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121 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

thriller, horror, spiel, spannung, mord

Das Spiel - Opfer

Jeff Menapace , Sven-Eric Wehmeyer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.07.2016
ISBN 9783453677074
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Siedlung mit hübschen Ferienhütten am Crescent Lake in der idyllischen Abgeschiedenheit Pennsylvanias sowie eine vierköpfige Familie, die der Enge der Stadt entkommen will und sich auf ein unbeschwertes Wochenende in der Natur freut: Das sind die Grundzutaten, die der US-amerikanische Autor Jeff Menapace für seinen Thriller „Das Spiel – Opfer“ benötigt. Doch bevor sich der geneigte Leser fragt, seit wann bei Heyne Hardcore Cozy Crime-Romane erscheinen, sei ausdrücklich versichert: Natürlich fehlt auch das Böse nicht – in diesem Falle in Gestalt der Brüder Arty und Jim Fanelli. Doch die beiden wollen nur spielen. Das allerdings auf ihre ganz eigene, kranke Art …

„Das Spiel – Opfer“ bildet den gelungenen Auftakt zu einer vielversprechenden Thriller-Trilogie. Der Originaltitel lautet „Bad Games“ und hat dank der fundierten Übersetzung von Sven-Eric Wehmeyer ins Deutsche nichts von seinem amerikanischen Flair eingebüßt.

Autor Jeff Menapace lässt es in Band eins zunächst ruhig angehen. Nachdem man die ersten Seiten hinter sich gelassen hat, steigert sich das am Anfang subtile Grauen Stück für Stück bis hin zu einem furiosen Finale. Dabei bietet der Autor seinen Lesern nicht nur Spannung, eine Prise Witz und messerscharfe Dialoge. Er präsentiert auch bildhaft die beeindruckende Bandbreite an Scheußlichkeiten, die sich die Fanelli-Brüder (nicht nur) für die ahnungslose Familie Lambert ausgedacht hat. Darüber hinaus beschäftigt der Autor sich, seine Figuren und die Leserschaft mit einer Frage, die wohl so alt ist wie die Menschheit selbst: Wird man böse geboren oder erst im Laufe des Lebens böse gemacht? Es ist anzunehmen, dass Jeff Menapace auch im zweiten Teil, „Das Spiel – Rache“, der am 14. November 2016 bei Heyne Hardcore erscheint, dieser Thematik nachgeht. Und wer weiß? Vielleicht liefert er ja schon darin oder in Band drei mit dem Titel „Das Spiel – Tod“, der am 10. April 2017 auf den Markt kommen soll, eine Antwort.

„Das Spiel – Opfer“ ist ein typisch amerikanischer Thriller, der sich so hervorragend liest, als würde man einen guten Horrorfilm schauen. Dieses Buch lässt den Leser mit einem ungeahnten Cliffhanger zurück, der ungeduldige Neugier auf den Nachfolgeband auslöst.

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Tags: horror, pennsylvania, thriller, trilogie   (4)
 

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

finnland

Kalt

Eric Berg
E-Buch Text: 192 Seiten
Erschienen bei bloomoon, 12.02.2016
ISBN 9783845815572
Genre: Sonstiges

Rezension:

Acht Schüler und zwei Lehrer aus Deutschland machen sich zu einem Biologieprojekt nach Finnland auf. Doch schon bald wird die Renaturierung der finnischen Moore zur Nebensache: Erst verschwindet der Lehrer Dr. Brecht spurlos, danach seine Kollegin Mrs Greenwood. Der junge Betreuer Nooa muss die Truppe, mit der er in einem abgelegenen Camp wohnt, nun zusammenzuhalten. Später wird auch eine der Schülerinnen vermisst, deren Leiche man kurz darauf findet. Hat der seltsame Ranger Arttu Rinne etwas mit dem Tod des Mädchens zu tun? War es ein Unfall? Oder ist vielleicht einer der verbliebenen acht Campbewohner ein Mörder? Nach "Schrei" veröffentlichte der bloomoon Verlag, das Young Adult-Imprint von arsEdition, mit "Kalt" am 12. Februar 2016 den zweiten Jugendthriller von Eric Berg. Der Autor dürfte etlichen Krimifans durch seine Spannungsromane wie "Das Nebelhaus" oder "Das Küstengrab" sowie Freunden von historischer Literatur unter dem Namen Eric Walz ein Begriff sein. In seinem neuen Buch "Kalt" ist der Name Programm. Kälte empfinden nämlich nicht nur die Charaktere in der Geschichte - auch der Leser bekommt garantiert Gänsehaut. Schon allein mit dem Ort des Geschehens schafft Eric Berg den idealen Nährboden für Schauergefühle: Die Protagonisten bewohnen Holzhütten in einer einsamen Moorlandschaft Finnlands. Dazu kommen ein Wintereinbruch, der es in sich hat, ein angsteinflößender Ranger mit einer furchtbaren Vergangenheit und Dauer-Spannungen unter den Klassenkameraden. "Kalt" wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt - es berichten die Teilnehmer der Biologie-Exkursion, deren Angehörige und der finnische Betreuer Nooa. Das verleiht der Story eine Menge Abwechslung, ohne sich negativ auf den roten Faden auszuwirken. Insgesamt ist "Kalt" ein knackiger Jugendthriller, der sich mit seinen gerade mal 192 Seiten ohne ermüdende Ausschweifungen auf das Notwendigste beschränkt. Für meinen Geschmack hätte Eric Berg an mancher Stelle ruhig ein wenig mehr ausholen dürfen - das Potenzial dazu hat die Geschichte auf jeden Fall! Die unkomplizierte Sprache und die kurzen Kapitel machen dieses Buch zu einem "Easy Reading"-Vergnügen, das durch viel Spannung punktet und neben einigen grausamen Szenen sogar eine kleine Prise Liebe beinhaltet. Bis zum Schluss darf fleißig mitgefiebert und -gerätselt werden, wer hinter dem Tod der Schülerin und dem Verschwinden der Lehrer steckt. Ich (34) fühlte mich gut unterhalten. Ganz besonders eignet sich "Kalt" für Teens ab 14 Jahren, die sich für Thriller begeistern. Fakt ist: Mit diesem Buch im Regal kann das nächste verregnete Wochenende ruhig kommen.

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Tags: finnland   (1)
 

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101 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

freundschaft, selbstmord, zoe hagen, essstörung, suizid

Tage mit Leuchtkäfern

Zoe Hagen
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.03.2016
ISBN 9783548286945
Genre: Romane

Rezension:

Antonia ist 15 Jahre alt, verletzt sich selbst und leidet unter Bulimie. Die Einsamkeit und die Leere in ihrem Inneren bekämpft sie mit Essen, das sie regelmäßig erbricht, um sich danach wieder hundeelend zu fühlen. Eine zufällige Begegnung mit Fred verändert schließlich ihr Leben. Fred und seine Freunde bezeichnen sich selbst als der “Club der verhinderten Selbstmörder”, denn Noah, Fabien, Amira, Lynn und Fred eint genau das: Sie alle haben bereits Suizidversuche hinter sich. Antonia wird herzlich in ihren Kreis aufgenommen, lernt Freundschaft kennen und Vertrauen. Sie ist glücklich – allerdings nur für eine relativ kurze Zeit…

Mit 17 Jahren schrieb Zoe Hagen ihren Roman “Tage mit Leuchtkäfern”. Inzwischen ist die Berlinerin 21. Ihr 192-seitiges Debüt ist seit dem 14. März 2016 im Handel erhältlich.

Das Buch der jungen Autorin über ein Mädchen im Teenageralter ist dennoch kein klassisches Jugendbuch, sondern ein Roman für sämtliche Altersgruppen. Sowohl die Sprache als auch die Dialoge sind ohne Frage jugendlich, aber dieses Buch erzählt keine seichte Geschichte über typische Teenie-Probleme. “Tage mit Leuchtkäfern” ist eine einfühlsame Lektüre mit Tiefgang. Sie ist mit wundervollen Sätzen gespickt, die den Leser von Zeit zu Zeit immer wieder innehalten lassen und nachdenklich machen. “Nicht jeder, der lacht, ist glücklich. Wie heißt es so schön? Manchmal lacht man auch nur, um nicht zu weinen.” (aus “Tage mit Leuchtkäfern”, Seite 72)

Eine bedeutende Rolle, wenn auch nur in Zitatform, kommt dem französischen Schriftsteller Gustave Flaubert zu. Dank Noah wird Antonia quasi zum Fan des Verfassers von “Madame Bovary”. Einen modernen Kontrast zum etwas (Verzeihung!) angestaubten Monsieur Flaubert bilden Songtexte von Jack Johnson. Nichts verdeutlicht die vermeintlichen Gegensätze des Buches besser, denn Jugend und Anspruch schließen sich nicht aus. Das stellt Zoe Hagen in ihrem Debüt eindeutig unter Beweis.

Der Roman wird in Tagebuchform erzählt. Antonia adressiert ihre Einträge an Gott, obwohl sie nicht religiös ist. Sie meint damit vielmehr eine Kraft, “die alles irgendwie zusammenhält”. Dieser Kraft gewährt sie ungefilterte Einblicke in die Abgründe ihrer Seele, aber sie berichtet auch von den schönen Momenten, die sie gemeinsam mit ihren Freunden erlebt. Insofern ist “Tage mit Leuchtkäfern” eine emotionale Achterbahnfahrt. Antonia beeindruckt mit schonungsloser Ehrlichkeit, in erster Linie sich selbst gegenüber. Das macht sie, die starke und zugleich – in psychischer Hinsicht – schwache Hauptfigur des Buches, unglaublich sympathisch. Bei aller Schwermut verfällt sie nicht pausenlos in Selbstmitleid, was für weitere Pluspunkte sorgt.

Mit einem wahren Paukenschlag neigt sich das Buch schließlich seinem Ende zu – aber mehr wird auf gar keinen Fall verraten!

Wer eine besondere Lektüre sucht, wird mit “Tage mit Leuchtkäfern” fündig. Zoe Hagens Erstling ist vieles: Traurig, bedrückend, erschreckend, klug, modern – vor allem aber: Einzigartig!

