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227 Bibliotheken, 31 Leser, 1 Gruppe, 79 Rezensionen

sklaverei, amerika, usa, flucht, rassismus

Underground Railroad

Colson Whitehead , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 21.08.2017
ISBN 9783446256552
Genre: Romane

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5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

london, eichborn, fantasy, lübbe audio

Niemalsland

Neil Gaiman , Tobias Schnettler , Stefan Kaminski
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783785753378
Genre: Romane

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131 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

klassiker, glasperlenspiel, hermann hesse, deutsche literatur, roman

Das Glasperlenspiel

Hermann Hesse
Flexibler Einband: 920 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 18.06.2012
ISBN 9783518463574
Genre: Klassiker

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17 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

magnus chase, rick riordan

Magnus Chase and the Gods of Asgard - The Hammer of Thor

Rick Riordan
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Disney-Hyperion, 04.10.2016
ISBN 9781423160922
Genre: Sonstiges

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Magnus Chase and the Sword of Summer

Rick Riordan
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Puffin, 06.10.2016
ISBN B01MTN6TTY
Genre: Jugendbuch

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111 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 59 Rezensionen

jugendbuch, alina bronsky, berlin, selbstfindun, buch

Und du kommst auch drin vor

Alina Bronsky
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423761819
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Dieses Buch kam durch Vorablesen.de in meine Lesereich hinein geflattert. Ich bin von Alina Bronsky bisher sehr angetan gewesen, denn sowohl 'Scherbenpark' als auch 'Die schäfsten Gerichte der tatarischen Küche' hatten mir gut gefallen. Leider, leider hat mich das neue Werk von ihr bitter enttäuscht.

Der Jugendroman ist aus der Sicht von Kim Josephine geschrieben, deren Eltern sich vor kurzem trennten. Sie lebt in Berlin, ihre beste Freundin nennt sich Petrowna und sie ist – wie alle Pubertierenden – recht arg auf sich fixiert.

Die Klasse von Kim macht einen Ausflug in die Bibliothek, um sich dort eine Lesung anzuhören. Im Gegensatz zu ihren Klassenkameraden ist Kim gebannt von dem, was die Autorin vorliest: Das Buch handelt von ihr!

Sie kauft sich also das Buch, obwohl sie bereits seit langer Zeit kein Buch mehr las und erfährt, wie es in ihrem Leben weitergehen wird. Mit den Geschehnissen ist sie jedoch nicht einverstanden, weshalb Petrowna und sie verschiedene Pläne austüfteln, wie sie verhindern können, dass die Handlung des Buchs Wirklichkeit wird. Sie schnüffeln der Autorin hinterher, brechen bei ihr ein, schreiben die Geschichte selbst um und noch andere verrückte Dinge.

Der hauptsächliche Grund für ihre Bemühungen ist folgender: Im Buch soll der Junge, der sich für Kim interessiert, an einem Wespenstich sterben. Es gibt einen solchen Jungen auch in Kims Klasse und nun will sie also verhindern, das Jasper, so heißt er, sterben muss.

Der Plot als solcher bietet eigentlich viel Potenzial, vor allem für das Spiel von Phantasie und Augenzwinkern der Autorin. An manchen Stellen gelingt das auch, wenn die Autorin im Buch zum Beispiel zu Kim Josephine folgendes sagt:

„Entschuldige“, sagte sie. Ich habe mir nicht gemerkt, wie du richtig heißt. Das klang so gekünstelt und kompliziert, das hätte mir kein Lektor durchgehen lassen.“ - S. 118

Leider sind nur wenige solcher Stellen vorhanden.

Tatsächlich ist der interessanteste Charakter, wie die Autorin im Roman selbst feststellt, eigentlich Petrowna, deren Lebensumstände recht verworren erscheinen, auch wenn sie leider nicht wirklich erläutert werden. Dies liegt unter anderem daran, dass Kim egozentrisch ist und sich kaum ernsthaft mit ihrem Umfeld auseinandersetzt. Die Geschichte bleibt auf diese Weise flach, unausgegoren und langweilig. Vom Ende möchte ich gar nicht erst sprechen.

Mir bricht es das Herz, dass eine Autorin, die ansonsten wunderbare, einzigartige Charaktere zu schreiben versteht, einen Roman gänzlich in die Binsen setzt. Tatsächlich muss ich mich – und ich weiß, wie hart das klingt – fragen, warum das Buch überhaupt veröffentlicht wurde, da es wirklich unfertig erscheint.

Sprachlich ist der Roman okay geschrieben und dem empfohlenen Lesealter angepasst. Aber auch hier muss ich einhaken: Jugendbücher können durchaus sprachlich ausgeschmückt sein und Vergnügen bei Erwachsenen erzeugen; bei diesem Buch wurde jedoch nur auf den schnellen Lesefluss geachtet. Ich bin wirklich enttäuscht.

Die Covergestaltung hingegen ist ganz nett und fällt definitiv ins Auge. Das Buch glänzt silbern und von oben rieseln kleine Pixel in Pastelltönen herunter. Wie die Covergestaltung mit dem Inhalt des Buchs zusammenzusetzen ist, erschließt sich mir jedoch nicht wirklich.

Normalerweise lese ich wirklich gern Jugendbücher, doch bei diesem Werk war ich froh, die 190 Seiten hinter mir zu haben...

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47 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

feminismus, frauen, emanzipation, sexualität, sex

Untenrum frei

Margarete Stokowski
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 08.09.2016
ISBN 9783498064396
Genre: Sachbücher

Rezension:

Dieses Buch stand schon Lange auf meiner Wunschliste, denn ich habe einige Menschen getroffen, die sehr angetan von der Lektüre waren. Zudem hat sich mein Interesse an der Geschlechterproblematik in den letzten Jahren deutlich gesteigert und ich wollte gern ein erstes Werk zum Feminismus lesen. Dabei sei gleich einmal gesagt, dass es Stokowski nicht darum geht, den Feminismus als Ismus mit erhobenen Zeigefinger zu verstehen, sondern vielmehr als eine Einstellung, die Gleichberechtigung bringen soll – ob mit oder ohne Achselhaare. Wer also bisher Angst oder großen Respekt vor dem Wort Feminismus hatte: Buch lesen und verstehen.

