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144 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

liebe, sommer, ali novak, jackie, verlust

Ich und die Walter Boys

Ali Novak , Michaela Link
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei cbt, 08.08.2016
ISBN 9783570311165
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Jackies Eltern und ihre ältere Schwester kommen bei einem Autounfall ums Leben. Ihre Verwandten sehen für sie keine Möglichkeit in ihrer Heimatstadt New York unterzukommen und so nimmt man das Angebot von Katherine Walter, einer Schulfreundin von Jackies Mutter, Jackie bei sich aufzunehmen, dankend an.


Für Jackie ein Kulturschock. Für sie heißt es nun raus aus der Stadt in die Provinz. Neue Schule, neue Menschen, kein Theater und die Kleidung dort ist auch anders. Als ob das nicht genug wäre, leben im Haus der Walters 11 Jungs. Unter diesen Umständen kann es nur zu Turbulenzen kommen.


„Ich und die Walter Boys“ wirkt auf den ersten Blick wie ein leichter, sommerlicher Liebesroman. Das Cover zeigt Jungs in Badeshorts und ein Mädchen, das ihnen souverän entgegen steht. Ein ansprechendes Titelbild, das jedoch nur in ganz kleinen Anteilen das widerspiegelt, was Ali Novak in bester Unterhaltung niedergeschrieben hat.


Jackie ist keinesfalls souverän und selbstbewusst. Wie auch, wenn das eigene Leben plötzlich Kopf steht und jegliche Stütze wegbricht. Ihre Eltern zu verlieren bedeutet für sie nicht nur den Verlust von Menschen, die sie liebt, sondern auch den Verlust von Vorbildern und einem geregelten Leben, in dem sie ihr Ziel immer vor Augen hatte.


Nun irrt sie Orientierungslos durch eine Meute Jungs – dem Geschlecht, mit dem sie bisher wenig zu tun hatte. In der Familie Walter geht es drunter und drüber. Raufereien, Wetten, Streiche. Nicht alle sind erfreut darüber, dass die Familie Zuwachs bekommen hat. Für einige von ihnen ist Jackie jedoch das hübsche Mädchen aus der Stadt, das ungeniert angeflirtet wird. Und diesen heißen Kerlen zu widerstehen ist wahrlich eine Herausforderung.


„Ich und die Walter Boys“ hat Ali Novak im Alter von 15 Jahren geschrieben. Es freut mich sehr, dass der Roman nun, viele Jahre später, auf Deutsch übersetzt wurde, denn er hat mir so gut gefallen, dass ich ihn schon mehrfach weiterempfohlen habe.


Ich mag die Mischung aus der sprachlichen Leichtigkeit mit der Novak diese erfrischende Geschichte erzählt, und der Tiefgründigkeit, die hinter den einzelnen Figuren und ihren Handlungen steckt. Eine Kombination, die mich so sehr ans Buch gefesselt hat, dass ich es (leider) in wenigen Stunden durchgelesen habe.


Jackies Leben steht in starkem Kontrast zu dem der Walter Boys. Sie ist sehr kontrolliert, in der Familie Walter ist man eher impulsiv. Novak zeigt, dass auch ein Zusammenleben solch unterschiedlicher Charaktere möglich ist, man aber etwas dafür tun muss. Zwischenmenschliche Beziehungen bedeuten Arbeit und Kompromisse. Dies müssen einige der Hauptfiguren erst lernen. Ein Weg, auf dem ich sie sehr gerne begleitet habe.


Ich freue mich, dass im nächsten Sommer mit „Ich und die Heartbreakers“ ein weiterer Titel von Ali Novak im Programm des Verlags cbt erscheint, denn sie hat mir mit ihrem Roman große Lesefreude beschert.

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

familie, young adult, jugendliche, psychologie, erwachsenwerden

Apple und Rain

Sarah Crossan , Birgit Niehaus
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 22.08.2016
ISBN 9783570164006
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Apple ist drei Jahre alt, als ihre Mutter sie bei ihrer Großmutter zurück lässt und verschwindet. Sie ist 14 Jahre alt, als diese unverhofft und genau so stürmisch wie sie gegangen ist, wieder auftaucht.


Wie soll sie ihrer Mutter begegnen? Der Person von der sie sich nichts anderes wünscht als Aufmerksamkeit und Liebe? Bedürfnisse, nach denen sie sich in den vergangenen elf Jahren mehr und mehr gesehnt hat.


Klar hat sie ihre Großmutter. Sie sorgt sich um Apple, bekocht sie, kauft ihr Kleidung, bringt sie zur Schule und holt sie dort auch wieder ab. Kein angemessener Umgang für eine 14-jährige, befindet nicht nur Klassenkameradin Donna, der es Vergnügen bereitet, Apple zu schikanieren, sondern auch Apples Mum, die das Leben eines jungen Mädchens führt. Mitten in der Woche Partys feiert, Apple dazu anspornt die Schule zu schwänzen und Jungs zu küssen.


„Apple und Rain“ ist ein berührender Roman aus der Feder von Sarah Crossan, die bereits mit „Die Sprache des Wassers“ gezeigt hat, welch Sprachkünstlerin sie doch ist. Kleine, feine, sehr leise Worte, die zuschlagen. Im fiktiven Setting der Protagonisten ebenso, wie in der Gefühlswelt der Leser.


„Apple hat Angst,

Angst vor Zank und Streit,

[…]

Angst vor Dads Launen, Angst vor Nanas Stirnrunzeln,

Angst, sich vor die Klasse zu stellen und zu sprechen,

Angst, als Idiotin dazustehen,

Angst, keine Freunde zu haben,

[…]

Angst, dass Mum aus dem Nichts auftaucht,

Angst, Wasser zu schlucken und zu ertrinken,

Angst, eine schlechte Tochter zu sein.“
(Auszug aus Apples Gedicht zum Thema „Angst“)


Mit Apple hat sie eine sehr interessante Figur erschaffen, die in ihren jungen Jahren schon einige Stationen des Lebens durchlaufen muss. An vorderster Front steht der Wunsch geliebt zu werden. Von Egan, dem hübschesten Jungen der Schule, von Pilar, der Freundin, die ihr weggestohlen wurde und vor allem von ihrer Mutter, deren Vorstellung von Liebe so ganz anders ist, als die der Großmutter.


So ist es für Apple nicht leicht, diese überhaupt zu erkennen. Lange hat sie sich danach gesehnt, von der Mutter Liebe und Anerkennung zu bekommen. Um dem Schmerz zu entgehen, hat sie so lange eigene Geschichten um ihre Mutter und deren Leben gebaut, dass es ihr nun schwer fällt zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden. Sie stellt ihre eigenen Bedürfnisse hinten an, um zu gefallen. Eine handeln zu dem sie durch Erfahrungen gezwungen wird und das sich auch auf andere Bereiche ihres Lebens auswirkt.


Es ist die Liebe, die sie in eine Schlucht gerissen hat, aber es ist auch die Liebe, die sie dort wieder heraus holt. Und trotzdem ist „Apple und Rain“ kein Liebesroman. Es ist ein Schatz. Eins dieser besonderen Bücher, das mit kraftvollen Worten und berührenden Szenen, einen festen Platz im Leserherz findet. Eben eine Geschichte, die gebrochene Herzen heilt“ (Zitat: cbt)

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48 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

stefanie hasse, liebe keinen montague, romeo und julia, 4 sterne, love

Liebe keinen Montague

Stefanie Hasse
Flexibler Einband: 213 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 01.09.2016
ISBN 9783551300676
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Romeo & Julia. Ein Klassiker. Eine Liebesgeschichte, die spannend bleibt und zu der Autoren wie Leser immer wieder zurückkehren. „Luca und Allegra“ ist eine moderne Adaption des Liebesdramas. Frisch, jung und extrem spannend.
Allegra Casari ist eine Nachfahrin der Capulets. Dies erfährt sie allerdings erst, als sie Urlaub am Gardasee macht. Dort trifft sie auf einen jungen Mann, dessen Augen ihr nicht aus dem Kopf gehen, dessen Augen ihr bekannt vorkommen, ihr ein Gefühl von Heimkehr vermitteln. Augen, die ein ihr unbekanntes Gefühlswirrwarr auslösen. Während sie sich auf der einen Seite extremst von ihm angezogen fühlt, löst er auf der anderen Seite eine unbezähmbare Wut in ihr aus. Der Fluch zwischen den Familien Capulet und Montague besteht nach wie vor.
Stefanie Hasse, die bereits vielen Lesern durch ihre romantischen Fantasyromane ein Begriff ist, läuft in ihrer aktuellen Dilogie zu Höchstform auf. Lügen, Intrigen, Romantik, Spannung. Geschrieben in eingängigem Stil.

