ist vorhersehbar. Charmant, aber nicht neu.

Die Figuren


Charlotte ist 16 und hat wenig Selbstbewusstsein. Ihre Mutter arbeitet oft, stellt ihr aber Kuchen in den Kühlschrank. Außerdem geht sie z.B. nicht mit ihr zum Augenarzt. Anfangs dachte ich, dass das Verhältnis gut ist, im Lauf des Buches wirkte es negativer. Die Thematik der "Working Mum" gefiel mir gut und ich hoffe, dass das ausgebaut wird. Gut gefallen hat mir auch, dass Charlotte Klaus hänselt und "Täterin" ist. Sie lernt dadurch die andere Seite kennen. Den Kupferdutt fand ich kreativ und die Angst, wegen seines Aussehens gehänselt zu werden, kann ich nachvollziehen. Irritiert hat mich, dass es wirkt, als würde sich Charlotte ständig dumm stellen, sogar ihre Mutter fordert, sie solle bessere Noten schreiben. Auf S. 41 (von 87) steht jedoch: "Nur auf dem Papier, da spiegelte sich wieder, was sie die meiste Zeit ihres Lebens getan hatte." Das wirkt auf mich, als würde sie sich im Unterricht nicht melden, aber gute Noten in schriftlichen Tests schreiben. Auch mit ihrer Sehstärke hatte ich Probleme, weil sie Kuchen mit Butter verwechselt, Schultaschen vertauscht und ihre Freundinnen nicht erkennt, aber "nur" 3,5 Dioptrin hat. Charlotte erinnerte mich stark an Bunny Tsukino/Sailor Moon.

Klaus ist der Gegenpol zu Charlotte. Er muss sich anstrengen, um guten Noten zu schreiben, erfüllt aber nie die Erwartungen seines Vaters, eines Augenarztes. Im Gegensatz dazu ist seine Mutter mädchenhaft und sieht in Charlotte scheinbar eine Tochter. Ich finde Klaus empathisch und nett, denn er sagt seine Meinung sehr offen. Er ist der Nerd mit Herz. Und er trägt eine Brille.

Anne ist Klaus (platonische?) Freundin und die Schulschönheit. Und sie hat Tassilo einen Korb gegeben. Charlotte bewundert Anna und findet Zugang zu ihrer Clique, als sie Annas Freundin in Mathe hilft. Anna wirkt nett und mag Charlotte, aber an einer Stelle wird angedeutet, dass sie eifersüchtig ist. Ein guter Konflikt für den nächsten Teil!

Tassilo ist der Schulschwarm und Charlotte redet viel über ihn, er tritt aber selten in Erscheinung. Er ist der imaginäre Held.

Alle Figuren wirken klischeehaft, haben aber Ansätze für Einzigartiges und Entwicklung. Schwierig fand ich, dass sie STÄNDIG durch ihre Optik charakterisiert werden. Charlotte durch den Kupferdutt, Klaus durch Locken und Brille, Milou durch ihren schwarzen Bob. Bei Charlotte fand ich das charmant und witzig, weil kupfer-rote Haare schön sein können. Bei Klaus Freund Theo, den (Quoten)Asiaten mit der Topffrisur, fand ich das nervig, weil der Topfschnitt negativ klingt und weil die Figur durch ihre Herkunft beschrieben wird. Irgendwann nimmt man, in der Realität, gar nicht mehr wahr, welche Hautfarbe jemand hat - die Figuren im Buch tun das. Ich fand nicht, dass sie wie 16 klingen.

Grundthema


Das Thema "Hänseleien" bietet viel Potential, aber die Autorin beschränkt sich auf Bekanntes. Die Botschaft, dass es besser ist, man selbst zu sein, finde ich gut. Aber Charlotte hat den Vorteil, dass sie intelligent ist und anderen hilft. Dadurch findet sie Unterstützung. Es gibt jedoch Menschen, die andere Stärken haben und mit denen man (leider) nicht gut Anschluss findet. Aber es gefällt mir, dass sich der Text nicht nur auf die Opferrolle beschränkt, sondern hinterfragt.


Perspektive und Schreibstil


Ich denke, die Sichtweise ist personal,
wechselt aber oft. Durch ein (schickes!) Brillensymbol versucht die Autorin, die Sichtweisen und Abschnitte abzugrenzen, aber sobald eine Figur spricht, wird auch aus ihrer Perspektive erzählt. Ich fand das verwirrend, wenn z.B. Klaus Mutter kurz auftaucht und die Perspektive für wenige Sätze wechselt. Am Ende kommen zunehmend Kursivformatierungen dazu, sodass nicht klar wird, was die Figuren anderen erzählen und was sie nur denken.