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Tags: bulimie, essstörung, freundschaft, selbstmord   (4)
 

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166 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 50 Rezensionen

darkmere summer, jugendbuch, helen maslin, mystery, fluch

Darkmere Summer

Helen Maslin , Ilse Rothfuss
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 26.02.2016
ISBN 9783551520821
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ein verlassenes Schloss mit düsterer Vergangenheit, sechs abenteuerlustige Teenager und eine atemberaubende Atmosphäre: Das sind die wesentlichen Elemente, die Helen Maslin in ihrem ersten Roman “Darkmere Summer” zu einer faszinierenden Geschichte verbindet.

Leo ist der Star auf der Denborough-Privatschule, die Kate nur dank eines Stipendiums besuchen kann. Als Leo sie fragt, ob sie den Sommer mit ihm und seinen Freunden auf seinem geerbten Schloss verbringen will, hält sie ihn zunächst für einen Spinner. Doch er ist tatsächlich der neue Eigentümer von Darkmere Castle. Das beeindruckende Anwesen im Süden Englands liegt fernab der Zivilisation, verfügt weder über Strom noch über fließendes Wasser – an Handyempfang ist erst recht nicht zu denken. Dafür ist die Umgebung fantastisch: Eingebettet in dunkle Wälder liegt Darkmere Castle auf einem Hügel direkt über dem Meer. Private Strandpartys, jede Menge Alkohol und Spaß ohne Ende: Für die sechs Freunde beginnt der Sommer als pures Vergnügen, doch dann kippt die ausgelassene Stimmung. Kate kommt hinter bedrückende Geheimnisse, die sich einst rund um das alte Schloss zugetragen haben …

“Darkmere Summer” ist am 26. Februar 2016 bei Chicken House, einem Imprint des CARLSEN Verlags, erschienen. Nun verbindet man mit CARLSEN in erster Linie Kinder- und Jugendbücher. Doch Helen Maslins Roman lehrte selbst mich mit meinen fast 35 Jahren noch ordentlich das Gruseln. Die britische Autorin hat eine intensive Geschichte geschrieben, die sich förmlich in den Kopf des Lesers einbrennt. Sie ist eine großartige Erzählerin, die außerdem das Talent besitzt, durch Worte Bilder in 3-D entstehen zu lassen. Die markanten Figuren, mit denen sie ihre Geschichte bestückt hat, tragen dazu bei, dass man “Darkmere Summer” als echtes Lesehighlight bezeichnen darf. Leo, Kate, Hat-man Dan, Beano, Jackson und Lucy kommen alle sehr authentisch und teenagertypisch rüber. Den Gegensatz dazu bildet die Zeit um das Jahr 1825: Damals kam Elinor jung verheiratet nach Darkmere – und erlebte dort die Hölle auf Erden. Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Elinor und Kate erzählt. Dabei gelingt es Helen Maslin perfekt, die jeweils richtige Stimmung einzufangen. Übersetzerin Ilse Rothfuss hat ebenfalls einen wirklich guten Job gemacht.

Obwohl es ja heißt “Don’t judge a book by it’s cover”, muss man bei “Darkmere Summer” schon allein auf Grund seiner äußeren Erscheinung eine Ausnahme machen. Der Einband mit seinen schillernden Rot-, Orange- und Pinktönen ist bezaubernd. Außerdem sind die Anfänge der einzelnen Kapitel liebevoll mit wunderschönen Blumenranken in schwarzweiß verziert. Wer sich Helen Maslins Erstling aus dem Hause CARLSEN kauft, sollte sich unbedingt für die gebundene Ausgabe entscheiden.

“Darkmere Summer” ist also ein rundum hervorragend gelungenes Buch, das sowohl durch seine Gestaltung als auch durch den Inhalt besticht. Ich bin froh, dieses Juwel entdeckt zu haben. In meinem Buchregal bekommt es deshalb einen Ehrenplatz unter den wahren Schätzen.

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Tags: freundschaft, grusel, jugendroman, spuk   (4)
 

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152 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

hamburg, fritz honka, kiez, unterschicht, alkohol

Der Goldene Handschuh

Heinz Strunk ,
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 26.02.2016
ISBN 9783498064365
Genre: Romane

Rezension:

Neues von Heinz Strunk! Diesmal befasst sich der Hamburger Autor, der im wahren Leben Mathias Halfpape heißt, nicht mit seiner eigenen Biografie, sondern mit der eines gefürchteten Verbrechers. Obwohl es sich bei dem 256-seitigen Buch um einen Roman handelt, basiert es auf Fakten. Heinz Strunk hat dafür die Staubschicht der bislang im Staatsarchiv Hamburg unter Verschluss gehaltenen Akten zum Fall Honka abgetragen und das Leben eines Mannes aufgearbeitet, den nicht wenige für das personifizierte Böse halten: Der vierfache Frauenmörder Fritz Honka, geboren in Leipzig. Sein Lebenslauf ist von einer Tragik, die ihresgleichen sucht. Aufgewachsen in Kinderheimen, floh er 1951 in den Westen. 1956 erlitt er einen Verkehrsunfall, der ihm sein deformiertes Aussehen bescherte. Alkohol und Verwahrlosung bestimmten sein weiteres Leben. Und der “Goldene Handschuh” natürlich, eine recht urige Kneipe im berüchtigten Hamburger Stadtteil St. Pauli. Dort kehrte Honka (Spitzname: “Fiete”) regelmäßig ein, um sich sein Lieblingsgetränk “Fako” zu genehmigen – Orangenlimonade mit Korn. Im “Handschuh” schloss er auch Bekanntschaft mit seinen vier späteren Opfern, allesamt Damen des auf der Reeperbahn einschlägigen Milieus.

Die Sprache des Romans, gleichermaßen bestehend aus niederstem Jargon und apart-kultivierter Diktion, ist genauso gegensätzlich wie die beiden Lebenswelten von Strunks Protagonisten – Fritz Honka als Vertreter des Bodensatzes der Gesellschaft, demgegenüber die adelige Reederfamilie von Dohren. Und doch sind sie sich näher als man denkt. Denn auch unter feinen Häusern verlaufen Abwasserkanäle, wie es im Film “Saw” heißt.

Heinz Strunk versteht es, dem Leser Sympathien für den Trinker Honka zu entlocken, ohne ihn zu glorifizieren. Das ist nicht der einzige Balanceakt, den der 53-jährige Autor spielend meistert. Die Stimmung im Buch nämlich reicht von Ausgelassenheit bis hin zu purer Verzweiflung. “Der goldene Handschuh” deshalb mit dem Etikett “tragikomisch” zu versehen, wäre allerdings Frevel. Diese Bezeichnung ist schlicht und ergreifend zu klein für die aberwitzige literarische Reise, auf die der Hamburger Schriftsteller und Künstler seine Leser mitnimmt. Er beschreibt Momente, die Ekel und Abscheu hervorrufen, Mitleid und Fassungslosigkeit. Aber Heinz Strunk wäre nicht Heinz Strunk, wenn er nicht ebenfalls von Dingen erzählen würde, die den Leser zu wahren Lachsalven hinreißen. Dazu kommen köstliche Dialoge, mitunter verfasst in edelstem Hamburger Schnack.

Wer dieses Buch liest, wird unweigerlich zum Zaungast im “Goldenen Handschuh”. Er schließt Bekanntschaft mit Originalen wie Soldaten-Norbert, Fanta-Rolf und Tampon-Günter, lernt beeindruckende Schimpfwörter, bekommt all die großen und kleinen Tragödien mit, die sich in der Schänke am Hamburger Berg abspielen. Er wird aber auch Zeuge von Honkas Morden, denn die beschreibt Heinz Strunk auf eindringliche Weise.

“Der goldene Handschuh” ist in diesem Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik nominiert. Völlig verdient, wie ich finde, denn dieses Buch ist ganz und gar außergewöhnlich und sucht seinesgleichen. Ich dekoriere es schon jetzt, im noch sehr jungen Lesejahr 2016, mit der Auszeichnung “Mein Lieblingsbuch des Jahres”. Bisher haben es nur sehr, sehr wenige Bücher geschafft, mich derart zu fesseln und sich in mein Gehirn zu brennen wie Heinz Strunks neuer Roman.

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Tags: fritz honka, hamburg, kiez, st. pauli   (4)
 

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104 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

spreewald, krimi, mord, hörsturz, lübbenau

Spreewaldgrab

Christiane Dieckerhoff
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.01.2016
ISBN 9783548287607
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In einem stockdunklen Verließ wird eine Frau gefangen gehalten. Sie hat keinerlei Erinnerungen, weiß nicht einmal, wer sie ist. Kinderstimmen in ihrem Kopf quälen sie mit Liedern wie “Häschen in der Grube” und “Dornröschen war ein schönes Kind”. Bruchstückartig setzt ihr Erinnerungsvermögen nach und nach wieder ein – doch wird ihr dieses Wissen noch nützen?

Die gelernte Kinderkrankenschwester Christiane Dieckerhoff setzt in ihrem Kriminalroman “Spreewaldgrab” auf die Beschaulichkeit der Landschaft rund um Lübben in Brandenburg. Doch das Verbrechen existiert auch im malerischen Spreewald. Für Aufklärung soll die Polizistin Klaudia Wagner sorgen – frisch getrennt und deshalb auf eigenen Wunsch jüngst aus dem Ruhrgebiet in den Osten der Republik versetzt. Welten prallen aufeinander. Christiane Dieckerhoff macht es ihrer ohnehin schon angeschlagenen Hauptfigur nicht leicht, in ihrer Wahlheimat Fuß zu fassen. Aber Klaudia Wagner ist eine unnachgiebige Frau. Sie sagt, was sie denkt. Für den Leser ist die Kriminalobermeisterin die einzige Person, der er über den Weg trauen kann. Alle anderen Charaktere sind nicht leicht zu durchschauen. Wer steht auf welcher Seite? Einen echten Sympathieträger sucht man in “Spreewaldgrab” jedenfalls vergeblich.

Die große Stärke der Autorin ist es, für eine bilderreiche Atmosphäre zu sorgen. Mit üppigen Worten und fast schon sinnlich beschreibt sie Natur und Gegend. Manche Sätze sind purer Lesegenuss.

Bei der hervorragend durchdachten Krimihandlung sorgt Christiane Dieckerhoff für Wendungen, mit denen man nicht rechnet. Als ich während des Lesens in einem leichten Anflug von Enttäuschung denke, der Klappentext des Buchs verrät ja schon alles, und nicht mehr an eine Überraschung glaube, schlägt die Autorin plötzlich einen Haken und die Geschichte erscheint in einem ganz anderen Licht. Mit diesem Kniff hält sie die Spannung bis zum Ende des 352-seitigen Krimis konstant hoch.