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486 Bibliotheken, 17 Leser, 0 Gruppen, 153 Rezensionen

liebe, hamburg, essen, blumen, restaurant

Glück ist, wenn man trotzdem liebt

Petra Hülsmann
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 10.06.2016
ISBN 9783404173648
Genre: Liebesromane

Rezension:


„Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ ist eins der Bücher, die ich in diesem Jahr am häufigsten empfohlen habe. Nicht nur, weil es sehr Massenkompatibel ist, sondern vor allem, weil es große Freude bereitet. Dieses Buch macht glücklich.
Isabelle ist ein Gewohnheitstier. Täglich geht sie zur Arbeit im Blumenladen, die ihr so viel Spaß macht, dass sie den Laden irgendwann übernehmen möchte, schaut ihre Daily Soap und geht in der Mittagspause zum China Restaurant gegenüber, um dort asiatische Hühnersuppe zu essen. Chaos und unvorhergesehene Wendungen kann sie so gar nicht ab.
Ihre geliebte Regelmäßigkeit nimmt ein jähes Ende, als ihre Daily Soap abgesetzt wird und das China Restaurant schließt. Zu allem Überfluss ist der neue Besitzer des Restaurants unverschämt und aufmüpfig, weigert sich Isabelles Lieblingssupe zu kochen und hat eine scheinbar kleptomanische Schwester, die – warum auch immer – einen Narren an Isabelle gefressen hat.
Ein Roman mit ganz wunderbaren Protagonisten, einem Teller voll Situationskomik, einem ordentlichen Schuss Humor und der passenden Prise Gefühl.

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119 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

liebe, roma, zigeuner, rabe, vergangenheit

Der Kuss des Raben

Antje Babendererde
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.03.2016
ISBN 9783401600093
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mila, die slowakische Gastschülerin, ist äußerst geheimnisvoll. Sie glaubt an mystische Geschichten und unterscheidet sich in ihrem Denken sehr von ihren deutschen Klassenkameraden. Über ihre Vergangenheit redet sie nicht. Als sie und der schöne Tristan ein Paar werden, traut sie ihrem Glück kaum und tatsächlich ist es nur von kurzer Dauer. Denn plötzlich taucht Lucas wieder auf. Ein alter Bekannter von Tristan. Eine ungeklärte Fehde zwischen den Jungs entfacht ein ungeahntes Feuer.
Antje Babendererde hat sich mit ihren Indianderromanen in mein Leserherz geschrieben. „Der Kuss des Raben“ hat nun nichts mit Indianern zu tun, greift aber diese mystische Atmosphäre auf, die Babendererdes Lesern schon bekannt ist, auf. In diese geheimnisvolle Grundstimmung setzt sie nun drei interessante, komplexe und zum Teil düstere Charaktere und umwebt sie mit einem bunten Netz aus Liebesgeschichte und fesselndem Thriller. Ein Spiel aus Fantasie und Realität.

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120 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

mops, magie, schweden, krimi, fantasy

Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen

Lars Simon
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 14.10.2016
ISBN 9783423216517
Genre: Romane

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292 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 94 Rezensionen

frankreich, schwestern, resistance, zweiter weltkrieg, krieg

Die Nachtigall

Kristin Hannah , Karolina Fell
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2016
ISBN 9783352008856
Genre: Romane

Rezension:

Vianne und Isabelle – zwei Schwestern im von Deutschland besetzten Frankreich des Zweiten Weltkriegs. Die eine rebellisch, irgendwo zwischen Mut und Leichtsinn, vom Wunsch getrieben etwas zu verändern, dem Krieg und seinem Wahnsinn die Stirn zu bieten. Die andere auf Sicherheit bedacht, belastet von der Sorge um ihre Familie.


Jede erlebt den Krieg auf ihre Art. Während Isabelle losmarschiert, ihre Ideale verteidigt und versucht am großen Ganzen etwas zu verändern, muss Vianne viele kleine Kriege durchstehen. Den Feind direkt im Nacken, beherbergt im eigenen Haus, eng neben der eigenen Tochter, während der Mann an die Front ziehen musste. Still und leise wird sie Opfer eines sinnlosen, von Gier und Verblendung getriebenen Kriegs. Isabelle kämpft lautstark. Macht sich zur Zielscheibe. Schreibt Geschichte.


„Die Nachtigall“ ist für mich seit langem einer der besten Romane zum Thema Zweiter Weltkrieg. Gut recherchiert, gelingt es der Autorin Fakten mit einer Atmosphäre zu verbinden, die mich eiskalt im Nacken gepackt hat. Gnadenlos setzt sie ihre Protagonistinnen der Gewalt des Zweiten Weltkriegs aus. Szenen, die mich schockieren, obwohl ich mir dessen, was damals passierte, bewusst bin.


Vianne wirkt eher naiv. Verkörpert einen Teil des (deutschen) Volkes, der nicht gewusst hat, was damals tatsächlich geschah. Es gibt immer wieder Momente, die mich besonders treffen, weil sie blind ins Verderben rennt. Aus Angst, aber auch aus Unwissenheit. Währenddessen sitze ich vor den Seiten und sehe ihr hilflos dabei zu.


Isabelle hat Kampfgeist. Nicht ganz ungefährlich, denn im Wahnsinn denkt keiner mehr klar. Und dass die Nazis diesem verfallen sind, ist Fakt. Ich frage mich immer und immer wieder, wie ich gewesen wäre. Wie ich sein würde. Wie ich gehandelt hätte bzw. wie ich handeln würde, denn derzeit laufen wir Gefahr uns wieder den Falschen anzuschließen, den Falschen hinterherzurennen uns blenden und verbiegen zu lassen. Wichtig dies immer und immer wieder vor Augen zu haben und nicht zu vergessen.


Für mich hat „Die Nachtigall“ Lieblingsbuch Status, weil es ein Roman ist, der mich sehr berührt und bewegt hat. Die letzten 50 / 60 Seiten habe ich nur noch geweint. Nicht, dass ich das nicht schon zwischendurch getan hätte, aber am Ende haben mich Trauer, Wut und Hilflosigkeit so sehr überrannt, dass ich in einen steten Tränenfluss ausgebrochen bin. Kristin Hannah behandelt auf sehr intensive Weise ein Thema, das schon oft, aber noch nicht oft genug besprochen wurde. Sie rüttelt auf. Sie trifft. Im Herzen, aber auch im Kopf. Durch ihre Form der Darstellung der beiden Schwestern, zeigt sie den Krieg in all seinen Facetten und dass er im Endeffekt doch nur auf das eine hinausläuft – Mord, Verlust, sinnlose Gewalt.

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

freundschaft, alzheimer, j. paul henderson, diogenes verlag, letzter bus nach coffeeville

Letzter Bus nach Coffeeville

J. Paul Henderson , Jenny Merling
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.03.2016
ISBN 9783257069594
Genre: Romane

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

briefe, kinderbuch, 1. klasse, kinder, ole der hund

Pfeffer, Minze und das Schulgespenst

Irmgard Kramer , Petra Eimer
Fester Einband
Erschienen bei Loewe, 25.07.2016
ISBN 9783785582596
Genre: Kinderbuch

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Kein Wort zu niemandem

Jana Frey
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.06.2016
ISBN 9783401508962
Genre: Jugendbuch

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

mobbing, schule, freundschaft, lösungen, jugendliche

Klassenspiel

Celia Rees
Flexibler Einband: 189 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 19.08.2010
ISBN 9783551310163
Genre: Jugendbuch

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179 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 38 Rezensionen

william ritter, fantasy, detektiv, jackaby, übernatürliches

Jackaby

William Ritter , Dagmar Schmitz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 11.07.2016
ISBN 9783570310885
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Statt das Geld ihrer Eltern in ihre Ausbildung zu investieren, macht sich Abigail Rook klammheimlich davon. Von Abenteuerlust und Reisefieber getrieben, landet sie in New Fiddleham, Amerika. Um sich dort über Wasser halten, ein Zimmer und Lebensmittel kaufen zu können, braucht sie einen Job. Es erscheint wie ein Glückstreffer, als sie die Annonce liest, in der ein Assistent für eine Detektei gesucht wird. Eine aufregende Arbeit und genau das richtige für die wagemutige Abigail.


Ihr neuer Chef heißt R.F. Jackaby, ist ein sonderbarer Mann, mit einem seltsamen Hut und wie sich bald herausstellt, hat er übersinnliche Fähigkeiten, an die Abigail eigentlich gar nicht glaubt. Bereits ihr erster Fall belehrt sie eines besseren. Ziemlich schnell ist klar, dass der Serienkiller, der seit kurzem im eher beschaulichen New Fiddleham sein Unwesen treibt, übernatürliche Kräfte hat. Wer ist das Monster? Und wie kann es gestoppt werden?


„Jackaby“ ist der Debütroman des Autors William Ritter und zeitgleich Auftakt zu einer Reihe, die im Original schon drei Teile umfasst. Übersetzt wurde bisher nur der erste Band, die anderen werden aber hoffentlich bald folgen. Mir hat dieser erste Teil so gut gefallen, dass ich mich schon jetzt auf die nachfolgenden Bücher freue.