Das Buch hat einen biographischen Anklang, denn die ersten Kapitel beschäftigen sich mit einer Art Nacherzählung von Kindheit und Jugend, bis am Ende die Zeit als Studentin beleuchtet wird. Dabei geht Stokowski darauf ein, wie stark sie von ihrem Umfeld vorgeprägt wurde, wann sie erkannt hat, dass sie sich als Feministin versteht, wie der Weg dahin war. Dabei ist sie auch herrlich amüsant in ihren alltäglichen Beobachtungen, die ich so gut nachvollziehen kann:

Leute, die sich im Seminar melden und wiederholen, was schon mehrfach gesagt wurde, oder den Text nachlabern, fangen an, mich zu nerven. Ich merke, dass selbst einige der Leute, die sich auf Kant beziehen - „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ -, sich gern damit begnügen, Zitate rauszuballern, aber nichts eigenes. Was für eine absurde Ironie. - S. 171

Gleichzeitig kann ich extrem einschneidende Erlebnisse, von denen sie berichtet, genau so nachvollziehen und habe das Gefühl, sie trifft die richtigen Worte:

Etwas ist kaputt.

Ich rede mir ein, dass alles gut ist, dass dieser Vorfall in der Nacht kein besonders krasser Fall war – ich wurde nicht verletzt, es waren nur wenige scheußliche Minuten und ich ging am Tag danach ganz normal zur Uni und arbeiten. Aber ich fühle, dass es ein riesiges Problem gibt, dessen Ausmaße ich gerade erst anfange zu erahnen. - S. 157

Das Werk liest sich sehr angenehm, das die Autorin einen lockeren Schreibstil hat, der mich stark an den Plauderton meiner Heimatstadt Berlin erinnerte. Dabei schafft sie es dennoch spielend, Philosophen und Soziologen, Psychologen und Schriftsteller mit Zitaten und Paraphrasen einzubinden und ihre Ansichten zu untermauern – ich spreche hier übrigens von Beauvoir, Hegel, Sontag und Kant.

Man wird von der Autorin wachgerüttelt – alltägliche Begegnungen und Tätigkeiten werden hinterfragt. Dabei geht es natürlich um Rollenbilder, geschlechterspezifische Zuschreibungen und Machtverhältnisse, denn primär befasst sie sich mit den sozialen Unterschieden von Mann und Frau. Es wird während der Lektüre nie langweilig, es ist aber auch kein Werk, dass man nebenbei lesen sollte, auch wenn es sich anböte. Ein Verharren nach jedem Kapitel bietet sich an, um den Inhalt wirklich sacken zu lassen und nicht nur durch das Sachbuch durchzurauschen.

Am Ende geht es um Gleichberechtigung, Respekt und Wertschätzung, also wesentliche Aspekte einer achtsamen Gesellschaft. Der frische Blick der Autorin macht nur einmal mehr deutlich, dass Weiterentwicklung notwendig ist. Der gegenwärtige Zustand ist eben nicht ideal und Stagnation sollte nie die Lösung sein.

Sogar die, die noch so klein sind, dass Wörter für sie nur Geräusche sind, spüren: Einsamkeit ist keine Option, wenn man groß werden will. - S. 216

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Offene Beziehung

Nils Terborg
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 01.03.2017
ISBN 9783862656363
Genre: Sachbücher

Rezension:

In den letzten Jahren habe ich diese Diskussion so oft geführt... Offene Beziehungen – was hältst du davon? Meine eigene Einstellung zu dem Thema hat sich in genau dieser Zeit zwar stark gewandelt, aber ich habe das Gefühl, die Fragen bleiben immer die selben und stets führt man die gleichen Gespräche darüber. Aus diesem Grund war ich froh, dass endlich ein Sachbuch zu dem Thema erschienen ist, das mir Lust aufs Lesen gemacht hat.

Nils Terborg ist jung, hat Ahnung von Beziehungen und glücklicher Weise besitzt er einen lockern Schreibstil mit Augenzwinkern.

In seinem Sachbuch bespricht er also das Thema der Offenen Beziehung von der Wurzel bis zur Blüte. In sechs Kapiteln gibt er einen Überblick zu den verschieden Graduierungen von Polyamorie bis Monogamie. Seine Fallbeispiele sind aus dem wahren Leben genommen, wie er erklärt. Tatsächlich haben sich einige seiner Klienten dazu bereiterklärt, dass er ihre Geschichte unter anderem Namen veröffentlichen kann. Mich hat das sehr begeistert, denn weitere Gespräche über hypothetische Offene Beziehungen kann ich nicht mehr hören.

Zudem hat er sich drei Paare ausgedacht, die im Kontakt miteinander stehen und auf ihre Weise das Thema verhandeln. Eines dieser Paare führt eine Offene Beziehung und sieht sich mit den damit einhergehenden Problemen konfrontiert. Die anderen beiden Paare fühlen sich durch ihre Freunde zum Nachdenken angeregt und besprechen die Thematik innerhalb ihrer Beziehung. Was ich dabei angenehm finde? Terborg sagt immer wieder, das jede Beziehung für sich einzigartig ist und das jedes Paar für sich ausmachen muss, wie es mit dem Thema umgeht. Gleichwohl – und ich denke, das ist der Schlüssel – betont er, wie wichtig die Kommunikation zu dem Thema ist. Kommunikation, das hat man ja schon oft gehört, soll ja der Schlüssel zur gelingenden Beziehung sein. Dabei gibt er Tipps zur Gesprächsführung und bittet darum, erst einmal die eigenen Bedürfnisse zu klären, bevor nach einem Gespräch mit dem Partner gesucht wird oder bereits Kompromisse gesucht werden. Auch während der Offenen Beziehung müssen die Regeln, die man sich aufgestellt hat, stetig überdacht und geändert werden. Das dauert und das kostet viel Kraft, aber eigentlich führt man auf diese Weise ernsthafter seine Beziehung. Spricht man mehr über seine Beziehung mit seinem Partner, erfährt man mehr darüber, wie sie besser sein könnte, was die Bedürfnisse des anderen sind. Dabei ist es wurscht, welches Beziehungsmodell man präferiert. Genau diese Prämisse fand ich so angenehm. Wenn man seine Beziehung ernst nimmt, ist Beziehungsarbeit immer zeit- und kraftintensiv, ob nun in einer Kommune lebend oder glücklich zu zweit.

