Leserpreis 2018

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53 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

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Gehen. Weiter gehen

Erling Kagge , Ulrich Sonnenberg
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 21.10.2018
ISBN 9783458177685
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Gehen ist Leben."

Dies ist nicht das einzige Buch zum Thema und es geht auch nicht um praktische Dinge. Schließlich ist es die einfachste und natürlichste Sache der Welt, aber durchaus eine, die es lohnt, sich darüber Gedanken zu machen.

Und genau das tut Erling Kagge. Sein Büchlein streift die Bedeutung des Gehens für den Menschen - 'die Grundlage für alles, was wir heute sind' (17) - er erzählt von eigenen Erlebnissen sowohl im ganz Banalen (Wald) als auch an Extrem-Orten (Nordpol, New Yorker Abwasserkanäle) und begibt sich auf literarische Spurensuche, z.B. auf die Insel, wo Robinson (Selkirk) wirklich gelebt hat und spürt der Erzählung nach. Er zitiert Literatur zum Gehen und man gewinnt tatsächlich den Eindruck, dass es eine wichtige, ja sogar existenzielle Sache ist, nützlich und wohltuend für körperliche und seelische Gesundheit.

Er betont den Freiraum, den das Gehen bietet und die Gelegenheit, seine Gedanken zu ordnen, ebenso wie die Natur in all' ihren Facetten wahrzunehmen. Sehr poetisch beschreibt er das am Beispiel einer Eiche, die er zu verschiedenen Zeiten beobachtet.

"Wer in der Wohnung bleibt, kriegt nichts mit vom Wechsel der Jahreszeiten." (32)

Gut gefallen hat mir die Anmerkung, dass die Machthaber der Welt die Nähe zu ihrem Volk verloren haben, weil sie nicht mitten unter ihnen gehen – oder der Gedanke, dass man sich die Aussicht als Belohnung verdienen muss und wie schön es ist, wenn der Schmerz nachlässt.

Die Sprache empfinde ich in Wortwahl und Satzbau als relativ einfach, aber das schmälert den Gehalt nicht, sondern hebt ihn sogar noch hervor. Ein wunderbares Büchlein, liebevoll mit Fotos und einem Wald auf dem Hardcover gestaltet, eines, das man immer wieder in die Hand nehmen kann und das einen festen Platz in meinem Bücherregal bekommt.

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51 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 22 Rezensionen

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Du springst, ich falle

Maryam Madjidi , Julia Schoch
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 18.05.2018
ISBN 9783351050504
Genre: Romane

Rezension:

Es ist die Geschichte der Autorin selbst, einer jetzt ca. 36-jährigen Iranerin, deren Eltern mit ihr ins Exil nach Paris flohen. Man hat den Eindruck, sie ist dort nie richtig angekommen, sehnt sich nach dem Iran, nach Persien, kann dort als frei erzogene Frau aber nicht dauerhaft leben.

Maryam führt ein unstetes Leben, lässt sich einige Zeit in China und der Türkei nieder und fliegt mehrere Male als Besucherin in den Iran, um ihre Familie wiederzusehen, vor allem die geliebte Großmutter.

Von all' dem erzählt Maryam Madjidi in einer poetischen bildhaften Sprache, die mir sehr gefallen hat, die aber kein positives Bild vermittelt wie überhaupt das ganze Buch:

"Die boshaften Göttinnen Angst, Tod und Folter kommen in den Raum gerauscht, erfüllen ihn mit ihrem dumpfen Lärm, kreisen sirrend über ihren Köpfen." (43)

"Wie gern hätte ich die Fetzen deiner Träume eingesammelt, sie gerettet, und wie auf meine eigene Wortgirlande gefädelt, …" (112).


Interessant waren die Schilderungen über das Eingewöhnen eines Kindes in einer fremden Welt, das Aufeinanderprallen der persischen und französischen Kultur. Die Autorin hat sehr eindringlich geschildert, wie ein Kind den Umgang mit der fremden Sprache und ihr Erlernen empfindet.

Was mich gestört hat, waren die modernen Roman-Kunstkniffe, die die Autorin im Übermaß angewendet hat: nicht nur Zeitsprünge, sondern auch ständigen Perspektivenwechsel, oft mitten im Abschnitt. Mal spricht die junge Frau, mal das noch ungeborene Kind, mal 1. Person, mal 3.

Das erfordert ein sehr aufmerksames Lesen, was ich eigentlich gerne mag. Aber hier war es einfach des Guten zu viel und hat mich anfangs sogar ein wenig verärgert, bis ich mich eingefunden hatte. Es erfordert also Geduld beim Lesen erfordert und ist im Ganzen ein bedrückendes Buch über Heimatlosigkeit und Verlust.

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15 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

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Einfach loslassen - "The Work" to go

Ina Rudolph
Buch: 40 Seiten
Erschienen bei Königsfurt-Urania Verlag, 24.09.2018
ISBN 9783868261721
Genre: Sachbücher

Rezension:

4,5 Punkte

Unsere Gedanken bestimmen unser Leben.

Dieser Satz und viele ähnliche sind uralte Lebensweisheiten, mit denen sich die Menschheit schon von Anbeginn beschäftigt hat, die großen Philosophen der Antike ebenso wie Esoteriker der verschiedensten Couleur. Alles ist sehr einsichtig, aber mit der Umsetzung hapert es. Wir nicken mit dem Kopf, aber es im eigenen Leben umzusetzen ... wie macht man das?

Hier setzt Ina Rudolph an, die Bücher zum Thema geschrieben hat und deren Karten gerade vor mir liegen. Es ist also diesmal kein Buch, das ich rezensiere, sondern ein Kartenset mit einem Booklet. Da das Äußere dabei eine Rolle spielt, möchte ich zuerst darauf eingehen:

Ein stabiler handlicher Pappkasten, darin 49 liebevoll gestaltete Karten in mintgrün mit leicht naiv wirkenden, fröhlichen Zeichnungen. Die Karten mit den abgerundeten Ecken (übrigens von der Spielkartenfabrik Altenburg) sind von bester Qualität, seidenmatt und fühlen sich einfach nur gut an, also ein haptisches ebenso wie ein visuelles Vergnügen.

Es gibt verschiedene Bereiche: Liebe & Partnerschaft, Selbstbewusstsein, Gesundheit, Erfolg & Job, Familie & Gesellschaft, Erfüllung, Zukunft und ein paar Freikarten für eigene 'Glaubenssätze', denn um die geht es hier.

