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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

indianer, jugendbuch, usa, geheimnis, abenteuer

Mary Island - Das Geheimnis des dritten Hügels

Jonathan Phillippi
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Verlagshaus el Gato, 16.06.2013
ISBN 9783943596373
Genre: Jugendbuch

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Clochemerle.

Gabriel Chevallier
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag, 01.01.1985
ISBN B001VC0XSU
Genre: Sonstiges

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

flugzeugabsturz, prostitution, südamerika, sex, chile

Absturz überlebt!

Kerstin Westerbeck
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 26.07.2016
ISBN 9783738629019
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Thriller mit Startschwierigkeiten bei dem zu Beginn meine Erwartungen an das Buch zunächst sehr abgestürzt sind. Zuerst hat mich der Sprachstil erschreckt, der aber nicht dem sonstigen Schreibstil der Autorin entspricht und nur die Ausdrucksweise des Protagonisten nachempfinden soll, was für mich ohne Besprechungen in der Leserunde nicht offensichtlich gewesen wäre. Der Road-Trip ist in Ich-Form gehalten und mit der Zeit wirkt der Protagonist auch authentisch. Wenn man über die ersten 60 Seiten hinaus ist, fängt die Story mit all ihren beabsichtigten Verwirrungen tatsächlich den Leser mit Spannung ein. Ab da mangelt es auch nicht an offensichtlich guter Recherche und verarbeiteter Kenntnis der Autorin von Land und Leuten.

Ebenfalls störend sind die vielen falsch gesetzten Kommata. Da der Roman nochmals, auch fachmännisch, überarbeitet werden soll, wird sich die Qualität des Buches sicherlich erheblich steigern. Außerdem würde ich den Schwerpunkt in der Beschreibung des Buches nicht auf die Selbstfindung des Protagonisten legen. Thriller ist da meiner Meinung nach das treffende Genre.

Alles in allem hat die Story Potential sowie eine wertvolle Message und kann durchaus gut unterhalten.  

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41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

mord, detmold, 19. jahrhundert, 2015, familie

Granny, ein Mord und ich

Angelika Godau
Flexibler Einband: 347 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 05.08.2015
ISBN 9783839217276
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Besonders begeistert hat mich der Schreibstil der Autorin, mit dem sie jedem der Protagonisten eine eigene Stimme gegeben hat und dem Leser durch den Wechsel von anspruchsvoller Sprache des 19. Jahrhunderts und moderner Umgangssprache herrliche Unterhaltung bietet. Außerdem ist das Buch ein absoluter Genre-Mix aus etwas Krimi-Spannung, Liebesroman, Fantasy und akribisch recherchierter Historie. Da wird der Leserin von dieser Geschichte mit wahrem Hintergrund zu keiner Zeit langweilig. Wenn die Ururgroßmutter der Protagonistin, die in der Realität übrigens die Urahnin der Autorin ist, als Astralreisende durch den Äther der Zeit in die Moderne switcht und plötzlich im Schlafzimmer der jungen alleinerziehenden Sabrina erscheint, gruselt es einen sogar ein bisschen. Auch diese fantastischen Elemente wirken auf mich nicht unrealistisch, weshalb schon die ersten Zeilen des Buches fesseln.
Die Handlung setzt sich aus der jeweiligen Sichtweise und abwechselnden Beschreibungen der Lebenssituationen der beiden Protagonistinnen in ihrer Ära zusammen und zeigt unterschwellig die Probleme der Frauen in einer von Männern dominierten Welt auf, die bis heute noch nicht weniger und einfacher geworden sind. Da hilft die emanzipierteste Einstellung nichts, wie auch Sabrina erfahren muss, wenn sie ihrer Granny die Augen über deren kaiserzeitlichen Gehorsam und ihre Duldsamkeit öffnen will. Schließlich verbünden sich Sabrina und Luise, um den geheimnisvollen Tod von Luises heimlichem Geliebten aufzudecken, und man fühlt ebenso den Liebesschmerz der Protagonistin mit.
Im Grunde sind beide auf ihre Weise Rebellinnen gegen gesellschaftliche Begrenzungen, an deren Entstehung die Frauen durch falsche Erziehung ihrer Söhne nicht unschuldig sind... Mit diesen Nuancen, die einem bewussten Leser sicherlich nicht entgehen werden, erhält der Roman trotz seiner humoristischen Verpackung eine gewisse Tiefe.

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

liebe, drache, seele, seelenlesen, berlin

Liebe auf Schamanisch

Kari Lessír
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 07.10.2015
ISBN 9783738633542
Genre: Liebesromane

Rezension:

Der Titel des Buches klingt zunächst sehr nach modernem Trend, der Roman an sich hat allerdings ein ganz altes und weises Thema als roten Faden. Im Grunde geht es um den Sinn des Lebens, und die in den Plot integrierten schamanistischen Elemente könnten ebenso durch fernöstliche Meditationspraktiken usw. ersetzt werden. Das Resultat wäre dasselbe. Dabei wird beim Lesen durchaus deutlich, dass Liebe KEIN Hexenwerk ist und auch nicht durch solches zu erreichen. Doch nichts ist unmöglich, wenn man an die Macht der Gedanken und an das Gute glaubt, auf die göttliche Fügung vertraut und seine eigenen Ängste durch Liebe in das Leben ersetzt…
Christiane hofft auf eine erfüllende Partnerschaft in wahrer Liebe mit ihrem schüchternen und stotternden Nachbarn Patrick, der sich aufgrund seiner negativen Erfahrungen in seinem bisherigen Leben, das ihn als Sonderling abgestempelt hat, noch sehr zurückhält und immer wieder vor ihr verschließt. Allerdings weiß Christiane noch nicht, was wahre Liebe tatsächlich bedeutet und ihr kommen Zweifel, besonders als sich herausstellt, dass Patrick unter einem schwerwiegenden Verdacht steht, der auf einer missverstandenen Aussage eines seiner Schüler beruht.
Die wachsende Beziehung zwischen dem empathischen Schullehrer Patrick und der etwas träumerischen und labilen Christiane, die hier im zweiten Band der Romanreihe von Kari Lessír ebenso wie der männliche Protagonist allmählich an Selbstbewusstsein gewinnt, muss hart durch Selbstfindungsprozesse und wachsendes Verständnis geistiger Zusammenhänge erarbeitet werden. Es wird ganz klar gezeigt, dass es in einer Liebesbeziehung um ein vertrauensvolles Miteinander und ein gegenseitiges Geben und nicht nur Nehmen geht, und dass Oberflächlichkeit sowie das Stillen der Begierde nicht zur absoluten Erfüllung führen können. Auch wenn im Roman Engel, Krafttiere, Reisen in andere Dimensionen und Schamanismus eine große Rolle spielen, werden Herausforderungen des tatsächlichen Lebens ernsthaft und ohne Romantisierung von der Autorin dargestellt sowie auch indirekt Lösungswege von ihr aufgezeigt, wodurch sich hochsensible und spirituell ganzheitlich denkende Menschen in diesem Liebesroman wiederfinden, verstanden und auch unterstützt fühlen können. Jeder kann ein Held sein. Doch auch Helden sind verletzlich und für die Rettung der Welt sind wir alle in unserem Lebensbereich selbst verantwortlich.
Selbstverständlich kann auch dieser Roman von Kari Lessír wieder rein auf unterhaltsame Art als Fantasy verstanden werden und ebenso gefallen. In meinen Augen ist es allerdings ein Liebesroman, der schon fast als spiritueller Ratgeber verstanden werden darf. Unterhaltsam und tiefgründig zugleich.

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

peru, roman, suche, geheimnis, fotografie

Das Geheimnis des Mahagonibaums

Sabrina Železný
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 19.06.2015
ISBN 9783746630977
Genre: Liebesromane

Rezension:

Warum Blanca wohl derartig niedergeschlagen ist? Es kann doch nicht alleine an dem ungelösten Familiengeheimnis liegen, das sie vor der Reise auch nicht derart tangiert hat... Oder ist es ihre Unzufriedenheit mit ihrer fotografischen Leistung? Vielleicht ein Ruf ihres Blutes, das jetzt in Peru erwacht ist und sie zwischen ihren Welten hin- und herzureißen beginnt? Es scheint eher, dass sie sich entgegen alle Vernunft und ohne dass es ihr bewusst ist, zu verlieben beginnt...