Für mich war es angenehm, tatsächlich alle Punkte, die man in Diskussionen mit Freunden so führt, in dem Buch wiederzufinden und sie finalisiert zu haben. Mich hat das Buch tatsächlich voran gebracht in meinem Überlegungen und ich empfehle es jedem, der mal darüber nachgedacht hat, eine Offene Beziehung einzugehen, die eigene Beziehung in diese Richtung zu lenken oder dessen Partner darüber nachdenkt. Terborg macht den Einstieg in dieses Thema wirklich leicht. Er überfliegt die Vorurteile, gibt Kommentare dazu ab. Er hängt viele Fallbeispiele an und ist dem Leser sehr zugewandt. Mir hat es gefallen!

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neil gaiman, roman, freundschaft, märchen, ozean

Der Ozean am Ende der Straße

Neil Gaiman , Hannes Riffel
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 15.04.2016
ISBN 9783404173853
Genre: Romane

Rezension:

Ich sah die Erde, auf der ich mich seit meiner Geburt aufgehalten hatte, und ich begriff, wie zerbrechlich sie war – die Realität, die ich kannte, war eine dünne Glasur auf einem Geburtstagskuchen, in dem es vor Maden und Albträumen und Hunger nur so wimmelte. Ich sah die Welt von oben und von unten. Ich sah, dass es dort Muster gab und Portale und Pfade, die weit über die Realität hinausgingen. Ich sah all diese Dinge und erfasste sie, und sie erfüllten mich, genauso wie das Wasser des Ozeans mich erfüllte. - S. 193

„Der Ozean am Ende der Straße“ - ein Titel, der mich anlockte, sofort inspirierte und gleich in Phantasien einlullte. Neil Gaiman war mir bisher kein wirklicher Begriff, was ich persönlich erstaunlich finde, schließlich lese ich gern Fantasy und noch viel lieber Fantasy, die sich wirklich ernst nimmt und sich ganz leicht mit der unsrigen Welt verflechtet. Vor kurzem sah ich die erste Staffel „American Gods“ und realisierte dabei, dass sie auf einem Roman des selbigen Autors fußt. Da mich diese Serie wirklich begeisterte, musste ein Werk von ihm gelesen werden!

Ein Mann kehrt nach einem Todesfall in der Familie zurück in sein Heimatdorf, ganz automatisch landet er auf einem alten Bauernhof an einem Teich, obwohl er eigentlich zum Leichenschmaus und zu seiner Familie fahren müsste. Dort trifft er Personen aus der Vergangenheit und auf einmal ist er wieder sieben Jahre alt und macht das größte Abenteuer seiner Lebens erneut durch. In diesem Abenteuer trifft er, der eigentlich nie Freunde hat und vor allem liest, Lettie Hempstock. Lettie fasziniert ihn und verwundert ihn zugleich, denn sie erscheint ganz anders als die anderen Kinder, die er kennt. In meiner Vorstellung war sie Luna Lovegood nicht unähnlich...

Auf jeden Fall kommt es dazu, dass ein Mann in seinem Auto ermordet aufgefunden wird und die Hempstocks daraufhin Alarm schlagen, da die Umstände des Mords darauf hinweisen, dass ein Wesen in diese Welt schlüpfte, welches eigentlich nicht hierher gehörte. Der Junge versucht zusammen mit Lettie das Wesen zu vertreiben, doch dabei wird er verletzt und auf einmal verändert sich sein ganzes Leben. Seine neue Gouvernante erscheint ihm mehr als suspekt, doch alle anderen Familienmitglieder finden sie großartig... Er ahnt, dass er Hilfe von Lettie braucht, doch wir soll er sie kontaktieren, wenn er von dieser seltsamen Frau überwacht wird? Ein spannendes, sehr verwobenes Geschehen entspinnt sich aus dieser Grundlage.

Der Schreibstil ist sehr poetisch und weist immer wieder Sprachblumen auf:

Der Himmel wurde allmählich grau; die Welt verlor an Tiefe und verflachte im Zwielicht. Falls die Schatten noch immer da waren, konnte ich sie nicht mehr wahrnehmen; genau genommen war die ganze Welt zu Schatten geworden - S. 179

Der Text wird interessant umrahmt. Der Mann kehrt an einen Ort der Kindheit zurück, versinkt in Erinnerungen und erwacht später wieder aus ihnen. Eine schöne Klammer, die auch aus psychologischer Sicht interessant ist. Schicksalsschlag – Regression.

Die Geschichte wird geschrieben, als würde sich ein jeder Leser mit dieser Welt auskennen und nur dem Jungen sei sie neu. Das ist etwas, was ich immer gern lese, denn es macht die Phantastik der Romane lebendiger. Generell fand ich es berauschend, dass man nicht zwingend Lösungen erhält, um welche Wesen es sich nun handelt und welchem Refugium sie entnommen wurden...

Mich erinnerte dieses Märchen an den Roman „Dreams and Shadows“ von Cargill, welchen ich letztes Jahr las. Zwar ist es weniger komplex, doch die Stimmung deckt sich. Wunderbare, verzaubernde und irgendwie ehrliche Fantasy.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Mr Gwyn

Alessandro Baricco , Annette Kopetzki
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783455000429
Genre: Romane

Rezension:

Jasper Gywn ist ein gefeierter Autor, der eines Tages einen Artikel veröffentlicht mit Dingen, die er in seinem weiteren Leben nicht mehr tun möchte. Dazu zählt auch, dass er kein Buch mehr schreiben will – was seinen Verleger natürlich stark irritiert.

Lange sucht er nach einer passenden Beschäftigung für sich, bis er irgendwann eine abstruse, aber einnehmende Idee entwickelt.

„Ich habe ein Atelier in der Nähe der Marylebone High Street gemietet, ein großer Raum, sehr ruhig. Ich habe ein Bett und zwei Stühle hineingestellt, wenig mehr. Holzfußboden, alte Mauern, es ist schön dort. Was ich möchte, ist, dass Sie vier Stunden am Tag in dieses Atelier kommen, etwa dreißig Tage lang, von vier Uhr nachmittags bis acht Uhr abends. Ohne einen Tag auszulassen, auch den Sonntag nicht. […] Sie werden nicht in einer von mir gewünschten Haltung stillstehen müssen, sondern sich so in diesem Raum aufhalten, wie es Ihnen am besten gefällt, gehend oder liegend, sitzend, wo immer Sie möchten. Sie werden nicht sprechen und keine Fragen beantworten müssen, und ich werde Sie auch niemals bitten, irgendetwas Bestimmtes zu tun.[...]“ - S. 86

Er will Portraits schreiben. Damit sind keine Minibiographien gemeint oder Beschreibungen des äußeren Erscheinungsbild. Vielmehr will er die Person in seinem Inneren begreifen und daraufhin schreiben. Die Idee bringt ihm viel Skepsis aus seinem Umfeld ein, doch er bleibt dran, wenn er auch selbst nicht recht weiß, wohin dieses Unterfangen ihn bringt.