Apropos Ende: Das läuft ziemlich überstürzt ab. Fast schon beängstigend ist dabei die schier übernatürliche Kombinationsgabe von Klaudia Wagner, die in “Spreewaldgrab” in ihrem ersten Fall ermittelt. Christiane Dieckerhoff schreibt an einer Krimi-Reihe, in der die selbstbewusste Polizistin die Hauptrolle spielt. Ob ich auch den nächsten Band lesen werde? Sehr wahrscheinlich.

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188 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 76 Rezensionen

münchen, gina angelucci, krimi, cold case, inge löhnig

Gedenke mein

Inge Löhnig
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.01.2016
ISBN 9783548612287
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit ihrer inzwischen siebenteiligen Reihe um den Münchner Mordermittler Konstantin Dühnfort hat es Inge Löhnig sowohl in die Spiegel-Bestseller-Liste als auch in die Herzen zahlreicher Krimi-Fans geschafft. In ihrem neuen Kriminalroman “Gedenke mein”, erschienen am 15. Januar 2016 bei List Taschenbuch, hält allerdings eine Frau die Fäden in der Hand. Und zwar nicht irgendeine, sondern Dühnforts Lebensgefährtin Gina Angelucci. Sie rollt Altfälle wieder auf, die bisher nicht geklärt werden konnten und wird von der Presse als Spezialistin für Cold Cases gefeiert. Genau deshalb steht eines Tages Petra Weber vor ihr – eine Frau, deren Ehemann sich vor mehr als zehn Jahren das Leben nahm und allem Anschein nach die gemeinsame Tochter Marie mit in den Tod riss. Die Leiche der damals Sechsjährigen wurde allerdings nie gefunden…

Gina Angelucci, eine neue Kriminalhauptkommissarin auf der Bühne der Spannungsliteratur, ist eine absolute Bereicherung für dieses Genre. Sie ist nicht von der Sorte “knallharte Ermittlerin mit hellseherischen Fähigkeiten”, sondern sie zeigt Einfühlungsvermögen und wirkt einfach herrlich normal. Hin und wieder gewährt Autorin Inge Löhnig Einblicke in das Privatleben der Kriminalbeamtin, im Vordergrund steht aber immer der tragische Fall um die kleine Marie. Und der ist erstklassig inszeniert: Inge Löhnig legt falsche Fährten und präsentiert den wahren Täter erst am Schluss. In diesem durchgehend spannenden Krimi lässt sie den Leser in menschliche Abgründe und hinter die Hausmauern von vermeintlich harmlosen Nachbarn blicken. Damit sorgt sie mehr als nur einmal für Momente, in denen man als Leser schwer schlucken muss.

Sprachlich und stilistisch ist der 400-seitige Krimi absolut versiert geschrieben – aber von einer professionellen Autorin wie Inge Löhnig habe ich das ehrlich gesagt auch nicht anders erwartet.

Zwei Dinge merkt man “Gedenke mein” ganz besonders an: Erstens die Liebe zur Stadt München, in deren Nähe die Autorin lebt. Zum Zweiten fällt ihre absolut gründliche Recherche zur Polizeiarbeit positiv auf. Von diesem Buch kann man dazu eine Menge lernen.

Mein Fazit in drei Worten? So geht Krimi!

Ich wünsche mir, dass Gina Angelucci auch weiterhin ermitteln darf.

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337 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 103 Rezensionen

thriller, mord, folter, spannung, karin slaughter

Pretty Girls

Karin Slaughter , Fred Kinzel
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 07.12.2015
ISBN 9783959670074
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die US-Amerikanerin Karin Slaughter gehört fraglos zu den ganz großen Autorinnen, an denen man als Thriller-Fan nicht vorbeikommt. Dem sehnsüchtigen Warten auf Neues aus der Slaugther’schen Feder bereitet die Verlagsgesellschaft HarperCollins Germany heute ein Ende, denn es ist soweit: Karin Slaughters neues Buch “Pretty Girls” erscheint.

Auf 500 Seiten lernen die Leser die Familie Carroll kennen – eine Familie, die eigentlich keine mehr ist, seit die älteste Tochter Julia im März 1991 spurlos verschwand. Die Eltern ließen sich schließlich scheiden, der Vater starb später, Sandwich-Kind Lydia geriet auf die schiefe Bahn und Nesthäkchen Claire heiratete den reichen Architekten Paul Scott. Heute, mit Ende 30, muss Claire hilflos mit ansehen, wie ihr Mann in einer dunklen Gasse brutal ermordet wird. Doch sie hat kaum die Gelegenheit zu trauern. Auf dem Computer ihres verstorbenen Mannes findet sie verstörende Filme – sogenannte Snuff-Pornos. Die Opfer werden gefesselt, gequält, vergewaltigt und ermordet. Die junge Witwe ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Geringsten, dass sich ihr schreckliche Wahrheiten offenbaren werden, die jenseits der menschlichen Vorstellungskraft liegen…

Im ersten Drittel des Buches befasst sich Karin Slaughter zunächst mit der Geschichte der drei Schwestern. Dabei lässt sie es eher langsam angehen. Von nervenzerfetzender Spannung ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel zu spüren. Die Autorin stellt die Carolls en detail vor. Stück für Stück entsteht aus der Familientragödie schließlich ein aufreibender Thriller mit einem fulminanten Ende, das einem schaurigen Feuerwerk gleicht.

Karin Slaughter und der Übersetzer Fred Kinzel haben dafür gesorgt, dass sich das Buch flüssig lesen lässt. Das gilt sowohl für die Sprache, die Struktur als auch für die Länge der einzelnen Kapitel, die nicht zu kurz, aber auch nicht überdimensioniert sind.

All ihren Charakteren hat die Autorin den Stempel “unverwechselbar” aufgedrückt. Sämtliche Darsteller in “Pretty Girls” sind ausgeprägte Typen, die man vielleicht nicht auf Anhieb oder letztlich auch gar nicht sympathisch findet, doch einzigartig sind sie alle. Im Verlauf der Geschichte spielt Karin Slaughter des Öfteren Katz und Maus mit ihren Lesern, indem diese sich immer wieder einmal die Frage stellen müssen: Wer ist gut, wer ist böse? Wer ist Freund, wer ist Feind? Das sorgt durchaus für Überraschungen. Letztlich haben alle Menschen zwei Seiten – Karin Slaughter beleuchtet bei ihren Figuren auf faszinierende Weise beide.

“Pretty Girls” ist ein logisch aufgebauter und typisch amerikanischer Thriller, bei dem auch der Gruselanteil nicht zu kurz kommt. Die intensive, bildhafte Geschichte um die drei Carroll-Schwestern wird dem Leser im Gedächtnis haften bleiben.

Für alle, die von dieser Story nicht genug bekommen können, hat Karin Slaughter noch ein Bonbon: “Tote Blumen”, die Vorgeschichte zu “Pretty Girls”, ist exklusiv als E-Book erhältlich.

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Tags: folter, mord, spannung, usa   (4)
 

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68 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

nachts, einsamkeit, erzählungen, kurzgeschichten, nächte

Nachts

Mercedes Lauenstein
Fester Einband: 191 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 21.08.2015
ISBN 9783351036140
Genre: Romane

Rezension:

Mercedes Lauenstein wurde vor 27 Jahren im schleswig-holsteinischen Kappeln an der Schlei geboren. Inzwischen lebt die Autorin in München. Dort spielt auch ihr Debüt “Nachts”, erschienen am 21. August 2015 im Aufbau Verlag.

In den Nächten klingelt eine junge Frau wahllos an den Türen von Wohnungen, in deren Fenstern noch Licht brennt. Bei diesen Besuchen begegnet sie den unterschiedlichsten Menschen, manche jung, andere alt, doch eines eint sie alle – egal, ob sie in Villen oder abbruchreifen Häusern leben: Die nächtliche Schlaflosigkeit. Die Gründe dafür sind genauso vielfältig wie die Charaktere, auf die Mercedes Lauenstein ihre Protagonistin treffen lässt. Einige von ihnen fangen erst in der Nacht richtig an zu leben, andere werden von Familienmitgliedern um den Schlaf gebracht oder von ihren Sorgen.

Tagebuchartig berichtet die namenlose Ich-Erzählerin von ihren Begegnungen, die mal heiter, mal rührend, tragisch, aber auch schräg sind. Von insgesamt 25 Menschen möchte die selbsternannte Nacht-Forscherin wissen, was die Leute um den Schlaf bringt. Dabei erfährt sie noch viel mehr; nicht selten sind es ganze Lebensgeschichten.

Auch wenn manche Kapitel, die jeweils eine nächtliche Begegnung umfassen, sich nur über vier Seiten erstrecken, ist es doch erstaunlich, wie scharf und präzise Mercedes Lauenstein die einzelnen Charaktere skizziert. Sorgfältig stattet die Autorin jeden von ihnen mit einer individuellen Biografie aus. Dadurch hat “Nachts” fast etwas von einem Adventskalender: Man weiß nie, was einen hinter der nächsten Tür erwartet.

In allen der 25 kurzweiligen Geschichten gelingt es Mercedes Lauenstein spielend, die ganz besondere Atmosphäre der Nacht einzufangen. Und die Nacht hat viele Gesichter. Ob watteweiche Stille im fallenden Schnee oder laue Sommerluft – die Autorin lässt ihre Hauptfigur ganz genau hinhören und hinschauen, lässt sie die Nacht mit allen Sinnen in sich aufsaugen.

Sinnlich, melancholisch, von großartiger Atmosphäre, mit echtem Tiefgang und ein sprachlich unkomplizierter Blick durchs Schlüsselloch: Das alles ist “Nachts”.

Ein Buch, so still wie die Nacht, und doch so lebendig wie der helle Tag.