Die Charakterisierung der Figuren, ihre Reaktionen und Gedankengänge sind der Autorin Sabrina Zelezny sehr stimmig und gelungen, ebenso die Mentalität der Protagonisten, wie ich im Vergleich mit mir befreundeten Südamerikanern feststellen konnte. Viel Gefühl liegt in den Beschreibungen, und ich konnte zu Beginn nur in kleinen Etappen lesen, weil ich in den sich vor meinem inneren Auge entstehenden Szenen noch bis zum Weiterlesen schwelgen wollte. Dabei gibt es viele Aspekte, die diesen Roman spannend machen - nicht nur das Knistern zwischen Blanca oder die Ungeklärte Familientragödie um Blancas Urgroßmutter. Man kennt das, dass sich einschneidende Ereignisse in Familiengeschichten oft nach ein, zwei Generationen wiederholen, so wie auch hier die Trauer um die verlorene Freundin von Urgroßmutter und Urenkelin. Ob sich eine Liebesgeschichte ebenso tragisch wiederholen wird oder ob der Kreis dieses Mal geschlossen wird?

Bereits auf Seite 22 musste ich mit feuchten Augen innehalten… So gefühlvoll geschrieben! Es kommt nicht oft vor, dass ich ein Buch lesen darf, das Weinen und lautes Ausrufen bei mir auslöst. Irgendwann konnte ich „Das Geheimnis des Mahagonibaums“ dann nicht mehr aus der Hand legen, obwohl ich von Beginn an wusste, dass ich es bedauern werde, wenn ich zu Ende gelesen habe… Der Roman bleibt immer spannend, auch wenn manche Ereignisse vorhersehbar sind.

Ein wunderbar gefühlvoller und mitreißender Liebesroman, der vor allem mit keiner Silbe schmalzig wird.

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43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

emanzipation, england, 19. jahrhundert, medizin, frauenrechte

Wo Licht ist

Sarah Moss ,
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 08.09.2015
ISBN 9783866482333
Genre: Historische Romane

Rezension:

Sarah Moss bringt die dunkle Seite von scheinbar ach so frommen Wohltätern ans Licht. Vielleicht werden die Leser nach diesem Buch in Zukunft sensibler hinter die glänzenden Fassaden von Gutmenschen blicken…

Der Plot des kritischen Romans findet im England des 19. Jahrhunderts statt. Die Gesellschaft sowie die Protagonisten werden gelungen charakterisiert und das Zeitgeschehen ist sehr gut recherchiert. Im Mittelpunkt steht die Familie des wohlhabenden Künstlers Alfred Moberley mit seiner höchst puritanisch eingestellten Ehegemahlin Elizabeth und den beiden Töchtern Ally und May, deren Kindheit bis zum Erwachsenenalter ist der rote Faden des Geschehens. Elizabeths Wohltätigkeit ist vom Egoismus und nicht von Selbstlosigkeit geprägt. Ihr geht es darum "gut" zu sein, ein besserer Mensch als alle zu sein und so Gott zu gefallen, dessen Anspruch an Nächstenliebe sie überzogen und fanatisch verfolgt, während sie die Eigenliebe völlig ausklammert und somit auch die Liebe zu denen, um deren Liebe sie scheinbar nicht zu kämpfen braucht, weil ihre Kinder und ihr Mann sie aufgrund der Familienbande nicht verlassen können - zumindest vorläufig nicht... Aufgrund dieses Dünkels eine Weltverbesserin zu sein, greift sie für die Erziehung besonders ihrer ältesten Tochter zu grausamsten Mitteln. Dass die Welt zuerst im Kleinen, in ihrem eigenen Umfeld zu verbessern ist - dass sie die Menschenrechte und zerbrechlichen Seelen ihrer Schutzbefohlenen zuhause mit Füßen tritt und auf ewig schädigt, sieht sie nicht. Elisabeths Liebesfähigkeit ist gleich null, weil sie sich ja noch nicht einmal selbst liebt. Wie soll sie etwas geben können, das sie nicht hat... Wenigstens ihre eigenen Töchter scheinen ihr Handeln zu hinterfragen und könnten deshalb eine Chance zu haben, aus den Fehlern der Mutter zu lernen und diese Spirale der selbstzerstörerischen Lieblosigkeit zu durchbrechen...

Der Schreibstil der Autorin ist nüchtern, kühl und prägnant wie der Charakter von Elizabeth Moberley, der Protagonistin des Romans, die die Quelle der Handlung aller anderen Hauptfiguren ist. So hat der Roman nicht nur über die Story seine Färbung von einer Härte, die dem Leser vor Mitgefühl für die der Gefühlskälte Elizabeths ausgelieferten Kinder fast das Herz zerdrückt. Die klar abgegrenzten Szenen und Sätze, welche mit wenigen Konjunktionen auskommen, wirken wie die Erziehungsmethoden der Protagonistin, die ihrer kleinen Tochter noch nicht einmal erlaubt, ein Stück von ihrem eigenen Geburtstagskuchen zu essen, sondern aufgrund einseitig gelebter Menschlichkeit das Mädchen zwingt, jenen armen Kindern zu überlassen. Das Erleben des Lesers wird auch durch die gewählte Zeitform der Verben im Präsens schon beinahe dreidimensional, da alles gerade jetzt, quasi um den Leser herum, zu geschehen scheint.
Ich hätte mir dennoch einen weicheren Schreibstil mit kürzeren Zeitsprüngen von einer Szene zur nächsten gewünscht. Die Beschreibungen waren zum einen sehr schön und bildhaft, zum anderen jedoch wieder fehlten sie ganz, wie beispielsweise bei manchen Nebendarstellern, zu denen ich darum überhaupt keinen Bezug bekam. Manchmal ist das Verhalten von Ally auch unlogisch, der Charakter entsprechend der Handlung nicht richtig ausgearbeitet. Mitunter hat man das Gefühl, etwas nicht ganz mitbekommen zu haben, weil dem Leser zu wenig Information geliefert wird. Oder wurde der Roman an dieser Stelle gekürzt? Ein Großteil des Romans findet darum im Kopf des Lesers statt, der sich die Szenen dann selbst ausmalt.
Vielleicht wollte die Autorin Sarah Moss auch damit zum Nachdenken anregen, zum Reflektieren und sozialkritischen Beobachten des heutigen Zeitgeschehens.
Doch nach aller Dunkelheit steht am Ende des Romans das Licht der Hoffnung, dass die dem Leser ans Herz gewachsene Ally lernt die Liebe kennen. Aber dieses Happy End ist nur ein Lichtfunke, denn Liebe zu erhalten und auf Dauer zu leben ist harte Arbeit und besonders für Ally noch ein langer Weg…

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45 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 12 Rezensionen

kolumbien, pablo escobar, drogen, kokain, sachbuch

Killing Pablo

Mark Bowden , Friedrich Griese
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 29.01.2004
ISBN 9783833300868
Genre: Biografien

Rezension:

Noch heute verbindet ein jeder mit dem Namen des Landes Kolumbien Drogenhandel, Gewalt und Lebensgefahr und so mancher bezweifelt, dass es inzwischen ein wunderschönes Reiseland ist. Schon gut vierzig Jahre vor dem berüchtigten Drogenbaron Pablo Escobar herrschte gewissermaßen Bürgerkrieg in diesem südamerikanischen Staat, der doch über unsäglichen Reichtum an Bodenschätzen und eine paradiesische Landschaft verfügt. Ob Guerilleros oder verfeindete Drogenkartelle untereinander oder gegen die Staatsmacht – bis vor zwanzig Jahren kam das Land nicht zur Ruhe.
Einer der größten und unberechenbarsten Gewalttäter war der durch seinen Reichtum übermächtige Pablo Escobar, der sein Geld mit dem Tod verdiente. Sein Hunger nach Reichtum und Macht war unermesslich, seine Handlungsweise skrupellos und kaltblütig. Selbst ihm nahestehende Personen, die er wie allernächste Verwandte vertrauensvoll zu behandeln schien, waren eigentlich nur Statisten seines Images, die jederzeit ihre Schuldigkeit getan haben konnten. Jeder, der freiwillig oder gezwungenermaßen mit Escobar zu tun hatte, schwebte in beständiger Lebensgefahr und man wünscht sich oft genug beim Lesen des Buches, dass sie ihn endlich zur Strecke bringen sollten.
Durch die detaillierte Beschreibung des Autors Mark Bowden in seinem Bericht über die Jagd auf den Drogenbaron Pablo Escobar, wird neben dem genauen chronologischen Ablauf der Geschehnisse und den daran beteiligten Politikern, kolumbianischen Staatsorganen, Militärs und amerikanischen Geheimdiensten, Sonderkommandos und Spezialeinheiten auch Pablo Escobar selbst als Person recht gut skizziert. Trotz seiner nicht sehr hohen Schulbildung wird einem bald klar, dass der Boss des Drogenkartells von Medellín über eine ausgebuffte Intelligenz und große Menschenkenntnis verfügt haben muss, indem er die Psyche seiner Gegner und Mittäter, ihre Schwächen und Handlungsweisen genau berechnen konnte, und sie entsprechend antriggerte, um sie in der Hand zu haben. Obwohl er ihre Schwächen sicher nur deshalb so gut erkannte, weil er auf sich, auf die Ängste seines Egos reflektiert hat, war Escobar von der moralischen Richtigkeit seines Tuns überzeugt und es gab genügend Leute, die ihn darin bestätigten, indem sie ihn in den 80er und 90er Jahren an der Spitze der High Society begrüßten.