Als erstes beobachtet er die Assistentin seines Verlegers, was eine intensive Begegnung für die zwei ist, wie auch für den Leser, der den Prozess nachzuvollziehen sucht.

Später sollen noch andere Menschen von dieser Art des Portraitierens angetan sein und Gwyn wird recht erfolgreich damit.

Nebenbei entspinnt sich eine intensive Freundschaft zwischen der Assistentin und dem Schriftsteller und immer wieder gibt Gywn versteckte Hinweise auf das, was er nebenbei tut – so ganz wird man jedoch zuerst nicht schlau daraus.

Der Roman ist komplex gestaltet, denn immer wieder wird der Leser mit Hinweisen angefüttert, die erst zum Ende Verständnis bringen. Der Schreibstil ist klar, aber empfindsam. Das Lesen ist dabei recht genussvoll, wenn ich zu Beginn auch kleine Schwierigkeiten hatte, mich Mr. Gwyn zu nähern. Die Behutsamkeit, mit der Gwyn sein Vorhaben plant, berührte mich hingegen sehr – es war, wie dem Bericht eines Malers zuzuhören, der seine Farben selbst mischt, bevor er seine Arbeit beginnt.

Meiner Ausgabe hinten angestellt ist noch die Kurzgeschichtensammlung „Dreimal im Morgengrauen“, die sozusagen Mr. Gwyns Selbstportrait ist und von Alessandro Barrico erst später in Italien veröffentlicht wurde. So erhält man einen Einblick in die Art und Weise eines solchen Portraits, denn ansonsten liest man kein einziges – ist in seiner Phantasie selbst gefordert.

Diese Idee zu entwickeln und sie auf eine kunstvolle Art umzusetzen, war sicherlich kein leichtes Unterfangen. Ich war nicht darauf eingestellt, dass es sich um einen solchen Roman handeln würde, da er so gehypt wurde. Selten hat sich ein Hype berechtigter angefühlt.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Hier bin ich

Jonathan Safran Foer , Henning Ahrens , Christoph Maria Herbst
Audio CD
Erschienen bei Argon, 10.11.2016
ISBN 9783839815137
Genre: Romane

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31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

bücher

Die Seiten der Welt - Nachtland

Kai Meyer ,
Audio CD
Erschienen bei Argon Sauerländer Audio ein Imprint von Argon Verlag, 25.06.2015
ISBN 9783839841020
Genre: Jugendbuch

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Die Seiten der Welt

Kai Meyer , Simon Jäger
Audio CD
Erschienen bei Argon Sauerländer Audio ein Imprint von Argon Verlag, 10.03.2016
ISBN 9783839841174
Genre: Romane

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77 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 13 Rezensionen

bücher, fantasy, jugendbuch, magie, abenteuer

Die Seiten der Welt

Kai Meyer , Simon Jäger
Audio CD
Erschienen bei Argon Sauerländer Audio ein Imprint von Argon Verlag, 25.09.2014
ISBN 9783839840771
Genre: Jugendbuch

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

rumänien, nobelpreis, sprache, diktatur, schreibsti

Der König verneigt sich und tötet

Herta Müller
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.11.2010
ISBN 9783596511556
Genre: Romane

Rezension:

Sprache war und ist nirgends und zu keiner Zeit ein unpolitisches Gehege, denn sie läßt sich von dem, was einer mit dem anderen tut, nicht trennen. Sie lebt immer im Einzelfall, man muß ihr jedesmal aufs neue ablauschen, was sie im Sinn hat. In dieser Unzertrennlichkeit vom Tun wird sie legitim oder inakzeptabel, schön oder häßlich, man kann auch sagen: gut oder böse. In jeder Sprache, das heißt in jeder Art des Sprechens sitzen andere Augen. - S. 39


Im letzten Jahr habe ich Müllers 'Atemschaukel' gelesen, für das sie den Nobelpreis für Literatur erhielt. Da mich der Roman auf längere Sicht nicht losließ, wollte ich gern ein weiteres Werk von ihr lesen. Es ist diese Essay-Sammlung geworden, da mich der Titel enorm ansprach. Einen solchen Titel zu entwerfen, beinhaltet für mich bereits viel Überzeugendes.

Müller schrieb hierfür biografische Essays, die Episoden ihres Lebens betrachten und immer wieder zwischen der einen Vergangenheit zu einer anderen wechseln.

Sie berichtet von ihrer Kindheit in Rumänien. Sie wuchs dort in einem schwäbischen Dorf auf zur Zeit der Diktatur. Sie berichtet von ihren Eltern und ihren Großeltern, die mit viel seelischem Gepäck auf dem II. Weltkrieg in das Dorf kamen. Sie berichtet dabei sehr intensiv, fast schon brutal. Dieses Erzählgut bestürzte mich bereits bei 'Atemschaukel'.

Dann beschreibt sie ihre Zeit in der Stadt, wie sie stets beobachtet wurde, immer wieder verhört, wie ihre Wohnungen durchsucht wurden, wie sie betrogen wurde. Sie reist nach Berlin, lebt auch dort weiterhin in Angst.

Ihre Beobachtungen sind messerscharf und man begreift, wie sie zu einer Autorin werden konnte, denn sie scheint ihr Umfeld beinahe zu observieren. Ob es die Pflanzen sind oder eine Werbetafel.

Dabei berichtet sie auch immer wieder von der Sprache. Wie ihre Sprache mit der Sprach in Berlin aufeinanderstießen, obwohl es doch eigentlich die selbe Sprache sein sollte. Wie sie eigene Begriffe erfand, weil die benannten Objekte durch den Namen nicht richtig bekleidet wurden.

Auch berichtet sie davon, dass sie sich über die Bezeichnung ihres 'fremden Blicks' ärgerte, der von der Literaturwissenschaft gelobt werden würde. Sie kann nichts dazu tun. Sie schreibt eben, doch viele andere haben jenen Blick ebenso, doch sie leben ihn anders aus.