Jeder Mensch trägt sie mit sich herum, Gedanken, die man für wahr hält wie z.B. 'Er liebt mich nicht' oder 'Die hat was gegen mich' oder 'Ich mache immer alles falsch'. Und genau diese negativen 'Glaubenssätze' bewirken, dass man sich schlecht, gestresst oder unglücklich fühlt.

Aber ist das wirklich wahr, was man da denkt? Genau darum geht es: diese 'Glaubenssätze' mit Fragen zu überprüfen (die stehen auch auf einer Karte), eventuell zu erkennen, dass sie falsch sind und sie loszulassen. Dazu dient Ina Rudolphs Methode, die auf 'The Work' von Byron Katie basiert. Nebenbei bemerkt, mit den Originalbüchern kam ich nicht zurecht, sie erscheinen mir zu abgehoben. Ganz anders dagegen die beiden Bücher von Ina Rudolph, s.u., zu denen diese Karten und das Booklet eine wunderbare Ergänzung bieten.

Man kann die Karten natürlich auch als eine Einheit für sich betrachten, denn das Booklet beschreibt komprimiert, worauf es ankommt und wie man es macht. Am Ende führt Ina Rudolph ein Beispiel an. Aber dennoch komme ich besser mit ihren Büchern zurecht, weil es dort einfach mehr Beispiele gibt, die die Vorgehensweise verdeutlichen.

Außerdem gibt es in jedem Kartenbereich Sätze, in denen ich mich nicht finden kann und die mich nicht ansprechen.

Meine Empfehlung: eines der beiden Bücher lesen, damit arbeiten und die Karten zur Ergänzung, zum Vergnügen und vor allem zum Mitnehmen nutzen. Leicht kann man eine Karte mit einem Glaubenssatz und seinen Umkehrungen sowie die Fragekarte in die Handtasche stecken und Wartezeiten o.ä. sinnvoll damit füllen.

Ina Rudolphs Webseite: https://inarudolph.de/, wo man auch Informationen zu den beiden Büchern findet, die ich gelesen habe und die ich empfehlen kann: 'Auf ins fette pralle Leben' und 'Ich will ja loslassen ...'

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85 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

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Schnee in Amsterdam

Bernard MacLaverty , Hans-Christian Oeser
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 09.11.2018
ISBN 9783406727009
Genre: Romane

Rezension:

Ein altes irisches Ehepaar aus Glasgow auf Reise ins winterliche Amsterdam, er ehemals Architekturdozent, sie Lehrerin. Stella ist die Organisatorin in der Ehe und hat ihre eigenen Vorstellungen zu Amsterdam. Gerry interessiert sich immer noch für sein Fachgebiet, aber ansonsten für nichts mehr; er trinkt exzessiv.

"Alkohol machte alles leichter, machte es leichter, Gefühle zu haben, Worte zu finden." (172)

Etwas Seltsames liegt in dieser Beziehung, dieser alten Ehe mit den eingespielten Verhaltensweisen. Einerseits ist da viel Zusammengehörigkeit und Zärtlichkeit, andererseits kommt nach und nach heraus, dass Stella Gerry verlassen und am liebsten für immer in der religiösen Gemeinschaft des Beginenhofs in Amsterdam leben möchte. Aber sie schwankt in ihrer Meinung hin und her und scheint selber nicht sicher zu wissen, was sie will.

Es gibt einige Rückblenden zu furchtbaren Erlebnissen in Belfast, aber sie scheinen nicht der Grund zu sein, warum beide Probleme haben.

Stella: "Ich bin des Lebens müde, so wie wir es führen. - Wie können wir am besten unser Leben leben? Wie können wir ein gutes Leben leben?" - "Wir haben den Stoff unseres Lebens falsch zugeschnitten. Er passt nicht." (130)

Beide scheinen in einer Krise zu stecken. Aber während Stella nach Veränderungen sucht, in denen Gerry keinen Platz haben soll, verharrt er im Trinken und dem damit verbundenen Lügen, zeigt aber auch deutlich, dass er Stella immer noch liebt. Man kann jedoch verstehen, dass seine Trunksucht für Stella ein Problem darstellt.

Es ist ein leises, ruhiges Buch ohne viel Handlung und besteht hauptsächlich aus den Gedanken der beiden Hauptfiguren und ihrem Umgang und ihren Konflikten miteinander. Für mich liegt ein Hauch Melancholie über dem Ganzen und ich habe den Roman hauptsächlich wegen der feinsinnigen Beobachtungen und der sprachlichen Highlights gerne gelesen. Lediglich die Dialoge fand ich ein wenig hölzern, was dem Ganzen aber kaum Abbruch tat.

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41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

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Ca. 750 g Glück – Das kleine Buch über die große Lust sein eigenes Sauerteigbrot zu backen

Judith Stoletzky , Lutz Geißler , Hubertus Schüler
Fester Einband: 100 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 21.09.2018
ISBN 9783954531592
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eine Ode an das Brot, philosophisch-poetische Gedanken über das Leben und die Entschleunigung, so humorvoll geschrieben, dass ich beim Lesen oft schmunzeln oder laut lachen musste. Man sieht: es ist kein Backbuch, obwohl am Schluss das Rezept für Sauerteigbrot steht.

Brot ist nicht einfach nur Brot, es steckt voller Symbolik, ist Grundnahrungsmittel für viele und spielt eine Rolle in der Kulturgeschichte der Menschheit. Hier im Buch ist es eher ein Mittel zur sinnlichen Erfahrung, zur Entschleunigung, fast zur Meditation (Ofenkino-Meditation, S. 53)

Was für ein Wunder, Leben quasi aus dem Nichts zu erschaffen, nur mit Mehl, Wasser und Salz; dazu Wärme und ein altes Marmeladenglas. Es gibt eine stark sinnliche Komponente, fühlen und riechen spielen eine große Rolle. Augenzwinkernd wird eine Prise Erotik hinzugefügt: "Woran denkst du beim Kneten eines samtig-elastischen Teigs?"

Die Sprache ist geradezu poetisch: "...der Duft, der … das Treppenhaus flutet, der auf die Straße hinaushaucht und in zarten Schwaden …" (38): Lebensweisheiten raten zur Entschleunigung, auf bessere Zutaten zu achten, im Leben und bei Brotzrezepten. Und immer wieder zaubern witzige Formulierungen ein Schmunzeln hervor: "Im limbischen System fliegen sämtliche Schubladen auf." (38), Mehl und Wasser 'zu einer mörtelartigen Masse verpampeln' (22).

Ein köstliches Büchlein, in dem nicht nur ein Rezept steckt, sondern viel Humor und Lebensweisheit. Zum Schluss gibt es noch liebevoll angefertige analoge Fotos und einen praktischen Verweis auf das Plötzblog: https://www.ploetzblog.de/ (Die Seite zum Austausch von Sauerteigansatz ist noch im Aufbau.)