Killing Pablo ist, obwohl Mark Bowden als u.s.-amerikanischer Journalist etwas voreingenommen, ein einigermaßen objektiv gelungener Bericht, der hier und da natürlich einen leicht überheblichen Beigeschmack hat. Dennoch werden die Kolumbianer am Ende nicht als unfähig dargestellt und auch die menschlichen Schwächen der u.s.-amerikanischen Spezialisten vorgeführt, die während und am Finale der Menschenjagd den Leichnam Escobars quasi am liebsten als Trophäe ausgestopft und in ihren Wohnzimmern an die Wand gehängt hätten. Ihr Töten und Morden – auch wenn sie dabei teilweise nur als Informanten mit sachdienlichen Hinweisen fungiert haben – wurde und wird weder von der Gesellschaft noch vom Gesetz jemals angeklagt. Nur dem einen oder anderen scheint bewusst zu werden, dass sie als Menschen nicht besser als der Gejagte waren. Auch sie töteten für Geld und in der Überzeugung recht zu handeln…

Auf unterschwellige Art und Weise und wahrscheinlich unbeabsichtigt zeichnet Mark Bowden in Killing Pablo auf, wie Politik und Gesellschaft funktioniert haben, noch immer funktionieren und auch in Zukunft funktionieren werden. Man erschrickt während des Lesens über die Kaltblütigkeit und stellt sich viele Fragen, die offen bleiben müssen, weil das Buch nur ein Bericht ist, der keine Antworten gibt. Was für eine Lehre könnten wir aus der Geschichte dieses Landes ziehen, die wiederum nur ein Beispiel für viele – vergangene und leider auch zukünftige – ist, weil wir Menschen nicht dazu zu lernen scheinen? Wie konnte ein Escobar so mächtig werden?
Mein kolumbianischer Brieffreund schrieb mir dazu: „Global nahm man nicht an den Problemen unseres Volkes Anteil, aber durch Schweigen verurteilte man Kolumbien indirekt und durch den Konsum bestimmter Erzeugnisse, welche die Psyche verändernde Halluzinationen erzeugen und welche zum guten Ton einer jeden gehobenen Gesellschaft weltweit gehörten, sponserte man die Gewalt.“
An anderer Stelle bemerkte mein Chatpartner aus Südamerika: „Manchmal, wenn es Gesellschaften und Feste gab, wussten die meisten, dass die Gäste Drogenhändler waren, aber alle hielten den Mund, weil es eine Ehre war, diese Reichen als Gäste zu haben.“

Schreib- oder übersetzungstechnisch gibt es im Buch ein paar kleine Mängel. Oft genug ist man verleitet, auf die Kolumbianer hinabzusehen. Von den Einflüssen aller Geschehnisse auf die Bevölkerung wird nur wenig berichtet, was eine Erklärung liefern könnte, weshalb die Menschen Pablo z. B. auch zugejubelt haben oder noch heute sein Grab liebevoll gepflegt wird. Der Autor beruft sich auf eine Vielzahl von Quellen, die im Anhang aufgeführt sind, aber mitunter ist der Bericht etwas langatmig und schweift bei den Beschreibungen der organisatorischen Zusammenhänge der Jäger oft so weit ab, dass mir als Leser bisweilen der Überblick verloren ging, wer denn jetzt genau den Drogenboss jagt und mit welcher Ambition. Möglicherweise ist dies jedoch Absicht, weil auch in der Politik vieles im Dunkeln liegt, denn gibt es nicht auch da in weißen Westen genügend leitende Köpfe, die Kokain oder Ähnliches konsumieren?

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

krieg, frankreich, indien, rose, johanna

Der Sandelholz-Palast

Yves Aubin , Nathalie Lemmens
Flexibler Einband: 765 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 12.09.2005
ISBN 9783442362776
Genre: Romane

Rezension:

Für mich läuft dieser Roman, auch wenn er viele gut recherchierte Elemente enthält, unter Trivialliteratur, denn der Autor hat keinen tiefen Blick für die Seele einer Frau und sieht sie nur in der Form, wie viele oberflächliche Männer Frauen gerne sehen.
Liebe wird nur über Erotik definiert – oder genauer: sexuelle Willfährigkeit. Ein Innenleben haben die Personen in diesem Roman fast keines. So werden u. a. bei dem Beschluss ihres Ehemannes, dass Johanna ihre indische Heimat verlassen und mit ihm nach Paris ziehen soll, kaum Gefühle der Protas transportiert, weil nur ihre äußerlichen Reaktionen beschrieben werden und nichts von der Seelenqual.
Es gibt ein paar spannende Passagen, die etwas Lesegenuss bescheren. Aber dann wird wieder unnötig und unlogisch in die Länge gezogen, wenn die Protas nichts mehr zu essen haben und Hunde und Ratten verspeisen, sich dann jedoch nach Wochen immer noch Hühner usw. finden. Oder die Protagonistin liegt im Sterben, wünscht sich aber – trotz hohen Fiebers und faulendem Arm – noch Sex von dem lang ersehnten Freund, der endlich an ihrem Sterbebett eingetroffen ist. Überhaupt ist die Liebesgeschichte, die als roter Faden zwischen den historischen Ereignissen dienen soll, ohne jeglichen Tiefgang. Die Charaktere der Frauen werden nur oberflächlich als sehr dümmlich und hysterisch dargestellt. So haben sich die Damen dieser Zeit natürlich nach außen gegeben, aber sie haben doch sicherlich auch ein reiches Innenleben gehabt und ihr Handeln reflektiert. Andererseits füllen äußerliche Beschreibungen von Orten, Landschaften und dem Aussehen der Personen ohne jegliche Handlung sehr ausführlich die Seiten. Zu Beginn werden auch die ganzen familiären Zusammenhänge akribisch aufgeführt, was es dem Leser recht schwer macht, richtig in dem Roman abzutauchen. Dann tauchen am Ende unter anderem Personen, vor allem Bösewichte, auf, die angeblich schon zu Beginn im Leben der Protagonistin eine Rolle gespielt hätten, diese es aber wegen ihrer Jugend noch nicht wahrgenommen habe (weshalb man sie wohl vorher nicht erwähnt und in die Handlung eingeflochten hatte…). Oder es taucht Geld auf, das dann der Protagonistin wieder ihren gewohnt mondänen Lebensstil möglich macht, von dem man aber vorher im Roman kein Sterbenswörtchen gelesen hat, weil ihr Ehemann es vor ihr verheimlicht hatte…
Es wäre sehr viel spannender gewesen, dies als Leser zu wissen und zu fiebern, ob die Protagonistin es nicht endlich findet usw…
Das ganze Buch hindurch kommt immer wieder die Floskel "ein, zwei" zum Einsatz: Ein, zwei Männer, ein, zwei Stunden, ein, zwei Tage... Dann sind Handlungsweisen der Protas völlig unlogisch entsprechend ihrem beschriebenen Charakter, oder wirklich üble Bösewichte zu Beginn des Romans sind am Ende zahm und großherzig…
Die wirklich gut recherchierten geschichtlichen Ereignisse sind dabei trocken und langweilig, weil die Liebesgeschichte auch keinen richtigen Bezug zu ihnen herstellt.

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63 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

liebe, wunschträume, chick-lit, esoterik, fesselnd

Wunschträume

Kari Lessír
E-Buch Text: 232 Seiten
Erschienen bei Kari Lessír - Qindie, 27.02.2014
ISBN B00IPMDR78
Genre: Liebesromane

Rezension:

Endlich! Endlich ein Liebesroman, in dem nicht wie in den üblichen Schmalzromanen die egoistischen Wünsche von beziehungsunfähigen Romanheldinnen und -helden erfüllt werden, welche die sogenannte wahre Liebe beim ersten Augenkontakt oder Kuss auf immer und ewig - natürlich nach etwas Hindernislauf - finden! 