Das Werk geht tief und zeigt dabei nicht nur Herta Müllers Biografie, sondern auch die politischen Entwicklungen, die Prozeduren einer Diktatur, ihre Idee von Sprache, von Freundschaft, vom Leben.

Müller gibt hier einen aufschlussreichen Blick in die Welt, den man sich bewusst machen sollte.

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24 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

die kunst des liebens, psychologie, liebe, erich fromm

Die Kunst des Liebens

Erich Fromm , Ernst Mickel , Liselotte Mickel
Fester Einband: 180 Seiten
Erschienen bei Manesse, 14.03.2016
ISBN 9783717560029
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eigentlich bin ich in meiner Freizeit selten für ein Sachbuch jeglichen Metiers zu begeistern, doch als dieser Band in mein Bücherregal einzog, freute ich mich sehr, ihn lesen zu können. Nicht lange verweilte er darin, sondern wurde alsbald begonnen.

Erich Fromm ist bekannt für seinen eingängigen Schreibstil, der es trotz theoretischer Grundlagen nicht erschwert, Verständnis für seine Konklusionen zu haben.

In seiner Abhandlung zur Kunst des Liebens geht er verschiedenen Arten der Liebe auf den Grund und erläutert ihre Notwendigkeit und ihre Laster, doch vor allem beschreibt er den modernen Menschen des Kapitalismus, der es sich erschwert hat, zu lieben.

Konkret geht er auf die Nächstenliebe, die mütterliche Liebe, erotische Liebe, Selbstliebe und der Liebe zu Gott ein. Auch wenn mich einige Themen nicht ansprachen, war es interessant seine Überlegungen dazu zu lesen. Einige Erkenntnisse waren mit bereits bekannt, andere erforderten ein konzentriertes Lesen. Fromm beschreibt die Problematik, dass die Liebe heutzutage (1956!) als ein Affekt angesehen wird, dass sie kommerzialisiert wurde und dadurch der Mensch die Unfähigkeit entwickelte, zu erkennen, dass Liebe eben Arbeit bedeutet.

Liebe ist eine Aktivität und kein passiver Affekt. Sie ist etwas, das man in sich selbst entwickelt, nicht etwas, dem man verfällt. Ganz allgemein kann man den aktiven Charakter der Liebe so beschreiben, daß man sagt, sie ist in erster Linie ein Geben und nicht ein Empfangen. - S. 33

Nach einer Einleitung berichtet er also von der Theorie der Liebe, die unter anderem die genannten Liebesarten behandelt. Interessant war der Gedanke zur mütterlichen Liebe: Die idealtypische Mutter liebt erst einmal im Affekt ihr Kind, doch ist die tatsächliche Mutterliebe die, die loslassen kann und akzeptiert, dass das Kind immer selbstständiger wird. Ich bin selbst keine Mutter, doch kann ich mir vorstellen, dass dieser Prozess wirklich schwer sein kann. Das Loslassen, um Zurückkommen zu lassen.

Außerdem empfand ich den Absatz zur Selbstliebe interessant. Fromm besetzt diese Art nicht negativ, denn er setzt sich nicht mit übersteuertem Egoismus gleich. Der Gedanke, man müsse sich selbst lieben, um andere lieben zu können bzw. geliebt zu werden, ist bekannt, doch wird er doch selten auch gelebt. Es ist aber auch wirklich schwer.

Wie viele Verlobte oder Jungvermählte träumen vom künftigen Liebesglück und fangen bereits jetzt an, sich leid zu werden. Diese Tendenz paßt zur allgemeinen Einstellung, die für den modernen Menschen kennzeichnend ist. Er lebt in der Vergangenheit oder in der Zukunft, nicht aber in der Gegenwart. - S. 116

Der zweite Teil der Abhandlung befasst sich mit der Praxis der Liebe. Dabei stellt Fromm heraus, dass Disziplin, Geduld und Mut, ähnlich wir bei jeder anderen Profession, notwendig sind, um aufrichtig lieben zu können. Er begründet ausführlichst, warum es nicht nur eine leere Worthülse ist, wenn man sagt, Liebe sei Arbeit. Schön fand ich dabei den Gedanken, dass der Mensch generell objektiv seine Umwelt betrachten sollte. Erst dann könne er aufrichtig lieben. Ohne Vorurteile, ohne Bewertung, ohne Häme. Ein schöner Gedanke, aber ist er wirklich möglich? Ich denke, die Idee dahinter ist, sich selbst 'rein' zu halten. Nicht im religiösen Sinne, sondern im übertragenen Sinne. Wenn ich Gehässigkeit und Hass aus meinem Leben streiche, bin ich empfänglicher für Liebe und kann sie anderen schenken.

Die Fähigkeit zu Lieben erfordert einen Zustand intensiver Wachheit und gesteigerter Vitalität, der nur das Ergebnis einer produktiven und tätigen Orientierung in vielen anderen Lebensbereichen sein kann. - S. 146

Am Ende beschleicht mich das Gefühl, Fromm sieht die Liebe, also die wahrhaftige, als eine Lösung für die individualistisch geprägte Gesellschaft, in der die westliche Zivilisation vereinsamt.

Besonders im letzten Teil musste ich auch schon mal schmunzeln, denn einige Typen, die mit einer fremdgesteuerten Liebe Charaktereigenschaften entwickeln, kommen einem etwas bekannt vor...

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84 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 60 Rezensionen

kunst, dominic smith, kunstfälschung, das letzte bild der sara de vos, malerei

Das letzte Bild der Sara de Vos

Dominic Smith , Sabine Roth
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 10.03.2017
ISBN 9783550081873
Genre: Romane

Rezension:

'Das letzte Bild der Sara de Vos' ist ein einfühlsamer, kunstbegeisterter Roman von Dominic Smith. Die Gestaltung der Ausgabe ist dem Ullstein Verlag wunderbar gelungen. Das Leinen, welches über das Cover weht, ist auch von der Textur als solches zu erkennen. Genauso das Bild in der linken, unteren Ecke. Hier ist versucht worden, die Illusion einer Gemäldeoberfläche zu geben. Eine solche Hingabe ins Cover kennen ich von diesem Verlag nicht, bin aber erfreut über die Mühe dahinter.