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65 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

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Queen Victoria

Julia Baird , Hans Freundl , Maria Zettner
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), 01.09.2018
ISBN 9783806237849
Genre: Biografien

Rezension:

Beim Namen Queen Victoria hat man meist das Bild einer dicklichen Matrone vor Augen und weiß, dass sie einem ganzen Zeitalter den Namen gab, dem viktorianischen. Aber auch sie war einmal ein Kind, eine junge Frau, ein Mensch mit Träumen und Sehnsüchten, eine liebende Ehefrau und Familienmutter.

Das alles rollt die Autorin in ihrer akribisch recherchierten Biografie auf und zeichnet ein allumfassendes Porträt der Monarchin, die es nicht immer leicht hatte. Auch das politische und gesellschaftliche Umfeld, das von ihrem Leben nicht zu trennen ist, wird ausführlich beschrieben und das alles, ohne langweilig zu wirken. Es war die Zeit von Dickens, europäischen Unruhen und Verwerfungen, dem Krimkrieg, der irischen Hungersnöte und der beginnenden Industrialisierung.

Queen Victoria hat jeden Tag Aufzeichnungen vorgenommen; sie hat ihr ganzes Leben, ihre Gefühle und Gespräche aufgezeichnet. Es gibt umfangreiche Archive mit Materialien. Doch die Autorin des Buches erwähnt mehrfach, welche Schwierigkeiten sie hatte, ein möglichst wahrhaftiges Bild der Königin zu zeichnen. Zwar hatte sie Zugang zu den königlichen Archiven, aber am Ende wurde von ihr verlangt, nicht nur die Veröffentlichung dieser Textteile genehmigen zu lassen, sondern auch die von anderen autorisierte Texte zurückzuziehen, was sie zum Glück nicht getan hat.

Sie betont mehrfach, welche Legendenbildungen, Übertreibungen und Vertuschungen stattgefunden haben, aus politischen Gründen, z.B. um niemanden zu brüskieren, aber auch aus privaten, um ein makelloses Bild der Herrscherin zu zeichnen, bei dem z.B. der schottische Diener Brown keine Rolle spielen durfte.

"… wie schwierig es ist, das Denken und Fühlen einer Herrscherin zu erfassen, deren Worte bearbeitet, umgeschrieben, gestrichen, verborgen und vernichtet wurden." (13)

Trotz dieser widrigen Umstände hat die Autorin eine großartige Arbeit geleistet und sich so eng an die Wahrheit gehalten, wie ihr Material es erlaubte. Die zitierten Texte sind in einem Anhang akribisch belegt und eine ausführliche Bibliographie nennt die Quellen ebenso wie weiterführende Literatur. Sehr geholfen hat die genealogische Tafel ganz vorne, die ich ohne langes Blättern ständig zu Rate ziehen konnte. Aus ihr ist übrigens auch ersichtlich, dass Victoria Überträgerin der Bluterkrankheit war und wie diese durch Heiraten und Vererbung in europäische und russische Herrscherhäuser gelangte. Abgerundet wird das Ganze durch Schwarz-Weiß-Fotos und Gemälde von Victoria, ihrem Ehemann Albert, den Kindern und anderen wichtigen Personen.

Wer sich für Biografien interessiert, dem kann diese nur empfohlen werden. Sie wirft ein erhellendes Licht auf ein ganzes Zeitalter und das in lesbarer und kurzweiliger Art.

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26 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

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Honolulu King

Anne-Gine Goemans , Andreas Ecke
Fester Einband: 460 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.09.2018
ISBN 9783458177623
Genre: Romane

Rezension:

3,5 Sterne

Einst waren sie die Honolulu Kings, eine Hawaiiband, fünf junge Männer indonesisch-niederländischer Herkunft, die mit ihrer Musik einen einzigen Erfolg in den Charts hatten. Jetzt sind sie drei alte Freunde um die 80, die von vergangenen Zeiten träumen. Hardy Hardy führt noch immer seinen indonesischen Imbiss, bei dem ihm auch seine Enkelin Synne hilft. Jahrelang hat er seine indonesisch-stämmigen Gäste interviewt. Diese Kassettenaufnahmen sind ein Zeitzeugnis der japanischen Besetzung der ehemals niederländischen Kolonie und legen Zeugnis von den Brutalitäten der damaligen Zeit ab. Hardy erzählt, dass auch seine Familie von den sogenannten indonesischen Freiheitskämpfern bestialisch ermordet wurde. Er gibt aber den Japanern alle Schuld und verfolgt sie noch immer mit seinem unversöhnlichen Hass.

Liebevoll kümmert er sich dagegen um seine demenzkranke Frau im Heim, die aus den Niederlanden stammt und ihm einst sein Selbstbewusstsein wiedergab. Nach und nach erfahren wir die ganze Familiengeschichte. Als Hardy den Freimaurern beitritt, gibt er sein schrecklichstes Geheimnis preis und stürzt damit alle, die es kennen, in Gewissenskonflikte.

Sein Leben scheint noch einmal an Sinn zu gewinnen, als er zusammen mit seinen alten Freunden die Steelband wieder aufleben lässt. Während er musiziert, erfahren seine Enkelin und der Leser eine Überraschung, die nach der bisher dahinplätschernden Geschichte mit einigen Längen so gar nicht richtig passen will und mich am Ende ein wenig ratlos zurücklässt.

Die Autorin versteht es sehr gut, Alltagssituationen zu schildern und dabei die wahren Einstellungen der Handelnden zu entlarven, aber warum sie zwischendurch Elemente mit Ekelfaktor einbaut, ist mir unverständlich. - Auch der Erzählstrang mit Synnes rasanter Liebesbeziehung mit einem verheirateten Mann ist zwar interessant zu lesen, bringt die Geschichte mit Hardy aber nicht so richtig weiter.

Am Ende habe ich mich gefragt, worum es eigentlich wirklich ging. Zwar habe ich nebenbei einiges über die indonesisch-niederländische Kolonialvergangenheit gelernt, aber das wirkliche Thema ist mir verborgen geblieben. Vielleicht gibt es ja auch keines oder zu viele, die nur kurz angerissen werden: Heimatlosigkeit, Vorurteile, Liebe, Demenz, ...