Sondern endlich ein Liebesroman, der klar herausstellt, dass man/frau zuerst sich selbst lieben muss - zuerst sich selbst und die eigenen Bedürfnisse genau kennen muss, bevor der ideale Partner in ihr Leben tritt - oder wie bei Protagonistin Crissy in ihr Leben "fällt"...
Mit diesem Roman wird bei den Lesern mit der Illusion aufgeräumt, dass wahre Liebe und Lebensglück nur vom passenden Partner abhängt, der wie im Märchen die Prinzessin rettet und erobert. Viele Frauen verschlingen einen Liebesroman nach dem anderen, um ihre Sehnsucht nach dem rettenden Helden in ihren Beziehungen zu stillen und werden doch jedes Mal am Ende des Romans unzufrieden auf ihr eigenes Leben blicken.
In "Wunschträume" wird unterschwellig Hilfe geboten. Die Autorin hat sehr mutig ihr spirituelles Wissen über Engel, die Gesetze des Universums und die Kraft der Gedanken und Wünsche in die Story einfließen lassen. Wem dies als Leserin zu esoterisch ist, kann immer noch das Werk von Kari Lessír als Fantasy sehen und dennoch seine Freude an diesem etwas anderen Frauenroman haben, da sich die Essenz des Buches nicht missionarisch aufdrängt.

Im ersten Kapitel musste ich bereits viel schmunzeln, denn die Situationen und Kommentare unter den Freundinnen Crissy und Mia sind derart lebensecht, dass sich sicherlich so manche Frau darin wiederfindet. Überhaupt sind die Protagonisten sehr gut herausgearbeitet und handeln alle ihrer Persönlichkeit entsprechend psychisch logisch. Der Schreibstil der Autorin ist superschön, modern und besser als von so manchem Mainstreamroman der großen Verlage. Obwohl ein Mainstreamthema bedient wird, bleibt er nicht oberflächlich. Die Beschreibungen sind sehr angenehm und ausführlich, ohne überladen zu werden. Ideal für das Kopfkino. 

Die Abschnitte, in denen der Schutzengel zu Wort kommt, haben mich sehr berührt und wirkten darum real auf mich. Auch zeigt sich in der Darstellung der Protagonistin, weshalb sie wohl, trotz all ihrer offensichtlichen Vorzüge, noch nicht den richtigen Partner gefunden hat. Denn Crissy kann mit dem Alleinsein noch nicht gut umgehen und "braucht" jemanden an ihrer Seite, da sie sich selbst nie genug ist. Dieses Problem beobachte ich unter meinen Single-Freundinnen ebenso, weshalb sich viele Leserinnen angesprochen fühlen müssten. Wie die Protagonistin könnten die meisten das schönste Leben haben, wenn sie sich nicht zwanghaft einbilden würden, dass sie unbedingt einen Mann an ihrer Seite brauchen, weil nur geteiltes Glück wirkliches Glück wäre. 

Das Buch ist ab der ersten Seite spannend und die Spannung steigert sich bis zum Ende, obwohl man spätestens ab der Mitte ahnt, wie es enden wird. Denn auch hier gilt: Der Weg ist das Ziel! Ich war gespannt, wie sich die Story weiterentwickelte und welche Erfahrungen Crissy noch machen musste...
Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und es bleibt zu erwarten, wie die Liebesgeschichte im nächsten Band weitergeht. Denn auch wenn dieses Buch ein Happyend erahnen lässt, weiß lebenserfahrene Frau, dass in der Liebe nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und dieses Autorin gaukelt ihren Lesern auch keine heile Welt vor, die wie selbstverständlich erreichbar wäre - wenn man nur den richtigen Partner hätte...
Fazit: Ein Roman einer Selfpublisherin, der jedem modernen Verlagsroman den Rang ablaufen könnte... 

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

archäologie, historisch, wissen, populärwissenschaft, geschichte

Götter, Gräber und Gelehrte

C. W. Ceram
Fester Einband: 618 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 01.01.1961
ISBN B0000BH3LK
Genre: Klassiker

Rezension:

Da hatte ich ein paar Bedenken, ob ein Roman dieses Alters entspannend und ohne große Anstrengung zu lesen ist - aber weit gefehlt! Ich musste auf der dritten Seite sogar schon schmunzeln. Allerdings hat dieser Roman wenig mit dem gemein, was wir heute unter einem Roman verstehen. Dennoch liest sich das Buch ausgesprochen kurzweilig. "Götter, Gräber und Gelehrte" ist eine Chronik, die vorrangig vom Leben der Archäologen erzählt und nicht dem der Herrscher, die sich selbst Denkmäler setzten. Geschichte ist hier sehr spannend zusammengefasst und man fiebert mit den Altertumsforschern, die ihren Sehnsüchten folgten, alle Hindernisse, Zweifel und Anfeindungen überwanden und den verdienten Erfolg ernteten, der in ihren Augen nicht materiell, sondern hauptsächlich ideell war. Die Wahrheit wurde in difisiler Feinarbeit bewiesen. Nur bedauerlich, dass die Menschheit offenkundig nichts aus ihrer Vergangenheit gelernt hat, obwohl die Forscher durch ihre Entdeckungen die Ursachen vom Untergang der Kulturen immer wieder ans Tageslicht brachten. Denn die ausgegrabenen Schätze waren und sind nicht nur atemberaubend anzusehen. Sie sind Zeugnisse von Machtmissbrauch, vom Blut und Schweiß unserer Vorfahren, von den Mühen der kleinen Leute an der Basis der Völker, auf deren Schultern sagenhafte Kulturen aufgebaut wurden - und ihre Entdecker wussten dies zu würdigen.

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599 Bibliotheken, 5 Leser, 11 Gruppen, 24 Rezensionen

fantasy, märchenmond, hohlbein, jugendbuch, wolfgang hohlbein

Märchenmond

Wolfgang Hohlbein , Heike Hohlbein
Fester Einband: 390 Seiten
Erschienen bei Weltbild Buchverlag, 26.09.2006
ISBN 9783898975216
Genre: Fantasy

Rezension:

Schade! Wirklich schade! Denn die Ansätze, die als lehrreich gedachten Ideen, die hinter dieser Fantasy-Story stecken und sich im Beginn und am Ende des Buches zeigen, sind wirklich gut und lobenswert. Auch die schöne Schriftsprache ist entspannend und für junge Leser sehr zu empfehlen. Im Mittelteil des Buches lässt die Qualität zwar etwas nach, da die Sätze dann teilweise unausgewogen und abgehackt wirken, dennoch bleibt der sprachliche  Ausdruck des Autors durchaus vorbildlich Aber bei zu detaillierten Beschreibungen lassen die Konzentration schnell nach und man muss Textstellen zweimal lesen, um den Faden nicht zu verlieren. Da wird alles sehr langatmig. Außerdem waren manche Gegebenheiten und Handlungen unlogisch und wurden im Gegenzug überhaupt nicht dem Leser erklärt.  

Psychologisch versteht der Autor meiner Meinung nach sehr wenig von den Gefühlen der Menschen oder kann sich nicht einfühlen und dies trotz vieler Worte in gewissen Szenen darum auch nicht beschreiben. So wird die Story fast gänzlich emotionslos. Jemand, der Angst hat, nimmt z. B. nicht mehr wahr, was genau alles in welcher Art und Weise auf dem Tisch liegt, selbst wenn er lange darauf starrt... Gerade solche ausführlichen Beschreibungen, die für die Handlung völlig unerheblich sind, haben mir die Lesefreude schnell genommen. So auch der angeführte Grund des jungen Helden, der Auslöser, weshalb er seine Reise in die Fantasy-Welt Märchenmonds antritt, nämlich um seine im Koma liegende kleine Schwester zu retten. Dies geht nach den ersten Anfangskapiteln völlig verloren und es wird über mehrere hundert Seiten hinweg darauf überhaupt keinen Bezug mehr genommen. Man verliert das Mitgefühl und Verständnis für den Protagonisten. Erst nach mehr als zweihundert Seiten wird endlich wird klar, dass das Nichterwähnen des eigentlichen Reisegrundes von Kim, die Befreiung seiner Schwester, als Grund des Vergessens, einer Amnesie des Helden gelten soll. Trotzdem wäre es für den Leser verständlicher, wenn dies immer mal wieder angedeutet würde z. B. indem der kleine Held darüber nachsinnt, warum er eigentlich für Märchenmond kämpft oder sich eine Amnesie auch irgendwie anders während dieser Zeit andeutet. So hat es den Anschein, dass der Autor selbst vergessen hat, was er zu Anfang schrieb und, weil er keine Lust hatte, die Story nochmals zu überarbeiten, einfach dies am Ende mit einer vorher sich in keiner Weise zeigenden Amnesie der Protagonisten begründet.

Außerdem wechselt die Handlungsweise des jugendlichen Helden von altersgemäß über logische Denkweisen eines 40-Jährigen bis kindisch wie ein Kleinkind.