Anfangs war ich etwas skeptisch, denn es gibt im Jugendbuchbereich bereits ein anderes Ermittlerteam, dass sich um die Vertreibung von Geistern kümmert und somit ein ähnliches Aufgabengebiet innehat. Doch obwohl den Lesern, denen die „Lockwood & Co.“ Romane ebenso gut gefallen wie mir, sicher auch ihre Freude an „Jackaby haben werden, sind die beiden Reihen nicht zu vergleichen. Die einzigen Ähnlichkeiten sind eben die Mystery Elemente und das Gefühl, dass man sich in einer Sherlock Holmes ähnlichen Umgebung befindet. Eine Atmosphäre, die mir unheimlich gut gefällt.


Mr. Jackaby selbst ist eine großartige Hauptfigur. Skurril und immer ein bisschen verwirrt, hat er in Windeseile mein Leserherz erobern können. Sein Blick auf seine Umgebung, sowie seine Mitmenschen ist emotionslos und von wissenschaftlichem Charakter, was ihn fast schon zu einem Sheldon Cooper des 19. Jahrhunderts macht. Obwohl er an Übersinnliches glaubt, mit Geistern reden kann (eine davon beherbergt er sogar in seinem Haus) und die Fähigkeit des Sehens besitzt, sieht er sich als Wissenschaftler, was seine kuriose Art zusätzlich unterstreicht. Kurz gesagt: sein Blick auf die Welt ist anders, als die aller anderen. Viele, viele Male hat mich seine trockene Art zum Schmunzeln gebracht.


Gemeinsam mit Abigail, die mutig ist und sich den für Mädchen im 19. Jahrhundert typischen Verhaltensmustern entgegen setzt, ergeben sie für mich ein perfektes Ermittlerteam, das im ersten gemeinsamen Fall, der mich mit düsterer Dramatik an die Buchseiten gefesselt hat, gut zusammen arbeitet.


Voller Spannung fiebere ich der nächsten Geschichte um Abigail Rook und Mr. Jackaby entgegen.

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51 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

tod, liebe, sex, trauer, cadaqués

Auch das wird vergehen

Milena Busquets , Svenja Becker
Fester Einband: 170 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 08.02.2016
ISBN 9783518425275
Genre: Romane

Rezension:

„Auch das wird vergehen“ wird aus der Perspektive von Blanca erzählt. Ihre Mutter ist verstorben. Obwohl sie täglich bei ihr gesessen und ihre Hand festgehalten hat, war dies nicht genug, um ihr den nötigen Halt im Diesseits zu verschaffen.
Nun fühlt sich Blanca allein. Versucht Liebe zu sammeln, wo es nur geht. Schläft mit fremden und bekannten Männern, um festzustellen, dass egal wie sehr sie sich in körperlicher Liebe verliert, ihre Seele kalt bleibt.
Das Loch, das ihre Mutter hinterlassen hat, kann keiner der Männer füllen. Denn egal wie nahe andere Menschen auch stehen, wie sehr sie ihr Innerstes entblößen, kein Mensch liebt so wie eine Mutter.
Letztlich lieben wir so, wie wir in der Kindheit geliebt worden sind, und die späteren Lieben pflegen nur ein Abklatsch der ersten zu sein.“
Das weiß Blanca und doch möchte sie es nicht wahrhaben. Wie soll sie weiterleben mit dem Schmerz im Herzen? Wie soll sie fröhlich sein, wenn sie es nicht wirklich kann? Wie, wenn alle von ihr erwarten, dass sie zwar keine Freude zeigt, aber auch nicht so traurig ist, dass es zur Last fällt.
Sie rettet sich in Zynismus. Ihr Erzählton wird ironisch, hier und da muss sie über sich selbst schmunzeln. Wie tolpatschig sie sich dabei anstellt, ihre Trauer zu überwinden. Illusionen aufzubauen, die ihre Beziehung zur Mutter anders darstellen, als sie wirklich war. Fehlersuche im Mutter-Tochter-System.
Wäre die Liebe nur nicht so schwer herzustellen und zu heucheln, so aufwendig und langwierig und unterirdisch. So verheerend auch.“
Es ist Blancas eigener Weg zur Trauer, aber auch zur Hoffnung zu finden. Damit zurecht zu kommen, dass die Welt sich weiter dreht, auch wenn sie selbst aus einem dunklen Loch dabei zusieht. Es ist Blancas Weg damit umzugehen, dass nun der Mensch fehlt, der ihr immer Halt gegeben hat und dessen Verlust für sie neben all der Trauer eine neue Herausforderung darstellt – die Suche nach sich selbst.
Wäre die Liebe nur nicht so schwer herzustellen und zu heucheln, so aufwendig und langwierig und unterirdisch. So verheerend auch.“
„Auch das wird vergehen“ ist trotz aller Melancholie von leicht humorvollem Tonfall. Eine Schreibe, die dadurch perfekt zu dem passt, was die Protagonistin durchmacht. Wieder ins Glück zurückzufinden, obwohl sie das Gefühl einer allumfassenden andauernden Trauer durchlebt. Ein kleines, sehr feines Buch, das sich leicht lesen lässt und mit einem klugen Blick auf die Welt des Verlusts besticht.

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53 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

freundschaft, maine, sommer, usa, heimat

Dieser eine Sommer

CJ Hauser , Katja Bendels
Flexibler Einband: 406 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 07.06.2015
ISBN 9783458360810
Genre: Romane

Rezension:

Quinn und Leah sind aus unterschiedlichen Gründen im eigensinnigen Küstenstädtchen Menamon in Maine gelandet. Da dort jeder jeden kennt und man weiß, was welcher Nachbar wann macht, ist es nur eine Frage der Zeit bis sich der Weg der beiden jungen Journalistinnen kreuzt.
Doch icht die Arbeit ist es, die sie beide in das kleine Örtchen verschlagen hat, sondern die Konfrontation mit der Vergangenheit.
Quinn möchte ihren Vater, einen bekannten Musiker, kennenlernen. Ihn mit der Frage konfrontieren, warum sie und ihre Mutter ohne ihn an ihrer Seite durchs Leben gehen mussten. Sehen sie sich ähnlich? Gibt es Eigenschaften, die sie beide haben, obwohl sie keine Zeit miteinander verbracht haben? Fragen, die Quinn auf der Suche nach ihrer eigenen Identität über den Weg laufen und für eine gewisse Unruhe in ihrem Leben sorgen.
Leah weiß, wo ihre Wurzeln, wer ihre Eltern sind. Doch nun möchte sie auch die ihres Mannes kennenlernen. Menamon ist Henrys Heimatort und Leah durch zahlreiche Erzählungen aus seinem Mund bekannt. Nicht immer stimmen die Darstellungen seiner Erinnerung mit dem gegenwärtigen Menamon überein und so zeigt sich der wahre Henry erst dann, als er mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird.
Der Inselverlag ist für mich ein verlässlicher Ansprechpartner, wenn ich Romane suche, die leichtfüßig erzählt werden und trotzdem ihre eigene Tiefgründigkeit mit sich tragen. So auch „Dieser eine Sommer“, ein Roman, der – wie das Cover schon vermuten lässt – von zwei Protagonistinnen erzählt, die eine gute Zeit miteinander verbringen und Momente erleben, die ausschlaggebend für ihr weiteres Leben sind.


Während sowohl Leah, als auch Quinn mit ihren privaten Problemen zu kämpfen haben, bewegen sie sich im Zuge ihrer Arbeit als Journalistinnen auf eine Entdeckung zu, die wie so vieles in Menamon, totgeschwiegen wird. Sowohl die privaten, als auch beruflichen Erfahrungen tragen dazu bei, dass aus der zunächst kühlen Beziehung der beiden Frauen eine Freundschaft entsteht.
Die Atmosphäre des Romans hat mir sehr gut gefallen und entsteht vordergründig durch die Eigenarten des kleinen Örtchens Menamon und seine Bewohner. Ein bisschen stur, eigenbrödlerisch, verschlossen und skeptisch gegenüber Fremden - ein Küstenstädtchen mit Charakter.
Leah und Quinn sind ein Farbklecks zwischen all den alteingesessenen Familien und deren Geschichten und doch passen sie auf ihre eigene Art gut ins Bild. Zwei Protagonistinnen, die beide schon nach den ersten Seiten meine Sympathien gewinnen konnten, obwohl sie eher unterschiedlicher Natur sind.
„Dieser eine Sommer“ besticht nicht durch außerordentliche Spannung, ist aber dennoch ein sehr lesenswerter kleiner Roman, der den Blick auf die Dinge des Lebens richtet, die wichtig sind – Freundschaft, Familie, Liebe und Heimat.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Mein erstes Buch von den Tieren

Nathalie Choux
Pappbuch: 12 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 03.09.2014
ISBN 9783845806969
Genre: Kinderbuch

Rezension:

„Wer hat eine wilde Mähne?“ So die tierische Frage auf der ersten Seite des Bilderbuches „Mein erstes Buch von den Tieren“.