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Tags: aufbau verlag, belletristik, debüt, münchen   (4)
 

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

rügen, mord, krimi, luzifer verlag, küchenbrand

Sonne, Strand und Tod

Emma Bieling
E-Buch Text: 318 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 21.07.2015
ISBN 9783958350946
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Luna Maiwald, Kriminalhauptkommissarin auf der Insel Rügen, ist auf dem Weg in den Urlaub, als ein dienstlicher Anruf sie erreicht: Am Strand des Fischerdörfchens Polchow wurde die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Tote lag unter einem mit Muscheln verzierten Sandhügel begraben. Luna und ihr Männerteam ermitteln mit Hochdruck. Mit ihrer pubertierenden Tochter Marcia und ihrem Ex Fred hat die toughe Kripo-Frau eigentlich schon genug um die Ohren – da wird die Leiche eines zweiten Mordopfers an den Ostseestrand gespült…

Emma Bieling hat sich mit ihren märchenhaften Chick Lit-Romanen “Rapunzel auf Rügen” und “Cinderella auf Sylt” einen Namen gemacht. In ihrem aktuellen Buch reist sie erneut an die Ostsee, doch diesmal wird es mörderisch: Mit “Sonne, Strand und Tod” debütiert die sympathische Autorin und Journalistin auf dem Krimi-Parkett. Der Frauenliteratur komplett entsagt hat sie damit allerdings nicht, denn die Gefühle kommen trotz grausiger Verbrechen nicht zu kurz.

Luna Maiwald steht im Mittelpunkt des Geschehens. Sie ist eine Frau, die genau weiß, was sie will – und das ist nicht wenig: Der allein erziehenden Mutter gelingt es mehr schlecht als recht, ihren Ehrgeiz im Job und ausreichend Zeit für Tochter Marcia unter einen Hut zu bringen. Die Hauptakteurin wirkt sehr schroff und manchmal übellaunig. Ein bisschen mehr Gelassenheit und Freundlichkeit würden der Figur Luna Maiwald gut zu Gesicht stehen. Die meisten anderen handelnden Personen sind weitaus sympathischer. Bei denen hat sich Emma Bieling echt ins Zeug gelegt. Ob die maulende Teenie-Tochter Marcia, der gutmütige Ex-Freund Fred oder Lunas kauziger Vater: Ein buntes Häufchen unterschiedlichster Charaktere wuselt durch die gut 300 turbulenten Seiten, auf denen in wenigen Situationen die Fantasie mit der Autorin durchgeht. Aber das darf auch so sein, schließlich handelt es sich um einen Unterhaltungsroman.

Die krimitechnische Umsetzung ist Emma Bieling außerordentlich gut geglückt. Besonders kreativ war sie, was die Mordwaffen anbelangt. Das dürfte es so bislang in noch keinem anderen Krimi gegeben haben. Bis zur überraschenden Auflösung kann der Leser fleißig mitknobeln, wer hinter den Frauenmorden von Rügen steckt. Fachmännisch unterstützt wurde die Autorin bei ihren Recherchen vom Landeskriminalamt Berlin und der Kriminaldienststelle Bergen. Für Spannung ist also ebenso gesorgt wie für das herrliche Urlaubsgefühl, das sich sofort beim Lesen der ersten Seiten einstellt. Die Insel Rügen und ihre kleine Schwester Hiddensee bilden die traumhafte Kulisse dieser Geschichte. Emma Bieling besitzt die fantastische Gabe, mit Worten lebendige Bilder zu malen. In Nullkommanichts katapultiert sie ihre Leserschaft an die Ostseeküste. Sie erzählt von Möwengeschrei, Sanddornbüschen und dem Rauschen der Wellen: Vorsicht, akutes Fernweh!

Was die Lesefreude hingegen ein wenig trübt, sind einige Schreibfehler sowie teils abenteuerliche Worttrennungen. Da muss das Lektorat nochmal ran. Andernfalls wäre es wirklich schade für die tolle Story.

Am 31. August 2015 erscheint “Sonne, Strand und Tod” als Paperback. Als E-Book ist der Rügen-Krimi aber schon jetzt lieferbar. Doch egal, in welchem Format man Emma Bielings neues Buch liest: Diesen unterhaltsamen Kriminalroman mit dem wunderschönen Cover kann ich – passend zum Sommer – wärmstens empfehlen!

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Tags: mord, ostsee, rügen, spannung   (4)
 

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(8)

12 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

russischer zupfkuchen, illustration, freundschaft

Elke - Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen

Christian Duda , ,
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 01.02.2016
ISBN 9783407820822
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Kasimir ist fünf Jahre alt und wohnt mit seinem Papa in Berlin. Weil er schließlich schon groß ist, darf er alleine in den Kindergarten gehen. Eines Morgens prallt er dabei mit einem Kuchenblech zusammen, hinter dem eine große, dicke Frau zum Vorschein kommt: Elke. Kasimir liebt Kuchen und Elke backt jeden Tag Russischen Zupfkuchen für das nahe gelegene Café – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Der in Berlin lebende Autor Christian Duda und die Illustratorin Julia Friese haben bei “Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen” nach einigen gemeinsam produzierten Bilderbüchern wieder gemeinsame Sache gemacht. Herausgekommen ist dabei ein einzigartiges Buch mit herzigen Illustrationen, das Kinder ab sechs Jahren ebenso begeistern wird wie erwachsene Leser. Es ist eine Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, die urplötzlich beginnt und die nicht nur das Leben von Kasimir und Elke ungemein bereichert. Christian Dudas Romanfiguren eint, dass sie allesamt kein perfektes Leben führen. Jeder wurschtelt sich so durch. Kasimir lebt allein mit seinem Papa, denn seine Mama ist gestorben. Elke hat an ihrer Einsamkeit und ihrem massiven Übergewicht zu knabbern. Cafébesitzer Uwe kämpft ums geschäftliche Überleben. Ganz normale Leute also, die sich ihren Alltagssorgen stellen müssen. Gerade wegen all ihrer kleinen und großen Baustellen sind Christian Dudas Figuren so authentisch. So liebevoll wie die Illustrationen von Julia Friese sind, die Kapitel für Kapitel einleiten, ist der Autor bei der Erschaffung seiner Charaktere vorgegangen. Jeder von ihnen ist ein absolut liebenswertes Unikat. Christian Duda hält ein Vergrößerungsglas über den Alltag in der fiktiven Berliner Lubitschstraße, in der die Geschichte spielt und erzählt eindringlich, welche großartigen Veränderungen Kuchen und Freundschaft bewirken können. Ihm gelingt das Kunststück, auf nur 160 Seiten die verschiedensten Gefühle beim Leser auszulösen und ihn nachhaltig zu berühren. Gerade eben lacht man noch über die witzigen Dialoge zwischen Uwe und Kasimir, schon stimmen einen die folgenden Sätze nachdenklich oder machen sogar traurig. “Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen” ist ein bittersüße Geschichte für Groß und Klein. Christian Duda hat ein besonderes Buch geschrieben, das ganz klar zu meinen Favoriten des Lesejahres 2015 zählt und dem ich von Herzen viele backende Leser wünsche. Denn Elkes sensationelles Zupfkuchenrezept darf am Schluss natürlich nicht fehlen. Das Buch ist übrigens auch als Audiobook erschienen. Gelesen wird es von der Schauspielerin Nina Petri, die die Geschichte allerdings recht emotionslos vorträgt, weshalb ich in diesem Fall unbedingt zum Selberschmökern rate.

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Tags: freundschaft, illustration, russischer zupfkuchen   (3)
 

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kriminalfälle, rechtsmedizin, sachbuch, true crime

Er hätte weiter gemordet

Claudia Puhlfürst
Buch: 208 Seiten
Erschienen bei Militzke, 01.03.2012
ISBN 9783861898481
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Berichte über authentische Kriminalfälle erfreuen sich einem großen Interesse. Der “Stern” hat mit “Crime” kürzlich sogar ein eigenes Magazin herausgegeben, das sich ausschließlich mit reellen Verbrechen befasst.

Die in Zwickau lebende Autorin Claudia Puhlfürst widmet sich in ihrem Sachbuch “Er hätte weiter gemordet”, erschienen am 1. März 2012 im Militzke Verlag, in acht Kapiteln ebenfalls echten Kriminalfällen, die zum Teil deutschlandweit für Entsetzen sorgten. Der Untertitel “Aufsehenerregende Fälle aus der Rechtsmedizin” ist Programm, denn die 1963 geborene Schriftstellerin beschränkt sich nicht darauf, die unfassbaren Taten einfach wiederzugeben. Ihr Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der rechtsmedizinischen Komponente dieser Verbrechen. Mit Prof. Dr. med. Klaus Püschel und Dr. med. Carsten Hädrich standen ihr dabei zwei erfahrene Rechtsmediziner zur Seite.

In ihrem 208-seitigen Buch gewährt die Autorin dem Leser eindrucksvolle Einblicke in eine Welt, die dem Normalbürger (Gott sei Dank?!) verschlossen bleibt und die sowohl im Fernsehen als auch in Kriminalromanen oft sehr einseitig dargestellt wird. Viele nehmen an, dass in der Gerichtsmedizin ausschließlich die Obduktion von Leichen erfolgt. Doch auch die Begutachtung von lebenden Gewaltopfern, die naturwissenschaftliche Forschung oder die Analyse von Blutspuren sind feste Bestandteile dieses Arbeitsgebietes. Ein Mordversuch an einer 18-jährigen Chemnitzerin, Skelettfunde aus dem Mittelalter oder der Fall des zu Tode gequälten Kleinkindes Kevin aus Bremen (Nichts für schwache Nerven!) belegen die Vielfältigkeit der Aufgaben der Rechtsmedizin. Man merkt, dass es Claudia Puhlfürst ein Bedürfnis ist, dem Leser diese enorme Bandbreite zu vermitteln.

Akribisch listet die Autorin in allen Fällen die gefundenen Verletzungen auf und führt aus, zu welchen teils hochinteressanten Schlussfolgerungen die Rechtsmediziner dadurch gelangen. Manchmal geht sie allerdings ein wenig zu sehr ins Detail.

In sachlichem Ton, dabei aber immer bestens verständlich, beschreibt Claudia Puhlfürst Taten, Täter, Opfer und natürlich die Arbeit der Gerichtsmedizin. Sperrige Fachbegriffe erklärt sie und lässt den Laien somit nicht im Dunkeln tappen.

Die Autorin scheut sich nicht, Missstände in der Rechtsmedizin anzusprechen – es geht beispielsweise um gekürzte Gelder, die dadurch bedingte Schließung von Instituten und die erschreckend hohe Zahl der nicht erkannten Tötungsdelikte.

Für “Er hätte weiter gemordet” hat die Verfasserin spürbar gründlich recherchiert. So zitiert sie etwa aus Anklageschriften, Gutachten und Studien.