Der Roman beginnt mit der ausführlichen Beschreibung des Gemäldes 'Am Saum des Waldes'. Dieses Gemälde ist der Grundbaustein, um den sich die Geschichte entspinnt. Der Romanaufbau spielt nicht nur mit verschiedenen Perspektiven, sondern auch mit verschiedenen Zeitebenen. Zum Einen wird aus Ellies und Martys Perspektiven in den 1950ern und 2000 berichtet, zum Anderen erzählt die Malerin Sara de Vos aus dem 17. Jahrhundert von denen Dingen, die ihr wiederfuhren.

Das besondere an de Vos ist, dass sie die erste Künstlerin war, die in die Lukasgilde in Amsterdam aufgenommen wurde. Eine Ehre und genau das, was Ellie an de Vos begeistert.

Ellie begegnet dem Gemälde auf etwas vertracktem Wege. Sie machte sich einen Namen als Restaurateurin in New York und wird dann von jemandem gebeten, ein komplettes Gemälde zu kopieren: 'Am Saum des Waldes'. Schnell wird ihr bewusst, dass sie eine Fälschung anfertigt, doch sie kann sich nicht stoppen und ist verzaubert von der de Vos-Arbeit. So kommt es auch, dass sie die Arbeit der Künstlerin in ihre Doktorarbeit aufnimmt. In den 50er Jahren einen Namen in der Kunstwissenschaft zu erhalten – als Frau – war sehr schwer. Zwar schreibt Ellie ihre Arbeit bei einer Professorin, doch ist dies bereits erstaunlich genug.

Insofern gibt es sowohl im 17. Jahrhundert, als auch in den 1950ern eine Problematisierung der Schwierigkeiten für Frauen, in spezifischen Metiers Fuß zu fassen. Ärgerlicher Weise wird dieses Thema nicht in den 2000ern aufgenommen, jedenfalls entdeckte ich es nicht so deutlich, wie in den anderen Zeitperspektiven.

Marty, dessen Familie bereits seit Jahrhunderten im Besitz des Gemäldes der de Vos ist, bemerkt eines Nachts, dass das Gemälde über seinem Kopf eine Fälschung ist. Von seiner melancholischen Frau und seinem stumpfen Dasein als Patentanwalt gelangweilt, macht er sich auf die Suche nach seinem Gemälde und lernt dabei Ellie kennen. Das Problem: Die beiden mögen sich und nur Marty weiß, um die Umstände, die sie zusammenführten.

In den 2000ern wird in Australien, Ellies Heimat, eine Ausstellung zu Frauen im goldenen Zeitalter der Niederlande geplant... Doch auf einmal gibt es zwei Ausgaben des 'Der Saum des Waldes'.

Die Geschichte ist sehr sanft und intim geschrieben worden. Alle drei Charaktere haben ihren eigenen Blick aufs Leben und ihnen wird der Platz gegeben, eigenständig zu wirken. Dabei hat mich überrascht, dass ich keine Lieblingsperspektive hatte, was ich normaler Weise schnelle habe bei einem mehrperspektivischen Roman. Das ist für mich das Zeichen, dass alles sehr ausgewogen war.

Die Schreibweise ist wirklich schön, aber mir ist es schwer gefallen, Zitate aus dem Textfluss zu entnehmen, weshalb ich hier keine anfügen werde. Es sind neue Metaphern, die wunderbare Bilder im Kopf eröffnen. Ich denke auch, dass das Lektorat hier großartige Arbeit geleistet hat, denn es wurde wirklich auf eine ausgeprägte Wortwahl acht gegeben und ein paar der gewählten Übersetzungen sah ich schon lange nicht mehr abgedruckt. Komplimente!

Erstaunlich für mich war, dass es keine Abbildung des Gemäldes gab, wie auch – die Künstlerin ist erfunden – und dennoch eignet man sich über die Dauer des Romans eine genau Idee des Gemäldes an. Das ist für mich wahre Kunst gewesen...

Nun habe ich selbst Kunstgeschichte studiert und bin vielleicht darum so begeistert, aber das soll mir zugestanden sein.

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142 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

kurzgeschichten, liebe, erzählungen, einsamkeit, reisen

Nichts als Gespenster

Judith Hermann
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.05.2004
ISBN 9783596157983
Genre: Romane

Rezension:

Die Kurzgeschichtensammlung 'Nichts als Gespenster' flog eines morgens in meine Wohnung. Eine Freundin empfahl es mir und als bald schickte sie mir das Büchlein zu. So dringlich war der Wunsch, wir hätten es beide gelesen. Ziemlich schön.

In dem Buch werden sieben Kurzgeschichten erzählt, die alle 40-50 Seiten zählen. Dabei fällt ein roter Faden deutlich auf, der die Geschichten aneinander bindet. Alle Kurzgeschichten werden aus der Sicht einer Frau berichtet, in allen geht es um eine Reise in ein anderes Land und alle berichten von dem Zauber zwischen zwei Menschen, der sich ganz behutsam aufbaut und teilweise schlicht eine Idee bleibt.

Sie ruft „Magnus! Erinnerst du dich noch daran, wie ich mich in Jonas verliebt habe!“, er bleibt nicht stehen und dreht sich nicht nach ihr um. - S. 101

Die Frauen reisen nach Prag, nach Amerika, werden in Island besucht, nach Schweden eingeladen. Sie erleben dabei eine jener Begegnungen, die sich für immer verankern wird. Wenn eine Situation zum Gegenüber intensiv, fast berauschend wird, ohne dass sie zwingend ausgelebt wird, denn die Umstände entsprechen dem nicht. Oder aber der Zauber ist verschwunden, weil die Möglichkeit besteht, es auszuleben.

Dabei berichten alle Frauen umwoben von einem Vorhang der wohligen Melancholie, keine runter ziehende, mehr eine, die dem Leser das Vermögen gibt, zu verstehen.

Ich kenne Jacob seit fast einem Jahr. Ich denke nicht darüber nach, ob das lange ist oder kurz. Jacob sagt, daß wir für immer zusammensein werden, das beunruhigt mich, weil schon jetzt scheinbar alles zwischen mir und ihm aus Erinnerung besteht. - S. 257

Die Sprache der Autorin ist dabei gewählt, fast zu knapp und durchdringend. Jeder Satz ist wichtig im gesamten Gefüge und die Zusammenstellungen haben etwas neues und kantiges.

Ich konnte mich sehr gut in den Band hineinfühlen, konnte mich für Hermann begeistern. Das Leben wird hier ernst genommen, nicht die Idealvorstellung davon und das liest man so selten. Meinerseits gibt es eine Aufforderung, das Buch zu lesen!