P.S. Wenn jemand den Song hören möchte, der im Roman mehrfach erwähnt wird, bitte hier entlang: https://www.youtube.com/watch?v=yAvtjt89EiU

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Tags: kolonialismus, demenz, niederlande, indonesien, hawaiimusik, steelband   (2)
 

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47 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

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Cyrus Doyle und die Kunst des Todes

Jan Lucas
Flexibler Einband: 377 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 15.06.2018
ISBN 9783746634180
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

3,5 Sterne, aufgerundet auf 4

Mord auf der Kanalinsel Guernsey, eine Tote am Strand und gleich Action, denn eine Polizistin verfolgt Fußspuren, die zum möglichen Mörder führen und der gleich mit der Schrotflinte auf die Polizei losgeht.

Bis hierhin ist es ziemlich spannend, aber dann flacht die Geschichte ab. Die Polizisten, durchaus interessante Personen, wenn auch teilweise ein bisschen klischeehaft, z.B. der naiv-kindliche Assistent, die patente Bürokraft, ermitteln streckenweise parallel und unabhängig voneinander. Mir waren das etwas zu viele Gespräche und Dialoge und zu wenig Spurenermittlung. Das nahm dem ganzen die Spannung.

Die gab es erst wieder zum Schluss in einer Art Showdown und einer etwas zu plötzlichen Auflösung.

Dennoch: ein unterhaltsamer, wenn auch nicht besonders spannender oder tiefgründiger Krimi, in dem man auch einiges über die Kanalinsel Guernsey und ihren Sonderstatus erfährt.

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Tags: guernsey   (1)
 

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28 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

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Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt

Maya Angelou , Harry Oberländer
Flexibler Einband: 321 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.09.2018
ISBN 9783518468975
Genre: Biografien

Rezension:

3,5, aufgerundet auf 4 Sterne

Als erstes habe ich gelernt, dass es eine neue Schublade gibt, in die man Bücher stecken kann. Sie ist mit 'Memoir' beschriftet. Für mich ist es eine Untergruppe der Biografie, nämlich die interessante Lebensgeschichte einer unbekannten Person.

In diesem Buch ist es Marguerite Johnson, die einen Teil ihrer Lebenserinnerungen erzählerisch umsetzt. Nennen wir sie im folgenden 'Maya', so wie es als Autorin auf den Büchern steht. Das kleine Mädchen ist schwarz und lebt in Stamps, Arkansas, in den 30-/40er Jahren.

"In Stamps war die Rassentrennung so total, das die meisten schwarzen Kinder eigentlich nicht wirklich wussten, wie Weiße aussahen." (33)

Menschen waren für Maya die auf der selben Seite der Stadt, "die anderen, die seltsam bleichen Kreaturen, die ihr fremdes Unleben lebten, waren keine Menschen. Sie waren Weiße." (34)

Aber selbst die von den Schwarzen 'Armweißlumpen-Kinder' genannten respektieren die Schwarzen nicht und schikanieren sie, was in einer Szene sehr eindrücklich geschildert wird (36 ff.), wie überhaupt die Realität der Rassentrennung in vielen kleinen Bildern in deprimierender Weise zutage tritt, z.B. als Maya rasende Zahnschmerzen hat und der weiße Zahnarzt, dem Annie in Zeiten der Depression finanziell geholfen hat, eine Behandlung mit den Worten ablehnt: "Annie, es ist meine Überzeugung, dass ich lieber einem dreckigen Köter die Hand ins Maul stecke als einem Nigger." (215) So viel Menschenverachtung ist entsetzlich.

Dabei haben es die kleine Maya und ihr Bruder Bailey noch einigermaßen gut angetroffen, denn ihre schwarze Großmutter, die einen Krämerladen führt, zieht sie auf. Der schwarze Vater und die gemischtrassige Mutter haben sich getrennt und kümmern sich nicht um ihre Kinder. Obwohl die sehr religiöse Großmutter, 'Momma', sie mit liebevoller Strenge erzieht, fehlt den Kindern nicht nur die Mutterliebe, sondern sie fühlen sich schuldig und grübeln ständig darüber nach, ob sie etwas Böses getan haben.

Doch eines Tages kommt der ziemlich leichtlebige erscheinende Vater und bringt sie zur Mutter und ihrer Familie in St. Louis. Nachdem sich Mr. Freeman, der schwarze Freund der Mutter, an Maya vergriffen hat, werden die beiden Geschwister am Ende nach Stamps zurückgeschickt. Maya spricht kaum noch, weil sie sich schuldig fühlt.

Der weitere Lebensweg des intelligenten Mädchens, das einen guten Schulabschluss macht und später doch wieder zur Mutter nach San Francisco zieht, wird mir ein wenig zu schnell erzählt und bricht ab, bevor es richtig interessant wird. Sehr schade, denn Maya Angelou, die später auch Gedichte geschrieben hat und Vertraute von Martin Luther King und Malcolm X. war, hatte ein ungewöhnliches Leben und vermag in poetischer Sprache davon zu erzählen. Unter ihrem Schwarzsein hat sie wohl sehr gelitten.

"Schwarz zu sein, nicht über das eigene Leben bestimmen zu können, war schrecklich. Jung zu sein, aber schon gewohnt, die Vorurteile über die eigene Hautfarbe still un widerspruchslos anzuhören, war brutal. Besser, wir wären alle tot." (206)

Einige Szenen sind sehr eindrücklich wiedergegeben, anderes war zu ausführlich dargestellt, z.B. ein Vormittag in der Kirche. Die erste Hälfte fand ich sehr gelungen, danach die Darstellung ihres Lebens zu gerafft und zu distanziert. Dennoch: ein wichtiges Zeugnis über die Zeit der Rassentrennung in den USA.

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

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Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften

Irmgard Keun
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.09.2016
ISBN 9783462049916
Genre: Klassiker

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123 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 74 Rezensionen

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Deutsches Haus

Annette Hess
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 21.09.2018
ISBN 9783550050244
Genre: Romane

Rezension:

Harmlos fängt er an, der Roman, ein bisschen Familie, ein bisschen Liebe, das alles in der spießigen Zeit nach dem 2. Weltkrieg, leichtfüßig und locker erzählt.

Doch dann fühlte ich mich wie von einem Sog erfasst, mit Haut und Haar verschlungen. Eigentlich war es umgekehrt, ich habe das Buch atemlos zu Ende gelesen und als ich im Bett lag und schlafen wollte, wurde ich von geistigen Verdauungsstörungen geplagt und hatte ein paar Stunden Schlaf weniger, nicht, weil alles so schrecklich war (das auch), sondern weil mir 1001 Gedanken, Fragen und Antworten durch den Kopf spukten. Und das tun sie noch immer.