Obwohl Claudia Puhlfürst mitunter ein wenig zu weit ausholt und sich hier und da so mancher Schreibfehler eingeschlichen hat, kann ich dieses Buch jedem, der sich für die Arbeit der Rechtsmedizin interessiert, nur ans Herz legen. Außerordentlich fundiert, gut verständlich und dazu noch unterhaltsam – diese gelungene Kombination findet man nicht bei jedem Sachbuch dieser Art.

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amsterdam, historischer roman, puppenhaus, niederlande, ehe

Die Magie der kleinen Dinge

Jessie Burton , Karin Dufner
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Limes, 16.03.2015
ISBN 9783809026471
Genre: Historische Romane

Rezension:

Amsterdam im Jahr 1686: Nella Brandt, geborene Oortman, ist ernüchtert. Obwohl frisch vermählt, bekommt sie ihren Ehemann Johannes nur selten zu Gesicht. Das Regiment in ihrem neuen Zuhause führt die gestrenge Schwägerin. Sogar die Dienstmagd macht keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber dem jungen Mädchen, das alles hinter sich ließ und im festen Glauben an ein begütertes Leben aus dem ländlichen Assendelft in die Handelsmetropole Amsterdam zog. Erst das Hochzeitsgeschenk ihres Mannes erhellt Nellas trübe Tage: Ein Puppenhaus, mit Schildpattlack überzogen, das eine originalgetreue Miniaturausgabe des prächtigen Anwesens darstellt, in dem Nella lebt. Sie möchte das Haus einrichten und wendet sich an einen Miniaturisten – nicht ahnend, welchen Stein sie damit ins Rollen bringt… Mit ihrem Debüt-Roman “Die Magie der kleinen Dinge” hat die 1982 geborene Engländerin Jessie Burton einen echten Volltreffer gelandet: In ihrer Heimat wurde das Buch mit dem Originaltitel “The Miniaturist” ein Bestseller. Verlage in 32 Ländern sicherten sich die Rechte daran. Ein verdienter Hype? Absolut! Die Autorin erzählt eine großartige Geschichte, in der sie mühelos Brücken zwischen den verschiedensten Genres schlägt. Jessie Burton verbindet den historischen Roman mit einer kitschfreien Liebesgeschichte und gibt eine gute Prise Magie dazu. Es ist eines dieser Bücher, bei denen man gegen Ende immer langsamer liest, in dem Wunsch, die Geschichte möge nicht enden. Von Beginn an nimmt dieser Roman den Leser gefangen und fesselt ihn bis zum Schluss, der leider doch irgendwann unvermeidlich ist. Dabei darf Jessie Burton getrost als Meisterin der unvorhersehbaren Wendungen bezeichnet werden, denn mit diesen wartet sie ebenso reichlich wie überzeugend auf. Mir blieb beim Lesen angesichts des überraschenden Fortgangs der Dinge sowie der Entdeckung vermeintlich gut gehüteter Geheimnisse des Öfteren der Mund offen stehen. Kapitel für Kapitel verfolgt man die erstaunliche Entwicklung der Hauptfigur Nella vom jungen naiven Mädchen zu einer mutigen Frau. Die Tatsache, dass Petronella Oortman wirklich existierte und ein Schrankpuppenhaus besaß, das heute im Amsterdamer Rijksmuseum steht, macht die Geschichte noch greifbarer. Nun ist “Die Magie der kleinen Dinge” keine Biografie über die Niederländerin, die von 1656 bis 1716 lebte, aber sie orientiert sich in vielerlei Hinsicht an der “echten” Nella. Überhaupt wirken ausnahmslos alle Charaktere geradezu reell. “Die Magie der kleinen Dinge” wird im Präsens erzählt – eher untypisch, insbesondere für einen Roman, der in einer Zeit spielt, die schon mehrere Jahrhunderte zurückliegt. Dadurch fühlt man sich als Leser aber noch mehr “mittendrin” in der Geschichte. Jessie Burton bedient sich einer üppigen, wunderbaren Sprache. Hin und wieder haben einzelne Sätze eine gewisse Doppelbödigkeit. Die Übersetzerin Karin Dufner hat hier ganze Arbeit geleistet. Auch wenn ich der Meinung bin, dass ein Leser-Leben zu kurz dafür ist, um ein Buch mehrmals zu lesen – “Die Magie der kleinen Dinge” gehört zu der Handvoll Bücher, bei denen ich eine Ausnahme machen würde.

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Tags: amsterdam, historischer roman, niederlande, puppenhaus   (4)
 

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oxford, krimi, gastronomie, rosmarin, sterneköchin

Bloody Rosemary

Katharina M. Mylius
Buch: 254 Seiten
Erschienen bei Dryas Verlag, 21.04.2015
ISBN 9783940258519
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

“The Oxbury” ist ein Edel-Restaurant in der britischen Universitätsstadt Oxford und zugleich Schauplatz eines Mordes: Die gemeinhin wenig beliebte Inhaberin Rosemary Hogan liegt erstochen in der Küche ihres Lokals. In der Hand hält die Tote einen Rosmarinzweig. Heidi Green und Frederick Collins von der Thames Valley Police begeben sich auf Täter-Suche. Gleich mehrere Verdächtige rücken ins Visier der Ermittler – angefangen bei der Familie des Opfers über die Angestellten des “Oxbury” bis hin zur Konkurrenz auf kulinarischem Terrain.

“Bloody Rosemary” ist ein Paradebeispiel des “Who done it”-Krimis. Leser, die gerne rätseln wer der Mörder ist, können ihrer Passion bis zum Ende des Buches ausgiebig fröhnen. Verdächtig ist nämlich nahezu jeder, der mit der streitlustigen Wirtin zu tun hatte.

“Die Toten vom Magdalen College” lautet der Titel des ersten Falls für die beiden Inspectors Green und Collins. Da es sich aber jeweils um abgeschlossene Fälle handelt, muss man den Erstling nicht gelesen haben, bevor man sich “Bloody Rosemary” widmet.

Die 1981 geborene Autorin Katharina M. Mylius hat selbst einige Zeit in Oxford gelebt – ein Fakt, den man der Geschichte sofort anmerkt, manchmal nur leider allzu deutlich. Denn die ausführlichen Beschreibungen der altehrwürdigen Gebäude und zur Stadthistorie lassen die eigentliche Story teilweise in den Hintergrund treten. Dadurch ist “Bloody Rosemary” halb Krimi, halb Reiseführer.

Die Darsteller bleiben allesamt ziemlich blass und konturlos. Weder Frederick Collins noch seine Kollegin Heidi Green sind richtige “Typen”. Geradezu nervig ist aber der bemühte Slang der “The Oxbury”-Angestellten Samuel Fisher und Vanessa Holloway, bei dem ständig Buchstaben und Endungen verschluckt werden. Außerdem nimmt das Privatleben der Hauptfiguren mehr Raum ein als nötig.

Ich musste jedenfalls feststellen: 254 Seiten können sehr lang sein. 229 Seiten davon umfasst der Kriminalroman. Die restlichen Seiten sind mit einem thematisch passenden Anhang versehen: Dort stellt Katharina M. Mylius ausgewählte Rezepte aus der Region Oxfordshire vor. Obwohl die britische Küche im Allgemeinen auf der lukullischen Beliebtheitsskala generell kaum die volle Punktzahl erreichen dürfte, hören sich die meisten Gerichte richtig lecker an. Das “Oxford Beef Stew” und der “Oxfordshire Bacon Rolypoly Pudding” stehen schon auf dem Menüplan für die kommenden Wochen.

Krimis lesen und Kochen sind zwei meiner großen Leidenschaften, die das Buch “Bloody Rosemary” für mich im Vorfeld so interessant gemacht haben. Ganz erfüllen konnten sich meine Erwartungen leider nicht. Die bis zum Ende durchgehend überzeugende Krimihandlung wurde durch die langwierigen Schilderungen über Oxford und das Privatleben der Ermittler leider beeinträchtigt. Schade, da wäre mehr drin gewesen!

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Tags: kochen, krimi, oxford, restaurant   (4)
 

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mord, köln, thriller-reihe, spannung

Kainsmal

Marcus Hünnebeck
Flexibler Einband: 174 Seiten
Erschienen bei Amazon Publishing, 24.06.2014
ISBN 9781477825327
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Katharina Rosenberg arbeitet als Oberkommissarin bei der Kölner Mordkommission. Als zwei Kollegen aus dem Polizeidienst gewaltsam zu Tode kommen, nimmt sie mit ihrem Team sofort die Ermittlungen auf. Hängen die Fälle zusammen? Ist ein Polizistenmörder unterwegs? Viele Fragen gilt es zu klären, deshalb ist Katharina dankbar für die Unterstützung von Christian Moll. Mit dem ehemaligen Kriminalpsychologen hat sie in der Vergangenheit bereits zusammengearbeitet. Was die beiden nun herausfinden, ist schier beängstigend – besonders für Katharina…

Der im Rheinland lebende Schriftsteller Marcus Hünnebeck liefert mit “Kainsmal” den packenden Auftakt zu einer Thriller-Reihe um die Ermittlerin Katharina Rosenberg. Und das ganz ohne Verlag. Der freie Autor, Jahrgang 1971, ist Selfpublisher. Sein Buch “Kainsmal”, das am 24. Juni 2014 sowohl als E-Book als auch im Taschenbuchformat bei Amazon Publishing veröffentlicht wurde, hat neben einem fundierten Lektorat sowie einem Korrektorat auch eine professionelle Umschlaggestaltung durch die renommierte Münchner Agentur bürosüd° erfahren.

Mit 174 Seiten ist “Kainsmal” ein recht kurzes Vergnügen, das mir immerhin einen spannenden Nachmittag beschert hat. Sicherlich hätten andere Autoren ein Buch mit mindestens 300 Seiten aus dieser Story gemacht. Das Potenzial dazu hat sie allemal. Marcus Hünnebeck aber beschränkt sich (manchmal leider zu sehr) auf das Wesentliche und lässt in seinem Thriller dadurch erst gar keine Längen entstehen. Er erzählt durchgehend in einem hohen Tempo mit prägnanten Sätzen eine sauber durchdachte Geschichte. Bis zum Showdown legt der Autor falsche Fährten und präsentiert in den insgesamt 29 knackigen Kapiteln den ein oder anderen falschen Verdächtigen.