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389 Bibliotheken, 23 Leser, 0 Gruppen, 119 Rezensionen

experiment, wissenschaft, roman, terranauten, usa

Die Terranauten

T. C. Boyle , Dirk van Gunsteren
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 09.01.2017
ISBN 9783446253865
Genre: Romane

Rezension:

T. C. Boyles neuestes Roman „Die Terranauten“ wird im Augenblick in jedem Buchhandel beworben und wird sicherlich auf der Buchmesse in Leipzig noch einmal gehypt werden, aber ist das wirklich gerechtfertigt?

Das Cover erscheint erst einmal recht witzig, aber auch unvertraut. Ein Mensch im Astronautenanzug steht in einem wuchernden Garten mit einem kleinen Häuschen. Für ein Cover mit einem Foto als Hintergrund, ist dieses wirklich gut gelungen, denn die meisten Fotocovers neigen zum Kitsch oder dazu, billig zu wirken. Zudem passt es auch gut zum Inhalt des Romans und dennoch ist es im Verständnis von Astronaut und Natur irreführend für den Betrachter, ebenso wie das Experiment, um das es geht.

Boyles Roman basiert auf wahren Geschehnissen in den 90ern. Es geht um ein Experiment, in dem eine Welt unter der Glaskuppel erschaffen wurde, die im Takt von zwei Jahren von acht Menschen bewohnt wird, die keinen Zugang zur Außenwelt haben außer via Telefon und an der äußeren Scheibe der Kuppel. Boyle steigt mit seiner Erzählung in die zweite Durchführung des Experiments ein. Die erste Gruppe scheiterte an der Mission und die neue Truppe war somit sehr motiviert, keinen Ausbruch aus der Kuppel zuzulassen.

Der Roman wird aus der Perspektive von drei Figuren erzählt: Dawn, bzw. E, die Nutztierwärterin in der Misson 2 ist; Ramsey, bzw. Vaj, der für die Pressemitteilungen aus der Kuppel zuständig ist, und dann noch Linda, die es nicht in die Kuppel schafft und die zwei Jahre des Einschluss darauf wartet, bei Misson 3 dabei zu sein.

Die Figuren führen eine Art Bericht, der mit Dialogen und viel Innenperspektive bestückt ist, jedoch aus der Zeit nach dem Einschluss erzählt wird.

Zu Beginn steht die Frage, welchem Charakter man zugeneigt ist und relativ schnell wurde mir dabei bewusst, dass ich Linda dabei ausschließen kann, denn sie erschien mir bereits zu Beginn unangenehm zu sein. Sie ist aber diejenige, die als Dawns beste Freundin gilt und sich häufig auf ein Gespräch mit ihr am Besucherfenster trifft.

Innerhalb der Kuppel finden sich das Team langsam in seinen Arbeitsablauf ein und so gibt es Platz für zwischenmenschlichen Zwist.

Von außen wird das ganze von vier Personen geleitet, die die Spitznamen Gott Vater, Judas, Jesulein und Gott Mammon haben, die bereits tiefen Einblick in die Hierarchie des Experiments geben und auch ein Bild der Leitung geben.

Die Misson 2 muss sich nicht nur mit der Nahrungsknappheit befassen und Sauerstoffarmut, hinzu kommt außerdem ein Faktor, den wohl niemand einberechnet hatte, der Dawn und Ramsey betrifft und ein großes Konfliktpotenzial für die Gruppe, die Mitarbeiter draußen und die Presse bietet.


Bei der Schreibweise muss man sich vielleicht daran gewöhnen, dass es sich wirklich um eine Innenperspektive handelt, die durchdacht wurde und nicht nur die guten Gedanken des Menschen vorführt. Boyle schafft es durch die Beschreibung von Gehässigkeit und Missgunst ein sehr nahes Bild des Denkens zu geben.

Gleichwohl ist die Schreibweise jeder Perspektive angepasst, auch wenn dabei keine allzu malerischen Beschreibungen herauswachsen und eher herausfallen, tauchen sie auf.

„Er ist zu neunzig Prozent damit beschäftigt, die Presse mit Informationen zu versorgen, und wenn nicht – oder selbst dann -, sieht man, dass sich in seinen Augen Langeweile auftürmt wie Sand in einem Stundenglas.“ - S. 485

Problematisch sind für die ersten 200 Seiten die vielen Spitznamen. Jedes Missionsmitglied wird vorgestellt und dann wird mal der richtige Name, mal der Missionsname genannt, mal ein Spitzname, der sich einfach aus dem Geschehen herausgebildet hat. Das erfordert erst mal Konzentration. Genauso braucht es auch einiges Bemühen, um zu verstehen, wie das Experiment aufgebaut ist, wie es sich selbst versorgen soll und was dafür alles notwendig ist. Aber das ist tatsächlich interessant.

Zur Übersetzungsarbeit dieses Romans muss ich sagen, dass mich einige Grammatikfehler wirklich geärgert haben. Vielleicht wäre es angebracht, bei voraussichtlichen Erfolgsromanen mehr Zeit und Akribie ins Lektorat zu stecken, denn Ähnliches – wenn auch drastischer – ist mir bereits bei Nathan Hills 'Geister' aufgefallen.

Für mich war der Roman ungefähr zwei Drittel lang sehr spannend und ich konnte ihn guten Gewissens in der Leserunde, die ich dazu besuchte, verteidigen. Leider wurde dies für mich zum Ende hin nicht mehr möglich. Irgendwann konnte ich Dawn und Linda nicht mehr nachvollziehen und einzig Ramsey wurde für mich verständlich in seinen Reaktionen.

Der Roman ist gut, das Experiment ist spannend und vor allem der Aufbau ist ziemlich anregend, dennoch kann Boyle für mich die Messlatte, die er sich zu Beginn legte, nicht halten.

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95 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

sagen, thor, mythen, nordische mythen, odin

Nordische Mythen und Sagen

Neil Gaiman , André Mumot
Fester Einband: 340 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.02.2017
ISBN 9783847906360
Genre: Fantasy

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Hinter verschlossenen Türen

Paul Auster , Hubert Wiedfeld , Norbert Schaeffer , Christian Berkel
Audio CD: 2 Seiten
Erschienen bei DHV Der HörVerlag
ISBN 9783895849169
Genre: Romane

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14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

usa, spionage, krimi, short story, new york

Schlagschatten

Paul Auster
Flexibler Einband: 125 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 01.01.2001
ISBN 9783499229800
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Zunächst ist Blue da. Später kommt White und dann Black, und vor dem Anfang kommt Brown.“ -S. 163

Der Roman 'Schlagschatten' ist Teil der New York-Trilogie von Auster und die Umarbeitung des Einakters 'Blackouts' von 1976.