Gespannt sitzen die kleinen Mäuse neben mir, die Antwort liegt ihnen bereits auf der Zunge. Bevor sie diese laut heraus rufen können, bewegt einer den Schieber. Der Löwe kommt hinter einem Busch hervor.


Das gleiche Spiel folgt Seite um Seite. Von der Savanne geht’s in den Dschungel, in den Wald bis hin zum Meer, wo ein Delfin fröhlich aus dem Wasser springt. Auf der letzten Seite sind noch einmal alle Tiere abgebildet.


Die Frage „Welches ist dein Lieblingstier?“ ist nur einer von mehreren Möglichkeiten wie das Buch zur Erweiterung des Sprachschatzes genutzt werden kann.


Welche Tiere sind bereits bekannt? Welche sind im Gedächtnis geblieben?


Größere Kinder haben außerdem die Möglichkeit den Lebensraum und die Farben der Tiere dazu zu lernen.


Die Farben und Formen der Tiere sind einfach und klar gehalten. Leicht zu erkennen und gut zu unterscheiden. Das Material ist stabil und das Schiebesystem sieht so aus, als würde es etlichen Stunden nutzen standhalten


Das spielerische bedienen des Schiebers ist nicht nur ein witziges Gadget (an dem auch Erwachsene Freude haben), sondern eine Möglichkeit die Motorik des Kindes zu verbessern.


Die Auswahl an Themen ist Vielfältig. Ganz bestimmt ist für jeden Geschmack was dabei. Ob Tiere, Fußball oder Jahreszeiten, Körper, Weihnachten oder Fahrzeuge – 18 verschiedene Themen sorgen für Abwechslung und spielerisches Lernvergnügen.


Und Spaß macht es alle mal!

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320 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 57 Rezensionen

depression, ratgeber, angst, krankheit, sachbuch

Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

Matt Haig , Sophie Zeitz-Ventura
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 18.03.2016
ISBN 9783423280716
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Krankheiten. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt einmal im Leben an Depression. […] Depression kann jeden treffen.“ (Quelle: Stiftung Deutsche Depressionshilfe)


Depression ist kein Zustand, den Betroffene sich einreden, der diejenigen trifft, die zu schwach sind Etwas auszuhalten, die nicht arbeiten wollen oder die Menschen in ihrem Umfeld unter Druck setzen wollen – alle aufgezählten Punkte sind Vorurteile, die ich im Bezug zu Depressionen schon gehört habe. Depression ist eine Erkrankung, die jeden treffen kann. Einer von ihnen ist Matt Haig, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller.


Fast jeder von uns ist bereits mit Depression in Kontakt gekommen. Und trotzdem und trotz all der Toleranz, die wir uns täglich auf die Stirn schreiben, wird nach wie vor hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen. Es besteht Scham, denn die angesprochene Toleranz ist eben doch nicht vorhanden und die Blicke, die an Depression erkrankten Menschen zugeworfen werden, sind schiefer als schief.


„Da ist kein Licht am Ende des Tunnels, denn der Tunnel ist an beiden Enden zu, und du bist drin.“


Auch ich bin sowohl im privaten, wie auch beruflichen Umfeld bereits mit Depression in Kontakt gekommen. Hätte ich im Vorfeld Haigs Roman gelesen, hätte ich noch viel mehr Verständnis aufbringen können. Haig klärt auf. Hilft zu verstehen. Denen, die eine Schnittstelle zu Erkrankten haben, aber auch denjenigen, die von der Krankheit betroffen sind, denn indem er von seinen eigenen Erfahrungen berichtet, gibt er Erkrankten Tipps und Hilfestellungen.


Ich wähle das Wort „Erkrankte“ bewusst, denn man kann nicht oft genug erklären, dass es sich um eine Krankheit handelt. Und nicht um einen selbst herbeigeführten, selbst inszenierten Zustand. Es ist eine Erkrankung, die aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren entsteht. Einige von ihnen sind neurobiologischer Natur und damit wissenschaftlich belegbar. Depressionen können behandelt werden und sind heilbar. Wie lang und steinig der Weg zur Linderung ist, macht Matt Haig deutlich. Verständlich für jeden, auch diejenigen, die keine Vorkenntnisse haben oder immer noch zwischen ihren Vorurteilen festhängen.


„Wenn es am schlimmsten ist, wünschst du dir verzweifelt irgendein Leiden, irgendwelche körperlichen Schmerzen, weil die Psyche unendlich ist und ihre Qualen genauso unendlich sein können.“


Solltet ihr jemals so jemandem begegnen, reicht ihm „Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben“. Matt Haig verdeutlicht wie schwer es ist mit Depression zu leben, dagegen anzukämpfen und nicht den Ausweg im Suizid zu finden. Allein in Deutschland sind 90% derjenigen, die Suizid begehen, Menschen, die an Depressionen leiden (Quelle: Stiftung Deutsche Depressionshilfe). Eine unfassbare hohe Zahl. Wie schlecht muss es einem Menschen gehen, wenn der Tod die bessere Alternative ist, als das Leben? Matt Haig beschreibt es. Mit all seinen Gefühlen, seinen intimen Geständnissen, die den Leser mitten in sein Innerstes blicken lassen, hat er mich tief berührt. Ich habe mit ihm gelitten, habe mich an all diejenigen an Depression erkrankten erinnert, die mir bisher in meinem Leben begegnet sind und einige Tränen vergossen. Mitleid ist es aber nicht, was sie benötigen. Was sie brauchen ist Verständnis und Respekt. Nur so haben sie die Möglichkeit offen mit ihrer Erkrankung umzugehen und eine Behandlung durchzuführen.


„Nach dem Regen kommt Sonnenschein. Und manchmal können Worte einen Menschen tatsächlich befreien.“


Um genau diese Punkte kämpft Matt Haig in seinem Buch, das mehr ist, als ein biografischer Roman, mehr als ein Sachbuch, mehr als ein Erfahrungsbericht. Es ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, weil es so sehr bewegt und ganz nebenbei fabelhaft geschrieben ist. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und hoffentlich bei vielen Lesern auch zum Umdenken. Ein Buch, das Mut macht für das eigene Leben zu kämpfen.  

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olympische spiele, olympia, london, berlin, judenverfolgung

Als der Himmel uns gehörte

Charlotte Roth
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2015
ISBN 9783426516645
Genre: Romane

Rezension:

Jennifers Leben ist das Laufen. Ohne Laufen fühlt sie sich nicht wohl. Es hilft ihr Gedanken zu ordnen und sich zu finden. Aber es ist auch ihr Feind, denn immer, wenn sie an einem Wettbewerb teilnehmen möchte, versagen ihre Beine. Sie hätte das Zeug für Olympia, aber dieses Problem macht ihr so sehr zu schaffen, dass sie drauf und dran ist, die Flinte ins Korn zu schmeißen.


Ein junger Ire, hübsch, nett, aber durch einen Unfall nicht mehr in der Lage selbst zu laufen, nimmt sich ihrer an. Bietet ihr an, sie zu trainieren. Durch ihn erfährt sie, dass sie nicht die erste Frau in der Familie ist, die das Zeug zu einer Olympiateilnahme hat.


Schon ihre Großmutter Alberta war eine begabte Sportlerin. Leidenschaftliche Pferdenärrin und begabte Bogenschützin. Auf dem besten Weg zu Ruhm und Ehre. Doch dann kommt der Krieg, der nicht nur ihr persönliches Schicksal beeinflusst, sondern das ganzer Nationen, kultureller Güter und eben auch das des Sports.


„Als der Himmel uns gehörte“ hat sich schon jetzt einen Platz in der Liste meiner Leshighlights 2016 ergattert. Obwohl mir bereits Charlotte Roths Roman „Als wir unsterblich waren“ sehr gefallen hat, bin ich völlig geplättet, wie gut die Geschichte der beiden Frauen ist, die sich dem Sport verschrieben haben.


Roth erzählt auf verschiedenen Zeitebenen, die inhaltlich miteinander verknüpft werden. Dadurch entsteht ein mitreißender Sog, der dafür sorgt, dass ich die über 600 Seiten inhaliere. Leicht fliege ich durch die Seiten und bemerke nicht, wie ich eine nach der anderen verschlinge. So sehr interessieren mich die Schicksale der beiden Frauen, die sich ähnlicher sind, als sie es vielleicht geglaubt haben.


Ganz besonders gern bewege ich mich in der Vergangenheit. Alberta hat es mir angetan. Fröhlich, mutig, sportlich und mit einem großen Herz, das manchmal jedoch so übermütig ist, dass sie gar nicht merkt, dass sie anderen auf die Füße tritt. Für sie jedoch die einzige Chance sich durchzukämpfen, in einer Zeit, in der Menschen vom Wahnsinn getrieben jegliche Realität und Gerechtigkeit aus den Augen verlieren.