Mit Katharina Rosenberg hat er eine toughe Ermittlerin ins Leben gerufen. Allerdings muss sie im Privaten mit einer Tragödie leben, die sich dem Leser erst allmählich erschließt. Dass Marcus Hünnebeck diese verletzliche Seite der sonst so couragierten Kommissarin beleuchtet, tut der Figur Katharina Rosenberg sehr gut.

“Kainsmal” ist trotz seines zierlichen Umfangs ein mitreißender Thriller, der mich vom Können des Autors überzeugt hat.

Mit “Die Drahtzieherin” kam am 7. April 2015 der zweite Band der Reihe auf den Markt. 230 Seiten hat der Nachfolger und damit im Vergleich zu Teil eins gut 60 Seiten mehr.

Inzwischen hat Marcus Hünnebeck Anschluss an einen Verlag gefunden. Am 3. September 2015 wird bei Egmont LYX sein Thriller “Im Auge des Mörders” veröffentlicht. In dieser Reihe spielen die Journalistin Eva Haller und der Leibwächter Stefan Trapp die Hauptrollen.

Den Namen Marcus Hünnebeck sollten Thriller-Fans unbedingt auf dem Zettel haben!

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Tags: köln, mord, spannung, thriller-reihe   (4)
 

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40 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

mops, krimi, hund, hunde, mord

Zum wilden Eck

Fritzi Sommer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.05.2015
ISBN 9783453418516
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." (Loriot) Der Mops ist gerade schwer in Mode. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis die kleinen, kompakten Hunde Eingang als Ermittler in die Krimilandschaft finden. In Fritzi Sommers Kriminalroman "Zum wilden Eck" bemüht sich ein Mops-Trio um die Aufklärung zweier mysteriöser Todesfälle. Die wiederum sind auf dem in Prerow gelegenen Campingplatz "Zum wilden Eck" geschehen, den Josi, das Frauchen der Möpse, jüngst geerbt hat. Als glühende "Tatort"-Fans verfügen die Vierbeiner Henri, Victor und Wilma selbstverständlich über genügend kriminalistischen Sachverstand und halten ihre Spürnasen aufmerksam in den Ostsee-Wind. Die Autorin Tina Wolf hat mich schon mit ihren beiden Romanen "Kein Kind ist auch (k)eine Lösung" und "Mit zwei Pampelmusen auf den Himalaya" begeistern können. Unter dem Pseudonym Fritzi Sommer begibt sich die Schriftstellerin aus Hamburg mit "Zum wilden Eck" auf neues Terrain und erfindet auch gleich ein neues Sub-Genre: Den Mops-Krimi. Treu geblieben ist sie dabei dem Humor, der auch in ihren beiden bereits erwähnten Romanen nicht zu kurz kommt. Mit Leit-Mops Henri, dem klugen Senior Victor und der leicht adipösen Wilma, die nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte, dafür aber umso liebenswerter ist, toben drei echte Charakterköpfe durch die turbulente Geschichte. Die Gespräche der vierbeinigen Schnüffler untereinander bieten immer wieder Anlass zum Schmunzeln. Einfach köstlich, diese Mops-Dialoge! Weniger sympathisch wirkt hingegen Frauchen Josi, die für mich zu unterkühlt daherkommt. Dafür sind die Nebenfiguren fast so stark wie die tierischen Protagonisten: Mit einem Augenzwinkern nimmt Fritzi Sommer die Campingplatz-Klientel auf die Schippe - sehr zum Vergnügen des Lesers. Die Krimi-Handlung bringt den Leser zwar nicht um den Schlaf, ist aber gut durchdacht, wenn auch teilweise ein wenig vorhersehbar. Für Leser, die es unblutig mögen, jedoch auf ein gewisses Quantum Spannung trotzdem nicht verzichten möchten, ist diese Lektüre perfekt. Sonnentage, Ostseestrand und Kiefernwälder beschreibt die Autorin so anschaulich, dass im Nu pures Ferienfeeling und die Sehnsucht nach Sand und Wellen aufkommt. "Zum wilden Eck" ist ein humorvolles Buch, dem auf jeden Fall ein fester Platz im Urlaubsgepäck gebührt!

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Tags: hund, krimi, mops, ostsee   (4)
 

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holledau, krimi, bayern, regionalkrimi, hochzeitslader

Der Tote am Kirchturm

Alexander Bálly
Flexibler Einband: 248 Seiten
Erschienen bei Sutton, 18.02.2015
ISBN 9783954005000
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser prägnante Ausspruch entfleucht dem 16-jährigen Robert Messerer, der in Wolnzach eben das findet – a echte Leich’. Und zwar die von Benedikt Singer, einem vermögenden Künstler aus der Holledau, der neben seiner Freundin auch seine Gattin hinterlässt. Als zweifelsfrei feststeht, dass das Opfer mit Gift getötet wurde, fällt der Verdacht auf die Noch-Ehefrau – sind Giftmorde doch erfahrungsgemäß Frauensache. Doch ob das Ermittlerteam um Karl Konrad damit richtig liegt? Der ehemalige Metzgermeister Ludwig Wimmer und seine 13-jährige Enkelin Anna glauben nicht daran und agieren undercover…

“Der Tote am Kirchturm” ist Fall Nummer zwei für Ludwig Wimmer und Anna. Schon im Vorgänger “Der Tote am Maibaum” haben die beiden leidenschaftlichen Freizeit-Detektive erfolgreich die offiziellen Ermittlungen unterstützt – doch besonders erbaut war die Gendarmerie darüber nicht. Autor Alexander Bálly lässt die Hobby-Polizisten nun wieder von der Leine. Das tut er, wie schon im Vorgänger, mit jeder Menge Humor und Mundart. Die verbreitet eine gewisse Heimeligkeit und ist auch für Leser, die nicht in der Hallertau leben, verständlich, vergleichsweise aber anspruchsvoller als im ersten Band.

Der Wortschatz des Autors scheint unerschöpflich zu sein. Für seine kreativen Ausdrücke kann man ihn nur bewundern. Stumpfe Wortwiederholungen und einfallslose Sätze? Nicht mit Alexander Bálly! Ebenso vielfältig sind die Themen, die dem Leser im Buch begegnen: Ob irische Rindviecher, apothekeneigene Giftbücher, freiverkäufliche Überwachungstechnik oder Brauchtumspflege – man kann beim Schmökern dieses heiteren Kriminalromans nur dazulernen!

“Der Tote am Kirchturm” zeichnet sich durch eine solide Krimihandlung aus. Der Leser tappt dabei genauso lange im Dunkeln wie die Polizei und die Hobby-Detektei. Die Aufklärung des Falles zieht sich zwischendurch ein wenig hin, aber diese kleine Durststrecke übersteht der Leser durch die witzigen Geschehnisse und Dialoge unbeschadet.

Wer meint, 248 Seiten böten zu wenig Lesevergnügen, kann versichert sein, dass bedingt durch die kleine Schrift für abendfüllende Lektüre gesorgt ist. 248 Seiten sind eben nicht gleich 248 Seiten.

Mir hat das Wiedersehen mit Ludwig Wimmer und Anna jedenfalls richtig viel Spaß gemacht.

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Tags: bayern, giftmord, holledau, krimi-reihe   (4)
 

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75 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

schlaganfall, freundschaft, wg, alter, liebe

Alleine war gestern

Beatrice Meier
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 09.02.2015
ISBN 9783462047509
Genre: Romane

Rezension:

WGs sind nur was für Studenten und junges Gemüse? Weit gefehlt! Ricarda, Philip, Harry, Eckart und Uschi – alle 60 plus – treten den Gegenbeweis an. Die fünf Senioren und der dicke Dackel Ralf ziehen gemeinsam in eine große Wohnung in Köln ein. Anfangs ist alles ein großer Spaß, obwohl Eckart für Erstaunen sorgt, als er mit dem Grabstein seiner vor Jahren verstorbenen Frau sein Zimmer möbliert. Doch dann erleidet Uschi einen Schlaganfall. Für Ricarda steht unverrückbar fest: Die Freunde werden Uschi nach dem Klinikaufenthalt und der anschließenden Reha pflegen. Doch dieses edle Vorhaben erweist sich in der Realität alles andere als einfach und sorgt für reichlich Zündstoff.

Schon das fröhlich-bunte Cover von Beatrice Meiers erstem Roman “Alleine war gestern” lässt erahnen, dass zwischen den Buchdeckeln eine Menge Humor lauert. Und so ist es in der Tat: Die Autorin lässt ihre fünf unverwechselbaren und liebevoll geformten Charaktere allerhand skurrile und lustige Situationen durchleben. Ich habe beim Lesen oft laut lachen müssen. Doch ebenso mühelos wie gekonnt legt Beatrice Meier den Schalter um und schlägt auch ernste Töne an: Bei Uschis Schlaganfall, der allgegenwärtigen Trauer von Eckart um seine Frau, der aufreibenden Pflege von Uschi. Dennoch versinkt die Geschichte niemals in Schwermut und bleibt durch und durch ein Unterhaltungsroman mit wunderbaren Darstellern und frechen Dialogen. Die Geschichte ist genauso lebendig wie Harry, Ricarda und Co.: Alles ist ständig in Bewegung, nie wird es langweilig. Auch die Nebendarsteller, allen voran Harrys Särge malender Enkel Timmi, sind einzigartig.

Die Verfilmung des Buches, die am 20. März 2015 ihre TV-Premiere im Ersten feierte, kam trotz guter Schauspieler meiner Meinung nach nicht an die literarische Vorlage heran. Mein Rat lautet deshalb: Lieber zum Buch greifen! Denn “Alleine war gestern” ist ein 304-seitiges Lesevergnügen voller tragikomischer Momente.

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Tags: freundschaft, köln, pflegefall, schlaganfall   (4)
 

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tod, tierkommunikation, trauer, abschied, sachbuch

Was dein Tier dir sagen will

Pea Horsley , Elisabeth Liebl
Fester Einband: 276 Seiten
Erschienen bei Arkana, 16.03.2015
ISBN 9783442341788
Genre: Sachbücher

Rezension:

“Was dein Tier dir sagen will – Wahre Geschichten von Liebe, Trost und Treue”: Als ich den Titel dieses Buches las, stand für mich – stolze Besitzerin einer einjährigen Beagle-Dame – fest, dass ich es unbedingt lesen will. Angetan war ich auch von dem auf dem Cover abgebildeten Beagle-Mischling namens Morgan, dem im Buch eine große Rolle zukommt.