Der Stil
ist einfach gehalten und enthält viele inhaltliche Dopplungen z.B. S. 64 "Die beiden wollten sich fast schon an die Gurgel gehen, da ging Klaus dazwischen und mischte sich ein:" oder "»Pah! Lockenköpfe sind eh nicht mein Typ, also mach dir da keine Sorgen!«, stellte sie daraufhin trotzig klar." (S. 42) Auch Füllwörter wie "direkt" und "nur" kommen häufig vor, ich empfand das aber nicht als stark störend.

Durch die beiden Aspekte fällt es schwer, sich auf die Figuren einzulassen, weil man nicht denken muss. Denn alles wird mehrmals erzählt.

Gut gefallen hat mir, dass die Figuren manchmal sprachliche Eigenheiten und Ansichten haben, durch die sie spürbar werden. Hätte man das stärker betont, wären die Perspektiven deutlicher gewesen.

Ich hab ein paar Tippfehler gefunden und kleine Ausdrucksfehler, insgesamt ist der Text jedoch gut korrigiert.

Fazit


"Verliebtsein macht kurzsichtig" hat Charme und gute Ansätze, hat aber wenig Eigenes. Die Sprache war anstrenged.

Aber das Cover ist gut :) Tolles Design!

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Versuchung zu viert (Erotik) (Secret Desires)

Lia Bergman
E-Buch Text: 138 Seiten
Erschienen bei Secret Desires, 09.05.2018
ISBN 9783960874294
Genre: Sonstiges

Rezension:

Worum geht es?


Kim hat einen One-Night-Stand namens Cristos, der sich später als Freund ihrer Freundin Alina entpuppt. Gemeinsam mit ihrem Freund Clemens muss das gemeinsame Wochenende überstanden werden, ohne, dass der Freund davon erfährt oder man ein zweites Mal übereinander herfällt. Doch die Dinge entwickeln sich anders als geplant.

Meine Meinung


Es erinnert mich
an den Aufsatz eines Strebers in der Schule: Es sind viele Gedanken drin, die ich aus ein paar Artikeln und erotischen Texten mit ähnlicher Konstellation herauslese. Die Details zur Beziehung und der Veränderung waren wirklich, wirklich gut ausgearbeitet!

Aber emotional hat mich der Text nich gepackt. Er hatte mich nach den ersten 5 Seiten verloren, weil ich das Gefühl hatte, dass es nur um's Körperliche geht. Denn natürlich sind alle heiß und finden sich heiß. Kein Problem. Aber am Ende wurde mir klar: Die Beziehungen der Paare sind nicht gut ausgearbeitet. Kim usw. behaupten, sie wollten ihre Partner nicht verlieren, Cristos erklärt das damit, dass Alina ihm seine Freiheiten lässt bzw. seine Eigenheiten toleriert und Kim bezeichnet Dominic als ihren besten Freund. Ich hab das nicht gespürt. Keine emotionale Pärchen-Action.

Die Konstellation finde ich nett. Jede Figur hat ein paar Eigenheiten und besonders Alinas Entwicklung mag ich. Auch, dass es keinen extremen Spießer gibt, gefällt mir. Innerhalb der Vierer-Geschichte konnte ich die Gefühle nachvollziehen.

Zweites Problem war der Schreibstil - die Figuren klingen ein bisschen unterschiedlich, trotzdem wusste oft nich, in wessen Kopf ich gerade steckte. Ich habe das Geheimnis noch nicht entschlüsselt, aber es gibt Autoren, die das besser machen. Vlt. liegt es daran, dass alle Figuren über dasselbe reden und STÄNDIG über die Konstellation reflektieren. Wie hält man das als Leser und als Mensch aus? Auch fehlte mir sexuelles Selbstbewusstsein bei den Figuren. Sie sind bei den anderen, sie sind nicht bei sich.

Der Stil erinnert mich an eine Scipted Reality, es wirkt, als würden die Figur von einer Kamera sitzen und erzählen - nicht fühlen. Ich hab diesen Stil manches Mal gelesen, aber ich fand ihn oft trocken. Trotz der sprachlichen Eigenheiten der Figuren wird es, besonders bei den erotischen Szenen, eher beobachtend als erlebend.

Was ich schade finde ist, dass das Thema "Excess" wenig spürbar - das ist etwas, das in Artikel oft als faszinierend beschrieben wird - dass es irgendwann egal wird, von WEM man berührt wird.

Auch technisch bleiben die erotischen Szenen bei Bekanntem und die Akte sind meist, obwohl einige Konstellation ausprobiert werden, oft auf ursprünglichen Pärchen. Aber ich mag's, dass Vorlieben erkennbar sind, z.B. bei Cristos.

Fazit


Ich habe Achtung vor der Arbeit, der Recherche, dem Mut und dass es nicht wie ein Porno klingt. Es gibt sehr vieles, was der Text gut macht. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack und das Gefühl, dass etwas nicht stimmig ist.