Und warum muss die Welt immer durch Mord und Todschlag gerettet werden, selbst wenn man dies in ein paar Nebensätzen bedauert? Als das Buch trotz allem gerade anfängt, positiv auf die Charakterbildung des Lesers zu wirken, beginnen diese Kriegsszenen, in welcher der Held und Retter ein Krieger ist und nur durch Kampf dem Guten zum Sieg verhilft. Können denn, angesichts der vielen Gewalt verherrlichenden Bücher und Filme nicht wenigstens Fantasy-Bücher Gewalt durch z. B. Zauber bannen? Wo doch selbst im Buch gesagt wird: Alles ist möglich... Muss immer totgeschlagen werden? Denn zur Abschreckung dienen die Szenen auch nicht. Sie sind eher als einzig mögliche, wenn auch unbequeme Lösung beschrieben. Zitat: "Boraas (die Verkörperung des Bösen in der Story) hat vergessen, dass Gewalt sich letztlich immer gegen sich selbst richtet..." - Und was ist bitteschön mit der Gewalt, die auch die Guten in diesem Buch ausgeübt haben? Warum hat die keine Folgen?

Und warum sind alle Helden männlich?

Wenigstens in einem Fantasy-Buch sollte das scheinbar Unmögliche möglich sein.

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3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

bayrischer rheinkreis, naturforscher, 19. jahrhundert, elsass, abenteuerroman

Mit dem Zug der Störche

Gabrielle C. J. Couillez
Flexibler Einband: 388 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 25.11.2014
ISBN 9781503366367
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: 19. jahrhundert, abenteuerroman, bayrischer rheinkreis, biedermeier, elsass, kurpfalz, naturforscher, reisen in der romantik   (8)
 

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60 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

vegan, kochbuch, kochen, italienische küche, vegane küche

Peace Food - Vegano Italiano

Ruediger Dahlke , Dorothea Neumayr
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Gräfe und Unzer Edition, 01.09.2014
ISBN 9783833841972
Genre: Sachbücher

Rezension:

­­Lange habe ich hin und her überlegt, ob ich nun vier oder drei Sterne für das Kochbuch vergeben soll. Dann habe ich mir in Erinnerung gerufen, was ich von diesem veganen Kochbuch vor dem ersten Aufschlagen der Seiten für mich erhofft habe: Ich erwartete Inspiration und Ideen für eine Umstellung meiner Küche von vegetarisch auf vegan. Ich wünschte mir, Rezepte für Speisen zu erhalten, die gut schmecken, abwechslungsreich und für mich ohne allzu großen Aufwand umsetzbar sind.

Dieser Anspruch wurde zum Großteil erfüllt. 3,5 Sterne von mir.

Das Buch ist nach einem ausführlichen Einleitungsteil nach dem Vorbild der italienischen Menüabfolge in Rezepte für Vorspeisen, erste und zweite Hauptspeise und Nachtisch unterteilt und zeigt zu jedem Rezept – wie bei Gräfe und Unzer schon seit Jahrzehnten üblich – ein sehr ansprechendes Foto der entsprechenden Mahlzeit.

Aus jedem Bereich habe ich mindestens ein Rezept herausgegriffen und nach Anleitung nachgekocht. Bei den ersten beiden Kochversuchen hatten meine 16-jährige Tochter und ich Rezepte erwischt, die uns für die Zukunft viel Inspiration geliefert haben. Zum einen war das ein sehr schnell und unkompliziert zu backendes, wohlschmeckendes Brot, zum anderen ein Brotaufstrich aus frischer Petersilie, der sich auch gut unter Verwendung von Wildkräutern abwandeln lässt. Des Weiteren testeten wir ein Nudelgericht in der Sparte „Primi Piatti“, das auch sehr viel Zuspruch bei uns fand.

Das folgende Testkochen fiel dann weniger glücklich aus. Wir setzten die Rezepte für die Polenta mit Peperonata und dazu noch den „Feinen Selleriesalat mit Walnüssen“ in die Praxis um. Farblich war das Gericht im Teller ein Augenschmaus mit dem Maisgelb und bunten Gemüse, aber geschmacklich hat es uns nicht umgehauen, was an fehlender Würze lag. Den Sellerie habe ich nicht in feine Stifte geschnitten sondern grob gehobelt. Man kann sich auch da Arbeit sparen. Ich denke, dass er in etwas zärteren Stücken auch schneller als Salat durchzieht.
Man sollte bei den Rezepten bedenken, dass wir hier in Deutschland, besonders um diese Jahreszeit, nicht die sonnenverwöhnten Gemüse wie in Italien haben. Dennoch fehlte dem Ganzen der Pep. Wenn ich es wieder einmal kochen sollte, werde ich die Polenta zumindest mit Gemüsebrühe anstelle des Wassers zubereiten und der Peperonata viel mehr Thymian zuführen - und auch mehr Pep-Gewürze... Es muss ja nicht gerade wie Schonkost schmecken, um gesund zu sein. Zumindest habe ich die ganze Zwiebel rein und nicht nur die halbe, sonst wäre es bestimmt noch fader gewesen. Außerdem halte ich dies für eine unnötige Verschwendung. Auch zum ausprobierten Nachtisch-Rezept muss ich sagen, dass das Ergebnis im Verhältnis zu den Kosten für die Zutaten nicht gerade ein Geschmackserlebnis ist, das nach mehr verlangt.

Bei fast jedem getesteten oder auch nur durchgelesenen Rezept habe ich Kritikpunkte zur Darstellung der Zubereitungsabfolge anzubringen. Oft ist der Rezeptaufbau unpraktisch, von den Garzeiten und dem Arbeitsablauf unlogisch oder verlangt schlichtweg unnötige Arbeitsschritte, die weder eine Geschmacksverbesserung noch eine Perfektionierung des erstrebten Ergebnisses bringen. Vielleicht wird dadurch so mancher die Lust am veganen Kochen verlieren: Da soll Backpapier für eine Kastenform zurechtgeschnitten werden, wo man die Backform ebenso vegan auch einfach mit Olivenöl einpinseln kann. Das Bruschetta-Brot, dem das bisschen Öl jedenfalls nicht geschadet hat, ging nach dem Backen ebenso leicht aus der Form. Dann sollen Kirschtomaten oder Auberginen geschält werden. (Im Foto zum Rezept hatten die zubereiteten Auberginen übrigens auch ihre Haut…). Für den Mandelpudding mit Agar Agar war eine Kochzeit von 10-15 Minuten anberaumt. Ich habe dafür Agartine verwandt, die nur eine Kochzeit von mindestens 2 Minuten braucht. Schließlich sollte diese Flüssigkeit, die keinerlei feste Stoffe beinhaltet, durch ein Sieb in Schälchen abgefüllt werden, was ich ebenfalls wegließ und dennoch von der Konsistenz her ein perfekt Götterspeise-ähnliches Produkt erhielt. Aber ich habe schon in anderen Gräfe + Unzer-Koch-Backbüchern festgestellt, dass da manchmal etwas Unlogisches in den Rezepten steht, wie um besonders, spektakulärer zu wirken...

Bei diesem Kochbuch fehlen mir auch Tipps, die ich in der Rezeptbesprechung zwischen den anderen teilweise schon veganen Buchtestern lesen konnte. Tipps, die dem angehenden Veganer in der Küche wirklich von Nutzen wären, wie z. B. zur eigenen, recht einfachen Herstellung der Mandelmilch, die als Fertigprodukt im Laden sehr kostspielig ist. Dem Leser von PEACE FOOD – Vegano Italiano – Das Kochbuch würde dies mehr Unabhängigkeit von der industriellen Herstellung bringen, was eigentlich auch Anliegen der Autoren beim Thema des Buches sein sollte. Stattdessen sind so Belanglosigkeiten wie das Markieren der Höhe einer Getreidemenge in der Tasse mit einem Filzstift, um die gleiche Menge Wasser zu treffen, mehrfach als Tipp zu finden.  Ebenso hätte man am langatmigen, esoterischen Einleitungsteil über die Vorteile veganen Lebens sparen können. Wer ein solches Kochbuch kauft, braucht keine Erklärung mehr, warum man vegan kochen sollte, sondern sucht bereits nach praktischen Hilfen zur Änderung des gewohnten Lebensstils, die nicht immer auf gekauften Produkten basieren sollten. Selbstgemachte Nudeln gehören für mich auch zum italienischen Lebensgefühl.