Eva mit Dolmetscherdiplom für Polnisch (wieso Polnisch?) lebt mit ihrer dicken, älteren Schwester Annegret, Säuglingsschwester, dem kleinen Bruder und einem Dackel noch bei den Eltern, die eine Gastwirtschaft führen. Sie sind rechtschaffen und fleißig und gehen liebevoll mit ihren Kindern um. Gerade warten sie auf Evas Freund Jürgen, der sich hoffentlich dazu durchringt, beim Sonntagsbraten um Evas Hand anzuhalten. Er kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus und wirkt gleich von Anfang an kalt und unsympathisch und hat altmodische Ansichten über die Stellung der Frau in der Ehe.

Doch jäh wird Eva aus dieser Idylle mit Sonntagsgans gerissen, weil sie beruflich vertretungsweise einspringen muss. Unmerklich gerät sie damit in den Umkreis der Aufarbeitung der Gräueltaten der Nazis; sie wird Dolmetscherin im ersten Auschwitzprozess und erfährt Dinge, die sie in ihren Grundfesten erschüttern. Nicht nur das, in ihr erwacht eine Rebellin, die zwar keinerlei persönliche Schuld trägt, aber durch ihre Familie nicht unbeteiligt ist.

Das deutsche unbedarfte Fräulein muss sich Vorwürfe anhören:

"Für euch kamen '33 die kleinen braunen Männchen in einem Raumschiff und landeten in Deutschland, was? '45 haben sie sich dann wieder verzogen, nachdem sie euch armen Deutschen diesen Faschismus aufgezwungen hatten." (33) – "Sie sind eins von diesen Millionen dummen Fräuleins." (34)

Eva wird mit den Verdrängungs- und Verleugnungsmechnismen nicht nur der Angeklagten, sondern auch vermeintlich Unschuldiger konfrontiert: nichts gewusst / warum Prozess hier in der Stadt / die vielen Steuergelder / ruhen lassen / die wollen nur Entschädigung / das war doch nur ein Arbeitslager u.v.m, Sprüche und Ansichten, die man auch heutzutage immer noch oder wieder hört.

Das Faszinierende an diesem Buch: schon von Anfang an hat die vermeintliche Idylle Risse und Sprünge, die sich dem aufmerksamen Leser in dem ein oder anderen Satz offenbaren und beim weiteren Lesen immer offenkundiger werden.

Es geht um Schuld und Mitschuld, darum, was man hätte tun können und ob man etwas hätte tun können, eigentlich keine neuen Fragen, aber hier so eindringlich in einen Roman verpackt, dass man sich der Problematik nicht entziehen kann.

"Die? Wer sind die? Und ihr, was wart ihr? Ihr wart ein Teil des Ganzen. Ihr wart auch die! Ihr habt das möglich gemacht. Ihr habt nicht gemordet, aber ihr habt es zugelassen." (335)

Wer sich jetzt fragt: Warum schon wieder? Was geht es mich an? Ich bin nicht in Deutschland geboren, ich bin danach geboren, ich habe nichts gemacht, meine Eltern und auch Großeltern auch nicht, dem sei gesagt:

Aus der Geschichte kann man und sollte man lernen, denn: "Wehret den Anfängen!" Das ist zwar ein abgenutzter Spruch, aber darum nicht weniger wahr. Wenn sich autoritäre, undemokratische Regimes zu etablieren beginnen, kann jeder zu Anfang etwas tun, sich informieren, protestieren, dagegen halten, sich wehren. Irgendwann aber ist es zu spät. Und wer setzt schon gerne sein eigenes Leben oder das seiner Familie aufs Spiel?

Alles in allem: ein beeindruckendes Buch um Schuld und Mitschuld, um die Frage, wie man schuldig werden kann (auch bei den Nebenpersonen und ihren Handlungen) und mit vielen Gedankenanregungen.

"Niemals hätte dieses sogenannte Reich so allumfassend funktionieren können, wenn da nicht die allermeisten mitgemacht hätten." (255)

P.S. Und wie passend der Titel ist! Deutsches Haus heißt die Gastwirtschaft, ein deutsches Haus stand in Auschwitz und das deutsche Haus ist unser aller Staat.

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Tags: nationalsozialismus, schuld, mitschuld, auschwit   (1)
 

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105 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 59 Rezensionen

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Piccola Sicilia

Daniel Speck
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 26.09.2018
ISBN 9783596701629
Genre: Romane

Rezension:

Ein Roman, der mich von der ersten Seite an gefesselt hat; ich finde ihn noch besser als 'Bella Germania' und schon der hatte mir gut gefallen. Es gefällt mir, wenn ein Buch nicht nur eine spannende Familien- und Liebesgeschichte erzählt, sondern auch Fragen aufwirft, die ein Licht auf Gegenwart und Vergangenheit werfen und zum Nachdenken anregen.

Der junge Fotograf Moritz ist Mitglied von Hitlers Propagandamaschine und wird in diesem Zusammenhang in Tunis eingesetzt, der nordafrikanischen Stadt, die als bunt und multikulturell beschrieben wird und wo Christen, Muslime und Juden friedlich zusammenleben. Das ändert sich, als die Wehrmacht in Tunesien einfällt und die Alliierten dort Bomben abwerfen. Das Chaos bricht aus und Moritz Schicksal wird mit dem einer jüdischen Familie verknüpft. Obwohl er eine Verlobte in Berlin hat, verliebt er sich in die (Adoptiv-) Tochter der Familie, die wiederum ihren Bruder Victor liebt. Moritz, der sich nun Maurice nennt, ist verloren zwischen den Welten und weiß nicht wirklich, wohin er gehört. Es gibt Verwicklungen und Verwirrungen und einen zweiten Erzählstrang, wo Moritz Enkelin nach ihrer Vergangenheit und ihrem verschollenen Großvater forscht. So werden Gegenwart und Vergangenheit miteinander verflochten.

Was mir an diesem Buch besonders gut gefallen hat, waren die vielen Gedankenanstöße, die vielen Anregungen zum Nachdenken. Fast war es ein bisschen zu viel beim ersten Lesen. Ganz sicher ist dies ein Buch, in dem man beim zweiten Lesen Neues entdecken wird, vielleicht auch, weil man dann die Handlung kennt und sich mehr auf das Innehalten und Nachdenken konzentrieren kann.

Es geht um vieles: um den Wahrheitsgehalt von Bildern ("… Bilder als Waffen. Sie töten keine Menschen, aber die Wahrheit." 33), um die Frage der Schuld und des Widerstandes und darum, ob und wie weit man Grundsätze über den Schutz der Familie stellt u.v.m.

Der Roman wirft eine Blick zurück auf die Zeit des Nationalsozialismus, der auch in Nordafrika seine Spuren hinterlassen hat und ist gleichzeitig aktuell, wenn es um totalitäre Staaten und Toleranz geht.