Ich liebe es wie Charlotte Roth wieder einmal persönliche Geschichten mit historischen Begebenheiten verknüpft. Ihre Protagonisten sind so interessant konzipiert, dass ich sie gern begleite. Nicht nur Alberta, sondern auch den sehr charmanten und erfrischenden James Seaton-Carew, der Jungspund, der nichts ernst zu nehmen scheint, außer die Liebe zu seinem Pferd und der ebenso von der Härte des Kriegs getroffen wird, wie Hannes von der Weydt, Kavallerist und Albertas erste Liebe.


Nicht nur Protagonisten werden mit viel Leben gefüllt, sondern auch Nebencharaktere. Roth verdeutlicht damit nochmals, dass jedes menschliche Leben zählt, in einem Krieg, der Menschen als wertlos deklariert. Wieder einmal schockiert mich die Tatsache, dass Menschen aufgrund einer geringen optischen Andersartigkeit, aufgrund anderer Glaubensvorstellungen, aufgrund anderer Denkweise, ausgestoßen und umgebracht werden. Eine Tatsache, die immer und immer wieder angesprochen werden muss, da es immer noch genügend Personen gibt, die daraus nichts gelernt haben.


Besonders gefallen hat mir die Verbindung zum Sport. Ich wusste zwar schon einiges über die Historie des Reitsports, aber weniger über die des olympischen Sports im allgemeinen. So sehr mich Mord und Totschlag des zweiten Weltkriegs betrübt, so sehr schockiert mich auch immer wieder, dass ebenso kulturelle Entwicklungen gehemmt wurden.


„Als der Himmel uns gehörte“ bekommt von mir eine klare Leseempfehlung. Charlotte Roth konnte mich mit ihrem Roman, der persönliche Schicksale zweier interessanter Frauen und ihrer Leidenschaft zum Sport, mit Weltgeschehen, insbesondere dem zweiten Weltkrieg, verknüpft, restlos begeistern.

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Zwei Herzen im Goldfischglas

Sally Partridge , Edith Beleites
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 09.05.2016
ISBN 9783570403310
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Bei Nathan wurde eine leichte Form von Asperger diagnostiziert. Emotionen anderer zu spüren und Intuitiv handeln ist für ihn eine echte Herausforderung. Deshalb hat er begonnen die Handlungsformen und Ausdrucksweisen seiner Mitmenschen zu studieren und seine Interaktionen auf dabei erlerntes abzustimmen.


Auf Olivia, in deren Gegenwart er Gefühle hat, die er sich bisher nicht erklären kann, macht er den Eindruck, als könne er Gedanken lesen. Dass er weit davon entfernt ist und seine Witze nicht immer witzig gemeint sind, bemerkt sie nicht. Seine Fähigkeit seine Mitmenschen aufgrund deren Körpersprache einschätzen zu können, möchte sie sich zu Nutze machen und mit seiner Hilfe in den Kreis der erlesenen Mitschülerinnen, der High-Society des Schulhofs, aufzusteigen.


Doch dann muss Olivia auf unschöne Art erfahren, dass es nicht wichtig ist, ob man angesagte Klamotten trägt, sondern nur, wer man wirklich ist.


Obwohl ich großer Fan der TV-Serie „The Big Bang Theory“ bin, in der es mit Sheldon Cooper eine ähnliche Figur wie Nathan gibt, sehe ich Protagonisten mit Asperger Syndrom immer etwas kritisch, denn die durch Situationskomik entstehenden Witze, gehen doch auf Kosten der durch Asperger veränderte Weltanschauung. Auf der anderen Seite denke ich jedoch, dass es auch eine Form der Aufklärung ist, uns offener werden lässt gegenüber Mitmenschen, die sich nicht der Norm entsprechend verhalten.


Nathan weiß schon von Kindesbeinen an, dass er anders ist, als seine Mitmenschen. Anders, als seine Familienmitglieder und anders, als seine Klassenkameraden. Umso weniger versteht er, dass Olivia sich wünscht normal zu sein, denn erstens kennt er niemanden, der so toll zeichnen kann, wie sie, und zweitens ist sie genau richtig, so wie sie ist.


Der Einstieg in den Roman ist mir nicht so ganz leicht gefallen, denn die Schreibe der Autorin wirkt auf mich etwas eilig und damit auch eher oberflächlich. Auch mit Nathans Art musste ich mich erst vertraut machen, denn dafür, dass er so wenig Kontakt zu seinen eigenen Gefühlen hat, wirkt er sehr reflektiert.


Ich brauchte ein paar Seiten, um mit Nathan, dem Erzählton und der Geschichte an sich warm zu werden. Ähnlich wie Protagonistin Olivia, habe auch ich ein bisschen gebraucht, bis ich das Wundervolle unter der Oberfläche erkannt habe. Erst als Autorin Sally Partridge ernstere Töne anschlägt und ich dabei zusehen muss, wie Olivia in ihr Verderben treibt, fühle ich mich mit dem Roman verbunden, der unter der Oberfläche seines bunten Covers, die Geschichte eines besonderen Menschen verbirgt.


„Zwei Herzen im Goldfischglas“ ist ein berührender Jugendroman, der die zarte Liebesgeschichte zweier junger Menschen erzählt, die sich von der breiten Masse ihrer Mitmenschen abheben. Eine Geschichte, die zeigt, dass es sich immer lohnt tiefer zu blicken und sich eine eigene Meinung zu bilden, bevor man einer vorgeformten Ansicht hinterherrennt und dadurch glückliche Momente verpasst, die nur durch Individualität machbar sind.

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zauberer, zauberei, magie, juden, prag

Der Trick

Emanuel Bergmann
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257069556
Genre: Romane

Rezension:

Der zehnjährige Max Cohn ist verzweifelt. Seine Eltern werden sich scheiden lassen. Er selbst gibt sich die Schuld daran, hinterfragt die Gründe und sein eigenes Handeln, kommt jedoch auf keinen grünen Zweig. Einzige Rettung scheint „Der Zauber der ewigen Liebe“ zu sein. Ein Zauber, den nur der Magier Zabbatini wirken kann. Nur er weiß, wie die verlorene Liebe der Cohns wieder aufflammen kann. Max bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Mann zu machen.


73 Jahre zuvor hofft ebenfalls ein Junge auf einen Zauber, denn seine Mutter liegt im Sterben. Mosche Goldenhirsch spürt eine ähnliche Verzweiflung wie Max, denn die Mutter ist der einzige Mensch, der ihn wirklich versteht. Nach ihrem Tod kommt es zum Bruch mit dem Vater und Mosche geht dorthin wo er zum ersten Mal Magie erlebt: in den Zirkus. Sein Wunsch sich dem legendären wie fantastischen Halbmondmann anzuschließen und gleichzeitig das Herz dessen wunderschöner Assistentin zu erobern ist so groß, dass er alles dafür tut, um ein Teil der Faszination Zirkus zu werden.


„Er wusste, dass sie log, er konnte es spüren. Nichts war in Ordnung. Die Welt hatte Risse, es gab Dinge, die sich dem Blick entzogen, und Wahrheiten, die nicht ausgesprochen wurden.“


Es scheint die Magie zu sein, die die Wege der Beiden zueinander führt. Doch tief im Lebensweg des alten Mannes ist ein Erlebnis verwurzelt, das als Schicksal zu bezeichnen ist. Mit einem weniger magischen, als vielmehr heldenhaft Trick, hat er ein Wunder bewirkt, das prägend für die Lebensgeschichte des kleinen Max Cohn ist und diesem den Glauben an Wunder wieder zurück gibt.


Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich „Der Trick“ gelesen habe. Lange fehlten mir die richtigen Worte, um einen Roman von dieser Ausstrahlung zu rezensieren. Ich bin mir noch nicht wirklich sicher, ob ich sie nun gefunden habe, aber dass der Wunsch, nochmal in dieses kraftvolle Buch mit all seiner Herzlichkeit, seinen magischen Momenten und seiner Größe einzutauchen, mit jedem darüber gesagten Satz wächst, spricht wohl für sich.


„Der Trick“ ist das Debüt des Saarbrücker Autors Emanuel Bergmann, der damit beweist welche Kraft er in einen Text stecken kann. Sprachlich ausdrucksstark, voll Anmut und einem ausgewogenen Gleichgewicht an Tragik und feinsinnigem Humor.


Schier magisch ist die Geschichte, die sich zwischen mehreren Generationen, Ländern und Zeiten abspielt und sogar in einen Krieg verwickelt wird, der die Leben der beiden Protagonisten – wenn auch auf unterschiedliche Weise – beeinflusst. Gekonnt verbindet Bergmann die Charaktere Max und Mosche, die zunächst eher unterschiedlich wirken, sich im Herz aber doch sehr ähneln. Denn beide erhoffen sich Magie, magische Momente, die ihr Leben zu den Zeitpunkten verändern, in denen sie keinen direkten Einfluss auf dessen Verlauf nehmen können.