Von der britischen Autorin und Tierkommunikatorin Pea Horsley hatte ich bis dato noch nichts gehört, doch in Großbritannien ist sie mit ihrer Agentur “Animal Thoughts” und ihrem ersten Sachbuch “Heart To Heart” sehr erfolgreich. “Animal Communicator’s Guide” lautet der Originaltitel ihres zweiten Buches, dessen deutsche Ausgabe “Was dein Tier dir sagen will” am 16. März 2015 veröffentlicht wurde.

Ich hatte erwartet, dass das Buch eine Art Übersetzungshilfe zur (Körper-)Sprache unserer tierischen Freunde anhand einzelner Episoden ist, musste dann allerdings feststellen, dass es bei der Tierkommunikation um den Austausch energetischer Botschaften über die Sinnesorgane geht. Schließlich ließ ich mich so vorurteilsfrei wie möglich auf das 384-seitige Abenteuer ein. Ich erfuhr, dass Pea Horsley mit Hilfe von Fotos mit lebenden und verstorbenen Tieren aller Art kommuniziert. Die Besitzer können Fragen an ihre tierischen Gefährten richten. Deren Antworten gibt die Spezialistin nach erfolgter Kontaktaufnahme an ihre Klienten weiter. Im Verlauf des Buches begegnen dem Leser Heilsteine, Schamanen, ein Gespräch mit einem Baum und das Kaffeesatzlesen. Spätestens bei Letzterem war die Grenze meines spirituellen Horizonts erreicht und ich musste einsehen, dass ich zu Dingen dieser Art in einer solchen Dimension einfach keinen Zugang habe.

Die Geschichten, die Pea Horsley erzählt, sind durchweg berührend, geht es doch in jeder um den Verlust eines Tieres. Im vergangenen Jahr habe ich selbst diese schmerzliche Erfahrung machen müssen, als unsere erste Beagle-Hündin nach elfeinhalb gemeinsamen Jahren starb, und konnte mich deshalb in den tieftraurigen Tierbesitzern nur zu gut wiederfinden. Bemerkenswert finde ich die Wertschätzung der Autorin, die sie den Tieren entgegenbringt – eine Einstellung, die leider viel zu selten anzutreffen ist.

Ob man an Pea Horsleys Arbeit glaubt, möge jeder Leser für sich entscheiden. Tierfreunde mit einem Faible für das Spirituelle werden von diesem Buch begeistert sein. Mich konnte “Was dein Tier dir sagen will” leider nicht wirklich erreichen.

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Tags: sachbuch, tierkommunikation, tod, trauer   (4)
 

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48 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 25 Rezensionen

thriller, kirgisistan, gewalt, bischkek, mord

Blutiger Winter

Tom Callaghan , Kristian Lutze
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 19.01.2015
ISBN 9783455650198
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Tiefster Winter in Kirgisistan: Inspektor Borubaew wird zu einem abgelegenen Waldstück gerufen, in dem die Leiche einer jungen Frau liegt. Er erstarrt, als er näher hinschaut, denn der hartgesottene Ermittler hat das, was sich hier ereignet hat, noch nicht gesehen. Der Fall bekommt eine ganz besondere Brisanz, als später die Identität der Toten festgestellt wird… Mit den ersten drei Sätzen hatte mich Autor Tom Callaghan schon am Haken. Sie sind von einer morbiden Schönheit und zergehen dem Leser genussvoll auf der Zunge. Etwa bis zur Hälfte des Buches war ich gefesselt von der Geschichte, von den Einblicken in ein Land, das hierzulande selten bis gar nicht eine Rolle in der Spannungsliteratur spielt. Die Sprache ist rau, oftmals obszön und passt zu den Bildern, die Tom Callaghan von Kirgisistan malt. Dort sitzen die Waffen locker, es wird nicht lange gefackelt und stets begleitet eine unsichtbare Gefahr die Protagonisten – so, als würde bereits an der nächsten Ecke jemand lauern, der Borubaew und Co. ans Leben will. Kein Wunder in den Kreisen, in denen der Inspektor ermittelt: Alles dreht sich hauptsächlich um Prostitution, Gewalt und Drogen. Fast schon gleichgültig lässt der Autor seine Hauptfigur von den Zuständen in Kirgisistans Hauptstadt Bischkek berichten: Das ärmlich ausgestattete Leichenschauhaus ist in keinster Weise mit den Standards der modernen Rechtsmedizin vergleichbar, die Krankenwagen sind ramponiert, Korruption ist an der Tagesordnung. Alles erscheint kaputt – auch Ermittler Borubaew, der seine geliebte Frau kürzlich verloren hat. Dieser gewaltige Bildersturm lässt den Leser fast vergessen, dass die Ermittlungen im Mordfall nicht recht vorankommen. Und dann beginnt die andere Hälfte des Buches. Zu viele politische Verstrickungen und ein für mich enttäuschendes Ende führen dazu, dass mich dieses Buch gespalten zurücklässt. “Blutiger Winter” ist der Auftakt einer Thriller-Reihe um Inspektor Borubaew. Doch ehrlich gesagt bin ich mir noch nicht sicher, ob ich dem zweiten Fall für den kirgisischen Ermittler mit dem Originaltitel “A Spring Betrayal” eine Chance gebe.

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Tags: bischkek, kirgisien, kirgisistan, kirgistan   (4)
 

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95 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

thriller, rudi jagusch, eifel, psychothriller, vergangenheit

Mordsommer

Rudolf Jagusch
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.03.2015
ISBN 9783453437852
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nina Lehmann hat ein Geheimnis. Eines, das ihr auf dem Karrieresprung zur Oberstaatsanwältin, zu dem sie gerade ansetzt, gefährlich werden könnte. Schlimmes hat sich 1992 ereignet. Seither lastet eine schwere Schuld auf Nina und ihren früheren Freunden. Mit ihrer damaligen Clique hat Nina vereinbart, für immer Stillschweigen über die Geschehnisse von einst zu wahren. Dann erhält sie über zwanzig Jahre später plötzlich ein mysteriöses Schreiben, in dem sie aufgefordert wird, in das Eifel-Dorf Mauel zu kommen. Auch ihre ehemaligen Freunde haben einen solchen Brief empfangen. Vor Ort werden sie alle auf dramatische Weise von ihrer Vergangenheit eingeholt. Und schließlich steht ihnen die schrecklichste Nacht ihres Lebens bevor…

Die Geschichte in “Mordsommer” ist nicht neu, aber verdammt gut erzählt. Der im Rheinland lebende Autor Rudi Jagusch bedient sich in seinem aktuellen Thriller erfolgreich der Zutaten, die es für einen richtig schönen Gruselabend auf dem Sofa braucht. Man nehme: Ein verlassenes Dorf ohne Handyempfang mit einem der Sage nach dort spukenden Geist, ein tosendes Unwetter, eine alte Kapelle, mehrere Leichen und die panische Angst vor einem wahnsinnigen Killer, der Nina und Co. dicht auf den Fersen ist. Über die insgesamt 83 Kapitel hinweg, die recht knackig gehalten sind, entpuppt sich Rudi Jagusch als Meister des Cliffhangers. Oft enden die einzelnen Kapitel so spannend, dass man gar nicht anders kann als weiterzulesen. Die äußerst angenehme Schreibe des Autors tut dazu ihr Übriges. “Mordsommer” wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt und spielt abwechselnd in den Jahren 1991/1992 und heute. Das verlassene Dörfchen Staudenhof, das ein Ortsteil der Gemeinde Mauel ist, existiert übrigens tatsächlich. Im Einband des Buches ist eine Karte abgedruckt, die es dem Leser ermöglicht, sich dieses vergessene Fleckchen Erde noch besser vorzustellen.

Das Szenario von einer Gruppe von Freunden, die im Nirgendwo von einem Killer verfolgt wird, wurde in Literatur und Film schon oft bemüht. Dennoch machen Geheimnisse, die sich dem Leser erst nach und nach erschließen, die gespenstische Atmosphäre und das Ende, das nicht vorhersehbar ist, “Mordsommer” zu einer spannenden Lektüre für alle, die eine gepflegte Gänsehaut zu schätzen wissen.

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Tags: eifel, mord, spannung, thriller   (4)
 

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157 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 36 Rezensionen

krimi, mord, münchen, nicole neubauer, keller

Kellerkind

Nicole Neubauer
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.01.2015
ISBN 9783442383375
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In einem Münchner Nobelviertel wird in einer enormen Blutlache liegend die Leiche der Anwältin Rose Benninghoff entdeckt. Die Frau lebte sehr zurückgezogen; niemand schien sie wirklich zu kennen. Kurz darauf finden die Ermittler im Keller des Hauses einen verstörten 14-jährigen Jungen vor, an dessen Händen Blut klebt. Sein Körper weist außerdem massive Verletzungen auf. Hat er Rose Benninghoff getötet? Der Junge kann sich an nichts erinnern. Kommissar Waechter und sein Team tun alles, um das Verbrechen aufzuklären. Dabei werden sie mit abscheulichen Geschehnissen konfrontiert…

Der Kriminalroman “Kellerkind” ist das Debüt der in München lebenden Schriftstellerin Nicole Neubauer – und zwar ein absolut großartiges! Die Autorin wartet mit einem tollen Ermittler-Team auf, bestehend aus Hauptkommissar Michael Waechter und seinen Kollegen Hannes und Elli. Nicole Neubauers Figuren haben Charakter, ihre ganz eigene Geschichte und verfügen über eine ungewöhnliche Tiefe. “Kellerkind” ist ein ruhiger Krimi – wobei ruhig um Himmels willen nicht mit langweilig verwechselt werden darf! Es hechtet nur nicht alle paar Minuten ein Polizist mit gezückter Waffe durch die Kapitel, noch stapeln sich die Todesopfer. Dieser Kriminalroman ist anders als die unzähligen Storys über Serienkiller und Ritualmörder – und das ist gut so. Der Mordfall glänzt durch Spannung bis zum Ende und dessen Auflösung ist ebenso schlüssig wie erschütternd. Mitunter hat das Buch sogar echte Psychothriller-Anleihen. Jeder, der einen bodenständigen und gut gemachten “Tatort” zu schätzen weiß, wird “Kellerkind” lieben. Apropos Tatort: Der gutmütige Michael Waechter hat mich ein wenig an den TV-Kommissar Bienzle aus Stuttgart erinnert. Das Ermittler-Team grantelt gern freundschaftlich unter- und miteinander. Damit streut Nicole Neubauer in manche Dialoge eine feine Nuance Humor ein. Das kommt der ansonsten sehr ernsten Geschichte zu Gute.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Dieser Krimi hat mich wirklich begeistert! Deshalb freue ich mich auch schon sehr auf “Moorfeuer”, den Nachfolgeband von “Kellerkind”, und das Wiedersehen mit Waechter und Co. – ein Ensemble, das sich mühelos und völlig zu Recht einen festen Platz in meinem Leserherzen gesichert hat.