Ähnlich des ersten Romans der Trilogie handelt es sich auch hier um eine Detektivgeschichte, die den Leser erneut in die Irre führt.

Blue ist Detektiv und wird von White aufgesucht mit der Bitte, Black zu observieren. Dafür bekommt Blue eine Wohnung gegenüber der von Black, so dass er in das Fenster des Beschatteten blicken kann. Blue soll wöchentlich einen Bericht verfassen und wird darum gebeten, die Aufgabe sehr ernst zu nehmen.

So weiß der Detektiv aber nicht, was Black verbrochen hat oder welche Gefahr von ihm ausgeht, weshalb er beginnt, über die Umstände seiner Arbeit zu fantasieren. Ebenso setzt er sich immer mehr mit dem Charakter Blacks auseinander, lebt wie er und vergisst dabei sein eigenes Leben. Nach einiger Zeit des bloßen Observierens wird Blue kreativ und versucht, Black und auch White aus der Reserve zu locken.

Interessant ist hierbei, das nach und nach der Charakter Blues sich zu verändern scheint und die Frage aufkommt, ob Blue vielleicht Black ist? Besonders aufgefallen ist mir dies, als Blue zuerst sagt, er würde kaum lesen und sich in der Literatur wirklich nicht auskennen, um dann – als Bettler verkleidet – mit Black ein literaturwissenschaftliches Gespräch zu führen. Die Figuren lösen sich also ineinander selbst auf, was einmal mehr Austers Spiel mit Trug und Wahrheit belegt.

Ich für meinen Teil hatte zu Beginn etwas Schwierigkeiten, nicht mit den Namen durcheinander zu geraten. Im Übrigen sind auch andere Personen ausschließlich nach Farben benannt außer z.B. Autoren, die tatsächlich existierten.

Die Schreibweise ist sehr angenehm und lockt den Leser aus seiner passiven Rolle, um selbst Stellung zum Geschehen zu nehmen, was ich befürworte.

Ich glaube, sollte man diesen Roman fundiert analysieren, würde man einige Fallen für den Leser finden, die man beim einmaligen Lesen nicht bemerkte. Diese Kunstfertigkeit begeistert mich.

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32 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

graphic novel, fachbuch, krimi, new york, comic

Paul Austers Stadt aus Glas

Paul Auster , Paul Karasik , David Mazzucchelli , Michael Grönewald
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Reprodukt, 01.08.2005
ISBN 9783938511060
Genre: Comics

Rezension:

Nach dem Verlust von Frau und Kind verwandelte sich Daniel Quinn in einer Art urbanden Eremiten. Er schreibt unter einem Pseudonym Kriminalromane und lebt sein Leben vor sich hin, ohne Sozialkontakte zu pflegen. In der Nacht wird Quinn dann angerufen und gefragt, ob er Paul Auster sei. Nachdem dies einige Male aufeinander geschieht, gibt er tatsächlich vor, Paul Auster, der Privatdedektiv zu sein und begibt sich zu den Stillmanns, um einen Fall zu bearbeiten.

Dort erfährt er von Peter Stillmann junior, dass sein Vater ihn jahrelang in einem dunklen Raum eingesperrt hatte, nicht mit ihm Sprach und ihn schlug. Dies tat er, um an die wahre Sprache zu gelangen, die in uns schlummern soll, wenn wir aus uns selbst heraus Sprache entwickelten. Stillmann junior ist aus diesem Grund mit psychischen Problemen geplagt. Nach dreizehn Jahren soll sein Vater nun entlassen werden und da er Angst vor ihm hat, soll Quinn/Auster diesen observieren. Nach einem Gespräch mit Stillmanns Frau lässt er sich darauf ein und folgt ab diesem Punkt dem Vater jeden Tag durch die Stadt.

Zuerst begreift Quinn/Auster nicht, was der alte Mann tut, doch entschlüsselt er dann durch Zufall, dass der Herr weiterhin die Idee verfolgt, ein Paradies auf Erden zu finden, in dem alle die wahre Sprache sprechen. Dies ist auch der Punkt, in dem die Identitäten deutlich verschwimmen.

Er war nun Paul Auster, und mit jedem Schritt, den er machte, versuchte er, sich bequemer in die Verengungen dieser Verwandlung einzupassen. Auster war nicht mehr als ein Name für ihn, eine Hülle ohne Inhalt. Auster zu sein bedeutete ein Mann ohne Inneres, ein Mann ohne Gedanken zu sein. Und wenn ihm keine Gedanken zu Gebote standen, wenn sein eigenes Innenleben unzugägnlich geworden war, gab es für ihn keinen Ort mehr, an den er sch zurückziehen konnte. - S. 78

Irgendwann kann man nicht mehr sagen, ob Quinn nun er selbst ist, ob er Paul Auster ist oder ob er vielleicht sogar Stillmann selbst ist und Quinn verliert sich immer mehr in diesem Fall.

Das Spiel mit den Identitäten ist genial. Auch der Einbezug des Autors selbst ist so interessant und gut gemacht. Man stolpert nicht über die Identitätsüberschneidungen, sondern gibt sich dieser Zusammenführung hin. Am Ende kann man wirklich darüber streiten, was nun eigentlich passiert ist, denn der Roman ist nicht zwingend lösungsorientiert. Dies ist aber wirklich kein Manko des Textes, vielmehr ein Qualitätsmerkmal.

Ich bleibe am Ende begeistert zurück und freue mich bereits auf den nächsten Teil der New-York-Trilogie.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Berlin Alexanderplatz - Die Geschichte vom Franz Biberkopf - Nachwort von Walter Muschg; Ungekürzte Ausgabe, 22. Auflage (441.-470. Tausend)


Flexibler Einband: 430 Seiten
Erschienen bei Deutscher Taschenbuch Verlag dtv, München, 01.01.1980
ISBN B00457Z2NO
Genre: Sonstiges

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150 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

kaiserreich, untertan, klassiker, heinrich mann, deutschland

Der Untertan

Heinrich Mann
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei S. Fischer, 01.10.2012
ISBN 9783423002561
Genre: Klassiker

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