Dieses Buch ist so komplex und vielschichtig wie das Leben selbst. Es ist spannend und prall gefüllt, fast ein wenig zu überwältigend.

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

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Blau Türkis Grün

Mareike Guhr
Flexibler Einband: 168 Seiten
Erschienen bei Delius Klasing, 10.09.2018
ISBN 9783667114242
Genre: Sachbücher

Rezension:

Was mich am meisten gestört hat: die fehlende Chronologie. Dabei kann man die Routen vorne nach Jahren eingezeichnet sehen, aber im Text springt Mareike Guhr im ersten Teil des Buches vor und zurück. Es beginnt mit den Marquesas – was man noch als eine Art Prolog ansehen könnte – aber dann folgt Haiti. Dabei begann die Fahrt in Lanzarote, Europa. Ich hätte mir auch gewünscht, mehr über den Werdegang einer so talentierten Skipperin zu erfahren und über die Einrichtung und das Alltagsleben auf dem Schiff. Einiges wird kurz gestreift, anderes gar nicht erwähnt.

Bei einem Roman stört mich das inhaltliche Hin- und Herspringen nicht, aber für einen Reisebericht halte ich ein chronologisches Erzählen für besser. Auch hat man den Eindruck, das Buch sei eher für ihresgleichen (Yachties) geschrieben und nicht für den interessierten Laien, denn zu viele Fachausdrücke (Riggcheck, Fender, lenzen, einklarieren u.v.m.) werden nicht erklärt. Ein Glossar fehlt; auch wäre eine detaillierte Karte der kleinen pazifischen Inseln nützlich gewesen, von denen so viele mit Namen erwähnt werden.

Positiv hervorzuheben sind die grandiosen Fotos, die dem Titel gerecht werden, die Gestaltung des Textteils mit unterschiedlichen Schriften und Farben (aber dezent) und den eingestreuten Zeichnungen, ebenso einige poetische Beschreibungen, die den Zauber des Meeres einfangen.

Trotz der erwähnten Punkte – die andere vielleicht nicht stören – ein schönes Buch für Meeresliebhaber und Menschen mit Fernweh.

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Tags: yachties, weltumseglung, pazifik, meeresfotos, reisebericht   (1)
 

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

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Die Tote von Kalkgrund

H. Dieter Neumann
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei GRAFIT, 02.03.2015
ISBN 9783894254544
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

3,5 Sterne von 5

Schlecht ist er gewiss nicht, der Krimi, der an der schleswig-holsteinischen Küste spielt, etwas für zwischendurch und unterwegs, ein Roman, der keine große Konzentration erfordert, aber ganz nett zu lesen ist.

Die Personen sind ein bisschen klischeehaft, aber sympathisch auf der einen, der guten Seite und ganz böse auf der anderen. Die Rollen sind von Anfang an klar verteilt. Das nimmt natürlich ein bisschen die Spannung raus bevor es dann doch zum Schluss zu einem Showdown kommt.

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

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Die Tote und der Polizist

Sofie Sarenbrant , Hanna Granz
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 17.08.2018
ISBN 9783352009167
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist einer dieser Romane, wo man schon am Anfang weiß, wer 'der Böse' ist, in diesem Fall die Mörder von rumänischen Bettlern in Stockholms Straßen. Es geht nur darum, wie man den Provinzpolizeipräsidenten und seine Helfer, auch Polizisten, überführt und der gerechten Strafe zuführt. Dass sowohl der Klappentext als auch die ersten Seiten dies verraten, tut erstaunlicherweise der Spannung keinen Abbruch.

Auch die Polizistin Emma Sköld sollte von den Schuldigen ermordet werden, ist aber nur knapp entkommen. Sie weiß Bescheid und sucht zusammen mit ihrem Vater, dem Vorgänger des jetzigen Polizeipräsidenten, nach handfesten Beweisen. Dazu lassen die beiden alle Welt im Glauben, Emma sei tot. Das ist eine sehr tragische Situation, denn es wird sogar eine Begräbnisfeier mit Familie und Freunden abgehalten und sowohl Emma als auch ihr Vater leiden sehr darunter, alle im falschen Glauben zu lassen. Aber da sie keinem trauen können und nicht wissen, wer alles in die Sache verwickelt ist, muss es so sein.

Die Konflikte der handelnden Personen sind in kurzen Kapiteln gut beschrieben, in denen diese jeweils selbst zu Wort kommen und die Spannung steigt unaufhörlich, so dass man immer weiter lesen möchte. Eine rasante Jagd findet statt, die in einem Showdown ihren Höhepunkt findet.

Alles in allem: ein empfehlenswerter, spannender Roman mit aktuellem Hintergrund.

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

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Ich war Diener im Hause Hobbs

Verena Rossbacher
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.08.2018
ISBN 9783462048261
Genre: Romane

Rezension:

4,5 von 5 Sternen

Es ist eines der Bücher, die man eigentlich zweimal lesen muss, nicht nur, um Neues zu entdecken, sondern auch, weil man dann einiges anfangs Rätselhafte besser verstehen würde.

Es waren einmal vier Freunde aus Feldkirch, einem kleinen österreichischen Ort, die nach dem Abitur (der Matura) ganz unterschiedliche Lebenswege einschlugen. Einer von ihnen, Christian, auch Krischi genannt, ist der Erzähler dieser außergewöhnlichen Geschichte, die dem Leser einiges abverlangt, die ihn aber gleichzeitig mit einer außergewöhnlich schönen Sprache lockt und begeistert.

Es ist eine einfache Geschichte, sagt der Erzähler mehrfach. Aber das ist sie ganz und gar nicht, sondern sie erschließt sich dem Leser erst nach und nach und sie erfordert viel Aufmerksamkeit, um die zarten Hinweise und kleinen Puzzleteilchen, die überall 'versteckt' sind, nicht zu überlesen. Es ist also ein Buch zum Innehalten und zum Mit- und Nachdenken.

Christian hat sich entschieden, Butler zu werden. Diener nennt er sich selbst manchmal, was recht altmodisch klingt. Das passt zu seiner Lebenseinstellung; er hat es am liebsten ruhig und ohne Überraschungen.