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

spanien, katalonien, garten, barcelona, gärtner

Der Garten über dem Meer

Mercè Rodoreda , Roger Willemsen , Kirsten Brandt , Roger Willemsen
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 07.10.2014
ISBN 9783866480339
Genre: Romane

Rezension:

Man hat das Gefühl ein gemütliches Plauderstündchen mit dem Gärtner abzuhalten, der von den Besitzern dieser Ferienvilla am Meer erzählt, deren Garten er seit Jahrzehnten pflegt. Aber es ist keine oberflächliche Soap, die in den wilden 20ern spielt. Man ahnt schon zu Beginn, dass der Roman mehr Tiefgang hat. Das mag an einer unterschwelligen Melancholie liegen; der Darstellung der Situationen, die nicht an typischen Merkmalen dieser Jahre festgemacht ist, sondern in jeder Zeit - auch heute - spielen könnte. Neben den Szenen, die aufzeigen, wie sich die Angehörigen der Upperclass mit allerlei Späßen die Zeit vertreiben, schimmert das Leid durch, das vor keinem, ob arm, ob reich, Halt macht. Da hilft auch nicht die Jagd nach immer dekadenteren Attraktionen, um die innere Leere derer, die alles kaufen können, was es zu kaufen gibt, zu füllen. Auch die Charakterschwächen der einzelnen lassen sich auf Dauer nicht vertuschen. Auf den ersten Blick scheint die Welt der Reichen eine heile Welt zu sein, wie sie auch die Gesellschaft um sich herum glauben machen wollen. Aber aus dem Blickwinkel des lebenserfahrenen Gärtners, der zwar weder urteilt noch die Dinge beim Namen nennt, sondern immer die respektvolle Distanz des Dienstboten wahrt, erkennt man die Flucht der Bewohner dieses Hauses vor ihrem eigenen Wesen, vor ihren Unzulänglichkeiten, vor ihren Sehnsüchten, die kein materieller Überfluss stillen kann...

Es gibt Bücher, die sind schon von ihrem Äußeren her eine Zierde für den Bücherschrank. So einen wunderschön farbig bedruckten Leineneinband muss man streicheln, das glatte Papier beim Umblättern fühlen, den perfekten Satz und Druck des Textes genießen.

Auch der Sprachstil des Buches ist sehr schön. Der Gärtner plaudert über seine Herrschaften und sein Leben. Er sucht manchmal nach den passenden Worten, weil er sich nicht so gebildet wie die feinen Leute auszudrücken vermag. Doch auch dies gehört zum Ausdruck des Buches und tut der Schreibe der Autorin keinen Abbruch. Nie driftet sie in das Triviale oder Derbe ab.

Die Autorin hat sich perfekt in den Gärtner versetzt. Bei der Wahl ihrer Worte hört man einen älteren Herrn sprechen, der hüstelnd und brummend zwischen seinen Beeten harkt und unter seinem Hut, hinter Büschen und Blumentöpfen dennoch neugierig - ohne indiskret zu sein - seine Arbeitgeber in ihrem Alltag belauscht; Einblicke in ihr Leben erhascht, um dann wohl für sich festzustellen, dass sie trotz ihres Geldes und Überflusses ihre Lebenslügen nicht verbergen können. Die beiden zentralen Figuren unter den Herrschaften entstammen den gleichen Verhältnissen, wie ihre Angestellten, konnten sich aber reich verheiraten. Und dies wie es scheint nicht der Liebe wegen.

Trotz all der ansonsten meist fröhlichen Erinnerungen, wie an die gespielten Streiche, haftet dem Buch auch im Allgemeinen eine gewisse Melancholie an. Dies liegt an der im Garten widergespiegelten Vergänglichkeit allen Seins, an der Erzählung an sich, die gewissermaßen ein Rückblick auf gute Zeiten ist. Denn Reichtum, Ansehen und das Leben ohne schweißtreibende Mühen konnten die Bohemiens nicht vor Verletzung ihrer Herzen durch falsch gelebte Liebe bewahren. Sie sind den Stürmen des Lebens ebenso ausgesetzt wie der Garten über dem Meer und auch der Gärtner selbst. Wie sie ihren Gefühlen wohl entkommen wollen?

 

 

 

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225 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

philosophie, psychologie, wien, psychoanalyse, nietzsche

Und Nietzsche weinte

Irvin D. Yalom , Uda Strätling
Flexibler Einband: 631 Seiten
Erschienen bei btb, 06.04.2009
ISBN 9783442739660
Genre: Romane

Rezension:

Friedrich Nietzsche, als Philosoph seiner Zeit zu weit voraus, kann sich jedoch von seinem gebrochenen Herzen nicht selbst heilen. – Der zur selben Ära lebende Arzt Dr. Breuer unternimmt unter dem Einfluss des mit ihm bekannten Sigmund Freud erste Schritte in der Psychoanalyse, während er ebenfalls mitten in einer Lebenskrise steckt. – Dies ist die tatsächliche Ausgangssituation, aus welcher der Autor eine fiktive Geschichte bastelt, die die beiden Männer am Ende in tiefer Freundschaft verbindet. Einer Freundschaft, die man dem von Seelenleid und körperlichen Gebrechen geplagten Nietzsche nur hätte wünschen können. Möglicherweise hätte diese „Redekur“, die Breuer im Roman bei Nietzsche anwendet, dem einsamen Denker in der Realität wahrhaft geholfen und ihn vor seinem traurigen Ende bewahrt. Möglicherweise hätte der Autor, selbst Psychiater, dies auch dem Arzt Breuer gerne angedeihen lassen …

Der Großteil des Romans besteht aus nachdenklichen Zwiegesprächen mit psychologischen Aspekten. Mitunter könnte dies langatmig sein, doch die wunderschöne, zu der Zeit dieser Handlung passende Sprache und die Einblicke in die Männerseelen der Protagonisten, welche beide über eine unerfüllte Liebe ihren Lebenssinn verloren haben, machen den Roman auf anregende Weise spannend. Die Menschen Nietzsche und Breuer werden sehr menschlich dargestellt, da sie sich trotz ihres immensen Wissens nicht selbst helfen können und über eigene charakterliche Schwächen, verquere Sicht des weiblichen Geschlechts und die üblichen Lebensängste stolpern. Erst die gegenseitige Unterstützung bei der Bloßlegung ihrer Seelen und Offenbarung ihrer eigenen egoistisch geprägten Haltungen bringt die Heilung. Das Wagnis des absoluten Vertrauens in das Gegenüber lässt die Freundschaft wachsen, die auch dann noch Bestand hat, als jeder dem andern seine letzten Unwahrheiten eingesteht. Dieses Beispiel wäre in der Anwendung auf das andere Geschlecht auch die Lösung ihrer Beziehungsprobleme, aber diese Erkenntnis muss der Leser selbst finden, der im Beobachten der inneren Kämpfe dieser großen Männer zur Selbstreflektion animiert wird. Dennoch ist dieser Roman kein Handbuch der Psychologie, da er nur an der Oberfläche zu kratzen vermag. In der kurzen Zeit von Nietzsches Kuraufenthalt wird in der Realität auch bei niemandem eine Heilung eintreten. Es ist eben nur ein Roman…

Am Ende habe ich mitgeweint, mit diesem Nietzsche, der sich selbst alles versagte und doch die Suche nach Freiheit und Wahrheit und somit letztendlich Freude predigte.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

naturforscher, elsass, biedermeier, kurpfalz, historischer roman

Mit dem Zug der Störche

Gabrielle C. J. Couillez
E-Buch Text: 40 Seiten
Erschienen bei null, 30.11.2014
ISBN B00O0OJVA2
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: 19. jahrhundert, abenteuer, biedermeier, elsass, kurpfalz, napoleon, naturforscher   (7)
 

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436 Bibliotheken, 7 Leser, 4 Gruppen, 54 Rezensionen

jakobsweg, pilgern, spanien, hape kerkeling, hörbuch

Ich bin dann mal weg

Hape Kerkeling ,
Audio CD
Erschienen bei tacheles!, 23.06.2006
ISBN 9783938781371
Genre: Sachbücher

Rezension:

Normalerweise bin ich ja nicht die Hörbuchfreundin. Kürzlich hatte ich mehrere hundert Autokilometer quer durch Deutschland mit seinen stark befahrenen und Baustellen belasteten Autobahnen zu machen und mich aufgrund einer Empfehlung dazu entschlossen, auf der Fahrt mal ein Hörbuch zu hören und wählte diesen abenteuerlichen Reisebericht von Hape Kerkeling.

Man soll es nicht für möglich halten, wie wunderbar mich seine plaudernde Erzählung während meines persönlichen Verkehrschaos‘ entspannt und unterhalten hat! Hapes Sprache und Stimme sind beruhigend und halten den Zuhörer dennoch von Anfang bis Ende in neugieriger Spannung auf die nächste Episode. Dabei bleibt diese Plauderei keineswegs oberflächlich. Ich habe während dieser Stunden herzlich gelacht und Tränen des Mitgefühls bei den sehr persönlichen, spirituellen Erfahrungen des Autors geweint, die dieser Prominete wie in einem vertrauensvollen Zwiegespräch mit dem Zuhörer preisgibt.