„Er verstand, dass alte Menschen Wunden hatten, die man nicht sah.“


Zwei Jungenherzen, die sich nichts mehr wünschen, als ihren Glauben an Wunder wirklich werden zu lassen, um festzustellen, dass dies tatsächlich möglich ist. Auch, wenn es sich anders äußert, als erwartet und auch, wenn man das Wunder manchmal selbst in die Hand nehmen muss.


„Der Trick“ ist für mich einer der magischen Romane, die in ihrem Gesamtpaket einen Zauber ausüben, dem sich kein Leser entziehen kann. Die Ausstrahlung dieses Erstlingswerkes, das von der durch Einfachheit der Charaktere geprägten Authentizität lebt, ist so enorm groß, dass schon die ersten Seiten über ungeahnte Anziehungskräfte verfügen und das Buch trotz seiner tragischen Augenblicke zu einem herzerwärmenden Roman voller Hoffnung werden lassen.  

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Glorreiche Zeiten

Kate Atkinson , Anette Grube
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.12.2016
ISBN 9783426304594
Genre: Romane

Rezension:

Teddy Todd wurde 1914 in eine ländlich solide Familie hineingeboren. Alles fühlte sich sehr normal, sehr geregelt an, auch wenn seine Mutter ihn vielleicht ein bisschen mehr mochte, als seine Schwestern, seine Tante eine weltfremde Schriftstellerin war und seine Schwestern nicht immer die Erwartungen erfüllten, die an sie gestellt wurden.


Doch dann kommt der Krieg. Der Erste den Teddy so richtig bewusst miterlebt hat. Wie viele andere junge Briten, muss auch er in den Kampf ziehen. Als Pilot bombardiert er deutsche Städte, kämpft täglich ums Überleben.


Dies gelingt ihm und zurück in der Heimat entschließt er sich zu der einzigen Tat, die ihn zurück ins Hier und Jetzt holt, ihn erdet und ihm eine gewisse Zuversicht gibt. Er heiratet seine Sandkastenliebe Nancy. Die Familie die er gründen möchte, entwickelt sich zur Reduktion seiner eigenen Herkunftsfamilie. Statt vielen Kindern bekommt er nur eins – seine Tochter Viola, die all die Hoffnungen und Sehnsüchte verstorbener wie lebender Familienmitglieder erfüllen soll.


Auch Viola wird Mutter. Eine Aufgabe, die ihr nicht immer leicht fällt. Trägt sie doch nicht nur die Last der Ahnen, sondern auch die der Nachkriegsgeneration. Kommunikation fällt ihr schwer. Ständig fühlt sie sich missverstanden. Redet an ihren Kindern ebenso vorbei, wie an ihrem Vater, der mit seinen Enkeln eher auf einer Ebene zu sein scheint, als sie selbst.


Kate Atkinson ist für mich eine der Autorinnen, die ihren Figuren Leben einhaucht, indem sie diese bis ins kleinste Detail, bis zu jedem Gedankengang und jeder Handlung perfekt durchdenkt. Charaktere werden erstellt, in die freie Wildbahn entlassen und dann von ihr genauestens beobachtet. Und obwohl die Protagonisten sich in einem sehr nachvollziehbaren, schlüssigen Handlungsgerüst bewegen, geht nie die Spannung verloren.


Ganz im Gegenteil. Für Kate Atkinson ist es ein Leichtes diese auch über einen großen Umfang von über 500 Seiten zu halten, indem sie den Leser mit Illusionen umspielt, die durch Andeutungen entstehen. Sie fordert auf mitzudenken, wirkt einem stupiden runter lesen damit entgegen und sorgt für ihren eigenen Erzählton – eine Mischung aus Ironie, Humor und Dramatik.


Damit spiegelt ihre Schreibe auch den Inhalt dieses Romans über Generationen und die Schwierigkeiten von Erwartungen und Kommunikation. Die Familie Teddy Todd ist aus der Realität gegriffen, könnte eine von vielen sein, in denen ein Familienmitglied im Krieg gekämpft, die Last dieser Taten weitergetragen und an Folgegenerationen übergeben hat.

Neben einem eindrucksvollen Familienpsychogramm bewegt sich der Leser durch die Zeit des zweiten Weltkriegs. Begegnet Drama ebenso wie Hoffnung.


Kate Atkinson ist es zum wiederholten Male gelungen mich mit einem ihrer Romane zu begeistern und gedanklich zu beschäftigen.




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89 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

schule, freundschaft, jugendbuch, patrycja spychalski, heute sind wir freunde

Heute sind wir Freunde

Patrycja Spychalski
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 28.03.2016
ISBN 9783570164105
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nell, Leo, Chris, Anton und Valeska sitzen in der Schule fest. Während eines Nachschreibetermins bricht solch ein starkes Unwetter aus, dass die Gefahr das Gebäude zu verlassen viel zu groß ist, um dieses Risiko einzugehen.


Risiko freudig ist eigentlich eh nur Leo. Der Draufgänger, der Macho, der in seiner Lederjacke so lässig wirkt, dass ihm die Mädels zu Füßen liegen.


So auch die nette Nell, die schon lange für ihn schwärmt und nun ihre Chance wittert. Ein bisschen romantisch ist es in der Schule ja schon, so ganz ohne Erwachsene. Aber ob Leo überhaupt auf Romantik steht?


Valeska ganz sicher nicht. Sonst wäre sie bestimmt nicht so hochnäsig und würde viel häufiger auf ihre Klassenkameraden zugehen. Ihre Mauer aus Arroganz ist ziemlich hoch und dick. Warum? Ist es vielleicht weniger ihre Art sich auszudrücken, als vielmehr ein Schutz?


Schutz könnte Anton auch vertragen. Am besten vor sich selbst. Mit seinem seltsamen Kleidungsstil macht er sich doch freiwillig zum Opfer.


Zumindest sticht er damit ziemlich aus dem bunten Haufen raus, der immer wieder im Fokus von Chris Kamera landet. Er selbst steht nicht gern im Blitzlicht, kann es aber nicht von den anderen abwenden. Zu groß sein Wunsch nach dem perfekten Foto, dem perfekten Moment. Am allerliebsten gemeinsam mit Nell.


„Ich muss vieles, was ich gestern noch geglaubt habe, gründlich überdenken.“


Fünf Jugendliche, fünf Charaktere so unterschiedlich wie die farbigen Regentropfen auf dem Cover von Patrycja Spychalskis neustem Jugendbuchuch „Heute sind wir Freunde“. Unfreiwillig verbringen sie die Nacht miteinander. Eine Romanidee, die so simpel klingt und doch so spannend und interessant umgesetzt wurde. Ein Zusammentreffen so turbulent wie der Sturm, der sie dazu zwingt eine Gemeinschaft zu werden.


Der Fokus liegt auf den differenten Persönlichkeiten der jungen Menschen, die sich zwar schon oft erblickt haben – schließlich sind sie in einer Jahrgangsstufe ihrer Schule – , die sich aber noch nie so richtig angesehen haben.


Das ist eine Fähigkeit, die ich an der Autorin so sehr mag. Sie sieht genau hin, sie nimmt Menschen und deren Charaktereigenschaften wahr. Und vor allem Ernst. So ernst, dass sie ihnen einen ganzen Roman gewidmet hat. Vorbeischauen ist leicht. Doch was steckt wirklich in einem Menschen? Was versteckt er hinter seiner Fassade, die er vielleicht aus Schutz, vielleicht, um beliebt zu sein, vielleicht, um Geheimnisse für sich zu behalten, aufgebaut hat.


Um zu verdeutlichen wie unterschiedlich Fremd- und Eigenwahrnehmung häufig sind, nutzt sie verschiedene Erzählperspektiven. Jeder der Protagonisten kommt zu Wort. Der Leser bekommt ein Bild davon wie die Figuren aufeinander wirken, aber auch was tief in ihrem Inneren vor sich geht. Mehr als einmal stelle ich fest, dass ich mir ein falsches Bild gemacht habe.


Patrycja Spychalski ist eine Autorin, die mir mit ihren Büchern immer sehr nahe kommt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass unsere Gedankengänge sich ähneln. In den letzten beiden Romanen war dieses Gefühl etwas weniger, bei „Heute sind wir Freunde“ ist es wieder sehr stark. Manchmal sind es Worte, manchmal Sätze, manchmal Momente in denen ich mich von ihr verstanden fühle, in denen sie sich mit Themen beschäftigt, über die auch ich nachdenke.