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Tags: kriminalroman, mord, münchen, spannung   (4)
 

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roman, schülerband, erwachsen werden, teenager, bonn

Fuckin Sushi

Marc Degens
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.02.2015
ISBN 9783832197476
Genre: Jugendbuch

Rezension:

“Das Bonner Nachtleben […] findet am Hauptbahnhof an Gleis 1 statt. Von da fahren die Züge nach Köln.” (“Fuckin Sushi”, Seite 2:67) Eine Liebeserklärung an die ehemalige Bundeshauptstadt klingt anders. Dennoch spiegelt diese Aussage ziemlich genau das wieder, was Niels Dannenfeld – gemeinsam mit seinen Eltern frisch aus dem Ruhrpott an den Rhein gezogen – von seiner neuen Heimat hält: Nämlich nicht übermäßig viel. Bewegung in sein tristes Schülerdasein kommt erst, als er gemeinsam mit seinem Kumpel René eine Band gründet. Später stoßen Lloyd und Nino dazu. Als Fuckin Sushi gelangt das Quartett via Youtube zu Ruhm. Doch der hat bekanntlich auch seine Schattenseiten, wie Niels schließlich feststellen muss.

“Coming of Age” sagt man heutzutage zu Büchern wie “Fuckin Sushi”, in denen es um das Erwachsenwerden geht. Ich persönlich bezeichne diesen Roman lieber als eine wunderbar-witzige Geschichte über die unbeschwerte Zeit, bevor der Ernst des Lebens an die Tür klopft und in der man noch hochfliegende Träume hat. Niels, der Erzähler im Buch, lebt seinen Traum an der Bassgitarre aus. Es sind herrlich verrückte Tage und Nächte, die Niels mit seinen Freunden erlebt – und der Leser ist hautnah dabei. Autor Marc Degens hat für die Band einen ganz besonderen Proberaum ausgewählt: Einen leerstehenden Turm mit Flachdach in einem stillgelegten Industriegebiet. Dieser atmosphärische Ort wird zum Sinnbild für Freiheit und Unbeschwertheit, wenn die Band an lauen Sommerabenden hoch oben ihr geschätztes Dosenbier trinkt, sich dabei die Lichter der Stadt besieht oder man – wie Niels – sein erstes Mal an einem so exotischen Punkt verlebt.

Beim Lesen dieses Buches habe ich sehr oft lauthals gelacht. Anlässe dafür bietet “Fuckin Sushi” zur Genüge: Brüllend komische Situationen, beispielsweise beim Konzertdebüt von Niels und René in Bad Münstereifel, spritzige Dialoge und natürlich die unverwechselbaren Charaktere der Geschichte, die allesamt echte Typen sind.

Genauso gut wie die humorvollen Szenen gelingen Marc Degens die ernsten Töne, die “Fuckin Sushi” ebenfalls enthält. Langweilig wird es in keinem der 52 Kapitel. Im Gegenteil: In nur zwei Tagen hatte ich die insgesamt 320 Seiten regelrecht inhaliert. Das ist bei dem locker-fluffigen Schreibstil des Autors und der fantastischen Story allerdings auch nicht verwunderlich.

Eine kleine Besonderheit hat mir außerdem ein Schmunzeln entlockt: Die Seitenzahlen sind wie Zeitangaben auf einer Musik-CD gestaltet – Seite 267 wird zu 2:67.

“Fuckin Sushi” ist ein Roman mit einer unglaublich positiven Ausstrahlung – unverzichtbar für Träumer, Musikfans und alle, die sich gern gute Geschichten erzählen lassen.

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Tags: band, dumont, musik, roman   (4)
 

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münchen, rechtsmedizin, krimi, mord, kriminalroman

Die Kalte Sofie

Felicitas Gruber
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Diana, 11.03.2013
ISBN 9783453356870
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die aus München stammende Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth kehrt ihrer Wahlheimat Berlin nach nur zwei Jahren den Rücken. Zurück in heimischen Gefilden tritt sie eine Halbtagsstelle in der Gerichtsmedizin an. Dadurch kommt sie nicht umhin, mit ihrem Ex-Mann, dem flotten Kripo-Beamten Joe Lederer, zusammenzuarbeiten. Ihrer Tante Vroni, die Sofie unter Vortäuschung falscher Tatsachen zurück nach München gelockt hat, ist das nur allzu recht. Denn Joe und Sofie gehören ihrer Meinung nach einfach zusammen. Doch zunächst einmal werden die geschiedenen Leut’ von mysteriösen Todesfällen und einigen vergifteten Leckereien gehörig auf Trab gehalten…

“Die Kalte Sofie” ist der erste Band einer Krimi-Reihe um die Rechtsmedizinerin und ehemalige Polizistin Dr. Sofie Rosenhuth. Kalt ist die Hauptdarstellerin aber keineswegs – bei Sofie handelt es sich um eine warmherzige Person, die ein wenig schusselig und herrlich unperfekt ist. So nimmt sie sich fast täglich aufs Neue vor, endlich dem leidigen Hüftgold zu Leibe zu rücken. Die Anzahl der guten Vorsätze deckt sich allerdings mit der der gescheiterten Versuche.

Felicitas Gruber hat sich mit “Die Kalte Sofie” einen humorvollen München-Krimi ausgedacht. Dabei rückt sie allerdings nicht die strahlenden Seiten der bayerischen Landeshauptstadt in den Mittelpunkt. Das Herz der Autorin schlägt unverkennbar für den Stadtteil Giesing, das ehemalige Viertel der kleinen Leute, das sich bis heute seinen beinahe dörflichen Charakter bewahrt hat.

Alles an der Geschichte ist ausgesprochen lebendig: Die Figuren, die Dialoge – die auch für Menschen jenseits des Weißwurst-Äquators gut verständlich sind – und die herrlichen Bilder von München im Frühling.

Die Krimihandlung besteht aus zwei parallel verlaufenden Fällen. Sie birgt Spannung und spornt zum Miträtseln an. Die Autorin beeindruckt außerdem mit fundierten Fakten aus der Rechtsmedizin, die das umfangreiche Aufgabenspektrum dieser Berufsgruppe widerspiegeln. Denn Rechtsmediziner befassen sich nicht nur mit den Toten. Unterstützt wurde Felicitas Gruber bei ihrer Recherche von Fachleuten auf dem Gebiet der Rechtsmedizin.

In “Die Kalte Sofie” schnürt die Gruberin ein Paket, das Humor, Spannung, Münchner Lokalkolorit und viel Wissenswertes beinhaltet. Kurzum: Dieses Buch macht einfach Spaß!

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Tags: münchen, rechtsmedizin   (2)
 

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thriller, mystik, thrille, nervenheilanstalt, krimi

Todesruhe

Tanja Noy
E-Buch Text
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.01.2015
ISBN 9783956493508
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Julia Wagner wäre fast einem wahnsinnigen Mörder zum Opfer gefallen. Die beiden Schüsse, die er auf sie abgefeuert hatte, waren zum Glück nicht tödlich. Tag für Tag erinnern sie die Narben auf ihrem Oberkörper an die schrecklichen Geschehnisse – auch ihre Seele leidet. Deshalb ist sie in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Doch Julia kommt dort nicht zur Ruhe: Sie entdeckt die Leiche eines pädophilen Mitpatienten. Ihm wurden die Augen herausgerissen. Allerdings wird es nicht bei einem Toten bleiben…

Tanja Noy hat mit “Todesruhe” den zweiten Band ihrer Thriller-Reihe um Julia Wagner vorgelegt – eine Ex-Polizistin mit einer erdrückenden Vergangenheit, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen. Man sollte sich beim Lesen unbedingt an die Reihenfolge halten, da “Todesruhe” unmittelbar an den ersten Band “Teufelsmord” anknüpft. Wer – wie ich – mit “Todesruhe” beginnt, ohne Teil eins zu kennen, kommt sich gerade am Anfang ein wenig verloren vor. Nach und nach erschließt sich einem zwar die Vorgeschichte, doch das Gefühl, etwas verpasst zu haben, begleitete mich das ganze Buch hindurch.

“Todesruhe” ist ein Thriller mit vielen gruseligen Zutaten. Schon der Handlungsort sorgt für Gänsehaut, denn die Psychiatrie befindet sich in einem ehemaligen Kloster, das auf eine schaurige Vergangenheit zurückblickt. Auf dem weitläufigen Gelände befindet sich außerdem ein Friedhof. Dort liegt Annegret Lepelja begraben, eine Kindsmörderin, die im späten 19. Jahrhundert ihr Unwesen getrieben hat und deren Geist noch heute in den alten Klostermauern spuken soll. Bei mir hat all dieses Unheimliche dafür gesorgt, dass mir so mancher Schauer über den Rücken lief.

Beeindruckend fand ich, wie glaubwürdig Tanja Noy die unterschiedlichen Gründe für einen Aufenthalt in der geschlossenen Psychiatrie in lebendige Figuren kleidet: Da ist der alkoholabhängige Karl Waffenschmied, Viktor Rosenkranz – ein alter Mann, der an Demenz leidet, der gewaltbereite Robert Campuzano, vor dem die ganze Station zittert, und eben die schwer traumatisierte Julia Wagner. Zugegeben, Julia Wagner wirkte auf mich persönlich wenig sympathisch. Dafür eroberten ihr ehemaliger Kollege Zander und die ermittelnde Kommissarin Charlotte Gärtner mein Leserherz auf Anhieb. Die schlagfertigen Wortwechsel der beiden lockern die bedrückende Atmosphäre in der Psychiatrie wohltuend auf.

In “Todesruhe” erzählt Tanja Noy auf 416 Seiten eine schaurige Gruselstory mit klassischen Thriller-Elementen, die mit einem ebenso unerwarteten wie schlüssigen Ende überrascht.

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Tags: psychiatrie, thriller   (2)
 
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