Seine sehr individuellen Erlebnisse haben mich tief berührt, wie schon lange kein Buch mehr.

Weiß jemand, wie man einen sechsten Stern verteilen kann?

 

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Ayleva – Die Reise im Licht des Nebels

Ina Tomec
Buch: 325 Seiten
Erschienen bei BAR-Verlag, 16.08.2014
ISBN 9783944515458
Genre: Fantasy

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42 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

kuba, roman, rebellion, 20. jahrhundert, wirtschaftskrise

Die Frau des Gouverneurs

Michael Wallner
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 18.08.2014
ISBN 9783630873893
Genre: Romane

Rezension:

Palme und Meereswellen auf dem Cover zeigen deutlich, worum sich Inhalt und Handlungsort des Romans drehen. Ebenfalls passend zum Roman ist es, dass dieses Covermotiv nicht in schnulziger Farbe abgedruckt ist. Auf dem Foto herrscht Sturm - ein Hinweis auf die Stürme in den Seelen der Protagonisten? Bestimmt ...

Spätestens ab Seite 20 wird man von der Spannung an das Buch gefesselt. Es liest sich flüssig, bleibt temporeich und ist bis zum Ende niemals langweilig. Die Protagonisten und das Setting kann man sich dabei gut vorstellen und man erhält von allem ein aufschlussreiches Bild, auch von den politischen Ereignissen im Kuba der Zwanziger Jahre. Der Autor hat offenkundig viel Hintergrundwissen und es bereitet Freude, zu sehen, wie er dieses locker in den Roman einfließen lässt. Den chemischen Ausführungen konnte ich zwar nicht folgen, aber ich denke, dass in einen Roman über einen Chemiker so etwas einfach reingehört. Es ist darum nicht wichtig, dass man es versteht. Die Stimmung von wissenschaftlicher Nüchternheit und Unbegreiflichkeit, die dann beim Leser kurzfristig auftritt, ist für den inneren Film ebenso von belang wie die nie in natura gesehenen Pflanzen und beschriebenen Tiere auf Kuba.

Die tiefe Beziehung zwischen Christian und Yamilé, obwohl sie sich kaum kennen, erscheint vielleicht unlogisch. Wenn ich nicht selbst erlebt hätte, wie aus einer Monate langen Brieffreundschaft mit einem Mann in Südamerika, dem ich nie begegnet bin, eine tiefe Vertrautheit erwachsen ist, würde ich es auch so empfinden. Wie die Protagonisten in diesem Roman wagt man es, gerade bei solchen aussichtslosen Bedingungen, sich ganz offen zu zeigen, denn man braucht die Verletzungen des Alltags in einer Beziehung nicht zu fürchten.

Die Protagonisten handeln meiner Meinung nach logisch, weshalb es oft vorhersehbar ist, was als nächstes geschieht. Außerdem sind sie keine Superhelden ohne Charakterschwächen.

Einiges hätte der Autor ausführlicher darstellen können. Als z. B. Yamilé plötzlich frei ist und im Auto sitzt, war ich etwas überrollt.

Auch sprachlich erschuf der Autor zu Beginn sehr schöne Formulierungen z. B. von dem Band, das die Zivilisation in den Urwald geschlagen hat. Leider büßt die Sprache im Laufe des Buches an Poesie und Ausdruck ein, weil die Sätze sehr kurz gehalten, irgendwie abgehackt sind. Die Beisätze zur Wörtlichen Rede wirken auf mich teilweise wie Regieanweisungen in einem Drehbuch. Das mag der persönliche Stil des Autors sein, der mit Sicherheit unverwechselbar ist. Aber wenn dies zu häufig auftritt, verliert das Buch an Eleganz und die schöne Story an Geschmeidigkeit. Es wird von der Balade zum Rap, um an die einfallsreichen, interessanten Aussagen des Protagonisten im Buch über seine Mitstreiter anzuknüpfen...

Ebenso vermisse ich beim Lesen tiefere Auswirkungen auf meine Gefühlswelt. Nur als Christians Vater starb, bekam ich einen kleinen Kloß in den Hals. Dies ist für mich an einem Buch jedoch sehr wichtig, denn auch ohne schmalzig zu werden, kann und sollte ein Roman berühren. 

Ich finde es gut, dass die Romanhelden wie im wahren Leben Charakterfehler haben. Natürlich ist dann auch das Ende nicht rosig sein, wo sich die Leser doch gerne in die Protagonisten hineinversetzen und weiterträumen würden. Aber so ist das Leben...

Alles in allem hat mir dieser Roman gut gefallen - nur manchmal hat mich der abgehackte Schreibstil etwas gestört. Tiefe Gefühlsregungen hat der Roman nicht in mir ausgelöst, aber er hat mich gut unterhalten.

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350 Bibliotheken, 14 Leser, 5 Gruppen, 6 Rezensionen

südamerika, magischer realismus, kolumbien, familie, macondo

Hundert Jahre Einsamkeit

Gabriel García Márquez , Curt Meyer-Clason
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.02.2004
ISBN 9783596162505
Genre: Romane

Rezension:

Natürlich geht es um die Liebe unter den Menschen, um alle Formen der Liebe, die ja das einzige ist, was wir suchen und erstreben – ob zu uns selbst oder zu anderen. Die Wege, die die Menschen dafür einschlagen, sind oft wirr und führen eher zum Gegenteil, weil der Egoismus dies diktiert.

Der Roman hat etwas von einer Parabel und seine zeitliche Ansiedlung ist kaum feststellbar. Sicherlich Absicht des Autors, der im Blick auf die Darstellung der Gesellschaft anhand dieser Familiengeschichte und Dorfgemeinschaft von Macondo einen Spiegel vorhalten will. Dennoch beschreibt der Autor seine Protagonisten sowie ihre Verhaltensweisen ohne jede Beurteilung und stellt selbst Bösewichte oder traurige und brutale Begebenheiten völlig emotionslos dar, weshalb es dem Leser selbst überlassen bleibt, wie er diese empfindet – vielleicht weil wir als Außenstehende auch nicht über andere urteilen sollen…

Die Abgründe in der fiktiven Familie Buendía, die eigentlich die Abgründe und die Exaltiertheit in jeder Gesellschaft versinnbildlichen, halten die Neugierde des Lesers von Anfang bis Ende aufrecht. Wenn dann noch durch die bildhaften Beschreibungen dieses kolumbianischen Autors Südamerika beim Lesen im Fantasiestofflichen um den Leser herum wabert, bekommt das Buch auch noch eine träumerische Note.

Es ist ein modernes Märchen, eine Erzählung in wunderschöner Sprache, die das Thema der Einsamkeit von verschiedenen Warten aus beleuchtet: Die Einsamkeit des Todes, die Einsamkeit des Ruhms und der Macht, die Einsamkeit der nach Liebe Suchenden, die Einsamkeit die aus dem Nicht-Allein-Sein-Können resultiert, die Einsamkeit in einer falsch gelebten Liebesbeziehung, die Einsamkeit, die aus mangelnder Selbstliebe resultiert ...

Viel Geschichte Südamerikas und unterschwellige Kritik ist in dieser Parabel ebenfalls versteckt.

Der Liebesschmerz und die Melancholie der südamerikanischen Mentalität quillt aus jeder Seite des Buches. Vielleicht ist es auch eine Karikatur auf die Geschichte des Landes, wobei den Zeilen immer ein gewisses Phlegma der Einsamkeit innewohnt...

Mit der Betonung im Schlusssatz des Romans auf das Fehlen einer zweiten Chance auf Erden, mahnt der Autor den Leser, seine eigenen Chancen für eine hoffnungsfrohere, liebevollere Lebenseinstellung und Lebensweise nicht verstreichen zu lassen.  

Während des Lesens habe ich festgestellt, dass dieses Buch nach der alten Rechtschreibregelung geschrieben wurde. Gefällt mir. Schön, mal wieder ein "daß" mit dem typisch deutschen scharfen S zu lesen.

Dieser Roman ist weder spannend noch emotionsgeladen, trotzdem legt man ihn nicht so einfach aus der Hand, wenn man einmal zu lesen angefangen hat – dies verbunden mit einer tadellos gewählten Sprache, darin liegt die Kunst des Schreibens.

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

italien, südfrankreich 13. jhd., gral, sizilien, grabtuch

Die Frucht des Ölbaums: Der Kreuzritter

Gabrielle C. J. Couillez
E-Buch Text: 570 Seiten
Erschienen bei Verlag 3.0 Zsolt Majsai, 12.08.2014
ISBN 9783944343686
Genre: Sonstiges

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Tags: akkon, die letzten kreuzzüge, frankreic, grabtuch, gral, italien, jerusalem, katharer, könig ludwig ix., kreuzritter, ludwig der heilige, mameluken, papst, sarazenen, tunis   (15)
 

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

abenteuer, piraten, liebe, jamaika, roman

Piraten!