Aber genau das Gegenteil passiert, etwas, was sein Leben durcheinanderbringt und an seinen Überzeugungen rüttelt. Wer aber jetzt eine spannende Geschichte erwartet, liegt falsch. Christian beschreibt sein Butler-Leben in der Familie Hobbs, in der es durchaus leger und locker zugeht, vielleicht zu locker, aber er schweift immer ab, was er auch selber zugibt:

"Kaum fange ich an, etwas zu erzählen, einen sauberen, schlichten Sachverhalt darzulegen, verzettle ich mich heillos in diesem ganzen unsortierten Wust an Gedanken und Erinnerungen, Fetzen und einzelnen Sätzen." (67)

Das aber macht auch in gewisser Weise den Reiz der Geschichte aus, die den Leser zwingt, sich aus den Einzelteilen ein stimmiges Bild zusammenzusetzen.

Das Ganze ist in eine sprachlich hervorragende Form gegossen, oft auch mit boshaftem Humor durchsetzt und mit ungewöhnlichen Metaphern geschmückt:
Das Jackett lungerte 'wie eine fläzende, grau gemusterte Katze' auf dem großen Sessel (11), 'der fette und irgendwie spöttische Rosenduft …' (11)

Dieser Roman wäre ein Anwärter für 5 Sterne gewesen, wenn ich nicht das Ende ein wenig zu wirr und zu verschachtelt gefunden hätte. Dennoch ein lesens- und empfehlenswerter Roman für die, die beim Lesen gerne innehalten und mitdenken.

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166 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 109 Rezensionen

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Der Abgrund in dir

Dennis Lehane , Steffen Jacobs , Peter Torberg
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 29.08.2018
ISBN 9783257070392
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

3,5 Sterne von 5

Eins muss man dem Buch lassen: es ist sehr spannend und man möchte immer weiter lesen, um zu wissen, wie es ausgeht. Aber für mich war das Ende eine Enttäuschung wie überhaupt die zweite Hälfte des Buches. Fast kommt es mir vor, als ob zwei Autoren dieses Buch geschrieben hätten, jeder in seiner Manier.

Zuerst erfahren wir von der unglücklichen Kindheit und Jugend Rachels, ihrer zwanghaften Suche nach dem leiblichen Vater, dessen Namen ihr die plötzlich durch einen Unfall gestorbenen Mutter nicht verraten hat. Rachel ist unglücklich und einsam und sucht ständig nach Liebe und Unterstützung. Dabei ist sie beruflich als Reporterin sehr erfolgreich, wird sogar nach dem schweren Erdbeben in die Hölle Haitis geschickt. Die Erlebnisse dort, von denen wir aber nur wenig erfahren, führen bei ihr zu Angst- und Panikattacken, die vom Autor recht anschaulich beschrieben werden. Als sie ein zweites Mal von Haiti aus berichten muss, erleidet sie in einer Live-Sendung eine Art Zusammenbruch, der sie nicht nur ihre Karriere, sondern auch ihre Ehe kostet.

Ihr Leben gewinnt erst langsam wieder an Qualität, als sie Brian Delacroix trifft, den sie von früher kennt und der sich liebevoll und einfühlsam um sie kümmert. Aber ist er wirklich der, der er zu sein vorgibt? Diese Frage, hervorgerufen durch den ein oder anderen Verdachtsmoment, wird zum Spannungsmotor der Geschichte.

In meinen Augen ergibt sich hier ein Bruch, weg von der Schilderung von Rachels Leben, Gedanken und Zuständen hin zu viel 'Action', was mir in dieser Fülle übertrieben erschien. Vor allem aber fand ich das Handeln der Personen und ihre weitere Entwicklung völlig unglaubwürdig und nicht authentisch. Hier wird eine ganz andere Geschichte erzählt: voller Geheimnisse, Rätsel und Action und zwar so, dass es mir zu viel wurde. Vieles, was vorher breit geschildert wurde, spielt jetzt keine Rolle mehr, wie z.B. die Suche nach dem leiblichen Vater. Die meisten Personen erschienen mir unwirklich und unglaubhaft, so dass mir das Ende keinen Spaß gemacht hat. Ja, ich fand es regelrecht enttäuschend.

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192 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

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Ich bin der Hass

Ethan Cross
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 23.02.2018
ISBN 9783404176304
Genre: Krimi und Thriller

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99 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

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Léon und Louise

Alex Capus
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 24.07.2015
ISBN 9783423253635
Genre: Romane

Rezension:  
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76 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

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Walter muss weg

Thomas Raab
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2018
ISBN 9783462050950
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Anfang hatte mir durchaus gefallen: Die alte Huberin ist durch den Tod 'ihres Walter' endlich von einer freud- und lieblosen Ehe befreit, was sich ein bisschen makaber und sehr bissig liest, ebenso wie die unterschwellige Kritik an der ländlichen Idylle eines Bergdorfes, die natürlich keine ist. Das stellt sich sehr schnell bei der Beerdigung heraus, wo eine merkwürdige Begebenheit die Geschichte des Buches ins Rollen bringt.

Der Untertitel lautet: Frau Huber ermittelt – Der erste Fall. Allerdings habe ich von Ermittlung nicht allzu viel gemerkt. Die Witwe unterhält sich zwar mit diesem oder jenem, aber wie 'ein Fall' liest es sich nicht. Etliche skurrile Personen und Vorkommnisse ziehen sich durch das Buch, was mir manchmal etwas gezwungen lustig und witzig vorkam. Zu viele Klischees werden bedient, sowohl bei den Personen als auch bei der Handlung wie z.B. der Leichenschmaus.

Die meist saloppe Ausdrucksweise mit halben und unvollständigen Sätzen mag zwar manchem zusagen, mir aber nicht. Wenn eine bestimmte Person so spricht – in Ordnung. Wenn aber das ganze Buch so geschrieben ist, nervt mich das. Dennoch, das mag Geschmackssache sein. Aber eines geht gar nicht: sich einfach über Grammatikregeln hinwegsetzen und das in einer penetranten Art und Weise, dass es mir den Lesegenuss verhagelt hat. Auch wenn sich ein populärer Trend abzeichnet, was die Satzstellung in weil-Sätzen anbetrifft (die Aufhebung der Inversion im Nebensatz), so muss das in Romanen doch nicht noch forciert werden. Ständig diese verdrehten Sätze lesen zu müssen, hat weh getan. Es geht nicht nur mir so, auch Bastian Sick, der 'Zwiebelfisch' stört sich daran:
http://bastiansick.de/kolumnen/zwiebelfisch/weil-das-ist-ein-nebensatz/

Einige Beispiele gefällig?
"…, weil ist ja nicht lustig, wenn..." (63)
"… weil Bein haben wir auch eines gefunden." (67)
"… weil wir geben dann im Uhrzeigersinn weiter." (167),
das ausgerechnet im Rahmen einer Deutschstunde mit grammatischer Belehrung ;-)

Kurz und gut, mir hat es keinen Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Ich habe die Spannung vermisst, es war mir zu viel des Sarkastischen und vor allem die Sprache, die grammatischen Entgleisungen – nein, das geht gar nicht.