„Ich frage mich, wie das kommt mit diesen Schubladen, in denen wir alle stecken. Der da. Wie das schon klingt, als wäre ich ein halber Verbrecher, ein Arschloch, ein Aufreißer, ein Sprücheklopfer.“


Mit „Heute sind wir Freunde“ schenkt sie uns Lesern eine Geschichte, die auf verschiedene Arten wunderbar ist. Wir bekommen die Möglichkeit neue Menschen (okay, Romanfiguren) kennenzulernen. Wie viel wir aus ihnen herausholen, wie tief wir unter ihre Oberfläche schauen, das bleibt jedem selbst überlassen. Sie zeigt uns wie einfach Freundschaft sein kann, wie leicht man auf seine Mitmenschen zu gehen kann, wenn man nicht in Schubladen denkt und ihnen die Möglichkeit gibt, sich so zu zeigen wie sie wirklich sind, wie schwer es aber oft ist, den Vorhang fallen zu lassen.


„Heute sind wir Freunde“ ist ein sehr farbenprächtiger Roman. Er ist ernst und unterhaltsam. Er ist bedrückend, in der vom Sturm ausgelösten Atmosphäre, die immer ein wenig Angst in sich trägt, und gleichzeitig löst er ein wohliges Gefühl von Hoffnung aus. Er ist lässig, er ist cool, er ist tiefgründig. Er ist trotz, dass die Handlung nur über einen Zeitraum von weniger als 24 Stunden geht, eine kleine Abenteuerreise, auf der es viel zu entdecken gibt. Und damit sagt er mir, dass ich diese Möglichkeit auch in meinem eigenen Leben, meinem eigenen Umfeld habe, wenn ich nur die Augen öffne.

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island, elfen, fantasy, magie, nina blazon

Silfur - Die Nacht der silbernen Augen

Nina Blazon , Felicitas Horstschäfer
Fester Einband: 420 Seiten
Erschienen bei cbt, 21.03.2016
ISBN 9783570163665
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Fabio und Tom verbringen ihre Ferien gemeinsam mit ihren Eltern in Island. Ein kleiner Schatten liegt auf der sympathischen Familie. Klein, im wahrsten Sinne des Wortes, denn Fabio ist – obwohl der ältere der beiden Brüder – viel kleiner, als Tom, der in der Schule super gute Leistungen abliefert, sportlich ist und dem sowieso alles gelingt, was er anpackt.


So auch in Island. Schnell findet Tom Kontakt zur struppigen Elin, die sich wie ein wildgewordener Troll aufführt, während Fabio erst einmal stiller Beobachter ist. Die Kinder, denen er begegnet verhalten sich fremdartig. Da ist z.B. ein Junge, der immer einen Wolfskopf auf dem Kopf trägt und dessen Laptop bei Berührung Stromschläge aussendet. Alles sehr seltsam. Fabio gehen diese Verhaltensmuster nicht aus dem Kopf und während er Islands Kultur, Landschaft und Mythen erkundet, kommt er einem dunklen Geheimnis auf die Spur.


„'[…] Und du weißt, wie es mit dem Zwergenvolk ist. Wir verbinden Dinge, die zu verbinden unmöglich sind. Wir vereinen Gegensätze – auch Menschen und Elfen.Und wen wir zum Freund haben, den lassen wir nie im Stich.'“


Meine Schwiegereltern sind im vergangenen Jahr in Island gewesen und haben dort viele Bilder gemacht. Von einer Landschaft, die in ihrer Art einmalig ist. Felsig, karg, sagenumwoben. Island strahlt eine Atmosphäre aus, die selbst via Fotos zu spüren ist. Genau diese Stimmung hat Nina Blazon mit ihren Worten eingeschlossen und auf's Papier gebannt, so dass ich mit aufschlagen der Buchseiten dieses kleine mystische kribbeln spüren konnte, das in der isländischen Luft liegt.


Zu Beginn gleicht jedoch nicht nur die Atmosphäre der in Island, sondern auch die Länge des Einstiegs in die Geschichte der Ödnis der isländischen Straßen. Ich gebe zu, ich habe mich etwas schwer getan und sogar ein wenig gelangweilt. Nina Blazon verwendet ziemlich viel Zeit darauf, zwischenmenschliche Szenen und Gespräche einzubauen, um dem Leser so die Figuren näher zu bringen. Diese gut zu kennen, ist für den weiteren Verlauf sehr wichtig, hat mich am Anfang aber etwas ermüdet.


„'[…] Es bedeutet, dass irgendetwas in meinem Gehirn falsch verschaltet ist. Als würde ständig eine Sicherung rausknallen. Ein Arzt hat gesagt, deshalb denke ich so komisch. Meine Mutter will, dass ich Tabletten nehme, die mich ruhiger und langsamer machen. […] Damit ich mehr bin wie die anderen und besser klarkomme.'“


Doch zum Glück habe ich mich nicht abschrecken lassen und ist die erste Hürde an Geplänkel genommen, gewinnt der Roman plötzlich an Fahrt. Nun bin ich froh darüber die beiden Jungs und auch Elin so genau betrachtet zu haben, denn sie alle sind sehr besonders. Sympathische Figuren, die aufgrund ihrer Äußerlichkeiten oder ihrer Verhaltensweisen nicht der Norm entsprechen und deswegen ganz ordentlich mit ihrem Umfeld zu kämpfen haben. Anders sein ist nicht schlimm, denn kein Mensch gleicht dem anderen und für Freunde ist es nicht ausschlaggebend wie jemand aussieht, sondern nur, wie man im Herzen zusammenpasst.


Freundschaft und Selbsbewusstsein werden zum zentralen Thema der Geschichte und sind so schön verarbeitet, dass ich mir gut vorstellen kann, dass viele kleine Leser Mut daraus schöpfen können.


Eingebettet in eine spannende, mystische Geschichte, in der ich viel über Islands Sagen und Mythen erfahren habe ist „Silfur“, obwohl es sprachlich eher für jüngere Leser ausgelegt ist, ein sehr schöner Roman, mit dem es Nina Blazon gelingt Bücherwürmern jeden Alters ein bisschen Gänsehaut zu verursachen.

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48 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

casablanca, diebstahl, vergangenheit, schicksal, zukunft

Des Tauchers leere Kleider

Vendela Vida , Monika Baark
Fester Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 12.02.2016
ISBN 9783351036294
Genre: Romane

Rezension:

Auf Geheiß einer Bekannten ist sie nach Marokko geflogen. Dort kann man ganz einfach entspannen und eine schöne Zeit verbringen, hieß es. Doch dann klaut man ihr den Rucksack, mit all den für sie wichtigen Sachen. Kreditkarte, Reisepass, ihre Identität – alles weg.


Sie wendet sich an die einheimische Polizei, bekommt dort aber wenig Hilfe. Dafür gibt man ihr Pass und Kreditkarte einer anderen. Ihre Chance ein neues Leben zu beginnen und die Vergangenheit endgültig zu begraben?


Ich lese die ersten Seiten von Vendela Vidas „Des Tauchers leere Kleider“ und bin sofort gefesselt. Von ihrer Art zu schreiben, aber auch von der Wirkung des Romans. Denn darum geht es in diesem Fall viel mehr, als um den Inhalt an sich.


Geschildert wird die Geschichte aus der personalen Erzählperspektive. Das bedeutet, dass der Erzähler die Erlebnisse aus seiner Sicht berichtet, von sich selbst aber in der dritten Person spricht. Hier wird das „du“ verwendet. Bei buecher-wiki.de steht zu dieser eher ungewöhnlichen Erzählform, dass sie „sich die fiktive Wirklichkeit nur im Bewusstsein einer Figur spiegelt“, eine starke „suggestive Wirkung auf den Leser“ ausübt und „kein Mensch weiß, ob die Wahrnehmung der Figur […] getrübt ist“. Ja genau das ist. Dieses handwerkliche Mittel macht Vendela Vida sich zu Nutze und holt mich damit immer wieder in eine Geschichte, die mich ins grübeln bringt.


„Anders als deine Schwester, deren Hirn einem Bienenstock gleicht und die auf meisterhafte Weise kontinuierlich ihren nächsten Schritt zu planen wusste, bist du schon immer gut darin gewesen, ewig aus Fenstern zu starren. Du versuchst dir nicht auszurechnen, wieviel in deinem Leben du verschwendet hast, indem du genau das tust, was du jetzt tust.“


Schon von Anfang an habe ich das Gefühl, dass die Erlebnisse der Hauptperson, deren Namen nur ein einziges Mal genannt wird und da habe ich natürlich verpasst ihn mir zu notieren, inszeniert sind. Durch die Intensität des Erzähltons fühle ich mich in den Roman hineingezogen, werde aber die Ahnung nicht los, dass man mit mir spielt.


Doch wer ist derjenige, der für diese Inszenierung sorgt, die bei der Protagonistin einen Identitätsverlust ausübt? Ist es die marokkanische Polizei? Eine Verschwörung des Hotelpersonals? Oder steckt sie gar selbst dahinter? Getrieben von dem Wunsch wer anders zu sein?