Celia Rees , Monika Schmalz
Flexibler Einband: 383 Seiten
Erschienen bei bloomsbury taschenbuch, 01.10.2007
ISBN 9783833350092
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Schon das Cover in Sepiafarben mit einem halb sichtbaren, entschlossen blickenden Mädchengesicht zeigt, dass mit dem Thema dieses Jugendromans weder kindisch noch kindlich umgegangen wird. Das hervorstechende Auge spiegelt sowohl Mut als auch Angst vor bereits geschauter Gefahr wider. Nur der rot leuchtende Ohrring und die Aufschrift des Titels „Piraten“ mit Ausrufezeichen setzen einen farblichen Akzent und könnten sowohl Warnung als auch hoffnungsvolle Freude auf Befreiung aus gesellschaftlichen Zwängen andeuten. Sehr passend zum Inhalt des Buches gewählt!

Der sprachliche Ausdruck dieses für Jugendliche geschriebenen Romans ist einfach, aber tadellos. Ebenso die Orthographie, was man nicht von jedem Buch sagen kann, das doch Vorbildfunktion haben soll. Vollendete Beschreibungen helfen, sich die Landschaft und das Umfeld der Protagonistin Nancy vorzustellen. Auch das Thema der Sklaven wird tiefgehend und gefühlsstark dargestellt, sodass reale Eindrücke entstehen ohne mit übermäßiger Gewalt zu schocken.

Die Story handelt von einer sechzehnjährigen Kaufmannstochter, die nach dem Tod ihres Vaters und dem Ruin der Familie von ihren Brüdern einem reichen, viel älteren und brutalen Plantagenbesitzer versprochen wird. Ohne die Vereinbarung unter den Männern zu ahnen, besteigt Nancy ein Schiff, das sie von England in die Karibik bringt und somit von ihrem heimlichen Verlobten William, dem nicht standesgemäßen Sohn eines Kapitäns und einer Kneipenbesitzerin, trennt. Bald schon wird sie mit Gewalt konfrontiert und muss sich in die gesellschaftlichen Zwänge einfügen, die nicht nur die Sklaven sondern auch die Frauen ihrer Klasse unterdrückt. Mit einer ihrer Sklavinnen verbindet sie mehr als zwischen Herrin und rechtloser Dienerin sein sollte und die beiden schließen sich den Piraten an, weil sie keine andere Wahl haben, um in selbstbestimmter Freiheit zu leben. Sie werden zu wehrhaften Mädchen…

Immer wieder laden sehr schöne, ausführliche Beschreibungen – wie z. B. vom Sturm auf dem Meer – dazu ein, das beschwerliche Leben im 18. Jahrhundert auf dem Meer oder als Sklave auf den Zuckerrohrfeldern Jamaikas kennen zu lernen, wobei die Spannung niemals abflacht. Aber es fehlt ein Glossar mit Erklärungen von Begriffen der Seefahrt und Worten wie "Karyatiden". Gerade in einem Buch für Jugendliche halte ich dies für unumgänglich, weshalb ich nicht die volle Punktzahl geben kann.

Doch alles in allem eine zarte Liebesgeschichte und ein spannender Abenteuerroman, der nicht nur jungen Mädchen gefällt!

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

liebe, frankreich, bretagne, verlust, tod

Blau ist die Farbe der Liebe

Carlotta Franck
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.08.2014
ISBN 9783426514276
Genre: Romane

Rezension:

Der Schreibstil passt für eine entspannende, luftig leichte Sommerlektüre und das Buch liest sich darum auch mal schnell so zwischendurch, wobei Gefühle nicht auf der Strecke bleiben. Schon nach den ersten Kapiteln hatte ich Pipi in den Augen bei den traurigen Erinnerungen der sympathischen Protagonistin Sanne an ihre zu früh verstorbene große Liebe. Viele glückliche Jahre hatte sie schließlich mit ihrem Ehemann gelebt und neben ihrem Beruf die gemeinsamen Kinder aufgezogen. Allerdings wirkt mir die Ehe gegenüber dem Ende des Buches sehr glorifiziert. Doch allmählich setzt sich das Bild zusammen, da Rückblenden in Form von Tagebucheinträgen zwischen dem Geschehen die bruchstückhafte und ernüchternde Erinnerung aufzeigen.
Die Trauerphase von Sanne ist recht realistisch wiedergegeben, wie ich es auch aus meinem Freundeskreis kenne. Gut, dass es in ihrem Fall einen Familienverband durch ihre erwachsenen Kinder und eine beste Freundin gibt, die sie nicht ins Bodenlose fallen lassen.  

Das Cover passt darum von der Thematik sehr gut und ist ein gelungenes Sinnbild für den Inhalt des Buches. Mit seinen zarten Blautönen hat es etwas Frisches - könnte also etwas Neues ankündigen. Die Blüten haben mich an "Vergiss-mein-nicht" erinnert, obwohl es eine blaue Hortensie ist. Tatsächlich steht die Hortensie laut Blumensprache für die Frage: "Hast Du mich wirklich schon vergessen?", und die Hortensie ist auch ein Zeichen der Bewunderung für die Schönheit einer Frau.

Die Kapitel zu Beginn des Buches transportieren zwischendurch immer wieder sehr viel Gefühl: Die Erinnerung an die Sterbeszene von Sannes Mann und ihre Bewusstwerdung, dass es wahre Liebe gewesen sein muss, die sie unwiederbringlich verloren hat und die sich nicht so einfach vergessen lässt, selbst wenn sie sich in einen One-Night-Stand stürzt.
Dann tritt der potentielle Neue auf den Plan. Ein Franzose, der ihr nicht unbekannt ist. Die Hinführung des Lesers zu seiner Person gefällt mir auch sehr gut. Mit der Beschreibung konnte ich mir in meiner Fantasie die Romanfiguren und Handlungsorte vorstellen. Doch das Aufeinandertreffen der beiden hätte man spannender gestalten und ausführlicher ausarbeiten können. Sie kommen sich sehr nahe – nach meiner Meinung zu schnell nach all der zuvor beschriebenen depressiven Trauer. Ob sich die Distanz zwischen ihnen wirklich überwinden lässt und noch tiefe – vielleicht noch wahre Liebe reifen kann?

Hmm... Ich wegen der Sterne-Vergabe habe ich lange mit mir gehadert. Am Anfang des Buches dachte ich: Wow! 5 Sterne! Bei Beginn der 2. Hälfte fiel meine Bewertungsscala auf 3 Sterne runter und gegen Ende kämpfte ich mit einer Entscheidung zwischen 3-4 Sternen.
Denn zwischendurch wird die Sprache monoton, zumal die Protagonisten in manchen Szenen auch sehr unreif und darum für mich unlogisch agieren. Konnte ich mich Anfang des Buches noch in sie einfühlen, so sind sie nun meiner Meinung nach zu keiner tiefer gehenden Liebe fähig. Auch das Verhalten der Kinder widerspricht ihrer Beschreibung zu Beginn des Buches.
Am Ende des Romans hätte ich auch gerne wieder Pipi in den Augen gehabt... nämlich Freudentränchen. Am Anfang des Romans ging das mit dem Transportieren der Emotionen über die Worte doch auch. Schade…

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

konstantinopel, mittelalter, sarazenen, adelheid, magyaren

Kaiserin von Gottes Gnaden

Petra Welzel
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.09.2008
ISBN 9783596173976
Genre: Historische Romane

Rezension:

Erst kürzlich wurde ich nach einem gut recherchierten Roman über Frauen im Mittelalter befragt. Da hätte ich diesen empfehlen können. Schon die Farben und das Motiv des Buchcovers wirken edel und passen zur Handlung des Romans, der das Leben zweier großer Frauen am deutschen Kaiserhof des Mittelalters zum Thema hat.
Geschichtsinteressierte kommen hier voll auf ihre Kosten. Auch an Spannung fehlt es nicht. Und selbst wenn die Sprache recht einfach und leicht verständlich gehalten ist, werden die Szenen der streitbaren, wie auch liebenden Adelheid und ihrer temperamentvollen byzantinischen Schwiegertochter Theophanu im Reich der Ottonen nie kitschig. Selbstbewusst stehen sie im Schatten ihrer regierenden Männer und haben in Wahrheit die Macht in ihrer Hand. Sie begehen Fehler und müssen mit den Folgen leben, wodurch sie zu nicht ganz tadellosen Romanheldinnen werden.
Gefehlt hat es mir an etwas mehr Gefühl. Möglichkeiten gab es genug, die die Autorin dafür hätte nutzen können. So bleibt es rein der Fantasie des Lesers überlassen...

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