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76 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

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Slow Horses

Mick Herron , Stefanie Schäfer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 29.08.2018
ISBN 9783257070187
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kann man eine Geschichte noch verworrener und langweiliger erzählen als diese zynische, düstere Agentenstory? Ian Fleming bzw. James Bond würden sich die Haare raufen.

Dabei fing es vielversprechend an, Agent River Cartwright in gefährlicher Mission, er vermasselt es, wird degradiert und in eine spezielle Abteilung des Secret Service abgeschoben, ein Sammelbecken für die Gescheiterten und Unerwünschten, Slow Horses genannt, die im Slough House 'residieren' (ein typisch britisches Wortspiel; slough - Sumpf,Morast, abgestreifte Haut).

In jedem Abschnitt klingt durch, wie desillusioniert und unglücklich die einzelnen Mitarbeiter sind. Wir lernen sie nach und nach genauer kennen, ihre Hoffnungen, ihre verlorenen Illusionen, ihre Abneigungen untereinander und doch bleiben sie dem Leser nebulös fern. Ihr Chef ist der undurchsichtige, fette, ungepflegte Jackson Lamb, der auch schon mal einen Furz statt eines Kommentars ablässt.

Zynisch und sarkastisch sind viele Bemerkungen dieser Mitarbeiter, die nur mit wahrscheinlich unnötigen Routinearbeiten betraut werden; düster und trostlos ist die Stimmung und erst auf Seite 117 geschieht endlich einmal etwas, von dem man hofft, jetzt käme ein wenig Spannung in die Geschichte. Aber alles bleibt weiterhin langweilig und undurchsichtig. Mir war nicht immer klar, worum es wirklich geht. Um einen jungen entführten pakistanisch-stämmigen Mann, der enthauptet werden soll oder um die Intrigen innerhalb des Secret Service?

Zum Schluss war es mir auch einfach egal; ich wollte das Buch nur noch beenden. Abbrechen wollte ich es wegen einer Rezensionsverpflichtung nicht, sonst hätte ich das schon viel früher getan.

Einzig die literarische Qualität der Sprache hat mir gefallen, die vielen Metaphern und Vergleiche, z.B.
"Die Tage waren in solche Segmente gewürfelt und geschnitzelt …" (42) - "… wobei streunende Gedanken wie Ratten an ihr knabberten und nagten." (103).

Aber die Sprache allein rettet ein langweiliges, zynisch-düsteres Buch mit unglaubwürdigen Charakteren nicht.

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154 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 92 Rezensionen

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Königskinder

Alex Capus
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 20.08.2018
ISBN 9783446260092
Genre: Romane

Rezension:

Was macht man, wenn man im Schnee stecken bleibt und dunkle, kalte Nachtstunden überbrücken muss, bevor Rettung naht? Geschichten erzählen, wie in 1001 Nacht. Hier sind es Max und Tina, die im Auto auf den Schneeräumer bis zum nächsten Morgen warten müssen.

Max scheint ein so begnadeter Erzähler zu sein wie Alex Capus. Ausgehend von einer Melkhütte, die er in Dunkelheit und Schneetreiben zu sehen glaubt, entwickelt er die Geschichte des Sennerjungen Jakob, der sich in Marie, die Tochter eines reichen Bauern verliebt, sie aber nicht heiraten darf.

Es ist erstaunlich und macht den erzählerischen Charme der Geschichte aus, was Capus alles einbaut: Jakobs Mutmaßungen zu Versteinerungen, die er in den Kalkfelsen findet, die Montgolfièren und welche Gedanken sich die Menschen dazu machen oder die klimatischen Auswirkungen des Vulkanausbruchs auf Island im Jahre 1783. Auch vom prachtvollen vergoldeten Versailles mit seinen hunderten von Kerzen malt uns Capus ein ganz gegensätzliches Bild, das mich sicher bei der nächsten Besichtigung eines Barockschlosses einholen und schmunzeln lassen wird.

Bleibt nur die Frage, ob die beiden 'Königskinder' Jakob und Marie vielleicht doch zueinander finden, was aber hier nicht verraten werden soll. Vom Ende soll und muss man nicht allzu viel erwarten und man muss auch keinen tieferen Sinn in die kleine Geschichte hineindenken. Man sollte sich einfach an der wortgewaltigen, phantasievollen Fabulierkunst des Autors erfreuen. Es hat mir großen Spaß gemacht, dieses Büchlein zu lesen.

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170 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 18 Rezensionen

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Kalter Grund

Eva Almstädt
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.06.2014
ISBN 9783404171705
Genre: Krimi und Thriller

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82 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Die andere Seite des Himmels

Jeannette Walls , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Diana, 09.02.2015
ISBN 9783453357969
Genre: Romane

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268 Bibliotheken, 7 Leser, 3 Gruppen, 21 Rezensionen

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Schiffbruch mit Tiger

Yann Martel , Manfred Allié , Gabriele Kempf-Allié
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.09.2006
ISBN 9783596509560
Genre: Romane

Rezension:

4,5 Sterne


Warum ich keine 5 Sterne gegeben habe, wo ich doch die Überlebensgeschichte an sich einfach nur großartig fand? Weil mir Anfang und Ende nicht gefallen haben.

Der Beginn war ein wenig langweilig, aber nicht uninteressant, denn man erfuhr außer den familiären Gegebenheiten - der Vater ein Zoodirektor - viel über Verhaltensweisen von Tieren und neuartige Gedanken zu Zoos. Die Überlegungen zu den Weltreligionen hätten für mich nicht sein müssen. Sie sind wahrscheinlich auch der Grund, warum einige Leser nach meiner Meinung allzu viel Religiöses hinein interpretieren.

Das Ende fand ich enttäuschend und einfach nicht passend zur ansonsten großartigen Geschichte. Und die ist wahrscheinlich den meisten bekannt:

Piscine Molitor Patel, der Pi genannt werden will, erleidet als Halbwüchsiger Schiffbruch und mit ihm retten sich einige wilde Tiere auf das Rettungsboot, darunter ein Königstiger mit Namen Richard Parker. Wie es Pi gelingt, sich mit dem wilden Raubtier einigermaßen zu arrangieren, die Gedanken zu Leben und Tod, die Beschreibungen des Meeres und des Himmels - das ist einfach nur großartig, voller grandioser Bilder und spannend obendrein.

Trotz Anfang und Ende, die mir nicht gefallen haben, halte ich es für ein lesens- und empfehlenswertes Buch.

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