In den ersten zwei Dritteln ist es auch überhaupt nicht klar. Ich fühle mich wie in der Truman Story. Von der Autorin in eine bestimmte Richtung gedrängt, die ich nicht ändern kann. Und auch nicht ändern möchte. Mit Faszination betrachte ich ihre Vorgehensweise. Tiefer und tiefer dringt sie in die Seele ihrer Hauptdarstellerin ein. Nimmt mich mit auf diese Reise, die mich zwischen Realität und Inszenierung trudeln lässt.


Ich empfinde „Des Tauchers leere Kleider“ als sehr lesenswerten Roman, da er etwas mit dem Leser anstellt.  

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68 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

kunst, pyromanie, vater, tod, feuer

Durchs Feuer

Jenny Valentine , Klaus Fritz
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 19.02.2016
ISBN 9783423650205
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Iris Eltern sind getrennt. Sie lebt bei ihrer Mutter, einer egoistischen Frau, die es ihr Leben lang nicht geschafft hat eine Bindung zu ihrer Tochter aufzubauen oder diese auch nur annähernd zu verstehen. Sie hat es nicht einmal versucht, denn Hannah interessiert sich ausschließlich für Geld und sich selbst.
Zum Vater hat Iris keinen Kontakt. Möchte sie auch nicht, denn Ernest hat sie mit Hannah allein gelassen, als Iris noch ein Kind war. Doch dann kommt ein Anruf, der alles verändert. Ernest ist sterbenskrank, hat nur noch wenige Tage zu leben und äußert einen letzten Wunsch: Iris zu sehen und die verbleibende Zeit mit ihr zu verbringen.
Iris hat es wirklich nicht leicht. Sie hat immer so vor sich hin gelebt, die Launen ihrer Mutter ertragen müssen, hat als Mittel zum Zweck gedient, aber nie die Liebe und Zuneigung erfahren, die normalerweise zwischen Mutter und Kind besteht. Um die fehlende Herzlichkeit zu kmpensieren, flüchtet sich Iris ins Feuer. Wenn sie zündelt erfährt sie eine Art Genugtuung, fühlt sich wohl und geborgen. Es ist ihre Art mit Frust und Trauer umzugehen, gibt ihr Sicherheit. Eine Struktur, die ihr zu Klarheit verhilft und wie ein Schutzwall um sie herum wirkt. Hannah kann damit nicht umgehen. Sie kehrt die Tatsache der Zündelei lieber unter den Tisch, als sich damit auseinander zusetzen und bemerkt auch nicht, dass sie einer der Triggerpunkte für Iris' Spiel mit dem Feuer ist.
Jenny Valentine hat ein Herz für Außenseiter. Für Charaktere, die es nicht leicht haben, aber tief im Inneren über viel Kraft verfügen. Die trotz aller Widrigkeiten stark sind und den negativen Seiten ihres Lebens trotzen. So eine Protagonistin ist auch Iris. Schon lange hat sie ihre eigenen Strategien entwickelt. Und seit neustem hat sie Unterstützung von einem ihr bislang unbekannten Vater, der sie ernst nimmt und ihr Geheimnisse offenbart, die ihr Leben von Grund auf verändern.
„Durchs Feuer“ ist für Autorin Jenny Valentine ein sehr persönliches Buch, denn sie verarbeitet darin den eigenen Verlust des Vaters. Wie Feuer brennt sich die Geschichte von Protagonistin Iris unter die Haut. Verletzt, berührt und wärmt.

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205 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

fantasy, wüste, night vale, bibliothek, engel

Willkommen in Night Vale

Joseph Fink , Jeffrey Cranor , Wieland Freund , Andrea Wandel
Fester Einband: 378 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 19.03.2016
ISBN 9783608961379
Genre: Fantasy

Rezension:

Willkommen in Night Vale. Der Stadt in der das Unmögliche möglich und nichts unmöglich ist. Oder auch genau umgekehrt. Wie auch immer.


Wer sich nun über die verwirrte Wortwahl wundert, der sollte wissen, ich bin infiziert. Möglicherweise unheilbar, obwohl ich denke, dass eine Chance auf Besserung möglich ist. Angesteckt habe ich mich bei Joseph Fink und Jeffrey Cranor, die den Virus in ihrem Roman „Willkommen in Night Vale“ ausgesetzt haben. Symptome: Verwirrung, Halluzinationen, Glaubenskrisen, Gefühlschaos.


Noch nie ist es mir so schwer gefallen die passenden Worte zu einem Roman zu finden bzw. Inhalt, eigene Reaktionen und handwerkliches Können der Autoren in eine Rezension zu packen. Grund dafür ist die Besonderheit von „Willkommen in Night Vale“. Einem Buch wie diesem bin ich zuvor noch nicht begegnet.


„Jede Information war eine wichtige Information, selbst wenn die Gründe dafür nicht sofort ersichtlich waren. Der Grund für irgendetwas war selten sofort oder auch nur irgendwann ersichtlich, aber es gab ihn, irgendwo, so wie einen Mond war, sondern ein Stück Irgendwas, das im Nichts trudelte.“


Ganz kurz zum Inhalt (so weit möglich): Pfandhausbetreiberin Jackie bekommt einen Zettel zugesteckt auf dem das Wort „King City“ steht. Kurz nachdem der Kunde den Laden verlässt, ist er auch schon wieder aus Jackies Gedächtnis verschwunden. Nur „King City“ bleibt in ihrem Kopf, ohne, dass sie weiß, was es bedeutet und in welchem Zusammenhang es dort gelandet ist.


Auch Kellnerin Diane und der Gestaltwandler-Teenager Josh fühlen sich von King City angezogen. Und so kommt es, dass sich die Wege der drei genannten Protagonisten immer und immer wieder kreuzen auf der Suche nach dem geheimnisvollen King City.


„Willkommen in Night Vale“ zu lesen ist wie eine Seefahrt bei starkem Sturm. Ein Wellengang mit etlichen Auf's und Ab's. Kein Roman hat bei mir bisher mit nur wenigen Sätzen so viele unterschiedliche Meinungen und Gefühle dazu ausgelöst.


Es war schwer in die Welt von Night Vale hineinzukommen. Am Anfang bin ich fast verzweifelt, habe das Buch deshalb in Etappen gelesen und immer wieder zur Seite gelegt. Jedes Mal, wenn ich schon kurz davor stand aufzugeben, erfasste mich plötzlich der Sog, der die Gegenseite des schwierigen Zurechtfindens bildet. Fink und Cranor gelingt es immer wieder den Leser zu packen und mit kleinen Appetithäppchen neugierig zu machen. Nutzen die Faszination des Unerklärlichen, des Unbegreiflichen, dem Wunsch danach einer Auflösung der Geheimnisse näher zu kommen.


An „Willkommen in Night Vale“ mochte ich besonders dieses Spiel mit Wahrnehmung, Illusion, Realität und Täuschung. Fink und Cranor zeigen, was Literatur, was fantastische Literatur kann. Alles ist erlaubt. Ein Autor kann machen, was er will, kann seiner Fantasie freien Lauf lassen. In der Fantasy dürfen Engel mit vier Beinen, die Erika heißen oder Kellnerinnen, denen Zweige mit Früchten aus dem Körper wachsen, kreiert werden. In der fantastischen Literatur gibt es (fast) keine Grenzen und das nutzen Fink und Cranor aus.


„Damals war alles einfacher. Weil ich nicht so viele Erinnerungen hatte und die Welt deshalb nicht so überlagert war. Alles war klarer, und außerdem war ich jünger. Also, die Welt war einfacher.“


Dass sie sich schon lange in der Welt von „Willkommen in Night Vale“ bewegen, ist deutlich zu spüren. Die Beschreibungen ihrer eigens kreierten Welt und deren abgefahrenen, skurrilen Bewohner sind detailliert und genau. Seit einigen Jahren schon arbeiten die Autoren zusammen und veröffentlichen Podcasts mit Geschichten aus der Welt von Night Vale.


Die Schreibe der beiden Autoren ist mir zum Teil etwas abgedreht, verdeutlicht aber dieses von mir angesprochene Spiel mit Illusionen und der Realität, in das nicht nur die Protagonisten verstrickt werden, sondern auch die Leser. Im Roman gibt es etliche versteckte Anspielungen zu verschiedensten Themen, die ich definitiv nicht alle ausfindig gemacht habe.


Anspielungen, mit denen die Autoren vielleicht auch ein bisschen provozieren wollen. „Willkommen in Night Vale“ ist ein Buch, das polarisiert. Das viele Fans finden wird, aber auch einige Leser, denen es einfach zu drüber ist. Mir hat es trotz Höhen und Tiefen als Gesamtpaket gefallen, denn ich finde es gut, dass die Autoren aus den Vollen ihrer Fantasie geschöpft und einen Roman geschrieben haben, wie er mir zuvor noch nicht begegnet ist.

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