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Gruppentherapie

Friedrich Kalpenstein
Flexibler Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 12.06.2018
ISBN 9782919800377
Genre: Humor

Rezension:


Titel und Klappentext klangen für mich nach einer überzeichneten Satire mit klamaukigem Humor, aber das Thema reizte mich. Nach dem Lesen stellte ich fest: Es ist kein Buch, bei dem sich die Flachwitze die Klinke in die Hand geben. Stattdessen nimmt der Roman das Thema ernst, verpackt es aber witzig. Auch wenn der Text an einigen Stellen zu langatmig war, ließ er sich schnell lesen und machte mir Spaß.

Worum geht es?


Benjamin ist Architekt und muss aus finanziellen Gründen im Architekturbüro eines versnobbten Patriarchen arbeiten. Als er sich mit dessen dominanter Tochter einlässt, wird er zum Kronprinzen. Doch Benjamin hat eine Leidenschaft: Als Schlagersänger fliegt er zwei Nächte wöchtlichen auf die Balearen und bekommt dort die Anerkennung, die ihm fehlt. Für welche Seite wird sich Benny entscheiden?

Die Charaktere


Benjamin fand ich sympatisch, weil er sehr gern Schlagersänger ist. Er trägt das Thema und zeigt, dass Schlager mehr als Saufen ist. Leider verstand ich nicht, warum er Architekt geworden ist. Und warum er mit der Tochter zusammen ist, obwohl er ständig betont, dass sie dominant ist und er ihre Welt nicht mag. An diesen Stellen empfand ich das Buch als unnötig lang.

Zur Seite steht Benny sein Produzent, der Talent für gute Melodien hat, aber dessen Texte manchmal zu flach sind. Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Lokal, in dem Benny regelmäßig auftritt. Beides bringt Humor ins Buch.

Die Antagonisten
sind der Architekten-Patriarch und seine Tochter. Oft weiß man nicht, ob beide nur nett tun. Die Tochter wirkte stark überzeichnet. Und es gibt eine Schwester, das "schwarze Schaf" ...

Spannung und Dramaturgie


Der Text ist nett, wird aber erst im letzten Drittel spritzig. Die Hauptfigur trägt den Text, aber oft plätschert er vor sich hin. Unterhaltsam, aber nicht so spannend. Außerdem störte es mich, dass noch einmal deutlich gezeigt wurde, warum Benny nicht in die Welt der Architekten passt.

Das Herzstück


Die Schlagertexte sind toll getextet - eine einfache Botschaft, aber sie haben Handlung, die Rhythmik ist manchmal grenzwertig, aber sie funktioniert. Ich könnte mir die Texte genauso auf Mallorca vorstellen. Dass ein Autor einen Schreibstil so gut trifft, habe ich selten erlebt. Ca. 5 Songs sind vollständig im Buch abgedruckt, aber ich fand das nicht nervig.


Fazit


"Gruppentherapie", benannt nach einem der Songs im Buch, ist ein Buch, das ich gern empfehle. Auch wenn es manchmal lang ist, macht es Spaß zu lesen und der Humor wirkt nicht verkrampft. Die Charaktere sind nicht immer stimmig, aber liebenswert und dass das Thema so positiv erzählt wird, gefällt mir.

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Barbara die Schlampe und andere Leute

Lauren Holmes , Tanja Handels , ,
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 30.05.2015
ISBN 9783499270376
Genre: Romane

Rezension:

Das Cover wirkt bunt und fröhlich, das Buch dagegen schwermütig - der "Spiegel" bezeichnet es als Sommerbuch, weil es träge ist. Das trifft es gut.

Inhalt


Das Buch besteht aus 10 Erzählungen, die ca. 20 Seiten lang sind. Das macht das Buch berechenbar, was ich gut finde.

Der Inhalt sind junge Menschen, die zwischen Job und Liebe feststecken und sich beim Erleben betrachten, aber selten handeln.  Es geht u.a. um eine Frau, die in eine Sexshop arbeitet und gefeuert wird, weil sie keine Lesbe ist. Um einen Hund, der keinen der Freunde der Protagonistin leiden kann, aber schließlich an einem hängt.  Sehr interessant fand ich einen Text aus Sicht eines Hundes - für mich ein Highlight.

Wie hat es mir gefallen?


Es ist ein Buch, das man schnell vergisst, weil es langsam und eintönig ist. Wenn man am Ende von Geschichten ein knalliges Ende erwartet oder ein leise knallendes Ende erwartet, wird man enttäuscht. Denn es hat irgendwie ein Ende, aber die Texte könnten einfach weiterlaufen.

Ich finde die Figuren interessant, aber vieles ist glattgeschliffen. Leiden und Entscheidungslosigkeit wird seitenweise ausgebreitet.

Fazit


Nicht schlecht. Aber auch nicht hervorstechend.

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